Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 12. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Propheten Jesaja im 29. Kapitel, die Verse 17-24. Lassen Sie uns diesen Text zunächst einmal gemeinsam lesen:

Die große Wandlung

Wohlan, es ist noch eine kleine Weile, so soll der Libanon fruchtbares Land werde, und was jetzt fruchtbares Land ist, soll wie ein Wald werden.

Zu der Zeit werden die Tauben hören die Worte des Buches, und die Augen der Blinden werden aus Dunkel und Finsternis sehen; und die Elenden werden wieder Freude haben am Herrn, und die Ärmsten unter den Menschen werden fröhlich sein in dem Heiligen Israels.

Denn es wird ein Ende haben mit den Tyrannen und mit den Spöttern aus sein, und es werden vertilgt werden alle, die darauf aus sind, Unheil anzurichten, welche die Leute schuldig sprechen vor Gericht und stellen dem nach, der sie zurechtweist im Tor, und beugen durch Lügen das Recht der Unschuldigen.

Darum spricht der Herr, der Abraham erlöst hat, zum Hause Jakob: Jakob soll nicht mehr beschämt dastehen, und sein Antlitz soll nicht mehr erblassen.

Denn wenn sie sehen werden die Werke meiner Hände – seine Kinder – in ihrer Mitte, werden sie meinen Namen heiligen; sie werden den Heiligen Jakobs heiligen  und den Gott Israels fürchten. Und die, welche irren in ihrem Geist, werden Verstand annehmen, und die, welche murren, werden sich belehren lassen.

Liebe Gemeinde,

diese und andere „beglückende“ Texte kommen immer gut an. Auch Menschen, die ansonsten die Bibel von vorn bis hinten kritisieren, fühlen sich von diesen Texten irgendwie berührt. An uns Christen gerichtet gibt uns der Text dreierlei mit auf unseren Lebensweg hier auf Erden. Schauen wir uns diese drei Dinge heute einmal gemeinsam an:

1. Wir kennen das Endziel

Wenn wir uns in einen Fabrikationsbetrieb begeben, dann geht es dort auf den ersten Blick ziemlich ungeordnet zu. Und doch macht alles Sinn. Jeder Arbeiter kennt schließlich das Endprodukt und welchen Anteil er an selbigem hat.

Würde er das Endprodukt nicht kennen, wäre er bestimmt nicht so motiviert in seiner Arbeit. Wenn er den Sinn nicht erkennen würde, würde er bei dem in oder anderen Fehler vielleicht sagen: Was soll’s ist doch eh egal.

Als Christen geht es uns ähnlich wie dem Arbeiter in unserer Fabrik. Wir kennen unser Endziel, den Himmel. Und daher gehen wir in allem, was wir auf Erden tun auch immer schon einen Schritt in Richtung Himmel.

Unsere Arbeit, die wir verrichten, unsere Beziehungen in denen wir leben und auch unsere gesamte Freizeit ist auf dieses Endziel ausgerichtet. Nein, wir sind natürliche keine Heiligen. Aber wir bemühen uns bei allem, was wir tun den Himmel nicht aus den Augen zu verlieren.

Natürlich begegnet uns hier auf Erden manches Ungemach, dass wir lieber nicht durchleben möchten. Aber mit dem Blick auf das Endziel gerichtet, ertragen wir auch dies Dank und mit Gottes Hilfe.

Nicht nur für uns Christen, sondern für alle Menschen gilt: Nur wer das Ziel kennt, kann auch in die richtige Richtung gehen. Und wir sollten niemals vergessen, dass einer auf unserem Lebensweg stets an unserer Seite ist; ER hat es nämlich versprochen, als er sagt: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

2. Wir haben die Grundausstattung

Wer sich auf den Weg macht um einen Berg zu besteigen, der benötigt dafür eine bestimmte Grundausstattung. Ohne festes Schuhwerk, gutes Kartenmaterial und wetterfeste Kleidung könnten wir gar bald in große Probleme geraten.

Gott hat uns auch für unseren Lebensweg eine bestimmte Grundausrüstung mitgegeben. Diese Grundausstattung, die uns sicher an unser Ziel geleiten soll, besteht aus einem Kompass und einem liebevollen Herzen.

Wofür um alles in der Welt brauchen wir denn einen Kompass? Nun, jeder der schon einmal einen Geländemarsch gemacht hat, der wird wissen, dass uns der Kompass immer wieder auf den Weg zum Ziel führt, wenn wir unseren Weg einmal verlassen.

Das kann gezwungenermaßen dann sein, wenn wir vor unüberwindbaren Hindernissen stehen, die uns zwingen, einen Umweg einzuschlagen. Dank unseres Kompasses führt uns Gott auch in solchen Situationen wieder auf den rechten Weg.

Es kann aber auch sein, dass wir uns auf unserem Weg verirrt haben, weil wir vielleicht dem Kompass nicht getraut haben oder aber meinten, es doch besser  zu wissen und eine vermeintliche Abkürzung genommen haben, die sich dann doch als Sackgasse herausstellte. Auch in diesem Falle führt uns der Kompass wieder auf den rechten Weg.

Das liebevolle Herz hat Gott uns mit auf die Reise gegeben, weil wir auf unserer Lebensreise vielen Menschen begegnen werden. Viele werden vielleicht noch gar nichts von Gott und seinem Endziel mit uns Menschen wissen. Unser liebevolles Herz soll dann zum Einsatz kommen, um möglichst vielen Menschen diesen Weg, den wir gehen ebenfalls auf zu zeigen.

Aber es wird uns auf dem Lebensweg auch viel Argwohn begegnen, vielleicht werden wir sogar angefeindet werden ob des Weges, den wir gehen. Dann kann das liebevolle Herz uns helfen, die Wogen der Anfeindung und des Hasses zu glätten.

3. Wir sind keine Richter

Wie schnell vorverurteilen wir doch Menschen auf Erden. Wir sind ja immer wieder versucht, Menschen in bestimmte Schubladen zu stecken. Da ist zum Beispiel der Straftäter, der seine Strafe wegen Diebstahls schon lange verbüßt hat. Wird irgendwo in der Nachbarschaft eingebrochen dann ruhen alle Augen auf wem ? Natürlich auf dem bewussten Straftäter.

Im Prinzip möchten wir ja alles nach unseren Prinzipien und unserem Weltbild ausrichten. Und alles, was da nicht hineinpasst, wird vorverurteilt.

Jesaja sagt es uns ja ganz konkret, dass es aus sein wird mit Spöttern, Tyrannen, Lügnern und all den Menschen, die Gottes Wort nicht achten, sondern es wissentlich missachten.

Wenn ich dies beachte, dann kann ich doch ganz getrost durch mein Leben gehen. Dann kann ich mir auch einmal eine kleine, ja auch eine große Ungerechtigkeit gefallen lassen. Eines Tages wird Gott schon richten. Natürlich könnte man manchmal aus der Haut fahren, aber lassen Sie uns in diesen Fällen ganz einfach auf das Endziel schauen.

Lassen Sie mich kurz noch ein Letztes sagen: Der Blick auf das Endziel, welches uns Jesaja so schön beschreibt soll auch die Menschen erreichen, die nach dem Motto leben: „Früher war alles besser, heute geht alles den Bach runter und in Zukunft wird alles noch viel schlimmer werden.“ Gottes Wort will diesen Menschen wieder den Blick nach vorne schärfen und seine Freudigkeit in ihrem Herzen soll sie auf diesen neue Weg führen.

Und der Blick auf das Endziel soll auch die Menschen erreichen, die nur im hier und heute leben, die Menschen, die also so leben, als ob es den morgigen Tag nicht mehr gebe. Gönn dir was, nimm mit was du kriegen kannst, und kümmer dich nicht um die anderen Menschen sind Parolen dieser Spezies.

Diese Menschen will Gott vor schweren Fehlern und Dummheiten bewahren, wenn er Ihnen zeigt, dass am Ende doch noch das Gericht steht.

Was können wir nun also aus diesem Predigttext für unser Leben umsetzen ? Ich glaube folgendes wäre sicherlich nicht schlecht: Schau immer nach vorne auf das, was Dich erwartet und lass Dich nicht von dem Gefangennehmen, was Dich auf dem Weg zu dem Endziel abbringen könnte.

Dieses Endziel hatte sicherlich der Liederdichter Paul Gerhardt auch nicht aus den Augen verloren, auch wenn mannigfache Schicksalsschläge seinen Lebensweg überschatteten. In einer solchen Trübsal vermag uns der 5. Vers seines Liedes „Auf, auf, mein Herz mit Freuden…“ (EG 112) ein Trost sein, der da lautet, wie folgt:

Die Welt ist mir ein Lachen mit ihrem großen Zorn,
sie zürnt und kann nichts machen, all Arbeit ist verlorn.
Die Trübsal trübt mir nicht mein Herz und Angesicht,
das Unglück ist mein Glück, die Nacht mein Sonnenblick.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße sie alle ganz herzlich zur Predigt am heutigen 9. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei Matthäus im 7. Kapitel, die Verse 24-27. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Vom Hausbau

Darum, wer meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet. Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein, und sein Fall war groß.

Liebe Gemeinde,

unsere heutige Predigt stammt aus der Bergpredigt. Etwas vereinfacht erklärt uns die Berg-Predigt, was wir unbedingt vom Christentum wissen müssen. In unserem heutigen Denglisch handelt es sich bei der Bergpredigt also um „Todo“ Anweisungen für Christen.
Was ist denn nun für uns als Christen das wichtigste im Leben und warum? Lassen Sie uns dieser Frage heute Morgen einmal auf den Grund gehen:

1. Das Fundament

Jesus vergleicht die Beziehung zu unserem Vater im Himmel mit dem Bau eines Hauses. Egal was für ein Haus gebaut werden soll, egal wie hoch, wie breit, wie lang; eines ist immer ganz besonders wichtig; nämlich – dass unser Haus auf einem festen Fundament ruht.
Ein Fundament sichert das ganze Haus nach oben hin ab. Und so lehrt es uns der Herr Jesus Christ, dass dies in Glaubensdingen nicht anders ist, wie bei einem realen Hausbau. Wir müssen ein festes Fundament legen, damit unser Glaubensgebäude nicht ins Wanken gerät und einstürzt.

Und dieses Fundament ist der Herr Jesus selber. Wenn wir ihm glauben und zu dem, was er für uns getan hat ein eindeutiges JA sagen und ihm unser Leben übergeben, dann übernimmt er die Rolle des Fundamentes in unserem Leben.
Und auf diesem Fundament können wir unser ganzes Glaubensgebäude aufbauen. Alle unsere Fähig- und Fertigkeiten, die wir für den Herrn Jesus einsetzen, sind auf diesem Fundament begründet. Gewiss, es kann mal etwas schief gehen, aber dadurch wird das Fundament nicht erschüttert.

Wenn bei einem Haus einmal eine Fensterscheibe zu Bruch geht, dann wackelt ja auch nicht gleich das ganze Fundament.
Als ich den heutigen Predigttext zum ersten Male gelesen habe, da war ich sofort ein wenig erschrocken. Haben die Menschen, die ihre individuellen Lebenshäuser bauen, überhaupt noch dieses Fundament unter den Füßen?

