Liebe Gemeinde,

ich begrüße sie alle ganz herzlich am heutigen 2. Sonntag der Passionszeit. Den Predigttext für den heutigen Tag finden wir im Johannesevangelium, Kapitel 3, die Verse 14-21. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt auch nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind.

Liebe Gemeinde,

den zentralen Satz unseres heutigen Predigttextes kennen wir sicherlich alle: „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“

Alles, was man kennt, überliest man gewohnheitsgemäß sehr schnell. Und daher lassen Sie uns am heutigen Sonntag diesen Satz einmal etwas intensiver betrachten.

1. Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab

Liebe Gemeinde, die Initiative des Glaubens, des sich öffnenden Himmels ging also von Gott selber aus. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir die Situation, dass keiner von uns je wieder Gottes Kind werden konnte. Bedingt durch den Sündenfall und den Rausschmiss aus dem Paradies standen wir draußen vor der Tür, welche für uns fortan verschlossen sein sollte.

Alle menschlichen Bemühungen gingen letztendlich ins Leere. Alle Rituale der Sündenvergebung waren letzendlich nutzlos. Selbst wenn der Hohepriester einmal im Jahr das Allerheiligste betrat, so waren zwar die Sünden der Vergangenheit getilgt. Aber in dem Moment, wo er das Allerheiligste verließ, wurden natürlich schon wieder neue Sünden begangen.

Obwohl wir es eigentlich nicht verdient haben, war Gottes Liebe zu uns derart groß, dass er eine lösung finden musste, die uns den Weg zum Himmel wieder öffnen kann. Die einzige Lösung bestand darin, dass Gott selber für alle unsere Sünden ein für alle Male bezahlte und uns hinfort keine Sünde mehr angerechnet werden konnte.

Dies geschah durch die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und durch seinen stellvertretenden Tod für uns alle. Das vergisst man ebenfalls sehr schnell. Eigentlich müssten wir an diesem Kreuz hängen und für unsere Sünden büßen. In seiner allmächtigen Liebe hingegen hat Gott dies für uns getan.

2. Damit alle, die an ihn glauben nicht verloren werden

So, jetzt kommen wir an unseren Part. Vielfach wird ja von der Allversöhnungstheorie gesprochen. Im Karneval wurde er wieder gesungen, dieser alte Karnevalsschlager: “ Wir kommen alle alle, alle in den Himmel.“ Das, liebe Gemeinde, ist natürlich nur ein frommes Wunschdenken.

Mit seinem stellvertretendem Opfertod hat Gott eben nicht alle Sünden aller Menschen getilgt, sondern es sind auch Bedingungen daran geknüpft. Und diese wollen wir uns nun einmal anschauen.

Wir müssen dieses Gnadengeschenk Gottes auch für uns ganz persönlich im Glauben annehmen. Wer dies auf die leichte Schulter nimmt, dem ist in der Tat nicht zu helfen. Ich muss also meinen Zustand als Sünder anerkennen, der nichts, aber auch rein gar nichts zu seiner Errettung beitragen kann. Dann muss ich meine Sünden von ganzem Herzen bereuen und umkehren wollen. Wenn ich dies tue, dann habe ich die Gewissheit, dass ich nicht verloren gehe.

So, und das kennen wir alle; da passierte es auf einmal doch wieder, dass wir sündigen. Ist damit die Himmelstüre wieder dicht für alle Ewigkeit. Nein, das ist sie nicht. Gott allein kennt unser aller sündiges Wesen. Er weiß ganz genau, dass wir nach unserer Bekehrung hinfort nicht sündlos leben können. Aus diesem Grunde heraus hat er nicht nur all unsere vergangenen Sünden getilgt, sondern auch all unsere zukünftigen Sünden. Wohlgemerkt nur die Sünden, die wir auch ehrlich bereuen.

Angenommen ist angenommen. Das ist das Himmelsprinzip. Natürlich kann sich jeder Mensch auch wieder von Gott abwenden. für diese Menschen gilt die Gnadenzusage Gottes natürlich nicht.
In der heutigen Zeit, in der alles umgedeutet wird, in der alte Regeln und christliche Grundsätze als tradierte Normvorstellungen abgetan werden, da sollten wir uns darüber bewusst sein, dass es auch auch ein „Draußen vor der Türe“ gibt. Und für diese Menschen gilt das Geschenk Gottes nicht.

Häufig werde ich gefragt: Und was ist mit den Menschen, die mit ihrem letzten Atemzug dieses Geschenk Gottes angenommen haben? Natürlich sind auch diese errettet, aber wissen wir, wann unser letzter Atemzug sein wird und ob wir dann noch an dieses Geschenk Gottes denken ? Ich persönlich halte es für hochgefährlich den Frieden mit Gott auf die Sterbephase zu verschieben.

Das macht ja auch keinen Sinn. Jeder, der sich bekehrt hat, bei dem zieht unser Herr als zukünftiger Regent ein. Und diese Chance sollte man doch sofort nutzen.

3. Sondern das ewige Leben haben

Hier steht ja nicht, dass wir das ewige Leben irgendwann einmal haben werden. Hier steht, dass alle, die nicht verloren gehen das ewige Leben HABEN. Und so ist es in der Tat, liebe Gemeinde, jeder Christ lebt nur einmal und das ewig.

Stellen wir uns dies doch einmal so vor: Solange wir auf Erden leben, lebt Gott in uns; sobald wir im Himmel sind, leben wir in Gott.

Alle, die nicht verloren werden, sind schon zu Lebzeiten dauerhaft mit Gott verbunden und bleiben dies auch nach dem irdischen Tode. Das hat natürlich auch ganz praktische Auswirkungen auf das Leben der Kinder Gottes. Kinder Gottes müssen nicht auf Gedeih und Verderb alles in diese hiesige Lebensspanne hineinpressen, was eben noch so geht.

Kinder Gottes können ganz gelassen in die Zukunft schauen. Kinder Gottes tragen die Eintrittskarte für den Himmel im Herzen und können ganz genüsslich abwarten, was unser Herr denn noch alles für sie bereithält. Das heißt natürlich nicht, dass Kinder Gottes von allen Nöten, Sorgen und Ängsten befreit werden. Nein, das heißt es nicht, aber Gottes Kinder haben schon hier auf Erden einen Herrn, der sie durch alle Unbillen des Lebens hindurchführt und begleitet.

Und jetzt mal allen Ernstes eine Frage: Können wir uns einen Menschen vorstellen, der nicht so leben möchte ? Darum lassen Sie uns doch diesen Satz, den wir heute gemeinsam bedacht haben allen Menschen weitersagen, die ihn noch nicht kennen.

Der Liederdichter Paul Gerhardt drückt unsere Himmelsreise sehr schön in dem 6. Vers des Liedes „Ich bin ein Gast auf Erden…“ (EG 529) aus, der da lautet, wie folgt:

So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt,
doch denk ich nicht zu bleiben in diesem fremden Zelt.
Ich wandre meine Straße, die zu der Heimat führt,
da mich ohn alle Maße mein Vater trösten wird.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 2. Sonntag in der Passionszeit, dem Sonntag Reminiszere.
„Herr, gedenke an deine Barmgherzigkeit“ so die Übersetzung des Namens für den heutigen Sonntag. Und um dieses Thema geht es auch in unserem heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei dem Propheten Jesaja im 5. Kapitel, die Verse 1-7. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Wohl an, ich will meinem lieben Freunde singen, ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg. Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Höhe. Und er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben brächte; aber er brachte schlechte. Nun richtet, ihr Bürger zu Jerusalem und ihr Männer Judas, zwischen mir und meinem Weinberg! Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er dann schlechte Trauben gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte? Wohlen, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will ! Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er verwüstet werde, und seine Mauer soll eingerissen werden, dass er zertreten werde. Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen. Des Herrn Zebaoth Weinerg aber ist das Haus Israel, und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit.

