Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 14. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Brief des Paulus an die Thessalonicher, Kapitel 1, die Verse 2-10. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Der vorbildliche Glaube der Gemeinde

Wir danken Gott allezeit für euch alle und gedenken euer in unserm Gebet und denken ohne Unterlass vor Gott, unserm Vater, an euer Werk im Glauben und an eure Arbeit in der Liebe und an eure Geduld in der Hoffnung auf unsern Herrn Jesus Christus. Liebe Brüder, von Gott geliebt, wir wissen, dass ihr erwählt seid; denn unsere Predigt des Evangeliums kam zu euch nicht allein im Wort, sondern auch in der Kraft und in dem Heiligen Geist und in großer Gewissheit.
Ihr wisst ja, wie wir uns unter euch verhalten haben um euretwillen. Und ihr seid unserem Beispiel gefolgt und dem des Herrn und habt das Wort aufgenommen in großer Bedrängnis mit Freuden im Heiligen Geist, sodass ihr ein Vorbild geworden seid für alle Gläubigen in Mazedonien und Achaja. Denn von euch aus ist das Wort des Herrn erschollen nicht allein in Mazedonien und Achaja, sondern an allen Orten ist euer Glaube an Gott bekannt geworden, sodass wir es nicht nötig haben, etwas darüber zu sagen.
Denn sie selbst berichten von uns, welchen Eingang wir bei euch gefunden haben und wie ihr euch bekehrt habt zu Gott von den Abgöttern, zu dienen dem lebendigen und wahren Gott und zu warten auf seinen Sohn vom Himmel, den er auferweckt hat von den Toten, Jesus, der uns von dem zuküftigen Zorn errettet.

Liebe Gemeinde,

wie es scheint, lobt Paulus die Gemeinde in Thessalonich über den grünen Klee. In kaum einem anderen Brief wird die Gemeinde so intensiv gelobt wir in unserem heutigen Predigttext. Warum lobt Paulus diese Gemeinde so über alle Maßen und was zeichnet diese Gemeinde als etwas so besonders aus? Lassen Sie uns darüber heute Morgen einmal gemeinsam nachdenken.

1. Wort aufnehmen

Liebe Gemeinde, wir hören natürlich alle auf das, was uns der Predigttext sagen möchte. Aber setzen wir auch das um, was uns Sonntag für Sonntag berichtet wird? Die Gemeinde in Thessalonich war eine solche Gemeinde, die das Wort nicht nur hörte, sondern es auch 1:1 in die Tat umsetzte.

Wir hören ja nicht am Sonntag Gottes Wort, um es dann für eine Woche in die Ecke zu stellen. Auch wir, die wir heute Morgen beisammen sind, sollen das, was uns Gott sagen möchte auch in die Tat umsetzen.

„Mit Freuden im Heiligen Geist“, so schreibt es Paulus haben die Thessalonicher das Wort aufgenommen.

Der Heilige Geist kann ja nur dann in mir wirken, wenn ich ihn auch wirken lasse. Wenn ich miesepeterig meine Bibel lese, meine Zeit im Gottesdienst absitze und dabei nicht bei der Sache bin, weil mich das Ganze sowieso nicht so richtig interessiert, dann wird auch der Heilige Geist auch kaum in mir wirken.

Wenn ich aber neugierig bin auf Gottes Wort und wissen möchte, was er mir sagen will, dann wird der Heilige Geist in mir wirken. Er wird mich lenken und führen und mich auf rechtem Wege leiten, damit ich das, was Gott von mir möchte, auch in mit einem freudigen Herzen umsetzen kann.

Das geht natürlich nicht mal eben so im Vorbeigehen, dazu bedarf es schon der Ruhe und Stille, damit ich SEIN Wort auch verstehen kann.

2. Abkehr von Götzen

Bekehrung, liebe Gemeinde ist die eine Sache, die Abkehr von den Götzen hingegen eine ganz andere. Was sind eigentlich Götzen?

Götzen sind alle Dinge in unserem Leben, die uns von unserer Gemeinschaft mit unserem Herrn wegbringen wollen, oder aber diese Gemeinschaft stören wollen oder aber anstelle dieser Gemeinschaft treten wollen.

Das hört sich sehr theoretisch an, daher ein paar Beispiele. Der Teufel ist ein Paradebeispiel für jemanden, der uns von Gott wegbringen möchte und zu sich in seinen Bann ziehen möchte. Der Teufel arbeitet sehr, sehr intelligent. Er sagt zum Beispiel nicht: „Es gibt doch gar keinen Gott“, sondern er lädt uns ein, mit ihm doch einmal über Theologie zu diskutieren. Und dann stellt er eine Tatsache nach der anderen in Frage, bis wir schließlich total verunsichert sind.

Die christliche Gemeinschaft lebt ja gerade von und in dieser Gemeinschaft. Wenn mich Geld, Karriere und Hobbys daran hindern, an der Gemeinschaft teilzuhaben, dann muss ich mir auch hier die Wertefrage stellen.

Im Prinzip können wir sagen, dass alles, was uns wichtiger ist als Gott, schon in die Nähe des Götzen rückt. Und dabei sollten wir höllisch aufpassen, dass diese Dinge nicht unsere Beziehung mit Gott durcheinanderbringen.

3. Die Praxis

Wie gehen wir denn nun ganz praktisch als Christen mit der Welt und der Gemeinde um ? Auch hier sagt uns Paulus drei Kennzeichen, die er an der Gemeinde in Thessalonich so besonders schätzt.

Wir sollen in Liebe miteinander umgehen. Natürlich gibt es in jeder Gemeinschaft auch Meinungsverschiedenheiten. Diese sollen wir aber nicht im Streit, sondern in Liebe lösen. Am besten macht man das, indem man nicht das sucht, was uns trennt, sondern nach dem Ausschau hält, was uns verbindet. Dann kommt man in der Regel sehr schnell zu dem Ergebnis, dass es gar keinen Raum für Streit mehr geben kann, da das, was uns verbindet, immer größer ist, als das, was uns voneinander trennt.

Wir sollen in Geduld miteinander umgehen. Wenn etwas nicht so klappt, wie wir es uns wünschen, dann neigen wir ja schnell mal dazu ungeduldig zu werden. Da ist der neue Bruder, der mit seinen Fragen anfängt zu nerven. Wir haben es ihm doch schon dutzende Male erklärt. Und dann ist da noch der Bruder, der immer wieder den gleichen Fehler macht. Man könnte aus der Haut fahren.

Was Geduld heißt, das hat Jesus dem Petrus auf seine Frage hin geantwortet, wie oft man seinem Gegenüber verzeihen muss. Nicht sieben Mal, sondern siebzig Mal sieben Mal.

Wir sollen die Hoffnung in uns tragen. Hoffnung, liebe Gemeinde ist ein Leben hin auf das, was wir noch nicht sehen können, von dem wir aber überzeugt sind, dass es kommen wird. Wenn dies in der Gemeinschaft geschieht, dann stärkt der eine den anderen, wenn dieser einmal ins zweifeln kommen sollte.

Wie er auf Hoffnung hin lebt, dass erklärte der Theologe Helmut Thielicke einmal wie folgt: Wir alle kennen das Weihnachtsfest. Und wir alle kennen die Adventszeit, in welcher wir uns auf dieses Fest vorbereiten. Mein ganzes Leben ist eine andauernde Adventszeit in der ich mich auf das Höchste vorbereite, was mir widerfahren kann, nämlich die Heimkehr in mein himmlisches Vaterhaus. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

Machen wir es doch ab heute ganz konkret: Gehen wir doch wieder liebevoller miteinander um, üben wir uns doch wieder mehr in Geduld, wenn die Pferde mit uns durchzugehen drohen und sehen wir doch wie Helmut Thielicke das Leben als eine einzige Adventszeit, in welcher wir uns auf den Himmel vorbereiten dürfen.

Lassen Sie uns zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes gemeinsam in den 6. Vers des Liedes „Ich bin ein Gast auf Erden…“ (EG529) von Paul Gerhardt einstimmen, der uns aufzeigt, wie wir hoffnungsvoll leben können:

So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt,
doch denk ich nicht zu bleiben in diesem fremden Zelt.
Ich wandre meine Steaße, die zu der Heimat führt,
da mich ohn alle Maße mein Vater trösten wird.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem 20. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Brief von Paulus an die Thessalonicher, Kapitel 4, die Verse 1-8. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Ermahnung zur Heiligung

Weiter, liebe Brüder, bitten und ermahnen wir euch in dem Herrn Jesus, da ihr von uns empfangen habt, wie ihr leben sollt, um Gott zu gefallen, was ihr ja auch tut, dass ihr immer vollkommener werdet. Denn ihr wisst, welche Gebote wir euch gegeben haben durch den Herrn Jesus. Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, dass ihr meidet die Unzucht und ein jeder von euch seine eigene Frau zu gewinnen suche in Heiligkeit und Ehrerbietung, nicht in gieriger Lust wie die Heiden, die von Gott nichts wissen. Niemand gehe zu weit und übervorteile seinen Bruder im Handel; denn der Herr ist ein Richter über alles, was wir euch schon früher gesagt und bezeugt haben. Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinheit, sondern zur Heiligung. Wer das nun verachtet, der verachtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen heiligen Geist in euch gibt.

Liebe Gemeinde,

Ermahnung zur Heiligung, so lautet die Überschrift über unserem heutigen Predigttext. aber was ist denn damit gemeint, wenn wir von Heiligung sprechen? Ich denke, dass Heiligung ein Denken und Handeln beschreibt, welches von Christus, seinem Wort und Geist geprägt ist. Wie sieht ein derartiges Handeln denn heute im 21. Jahrhundert ganz konkret aus? Ich glaube, es sieht genau so aus, wie vor 2000 Jahren. Drei Punkte lassen Sie uns dazu heute Morgen überdenken

1. Sex

Zugegeben, etwas über Sex zu erfahren ist nicht gerade die primäre Aufgabe einer Predigt. Aber, was Paulus dazu zu sagen hat, sollte für uns heute auch immer noch eine Leitlinie sein.

In vielen Glaubensgemeinschaften wird der Sex ja nur als notwendiges Übel der Fortpflanzung gesehen. Das sagt Paulus indes nicht. Sex kann und darf auch Freude bereiten, aber bitteschön in der Ehe und mit der eigenen Frau.

Paulus fordert ja in seinem Brief geradezu die Männer auf, die eigene Frau zu erobern. Aber stets unter Vermeidung der Unzucht. Unzucht ist immer dann gegeben, wenn der eine Partner nur an die Befriedigung seiner eigenen Bedürfnisse denkt und dabei die Frau oder der Mann zum austauschbaren Objekt wird.

Der eigene Partner soll dabei in Heiligung und Ehrerbietung gewonnen werden. Auch wenn wir diesen Begriff unter dem Generalthema der Sexualität in unserem Predigttext finden, gilt er doch für die gesamte Partnerschaft, die ja bekanntermaßen auch noch aus anderen Bereichen besteht.

Um es mal ganz konkret auszudrücken: Die eigene Frau ist nicht meine Putze und Köchin, die gefälligst dafür zu sorgen hat, dass ich abends ein leckeres Essen auf dem Teller habe und das auch noch in einem gemütlichen Ambiente. Und der eigene Mann ist nicht der, der dafür zuständig ist, das ja genügend Geld nach Hause kommt, damit ich als Frau ordentlich shoppen gehen kann.

Heiligung und Ehrerbietung bedeutet, dass beide Partner einander achten und wertschätzen. Das beinhaltet unter anderem, dass der eine Partner dem anderen bei der Verrichtung aller Aufgaben hilfreich zur Seite steht. Das bedeutet aber auch, die jeweilige Tätigkeit des anderen stets anzuerkennen als das, was es ist, nämlich ein Liebesdienst an dem anderen Partner.

Wenn wir die Hausarbeit der Frau mal wieder so betrachten, nämlich als ein Liebesdienst an uns Männern, dann sehen wir dies ganz bestimmt mit anderen Augen, als wenn wir dies alles nur als selbstverständlich hinnehmen.

Wenn beide Partner mit der gebotenen Werteschätzung einander begegnen, dann kommen beide Partner zu Ehren. Wir sehen, Gott kannte schon die Gleichberechtigung.

2. Geld

Auch nicht unbedingt ein Kanzelthema, wenn wir einmal von der letzten Woche, der Kollektenpredigt absehen. Auf das Thema Geld angesprochen, bekomme ich häufig zu hören, dass dies doch wohl reine Privatsache sei.

Machen wir doch mal einen kurzen Statusbericht, wie es um das Thema Geld bei uns bestellt ist. Wenn ich mir die Werbebotschaften von Investmentgesellschafen anschaue, ist es toll, zweistellige Renditen zu erwirtschaften. Menschen, die dies geschafft haben, finden wir häufig auf den Titelseiten diverser Wirtschaftsmagazine. Dass dabei häufig auf der anderen Seite Menschen zu Schaden kommen, wird einfach so hingenommen.

Ein siebenstelliges Einkommen zu verdienen weckt unseren Respekt vor der Person, die dies erreicht hat. Dass dies häufig auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen worden ist, die gerade mal den gesetzlich vorgeschriebenen Hungerlohn dafür erhalten, wird natürlich nirgendwo erwähnt. Eine bessere Definition für „asozial“ kann es eigentlich gar nicht geben.

Aber es kommt noch besser. Asozial ist nicht der Unternehmer, der seine Mitarbeiter nach Strich und Faden ausbeutet, nein asozial ist der der bei der ganzen Geschichte rund um das Thema Geld hinten runtergefallen ist. Das ist z.B. der Arbeitnehmer, der auf Grund eines Arbeitsunfalles berufsunfähig geworden ist und nun mit einer Minirente zurechtkommen muss, die noch nicht einmal das Hartz 4 Niveau erreicht.

Und in diese Situation hinein sagt Paulus, was Gott darüber denkt: „Niemand gehe zu weit und übervorteile seinen Bruder im Handel.“ An dieser Stelle möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass Gott nichts, aber auch gar nichts gegen Reichtum hat. Aber er hat was dagegen, wenn ich ihn auf Kosten anderer erwirtschafte. Und er hat auch was dagegen, wenn ich mit meinem Reichtum nur so umgehe, dass nur ich etwas für mich davon habe und ansonsten nur dafür sorge, dass sich mein Reichtum prächtig vermehrt.

Jetzt steht da noch das Wort der Übervorteilung. Das trifft es doch genau, die da oben ziehen uns kleine Leute so richtig über den Tisch. Endlich mal liest denen mal einer so richtig die Leviten. Liebe Gemeinde, die da oben, damit sind auch wir gemeint.

Denken wir doch einmal darüber nach, wenn wir die nächste Jeans für 10,00 € kaufen, was davon für einen Fabrikarbeiter in Asien übrig bleibt. Denken wir doch einmal bei unserem nächsten Besuch eines 1 € Ladens darüber nach, wer dabei so alles auf der Strecke bleibt.

Es wird immer wieder Situationen geben, die ein derartiges Handeln erforderlich machen, ganz ohne Frage, aber ohne Not dort einzukaufen halte ich zumindest für ein passives Übervorteilen.

3. Was machen wir da eigentlich?

Egal ab bei Sex oder Geld, immer wenn wir jemand betrügen, übervorteilen oder anderweitig Schaden zufügen, dann verachten wir diesen Menschen, den Gott über alles liebt. Und wenn wir dem Menschen einen Schaden zufügen, den Gott über alles liebt, dann verachten wir auch Gott.

Und das, liebe Gemeinde, ist nun wirlich fernab von aller Heiligung.

Und wenn das Ganze einmal unbewusst geschieht, werde ich häufig gefragt. In der Juristerei gibt es die sogenannte Fahrlässigkeit, welche bei kleineren Delikten nicht unter Strafe steht. Sünde hingegen verlangt immer einen Vorsatz. Aber trotzdem bleibt irgendwie ein mulmiges Gefühl zurück. Ich möchte doch auch gern die fahrlässig begangenen Sünden vermeiden. Geht das überhaupt?

Ich sage eindeutig ja. Der Heilige Geist, der in uns wohnt, möchte uns unser ganzes Leben lang leiten, führen und begleiten. Wir müssen ihm nur den Raum dafür geben. In dem Rahmen, wie wir Gott bitten uns durch seinen Geist zu führen, da werden wir feinsinnig werden, wenn es um die heute beschriebenen Sünden geht.

Wir werden sie besser erkennen und entlarven können und Gott wird uns bestimmt Vermeidungsstrategien zur Verfügung stellen. Lassen Sie uns daher immer wieder unseren Herrn bitten, dass er uns dahin führen möge, dass wir alle ein geheiligtes Leben miteinander führen können.

Und wenn es doch wieder einmal danebengeht, dann ist unser Herr nur ein Gebet weit entfernt um dem reuigen Sünder zu vergeben.

Letztendlich dürfen wir alle auf die Gnade unseres Gottes vertrauen, der jedem reumütigen Sünder vergibt und ihn wieder in die Arme nimmt. Daher dürfen wir frohen Herzens in den ersten Vers des Liedes „Jesus nimmt die Sünder an…“ (EG 353) von Erdmann Neumeister einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Jesus nimmt die Sünder an.
Saget doch dies Trostwort allen,
welche von der rechten Bahn
auf verkehrten Weg verfallen.
Hier ist, was sie retten kann:
Jesus nimmt die Sünder an.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche unter der Führung unseres Herrn.

Bleibe Sie alle wohl behütet
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen drittletzten Sonntag des Kirchenjahres. Das Kirchenjahr neigt sich wieder einmal dem Ende zu. Aber auch wir leben in der Endzeit, also in der Zeit, in der wir auf das Kommen unseres Herrn warten. Mit diesem Warten beschäftigt sich daher
auch unser heutiger Predigttext. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im 1. Thessalonicherbrief, Kapitel 5, die Verse 1-6.
Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Von den Zeiten und Stunden aber, liebe Brüder, ist es nicht nötig, euch zu schreiben; denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommen wird wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen werden: Es ist Friede, es hat keine Gefahr -, dann wird sie das Verderben schnell überfallen wie
die Wehen eine schwangere Frau, und sie werden nicht entfliehen. Ihr aber, liebe Brüder, seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme. Denn ihr alle seid Kinder des Lichtes und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis. So lasst uns nun nicht schlafen wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein.

Liebe Gemeinde,

ich habe einmal ein Buch gelesen mit dem Titel „Und wenn er heute noch käme“. In dem Buch ging es um die Frage, ob uns Jesus, so er heute kommen würde, so vorfinden würde, wie er es erwartet. Eine durchaus spannende Frage. Jetzt leben wir ja in der Wartezeit auf unseren Herrn.
Warten wird immer als etwas Passives gesehen. Wenn wir z.B. auf den Bus oder Zug warten, dann ist dies durchaus ein passiver Vorgang.

Von uns Christen wird aber ein „aktives Warten“ erwartet. Lassen Sie uns heute Morgen gemeinsam darüber nachdenken, was es denn auf sich hat mit dem aktiven Warten. Wie warten wir aktiv?

1. Das Wort

Viele Menschen lesen z.B. ein Buch, wenn sie auf den Zug warten. Oder aber die Tageszeitung. Das erkennt man heute nicht mehr sofort, da alles per Tablet-PC geschieht. Und so sollen auch wir, die wir auf das Kommen unseres Herrn warten nicht in eine Schockstarre verfallen, sondern wir sollen die Wartezeit aktiv verbringen.

Wie andere Menschen ein Buch oder aber eine Tageszeitung lesen, so sollen wir uns mit dem Wort unseres Herrn, also mit der Bibel beschäftigen. Nun kann man die Bibel wie einen Roman lesen, Kapitel für Kapitel bis man schließlich durch ist. Wir können die Bibel aber auch unter der Fragestellung lesen: Was will uns Gott mit diesem Wort sagen? Wenn wir die Bibel in der Wartezeit lesen, dann sollen wir dies aktiv tun, also über Gottes Wort nachdenken und meditieren, die Bibel benutzt auch den Ausdruck nachsinnen.

Wenn wir das Wort Gottes so an die erste Stelle unseres Lebens setzen, dann sind wir nicht mehr in der ständigen Gefahr, dass uns der Zeitgeist bestimmt, was wir denken und wie wir handeln sollen. Massenmedien gaukeln uns ja häufig Umstände vor, die fernab von jeder Realität sind. Gottes Wort kann uns davor bewahren auf Manipulationen hereinzufallen und kann uns lehren, alles kritisch zu hinterfragen, was uns Weltmenschen als wahr verkaufen wollen.

In christlichen Kreisen besonders beliebt ist ja die Allversöhnungstheorie, wie sie der Karnevalsschlager so treffend ausdrückt: “ Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel.“ Zugegeben,
diese Theorie hat was an sich. Ich kann tun und lassen, was mir gefällt, am Ende lande ich doch im Himmel. Die Bibel sieht dies leider etwas anders. Wenn wir wirklich alle in den Himmel kommen, warum warnt uns Jesus dann vor der Hölle? Er tut dies nicht einmal oder zweimal. Nein,
Jesus warnt uns immer wieder vor der Hölle.

Ein schlichter Blick in die Bibel kann uns also davor bewahren, auf Scharlatane und deren Theorien hereinzufallen.

2. Die Tat

Eine Tat sagt mehr als tausend Worte. Das trifft genau das, was wir in der Wartezeit tun sollen. Alles, was wir im Leben tun, sollen wir so tun, dass uns Jesus getrost dabei über die Schulter schauen könnte.

Ich meine nicht das berühmte „Big Brother is watching you“, sondern das liebevolle über die Schultern schauen. Das, was wir in der Bibel lesen, das, liebe Gemeinde, sollen wir auch in die Tat umsetzen.

Wir könnten jetzt stundenlang gute Taten aufführen. Lassen Sie uns aber ganz pragmatisch einen Handlungsrahmen betrachten, an welchem wir unsere Taten prüfen können. Der Handlungsrahmen heißt Jesus. Schauen wir uns doch einfach an, wie Jesus auf Erden gelebt hat. Er lebte in Gemeinschaft, liebte das Teilen des vorhandenen Besitzes und vorverurteilte niemanden. Jesus ging einfach liebevoll mit uns Menschen um.

Fangen wir doch einfach an, es Jesus nachzumachen. Schließen wir uns doch einer christlichen Gemeinschaft an. Lassen Sie uns doch alle, von dem, was wir zu viel haben, denen etwas abgeben, die von allem zu wenig haben.

Wie oft sind wir schnell dabei, andere Menschen für das, was sie (angeblich) getan haben zu verurteilen. Geben wir doch jedem Menschen die berühmte zweite Chance. Lassen Sie uns ganz einfach versuchen, mit all unseren Mitmenschen ein wenig liebevoller umzugehen. Das kann
morgens damit beginnen, indem ich meinen Sitzplatz in der Straßenbahn der älteren Dame anbiete, die ein wenig unsicher auf den Beinen ist. Das kann mittags bedeuten, dass ich meinem überlasteten Kollegen etwas aus der Kantine mitbringe und das kann abends bedeuten, dass ich meinen Kollegen, der kein Auto hat, nach Hause fahre, auch wenn es für mich einen Umweg bedeutet.

Liebe Gemeinde, es sind nicht die großen Taten, die Jesus von uns erwartet. Gerade die Summe der kleinen Taten ist es die etwas ganz besonderes entstehen lassen können.

3. Der Schlaf

Die ersten Christen, liebe Gemeinde, die brannten noch so richtig von innen, wenn sie anderen Menschen von Jesus erzählten. Das können wir alles in der Apostelgeschichte nachlesen. Wie sieht es indes heute bei uns aus? Ich habe manchmal den Eindruck, dass die frohe Botschaft zu einer „Ist ok Botschaft“ verkommen ist.

Ich habe die Befürchtung, dass wir kurz davor sind, uns in einen geistigen Tiefschlaf zu versetzen. Und das ist alles andere als aktives Warten auf unseren Herrn. Im christlichen Tiefschlaf öffnen wir dem
Teufel die Türe und Tore unseres Herzens. Wenn wir Jesus so in die Ecke stellen, dann haben alle möglichen Ersatzreligionen die Möglichkeit uns in ihren Bann zu ziehen.

Schauen Sie doch einmal wie viele anderen geistigen Zentren es bereits in unserer Republik gibt. Da kommt der Dalai Lama und tausende pilgern durch die halbe Republik, zahlen auch noch ein horrendes Eintrittsgeld nur um seine Weiheiten zu hören. Dabei wäre der sonntägliche Gottesdienstbesuch mit wesentlich weniger Aufwand verbunden und zudem noch kostenlos.

Da ziehen Jugendliche in den heiligen Krieg, weil sie von irregeleiteten Muslimen geistig „umgedreht“ werden.

Lassen Sie uns selbst und unsere Mitmenschen doch ganz schnell wachrütteln. Wachrütteln damit wir zu einem aktiven Warten auf unseren Herrn in der Lage sind. Ich glaube, liebe Gemeinde, dies ist die größte Herausforderung unserer Zeit. Wir müssen versuchen es zu schaffen, die Menschen wieder für Jesus zu begeistern. Dass uns dies gelingen kann, das sehen wir z.B. in Afrika oder aber auch in China, wo trotz ungünstigster politischer Umstände täglich tausende den Weg zu Jesus finden. Also keine Angst, packen wir es mutig an.

Sagen wir es doch allen unseren Mitmenschen weiter, was uns der Liederdichter Erdmann Neumeister in dem ersten Vers seines Liedes „Jesus nimmt die Sünder an…“ (EG 353) mitteilt, der da lautet, wie folgt:

Jesus nimmt die Sünder an.
Saget doch dies Trostwort allen,
welche von der rechten Bahn
auf verkehrten Weg verfallen.
Hier ist, was sie retten kann:
Jesus nimmt die Sünder an.

Der Herr verleihe Dir ein freudiges Herz, das gerne sein Wort liest und darüber nachsinnt
Der Herr verleihe Dir einen wachen Geist, damit Du sein Wort in die Tat umsetzen kannst
Der Herr schenke Die Kraft und Mut, damit Du sein Wort in die Welt tragen kannst

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 14. Sonntag nach Trinitatis. Wir alle stehen tagtäglich vor diversen Entscheidungen.
Immer wieder müssen wir uns als Christen fragen, wie wir uns unserem Herrn gemäß verhalten sollen. Im heutigen Predigttext finden wir einige wertvolle Hinweise zu diesem Thema. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im 1. Thessalonicherbrief, Kapitel 5, die Verse 14-24.
Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Wir ermahnen euch aber, liebe Brüder: Weist die Unordentlichen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid geduldig gegen jedermann. Seht zu, dass keiner dem andern Böses mit Bösem vergelte, sondern jagt allezeit dem Guten nach untereinander und gegen jedermann.
Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus an euch. Den Geist dämpft nicht. Prophetische Rede verachtet nicht. Prüft aber alles, und das Gute behaltet. Meidet das Böse in jeder Gestalt. Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. Treu ist er, der euch ruft; er wird’s auch tun.

Liebe Gemeinde,

das Gute tun, das Böse, meiden, alles vorher prüfen. So, das war die Predigt für heute. Einfacher geht es wohl kaum. Das kann doch jeder. Wir wissen doch alle, was gut und böse ist. Aber ist es wirklich so einfach? Wer sagt uns denn, was das Gute und was das Böse sind? Und schon sieht die Geschichte nicht mehr so einfach aus. Lassen Sie uns doch heute Morgen einmal gemeinsam über diese beiden Begriffe nachdenken.

1. Das Gute

Wo erfahren wir denn, was das Gute ist, das wir tun sollen? Natürlich auch in der Bibel. Nehmen wir exemplarisch die 10 Gebote, die uns ganz konkret darauf hinweisen, was erlaubt und was verboten ist. Nur dummerweise decken diese 10 Gebote nicht alle unsere Lebensbereiche ab.

Wenn Juristen vor einer Frage stehen, deren Lösung sich nicht direkt aus dem Gesetzestext ergibt, dann muss der Gesetzestext ausgelegt werden. Bei dieser Auslegung fragt sich der Jurist, welchen Zweck denn der Gesetzgeber mit diesem Gesetz erreichen will.

Sehen wir also die Bibel ruhig mal als unser Gesetzbuch an, welches eben nicht alle Fälle des Alltages abschließend regelt.

Was könnte als das Gute alles umfassen? Nun, ich denke, all das, was dem anderen gut tut. Wenn ich etwas tue, was einem anderen Menschen in irgendeiner Weise hilfreich ist, dann ist es in aller Regel auch gut für ihn.

Das kann zum Beispiel auch das Fürbittengebet sein. Mit der Fürbitte wirken wir über den Thron Gottes direkt in das Leben der anderen Menschen ein. Ein weiteres Indiz für das Gute besteht darin, dass wir dies ohne Hintergedanken machen.

Wenn wir dem Guten nachjagen, dann betrifft das aber nicht immer nur die anderen Menschen. Wir sollen auch dem Guten nachjagen, was für UNS gut ist. Da lesen wir dann auch im Predigttext etwas über die Dankbarkeit. Wir sollen dankbar sein in allen Dingen.

Liebe Gemeinde, für den Miesepeter ist sogar der herrlichste Sommertag nicht recht. Er sieht alles immer und überall negativ. Wenn wir uns mal wieder vergegenwärtigen für was wir alles im Leben dankbar sein können, dann kommt so nach und nach die fröhliche Gelassenheit wieder in unser
Leben. Und diese Gelassenheit erfüllt uns mit einer Heiterkeit, die uns unsere Mitmenschen ansehen und die sie auch unmittelbar spüren.

Sie wissen nicht wofür Sie Gott danken sollten? Ich hab einen ganz konkreten Tipp für Sie. Heute Abend vor dem Einschlafen überlegen Sie bitte, was heute so richtig toll gelaufen ist. Und dann danken Sie Gott dafür. Versuchen Sie es zunächst mit drei Dingen. Das können und sollen auch gerade die alltäglichen Kleinigkeiten sein. Denn auch diese sind nicht selbstverständlich, sondern kommen direkt von unserem Herrn.

Damit haben wir indirekt noch etwas Gutes angesprochen, nämlich das Gebet. Über das Fürbittengebet und das Dankgebet haben wir ja schon gesprochen. Es gibt aber noch, ich nenne es hier einmal das „allgemeine Gebet“. Gott möchte gern, dass wir in einer ununterbrochenen
Dauerverbindung zu ihm stehen. Er möchte, dass wir unseren gesamten Alltag mit ihm teilen. Er möchte an unserem ganzen Leben teilhaben.
Deshalb können, sollen und dürfen wir ihm alles erzählen. Alles, was uns Freude macht, aber auch alles, was uns bedrückt.

Warum soll dies gut sein? Nun, alles, was ich in Gottes Hand lege, darum muss ich mich nicht mehr sorgen, das macht jetzt Gott für mich. Ich darf frohgemut und heiter meinen Tag leben.

2. Das Böse

Jetzt haben wir so viel über das Gute geredet. Das ist auch gut so. Aber, wenn wir lesen, dass wir das Böse in jeder Gestalt meiden sollen, dann sollten wir auch hier noch kurz darauf eingehen.

Wir haben soeben erfahren, dass es das Böse in vielfältiger Gestalt gibt. Satan ist ein wahrer Verwandlungskünstler. Wenn sich das Böse immer sofort als das Böse zeigen würde, dann würde wohl kein Mensch etwas Böses tun, von Berufskriminellen vielleicht einmal abgesehen. Ich gehe mal davon auch, dass wir nicht zu dieser Kategorie gehören, die willentlich und wissentlich anderen Etwas Böses antun wollen.

Wir lesen dann auch in unserem Predigttext, dass wir alles prüfen sollen und das Gute dann behalten sollen. Wie erkennen wir denn dann das Böse. Zum Beispiel immer dann, wenn es etwas ist, dass mir oder einem anderen schaden könnte.

Das Böse in jeder Gestalt meiden, heißt aber auch auf vorschnelles urteilen, also auf Vorurteile zu verzichten. Wir sollen erst alles prüfen und dann entscheiden. Wie schnell fällen wir Vorurteile über
andere Menschen. Und wie schnell beteiligen wir uns an Klatsch und Tratsch.

Im Übrigen hilft uns hier beim Trachten nach dem Guten auch beim Erkennen des Bösen die Bibel und das Gebet weiter.

Ein gutes Hilfsmittel ist die geistige Himmelsleiter. In unserer Familie praktizieren wir dies seit Jahren immer wieder mit ganz tollen Erfolgen. Bevor ich etwas tue oder mich entscheide etwas zu machen, gehe ich im Geist ein paar Stufen auf der Himmelsleiter nach oben und schaue mir die ganze Sache in Ihrer Gesamtheit von oben an. Manch eine schon sichere Entscheidung, manch eine feste Meinung haben sich dort ganz schnelle revidiert. Probieren Sie es einfach mal aus.

Wenn wir den Weg des Guten gehen, dann sind wir auf der rechten Straße unseres Lebens, der Straße die uns dereinst auch direkt in den Himmel bringen wird. Dies beschreibt der Liederdichter Paul Gerhardt sehr schön in dem 6. Vers seines Liedes „Ich bin ein Gast auf Erden…“ (EG 529), der da lautet, wie folgt:

So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt,
doch denk ich nicht zu bleiben in diesem fremden Zelt.
Ich wandre meine Straße, die zu der Heimat führt,
da mich ohn alle Maßen mein Vater trösten wird.

Der Herr gebe Dir die Kraft gegen jedermann Gutes zu tun
Der Herr bewwahre dich vor allen Angriffen des Bösen
Der Herr gebe seine Fröhlichkeit in Dein Herz hinein und sei Dir gnädig

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 14. Sonntag nach Trinitatis.
Unser heutiger Predigttext beschäftigt sich mit dem Thema Glauben.
Das ist von sich aus sicherlich nicht besonders originell, sollte doch jeder Gottesdienst dieses Thema zum Inhalt haben. Aber wir lernen heute eine ganz besondere Gemeinde kennen, nämlich die Gemeinde von Thessalonich.

Lassen Sie uns zunächst einmal darauf hören, was der Apostel Paulus über diese Gemeinde sagt. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im 1. Thessalonicher,
Kapitel 1, die Verse 2-10:

Der vorbildliche Glaube der Gemeinde

Wir danken Gott allezeit für euch alle und gedenken euer in unserem
Gebet und denken ohne Unterlass vor Gott, unserem Vater, an euer Werk im
Glauben und an eure Arbeit in der Liebe und an eure Geduld in der
Hoffnung auf unsern Herrn Jesus Christus. Liebe Brüder, von Gott
geliebt, wir wissen, dass ihr erwählt seid; denn unsere Predigt des
Evangeliums kam zu euch nicht allein im Wort, sondern auch in der Kraft
und in dem heiligen Geist und in großer Gewissheit. Ihr wisst ja, wie
wir uns unter euch verhalten haben um euretwillen. Und ihr seid unserm
Beispiel gefolgt und dem des Herrn und habt das Wort aufgenommen in
großer Bedrängnis mit Freuden im heiligen Geist, sodass ihr ein Vorbild
geworden seid für alle Gläubigen in Mazedonien und Achaja. Denn von euch
aus ist das Wort des Herrn erschollen nicht allein in Mazedonien und
Achaja, sondern an allen Orten ist euer Glaube an Gott bekannt geworden,
sodass wir es nicht nötig haben, etwas darüber zu sagen. Denn sie selbst
berichten von uns, welchen Eingang wir bei euch gefunden haben und wie
ihr euch bekehrt habt zu Gott von Abgöttern, zu dienen dem lebendigen
und wahren Gott und zu warten auf seinen Sohn vom Himmel, den er
auferweckt hat von den Toten, Jesus, der uns vor dem zukünftigen Zorn
rettet.

Liebe Gemeinde,

so sieht er also aus, der vorbildliche Glaube. Was zeichnet die Thessalonicher nun in besonderer
Art und Weise aus ? Ich glaube es sind drei Dinge, die der Apostel Paulus im Kern ansprechen will. Lassen Sie uns darüber am heutigen Sonntag ein wenig näher nachdenken.

1. Mit Freuden

Wir erfahren von Paulus, dass sich die Thessalonicher wohl in einer ziemlich misslichen Lage befunden haben, als er ihnen das Evangelium gebracht hat. Stellen wir uns doch einmal vor,
aulus würde uns morgen in aller Frühe einen Besuch abstatten und uns von dem Evangelium
berichten wollen. Ich gehe mal davon aus, dass wir uns in keiner misslichen Lage befinden,
sondern Paulus nur ein wenig ungelegen käme. Gewiss würden wir sagen:
Lieber Paulus, jetzt gerade nicht, ich muss zur Arbeit. Heute Abend ?
Nein, nein, das geht erst recht nicht, da bin ich zum Tennis verabredet.
Ach so, morgen, nein, morgen klappt auch nicht, da habe ich einen wichtigen Termin
mit meinem Chef.

In einer ähnlichen Situation, vielleicht noch ein wenig misslicher, befanden sich die
Thessalonicher. Und doch reagierten sie ganz anders auf das, was Paulus ihnen zu sagen hatte.
Von innerem Widerstand oder gar Ausflüchten und Ausreden überhaupt keine Spur. Sie öffneten sich einfach für das Wort Gottes.

Und hier haben wir auch schon den ersten Schritt zu einem, wenn wir es so nennen wollen, vorbildlichem Glauben. Glauben heißt nicht Aufgabe des Verstandes, sondern Aufgabe des Widerstandes. Was haben wir nicht alles an Argumenten, äußeren und inneren Argumenten,
um uns ja nicht mit Gott beschäftigen zu müssen. Viele Menschen, wir natürlich ausgenommen,
wollen sich Gott doch einfach nur vom Halse halten, weil es ein wenig unbequem werden könnte. Andere wiederum möchten weiter in ihren Zweifeln leben und widerstehen so der Einladung
Gottes immer wieder.

Aber erst wenn ich den Widerstand aufgebe, dann kann das Wort Gottes in mir wirken.
Wenn ich das Wort freudig aufnehme, dann kann es auch in mir Früchte hervorbringen,
die ich dann wieder weitergeben kann.

2. Im Heiligen Geist

Es gibt ja nun reichlich Literatur über den heiligen Geist. Wir könnten bis heute Abend zusammen sitzen und jeder würde etwas interessantes dazu beitragen können. Leider haben wir
die Zeit heute nicht.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie werden gefragt, wie das denn nun geht, die Sache mit
dem Heiligen Geist. Übrigens, genau in diesem Wortlaut kommt die Frage.
Im allgemeinen habe ich zur Beantwortung dieser Frage maximal 2 Minuten Zeit. Also muss ich mich kurz fassen. Meine Antwort lautet dann meist , wie folgt:
Der Heilige Geist ist die dritte Person Gottes, die jederzeit von uns kontaktiert werden kann.
Es ist quasi die Standleitung Gottes zu Seinen geliebten Kindern. ER ist an der anderen Seite immer am Hörer, nur wir legen den Hörer häufig auf, oder haben ihn noch niemals aufgenommen.

Wenn sich jemand mit dem Wort Gottes beschäftigt und er spürt das Verlangen, sein Leben
Gott zu übergeben, dann muss er nur den Hörer aufnehmen, Gott sagen, dass er Sein geliebtes Kind sein will und schon zieht der Heilige Geist beim ihm ein. Aber Vorsicht:
Er ist ein unbequemer Geselle, Er räumt nämlich mit dem ganzen alten Leben auf.
Alles, was Er nicht mehr haben will, das schmeißt Er hinaus. Zum Beispiel, den
problematischen Umgang mit Alkohol. Nach und nach säubert Er die Wohnung,
in der Er von nun an leben will.

So war das auch bei den Thessalonichern. Sie haben sich mit dem Wort Gottes beschäftigt,
ihren inneren Widerstand aufgegeben, freudig die Gotteskindschaft angenommen und
dann zog der Heilige Geist bei ihnen ein.

Wir hingegen, in unserer heutigen Gesellschaft leben ja nach dem Motto:
„Ich glaube nur, was ich sehen kann.“ Und daher resultieren auch die dämlichsten und dümmsten Witze über den Heiligen Geist. Wenn ich Ihn derart „auslade“ darf ich mich nicht wundern,
wenn Er nicht bei mir einzieht. Gott ist schließlich ein Gentleman, wer Ihn nicht will, dem
drängt Er sich auch nicht auf. Die Menschheit ist doch derzeit offen für alles, für Engel, für Wahrsagerei, Pendeln und Horoskope, fernöstliche Religionen und dergleichen. Warum nicht für etwas wirklich reales, nämlich den Heiligen Geist. Ob hier der große Widersacher seine Hand im Spiel hat ? Das ist übrigens nur eine rhetorische Frage.

3. Die Abgötter

Jetzt kommen wir zum Schluss noch zu einem etwas heiklen Thema. Wie wir es im Predigttext gelesen haben, taten die Thessalonicher alle Götzen von sich weg. Das machen wir natürlich auch. Oder etwa nicht ? Aber halt, was sind denn eigentlich Götzen ?

Götzen, liebe Gemeinde, sind alle Dinge und alles, was uns von unserem Herrn fernhält.
Das kann der Umgang mit Geld sein. Über Geld spricht man nicht. Doch, das tut man und
das muss man auch. Es ist keine Sünde, reich zu sein. Das sagt auch schon der Herr Jesus,
aber es ist eine Sünde, Geld allein für sich zu scheffeln nur um des Besitzes willen. Wie
stehen wir denn zu unserem Besitz. Nimmt er uns so stark in Besitz, dass wir keinen Blick
mehr für den Mitmenschen haben ? Wenn ja, dann ist es allerhöchste Zeit, einmal darüber nachzudenken.

Götzen können aber auch unsere geliebten Hobbys sein, wenn sie uns derart fesseln,
dass wir nur noch für diese zu leben scheinen. Götzen können sogar andere Menschen sein,
an die wir uns so stark binden, dass keine Bindung mehr zu unserem Herrn möglich ist.

Daher denke ich ist es ganz gut, wenn wir uns heute Nachmittag einfach mal ein Stündchen Zeit nehmen, um über unsere Götzen nachzudenken. Was hält mich derart gefangen, dass ich kaum
mehr Zeit für das Wort Gottes habe ? Ist es das wirklich wert im Angesicht der Ewigkeit.
Wenn ich nur noch einen Monat zu leben hätte, wären es mir diese Götzen wert, meine
Zeit mit ihnen zu verbringen.

Von den Thessalonichern erfahren wir eine erstaunliche einfache Lösung, wie sie die Götzen verbannt haben. Sie haben ihre Zeit genutzt, um dem einzigen, wahren und lebendigen Gott
zu dienen. Da blieb gar keine Zeit mehr für den Götzendienst. Eine gute Idee, finden Sie nicht auch ? Je mehr wir dem Herrn dienen, desto mehr wird Er Besitz von uns nehmen und
desto ferner sind alle Götzen von uns, denen wir bisher zu Diensten waren.

Diese dienende Einstellung zu Gott, unserem Vater, beschreibt der Liederdichter Bartholomäus Crasselius sehr schön in dem zweiten Vers seines Liedes: „Dir, dir, o Höchster, will ich singen…“, der da lautet, wie folgt:

Zieh mich, o Vater, zu dem Sohne,
damit dein Sohn mich wieder zieh zu dir;
dein Geist in meinem Herzen wohne
und meine Sinne und Verstand regier,
dass ich den Frieden Gottes schmeck und fühl
und dir darob im Herzen sing und spiel.

Der Herr schenke Dir die Freude an SEINEM Wort in Dein Herz
Der Herr lasse SEINEN Heiligen Geist für alle Zeit in Dir wohnen
Der Herr halte Dich fern, von allem, was Dich von IHM trennt
Amen.

Liebe Gemeinde,
ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche in der Gegenwart unseres Herrn.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr Ulrich Naber

Liebe Lesergemeinde!
Ich grüße Sie herzlich am letzten Sonntag im Kirchenjahr, dem Ewigkeitssonntag.
Als Predigtwort lesen wir Verse aus dem 1. Thessalonicherbrief im 4. Kapitel, die Verse 13 – 18:²

„Wenn Jesus wiederkommt
Wir wollen euch nicht im unklaren lassen, Brüder, wie es mit denen steht, die gestorben sind. Dann braucht ihr nicht traurig zu sein wie die anderen, die keine Hoffnung haben. Wir glauben, daß Jesus gestorben und auferstanden ist. Ebenso gewiß wird Gott auch die, die im Vertrauen auf Jesus gestorben sind, mit Jesus zusammen zu sich holen. Ihr könnt ganz ruhig sein:
Die, die schon gestorben sind, werden gegenüber uns, die beim Kommen des Herrn noch am Leben sind, nicht benachteiligt sein. Ich kann mich dafür auf ein Wort des Herrn berufen, das besagt:
Wenn Gottes Befehl ergeht, der oberste Engel ruft und die himmlische Posaune ertönt, wird der Herr selbst vom Himmel kommen.
Zuerst werden dann alle, die im Vertrauen auf ihn gestorben sind, aus dem Grab auferstehen. Danach werden wir, die noch am Leben sind, mit ihnen zusammen auf Wolken dem Herrn entgegengeführt, um ihn zu empfangen. Dann werden wir für immer mit ihm zusammensein. Macht euch damit gegenseitig Mut!“

Der Herr segne an uns SEIN Wort!

Liebe Gemeinde!
Am Ende eines Kirchenjahres gedenken wir heute der Verstorbenen in unseren Gemeinden. Mit jedem Fortgang eines Gemeindegliedes verändert sich etwas in der Gemeinde. Jeder ist in seiner Art, in seiner Lebens- und Glaubenserfahrung einmalig. In der Gemeinde ist nicht nur der tätige Einsatz wirksam, sondern auch das stille Gebet in den Häusern und in den Krankenstuben. In Verbundenheit mit Jesus empfangen wir erbetenen Segen und leiden mit am Versagen und der Not von Schwestern und Brüdern.

Wo der Tod Menschen aus unserer Gemeinschaft reißt, werden auch Verbindungen untereinander abgerissen. Je enger solche Verbindungen waren, um so schmerzhafter sind die Wunden, die der Tod hinterlässt.

Das spüren wir erst recht in der Familie und unter Freunden.
Und unser Erinnern bringt Verlassenheit, Traurigkeit und Tränen.
Jeder braucht für sich seine Zeit, um loszulassen und sein Leben neu zu ordnen.
Die Verstorbenen werden auch danach Teil unseres Lebens bleiben.

Aber das Erinnern wird einen anderen Stellenwert bekommen:
– Dankbarkeit für Empfangenes und gemeinsam Erlebtes
– Verständnis für manche Schwierigkeiten, die wir mitenander hatten.

Und wir können lernen, belastende Schuld zu Jesus zu bringen, damit ER uns und unseren Verstorbenen vergibt.

Denn Jesus ist der Herr über Lebende und Verstorbene!
In IHM bleiben wir im Gedächtnis Gottes!
In IHM ist uns und unseren Verstorbenen ein Leben in der Gemeinschaft Gottes verheißen!

Menschen können lange Zeit im Gedächtnis Anderer gegenwärtig sein. Das gilt nicht nur für bekannte Persönlichkeiten, die mit ihrem Lebenswerk Großes hinterlassen haben. Das gilt auch für einfache Menschen, die in ihrem Leben empfangene Liebe weiter gegeben haben.

Im Erinnern haben auch die Menschen Platz, die anderen Schreckliches zugefügt haben. An vieles aus ihrem Leben und Tun erinnern wir uns in der Geschichte. Während von ihren Opfern oft wenige Namen und Lebenswege bekannt sind.

Aber nicht im Gedenken und Erinnern liegt die Zukunft, die über den Tod hinausreicht, sondern bei Gott.

Bei Gott ist es anders als bei uns Menschen. In SEINEM Gedächtnis sind Alle umschlossen. ER verheißt denen das Leben, die Jesu Tod und Auferstehung als Rettung zum Leben angenommen haben. SEIN Sohn, Jesus sagt:
„Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer mich annimmt wird leben, auch wenn er stirbt“ (Mt 11,25).

In dieser Hoffnung können wir leben und sterben. Durch Jesus wird uns Lebenden und den Verstorbenen gemeinsam das Leben in Gottes Gemeinschaft zuteil, wenn Jesus sichtbar wiederkommt.

Paulus sagt in unserem Predigtwort der Gemeinde Jesu Christi damals und auch heute:
„Wir wollen euch nicht im unklaren lassen, Brüder, wie es mit denen steht, die gestorben sind. Dann braucht ihr nicht traurig zu sein, wie die anderen, die keine Hoffnung haben. Wir glauben, daß Jesus gestorben und auferstanden ist. Ebenso gewiß wird Gott auch die, die im Vertrauen auf Jesus gestorben sind, mit Jesus zusammen zu sich holen.“

Auch wir werden und dürfen traurig sein, wenn von uns geliebte Menschen sterben. Aber wir müssen nicht darauf warten bis die Zeit Wunden heilt und unser Vergessen Räume zum Leben freimacht, sondern wir dürfen in der Hoffnung auf das verheißene Leben Gottes unsere Toten in unserem Leben Platz geben.

Sie gehören zu uns und unserem Leben, nicht als drückende Last, sondern als von Gott geschenkte Gemeinschaft auf Zeit. Sie sind Strecken unseres Lebens mit uns gegangen und gemeinsam warten wir auf die Zukunft, die uns Jesus bei Gott bereitet hat.

Diese Zukunft wird sich für uns Lebende und für die Verstorbenen gemeinsam vollenden, wenn Jesus sichtbar wiederkommt. Das sagt uns Paulus:

„Wenn Gottes Befehl ergeht, der oberste Engel ruft und die himmliche Posaune ertönt, wird der Herr selbst vom Himmel kommen. Zuerst werden dann alle, die im Vertrauen auf ihn gestorben sind, aus dem Grab auferstehen. Danach werden wir, die noch am Leben sind, mit ihnen zusammen auf Wolken dem Herrn entgegengeführt, um ihn zu empfangen. Dann werden wir für immer mit ihm zusammensein.“

Paulus hat in dieser Zeit des Thessalonicherbriefes das Wiederkommen Jesu in seinem irdischen Leben erwartet. Das ist nicht geschehen. So bleibt sein Wort bis zum Wiederkommen Jesu ein Hoffnungswort:

Lebende und Verstorbene, die im Leben auf Jesus vertrauen, werden gemeinsam in Gottes Zukunft geführt und allezeit beim Herrn sein.

Auf diese Gemeinschaft bei Gott dürfen wir uns freuen und auch in Leid und Trauer auf diese Gemeinschaft hoffen!

Wir dürfen Gott bitten, dass ER uns durch das Tal der Tränen führt.
Wir dürfen IHN bitten, dass wir auf IHN zuleben,
in empfangender und schenkender Liebe.

Dafür mögen auch die letzten Tage des vergehenden Kirchenjahres unter SEINEM Segen stehen.

Es grüßt herzlich
Pfr.i.R. Steinführer

Liebe Lesergemeinde!
Ich grüße Sie herzlich am 20. Sonntag nach Trinitatis.
Das Predigtwort steht für diesen Sonntag im 1.Thessalonicherbrief im 4. Kapitel,
in den Versen 1 – 8:²

„Weiter, liebe Brüder, bitten wir euch und ermahnen in dem Herrn Jesus, da ihr von uns empfangen habt – wie ihr sollt wandeln und Gott gefallen, was ihr ja auch tut -, daß ihr darin immer völliger werdet. Denn ihr wisset, welche Gebote wir euch gegeben haben durch den Herrn Jesus. Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, daß ihr meidet die Unzucht und ein jeglicher unter euch sein eigen Weib zu gewinnen suche in Heiligung und Ehrbarkeit, nicht in gieriger Lust wie die Heiden, die von Gott nichts wissen; und daß niemand zu weit gehe und betrüge seinen Bruder in solcher Sache; denn der Herr ist ein Rächer über das alles, wie wir euch schon zuvor gesagt und bezeugt haben. Denn Gott hat uns nicht berufen zur Unreinigkeit, sondern zur Heiligung. Wer dies nun verachtet, der verachtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen heiligen Geist in euch gibt.“

Der Herr segne an uns SEIN Wort!

Liebe Gemeinde!
Unsere Dörfer sind in diesen Tagen wie herbstlich geschmückte Fenster.
Es liegt an unsere Herzen, ob unsere Augen das sehen.
Es liegt an unsere Verbundenheit mit Gott, ob wir davon zum Gottesdank geführt werden oder nicht.

Sehen und leben wir aus der Verbindung von Gottesgeschenk und Menschenmühe?

Viele leben nach der Werbung: 3-2-1-meins!
Die Betonung auf -meins- gilt bei ihnen nicht nur für das, was mit Mühen erworben ist, sondern für alles, was ihnen zugefallen ist. So präsentieren sie auch alles, was sie besitzen.

Zäune, Hecken und Mauern sind nicht nur Ausdruck für berechtigtes Schutzbedürfnis für das Eigene, sondern auch gestaltgewordener Ausdruck: das ist meins!

Natürlich brauchen wir Grenzen für das Eigene, aber auch Grenzen für unsere Freiheit. Die eigene Freiheit muss auch die Freiheit des Anderen respektieren. Immer wieder gerät Macht in die Gefahr, die Freiheit des Anderen zu eigenem Vorteil einzuschränken. Lebensentfaltung und Lebensmöglichkeiten Anderer werden eingeschränkt oder zerstört. Das gilt im Kleinen wie im Großen. Manches davon haben wir unter staatlicher Regulierung erlebt. Anderes begegnet uns heute als wirtschaftlicher Zwang oder Sozialabbau. Aber wir erleben auch in Ordnungen religiöser Gemeinschaften Unfreiheit.

Da erinnert uns Paulus im Monatsspruch von Oktober:
„Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit“ (2.Kor. 3,17).

Gottes Geist wirkt in der Gemeinde Räume der Freiheit. Das kann durch SEIN Wort und SEINE Gegenwart mitten in der Unfreiheit geschehen. Und es kann geschehen, dass uns Wege zur Freiheit gezeigt und wir auf diese Wege geführt werden.

Gottes Geist, den wir in Jesu Gemeinschaft empfangen haben, ist ein Geist der Freiheit. Er ist ein Geist, der Leben verändert und neu ermöglicht.

Das gilt auch für das Leben im Miteinander in der Gemeinde. Anstöße zur Veränderung in der Gemeinde können von Außen kommen, aber auch innerhalb der Gemeinde. Die Ausrichtung einer Veränderung aber muss immer aus der Begegnung mit dem lebendigen Gott und SEINEM Wort geschehen. Wirtschaftliche Zwänge oder weltliche Zeitströmungen wirken kein neues Leben in der Gemeinde.

Der Spruch unserer Woche gibt uns die Richtung an:
„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott“ (Micha 6,8).

Die uns von Gott geschenkte Freiheit richtet uns auf Gott und unsere Mitmenschen aus. Und Gottes Wort zeigt uns die Grenze, die wir nicht ohne Schaden für uns und für Andere überschreiten können. Im Hören auf Gottes Wort und im Gebet können wir lernen, mit der geschenkten Freiheit umzugehen.

Gottes Wort bewahrt uns davor, Zeitströmungen in der Gemeinde und in der Welt unbesehen zu übernehmen. Gottes Wort will uns im Miteinander in der Gemeinde und in unserem Wirken in der Welt auf Gott ausrichten. Dazu gehört das Annehmen der Gaben Gottes und der rechte Umgang mit den Gaben.

Paulus weist im Predigtwort auf den rechten Umgang mit dem besonderen Geschenk innigster Gemeinschaft zwischen Männer und Frauen:
„Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung, daß ihr meidet die Unzucht und ein jeglicher unter euch sein eigen Weib zu gewinnen suche in Heiligung und Ehrbarkeit … und das niemand zu weit gehe und betrüge seinen Bruder in solcher Sache … Denn Gott hat euch nicht berufen zur Unreinheit, sondern zur Heiligung. Wer dies nun verachtet, der verachtet nicht Menschen, sondern Gott, der seinen heiligen Geist in euch gibt.“

Paulus spricht aus seiner Zeit heraus die Männer an, das gleiche gilt aber auch für die Frauen. Es geht im Miteinander von Frauen und Männer, weniger um das Festschreiben eines moralischen Verbotes als um geschenkte Freiheit, die in der Freiheit des Partners ihre Grenzen hat. Jeder hat die Freiheit, sich für die volle Gemeinschaft mit einem anderen Partner zu entscheiden.

Aber wenn beide eine gemeinsame Entscheidung füreinander getroffen haben, gehen sie eine Bindung ein, die nicht ohne Verletzung und Schuld einseitig aufgegeben oder beendet werden kann. Solche Schuld muss mit dem Partner und mit Gott bereinigt werden, um für beide Partner ein neues Leben zu ermöglichen. Solcher Weg ist im Glauben an Christus möglich.

Aber es kann auch sein, dass der Partner so verletzt ist, dass man mit der Last der Schuld leben muss. Untreue ist keine normale Lebensfreiheit und Sexualität ist mehr als ein Spaßfaktor. Wir sollten uns nicht von gängigen Weltvorstellungen täuschen lassen.

Wer die Grenzen geschenkter Freiheit nicht respektiert, begibt sich in eine Unfreiheit, die sein Leben belastet und ihm die Quelle zu einem Leben in Gottes Gemeinschaft verschüttet. Er wird es schwer haben, für sich den Zugang zur rettenden Gnade in Jesu zu sehen.

Die Warnung des Paulus will nicht richten oder verdammen, sondern helfend bewahren, Gottes Geschenk nicht leichtfertig weg zu werfen und im Ungehorsam Gottes Wort und Gemeinschaft beiseite zu schieben.

Paulus lädt ein zu einem Leben in der Gemeinschaft Gottes, das uns hier und in Ewigkeit Räume der Freiheit öffnet.

Gottes Geist heilige unser Leben unter dem Segen des Herrn.
Es grüßt herzlich
Pfr.i.R. Steinführer