Ist es nicht vielmehr so, dass die meisten Menschen meinen, ohne Gott ganz gut zu Recht zu kommen? Und so bauen die meisten Menschen wie schon damals ihr Lebenshaus auf Sand. Die meisten verlassen sich auf ein dauerhaftes Einkommen, eine immer nach oben gehende Karriere und Gesundheit bis weit über das 90. Lebensjahr hinaus.

Doch liebe Gemeinde, auf all dies haben wir keinen Anspruch. Wenn eines davon schiefgeht, dann droht das ganze Lebenshaus umzustürzen. Ohne Gesundheit kein Einkommen und ohne Einkommen kein Lebenshaus mehr. Aus und vorbei.
Wissen Sie, warum ich mich gern als christlicher Fundamentalist beschimpfen lasse ? Nun, ich habe mein Lebenshaus auf dem Fundament von unserem Herrn Jesus Christus gebaut. Wenn ich krank bin, dann ist er bei mir, wenn ich arbeitslos werden sollte, dann  muss ich mir trotzdem keine Sorgen machen, denn er sorgt für mich. Und wenn meine Karriereleiter eben nicht nach oben geht, dann ist es auch nicht schlimm. ER, der an meiner Seite ist, sorgt dafür, dass ich immer und überall von allem genug habe.

Und noch eines ist wichtig: Wer den Herrn Jesus als Fundament im Glauben hat, der entwickelt ganz andere Lebens- und Wertmaßstäbe in seinem Leben als die meisten Menschen. Ich nenne sie einfach mal Himmelsmaßstäbe.

Und genau das, was ich gerade gesagt habe, dass sollen wir auch in die Welt hinaustragen.
Fröhliche Fundamentalisten machen die Welt nämlich entsetzlich neugierig.

2. Platzregen

Mit dem Platzregen meint der Herr Jesus plötzlich eintretende Ereignisse, die unser Leben von jetzt auf gleich total durcheinanderbringen.

Das kann die Diagnose einer Krankheit sein, die lebensgefährlich sein kann. Wenn ich mein Fundament in dem Herrn Jesus Christus gefunden habe, dann wird mich eine derartige Diagnose zwar gewaltig durchrütteln, aber am Ende schaue ich doch wieder nur auf das eine Fundament, was mich auch durch diese Krankheit hindurch trägt.

Ich habe es leider nur allzu oft mitbekommen, dass Menschen, denen dieses Fundament fehlt, häufig ins bodenlose stürzen und von depressiven Verstimmungen heimgesucht werden bis hin zu manifesten Depressionen.

Bitte jetzt eines nicht missverstehen: Das Fundament ist nicht das Allheilmittel. Würde ich dies behaupten, wäre das in höchstem Grade unseriös. Das Fundament ist der, der nicht trägt, wenn ich selber nicht mehr laufen kann. Und das Fundament ist auch der, der mich wieder auf die Beine stellt, wenn ich falle. Und das Fundament ist der, der mich ganz liebevoll in seine Arme nimmt, wenn ich seinen Trost so dringend brauche.

Egal, was auch passiert, ich kann mich voll und ganz darauf verlassen, dass mich dieses Fundament durch mein ganzes Leben tragen wird, komme, was da wolle.

3. Wasser und Wind

Wasser und Wind sind notwendig für jedes Leben- und Überleben und auch für das ständige Wachstum.

Man hat vor über 50 Jahren eine künstliche Landschaft erschaffen. Das war eine ganz normale Landschaft, die aber von der Außenwelt hermetisch nach allen Seiten abgeriegelt worden war. Es gab genügend Wasser und alle möglichen Nährstoffe für die Pflanzen. Nur eines bekamen die Bäume niemals zu spüren, nämlich den Wind. Und so passierte ist, dass sie einfach umfielen, wenn sie eine gewisse Größe erreicht hatten und sich der Schwerpunkt stark nach oben geschoben hatte.

Und so ist es auch im wahren Leben. Wenn wir fernab von allen Schwierigkeiten immer wohlbehütet aufwachsen, dann werden wir innerlich niemals wachsen können. Wie der Baum den realen Winde benötigt als Anreiz, seine Wurzeln in die Tiefe zu treiben, so benötigen wir den Wind und die Stürme des Lebens, um unsere geistlichen Wurzeln in die Tiefe des Fundamentes wachsen zu lassen.
Machen wir uns doch bitte mal nichts vor: Die Geschichten vom lieben Gott in unserer Kinderzeit waren ja ganz nett. aber sind wir damals im Glauben gewachsen? Wohl eher nicht. Aber als uns die ersten Stürme des Lebens umzuwehen drohten, da merkten doch wohl die meisten von uns, dass da doch einer ist, der uns trägt und schützt und uns zur Seite steht.

Mit dem Wasser können wir auch den Fluss unseres Lebens beschreiben. Mal rudern wir ganz beschaulich auf diesem Fluss dahin. Und manchmal müssen wir all unser Können aufbieten, damit wir nicht in den Stromschnellen kentern.

Wer den Herrn Jesus als Fundament seines Lebens weiß, der kann auch in derartigen Situationen ganz gelassen den Stromschnellen entgegentreten, denn er hat ja den Kapitän an Bord, der die Gewässer besser kennt als er selbst und der dafür sorgt, dass er ohne Schaden zu erleiden, an seinem Bestimmungsort ankommt.

Lasen Sie uns doch dies den Menschen weitersagen, die dieses Fundament noch nicht kennen. Seien wir ganz einfach fröhliche Fundamentalisten voller Gottvertrauen.

Paul Gerhardt, der gewiss so manchen Schicksalsschlag in seinem Leben erlebt hat, war übrigens auch ein fröhlicher Fundamentalist. So konnte er auch in den schwersten Stunden seines Lebens das Lied „Du meine Seele singe…“ (EG 302) von ganzem Herzen singen, dessen erster Vers lautet, wie folgt:

Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd;
ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,
ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und eine ganz tolle neue Woche.
Es grüßt Sie bis zur nächsten Predigt alle ganz herzlich
Ihr
Ulrich Naber

 

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 2. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 22. Kapitel des Matthäusevangeliums, die Verse 1-14. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Die königliche Hochzeit

Und Jesus fing an und redete abermals in Gleichnissen zu ihnen und sprach: Das Himmelreich gleicht einem König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete. Und er sandte seine Knechte aus, die Gäste zur Hochzeit zu laden; doch sie wollten nicht kommen. Abermals sandte er andere Knechte aus und sprach: Sagt den Gästen: Siehe, meine Mahlzeit habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh ist geschlachtet und alles ist bereit; kommt zur Hochzeit!

Aber sie verachteten das und gingen weg, einer auf seinen Acker, der andere an sein Geschäft. Einige aber ergriffen seine Knechte, verhöhnten und töteten sie. Da wurde der König zornig und schickte seine Heere aus und brachte diese Mörder um und zündete ihre Stadt an. Dann sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit, aber die Gäste waren’s nicht wert. Darum gehet hinaus auf die Straßen und ladet zur Hochzeit ein, wen ihr findet. Und die Knechte gingen auf die Straße hinaus und brachten zusammen, wen sie fanden, Böse und Gute; und die Tische wurden alle voll.

Da ging der König hinein, sich die Gäste anzusehen, und sah da einen Menschen, der hatte kein hochzeitliches Gewand an, und sprach zu ihm: Freund, wie bist du hier hereingekommen und hast noch kein hochzeitliches Gewand an ? Er aber verstummte. Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet ihm die Hände und Füße und werft ihn in die Finsternis hinaus! Da wird Heulen und Zähneklappern sein. Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.

Liebe Gemeinde,

Jesus redete ja gern in Gleichnissen zu seinen Zuhörern. Zum einen nimmt uns ein Gleichnis immer in das Geschehen mit hinein und zum anderen werden wir, die es betrifft nicht vor den Kopf gestoßen, sondern sollen lieber unsere Schlüsse aus dem ziehen, was uns Jesus erzählt. So auch in diesem Gleichnis der königlichen Hochzeit. Jesus spricht drei Punkte an, die heute noch genaus so aktuell sein dürften, wie damals. Lassen Sie uns diese drei

Punkte einmal gemeinsam betrachten:

  1. Die Einladung

    Mit dem König, der einlädt, ist natürlich Gott gemeint. Die geladenen Gäste sind wir alle, nicht nur wir, die wir heute Morgen beisammen sind, sondern alle Menschen sind eingeladen zu Gottes großem Freudenfest.

    Es ist schon eine besondere Ehre zu diesem Fest eingeladen zu werden. Aber was machten die Menschen mit der Einladung? Sie nahmen die Einladung gar nicht erst an, sondern schoben verschiedene Gründe vor, um gar nicht erst dahingehen zu müssen.

    Und genau so ist es doch auch heute. Sonntag für Sonntag lädt Gott zum Gottesdienst und zu anderen Gemeinschaftsveranstaltungen ein. Und nur noch 3 % der Kirchenmitglieder nehmen diese Einladung an. Vor kurzem war ja bekanntlich Pfingsten. Wussten Sie, dass über 80 % der Deutschen nicht einmal mehr wissen, was an Pfingsten geschah? Also wir dürfen uns über diejenigen, die die Einladung damals ausgeschlagen haben gar nicht brüskieren; Anwesende natürlich ausgeschlossen.

    Nur so ganz nebenbei für die sehr Traditionsbewussten: In den neuen Medien gilt ebenfalls: „Wo zwei oder drei in meinem Namen….“ Es muss nicht immer zwingend das Kirchengebäude sein.

    Stellen wir uns doch einmal vor, wir würden Gäste zu einer Hochzeitsfeier einladen und alle würden absagen. Ich jedenfalls wäre stocksauer. Gott hingegen lädt unermüdlich weiter zu seiner Feier ein.

    Und jetzt kommt etwas eher Ungewöhnliches. Endlich kommen doch noch Gäste zu der Feier. Und was macht Gott? Er wirft einen Menschen hinaus, nur weil er die falschen Klamotten anhat. Eigentlich müsste Gott sich doch freuen, dass überhaupt noch Menschen seiner Einladung gefolgt sind.

    Aber so ist Gott offensichtlich nicht. Es muss wohl eine Voraussetzung geben, um an der Feier teilnehmen zu dürfen und die dieser eine Mensch übersehen hatte.

  2. Kleiderordnung Gottes

    Keine Angst, wir sind hier nicht beim Militär. Und es gilt auch keine Kleiderordnung für Kardinäle, Bischöfe, Priester und das gemeine Fußvolk bei der Einladung Gottes zu der Hochzeit.

    Wenn ich zu einer Hochzeit eingeladen werde, dann ziehe ich mich aus Respekt dem Brautpaar gegenüber fein an. Nicht overdressed, aber auch nicht in Räuberzivil. Ich zeige mit meiner Kleidung, dass ich zu der Hochzeitsgesellschaft gehöre bzw. gehören möchte.

    In unserem Gleichnis steht die Hochzeitskleidung für die von Gott geschenkte Gerechtigkeit durch Vergebung der Sünden. So lesen wir es z.B. bei Jesaja und auch an etlichen anderen Stellen:

     „Gott hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet.“

    Daran erkennen wir, dass es sowohl eine Kleiderordnung Gottes gibt. Nur derjenige, der das Gnadengeschenk Gottes im Glauben annimmt, nur derjenige wird mit ihm zusammen die Ewigkeit im Himmel verbringen dürfen. Die anderen kommen gar nicht erst in den Himmel hinein, oder fliegen achtkantig, wie in unserem Gleichnis gesehen heraus.

