Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Sonntag Sexagesimae. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 2. Korintherbrief, Kapitel 12, die Verse 1-20. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Gerühmt muss werden; wenn es auch nichts nützt, so will ich doch kommen auf die Erscheinungen und Offenbarungen des Herrn. Ich kenne einen Menschen in Christus; vor vierzehn Jahren – ist er im Leib gewesen? Ich weiß es nicht; oder ist er außer dem Leib gewesen? Ich weiß es auch nicht; Gott weiß es -, da wurde derselbe entrückt bis in den dritten Himmel. Und ich kenne denselben Menschen – ob er im Leib oder außer dem Leib gewesen ist, weiß ich nicht; Gott weiß es -, der wurde entrückt in das Paradies und hörte unaussprechliche Worte, die kein Mensch sagen kann. Für denselben will ich mich rühmen; für mich selbst aber will ich mich nicht rühmen, außer meiner Schwachheit. Und wenn ich mich rühmen wollte, wäre ich nicht töricht; denn ich würde die Wahrheit sagen. Ich enthalte mich aber dessen, damit nicht jemand mich höher achte, als er an mir sieht oder von mir hört. Und damit ich mich wegen der hohen Offenbarungen nicht überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl ins Fleisch, nämlich des Satans Engel, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe. Seinetwegen habe ich dreimal zum Herrn gefleht, dass er von mir weiche. Und er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, damit die Kraft Christi in mir wohne. Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten, um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.

Liebe Gemeinde,

„Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“ so lautet der zentrale Satz aus unserem heutigen Predigttext. Lassen Sie uns doch einmal gemeinsam überlegen, was uns dieser Satz auch heute noch sagen möchte.

1. Die Selbstaufgabe

Wir sind es doch alle gewohnt und werden häufig schon von Kindesbeinen an darauf gedrillt, dass man etwas leisten muss, wenn man im Leben was erreichen möchte. Schwäche ist da doch eher die Eigenschaft der Looser, dies sowieso zu nichts bringen.

So sehen doch unsere Wertmaßstäbe in der Welt aus. Wer sich dran hält ist bald fein raus und wer sich nicht daran hält ist alsbald fein draußen.

Und dann lesen wir die Worte unseres Herrn, der kundtut, dass er in den Schwachen mächtig ist. Das passt ja doch wohl gar nicht in unser Weltbild. Und doch stimmt es, was Gott sagt.

Solange ich mein eigenes Süppchen koche und in meinem eigenen selbst erschaffenen Weltbild lebe, solange kann Gott nicht in mir wirken. Er hat ja auch gar keinen Platz in mir, weil ich alle Plätze selber belege.

Erst wenn ich erkenne, dass ich rein gar nichts bin und vor Gott gar nichts gelte, erst dann, wenn ich vor Gott die weiße Fahne hisse und vor ihm kapituliere, erst dann kann der Herr in mein Leben einziehen.

2. Der Heilige Geist

Liebe Gemeinde, wenn wir so vor Gott treten, wie es in dem schönen Kirchenlied „Stern auf den ich schaue“ heißt „Nichts hab ich zu bringen, alles Herr bist Du“, dann kann sein Heiliger Geist in mir Wohnung nehmen.

Und sein Heiliger Geist möchte mich so verändern, wie ER mich haben will. Wie aber kann denn der Heilige Geist in uns so geschwächten Menschen wirken?

Nun als erstes kann er uns zu Gottes Wort hinführen. Der alte Schinken, der seit Jahrzehnten im Bücherregal sein Dasein fristet bekommt auf einmal eine ganz andere Bedeutung für uns. Plötzlich wollen wir wissen, wie er denn ist, der mit seinem Heiligen Geist in uns wohnt. Wir wollen lernen, wie wir uns denn nun zu verhalten haben und vor allem, was uns denn als Christen erwartet.

Dann fordert derjenige, der seine Kraft in uns wirken lässt auf, doch mit ihm zu reden. Wir Christen nennen dies Gebet. Nun hört sich Gebet ja immer ein wenig Hochliturgisch an. Wir müssen uns nicht festlich kleiden bevor wir beten. Und wir müssen uns auch nicht mit wohlformulierten Sätzen an Gott wenden.

Gebet ist und bleibt nichts anderes als das Gespräch mit Gott. So wie sie mit ihrem besten Freund sprechen, genau so können Sie auch mit Gott reden.

Wenn wir wollen, dass seine Kraft in uns schwachen Menschen mächtig ist, dann müssen wir Gott natürlich auch die Zeit geben, um auf unser Gebet zu antworten. Wir texten ja auch nicht unseren besten Freund zu und drehen uns um und verschwinden. Wenn wir dies täten, dann hätten wir bald keinen besten Freund mehr.

Und dann leitet uns der Heilige Geist mit seiner Kraft auch in die Gemeinschaft mit Menschen, die genau so schwach sind, wie wir. Dies soll uns Halt in Versuchungen geben und uns noch näher zu ihm heranbringen.

3. Der Stachel

Erst schwach und dann auch noch eingeschränkt. So erging es Paulus. Obwohl er Gott mehrfach darum gebeten hatte, doch diesen, wie er ihn nennt, Stachel von ihm wegzunehmen, lässt er diese Schwachstelle auch weiterhin in Paulus wirken.

Irgendwie schon ein wenig unverständlich oder nicht ? Allein durch Gottes Kraft leben, die in uns wirkt ist zwar schön, aber einige Menschen kommen auch ganz schnell zu dem Schluss, dass da noch mehr geht.

Meine eigene Kraft mit Gottes Kraft kombiniert, da muss doch was ganz geniales bei herauskommen. Und genau dafür haben wir diesen Stachel. Dieser soll uns immer daran erinnern, dass alles, aber auch wirklich alles aus seiner Kraft kommt und wir allein aus seiner Gnade leben.

Dieser Stachel, und ich bin fest davon überzeugt, dass jeder von uns seine eigene Schwachstelle hat, dieser Stachel bewahrt uns vor Überheblichkeit uns Hochmut und erinnert uns immer wieder daran, wem wir alles zu verdanken haben.

Ein Bademeister erzählte mir einmal, dass er einen Ertrinkenden nur dann retten kann, wenn er seine Kraft aufgegeben hat. Und so dürfen auch wir ganz fest darauf vertrauen, das da jemand auch uns auffängt, wenn wir ihm gegenüber schwach sind. Und dieser Jeman fängt uns nicht nur auf, sondern möchte uns unser ganzes Leben lang und darüber hinaus ein treuer Begleiter sein.

Damit wir uns immer daran erinnern, wem wir alles auf Erden zu verdanken haben lassen Sie uns zum Abschluss in den ersten Vers des Liedes „Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn…“ (EG 644) von Heino Tangermann einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn, er hat dir viel Gutes getan.
Bedenke, in Jesus vergibt er dir gern, du darfst ihm, so wie du bist, nahn.
Barmherzig, geduldig und gnädig ist er, viel mehr als ein Vater es kann.
Er warf unsre Sünden ins äußerste Meer, kommt, betet den Ewigen an.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und eine segensreiche neue Woche unter dem Schutz und unter der Fürsorge unseres Herrn.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Sonntag, dem Sonntag Sexagesimae. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Evangelisten Markus, Kapitel 4, die Verse 26-29. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Vom Wachsen der Saat

Und er sprach: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und aufsteht, Nacht und Tag; und der Samen geht auf und wächst – er weiß nicht wie. Denn von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre. Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.

Liebe Gemeinde,

kurz und prägnant wird uns hier der Werdegang eines Menschen geschildert, der den Weg zu Gott findet. Lassen Sie uns diesen Weg doch heute Morgen einmal gemeinsam betrachten.

1.Der Same

Mit dem Samen sind natürlich wir gemeint. Wir meinen ja häufig, dass wir uns auf den Weg zu Christus machen und ihn finden müssen. Wie wir sehen, ist es doch ein wenig anders der Weg zur Bekehrung.

Wie der Same aus sich selbst heraus nichts machen kann, so können wir aus uns selbst auch nichts ausrichten. Aber es gibt jemand, der schon auf der Suche nach uns ist lange bevor wir auf der Suche sind; nämlich der Herr Jesus. Geduldig wartet er, in unserem Gleichnis ist es die Erde, bis wir zu ihm kommen. Zunächst einmal fällt der Same auf die Erde und entwickelt sich in ihr vollkommen unsichtbar.

