Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 5. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 5. Kapitel des Lukasevangeliums, die Verse 1-11. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Der Fischzug des Petrus

Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, um das Wort Gottes zu hören, da stand er am See Genezareth und sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus. Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon : Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus ! Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen. Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen. Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und mit ihnen ziehen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken. Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir ! Ich bin ein sündiger Mensch. Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die bei ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht ! Von nun an wirst du Menschen fangen. Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.

Liebe Gemeinde,

da saßen sie nun die Fischer und wuschen ihre Netze. Sie hatten die ganze Nacht hart gearbeitet, aber nichts gefangen. Nichts gefangen zu haben bedeutete aber auch kein Einkommen, kein Geld für den Lebensunterhalt und somit eine ungewisse Zukunft für sie alle.

Dies sind sicherlich Situationen, wie wir sie in den letzten Monaten alle schon einmal erlebt haben. Vor uns allen lag seit Mitte März eine Zukunft, die alles andere als berechenbar war. Und stellenweise ist sie es auch heute noch.

Und in eine solche Situation hinein präsentiert uns Jesus eine Hilfestellung, er stellt uns ein „Programm gegen Sorgen“ vor. Schauen wir uns doch das Anti-Sorgen-Programm von Jesus einmal etwas genauer an.

1. Fürchte dich nicht

Liebe Gemeinde, dies ist der häufigste Satz, den wir in der Bibel, sowohl im Alten Testament, als auch im Neuen Testament lesen können.

Dieses göttliche Fürchte Dich nicht ist etwas anders als das ganz lapidare menschliche „Da musst du keine Angst vor haben“. In diesem göttlichen Fürchte dich nicht steckt die gesamte Allmacht Gottes.

Gott liebt uns und will nur das Beste für uns. Und daher dürfen wir dem, der sagt. „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“ immer mehr vertrauen als irgendwelchen Wirtschaftsweisen, Virologen und anderen selbsternannten Zukunftsdeutern.

Derjenige, der Himmel und Erde gemacht hat regiert diese nämlich auch von Ewigkeit zu Ewigkeit. Und wenn derjenige zu mir sagt: Fürchte dich nicht, dann ist das schon beruhigend für mich.

Natürlich lösen sich nicht alle Probleme auf einmal, aber mit dieser Zusage im Gepäck kann ich neuen Mut und Kraft für meinen Weitermarsch auf Erden sammeln und muss nicht verzagt in der Ecke hocken und darauf warten, was denn noch alles schiefgehen mag.

2. Gottes Wort hören

Wir lesen am Anfang unseres Predigttextes, dass Jesus das Volk lehrte. Das waren damals keine Predigten von 20-30 Minuten. Das war schon mal eine über mehrere Stunden dauernde Unterweisung der Menschen.

Wenn wir uns die Bibel anschauen, dann lesen wir immer wieder, dass es dem Volk welches sich Gottes Wort zuwandte besser ging, als den anderen Völkern, die ihre Götzen anbeteten.

Lesen wir nur einmal das Buch der Psalmen. Ich empfehle uns allen den Psalm 23, welchen David geschrieben hat. Der Herr ist mein Hirte. Ist das nicht wunderbar ? Ich bin ein Teil seiner Herde, die er mit Argusaugen behütet und bewacht. Mir wird nichts mangeln. Genau so ist es, wenn ich mich auf IHN und seine Zusagen verlasse.

Auch wenn ich in Nöten stecke, dann verspricht er mir, dass er mich auf einer grünen Aue weiden wird und mich zum frischen Wasser führen wird. Das ist ein Sinnbild für Essen und Trinken und seelischem Wohlergehen unter seinem Schutz und Schirm.

Ich fürchte kein Unglück, denn dein Stecken und Stab trösten mich. David selbst war ja oft in weitaus größeren Nöten, als wir es vermutlich je sein werden. Und doch konnte gerade David diesen Psalm dichten, weil er die Fürsorge Gottes in allergrößten Nöten erlebt hatte.

Übrigens der Stecken diente dem Schäfer zur Abwehr von Gefahren. Wenn zum Beispiel wilde Tiere die Herde bedrohten, dann diente ihm der Stecken zur Abwehr. Mit dem Stab führte er seine Herde in die richtige Richtung.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen ein Leben lang. Aus all dem, was Davids mit Gott erlebt hatte durfte er schließen, dass dieser Beistand ihm erhalten bleibt sein ganzes Leben lang.

Wie David aus der Vergangenheit gelernt hat, so können wir aus vielen Beispielen der Bibel lernen, aber wir können uns auch selber einmal rückbesinnen in wie viel Not und Gefahr Gott bei uns war und uns behütet, beschützt und bewahrt hat.

3. Gottes Wort tun

Liebe Gemeinde, mit dem Hören allein ist es ja nicht getan. Wir müssen auch das tun, was Gott uns aufträgt. Und machnmal können die Aufträge, die Gott uns erteilt schon ein wenig verwunderlich klingen. So war es auch bei Petrus.

Die Fischer saßen am Rande des Sees und mittlerweile war es Tag geworden und auch schon sehr warm. Fische suchen immer die Kälte und weichen der Wärme aus. Und so tauchen die Fische im See Genezareth tagsüber auf bis zu 40 Meter ab. Und da konnten die Fischer mit ihren Netzten nunmal so gar nichts ausrichten. Und jetzt sagt Jesus, dass sie etwas tun sollen, was bar jeder Vernunft ist. Man geht doch besser nach Hause und ruht sich aus für die nächste Nacht, die dann hoffentlich erfolgreicher verlaufen wird.

Und da kommt das gewaltige Wort von Petrus: “ Aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen…“ Und wir haben ja gehört, was dann geschah. Soviel wir bei diesem Fischzug hatten die Fischer noch niemals in ihrem Leben gefangen. Sogar die Besatzung des anderen Bootes musste aushelfen, um die Netze an Land zu ziehen.

Und das geschah nur, weil Petrus den Auftrag von Jesus nicht hinterfragte, sondern 1:1 in die Praxis umsetzte.

Lassen Sie mich kurz noch ein letztes Beispiel nehmen. Als Josua den Auftrag von Gott erhielt, das Volk sicher über den Jordan zu führen kam er auch nicht an und sagte: Oje, oje was mach ich nur ? Kaum einer von denen kann schwimmen. Und die wenigen die schwimmen können werden ganz bestimmt von der Strömung mitgerissen. Da kommt doch keiner sicher an. Wir suchen uns lieber eine Brücke.

Nein, Josua machte genau das, was Gott von ihm wollte. Und das sollen wir alle immer wieder auch tun. Auf Gott hören und das, was er uns sagt sofort in die Tat umsetzen. Nicht irgendwann und irgendwo, wenn es denn gerade mal passt, sondern hier und heute, wenn ER zu uns spricht.

Wenn wir regelmäßig sein Wort studieren, dann erfahren wir immer wieder wie Gott aus aussichtslosen Situationen Hilfe und Rettung brachte. Und dieser Gott lebt auch heute noch und will auch uns Rettung und Hilfe bringen. Wir müssen ihm nur vertrauen und das machen, was ER will und nicht das, was wir für am sinnvollsten erachten.

Lassen Sie uns nunmehr zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes unseren Herrn gemeinsam loben, indem wir zusammen den dritten Vers des Liedes „Lobe den Herren…“, (EG 319) von Joachim Neander singen, der da lautet, wie folgt:

Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet,
der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet.
In wieviel Not hat nicht der gnädige Gott über dir Flügel gebreitet !

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 22. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 7. Kapitel des Römerbriefes, die Verse 14-25 a. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Denn wir wissen, dass das Gesetz geistlich ist; ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft. Denn ich weiß nicht, was ich tue. Denn ich tue nicht, was ich will; sondern was ich hasse, das tue ich. Wenn ich aber das tue, was ich nicht will, so gebe ich zu, dass das Gesetz gut ist. So tue nun nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt. Wollen habe ich wohl, aber das Gute vollbringen kann ich nicht. Denn das Gute, das ich will, dass tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, das tue ich. Wenn ich aber tue, was ich nicht will, so tue nicht ich es, sondern die Sünde, die in mir wohnt. So finde ich nun das Gesetz, dass mir, der ich das Gute tun will, das Böse anhängt. Denn ich hab Lust an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen. Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüt und hält mich gefangen im Gesetz der Sünde, das in meinen Gliedern ist. Ich elender Mensch ! Wer wird mich erlösen von diesem todverfallenen Leibe? Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn! So diene ich nun mit dem Gemüt dem Gesetz Gottes, aber mit dem Fleisch dem Gesetz der Sünde.

Liebe Gemeinde,

der Apostel Paulus steckt offenbar in dem Dilemma. Was er gern tun möchte das tut er nicht, und was er besser lassen sollte, genau das tut er. Das kommt uns doch sicherlich allen ein wenig bekannt vor. Wie oft sagen wir: „Eigentlich hätte ich ja…, oder „Besser wäre es gewesen, wenn…“. Lassen Sie uns dieses Weltendilemma doch einmal etwas genauer anschauen:

1. Wollen und Tun

Eigentlich, so könnte man denken, sollten wir als Christen doch wissen was wir tun sollen und eigentlich sollten wie dies doch auch wollen. Denn schließlich sind wir ja nicht von irgendeiner Institution zwangsbekehrt worden, sondern haben aus eigenen Stücken genau diesen Weg eingeschlagen.

Und doch klappt das irgendwie nicht. Auch wenn wir uns noch so sehr anstrengen und bemühen. Und das ist auch ganz normal in dier Welt. Dies bedarf sicherlich einer Erklärung.

