Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Sonntag, dem Sonntag Rogate. Um rogare, also um das Beten geht es unter anderem auch in unserem heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext im Kolosserbrief im vierten Kapitel, die Verse 2-6. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Ermahnung zum Gebet und zum rechten Wort

Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung ! Betet zugleich auch für uns, dass Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir das Geheimnis Christi sagen können, um dessentwillen auch ich in Fesseln bin, damit ich es offenbar mache, wie ich es sagen muss. Verhaltet euch weise gegenüber denen, die draußen sind, und kauft die Zeit aus. Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt, dass ihr wisst, wie ihr einem jeden antworten sollt.

Liebe Gemeinde,

was macht eigentlich ein originäres Christenleben aus, was kennzeichnet denn ein solches Christenleben? Lassen Sie uns dieser Frage heute morgen einmal gemeinsam nachgehen.

1. Gebet und Danksagung

Liebe Gemeinde, eigentlich doch eine Selbstverständlichkeit das Beten und die Danksagung. Und doch denke ich sollten wir uns diese beiden christlichen Tugenden einmal etwas aus der Nähe betrachten.

Sicherlich haben wir alle gute Freunde. Wie pflegen wir denn den Kontakt zu unseren Freunden? Natürlich dadurch, dass wir mit ihnen kommunizieren. Was ganz früher das Briefeschreiben war und früher das Telefonieren ist heute die Kommunikation über soziale Netzwerke. Aber wie auch immer; wir bleiben mit unseren Freunden im Kontakt, auch wenn das persönliche Gespräch nicht möglich ist.

Genau so verhält es sich mit dem Gebet zu Gott. Wir sollen Gott keine vorformulierten und auswendig gelernten Phrasen um die Ohren hauen. Er ist doch unser lieber Vater, er will doch nur, dass es uns gut geht. Daher sollen wir mit allem, was uns bedrückt, was uns Nöte bereitet und uns sonst noch auf der Seele liegt ganz einfach zu ihm kommen und ihm dies im Gespräch unterbreiten.

Ja, liebe Gemeinde, im Gespräch. Beten ist nämlich nichts anderes als ein Gespräch mit Gott. Und wenn wir unseren Teil mit dem Amen beendet haben, dann sollen wir auch auf das hören, was Gott uns antwortet. Das vergessen wir nur leider all zu oft in unsrer hektischen Zeit. Wenn wir unsere Freunde auf Erden nur zu texten und uns umdrehen und dann unseres Weges gehen, dann werden wir bald keine Freunde mehr haben.

Und dann war da noch die Sache mit der Danksagung. Wenn wir einmal in uns hineinhorchen, dann gibt es doch unendlich viel für das wir Gott danken können. Alles, was wir haben und sind ist ein Geschenk von unserem Herrn. Wenn wir danken, dann gestehen wir ein, dass wir nichts aus uns heraus selber machen können, sondern dass alles in des Herren Hand liegt.

2. Weisheit gegenüber Außenstehenden

„Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir den Schädel ein“, so könnte das Dogma von ultrachristlichen Gruppen gegenüber dem Umgang mit Außenstehenden lauten. Aber Achtung, liebe Gemeinde, ein kleines Stück davon steckt auch in uns. Wie schnell vorverurteilen wir unsere Mitmenschen die eben noch nicht im Glauben stehen.

Wie der Koran uns Christen als Menschen zweiter Klasse bezeichnet, so sind wir manchmal auch mit einer derartigen Klassifikation bei der Hand, wenn es um unsere Meinung zu unseren noch ungläubigen Mitmenschen geht.

Was verstehen wir denn nun unter weise handeln? Weisheit wird definiert, als ein tiefgehendes Verständnis einer Thematik, um bei auftretenden Problemen die sinnvollste Handlungsalternative zu finden.

Weisheit besteht nun aus „Weise denken“, „Weise reden“ und “ Weise handeln“. Und da gehört unser eingangs zitierter Satz sicherlich nicht zu.

Wenn wir Menschen die frohe Botschaft weitergeben wollen, dann müssen wir erst einmal von dem Kenntnisstand ausgehen, den diese Menschen besitzen. Weise denken heißt, das ich dort ansetze, wo mein Gegenüber mir auch folgen kann.

Weise reden heißt, dass ich den Außenstehenden nicht mit theologischen Erkenntnissen zutexte, sondern meine Botschaft dem Empfängerhorizont so anpasse, dass dieser die Botschaft ohne viel Nachdenkens auch umfassend verstehen kann. Wir müssen unserem Gegenüber nicht beweisen, wie bibelfest wir doch sind; wir müssen unserem Gegenüber verständlich machen, was er denn davon hat, wenn auch er zum Glauben kommt.

Weise handeln bedeutet nichts anderes, als dass ich das, was ich rede auch mit Taten untermauere. Mein Gegenüber soll ja erkennen, das ich das, was ich sage auch wirklich so meine.

In Abwandlung eines Sprichworts möchte ich einmal sagen: „Eine Tat sagt mehr als tausend Worte.“ Den Weg, den wir unseren Mitmenschen aufzeigen, diesen Weg müssen wir auch für diese sichtbar und erkenntlich selber begehen. Machen wir dies nicht, dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn man uns unsere Botschaft nicht abnimmt.

3. Kauft die Zeit aus

Aals ich diesen Text zum ersten Male las, dachte ich sofort an operative Hektik. Bloß ja keine Zeit verschenken, immer und überall für Christus am Start sein. Egal, wer mir über den Weg läuft, es wird sofort drauflos evangelisiert.

Dass dabei nichts herumkommt ist uns hoffentlich allen klar. Aber was ist denn damit gemeint mit dem „Kauft die Zeit aus.“

Das bedeutet, dass ich mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gehe und nach Türen Ausschau halte, die Gott mir geöffnet hat. Dort, wo Gott mir den Weg bereitet hat, dort darf ich getrost eintreten und sein Wort und seine Botschaft weitersagen.

Kauft die Zeit aus heißt auch, dass ich mir bereitgestellte Möglichkeiten mein christliches Leben unter Beweis zu stelle nicht auf später verschiebe. Da ist mein Freund in Not, ich habe aber gerade heute keine Zeit. Na ja, dann eben morgen. Da zieht mein Nachbar um und braucht am Samstag kräftige Arme, die ihm anpacken. Ich habe zwar Zeit, aber auch ich brauche meine Ruhe. Vielleicht beim nächsten Mal.

Genau so sollen wir eben nicht handeln. Wenn Gott uns zeigt, welche Menschen uns brauchen, dann sollen wir auch genau in diesem Moment für sie da sein. Nicht früher, aber auch nicht später.

Und hier schließt sich der Kreis wieder. Wenn wir Gott im Gebet bitten, dann wird er uns entsprechende Möglichkeiten zeigen, wie wir am besten die Zeit auskaufen können.

Lassen Sie uns zum Abschluss in den 4. Vers des Liedes „Bewahre uns Gott…“ (EG 171) von Eugen Eckert einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott,
sei mit uns durch deinen Segen.
Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt,
sei um uns auf unseren Wegen.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Behüte Sie Gott auf all Ihren Wegen das wünscht Ihnen
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Sonntag, dem Sonntag Rogate. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Lukasevangelium, Kapitel 11, die Verse 5-13. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:
Der bittende Freund

Und er sprach zu ihnen: Wenn jemand unter euch einen Freund hat und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote; denn mein Freund ist gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann, und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon geschlossen, und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben. Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, dann wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, soviel er bedarf. Und ich sage euch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. Wo ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn, wenn er ihn um einen Fisch bittet, eine Schlange für den Fisch biete? oder der ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion dafür biete? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist denen geben, die ihn bitten!

Liebe Gemeinde,

wir alle kennen sicherlich Bedienungsanleitungen. Oftmals sehr hilfreich, manchmal recht lustig und ab und zu schon ein wenig bizarr kommen sie daher. Und da entschließt sich manch einer, es doch zunächst einmal ohne Bedienungsanleitung zu probieren. Manchmal geht es gut, aber meist gehen die Sachen dann doch irgendwie schief.

Brauchen wir auch für unseren Glauben eine Art Bedienungsanleitung? Ich glaube eindeutig Ja. Und eine derartige Bedienungsanleitung für unseren Glauben hat uns unser Herr mit auf  unseren Lebensweg gegeben. Schauen wir uns diese Bedienungsanleitung doch einmal gemeinsam etwas näher an:

1. Klopfet an

Irgendwann haben wir uns alle einmal bekehrt. Gott, der uns schon lange Zeit gesucht hatte, hat uns endlich gefunden und wir haben ihn als unseren Herrn angenommen. Damit ist die Sache mit Gott aber noch nicht vorbei. Bekehrung ist kein einmaliger Akt und dann geht es zurück in das Alltagsleben. Bekehrung ist der erste Schritt in ein neues Leben, ein Leben mit Gott an der Seite.

Wann klopfen wir bei jemandem an? Natürlich in aller Regel dann, wenn wir zu ihm wollen und um Eintritt bitten. Das „Klopfet an“ aus unserem Predigttext bedeutet: Sucht euch eine christliche Gemeinschaft und werdet dort ein aktives Gemeindemitglied.

Das Glaubensleben, vollkommen auf sich allein gestellt, birgt nämlich mancherlei Probleme in sich. Schnell kommen einmal Zweifel auf und allein findet man keine Antworten. Dann ist man natürlich auch versucht, die Sache mit Jesus wieder an den berühmten Nagel zu hängen. Geborgen in einer christlichen Gemeinschaft kann man mit diesen Zweifeln zu den anderen Mitgliedern gehen und diese um Hilfe bitten.

Auch wenn wir uns bekehrt haben bedeutet das ja nicht, dass der Teufel uns aufgegeben hat. Er wird uns nach wie vor nachstellen und versuchen uns in seine Fallen zu locken. Denken wir doch einmal an das Tierreich: Einem Wolf ist es ein leichtes, ein allein herumirrendes Schaf zu reißen. Bei einer Schafherde sieht die Sache schon ein wenig anders aus. Und wenn diese Schafherde dann auch noch von einem Schäfer und seinen Hütehunden bewacht wird, hat der Wolf so gut wie gar keine Chance, ein Schaf zu reißen.

Und so ist es auch in unseren christlichen Gemeinschaften. Geschützt von der Gemeinschaft fällt es dem Teufel sehr schwer, ein Mitglied der Gemeinschaft in seinen Bann zu ziehen. Da uns auch ein Schäfer, nämlich unser Herr zur Seite steht, wird es dem Teufel nicht gelingen, ein Schaf der so wohl behüteten Gemeinde in seine Fänge zu bekommen.

2. Suchet

Wenn wir einmal etwas nicht wissen, dann wird es heutzutage „gegoogelt“. Und schon hat man sehr schnell die gewünschten Ergebnisse. Im Glaubensleben ist es nicht anders. Jemand, der gerade den Weg zum Herrn gefunden hat, steht häufig noch ein wenig orientierungslos da.

Und für diesen Fall gibt es auch eine christliche Suchmaschine. Wir nennen sie die Bibel. Wenn jemand gerade erst den Weg um Herrn gefunden hat, dann braucht er eine Gebrauchsanleitung für seinen Glauben, eine Anleitung eben, wie man Tag für Tag ein gottgefälliges Leben führt.

Und dabei leistet uns die Bibel unschätzbare Dienste. Auch in Ihrem Umfeld gibt es bestimmt Menschen, die jung im Glauben eben noch auf dieser Suche sind. Empfehlen Sie diesen doch einfach einmal die Bergpredigt und den Jakobusbrief zu lesen. Dort allein finden sich schon hunderte von wertvollen Hinweisen auf ein Christenleben, wie es unserem Herrn gefällt.

Wer sich einmal nur mit diesen Kapiteln der Bibel beschäftigt hat, der möchte bald noch mehr von Gott erfahren. Ich empfehle immer, die Bibel doch in einem Dreierscan zu lesen, also beginnend mit dem Ersten Buch Mose, den Psalmen und dem Neuen Testament. Wenn wir jeden Tag ein Kapitel aus diesen Büchern lesen und am Sonntag auch mal zwei, dann haben wir in einem Kalenderjahr einmal unsere Bibel durchgearbeitet.

Natürlich werden wir nicht alles gleich verstehen, was wir dort lesen. Daher der Ratschlag, sich nicht an Stellen festzubeißen, die wir nicht verstehen, sondern einfach weiterzulesen. Viele Stellen der Bibel haben sich mir auch erst nach Jahren erschlossen. Und an etliche Stellen in meiner Bibel prangt auch heute noch ein Fragezeichen. Also nicht verzagen, einfach weitermachen.

3. Bitten

Was muss ich machen, wenn ich von meinem Mitmenschen etwas haben möchte? Ich muss ihn einfach danach fragen. Was mache ich, wenn ich zum Beispiel in einem Lehrgang sitze und etwas nicht verstehe, was der Dozent mir erklärt? Ganz klar, ich muss ihn fragen, damit auch ich das verstehe, was er mir erklären will.

Im Glaubensleben ist dies nicht anders. Nur nennen, dieses Bitten ganz einfach Gebet. Unter Gebet stellen wir uns ja manchmal etwas hochsakrales vor, dass der Einhaltung von ganz bestimmten Riten und einer ganz speziellen Wortwahl bedarf. Liebe Gemeinde, dies ist der größte Unsinn, der aber immer noch gelehrt wird.

Gebet ist nichts anderes als mein ganz persönliches Gespräch mit Gott. Wir können Tag für Tag und dies 24 Stunden lang mit unseren Gebeten vor unseren Herrn treten. Keine Sorge ist zu klein und keine Not zu unbedeutend, dass ER uns nicht helfen möchte, diese zu überwinden. Wir müssen nur eines tun, ihn einfach fragen, was wir tun sollen.

Wenn ich einen guten Freund um seinen Rat bitte und ihm nach meiner Bitte den Rücken zudrehe und das Gespräch auf diese Weise beende, macht mein Rat ersuchen wohl kaum einen Sinn. Wenn ich mich dann später auch noch darüber beschwere, dass dieses Ersuchen vollkommen nutzlos war, dann ist dies einfach nur dumm und dämlich von mir. Wenn ich jemanden um seinen Rat bitte, dann muss ich mir auch die Zeit nehmen, ihm zuzuhören.

Und gleiches geschieht leider häufig auch in unseren Gebeten. Da haben wir wenig Zeit, aber viele Nöte und Sorgen, die wir mal eben schnell vor Gott bringen. Dann kommt noch ein hastiges Amen und schon geht es weiter im Tagesgeschehen. Kein Wunder, dass wir meinen, Gott würde nicht antworten. Wir geben ihm ja gar nicht erst die Gelegenheit dazu.

Es gibt ein christliches Buch mit dem Titel: „Nach dem Amen bete weiter“. Dies will uns sagen, dass wir nach unserem Gebet stets eine Zeit der Stille halten sollen, in welcher wir auf Gottes Antwort warten.

Übrigens: Gott beantwortet alle unsere Gebete und Bitten. Aber nur so, wie es am besten für uns ist. Zwischen dem, was am besten für uns ist und dem was wir gerne möchten da klaffen manchmal Welten. Und so sind wir dann auch enttäuscht, wenn wir nicht das bekommen, um was wir Gott gebeten haben. Gott ist aber kein Gebetserfüllungsautomat, sondern unser  Herr, der stets das Beste für uns möchte.

Und da kann es auch schon einmal sein, dass er Nein sagt zu unserem Anliegen. Das kann ein vollkommenes Nein sein oder aber auch ein Nein, jetzt noch nicht. Und wenn es beim Nein bleibt, dann sollten wir Gott fragen, wan denn anstelle des Erbetenen für uns besser wäre. Auch auf diese Fragen werden wir von Gott Antworten erhalten.

Lassen Sie uns also niemals aufhören, anzuklopfen, zu suchen und zu bitten. Wenn wir dies tun, dann leben und erleben wir ein erfülltes Christenleben in welchem Gott so wirken kann, wie ER es sich vorstellt.

Dieses von Gott geführte und geleitete Christenleben beschreibt der Liederdichter Benjamin Schmolck sehr schön in dem zweiten Vers seines Liedes: „Tut mir auf die schöne Pforte…“ (EG 166), der da lautet, wie folgt:

Ich bin, Herr, zu dir gekommen, komme du nun auch zu mir.
wo du Wohnung hast genommen, da ist lauter Himmel hier.
Zieh in meinem Herzen ein, lass es deinen Tempel sein.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,
Ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.
Es grüßt Sie alle ganz herzlich

Ihr
Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Sonntag, dem Sonntag Rogate. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Timotheusbrief, Kapitel 2, die Verse 1-6a. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Was nun das Kommen unseres Herrn Jesus Christus angeht und unsre Vereinigung mit ihm, so bitten wir euch, liebe Brüder, dass ihr euch in eurem Sinn nicht so schnell wankend machen noch erschrecken lasst – weder durch eine Weissagung noch durch ein Wort oder einen Brief, die von uns sein sollen -, als sei der Tag des Herrn schon da. Lasst euch von niemandem verführen, in keinerlei Weise; denn zuvor muss der Abfall kommen und der Mensch der Bosheit offenbart werden, der Sohn des Verderbens. Er ist der Widersacher, der sich überhebt über alles, was Gott oder Gottesdienst heißt, so dass er sich in den Tempel Gottes setzt und vorgibt, er sei Gott. Erinnert ihr euch nicht daran, dass ich euch dies sagte, als ich noch bei euch war ? Und ihr wisst, was ihn noch aufhält, bis er offenbart wird zu seiner Zeit.

Liebe Gemeinde,

heute geht es also um den Teufel. Ein Thema, welches in zunehmendem Maße von den beiden großen Kirchen tunlichst vermieden wird, obwohl der Teufel an sehr vielen Stellen der Bibel immer wieder erwähnt wird. Das Nichterwähnen wird häufig mit dem sich ändernden Zeitgeist begründet. Aber ich möchte dem einmal entgegenstellen, dass es wohl nicht sein darf, dass wir die Bibel dem Zeitgeist anpassen, sondern dass sich der Zeitgeist gefälligst der Bibel anzupassen hat. Und das lassen Sie uns heute Morgen auch tun. Gehen wir einmal den satanischen Machenschaften auf den Grund und suchen gleichzeitig nach Auswegen, wie wir den Versuchungen Satans gegenübertreten können.

1. Das Wort Gottes

Das Wort Gottes ist für ans alle eine verbindliche Richtschnur für unser Leben. Das Schlimme ist nur, dass auch der Teufel das Wort Gottes für seine Zwecke missbraucht. Und er macht das weitaus geschickter als die Zeugen Jehovas.

Den ersten Angriff Satans lesen wir schon ganz zu Beginn des Alten Testamentes im 3. Kapitel des 1. Buches Mose. Nachdem Gott den Menschen ganz konkrete Handlungsanweisungen an die Hand gegeben hatte, die eigentlich klipp und klar waren, kam die Schlange und eröffnete ihr Plädoyer mit den Worten: „Sollte Gott gesagt haben?…“

Satan kommt also auf leisen Pfoten einher und sagt nicht: Hallo Eva, ich bin der Teufel und werde dich jetzt einmal verführen. Nein, liebe Gemeinde, der Verführer stellt es viel geschickter an. Er sagt zu Eva: Du Eva, ich möchte mit der einmal über den Glauben reden. Das klingt zunächst einmal vollkommen harmlos. Keiner unter uns würde Verdacht schöpfen wenn er von jemandem auf den Glauben hin angesprochen würde.

Und dann geht es ganz geschickt weiter. Der Teufel zieht das Wort selber ja auch gar nicht in Zweifel. Aber er weist darauf hin, dass die Deutung, die wir dem Worte beimessen auch ganz anders gesehen werden kann.

Nehmen wir doch einmal ein ganz praktisches Beispiel anhand eines der zehn Gebote, welches da lautet: „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden“. Ich komme zur spät zur Arbeit, weil ich ganz einfach verschlafen habe. Das möchte ich aber so nicht sagen, also bediene ich mich z.B. eines technischen Defektes an meinem Fahrzeug, wo man sicherlich eher Verständnis für hat. Bevor ich diese Ausrede verwende, war ich aber schon vom Teufel heimgesucht worden. Dieser hat nämlich nicht gesagt, dass ich ruhig die Wahrheit sagen soll, sondern, dass es ganz bestimmt mächtig Ärger gibt, wenn ich die Wahrheit sage. Und er hatte auch sogleich eine „Lösung“ zur Hand.

Anhand dieses kleinen Beispiels können wir erkennen, wie allgegenwärtig der Teufel auch heute noch ist und wie einfach es manchmal für ihn ist, uns auf’s Glatteis zu führen. Erinnern wir uns auch immer wieder daran, dass der Teufel ja auch vor dem Herrn Jesus nicht Halt machte und ihn in der Wüste mehrmals versuchte.

Darum seien wir ständig auf der Hut, wenn man uns etwas anderes lehren will, als was in der Bibel steht. Dazu, und das ist natürlich die Grundvoraussetzung, sollten wir die Bibel auch regelmäßig lesen. Wenn man vor der Bibel sitzt und sieht die Menge des Lesestoffes, den es gilt zu bewältigen, mag man schon versucht sein, das Lesen der Bibel lieber bleiben zu lassen. Ein kleiner Tipp am Rande: Wenn wir jeden Tag 3 Kapitel der Bibel lesen und sonntags, weil wir da ja mehr Zeit haben, 6 Kapitel lesen, dann haben wir innerhalb eines Jahres die komplette Bibel durchgearbeitet.

2. Das Schleichen

Der Teufel ist ja nicht das gehörnte Wesen, welches wir von mittelalterlichen Bildern her kennen. Er will uns auch nicht sofort total umkrempeln. Seine Arbeit nimmt er taktisch klug wahr. Er benutzt dabei nämlich so etwas wie die Salamitaktik.

Er lockt uns mittels dieser Technik immer ein Stück weiter von Gott weg. Ohne das wir dies merken, gehen so nach und nach in die Falle des Teufels bis er uns vollends in seinen Fängen hat. Da ist anfangs vielleicht das so harmlose „Pendeln“, um etwas von der Zukunft zu erfahren. Da ist doch nichts dabei, das machen doch viele so. Und es erscheint ja auch spannend, etwas von der bevorstehenden Zukunft zu erfahren. Also macht man es mal. Und tatsächlich, das Vorhergesagte tritt ein.

Also bleibt man wacker dran mit dem Pendeln. Und dann gibt es noch das Kartenlesen oder aber die Hexenbeschwörung. Man möchte ja immer mehr von der Zukunft wissen, also lässt man sich auf immer mehr satanische Werkzeuge ein. Das geht solange bis man auf einmal merkt, dass man total in der Esoterikfalle gefangen ist. Egal, wie man sich auch bemüht, man kommt alleine gar nicht mehr davon los.

Das geht sogar so weit, dass man des Betens einfach nicht mehr mächtig ist, dass man den Herrn Jesus gar nicht mehr anrufen kann, weil unsichtbare Kräfte einen daran zu hindern scheinen.

Aber der Herr Jesus ist trotzdem da. Und er greift auch sofort ein, wenn ein ehrliches Herz den Weg zurückfinden möchte.

3. Die Lösung des Problems

Wenn wir uns die Versuchungsgeschichte unseres Herrn in der Wüste einmal näher betrachten, dann stellen wir fest, dass der Herr Jesus eine gewaltige Waffe benutzte, die er den Versuchungen des Teufels entgegenhielt, nämlich das Wort Gottes.

Jede Versuchung wurde mit dem Wort Gotte gekontert bis der Teufel schließlich seine Arbeit aufgegeben hatte. Und hier könnte bei uns eine Gefahr lauern, gerade bei den Menschen, die eben erst den Weg zu Jesus gefunden haben.

Wer den Weg zum Glauben noch nicht gefunden hat, der ist für den Teufel relativ uninteressant, den hat er ja sowieso schon. Aber mit der Bekehrung sieht die Welt ganz anders aus. Dann ist ein Mensch von den dunklen Mächten Satans in das helle Licht Gottes versetzt worden. Dem Teufel droht also der empfindliche Verlust einer Seele. Kein Wunder, dass er jetzt besonders aktiv werden muss, um diese womöglich verlorene Seele wieder zurück zu gewinnen.

Der einzelne, noch relativ bibelunerfahrene „Neuchrist“ ist also diesen Angriffen Satans relativ wehrlos ausgesetzt. Gerade in dieser Zeit spielt die Gemeinschaft eine große Rolle. Nehmen wir ein praktische Beispiel aus dem Tierreich. Wenn ein Wolf seine Beute jagt, dann sprengt er das einzelne Tier zuerst einmal von der Herde weg. Kein Wolf wäre so dämlich und würde einfach so in eine Herde Schafe hineinspazieren. Er muss das einzelne Schaf von der Herde trennen.

Solange wir als Christen in der Gemeinschaft zusammenhalten und der eine auf den anderen achtgibt, solange hat der Teufel kaum eine Chance, ein Mitglied der Herde in seinen Bann zu ziehen. Erst wenn wir ihm alleine gegenüberstehen, erst dann könnte er uns überlegen werden.

Übrigens: Der Teufel gibt niemals auf, um eine mögliche verlorengegangene Seele zu kämpfen. Er führt diesen Kampf bis zu unserem Tode weiter fort. Also seien wir uns niemals zu sicher und glauben wir bitte nicht, uns könnte der Teufel niemals in seinen Bann ziehen. Neben der Gemeinschaft haben wir ja auch noch die Bibel als Waffe in der Hand.

Martin Luther sagt einmal: „Wenn der Teufel an meines Herzens Türe klopft, dann mache ich das Herz weit auf und er kann sehen, dass der Herr Jesus dar innen wohnt.“ Und dann, liebe Gemeinde bleibt dem Teufel nichts anderes mehr übrig, als wieder zu verschwinden bis zur nächsten Versuchung.

Also lassen Sie unsere Herzen von dem Herrn Jesus füllen. Lesen und hören wir auf sein Wort und lassen wir sein Wort unseres Lebens Leuchte sein. Dann können wir satanischen Angriffen wohl gewappnet gegenübertreten.

Den Kampf mit dem Teufel beschreibt Martin Luther sehr schön in dem 3. Vers seines Liedes „Ein feste Burg ist unser Gott….“ (EG 362), der da lautet, wie folgt:

Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen,
so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen.
Der Fürst dieser Welt, wie sau’r er sich stellt,
tut er uns doch nicht; das macht, er ist gericht:
ein Wörtlein kann ihn fällen.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem Sonntag Rogate. Betet ! so lautet die Übersetzung. Und um das Gebet geht es auch in unserem heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im 1. Timotheusbrief, Kapitel 2, die Verse 1-6a. Lassen
Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit. Dies ist gut und wohlgefällig vor Gott, unserem Heiland, welcher will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn es ist EIN Gott und EIN Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus
Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung.

Liebe Gemeinde,

Beten tun wir alle, beten ist für uns als Christen nichts Neues. Das ist sicherlich grundsätzlich richtig. Und doch verfällt man doch schnell in einen Automatismus, wenn man Dinge täglich immer wieder verrichtet. Und was könnten wir denn einem Fremden sagen, der uns fragt: Beten, was ist
das und beten, wie geht das denn und was für Gebete gibt es denn? Lassen Sie uns über die verschiedenen Formen des Gebetes heute Morgen ein wenig intensiver nachdenken.

1. Anbetung

Nehmen wir doch einmal das uns wohl bekannteste Gebet das Vater Unser.
„Geheiligt werde Dein Name, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe. In der Anbetung erkennen wir Gottes Gegenwart.

Die Anbetung ist kein Hilfeschrei, doch bitte alles Unrecht aus der Welt zu vertilgen. Nein, liebe Gemeinde, die Anbetung setzt Gott zunächst einmal an die Stelle, wo er hingehört, nämlich ganz oben auf der Welthierarchie. Das klingt jetzt ein wenig wie ER da oben und wir kleinen Wichte hier unten. So ist es aber nicht gemeint.

Die Anbetung ist geprägt von Demut. Demut heißt, dass ich mich unter den Willen Gottes stelle und anerkenne, dass ER stets alles richtig macht. Anbetung heißt nichts anderes als dass ich weiß, dass es einen Schöpfer des Himmels und der Erde gibt, der sich jeden Tag auf’s Neue um seine Schöpfung und um seine Geschöpfe zu jeweils derem besten kümmert.

Wenn dies so ist, dann bleibt uns gar nichts anderes mehr übrig, als diesen Gott zu heiligen. Dann freuen wir uns jetzt schon darauf, dass sein Reich täglich ein Stück weit mehr kommen möge. Und dann ist es selbstverständlich für uns, das nicht unser Wille, sondern der Wille dessen geschieht der Himmel und Erde in seinen Händen hält.

2. Fürbitte

In der Fürbitte bringen wir die Welt und die Anliegen für die Welt vor Gott. Auch wenn die Fürbitten in unseren Gottesdiensten recht allgemein gehalten sind, im stillen Kämmerlein oder wo auch immer wir zu beten pflegen, sollen wir ganz konkrete Fürbitten an unseren Herrn richten.

Fürbitte hat einmal jemand sehr schön, wie folgt definiert: „Die Fürbitte ist das direkte Wirken in das Leben eines anderen Menschen hinein über den Thron Gottes hinweg und durch den Thron Gottes hindurch.“

Mit der Fürbitte bewege ich ganz konkret etwas für denjenigen, für den ich bete. Der Filter für meine Gebete ist Gott höchstpersönlich. So kann es auch niemals passieren, dass mein Gebet erhört wird, welches demjenigen für den ich bete, mehr schadet als nutzt. Daher dürfen wir auch ganz unbeschwert Fürbitte halten für alle Menschen, die uns am Herzen liegen, gehen doch alle Gebete zunächst zu Gott.

Viele Dinge nehmen wir ja gern als selbstverständlich oder als Zufall hin. Achten wir doch einmal ganz genau was mit den Menschen passiert, für die wir ganz konkret fürbitten und fürbeten. Ich kann uns heute schon eines versprechen: Wir werden mehr als überrascht sein, wie konkret Gott auf unsere Fürbitten antwortet.

Fürbitten dürfen wir natürlich auch für uns in Anspruch nehmen. Daher sind ja unsere Gemeinschaften auch so wichtig. Unsere Gemeinschaft dürfen wir um Hilfe durch ihre Gebete bitten. Wir sollen nicht nur die Gemeinschaft stärken, nein, sondern die Gemeinschaft ist im Bedarfsfalle
auch aufgerufen, uns zu stärken, wenn wir ihrer Fürbitten und Gebete bedürfen.

3. Loben und Danken

Liebe Gemeinde, es ist nicht selbstverständlich, dass wir in einem friedvollen Land leben, täglich genug zu essen haben und ein Dach über dem Kopf haben. Wir nehmen dies nur all zu gern als selbstverständlich hin. Manchmal meinen wir sogar, wir hätten einen Anspruch darauf.

Ich frage jetzt einmal allen Ernstes: Wer gibt uns einen Anspruch auf Frieden? Wer gibt uns einen Anspruch auf 3 Mahlzeiten am Tag? Wer gibt uns einen Anspruch auf genügend Wohnraum? In der Tat ist es so, dass wir darauf keinerlei Ansprüche haben, es sind alles Geschenke, Geschenke von Gott, unserem Herrn. Und ich finde, dafür darf man ruhig einmal dankbar sein.

Ich will nicht in der „früher war alles besser“ Schiene fahren, aber ich gebe einmal zu bedenken, dass in Zeiten, wo das Tischgebet noch fester Bestandteil der Mahlzeit war, wir wesentlich verantwortungsbewusster mit unseren Lebensmitteln umgegangen sind. Wir haben sie durch das Gebet achten gelehrt und erkennen dürfen, dass es eben Mittel zum Leben sind, die Gott uns schenkt. Und mit dem, was Gott uns schenkt dürfen und müssen wir verantwortungsbewusst umgehen.

Die beste Möglichkeit dies als Gottesgeschenk zu vergessen ist:
Einstellen aller Gebete und zwar sofort. Wohin das führt, das können wir rings um uns her ja sehen. Ein bekannter Evangelist hat einmal folgendes gesagt: Wenn ich einen Tag nicht bete, dann merke ich das, wenn ich zwei Tage nicht bete, dann merkt dies meine Familie und wenn ich drei Tage hintereinander nicht bete, dann merkt es die ganze Gemeinde.

Beten öffnet die Sinneskanäle in uns mit denen wir Gottes Wirken für uns erkennen können. Dankgebete sind dafür hervorragend geeignet. Wenn wir meinen, wir hätten nichts wofür wir unserem Herrn dankbar sein könnten, dann machen wir doch einmal folgende Übung:

Wenn wir uns heute Abend in unser Bett begeben, dann denken wir doch einmal darüber nach, wofür wir heute Gott dankbar sein durften. Lassen wir unsere Gedanken noch einmal durch den vergangenen Tag fliegen. Jedem, der dies praktiziert hat, sind nach ein wenig Übung immer mehr
„Geschenke“ eingefallen, die des Dankes wert waren.

Im Danken erkenne ich, von wem all diese herrlichen Lebensgeschenke stammen. Und dann, liebe Gemeinde, bleibt mir gar nichts anderes mehr übrig, als denjenigen zu loben und zu preisen, der es so gut mit mir meint. Fangen wir am besten gleich damit an.

4. Ein Mittler

Lassen Sie mich kurz noch ein letztes sagen. Wir haben EINEN Mittler zwischen Gott und uns. Und dies ist der auferstandene Herr Jesus Christus. An ihn richten wir alle unsere Gebete. Es gibt keinen weiteren Mittler in Form von Priestern und Geistlichen aller Glaubensrichtungen.
Um nicht missverstanden zu werden. Alle Priester, Pastöre und Pfarrer dürfen natürlich auch für uns beten und das sollen sie auch tun. Aber wir brauchen Sie nicht als vorgeschaltete Instanz, damit unsere Gebete erhört werden.

Für einen jeden von uns ist unser Herr nur einen Gebetsanruf entfernt.
24 Stunden am Tag und 7 Tage in der Woche. Unser ganzes Leben lang. Nutzen wir doch einfach wieder öfter diese direkte Art der Kommunikation. ER wartet schon auf unseren Anruf.

Ein besonders schönes Anbetungslied stammt von dem Liederdichter Bartholomäus Crasselius. Es heißt „Dir, dir, o Höchster, will ich singen…“ (EG 328). Der komplette erste Vers lautet, wie folgt:

Dir, dir, o Höchster, will ich singen,
denn wo ist doch ein solcher Gott wie Du ?
Dir will ich meine Lieder bringen;
ach gib mir deines Geistes Kraft dazu,
dass ich es tu im Namen Jesu Christ,
so wie es durch ihn gefällig ist.

Der Herr lasse Dich niemals müde werde ihn allein anzubeten
Der Herr gebe Dir die Kraft, für Deine Mitmenschen und ihre Anliegen vor ihn zu treten
Der Herr lasse Dich immer wieder erkennen, was Du alles Ihm allein verdankst

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Rogate. Betet !, so lautet die Übersetzung des Namens für den heutigen Sonntag. Und um ein besonderes Gebet geht es auch in unserem heutigen Predigttext.

Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im 2. Buch Mose, Kapitel 32, die Verse 7-14. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Moses Fürbitte

Der Herr sprach aber zu Mose: Geh, steig hinab; denn dein Volk, das du aus Ägyptenland geführt hast, hat schändlich gehandelt. Sie sind schnell von dem Wege gewichen, den ich ihnen geboten habe. Sie haben sich ein gegossenes Kalb gemacht und haben’s angebetet und ihm geopfert und
gesagt: Das ist dein Gott, Israel, der dich aus Ägyptenland geführt hat.
Und der Herr sprach zu Mose: Ich sehe, dass es ein halsstarriges Volk ist. Und nun lass mich, dass mein Zorn über sie entbrenne und sie vertilge; dafür will ich dich zum großen Volk machen. Mose aber flehte vor dem Herrn, seinem Gott und sprach: Ach Herr, warum will dein Zorn entbrennen über dein Volk, das du mit großer Kraft und starker Hand aus Ägyptenland geführt hast ? Warum sollen die Ägypter sagen: Er hat sie zu ihrem Unglück herausgeführt, dass er sie umbrächte im Gebirge und vertilgte sie vom Erdboden ? Kehre dich ab von deinem grimmigen Zorn und lass dich des Unheils gereuen, das du über dein Volk bringen willst.
Gedenke an deine Knechte Abraham, Isaak und Israel, denen du bei dir selbst geschworen und verheißen hast: Ich will eure Nachkommen mehren wie die Sterne am Himmel, und dies ganze Land, das ich verheißen habe, will ich euren Nachkommen geben, und sie sollen es besitzen für ewig. Da gereute den Herrn das Unheil, das er seinem Volk zugedacht hatte.

Liebe Gemeinde,

„Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“
So lautet, der Wochenspruch für die neue Woche. Und genau dies durfte Mose, wie wir soeben erfahren haben, direkt erleben.

Aber was ist das eigentlich, das Gebet ? Was zeichnet das Gebet des Mose aus ? Und wie wirken Gebete generell ? Gerade der Sonntag Rogate fordert uns dazu heraus, uns diesen Themen intensiver anzunehmen.

1. Was ist ein Gebet ?

Was sagen wir eigentlich, wenn wir danach gefragt werden ? Beten tun wir doch alle, und dann diese Frage ! Vor vielen Jahren wurde mir diese Frage unvermittelt gestellt und ich wusste ad hoc keine passende Antwort. Obwohl die Antwort doch so offensichtlich ist.

Gut, also Beten ist nichts anderes als ein Gespräch mit Gott.

Jetzt stellen wir uns Gott einfach mal als unseren besten Freund vor. Kämen Sie auf den Gedanken, ihrem besten Freund jeden Tag 2-3 Mal vorgefertigte Monologe vorzutragen ? Ich glaube, keiner würde dies machen. Und wenn doch, dann würde sich jeder vernünftige Freund sehr schnell von uns abwenden, was auch nur all zu verständlich wäre. Und von Gott erwarten wir komischerweise, dass Er derartige Gebete so richtig toll findet.

Wenn wir uns mit unserem besten Freund unterhalten, dann erzählen wir ihm doch ganz frei heraus, was wir z.B. heute erlebt haben, was uns Sorgen bereitet und was uns besonders erfreut hat. Wir achten dabei ganz bestimmt nicht auf stilistisch richtige Wortwahl, sondern wir erzählen das, was uns auf dem Herzen liegt mit unseren eigenen Worten.

Und genau dies sollten wir auch im Gebet tun. Wir dürfen Gott alles erzählen, was uns auf dem Herzen liegt in unser ureigenen Sprache. Wir dürfen ihm erzählen, wovor wir Angst haben, was wir heute tolles erlebt haben und was uns heute sonst noch so alles passiert ist.

Lassen Sie uns noch einen Schritt weiter gehen. Wir haben unserem besten Freunde nun alles erzählt, was uns auf dem Herzen liegt. Dann drehen wir uns um und gehen weg. Glauben Sie, dass diese Beziehung lange anhalten wird ? Ich glaube kaum.

Zu einem Gespräch mit Gott gehört auch das Zuhören. Gott ist weder ein Gebetserfüllungsautomat, noch eine Beschwerdestelle, die irgendwann meine Anliegen bearbeitet. Gott hört mir zu, aber Er möchte auch, dass ich IHM zuhöre. Ich gebe zu, dies vergessen wir häufig, weil dazu ein
gerüttelt Maß an Disziplin gehört.

Wenn ich meinen Teil gesagt habe, dann lehne ich mich zurück und warte in aller stille Gottes Antwort ab. Ich kann Ihnen garantieren, dass Gott kein Gebet unerhört verhallen lässt. Es kann wohl sein, dass Er nicht wunschgemäß antwortet und wir dies auch nicht hören wollen, aber Gott
antwortet auf jedes Gebet.

Wenn wir lange Zeit nicht mehr so gebetet haben kann es durchaus sein, dass wir unsere inneren „Antennen“ erst wieder ausrichten müssen. Mit etwas Übung und Gottes Hilfe wird uns dies aber sicherlich gelingen.

2. Das Gebet des Mose

Liebe Gemeinde, so müsste man beten können, so wie Mose zum Herrn spricht. Oder denken wir an die Psalmbeter. Lesen Sie doch einfach mal wieder die Psalmen, diese herrlichen Gebete zum Herrn.

Was zeichnet das Gebet des Mose denn nun so besonders aus ?

a. Mose nimmt Gott als Gesprächspartner ernst. Mose betet nicht zu einem imaginären Gott hoch droben im Himmel, da wo die Englein wohnen. Diesen Gott könnte Mose auch mit dem lautesten Schreien gar nicht erreichen. Mose betet zu dem real existierenden Gott.

Mose kennt die Stärke und Allmacht dieses Gottes.
Deswegen wendet er sich auch in Bitten und Flehen an ihn.

b. Mose verhandelt mit Gott. Mose senkt nicht einfach sein Haupt und sagt zu allem, was Gott ihm sagt das berühmte und immer wieder gern zitierte „Ja und Amen“. Nein, Mose tritt in Verhandlungen mit Gott ein.

Wenn es diesen real existierenden Gott gibt, dann muss Er doch auch in der Lage sein, sich überzeugen zu lassen, das eine zu tun oder das andere zu lassen, wenn wir Ihn inständig im Gebet bitten.

c. Gott nimmt Mose ernst. Und das ist der dritte Aspekt dieses Gebetes.
Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Jetzt mal ganz ehrlich, wenn ich durch Gebet nichts ausrichten und verändern kann, warum soll ich denn dann überhaupt beten ?

Wenn wir Gott in Seiner Allmacht ernst nehmen, wenn wir IHM mit unseren
Anliegen förmlich in den Ohren liegen, dann wird eines niemals passieren,
nämlich dass Gott uns nicht ernst nimmt.

3. Die Wirkungen des Gebetes

Die schönste Wirkung des Gebetes ist natürlich dessen unmittelbare Erhörung und die direkte Antwort, wie gewünscht. Das kann, wird aber in aller Regel so nicht passieren.

Aber es gibt eine Vielzahl von Gebetswirkungen, die ich noch kurz anreißen möchte.

Das Gebet stärkt unser Gottvertrauen. Das Gebet macht uns ruhiger und gelassener, da wir eine Stelle gefunden haben, wo wir alles, was uns bedrückt und Sorgen bereitet abladen können.

Das Gebet gibt uns Kraft. Gerade wenn schwere Zeiten auf uns zukommen oder wir gerade Tiefen des Lebens durchschreiten, dann hilft uns das Gebet durch diese Zeiten hindurch.

Das Gebet führt uns wieder zur Besinnung.
Gerade in der heutigen doch recht hektischen Zeit verlieren wir sehr schnell den berühmten Draht
nach oben. Lassen wir es doch gar nicht soweit kommen. Und wenn es doch soweit gekommen ist, dann nehmen wir doch wieder den Hörer zur Hand. Gott wartet schon auf der anderen Seite.

Das Gebet bewahrt uns davor, falsche Wege zu gehen. Wir alle müssen immer wieder wichtige Entscheidungen treffen. Welche Ausbildung mache ich ? Welchen Partner soll ich heiraten ? Soll ich das Haus kaufen ? In allen Fällen ist es immer klug, Gottes Rat einzuholen.

Machen wir es doch wie Mose, liebe Gemeinde, vertrauen wir doch wieder mehr unserem Gott und vor allem trauen wir IHM doch wieder mehr zu. ER wird uns bestimmt nicht enttäuschen.

Gottes Allmacht in unserem Alltag beschreibt der Liederdichter Jochen
Klepper sehr schön in dem Lied “ Er weckt mich alle Morgen…“ (EG 452),
dessen 1. Vers lautet, wie folgt:

Er weckt mich alle Morgen, er weckt mir selbst das Ohr.
Gott hält sich nicht verborgen, führt mir den Tag empor,
dass ich mit seinem Worte begrüß das neue Licht.
Schon an der Dämmrung Pforte ist er mir nah und spricht.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse SEIN Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr erhebe SEIN Angesicht und gebe Dir SEINEN Frieden , Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen erholsamen Sonntag und einen guten
Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem Sonntag Rogate.
Unseren heutigen Predigttext werden Sie sicherlich alle bestens kennen, es ist nämlich DAS Gebet, das uns Christen weltweit vereint. Wir werden das Vater Unser niemals alleine beten, immer, wenn wir es beten betet rein statistisch gesehen ein Mensch auf dieser Welt dieses Gebet genau zeitgleich mit uns.
Wir finden den Predigttext bei Matthäus im 6. Kapitel, die Verse 7-13:

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet. Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel ! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Liebe Gemeinde,

geht es Ihnen auch so: Wir kennen alle das Vater Unser und wir sprechen es immer wieder gemeinsam, aber haben wir uns eigentlich schon einmal ein paar tiefergehende Gedanken darüber gemacht, was wir da eigentlich beten ? Ich muss zu meiner Schande eingestehen, dass auch ich dies lange Zeit gar nicht gemacht habe. Ich habe Kommentare über Kommentare zu allen möglichen Bibelstellen gewälzt, aber zu dem Vater Unser habe ich lange, lange Zeit gar nichts gelesen. Es gehörte einfach so dazu, dieses christliche Hochgebet.

Grund genug also, dass wir uns am heutigen Sonntag gemeinsam ein paar Gedanken zu diesem Gebet machen. Wenn wir uns das Vater Unser betrachten, dann stellen wir fest, dass dieses Gebet in drei große Gebetsbereiche aufgeteilt ist.

1. Die drei Edelsteine

So werden sie auch genannt, die ersten drei Bitten des Vater Unser. In den ersten drei Bitten geht es nämlich nicht um das, was wir gerne wollen, sondern um das, was Gott will. Bei den meisten Gebeten, die wir sprechen, geht es ja doch immer wieder auch um unsere eigenen Anliegen.
Dafür dürfen wir auch bitten und beten. An wen sollten wir uns auch sonst mit all unseren Nöten, Sorgen und Problemen wenden ?

Wir dürfen aber bei aller Ich-Zentriertheit nicht vergessen, dass es immer in erster Linie um unseren Vater im Himmel geht. Er allein weiß letztendlich, was gut für uns ist. Daher dürfen wir auch inbrünstig beten „Dein Wille geschehe“

Bei den ersten drei Bitten des Vater Unser stellen wir uns also zurecht in den Hintergrund und unseren Herrn in den Vordergrund. Dadurch vermeiden wir auch zugleich jedmögliche Form der Frömmelei und des frommen Egoismus. Diese Gefahr lauert nämlich latent in einem jeden von uns.

Aber gehen wir doch noch einen Schritt zurück. Bleiben wir ganz kurz bei der Anrede. „Vater Unser“ so nennen wir unseren Herrn gleich zu Beginn des Gebetes. Für alle diejenigen, die ihr Leben Gott übergeben haben, für all diejenigen ist ER es auch tatsächlich, unser Vater im Himmel. Und wie ein irdischer Vater ständig um das Wohl seiner Kinder bemüht ist, so dürfen wir auch mit Fug und Recht darauf vertrauen, dass unser Vater im Himmel mindestens so besorgt um uns und unser Wohlergehen ist, wie unsere irdischen Väter es waren bzw. sind.

2. Leibliche Bitte

Den drei Edelsteinen schließt sich eine leibliche Bitte an, über die wir ein wenig intensiver nachdenken sollten. „Unser tägliches Brot gib uns heute“.

Um satt zu werden benötigen wir Brot. Aber wir benötigen nicht unbedingt Wurst, Steaks und andere Leckereien, um nur einige wenige hervorzuheben. Wir bitten unseren Herrn genau darum , dass Er uns das gibt, was wir wirklich zum Leben und zum Überleben benötigen.

Schenkt Er uns mehr in Form von einem reinen Luxus, dann dürfen wir dafür mehr als dankbar sein und diesen Luxus auch genießen. Schenkt Er uns weniger, dann dürfen wir darauf vertrauen, dass wir immer soviel zum Leben haben werden, wie wir auch wirklich benötigen. Und das, was uns
fehlt, das brauchen wir auch nicht wirklich.

Denken wir doch bei unseren nächsten Anschaffungen darüber nach, ob wir das alles wirklich benötigen, also, ob wir wirklich ohne diese Neuanschaffung Not leiden. Ich denke wir werden alle sehr überrascht sein.

Der zweite Aspekt dieser Bitte bezieht sich auf das Wort „Heute“. Oftmals plagen uns Sorgen um unsere Zukunft. Werden wir im Alter noch genügend Rente haben? Können wir unsere Wohnung noch bezahlen? Können wir uns den Aufenthalt in einem Pflegeheim erlauben ? Alle diese Fragen
können einen manchmal zur Verzweiflung führen.

Und dann ist es sehr wichtig, dass wir die Betonung dieser leiblichen Bitte des Vater Unser auf das Wort HEUTE legen. Heute ist der Tag an dem wir leben. Heute morgen sitzen wir alle zusammen. Heute wollen wir Gott loben und ehren. Morgen können wir schon längst im Himmel sein.

Natürlich sollen wir nicht einfach so in jeden Tag hineinleben.
Natürlich dürfen wir uns auch eine Rücklage für unser Alter bilden. Aber diese Sorgen sollen nicht all zu sehr unseren Alltag bestimmen. Wir dürfen darauf vertrauen, dass unser Herr uns heute genug zum Leben geben wird. Und der morgige Tag ? Nun, wenn er angebrochen ist, dann ist schon
wieder „Heute“.

3. Geistige Bitten

Diese schließen sich der leiblichen Bitte an. Lassen Sie uns zwei Bitten zum Abschluss ein wenig näher unter die Lupe nehmen. „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Das klingt schon ein wenig seltsam, wenn wir dies beten. Der Umkehrschluss bedeutet nämlich nichts anderes, als: Wenn DU uns unsere Schulden nicht vergibst, dann vergeben wir sie auch nicht denjenigen Menschen, die an uns schuldig geworden sind. Dies ist sicherlich mit dieser Doppelbitte nicht gemeint.

Wenn wir den Urtext der Bibel zu Rate ziehen, dann finden wir dort die Zeitform des Perfekts. Also müssten wir, so wir ganz korrekt sein wollen, das Wort „HABEN“ noch in diese Bitte integrieren, die dann ein wenig anders lautet: „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben HABEN unseren Schuldigern.“

Nur wenn wir selber in der Lage sind, den Menschen zu vergeben, die an uns schuldig geworden sind, nur dann, liebe Gemeinde, dürfen wir den Gnadenerweis unseres Herrn auch für uns in Anspruch nehmen. Wie uns unser Herr immer und immer wieder vergibt, so sollen auch wir unseren Mitmenschen ihre Verfehlungen immer und immer wieder vergeben.
Eben die immer wieder 7×77 Mal, die wir aus der Bibel her kennen.

Ich hoffe, dass jetzt keiner sagt: „Kein Problem, das mache ich ein Leben lang schon so.“
Vor dem neige ich mein Haupt. Ich, liebe Gemeinde, habe nämlich immer wieder Schwierigkeiten mit dieser Doppelbitte. Natürlich nicht damit, dass meine Schuld vergeben wird. Mir gelingt es ehrlichen Herzens nämlich nicht immer so leicht, allen Menschen zu vergeben, die mir Leid in welcher Form auch immer angetan haben.

Aber, und jetzt kommt das schönste Aber , das ich kenne: Ich bin Gottes geliebtes Kind. Mit allem was mich bedrückt und mit allem wo ich meine Schwierigkeiten habe, mit all dem darf ich zu IHM kommen und IHN um Seine Hilfe bitten.

Liebe Gemeinde, ich hab es immer wieder ausprobiert und ich kann ihnen nur sagen: Es klappt. Wenn ich allein nicht vergeben kann, dann bitte ich meinen Herrn um Seine Hilfe. Ich habe es noch niemals erlebt, dass Er diese Bitte überhört hat. Vielleicht hat Er sie nicht immer innerhalb weniger Sekunden beantwortet, aber es hat nie lange gedauert und ich konnte von ganzem Herzen vergeben.

Wenn wir uns der täglichen Führung und Leitung durch unseren Herrn voll und ganz hingeben, dann können wir alle in den 9. Vers des Liedes „Großer Gott, wir loben dich…“ einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Sieh dein Volk in Gnaden an.
Hilf uns, segne, Herr, den Erbe;
leit es auf der rechten Bahn,
dass der Feind es nicht verderbe.
Führe es durch diese Zeit,
nimm es auf in Ewigkeit.

Der Herr gebe Dir Erkenntnis, SEINEN Willen zu erkennen
Der Herr gebe Dir allezeit alles, was Du zum Leben benötigst
Der Herr schenke Dir immer wieder die Kraft der Vergebung

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen einen schönen Start in die neue Woche. Lassen Sie uns doch jeden morgen nach dem Weckruf unserer Wecker mit diesem christlichen Gebet beginnen.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Rogate mit dem Wochenspruch für diese Woche „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet.“ (Psalm 66,20). Übersetzt heiß der heutige Sonntag „Betet“. Und um das Gebet geht es auch in unserem
heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im Kolosserbrief, Kapitel 4, die Verse 2-4. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung ! Betet zugleich auch für uns, dass Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir das Geheimnis Christi sagen können, um dessentwillen ich auch in Fesseln bin, damit ich es offenbar mache, wie ich es sagen muss.

Liebe Gemeinde,

die meisten unserer Gebete drehen sich ja um uns selber. Das ist auch gut und richtig so. Wir dürfen selbstverständlich mit allem, was uns bedrückt zu unserem Herrn kommen. Aber wenn wir einmal ehrlich sind, dann kommen Danksagung, Lobpreis und Fürbittengebete doch meist zu kurz.
Und doch kommt diesen Gebeten eine gewaltige Bedeutung zu und es geht eine gewaltige Macht von diesen Gebeten aus. Lassen Sie uns daher am heutigen Sonntag diese drei Gebetsvarianten ein wenig näher betrachten.

1. Das Dankgebet

Danken wir eigentlich noch für das, was uns Gott beschert ? Beten wir noch regelmäßig vor dem Essen ? Dass wir etwas auf dem Teller haben, auch das haben wir unserem Schöpfer zu verdanken und keineswegs uns selbst. Wenn wir danken, dann ändert sich auch unsere Blickrichtung. In der Publikation „Leben ist mehr“ fand ich im letzten Jahr folgende „Gedanken zum Danken“, aus welchen ich einige herausgreifen möchte:

Ich bin dankbar für Steuern, die ich bezahle, weil es bedeutet: Ich habe Arbeit und ein Einkommen.
Ich bin dankbar für die Hose, die ein wenig zu eng sitzt, weil das bedeutet: Ich habe genug zu Essen

Ich bin dankbar für die laut geäußerten Beschwerden über die Regierung, weil das bedeutet:
Wir leben in einem freien Land und haben das Recht auf Meinungsäußerung

Ich bin dankbar für die Frau, die in der Gemeinde hinter mir sitzt und falsch singt, weil das bedeutet: Ich kann gut hören

Schon diese wenigen Gedanken zeigen uns, dass etwas Negatives durchaus etwas Positives sein kann, wenn wir ein wenig näher darüber nachdenken. Zudem zeigen uns diese Gedanken, dass wir alle viel zu wenig danken. So, liebe Gemeinde erging es mir auch. Ein guter Freund gab mir den
Ratschlag, jeden Abend vor dem einschlafen dem Herrn für drei Situationen zu danken, die ich an diesem Tage erlebt habe.

Erst war das etwas zögerlich. Aber bereits nach drei bis vier Tagen fielen mir immer mehr Gegebenheiten des Tages ein, wofür ich dem Herrn dankbar sein durfte. Ich habe selber gemerkt, dass ich ziemlich abgestumpft war, was das Danken anbelangte und dass ich vieles für
selbstverständlich hielt, was es aber auf gar keinen Fall ist. Es ist eben nicht selbstverständlich,dass ich einen Beruf ausüben darf, der mir auch noch Freude bereitet. Es ist nicht selbstverständlich, dass ich mit meiner Frau seit über 26 Jahren glücklich verheiratet bin. Und es ist auch nicht selbstverständlich, dass mein Sohn seinen Lebensweg gefunden hat.

Daher möchte ich Ihnen allen diese Übung an’s Herz legen. Wenn es anfangs etwas holprig läuft, dann denken Sie daran, auch danken muss man lernen.

2. Der Lobpreis

Ein altes Sprichwort sagt: Danken schützt vor Wanken und loben weist nach oben. Über das Danken haben wir uns ja gerade eben unterhalten. Lassen Sie uns ein wenig über den Lobpreis nachdenken.

Loben heißt in erster Linie, dass ich zugestehe, dass nicht ich es bin, der etwas in der Welt bewirkt, sondern, dass Gott es ist, der die Fäden der Weltgeschichte so wunderbar in Händen hält. Ja, liebe Gemeinde, nicht nur die Fäden der Weltgeschichte, sondern auch die Fäden meines eigenen Lebens. Wenn ich IHN lobe, dann danke ich Ihm für alles, was Er in meinem Leben bewirkt hat.

Wir glauben ja immer wieder, wir hätten die Fäden unseres Lebens selber in der Hand. Das ist einer der größten Irrtümer der Weltgeschichte. OK, wir haben etwas erreicht in unserem Leben, wir durften eine Berufsausbildung absolvieren und wir sind vielleicht glücklich verheiratet. Auf all das, liebe Gemeinde haben wir aber keinen Anspruch. Wir dürfen unseren Schöpfer loben, dass Er es so gut gemeint hat und immer noch meint mit unserem Leben.

Und wenn wir dies tun, dann werden wir auch mit den vermeintlich großen Schicksalsschlägen in unserem Leben besser fertig. Loben weist nach oben bedeutet eben auch, dass das hier unten auf der Erde nicht alles ist und dass wir uns auf eine ewige Gemeinschaft mit unserem Herrn schon hier auf Erden freuen dürfen.

3. Die Fürbitte

Was ist das eigentlich, die Fürbitte ? Und warum sollten wir Fürbitte halten ? Lassen Sie uns noch kurz über diese beiden Fragen nachdenken. Ich habe einmal folgende Definition der Fürbitte gelesen: „Fürbitte heißt, wir haben das heilige Vorrecht vor Gott, dass wir zu jeder Zeit und an jedem Ort für andere eintreten dürfen.“

Fürbitte ist also ein heiliges Vorrecht, dass wir als Christen haben und keine lästige Pflicht, wie wir so oft meinen. Unsere Fürbitten gelangen direkt über den anderen Menschen hinweg vor den Thron Gottes.

Warum sollten wir Fürbitte halten ? Lassen Sie mich noch ein paar Beispiele nennen. Für Menschen, die noch nicht zum Glauben gefunden haben dürfen wir Fürbitte halten, dass Gott ihnen das Herz für die frohe Botschaft auftut. So lesen wir es auch schon in unserem heutigen Predigttext. Für die Zweifelnden und Menschen in Anfechtung dürfen wir bitten, dass Gott sie durch diese Zeit hindurchführt. Kurzum, für Menschen, die vielleicht im Moment (noch) nicht in der Lage sind mit
ihren Gebeten vor Gott zu treten, dürfen wir stellvertretend Fürbitte halten.

Aber auch für die Großen und Mächtigen dieser Welt haben wir das heilige Vorrecht der Fürbitte. Beten wir doch wieder einmal dafür, dass Gott den Großen und mächtigen Herrschern dieser Welt zeigt, dass Krieg nach Seinem Willen nicht sein darf. Beten wir für die Menschen in Syrien, dass sie wohlbehütet bleiben mögen und nicht einem kriminellen Despoten zum Opfer fallen.

Ich glaube ganz fest daran, liebe Gemeinde, dass wir mit dem Fürbittengebet mehr erreichen können als wir es uns in den kühnsten Träumen vorstellen können. Nutzen wir also dieses heilige Vorrecht.

Mit Dank-, Lobpreis- und Fürbittengebet ehren wir immer wieder unseren Schöpfer und machen UNS bewusst, dass wir nur in der Gegenwart des lebendigen Herrn ein gesegnetes Leben führen können.

Gott an die erste Stelle in seinem Leben hat auch schon der Liederdichter Ignaz Franz gesetzt. Dies beschreibt er sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes „Großer Gott, wir loben dich…“, der da
lautet, wie folgt:

Großer Gott, wir loben dich;
Herr, wir preisen deine Stärke.
Vor dir neigt die Erde sich
und bewundert deine Werke.
wie du warst vor aller Zeit,
so bleibst du in Ewigkeit.

Der Herr segne Dich und behüte Dich;
der Herr lasse SEIN Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig;
der Herr hebe SEIN Angesicht über Dich und gebe Dir Frieden.

Amen

Liebe Gemeinde,

mit dem Aaronitischen Segen möchte ich uns alle unter den Segen des Herrn stellen und uns eine fröhliche neue Woche wünschen.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Rogate.

„Betet“, so lautet die direkte Übersetzung der lateinischen Bezeichnung dieses Sonntages. Gewiss, um das Gebet geht es auch in unserem heutigen Predigttext. Es geht aber noch um viel mehr. Unser heutiger Predigttext will uns den einfachen und richtigen Weg zum Glauben und zu einem dauerhaften Leben mit unserem Herrn aufzeigen. Lassen Sie uns daher zunächst diesen Text gemeinsam lesen. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei dem Evangelisten Lukas im 11. Kapitel, die Verse 5-13:

Der bittende Freund.

Und er sprach zu ihnen: Wenn jemand unter euch einen Freund hat und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote; denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann, und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe ! Die Tür ist schon zugeschlossen, und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben. Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, dann wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, soviel er bedarf. Und ich sage euch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. Wo ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn, wenn er ihn um einen Fisch bittet, eine Schlange für den Fisch biete ? Oder der ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion dafür biete ? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wieviel mehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist denen geben, die ihn bitten !

Liebe Gemeinde,

stellen Sie sich einmal vor, Sie kommen spät abends nach Hause und wollen Ihre Wohnungstür aufschließen. In diesem Moment stellen Sie fest, dass Sie Ihren Schlüssel vergessen haben. Was machen Sie nun ? Ich gehe davon aus, dass Sie sich zunächst 1. die Telefonnummer eines
Schlüsseldienstes heraussuchen, dass Sie 2. diesen Schlüsseldienst anrufen und dass Sie 3. diesen Schlüsseldienst bitten, Ihre Wohnungstür zu öffnen.

Nicht anders verhält es sich bei dem Weg eines Christen hin zu Gott. Dieser vollzieht sich, wie unser Predigttext zeigt, ebenfalls in diesen drei Schritten (suchen, anrufen, bitten) allerdings mit dem wesentlichen Unterschied, dass Gottes Gaben für einen jeden für uns gratis sind, der
Schlüsseldienst hingegen im wahrsten Sinne des Wortes oftmals ein „Heidengeld“ kostet.
Welches sind nun die drei Schritte zu Gott und mit Gott ? Lassen Sie uns diese Schritte heute morgen ein wenig näher betrachten:

1. Suchet, so werdet ihr finden

Wir müssen uns schon auf die Suche machen, um Gott zu finden. Aber, wie der große Kirchenvater Augustinus es einmal ausgedrückt hat: „Gott hat die Sehnsucht nach ihm in eines jeden Menschen Herz hineingelegt. Unser Herz findet erst dann Ruhe und Frieden, wenn es Gott gefunden hat.“

Das hört sich zunächst einmal recht einfach an, gestaltet sich aber in der Durchsetzung oftmals recht schwierig. Wir haben nämlich allgegenwärtig einen mächtigen Widersacher um uns herum, der immer wieder versucht, unser Herz von Gott abzulenken. Und dabei ist er recht einfallsreich. Da scheint uns z.B. die Karriere wichtiger als Gott zu sein. Um Gott kann ich mich immer noch kümmern. Da ist die Familie wichtiger als Gott. Die Sache mit Gott hat ja noch so viel Zeit. Und da
sind doch Fernsehen, Fußball und Ferien. Die drei großen „F’s“. Da muss die Sache mit Gott halt eben warten.

So, liebe Gemeinde geht es ziemlich vielen Menschen. Sie erliegen immer wieder dem Teufel mit seinen Versprechungen und Verlockungen. Und daher kommen sie gar nicht dazu, sich auf die Suche nach Gott zu machen. Bis es, ja bis es auf einmal zu spät dazu ist. Und dann hat sich die Sache mit Gott bis in alle Ewigkeit hinein erledigt.

Lassen wir es also gar nicht erst dazu kommen. Suchen wir den Herrn, solange wir noch die Möglichkeit dazu haben. Finden können wir unseren Herrn überall, vor allem aber in Seinem Wort. Wenn wir Sein Wort intensiv studieren, dann wird Er uns auch so leiten, dass wir Ihn finden
können.

2. Und wer da anklopft, dem wird aufgetan

Es macht eigentlich keinen Sinn, den Herrn zu suchen, Ihn zu finden und dann die ganze Sache auf sich beruhen zu lassen. Wir müssen auch noch den entscheidenden Schritt tun, nämlich dem Herrn, den wir gefunden haben, unser gesamtes Leben übergeben.

Wenn wir alle unsere Sünden bereuen und uns von allem trennen, was uns belastet, dann ist der Weg frei zu IHM hin. Wenn wir so anklopfen, dann stehen uns Tür und Tor zum Himmel sperrangelweit offen.

Dieses Klopfen wird uns auch verändern. Wir sind nicht mehr die gleichen Menschen, die wir vorher waren, wenn wir unserem Herrn unser Leben übergeben haben. Es findet in nahezu allen Fällen ein Wertewandel statt. Alles, was dem Herrn dient, wird uns immer wichtiger und alles, was dem Herrn missfällt, das lassen wir nach und nach bleiben. Dieser Wertewandel bleibt natürlich auch unserer Umwelt nicht verborgen.

Es kann schon sein, dass uns Familie, Freundeskreis und Arbeitskollegen das Leben nicht gerade einfach machen, wenn sie von unserer Beziehung zu Gott erfahren. Aber wir dürfen gewiss sein, dass, wenn wir angeklopft haben und unser Herr uns hinein gelassen hat, Er uns auch behütet und
beschützt. Er bewahrt uns davor, dass wir uns das Verhalten unseres Umfeldes zu sehr zu Herzen nehmen. Er beschützt uns, wenn wir von außen angefeindet werden. Und Er behütet uns, wenn uns die ganze Sache mit Ihm über den Kopf zu wachsen droht.

Über eine Sache müssen wir an dieser Stelle noch kurz zusammen reden:
Die Anfechtungen des Teufels sind nicht in dem Moment vorbei, wo wir unser Leben dem Herrn Jesus übergeben. Nein, sie gehen dann erst richtig los. Bis zu unserem Lebensende wird der Teufel immer wieder versuchen, uns von unserem Herrn los zu lösen. Das lesen wir schon in der Bibel.
Nachdem Jesus den drei Versuchungen widerstanden hatte, wich er (der Teufel) eine Zeitlang von ihm.

Also, liebe Gemeinde, Vorsicht walten lassen, wenn wir uns für unverführbar halten. Meist ist dann schon der Grundstein für die nächste Versuchung gelegt.

3. Bittet, so wird euch gegeben

Ein Leben mit Gott endet ja nicht damit, dass wir Ihn suchen, Ihn finden, anklopfen und von Ihm als Seine Kinder angenommen werden. Wenn wir danach die Sache mit Gott als erledigt betrachten und Ihn sinnbildlich in die Ecke stellen, dann ist unsere Suche wohl eher umsonst gewesen.

Wenn wir hineingegangen sind in ein Leben mit Gott, dann möchte unser Herr dieses neue Leben mit uns zusammen so lange führen, wie wir nun mal auf dieser Erde leben. Egal, was auch geschieht und was uns auch alles widerfahren mag, unser Herr möchte immer ganz dicht bei uns sein. Eine Handbreit neben uns, ja, liebe Gemeinde, da lebt unser Herr mit uns.

Das Schönste an einem Leben mit diesem Herrn ist es, dass Er uns alles geben möchte, was gut für uns ist. Wir dürfen Ihn um alles bitten. Wir dürfen aber auch ganz gewiss sein, dass Er nur die Bitten erfüllen wird, die uns nützlich sind. Sollte ein angeblicher Herzenswunsch nicht erfüllt werden, dann war diese Erfüllung bestimmt nicht nützlich für uns oder für unsere Mitmenschen. Wir dürfen unseren Herrn um alles bitten aber gleichzeitig sicher sein, dass Er keine Bitten erfüllen wird, die uns Schaden könnten.

Dieses Leben mit Jesus als unserem Herrn und Herrscher beschreibt Paulus sehr schön, wenn er sagt: Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir (Galater 2,20).
Was kann es Schöneres geben, als dass der Herr Jesus unseren Leib und unseren Geist benutzt, um damit Sein Reich aufzubauen.

Wenn auch immer Galater 2, Vers 20 auf die Tagesordnung kommt, dann werden wir gern als fromme Spinner bezeichnet, die ein fremdbestimmtes Leben führen. Ich kann dazu nur eines sagen: Von DEM Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat und weiß, wie alles funktioniert und was noch alles auf uns zukommt, von diesem Herrn lasse ich mich gern „fremdbestimmen“ und mein ganzes Leben lang führen.

Den Weg mit Gott in Zeit und Ewigkeit beschreibt der Liederdichter Klaus Peter Hertzsch sehr schön in dem dritten Vers seines Liedes „Vertraut den neuen Wegen…“, der da lautet wie folgt:

Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt !
Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land.
Wer aufbricht, der kann hoffen, in Zeit und Ewigkeit.
Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit.

Der Herr segne Dich bei Deiner Suche nach IHM und SEINER Herrlichkeit
Der Herr gebe Dir den Mut, SEIN Gnadenangebot anzunehmen
Der Herr verleihe Dir die Kraft mit Deinen Fähigkeiten SEIN Reich aufzubauen

Amen

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr
Ulrich Naber

Liebe Lesergemeinde!
Ich grüße Sie herzlich am 5. Sonntag nach Ostern, am Sonntag Rogate.
Rogate heißt: Betet !
Dazu ruft uns auch unser Predigtwort im 1.Timotheusbrief
im 2. Kapitel, in den Versen 1 – 6a:²

„So ermahne ich nun, daß man vor allen Dingen zuerst tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, auf daß wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottesfurcht und Ehrbarkeit. Solches ist gut und angenehm vor Gott, unserm Heiland, welcher will, daß allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, der sich selbst gegeben hat für alle zur Erlösung.“

Der Herr segne an uns SEIN Wort!

Liebe Gemeinde!
In den letzten Tagen war häufig Gewitter. Lange bevor meine Augen es sahen, spürte ich es schon in meinem Körper. Dabei sah ich nebenbei, bevor sich der Himmel im Dunkel hüllte, einen Blütenteppich in sanftem Blau. Es war, als hätte Gott mir ein Stück geöffneten Himmel vor die Füße gelegt. Wollte ER mir durch jede einzelne Blume sagen: – Vergiss MEIN nicht? – Und hatte ich das denn nötig ?

Die Blumen und die Botschaft gingen überall mit, wohin ich auch kam.

In einem überfüllten Wartezimmer eines Arztes klagten Menschen ihre Not und Angst. Wussten sie nicht um Gottes Gegenwart und SEINE Einladung? Auch für sie gilt die Botschaft Gottes: – Vergiss MEIN nicht! – ICH bin für euch da, in aller eurer Not und Angst!

Ich begegnete Menschen, die miteinander fröhlich waren. Hatten sie ein Ohr für Gottes Botschaft: – Vergiss MEIN nicht! – Aus MEINER Hand habt ihr empfangen, dass ihr glücklich sein könnt. Ist das nicht einen dankbaren Druck eurer Hand wert?

Im Fernsehen sah ich ratlose Politiker über die Zukunft des Landes sprechen. Sie verdeckten ihre Ratlosigkeit mit Streit und Schuldzuweisungen. Einige malten in Worten düstere Zukunftsbilder. Andere flüchteten sich in Zweckoptimismus. Wussten sie nicht oder wollten sie sich nicht daran erinnern, dass es einen Gott gibt, der da sagt: – Vergiss MEIN nicht? – ICH bin der Herr, der die Zukunft in der Hand hält und Wege für die Zukunft zeigen kann!

Die Welt braucht ein Erinnern daran, dass sie nur von Gott und durch Gott leben kann!

Und ich brauche es auch, jeder von uns braucht solches Erinnern. Denn oft leben und handeln wir, als wenn es diesen Gott nicht gibt. SEIN Wort sagt uns aber als Gemeinde:

„Vergeßt niemals den Herrn, euren Gott“ (5.Mose 8,14).

Zu diesem Gott werden wir durch unser Predigtwort eingeladen. Wir werden gerufen, mit IHM zu reden:
„So ermahne ich nun, daß man vor allen Dingen zuerst tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit, auf daß wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottesfurcht und Ehrbarkeit.“

Als Gemeinde sind wir zum Gebet gerufen, für uns und für Andere. Das ist vor allem ein Geschenk. Der allmächtige Gott gewährt uns Audienz. ER ist alle Zeit für uns bereit, um zu hören, was unser Herz bewegt. Wir können unser Herz vor IHM ausschütten, alles was uns selber bedrückt, aber auch alle Freude und Dankbarkeit für Gottes empfangener Liebe und alles, was uns von Andern her im Herzen bewegt.

Gott ist bereit, uns zuzuhören. ER wartet auf unser Wort. Gott ist uns zugewandt, um uns SEINE rettende Liebe zu schenken. ER ist bereit, dass wir sie für uns und Andere abrufen und in Anspruch nehmen.

Das bedeutet nicht unbedingt Erfüllung von Bitte und Fürbitte.

Aber SEIN Handeln aus Liebe geht mit uns Wege der Hilfe und der Rettung.
Nicht immer werden wir Gottes Handeln verstehen und begreifen. Manches wird uns erst später verständlich, Anderes bleibt verborgen. Doch wir können lernen, mitten in den Tiefen des Lebens auf Gott zu vertrauen.

In einem Psalm heißt es:
„Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei deiner rechten Hand, du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich endlich mit Ehren an. Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachten, so bist du doch Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.“ (Ps 73, 23-26)

Gott hört auf Gebete und ER antwortet darauf!

Unser Gebet wirkt etwas, bei uns und bei anderen. Diese Möglichkeit und Verantwortung hat Gott SEINER Gemeinde gegeben. Mit unserem Gebet können wir ein Netz ausspannen, mit dem Gottes Liebe vielen Menschen hilft und sie rettet. Denn Gott will, dass alle Menschen gerettet werden. SEIN Sohn Jesus hat SEIN Leben als Erlösung für alle Menschen hingegeben.

Im Gebet können wir hören, was Gott uns zu sagen hat.
Beten ist kein Monolog, sondern ein Dialog.
Beten ist nicht nur ein Reden, sondern auch ein Hören auf Gottes Worte.

So werden wir auch in unseren Bitten weitergeführt. Gott schenkt uns ein Erkennen SEINER handelnden Liebe, dass wir IHN staunend anbeten können, dass wir für alles Empfangene von Herzen danken können, dass wir um Hilfe für die Not und Ratlosigkeit Anderer bitten können.

Zu all dem ruft uns Gott an diesem Sonntag. Mit dem Spruch der Woche gibt ER unserem Schritt ins Gebet Ermutigung.
Dieser Spruch ist ein Gebet aus dem 66. Psalm, Vers 20:

„Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“

Der Herr möge all unser Beten zu IHM segnen.

Es grüßt herzlich
Ihr Pfr.i.R. Steinführer