Das ist auch der Weg, wenn Jesus in unser Leben eintritt. Das geschieht nicht mit lautem Getöse oder frommer Selbstdarstellung, nein das geht meist ganz leise vonstatten. Wie der Same in der Erde aufgebrochen wird, so bricht uns auch unser Herr Jesus im positiven Sinne auf. Die alte Schale durchdringt er und macht von innen her alles neu.

Bevor der Same an die Oberfläche kommt, hat er schon Wurzeln ausgebildet. Das ist die Jüngerschule, in welche wir mit dem Herrn Jesus nach unserer Bekehrung gehen. In der Jüngerschule werden wir auf das neue Leben als seine Jünger vorbereitet und erhalten dort unser festes Fundament.

Das sollte jeder berücksichtigen, der im Verkündigungsdienst an welcher Stelle auch immer unterwegs ist. Erfolge sieht man nicht sofort, sondern häufig erst nach einem sehr langen Zeitraum. Deshalb bitte niemals aufgeben. Lassen wir Gott doch an den Menschen seine Wirkung entfalten, die von uns die frohe Botschaft gehört haben.

2. Der Halm

Mit dem Halm durchstößt der ehemalige Same die Oberfläche der Erde. Wichtig für sein weitere Wachstum ist es, dass er ganz fest mit den Wurzeln verbunden bleibt.

Die Wurzeln, also Gottes Wort geben dem neubekehrten Christen die Kraft des Wachstums. Die ständige Verbindung mit den Wurzeln geschieht natürlich durch das Gebet. Ohne Wurzeln und Gebet kann es gar kein geistliches Wachstum geben.

Daher ist es auch für uns alle so wichtig, dass wir immer dranbleiben an unserem Herrn, dass wir die Verbindung zu ihm niemals abreißen lassen. Wenn wir das machen, werden wir stetig weiter wachsen, indem seine Kraft uns stärkt.

Der Halm hat nunmehr also sein geschütztes Umfeld in der Erde verlassen. So auch wir. Wir sollen ja nicht nur ein frommer Verein sein, der sich untereinander Mut zuspricht, im Übrigen aber für alle anderen geschlossen bleibt, sondern wir sollen in die Welt hinausgehen.

Unser Halm aus dem Gleichnis wird natürlich nicht nur Sonnenschein sehen, nein er wird auch Regen, Sturm und Hagel erleben. Das gefällt ihm sicherlich nicht, war doch der Sonnenschein viel schöner; aber die Erde braucht nun einmal auch Regen, damit die Wurzeln weiterwachsen können.

Übertragen auf unser christliches Leben heißt dies, dass auch wir den Stürmen des Lebens ausgesetzt sein werden. Dies geschieht aber alles nur zu unserem Wohle. Erst wenn sich die Gewitterwolken unseres Lebens wieder verzogen haben, werden wir merken, wie wir auch daran gewachsen sind. Und wir werden erkennen, dass durch unsere tiefen Wurzeln und unserem ständigen Kontakt zu unserem Herrn uns diese Stürme gar nichts anhaben konnten.

Wir brauchen diese Stürme genau so, wie die Luft zum Atmen. Aus dieser Erkenntnis wird eines wachsen, nämlich ein immer tieferes Vertrauen in das Fundament und in die Wurzeln. Wer niemals in eine Situation gekommen ist, wo nur noch das alleinige Vertrauen auf den Herrn zählte, der wird es schwer haben ein ganz, ganz tiefes Urvertrauen zu dem Herrn aufbauen zu können. Die Festigkeit eines Fundamentes zeigt sich eben nicht bei schönem Wetter, sondern erst bei Sturm und Unwettern. Nehmen wir doch auch unsere Stürme des Lebens nicht als Prüfsteine Gottes, sondern als Chancen zum Wachstum.

3. Die Frucht

Keine Pflanze existiert für sich zum Selbstzweck. So auch wir nicht. Wir sind keine Einzelgänger auf der Himmelsleiter, die irgendwann einmal vom Herrn in den Himmel gehoben werden. Die Früchte einer Pflanze sollen anderen dienlich sein.

So auch wir als Christen. Nun sind unsere Früchte des Glaubens natürlich anderer Natur, als die einer Pflanze. Die Früchte des Glaubens sind unter anderem Liebe, Gnade, Güte und Barmherzigkeit.

Daran sollte man uns als Christen erkennen. „Sollte“ deswegen, weil wir auch schnell einmal als „fertige“ Christen zur Überheblichkeit neigen könnten. Wichtig ist, dass wir uns unsere Demut bewahren und nach wie vor mit dem Fundament unsers Glaubens, dem Herrn Jesus ganz eng verbunden sind. Nur dann können die Früchte unseres Glaubens auch ihre Wirkung entfachen.

In aller Regel machen die Früchte unseres Glaubens unsere Mitmenschen zumindest einmal neugierig auf den, der das so ganz anders reagiert, wie es eigentlich zu erwarten wäre. Da reagiert jemand zum Beispiel auf eine Beleidigung nicht wie erwartet, sondern mit Freundlichkeit. Da hilft jemand plötzlich dort aus, wo alle anderen vorbeigehen. Und da teilt jemand etwas, von dem, was doch eigentlich ihm gehört, mit jemandem, der nicht so viel hat wie er selbst.

Liebe Gemeinde, glauben Sie mir eines: Das fällt auf. Alle reifen Früchte tragen ja Samen in sich, um sich zu vermehren. So auch unsere Samen der Liebe, Gnade, Güte und Barmherzigkeit. Diese senden wir in die Welt hinaus in der festen Hoffnung, das sie andere Menschen erreichen, welche dann unserem Wege folgen und auch Jünger unseres Herrn werden.

Das allein ist unsere Aufgabe. Mehr können und sollen wir auch gar nicht tun. Texten wir unsere Mitmenschen also nicht mit Bibelzitaten zu bis sie ganz schwindelig werden. Lassen wir doch einfach unseren Samen auf sie fallen. Den Rest besorgt dann schon unser Herr. Was dann kommt, das ist allein seine Aufgabe und nicht mehr die unsrige.

Deshalb nicht enttäuscht sein, wenn die Bekehrung nicht auf dem Fuße folgt. Unser Herr wird schon wissen, wie er den Menschen „anpackt“ auf den gerade unser Same gefallen ist.

Der Liederdichter Nikolaus Graf Ludwig von Zinzendorf beschreibt unseren Status als Christen sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes „Herz und Herz vereint zusammen…“ (EG 251), der da lautet, wie folgt:

Herz und Herz vereint zusammen sucht in Gottes Herzen Ruh.
Lasset eure Liebesflammen lodern auf den Heiland zu.
Er das Haupt, wir seine Glieder, er das Licht und wir der Schein,
er der Meister, wir die Brüder, er ist unser, wir sind sein.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem Sonntag Sexagesimae. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Hebräerbrief, Kapitel 4,die Verse 12-13. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens. Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern es ist alles bloß und aufgedeckt vor den Augen Gottes, dem wir Rechenschaft geben müssen.

Liebe Gemeinde,

oftmals stehen wir vor Entscheidungen in unserem Leben. Meist haben wir zwei oder mehr Alternativen zur Hand. Aber was ist richtig? Und was könnte die falsche Entscheidung sein? Und welche Auswirkung hat unser Handeln im Hinblick auf unser Leben und darüber hinaus? Darüber hat uns der heutige Predigttext einiges zu sagen. Lassen Sie uns gemeinsam Antworten zu diesen Fragestellungen suchen.

1. Das zweischneidige Schwert

Ein zweischneidiges Schwert ist eine ganz gefährliche Waffe, die mit äußerster Vorsicht benutzt werden sollte. Und das Wort Gottes ist eine solche, wenn wir so wollen, gefährliche Waffe, die ganz tief eindringt in unseren Körper unsere Seele und unseren Geist.

Diese Waffe trennt genau zwischen gut und böse. Das Wort Gottes zeigt uns daher genau, was wir tun und was wir besser lassen sollten. Das Wort Gottes lässt keine Grauzonen zu, die wir vielleicht ausnutzen könnten, um gerade noch mal so mit einem blauen Auge davon zu kommen.

Was heißt dies ganz konkret für uns? Es bedeutet, dass wir keinerlei Entschuldigung vor Gott vorbringen können, um unsere Fehler und Sünden zu rechtfertigen. Gott legt sein Wort so in uns hinein, dass wir, wenn wir darauf hören, ganz genau wissen, wie wir uns in unserem Leben verhalten sollen. Und dies gilt für alle Situationen in unserem Leben.

2. Der allwissende Gott

Sünden und Fehler beginnen im Herz und im Kopf bevor sie tatsächlich begangen werden. Auch in unsere Herzen und in unsere Gedanken sieht der allmächtige Gott hinein. Lange bevor wir eine Sünde tatsächlich begehen, ist der Plan dieser Sünde dem allmächtigen Gott im Himmel schon längst bekannt.

De facto stehen wir also unter der Dauerbeobachtung Gottes. Die Sache mit dem 11. Gebot, das besagt: Du darfst alles, du darfst dich nur nicht erwischen lassen, klappt also auch nicht. Wohlgemerkt, Gott schaut nicht auf uns herab und wartet, dass wir einen Fehler machen, damit er uns abstrafen kann. Gott schaut ganz neutral auf jeden von uns, was er denn gerade so macht.

Und es geht noch weiter. Einmal, liebe Gemeinde, müssen wir vor dem allmächtigen Gott erscheinen und Rechenschaft über alles abgeben, was wir in unserem Leben getan oder aber gelassen haben.

Ich kenne keinen Menschen, der sündlos durch sein Leben gegangen ist. Also erwartet uns dann alle das schrecklichste aller Urteile, nämlich die Verwerfung in die ewige Verdammnis, also die ewige Trennung von Gott. Und hier endet der Predigttext. Ganz schön grausam, finden sie nicht auch? Der heutige Predigttext endet zwar hier, aber das Wort Gottes geht noch weiter.

3. Jesus

Es ist richtig, wir können uns nicht selbst erlösen. Wir können auch nicht unsere Sünden durch gute Taten neutralisieren. Stellen wir uns dies doch einmal rein praktisch vor: 1000 Sünden stehen 1000 gute Taten gegenüber, das Urteil lautet dann „Himmel“. Was aber wenn 1001 Sünden 1000 gute Taten gegenüberstünden dann hieße das Urteil trotzdem „Ewige Verdammnis“.

Unser Ziel müsste es doch eigentlich sein, schon hier auf Erden ganz sicher zu sein, dass wir vor dem Richterstuhl Christi einen sicheren Freispruch herausschlagen. Alles andere wäre doch in der Tat ein regelrechtes religiöses Gekrampfe.

Und diesen Freispruch können wir schon hier in unserem jetzigen irdischen Leben erlangen, wenn wir es denn auch möchten. Es gab vor 2000 Jahren nämlich jemanden hier auf Erden, der für alle unsere Sünden und Fehler bereits die gerechte Strafe, die wir verdienen würden, auf sich genommen hat.

Und dieser eine war Jesus, der Sohn des lebendigen Gottes. Jesus, der gänzlich ohne Sünde war, hat all unsere Sünden auf sich genommen und hat für diese mit seinem Leben bezahlt, damit wir wieder ein Leben mit Gott erlangen können.

Das bekommen wir zwar geschenkt, es ist aber kein automatischer Prozess. Zunächst einmal müssen wir unserem Herrn all unsere Sünden bekennen und natürlich auch bereuen. Wenn wir dies machen und zu ihm umkehren, dann tritt er für unsere Sünden ein.

Stellen wir doch einmal ganz plastisch den großen Gerichtstermin für einen Jesusjünger an, an dem er Rechenschaft ablegen muss.

Wir betreten den Gerichtssaal. Auf dem Richterstuhl sitzt der allmächtige Gott. Die Vertretung der Anklageschrift übernimmt natürlich der Teufel. Und der Jesusjünger sitzt mit seinem Verteidiger, dem Herrn Jesus auf der Anklagebank. Nunmehr beginnt der Teufel, die Anklageschrift zu verlesen.

Nach Verlesung der Anklageschrift übernimmt die Verteidigung das Wort. Jesus tritt vor den Richtertisch und erklärt dem Richter, dass alle Anklagepunkte fallen gelassen werden müssen, da diese Straftaten zwar begangen worden sind, ER aber schon für jede einzelne Sünde die Strafe auf sich genommen hat.

Etwas weiter ausgeholt würde der Jurist jetzt sagen, dass durch dieses Vorgehen von Jesus ein Strafklageverbrauch eingetreten ist, also überhaupt keine Anklagepunkte mehr zulässig sind. Das einzig mögliche Urteil lautet dann nur noch: Freispruch.

Und genau dieses Urteil wollen wir doch sicherlich alle gerne hören. Nur dieser Freispruch sichert uns nämlich zu, dass wir die Ewigkeit in der Gemeinschaft mit unserem Herrn verbringen dürfen. Machen wir doch schon hier auf Erden alles klar für unseren Aufenthalt im Himmel. Worauf warten wir noch? Und da Gott nicht möchte, dass auch nur ein einziger Mensch in der Hölle landet, lassen Sie uns diese frohe Botschaft doch möglichst vielen Menschen weitersagen.

Sein Leben voll und ganz dem Herrn übergeben das hat wohl auch der Liederdichter Georg Joachim Zollikofer. Er beschreibt sein Leben mit und in dem Herrn sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes: Lass mich, o Herr, in allen Dingen….“ (EG 414), der da lautet, wie folgt:

Lass mich, o Herr, in allen Dingen
auf deinen Willen sehn und dich mir weihn;
gib selbst das Wollen und Vollbringen
und lass mein Herz dir ganz geheiligt sein.
Nimm meinen Leib und Geist zum Opfer hin;
dein, Herr, ist alles, was ich hab und bin.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die erste Februarwoche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem 2. Sonntag vor der Passionszeit. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Evangelisten Lukas im 8. Kapitel, die Verse 4-8. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus den Städten zu ihm eilten, redete er in einem Gleichnis: Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges auf den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen’s auf. Und einiges fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und einiges fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten’s. Und einiges fiel auf gutes Land;
und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Als er das sagte, rief er:
Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Liebe Gemeinde,

es gibt wenige Gleichnisse, wie dieses vom vierfachen Ackerland, welches gleich darauf eine Auslegung in der Bibel erfährt. Eigentlich könnten wir dieses Kapitel weiterlesen und dann getrost nach Hause gehen. Allerdings sind wir dann irgendwie keinen einzigen Schritt weiter gekommen, wenn wir es bei dieser Auslegung belassen.

Unsere Fragestellung müsste eigentlich lauten: Wie eliminieren wir drei dieser Ackerländer, sodass das Wort Gottes nur noch auf gutes Land fällt? Lassen Sie uns heute Morgen einmal diesen Versuch wagen.

1. Das Wort, das auf den Weg fällt

Hiermit ist bildhaft das satanische Wirken gemeint. Wo der Teufel in uns seine feste Wohnung bezogen hat, da hat das Wort Gottes erst mal so gut wie keine Chance, uns zu erreichen. Wer vom Teufel geritten wird, der hat tausend Ausreden parat sich gar nicht erst mit dem Worte Gottes zu
beschäftigen.

Jetzt hört sich Teufel ja immer so brutal an. Es ist aber so, dass der Teufel nicht mit Krallen, sondern auf leisen, samtenen Pfoten daherkommt. Wir können ihn ruhig als Wolf im Schafspelz bezeichnen.

Was können wir nun in der Praxis, sprich im Alltag tun, um dem Teufel keine Chance einzuräumen, in unser Leben einzuziehen? Vorab sei mir schon einmal der Hinweis gestattet, dass wir allein gegen diese Macht der Finsternis überhaupt nichts ausrichten können. Ohne den Herrn an unserer Seite sind wir diesen Mächten hilflos ausgeliefert.

Und doch können wir einiges tun, um der Versuchung nicht immer gleich nachzugeben. Wir können Orte meiden, an denen wir unweigerlich in Versuchung geführt werden. Nehmen wir einmal an, wir haben einen Hang zum Glückspiel bei uns entdeckt. Dann wäre es sicherlich nicht besonders klug, wenn wir uns in Spielhallen oder in Spielcasinos begeben.

Eine ganz einfache Prüfung, der wir uns dabei immer wieder unterziehen können, ist die einfache Frage: Bringt mich das, was ich beabsichtige zu tun, näher zu Gott hin oder aber weiter von ihm weg? Probieren wir es ruhig einmal aus. Ich höre immer wieder, wie gut dies funktioniert.
Allerdings müssen wir uns gegenüber auch absolut ehrlich bleiben. Uns selber anzulügen bringt dabei überhaupt nichts. Wie lesen wir es schon in der Bibel „Prüft alles, das Gute aber behaltet…“

2. Das Wort, das auf den Fels fiel

Mit dem Wort Gottes gilt es, ganz behutsam und pfleglich umzugehen. Wenn wir es nur am Sonntag hören, dann aber in der Woche wieder zur Seite legen, dann kann es keine Wurzeln in uns bilden. Diese Wurzeln brauchen wir aber, damit uns das Wort Gottes tragen, behüten und beschützen kann.
Kurzum, damit es in uns wirken kann.

Stellen wir uns doch einmal eine Pflanze im Sommer vor. Wir haben einen ganz trockenen, heißen Sommer und wir gießen unsere Pflanze nur 1x in der Woche. Was wird passieren? Nun, sie wird vermutlich eingehen. Sie geht ein, weil die Nahrung die wir ihr in Form von Wasser anbieten,
schlichtweg nicht ausreicht.

Und so kann es auch unseren Seelen gehen, liebe Gemeinde. Unsere Seelen brauchen genau so Nahrung wie unser Körper diese benötigt. Wenn wir unserem Körper die Wasserzufuhr entziehen, dann wird dieser unweigerlich sterben. Gleiches gilt für unsere Seele.

Wie sorgen wir nun dafür, dass unsere Seele ausreichende und gute Nahrung erhält? Nun zum Beispiel dadurch, dass wir regelmäßig das Wort Gottes lesen, darüber nachsinnen und dieses Wort in uns wirken lassen. Dann schadet es sicherlich auch nicht, wenn wir uns mit Gleichgesinnten umgeben, damit wir auch in der Gemeinschaft über das Wort Gottes nachdenken können. Und dann gibt es noch den Königsweg der Nahrungsaufnahme für unsere Seele. Dies ist natürlich der direkte
Kontakt zu unserem Herrn.

Wenn wir uns in der Nähe einer Wasserquelle aufhalten, dann werden wir niemals verdursten, wir werden uns immer wieder an dem köstlichen Wasser erquicken können. Wenn wir uns immer in der Nähe unseres Herrn aufrecht erhalten, dann können wir uns immer wieder in ihm stärken.

Stellen wir uns einmal eine Familie vor. Vater Mutter und zwei Kinder leben zusammen in einem Haushalt. Könnten Sie sich vorstellen, dass es eine glückliche Familie wäre, wenn z.B. die Kommunikation auf bestimmte Zeiten beschränkt wäre und dann auch noch zeitlich limitiert wäre. Und wenn dann jeder zu jedem jeden Tag dasselbe sagt, dann wäre doch wohl diese Familie von einer ernsthaften Krise nicht mehr weit entfernt, um es einmal ganz vorsichtig auszudrücken.

Genau so machen es aber viele Menschen mit dem Gebet. Morgens wird schnell mal etwas heruntergeleiert. Mittags und abends vielleicht auch noch, wenn es denn die wertvolle Zeit erlaubt. Und schon glaubt man, eine intakte Beziehung zu Gott zu führen.

Eine intakte Beziehung mit Gott, liebe Gemeinde, führen wir aber erst dann, wenn wir in allen Lebenslagen und zu allen Tageszeiten mit ihm reden, ihn in unser Leben einbeziehen und ihn entscheiden lassen, was denn wirklich gut für uns ist. Wenn wir diese Wurzeln ausbilden, dann
kann das Wort auch in uns hundertfach Frucht bringen.

3. Das Wort, das unter die Dornen fiel

Wie wir nachlesen können sind hiermit die Sorgen gemeint, die verhindern, dass das Wort Gottes in und an uns wirken kann. Der Sorgenpanzer unseres Lebens gestattet es dem Wort Gottes nicht, ganz von uns Besitz zu ergreifen. Immer wieder wird das Wort Gottes mit Sorgen überdeckt, die uns so sehr belasten, dass wir gar nicht mehr an unseren Herrn denken.

„Alle Sorgen werft auf Ihn; denn er sorgt für euch…“, so lesen wir es in der Bibel. Und darauf, liebe Gemeinde dürfen wir uns getrost verlassen. Ich habe in einem Buch von Dale Carnegie gelesen, dass 99 % aller Sorgen sinnlos sind. Entweder treffen diese Ereignisse gar nicht ein, oder wir können es doch nicht ändern. Denken wir jedoch einmal darüber nach.

Martin Luther hat eine tolle Strategie gegen den Sorgengeist entwickelt.
Er drückte dies wie folgt aus: “ Wir können nicht verhindern, dass die Vögel uns um den Kopf flattern, aber wir können sie daran hindern dass sie ihr Nest auf unserem Kopf bauen.“

Lassen Sie uns zum Schluss noch einmal ganz pragmatisch werden. Wir leben alle auf demselben Planeten. Jeder von uns hat Sorgen. Egal, wen sie auch treffen. Jeder Mensch hat Sorgen. Wie schön wäre das doch so ganz ohne Sorgen zu sein. Diesen Menschen muss es doch so richtig gut gehen. Das mag sein, allerdings liegen diese alle auf dem Friedhof. Also lassen Sie uns so mit den Sorgen umgehen, wie es uns Martin Luther empfiehlt. Und mal so ganz nebenbei bemerkt, Sorgen sind ja auch positiv ausgedrückt, ein innerer Motor, der uns antreibt.

Wenn ich nicht die Sorge hätte, in der Hölle zu landen, würde ich vielleicht gar nicht den Weg zu Gott gefunden haben. Könnte doch sein, oder? Lassen Sie uns doch wieder kreativ mit unseren Sorgen umgehen und Sorgen mit denen wir so gar nichts anfangen können, die lassen Sie uns doch getrost auf den Herrn werfen. Er weiß schon, wie er damit umgeht.

Ein gar prächtiges Mittel, den Sorgen entgegenzutreten ist der Gesang mit dem wir Gott loben. Wo Gott gelobt wird ist kein Platz mehr für die Sorgen. Der Liederdichter Joachim Neander bezeugt uns dies sehr schön mit dem vierten Vers seines Liedes „Lobe den Herren….“, der da lautet,
wie folgt:

Lobe den Herren, der sichtbar dein Leben gesegnet,
der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet.
Denke daran, was der Allmächtige kann, der dir mit Liebe begegnet

Der Herr öffne allezeit Dein Herz für sein allmächtiges Wort
Der Herr lasse sein Wort in Dir seine göttliche Wirkung entfalten
Der Herr stärke Dich, damit Du sein Wort weitersagen kannst

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten restlichen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Sexagesimae.
Wir, die wir heute morgen zusammengekommen sind, glauben an den einen alleinigen Gott. Wir glauben auch an den lebendigen Gott, der auch heute im Jahre 2014 in das Leben der Menschen auf vielfältige Art und Weise eingreifen kann. Leider stehen wir mit dieser Überzeugung häufig allein und auf verlorenem Posten. Da kommt uns unser heutiger Predigttext gerade recht, zeigt er doch an einem anschaulichen Beispiel, wie Gott in das Leben von Menschen eingreifen kann. Nicht nur in der Vergangenheit, nein auch heute noch können wir dies immer wieder erleben.

Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im 16. Kapitel der Apostelgeschichte, die Verse 9-15. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Und Paulus sah eine Erscheinung bei Nacht: Ein Mann aus Mazedonien stand da und bat ihn: Komm herüber nach Mazedonien und hilf uns ! Als er aber die Erscheinung gesehen hatte, da suchten wir sogleich nach Mazedonien zu reisen, gewiss, dass uns Gott dahin berufen hatte, ihnen das Evangelium zu predigen. Da fuhren wir von Troas ab geradewegs nach Samothrake, am nächsten Tag nach Neapolis und von da nach Philippi, das ist eine Stadt des ersten Bezirks von Mazedonien, eine römische Kolonie.
Wir blieben aber einige Tage in dieser Stadt. Am Sabbattag gingen wir hinaus vor die Stadt an den Fluss, wo wir dachten, dass man zu beten pflegte, und wir setzten uns und redeten mit den Frauen, die dort zusammenkamen. Und eine gottesfürchtige Frau mit Namen Lydia, eine Purpurhändlerin aus der Stadt Thyatira, hörte zu; der tat der Herr das Herz auf, sodass sie darauf acht hatte, was von Paulus geredet wurde. Als sie aber mit ihrem Hause getauft war, bat sie uns und sprach: Wenn ihr anerkennt, dass ich an den Herrn glaube, so kommt in mein Haus und bleibt da. Und sie nötigte uns.

Liebe Gemeinde,

eine recht anschauliche Geschichte, die wir soeben gehört haben. Da kommt Paulus und bringt uns die frohe Botschaft nach Europa. Ohne dieses Ereignis hätten wir vielleicht bis heute nichts von Jesus und Seiner Erlösungstat gehört. Aber geht das alles von Paulus aus ? Nein, liebe Gemeinde, ich glaube, dass wir in diesem Bekehrungsbericht sehr schön die Führung und die Leitung durch unseren Herrn erkennen können. Lassen Sie uns drei Punkte ein wenig näher betrachten.

1. Gott beruft Paulus nach Mazedonien

Paulus steht nicht am Strand und überlegt: „Wen könnte ich denn nun mal mit der frohen Botschaft beglücken ?“. Nein, Paulus erhält direkt von Gott einen ganz konkreten Auftrag.

Wissen Sie, was ich sehr oft von jungen Menschen höre ? Es sind die Worte:
„Gott hat mich berufen.“ Punkt, Ende.
Wenn ich dann frage: Wozu denn ?, kommt erst mal eine ganz lange Pause.
„Na in Seinen Dienst eben“ kommt dann als Antwort.

Liebe Gemeinde, ich glaube nicht, dass Gott einen Menschen derart beruft. Wenn wir uns zahlreiche Stellen in der Bibel anschauen, dann sehen wir immer wieder, dass Gott Seinen Kindern ganz konkrete Aufträge erteilt. Ob es in diesem Falle Paulus ist, der einen Ruf erhält oder an anderer Stelle Philippus, der dem Kämmerer aus dem Mohrenland die frohe Botschaft erläutern soll. Niemals sind es vage Aufträge, sondern immer sind es ganz konkrete Aufgaben.

Übertragen wir dies doch einmal auf unser Berufsleben. Von unserem Chef erhalten wir doch auch ganz konkrete Aufträge. Oder kennen Sie einen Chef, der zu seinen Angestellten sagt: „So, nun beschäftigt euch mal alle schön bis 16.00 Uhr. Danach ist dann Feierabend.“ Warum sollte es bei unserem himmlischen Chef eigentlich anders sein ?

Jetzt noch ein weiteres. Als Paulus seinen Auftrag erhalten hatte, machte er sich auf den Weg nach Mazedonien. Und wie machte er sich auf den Weg? SOFORT ging er los. Und auch darauf sollten wir immer wieder acht haben. Wenn Gott uns einen Auftrag erteilt, dann sollen wir diesen hier und jetzt und sofort erledigen.

Wir neigen ja gerne zur Aufschieberitis auf die lange Bank. Übrigens kennen Sie schon des Teufels liebstes Möbelstück ? Es ist die lange Bank.

Wenn Gott uns ruft, dann will Er uns jetzt und hier auf der Stelle und an der Aufgabe sehen, zu der Er uns berufen hat. Nicht nächste Woche, nächsten Monat oder irgendwann einmal, nein heute, wenn wir Seine Stimme hören, dann sollen wir dem Ruf folgen.

2. Das offene Herz

Wenn wir dem Rufe Gottes folgen, dann dürfen wir uns auf eines verlassen, nämlich darauf, dass wir immer in schon vorbereitete Verhältnisse hineinkommen.

Stellen wir uns das doch einfach so vor, dass Gott uns auf unserem Wege mit Ihm immer schon einen Schritt voraus ist. Daher ist es auch so wichtig, dem Rufe Gottes sofort zu folgen.

Häufig sehen die äußeren Umstände alles andere als gelegen aus. Das soll uns aber nicht davon abhalten unseren Auftrag auszuführen. Das tat Paulus denn auch. Und was fand er vor, eine Lydia, der der Herr bereits zuvor das Herz aufgetan hatte für Sein Wort.

Liebe Gemeinde, stellen wir uns nur einen Augenblick vor, Paulus hätte noch 2-3 Tage gewartet und wäre dann erst abgereist. Hätte er auch dann eine Lydia vorgefunden, der der Herr das Herz aufgetan hat ?

Missionstätigkeiten bei „Ungläubigen“, da werden Sie mir sicherlich zustimmen, sind nicht immer besonders einfach. Ich habe nicht nur einmal, sondern viele Male dabei eine mehr als klägliche Figur abgegeben. Bis genau zu diesem Zeitpunkt, als unser heutiger Predigttext wieder einmal an der Reihe war.

Erst dann sind mir die Augen aufgegangen, dass ohne Gott an meiner Seite und Seinen ganz konkreten Auftrag die Botschaft kaum auf einen fruchtbaren Acker treffen wird. Ab diesem Zeitpunkt habe ich den Herrn gebeten, mir den rechten Ort und die rechte Zeit zu zeigen, also wann ich wo zu welchem Zeitpunkt sein soll.

Eigentlich musste doch jetzt alles glatt laufen. Dazu eine kleine Geschichte. Bei einer Evangelisation hatte ich mich so richtig verheddert, ich hatte total den Faden verloren. Das war aber noch nicht alles. Bei dem Versuch, den Faden wieder aufzunehmen, kam ich auch noch ins Stottern. Da war so ziemlich einer meiner peinlichsten Auftritte.

Einige Wochen später erhielt ich einen Brief von einem jungen Mann, der mir mitteilte, dass er immer den Eindruck gehabt habe, dass man perfekt sein muss, um im Reiche Gottes willkommen zu sein. Seine Gemeinde, seine Glaubensgeschwister seien alle so perfekt, nur er eben nicht. Und dann kam ich mit meinem Superauftritt. Gott hat mir, so schrieb er mir, gezeigt, dass ich nicht perfekt sein muss.

Wenn Gott uns ruft, dann müssen wir den Sinn dessen, was geschieht nicht verstehen, wir sollen nur ganz einfach das machen, was Gott uns aufgetragen hat. Um es ganz banal zu sagen; für den Rest ist ER zuständig. Um es noch extremer zu sagen: “ Wenn Gott will, dass ich mich vor einer Gemeinde blamiere, damit nur ein Mensch vor der Hölle bewahrt bleibt, dann tue ich dies gerne.“

3. Das offene Herz und die Gemeinschaft

„Und sie nötigte uns.“ So lautet der letzte Satz unseres Predigttextes.
Liebe Gemeinde, kein Mensch bekehrt sich selber und kein Mensch lebt sich selber.

Es ist für mich immer wieder sehr schön, wenn ich erleben darf, dass es Menschen, denen Gott das Herz aufgetan hat, zu den Gemeinschaften hinzieht.

Gerade die Gemeinschaft ist für den noch jungen Christen von unschätzbarem Wert. Und hier stehen wir als ältere Schwestern und Brüder in einer ganz besonderen Verantwortung.

Wir haben die ehrenvolle Aufgabe, junge Christen auf ihrem Wege mit Gott zu begleiten. Wer noch jung im Glauben steht, der ist schnell ein Opfer Satans und seinen Angriffen. Hier sind wir die ersten Anlaufstellen für Christen in Nöten. Junge Christen können noch nicht alles wissen. Aber wir können es ihnen weitersagen als Botschafter unseres Herrn.

Wenn mir jemand sagt, er kommt ohne Kirche ganz gut aus, dann kann ich das noch irgendwie nachvollziehen. Aber wenn mir jemand sagt, dass er ohne Gemeinschaft viel besser zurechtkommt, dann habe ich doch so gewisse Zweifel, ob dies ein Leben lang gut geht.

Also lassen Sie uns dem Ruf unserer Herzen nach Gemeinschaft auch weiterhin treu bleiben.

Was bei einer Zusammenkunft einer christlichen Gemeinschaft geschieht, das beschreibt der Liederdichter Tobias Clausnitzer sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes “ Liebster Jesu, wir sind hier…“ (EG 161), der da lautet, wie folgt:

Liebster Jesus, wir sind hier, dich und dein Wort anzuhören;
lenke Sinnen und Begier auf die süßen Himmelslehren,
dass die Herzen von der Erden ganz zu dir gezogen werden.

Der Herr öffne Dein Herz, damit Du SEINEN Ruf hören kannst
Der Herr gebe Dir die Kraft, Deiner Berufung nachzufolgen
Der Herr führe Dich jeden Tag auf allen Deinen Wegen

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Sexagesimae. Unser heutiger Predigttext entstammt dem Brief des Paulus an die Korinther.
Zum besseren Verständnis dieses Textes lassen Sie mich vorab sagen, dass die Korinther ein recht hochmütiges Völkchen waren. Untereinander entbrannte der Streit, wer denn der bessere Prediger und der frommere Verkündiger sei. In diese Situation platzte nun Paulus hinein, ein
Mensch gar nicht so nach dem Geschmack der Korinther. Anstatt groß und stark war Paulus eher klein von Gestalt, zudem auch noch von einer Krankheit geschwächt. Hören wir also auf das, was Paulus den Korinthern bezüglich ihrer Frömmigkeit zu sagen hat. Den Predigttext für den
heutigen Sonntag finden wir im 2. Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 12, die Verse 1-10:

Gerühmt muss werden; wenn es auch nichts nützt, so will ich doch kommen auf die Erscheinungen und Offenbarungen des Herrn. Ich kenne einen
Menschen in Christus; vor vierzehn Jahren – ist er im Leib gewesen ? ich weiß es nicht; oder ist er außer dem Leib gewesen ? ich weiß es auch
nicht; Gott weiß es -, da wurde derselbe entrückt bis in den dritten Himmel. Und ich kenne denselben Menschen – ob er im Leib oder außer dem
Leib gewesen ist, weiß ich nicht; Gott weiß es -, der wurde entrückt in das Paradies und hörte unaussprechliche Worte, die kein Mensch sagen
kann. Für denselben will ich mich rühmen; für mich selbst aber will ich mich nicht rühmen, außer meiner Schwachheit. Und wenn ich mich rühmen
wollte, wäre ich nicht töricht; denn ich würde die Wahrheit sagen. Ich enthalte mich aber dessen, damit nicht jemand mich höher achte, als er
an mir sieht oder von mir hört. Und damit ich mich wegen der hohen Offenbarungen nicht überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl in’s Fleisch,
nämlich das Satans Engel, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe. Seinetwegen habe ich dreimal zum Herrn gefleht,
dass er von mir weiche. Und er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will
ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, damit die Kraft Christi bei mir wohne. Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in
Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten, um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.

Liebe Gemeinde,

Paulus hat also dem „Frömmigkeitskult“ der Korinther so Einiges entgegenzusetzen, was diesen so gar nicht recht gewesen sein dürfte.
Lassen Sie uns am heutigen Morgen drei Punkte etwas näher betrachten.

1. Frömmigkeit hat mit Glaube nichts zu tun

Da rühmen sich die Korinther mit ihren Gotteserfahrungen, ihren wohlformulierten Gebeten und mit allerlei sonstigem frommem Gehabe. Und
da kommt Paulus und schmettert ihnen entgegen: Alles großer Quatsch. Stellen wir uns doch einmal vor, Paulus käme just in dem Moment in die
Kirche marschiert und würde uns vor den Kopf knallen: Die ganze Liturgie ist ganz großer Käse.

Wir würden es versuchen zu überhören, aber er würde weiter zetern. Und dann, liebe Gemeinde, würden wir ihn bitten zu gehen. Aber ich glaube,
das war es gar nicht, was Paulus an den Korinthern auszusetzen hatte. Paulus hat natürlich nichts gegen Gebet, Anbetung und Liturgie in
welchem Rahmen auch immer. Paulus sagt nur, dass es niemals entscheidend ist, was man alles auswendig herunterleiern kann, sondern dass es darauf
ankommt, dass man es mit der richtigen inneren Einstellung macht.

Anbetung macht nur dann Sinn, wenn ich weiß, dass ich allein gar nichts ausrichten kann und dass ich alles IHM anbefehle, weil ich weiß, dass ER
alle Dinge zum Besten wenden kann. Unter dieser Voraussetzung macht natürlich auch Liturgie wieder Sinn.

Ähnlich ist es mit Gottesbegegnungen. Jeder Korinther wusste von diesen Begegnungen zu berichten. Und auch da sagt Paulus: Das ist nicht das
entscheidende am Glauben. Ich selbst war schon im Himmel und könnte euch vieles darüber berichten. Aber das ist alles nicht wichtig. Wichtig ist,
wie ich zu Jesus Christus stehe und Stellung bezogen habe.

Paulus sagt es nicht konkret, aber er deutet es indirekt an, wenn er sagt: Im Prinzip seid ihr alle „Schönwetter-Christen“. Sobald es ernst
wird, hört nämlich alles fromme Getue auf.

2. Die Kehrseite

Sagte Paulus gerade noch etwas von Schönwetter-Christen, so führt er jetzt sein eigenes Beispiel an. Er selbst ist von einer Krankheit
gezeichnet, die ihn einfach nicht mehr loslassen will. Natürlich hat er Gott gebeten, doch dieses Leiden von ihm zu nehmen. Er hat es nicht nur
einmal getan, nein Paulus hat dreimal vergeblich um seine Genesung gebetet. Passiert ist indes nichts .

Sagt Paulus jetzt: Beten ist zwecklos ? Nein, Paulus sagt ganz einfach, dass dieses Leiden ein Stachel Satans in seinem Fleisch ist, der Tag für
Tag um seinen Glauben kämpft. Paulus hingegen lässt den Engel Satans nicht die Oberhand gewinnen. Sein Vertrauen und sein Glaube sind immer
ein Stückchen stärker als die Kraft des satanischen Engels.

Und das wünscht Paulus den Korinthern auch. Gerade dann, wenn die schönen Tage vorbei sind, dann erst beweist sich der rechte Glaube. Und
da hat Paulus wohl zurecht Angst um die Korinther. Er hat Angst, weil es sich nur um oberflächliche Frömmigkeit handelt, was die Korinther
betreiben und nicht um echten Glauben. Und oberflächlicher Glaube ist wie ein Baum ohne feste Wurzeln. Bei dem ersten schweren Sturm kippt er um.

Gerade das will Paulus vermeiden, dass die Gemeinde in Korinth vom Glauben abfällt, wenn die Stürme des Lebens auf sie treffen. Deshalb
nennt er Ihnen die

3. Goldene Glaubensformel

Gewiss, Paulus hat für seine Genesung gebetet und es ist nicht das eingetreten, was er erbeten hatte. Aber dennoch hat Gott zu ihm gesprochen und ihm folgendes mitgeteilt:

„Lass Dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“

Was für eine gewaltige Antwort des lebendigen Gottes an Seinen Apostel.
Lassen Sie uns diesen Satz einmal ganz intensiv betrachten.

„Lass dir genügen“ heißt ganz einfach ausgedrückt: Von mir bekommst du alles, was du zum Leben brauchst. Und was du von mir nicht bekommst,
das, lieber Paulus, brauchst du auch nicht wirklich. Jetzt kommt noch das Wort „Gnade“ hinzu. Paulus durfte erkennen, dass es allein auf die
Gnade Gottes ankommt im Leben eines Menschen. Diese Gnade bekommt ein jeder geschenkt, der ernsthaft darum bittet.

Diese Gnade lässt sich aber nicht mit oberflächlicher Frömmigkeit herbeibeten. Diese Gnade will ernsthaft und demütig erbeten sein. Diese
Gnade hat auch nicht zur Folge, dass wir ein dauerhaftes gesundes Lebens führen und ein stets prall gefülltes Bankkonto unser eigen nennen dürfen,
bevor wir dann mit 100 Jahren pumperlgesund ohne körperliche Gebrechen in die Ewigkeit abberufen werden. Nein, diese Gnade sehen wir ganz
explizit an Paulus. Er ist eben nicht gesund und reich, sondern genau das Gegenteil davon. Und doch ist er reich in Gott, weil er das
Gnadengeschenk angenommen hat.

Es kommt also niemals auf die äußeren Umstände, sondern immer auf die innere Einstellung an. Ich habe etliche Male die Freudigkeit in unserem
Herrn in afrikanischen Gemeinden bewundern dürfen. Diese Menschen sind gegenüber uns Westeuropäern bettelarm. Und doch leben sie ein freudiges
Leben in unserem Herrn. Das wenige, was sie haben das teilen sie noch und verlieren doch nicht ihre Fröhlichkeit. Ich denke, wir können von
diesen Menschen viel lernen.

Wo es keinen Neid um des Nachbarn neues Auto gibt, wo es keine Hackordnung in den Betrieben gibt und wo es kein Verlangen nach immer
mehr gibt, da ist, so lassen Sie es mich ausdrücken, der Landeplatz für den Heilgen Geist frei. Denken wir doch heute Nachmittag zu Hause einmal
darüber nach, womit wir die Landebahn des Heiligen Geistes immer wieder zustellen.

Aber die Antwort Gottes geht ja noch weiter: „Denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Wenn sich politisch etwas ändern soll, dann brauchen wir wortgewaltige Politiker mit einem außerordentlichen Charisma. Wenn Ein Unternehmen erfolgreich sein will, dann braucht es eine starke Führungsspitze. Und dann sagt der heilige Gott genau das Gegenteil. Wie sollen wir dies nur wieder verstehen ?

Ganz einfach, Gott kann nur in uns wirken, wenn wir uns nicht mehr auf unsere eigenen Kräfte verlassen wollen oder können. Erst dann, wenn wir
unsere eigene Schwachheit eingestehen, dann kann Gott mit Seiner ganzen Kraft in uns schwachen Menschen wirken. Wann waren wir denn in unserem
Leben Gott ganz nah und konnten förmlich Seine Gegenwart spüren ? Meist doch dann, wenn wir mit unserem Latein am Ende waren.

Immer dort, wo wir keinen Ausweg mehr sehen ruft uns Gott diesen Satz zu: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“

Wenn wir es zusammenfassen, dann will Paulus den Korinthern folgende Botschaft mitteilen: Lebt jeden Tag in der Gegenwart des Herrn. Lasst
euch durch äußere Umstände nicht entmutigen. Und denkt immer daran, wenn ihr mit eurer Kraft nicht mehr weiterkommt, es ist einer da, der euch
immer mit seiner unendlichen Kraft beisteht.

So der Führung Gottes anbefohlen hat sich sicherlich auch der Liederdichter Ignaz Franz gefühlt, als er den 9. Vers seines Liedes
„Großer Gott, wir loben dich…“ gedichtet hat, der da lautet, wie folgt:

Sieh dein Volk in Gnaden an.
Hilf uns, segne, Herr, dein Erbe;
leit es auf der rechten Bahn,
dass der Feind es nicht verderbe.
Führe es durch diese Zeit,
nimm es auf in Ewigkeit

Der Herr offenbare sich Dir in Deiner Schwachheit
Der Herr führe Dich durch Deine Schwachheit hindurch
Der Herr ersetze Deine Schwachheit durch SEINE Macht

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen fröhlichen Start in die neue Woche. Mögen Sie in allen Zeitpunkten der Schwachheit SEINE Stärke fühlen dürfen.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag mit dem Namen Sexagesimae. Unser heutiger Predigttext beschäftigt sich mit dem Aufbau und dem Wachsen des Reiches Gottes. In Markus 4, die Verse 26-29, benutzt unser Herr einen interessanten Vergleich hinsichtlich des Reiches Gottes. Lassen Sie uns diesen Predigttext für den heutigen Sonntag zunächst gemeinsam lesen:

Vom Wachsen der Saat

Und er sprach: Mit dem Reiche Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen auf’s Land wirft und schläft und aufsteht, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst – er weiß nicht, wie. Denn von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in die Ähre. Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.

Liebe Gemeinde,

ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass unser Herr, wenn Er uns das Reich Gottes erklären will, häufig scheinbar alltägliche Begebenheiten aus der Natur heranzieht ? Sicherlich will Er, dass wir erkennen, dass Schöpfer und Schöpfung einander bedingen. Wir sollen durch diese Beispiele immer wieder daran erinnert werden, dass es einen gibt, der hinter all den Geschehnissen steht. Und um dessen Reich geht es in unserem heutigen Predigttext. Schauen wir uns doch am heutigen Sonntag
einmal gemeinsam an, wie denn das Reich Gottes  bzw. als Synonym dazu der Glaube wächst und gedeiht.

1. Der Same

Weltliche Mächte feiern ja immer mit viel Tamtam, Getöse und Menschenaufläufen ihr Dasein und ihre Wichtigkeit. Je lauter und schriller, desto besser. Denken Sie nur einmal an das Getöse, welches alljährlich um die Verleihungen des Oscars gemacht wird. Rund 50 Menschen erhalten eine kleine goldfarbene Plastikfigur und die ganze Welt ist in Verzückung. Ja, liebe Gemeinde, so schaut es in der Welt aus.

Aber wie wächst denn eigentlich das Reich Gottes ? Ganz anders und doch, so möchte ich einmal behaupten, viel effizienter, weil der Schöpfer nämlich selber dahinter steht. Und dieser braucht kein menschliches Getöse, wenn Er beginnt, Sein Reich aufzubauen. Wenn das Reich Gottes bei einem Menschen einzieht, dann beginnt das ganz klein, nämlich mit einem Samenkorn. Gott legt das Samenkorn des Glaubens in unser Herz hinein; zunächst ganz klein und unscheinbar.

Damit ein Same angehen kann, das wird Ihnen jeder Gärtner bestätigen, benötigt er fruchtbare Erde und eine entsprechende Pflege. Der Glaube wächst zwar von sich aus in uns, wir können ihn aber auch ausreißen oder eingehen lassen. Ausreißen ist dabei ein aktiver Prozess, wo ein Mensch
sich aktiv gegen Gott entscheidet. Das Eingehenlassen ist eigentlich viel gefährlicher. Es ist ein schleichender Prozess. Zunächst ist man noch mit Feuereifer bei der Sache, besucht Gottesdienst und Gemeinschaftsstunden. Doch dann, nach einiger Zeit holen einen die Probleme des Alltages wieder ein.

Da wird dann der Sonntag wieder zu einem normalen Arbeitstag und die Gemeinschaftsstunden können nach und nach auch nicht mehr besucht werden. Natürlich verliert man dann auch schnell den Kontakt zu den Schwestern und Brüdern der Gemeinde.

Und hier liegt auch unsere erste christliche Verpflichtung: Wir sollen den zarten Samen hegen und pflegen und ihm reichlich Nahrung geben, damit er ja auch in unserem Herzen angehe.

Nahrung gebe ich dem Samen z.B. immer wieder, wenn ich mich mit Gottes Wort ernsthaft auseinandersetze. Hegen und pflegen kann ich den Glauben, indem ich den Kontakt zu dem, der ihn mir in mein Herz gelegt hat, nicht abreißen lasse. Wenn wir dies tun, dann kann der kleine Same in uns wachsen und gedeihen.

2. Halm, Ähre und Weizen

Bevor eine Pflanze Früchte trägt, muss sie erst einmal nach oben wachsen. Diese banale Weisheit ist natürlich nichts Neues für uns alle. Aber übertragen wir dies doch einmal auf unseren Glauben. Wenn unser Glaube nach oben wächst dann wachsen wir sinnbildlich gesprochen immer ein Stück weit unserem Schöpfer entgegen. So lange wir wachsen verringern wir die Distanz zwischen Ihm und uns und können Ihm so immer ähnlicher werden.

Das Wachstum nach oben beginnt zunächst einmal mit der Ausbildung von Wurzeln. Diese Wurzeln haben ihre Aufgabe darin, dass sie uns in stürmischen Zeiten unseres Lebens immer Halt geben und uns gewiss machen, dass wir eine feste Basis haben aus der heraus wir leben können. Ohne diese feste Basis würde ein kleiner Sturm schon ausreichen, um den wachsenden Halm umknicken zu lassen.

Wenn genügend Wurzeln vorhanden sind, erst dann beginnt die Pflanze nach oben zu wachsen. Gleichzeitig verzweigt sich das Wurzelwerk, denn es soll ja die wachsende Pflanze ernähren. Wenn der Glaube in uns Gestalt annimmt ist es besonders wichtig, dass wir nicht aufhören, uns dem Worte Gottes auch weiterhin zu widmen. Wir dürfen nicht nach dem Motto leben „Kenn ich, weiß ich, kann ich“. Als Jünger in der Schule unseres Herrn hören wir nicht auf zu lernen bis zu dem Tage, wo wir Ihm gegenüber stehen.

Interessant ist es auch zu sehen, dass der Halm und die Ähre noch keine Früchte tragen. Wozu ist eigentlich eine Frucht da ? Nun, sie soll andere Menschen satt machen. Übertragen wir dies auch auf unser Glaubensleben. In der Phase, wo wir wachsen, also noch keine Früchte tragen, werden wir auf unsere Aufgaben vorbereitet. Wir dürfen und sollen unsere enge Beziehung zu unserem Herrn immer weiter vertiefen. Wenn wir dies tun, so werden wir eine kräftige Pflanze im Reiche unseres
Herrn, die Er gerne mit Früchten versieht.

Wie wir gerade gehört haben, sind Früchte nicht um ihrer selbst willen da, sondern um andere zu sättigen. So sollen wir uns auch nicht ob unseres all so treuen Glaubens willen vor anderen Menschen brüsten. Nein, liebe Gemeinde, wir tragen diese Früchte, um unsere hungrigen
Mitmenschen zu sättigen.

Und in jeder Frucht steckt bekanntlich auch ein Same, den wir somit Dank der Hilfe unseres Herrn in das Herz der anderen Menschen legen. Was diese dann aus dem in sie hineingelegten Samen machen, das liegt nicht mehr in unserer Hand. Es ist nicht unsere Aufgabe, den Glauben in anderen
Menschen wachsen zu lasen, dies ist allein die Aufgabe unseres Herrn.
Oder wie Corrie ten Boom es einmal so schön gesagt hat:
„Wir sind nur Bettler, die anderen Bettlern sagen, wo es Brot gibt.“

3. Die Ernte

Irgendwann ist die Zeit der Ernte gekommen. So ist es auch im Reiche Gottes. Wenn unsere Aufgaben hier auf Erden erfüllt sind, dann liebe Gemeinde, dürfen wir darauf vertrauen, dass uns unser Herr in Sein Reich abberuft. Die Zeit der Ernte ist also etwas ganz und gar nicht trauriges. Die Zeit der Ernte ist die Zeit, wo wir getrost die Hände in den Schoß legen dürfen und uns darauf freuen können, dass wir IHM, der Himmel und Erde gemacht hat, persönlich gegenüberstehen.

Ja nicht nur das. Wir dürfen als Seine geliebten Kinder ewige Gemeinschaft mit dem Vater haben. Er möchte Sein Reich mit uns teilen. Aber bis es soweit ist dürfen wir dafür sorgen, dass möglichst viele unserer Mitgeschwister auf Erden die gleiche Aussicht auf eine Ewigkeit in Seiner Herrlichkeit haben, wie wir. Und in diesem Sinne lassen Sie uns fröhlich unseren Dienst versehen und allen Menschen weitersagen, wo es das Brot des Lebens gibt.

Manchmal, liebe Gemeinde, fällt uns dieser Dienst nicht ganz so leicht.
Dies war sicherlich auch schon dem Liederdichter Philipp Spitta bekannt.
Mit dem ersten Vers seines Liedes „Ich steh in meines Herren Hand…“
tröstet er uns sehr schön durch solche Zeiten hindurch. Dieser Vers
lautet, wie folgt:

Ich steh in meines Herren Hand
und will drin stehen bleiben;
nicht Erdennot, nicht Erdentand
soll mich daraus vertreiben.
und wenn zerfällt die ganze Welt
wer sich an ihn und wen er hält,
wird wohlbehalten bleiben.

Der Herr lasse den Samen des Glaubens in Deinem Herzen wohl gedeihen
Der Herr lasse Dich jeden Tag auf’s Neue Früchte des Glaubens tragen
Der Herr lasse Dich diese Früchte an alle hungrigen Mitmenschen weitergeben

Amen.

Liebe Gemeinde,

lassen Sie uns alle unter dem Segen und dem Beistand unseres Herrn Jesus Christus wohlgemut in die neue Woche gehen. Möge ER uns bei allem, was uns bevorsteht beistehen.

In diesem Sinne grüße ich Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Lesergemeinde!
Ich grüße Sie herzlich am 2. Sonntag vor der Passionszeit, am Sonntag Sexagesimä.
Ganz herzlichen Dank für Ihre Zuschriften.

Das Predigtwort für diesen Sonntag steht im Markusevangelium im 4. Kapitel,
in den Versen 26 -29: ²

„Und er sprach: Das Reich Gottes ist so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und steht auf Nacht und Tag: und der Same geht auf und wächst, ohne daß er´s weiß. Denn die Erde bringt von selbst Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre. Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.“

Der Herr segne an uns SEIN Wort!

Liebe Gemeinde!
Lange Zeit sah es so aus als würden wir in diesem Jahr keinen Winter bekommen. Doch inzwischen deckten Schneegestöber und leichter Flockenfall das offene Land. Unsere Augen finden Ruhe, unsere Herzen staunen neu über alle Pracht. Kinder und Wintersportbegeisterte jubeln unbeschwert. Doch viele Autofahrer und ältere Leute sehen mit Sorgen auf Lasten und Gefahr.

Und für uns alle wächst verborgen unterm Schnee neues Korn fürs Brot.

Es wächst so verborgen, wie Gottes Reich in unserer Welt.
Das Wachsen von Gottes Reich bleibt vielen verborgen. Doch manchmal sehen wir Zeichen von Gottes neuem Leben, wie Spitzen von Wintersaat, die vom Winde frei geweht wurde. Doch im Glauben lässt Gott uns noch mehr sehen von SEINEM Wirken und Wachsen SEINES Reiches unter uns.

Wer Samen in die Erde gibt, der weiß, dass auch unterm Schnee die Saat für die kommende Ernte heranwächst.
Wer auf Gottes Wort hört, der weiß, dass Gottes Wort auch wirkt, wenn er es nicht sehen kann und das es ohne unser Zutun wirkt.

Davon spricht Jesus in unserem Predigtwort.
In diesem Gleichnis legt Jesus uns Samenkörner in die Hand und sagt:
Seht, hier ist Gottes Gabe zum Leben.
In diesen Körnern haltet ihr Gottes Lebenskraft in der Hand.
Sät sie aus als Samen der Hoffnung!
Sie sind Zukunftssaat für euch und die Welt.
So sollt ihr auch das Wort Gottes aussäen, es unter die Menschen bringen.
Und Gott wird aus SEINEM Wort SEIN Reich in dieser Welt wachsen lassen.
Darauf könnt ihr vertrauen, auch wenn euch vieles von Gottes Wirken verborgen bleibt.
Habt Geduld!
Aus Gottes Wort wächst Frucht zur Ernte.

Gott ist bereits am Wirken, wo immer SEIN Wort ausgestreut wurde:
– in der Verkündigung der Gemeinde
– im Lesen der Bibel
– in der Begegnung mit dem Leben von Glaubenden.

Ihr begegnet diesem wirkenden Wort Gottes hier im Gottesdienst und im Hören oder Lesen der Predigt. Denn Gott hat verheißen, dass SEIN Wort nicht leer zurückkommt (Jes 55,11).

Wir wissen nicht, wann Gottes Wort in Herzen Wurzeln schlägt und zur Frucht heran wächst. Gott allein weiß, wann es bei Dir oder mir geschieht. Aber wir können uns bereithalten, Gottes Wort zu hören und aufzunehmen.

Dazu ruft uns auch der Wochenspruch. Darin sagt uns Gottes Wort:
„Heute, wenn ihr meine Stimme hört, so verstocket euer Herz nicht“ (Hebr 3,15).

Macht Euer Herz und Eure Ohren nicht zu, wenn Ihr Gottes Wort begegnet!

Oft fehlt uns die Gelassenheit und Geduld, auf Gott und SEIN Wort zu vertrauen.
Vor unseren Augen sind die Sorgen um die Kirche und um die Welt. Wir sehen viele Fehlschläge, Schuld und Versäumnisse im Dienst der Kirche am Wort, und unsere eigenen Fehlschläge, Schuld und Versäumnisse in unserem Dienst am Wort.

Das alles können wir mit Bitte um Vergebung zum Kreuz Jesu bringen.
Gott kann unsere Augen in Gnaden wenden. ER kann uns schauen lassen, von dem, was ER durch SEINE Kirche und durch uns mit SEINEM Wort wirkt. Und Gott tut das auch. Darüber hinaus füllt ER unsere Hände aufs Neue mit SEINEM Wort. ER schenkt Hoffnung auf SEIN Wirken durch SEIN Wort. Aus dieser Hoffnung lässt ER Geduld und Gewissheit wachsen, für das Wachsen SEINES Reiches unter uns.

Ich bin nur wie ein Säemann, der Gottes Wort wie eine Saat ausstreut. Doch ich darf hoffen, dass Gott durch SEIN Wort das neue Leben des Reiches Gottes wirkt. Zu einem solchen Dienst des Säens seid auch Ihr als Gemeinde gerufen, in vielfältiger Form:
– mit Eurem Wort, mit Eurer Liebe, mit Eurer empfangenen Vergebung und Eurem empfangenen Frieden.

Eines Tages wird Gottes Wirken durch SEIN Wort zur Ernte herangereift sein. Dann wird die Fülle der Frucht für alle sichtbar sein, wie zur Zeit der Ernte, wenn die „Sichel“ die Ernte einbringt.

Bis dahin ist Zeit des Säens und Wachsens – Zeit des gnädigen Wirkens Gottes durch SEIN Wort.

Gott segne uns allen unsere Zeit zum Empfangen der Botschaft des Lebens und zum Weitergeben der Botschaft des Lebens.

Es grüßt herzlich
Euer Pfr.i.R. Steinführer