    Gott ist doch die Liebe!!! Und wie kann ein Gott der Liebe jemanden herauswerfen oder gar nicht erst in den Himmel hineinlassen? Das wird mir regelmäßig um die Ohren gehauen, wenn es um dieses Gleichnis geht.

    Nun müssen wir anerkennen, dass Gott seinen eigenen Sohn ans Kreuz genagelt hat, damit wir wieder Zugang zu ihm haben. Das ist doch wohl der größte Liebesbeweis, den es gibt. Und da kann Gott doch wohl mit Fug und Recht verlangen, dass wir dieses Geschnek von ihm auch so annehmen, wie er es für uns bereitet hat.

  3. Der Außenseiter

    Wir nennen ihn mal vorsichtig so. Aber leider ist es heute wohl die Mehrheit der Menschen, die so reagiert wie der Außenseiter aus unserem Gleichnis. Was hat er denn eigentlich falsch gemacht? Lassen Sie uns diesen Punkt noch kurz näher betrachten.
    Dieser Außenseiter wollte zu seinen Bedingungen in den Himmel kommen. Gott soll sich gefälligst freuen, dass ich überhaupt gekommen bin, das könnte er sich gedacht haben.

    Ja, Gott ich komme, aber ich wil so bleiben wie ich bin. Ja, Gott ich komme, aber ich bestimme die Regeln. So, liebe Gemeinde, meinen heutzutage immer mehr Menschen zu Gottes Hochzeit kommen zu können.

    Und das geht nicht. Wir dürfen zwar als Sünder zu ihm kommen, müssen aber all das ablegen, was uns von Gott trennt, um dann Zugang zum Himmel zu haben. Übertragen gesagt müssen wir unsere alten Kleider bis auf die Knochen ausziehen. Erst wenn wir dies getan haben, erst dann bekommen wir von unserem Vater im Himmel die Kleider des Heils und den Mantel der Gerechtigkeit. In christlichem Wortschatz ausgedrückt nennen wir dies Umkehr und Bekehrung.

    Unser Kleid des Heils und unseren Mantel der Gerechtigkeit den dürfen wir aber dann auch für immer behalten. Auch wenn wir ihn einmal mit Schmutz besudeln sollten, dann dürfen wir immer wieder zu Gott umkehren und ihn um Reinigung bitten.

Liebe Gemeinde, ich weiß in sehr vielen Kirchen wird etwas anderes gepredigt, was dem entgegensteht, was wir heute besprochen haben. Ich mochte als Kind so sehr den Karnevalsschalger: „Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel, weil wir so brav sind…“ Tolle Melodie, einprägsamer Text und sonnige Aussichten für die Zukunft. Das würde ich auch heute gern gepredigt haben. Aber dann würde ich Sie alle anlügen. Und wenn Sie mir dann auch noch glauben würden, dann wäre ich schuld daran, dass Sie eventuell nicht in den Himmel kommen.

Weil ich möchte, dass wir uns dereinst alle einmal im Himmel (wieder)treffen, aus diesem Grunde bleibe ich dann doch lieber bei der Wahrheit, auch wenn es schmerzlich ist.

In diesem Punkte halten wir es doch lieber mit Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf, wie er es im 1. Vers seines Liedes: „Herr, dein Wort, die edle Gabe…“ (EG 198) beschreibt, der da lautet, wie folgt:

Herr, dein Wort, die edle Gabe, diesen Schatz erhalte mir;
denn ich zieh es aller Habe und dem größten Reichtum für.
Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten, worauf soll der Glaube ruhn?
mir ist’s nicht um tausend Welten; aber um dein Wort zu tun.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr Hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,
nach dieser etwas schweren Kost wünsche ich uns allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr
Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 1. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Johannesevangelium, Kapitel 5, die Verse 39-47. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen.

Ihr sucht in der Schrift, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin; und sie ist’s, die von mir zeugt; aber ihr wollt nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben hättet. Ich nehme nicht Ehre von Menschen; aber ich kenne euch, dass ihr nicht Gottes Liebe in euch habt. Ich bin gekommen in meines Vaters Namen, und ihr nehmt mich nicht an. Wenn ein anderer kommen wird in seinem eigenen Namen, den werdet ihr annehmen. Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander annehmt, und die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, sucht ihr nicht? Ihr sollt nicht meinen, dass ich vor dem Vater verklagen werde; es ist einer, der euch verklagt: Mose, auf den ihr hofft. Wenn ihr Mose glaubtet, so glaubtet ihr auch mir; denn er hat von mir geschrieben. Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben?

Liebe Gemeinde,

es war eigentlich ein schöner Tag gewesen. Ein Kranker am Teich Betesda, der eigentlich schon alle Hoffnung auf Heilung aufgegeben hatte, wurde von Jesus geheilt. Und dann auf einmal kippte die so positive Stimmung komplett in’s Negative. Die anfängliche Begeisterung schlägt mit einem Male in Hass und Wut um. Jesus erkennt auch genau was dahintersteckt und gibt seinen Zuhörern mit unserem heutigen Predigttext eine Nachhilfestunde in Sachen Bibel in drei Lektionen. Schauen wir uns doch diese Lektionen heute Morgen einmal gemeinsam an, da es sein könnte, dass diese Lektionen auch für uns heute noch wichtig sind.

Lektion 1 – Bibel kritisch lesen

„Gottlob, wie bin ich reformiert, sprach mancher Protestante,
stolz mit der Bibel dekoriert, obwohl er sie nicht kannte.“

Wut und Hass entstehen häufig aus Unkenntnis heraus. Was ich nicht kenne, das lehne ich lieber erst einmal ab und beschäftige mich nicht weiter damit. Und wenn ich dann doch auf welche Weise auch immer mit der Bibel und konkreten Geschehnissen konfrontiert werde, dann mache ich total dicht und trete die Flucht nach vorne an.

Also sagt Jesus, dass man doch bitteschön die Bibel kritisch lesen solle, bevor man ihm barsche Kritk entgegenbringt. Kritisch meine ich nicht im negativen, sondern im positiven Sinne.

Es gibt zwei Hauptgruppen von Bibellesern. Da gibt es zunächst einmal die Gruppe, die immer wieder nach Passagen und Aussagen in der Bibel Ausschau hält, welche ihre eigenen Meinungen und (Vor)urteile bestätigen.

Liebe Gemeinde, das klappt immer dann besonders gut, wenn ich meine vorgefertigte Meinung nehme und irgendeine Stelle der Bibel aus dem Zusammenhang reiße und diese Stelle als göttliches Dogma und somit als Bekräftigung meiner Meinung betrachte.

Ich beziehe die nächsten Zeilen einmal auf mich ganz persönlich. Wenn ich so agiere, wie oben beschrieben, dann habe ich nicht mehr die frohe Botschaft vor Augen, sondern ich habe Ulli Nabers Weltbild mit Bibelzitaten versucht zu untermauern. Nehmen wir ein ganz konkretes Beispiel: Wenn wir das Alte Testament gewissenhaft studieren, dann finden wir dort zahlreiche Passagen, die sich dem Thema der Homosexualität widmen. Unter anderem heißt es dort:
Verflucht sei, wer bei einem Manne liegt…

Wenn es schon in der Bibel steht, dann kann ich es nicht tolerieren, wenn ein Homosexueller in unserer Gemeinde auch noch am Gottesdienst teilnimmt. Und wenn diese Meinung dann auch noch von der Kirchenleitung immer wieder als Gottes unumstößliches Wort gepredigt wird, dann steht mein Urteil felsenfest.

Nur dummerweise sagt uns Jesus im Neuen Testament, als er nach dem höchsten Gebot befragt wird neben dem Gebot, Gott zu ehren gäbe es ein weiteres, welches lautet: Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst. Da ist auf einmal nicht mehr von Fluch und dergleichen zu lesen, sondern von Liebe.

Jesus sagt seinen Zuhörern also klipp und klar: Lest die Bibel vorurteilsfrei und lest sie mit einem Brennen im Herzen welches sich auf der Suche nach Antworten für die wichtigen Lebensfragen befindet. Dann wird aus einer vorgefertigten Ideologie ein brennendes Suchen nach dem, was Gott wirklich will. Und dann erfahre ich ganz persönlich auch die Kraft, die in dem Worte Gottes steckt.

2. Lektion – Jesus suchen

Das was gerade am Teich Betesda passiert war, wurde ja schon in groben Zügen im alten Testament angekündigt. Das ganze Alte Testament ist ja in weiten Teilen nichts anderes, als ein Hindeuten auf den, der da kommt zur Erlösung der Sünder.

Denken wir nur einmal an Mose und das Volk in der Wüste, welches von Schlangen getötet wurde. Alle aber, die die erhöhte Schlange ansahen, all diejenigen wurden gerettet. Eine kleine Veränderung des Blickwinkels errettete die Menschen damals vor dem sicheren Tode.

Wenn wir uns darauf fokussieren, Jesus in der Bibel zu suchen, dann geht es eben nicht mehr um Kritik an einzelnen Passagen, dann geht es um das große Ganze, nämlich um das Erlösungswerk unseres Herrn.

Die Menschen damals hatten logischerweise „nur“ das alte Testament zur Verfügung. Um wie viel besser geht es uns doch heute. Heute können wir im Neuen Testament klipp und klar die Worte Jesu ganz persönlich nachlesen.

Wenn wir uns ganz auf Jesus fokussieren, dann, liebe Gemeinde, kommen wir auch niemals in die Verlegenheit, einzelne Aussagen der Bibel für unsere eigenen vorgefertigten Meinungen zu missbrauchen. Wenn wir Jesus in der Bibel folgen, dann sind wir auf dem Weg der Liebe, des Vertrauens und der Erlösung angelangt.

3. Lektion – Der Liebesbrief

Die Bibel, die wir in Händen halten, diese Bibel ist ein ganz persönlicher Liebesbrief Gottes an seine geliebten Menschen. Wenn wir die Bibel wieder so betrachten, dann öffnet sie uns die Augen für die ewigen Dinge und wir werden in unserem Leben eine Prioritätenverschiebung erfahren.

Ich erkenne Sein großes Herz, welches auch mein kleines Herz öffnen möchte. Ich muss ihm nur die Gelegenheit dazu geben.

Ich erkenne, dass anstelle dessen, der da am Kreuz für mich hängt eigentlich ich hängen müsste. ER ist nicht für mich gestorben, sondern ER ist an meiner Stelle und das vollkommen freiwillig diesen Weg gegangen, damit ich in den Himmel kommen kann.

Wer könnte mehr mein Vertrauen und meine Liebe verdienen, als jemand der mein ewiges Leben gerettet hat. Und das nur dadurch, dass er selber dafür in den Tod gegangen ist.
Und das genau ist kritisches Bibellesen. Die eigenen Meinungen und Vorurteile an den Nagel hängen und voll Vertrauen und einem brennenden Herzen in der Bibel die Antworten auf die wichtigsten Fragen des Lebens suchen. Und vor allem sich nicht von vorgefertigten Meinungen selbsternannter Experten leiten zu lassen.

Das hat Jesus seinen Zuhörern damals schon mit auf den Weg gegeben. Und das gibt er auch uns heute im 21. Jahrhundert mit auf unseren Lebensweg. Lassen Sie mich kurz noch ein letztes sagen: In unserem Leben vertrauen wir doch vielen Menschen alltäglich unser Leben an. Wenn wir in einen Flieger steigen, dann vertrauen wir unser Leben dem Piloten an. Wenn wir im Krankenhaus operiert werden, dann vertrauen wir unser Leben den Ärzten an. Und wenn wir ein Rezept in der Apotheke einlösen, dann vertrauen wir dem Apotheker doch auch, dass er uns die richtige Arznei aushändigt.

Machen wir es doch bei Jesus genauso. Er wartet nur auf unser Vertrauen und unser Ja. Wir, die wir heute Morgen hier beisammen sind, haben dies natürlich alle schon getan. Aber draußen vor den Kirchentüren warten noch Millionen von Menschen darauf, die frohe Botschaft zu erfahren. Also packen wir’s ganz beherzt an.

Diese Fokussierung auf Jesus, von der wir heute gesprochen habe, die drückt der Liederdichter Georg Joachim Zollikofer sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes aus „Lass mich, o  Herr, in allen Dingen…“ (EG 414) der da lautet, wie folgt:

Lass mich, o Herr, in allen Dingen
auf deinen Willen sehn in dich mir weihn;
gib selbst das Wollen und Vollbringen
und lass mein Herz dir ganz geheiligt sein.
Nimm meinen Leib und Geist zum Opfer hin;
dein, Herr, ist alles, was ich hab und bin.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse seine Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,
ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr
Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Sonntag, dem Sonntag Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Propheten Jesaja, Kapitel 6, die Verse 1-13. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Jesaja Berufung zum Propheten

In dem Jahr, als der König Usija starb, sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron und sein Saum füllte den Tempel. Serafim standen über ihm; ein jeder hatte sechs Flügel: Mit zweien deckten sie ihr Antlitz, mit zweien deckten sie ihre Füße und mit zweien flogen sie. Und einer rief zum andern und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! Und die Schwellen bebten von der Stimme ihres Rufens und das Haus ward voll Rauch. Da sprach ich: Weh mir, ich vergehe!

Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den König, den Herrn Zebaoth gesehen mit meinen Augen. Da flog einer der Serafim zu mir und hatte eine glühende Kohle in der Hand, die er mit der Zange vom Altar nahm, und rührte meinen Mund an und sprach: Siehe, hiermit sind deine Lippen berührt, dass deine Schuld von dir genommen werde und deine Sünde gesühnt sei.

Und ich hörte die Stimme des Herrn, wie er sprach: Wen soll ich senden ? Wer will unser Bote sein ? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich ! Und er sprach: Geh hin und sprich zu diesem Volk: Höret und verstehet’s nicht; sehet und merket’s nicht!

Verstocke das Herz dieses Volks und lass ihre Ohren taub sein und ihre Augen blind, dass
sie nichts sehen mit ihren Augen noch hören mit ihren Ohren noch verstehen mit ihrem Herzen und sich nicht bekehren und genesen. Ich aber sprach: Herr, wie lange ? Er sprach: Bis die Städte wüst werden, ohne Einwohner, und die Häuser ohne Menschen und das Feld ganz wüst daliegt. Denn der Herr wird die Menschen weit wegtun, so dass das Land sehr verlassen sein wird. Auch wenn nur der zehnte Teil darin bleibt, so wird es abermals verheert werden, doch wie bei einer Eiche und Linde, von denen beim Fällen noch ein Stumpf bleibt. Ein heiliger Same wird solcher Stumpf sein.

Liebe Gemeinde,

An dem heutigen Sonntag gedenken wir der der Dreieinigkeit unseres Gottes. Gott, der Vater, der Himmel und Erde gemacht hat, Gott der Sohn, der für unsere Sünden das Lösegeld bezahlt und an Gott, den Heiligen Geist, der an Pfingsten über uns ausgegossen wurde. Alle drei wirken, salopp gesagt in einer Art Personalunion auch heute noch zusammen. Und sie wirken auf drei verschiedene Ebenen unseres menschlichen Körpers. Wie geschieht eigentlich eine Bekehrung bzw. eine Berufung Gottes an uns und welche Auswirkungen hat diese? Lassen Sie uns das Wirken Gottes doch einmal anschauen, welches zu Zeiten Jesajas nicht anders war, als es heute ist.

1. Vor der Bekehrung

Wenn wir mal alle ganz ehrlich zu uns selber sind, dann haben wir doch in der Zeit, als wir mit Gott noch nichts am Hut hatten, manchmal ein wenig gelächelt über unsere gläubigen Mitmenschen. Als ich Kind war, hatte ich eine gläubige Tante, die wir als Kinder immer gern ein wenig auf den Arm genommen haben, wegen ihres „Jesus-Fimmels“. Wie kommt das eigentlich?

Nun, vor unserer Bekehrung waren wir allesamt verlorene Menschen, die auf dem besten Weg in die Hölle waren.
Unsere Ohren waren für das, was wir über Gott hören sollten vollkommen verschlossen. Alles, was sich auch nur irgendwie nach Religion anhörte, haben wir doch gar nicht erst an uns herangelassen.

Unser Herz war ebenfalls verstockt für das Wirken Gottes in uns. Und da unser Herz nicht für die christliche  Botschaft erreicht werden konnte, machten wir uns auch so herzlich lustig über die „Betbrüder und Betschwestern“. Und damit waren wir so ziemlich alle in bester Gesellschaft. Den meisten Menschen erging es doch genauso wie uns. Und was die meisten tun und denken, dass muss doch auch irgendwie richtig sein.

Natürlich waren im gleichen Zuge auch unsere Augen blind für das Wirken Gottes um uns herum. Was noch viel schlimmer war, unsere Augen waren auch verschlossen, was die geistliche Not unserer Mitmenschen anbelangt.

Wir machten also, wie man so schön zu sagen pflegt „komplett dicht“ wenn es um die Sache mit Gott ging. Das ist es, was Jesaja empfängt als Gott ihm das Wesen des gottlosen Menschen übermittelt.

2. Die Bekehrung

Auch wenn unsere Augen blind, unser Herz verstockt und unsere Ohren taub sind und wir uns nicht bekehren und dadurch genesen, hat Gott doch einem jeden Menschen eine gewisse Ewigkeitshoffnung in sein Herz gelegt.

Irgendwann in einem Leben ist es dann soweit, dass unser Herz auf diese Ewigkeitshoffnung hört, also nicht gleich alles als Spinnerei an die Seite schiebt. Irgendwann ist die Ewigkeitshoffnung, dass da noch etwas ist, was wir noch gar nicht kennen, so groß, dass  unsere Neugier entfacht wird.

In diesem Moment hat Gott unser verstocktes Herz erreicht und sorgt dafür, dass wir uns für sein Wort und was er uns zu sagen hat, tatsächlich interessieren. Ich kann mich persönlich noch ganz genau daran erinnern, wann ich mir zum ersten Male das Neue Testament genommen habe und dies gelesen habe. Da waren kein Pfarrer und keine Kirche und kein Religionslehrer involviert; mitten in unserer Heimatstadt bekam ich an einem Missionsstand, den ich eigentlich gar nicht besuchen wollte,  mein erstes Neues Testament geschenkt.

Und da ich entgegen dem Sprichwort einem geschenkten Gaul sehr wohl ins Maul schaue habe ich es auch sogleich gelesen. Mein Herz war entfacht und meine Neugier trieb mich dazu, mich nicht nur mit der Bibel, sondern auch mit bibelnaher Literatur zu beschäftigen.
Bald las ich auch Berichte, wie Gott andere Menschen erreicht hatte und wie er sogar höchst problematische Lebensläufe (Vom Knast auf die Kanzel) in Segen verwandelte.

Dies führte dann dazu, dass auch meine Augen aufgetan worden sind. Ich meine nicht die äußeren, mit denen konnte ich schon 12 Jahre lang sehen. Ich meine die inneren Augen mit denen wir Gottes Wesen und Wirken in dieser Welt erkennen und wahrnehmen können. Aber meine Augen wurden auch aufgetan für all das Elend und all die Nöte, die um mich herum existierten und die ich bis dahin nicht einmal ansatzweise erkannt habe.

Dies alles passierte nicht im gleichen Moment. Ich kann nur sagen, dass mich Gott ganz behutsam an das christliche Leben herangeführt hat.

3. Die Auswirkungen der Bekehrung

Eine Bekehrung bleibt nie ohne direkte und wahrnehmbare Auswirkungen. Jesaja bringt es auf den Punkt, wenn er Bekehrung und Genesung in einem Atemzug nennt. Die Genesung ist die interne Auswirkung der Bekehrung; ich bin von allen Sünden befreit und habe als Gottes Kind wieder direkten Zugang zu meinem Vater.

Aber die Bekehrung hat auch diverse Außenwirkungen auf meine Mitmenschen. Wenn das vormals verstockte Herz von Gott aufgetan wird, dann wird es auch in die Lage versetzt, anderen Menschen davon zu erzählen. Gott möchte ja nicht nur unser verstocktes Herz erreichen, sondern die Herzen aller Menschen. Und dazu möchte er auch uns benutzen sozusagen als sein Sprachrohr.

Weil meine Ohren für die Sache Gottes aufgetan worden sind kann, ich auch die Nöte, Sorgen und Probleme der Menschen besser verstehen, die diese an mich herantragen. War ich vorher vielleicht ein eingebildeter Snob, der sich gar nicht erst mit „denen da unten“ abgegeben hat, sorgt mein nicht mehr verstocktes Herz dafür, dass ich mich ganz besonders zu den Menschen hingezogen fühle, die es im Leben nicht so gut erwischt haben, wie ich.
Mit offenem Herzen und mit offenen Ohren kann ich jetzt auch die Nöte und Sorgen dieser Menschen  erkennen.

Meine inneren Augen, die ja nun ebenfalls aufgetan worden sind diese inneren Augen schauen aufmerksam in alle Richtungen, inwiefern ich meinen Mitmenschen mit welchen Mitteln auch immer eine wertvolle Hilfe sein kann. Diese inneren Augen schauen eben nicht mehr nur auf mich selbst, sondern vielmehr auf den anderen. Vom ICH zum DU tragen sie dazu bei, dass ich losgelöst von meinen eigenen Bedürfnissen immer auch die Bedürfnisse meiner Mitmenschen im Visier habe.

Ich darf mir also selber gar nichts gönnen? Das werde ich häufig gefragt. Das ist natürlich kompletter Unsinn. Wir sollen schließlich den Nächsten lieben, wie uns selbst. Dazu gehört auch ein gerüttelt Maß an Eigenliebe. Nur nutzt diese Eigenliebe den Mitmenschen nicht aus. Ich darf mir solange auch etwas gönnen, wie es nicht auf Kosten oder zu Lasten meiner Mitmenschen geht.

Um dies alles auch nur so halbwegs hinzubekommen bedürfen wir täglich des Beistandes vom Heiligen Geist. Und wir benötigen täglich das Gespräch mit unserem Herrn Jesus Christus, welches wir Gebet nennen. Und dann dürfen wir jedem Tag, Gott dem Vater im Himmel dankbar sein, das er sich unser angenommen hat und wir wieder seine geliebten Kinder sein dürfen.

Darum lassen Sie uns Gott loben, indem wir gemeinsam in den 1. Vers des Liedes „Gelobet sei der Herr….“ (EG 139) von Johann Olearius einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Gelobet sei der Herr, mein Gott, mein Licht, mein Leben,
mein Schöpfer, der mir hat mein Leib und Seele gegeben,
mein Vater, der mich schützt von Mutterleibe an,
der alle Augenblick viel Guts an mir getan.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,
ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr
Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 21. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 6. Kapitel des Epheserbriefs, die Verse 10-17. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Die geistliche Waffenrüstung

Zuletzt: Seid stark in dem Herrn und in der Macht seiner Stärke. Zieht an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr bestehen könnt gegen die listigen Anschläge des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Mächtigen und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in dieser Finsternis herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel. Deshalb ergreift die Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag Widerstand leisten und alles überwinden und das Feld behalten könnt. So steht nun fest, umgürtet an euren Lenden mit Wahrheit und angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit, und an den Beinen gestiefelt, bereit, einzutreten für das Evangelium des Friedens. Vor allen Dingen aber ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr auslöschen könnt alle feurigen Pfeile des Bösen, und nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes.

Liebe Gemeinde,

heute geht es darum, wie wir dem Teufel und seinen Versuchungen widerstehen können. Ein Thema, das nach wie vor nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat. Wir müssen dabei gar nicht in die Ferne schweifen, sondern um uns herum können wir die Machenschaften des Satans an allen Ecken und Enden sehen.

Wenn unser Predigttext eine militärische Herangehensweise an den Teufel empfiehlt, dann können wir schon ein wenig die Gefährlichkeit Satans erahnen. Wer nur unter Einsatz des Militärs besiegt werden kann, der muss ja schon ganz schön gefährlich sein. Schauen wir uns doch heute Morgen einmal zusammen an, wie wir am besten den satanischen Machenschaften widerstehen können.

1. Schild des Wortes

So kann man den ersten Teil der Waffenrüstung Gottes auch übersetzen. Was ist damit gemeint?

Stellen wir uns einen Kriegsführer vor, der vor einer Schlacht steht und diese auch gewinnen möchte. Wird er sich für all das, was der Gegner als Waffen in Händen hält interessieren oder ist ihm dies egal, weil er sowieso schon gewonnen hat? Der kluge Taktierer wird doch wohl versuchen, seinen Widersacher so gut es geht, auszuspähen.

Genau so sollen wir es auch machen. Die Existenz des Teufels zu verleugnen, wie es heute ja sehr häufig der Fall ist, nutzt nur einem, nämlich dem Teufel höchstpersönlich. Wer ihn nicht ernst nimmt, also die von ihm ausgehende Gefahr gar nicht kennt, für den ist er ein leichtes Opfer.

Nun hat uns Gott mit seinem Wort eine Art Betriebsanleitung für unser Leben gegeben. In dieser Betriebsanleitung finden wir sehr viele Stellen, die sich mit dem Teufel und seiner Vor- und Herangehensweise beschäftigen. Wenn wir wissen, wie der Teufel taktiert, dann können wir fast sagen: „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“.

Und erst wenn ich meinen Gegner genau kenne, erst dann kann ich auch gegen ihn erfolgreich in die Schlacht ziehen. Wenn ich das Wort Gottes als Betriebsanleitung wirklich ausführlich studiere, dann dürfte es mir gelingen, den Teufel in vielen Gelegenheiten als den zu erkennen, der er in Wirklichkeit ist, nämlich der Vater der Lüge.

2. Helm des Heils

Ein Soldat, der in den Krieg zieht, ist mit einem Helm stets gut behütet. Dieser Helm kann verhindern, dass ihn Kugeln am Kopf treffen und ihn sofort töten. Unser Helm des Heils ist unsere Beziehung zu unserem Herrn.

Diesen Helm zu tragen bedeutet nichts anders, als dass wir uns zu dem Herrn Jesus und seiner Erlösungstat bekennen, diese für uns in Anspruch nehmen und dem Herrn Jesus die Türe unseres Herzens ganz weit auftun, damit er bei uns Einzug halten kann. Wenn wir dies tun, dann wird ER in uns Wohnung nehmen und unser Helm des Heils sein.

Und als Helm des Heils behütet er uns vor den Angriffen des Teufels und stellt sich ihnen entgegen. Luther sagte dies einmal auf folgende Art und Weise: Wenn der Teufel an meines Herzens Türe klopft und um Einlass bittet, dann öffne ich geschwinde diese Türe und der Teufel kann erkennen, dass in meinem Herzen bereits der Herr Jesus wohnt. Und dann zieht er beleidigt wieder ab.

Einen Helm trägt man ja immer nur bei Gefahr. Ich glaube, wir sind in der heutigen Zeit auf dem besten Wege, die Gefahr des Teufels kleinzureden oder gar auszublenden. Wir müssen uns wieder bewusst werden, dass der Teufel den ältesten Christen überleben, den Fleißigsten übertreffen, den Stärksten schlagen und den Weisesten austricksen kann.

Die Visitenkarte des Teufels ist nämlich die Täuschung und die ist manchmal so geschickt, dass sie uns direkt überfordert. Gott sei Dank haben wir ja unseren Herrn bei uns.

3. Schwerte des Geistes

Während der Helm durchaus als passiver Schutz vor Angriffen gedacht ist, sieht das bei dem Schwert schon ein wenig anders aus. Es wird zur aktiven Verteidigung eingesetzt, um das eigene Leben und Überleben zu sichern.

Mit dem Schwert des Geistes, welches wir in unserem Predigttext vorfinden, ist zweierlei gemeint:

Zunächst ist damit der Heilige Geist gemeint. Jesus selbst wies ja schon bei seiner Himmelfahrt daraufhin, dass Gott uns einen Tröster senden wird, der fortan bei uns sein wird. Das Pfingstgeschehen beschreibt dies sehr ausführlich. Seit Pfingsten, steht, sorry, wenn ich das so salopp ausdrücke, der Heilige Geist für uns parat.

Und jetzt kommt auch schon die Problematik. Gegen unseren Willen wird er niemals bei uns Einzug halten. Bei Gott gibt es keine Zwangsbekehrungen. Wer nichts mit Gott zu tun haben möchte, den lässt er auch in seinem (Un)frieden.

Solche Menschen sind natürlich willfährige Opfer für die Machenschaften des Teufels. Das Schlimme daran ist, dass sie dies meist gar nicht bemerken. Oftmals merken sie es erst dann, wenn bereits alles zu spät zu sein scheint. In der Suchtkrankenhilfe höre ich immer wieder derart schlimme Schicksale. Da wird aus Frust auf den Chef abends der ein oder andere Schnaps getrunken und scheinbar geht es einem danach richtig gut.

Irgendwann reichen dann die 1-2 Schnäpse nicht mehr aus und es werden immer mehr. Und dann auf einmal kommt man morgens nicht mehr aus dem Bett, weil man noch zu betrunken ist um aufzustehen. Und irgendwann muss man sich dann gar nicht mehr über den Chef ärgern, weil man den Arbeitsplatz los ist. Was anfangs als Heilmittel diente wurde also zu einer ganz großen Gefahr für Leib und Leben. Aber auch in diesen Situationen ist noch eine Umkehr und eine Hinkehr zu Jesus möglich, wie ich es an vielen Beispielen erleben durfte. Sobald der Heilige Geist Einzug gehalten hatte, hatte der Satan seine Macht verloren.

Aber mit dem Schwert des Geistes ist noch etwas anderes gemeint, nämlich unser gesunder Menschenverstand, den uns Gott mit auf unseren Lebensweg gegeben hat. Wir sind nämlich durchaus in der Lage, einige Fallen und Tricks des Teufels zu erkennen, wollen dies aber häufig nicht wahrhaben. Das glauben Sie nicht ? Kleine Kostprobe gefällig ? Vor einigen Jahren warb ein Unternehmen mit Traumrenditen für schon auf den ersten Blick erkennbare dubiose Kapitalanlagen. Jeder, aber auch jeder hätte erkennen können, dass dieses Geschäftsmodell nicht funktionieren kann.

Aber was haben viele Menschen getan? Genau, sie haben Ihre Ersparnisse genau diesem Unternehmen überwiesen, um auch in den Genuss der Traumrenditen zu kommen. Und bei diesem Traum ist es dann leider auch geblieben.

Also ein ganz pragmatischer Rat, den uns die Bibel mit auf den Lebensweg gibt. Einfach mal Augen und Ohen offenhalten und wichtige Entscheidungen einmal kritisch prüfen.

Wir haben SEIN Wort, wir haben den Herrn Jesus, der uns behütet und wir haben alle einen gesunden Menschenverstand mit auf den Weg bekommen. Mit dieser Kombination an Waffen sollte es uns gelingen, den Angriffen des Teufels zu widerstehen. Und lassen Sie uns eines nicht vergessen: Auch wenn wir einmal wieder in des Teufels Falle getrappt sind, unser Herr ist nur ein Gebet weit entfernt.

Dies beschreibt auch Martin Luther sehr schön in dem 3. Vers seines Liedes „Ein feste Burg ist unser Gott…“ (EG 362), der da lautet, wie folgt:

Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen,
so fürchten wie uns nicht so sehr, es sollt uns doch gelingen.
Der Fürst dieser Welt, wie sau’r er sich stellt,
tut er uns doch nicht; das macht,er ist gericht‘:
Ein Wörtlein kann ihn fällen.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem 20. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Brief von Paulus an die Thessalonicher, Kapitel 4, die Verse 1-8. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Ermahnung zur Heiligung

Weiter, liebe Brüder, bitten und ermahnen wir euch in dem Herrn Jesus, da ihr von uns empfangen habt, wie ihr leben sollt, um Gott zu gefallen, was ihr ja auch tut, dass ihr immer vollkommener werdet. Denn ihr wisst, welche Gebote wir euch gegeben haben durch den Herrn Jesus. Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, dass ihr meidet die Unzucht und ein jeder von euch seine eigene Frau zu gewinnen suche in Heiligkeit und Ehrerbietung, nicht in gieriger Lust wie die Heiden, die von Gott nichts wissen. Niemand gehe zu weit und übervorteile seinen Bruder im Handel; denn der Herr ist ein Richter über alles, was wir euch schon früher gesagt und bezeugt haben. Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinheit, sondern zur Heiligung. Wer das nun verachtet, der verachtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen heiligen Geist in euch gibt.

Liebe Gemeinde,

Ermahnung zur Heiligung, so lautet die Überschrift über unserem heutigen Predigttext. aber was ist denn damit gemeint, wenn wir von Heiligung sprechen? Ich denke, dass Heiligung ein Denken und Handeln beschreibt, welches von Christus, seinem Wort und Geist geprägt ist. Wie sieht ein derartiges Handeln denn heute im 21. Jahrhundert ganz konkret aus? Ich glaube, es sieht genau so aus, wie vor 2000 Jahren. Drei Punkte lassen Sie uns dazu heute Morgen überdenken

1. Sex

Zugegeben, etwas über Sex zu erfahren ist nicht gerade die primäre Aufgabe einer Predigt. Aber, was Paulus dazu zu sagen hat, sollte für uns heute auch immer noch eine Leitlinie sein.

In vielen Glaubensgemeinschaften wird der Sex ja nur als notwendiges Übel der Fortpflanzung gesehen. Das sagt Paulus indes nicht. Sex kann und darf auch Freude bereiten, aber bitteschön in der Ehe und mit der eigenen Frau.

Paulus fordert ja in seinem Brief geradezu die Männer auf, die eigene Frau zu erobern. Aber stets unter Vermeidung der Unzucht. Unzucht ist immer dann gegeben, wenn der eine Partner nur an die Befriedigung seiner eigenen Bedürfnisse denkt und dabei die Frau oder der Mann zum austauschbaren Objekt wird.

Der eigene Partner soll dabei in Heiligung und Ehrerbietung gewonnen werden. Auch wenn wir diesen Begriff unter dem Generalthema der Sexualität in unserem Predigttext finden, gilt er doch für die gesamte Partnerschaft, die ja bekanntermaßen auch noch aus anderen Bereichen besteht.

Um es mal ganz konkret auszudrücken: Die eigene Frau ist nicht meine Putze und Köchin, die gefälligst dafür zu sorgen hat, dass ich abends ein leckeres Essen auf dem Teller habe und das auch noch in einem gemütlichen Ambiente. Und der eigene Mann ist nicht der, der dafür zuständig ist, das ja genügend Geld nach Hause kommt, damit ich als Frau ordentlich shoppen gehen kann.

Heiligung und Ehrerbietung bedeutet, dass beide Partner einander achten und wertschätzen. Das beinhaltet unter anderem, dass der eine Partner dem anderen bei der Verrichtung aller Aufgaben hilfreich zur Seite steht. Das bedeutet aber auch, die jeweilige Tätigkeit des anderen stets anzuerkennen als das, was es ist, nämlich ein Liebesdienst an dem anderen Partner.

Wenn wir die Hausarbeit der Frau mal wieder so betrachten, nämlich als ein Liebesdienst an uns Männern, dann sehen wir dies ganz bestimmt mit anderen Augen, als wenn wir dies alles nur als selbstverständlich hinnehmen.

Wenn beide Partner mit der gebotenen Werteschätzung einander begegnen, dann kommen beide Partner zu Ehren. Wir sehen, Gott kannte schon die Gleichberechtigung.

2. Geld

Auch nicht unbedingt ein Kanzelthema, wenn wir einmal von der letzten Woche, der Kollektenpredigt absehen. Auf das Thema Geld angesprochen, bekomme ich häufig zu hören, dass dies doch wohl reine Privatsache sei.

Machen wir doch mal einen kurzen Statusbericht, wie es um das Thema Geld bei uns bestellt ist. Wenn ich mir die Werbebotschaften von Investmentgesellschafen anschaue, ist es toll, zweistellige Renditen zu erwirtschaften. Menschen, die dies geschafft haben, finden wir häufig auf den Titelseiten diverser Wirtschaftsmagazine. Dass dabei häufig auf der anderen Seite Menschen zu Schaden kommen, wird einfach so hingenommen.

Ein siebenstelliges Einkommen zu verdienen weckt unseren Respekt vor der Person, die dies erreicht hat. Dass dies häufig auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen worden ist, die gerade mal den gesetzlich vorgeschriebenen Hungerlohn dafür erhalten, wird natürlich nirgendwo erwähnt. Eine bessere Definition für „asozial“ kann es eigentlich gar nicht geben.

Aber es kommt noch besser. Asozial ist nicht der Unternehmer, der seine Mitarbeiter nach Strich und Faden ausbeutet, nein asozial ist der der bei der ganzen Geschichte rund um das Thema Geld hinten runtergefallen ist. Das ist z.B. der Arbeitnehmer, der auf Grund eines Arbeitsunfalles berufsunfähig geworden ist und nun mit einer Minirente zurechtkommen muss, die noch nicht einmal das Hartz 4 Niveau erreicht.

Und in diese Situation hinein sagt Paulus, was Gott darüber denkt: „Niemand gehe zu weit und übervorteile seinen Bruder im Handel.“ An dieser Stelle möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass Gott nichts, aber auch gar nichts gegen Reichtum hat. Aber er hat was dagegen, wenn ich ihn auf Kosten anderer erwirtschafte. Und er hat auch was dagegen, wenn ich mit meinem Reichtum nur so umgehe, dass nur ich etwas für mich davon habe und ansonsten nur dafür sorge, dass sich mein Reichtum prächtig vermehrt.

Jetzt steht da noch das Wort der Übervorteilung. Das trifft es doch genau, die da oben ziehen uns kleine Leute so richtig über den Tisch. Endlich mal liest denen mal einer so richtig die Leviten. Liebe Gemeinde, die da oben, damit sind auch wir gemeint.

Denken wir doch einmal darüber nach, wenn wir die nächste Jeans für 10,00 € kaufen, was davon für einen Fabrikarbeiter in Asien übrig bleibt. Denken wir doch einmal bei unserem nächsten Besuch eines 1 € Ladens darüber nach, wer dabei so alles auf der Strecke bleibt.

Es wird immer wieder Situationen geben, die ein derartiges Handeln erforderlich machen, ganz ohne Frage, aber ohne Not dort einzukaufen halte ich zumindest für ein passives Übervorteilen.

3. Was machen wir da eigentlich?

Egal ab bei Sex oder Geld, immer wenn wir jemand betrügen, übervorteilen oder anderweitig Schaden zufügen, dann verachten wir diesen Menschen, den Gott über alles liebt. Und wenn wir dem Menschen einen Schaden zufügen, den Gott über alles liebt, dann verachten wir auch Gott.

Und das, liebe Gemeinde, ist nun wirlich fernab von aller Heiligung.

Und wenn das Ganze einmal unbewusst geschieht, werde ich häufig gefragt. In der Juristerei gibt es die sogenannte Fahrlässigkeit, welche bei kleineren Delikten nicht unter Strafe steht. Sünde hingegen verlangt immer einen Vorsatz. Aber trotzdem bleibt irgendwie ein mulmiges Gefühl zurück. Ich möchte doch auch gern die fahrlässig begangenen Sünden vermeiden. Geht das überhaupt?

Ich sage eindeutig ja. Der Heilige Geist, der in uns wohnt, möchte uns unser ganzes Leben lang leiten, führen und begleiten. Wir müssen ihm nur den Raum dafür geben. In dem Rahmen, wie wir Gott bitten uns durch seinen Geist zu führen, da werden wir feinsinnig werden, wenn es um die heute beschriebenen Sünden geht.

Wir werden sie besser erkennen und entlarven können und Gott wird uns bestimmt Vermeidungsstrategien zur Verfügung stellen. Lassen Sie uns daher immer wieder unseren Herrn bitten, dass er uns dahin führen möge, dass wir alle ein geheiligtes Leben miteinander führen können.

Und wenn es doch wieder einmal danebengeht, dann ist unser Herr nur ein Gebet weit entfernt um dem reuigen Sünder zu vergeben.

Letztendlich dürfen wir alle auf die Gnade unseres Gottes vertrauen, der jedem reumütigen Sünder vergibt und ihn wieder in die Arme nimmt. Daher dürfen wir frohen Herzens in den ersten Vers des Liedes „Jesus nimmt die Sünder an…“ (EG 353) von Erdmann Neumeister einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Jesus nimmt die Sünder an.
Saget doch dies Trostwort allen,
welche von der rechten Bahn
auf verkehrten Weg verfallen.
Hier ist, was sie retten kann:
Jesus nimmt die Sünder an.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche unter der Führung unseres Herrn.

Bleibe Sie alle wohl behütet
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 18. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 12. Kapitel des Markusevangeliums, die Verse 28-34. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Die Frage nach dem höchsten Gebot

Und es trat zu ihm einer von den Schriftgelehrten, der ihnen zugehört hatte, wie sie miteinander stritten. Und als er sah, dass er ihnen geantwortet hatte, fragte er ihn: Welches ist das höchste Gebot von allen ? Jesus aber antwortete ihm: Das höchste Gebot ist das: “ Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der Herr allein, und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüt und von allen deinen Kräften“ (5. Mose 6, 4.5). Das andre ist dies: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (3. Mose 19,18). Es ist kein anderes Gebot größer als diese. Und der Schriftgelehrte sprach zu ihm: Meister, du hast wahrhaftig recht geredet ! Er ist nur einer, und ist kein anderer außer ihm; und ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzem Gemüt und von allen Kräften, und seinen Nächsten lieben wie sich selbst, das ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer. Als Jesus aber sah, dass er verständig antwortete, sprach er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reich Gottes. Und niemand wagte mehr, ihn zu fragen.

Liebe Gemeinde,

auch wenn die Überschrift unseres heutigen Predigttextes die Frage nach dem höchsten Gebot aufwirft, handelt es sich doch im Detail betrachtet um 3 Gebote. Lassen Sie uns diese drei höchsten Gebote heute morgen einmal gemeinsam etwas näher betrachten:

1. Gebot: Gott lieben

Natürlich lieben wir Gott, das ist doch klar. Ansonsten säßen wir nicht hier beieinander oder würden diese Predigt lesen. Aber das Gebot, Gott zu lieben geht ja noch weiter. Es beschreibt ganz genau, wie wir Gott lieben sollen.

Dort lesen wir, wir sollen Gott von ganzem Herzen lieben. In der Bibel wird das Herz den Menschen auch als das Zentrum der Person dargestellt. Das Herz ist unter anderem der Ort, an dem die lebenswichtigen Entscheidungen getroffen werden. Wenn wir Gott also von ganzem Herzen lieben sollen, dann handelt es sich dabei nicht um eine schwärmerische Liebe, sondern um eine Liebe, der eine verstandesmäßige Entscheidung vorausgegangen ist.

Das mag vielleicht ein wenig nüchtern und abgeklärt klingen, aber Gottes Reich ist kein Reich für Schwärmer und Phantasten. Gottes Reich ist ein ganz reales Reich, welches von verstandesmäßig orientierten und liebenden Menschen aufgebaut werden muss. Unser Land wird ja auch nicht von einer Horde Clowns und Komikern regiert, sondern von Vollblutpolitikern, die ihr Geschäft verstehen.

Von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Hier kommt es dann doch noch ins Spiel, das Gefühl. Natürlich sollen wir Gottes Reich nicht wie eiskalte Analytiker, eventuell noch nach Kosten und Nutzenabwägungen aufrichten. Wir sollen von ganzer Seele und von ganzem Gemüt dabei sein. Nach unserem verstandesmäßigen Ja zu unserem Herrn sollen wir seine Liebe, die in uns Einzug gehalten hat auch 1:1 in den Aufbau seines Reiches umsetzen.

Und das in allen Lebenslagen und Stimmungen. Wenn es uns so richtig gut geht, haben wir alle gar keine Probleme unserem Herrn zu danken. Wenn hingegen das Gegenteil der Fall ist, kommen die Menschen doch häufig ins Zweifeln und Wanken. Und genau hier besagt dieses höchste Gebot, genau in diesen Lagen sollen wir Gott auch lieben. Ich soll ihm also danken, wenn es mir so richtig mies geht? Ganz genau. Gott macht nämlich keine Fehler. Er ist auch gerade dann bei uns, wenn einmal die trüben Tage kommen. Er ist dann bei uns, um uns zu trösten und zu leiten gerade in den schweren Tagen unseres Lebens.

Mit allen Kräften. Wenn ich jemanden mit allen meinen Kräften liebe, dann bin ich ganz allein auf ihn fokussiert. Und genau dies ist hier gemeint. Gott erwartet unsere ganze ungeteilte Liebe. Wir sollen eben nicht Gott zum Teil lieben das Geld anbeten oder unsere Karriere oder irgendeine Person Gott gleich stellen oder über Gott stellen. Gott ist es, dem unsere ganze Kraft und Liebe gebührt.

2. Den Nächsten lieben

Nun geht es darum, unseren Nächsten zu lieben. Wer ist denn eigentlich unser Nächster ? Ist es mein Nachbar, dem es zur Zeit nicht so gut geht? Ist es der Bettler an der Ecke, der tagein tagaus dort sitzt und von dem Wohlwollen der vorübergehenden Passanten abhängig ist?

Ich glaube, die Fragestellung als solche hakt schon ein wenig. Wie wäre es, wenn ein wenig anders fragen, nämlich so: Wem kann ich der Nächste sein? Dann ist die Passivität aus der Fragestellung aufgehoben. Dann sind wir aktiv gefragt, Augen und Ohren offen zu halten, wo denn jemand sein könnte, dem wir gerade in diesem Moment der Nächste sein können.

Und Gott wird uns schon Menschen zeigen, die dringend unserer Hilfe bedürfen. Wie bei Gott kein Ansehen der Person stattfindet, so sollte dies bei uns natürlich auch nicht sein. Egal, wer uns auch als Nächster an die Seite gestellt wird, genau demjenigen müssen wir der Nächste sein.

3. Wie Dich selbst

Wer ausgepowert, ausgelaugt und miesepetrig durchs Leben geht, dem fällt es natürlich schwer, anderen Menschen zu helfen. Ich erlebe dies immer wieder in Ehrenämtern. Da setzen sich Menschen bis an das Ende ihrer Kräfte ein und werden irgendwann missmutig, wenn es nicht so läuft, wie sie es sich wünschen oder wenn die vermeintlich zustehende Anerkennung einfach ausbleibt.

So kann ich keinem Menschen wirklich der Nächste sein. Ich kann meinem Nächsten nur der Nächste sein, wenn ich auch mir der Nächste bin. Wir können zum Beispiel nur von der Kraft etwas abgeben, die uns Gott zur Verfügung stellt. Wer keine Kraft mehr hat, der kann logischerweise auch keine mehr abgeben.

Bleiben wir doch ruhig einmal beim Thema Geld. Wenn ich mich selbst liebe, also mir selbst auch mal etwas gönne, dann ist dies vollkommen in Ordnung. Gott möchte dies ausdrücklich. Erst wenn ich alles für mich und meine Bedürfnisse verprasse oder sogar noch Schulden mache, dann ist dies eben nicht mehr in Ordnung.

Wenn ich mir selber etwas gönne, dann geht es mir auch mental gut und ich kann mich an dem neuen Gegenstand erfreuen. Nun bin ich in der Lage von dem Rest des Geldes auch noch fröhlichen Herzens etwas abzugeben. Denn auch darauf kommt es an. Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Und das geht weit über das Geld hinaus. Da ist dann auch die Freizeit, die ich für mich genießen und Kräfte sammeln kann, um an anderer Stelle etwas von der restlichen Freizeit anderen abzugeben, indem ich Ihnen zum Beispiel bei der Hausaufgabenbetreuung ehrenamtlich zur Verfügung stehe.

Aber niemals, aber auch wirklich niemals darf die Eigenliebe zu kurz kommen. Ich glaube, wir als Christen müssen uns schon immer mal wieder daran erinnern, dass auch die Eigenliebe von Gott gewollt ist. Christen neigen im allgemeinen nämlich dazu, eigene Bedürfnisse immer hintenan zu stellen.

Um nur ein kleines Beispiel zu nennen: Sie kennen alle die WWJD-Armbänder (What would Jesus do ). Wenn ich so lebe, also immer den Anspruch an mich selbst stelle, alles so machen zu wollen, wie Jesus dies getan hat, werde ich automatisch scheitern. Ich bin eben nicht Jesus und soll auch nicht so tun als ob. Denn dann bleibt mir keine Zeit mehr für Eigenliebe und ich lege einen hundertprozentigen christlichen Burnout hin. Und das ist es, was Gott überhaupt nicht will.

Mit dieser euen Einstellung können wir auch unsere Alltagstätigkeit in dem Sinne aufnehmen, wie sie der erste Vers des Liedes „In Gottes Namen fang ich an…“ (EG 494) von Salomo Liscow beschreibt, der da lautet, wie folgt:

In Gottes Namen fang ich an, was mir zu tun gebühret;
mit Gott wird alles wohlgetan und glücklich ausgeführet.
Was man im Namen Gottes tut, ist allenthalben recht und gut
und kann uns auch gedeihen.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche. Und vergessen Sie die Eigenliebe nicht !!!

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 17. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 10. Kapitel des Römerbriefes, die Verse 9-17. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen.

Denn wenn du mit dem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet. Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und wenn man mit dem Munde bekannt, so wird man gerettet. Denn die Schrift spricht (Jesaja28,16): „Wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden.“ Es ist hier kein Unterschied zwischen Juden und Griechen; es ist über alle derselbe Herr, reich für alle, die ihn anrufen. Denn „Wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll gerettet werden“ (Joel 3,5). Wie sollen sie aber den anrufen, an den sie nicht glauben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie aber hören ohne Prediger? Wie sollen sie aber predigen, wenn sie nicht gesandt werden? Wie denn geschrieben steht (Jesaja 52,7): „Wie lieblich sind die Füße der Freudenboten, die das Gute verkündigen.“ Aber nicht alle sind dem Evangelium gehorsam. Denn Jesaja spricht (Jesaja 53,1): “ Herr, wer glaubt unserm Predigen?“ So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.

Liebe Gemeinde,

nehmen wir einmal an, Sie machen eine Kreuzfahrt. Auf einmal gerät Ihr Schiff in Seenot. Wohlgeordnet gilt es nun, das Schiff zu verlassen und in die bereitstehenden Rettungsboote zu steigen. Können Sie sich jemanden vorstellen, der genau jetzt sagt: „Nein, jetzt noch nicht, ich möchte erst noch das Galadinner genießen. Später vielleicht.“ So jemanden würden wir doch wohl alle als „vollkommen neben der Spur“ bezeichnen.

Aber verfahren nicht viele Menschen in Glaubensdingen genauso ? Hier auf Erden legen wir unsere Weichen in Richtung Himmel oder Hölle. Und was sagen viele Menschen? Jetzt noch nicht, später einmal, wenn eine gelegenere Zeit kommt. Das dumme ist nur, dass wir ja gar nicht wissen, wann Gott uns in die Ewigkeit abberuft. Es kann gut sein, dass in der nächsten Woche schon einige von uns im Himmel sind, ohne dass wir dies heute erahnen können.

Also stellt sich doch jedem die drängende Frage: Wie komme ich ganz sicher in den Himmel? Und genau darauf gibt unser heutiger Predigttext uns die passende Antwort. Lassen Sie uns diese Antwort heute Morgen einmal gemeinsam betrachten.

1. Glaube aus Predigt, Predigt aus Bibel

So kommt der Glaube aus der Predigt, so lesen wir es in unserem Predigttext. Das lateinische Wort „praedication“ heißt neutral übersetzt eigentlich nur Aussage. So kommt also der Glaube aus der Aussage. Die Aussage kommt aus dem Wort Gottes.

Erst kommt die Bibel, dann kommt die Aussage der Bibel und dann kommt der Glaube. Wenn wir also zum rechten Glauben finden wollen, dann geht dies nur über den Weg der Bibel. Andere Heilsaussagen außerhalb der Bibel sind schlichtweg falsch.

Die Grundlage um gerettet zu werden finden wir also in der Bibel. In ihr finden wir alles, was wir wissen müssen, um zum Glauben zu kommen. Wenn wir die Bibel einmal als ein Navigationssystem für unser Leben ansehen, dann tun wir gut daran, jeden Tag darin zu lesen. Wenn wir dies tun, dann werden wir nach und nach auch die Aussagen der Bibel immer besser verstehen und immer mehr von dem in die Tat umsetzen können, was uns dort tagtäglich begegnet.

Es geht also nicht darum, dass ich nur durch eine Predigt im Gottesdienst den rechten Glauben finden kann. Manche kirchlichen Gemeinschaften hätten dies ja gern und benutzen diesen Vers immer wieder um Menschen zwingend zum Besuch der Gottesdienste zu bewegen. Natürlich ist es gut, einen Gottesdienst zu besuchen. Nur anzunehmen, dass ich nur dann den Weg zum Glauben finden kann, wenn ich den Predigten eifrig lausche, ist katastrophaler Blödsinn.

Natürlich ist die Gemeinschaft der Gläubigen wichtig. Einer allein fällt bekanntermaßen schneller, als wenn er von zwei anderen Menschen gestützt und gehalten wird. Das bedeutet, dass wir auf uns allein gestellt sehr schnell den Versuchungen und Anfechtungen anheimfallen können. Dann ist es gut, Menschen an unserer Seite zu haben, die ein wenig auf einen aufpassen.

Und in der Gemeinschaft lässt sich das Wort Gottes auch noch besser verstehen und auslegen als allein im stillen Kämmerlein. Fragen können dort besser beantwortet und Irrtümer schneller ausgeräumt werden als in der eremitischen Einsamkeit.

2. Mit Mund bekennen

Wir haben soeben die Basics aufgezeigt, die uns zum Weg des Glaubens führen können. Bis jetzt war ja alles rein theoretisch. Der größte Agnostiker kann jeden Tag die Bibel lesen, sie verstehen und trotzdem nicht den Weg zum Herrn finden und ihn gehen. Nach der Theorie kommt nämlich nun die Praxis des „Gerettet-Werdens“.

Wenn ich die Heilslehre der Bibel verstanden habe, dann muss ich dies auch bekunden. Ich muss das, was ich aus der Bibel heraus wahrgenommen habe, auch ganz persönlich für mich in Anspruch nehmen. Ich muss also mit meinem Munde bekennen, dass Jesus mein Herr ist. Das heißt nicht, dass ich fortan auf allen öffentlichen Plätzen dieser Welt die frohe Botschaft verkündigen muss, um gerettet zu werden.

Mit dem Munde bekennen heißt, dass ich dies meinem Herrn ganz persönlich sage, ihm also meine Entscheidung definitiv mitteile. Wir sagen auch gern Bekehrung zu diesem Vorgang. Oftmals wird die Bekehrung ja auch nach dem paulinischen Erlebnis als Damaskusstunde bezeichnet. Um mit dem Irrtum aufzuräumen, dass nur, wer eine Damaskusstunde erlebt hat, den wahren Glauben gefunden, hat möchte ich sagen, dass es bei mir eine sehr lange Damaskusperiode war bis es endlich „Klick“ gemacht hat und ich mein Ja, Herr, ehrlichen Herzens sagen konnte.

Bekehrung ist also keinesfalls ein so dramatisches Geschehen, wie es Paulus widerfahren ist. In den meisten Fällen wächst der Glaube nämlich ganz langsam. Also keine Angst und Zweifel, wenn der Glaube erst einmal wächst. Daher halte ich auch nicht viel von Massenevangelisationen wo hunderte von Menschen von jetzt auf gleich bekehrt werden.

Ich glaube nämlich, dass Gott eine wohlüberlegte, abgewogene Entscheidung lieber ist, als eine vorschnelle Bekehrung.

3. Mit dem Herzen glauben

Glaube, liebe Gemeinde ist immer eine Herzenssache. In dem Moment, wo ich Jesus als meinen Herrn annehme, also mein endgültiges Ja zu ihm und seiner Erlösungstat sage, ab diesem Moment zieht der Herr bei mir ein.

Stellen wir uns einmal vor, wir ziehen um. Erst einmal besichtigen wir die neue Wohnung, zeigen also unser Interesse an der Wohnung. Dann unterschreiben wir den Mietvertrag, also unser Ja, dass wir die Wohnung haben wollen. Das können wir auf die vorhergehenden Punkte der Predigt doch gut übertragen.

Aber wie geht es dann weiter? Nun, nach der Schlüsselübergabe reinigen wir die neue Wohnung, renovieren sie, bestücken sie mit Möbeln und ziehen dann ein.

Und genau so macht es unser Herr. Nach der Schlüsselübergabe, also nach unserem Ja zu ihm reinigt er erst einmal unser altes Herz. Alles, was dort ausgemistet werden muss, fliegt raus. Das kann manchmal ganz schön schmerzhaft sein, wie ich es selber erfahren habe. So manche Gewohnheit gibt man halt doch nicht so gern auf. Aber der Herr fühlt sich eben nur in einer sauberen Wohnung wohl.

Dann geht es an das Renovieren. Mein altes Leben hat so manche Schrammen und Macken hinterlassen; wir nennen sie auch gern Traumata. Diese dürfen wir ganz getrost unserem Herrn übergeben. Er möchte all unsere Nöte, Sorgen und Probleme übernehmen, damit wir ein Leben in Ihm führen können frei von Nöten Sorgen und Problemen. Natürlich wird es auch weiterhin Sorgen und Probleme geben. Aber wir haben ja den Herrn an unserer Seite, der uns dabei hilft, diese zu bewältigen. Eine Wohnung renoviert man ja schließlich auch nicht nur 1 mal in seinem Leben.

Bevor wir einziehen in unsere neue Wohnung muss diese dann noch möbliert werden. Der Herr möchte auch unser Herz ganz neu möblieren. Die alten Möbelstücke unter anderem Neid, Missgunst, und Sünden jeder Art werden entsorgt. Neue Möbel müssen also her. Und diese sind unter anderem Liebe, Hilfsbereitschaft und Mitgefühl, um nur einige davon zu erwähnen.

Was ganz wichtig ist, ist die Erkenntnis, dass nicht wir uns ändern nach unserer Bekehrung, sondern dass es der Herr allein ist, der uns ändert. Wir selber können dies nämlich überhaupt nicht. Wir sind dabei immer auf die Hilfe unseres Herrn angewiesen.

So, und wenn wir all diese Wunder an uns selber erlebt haben, die der Herr an und in uns verrichtet hat, dann können wir gar nicht mehr anders, als mit dem Mund zu bekennen, dass Jesus der Herr ist und im Herzen glauben, dass Gott diesen Jesus von den Toten auferweckt hat. Hätte er dies nämlich nicht getan, würde er heute nicht in uns leben können und all diese Wunder vollbringen können.

Wenn wir dies mit unserem Mund und Herzen bekennen, dann können wir auch in den zweiten Vers des Liedes „Die Sonn hoch an dem Himmel steht…“ (EG 459) von Ambrosius Lobwasser voll Inbrunst einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Die rechte Sonn ist Jesus Christ,
das Licht er zu dem Leben ist,
das er uns heute durch sein Wort
hell leuchten lässt an allem Ort.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 16. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 2. Timotheus, Kapitel 1, die Verse 7-10. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserem Herrn noch meiner, der ich sein Gefangener bin, sondern leide mit mir für das Evangelium in der Kraft Gottes. Er hat uns selig gemacht und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht nach unseren Werken, sondern nach seinem Ratschluss und nach der Gnade, die uns gegeben ist in Christus Jesus vor der Zeit der Welt, jetzt aber offenbart ist durch die Erscheinung unseres Heilands Christus Jesus, der dem Tod die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht hat durch das Evangelium.

Liebe Gemeinde,

einige unter uns können sich sicherlich an die Starwars-Filme erinnern und den Abschiedsgruß der Jedi: „Möge die Macht mit dir sein.“ Einen ähnlichen Gruß sehen wir in unserem heutigen Predigttext, welcher in einer anderen Übersetzung lautet: „Möge die Kraft Gottes mit dir sein.“

Wer mich ein wenig näher kennt, der weiß, dass ich derartige Allgemeinplätze nicht besonders mag, sondern eher das Konkrete vorziehe. Wenn also die Kraft Gottes mit mir sein möge, dann möchte ich schon gern wissen, woraus denn genau diese Kraft besteht und woraus nicht. Unser heutiger Predigttext beantwortet uns auch genau diese Frage. Gehen wir der Antwort doch einmal etwas näher auf den Grund.

1. Die Kraft der Liebe

Das Wort Liebe kann sowohl mit „eros“ aber auch mit „agape“ übersetzt werden. Über eros und dessen Bedeutung müssen wir uns sicherlich nicht lange unterhalten. Bei agape sieht dies schon etwas anders aus.

Wenn Gott uns die Kraft der Agape geschenkt hat, dann handelt es sich eben nicht um menschliche Liebe, sondern um die von Gott inspirierte uneigennützige Liebe. Diese Kraft der uneigennützigen Liebe weist gegenüber der menschlichen Liebe einige Besonderheiten auf.

Agape ist voll schenkender Güte. Wenn ich etwas verschenke, dann gebe ich dies gern und erwarte auch keine Gegenleistung. Wenn ich also meinen Mitmenschen Güte zuteil werden lasse, dann erwarte ich nicht, dass ich genau diese Güte wieder zurückerhalte. Agape schenkt bedingungslos und erwartet nichts vom anderen als Gegenleistung. Die Kraft der Agape äußert sich auch in der gegenseitgen Treue.

Gegenseitige Treue bedeutet zum einen meine Treue gegenüber Gott. Dass wir Gott treu sind, das ist doch selbstverständlich. Oder etwa nicht ? Schauen wir doch nur einmal auf all die kleinen und großen Verführungen, welche uns von dieser Treue abhalten möchten. Wie schnell sind wir geneigt, diesen Versuchungen nachzugeben. Da ist es dann schon gut zu wissen, das Gott uns mit Agape genau diese Kraft der Treue zu ihm geschenkt hat, die wir benötigen, um nicht gleich jeder Versuchung nachzugeben.

Die Kraft der Agape ist aber auch die Kraft der Treue gegenüber meinen Mitmenschen. Genau diese Agape gibt mir die Kraft nicht nur Gott, sondern auch meinen Mitmenschen gegenüber treu zu sein. Und zwar auch dann, wenn diese es nach menschlichem Ermessen eben gerade nicht verdient haben. Wenn diese Menschen vielleicht genau das Gegenteil von Agape verdient hätten, dann gibt mir Gott gerade die Kraft, dieses Reaktionsmuster zu unterbrechen.

Die Kraft der Agape ist auch die Kraft der Barmherzigkeit und der Gnade. Wir leben ja in einer Zeit die nach dem Motto „Wie du mir so ich dir“ geprägt ist. Agape hilft uns auch hier, dort barmherzig zu reagieren, wo eigentlich Rache angesagt wäre. Barmherzigkeit und Gnade sind ja Begriffe, die uns Christen immer mal wieder um die Ohren gehauen werden im Zusammenhang mit dem Begriff „Weicheier“.

Genau das sind wir Christen allerdings nicht. Barmherzigkeit und Gnade heißt eben nicht das berühmte „Schwamm drüber“. Barmherzigkeit heißt im Prinzip nur: „Das, was du mir angetan hast, von dem steckt auch ein Teil in mir. Und weil mir verziehen wurden ist, verzeihe ich dir auch.“ Wenn ich mein vermeintliches Recht durchsetzen würde, dann müsste ich mich selber auch richten. Weil mir Barmherzigkeit wiederfahren ist, kann ich dies in Form der Gnade auch an meine Mitmenschen weitergeben. Gnade heißt nicht alles und jedes zu tolerieren oder zu akzeptieren, was uns unsere Mitmenschen antun. Gnade vor Recht ergehen lassen bedeutet, dass der andere genau weiß, was er getan hat, und dies zutiefst bereut. Die Kraft der Agape bedeckt meine Wut, wenn wir so wollen, mit der göttlichen Liebe.

2. Die Kraft der Besonnenheit

Liebe Gemeinde, hiermit ist die Kraft des Heiligen Geistes gemeint. Mit dem heiligen Geist ist Gott bei uns eingezogen. Dieser Heilige Geist führt und leitet uns unser ganzes Leben lang. Er zeigt uns genau, was wir tun oder aber besser lassen sollten.

Das setzt natürlich voraus, dass wir auch auf ihn hören. Jeder von uns kann die Stimme des Heiligen Geistes mit dem Lärm des Alltages übertönen. Gott zwängt sich bekanntermaßen keinem auf. Nehmen wir einmal an, wir hätten einen guten Freund, von dem wir wüssten, dass er uns in allen unseren Lebenslagen stets und immer richtig berät. Ich glaube, jeder von uns wäre gut beraten, diese Freundschaft auch entsprechend zu pflegen.

Das schöne ist, dass wir diesen besten Freund in Form des Heiligen Geistes bereits besitzen. Wir sollten nun auch dies Freundschaft pflegen. Und wie pflegt man eine Freundschaft? Nun, zum Beispiel indem man mit dem Freund regelmäßig redet. Nicht nur mal so eben zwischen Tür und Angel. Nein, jeden Tag ganz ausführlich. Und dann wäre es natürlich auch dienlich, wenn man die guten Ratschläge des Freundes auch beherzigt. Niemand würde dauerhaft unser Freund sein wollen, wenn wir seine Ratschläge immer in den Wind schlagen würden.

Die Kraft des Heiligen Geistes versetzt uns also in die Lage, das jeweils beste Verhalten zu erkennen. Das ist das eine. Der Heilige Geist versetzt uns auch in die Lage, dies unseren Mitmenschen weiter zu geben. Notfalls auch mit Worten, aber viel besser geht dies mit Taten.

3. Keine Furcht

Von den soeben beschriebenen Kräften dürfen wir unser Leben lang zehren. Wissen Sie, was das schönste daran ist? Feigheit, Ängstlichkeit und Furchtsamkeit gehören in dem Moment der Vergangenheit an, wo wir uns auf diese Kräfte berufen mit denen uns unser Herr ausgestattet hat.

Natürlich kommen wir alle immer wieder in Situationen die uns Sorgen bereiten oder gar Angst machen. Genau in diesen Situationen sollen wir uns aber immer wieder daran erinnern, dass uns Gott nicht den Geist der Furcht, sondern die Kraft der Liebe und der Besonnenheit gegeben hat.

Darum trage ich diesen ersten Satz unseres Predigttextes nicht nur im Herzen, sondern er befindet sich überall als Memo, wo ich mich für gewöhnlich aufzuhalten pflege. Ich kann aus meiner eigenen Erfahrung nur sagen, dass dies sehr hilfreich ist.

Probieren Sie es doch einfach einmal selber aus.

Wenn wir uns dies immer wieder in unser Gedächtnis rufen, dann können wir frohen Mutes in den 5. Vers des Liedes „Jesus lebt, mit ihm auch ich!“ (EG 115) von Chrsitian Fürchtegott Gellert einstimmen, der da lautet, we folgt:

Jesus lebt! Ich bin gewiss, nichts soll mich von Jesus scheiden,
keine Macht der Finsternis, keine Herrlichkeit, kein Leiden.
Seine Treue wanket nicht; dies ist meine Zuversicht.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche unter der festen Gewissheit dass die Kraft der Liebe und der Besonnenheit immer in uns wohnt.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber