Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 14. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Brief des Paulus an die Thessalonicher, Kapitel 1, die Verse 2-10. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Der vorbildliche Glaube der Gemeinde

Wir danken Gott allezeit für euch alle und gedenken euer in unserm Gebet und denken ohne Unterlass vor Gott, unserm Vater, an euer Werk im Glauben und an eure Arbeit in der Liebe und an eure Geduld in der Hoffnung auf unsern Herrn Jesus Christus. Liebe Brüder, von Gott geliebt, wir wissen, dass ihr erwählt seid; denn unsere Predigt des Evangeliums kam zu euch nicht allein im Wort, sondern auch in der Kraft und in dem Heiligen Geist und in großer Gewissheit.
Ihr wisst ja, wie wir uns unter euch verhalten haben um euretwillen. Und ihr seid unserem Beispiel gefolgt und dem des Herrn und habt das Wort aufgenommen in großer Bedrängnis mit Freuden im Heiligen Geist, sodass ihr ein Vorbild geworden seid für alle Gläubigen in Mazedonien und Achaja. Denn von euch aus ist das Wort des Herrn erschollen nicht allein in Mazedonien und Achaja, sondern an allen Orten ist euer Glaube an Gott bekannt geworden, sodass wir es nicht nötig haben, etwas darüber zu sagen.
Denn sie selbst berichten von uns, welchen Eingang wir bei euch gefunden haben und wie ihr euch bekehrt habt zu Gott von den Abgöttern, zu dienen dem lebendigen und wahren Gott und zu warten auf seinen Sohn vom Himmel, den er auferweckt hat von den Toten, Jesus, der uns von dem zuküftigen Zorn errettet.

Liebe Gemeinde,

wie es scheint, lobt Paulus die Gemeinde in Thessalonich über den grünen Klee. In kaum einem anderen Brief wird die Gemeinde so intensiv gelobt wir in unserem heutigen Predigttext. Warum lobt Paulus diese Gemeinde so über alle Maßen und was zeichnet diese Gemeinde als etwas so besonders aus? Lassen Sie uns darüber heute Morgen einmal gemeinsam nachdenken.

1. Wort aufnehmen

Liebe Gemeinde, wir hören natürlich alle auf das, was uns der Predigttext sagen möchte. Aber setzen wir auch das um, was uns Sonntag für Sonntag berichtet wird? Die Gemeinde in Thessalonich war eine solche Gemeinde, die das Wort nicht nur hörte, sondern es auch 1:1 in die Tat umsetzte.

Wir hören ja nicht am Sonntag Gottes Wort, um es dann für eine Woche in die Ecke zu stellen. Auch wir, die wir heute Morgen beisammen sind, sollen das, was uns Gott sagen möchte auch in die Tat umsetzen.

„Mit Freuden im Heiligen Geist“, so schreibt es Paulus haben die Thessalonicher das Wort aufgenommen.

Der Heilige Geist kann ja nur dann in mir wirken, wenn ich ihn auch wirken lasse. Wenn ich miesepeterig meine Bibel lese, meine Zeit im Gottesdienst absitze und dabei nicht bei der Sache bin, weil mich das Ganze sowieso nicht so richtig interessiert, dann wird auch der Heilige Geist auch kaum in mir wirken.

Wenn ich aber neugierig bin auf Gottes Wort und wissen möchte, was er mir sagen will, dann wird der Heilige Geist in mir wirken. Er wird mich lenken und führen und mich auf rechtem Wege leiten, damit ich das, was Gott von mir möchte, auch in mit einem freudigen Herzen umsetzen kann.

Das geht natürlich nicht mal eben so im Vorbeigehen, dazu bedarf es schon der Ruhe und Stille, damit ich SEIN Wort auch verstehen kann.

2. Abkehr von Götzen

Bekehrung, liebe Gemeinde ist die eine Sache, die Abkehr von den Götzen hingegen eine ganz andere. Was sind eigentlich Götzen?

Götzen sind alle Dinge in unserem Leben, die uns von unserer Gemeinschaft mit unserem Herrn wegbringen wollen, oder aber diese Gemeinschaft stören wollen oder aber anstelle dieser Gemeinschaft treten wollen.

Das hört sich sehr theoretisch an, daher ein paar Beispiele. Der Teufel ist ein Paradebeispiel für jemanden, der uns von Gott wegbringen möchte und zu sich in seinen Bann ziehen möchte. Der Teufel arbeitet sehr, sehr intelligent. Er sagt zum Beispiel nicht: „Es gibt doch gar keinen Gott“, sondern er lädt uns ein, mit ihm doch einmal über Theologie zu diskutieren. Und dann stellt er eine Tatsache nach der anderen in Frage, bis wir schließlich total verunsichert sind.

Die christliche Gemeinschaft lebt ja gerade von und in dieser Gemeinschaft. Wenn mich Geld, Karriere und Hobbys daran hindern, an der Gemeinschaft teilzuhaben, dann muss ich mir auch hier die Wertefrage stellen.

Im Prinzip können wir sagen, dass alles, was uns wichtiger ist als Gott, schon in die Nähe des Götzen rückt. Und dabei sollten wir höllisch aufpassen, dass diese Dinge nicht unsere Beziehung mit Gott durcheinanderbringen.

3. Die Praxis

Wie gehen wir denn nun ganz praktisch als Christen mit der Welt und der Gemeinde um ? Auch hier sagt uns Paulus drei Kennzeichen, die er an der Gemeinde in Thessalonich so besonders schätzt.

Wir sollen in Liebe miteinander umgehen. Natürlich gibt es in jeder Gemeinschaft auch Meinungsverschiedenheiten. Diese sollen wir aber nicht im Streit, sondern in Liebe lösen. Am besten macht man das, indem man nicht das sucht, was uns trennt, sondern nach dem Ausschau hält, was uns verbindet. Dann kommt man in der Regel sehr schnell zu dem Ergebnis, dass es gar keinen Raum für Streit mehr geben kann, da das, was uns verbindet, immer größer ist, als das, was uns voneinander trennt.

Wir sollen in Geduld miteinander umgehen. Wenn etwas nicht so klappt, wie wir es uns wünschen, dann neigen wir ja schnell mal dazu ungeduldig zu werden. Da ist der neue Bruder, der mit seinen Fragen anfängt zu nerven. Wir haben es ihm doch schon dutzende Male erklärt. Und dann ist da noch der Bruder, der immer wieder den gleichen Fehler macht. Man könnte aus der Haut fahren.

Was Geduld heißt, das hat Jesus dem Petrus auf seine Frage hin geantwortet, wie oft man seinem Gegenüber verzeihen muss. Nicht sieben Mal, sondern siebzig Mal sieben Mal.

Wir sollen die Hoffnung in uns tragen. Hoffnung, liebe Gemeinde ist ein Leben hin auf das, was wir noch nicht sehen können, von dem wir aber überzeugt sind, dass es kommen wird. Wenn dies in der Gemeinschaft geschieht, dann stärkt der eine den anderen, wenn dieser einmal ins zweifeln kommen sollte.

Wie er auf Hoffnung hin lebt, dass erklärte der Theologe Helmut Thielicke einmal wie folgt: Wir alle kennen das Weihnachtsfest. Und wir alle kennen die Adventszeit, in welcher wir uns auf dieses Fest vorbereiten. Mein ganzes Leben ist eine andauernde Adventszeit in der ich mich auf das Höchste vorbereite, was mir widerfahren kann, nämlich die Heimkehr in mein himmlisches Vaterhaus. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

Machen wir es doch ab heute ganz konkret: Gehen wir doch wieder liebevoller miteinander um, üben wir uns doch wieder mehr in Geduld, wenn die Pferde mit uns durchzugehen drohen und sehen wir doch wie Helmut Thielicke das Leben als eine einzige Adventszeit, in welcher wir uns auf den Himmel vorbereiten dürfen.

Lassen Sie uns zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes gemeinsam in den 6. Vers des Liedes „Ich bin ein Gast auf Erden…“ (EG529) von Paul Gerhardt einstimmen, der uns aufzeigt, wie wir hoffnungsvoll leben können:

So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt,
doch denk ich nicht zu bleiben in diesem fremden Zelt.
Ich wandre meine Steaße, die zu der Heimat führt,
da mich ohn alle Maße mein Vater trösten wird.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 12. Sonntag nach Trinitatis. Den Text unserer heutigen Predigt finden wir im 3. Kapitel der Apostelgeschichte, die Verse 1-10. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Die Heilung des Gelähmten

Petrus aber und Johannes gingen hinauf in den Tempel um die neunte Stunde zur Gebetszeit. Und es wurde ein Mann herbeigetragen, lahm von Mutterleibe; den setzt man täglich vor die Tür des Tempels, die da heißt die Schöne, damit er um Almosen bettelte bei denen, die in den Tempel gingen. Als er nun Petrus und Johannes sah, wie sie in den Tempel hineingehen wollten, bat er um ein Almosen. Petrus aber blickte ihn an mit Johannes und sprach: Sieh uns an!
Und er sah sie an und wartete darauf, dass er etwas von ihnen empfinge. Petrus aber sprach: Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi von Nazareth steh auf und geh umher! Und er ergriff ihn bei der rechten Hand und richtete ihn auf.
Sogleich wurden seine Füße und Knöchel fest, er sprang auf, konnte gehen und stehen und ging mit ihnen in den Tempel, lief und sprang umher und lobte Gott. Und es sah ihn alles Volk umhergehen und Gott loben. Sie erkannten ihn auch, dass er es war, der vor der Schönen Tür des Tempels gesessen und um Almosen gebettelt hatte; und Verwunderung und Entsetzen erfüllte sie über das, was ihm widerfahren war.

Liebe Gemeinde,

auf den ersten Blick geht es um die Heilung eines Gelähmten. Wenn wir jedoch ein wenig hinter die Kulissen blicken, dann geht es um unsere eigene Heilung, die in unserem heutigen Predigttext beschrieben wird. Lassen Sie uns die Geschichte unserer Heilung einmal ein wenig genauer betrachten.

1. Ohne Gott

Bewegungslos, also lahm zu sein ist so eine der stärksten körperlichen Leiden, die man sich vorstellen kann. Stets und ständig ist man auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen.

Neben dieser körperlichen Lähmung und Bewegungslosigkeit gibt es aber doch noch etwas viel Schlimmeres; nämlich die geistliche Lähmung und Bewegungslosigkeit.

Schauen wir uns doch alle einmal in unserem Umfeld um. Sehr viele Menschen leben doch dort ohne Gott. Sind sie wirklich glücklich und auch innerlich grundzufrieden? Nach außen hin mag es ja den Anschein erwecken, aber wenn man einmal etwas intensiver nachfragt, dann wirken viele dieser Menschen wie Getriebene in einem Hamsterrad.

Mit viel aufgesetzter Freude und aufgesetztem Lächeln beschreiten sie ihren Lebensweg, aber zu dem Zustand der inneren Zufriedenheit gelangen sie meist nicht. Man hat es sich ja in seinem Leben so einigermaßen gemütlich gemacht.

Und doch tragen diese Menschen so etwas wie eine unbekannte Sehnsucht in ihren Herzen, die ihnen manchmal bewusst wird. Aber sie wissen nicht, wie sie diese tiefe Sehnsucht befriedigen können. Also laufen sie weiter in ihrem Hamsterrad bis das Hamsterrad eines Tages ohne sie weiterlaufen muss.

2. Auf Gott sehen

Petrus und Paulus sagten zu dem Gelähmten: Sieh uns an!

Für die Menschen, die in ihrer geistlichen Lethargie leben bedeutet dies: Sieh Gott an! Ich mache es immer so, dass ich Menschen, die noch ohne Gott unterwegs sind, bitte, doch einmal so zu tun, als ob Gott wirklich existiert. Einfach mal zwei Wochen den Versuch wagen.

Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von rund 80 Jahren sind zwei Wochen ja nun wirklich nicht viel. Um es genau zu beziffern sind dies gerade mal 0,05 % der Lebenszeit.

Was passiert nun bei den Menschen, die sich so und ernsthaft auf die Suche nach Gott begeben? Genau, Gott lässt sich von diesen ehrlich suchenden Seelen wirklich finden. Ich lehne mich nicht weit aus dem Fenster heraus wenn ich behaupte, dass 100 % aller ehrlich suchenden Menschen, die diesen Versuch wagen, spüren, fühlen und erleben werden, dass Gott real existiert.

Aber unser Predigttext ist ja nicht damit beendet, dass der Gelähmte Petrus und Paulus anschaut. Nein, er, der Jahr für Jahr auf fremde Hilfe angewiesen war, wird von seiner Krankheit geheilt. Und zwar nicht erst nach unzähligen Reha-Kuren, sondern hier und jetzt und sofort.

Liebe Gemeinde, dies geschieht auch heute im 21. Jahrhundert immer und immer wieder. Es ist zwar keine Regel, aber ich habe sehr viele Menschen erlebt, die Dank Gottes Hilfe von Süchten jedweder Art von einem Tag auf den anderen geheilt worden waren.

Und auch uns, die wir schon lange mit unserem Herrn unterwegs sind, steht dieser Weg offen. Auch wir dürfen auf IHN schauen und IHN bitten, uns Heilung widerfahren zu lassen.

Und dann passiert er der Supergau: Gott heilt mich nicht. Also doch alles Kappes die Sache mit Gott ? Mitnichten, liebe Gemeinde, Gott hat mehr mit uns im Sinn, als wir es uns jemals vorstellen könnten. Gott will immer nur das Beste für uns. Und das unterscheidet sich schon manches Mal von dem was wir für das Beste für uns halten.

Paulus, der Gott bat, ihn von diversen Leiden zu erlösen, mag uns als gutes Beispiel dienen. Warf Paulus seinen Glauben über Bord als Gott seinem Wunsch nach Heilung nicht nachkam. Nein, natürlich nicht; Paulus nahm das im Glauben an, was ihm Gott geschenkt hatte und machte das Beste daraus.

Und das sollen auch wir heute im 21. Jahrhundert tun in der festen Gewissheit, dass Gott keine Fehler macht und immer nur das Beste für uns will.

3. Gott loben

Was machte denn der Gelähmte, als er geheilt worden war? „Er lief und sprang umher und lobte Gott.“ Das tun wir doch schließlich alle, wenn uns Gott wieder einmal so reichlich beschert hat.

Wenn wir einen tollen Abend im Kreise unserer Freunde verbringen durften, wenn wir ein wahres Schlemmermahl zu uns genommen haben, wenn wir aus einem erholsamen Urlaub wohlbehalten wieder nach Hause zurückgekehrt sind, dann loben wir doch alle unseren Herrn über alle Maßen. Oder etwa nicht ?

Ich zähle auch zu den Menschen, die vieles als ganz natürlich hinnehmen, was bei näherer Betrachtung ein Geschenk Gottes ist.

Ich musste noch niemals in meinem Leben wahren Hunger leiden, rund 4000 Km südlich von uns sieht die Sache schon ganz anders aus. Wenn ich mit meinem Auto wohlbehalten aus dem Urlaub zurückkehre, dann ist das doch ganz natürlich. Ist es eben nicht. Jeden Abend sehe ich im Fernseher Horrorunfälle auf unseren Autobahnen. Und dass ich so viele Freunde und Bekannte habe, das liegt auch nicht unbedingt an meiner liebenswürdigen Art.

Mittlerweile betrachte ich diese Gegebenheiten und noch viel mehr als wahre Präsente Gottes, die ER mir schenkt, weil ER mich liebt. Grund genug, mal wieder häufiger „Danke Gott“ zu sagen.

Lassen Sie uns daher zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes gemeinsam in den ersten und sechsten Vers des Liedes „Danke für diesen guten Morgen…“ (EG 334) von Martin Gotthard Schneider anstimmen, die da lauten, wie folgt:

Danke für diesen guten Morgen, danke für diesen neuen Tag.
Danke, dass ich all meine Sorgen auf dich werfen mag.
Danke, dein Heil kennt keine Schranken, danke, ich halt mich fest daran.
Danke, ach Herr, ich will dir danken, dass ich danken kann.

Der Herr segne und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen erholsamen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 5. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Buch Mose, Kapitel 12, die Verse 1-4a. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Abrahams Berufung und Zug nach Kanaan

Und der Herr sprach zu Abraham: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zum großen Volk machen und ich will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein. Ich will segnen, die dich segnen, und verfluchen, die dich verfluchen; und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden. Da zog Abraham aus, wie der Herr zu ihm gesagt hatte, und Lot zog mit ihm.

Liebe Gemeinde,

was wir soeben gehört haben ist die die Geschichte einer Berufung, wie Gott auch Sie und mich in den Dienst ruft. Stellen wir uns doch einmal die folgende Frage und denken 1 Minute darüber nach: Wäre ich auch gegangen?
Ganz schön schwer die Antwort, nicht wahr ?

Lassen Sie uns daher heute morgen einmal gemeinsam darüber nachdenken, was denn zu einer Berufung dazugehört, damit sie so verläuft, wie wir es in unserem Predigttext gehört haben.

1. Vertrauen

Wenn mich jemand zu einer Aufgabe beruft, dann muss ich diesem jemand auch voll und ganz vertrauen. Keiner von uns würde wohl auf Geheiß eines wildfremden Menschen seinen Job aufgeben und das machen, was dieser ihm aufträgt zu tun.

Vertrauen kann ich aber nur jemandem, den ich kenne und zu dem ich eine Beziehung unterhalte. Damit ist schon einmal klar, dass vor einer Berufung Gottes an uns, ein Vertrauensverhältnis und eine persönliche Beziehung vorhanden sein muss.

Wie lerne ich Gott denn nun kennen? Ganz spannende Frage, da sie individuell unterschiedlich verläuft. Wer ihn noch gar nicht kennt, und diesen Menschen werden Sie auch begegnen, dem empfehle ich das Studium des Neuen Testamentes. Übrigens: Es schadet nichts, den „Neuling“ in die eigenen Fürbitten mit einzuschließen.

Nach dem Kennenlernen und vor der Berufung muss aber noch die persönliche Beziehung kommen. Wir kennen ja alle viele Menschen, ohne hingegen eine Beziehung zu diesen zu unterhalten. Natürlich kenne ich Angela Merkel, stehe aber in keiner persönlichen Beziehung zu ihr.

Eine persönliche Beziehung zu Gott bekomme ich dann, wenn ich das, was ich im Neuen Testament erfahren habe, ganz persönlich für mich in die Tat umsetze. Das bedeutet: Sünden bereuen und umkehren in die liebenden Arme des Vaters.

2. Gehorsam

Jetzt ist der Neuling also frisch bekehrt und geht seine ersten Schritte im Glauben. Und jetzt kommt auf einmal eine Berufung auf den Neuling zu. Was soll er tun ?

Als erstes einmal muss er seine Berufung anhand der Bibel prüfen, ob sie auch wirklich bibelkonform ist. Wir müssen nämlich immer auch daran denken, dass uns auch finstere Mächte umgeben, die mit allen Tricks und Kniffen versuchen, uns in ihren Bann und damit weg von Gott zu ziehen.

Gott verstößt niemals gegen sein Wort. Wenn wir also die Berufung erhalten, im Namen Gottes die Reichen zu bestehlen um die Beute dann unter den Armen zu verteilen dann ist dies alles andere als Gottes Berufung, wie jeder unter uns in den zehn Geboten nachlesen kann.

Jetzt hat der Neubekehrte festgestellt, dass es tatsächlich eine Berufung des Herrn ist, die ihn ereilt hat. Und jetzt kommt es darauf an, diese Berufung auch 1:1 umzusetzen. Wenn Gott uns beruft, dann sollen wir genau an dem Platz wo wir sind und genau zu der Zeit der Berufung unserer Aufgabe nachgehen.

Aufschieberitis ist hier genauso falsch am Platz, wie die eigene Interpretation des Wortes Gottes. Natürlich werden Gottes Berufungen unbequem sein und dann heißt es für uns: Raus aus der Komfortzone und rein in die Berufung. Es kann sogar sein, dass eine Berufung unsere eigenen Träume und Wünsche durchkreuzt.

Dann gilt es als oberste Priorität dem Auftrag Gottes nachzugehen und die eigenen Wünsche und Träume an die Seite zu stellen.

3. Einfach gehen

Man kann natürlich auch im eigenen stillen Kämmelein hocken bleiben und warten, was denn nun wohl passieren mag. Gewöhnlich passiert gar nichts.

Wenn Gott uns als Werkzeug gebrauchen möchte, dann müssen wir uns auch diesem Dienst stellen. Am Anfang stehen wir vielleicht vor einem hohen Berg und können kaum den Gipfel erkennen. Aber wenn wir mit Gott zusammen losgehen, dann wird er uns auf seinen Pfaden auch zum Gipfel führen.

Das Geheimnis der Berufung besteht ja gerade nicht darin, dass Gott seine Hoheit aus der Hand gibt, sondern seine Gottheit stets um uns herum ist. Stellen Sie sich einen Lehrling vor, der zum ersten Male einen Automotor auseinandernehmen muss. Glauben Sie allen Ernstes, der KFZ-Meister sagt zu ihm: Du, mach das mal, ich muss mal eben weg. Du kannst das schon. Wohl kaum. Der Meister wird ihm die ganze Zeit über die Schulter schauen und sofort eingreifen, wenn etwas in die Hose zu gehen droht.

Und genau so ist es auch bei unseren Berufungen. Gott ist stets nur ein Gebet weit entfernt. Wir sollen also nicht nur einfach losgehen, sondern auch in ständigem Kontakt mit ihm bleiben. Dann werden wir unserer Berufung auch gerecht werden.

Jetzt müssen wir noch kurz über die soziale Absicherung reden. Zur Zeit, wo unser Predigttext spielt, gab es noch keine AOK, keine Rentenversicherung und auch noch keine Arbeitslosenversicherung. Diese Aufgaben nahmen die Familienangehörigen und die gesamte Verwandtschaft wahr. Obwohl es ein Tanz auf der Rasierklinge hätte werden können, folgte Abram ganz einfach dem Wortes Gottes voller Vertrauen. Er verließ einen Großteil seiner Verwandtschaft und folgte Gott nach.

Heute wissen wir warum. Der uns beruft hat uns versprochen: Und siehe ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Ausgestattet mit dieser Zusage, die unwiderruflich gilt, können wir uns unverzagt und unverzagt mit Gott auf unseren Berufungsweg machen.

Der Liederdichter Paul Gerhardt beschreibt unseren Lebensweg unter der Herrschaft Gottes hier auf Erden sehr schön in dem 6. Vers seines Liedes: „Ich bin ein Gast auf Erden…“ (EG529), der da lautet, wie folgt:

So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt,
doch denk ich nicht zu bleiben in diesem fremden Zelt.
Ich wandre meine Straße, die zu der Heimat führt,
da mich ohn alle Maße mein Vater trösten wird.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr
Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 4. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Petrusbrief, Kapitel 3, die Verse 8-15a. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Mahnungen an die Gemeinde

Endlich aber seid allesamt gleichgesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig. Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, dass ihr den Segen ererbt. Denn “ Wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der hüte seine Zunge, dass sie nichts Böses rede, und seine Lippen, dass sie nicht betrügen. Er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach. Denn die Augen des Herren sehen auf die Gerechten und seine Ohren hören auf ihr Gebet; das Angesicht des Herrn aber steht wider die, die Böses tun.“ (Psalm 34, 13-17). Und wer ist’s der euch schaden könnte, wenn ihr dem Guten nacheifert? Und wenn ihr auch leidet um der Gerechtigkeit willen, so seid ihr doch selig. Fürchtet euch nicht vor ihrem Drohen und erschreckt nicht; heiligt aber den Herrn Jesus Christus in euren Herzen.

Liebe Gemeinde,

Unser Predigttext ist, wie wir soeben gehört haben mit den Worten „Mahnungen an die Gemeinde“ überschrieben worden. Nun ist das Wort Mahnung in unserem Sprachgebrauch recht negativ besetzt. Man kann dieses Wort aber auch mit „Ratschläge“ übersetzen. Schauen wir uns doch einmal an, welche Ratschläge Petrus uns mit auf unseren christlichen Lebensweg geben will.

1. Christliche Kardinaleigenschaften

Diese nennt Petrus ganz zu Beginn unseres heutigen Predigttextes. Gleich zu Beginn finden wir das Wort „Endlich“. Das bedeutet in unserem Zusammenhang „Zum Ende hin“. Das heißt, dass von uns nicht erwartet wird, dass wir all diese Eigenschaften, die wir uns gleich betrachten, schon zu 100 % beherrschen. Endlich ausgerichtet zu sein bedeutet, dass wir auf diese Eigenschaften ausgerichtet sein sollen, dass uns diese Eigenschaften eine Leitlinie in unserem Leben sein sollen.

Jetzt betrachten wir aber die Kardinaleigenschaften ein wenig näher:

Mitleidig sein: Das bedeutet nicht, dass wir das Leid unserer Mitmenschen und das ganze Leid der Welt auf unseren Schultern tragen sollen. Im Urtext finden wir hier das Wort „Sympathes“. Daher kommt auch das deutsche Wort Sympathie. Mitleidig heißt also sympathisch zu sein, den anderen in seinem Leid zu akzeptieren und ihm das Leid nicht abzunehmen, aber als sympathischer Mensch für ihn mit Rat und Tat da zu sein.

Seid brüderlich: Wir alle sind Mitglieder einer großen christlichen Familie. Untereinander sind wir alle Geschwister und wir haben einen Vater, den wir anbeten. Keiner unter den Geschwistern ist mehr wert als der andere und keiner ist weniger wert als der andere. Und genau so sollen wir uns untereinander auch verhalten. Vor Gott ist die Königin von England genau so viel wert, wie der Maschinenschlosser aus dem Ruhrgebiet. Wir neigen ja gern dazu, diesbezüglich Unterschiede zu machen. Also lassen wir uns dies eine Mahnung sein mit allen Familienmitgliedern auch wirklich geschwisterlich umzugehen.

Seid barmherzig: Eine barmherzige Person öffnet ihr Herz fremder Not und nimmt sich dieser an. So jedenfalls steht es bei Wikipedia. Und das ist es auch, um was es geht. Barmherzigkeit ist keine Dummheit, die schamlos ausgenutzt werden kann. Barmherzigkeit ist eine Feinfühligkeit für die Nöte anderer Menschen und eine Gabe diesen Menschen Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Nicht die Nöte der Menschen wegnehmen, sondern ihnen ein Beistand bei der Hilfe zu sein, dies meint Petrus mit der Barmherzigkeit. Und auch dann für die Geschwister da zu sein, wenn sie ihre Nöte selber verschuldet haben sollten, das gehört auch zur Barmherzigkeit.

Seid demütig: Ein Begriff, den wir in dieser Form in unserem Sprachgebrauch gar nicht mehr kennen. Demut heißt, dass ich wohl erkenne, wem ich alles, was ich habe, also auch meine Kraft zum Mitleid und der Barmherzigkeit zu verdanken habe. Ohne die Kraft Gottes, die mir hilft, barmherzig und mitleidig zu sein, werde ich diese Verhaltensweisen auch nicht ausüben können.

Ich kann es zwar ohne Gottes Hilfe versuchen, werde aber sehr bald merken, dass ich allein Schiffbruch erleide. Ich bin eben nicht der große Zampano, der Selfmaderetter der Welt. Ich bin ohne Gottes Hilfe gar nichts. Und das ist Demut. Ich erkenne an, dass ich in allem, was ich auf Erden tue auf Gottes Gnade und seine Hilfe angewiesen bin.

2. Durchbrechen der Eskalation

Es gibt ja nun schon überall auf der Erde Gewalt. Fast jeden Abend höre ich im Fernsehen, dass wieder ein Familienvater seine Familie ermordet hat. Dann höre ich Nachrichten über Kriege auf der Welt, die ich schon gar nicht mehr zählen kann. Und dann gibt es noch die sinnlose Gewalt gegenüber Mitmenschen, eine Gewalt die aus sich selbst zu entstehen scheint.

Und wenn uns dies, also Gewalt, persönlich widerfährt, dann sollen wir eben nicht das tun, was die meisten tun; nämlich Gewalt mit Gewalt zu beantworten. Nein, liebe Gemeinde, wir sollen auf Gewalt mit Segen antworten. Das müssen wir uns jetzt nicht als große theatralische Geste vorstellen. Wie man Eskalation gar nicht erst entstehen lässt, hat uns schon der König Saul gezeigt. Er hatte nach seiner Krönung wohl vernommen, dass andere Menschen ihm den Königsthron neideten, aber er hat einfach weggehört. Er ist erst gar nicht auf derartige Vorwürfe eingegangen.

Wenn wir dies auch machen, können wir Gewalt schon im Keim ersticken. Man kann auch vor demjenigen, der uns körperliche Gewalt antun will, ganz einfach weglaufen. Auch dies verhindert die Eskalation der Gewalt. Und letztendlich können wir auf Hass auch friedlich reagieren. Indem wir dies tun, nehmen wir unserem Gegner buchstäblich den Wind aus den Segeln.

Probieren Sie es einfach mal aus. Bleiben Sie friedlich, wenn man Sie verbal angreift. Sie werden sehen, dass auch der andere nicht mehr so streiten kann, wie er dies gern möchte.

Das kann ich nicht, genau das hat einmal ein Freund von mir zu mir gesagt. Natürlich kann er es nicht und ich erst recht nicht. Aber ich kenne einen, der mir die Kraft dazu verleiht, dass ich dies doch kann. Und an den wende ich mich in solchen Situationen. Und mit seiner Hilfe klappt es meist.

3. Geschenke Gottes

Was habe ich davon, wenn ich mitleidig, brüderlich, barmherzig und demütig bin, außer dass die meisten Menschen mich als Deppen der Nation bezeichnen.

Liebe Gemeinde, das kann natürlich wirklich passieren, dass wir als Christen, die ja ganz bewusst von dem „Normverhalten“ der Welt abweichen, von vielen Menschen so gesehen werden.

Aber das soll uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass Gott für uns ein ganz besonderes Geschenk bereithält. Lassen Sie uns dies zum Schluss noch ganz kurz betrachten:

Gott erhört unsere Gebete: Gott erhört alle Gebete seiner geliebten Kinder und beantwortet sie so, wie es am besten für uns ist. Wir müssen uns keine Sorgen machen, denn er sorgt für uns. Das sagt sich natürlich so einfach, aber in der Realität?! Ja, gerade im realen Leben können und dürfen wir uns darauf verlassen, dass Gott seine geliebten Kinder niemals im Stich lässt.

Gott schenkt uns Seligkeit: Auch wenn wir Leidenswege beschreiten müssen, dann wissen wir doch um den Heiligen Geist, mit welchem wir erfüllt sind und der uns stets führt, leitet und begleitet und uns unsere ewige Himmelsperspektive vor Augen führt.

Gott schenkt uns Furchtlosigkeit: Als seine Kinder müssen wir uns weder vor anderen Menschen, noch vor, wie man so schön sagt Tod und Teufel fürchten. Er hält uns alle ganz sicher in seinen Händen und wird uns erst wieder loslassen, wenn wir in der Ewigkeit bei ihm angekommen sind.

Ob dieser Aussichten willen lassen Sie uns in der Welt brüderlich, barmherzig, mitleidig und demütig sein.

Diese Himmelseinstellung beschreibt der Liederdichter Paul Gerhardt sehr treffend in dem 8. Vers seines Liedes „Auf, auf, mein Herz mit Freuden…“ (EG 112), der da lautet, wie folgt:

Er bringt mich an die Pforten, die in den Himmel führt,
daran mit güldnen Worten, der Reim gelesen wird:
„Wer dort wird mit verhöhnt, wird hier auch mit gekrönt;
wer dort mit sterben geht, wird hier auch mit erhöht.“

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Sommerwoche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen vorletzten Sonntag des Kirchenjahres. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Lukasevangelium, Kapitel 16, die Verse 1-8. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Vom unehrlichen Verwalter

Er sprach aber auch zu den Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Verwalter; der wurde bei ihm beschuldigt, er verschleudere ihm seinen Besitz. Und er ließ ihn rufen und sprach zu ihm: Was höre ich da von dir ? Gib Rechenschaft über deine Verwaltung; denn du kannst hinfort nicht Verwalter sein. Der Verwalter sprach bei sich selbst: Was soll ich tun? Mein Herr nimmt mir das Amt; graben kann ich nicht, auch schäme ich mich zu betteln. Ich weiß, was ich tun will, damit sie mich in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich von dem Amt abgesetzt werde. Und er rief zu sich die Schuldner seines Herrn, einen jeden für sich, und fragte den ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er sprach: Hundert Eimer Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setzt dich hin und schreib flugs fünfzig. Danach fragte er den zweiten: Du aber, wie viel bist du schuldig? Er sprach: Hundert Sack Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib achtzig. Und der Herr lobte den untreuen Verwalter, weil er klug gehandelt hatte; denn die Kinder dieser Welt sind unter Ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts. Und ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon damit, wenn er zu Ende geht, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten.

Liebe Gemeinde,

ehrlich gesagt würde ich eine derartige Gaunerkomödie wohl eher nicht in der Bibel vermuten. Und ich habe mich auch ein wenig schwer getan, in dieser Geschichte etwas zu entdecken, was uns unser Herr damit sagen will. Dazu bedurfte es schon der mehrmaligen Lektüre des Textes. Lassen Sie uns heute Morgen doch einmal den Hintergrund dieses Gleichnisses ein wenig näher betrachten.

Wenn wir uns die Reaktion von Jesus anschauen, dann steht dort ja nicht, dass Jesus den untreuen Verwalter gelobt hat, weil er betrogen hatte, sondern weil er klug gehandelt hatte. Lassen Sie uns dieser Klugheit ein wenig näher auf den Grund gehen.

1. Jetzt wird’s ernst

Unser Verwalter hatte die Sachlage vollkommen richtig eingeschätzt. Jetzt wird’s richtig ungemütlich. Die Entlassung steht vor der Tür und wer weiß, was sonst noch alles auf mich zukommt.

Der Verwalter hätte sich ja auch aus dem Staube machen können, oder aber, was heutzutage gern gemacht wird, er hätte die Bilanzen frisieren können. Aber dazu war er zu klug.

Wäre er einfach abgehauen, dann hätte man ihn vermutlich irgendwann irgendwo aufgegriffen und wieder seiner Herrschaft zugeführt. Und auch das Schönen der Bilanzen wäre irgendwann ans Tageslicht gekommen. Daher hat der Verwalter sehr klug und realistisch seine Lage eingeschätzt.

Und jetzt übertragen wir dies mal auf unser eigenes Leben. Irgendwann steht auch unsere Entlassung aus diesem Leben an und dann heißt es auch für uns „Gib Rechenschaft…“

Wir dürfen nämlich eines niemals vergessen. Alles, was wir haben und was wir sind ist uns von Gott anvertraut worden. Und als seine Sachwalter auf Erden sind wir in genau der gleichen Situation wie unser Verwalter aus dem Predigttext.

Wie schaut es denn bei uns aus? Sind wir darauf vorbereitet auf unser persönliches „Gib Rechenschaft..“ oder etwa nicht? Diese Frage können wir uns nur jeder für sich selber beantworten. Aber wir sollten uns wirklich die Frage stellen, ob wir alles, was uns Gott anvertraut hat nur für unser eigenes Wohlergehen eingesetzt haben oder ob wir das, was uns anvertraut worden ist auch in den Aufbau des Reiches Gottes investiert haben.

2. Jetzt wird’s Zeit

Als unser Verwalter die Situation erkannt hatte, da handelte er sofort und ließ nicht noch weitere wertvolle Zeit für sein Handeln verstreichen. Und er musste etwas tun, damit ihm nach seinem Rauswurf die Türen seiner Mitmenschen weiterhin offenstehen würden.

Und jetzt übertragen wir auch dies auf unser ganz persönliches Leben.

Wir wissen weder Tag noch Stunde an welchem uns unser Herr heimholt in sein Reich. Holt er uns überhaupt in sein Reich? Stellen wir uns doch auch diese unbequeme Frage einem in einer stillen Stunde. Habe ich meine Eintrittskarte für den Himmel schon in der Hand oder etwas doch noch nicht?

Hier und heute haben wir alle die Chance Frieden mit Gott zu machen. Wenn wir dereinst von dieser Erde abberufen werden, ist es dafür zu spät. Und da wir weder Tag noch Stunde kennen, sollten wir wie der kluge Verwalter keine Zeit verstreichen lassen, um unsere Eintrittskarte in den Himmel zu lösen.

Wenn wir dies auf Erden tun, wenn wir also Umkehren, Buße tun und dem Herrn unser Leben übergeben, dann werden uns auch die himmlischen Türen offenstehen, wenn wir unsere letzte Reise in dieser vergänglichen Welt antreten.

3. Jetzt wird’s teuer

Um sich bei den Untergebenen beliebt zu machen, erlässt der Verwalter diesen einen Großteil ihrer Schulden, welche sie bei seinem Vorgesetzten haben. Natürlich ist dies Betrug. Gar keine Frage.

Die Botschaft Jesu hinter dieser Geschichte ist allerdings die, dass wir Geld nicht um des Selbstzweckes anhäufen sollen. Natürlich sollen und dürfen wir Geld verdienen, natürlich dürfen wir uns auch etwas gönnen. Darum geht es ja gar nicht.

Jesus fordert uns auf, unser Geld zu benutzen. Wir sollen uns mit unserem Geld Freunde machen, so wie es der Verwalter getan hat. Natürlich mit ehrlich erworbenem Geld und nicht a la Robin Hood. Wir sollen das Geld, was wir eben nicht benötigen, ruhig an die Menschen abgeben, denen es wesentlich schlechter geht als uns.

Reich ist, wer viel hat, reicher ist, wer wenig benötigt, aber am reichsten ist, wer viel gibt. Probieren Sie es einfach mal aus.

Das kann ich nicht. Und wenn ich mal in Not bin, was dann? Natürlich sollen wir unser Geld nicht verteilen bis wir selber nichts mehr haben. Aber wir können sicherlich alle auf das ein oder andere neue Handy, Schmuckstück oder Kleidungsstück getrost einmal verzichten und diesen Betrag spenden.

Jesus weiß, dass wir dies können. Er sagt es ja in unserem Gleichnis einem jeden von uns mit den Worten: Wenn selbst der untreue Verwalter im Angesicht der Ewigkeit zum Gönner wird, dann kannst du dies auch. Und wir sind doch schließlich bessere Menschen, als dieser untreue Verwalter, oder!!!???

Was sollen wir nun schlussendlich tun? Wir sind aufgerufen, unsere Lage vor Gott auf den Prüfstein zu stellen. Falls notwendig sollen wir sofort aktiv handeln. Und wir sollen uns immer bewusst sein, dass alles nur geliehen ist, dass wir nichts, was wir auf Erden angehäuft haben in den Himmel mitnehmen können.

Der Liederdichter Paul Gerhardt beschreibt unseren Lebensweg mit dem Herrn an unserer Seite auf Erden sehr schön in dem 6. Vers seines Liedes „Ich bin ein Gast auf Erden…“ (EG 529), der da lautet, wie folgt:

So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt,
doch denk ich nicht zu bleiben in diesem fremden Zelt.
Ich wandre meine Straße, die zu der Heimat führt,
da mich ohn alle Maßen mein Vater trösten wird.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und ich freue mich, Sie am kommenden Mittwoch, dem Buß- und Bettag, wieder begrüßen zu dürfen.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Sonntag, dem 20. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Buch Mose, Kapitel 8, die Verse 18-22. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Und so ging Noah heraus mit seinen Söhnen und mit seiner Frau und mit den Frauen seiner Söhne, dazu alle wilden Tiere, alles Vieh, alle Vögel und alles Gewürm, das auf Erden kriecht; das ging aus der Arche, ein jedes mit seinesgleichen. Noah aber baute dem Herrn einen Altar und nahm von allem reinen Vieh und von allen reinen Vögeln und opferte Brandopfer auf dem Altar. Und der Herr roch den lieblichen Geruch und sprach in seinem Herzen: Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf. Und ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt, wie ich getan habe. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

Liebe Gemeinde,

die Geschichte von der Sintflut kennen wir sicherlich alle. Viele von uns bestimmt noch aus Zeiten des Kindergottesdienstes. Unser heutiger Predigttext ist zeitlich an das Ende der Sintflut angelagert und lehrt uns einiges über das Wirken Gottes in dieser Welt. Lassen Sie uns dies doch heute morgen ein wenig näher betrachten.

1. Erde 1.0

Unser heutiger Predigttext hat ja auch eine Vorgeschichte. Gott zerstört ja nicht so mir nichts dir nichts seine Schöpfung, weil es ihm mal eben so gefällt. Was war also zuvor geschehen ?

Am Anfang schuf Gott für den Menschen einen Lebensraum in welchem es sich wohl vorzüglich leben ließ. Nicht umsonst wurde dieser Lebensraum als Paradies bezeichnet. Gott vertraute dem Menschen dieses Paradies vertrauensvoll an und der Mensch hat es innerhalb kürzester Zeit geschafft, das in ihn gesetzte Vertrauen zu zerstören.

Aber es sollte noch schlimmer kommen. Bis zu Zeiten Noahs wurde noch schlimmer gesündigt und Gottes Anweisungen einfach komplett missachtet. Und daher entschloss sich Gott, diese seine Schöpfung zu vernichten.

Darf Gott dies überhaupt, so fragen wir uns nun vielleicht. Gott hat jedem von uns sein Leben auf Erden geschenkt. Und ER allein bestimmt, wann dieses Leben ein Ende hat. Ein alter Prediger sagte einmal die Worte: „Kein Mensch stirbt an einer Krankheit, jeder Mensch stirbt nach Gottes Willen.“

Aber Gott macht sicherlich niemals etwas so einfach willkürlich. Auch wenn er seine Schöpfung zerstörte, so lesen wir doch in 1. Mose 6,8: Aber Noah fand Gnade vor dem Herrn. Gott urteilt und verurteilt also nicht pauschal. Dieser Noah, der sich ganz dem Willen Gottes unterworfen hatte, war ausgenommen von der Zerstörung der Schöpfung.

2. Erde 2.0

Und hier sind wir mittendrin in unserem heutigen Predigttext. Als Noah nun sah, dass die Erde wieder getrocknet war, nahm er die Insassen der Arche und alles Getier und stieg aus der Arche.

Dies war sicherlich kein fröhlicher Auszug, hatte er doch sicherlich auch von all dem Leid etwas mitbekommen, das seinen Mitmenschen geschehen war. Aber aus dem Leid wuchs eine große Dankbarkeit. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Es kann nur der jeinige tiefe Dankbarkeit empfinden, der auch das Leiden kennt.

Und was machte Noah als erstes ? Er baute dem Herrn aus Dankbarkeit einen Altar. Er sah sich nicht zuerst um, wo es wohl am besten sei, zu leben oder wo man Ackerbau betreiben könnte. Nein Noah opfert zuerst dem Herrn.

Und Gott sieht auch dies. Und jetzt kommt das erstaunliche, ich möchte fast sagen, das menschliche Element Gottes: Gott bereut es, dass er die treulosen Menschen vernichtet hat. Ist Gott wirklich so menschlich ? Lesen Sie es selber in der Bibel nach. Dies sagt ein eindeutiges Ja.

Und nun kommt neben dem menschlichen Element das göttliche Element zum Zuge. Obwohl Gott ganz genau weiß, dass der Mensch sich in Zukunft keinen Deut ändern wird, schwört er, dass er niemals wieder seine Schöpfung von sich aus zerstören wird.

Gott wagt den Neuanfang mit seinen Menschen, obwohl er genau weiß, dass er wieder enttäuscht werden wird. Das ist doch mal eine Zusage. Die können wir heute besser gebrauchen, als alle unsere Vorfahren.

3. Der Prüfstein

Hat sich Gott auch wirklich daran gehalten ? Schauen wir doch kurz einmal in der Bibel nach. Da schließt er einen Bund mit Abraham. Dann führt er sein Volk aus Ägypten, obwohl das gleich schon wieder in eine Schieflage gerät. Denken wir nur an das goldene Kalb. Dann lesen wir etwas von dem Neuanfang nach der babylonischen Gefangenschaft. Und daraus können wir doch nur eines schließen, liebe Gemeinde, nämlich dass Gott sein Volk niemals aufgibt.

Und jetzt kommen wir als Nichtisraeliten auch noch ins Spiel. Gott schenkt nicht nur einen Neuanfang, sondern er gibt sogar seinen eigenen Sohn dem Tode preis, damit alle, die diesen Gnadenakt für sich im Glauben annehmen wieder als geliebte Kinder zu ihm kommen können.

Also nicht nur ein Neuanfang der Schöpfung, sondern Gott schenkt jedem seiner Geschöpfe einen Neuanfang mit ihm ganz persönlich. Und diese Zusage gilt für alle Ewigkeiten.

Nun bleibt ja trotzdem auch uns als Christen so manches Leid nicht erspart. Wir leben ja immer noch auf Erden und noch nicht im Himmel. Und dann sind natürlich auch die Verschwörungstheoretiker nicht fern, die in nahezu jeder Naturkatastrophe das Gericht Gottes sehen.

Und daher ist es ganz wichtig, dass wir uns immer wieder an die feste Zusage Gottes erinnern, dass ER geschworen hat, diese Schöpfung nicht nochmals zu zerstören. Nur so nebenbei bemerkt: Wenn WIR unsere Schöpfung selber zerstören, dann dürfen wir nicht Gott die Schuld dafür in die Schuhe schieben.

Und trotzdem steht sie immer wieder im Raume, diese WARUM Frage nach dem Leid. Das geht auch mir noch immer so, wenn ich täglich die Nachrichten schaue. Ich glaube, wir sollten es wie Dietrich Bonhoeffer halten, der einmal sagte:

„Es gib keine hinreichende Erklärung für menschliches Leiden, aber es gibt die Erfahrung der Bewältigung menschlichen Leidens“.

Und so betet auch der Psalmbeter in Psalm 5,9 nicht die Worte: Ebne vor mir meinen Weg, sondern die Worte Ebne vor mir Deinen Weg.

Wenn wir dem Gott, der geschworen hat, seine Schöpfung niemals wieder zu zerstören und der seinen eigenen Sohn dem Tode übergab nur damit wir gerettet werden können, wenn wir allein diesem Gott unser ganzes Vertrauen schenken, dann können auch wir aus vollem Herzen in die Worte: Ebne vor mir Deinen Weg einstimmen. Dann können wir fest darauf vertrauen, das alles, was uns geschieht nur zu unserem Besten dient und das Gott uns immer einen Weg zeigen wird auf dem wir mit ihm zusammen gehen können.

Davon war sicherlich auch der Liederdichter Paul Gerhardt fest überzeugt, als er den ersten Vers seines Liedes „Befiehl du deine Wege…“ (EG 361) verfasste, der da lautet, wie folgt:

Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn,
der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche. Bis zum kommenden Dienstag dem Reformationstag verabschiede ich mich von Ihnen allen und grüße Sie alle ganz herzlich.

Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 19. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Kapitel des Markusevangeliums, die Verse 32-39. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Am Abend aber, als die Sonne untergegangen war, brachten sie zu ihm alle Kranken und Besessenen. Und die ganze Stadt war versammelt vor der Tür. Und er half vielen Kranken, die mit mancherlei Gebrechen beladen waren, und trieb viele böse Geister aus und ließ die Geister nicht reden; denn sie kannten ihn. Und am Morgen, noch vor Tage, stand er auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame Stätte und betete dort. Simon aber und die bei ihm waren, eilten ihm nach. Und als sie ihn fanden, sprachen sie zu ihm: Jedermann sucht dich. Und er sprach zu ihnen: Lasst uns anderswohin gehen, in die nächsten Städte, dass ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen. Und er kam und predigte in ihren Synagogen in ganz Galiläa und trieb die bösen Geister aus.

Liebe Gemeinde,heute sind wir live dabei, wie Jesus auf Erden gewirkt hat. Dieses Wirken hat auch Auswirkungen auf unser eigenes Christenleben. Schauen wir uns doch Jesu Wirken einmal etwas genauer an.

1. Jesus heilt

Jesus heilte alle Kranken, die man zu ihm brachte. Jesus trieb aber auch böse Dämonen aus. Darüber mögen wir vielleicht ein wenig schmunzeln und innerlich sagen: Die gibt’s doch gar nicht. Auf den ersten Blick mag ich uns auch recht geben.

Aber schauen wir uns doch einmal an, wie viele Menschen in Süchten jedweder Art gefangen sind. Ich meine nicht nur Alkohol- und Drogensüchte. Denken wir nur einmal an Internetsucht oder die Spielsucht. Allen gemein ist doch, dass eine innere Stimme den Süchtigen immer tiefer in den Abgrund treibt und er von allein gar nicht aus dieser Sucht herauskommen kann.

Anders als wie viele Krankheiten beginnt die Wirkung der Dämonen bei den Süchten ganz langsam sodass man die Gefahr am Anfang gar nicht bemerken kann. Der Teufel ist ja schließlich nicht dämlich.

Ich hatte einen guten Freund, der sich ein Spielprogramm für das Casino zurechtgebastelt hatte. Jede Woche ging er einmal in ein Casino und kam immer mit kleinen, bescheidenen Gewinnen nach Hause. Irgendwann reizte ihn doch etwas an dem schnellen und großen Geld, was man ja in einem Casino gewinnen kann. So nahm er den Gewinn der vergangenen Monate und probierte sein System im großen Stil aus und verlor alles. Er hörte aber nicht auf und nahm sich Kredite auf, weil eine innere Stimme ihm sagte, dass er nur weitermachen müsste, dann käme schon der große Gewinn. Und der kam natürlich nicht.

Was können wir daraus lernen? Seien wir vorsichtig, wenn es um den Umgang mit dämonischen Mächten geht. Das Gläschen in Ehren kann bald schon zum Fässchen werden ohne dass wir gar nicht mehr leben möchten. Der totsichere Casinotipp kann uns bald schon in den Ruin führen ohne das wir dies bewusst mitbekommen. Der vielleicht harmlose Joint kann uns schon bald in die Abhängigkeit von harten Drogen führen.

Gewiss, Jesus kann uns auch heute noch mit einem Schlag von diesen Süchten befreien, aber wir müssen sie ja trotzdem nicht reizen, die Dämonen, die uns dort hineintreiben wollen.

2. Jesus betet

An vielen Stellen der Bibel lesen wir, dass Jesus nach seinen Heilungstaten und anderem wunderbaren Wirken stets die Stille suchte. In dieser Stille besprach er sich mit seinem Vater im Himmel und erhielt die notwendige Kraft für sein weiteres Wirken.

Ohne Gebet keine Kraft und ohne Gebet keine Vollmacht. Dies sollten wir auch in unserem Alltags- und Christenleben, die natürlich zusammengehören, stets berücksichtigen.

Es ist ganz wichtig für unser Überleben, dass wir den Kontakt zu unserem Vater im Himmel nicht abreißen lassen. Gebet ist bekanntermaßen das Gespräch mit Gott und kein herunterleiern von wohlformulierten hochtheologischen Reimen.

Gott möchte uns helfen. Er möchte, dass wir mit allem, was uns bedrückt zunächst zu ihm kommen und ihm alles vor die Füße legen. Gott möchte uns trösten, er möchte uns aber gleichzeitig auch stärken für das Leben in der Welt.

Ein Bekannter von mir ist Pfarrer in einer unserer Nachbargemeinden. Er beklagte sich einmal darüber, dass er einfach keine Zeit mehr für das Gebet habe. Es sei ja auch nicht so wichtig. Im Laufe der Jahre bemerkte dies auch seine Gemeinde. Er predigte über alles, aber kaum mehr über Gott. Und so kam es, dass er irgendwann in einem Burnout landete.

Halten wir also fest am Gebet zu unserem Herrn. Natürlich haben wir alle wenig Zeit. Dafür nur ein paar Tipps. Stellen wir doch unseren Wecker einfach 15 Minuten vor der sonst üblichen Zeit und beginnen den Tag mit einem Gebet. Sogar beim Zähneputzen und beim Duschen ist Zeit dafür. Nutzen wir doch den Weg zur Arbeit und zurück einfach mal wieder für ein Gespräch mit dem Herrn. Wir werden erstaunliches erleben.

Ein bekannter Evangelist sagte einmal: Wenn ich einen Tag nicht bete, merke ich dies sofort. Wenn ich zwei Tage nicht bete, dann merkt es meine Familie und wenn ich drei Tage nicht bete, dann merkt dies meine Gemeinde. Soviel zur Kraft de Gebetes.

3. Jesus predigt

Gewiss, die Heilungsgeschichten in der Bibel sind schon wahre Sensationen. Wenn Blinde wieder sehen und taube Menschen auf einmal wieder hören können dann ist dies gewaltig. Und wenn wir erfahren, dass dies auch heutzutage noch geschieht, dann können wir es fast nicht glauben.

Und doch sind dies nur Demonstrationen der Macht, die Jesu Allmacht unter Beweis stellen. Und Jesus sagt es ja selbst, dass er nicht auf die Welt gekommen ist, um Wunderheilungen zu vollziehen, sondern um zu predigen.

Und predigen, das lesen wir auch z.B. bei Wikipedia ist nichts anderes als Gottes Wort zu verkündigen. Und daher zieht Jesus immer weitere Kreise, um dieser Aufgabe auch gerecht zu werden.

Und hier kommen wir wieder ins Spiel. Das predigen ist auch unsere Aufgabe als Christen in der Welt. Dabei sollen wir im Kleinen beginnen, also im Bereich unserer Familien, danach sollen wir größere Kreise ziehen. Zum Beispiel Freunde und Verwandte und Arbeitskollegen von der frohen Botschaft zu berichten.

Wie es in einem schönen Kirchenlied heißt: „Mit Herzen, Mund und Händen..“ Predigen heißt nämlich nicht auf einer Kanzel zu stehen und die Gemeinde 20 Minuten lang zu unterhalten. Gottes Wort sollen wir überall kundtun, wo uns der Herr gerade hinstellt.

Mit dem Herzen tun wir dies, indem wir für die Nöte und Sorgen unserer Mitmenschen ein offenes Ohr haben und ihnen unsere Zeit schenken. Mit Worten tun wir dies unter anderem damit, dass wir den Menschen davon erzählen, was wir mit Jesus schon alles erlebt haben. Und mit den zupackenden Händen predigen wir ganz praktisch, wenn wir uns zum Beispiel mit unseren körperlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten in den Dienst einer Gemeinschaft einbringen oder ganz einfach dem Mitmenschen dort helfen, wo er unsere Hilfe benötigt.

Jeder von uns wird von Gott mit Fähigkeiten ausgestattet, die er in den Dienst der frohen Botschaft stellen kann. Überlegen wir doch heute Nachmittag einmal, mit welchen Fähigkeit wir unserem Herrn und unseren Nächsten dienen können.

Der Liederdichter Salomo Liscow beschreibt diese Art des Dienstes für unseren Herrn sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes : „In Gottes Namen fang ich an…“ (EG 494), der da lautet, wie folgt:

In Gottes Namen fang ich an, was mir zu tun gebühret;
mit Gott wird alles wohlgetan und glücklich ausgeführet.
Was man im Namen Gottes tut, ist allenthalben recht und gut
und kann uns auch gedeihen.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen FriedenAmen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Sonntag, dem 15. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Evangelisten Lukas im 18. Kapitel, die Verse 28-30. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Der Lohn der Nachfolge

Da sprach Petrus: Siehe, wir haben, was wir hatten, verlassen und sind dir nachgefolgt. Er aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: es ist niemand, der Haus oder Frau oder Brüder oder Eltern oder Kinder verlässt um des Reiches Gottes willen, der es nicht vielfach wieder empfange in dieser Zeit und in der zukünftigen Welt das ewige Leben.

 

Liebe Gemeinde,

„Was habe ich denn davon?“ ist eine Frage, die nicht nur heute unser Leben zu bestimmen scheint. Nein, das war auch schon zu Lebzeiten Jesu der Fall. Wenn wir uns hinsichtlich unseres christlichen Glaubens diese Frage stellen, dann sollten wir über drei Punkte einmal gemeinsam nachdenken:

1. Was ist Nachfolge

Wenn ich nach dem Lohn der Nachfolge frage, dann muss ich zunächst einmal in Erfahrung bringen, was denn Jesus von mir als seinem Jünger erwartet.

Jesus sagt es ganz deutlich, dass Nachfolge einen Bruch mit der bisherigen Welt bedeutet. Wenn Jesus sagt, dass Nachfolge das verlassen von Haus, Frau, Brüder, Eltern und Kindern bedeutet, dann dürfen wir dies natürlich nicht so verstehen, dass Jesus von uns erwartet, dass wir uns scheiden lassen und unsere Schutzbefohlenen im Stich lassen nur um ihm nachzufolgen.

Ich weiß, dass dies manche Glaubensgemeinschaften so verstehen. Dies geht aber schon ganz gewaltig in die Richtung Sekte und hat mit dem, was unser Herr von uns als seinen Nachfolgern erwartet, rein gar nichts mehr zu tun.

Haus, Frau, Brüder, Eltern und Kinder stehen vielmehr für unsere bisherigen festen Lebensgewohnheiten. Jeder von uns hatte sich doch vor seiner Bekehrung sein Leben so einigermaßen gemütlich und komfortabel eingerichtet auch ohne Gott.  Und in diese Komfortzone bricht nun der Herr Jesus ein und fordert uns auf, diese zu verlassen.

Verlassen heißt nicht, diese aufzugeben, sondern aus der Zone herauszukommen und das, was ich vermeintlich selber bestimmt habe, unserem Herrn zu übergeben.

Jesus sein Leben zu übergeben heißt nichts anderes, als dass ich ihm die Regentschaft über mein Leben übertrage. Wer das gemacht hat wird feststellen, dass Jesus in seinem Leben kräftig aufräumt. Alles, was nicht zum Reiche Gottes passt, wird ausgemerzt und alles, was ER von uns erwartet, das legt er liebevoll in unsere Herzen hinein.

Dass dies Probleme mit unserem Umfeld mit sich bringt ist so sicher, wie das berühmte Amen in der Kirche. Aber bei allem, was auch passieren mag, werden wir feststellen, dass ein tiefer innerer Frieden in uns wohnt, der mit all diesen Problemen fertig wird.

Nur so nebenbei bemerkt: Ich habe noch keinen Menschen kennengelernt, der diese Entscheidung bereut hat.

2. Der Lohn Hier und Heute

Kirchen wird ja seit jeher vorgeworfen, dass sie die Menschen auf das Jenseits vertrösten. Das ist aber nicht der Fall und daher kompletter Unsinn.

Jesus sagt klipp und klar, dass seine Nachfolger, die ihm ihr Leben übergeben haben, schon hier auf Erden ein Vielfaches von dem empfangen werden als dass sie gegeben haben.

Das hört sich erst einmal gut an. Aber was ist denn das denn ganz konkret, ein Vielfaches ? Wenn ich Jesus mein Leben übergeben habe, dann lebe ich in einer ständigen Gemeinschaft mit meinem Herrn an meiner Seite.

All das, was mich betrübt, dass will er mit mir gemeinsam durchstehen.

Er will mein ständiger Ratgeber in allen Lebenslagen sein. Nichts in meinem Leben ist ihm zu klein, als dass er sich nicht darum kümmern möchte und nichts ist ihm zu groß, als dass er nicht in der Lage wäre zu helfen.

Gute Freunde stehen uns zwar auch zur Seite. Aber wie das mit irdischen Freunden nun mal so ist, da kommt ein Streit und schon ist die Freundschaft vorbei. Aber Jesus ist unser guter Freund, der uns niemals mehr im Stich lassen wird. Egal, was auch passiert, egal welchen Bockmist wir wieder einmal verzapft haben, er ist und bleibt unser bester Freund.

Wer das nicht glauben mag, der möge bitte das 28. Kapitel des Matthäusevangeliums lesen wo Jesus zu uns sagt: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“. Wenn das mal kein Lohn der Nachfolge schon auf Erden ist.

3. Der Lohn im Himmel

Was uns im Himmel erwartet, das sagt uns Jesus auch ganz deutlich; nämlich das ewige Leben.

Mit dem Tod ist doch sowieso alles aus. Das höre ich immer wieder. Für denjenigen, der mit Jesus nichts am Hut hat, mag dies sicherlich auch so sein. Aber diejenigen, die ihm nachfolgen haben in der Tat rosige Zukunftsperspektiven.

Pfarrer Wilhelm Busch erklärte es einmal so: „Wenn ich hier auf Erden die letzte liebende Hand, die mir zur Seite steht loslassen muss, dann erwartet mich in der gleichen Sekunde auf der anderen Seite mein Herr, der mich liebevoll in seine Arme nimmt und mich ganz herzlich im Himmel willkommen heißt.“ Besser kann man es gar nicht ausdrücken.

Wenn das so ist, und die Bibel zeigt uns an vielen Stellen, dass dies so ist, dann gibt es für uns Christen eigentlich den Tod nicht mehr. Wir gehen nur von unserem irdischen Leben in das ewige Leben über.

Natürlich bin ich traurig, wenn ein geliebter Mensch von uns geht. Ich komme gerade aus dem Urlaub zurück. Ein sehr guter Freund von mir ist während meines Aufenthaltes plötzlich und ohne jedwede Vorwarnung im Alter von 61 Jahren heimgegangen. Natürlich jubel ich nicht vor Freude, dass er nunmehr in der Ewigkeit ist. Natürlich bin ich traurig.

Aber diese Trauer wird immer auch davon überlagert, dass er zwar seinen irdischen Lebensweg beendet hat, aber jetzt im Himmel angekommen ist.

Und eines Tages werde ich ihm wieder begegnen.

Das klingt jetzt natürlich alles ein wenig nach dem bekannten „Friede, Freude, Eierkuchen“. Und daher muss ich noch kurz auf etwas Entscheidendes hinweisen.

Der Lohn des ewigen Lebens wird uns zwar allen angeboten. Aber nur diejenigen, die sich auf Erden für die Nachfolge entscheiden, haben schon hier jeden Tag die absolute Gewissheit, dass sie im Himmel landen werden. Was mit den anderen Menschen passiert, das, liebe Gemeinde soll nicht unser Thema sein.

Unser Thema sollte es hingegen sein, möglichst viele Mitmenschen auf diese Wahlmöglichkeit hinzuweisen.

Damit wir uns auch jeden Morgen in der Frühe daran erinnern, lassen Sie uns nunmehr gemeinsam in den 1. Vers des Liedes „Er weckt mich alle Morgen…“ (EG 452) von Jochen Klepper einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Er weckt mich alle Morgen. Er weckt mir selbst das Ohr.Gott hält sich nicht verborgen, führt mir den Tag empor, dass ich mit seinem Worte begrüß das neue Licht.
Schon an der Dämmerung Pforte ist er mir nah und spricht.

Der Herr segne dich und behüte Dich

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt sie alle ganz herzlich

Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,
ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 14. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Markusevangelium, Kapitel 1, die Verse 40-45. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Die Heilung eines Aussätzigen

Und es kam zu ihm ein Aussätziger, der bat ihn, kniete nieder und sprach zu ihm: Willst du, so kannst du mich reinigen. Und es jammerte ihn, und er streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: Ich will’s tun; sei rein! Und sogleich wich der Aussatz von ihm, und er wurde rein. Und Jesus drohte ihm und trieb ihn alsbald von sich und sprach zu ihm: Sieh zu, dass du niemandem etwas sagst; sondern geh hin und zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung, was Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis.

Er aber ging fort und fing an, viel davon zu reden und die Geschichte bekanntzumachen, so dass Jesus hinfort nicht mehr öffentlich in eine Stadt gehen konnte; sondern er war draußen an einsamen Orten; doch sie kamen zu ihm von allen Enden.

Liebe Gemeinde,wenn wir uns den Text einmal etwas intensiver ansehen, dann beschäftigt er sich genau mit dem, was wir als gläubige Menschen tun sollen. Lassen Sie uns heute Morgen darüber einmal etwas intensiver nachdenken.

1. Jesus – Die Entscheidung

Viele Menschen geben an, religiös zu sein und an einen Herrgott zu glauben. Gut, dass es einen Herrgott gibt, das weiß auch der Teufel. Schon weit weniger Menschen besuchen regelmäßig Gottesdienste, Gemeinschaftsstunden und andere Formen der christlichen Zusammenkunft. Und ganz wenige Menschen sind wie der Aussätzige aus unserem Predigttext.

In unserer heutigen Gesellschaft lassen viele Menschen Gott einen guten Mann sein, an den man sich zu Weihnachten und Ostern gern erinnert und der auch bei Taufe und Heirat seinen Segen dazugeben darf. Und schließlich so ganz ohne kirchlichen Segen will man ja auch nicht den Friedhof bevölkern.

Unser Aussätziger hingegen hatte mit alle dem religiösen Gedöns nicht viel am Hut. Er hatte aber mit dem was am Hut, der ihn heilen konnte. Er wusste dass Jesus ihn heilen konnte. Das sagte er auch indem er äußerte: „Willst du, so kannst du mich reinigen.“ Es ging ihm also nicht um das ob, sondern dass Jesus ihn reinigen wollte.

Ich glaube, davon sind viele Menschen heute meilenweit entfernt. Viele Menschen glauben, dass sie in den Himmel kommen werden, aber sie glauben nicht daran, dass der auferstandene Herr Jesus tagtäglich auch in ihrem Alltag präsent ist.

Und dabei ist genau dies der Fall. Aber Jesus ist kein hyperaktiver klerischer Hektiker, der von sich aus alles geradebiegt, was irgendwie schief gelaufen ist. Nein, Jesus macht nur etwas, wenn wir ihn auch darum bitten. Er mischt sich also nicht einfach ungefragt in unser Leben ein.
Genau hier können wir uns an dem Aussätzigen ein Beispiel nehmen. Gehen wir doch wieder mit allem, was uns bedrückt zu unserem Herrn. Nichts ist ihm zu groß, als dass er uns nicht helfen könnte. Und kein Anliegen ist ihm zu klein, als dass er sich dafür nicht interessieren würde.

Viele Menschen haben mir schon  berichtet, dass sie sehr wenig oder gar nichts mit Jesus erleben. Wenn ich dann frage, worum sie ihn denn erfolglos gebeten haben kommt meist das berühmte Schweigen im Walde.

2. Jesus – Der Weg

„Und Jesus trieb ihn alsbald von sich..“, so lesen wir es weiter in unserem Predigttext. Da hat also ein Mensch sein Vertrauen in Jesus gesetzt und dann dies. Auf den ersten Blick ist dies auf jeden Fall für mich alles andere als verständlich.

Aber auf den zweiten Blick steckt etwas ganz anderes dahinter. Schauen wir uns doch einmal in unseren Kirchen und anderen Veranstaltungen um. Da geht es doch liebevoll, harmonisch und freundlich zu. Jeder nimmt auf den Anderen Rücksicht. Da möchte man doch gar nicht mehr nach draußen zurück in die Welt gehen.

So erging es auch unserem Aussätzigen. Er wollte vermutlich nur eines, nämlich bei dem bleiben, der ihn geheilt hatte. Das ist auch nur all zu verständlich. Aber Jesus geht es ja gerade darum, dass seine Botschaft möglichst viele Menschen erreicht.

Wenn wir uns innerkirchlich abschotten wie Geheimbünde, dann wird unsere Botschaft auch kaum draußen ankommen. Erst dann, wenn wir in unseren Familien, in unserem Bekanntenkreis und auf unserer Arbeitsstelle den Menschen von Jesus berichten, erst dann haben immer mehr Menschen die Chance auch ihr ganz persönliches Ja zu Jesus zu sagen.
Jesus sagt nicht „Bleibet drin“, sonder er sagt „Gehet hin“. Übrigens auch nachzulesen im 28. Kapitel des Matthäusevangeliums. Nun kann das Ganze natürlich ziemlich holprig werden und wir werden sicherlich das ein oder andere Mal anecken. Auch daran hat unser Herr gedacht, als er uns seinen Missionsbefehl gegeben hat.

Jesus lässt uns ja nicht allein auf weiter Flur unseren Dienst verrichten nach dem Motto: Dann seht mal zu, wie ihr zurechtkommt. Nein unser Herr gibt uns folgendes Versprechen mit auf unseren Weg: Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Und darauf dürfen wir uns felsenfest verlassen.

3. Jesus – Der Magier

Da kommt jemand mit einer recht unschönen Hautkrankheit zu unserem Herrn und wie durch ein Wunder ist diese Krankheit im Nu verschwunden. Würde mir das passieren, ich würde es doch am liebsten auch sofort in die ganze Welt hinausposaunen, was der Herr an mir getan hat. Das wirft doch ein ganz besonderes Licht auf meinen Herrn. Das muss ihm doch recht sein, wenn ich das allen Menschen erzähle.

Und was macht Jesus? Er verbietet es dem Aussätzigen darüber zu reden. Stattdessen soll der Geheilte ganz einfach weiter seinem religiösen Leben nachgehen. Irgendwie schon komisch, oder?

Vor einigen Jahren ist ein Fallschirmspringer namens Felix Baumgartner aus einer Höhe von rund 40 km auf die Erde gesprungen. Wochen vorher und Wochen nachher wurde über dieses Ereignis in den Medien berichtet. Und wer spricht heute noch darüber? Kaum noch einer.
Besondere Ereignisse, und dazu zählen auch Wunderheilungen, sind immer nur eine Zeitlang interessant. Ist der spektakuläre Moment erst einmal vorbei, wendet man sich alsbald wieder dem Tagesgeschehen zu. Das wusste auch unser Herr.

Mit dem Verbot des Weitererzählens wollte er vermeiden, dass er nur auf seine Wunder reduziert wird. Jesus war weit mehr als ein Wunderheiler. Er, der Erlöser der ganzen Menschheit, wollte eben nicht auf ein paar Wundergeschichten reduziert werden. Er wollte, dass man ihm im Glauben nachfolgt.

Und genau so ist es heute auch noch. Wir sollen behutsam, das heißt keinesfalls zögerlich, mit unserem Glauben umgehen. Wie mache ich dies am besten? Indem der Herr Jesus das zentrale Element in meinem Leben darstellt. Gewiss kann er auch heute noch in mein Leben eingreifen und mich vor allerlei Schaden und Gefahren bewahren. Aber viel wichtiger ist es doch, dass ich ihn als treuen Begleiter in meinem Leben zur Seite habe, auch wenn es mal durch dunkle Täler geht.

Auch wenn ich es in diesen Momenten nicht unbedingt spüre, dann bereitet er doch schon im Hintergrund einen Tisch im Angesicht meiner Feinde, wo er mein Haupt salben und mir voll einschenken wird.

Wenn ich Jesus so zum Zentrum meines Lebens mache, dann darf ich auch erfahren dass mir Gutes und Barmherzigkeit folgen werden mein Leben lang. Und das ist doch weit mehr als ein Wunder. Das ist doch DAS Wunder schlechthin.

Darum lassen Sie uns den Herrn loben und preisen mit dem 4. Vers des Liedes „Lobe den Herren…“ (EG 316) von Joachim Neander, der da lautet, wie folgt:

Lobe den Herren, der sichtbar dein Leben gesegnet,
der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet.
Denke daran, was der Allmächtige kann, der dir mit Liebe begegnet.
Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen FriedenAmen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.
Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 13. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Evangelisten Markus im 3. Kapitel, die Verse 31-35. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Jesu wahre Verwandte

Und es kamen seine Mutter und seine Brüder und standen draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen. Und das Volk saß um ihn. Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen fragen nach dir. Und er antwortete ihnen und sprach: Wer ist meine Mutter und meine Brüder? Und er sah ringsum auf die, die um ihn im Kreise saßen, und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder! Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.

Liebe Gemeinde,ja, wir haben es richtig gehört. Wir sind Jesu wahre Verwandte. Allerdings, und das dürfen wir niemals vergessen nur diejenigen sind Jesu wahre Verwandte, die das Erlösungswerk unseres Herrn für sich im Glauben angenommen haben. Das nur einmal kurz vorab. Das ist ja schön und gut, dass wir Jesu Verwandte sind, aber was bedeutet dies denn eigentlich für uns, dass wir Teil einer Großfamilie sind? Lassen Sie uns diese Großfamilie einmal etwas näher betrachten:

1. Der Vater

Zu einer Großfamilie gehört natürlich ein Oberhaupt. In unserer christlichen Großfamilie ist dies natürlich unser Vater im Himmel. Die Hauptaufgabe eines Vaters ist es, seine Kinder auf das Leben vorzubereiten.

So wie uns unsere leiblichen Väter auf die Welt da draußen vorbereitet haben, so bereitet uns unser himmlischer Vater auf unser Leben als Christen vor. Als guter Vater sorgt er sich stets um das Leben seiner Kinder und versorgt diese natürlich mit allem, was diese zum Leben benötigen.

Das ist ein gewaltiges Privileg für uns. Wir müssen uns nicht mehr sorgen, was wir essen und trinken und womit wir unseren Lebensunterhalt verdienen sollen. Unser himmlischer Vater lässt uns dies alles zukommen. Das heißt aber nicht, dass wir faul in unserer Hängematte liegen sollen und auf unsere Abberufung in den Himmel warten. Wir sollen in ständigem Kontakt mit unserem Vater bleiben, damit er uns zeigen kann, was wir tun und lassen sollen.

Wir kennen es sicherlich alle aus unserer Kindheit, dass uns der ein oder andere Wunsch nicht erfüllt wurde und wir so recht gar nicht verstehen konnten, warum uns ein Anliegen verwehrt worden war. Erst hinterher haben wir oftmals verstanden, dass unser Vater oder unsere Mutter in ihrer Weisheit vorausschauender gehandelt haben, als es uns möglich war.

Genau so ist es bei unsrem himmlischen Vater. Er erfüllt sicherlich nicht jeden unserer Wünsche. Schon gar nicht diejenigen, die uns mehr schaden als nutzen könnten. Aber wir dürfen getrost darauf vertrauen, dass Gott uns mit all dem zusammenbringt, was nützlich und hilfreich für unsere Entwicklung als Christen und zukünftige Himmelsbürger ist.

Solange wir als Christen neu jung und unerfahren sind, da gibt uns Gott ein Nest, in welchem wir wohlbehalten aufwachsen und lernen können. Sobald wir genügend gelernt und erfahren haben, da gibt er uns Flügel, damit wir das, was wir erlebt haben, auch in die Welt hinaustragen können. Wie ein Adler auch noch über seine Jungen wacht, die mit dem fliegen beginnen, so wacht unser Herr unser ganzes Leben über uns.

2. Das Kind

Und damit kommen wir zu unserer Rolle in der Familie. Wo sind Kinder in Gottes Haus und keine Knechte. Das hat weitreichende Konsequenzen. Als Kind haben wir einen verbrieften Anspruch auf elterliche Fürsorge.

Gott höchstpersönlich hat sich nach unserem JA verpflichtet, unser ganzes Leben lang ein fürsorgender, liebevoller Vater für uns zu sein. Wir dürfen uns also immer in den liebenden Armen unseres Vaters geborgen wissen, egal, was auch um uns herum gerade geschehen mag.

Und wir dürfen ganz gewiss sein, dass alles, was uns passiert und was mit uns geschieht vorher durch die Hand unseres Vaters im Himmel gegangen ist. Wir sind also keine Zufallsprodukte der Weltgeschichte und es passiert auch niemals rein zufällig etwas. Als Kinder Gottes dürfen wir getrost davon ausgehen, dass alles, was passiert stets zu unserem Besten ist.

Natürlich ist diese Beziehung für uns auch mit Pflichten verbunden. Wir haben als Kinder Gottes eine Gehorsamspflicht unserem Vater gegenüber. Woher weiß ich denn genau, was der Vater im Himmel von mir erwartet?

Das steht zum einen in unserer christlichen Hausordnung, also in der Bibel. Wenn wir diese regelmäßig und andächtig lesen, dann werden wir dort eine Fülle von Verhaltensweisen kennenlernen, über die sich unser Vater im Himmel freut. Aber wir wir werden auch ganz konkret auf Dinge hingewiesen, die unserem Vater gar nicht gefallen.

Auch wenn heutzutage viele Menschen meinen, dass die Bibel doch immer wieder dem Zeitgeist angepasst werden muss was unsere Verhaltensweisen betrifft, möchte ich nur einmal darauf hinweisen, dass Gott seine Meinung (Gott sei Dank!!!) uns gegenüber auch nicht ständig ändert.

Neben der Bibel erfahren wir von Gott direkt im Gebet, was er von uns erwartet.
Als Kinder werden wir natürlich niemals perfekt werden. Da, wo uns der Teufel immer noch in Versuchung bringen kann, da werden wir immer wieder in die ein oder andere aufgestellte Falle hineintappen. Aber auch dann brauchen wir nicht zu verzagen.  Auch in diesen Situationen ist unser Herr nur einen Gebetsruf weit von uns entfernt und wartet nur darauf, dass wir ihn anrufen.

3. Die Geschwister

Natürlich haben nicht nur wir den Anspruch auf elterliche Fürsorge. Genau derselbe Anspruch steht auch unseren Geschwistern zu.

Und daher ist es auch ganz, ganz wichtig, dass wir unseren Brüdern und Schwestern in Christo auch in geschwisterlicher Liebe begegnen. Das hat dann auch ganz konkrete Auswirkungen für uns.

Wo ein Bruder oder eine Schwester Not leidet sind wir aufgerufen, diese Not zu lindern. Und zwar nicht großmütig und gönnerhaft von oben herab, sondern ganz einfach als Bruder oder Schwester ohne viel Aufhebens davon zu machen.

Wir haben auch keine Rangordnung untereinander. Wir begegnen uns alle auf Augenhöhe. Daran dürfen wir uns ruhig einmal erinnern, wenn wir von den Nöten und Sorgen der Flüchtlinge um uns herum hören.

Äußere Nöte und Sorgen zu mildern ist ja noch relativ einfach. Man sieht ja vor Augen, wo etwas fehlt und wo ein Mangel herrscht. Schwieriger wird es schon mit den inneren Nöten, Sorgen und Problemen, die unsere Geschwister quälen. Aber auch dort sind wir zur Hilfe aufgerufen.

Und das geht nur, wenn wir mit ihnen reden. Es reicht also nicht aus, unsere Geschwister mit materiellen Werten auszustatten, vielfach brauchen sie unsere mentale Hilfe und Stütze. Und auch dort dürfen wir uns nicht abwenden.

Aber als Geschwister untereinander sollen wir nicht nur das Leid, sondern auch die Freude teilen. Und das Teilen dieser Freude schweißt zusammen.

Natürlich gibt es in jeder Familie immer mal wieder Unstimmigkeiten und Probleme. Das ist auch in unserer christlichen Großfamilie der Fall. Und genau mit diesen Problemen und Unstimmigkeiten sollen wir getrost zu unserem Vater im Himmel kommen und ihn bitten, uns bei der Bewältigung der Schwierigkeiten den rechten Weg aufzuweisen. Und wenn wir dies mit einem aufrichtigen Herzen tun, wird es sich nicht lange bitten lassen.

Und weil dies so ist, wir also ein Teil der christlichen Großfamilie sind und einen Vater im Himmel haben, der allezeit über uns wacht, dürfen wir mit einem fröhlichen Herzen in den ersten Vers des Liedes „Du meine Seele singe…“ (EG 302) von Paul Gerhardt einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd;
ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.
Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen FriedenAmen.

Liebe Gemeinde,
ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt sie alle ganz herzlich
Ihr
Ulrich Naber