Nun, als wir uns bekehrt haben, gewann der Geist in uns die Herrschaft über uns und unser Leben. Wir wurden also vor Gott ein neuer Mensch, ein Mensch, der wieder freien Zugang zu Gott hat, weil ein anderer für unsere Sünden bezahlt hat und wir fortan vor Gott als sündlos gelten.

Nun hat bekanntermaßen jede Medaille zwei Seiten. Die andere Seite ist das Fleisch, also unser alter Mensch. In uns wohnt also sowohl der neue, von Sünden befreite Geist und zugleich auch der alte Mensch.

Dass es dort zu Auseinandersetzungen zwischen diesen beiden kommt ist so sicher, wie das berühmte Amen in unserer Kirche.

Würde dieser innere Zwiespalt nicht in uns toben, dann würde auch der Heilige Geist nicht in uns wohnen. Wir würden weiterhin in unserem alten Sündentrott leben und uns auch ganz wohl dabei fühlen, da es ja eben nicht zu dem Kampf Geist gegen Fleisch kommt.

Das bedeutet aber auch auf der anderen Seite die ewige Verlorenheit. Der innere Kampf, der in uns tobt, führt uns immer wieder auf unsere Lebensspur mit Gott. Vergleichen wir dies ruhig einmal mit einem Zug. Als wir den Zug Richtung Himmel bestiegen haben, da regierte uns der Heilige Geist. Aber der Teufel bringt uns immer wieder dazu, die Weichen ein wenig anders zu stellen um falsch abzubiegen. Und dann kommt der Heilige Geist und bringt uns wieder auf das richtige Gleis, welches uns Richtung Heimat und damit in den Himmel führt.

Wichtig ist es also, dass wir erkennen, dass diese innere Zerrissenheit von Gott her kommt, und einzig und allein den Zweck hat, uns wieder auf die richtige Spur zu leiten.

2. Das Gesetz

Stellen wir uns doch einmal einen Staat vor, in welchem es keine Gesetze gibt. Alles wäre erlaubt und nichts wäre verboten. Natürlich würde dieser Staat binnen kurzer Zeit untergehen, da sich vermutlich die Menschen untereinander zerfleischen würden.

Ein Staat, der auf soliden Gesetzen aufgebaut ist, gibt seinen Bürgern indes eine Richtschnur an die Hand. Halten sie sich an das Gesetz, dann ist alles gut, halten sie sich nicht an das Gesetz, dann drohen ihnen staatliche Repressalien. Die Menschen sollen also durch das Gesetz in der Lage sein, gut und böse zu unterscheiden.

Ähnlich ist es mit Gottes Gesetz, welches er uns in der Bibel gegeben hat. Dies soll uns als Richtschnur für unser Leben dienen und uns zeigen was gut und was böse ist. Und wenn wir alles einhalten, ja, liebe Gemeinde, wenn wir wirklich alles einhalten, dann kommen wir auch in den Himmel.

Aber wenn wir uns Gottes Gesetz einmal etwas näher betrachten, dann erkennen wir unschwer, dass kein Mensch in der Lage ist, alle Vorschriften dieses Gesetzes einzuhalten. Und jeder Verstoß, häufig auch schon allein der Gedanke daran, ist vor Gott eine Sünde. Und auch mit nur einer Sünde im Gepäck geht es eben nicht im den Himmel, sondern in die Hölle.

Und darum können wir es jetzt vielleicht ganz gut verstehen, wenn Paulus sagt: „Ich elender Mensch!!!. Und das müssen wir alle sagen, wenn wir erkennen, dass wir Gottes Gesetz gar nicht einhalten können.

Halten wir einmal fest: Wir alle haben die Hölle, aber nicht den Himmel verdient. Ich nehme mal an, dass keiner von uns die Ewigkeit in der Hölle verbringen will. Also bleibt noch die Frage offen, wie wir denn trotzdem noch in den Himmel kommen können.

3. Der Ausweg

Paulus nennt uns den einzigen Weg und den einzigen Ausweg, der sich uns bietet, damit wir der ewigen Verdammnis entkommen können.

Indem Jesus für all unsere Sünden mit seinem Blut bezahlt hat, hat er uns auch von dem Gesetz befreit. Wir können jetzt das Gesetz als Richtschnur für unser Leben erkennen und nicht mehr als Damoklesschwert, welches drohend über unserer Zukunft schwebt.

Natürlich sollen wir nach bestem Wissen und Gewissen uns an das halten, was Gott uns geboten hat. Aber der Herr Jesus hat auch für unsere zukünftigen Sünden bereits bezahlt. Sollte also wieder einmal der Super GAU der Sünde eintreten, dann dürfen wir uns auch dann wieder auf die Gnadentat unseres Herrn berufen.

Und so dürfen wir auch in die Worte des Apostels Paulus einstimmen, wenn er gegen Ende unsers Predigttextes die Worte spricht: „Dank sei Gott durch Jesus Christus, unsern Herrn!

Lassen Sie uns dem Herrn für seine Erlösungstat danken, indem wir gemeinsam in den 1. und 2. Vers des Liedes von Christoph Fischer „Wir danken der Herr Jesu Christ…“ (EG 79) einstimmen, die da lauten wie folgt:

Wir danken dir, Herr Jesu Christ, dass du für uns gestorben bist
und hast uns durch dein teures Blut gemacht vor Gott gerecht und gut,
und bitten dich, wahr Mensch und Gott, durch dein heilig fünf Wunden rot:
Erlös uns von dem ewgen Tod und tröst uns in der letzten Not.

Der Herr segne dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 21. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Propheten Jeremia, Kapitel 1, die Verse 1, 4-7 und 10-14. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Dies sind die Worte des Briefes, den der Prophet Jeremia von Jerusalem sandte an den Rest der Ältesten, die weggeführt waren, an die Priester und Propheten und an das ganze Volk, das Nebukadnezar von Israel nach Babel weggeführt hatte.

So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels, zu den Weggeführten, die ich von Jerusalem nach Babel habe wegführen lassen: Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und esst ihre Früchte; nehmt euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter, nehmt für eure Söhne Frauen und gebt eure Töchter Männern, dass sie Söhne und Töchter gebären; mehret euch dort, dass ihr nicht weniger werdet.

Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum Herrn; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s auch euch wohl. Denn so spricht der Herr: Wenn für Babel siebzig Jahre voll sind, so will ich euch heimsuchen und will mein gnädiges Wort an euch erfüllen, dass ich euch wieder an diesen Ort bringe.

Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leidens, dass ich euch gebe das Ende, des ihr wartet. Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten und ich will euch erhören. Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der Herr, und will eure Gefangenschaft wenden und euch sammeln aus allen Völkern und von allen Orten, wohin ich euch verstoßen habe, spricht der Herr, und will euch wieder an diesen Ort bringen, von wo ich euch habe wegführen lassen.

Liebe Gemeinde,

Briefe sind ja heute weitestgehend aus der Mode gekommen. Heute schreiben wir ja lieber E-Mails, SMS oder Whatsapp.

Unser Predigttext handelt von einem Trostbrief, den der Prophet Jeremia an die Menschen geschrieben hat, welche von Nebukadnezar in die babylonische Gefangenschaft geführt worden sind. Ein Brief aus der Heimat an die Weggeführten.

Mein Vater, der 7 Jahre lang in russischer Kriegsgefangenschaft verweilte, sagte mir einmal, dass es gerade diese Nachrichten aus der Heimat waren, die ihm immer wieder Hoffnung und Trost gegeben haben.

Und so will auch Jeremia den Weggeführten ein Stück weit Hoffnung geben. Schauen wir uns diesen Trost- und Hoffnungsbrief doch einmal etwas genauer an:

1. Gott ist immer noch bei Euch

Liebe Gemeinde, wenn uns etwas Schlimmes widerfährt, dann sind wir ja immer ganz schnell mit dem Satz dabei: Wie konnte Gott das nur zulassen ? Auch wenn wir uns die Nachrichten anschauen, dann könnten wir uns manchmal diese Frage stellen. Wo war Gott denn bei dem Erdbeben in Indonesien ? Wo war Gott denn, als Christen von den Schergen des IS abgeschlachtet worden sind ? Wo war Gott denn im Dritten Reich, als Millionen von Juden ermordet worden sind ?

Diese Frage ist natürlich oberflächlich gestellt. Wir dürfen nämlich niemals vergessen, dass wir als erlöste Christen immer noch mitten in einer unerlösten Welt leben. Und wozu der unerlöste Mensch fähig ist, das haben wir ja soeben gesehen.

Und doch ist Gott da !!! Gott geht nämlich mit seinen leidenden Kindern mit. Egal, was uns auch immer widerfahren mag, Gott ist nur ein Gebet wie von uns entfernt. Genau das wollte Jeremia den Gefangenen mitteilen.

Gott will natürlich keinen Krieg und er wollte schon mal gar nicht, dass Verbrecher des Dritten Reiches sein geliebtes Volk massenweise ermordeten. Aber Gott ist bei all denen, die Leid erfahren. Gott begleitet seine geliebten Kinder durch alles Leid hindurch, welches sie durch die unerlöste Welt erleiden müssen.

Lassen Sie uns doch daran denken, wen wir einmal wieder versucht sind, uns selber die Frage zu stellen: Wie kann Gott das zulassen ?

2. Schau nach vorne

Es gibt ja sehr viele Menschen, die in ihrem Leid einfach gefangen sind, die den Blick nur nach rückwärts gerichtet haben. Diese Menschen nehmen meist gar nicht mehr war, dass das Leben eben doch weitergeht. Unter den von Nebukadnezar Weggeführten gab es sicherlich eine ganze Menge davon.

Und diesen sagte Jermia ganz pragmatisch: Macht einfach das Beste aus dieser Situation. Werft euer Vertrauen weiterhin auf Gott und baut euch dort eine Heimat auf, wo ihr gerade seid.

Denken wir doch einmal an die vielen Flüchtlinge in unserem Lande. Die meisten von ihnen würden doch am liebsten wieder in ihre Heimat zurückkehren. Hilft es ihnen, wenn sie hier Trübsal blasen ? Nein, natürlich nicht.

Aber wir können diesen Menschen helfen, indem wir sie offen aufnehmen und ihnen anbieten, sich bei uns während ihrer Hierseins heimisch zu fühlen.

Ab dem Moment, wo ich meine Lage richtig einschätze, ab dem Moment bin ich auch wieder fähig, nach vorne zu schauen und aus meiner vermeintlich misslichen Lage heraus nach vorne zu planen zu denken und zu handeln.

Das Wort geht aber nicht nur an Flüchtlinge, sondern auch an uns ganz persönlich. Auch wir sollen nicht an unserem Leid festhalten. Wir sollen wieder aktiv an der Gemeinschaft teilnehmen. Das bringt uns aus unserem Leid heraus und öffnet uns den Blick wieder nach vorne.

3. Hoffnung

Gott hat Gedanken des Friedens und nicht des Leides, so lesen wir es am Ende unseres heutigen Predigttextes.

Das hört sich ja gut an, aber jetzt, wo ich vermutlich so richtig tief im Schlamassel drin stecke, kann ich das so nicht glauben. Und doch ist es so.

Wenn jemand unter uns ist, der im Moment nicht weiterweiß, der sei an die Zusage unseres Herrn Jesus Christus erinnert, der uns am Ende des Matthäusevangeliums sagt: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Lassen Sie uns doch einfach nur dieser Zusage trauen und unser ganzes Vertrauen immer wieder darin setzen. Dann werden wir immer wieder die göttliche Kraft erhalten, auch durch das tiefste Leid an des Herren Hand hindurchzugehen.

Und wenn uns unser Herr sagt, dass ER bei uns ist, dann heißt das ja, dass ER lebt. Er ist nicht im Himmel ferne, da wo die Englein sind, nein unser Herr ist immer bei uns. Er wartet förmlich nur darauf, dass wir ihn anrufen und um seinen Beistand bitten.

Das empfiehlt schließlich auch Jeremia den Gefangenen in der babylonischen Gefangenschaft.

Und das Schöne ist, dass das, was damals galt, auch heute nichts von seiner Gültigkeit eingebüßt hat.

Wenn das stimmt, und es stimmt tatsächlich, dann bleibt uns doch gar nichts anderes übrig, als mit einer heiteren Gelassenheit durch unser ganzes Leben zu gehen und immer wieder dem zu vertrauen, der bei uns ist alle Tage bis an der Welt Ende.

Dieses Vertrauen in unseren Herrn beschreibt der Liederdichter Paul Gerhardt sehr schön in dem zweiten Vers seines Liedes : „Befiehl du deine Wege…“ (EG 361), der da lautet, wie folgt:

Dem Herren musst du trauen, wenn dir’s soll wohlergehn;
auf sein Werk musst du schauen, wenn dein Werk soll bestehn.
Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein
lässt Gott sich gar nichts nehmen, es muss erbeten sein.

Der Herr segne dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebes sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Bleiben Sie wohl behütet
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 20. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 7, die Verse 29-31. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Das sage ich aber, liebe Brüder: Die Zeit ist kurz. Fortan sollen auch die, die Frauen haben, sein, als hätten sie keine; und die weinen, als weinten sie nicht; und die sich freuen, als freuten sie sich nicht; und die kaufen, als behielten sie es nicht. Denn das Wesen dieser Welt vergeht.

Liebe Gemeinde,

als ich den Predigttext zum ersten Male gelesen habe, da kam so etwas wie Endzeitstimmung auf. Sollte uns Paulus wirklich verbieten nicht mehr zu heiraten, nicht mehr zu trauern, keine Freude mehr zu haben und auch unseren Konsum auf nahezu Null zurückzufahren?
Ich glaube, wir müssen unseren heutigen Predigttext wie eine Rechenaufgabe betrachten. Eine Klammeraufgabe, wo vor der Klammer und hinter der Klammer zwei wichtige Fakten stehen, die auf das Geschehen in der Klammer ganz andere Auswirkungen haben, als wir es beim ersten Hören vermuten würden. Schauen wir uns diese Rechenaufgabe einmal gemeinsam an:

1. Vor der Klammer: Die Zeit ist kurz

Wir kennen es wahrscheinlich alle, das Phänomen des letzten Augenblicks. Wenn es diesen nicht gäbe, dann würden vermutlich rund 80 % aller Aufgaben unerledigt bleiben. Das liegt unter anderem daran, dass wir Menschen gern dazu neigen, alles auf die lange Bank zu schieben bis es dann irgendwann allerhöchste Eisenbahn ist.

Paulus erinnert uns mit diesem Satz daran, dass wir in der Endzeit leben, also täglich damit rechnen können und dürfen, dass unser Herr wiederkommt. Dass er sich dafür fast schon 2000 Jahre Zeit gelassen hat, das spielt überhaupt keine Rolle. Keiner von uns weiß, wann dieser Moment sein wird.

Die Zeit ist kurz heißt aber auch für einen jeden von uns ganz persönlich, dass wir nur eine begrenzte Lebenszeit zur Verfügung haben um unsere Sache mit Gott in Ordnung zu bringen.
Da keiner von uns auch nur annähernd weiß, wann sein Leben hier auf Erden endet, ist es für alle, die noch nicht reinen Tisch mit Gott gemacht haben, allerhöchste Eisenbahn, dies möglichst sofort zu tun.

Wie bringe ich die Sache mit Gott denn nun in Ordnung? Nun, indem ich ihm meine Sünden bekenne und diese bereue und ihm mein Leben übergebe. Mehr ist nicht notwendig. Den Rest hat nämlich der Herr Jesus schon für uns am Kreuz getan.

2. In der Klammer

Keine Frauen: Das bedeutet natürlich nicht, dass wir nicht mehr heiraten sollen. Wir sollen nur im Angesicht der Tatsache, dass die Zeit kurz ist, die Prioritäten richtig setzen.

Nicht der Ehepartner, den wir vielleicht vergöttern soll die erste Stelle in unserem Leben einnehmen, sondern unserem Vater im Himmel allein gehört diese Ehre.

Keine Trauer: Paulus schreibt uns auch nicht vor, dass wir nicht mehr um unsere Lieben trauern dürfen. Das darf und das muss auch sein. Aber es gibt Menschen, die ganz in ihrer Trauer vergehen. Diese Menschen leben nur noch in der Trauer und sind zu nichts anderem mehr fähig.

Und hier sagt Paulus klipp und klar, dass dies nicht sein darf. Paulus fordert die Trauernden auf, den Blick nach vorne zu richten und sich bewusst zu machen, dass der geliebte Mensch ja nicht irgendwo im Nirwana verschwunden ist.

All unsere Lieben sind uns doch nur vorausgegangen. Wir werden sie alle einmal wiedersehen; nämlich genau dann, wenn auch wir den Weg in den Himmel antreten.

Keine Freude: Natürlich soll auch nach wie vor die Freude unser Leben bestimmen. Aber, so meint es Paulus, die Freude an und in unserem Herrn soll die allem anderen übergelagerte Freude sein.

Die rechte, wahre und andauernde Freude kann uns nur von unserem Herrn geschenkt werden. Darauf macht uns Paulus aufmerksam und warnt uns davor, die vollkommene Freude woanders als in unserem Herrn zu suchen.

Kein Konsum mehr: Das, liebe Gemeine, meint Paulus natürlich nicht. Hier zeigt uns Paulus auf, dass wir unsere Herzen eben nicht an die vergänglichen Dinge dieser Welt hängen sollen, sondern wir sollen unsere Herzen allein an unseren Herrn hängen.

Spätestens, wenn wir unseren irdischen Körper verlassen müssen, dann werden wir auch all das, was wir uns auf Erden gekauft haben, zurücklassen müssen. Allein die Liebe zu unserem Herrn wird uns auf diesem Wege begleiten.

Gerade in unserer Zeit, die durch ein übersteigertes Konsumverhalten nach mehr und noch mehr gekennzeichnet ist, will uns Paulus zurufen: Bleibt bescheiden, richtet eure Augen auf den Herrn.

3. Nach der Klammer: Das Wesen der Welt vergeht

Wenn wir einen Blick in die letzten Kapitel der Offenbarung werfen, dann sehen wir dort, was am Ende der Zeit mit der Welt in der wir leben, passiert.

Sie wird von Gott durch einen neuen Himmel und eine neue Erde ersetzt werden, indem vollkommen andere Maßstäbe herrschen als hier auf Erden. Wirklich paradiesische Zustände werden wir erleben dürfen.

Warum schreibt Paulus diesen Satz an das Ende des heutigen Predigttextes?
Eingangs hat er uns ja darauf hingewiesen, dass die Zeit kurz ist. Und wir haben auch ganz konkrete Hinweise erhalten, wie wir uns hier auf Erden verhalten sollen.

Wenn wir nun wissen, was uns im Himmel erwartet, dann könnten wir doch schon hier auf Erden versuchen, ein Stück weit „Himmel auf Erden“ zu schaffen.

Wenn wir Jesus befragen würden, wie wir das anstellen sollen, dann könnte er uns als Antwort das Doppelgebot der nennen. Dass wir Gott lieben, davon gehe ich mal aus. Aber lieben wir auch unseren Nächsten wie uns selbst? Ich glaube, daran könnten wir noch arbeiten, nicht an der Nächstenliebe, sondern an der Eigenliebe.

Von einer gesunden Eigenliebe geht nämlich der Weg hin zu einer unverkrampften und ehrlichen Nächstenliebe. Wenn wir dies konsequent umsetzen, dann haben wir in der Tat schon ein Stück weit den Himmel auf Erden geschaffen.

Einen Weg, wie wir es schaffen können, den Weg der Nächstenliebe zu beschreiten, den beschreibt der Liederdichter Gerhard Tersteegen in seinem Lied „Ich bete an die Macht der Liebe…“ (EG 661), dessen zweiter Vers lautet, wie folgt:

Ich bete an die Macht der Liebe, die sich in Jesus offenbart;
ich geb mich hin dem freien Triebe, wodurch ich Wurm geliebet ward;
ich will, anstatt an mich zu denken, ins Meer der Liebe mich versenken.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und eine guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr
Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Erntedanktag des Jahres 2018. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Timotheusbrief, Kapitel 4, die Verse 4-5. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen wird; denn es wird geheiligt durch das Wort Gottes und Gebet.

Liebe Gemeinde,

Erntedanktag, das Wort beinhaltet ja schon das Wort Dank. Und doch geht es um weit mehr, als nur um den Dank. Ein Landwirtschaftsjahr neigt sich dem Ende, Zeit einmal Bilanz zu ziehen. Vieles ist in diesem Jahr geschehen. Dürre und Starkregenfälle haben der Ernte stark zugesetzt. Und doch ist wieder alles zu einem guten Ende gekommen. Schauen wir uns doch heute einmal anhand eines Landwirtschaftsjahres den Kreislauf des Dankens an und wie Bitten, Empfangen und Danken zusammenhängen:

1. Bitten

Gerade in der Landwirtschaft wissen wir nicht, was alles passieren wird. Der letzte Sommer war total verregnet, der diesjährige Sommer weitaus zu trocken.

Gerade weil wir nicht wissen was die Zukunft bringt, dürfen wir all unsere Nöte und Sorgen vor den Herrn tragen. Er sagt ja in Johannes 14,13: “ Und was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun.“ Das bedeutet nun beileibe nicht, dass unser Herr ein Wunscherfüllung-Automat ist, wo man oben die Wünsche eingibt und sie unten herauskommen.

Er sagt ja, was ihr bitten werdet IN MEINEM NAMEN. Und das erinnert uns doch stark an das Vaterunser, wo wir beten „Dein Wille geschehe“. Wir dürfen Gott all unsere Bitten vorlegen, ER wird aber immer nur diejenigen Wünsche erfüllen, die zu unserem Besten dienen. Auch wenn wir dies auf den ersten Blick gar nicht einsehen können oder wollen.

Gerade im Bitten zeigt sich unser Vertrauen auf den Herrn. Wo wir nicht mehr weiterkönnen, da können wir ihn um seine Hilfe bitten. Und dann können wir ganz unbekümmert wieder unsers Weges gehen, wohlwissend dass da jemand im Hintergrund an unserem Anliegen arbeitet.
Wir werden immer wieder in Schwierigkeiten kommen, das steht außer Frage. Aber wir haben einen bei uns, der uns auch dabei zur Seite steht, wenn es darum geht, wie wir diese Schwierigkeiten bewältigen.

2. Empfangen

Empfangen heißt: Entgegennehmen, bekommen, erhalten. Dies sind also passive Vorgänge, wo wir selber nicht aktiv werden.

Aber dann muss es ja auf der anderen Seite einen geben, der uns diese Geschenke bereitet, die wir von ihm empfangen. Ja, den gibt es natürlich auch. Es ist unser himmlischer Vater, der uns das Geschenk der reichen Ernte, wie wir sie heute stellvertretend auf den Altären bewundern dürfen schenkt.

Wir müssen uns das einmal so vorstellen: Nach der Aussaat können wir rein gar nichts mehr für die Ernte tun. Wir können zwar mit den Pflanzen reden, macht aber wenig Sinn. Wir können sie auch jeden Tag aus dem Boden ziehen und schauen, ob sie schon Wurzeln getrieben haben, macht natürlich noch weniger Sinn.

Wir können aber auch abwarten bis zur Ernte und uns dann anschauen, was uns der Herr so alles geschenkt hat.

Das ist nicht nur in der Landwirtschaft so, das ist in unser aller Leben genauso. Viele Dinge in unserem Leben entziehen sich unserem Einfluss, da bleibt uns nur, abzuwarten und zu schauen, was der Herr daraus macht.

Es gibt ein sehr schönes altes Kirchenlied, welches dies beschreibt. Schauen wir uns den ersten Vers einmal an:

Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit,
den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit.
Wer Gott, dem Allerhöchsten traut, der hat auf keinen Sand gebaut.

Geben wir doch dem Herrn auch in unserem Leben vertrauensvoll die Zeit, damit er in uns und an uns und für uns wirken kann.

3. Danken

Jetzt kommen wir zu dem zentralen Thema des heutigen Tages, dem Thema Danken. Am heutigen Tage danken wir dem Herrn, dass er uns auch für das kommende Jahr wieder mit Nahrungsmitteln versorgt hat.

Ja, liebe Gemeinde, auch wenn das Brot aus dem Supermarkt kommt, aber ohne den Weizen auf unserem Altar gäbe es kein Brot. In unserer Zeit nehmen wir vieles als allzu selbstverständlich hin.

Es ist kein Problem, sich an allen Ecken und Enden mit Nahrungsmitteln 24 Stunden am Tag zu versorgen. In Afrika sieht die Sache schon ganz anders aus. Da sind Menschen schon froh, wenn sie überhaupt einen Schale Reis am Tag zusammenbekommen. Von sauberem Trinkwasser, welches bei uns aus dem Wasserhahn kommt mal ganz zu schweigen.

Wenn wir uns dies wieder einmal bewusst machen, dann fällt es uns sicherlich ganz leicht, unserem Herrn jeden Tag für unser täglich Brot zu danken.
Wen mir wieder einmal bewusst wird, wer denn alles, was wir hier sehen, hat wachsen lassen, dann komme ich auch ganz schnell von meinem hohen Ross herunter. Wir haben eben nicht alles selbst in der Hand, wie wir es irrtümlicherweise so gern annehmen.

Wenn ER nicht Wachsen und Gedeihen schenkt, dann brauchen wir gar nicht auf die realen Felder und die Felder unseres Lebens zu gehen, um eine Ernte einzufahren.

Ich bin ganz bestimmt kein Umweltaktivist. Dafür fehlen mir auch die Kenntnisse. Aber eines weiß ich: Wir können noch so viel Dünger auf die Felder bringen und noch so viele Pestizide anwenden, wenn ER es nicht wachsen lässt, dann sind all unsere Bemühungen umsonst.
Lassen Sie uns dem Herrn zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes danken, indem wir gemeinsam in den 8. Vers des Liedes „Geh aus mein Herz, und suche Freud“ (EG 503) von Paul Gerhardt einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun
erweckt mir alle Sinnen;
ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt,
aus meinem Herzen rinnen, aus meinem Herzen rinnen.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Erntedanktag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr
Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 18. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 2. Kapitel des Jakobusbriefes, die Verse 1-13. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Kein Ansehen der Person in der Gemeinde

Liebe Brüder, haltet den Glauben an Jesus Christus, unsern Herrn der Herrlichkeit, frei von allem Ansehen der Person. Denn wenn in eure Versammlung ein Mann käme mit einem goldenen Ring und in herrlicher Kleidung, es käme aber auch ein Armer in unsauberer Kleidung, und ihr sähet auf den, der herrlich gekleidet ist, und sprächet zu ihm: Setzt du dich hierher auf den guten Platz !, und sprächt zu dem Armen: Stell du dich dorthin !, oder: Setze dich unten zu meinen Füßen !, ist’s recht, dass ihr solche Unterschiede bei euch macht und urteilt mit bösen Gedanken?

Hört zu, meine lieben Brüder! Hat nicht Gott erwählt die Armen in der Welt, die im Glauben reich sind und Erben des Reichs, das er verheißen hat denen, die ihn lieb haben? Ihr aber habt dem Armen Unehre angetan. Sind es nicht die Reichen, die Gewalt gegen euch üben und euch vor Gericht ziehen? Verlästern sie nicht den guten Namen, der über euch genannt ist?

Wenn ihr das königliche Gesetz erfüllt nach der Schrift (3.Mose 19,18) “ Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“, so tut ihr recht; wenn ihr aber die Person anseht, tut ihr Sünde und werdet überführt vom Gesetz als Übertreter. Denn wenn jemand das ganze Gesetz hält und sündigt gegen ein einziges Gebot, der ist am ganzen Gesetz schuldig. Denn der gesagt hat (2. Mose 20, 13-14) “ Du sollst nicht ehebrechen“, der hat auch gesagt: „Du sollst nicht töten“.

Wenn du nun nicht die Ehe brichst, tötest aber, bist du ein Übertreter des Gesetzes. Redet so und handelt so wie die Leute, die durchs Gesetz der Freiheit gerichtet werden sollen. Denn es wird ein unbarmherziges Gericht über den ergehen, der nicht Barmherzigkeit getan hat; Barmherzigkeit aber triumphiert über das Gericht.

Liebe Gemeinde,

kein Ansehen der Person in der Gemeinde, so ist unser heutiger Predigttext überschrieben. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, birgt aber doch so manche Tücken in sich. Aber unser Predigttext gibt uns noch weitere Hinweise, die für uns als Gemeinde wichtig sind. Lassen Sie uns diese Hinweise heute Morgen ein wenig näher betrachten:

1. Der Reiche

Wenn Bill Gates oder Herr Zuckerberg ein Interview geben, dann lauscht die halbe Welt ehrfürchtig den Worten, die sie und verkünden. Wird Otto Normalverbraucher befragt, interessiert dies keinen Menschen.

Es geht schon eine gewisse Faszination aus von den Reichen dieser Welt. Man möchte vielleicht auch so sein, wie sie und erhofft sich den einen oder anderen Tipp von ihnen.

Demzufolge behandelt man sie auch zuvorkommender als andere Menschen. Und genau hier setzt Jakobus ein und sagt uns, dass ein derartiges Verhalten in der Gemeinde nichts zu suchen hat.

Natürlich übertragen wir Weltverhalten gern auf unsere Gemeinden. Und hiervor sollen wir uns hüten. In unseren Gemeinden soll ein ganz anderer im Mittelpunkt stehen, nämlich unser Herr Jesus Christus.

Sobald wir aber einen anderen Menschen in den Mittelpunkt stellen, laufen wir Gefahr uns von unserem geistlichen Zentrum zu entfernen.

In den USA gibt es eine religiöse Bewegung, die sich allein dem Reichtum verschrieben hat und allen Mitgliedern Reichtum ohne Ende verspricht, wenn sie nur genügend für Jesus abgeben. Geblendet von dieser Aussicht auf Reichtum haben schon hunderte von Menschen ihr gesamtes Vermögen verloren. Natürlich blieb bei allen, bis auf die Kirchenobersten, der versprochene Geldsegen aus.

Zudem ist Reichtum auch gefährlich; er kann nämlich arm machen, und zwar geistlich arm. Wenn ich mich nur auf meinen Reichtum verlasse, ihn also zu meinem Gott erkläre, dann verliere ich ganz schnell die persönliche Beziehung zu meinem Herrn und Heiland.

2. Der falsche Arme

Wenn Jakobus in unserem Predigttext von dem Armen spricht, dann meint er dies nur materiell.

Es gibt aber, wie wir eben schon gesehen haben, eine weitere Lebensebene, welche nicht durch arm und reich klassifiziert ist. Das ist die geistliche Ebene, also die Ebene auf der wir als Christen leben.

Jeder, der mit dem Herrn Jesus unterwegs ist, wird mir zustimmen, dass dort Vermögensverhältnisse gar keine Rolle mehr spielen. Überall dort, wo mein Herr und Heiland im Mittelpunkt meines Lebens steht, da ist nur noch eines wirklich wertvoll, nämlich meine intakte Beziehung zu ihm.

Jeder, der mit Jesus unterwegs ist weiß, dass materieller Reichtum in gewissen Situationen zwar hilfreich sein kann, dieser aber keine Antwort auf die letztendlich wichtigen Fragen des Lebens bereithält.

Materieller Reichtum schützt nicht vor Krankheit und Tod und Hölle. Geistlicher Reichtum hingegen schützt natürlich auch nicht vor Krankheit und Tod. Aber er bringt uns nicht in die Hölle, sondern in den Himmel.

Und ein Leben mit meinem Herrn an meiner Seite führt mich zwar nicht am Leiden vorbei aber immer durch das Leiden hindurch. Und schlussendlich wenn ich meinen Körper auf Erden verlassen muss, darf ich sicher sein, dass meine Wohnung im Himmel schon bereit ist und ich dort Einzug halten kann. Denn dies hat der Herr Jesus uns allen ja ganz konkret versprochen.

Diese Predigt soll kein Plädoyer für Armut sein. Gott mag natürlich auch reiche Menschen. Jakobus will uns nur aufzeigen, dass wir in unserem Leben nicht die falschen Prioritäten setzen sollen.

3. Die Konsequenz

Gibt es etwas, was Beide, also der Reiche und der Arme tun können, ohne dass es einen Unterschied macht? Ja, liebe Gemeinde, das gibt es in Gottes Reich tatsächlich. Jakobus nennt es Barmherzigkeit.

Was ist das denn eigentlich, die Barmherzigkeit. Ein barmherziger Mensch öffnet sein Herz fremder Not und nimmt sich derer mildtätig an, so eine Definition des Begriffes Barmherzigkeit.

Und jetzt kommen wir auch schon wieder zu unseren beiden Menschen, dem Reichen und dem Armen. Wer öffnet sein Herz wohl eher fremder Not? Es dürfte kein Geheimnis sein, dass dies der Arme sein wird. Derjenige, der nur aus Gott heraus lebt, also eine lebendige Beziehung zu Gott unterhält, der wird auch in der Jüngerschule schon gelernt haben, dass es eine der christlichen Kardinaltugenden ist, Barmherzigkeit zu üben.

Der Reiche hingegen, der sich immer nur auf sein Geld und seinen Wohlstand verlassen hat, wird eher zurückhaltend sein, sein Herz fremder Not zu öffnen und sich derer auch noch mildtätig anzunehmen.

Und jetzt kommt die eigentliche Botschaft, die sich durch den gesamten Jakobusbrief zieht und die uns heute zum Schluss noch einmal richtig wachrütteln soll. Diese heißt: Vorleben und nicht vorschreiben.

Wir können noch so viel beten, noch so viel in der Bibel lesen, noch so viele Gottesdienste besuchen, aber wenn wir das, was wir dort erfahren nicht mit Leben füllen, dann ist unser Glaube irgendwo in der Tat unglaubwürdig.

Wen ich meinen Führerschein mache, dann lerne ich zunächst die Theorie. Danach bekomme ich Fahrunterweisungen der praktischen Art. Und dann nach der Prüfung werde ich in die Praxis entlassen.

In der Bibel lerne ich die Theorie. In der Gemeinschaft und im Gebet erahne ich wie ich alles praktisch umsetzen kann. Die Prüfung ist die Bekehrung. Und dann ist es wichtig, dass ich mein Wissen auch in die Tat umsetze. Das sagt uns Jakobus durch seinen ganzen Brief hindurch.

Lesen wir diesen Brief doch heute Nachmittag mal an einem Stück durch.

Lassen Sie uns zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes unserem Herrn danken, dass er uns arm gemacht hat, damit wir seinen Reichtum erst erkennen konnten. Lassen Sie uns dies mit dem ersten Vers des Liedes „Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn…“ (EG 644) von dem Liederdichter Heino Tangermann tun, der da lautet, wie folgt:

Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn, er hat dir viel Gutes getan.
Bedenke, in Jesus vergibt er dir gern, du darfst ihm, so wie du bist, nahn.
Barmherzig, geduldig und gnädig ist er, viel mehr als ein Vater es kann.
Er warf unsre Sünden ins äußerste Meer, kommt, betet den Ewigen an.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 16. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 12. Kapitel der Apostelgeschichte, die Verse 1-11. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Um diese Zeit legte der König Herodes Hand an einige von der Gemeinde, sie zu misshandeln. Er tötete aber Jakobus, den Bruder des Johannes mit dem Schwert. Und als er sah, dass es den Juden gefiel, fuhr er fort und nahm auch Petrus gefangen. Es waren aber eben die Tage der Ungesäuerten Brote. Als er ihn nun ergriffen hatte, warf er ihn ins Gefängnis und überantworte ihn vier Wachen von je vier Soldaten, ihn zu bewachen. Denn er gedachte, ihn nach dem Fest vor das Volk zu stellen. So wurde nun Petrus im Gefängnis festgehalten; aber die Gemeinde betete ohne Aufhören für ihn zu Gott. Und in jener Nacht, als ihn Herodes vorführen lassen wollte, schlief Petrus zwischen zwei Soldaten, mit zwei Ketten gefesselt, und die Wachen vor der Tür bewachten das Gefängnis. Und siehe, der Engel des Herrn kam herein und Licht leuchtete auf in dem Raum; und er stieß Petrus in die Seite und weckte ihn und sprach: Steh schnell auf!
Und die Ketten fielen ihm von den Händen. Und der Engel sprach zu ihm: Gürte dich und zieh deine Schuhe an! Und er tat es. Und er sprach zu ihm: Wirf deinen Mantel um und folge mir!
Und er ging hinaus und folgte ihm und wusste nicht, dass ihm das wahrhaftig geschehe durch den Engel, sondern meinte, eine Erscheinung zu sehen. Sie gingen aber durch die erste und zweite Wache und kamen zu dem eisernen Tor, das zur Stadt führt; das tat sich ihnen von selber auf. Und sie traten hinaus und gingen eine Straße weit, und alsbald verließ ihn der Engel. Und als Petrus zu sich gekommen war, sprach er: Nun weiß ich wahrhaftig, dass der Herr seinen Engel gesandt und mich aus der Hand des Herodes errettet hat und von allem, was das jüdische Volk erwartete.

Liebe Gemeinde,

auf den ersten Blick handelt es sich um eine Gefängnisgeschichte mit wunderbarer Befreiung. Das ist zwar richtig, aber es steckt doch noch ein wenig mehr dahinter, als wir es beim ersten Hören vermuten.

1. Die Nacht

Vermutlich wurde Petrus tagsüber überraschend festgenommen. Er hatte sich ja nichts vorzuwerfen. Er hatte nichts getan, was auch nur in die Nähe eines Verbrechens angesiedelt werden könnte. Und doch wurde er von der Staatsmacht inhaftiert.

So wie er also im finsteren Gefängnis saß, so umgab ihn sicherlich auch die geistliche Nacht. Wieso ich ? Wie kann Gott das zulassen? Wie soll es nur weitergehen? All das sind Fragen, die er sich vermutlich gestellt hat. Fragen, auf die er aber nicht sofort eine Antwort bekam.

Daher blieb er vorerst in der geistlichen Nacht. Haben wir das nicht alle schon einmal erlebt, diese geistliche Nacht. Vielleicht nach einer niederschmetternden Diagnose unseres Arztes, oder aber nach der Kündigung unsers Jobs.

Wir alle sind doch Gott treu gewesen und haben stets nach seinem Willen versucht zu leben. Wir haben doch alles für ihn getan und dann das.

„Aber die Gemeinde betete ohne Aufhören für ihn zu Gott“, so haben wir es soeben gehört. Ohne sein Dazutun hatte Petrus mächtige Verbündete, die für ihn beteten. Fürbitte, so hat es Paul Deitenbeck einmal treffend formuliert ist das Wirken in das Leben eines anderen Menschen hinein durch den Thron Gottes hindurch. Und dies tat die Gemeinde.

Nur mal so nebenbei bemerkt: Darum sind christliche Gemeinschaften auch so wichtig. Wir singen und beten nicht nur gemeinsam, sondern wir beten dort auch füreinander. Wohin dies mitunter führen kann, das sehen wir gleich.

2. Das Licht

Ein Engel betrat die Gefängniszelle und von einem Moment zum anderen wurde der Raum hell erleuchtet. Und damit war auch die geistliche Nacht für Petrus vorbei.

Wenn wir uns mal eben zurückerinnern, dann lag Petrus gefesselt an zwei Soldaten in der Zelle. Sie hätten doch eigentlich auch das Licht sehen müssen, als der Engel den Raum betrat. Offensichtlich sahen sie dieses Licht aber nicht.

Dieses Licht kann auch nur derjenige spüren und wahrnehmen, der sein Leben Gott übergeben hat. Paul Gerhardt beschreibt dies sehr schön, wie folgt: „Die Sonne, die mir lachet, ist mein Herr Jesus Christ; das, was mich singen machet, ist, was im Himmel ist.“

Aber der Herr Jesus tritt nicht nur in das Leben des Menschen als Licht ein. Er handelt auch ganz konkret. Petrus zum Beispiel befreite er von allen Fesseln, wieder ohne dass die Wärter es bemerkten.

Wie Gott Petrus damals von seinen Fesseln befreite, so will er uns auch heute noch von allem befreien, was uns von ihm trennt. Er möchte uns frei machen von allen Hindernissen, die uns an einem Leben mit ihm hindern.

Das können Fesseln diverser Süchte sein. Das können Fesseln von Götzen sein, die uns in ihrem Banne halten wollen. Das können aber auch Fesseln von Religionen sein, die uns den Weg zu Gott versperren. Es gibt sie leider auch heute immer noch. Religionsgemeinschaften, die mit einem kaum einhaltbaren Regelwerk ihre Mitglieder drangsalieren und ihnen weismachen wollen, dass nur so der Weg zu Gott gegangen werden kann.

Glauben wir Ihnen besser nicht. Vertrauen wir auf das Licht, das auch in unserem Leben leuchten möchte.

3. Offene Türen

Was nützen gesprengte Fesseln, wenn ich nur bis zur nächsten Wand laugen kann? Wohl gar nichts. Als Gott Petrus die Fesseln abgenommen hatte, öffnete er zugleich die Türen des Gefängnisses und zeigte Petrus den Weg aus seiner Gefangenschaft heraus in die Freiheit. Er musste diesen Weg nur noch gehen.

Und so ist es auch heute noch, liebe Gemeinde, Gott befreit uns nicht nur von unseren Fesseln, nein er zeigt uns auch den Weg ganz genau auf, der (wieder) zu ihm hinführt. Gehen, liebe Gemeinde, müssen wir aber schon selber.

Petrus saß ja schon ganz schön tief im Schlamassel. Am nächsten Tag sollte ihm der Prozess gemacht werden. Und der würde ganz bestimmt nicht gerade mit einem Freispruch enden.

Gott hilft aber spätestens rechtzeitig. Das durfte Petrus am eigenen Körper erleben. Und genau darauf dürfen wir uns auch heute noch verlassen. Auch wenn wir manchmal meinen, Gott habe uns vergessen in all unserem Leide. Einfach weiter auf sein Wirken vertrauen und ruhig und gelassen bleiben. Das sagt sich so einfach, das kann aber kaum einer. Darum dürfen wir uns auch in all unseren Nöten, Sorgen und Problemen mit unserem Gebet an unseren Herrn wenden.

Wir müssen nicht selber versuchen, uns aus unseren Fesseln zu befreien; wir müssen nicht gewaltsam Türen eintreten, um unseren Weg zu Gott zu finden. Wir dürfen im Gebet ganz gelassen bleiben und auf seine Hilfe warten.

Und das schönste kommt erst noch. Wenn Gott uns befreit uns leitet und führt, dann kommen wir immer in vorbereitete Verhältnisse hinein. So wie Gott in dem ganzen Umfeld des Gefängnisses tätig war, so arbeitet er auch in unser aller Umfeld. Pfuschen wir ihm also nicht ins Handwerk und warten geduldig, was er noch alles mit uns vorhat.

Das heißt nicht, faul in der Hängematte zu liegen und auf Gottes Ruf zu warten. Das hat schließlich Petrus auch nicht getan. Das bedeutet dass wir aus jeder Situation unseres Lebens mit Gottes Hilfe das Beste machen sollen, und nicht versuchen sollen krampfhafte eigene Befreiungsversuche zu starten.

Lassen Sie uns daher noch voller Gottvertrauen in den 1. Vers des Liedes „Ein feste Burg ist unser Gott… (EG 362) von Dr. Martin Luther einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen.
Der altböse Feind mit Ernst er’s jetzt meint;
groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist,
auf Erd ist nicht seinsgleichen.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 15. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Galaterbrief Kapitel 5, die Verse 25-26, und im Kapitel 6, die Verse 1-3 und 7-10. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln. Lasst uns nicht nach eitler Ehre trachten, einander nicht herausfordern und beneiden.
Liebe Brüder, wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid; und sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest. Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.
Denn wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst. Irret euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten: Denn was der Mensch sät, das wird er ernten.
Wer auf sein Fleisch sät, der wird von dem Fleisch des Verderbens ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist des ewigen Lebens ernten. Lasst uns aber Gutes tun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht nachlassen. Darum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.

Liebe Gemeinde,

der Galaterbrief ist der einzige Brief, welcher nicht mit schönen, zu Herzen gehenden Grußworten beginnt, sondern gleich mit heftiger Kritik durchstartet. Eigentlich so gar nicht die paulinische Art, aber die Galater hatten sich eben so verhalten, dass es einer massiven Kritik bedurfte, um sie wieder „auf Kurs“ zu bringen.

Vielleicht haben wir dies auch heute wieder einmal nötig. Schauen wir uns doch einmal an, was Paulus bemängelte und wozu er den Galatern geraten hat.

1. Geist versus Welt

Die Galater waren sehr schnell von den christlichen Werten abgehkehrt und wandten sich wieder der Welt zu. Nun hört sich das zunächst einmal ziemlich abstrakt an. Was bedeutet es denn eigentlich wenn wir „die Welt“ sagen?

Wer sich nicht im Geist, sondern in der Welt bewegt, der wird sehr schnell nach eitler Ehre trachten, wie es Paulus eingangs unseres Predigttextes sehr schön beschreibt. Eitle Ehre bedeutet, dass ich nicht auf das schaue, was Gottes Ehre dienlich ist, sondern nur noch auf mein eigenes Ansehen und Wohlergehen erpicht bin.

Ich befinde mich dann in einem ständigen Wettkampf mit meinen „Mitweltlern“, denen es ja genau so ergeht wie mir. Ein Hauen und Stechen um die besten Posten, um das meiste Geld und um das höhere Ansehen ist dann die Folge. Natürlich ist in dieser Welt kein Platz für die schwachen und minderbemittelten Menschen. Wer nicht mithalten kann der bleibt eben auf der Strecke. Ist ja auch ganz natürlich, jeder hat doch die gleiche Chance im Leben.

Und aus dieser ganzen Sucht nach eitler Ehre erwächst etwas ganz gefährliches, nämlich der Neid. Neid ist nichts anderes, als dass ich meinem Nächsten nicht das gönne, was er hat, sondern dies lieber für mich haben möchte. Neid verbleibt aber nicht im Kopf des Menschen. Neid führt auch meist zu Lug und Trug, wenn nicht gar zu Gewalt, um das zu haben, was mein Nächster hat.

Gewisse Parallelen können wir sicherlich alle erkennen, wenn wir uns heute einmal in den Betrieben, ja sogar schon in den Schulen umschauen.

Halten wir einmal fest: Bei dem Leben in der Welt ist nur einer wichtig; nämlich ICH.

Beim Leben im Geist sieht dies schon etwas anders aus. Ein Leben im Geist, wie es die Galater wieder führen sollen ist ein Leben, welches auf Gott und auf den Mitmenschen ausgerichtet ist.

„Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ So beschreibt Paulus ein Leben im Geist. Es geht eben nicht nur immer um mich und meine Bedürfnisse, sondern auch um die Bedürfnisse meiner Mitmenschen. Der Weg des Lebens geht weg vom ICH und hin zum DU.

Aus einem derartigen Leben kann logischerweise gar kein Neid entstehen, sondern es entsteht echte Sorge und Fürsorge für meine Mitmenschen.

2. Die Entscheidung

Die Galater glaubten, auf irgendwie beiden Ebenen, also in der Welt und im Geist leben zu können. Sonntags in der Kirche richtig schön fromm und ab Montag wieder so richtig nach den Maßstäben der Welt leben. Gibt es natürlich heute gar nicht mehr, oder etwa doch ?

Paulus beschreibt es klipp und klar, dass dies nicht funktioniert. Er sagt den Galatern sinngemäß: Wenn ihr ein Leben ohne Gott führen wollt, bitteschön, das könnt ihr machen. Aber, liebe Freunde, am Ende dieses Weges steht das ewige Verderben, also der Weg direkt in die Hölle.

Auf der anderen Seite könnt ihr aber den geistlichen Weg beschreiten, den Weg also, den Gott für euch vorgesehen hat. Dieser Weg ist zwar nicht immer angenehm, es kommen auch jede Menge Schwierigkeiten und Hindernisse auf euch zu, aber dieser Weg endet nicht in der Verdammnis, sondern im ewigen Leben.

3. Achtung Betrug

Liebe Gemeinde, wir kennen doch alle Menschen, die sehr viel über Jesus erzählen, ihren Reden aber keine Taten folgen lassen. Gern stehen sie im Mittelpunkt, wenn es um christliche Verkündigung geht. Aber wenn man einmal hinter die Kulissen schaut, dann sieht die Welt schon ein wenig anders aus.

Und hier warnt Paulus die Galater, indem er ihnen aufzeigt, dass es einen gibt, der auch hinter die Kulissen schauen kann und dem man nichts, aber auch gar nichts vormachen kann. Und das ist Gott selber.

Man verspottet Gott ja regelrecht, wenn man Jesus Christus bekennt und seinem Nächsten die kalte Schulter zeigt. Oder wenn man nur dann christliche Nächstenliebe ausübt, wenn dies von möglichst vielen Menschen gesehen wird.

In einem originären Christenleben sollte stets beides zusammenpassen das Wort und die Tat. Und das sieben Tage in der Woche, und 52 Wochen im Jahr.

Wie kriege ich so ein Leben hin, liebe Gemeinde? Wissen Sie was, das kriegt keiner von uns aus eigenen Stücken hin. Aber wir haben ja unseren Herrn an unserer Seite der sehnlichst darauf wartet, dass wir ihn bitten uns unseren Weg aufzuzeigen.

Neben der Bibel ist übrigens gerade ein ganz toller Ratgeber zu diesem Thema von Ulrich Parzany erschienen unter dem Titel: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“. Es lohnt sich meines Erachtens, dieses Werk zu studieren.

Zu einem originären Christenleben gehört es auch, unseren Herrn immerfort zu loben. Lassen Sie uns dies zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes tun, indem wir zusammen in den ersten Vers des Liedes „Großer Gott, wir loben dich…“ (EG 331) von Ignaz Franz einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Großer Gott, wir loben dich; Herr, wir preisen deine Stärke.
Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke.
Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und eine tolle Woche unter dem Schutz und Schirm unseres Herrn.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 14. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Brief des Paulus an die Thessalonicher, Kapitel 1, die Verse 2-10. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Der vorbildliche Glaube der Gemeinde

Wir danken Gott allezeit für euch alle und gedenken euer in unserm Gebet und denken ohne Unterlass vor Gott, unserm Vater, an euer Werk im Glauben und an eure Arbeit in der Liebe und an eure Geduld in der Hoffnung auf unsern Herrn Jesus Christus. Liebe Brüder, von Gott geliebt, wir wissen, dass ihr erwählt seid; denn unsere Predigt des Evangeliums kam zu euch nicht allein im Wort, sondern auch in der Kraft und in dem Heiligen Geist und in großer Gewissheit.
Ihr wisst ja, wie wir uns unter euch verhalten haben um euretwillen. Und ihr seid unserem Beispiel gefolgt und dem des Herrn und habt das Wort aufgenommen in großer Bedrängnis mit Freuden im Heiligen Geist, sodass ihr ein Vorbild geworden seid für alle Gläubigen in Mazedonien und Achaja. Denn von euch aus ist das Wort des Herrn erschollen nicht allein in Mazedonien und Achaja, sondern an allen Orten ist euer Glaube an Gott bekannt geworden, sodass wir es nicht nötig haben, etwas darüber zu sagen.
Denn sie selbst berichten von uns, welchen Eingang wir bei euch gefunden haben und wie ihr euch bekehrt habt zu Gott von den Abgöttern, zu dienen dem lebendigen und wahren Gott und zu warten auf seinen Sohn vom Himmel, den er auferweckt hat von den Toten, Jesus, der uns von dem zuküftigen Zorn errettet.

Liebe Gemeinde,

wie es scheint, lobt Paulus die Gemeinde in Thessalonich über den grünen Klee. In kaum einem anderen Brief wird die Gemeinde so intensiv gelobt wir in unserem heutigen Predigttext. Warum lobt Paulus diese Gemeinde so über alle Maßen und was zeichnet diese Gemeinde als etwas so besonders aus? Lassen Sie uns darüber heute Morgen einmal gemeinsam nachdenken.

1. Wort aufnehmen

Liebe Gemeinde, wir hören natürlich alle auf das, was uns der Predigttext sagen möchte. Aber setzen wir auch das um, was uns Sonntag für Sonntag berichtet wird? Die Gemeinde in Thessalonich war eine solche Gemeinde, die das Wort nicht nur hörte, sondern es auch 1:1 in die Tat umsetzte.

Wir hören ja nicht am Sonntag Gottes Wort, um es dann für eine Woche in die Ecke zu stellen. Auch wir, die wir heute Morgen beisammen sind, sollen das, was uns Gott sagen möchte auch in die Tat umsetzen.

„Mit Freuden im Heiligen Geist“, so schreibt es Paulus haben die Thessalonicher das Wort aufgenommen.

Der Heilige Geist kann ja nur dann in mir wirken, wenn ich ihn auch wirken lasse. Wenn ich miesepeterig meine Bibel lese, meine Zeit im Gottesdienst absitze und dabei nicht bei der Sache bin, weil mich das Ganze sowieso nicht so richtig interessiert, dann wird auch der Heilige Geist auch kaum in mir wirken.

Wenn ich aber neugierig bin auf Gottes Wort und wissen möchte, was er mir sagen will, dann wird der Heilige Geist in mir wirken. Er wird mich lenken und führen und mich auf rechtem Wege leiten, damit ich das, was Gott von mir möchte, auch in mit einem freudigen Herzen umsetzen kann.

Das geht natürlich nicht mal eben so im Vorbeigehen, dazu bedarf es schon der Ruhe und Stille, damit ich SEIN Wort auch verstehen kann.

2. Abkehr von Götzen

Bekehrung, liebe Gemeinde ist die eine Sache, die Abkehr von den Götzen hingegen eine ganz andere. Was sind eigentlich Götzen?

Götzen sind alle Dinge in unserem Leben, die uns von unserer Gemeinschaft mit unserem Herrn wegbringen wollen, oder aber diese Gemeinschaft stören wollen oder aber anstelle dieser Gemeinschaft treten wollen.

Das hört sich sehr theoretisch an, daher ein paar Beispiele. Der Teufel ist ein Paradebeispiel für jemanden, der uns von Gott wegbringen möchte und zu sich in seinen Bann ziehen möchte. Der Teufel arbeitet sehr, sehr intelligent. Er sagt zum Beispiel nicht: „Es gibt doch gar keinen Gott“, sondern er lädt uns ein, mit ihm doch einmal über Theologie zu diskutieren. Und dann stellt er eine Tatsache nach der anderen in Frage, bis wir schließlich total verunsichert sind.

Die christliche Gemeinschaft lebt ja gerade von und in dieser Gemeinschaft. Wenn mich Geld, Karriere und Hobbys daran hindern, an der Gemeinschaft teilzuhaben, dann muss ich mir auch hier die Wertefrage stellen.

Im Prinzip können wir sagen, dass alles, was uns wichtiger ist als Gott, schon in die Nähe des Götzen rückt. Und dabei sollten wir höllisch aufpassen, dass diese Dinge nicht unsere Beziehung mit Gott durcheinanderbringen.

3. Die Praxis

Wie gehen wir denn nun ganz praktisch als Christen mit der Welt und der Gemeinde um ? Auch hier sagt uns Paulus drei Kennzeichen, die er an der Gemeinde in Thessalonich so besonders schätzt.

Wir sollen in Liebe miteinander umgehen. Natürlich gibt es in jeder Gemeinschaft auch Meinungsverschiedenheiten. Diese sollen wir aber nicht im Streit, sondern in Liebe lösen. Am besten macht man das, indem man nicht das sucht, was uns trennt, sondern nach dem Ausschau hält, was uns verbindet. Dann kommt man in der Regel sehr schnell zu dem Ergebnis, dass es gar keinen Raum für Streit mehr geben kann, da das, was uns verbindet, immer größer ist, als das, was uns voneinander trennt.

Wir sollen in Geduld miteinander umgehen. Wenn etwas nicht so klappt, wie wir es uns wünschen, dann neigen wir ja schnell mal dazu ungeduldig zu werden. Da ist der neue Bruder, der mit seinen Fragen anfängt zu nerven. Wir haben es ihm doch schon dutzende Male erklärt. Und dann ist da noch der Bruder, der immer wieder den gleichen Fehler macht. Man könnte aus der Haut fahren.

Was Geduld heißt, das hat Jesus dem Petrus auf seine Frage hin geantwortet, wie oft man seinem Gegenüber verzeihen muss. Nicht sieben Mal, sondern siebzig Mal sieben Mal.

Wir sollen die Hoffnung in uns tragen. Hoffnung, liebe Gemeinde ist ein Leben hin auf das, was wir noch nicht sehen können, von dem wir aber überzeugt sind, dass es kommen wird. Wenn dies in der Gemeinschaft geschieht, dann stärkt der eine den anderen, wenn dieser einmal ins zweifeln kommen sollte.

Wie er auf Hoffnung hin lebt, dass erklärte der Theologe Helmut Thielicke einmal wie folgt: Wir alle kennen das Weihnachtsfest. Und wir alle kennen die Adventszeit, in welcher wir uns auf dieses Fest vorbereiten. Mein ganzes Leben ist eine andauernde Adventszeit in der ich mich auf das Höchste vorbereite, was mir widerfahren kann, nämlich die Heimkehr in mein himmlisches Vaterhaus. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

Machen wir es doch ab heute ganz konkret: Gehen wir doch wieder liebevoller miteinander um, üben wir uns doch wieder mehr in Geduld, wenn die Pferde mit uns durchzugehen drohen und sehen wir doch wie Helmut Thielicke das Leben als eine einzige Adventszeit, in welcher wir uns auf den Himmel vorbereiten dürfen.

Lassen Sie uns zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes gemeinsam in den 6. Vers des Liedes „Ich bin ein Gast auf Erden…“ (EG529) von Paul Gerhardt einstimmen, der uns aufzeigt, wie wir hoffnungsvoll leben können:

So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt,
doch denk ich nicht zu bleiben in diesem fremden Zelt.
Ich wandre meine Steaße, die zu der Heimat führt,
da mich ohn alle Maße mein Vater trösten wird.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 12. Sonntag nach Trinitatis. Den Text unserer heutigen Predigt finden wir im 3. Kapitel der Apostelgeschichte, die Verse 1-10. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Die Heilung des Gelähmten

Petrus aber und Johannes gingen hinauf in den Tempel um die neunte Stunde zur Gebetszeit. Und es wurde ein Mann herbeigetragen, lahm von Mutterleibe; den setzt man täglich vor die Tür des Tempels, die da heißt die Schöne, damit er um Almosen bettelte bei denen, die in den Tempel gingen. Als er nun Petrus und Johannes sah, wie sie in den Tempel hineingehen wollten, bat er um ein Almosen. Petrus aber blickte ihn an mit Johannes und sprach: Sieh uns an!
Und er sah sie an und wartete darauf, dass er etwas von ihnen empfinge. Petrus aber sprach: Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi von Nazareth steh auf und geh umher! Und er ergriff ihn bei der rechten Hand und richtete ihn auf.
Sogleich wurden seine Füße und Knöchel fest, er sprang auf, konnte gehen und stehen und ging mit ihnen in den Tempel, lief und sprang umher und lobte Gott. Und es sah ihn alles Volk umhergehen und Gott loben. Sie erkannten ihn auch, dass er es war, der vor der Schönen Tür des Tempels gesessen und um Almosen gebettelt hatte; und Verwunderung und Entsetzen erfüllte sie über das, was ihm widerfahren war.

Liebe Gemeinde,

auf den ersten Blick geht es um die Heilung eines Gelähmten. Wenn wir jedoch ein wenig hinter die Kulissen blicken, dann geht es um unsere eigene Heilung, die in unserem heutigen Predigttext beschrieben wird. Lassen Sie uns die Geschichte unserer Heilung einmal ein wenig genauer betrachten.

1. Ohne Gott

Bewegungslos, also lahm zu sein ist so eine der stärksten körperlichen Leiden, die man sich vorstellen kann. Stets und ständig ist man auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen.

Neben dieser körperlichen Lähmung und Bewegungslosigkeit gibt es aber doch noch etwas viel Schlimmeres; nämlich die geistliche Lähmung und Bewegungslosigkeit.

Schauen wir uns doch alle einmal in unserem Umfeld um. Sehr viele Menschen leben doch dort ohne Gott. Sind sie wirklich glücklich und auch innerlich grundzufrieden? Nach außen hin mag es ja den Anschein erwecken, aber wenn man einmal etwas intensiver nachfragt, dann wirken viele dieser Menschen wie Getriebene in einem Hamsterrad.

Mit viel aufgesetzter Freude und aufgesetztem Lächeln beschreiten sie ihren Lebensweg, aber zu dem Zustand der inneren Zufriedenheit gelangen sie meist nicht. Man hat es sich ja in seinem Leben so einigermaßen gemütlich gemacht.

Und doch tragen diese Menschen so etwas wie eine unbekannte Sehnsucht in ihren Herzen, die ihnen manchmal bewusst wird. Aber sie wissen nicht, wie sie diese tiefe Sehnsucht befriedigen können. Also laufen sie weiter in ihrem Hamsterrad bis das Hamsterrad eines Tages ohne sie weiterlaufen muss.

2. Auf Gott sehen

Petrus und Paulus sagten zu dem Gelähmten: Sieh uns an!

Für die Menschen, die in ihrer geistlichen Lethargie leben bedeutet dies: Sieh Gott an! Ich mache es immer so, dass ich Menschen, die noch ohne Gott unterwegs sind, bitte, doch einmal so zu tun, als ob Gott wirklich existiert. Einfach mal zwei Wochen den Versuch wagen.

Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von rund 80 Jahren sind zwei Wochen ja nun wirklich nicht viel. Um es genau zu beziffern sind dies gerade mal 0,05 % der Lebenszeit.

Was passiert nun bei den Menschen, die sich so und ernsthaft auf die Suche nach Gott begeben? Genau, Gott lässt sich von diesen ehrlich suchenden Seelen wirklich finden. Ich lehne mich nicht weit aus dem Fenster heraus wenn ich behaupte, dass 100 % aller ehrlich suchenden Menschen, die diesen Versuch wagen, spüren, fühlen und erleben werden, dass Gott real existiert.

Aber unser Predigttext ist ja nicht damit beendet, dass der Gelähmte Petrus und Paulus anschaut. Nein, er, der Jahr für Jahr auf fremde Hilfe angewiesen war, wird von seiner Krankheit geheilt. Und zwar nicht erst nach unzähligen Reha-Kuren, sondern hier und jetzt und sofort.

Liebe Gemeinde, dies geschieht auch heute im 21. Jahrhundert immer und immer wieder. Es ist zwar keine Regel, aber ich habe sehr viele Menschen erlebt, die Dank Gottes Hilfe von Süchten jedweder Art von einem Tag auf den anderen geheilt worden waren.

Und auch uns, die wir schon lange mit unserem Herrn unterwegs sind, steht dieser Weg offen. Auch wir dürfen auf IHN schauen und IHN bitten, uns Heilung widerfahren zu lassen.

Und dann passiert er der Supergau: Gott heilt mich nicht. Also doch alles Kappes die Sache mit Gott ? Mitnichten, liebe Gemeinde, Gott hat mehr mit uns im Sinn, als wir es uns jemals vorstellen könnten. Gott will immer nur das Beste für uns. Und das unterscheidet sich schon manches Mal von dem was wir für das Beste für uns halten.

Paulus, der Gott bat, ihn von diversen Leiden zu erlösen, mag uns als gutes Beispiel dienen. Warf Paulus seinen Glauben über Bord als Gott seinem Wunsch nach Heilung nicht nachkam. Nein, natürlich nicht; Paulus nahm das im Glauben an, was ihm Gott geschenkt hatte und machte das Beste daraus.

Und das sollen auch wir heute im 21. Jahrhundert tun in der festen Gewissheit, dass Gott keine Fehler macht und immer nur das Beste für uns will.

3. Gott loben

Was machte denn der Gelähmte, als er geheilt worden war? „Er lief und sprang umher und lobte Gott.“ Das tun wir doch schließlich alle, wenn uns Gott wieder einmal so reichlich beschert hat.

Wenn wir einen tollen Abend im Kreise unserer Freunde verbringen durften, wenn wir ein wahres Schlemmermahl zu uns genommen haben, wenn wir aus einem erholsamen Urlaub wohlbehalten wieder nach Hause zurückgekehrt sind, dann loben wir doch alle unseren Herrn über alle Maßen. Oder etwa nicht ?

Ich zähle auch zu den Menschen, die vieles als ganz natürlich hinnehmen, was bei näherer Betrachtung ein Geschenk Gottes ist.

Ich musste noch niemals in meinem Leben wahren Hunger leiden, rund 4000 Km südlich von uns sieht die Sache schon ganz anders aus. Wenn ich mit meinem Auto wohlbehalten aus dem Urlaub zurückkehre, dann ist das doch ganz natürlich. Ist es eben nicht. Jeden Abend sehe ich im Fernseher Horrorunfälle auf unseren Autobahnen. Und dass ich so viele Freunde und Bekannte habe, das liegt auch nicht unbedingt an meiner liebenswürdigen Art.

Mittlerweile betrachte ich diese Gegebenheiten und noch viel mehr als wahre Präsente Gottes, die ER mir schenkt, weil ER mich liebt. Grund genug, mal wieder häufiger „Danke Gott“ zu sagen.

Lassen Sie uns daher zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes gemeinsam in den ersten und sechsten Vers des Liedes „Danke für diesen guten Morgen…“ (EG 334) von Martin Gotthard Schneider anstimmen, die da lauten, wie folgt:

Danke für diesen guten Morgen, danke für diesen neuen Tag.
Danke, dass ich all meine Sorgen auf dich werfen mag.
Danke, dein Heil kennt keine Schranken, danke, ich halt mich fest daran.
Danke, ach Herr, ich will dir danken, dass ich danken kann.

Der Herr segne und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen erholsamen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber