Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Sonntag, dem Sonntag Rogate. Um rogare, also um das Beten geht es unter anderem auch in unserem heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext im Kolosserbrief im vierten Kapitel, die Verse 2-6. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Ermahnung zum Gebet und zum rechten Wort

Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung ! Betet zugleich auch für uns, dass Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir das Geheimnis Christi sagen können, um dessentwillen auch ich in Fesseln bin, damit ich es offenbar mache, wie ich es sagen muss. Verhaltet euch weise gegenüber denen, die draußen sind, und kauft die Zeit aus. Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt, dass ihr wisst, wie ihr einem jeden antworten sollt.

Liebe Gemeinde,

was macht eigentlich ein originäres Christenleben aus, was kennzeichnet denn ein solches Christenleben? Lassen Sie uns dieser Frage heute morgen einmal gemeinsam nachgehen.

1. Gebet und Danksagung

Liebe Gemeinde, eigentlich doch eine Selbstverständlichkeit das Beten und die Danksagung. Und doch denke ich sollten wir uns diese beiden christlichen Tugenden einmal etwas aus der Nähe betrachten.

Sicherlich haben wir alle gute Freunde. Wie pflegen wir denn den Kontakt zu unseren Freunden? Natürlich dadurch, dass wir mit ihnen kommunizieren. Was ganz früher das Briefeschreiben war und früher das Telefonieren ist heute die Kommunikation über soziale Netzwerke. Aber wie auch immer; wir bleiben mit unseren Freunden im Kontakt, auch wenn das persönliche Gespräch nicht möglich ist.

Genau so verhält es sich mit dem Gebet zu Gott. Wir sollen Gott keine vorformulierten und auswendig gelernten Phrasen um die Ohren hauen. Er ist doch unser lieber Vater, er will doch nur, dass es uns gut geht. Daher sollen wir mit allem, was uns bedrückt, was uns Nöte bereitet und uns sonst noch auf der Seele liegt ganz einfach zu ihm kommen und ihm dies im Gespräch unterbreiten.

Ja, liebe Gemeinde, im Gespräch. Beten ist nämlich nichts anderes als ein Gespräch mit Gott. Und wenn wir unseren Teil mit dem Amen beendet haben, dann sollen wir auch auf das hören, was Gott uns antwortet. Das vergessen wir nur leider all zu oft in unsrer hektischen Zeit. Wenn wir unsere Freunde auf Erden nur zu texten und uns umdrehen und dann unseres Weges gehen, dann werden wir bald keine Freunde mehr haben.

Und dann war da noch die Sache mit der Danksagung. Wenn wir einmal in uns hineinhorchen, dann gibt es doch unendlich viel für das wir Gott danken können. Alles, was wir haben und sind ist ein Geschenk von unserem Herrn. Wenn wir danken, dann gestehen wir ein, dass wir nichts aus uns heraus selber machen können, sondern dass alles in des Herren Hand liegt.

2. Weisheit gegenüber Außenstehenden

„Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir den Schädel ein“, so könnte das Dogma von ultrachristlichen Gruppen gegenüber dem Umgang mit Außenstehenden lauten. Aber Achtung, liebe Gemeinde, ein kleines Stück davon steckt auch in uns. Wie schnell vorverurteilen wir unsere Mitmenschen die eben noch nicht im Glauben stehen.

Wie der Koran uns Christen als Menschen zweiter Klasse bezeichnet, so sind wir manchmal auch mit einer derartigen Klassifikation bei der Hand, wenn es um unsere Meinung zu unseren noch ungläubigen Mitmenschen geht.

Was verstehen wir denn nun unter weise handeln? Weisheit wird definiert, als ein tiefgehendes Verständnis einer Thematik, um bei auftretenden Problemen die sinnvollste Handlungsalternative zu finden.

Weisheit besteht nun aus „Weise denken“, „Weise reden“ und “ Weise handeln“. Und da gehört unser eingangs zitierter Satz sicherlich nicht zu.

Wenn wir Menschen die frohe Botschaft weitergeben wollen, dann müssen wir erst einmal von dem Kenntnisstand ausgehen, den diese Menschen besitzen. Weise denken heißt, das ich dort ansetze, wo mein Gegenüber mir auch folgen kann.

Weise reden heißt, dass ich den Außenstehenden nicht mit theologischen Erkenntnissen zutexte, sondern meine Botschaft dem Empfängerhorizont so anpasse, dass dieser die Botschaft ohne viel Nachdenkens auch umfassend verstehen kann. Wir müssen unserem Gegenüber nicht beweisen, wie bibelfest wir doch sind; wir müssen unserem Gegenüber verständlich machen, was er denn davon hat, wenn auch er zum Glauben kommt.

Weise handeln bedeutet nichts anderes, als dass ich das, was ich rede auch mit Taten untermauere. Mein Gegenüber soll ja erkennen, das ich das, was ich sage auch wirklich so meine.

In Abwandlung eines Sprichworts möchte ich einmal sagen: „Eine Tat sagt mehr als tausend Worte.“ Den Weg, den wir unseren Mitmenschen aufzeigen, diesen Weg müssen wir auch für diese sichtbar und erkenntlich selber begehen. Machen wir dies nicht, dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn man uns unsere Botschaft nicht abnimmt.

3. Kauft die Zeit aus

Aals ich diesen Text zum ersten Male las, dachte ich sofort an operative Hektik. Bloß ja keine Zeit verschenken, immer und überall für Christus am Start sein. Egal, wer mir über den Weg läuft, es wird sofort drauflos evangelisiert.

Dass dabei nichts herumkommt ist uns hoffentlich allen klar. Aber was ist denn damit gemeint mit dem „Kauft die Zeit aus.“

Das bedeutet, dass ich mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gehe und nach Türen Ausschau halte, die Gott mir geöffnet hat. Dort, wo Gott mir den Weg bereitet hat, dort darf ich getrost eintreten und sein Wort und seine Botschaft weitersagen.

Kauft die Zeit aus heißt auch, dass ich mir bereitgestellte Möglichkeiten mein christliches Leben unter Beweis zu stelle nicht auf später verschiebe. Da ist mein Freund in Not, ich habe aber gerade heute keine Zeit. Na ja, dann eben morgen. Da zieht mein Nachbar um und braucht am Samstag kräftige Arme, die ihm anpacken. Ich habe zwar Zeit, aber auch ich brauche meine Ruhe. Vielleicht beim nächsten Mal.

Genau so sollen wir eben nicht handeln. Wenn Gott uns zeigt, welche Menschen uns brauchen, dann sollen wir auch genau in diesem Moment für sie da sein. Nicht früher, aber auch nicht später.

Und hier schließt sich der Kreis wieder. Wenn wir Gott im Gebet bitten, dann wird er uns entsprechende Möglichkeiten zeigen, wie wir am besten die Zeit auskaufen können.

Lassen Sie uns zum Abschluss in den 4. Vers des Liedes „Bewahre uns Gott…“ (EG 171) von Eugen Eckert einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns durch deinen Segen.
Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt,
sei um uns auf unseren Wegen.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Behüte Sie Gott auf all Ihren Wegen das wünscht Ihnen
Ihr

Ulrich Naber