Liebe Gemeinde,

der heutige Predigttext ist auch unter dem Namen „Weinberglied“ bekannt und beschreibt die Botschaft Gottes an sein Volk. Weil man Geschichten und Lieder einfach besser behalten kann, nutzte Jesaja schon vor 2.500 Jahren diese Form der Weitergabe der Botschaft Gottes an sein Volk. Diese Botschaft beschreibt die Geschichte Gottes mit seinem Volk, indem er ihm einen Spiegel vorhält.

Schauen wir uns doch heute morgen einmal gemeinsam an, was Gott seinem Volk zu sagen hat:

1.Das Paradies auf Erden

Jeder, der die Arbeit in einem Weinberg kennt, der weiß, das dies alles andere als einfach ist. Von Rodungsarbeiten angefangen bis hin zur Pflanzung der Reben und deren Pflege ist es schon ein gutes Stück harter Arbeit. Und dann müssen ja auch noch die Schädlinge in Schach gehalten werden.

Diesen Weinberg stellte Gott seinen geliebten Menschen zur Verfügung. Denken wir nur an Adam und Eva und deren Paradies.

Auch als die Beiden sich nicht an Gottes Vorgaben hielten und sie aus dem Paradies heraus geschmissen wurden zog Gott die Hand nicht ab von seinem Volk. Er segnete Abraham, Isaak und Jakob und führte, leitete und begleitete sie auf ihrem Lebensweg.

Denken wir weiter an die Josefsgeschichte. Josef wurde von Gott erkoren, sein Volk vor dem sicheren Hungertod zu erretten. Denken wir weiter an Mose, der dazu berufen wurde, Gottes Volk aus Ägypten zu führen.

Und lassen Sie uns abschließend noch an Gottes Heiligen Bund am Berge Sinai erinnern.

Nein, Gott hat seine Hand niemals von seinem geliebten Volk abgezogen. Er hat es stets bewahrt auf allen ihren Wegen.

2. Die Enttäuschung

Der Weingärtner, also Gott, hatte alles dafür getan, dass der Weinberg gute Früchte hervorbringen konnte. Und was passierte ? Er brachte schlechte Früchte hervor.

Damit ist natürlich sein geliebtes Volk gemeint. Was war denn eigentlich passiert ?

Nun, immer wenn es nicht so lief, wie sich Gottes geliebtes Volk sich das wünschte, dann trauten sie nicht mehr seinen Wegen, sondern gingen lieber ihrer eigenen Wege.

Denken wir nur an das goldene Kalb, welches sie sich als Ersatzgott geschaffen hatten. Nur weil Mose nichts von sich hören ließ, als er von Gott die 10 Gebote erhielt, wurde sofort ein Ersatzgott bereitgestellt.

Das Buch der Richter wimmelt nur so von eigenen Wegen seines Volkes. Das Gesetz Gottes zu brechen war fast schon der Normalzustand geworden.

Kommt Ihnen das ein wenig bekannt vor? Richtig, wir machen es heute genau so, wie Israel und Juda es damals taten. Ein paar Beispiele gefällig?

Gott hat die Ehe zwischen Mann und Frau gestiftet. Was machen wir daraus? Die Ehe für alle. Gott stellt alles Leben unter seinen Schutz. Und was machen wir daraus? Jedes Jahr werden tausende von Kindern abgetrieben, also durch unsere Hand getötet.

3. Gottes Urteil

„Ich will den Wolken gebieten, dass es nicht regenet.“ So lautet das Urteil Gottes im Weinberg gegen sein geliebtes Volk. Nun, auf ein wenig Regen kann man ja ruhig mal verzichten.

Nein, kann man nicht. Denn Wasser bedeutet Leben und ohne Wasser gibt es kein Leben mehr. Das war also schon das absolute Todesurteil gegen Israel und Juda, was wir in unserem Predigttext gelesen haben.

4. Gottes Erlöser

Wir kennen es von einigen Todesurteilen aus den USA, dass unter gewissen Bedingungen der Gouverneur eines Staates einen Gefangenen begnadigen kann.

Gott hingegen tat noch viel mehr, er begnadigte sein Volk nicht nur , er erlöste es von allem, was sie gegen ihn getan hatten.

Und jetzt hören wir bitte gemeinsam auf Johannes 3, 16: „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“

Das ist schon heftig, liebe Gemeinde. Da haben wir alles getan um es uns mit Gott so richtig zu verscherzen und was macht Gott? Er schafft uns doch noch eine Möglichkeit, alles wieder gut zu machen, was wir verbockt haben.

All unsere Sünden, die Sünden vor tausenden von Jahren, die Sünden der Gegenwart und die Sünden der Zukunft werden von Gott ausgetilgt, indem sein Sohn sein Blut für unsere Sünden vergossen hat.

Nun kann es also beginnen das Leben 2.0 wie man so schön in der Computersprache sagt. Aber Achtung!!!, wir müssen Johannes 3,16 schon noch weiter lesen.

Diese Möglichkeit der Befreiung von allen Sünden und des ewige Leben bekommen nur diejenigen geschenkt, die an den Sohn Gottes glauben, ihm ihre Sünden bekennen und dann dankbar sein Gnadengeschenk annehmen.

Ein „Einfach weiter so“ gibt es bei Gott nämlich nach wie vor nicht. Für all diejenigen, die dies nicht tun, gilt nämlich weiter das Todesurteil aus dem Weinberg. Gott möchte aber nicht, dass auch nur eines seiner Geschöpfe verloren geht. Darum hat er uns, die wir heute morgern beisammen sind, damit beauftragt, diese frohe Botschaft allen Menschen weiter zu sagen, die sie eben noch nicht kennen.

Gehen wir doch mit diesem Auftrag, seinem Segen und Gottes ständigem Beistand in die folgende Woche.

Lassen Sie uns zuvor noch gemeinsam in den ersten Vers des Liedes „Herr, wir bitten: Komm und segne uns…“ (EG 607) von Peter Strauch einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Herr, wir bitten: Komm und segne uns;
lege auf uns deinen Frieden.
Segnend halte Hände über uns.
Rühr uns an mit deiner Kraft.
In die Nacht der Welt hast du uns gestellt,
deine Freude auszubreiten.
In der Traurigkeit, mitten in dem Leid
lass uns deine Boten sein.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Predigt zu Reminiszere

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Sonntag, dem 2. Sonntag in der Passionszeit (Reminiszere). Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 12. Kapitel des Matthäusevangeliums, die Verse 38-42. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Die Zeichenforderung der Pharisäer

Da fingen einige von den Schriftgelehrten und Pharisäern an und sprachen zu ihm: Meister, wir möchten gern ein Zeichen von dir sehen. Und er antwortete und sprach zu ihnen: Ein böses und abtrünniges Geschlecht fordert ein Zeichen, aber es wird ihm kein Zeichen gegeben werden, es sei denn das Zeichen des Propheten Jona. Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein. Die Leute von Ninive werden auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und werden es verdammen; denn sie taten Buße nach der Predigt des Jona. Und siehe, hier ist mehr als Jona. Die Königin vom Süden wird auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verdammen; denn sie kam vom Ende der Erde, um Salomos Weisheit zu hören. Und siehe, hier ist mehr als Salomon.

Liebe Gemeinde,

soeben haben wir einen Satz gehört, dem wir heute einmal näher auf den Grund gehen sollten. Es handelt sich um den Satz: „Ein böses und abtrünniges Geschlecht fordert ein Zeichen…“ Wieso bezeichnet Jesus diejenigen, die ein Zeichen seiner Allmacht fordern, als „böse“ und „abtrünnig“?

1. Das Glaubenshindernis

Wir kennen alle den Satz, der uns Christen manchmal um die Ohren gehauen wird: „Ich glaube nur, was ich sehe.“ Wenn ich etwas sehe, dann brauche ich es auch nicht mehr zu glauben. Daher taugen auch Zeichen gar nichts, wenn es um den Glauben geht.

Zeichen halten uns vielmehr vom Glauben ab. Das nächste Problem des Zeichens ist, dass es immer nur einen ganz kleinen Teil des großen Ganzen präsentieren kann. Mit einem Zeichen kann Jesus niemals die gesamte Allmacht und alle Geheimnisse des Glaubens sichtbar machen.

Und wenn ich ein Zeichen gesehen habe, dann besteht die Gefahr, dass ich in der Tat das große und Ganze vollkommen aus den Augen verliere und mich nur noch auf das gesehene Zeichen fokussiere. Wenn ich Jesus auf ein Zeichen oder ein Wunder reduziere, dann blende ich all das aus, was dieser Herr für mich getan hat und ich mache ihn so automatisch klein.

2. Das Vergessen

Viele von uns waren sicherlich schon einmal in einem Varieté oder einer Zaubershow und haben sich mitreißen lassen von den Künsten, die ihnen dort geboten wurden. Ich selber finde es auch immer wieder faszinierend, wie unsere Sinne im wahrsten Sinn des Wortes „hinters Licht“ geführt werden können.

Nach einer Show tauschen wir uns sicherlich noch mit anderen Menschen über das aus, was wir soeben gesehen haben. Aber spätestens am nächsten Tage hat uns der Alltag wieder in seinem Griff. Das, was wir gesehen haben, ist schon gar nicht mehr präsent und hat auch gar keine Bedeutung für uns mehr.

Mit dem, was die Pharisäer von Jesus fordern ist es ähnlich. Nehmen wir einmal an, Jesus würde in der Gegenwart der Pharisäer Wasser in Wein verwandeln. Die Überraschung wäre sicherlich groß. Man würde auch noch einige Tage darüber reden. Und dann würden die Pharisäer aufstehen und den Gemeindemitgliedern sicherlich erklären, dass dies zwar ein Zeichen war, aber dies doch gar nichts damit zu tun haben kann, dass Jesus der Christus und somit Gottes Sohn ist.

Und somit würde die theologische Elite einen Beweis dafür benutzen, um damit genau das Gegenteil zu erklären. Nur weil jemand ein eingefordertes Zeichen tat, bedeutet dies doch nur, dass es ihm einmal gelungen ist, Wasser in Wein zu verwandeln. Da können doch auch alle möglichen Tricks dahinterstecken. Und somit wäre mit dem Zeichen nichts erreicht. Durch das eingeforderte Zeichen würde Jesus nicht mehr und nicht weniger sein, als ein Allerweltsmagier.

3. Die persönliche Beziehung

Liebe Gemeinde, Jesus war keine Übermagier oder ein Showtalent der Extraklasse. Jesus wollte uns auch nicht zur Zeit seines Erdenlebens immer wieder durch Wunderhandlungen ins Staunen versetzen.

Jesus wollte und will nur eines von uns. Jesus möchte mit jedem von uns eine ganz persönliche Beziehung eingehen. Dies erfordert, dass wir uns auf eine Beziehung mit ihm einlassen. Jesus hat seine Liebe zu uns dadurch bewiesen, dass er für uns an unserer Stelle am Kreuze starb. Und jetzt sind wir gefordert.

Jesus möchte nur, dass wir das, was er für uns getan hat, im Glauben annehmen, zu ihm unser „Ja“ sagen und uns auf den Weg zu ihm machen. Das alles im vollkommenen Vertrauen darauf, dass der Jesus, der vor 2000 Jahren für uns gestorben ist, auch heute noch lebt und in das Leben eines jeden Menschen eingreifen kann. Und zwar ohne zuvor irgendwelche Zeichen einzufordern.

Jeder, der so vertrauensvoll in eine Beziehung zu Jesus tritt, der wird tatsächlich in der Folge in seinem Leben Zeichen und Wunder sehen, die er niemals für möglich gehalten hätte. Aber auf die richtige Reihenfolge kommt es an: Erst mein Ja und dann die Wunder und nicht umgekehrt.

Wenn Jesus in unser Leben einzieht, dann wird alles neu. Er regiert fortan über und in uns. Und dann geschehen Zeichen und Wunder. Nicht, weil wir sie von ihm fordern, sondern weil er die Zeichen und Wunder in unserem Leben geschehen lässt, die genau in dem Moment geschehen, wo sie für uns genau richtig sind.

Das ist eben der Unterschied: Jesus bewirkt keine Wunder als bloßes Zeichen seiner äußeren Macht. Jesus bewirkt Wunder als Zeichen seiner inneren Macht über die Menschen, die zu ihm gehören wollen.

Natürlich möchten viele Menschen, die den Weg zum Glauben noch nicht gefunden haben, auch heute noch Zeichen sehen, spüren oder irgendwie erkennen können. Erzählen wir ihnen doch von dem Jesus, der in uns Wohnung genommen hat und erzählen wir diesen Menschen doch mehr darüber, was dieser Jesus schon alles für uns getan hat. Wenn wir dies tun, dann können gerade diese indirekten Zeichen unsere Mitmenschen dazu bewegen, auch diesem Jesus angehören zu wollen.

Den Gott, der sich auch heute noch in Form des Heiligen Geistes allgegenwärtig um seine geliebten Kinder müht und bemüht, diesen Gott beschreibt der Liederdichter Ignaz Franz sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes „Großer Gott, wir loben dich…“ (EG 331), der da lautet, wie folgt:

Großer Gott, wir loben dich; Herr, wir preisen deine Stärke.
Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke.
Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit.

Der Herr segne und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag zu Reminiszere und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem Sonntag Reminiszere. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 5. Kapitel des Römerbriefes, die Verse 1-5. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Frieden mit Gott

Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus; durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird. Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.

Liebe Gemeinde,

Frieden mit Gott ist doch das wichtigste, was wir im Leben anstreben sollten. Alles andere, ein dickes Bankkonto, ein Nobelauto und eine Prachtvilla verlieren irgendwann ihre Bedeutung. Unser persönlicher Friede mit Gott hingegen bleibt, so wir ihn denn erlangen, bis in alle Ewigkeit bestehen. Wenn wir es so wollen, dann ist der Friede mit Gott unsere Eintrittskarte in den Himmel. Eigentlich müsste doch jeder Mensch daran ein ganz besonderes Interesse haben, seinen ganz persönlichen Frieden in Gott zu finden.

Wenn ich hingegen bundesweit die Gottesdienstbesucher zähle, dann sind es gerade mal noch zwischen 3-4 % der Gemeindemitglieder, die zusammen den Gottesdienst feiern, wenn man dies einmal als ein ganz unverbindliches Indiz für das Interesse am Frieden mit Gott heranziehen möchte.

Jesus Christus hat uns die Türe zu Gott wieder ganz weit aufgemacht. Was hindert also so viele Menschen daran mit Freuden durch diese geöffnete Türe zu gehen hinein in die ewige Gemeinschaft mit unserem Herrn? Ich glaube es sind drei Punkte, die viele Menschen daran hindern, den Weg des Heils zu beschreiten. Schauen wir uns doch heute Morgen diese Punkte einmal ein wenig näher an:

1. Jetzt noch nicht, sondern später

Viele Menschen schieben die „Sache“ mit Gott, wie sie es nennen, gern immer wieder vor sich her. Im Moment habe ich keine Zeit für Gott, ich muss erst mein Studium zum Abschluss bringen. Nein, jetzt geht es auch nicht, ich muss mich mit aller Kraft meiner Karriere widmen. Nein und jetzt geht es immer noch nicht, ich muss mich schließlich neben der Arbeit auch den Bedürfnissen meiner Familie widmen.

Ich habe einfach keine Zeit für Gott; später, wenn ich in Rente bin, dann kann ich die Sache ja mal in aller Ruhe angehen.

Wir sehen, liebe Gemeinde, viele Menschen nehmen auf des Teufels liebstem Möbelstück, der langen Bank, Platz und machen es sich dort ein Leben lang gemütlich.

Der norwegische Bischof Ole Hallesby hat einmal in einer seiner bekannten Morgenandachten folgendes gesagt: „Es kann sein, dass Sie heute Abend zu Bett gehen und morgen in der Frühe in der Hölle aufwachen.“ Natürlich erntete er einen Sturm der Entrüstung für diesen Satz, was ja auch nicht anders zu erwarten war.

Aber so ist es in der Tat. Heute, wenn wir seine Stimme hören, heute sollen wir sein Gnadengeschenk annehmen. Wir wissen alle nicht, was mit uns heute noch passiert. Haben wir aber unser Leben dem Herrn übergeben, dann ist vollkommen egal, was mit uns passiert, wir sind in aller Ewigkeit in seiner Hand und werden in aller Ewigkeit mit ihm leben. Aber nur, wenn wir die lange Bank verlassen und unseren Frieden mit Gott schließen.

„Ich möchte erst noch etwas vom Leben haben, danach bringe ich die Sache mit Gott in Ordnung“ ist auch eine beliebte Ausrede, um nicht hier und heute den Frieden mit Gott zu schließen. Der große Erweckungsprediger Spurgeon antwortete einmal einem jungen Mann, der ihm dies ins Gesicht sagte: „Sie enttäuschen mich, junger Mann, warum wollen Sie denn nur ETWAS vom Leben haben, wenn sie jetzt DAS LEBEN in seiner Gesamtheit und Völle haben können ?“

2. Ich brauche keine Erlösung, ich bin ein rechtschaffener Bürger

Ich gehe mal davon aus, das sich unter uns keine notorischen Verbrecher befinden und dass wir alle also ein rechtschaffenes Leben führen. Aber trotz aller Rechtschaffenheit werden wir immer wieder die ein oder andere Sünde begehen. Und wenn wir dafür keine Vergebung erlangt haben, haben wir eben keinen Frieden mit Gott.

Und lassen Sie uns unseren Zeitgenossen, die glauben, Gott würde auch schon mal alle fünf gerade sein lassen, diesen Zahn beizeiten ziehen.

Lassen Sie uns dies einmal mit einem Strafprozess vor einer Strafkammer verdeutlichen. Nehmen wir einmal an, jemand ist des Betruges in einem Falle angeklagt. Glauben Sie allen Ernstes, dass dieser Angeklagte sich damit freisprechen kann, indem er sagt, dass er bisher doch ein rechtschaffenes Leben geführt hat und man könnte doch dann mal alle Fünfe gerade sein lassen? Natürlich nicht.

Uns umso mehr wird Gott dereinst, wenn wir vor ihm stehen nicht alle Fünfe gerade sein lassen. Wenn wir dann nicht beizeiten unseren Frieden mit Gott hier auf Erden geschlossen haben, dann werden wir unweigerlich in der ewigen Verdammnis landen.

3. Ich glaube nur, was ich sehe

Eigentlich schon ein Satz, den ich so nicht stehen lassen kann. Was ich sehen kann, das muss ich ja nicht mehr glauben. Und trotzdem höre ich diesen Satz so ungefähr 50 Mal im Jahr. Ich pflege dann immer, getreu einem meiner großen Glaubensvorbilder, meinem Gegenüber den beherzten Griff in die Steckdose. Wenn er nur glaubt, was er sieht, und alles andere eben nicht existent ist, dann kann ihm ja nichts passieren. Strom kann man nicht sehen, also ist er auch nicht da.

Meines Wissens hat auch noch niemand meiner Aufforderung Folge geleistet. Aber jeder war zumindest ein wenig verunsichert. Was können wir bei solchen Gelegenheiten empfehlen? Ich empfehle immer der das als ob Experiment. „Tun Sie mal so, als ob Gott existiert. Reden Sie einfach mal mit ihm und lassen Sie alles geschehen unter der Prämisse des als ob.“

Ich habe ganz erstaunliche Rückmeldungen erhalten. Eine Rückmeldung war so interessant, dass ich sie hier kurz schildern möchte. Eine junge Dame berichtete mir, dass ihr so etwas wie die inneren Augen aufgetan worden sind. Gott habe sich ihr durch eine ganz eigene Art und Weise zu erkennen gegeben. Natürlich habe sie Gott nicht gesehen, aber sie sei jetzt davon überzeugt dass es ihn gibt.

Jetzt bleibt nur noch ein 5. Punkt zu klären, nämlich

5. Wie bekomme ich den Frieden mit Gott?

Den Frieden mit Gott erhalten wir alle, die wir ihn den haben möchten, vollkommen umsonst. Frieden mit Gott haben wir dann, wenn uns unsere Sündenlast nicht mehr drückt, wenn wir also von dieser Last befreit werden.

Befreit werden wir von dieser Last, wenn wir unsere Sünden bereuen und unsere Sünden Jesus übertragen, der ja für alle unsere Sünden bereits den Preis bezahlt hat. Wenn wir danach unserem Herrn unser Leben übergeben und ihn bitten, in uns Wohnung zu nehmen, dann wird er bei uns Einzug halten. Und mit diesem Einzug kommt auch der Friede Gottes in unsere Herzen hinein. Und dieser Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft der bewahrt unsere Herzen in Jesus Christus zum ewigen Leben.

Ein Leben, welches im Frieden mit Gott aufgeht, das beschreibt der Liederdichter Jochen Klepper sehr schön in dem 1. Vers seines Liedes: „Er weckt mich alle Morgen…“ (EG 452), der da lautet, wie folgt:

Er weckt mich alle Morgen, er weckt mir selbst das Ohr.
Gott hält sich nicht verborgen, führt mir den Tag empor,
dass ich mit seinem Worte begrüß das neue Licht.
Schon an der Dämmerung Pforte ist er mir nah und spricht.

Der Herr Segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 2. Sonntag in der Passionszeit mit dem Namen Reminiszere. „Gedenke Herr, an deine Barmherzigkeit“ unter dieser Überschrift steht der heutige Sonntag. Wie der Herr unserer gedacht hat, damit befasst sich auch der heutige Predigttext, den wir im 3. Kapitel des Johannesevangeliums finden und zwar in den Versen 14-21. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind.

Liebe Gemeinde,

ganz selten verzahnen sich das Alte und das Neue Testament in der Perikopenordnung unserer Predigttexte so deutlich, wie dies heute der Fall ist. Wir wissen, dass wir die Bibel nur als eine Einheit lesen und auslegen können. Sich nur auf das Neue Testament zu fokussieren wäre genauso falsch, wie unser Hauptaugenmerk auf das Alte Testament zu legen. Beide gehören untrennbar zusammen und beide stehen unter der Überschrift der Barmherzigkeit Gottes und wie er seiner Menschen in Gnade gedenkt. Lassen Sie uns den heutigen Predigttext einmal aus dieser Perspektive betrachten.

1. Die erhöhte Schlange

Kurz nachdem Gott die Israeliten aus Ägypten geführt hatte fing auch schon das große Murren an. Das Essen war zu eintönig, das Wasser zu wenig, der Fußmarsch zu lang und so weiter und so weiter. Kommt uns dies ein wenig bekannt vor? Mir schon. Schon oftmals habe ich ähnlich reagiert. Gott hatte machtvoll in mein Leben eingegriffen und alles wieder geordnet und nach einiger Zeit der Routine passte mir das eine oder andere schon wieder nicht so recht in den Kram.

In der Wüste strafte Gott die Israeliten dadurch, dass gefährliche feurige Schlangen das Volk bissen, welches dadurch zu Tode kam. Aber genau in dem Moment, wo das Volk seine Missetaten ehrlichen Herzens bereute, genau in diesem Moment setzte die Gnadenhandlung Gottes ein.
Genau die, die gerade eben noch gemurrt und geklagt hatten, hatten nunmehr die Möglichkeit durch einen einfachen Blick auf die erhöhte Schlange am Leben zu bleiben.

Oftmals wird der Gott des Alten Testamentes ja als der uneinsichtige gnadenlose Rachegott bezeichnet. Dies, liebe Gemeinde ist sicherlich nicht der Fall. Wir haben nicht den einen Gott im alten Testament und den anderen Gott im Neuen Testament.

Gnade konnten schon zu Zeiten des Alten Testamentes alle Menschen erfahren, die Buße taten und sich wieder mit ganzem Herzen Gott zuwandten. Allerdings war dies stets eine zeitliche Gnade, die mit dem natürlichen Ableben ihr unweigerliches Ende hatte.

2. Der erhöhte Christus

Wie schafft es Gott aber eine Möglichkeit zu schaffen dass wir von der zeitlichen Gnade zur ewigen Gnade kommen können? Zunächst einmal müssen wir wissen, dass wir durch die Erbsünde alle vor Gott Sünder sind.

Das ist manchmal ein wenig schwer zu verstehen. Versuchen wir uns dies bildlich darzustellen. Nehmen wir einfach einmal an Adam und Eva wären Piloten gewesen und wir alle säßen als Passagiere in dem Flugzeug, dass von diesen beiden geflogen wird. Jetzt machen die beiden einen katastrophalen Flugfehler der damit endet, dass dieses Flugzeug abstürzt und alle Insassen auf dem Weg in die Hölle sind. Wir, die wir vielleicht in Reihe 34 A und B gesessen haben, haben gar nichts mit dem Flugfehler zu tun und trotzdem haben uns diese beiden Piloten in den Abgrund gestürzt.

Wenn wir die Erbsünde so verstehen, dann können wir begreifen, dass wir vor Gott tot sind. Der große Rettungsplan Gottes musste also dafür sorgen, dass der weitere Absturz der Maschine abgefangen wird und dass wir die Möglichkeit haben, die abstürzende Maschine zu verlassen und wieder zu Gott zurückzukehren.

Dies tat Gott, indem er Jesus den Kreuzestod sterben ließ, also den Tod, den wir eigentlich verdient hätten. Alle, die wir jetzt in diesem abstürzenden Flugzeug sitzen, können in höchster Not den Herrn anrufen und er wird dafür sorgen, dass wir das abstürzende Flugzeug sofort verlassen können und zu ihm zurückkehren dürfen.

Das setzt natürlich voraus, dass wir Buße tun und unsere Sünden bereuen, also dass wir erkennen, dass wir arme Sünder sind. Und zugleich müssen wir den innigen Wunsch der Umkehr in uns tragen. Nur dann wird uns Gott an seinem großen Rettungsplan teilhaben lassen.

Liebe Gemeinde, die Bibel ist die Wahrheit. Und die Wahrheit ist nicht immer rosarot oder so, wie wir sie gerne hätten. In diesem Falle müssen wir leider auch sagen, dass alle Passagiere, die den Rettungsplan Gottes nicht in Anspruch nehmen auf immer und ewig in dieser abstürzenden Maschine gefangen bleiben und den ewigen Tod sterben werden.

3. Die Planerfüllung

Wir haben soeben gehört, dass wir durch die Annahme des Angebotes unseres Herrn, wieder die Heimreise antreten dürfen. Was bedeutet, dies denn nun ganz konkret für unser Leben? Von einer Sekunde auf die andere hat sich unser ganzes Leben verändert. Auch wenn wir die Veränderung erst so nach und nach wirklich spüren, ab dem Moment unserer Bekehrung haben wir ein neues Leben von Gott erhalten.

Diese Gnade, die uns Gott geschenkt hat, ist an keine zeitliche Beschränkung gebunden. Wir leben hier auf Erden fortan ein Leben, wie es Gott sich für uns vorgestellt hat. Natürlich auch ein Leben mit allen Höhen und Tiefen, aber ein Leben in dem Gott als der Regisseur in unserem Leben die Fäden in der Hand hält.

Ist das nicht wunderbar? Alle unsere Nöte und Probleme dürfen und können und sollen wir immer wieder unserem Herrn vorlegen. Er hat versprochen sich fortan darum zu kümmern. Das fällt uns anfangs natürlich schwer. Ich habe auch erst einmal die kleinen Probleme aus der Hand gegeben und mit den großen so lange gewartet bis ich zum Halse in den großen Problemen steckte. Aber auch diesen Hilfeschrei hat der Herr erhört.

Das allerschönste kommt aber noch. „Damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Wir sind also nicht nur für unsere Zeit hier auf Erden erlöste Gotteskinder, denen ihre Sünden nicht mehr angerechnet werden. Mit unserem „Ja“ zu der großen Rettungstat unseres Herrn sind wir schon jetzt Himmelskinder. In dem Moment, indem wir unseren letzten Atemzug auf Erden vollendet haben, in genau dem gleichen Moment machen wir unseren ersten Atemzug in Gottes neuer und ewiger Welt unter der ständigen Gegenwart unseres liebenden Herrn.

Nun gibt es aber noch Menschen, die sich die Sache nicht so einfach machen wollen. Diese sprechen dann immer noch von dem großen Gericht, in welches wir trotzdem kommen und dass dann erst entscheiden wird, ob wir überhaupt himmelstauglich sind. Wer an den Herrn glaubt, der wird nicht gerichtet. Punkt. Aus. Ende. Diesen Worten unseres Herrn kann ich nichts mehr hinzufügen außer vielleicht „Gott sei Dank, dass es so ist.“

Alles andere wäre schlichtweg phänomenaler Blödsinn. Können Sie sich einen Gott vorstellen, der den Menschen ihre Rettung anbietet und diese dann später aus irgendeinem Grunde wieder widerruft so nach dem Motto „War nur Gnade auf Probe, aber leider nicht bestanden“? Ich kann mir dies nicht vorstellen und Gotts sei Dank muss ich dies auch nicht, da es diesen Gott eben nicht gibt. Verlassen wir uns ganz allein auf das, was der Herr sagt. Damit fahren wir in der Zeit und in der Ewigkeit bestimmt am besten.

Den allmächtigen, großen Gott loben das ist es, was uns noch übrig bleibt, da er ja schon alles für uns getan hat. Wir können dies gemeinsam tun, indem wir in den ersten Vers des Liedes „Nun danket alle Gott…“ (EG 321) von Martin Rinckart einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge tut an uns und allen Enden, der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel zu gut bis hierher hat getan.

Der Herr, der Dich erlöst hat, der begleite Dich Dein ganzen Leben lang Der Herr, der Dich gerufen hat, der zeige Dir Deinen Weg in diesem Leben Der Herr, der Dich gefunden hat, umgebe Dich alle Tage bis in alle Ewigkeit

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen schönen Start die neue Vorfrühlingswoche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Reminiszere.
Natürlich geht es in jeder Predigt um unseren Glauben. Heute geht es um den Glauben in einer historischen Zeitachse. Bevor wir uns mit diesem Thema auseinandersetzen lassen Sie uns den Predigttext für den heutigen Sonntag gemeinsam lesen. Wir finden den Predigttext im
Johannesevangelium, Kapitel 8, die Verse 26-30:

Aber der mich gesandt hat, ist wahrhaftig, und was ich von ihm gehört habe, das rede ich zu der Welt. Sie verstanden aber nicht, dass er zu ihnen vom Vater sprach. Da sprach Jesus zu ihnen: Wenn ihr den Menschensohn erhöhen werdet, dann werdet ihr erkennen, dass ich es bin und nichts von mir selber tue, sondern, wie mich der Vater gelehrt hat, so rede ich. Und der mich gesandt hat, ist mit mir. Er lässt mich nicht allein; denn ich tue allezeit, was ihm gefällt. Als er das sagte,
glaubten viele an ihn.

Liebe Gemeinde,

in unserem Predigttext finden wir exakt zwei Zeitabschnitte, die ganz entscheidend für unseren Glauben sind und eine erstaunliche Begebenheit, die sich aus der Rede Jesu heraus ergibt. Lassen Sie uns diese heute morgen ein wenig intensiver betrachten:

1. Jesus damals- Jesus heute

„Sie verstanden aber nicht…“, so beginnt der zweite Satz unseres heutigen Predigttextes. Trotz aller Wunder, die von Jesus bewirkt wurden, verstand ihn die Bevölkerung nicht. Jesus stieß also auf taube Ohren, nahezu überall wo Er seinen Verkündigungsdienst wahrnahm.

Und wie ist es heute bei uns ? Es ist doch genau so. Schauen wir uns doch einfach einmal um in unserem Lande. Nur noch 2 % der Kirchenmitglieder gehen noch halbwegs regelmäßig zum Gottesdienst. Weihnachten, Hochzeit, Kindstaufe und Konfirmation, das sind doch die Events auf welche die Kirche beschränkt ist. Ohne will man irgendwie auch nicht, allein schon der Leute wegen.

Und die christliche Botschaft, ja wer die verkündet ist doch gleich ein christlicher Fundamentalist der übelsten Sorte. Diesem Jesus nachzulaufen, das ist ja fast schon kriminell geworden.

Es hat sich also seit damals nicht viel geändert. Und doch ist seit damals etwas ganz gewaltiges geschehen nämlich…

2. Ostern

Die Menschen, die Jesus zugehört hatten, verstanden Ihn also ganz und gar nicht. Und dann redet Jesus ganz konkret von Seiner Kreuzigung und Seiner Auferstehung.

„Ihr werdet erkennen…“, diese Zusage macht Jesus der Menge, die Ihm nunmehr gebannt lauscht, als Er von Seiner Kreuzigung und Auferstehung berichtet.

Und dieses „Ihr werdet erkennen“, das ist es, was uns auch heute immer wieder passiert, wenn uns der lebendige Herr begegnet. Aus eigener Kraft können wir nicht zu Ihm kommen. Aber ER kann uns unsere Augen auftun, dass auch wir erkennen können, wer ER ist und was ER für uns getan hat.

Religiöse Übungen, formelhafte Gebete und rituelle Handlungen helfen uns damals wie heute nicht weiter, wenn wir Jesus erkennen wollen. Was uns aber hilft ist eine Bitte an Ihn, doch bitte in unser Leben zu kommen. Mehr ist wirklich nicht notwendig, auch wenn es immer und immer wieder
anders gelehrt wird.

Es reicht aus, wenn wir uns vertrauensvoll an unseren Herrn wenden. Dann werden auch wir erkennen.

Jetzt nehmen wir einmal den Umkehrschluss und wir werden sofort erkennen, warum unsere Welt so „unchristlich“ ist. Alle, die IHN nicht bitten, werden nämlich nicht erkennen. Wer sein Herz vor dem Herrn verschließen möchte, der darf das. Wir haben ja keinen militaristischen Gottesstaat.

Gehen jetzt alle verloren, die ihr Leben nicht von sich aus dem Herrn übergeben haben ? Ich behaupte einmal, nein. Wenn wir unseren Predigttext näher betrachten, dann lesen wir im letzten Satz „und viele glaubten an ihn…“ Ich gehe einmal davon aus, dass Jesus selbst die verstocktesten Herzen aufbrechen kann und diese zur Umkehr aufrufen kann. Ich behaupte einmal, dass jeder Mensch die Möglichkeit der Umkehr hat und dass jeder Mensch diesen Weg erkennen kann. Wer ihn aber wider besseren Wissens nicht gehen möchte, den lässt Gott natürlich auch in Ruhe.

3. Der Glaube

„Viele glaubte an ihn…“, nehmen wir diesen Satz noch einmal kurz auf. Das ist auch eine Beauftragung an uns in unserer heutigen Zeit. Einfach glauben und Gott machen lassen. Einfach glauben und vertrauen, dass etwas geschieht. Einfach glauben, auch wenn ich nicht weiß, was passiert.

So, liebe Gemeinde, können wir auch heute noch den Weg zu Jesus finden. Der Weg zu Jesus geht einfach nur über unser Herz und nicht über wissenschaftliche Erkenntnisse. Dieser Weg beinhaltet doch einfach nur, dass ich aufgeschlossen bin für das, was Jesus mit mir vor hat. Man sagt uns Christen ja immer wieder gern nach, dass wir Schwärmer und Träumer sind, die von einer jenseitigen Welt her leben und auf diese zuleben. Das letztere stimmt, aber wir sind keine Schwärmer und Träumer.

Ein Nachfolger Jesu zu werden bedeutet ja nicht die Aufgabe des Verstandes, sondern nur die Aufgabe des Widerstandes. Und wenn ich den erst einmal aufgegeben habe, dann hat Jesus freie Bahn, um auch in meinem Herzen Einzug zu halten. Dann kann ich geborgen von der Liebe
Gottes in Ruhe abwarten, was ER noch so alles mit mir vorhat. Wie beschreibt es der Psalmist in Psalm 23 doch so schön: „Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir…“

Ich wünsche uns allen, dass wir wieder zu diesem Urvertrauen in Gott zurückfinden und ganz entspannt unseren Weg mit IHM zusammen gehen, immer in der festen Gewissheit, dass wir die Ewigkeit in SEINER Gegenwart verbringen werden.

Dieses Urvertrauen beschreibt der Liederdichter Walter Heinecke in dem ersten Vers seines Liedes „Du hast uns, Herr, in dir verbunden…“, sehr schön, wie folgt:

Du hast uns, Herr, in dir verbunden,
nun gib uns gnädig das Geleit.
Dein sind des Tages helle Stunden,
dein ist die Freude und das Leid.
Du segnest unser täglich Brot,
du bist uns nah in aller Not.

Der Herr ersetze Deine Zweifel durch Zuversicht
Der Herr lasse aus Deine Zuversicht den rechten Glauben wachsen
Der Herr stärke Deinen Glauben, dass Du nur noch IHM vertraust

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen fröhlichen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Reminiszere.
Letzten Worten von berühmten Persönlichkeiten sind wir sicherlich alle schon einmal begegnet. So lauteten die letzten Worte von Dietrich Bonhoeffer unmittelbar vor seiner Hinrichtung: „Das ist das Ende. Für mich der Beginn des Lebens.“ Letzte Worte erinnern uns immer auch an die Endlichkeit unseres eigenen Lebens.

Was waren außer „Es ist vollbracht.“ eigentlich die letzten Worte unseres Herrn am Kreuz ?

Dies erfahren wir in unserem heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext im
Johannesevangelium, Kapitel 19, die Verse 26-27. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebhatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn ! Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter ! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

Liebe Gemeinde,

wenn wir uns diese Worte betrachten, dann unterscheiden sie sich von allen ach so bekannten letzten Worten berühmter und weniger berühmter Persönlichkeiten. Wenn wir über diese Predigt eine Überschrift setzen wollen, so lassen Sie uns doch folgende auswählen:
FASZINATION JESUS.

Was macht eigentlich diese Faszination Jesus aus ? Lassen Sie uns darüber am heutigen Sonntag ein wenig näher nachdenken.

1. Kreuzesbotschaft

Liebe Gemeinde, da hängt nun Jesus am Kreuz und erleidet entsetzliche Qualen. Ich hätte alles erwartet, ich hätte erwartet, dass Jesus vor Schmerzen schreit. Ich hätte erwartet, dass Er einfach still die Qualen auf sich nimmt. Aber eines hätte ich nun wirklich nicht erwartet, nämlich, dass unser Herr sich sogar am Kreuz, von heftigsten Schmerzen gequält, um das Wohl der Menschen kümmert.

Wie unterscheiden sich doch letzte Menschenworte von letzten Gottesworten ! Dieses letzte Gotteswort will uns aber auch aufzeigen, dass eben das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Gott, der für uns in der Gestalt des Jesus von Nazareth am Kreuz hängt will uns wissen lassen:

Es geht noch weiter. Nichts ist zu Ende. Jesus will uns aufzeigen, dass es weitergeht. Mit Seinem Tode ist eben nicht alles aus, wie uns Atheisten so gern beweisen möchten. Mit Seinem Tod hat alles erst so richtig angefangen.

Daher hatte Jesus am Kreuz auch noch die Kraft, sich um uns zu kümmern.
Er wusste, dass es weitergeht, wenn Er diese Erde verlässt. Und erste Vorsorge trifft Er mit dem heutigen Predigttext. Dieser Predigttext hat zwei Adressaten: Den Jünger und Maria.

2. Die Jüngerbotschaft

Siehe, das ist deine Mutter, so lautet die Botschaft an den Jünger Jesu.
Nun muss man bedenken, dass der Stand einer Frau, wenn Angehörige verstarben äußerst dürftig war. In aller Regel bedeutete der Verlust der Angehörigen zugleich den Fall in die Armut hinein. Also brauchte eine Frau damals einen männlichen Fürsorger, um überhaupt irgendwie überleben
zu können. Und dieser wurde auch von Jesus, wie wir es gelesen haben direkt bestimmt.

Und dies ist auch noch ein Zeichen Jesus, dass Er uns heute setzt.

Das Prinzip Fürsorge, welches Jesus noch am Kreuz predigt, gilt uns auch heute noch. Gott stellt uns immer wieder Menschen an unsere Seite und gibt uns den göttlichen Auftrag der Fürsorge.

An dieser Stelle muss ich einmal sagen, dass christlicher Glaube ja nicht irgend etwas abstraktes ist, das einem Denkmodell ähnelt, über welches wir gelegentlich immer mal wieder diskutieren sollen. Nein, christlicher Glaube ist etwas ganz handfestes. Der Glaube ist etwas konkretes. Gott gebietet und wir sollen darauf hören.

Gewiss, liebe Gemeinde, Armut in dieser Form gibt es heute besonders in Deutschland so gut wie gar nicht mehr. Oder gibt es sie doch noch ? Es zeugt bestimmt nicht von Reichtum, wenn Eltern ihren Kindern kein Frühstück mit in die Schule geben können. Und es ist ganz bestimmt konkrete Armut, wenn tausende Kinder in Deutschland nur 2 x wöchentlich eine warme Mahlzeit erhalten. Und in diese Situation hinein werden wir gestellt als Christen. Wir, heute, ganz persönlich !!!

Verzeihen Sie mir, wenn ich dies so drastisch ausdrücke, aber hier können wir zeigen, was wir als Christen wirklich drauf haben. Es geht nicht nur um Spenden für eine Tafel oder für eine Schulspeisung. Es geht auch darum, dass wir ganz konkret mitarbeiten, so wie wir es können. Als
Christen sollen wir gerade da Flagge zeigen, wo es um Randgruppen geht, denen es eben nicht so gut geht, wie der Mehrheit von uns.

Aber es gibt ja nicht nur die materielle, sondern auch die geistliche Armut. In über 50 % der Haushalte finden wir schon keine Bibel mehr. Und ich möchte nicht wissen, in wie vielen Haushalten der Goldschnitt dieses Buches schon zusammengeklebt ist. Hier gilt es ebenfalls anzupacken, wo immer uns dies möglich ist.

Ich höre es leider immer wieder, die Worte: Ich kann einfach nichts für Gottes Reich tun. Ich empfehle immer wieder das Gebet. Gott wird uns schon zeigen wo Er uns wofür gebrauchen kann. Und wenn Er es uns gezeigt hat, dann sollen wir auch zügig zur Tat schreiten.

In dem Maße, wie es uns gelingt, die geistliche Armut zu bekämpfen, werden wir auch die materielle Armut erfolgreich zurückdrängen.

3. Die Marienbotschaft

Jesus hat also dafür gesorgt, dass Maria nicht materiell verarmen muss.
Wir haben gerade gehört, dass Jesus uns immer wieder Menschen anbefiehlt, um deren Wohl wir uns kümmern sollen.

Genauso befiehlt uns Jesus Menschen an, die sich um UNS kümmern. Auch wir sind von ähnlichen Problemen geplagt, wie Maria es war. Wer darf denn heute noch sicher sein, dass sein Einkommen im Alter noch einigermaßen ausreicht. Und wer darf denn noch auf die Sicherheit seines Arbeitsplatzes bauen, wie es noch vor 20 Jahren der Fall war.

Und gerade hier kommt die Botschaft von Jesus auch für uns zum Tragen. Er sagt uns: Mach dir keine Sorgen, ich bin da. Ich war gestern für dich da und ich bin heute für Dich da. Und ich werde auch in Zukunft für dich da sein.

Wenn wir diese Zusage Jesu für uns in Anspruch nehmen, diese Zusage, die all unsere Sorgen relativiert, dann können wir doch alle wieder ein fröhliches Christenleben führen. Gewiss, Probleme wird es in jedem Leben geben. Wir werden bei einem Leben mit Jesus ganz bestimmt nicht „Reich
wie Scheich.“ Und eine Garantie für körperliche Unversehrtheit ist unser Glaube nun auch nicht .

Aber wenn wir unser Leben allein Ihm, in Seine liebenden Hände geben, dann werden wir gerade in den schwersten Stunden unseres Lebens auch Fürsorger an unserer Seite haben, die uns ein Stück weit auf unserem Wege begleiten. Wir nennen sie ja so gern Engel in Menschengestalt. Und
wenn sie ihren Auftrag, den sie von Gott bekommen haben richtig verstehen, dann sind sie es auch ein Stück weit. Das ändert natürlich nichts an der Tatsache, dass wir allezeit unseren Herrn an unserer Seite haben. Nur manchmal benötigen wir halt die konkrete Hilfe von „sichtbaren Engeln“ (Menschen).

Nun kommt jetzt noch ein kleines Problem. Wir müssen auch auf das hören, was uns diese „Engel“ zu sagen haben. Es mag ja sein, dass wir uns auf einem Weg befinden, der uns ganz weit weg von Gott führt. Wenn dann einer dieser „Fürsorger“ auftritt sollen wir auch in Demut erkennen,
dass wir falsch lagen und seiner Ermahnung Beachtung schenken. Ein „Dich schickt der Himmel“ allein ist zu wenig.

Wenn wir unser Christenleben wieder so verstehen, dass wir Fürsorger für unsere Mitmenschen hier auf Erden sind und dass unsere Mitmenschen Fürsorger für uns auf Erden sind, dann verstehen wir auch, was es mit der Faszination Jesus und Seinem Auftrag an uns auf sich hat.

Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. So sagt es uns der Galaterbrief. Und diesen Auftrag wollen wir beherzt annehmen.

Da wir mit den letzten Worten von Dietrich Bonhoeffer begonnen haben, wollen wir auch mit dem Liedvers seines wohl bekanntesten Liedes schließen, der da lautet, wie folgt:

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Der Herr gebe Dir die Kraft, ein Fürsorger für Menschen zu sein, die Deine Hilfe benötigen
Der Herr gebe Dir den Mut, Deinen Fürsorgern zu vertrauen, die ER Dir sendet
Der Herr lege Dir allezeit SEINEN immerwährenden göttlichen Frieden in Dein Herz

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 2. Sonntag in der Passionszeit mit dem Namen Reminiszere. Der zentrale Inhalt des heutigen Sonntages ist der Glaube. Wenn wir unseren Herrn mit dem Wort Reminiszere – Herr, gedenke meiner – anflehen, dann sollten wir uns auch daran erinnern, dass der Glaube keine Einbahnstraße von Gott zu uns ist, sondern dass es auch den anderen Weg, nämlich den Weg von uns zu Gott gibt, den WIR beschreiten sollen. Diesen Weg nennen wir Glaube. Dieser Weg ist nicht immer ganz einfach, wie es uns unser Predigttext für den
heutigen Sonntag aufzeigt. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im 12. Kapitel des Matthäusevangeliums, die Verse 38-42. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Die Zeichenforderung der Pharisäer

Da fingen einige von den Schriftgelehrten und Pharisäern an und sprachen zu ihm: Meister, wir möchten gern ein Zeichen von dir sehen. Und er antwortete und sprach zu ihnen: Ein böses und abtrünniges Geschlecht fordert ein Zeichen, aber es wird ihm kein Zeichen gegeben werden, es
sei denn das Zeichen des Propheten Jona. Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein. Die Leute von Ninive werden auftreten beim jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und werden es
verdammen; denn sie taten Buße nach der Predigt des Jona. Und siehe, hier ist mehr als Jona. Die Königin vom Süden wird auftreten beim Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verdammen; denn sie kam vom Ende der Welt, um Salomos Weisheit zu hören. Und siehe, hier ist
mehr als Salomo.

Liebe Gemeinde,

ich glaube nur, was ich sehe, der Glaube ist für den Religionsunterricht und die Kirche gedacht und nicht für das alltägliche Leben , das sind so die üblichen Sprüche , die ich immer wieder in der gleichen Form höre. Nun wird eine Unwahrheit nicht dadurch zur Wahrheit, dass man sie gebetsmühlenartig wiederholt. Dieses „Ich glaube nur, was ich sehe“ ist gar nicht mal so neu. Es ist auch nicht in der Hochzeit der Naturwissenschaften entstanden. Nein, dieses „Ich glaube nur, was ich sehe“ war schon die Standardantwort der Theologen zur Zeit Jesu. Sie forderten von Jesus sichtbare Zeichen, bevor sie Ihm ihr Vertrauen schenken wollten. Dass sichtbare Zeichen nunmehr mit dem Glauben recht wenig zu tun haben, darauf wies Jesus die Schriftgelehrten in eindringlicher Form hin.

Hinter dieser Antwort unseres Herrn steckt aber noch ein wenig mehr.
Vielleicht ein wenig versteckt, aber doch erkennbar zeigt unser Herr auf, wodurch der Glaube genährt wird und was den Glauben wirklich festigt, sodass er letztendlich gar keine Zeichen mehr zu seiner Verifizierung benötigt. Der Herr Jesus spricht in unserem heutigen Predigttext drei Grundnahrungsmittel des Glauben an, die uns auch heute noch eine wertvolle Lebens-, wenn nicht sogar Überlebenshilfe sein können. Lassen Sie uns über diese drei Grundnahrungsmittel des Glaubens ein wenig näher nachdenken.

1. Vertrauen

Was ist das eigentlich: Vertrauen ? Ich habe eine interessante Definition gefunden, die auch auf den christlichen Glauben angewandt werden kann. Vertrauen ist die feste Annahme, dass Entwicklungen einen positiven oder erwarteten Verlauf nehmen. Jesus hatte ja bis zu diesem Zeitpunkt schon viel über das kommende Reich gepredigt. Eigentlich hätten die Schriftgelehrten und Pharisäer schon erkennen können, dass es sich bei Jesus um den erwarteten Messias handelt. Hätten sie ihre
Schriften eingehender studiert, wären sie unweigerlich auf den Propheten Jona gestoßen.

Wie die Schriftgelehrten damals, so stehen wir doch auch heute noch da.
Wir haben die garantierten Verheißungen in der Bibel, wir können das historische Geschehen des Leidens und der Auferstehung unseres Herrn in der Bibel nachlesen. Und was machen wir ? Genau, wie vor 2000 Jahren die Pharisäer, so wollen auch wir heute noch Zeichen sehen. Und das, liebe
Gemeinde, hat mit Glauben nichts mehr zu tun.

Jesus hat uns versprochen, dass durch Seinen stellvertretenden Opfertod unsere Sünden gesühnt werden. Dies ist geschehen. Jesus hat uns verheißen, dass sich schlussendlich alle Dinge zum Guten wenden werden. Und darauf, liebe Gemeinde, und darauf allein sollen wir vertrauen. Auch wenn es manchmal in der Welt wahrhaftig nicht danach ausschaut, so dürfen wir doch darauf vertrauen, dass am Ende alles gut ausgeht. Zumindest für uns, die wir dem Herrn Jesus Christus gehören.

2. Hoffnung

Hoffnung, so wird sie unter anderem definiert, ist eine zuversichtliche innere Ausrichtung, gepaart mit einer positiven Erwartungshaltung, dass in der Zukunft etwas eintritt, ohne dass wir einen sichtbaren Beweis dafür in Händen halten. Hoffnungsvoll machte sich auch die Königin aus
Saba auf den Weg, um sich davon zu überzeugen, was ihr von König Salomo berichtet worden war. Gewiss, sie hatte zwar einiges von seiner unendlichen Weisheit gehört, aber man weiß ja nie. Die Leute übertreiben schließlich auch gerne. Das hat sich bis heute auch nicht geändert. Nichtsdestotrotz machte sie sich auf den Weg, und stellte fest, dass alles, was sie gehört hatte, eher noch untertrieben war. Ihre Hoffnung auf dass, was sie erwartete wurde also bei weitem übertroffen.

Und so, liebe Gemeinde, sollen wir es auch heute im 21. Jahrhundert mit der Hoffnung handhaben. Wenn die Hoffnung uns nähren soll, dann müssen wir uns auf den Weg machen, um uns von dem zu überzeugen, was uns unser Herr versprochen hat. Wenn wir nur zu Hause sitzen bleiben und warten, dass der Herr zu uns kommt, dann wird unsere Hoffnung sicherlich enttäuscht werden. Wenn wir uns aber auf den Weg machen, um den Grund unserer Hoffnung zu finden, dann verspricht uns Jesus, dass Er sich finden lassen wird.

Und wenn wir Ihn gefunden haben, dann sagt Er uns auch, dass Er bei uns sein wird alle Tage bis an der Welt Ende. Genau, wie bei der Königin von Saba, so wird auch unsere Hoffnung bei weitem übertroffen werden. Warum aber machen sich so wenige Menschen auf den Weg, um sich zu
vergewissern, dass diese Hoffnung erfüllt werden wird ? Ganz einfach, sie verwechseln Hoffnung mit Illusion. Beide liegen nämlich ganz eng beieinander.

Die Hoffnung sagt: „Da könnte etwas sein, also mache ich mich auf den Weg.“
Die Illusion sagt: „Da scheint zwar etwas zu sein, aber ich lasse mich nicht täuschen“.

Raten Sie mal, wer dies in unser Herz hineinlegt. Genau, der Satan, der große Widersacher. Er weiß ganz genau, dass wir für ihn verloren sein werden, sobald wir den Weg der Hoffnung beschreiten.
Lassen wir uns also von nichts und niemandem davon abbringen, den Grund unserer Hoffnung zu suchen und zu finden.

3. Liebe

Das letzte geistliche Grundnahrungsmittel ist die Liebe. Vertrauen und Hoffnung sind beides, wenn wir so wollen, aktive Tätigkeiten von uns. Ernährt und getragen werden Vertrauen und Hoffnung aber durch die Liebe unseres Herrn zu uns. Diese Liebe zu uns war schon in uns, als wir uns
noch gar nicht mit Vertrauen und Hoffnung beschäftigt haben. Diese einzigartige Liebe hat uns erst auf den rechten Weg gezogen.

Wir können nicht von uns aus losgehen um Gott zu suchen. Nein, es ist genau anders herum. Gott sucht uns, sendet Seine Liebe in unser Herz und lässt uns dann den rechten Weg finden und auch gehen. Diese Liebe begleitet uns ein Leben lang. Auch wenn wir sie nicht ständig und immer
und überall spüren. Aber wenn es wirklich einmal brenzlig wird, dann lässt uns Gott Seine Liebe in uns um so intensiver spüren.

Die Schriftgelehrten und Pharisäer verlangten ein Zeichen von unserem Herrn. Wir haben seit 2000 Jahren ein sichtbares Zeichen der Liebe Gottes zu uns überall in unserer Umgebung; nämlich das Kreuz Christi. Dieses Kreuz soll uns alle Zeit daran erinnern: „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“ (Johannes 3, 16).

Wenn wir diese Botschaft, die uns das Kreuz übermitteln will, von Herzen annehmen, dann können wir unseren Weg als Christen bis zu unserem seligen Ende voller Hoffnung und Vertrauen, allein getragen von der Liebe unseres Herrn, gemeinsam gehen.

Dieses, durch Liebe getragene Hoffen und Vertrauen beschreibt auch der Liederdichter Ignaz Franz sehr schön in dem 7. Vers seines Liedes „Großer Gott, wir loben dich…“. Dieser Vers lautet, wie folgt:

Durch dich steht das Himmelstor
allen, welchen glauben, offen;
du stellst uns dem Vater vor,
wenn wir kindlich auf dich hoffen;
du wirst kommen zum Gericht,
wenn der letzte Tag anbricht.

Der Herr schenke Dir Vertrauen, damit Du nicht zweifelst
Der Herr schenke Dir Hoffnung, die Dich trägt
Der Herr schenke Dir SEINE Liebe, die Dich allezeit begleitet

Amen

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche. Lassen wir uns doch alle wieder allein von Gottes Liebe getragen wissen. Auch an scheinbar schweren Tagen dürfen wir uns daran erinnern, dass ER uns letztendlich immer wieder auffängt
und trägt.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber