Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 9. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 3. Kapitel des Briefes an die Philipper, die Verse 7-11-. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet. Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn. Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, damit ich Christus gewinne und in ihm gefunden werde, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird. Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleichgestaltet werden, damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten.

Liebe Gemeinde,

was uns Paulus hier beschreibt ist seine eigene geistliche Entwicklung, angefangen von der Zeit, als er unter dem Gesetz lebte bis hin zum heutigen Tage, also dem Tage, wo er diesen Brief verfasst hat. Im Prinzip hatte Jesus sein gesamtes Leben auf den Kopf gestellt und alle seine bisherigen Werte in Frage gestellt. Schauen wir doch einmal, wie das vor sich gegangen ist und ob das auch noch für uns heute im 21. Jahrhundert von Bedeutung ist.

1. Was kümmert mich mein Geschwätz von vorgestern…..

Zugegeben, dieses Zitat stammt von unserem ersten Bundekanzler, Herrn Dr. Konrad Adenauer. Er brachte damit zum Ausdruck, dass der Mensch im Leben immer lernfähig bleiben muss und sich Situationen im Leben ergeben, die eine Umkehr erforderlich machen.

So war dies auch bei Paulus geschehen. Paulus war ja nicht irgendjemand. Von der Abstammung her gehörte er zum Stamme Benjamin, also ein waschechter Jude. Und nicht nur das, er gehörte auch zu den Pharisäern, die streng gläubig lebten und dies auch von ihren Mitmenschen einforderten. Ein richtiges Glaubensvorbild war er, dieser Saulus von Tarsus. Mit Feuereifer bekämpfte er die daher auch die neue Sekte, die immer größer zu werden drohte, sich Christen nannte und von irgendeiner ominösen Auferstehung eines hingerichteten Verbrechers berichtete, der der Welt Retter sei.

Es musste also schon ganz was Besonderes passieren, bis man so jemand von seinem Glauben abbringen konnte. Und das war dann ja auch passiert auf dem Wege nach Damaskus. Da stellte sich genau derjenige ihm in den Weg, der der Auslöser dafür war, dass Paulus seine Anhänger bis auf den Tod hin verfolgte.

Mit einem Male war ihm klar geworden, dass dieser Jesus tatsächlich der Christus, also der Messias war, auf den die Welt so lange gewartet hatte. Obwohl er ihn verfolgte, sprach er ihn ganz persönlich an und wollte ganz speziell ihn, den großen Christenverfolger in seinem Dienste haben.

Jeder von uns, der für eine bestimmte Position Partei ergreift, lässt sich so schnell doch nicht von seiner Position abbringen. Auch wenn manch ein Argument dagegen sprechen sollte, so halten wir doch für gewöhnlich an unseren festen Positionen fest bis es eben gar nicht mehr geht. Umso erstaunlicher ist dann doch die „Augenblickswirkung“ die Paulus erlebte. Diese Gnade, diese Barmherzigkeit und diese Wärme, die er spürte, wandelten von einem Augenblick zum anderen seinen Sinn.

Alle religiösen Leistungen rückten total in den Hintergrund. Er wusste: Ich will nur noch diesem Christus nachfolgen. Allein darin liegt das Heil der Menschheit und nicht in irgendwelchem religiösen Zinnober. All das war für Paulus wertlos geworden, er bezeichnete es sogar als Dreck. Im Originaltext steht übersetzt sogar das Wort Sch…, welches wir unseren Kindern verbieten zu benutzen.

Paulus hatte erkannt, dass es nicht darum geht, sich auf sich selbst und seine Fähigkeiten zu verlassen, um vor Gott gut dazu stehen, sondern dass es darum geht allein dem Christus zu vertrauen und dem, was er für uns getan hat. Allein wenn wir uns darauf berufen, dann stehen wir vor Gott gut da.

Machen wir es doch dem Paulus nach. Hören wir doch endlich auf, uns auf alle möglichen Guttaten und religiösen Leistungen zu berufen. Berufen wir uns doch allein auf den, der uns in den Himmel bringen kann.

2. Christus allein

Christus allein ist das, was uns in den Himmel bringt. Alles andere ist egal. Das ist die Erkenntnis, die ihn getroffen hat, wie ein Blitzschlag. Und dann durfte er auch erkennen, dass dieser Christus nicht nur für die Juden gestorben war, sondern dass dieser Christus für alle Menschen der Weg in den Himmel sein will.

Um in den Himmel zu kommen musste man kein Jude sein, beschnitten sein und alle möglichen Ge- und Verbote achten. Nein, es gab ihn sofort wieder, den direkten Weg zu Gott ohne alle Religion. Der Weg war denkbar einfach. Jeder Mensch, der in den Himmel kommen wollte, brauchte nur die Erlösungstat dieses Christus im Glauben für sich in Anspruch zu nehmen und schon war er als Gottes Kind angenommen und angekommen in der Gemeinschaft derer, die das ewige Leben ererben sollten.

Ich glaube, dies bereitet uns auch heute noch große Schwierigkeiten. Wenn etwas als besonders simpel und einfach erscheint, dann vermuten wir ja (meist zu Recht) einen Pferdefuß hinter dieser Sache. Und so ist es für viele unsere Mitmenschen auch schwer, zu glauben, dass allein ihr „Ja“ vollkommen ausreicht.

Aber es führt für uns alle kein Weg daran vorbei zu erkennen, dass ich nicht in den Himmel komme, weil ich ein Konto voller guter Taten vorzuweisen habe, sondern dass ich in den Himmel kommen kann, weil Jesus die eine aber entscheidende gute Tat für mich getan hat.

Wenn wir dies genau so anerkennen, wie es geschehen ist, dann erkennen wir auch dass wir in einer völligen, aber bitte positiven, Abhängigkeit, von dem Leben, der uns erlöst hat. Der uns erlöst hat möchte ja nicht, dass wir nach dieser Erkenntnis so weiterleben, wie bisher. Nein Jesus möchte unser ganzer Lebensinhalt werden. Daher ist unser Ja auch nur der Anfang unseres gemeinsamen Weges mit unserem Herrn.

Seien wir offen für IHN und sein Wort und lassen wir uns von IHM gebrauchen, um möglichst vielen Menschen dabei zu helfen, dass sie zu derselben Erkenntnis kommen dürfen wie wir.

3. Durch Leid und Tod hindurch

Wir Menschen fragen uns natürlich oft: Was habe ich denn hier und heute davon? Es ist ja gut, dass ich in den Himmel komme, aber hier auf Erden, was habe ich da von diesem Christus und meinem Ja tu dem, was er für mich getan hat?

Gerade hier auf Erden haben wir ab sofort einen Beistand, der immer mit uns auf Reisen ist. Jesus in der Gestalt des Heiligen Geistes ist immer mit uns. Ich habe mal ein Zitat gelesen, welches dieses sehr schön wie folgt beschreibt:

„Bei wem Christus im Herzen wohnt, der trägt den Himmel immer mit sich, ganz gleich an welchem Ort er sich befindet.“

Besser kann man es nicht ausdrücken. Gerade Weltmenschen neigen ja dazu, dies als frommes Geschwafel abzutun. Aber schauen wir doch einmal in der Bibel nach. Kaum ein Apostel war dem Tode so oft so nah, wie Paulus. Feindseligkeiten, Verfolgungen, Folterungen und noch viel mehr musste er durchleiden. Aber immer war der eine bei ihm, der auch ihm versprochen hatte „Siehe, ich bin bei dir alle Tage…“

Das Schöne daran ist, dass diese Zusage des einen bis auf den heutigen Tag nichts von ihrer Aktualität verloren hat. Wie sie damals für Paulus galt, so gilt sie auch heute für uns. Und darum ist es auch nicht verwunderlich, dass Paulus voller Energie, getragen von der Hoffnung und geborgen von unserem Herrn seinen Lebensweg fröhlich weitergegangen ist. Immer in der festen Gewissheit, dass er am Ende in ständiger Gemeinschaft mit dem Leben darf, der ihn erlöst hat.

Wenn wir uns tagtäglich immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass Gott uns so sehr liebt, dass er seinen Sohn geopfert hat, damit wir für immer bei ihm sein können, dann können auch wir getragen von der Hoffnung in völliger Geborgenheit unseres Herrn unseren weiteren Lebensweg ganz getrost beschreiten.

Es gibt so viele Anti-Sorgen-Seminare und Lebenscoaches, die uns helfen wollen, in unserem Leben einigermaßen gut zurechtzukommen. Halten wir uns doch lieber an den EINEN, der uns hier in dieser Welt ein treuer Begleiter ist und der in der anderen Welt bereits auf uns wartet.

Wenn wir uns so in den Dienst des Herrn stellen lassen, dann tun wir dies bestimmt gern so, wie es der erste Vers des Liedes „Nun jauchzet dem Herrn alle Welt…“ (EG 288) von David Denecke beschreibt, der da lautet, wie folgt:

Nun jauchzet dem Herrn, alle Welt!
Kommt her, zu seinem Dienst euch stellt,
kommt mit Frohlocken und säumet nicht,
kommt vor sein heiliges Angesicht.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und eine ganz tolle Sommerwoche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 6. Sonntag der Passionszeit, dem Palmsonntag. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Philipperbrief, Kapitel 2, die Verse 5-11. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Jesus Christus entspricht: Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in den Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.

Liebe Gemeinde,

„Seid unter euch so gesinnt, wie ihr es auch Christus gegenüber seid“, so könnte der erste Satz des heutigen Predigttextes auch übersetzt werden. Da stellt sich natürlich die Frage für einen jeden unter uns: Wie bin ich denn Christus gegenüber gesinnt ? Oder: Wie sollte ich Christus gegenüber gesinnt sein ? Lassen Sie uns den heutigen Palmsonntag einmal dazu benutzen um über unser Verhältnis unserem Herrn gegenüber und unser Verhältnis unseren Mitmenschen gegenüber einmal etwas intensiver nachzudenken.

1. Aufmerksamkeit – Zuhören

Die Beziehung von uns Christen unserem Herrn gegenüber ist zunächst einmal vom Hören geprägt. Wenn ich nach meiner Bekehrung wissen möchte, wie ich mich als Christ verhalten soll, dann muss ich dies, wie wir alle, zunächst einmal lernen.

Indem ich auf das Wort Gottes höre und die Worte der Bibel beachte, lerne ich im Laufe der Zeit jede Menge über meinen Herrn, und darüber, wie ich mich als Christ in der Welt verhalten soll.

Das Hören wichtiger ist als das Reden, das sehen wir auch schon an unserer genetischen Ausstattung. Gott hat uns 2 Ohren, aber nur einen Mund gegeben. Klingt natürlich ein wenig scherzhaft, aber lassen Sie uns irgendwann am heutigen Tage einmal in Ruhe darüber nachdenken.

So, und dieses Verhalten sollen wir auch auf unsere Mitmenschen übertragen. Wir sollen Ihnen ehrliche Aufmerksamkeit entgegenbringen und ihnen auch wirklich mit dem Herzen zuhören. Seien wir doch mal ehrlich, wenn wir uns mit jemandem unterhalten, dann möchte doch jeder gern am meisten sagen. Und wie schnell unterbrechen wir unseren Gesprächspartner, weil wir meinen zu wissen, was er uns sagen will.

Lernen wir doch wieder das aktive Zuhören. Sprechen wir doch erst dann, wenn der andere Gesprächspartner seine Ausführungen beendet hat. Und bringen wir unserem Gegenüber doch genau so viel Achtsamkeit entgegen, wie wir das unserem Herrn gegenüber tun. Und lassen Sie uns dies nicht nur den Großen und Mächtigen gegenüber tun, sondern vor allem den Kleinen und Machtlosen unserer Gesellschaft gegenüber.

2. Treue und Ehrlichkeit

Diese zwei Tugenden sind für uns Christen unabdingbar. Treu und ehrlich sind wir doch alle, oder etwa doch nicht?

Unser Verhältnis Jesus gegenüber ist von Treue geprägt. Aber Achtung, ER ist uns immer wieder treu, auch wenn wir doch so manches Mal auf falschen Pfaden wandeln. Seine Treue und seine feste Zusagen nimmt er deswegen nicht von uns weg.

Jetzt übertragen wir dies einmal auf unsere Mitmenschen. Wie oft haben wir uns schon von unserem Gegenüber abgewandt, weil er uns vielleicht enttäuscht hat. Wie viele Beziehungen sind dadurch schon in die Brüche gegangen, dass wir eben unserem Gegenüber nicht verzeihen konnten.

Der Herr Jesus hat es ja schon dem Petrus gesagt, wie oft man einem Menschen verzeihen muss, 7 mal 70 mal. Also immer und immer wieder. Und jetzt kommt der Knackpunkt: Ich kriege das nicht hin. Gut, wenn mich ein Bekannter betrogen hat und um Verzeihung bittet, dann bekomme ich die Verzeihung vielleicht einmal hin. Aber wenn das Ganze zum Dauerzustand wird, dann ist das Ende der Fahnenstange bei mir jedenfalls irgendwann dann doch erreicht.

Ja, liebe Gemeinde, und dann hilft nur noch eines, nämlich der Gang zum Kreuz, wo ich wieder Kraft tanken kann, um Jesu Anspruch dann doch noch gerecht werden zu können. Aber selbst das haut leider nicht so hin, wie ich dies gern hätte. Dann bleibt nur noch eines, den Herrn um seinen Beistand ganz konkret in dieser Angelegenheit zu bitten. Und dann klappt es dann doch noch.

Übrigens, wir Christen sollen nicht die Deppen der Nation sein, die jedem Menschen immer und immer wieder alles, was er uns antut nachsehen unter dem Motto: Na ja, der ist halt als Kind zu heftig geschaukelt worden, der kann ja gar nicht anders. Nein, liebe Gemeinde, dies ist hier nicht gemeint.

Vergeben und Verzeihen setzt auch bei unserem Gegenüber eine aktive Reue voraus und die ehrliche Bereitschaft, wohlgemerkt nur die ehrliche Bereitschaft, sein Verhalten uns gegenüber ändern zu wollen und mit uns neu anfangen zu wollen.

3. Barmherzigkeit

Wenn wir Jesus gegenübertreten, dann erwarten wir ja allgemeinhin seine Barmherzigkeit. Die kalte Schulter mit der er uns abweist, die kennen wir bei Jesus jedenfalls nicht. Aber wir kennen sie häufig bei uns.

„Wenn der mir noch mal begegnet, na der kann sich auf was gefasst machen…“ Wenn wir ehrlich sind, dann haben wir doch alle schon einmal so gedacht. Und genau dies sollen wir eben nicht machen. Wir, die wir Barmherzigkeit empfangen haben, sollen diese Barmherzigkeit an unsere Mitmenschen weitergeben.

Barmherzigkeit unseren Mitmenschen gegenüber ist kein oberflächliches „Schwamm drüber…“. Das würde sowieso nicht lange gut gehen. Echte Barmherzigkeit ist getragen von der Erkenntnis, dass von allem, was der andere getan hat auch ein Stück davon in mir vorhanden ist. Und weil mir mein Herr sogar dieses Verhalten vergeben hat, bin ich aufgerufen, dies genau so zu tun.

Barmherzigkeit ist die Erkenntnis: Ich bin ein Stück weit wie Du und wir sind beide von der Barmherzigkeit Gottes abhängig. Jeden Tag in unserem Leben. Und darum sollten wir einander beistehen.

4. Der Knecht und der Herr

Wenn wir in der Gemeinschaft mit unserem Herrn sind, dann sind wir die Knechte und er der Herr. Das ist uns allen natürlich vollkommen klar und da würde auch ernstlich niemand unter uns dran rütteln wollen.

Aber wie machen wir es denn in der Gemeinschaft mit unseren Mitmenschen. Ist diese Gemeinschaft und damit auch ein Stück weit unsere heutige Leistungsgesellschaft nicht ganz besonders von einem Machtdenken bestimmt. Je mehr Menschen ich unter mir habe, desto mächtiger bin ich und desto größer ist mein Einfluss und desto mehr Menschen müssen machen, was ich sage.

Und auch so sollen wir nicht miteinander umgehen. Einer trage des anderen Last, so werden wir das Gesetz Christi erfüllen, so lesen wir es im Galaterbrief.

Also nicht den anderen möglichst kleinhalten, sondern ihm Lasten abnehmen, damit auch er, wie wir, wachsen kann. Nicht immer nur ICH, sondern immer auch DU.

Was heißt dies ganz konkret: Ganz konkret hießt dies Nächstenliebe üben. Überall, wo ich bin soll ich Ausschau halten, wem ich in diesem Moment der Nächste sein kann, ganz praktisch ohne jedwede strategische Vorplanungen.

Übrigens: Der Nächste ist nicht der nächste nette Kollege, sondern auch derjenige, über den ich mich vielleicht schon seit Wochen über alle Maßen ärgere.

Wenn wir das jetzt einmal Revue passieren lassen: Aufmerksamkeit, Zuhören, Treue und Ehrlichkeit, Barmherzigkeit, dienender Knecht, dann sind das alles Eigenschaften, die ich nicht in der Lage bin so durchzuführen, wie Jesus sie von mir erwartet. Das kriege ich nie und nimmer hin. Mag sein, dass es mir das ein oder andere Mal gelingt, aber im Großen und Ganzen stoße ich dabei doch immer wieder an meine Grenzen.

Und wo meine Grenzen sind, da steht Jesus und will mir über diese Grenzen hinweghelfen. Ich muss ihn nur darum bitten. Wenn ich dies immer dann tue, wenn ich mit den genannten christlichen Tugenden mal wieder auf Kriegsfuß stehe, dann wird mir immer wieder auf wunderbare Art und Weise geholfen werden.

Wollen wir es gemeinsam einfach mal 1 Woche lang zusammen ausprobieren ?

Ein singendes Gebet, um Bitte, genau dahin zu gelangen finden wir im 2. Vers des Liedes „Dir, dir, o Höchster, will ich singen…“ von Batholomöus Crasselius, der da lautet, wie folgt:

Zieh mich, o Vater, zu dem Sohne, damit dein Sohn mich wieder zieh zu dir;
dein Geist in meinem Herzrn wohne und meine Sinne und Verstand regier,
dass ich den Frieden Gottes schmeck und fühl und dir dar ob im Herzen sing und spiel.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag. Bis zum nächsten Donnerstag, dem Gründonnerstag befehle ich Sie alle der Liebe unseres segnenden und behütenden Herrn an.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 4. Sonntag im Advent.
Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Philipperbrief, Kapitel 4, die Verse 4-7. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam
lesen:

Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich euch: Freuet euch! Eure Güte lasst kund sein allen Menschen! Der Herr ist nahe! Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden ! Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Liebe Gemeinde,

wer den Text mitgelesen hat, der hat sicherlich die vielen Ausrufezeichen bemerkt, die wir dort vorfinden. Ich habe einmal im Duden nachgeschaut welche Definition er denn für ein Ausrufezeichen hat. Sie lautet: Das Ausrufezeichen verleiht dem vorangehenden besonderen Nachdruck. Da wir im Predigttext 4 Ausrufezeichen haben, muss der Predigttext wohl auch 4 für uns ganz wichtige Botschaften in sich haben.
Schauen wir uns diese einmal der Reihe nach an.

1. Freuet euch !

Weihnachten steht vor der Tür. Wir freuen uns über ein paar freie Tage, die wir in Ruhe verbringen dürfen. Wir erfreuen uns an der weihnachtlichen Dekoration in unseren Wohnungen und an der heimeligen Stimmung auf dem Weihnachtsmarkt. Also was soll dann diese Aufforderung in unserem heutigen Predigttext. Wir freuen uns doch schon.

Diese vordergründige, bald wieder vergehende Freude ist aber in unserem Predigttext nicht gemeint. Wir sollen uns über das freuen, was unser Heiland für uns getan hat. Wäre der Herr Jesus nicht für uns gestorben und hätte damit ein für alle Mal für unsere Sünden bezahlt, dann hätten wir heute keinen freien Zugang zu unserem Herrn im Himmel. Aber gerade weil unser Herr dies alles für uns getan hat, ist unser Weg in den Himmel wieder frei.

Und darüber, liebe Gemeinde, dürfen wir uns freuen. Diese tiefe Freude will uns ein Leben lang begleiten. Auch wenn die äußeren Umstände wenig Grund zur Freude geben, dann dürfen wir uns trotzdem an dem erfreuen, was unser Herr für uns getan hat. Wir dürfen uns nur nicht von äußeren Umständen treiben lassen. Im Herzen soll immer diese Freude alles überlagern, was uns diese Freude verderben könnte.

Diese Freude dürfen wir das ganze Jahr, und nicht nur in der Vorweihnachtszeit und an den Weihnachtsfeiertagen in uns tragen.

2. Eure Güte lasst kund sein allen Menschen

Liebe Gemeinde, unser Herr ist nicht allein für uns, sondern für die gesamte Menschheit ans Kreuz gegangen. Natürlich sollen wir diese Freude und dieses Geschenk ganz für uns persönlich in Anspruch nehmen.

Aber wir sollen diese Freude nicht in unsere Herzen einschließen. Wir sollen diese Freude weitergeben. Wir sollen sie allen Menschen weitergeben, die diese noch nicht in sich tragen. Gott will uns dabei als seine Werkzeuge gebrauchen.

So wie es viele verschiedene Werkzeuge gibt, so gibt es auch viele verschiedene Möglichkeiten diese Freude weiterzugeben. Dem einen liegt es, anderen Menschen von dieser Freude zu erzählen. Dem anderen liegt es vielleicht eher diese Freude in praktische Taten umzusetzen und sich so für andere Menschen einzusetzen. Ich bin fest davon überzeugt, dass unser Herr einem jeden von uns ganz genau zeigen will und wird, wie wir diese Freude ganz persönlich weitergeben können.

Eine Eigenschaft erfahren wir direkt am Anfang des Satzes. Eure Güte…
Was ist das denn eigentlich, die Güte ? Wenn wir den Originaltext betrachten, dann kann dieses Wort auch mit Gnade und Milde übersetzt werden. Wir sollen bei allem was wir tun die Gnade und die Milde im Vordergrund walten lassen.

3. Der Herr ist nahe !

Jetzt so unmittelbar vor dem Weihnachtsfest ist diese Botschaft eigentlich nichts besonderes. Aber schauen wir mal ein wenig weiter.
Weihnachten wurde Jesus geboren, ganz ohne Zweifel. Aber er kommt noch einmal wieder zurück. Dann allerdings nicht als kleines Kind in der Krippe, sondern als König aller Könige. Bis zu diesem Zeitpunkt hat jeder Mensch, der auf Erden lebt die Möglichkeit zu ihm zurückzukehren und das Himmelswohnrecht in Anspruch zu nehmen.

Mit unserem Tod auf Erden und mit dem neuerlichen Kommen unseres Herrn endet dann diese Möglichkeit. Da wir beide Zeitpunkte nicht kennen, ist es heute an der Zeit, diese Entscheidung zu treffen und heute ihm alle unsere Sünden zu bekennen. Wenn wir dies hier und jetzt tun, dann sind wir augenblicklich Himmelsanwärter. Von diesem Augenblick an müssen wir uns keine Sorgen mehr darüber machen, wie es denn mit unserem Leben weitergeht. Ab diesem Moment übernimmt der Herr Jesus das Ruder in unserem Lebensschiff und steuert uns auf den Himmel zu.

Der Herr ist nahe hat aber nicht nur eine zeitliche, sondern auch eine örtliche Komponente. Der Herr ist uns auch örtlich heute schon ganz nahe. David drückt dies in Psalm 139 sehr treffend aus, wenn er sagt:
„Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“

Wenn wir von Gott im Himmel sprechen, dann denken viele Menschen immer, dass Gott Millionen von Kilometern von uns entfernt ist. Als Kinder haben wir das Lied gesungen: „In dem Himmel ferne, da wo die Englein sind…“ Da habe ich noch ziemlich naiv gedacht: Da kann ja kein Mensch hinkommen. Wir waren zu dieser Zeit ja noch nicht einmal auf dem Mond gelandet. Aber Gott sei Dank wohnt Gott nicht in dem Himmel ferne.

Er ist nämlich hier. Hier mitten unter uns. Und darüber dürfen wir uns freuen. Er ist nur eine Handbreit von uns entfernt und hält schützend seine Hand über uns. Darauf dürfen wir uns verlassen. Darauf dürfen wir unser ganzes Leben aufbauen.

4. Sorgt euch um nichts ….!

Das sagt sich so einfach. Wenn Gott wüsste, was ich alles für Nöte und Probleme habe, dann würde er dies ganz bestimmt nicht zu mir sagen.
Doch, liebe Gemeinde, dann würde er dies noch viel eindringlicher sagen.

All das, was uns Sorgen bereitet und was uns bedrückt sollen wir nämlich im Gebet vor ihn bringen. Er, der schützend seine Hand über uns hält, möchte uns nämlich auch ganz konkret bei all unseren Alltagssorgen und Nöten zur Seite stehen. Wir dürfen alles vor ihn bringen und fest darauf vertrauen, dass nur das geschehen wird, was am besten für uns ist. Darum dürfen wir ihm auch schon in unserem Sorgengebet von Herzen danken, dass er bei uns ist und uns zur Seite steht.

Liebe Gemeinde, wenn wir dies tun, dann wird der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, unsere Herzen und Sinne bewahren in Christus Jesus unserem Herrn. Ist das nicht das schönste Weihnachtsgeschenk, was man uns bereiten könnte.

Dieses unbedingte Vertrauen auf unseren Herrn beschreibt der Liederdichter Paul Gerhardt sehr schön in dem zweiten Vers des Liedes „Befiehl du deine Wege…“ (EG 361), der da lautet, wie folgt:

Dem Herren musst du trauen, wenn dir’s soll wohlergehn; auf sein Werk musst du schauen, wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein lässt Gott sich gar nichts nehmen, es muss erbeten sein.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig Der Herr heb sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten 4. Advent und ich verabschiede mich bis zum nächsten Donnerstag, dem Heiligabend.

Herzlich Grüße sendet Ihnen allen
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Reformationstag im Jahre 2014. Was hat die Reformation uns eigentlich gebracht? Zunächst einmal ist es zu einer Kirchenspaltung gekommen. Diese war jedoch von Dr. Luther gar nicht beabsichtigt gewesen. Luther wollte eigentlich nur die
Kirche aufrütteln, aufrütteln für das wirklich Wichtige im Glauben. Und das wirklich Wichtige für unseren Glauben finden wir in unserem heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext im Philipperbrief, Kapitel 2, die Verse 12-13. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Also, meine Lieben, wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht allein in meiner Gegenwart, sondern jetzt noch viel mehr in meiner Abwesenheit, schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und mit Zittern. Denn Gott ist’s, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.

Liebe Gemeinde,

Reformen sind immer dann notwendig, wenn sich Missstände offenbaren und Entwicklungen in die falsche Richtung eingetreten sind. So war es denn auch Luther ein Anliegen, das Verhalten der Kirche nach Kräften zu kritisieren, da falsche Prämissen dafür gesorgt haben, dass die Kirche ein recht dubioses Eigenleben zu führen begonnen hatte, um es einmal recht vorsichtig auszudrücken. Wie eingangs erwähnt, wollte Luther auf keinen Fall eine Spaltung der Kirche herbeiführen, aber er konnte nicht anders, als auf das hinzuweisen, was wirklich wichtig ist für ein Leben im Glauben und ein Leben mit unserem Herrn. Was ist denn wirklich wichtig im Glaubensleben?

1. Gehorsam

Bei Gehorsam denke ich immer gleich an den Erziehungsstil vergangener Jahrhunderte. Oder aber an das Befehl-Gehorsam-Modell der Bundeswehr. Egal, was befohlen wird, man hat gehorsam zu sein und hat das zu machen, was der Befehlshaber vorgibt.

Und so sollen wir als Christen leben? Ja, liebe Gemeinde, so sollen wir als Christen leben. Nur sollten wir bedenken, dass Gott kein hergelaufener Despot ist, der uns nach allen Regeln der Kunst immer und immer wieder schikanieren möchte. Gott ist derjenige, der es wirklich gut mit uns meint.

Und weil er es wirklich gut mit uns meint, hat er uns eine Bedienungsanleitung für unser Leben geschenkt. Wenn wir uns strikt an diese Bedienungsanleitung halten, dann können und werden wir ein Leben führen, welches Gott gefällt. Und wir werden ein Leben führen, das uns inneren Frieden, Freiheit und Zufriedenheit beschert.

Mit der Bibel verhält es sich ähnlich wie mit der Sparkasse. Beide nutzen uns nur, wenn sie geöffnet sind. Eine im Schrank verstaubende Bibel wird uns kaum eine große Hilfe sein, wenn wir uns auf den Weg machen um nach dem Willen Gottes für unser Leben zu fragen. Wir müssen dieses Buch schon aktiv in die Hand nehmen. Wenn wir uns einen schnellen Überblick darüber verschaffen wollen, was Gott von uns erwartet, dann nehmen wir am besten den Jakobusbrief zur Hand.

Lesen wir ihn doch heute Nachmittag einmal aufmerksam durch. Übrigens, mit dem einmaligen Lesen ist es nicht getan. Alles im Leben braucht eine gewisse Übung, bis dass es einem „locker“ von der Hand geht. Also lassen Sie uns ständig in unserer Bedienungsanleitung nachlesen, wie wir ein
gottgerechtes Leben führen können.

Gehorsam sollen wir sowohl im Innen- als auch im Außenverhältnis sein. Außenverhältnis meint hier die Gemeinde und unser Verhalten dort. Aber viel wichtiger ist, was in dem sogenannten stillen Kämmerlein passiert. Sind wir dort Gott auch noch gehorsam? Dann, wenn uns keiner sieht, tun
wir dann auch noch, was Gott von uns erwartet?

2. Schaffen, selig zu werden

Das hört sich doch knallhart nach Werkgerechtigkeit an. Und genau die, so Martin Luther, gibt es nicht. Allein die Schrift, allein der Glaube, allein die Gnade sind es nach Martin Luther, die uns das Heil bringen.

Wenn wir unseren Predigttext weiterlesen, dann steht dort, dass wir das Heil erlangen mit Furcht und mit Zittern. Haben wir also doch den einen großen Gott, der nur darauf wartet, dass wir einen Fehler begehen um uns dann abstrafen zu können? Nein, liebe Gemeinde, so sind diese Worte
sicherlich nicht gemeint.

Mit der Furcht ist hier die Ehrfurcht gemeint, die wir Gott entgegenbringen sollen. Und mit Zittern ist auch nicht Angst verbunden. Zittern anders übersetzt bedeutet Inbrunst. Wenn wir den Predigttext so lesen, dann bedeutet dies für uns, dass wir mit unserem ganzen Körper, unserer ganzen Seele und unserem ganzen Geist bereit sein müssen, uns und unser Leben dem Herrn zu übergeben.

Wenn wir ehrfurchtsvoll auf Gott schauen, auf den Gott, der uns durch seine Erlösungstat den Weg zu ihm wieder frei gemacht hat, dann dürfte es uns nicht allzu schwerfallen, diesen entscheidenden Schritt zu gehen. Wenn mir heute jemand sagt: „Übergib mir all Deine Nöte, Sorgen und Probleme, denn ich möchte für Dich sorgen.“, dann würde ich dies sofort tun, wenn ich gewiss bin, dass dieser Jemand auch dazu in der Lage ist. Und Gott ist dazu in der Lage. Wir müssen ihn nur lassen. Er drängt sich niemandem auf, aber er möchte jedem helfen.

Da kann uns auch keine Kirche oder irgendeine Glaubensgemeinschaft helfen. Diesen einen entscheidenden Schritt müssen wir schon selber tun.

3. Gott wirkt

Liebe Gemeinde, wenn wir das bisher so gemacht haben, wie es uns unser heutiger Predigttext vorgeschlagen hat, dann werden wir erleben, dass Gott unmittelbar in uns wirkt.

Und wieso funktioniert das ganze so schlecht? Schuld daran ist ganz bestimmt nicht Gott. Wir sind es, die wir uns immer wieder als sehr kontraproduktiv erweisen. Sehen wir es einmal so: Gott möchte uns als seine Werkzeuge benutzen, um bei dem Aufbau seines Reiches behilflich zu sein. Also wird Gott uns schon zeigen, wie wir wo, was wann machen sollen. Wir müssen nur aktiv auf ihn hören. Hören bedeutet aber auch, dass ich mir die Zeit nehmen muss, Gott zuzuhören.

Mal ganz ehrlich, wie oft haben wir einfach keine Zeit, um Gott um seinen Rat und seine Hilfe zu bitten? Wie oft agieren wir in blindem Aktionismus und wundern uns dann, wenn uns etwas nicht so gelingt, wie wir es uns vorgestellt haben. Manchmal meinen wir dann, noch einen draufsetzen zu müssen, wenn wir Gott für das Misslingen dann auch noch die Schuld in die Schuhe schieben wollen.

„Nimm Dich nicht so wichtig, nimm Dir Zeit für Gott“, das las ich vor kurzem auf einem Plakat in einer großen deutschen Innenstadt. Und ich glaube das ist es auch, was wir wieder öfters beherzigen müssen. Alles, was wir sind und haben, haben wir Gott zu verdanken. All das hat er uns geschenkt. Danken wir ihm doch wieder häufiger dafür und nehmen wir uns doch wieder mehr Zeit, um auf sein Wort zu hören.

Mehr wollte Luther uns auch gar nicht sagen. Dass es darüber zu einer Kirchenspaltung gekommen ist, würde wohl am meisten Luther selber bedauern. Heute ist doch ein guter Tag, um auch damit zu beginnen, anderen Konfessionen die Hand zu reichen. Suchen wir doch vielmehr die Gemeinsamkeiten, die uns verbinden. Und lassen Sie uns doch alles Trennende versuchen in Liebe und Demut zu überwinden. Nicht nur Dr. Martin Luther würde sich darüber freuen.

Was für einen Fels in den Brandungen unseres Lebens wir in unserem Herrn haben, das beschreibt Martin Luther sehr schön in dem ersten Vers des Reformationsliedes schlechthin „Ein feste Burg ist unser Gott…“ (EG 362), der da lautet, wie folgt:

Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen.
Der alt böse Feind mit Ernst er’s jetzt meint,
groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist,
auf Erd ist nicht seinsgleichen.

Der Herr helfe Dir stets, ihm allein gehorsam zu sein
Der Herr sende seinen Willen in Dein Herz hinein
Der Herr lasse Dich stets einen fröhlichen Diener seines Willens sein

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen geruhsamen Reformationstag. Bis zum nächsten Sonntag wünsche ich Ihnen allen Gottes reichen Segen.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

ch grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 7. Sonntag nach Trinitatis. Wie sieht sie eigentlich aus die ideale Gemeinde. Sind wir eine ? Oder ist es die Nachbargemeinde, die sich als ideale Gemeinde versteht ?
Unser Predigttext beschäftigt sich genau mit diesem Thema.
Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im Brief des Paulus an die Philipper,
Kapitel 2, die Verse 1-4. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Leben in Gemeinschaft mit Christus

Ist es nun bei euch Ermahnung in Christus, ist Trost der Liebe, ist Gemeinschaft des Geistes, ist herzliche Liebe und Barmherzigkeit, so macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und einträchtig seid. Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient.

Liebe Gemeinde,

das sind auf den ersten Blick ein ganzer Haufen von Eigenschaften, die von uns erwartet werden, wenn wir ein Leben in der Gemeinschaft mit Christus führen möchten. Wenn wir den Predigttext ein wenig näher analysieren, dann bilden sich zwei große Bereiche heraus, die uns als christliche Gemeinschaft auszeichnen sollen. Lassen Sie uns diese beiden Bereiche heute morgen ein wenig näher betrachten.

1. Eintracht

Einträchtig bei- und nebeneinander so sollen wir als Christen leben.
Keine Meinungsverschiedenheiten, immer vergebungsbereit und stets freundlich bleiben. So sieht gelebte Eintracht aus. Aber ist das wirklich die Eintracht, die hier gemeint ist ? Ich glaube kaum. Denn den soeben geschilderten Eintrachtsbegriff könnte wohl kaum einer von uns mit Leben füllen.

Denn dann wäre ja schon das unterschiedliche Verständnis der einzelnen Konfessionen keine Eintracht mehr. „Einheit und Vielfalt“ so drückte es Papst Johannes Paul II aus, wenn er über Eintracht im Glauben redete.

Wenn Paulus die Philipper zur Eintracht ermahnt, dann meint er damit nicht eine immerwährende Harmonie, sondern er ruft die Gemeinde auf, bei allen Streitigkeiten und Zwistigkeiten, die immer wieder in einer Gemeinde auftreten können, stets auf den einen zu sehen, der als Oberhaupt über der Gemeinde steht – auf Jesus Christus.

Wenn wir in unserem Leben immer wieder auf Christus schauen, dann können konfessionsgebundene Unterschiede niemals zu Grabenkämpfen führen, die unübersichtliche Spuren hinterlassen. Wenn wir auf Christus schauen, dann schauen wir bei unserem Gegenüber auch immer stets auf das, was uns vereint und nicht auf das, was uns trennt. Das, was uns verbindet macht uns stark, sowohl nach innen, als auch nach außen.

Aber auch in unserem Alltagsleben sollten wir diese Form der Eintracht leben. Wenn ich stets auf Christus schaue, dann verliert vieles um mich herum an Wichtigkeit. Wer auf Christus schaut, der muss in einem Streit nicht immer Recht haben. Wer auf Christus schaut, der kann dem anderen
gnädig seinen Fehltritt vergeben und muss sich nicht durch Racheakte Genugtuung verschaffen. Und wer auf Christus schaut verliert niemals die große Richtung seines Lebens.

Mit Christus in der Mitte fällt uns Eintracht wesentlich leichter, als wenn wir alle unser eigenes „Lebenssüppchen“ kochen und als Einzelkämpfer in diesem Leben unterwegs sind.

2. Demut

Stellen wir uns doch einmal einen demutsvollen Menschen vor. Mit gebeugtem Rücken, hochgezogen Schultern und den Blick stets nach unten gewandt steht er vor uns. Und so sollen wir als Christen durchs Leben laufen ?

Nein, liebe Gemeinde, das ist natürlich nicht gemeint, wenn Paulus von Demut schreibt. Wenn wir das griechische Wort „tapeinophrosyne“ wörtlich übersetzen, dann bedeutet dies „niedrig gesinnt sein“. In der heutigen Zeit würden wir vielleicht sagen „unsere Stellung und Status richtig
einordnen“. Und so kann ich mit dem Wort Demut auch gleich in dreierlei Hinsicht etwas anfangen.

Mein Status vor Gott: Demut heißt, dass ich erkenne, dass nicht ich Gott Vorschriften machen kann, sondern dass ER der Herr meines Lebens ist. Bei allem, was ich mache bin ich stets auf die Gnade und die Güte und die Liebe Gottes angewiesen. Alles, was ich bin, habe ich von Gott geschenkt bekommen. Alles, was ich habe, ist ein Geschenk meines Herrn. Und alles, was noch kommen wird, geschieht nicht ohne meinen Herrn.

Meine Großmutter fügte bei allen Plänen, von denen sie berichtete, auch bei den kleinsten, stets die Worte hinzu „So Gott, der Herr, will.“ Schöner kann man Demut vor Gott wohl kaum in Worte fassen.

Meine Stellung gegenüber meinen Mitmenschen: „In Demut achte einer den andern höher als sich selbst“. So haben wir es vorhin gehört. Das bedeutet aber nicht, dass wir uns von unseren Mitmenschen alles gefallen lassen müssen. Nein, wir sollen lediglich erkennen, dass wir ein Teil
des Ganzen sind, genau so wie es unsere Mitmenschen auch sind.

Wir haben nicht das Recht, unseren Mitmenschen das Leben schwer zu machen. Wir haben aber das Anrecht, das Leben unseres Bruders oder unserer Schwester ein wenig leichter zu machen. Häufig reicht da schon ein Lächeln und ein freundlicher Gruß. Wir sollen unsere Mitmenschen auch nicht vor unseren Karren spannen und ausnutzen.

Vor Gott ist jeder Mensch, mit dem ich es zu tun habe, genau so wichtig wie ich es bin. Ich habe absolut keine Anrechte und Vorrechte vor Gott, die mich gegenüber meinem Mitmenschen auszeichnen. Wenn ich dies wieder erkenne, dann kann ich allen meinen Mitmenschen auch wieder auf sozialer Augenhöhe begegnen.

Meine Stellung in der Schöpfung: Gott hat Himmel und Erde geschaffen und hat uns alles übergeben, damit wir es behüten und bewahren. Das bedeutet, dass ich mit der Schöpfung so umzugehen habe, wie mit einem geliehenen Gegenstand, den ich eines Tages wieder zurückgeben muss.

Diese Erde ist nicht mein Eigentum. Ich darf nicht sinnlosen Raubbau an dem Planeten Erde betreiben. Ich darf nicht nach dem Motto „nach mir die Sintflut“ mir alle Bodenschätze nehmen, die die Erde zu bieten hat. Ich muss mit der Schöpfung so umgehen, dass ich den Planeten Erde den
nachfolgenden Generationen so übergeben kann, wie er mir überlassen wurde.

Natürlich sollen wir uns von den Schätzen der Erde ernähren. Das will Gott so. Wir sollen uns den Acker, um nur ein Beispiel zu nennen, nutzbar machen. Aber wir dürfen nicht nur ernten, wir müssen uns auch die Mühe der Aussaat machen.

Als Fazit können wir sicherlich festhalten, dass es mit ein wenig gutem Willen sicherlich möglich ist, Eintracht und Demut auch mit Leben zu füllen. Und wenn es uns wieder einmal nicht gelingen sollte, dann dürfen wir uns gern daran erinnern, dass Gott nur ein Gebet weit entfernt ist.

Das rechte Verhältnis zu Gott und unsere Stellung vor Gott beschreibt der Liederdichter Nikolaus Ludwig von Zinzendorf sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes „Herz und Herz vereint zusammen“, der da lautet, wie folgt:

Herz und Herz vereint zusammen sucht in Gottes Herzen Ruh.
Lasset eure Liebesflammen lodern auf den Heiland zu.
Er das Haupt, wir seine Glieder, er das Licht und wir der Schein,
er der Meister, wir die Brüder, er ist unser, wir sind sein.

Der Herr schenke Dir ein demütiges Herz, das nur IHN als Herrscher kennt
Der Herr schenke Dir die Gabe der Eintracht, damit Du ein friedvolles Leben vorleben kannst
Der Herr gebe all SEINE Liebe in Dein Herz hinein, damit Du SEINE Liebe weitergeben kannst

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen frohen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Lätare. Wir alle haben uns doch sicherlich schon einmal nach dem Sinn unseres Lebens gefragt und womit wir unser Leben sinnvoll füllen sollen. Diese Frage zu beantworten hilft uns der heutige Predigttext. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im 1. Kapitel des Philipperbriefes, die Verse 15-21. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Einige zwar predigen Christus aus Neid und Streitsucht, einige aber auch in guter Absicht: Diese aus Liebe, denn sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums hier liege; jene aber verkündigen Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie möchten mir Trübsal bereiten in
meiner Gefangenschaft. Was tut’s aber ? Wenn nur Christus verkündigt wird auf jede Weise, es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich darüber. Aber ich werde mich auch weiterhin freuen; denn ich weiß, dass mir dies zum Heil ausgehen wird durch euer Gebet und durch
den Beistand des Geistes Jesu Christi, wie ich sehnlich warte und hoffe, dass ich in keinem Stück zuschanden werde, sondern dass frei und offen, wie allezeit so auch jetzt, Christus verherrlicht werde an meinem Leibe, es sei durch Leben oder durch Tod. Denn Christus ist mein Leben, und
Sterben ist mein Gewinn.

Liebe Gemeinde,

den Sinn des Lebens beschreibt der Apostel Paulus kurz und knapp am Ende unseres Predigttextes: „Denn Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn.“ Da muss man erst einmal so richtig tief durchatmen und den Text auf sich wirken lassen. Es ist ja schon eine direkte und recht heftige Aussage die Paulus da trifft. Lassen Sie uns daher dem paulinischen Lebenssinn ein wenig näher auf den Grund gehen. Es sind zwei Punkte, die Paulus ganz besonders hervorhebt.

1. Der Sinn des Lebens: Mein Dienst für Christus

Ich glaube, jeder von uns würde dem ad hoc zustimmen. Wir sagen es ja auch ganz konkret wenn wir konfirmiert werden. Ist das heute auch noch so. Sieht man unserem Leben noch an, dass es in den Dienst unseres Herrn gestellt wurde ?

Schauen wir uns doch einmal an, wie die meisten Menschen leben. In den Jugendjahren ist alles auf die Schule und die Ausbildung konzentriert. Nur wer eine gute Schulausbildung vorweisen kann, der kann damit rechnen einen adäquaten Arbeitsplatz zu finden.

Und dann geht’s ja erst richtig los. Hat man endlich den begehrten Arbeitsplatz erhalten, dann sägen auch schon munter jede Menge Aspiranten an dem Stuhl, den man eingenommen hat. Top-Leistungen erbringen und lästige Mitbewerber abwehren, wo soll da denn noch Zeit für unseren Dienst im Herrn bleiben ?

Eh man sich versieht, hat man die vierzig überschritten und ist damit beschäftigt, das Erreichte entsprechend zu erhalten. Im Job hat man sich gefestigt, und doch ist es gerade jetzt besonders kritisch. Die jungen Wilden streben nach und man merkt so langsam, dass man älter wird. Das
Häuschen und der Garten müssen instandgehalten werden. Man will ja nichts verkommen lassen. Und wo, bitteschön soll da noch Zeit sein für Gott ?

Und ein paar Jahre weiter ist man Rentner. Endlich hat man Zeit, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Reisen stehen an, die man schon lange aufgeschoben hat, die Enkelkinder wollen betreut werden und auch sonst ist man als mobile Feuerwehr immer da, wenn es irgendwo brennt. Und da
soll noch Zeit für Gott sein ?

Ja, liebe Gemeinde, so sieht es aus, das Leben von rund 80 % der Deutschen. Nicht, dass sie Atheisten wären. Nein, so weit geht man nicht. Auf jeden Fall lässt man den lieben Gott einen guten Mann sein. Leider ist er es für diese beschriebene Klientel überhaupt nicht.

Egal, wie alt wir sind, in welcher Lebensphase wir uns befinden und wo wir auch gerade sind, unser Leben soll ein Dienst für Gott sein.

Liebe jungen Menschen, die ihr gerade in der Ausbildung steht, egal ob schulisch oder beruflich, auch Ihr könnt Gott dienen. Wie wäre es denn, wenn Ihr dem beisteht, der in der Schule immer wieder gehänselt wird, weil er so ganz anders ist als alle anderen ? Oder helft doch einmal denjenigen, die nicht so gut mitkommen. Helft ihnen doch, dass sie auch ihr Ziel erreichen. Es sind keine lästigen Mitbewerber um einen Arbeitsplatz, sondern Gottes Geschöpfe, die er genau so liebt , wie euch. Und wenn Ihr ehrlichen Herzens denen helft, die es allein nicht schaffen, dann vertraut darauf, dass Gott auch für Euch sorgen wird. Ihr werdet ganz bestimmt nicht zu kurz kommen.

Liebes Mittelalter. Da ich selber dazugehöre, fällt mir ein, dass ich für unsere Generation, also die von 40 bis 60 einfach noch keinen einprägsamen Begriff gehört oder gelesen habe. Bei allem, was wir auch tun müssen, lassen Sie uns doch auch mal wieder einen Gang zurückschrauben. Der Rasen muss nun wirklich nicht jede Woche gemäht werden. Und das Auto kann man auch in der Waschanlage waschen lassen. Ist sowieso gesünder für die Umwelt und den eigenen Rücken. Also was tun mit der freien Zeit ?

Wie wäre es denn mal, wenn wir an einer Einrichtung wie der Tafel persönlich helfen. Abgesehen davon, dass dort jede helfende Hand dringend benötigt wird, erkennt man plötzlich auch, wie man doch von Gott gesegnet ist und wie gut es einem doch geht. Eigentlich Zeit, unserem Herrn mal wieder zu danken und IHM etwas zurück zu geben, von dem, was man alles empfangen hat. Finden Sie nicht auch ?

Liebe Best-Ager. Früher nannte man sie Rentner. Ich finde den Begriff überhaupt nicht despektierlich. Aber es muss ja heute alles in Englisch sein. Auch Sie können Ihr Leben in einen reinen Gottesdienst verwandeln. Wenn Sie selber noch aktiv sind, dann helfen Sie doch den
Altersgenossen, die eben nicht mehr so fit sind. Natürlich freuen sich die Enkel, wenn Sie mit ihnen einen Freizeitpark besuchen. Erzählen Sie ihnen doch auf dem Weg dahin und auf dem Weg zurück einmal spannende Geschichten aus der Bibel. Kaufen Sie sich eine Kinderbibel. Sie werden
feststellen, dass diese Geschichten auch noch Ihre Enkel faszinieren werden.

Liebe Gemeinde, wir sehen, dass man egal wo man sich befindet und in welcher Lebensphase man auch gerade steckt, sein Leben immer so ausrichten kann, dass es christusorientiert ist. Wichtig ist nur, dass Christus verkündigt wird, egal wie dies geschieht, so schreibt es der Apostel Paulus.

2. Sterben ist mein Gewinn

Sterben soll also ein Gewinn sein ? Mein lieber Paulus, du mutest uns verdammt viel zu.
Auch wenn es in der Passionszeit ein wenig ernster zugeht, aber sterben und dies auch noch als Gewinn zu bezeichnen ist nicht so ganz einfach zu verstehen.

Liebe Gemeinde, wir werden alle eines Tages sterben. In 100 Jahren wird keiner mehr, von denen die heute hier sind unter uns sind hier sitzen. Wir wissen es alle, doch sobald die Sprache auf das Sterben kommt, wird dieses Gespräch meist schon im Keim erstickt. Noch leben wir ja, was
sollen wir uns da mit dem Sterben beschäftigen. Und ganz unbewusst tun wir so, als ob das Sterben oder der eigene Tod uns gar nichts angeht. Sterben, das tun schließlich nur die anderen.

Und hier rüttelt uns Paulus so richtig wach. Übersetzen wir doch einmal, was uns Paulus mit diesem Satz sagen will.

Schau mal, würde Paulus sagen, du hast doch ein ganzes Leben lang dem Herrn gedient und bist Ihm nachgefolgt. Der Herr, dem du so eifrig gedient hast, ist aber schon einen Schritt weiter gegangen. Er ist jetzt in unmittelbarer Gegenwart von Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde. Und weißt du, was Er gerade macht ? Er baut dort Wohnungen für dich und alle Menschen, die Ihm auf Erden treu gedient haben.

Wenn du doch schon auf Erden ein Jünger von Ihm bist, dann ist es doch das größte für dich, wenn du eine Ewigkeit lang in Seiner Gegenwart weiterleben darfst. Und eines kann ich dir noch versprechen, dieses Leben wird ein Leben ohne Tränen, ohne Leid und ohne Schmerzen jedweder
Art sein. Auch Sorgen, die dich hier auf Erden quälen, werden dort nicht mehr exstent sein. Ein letztes, würde Paulus sagen, muss ich dir noch mitteilen: „Christen sterben nicht, Christen kehren heim.“

Wenn wir das Sterben wieder so betrachten, als einen ganz natürlichen Vorgang, ein Vorgang, der notwendig ist, um in den Himmel zu kommen, dann können wir dieses Thema ganz einfach enttabuisieren und dann können wir sicherlich alle auch wieder ganz anders leben. Dann kann uns ein Leben gelingen dem man ansieht, dass es ein Leben im Dienst für Christus ist.

Können Sie sich ein schöneres Leben vorstellen ? Na, dann wollen wir es mal wagen, all dem abzusagen, was uns von einem derartigen Leben trennt. Ich bin sicher, keiner von uns wird es je bereuen.

Gerhard Tersteegen, der bekannte Liederdichter aus Mülheim an der Ruhr drückte dieses Wagnis in einem Liedvers sehr schön, wie folgt aus:

Drauf wollen wir es wagen,
es ist wohl wagenswert,
und gründlich dem absagen,
was aufhält und beschwert:
Welt, du bist zu klein;
Wir gehn durch Jesu Leiten
hin in die Ewigkeiten;
es soll nur Jesus sein.

Der Herr zeige Dir einen Platz, WO Du IHM dienen kannst
Der Herr zeige Dir immer den rechten Weg, WIE Du IHM dienen kannst
Der Herr zeige Dir auch immer WOMIT Du IHM zu SEINER Ehre dienen kannst

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Lesergemeinde!
Herzlichen Dank für Ihre Zuschriften.
Ich grüße Sie herzlich am 9. Sonntag nach Trinitatis.
Das Predigtwort des Sonntags steht im Philipperbrief
im 3. Kapitel in den Versen 7 – 11.²

„Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden geachtet. Ja, ich achte es noch allles für Schaden gegen die überschwengliche Größe der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, um welches willen mir das alles ein Schaden geworden ist, und achte es für Kot, auf daß ich Christus gewinne und in ihm erfunden werde, damit ich nicht habe meine eigene Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus, nämlich die Gerechtigkeit, die aus Gott kommt, auf Grund des Glaubens. Ich möchte ja ihn erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleichgestaltet werden, damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten.“

Der Her segne an uns SEIN Wort!

Liebe Gemeinde!
In der Küche hat es gescheppert. Ich räume die Scherben weg. Die zu Bruch gegangenen Stücke erinnern mich an Personen und Ereignisse. Es ist wie ein weiterer Abschied von Personen und Ereignissen, die längst der Vergangenheit angehören. Und doch hängen Erinnerungen nicht nur an aufbewahrte Dinge. Sie sind tiefer in uns verwurzelt. Sie wirken bewusst oder unbewusst bei vielen Entscheidungen und Gewohnheiten mit.

Schwerer wiegen die Scherbenhaufen unseres Lebens. Zerbrochene Beziehungen, Hoffnungen, Ideale, Lebenskonzepte und Glaubensbrüche dringen immer wieder in unsere Gedanken. Aber sie erinnern uns auch, wie es in solchen Situationen weitergegangen ist.

Es fanden sich neue Menschen, mit denen wir unseren Weg weiter gehen konnten.
Es fanden sich neue Wege und Möglichkeiten zum Leben.

Und mir ist deutlich geworden:
Gott war mit mir auf solchem Weg. Er war mit mir auf den Weg auch da, wo ich eigene Wege gegangen bin, wo ich nicht nach Gottes Willen und Führung gefragt habe.
– Gott hat mich gehalten und getragen in SEINER Liebe. Diese Liebe ist mir in Jesus begegnet. Und Jesus hat mir eine Tür in die Zukunft und zum Leben geöffnet.

Ich denke, dass es manchen von uns ähnlich gegangen ist.
– Die Einen haben die Annahme von Jesus als eine radikale Wende im Leben erfahren
– Andere sind viele Schritte gegangen und sind allmählich in die Liebe Gottes hinein-
gewachsen, bis sie durch Jesus die Fülle der Liebe Gottes empfangen haben.
– Und mancher mag noch in einem Prozess sein, in welchem ihn die Liebe Gottes zu
Gott ruft.
– Und wir alle sind zum immer neuen Ergreifen der Liebe Gottes in Jesus gerufen.

Unser Predigtwort lässt uns innehalten vor der Frage: Was bedeutet m i r Jesus?

Paulus sagt:
Jesus ist für mich die Wende meines Lebens, die Umwertung aller Werte.
Jesus gibt mir Hoffnung auf ein ewiges Leben bei Gott.
Gott war auch früher für mich das Entscheidende im Leben.
Ich habe mich mit Eifer bemüht, Gottes Willen zu tun um vor IHM gerecht zu sein.
Aber ich hatte nicht begriffen,dass Jesus Leiden und Sterben als Erfüllung von Gottes Willen zur Ehre Gottes geschah. So habe ich Jesu Botschaft und Jesu Gemeinde abgelehnt und verfolgt.
Dann ist mir Jesus begegnet. Jesus hat mir die Augen geöffnet.
Ich habe erkannt, dass alles Eifern um Gottes Willen zu tun, mich vor Gott nicht bestehen ließen. Ich habe erfahren, dass Gott um Jesu willen Schuld vergibt.
Dies kann ich nur als Geschenk im Glauben annehmen. Durch dies Geschenk hat Gott mich vom Verfolger der christlichen Gemeinde zum Verkünder der rettenden Botschaft von Jesus werden lassen.
Nun weiß ich, dass ich nicht durch meinen Eifer im Befolgen der Gebote das Heil erlange. Das geschieht allein durch das Annehmen der Gnade Gottes, wie sie mir in Jesus begegnet.
Jesus wirkt in mir ein neues Leben nach Gottes Geboten.
Das geschieht zur Ehre Gottes, so wie Jesus nach Gottes Willen zur Ehre des Vaters gelebt hat.

Paulus spricht von der Wende seines Lebens als Umwertung seiner Lebenswerte:
„Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden geachtet. Ja, ich achte es noch alles für Schaden gegen die überschwengliche Größe der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, um welches willen mir das alles ein Schaden geworden ist, und achte es für Kot, auf daß ich Christus gewinne und ihm erfunden werde …
Ich möchte ja ihm erkennen und die Kraft seiner Auferstehung …, damit ich gelange zur Auferstehung der Toten.“

Dies schreibt Paulus im Gefängnis. Er weiß, dass ein Prozess auf ihn zukommt, der über Tod und Leben entscheidet. Aber Paulus weiß sich in Jesus geborgen. Für ihn steht fest: – Er wird mit Jesus leben! – im kommenden Reich Gottes und wenn Gott es will, zuvor weiterhin als Botschafter Christi in dieser Welt.

Die Gemeinschaft mit Jesus gibt ihm die Hoffnung auf seine Zukunft.

Wenn wir heute die Worte des Paulus hören oder lesen stellen sich uns die Fragen:
– Was bedeutet uns, bedeutet Dir und mir Jesus?
– Hat sich für Dich durch die Annahme Jesu als Deinen Herrn ein Weg zum Leben
geöffnet?
– Lebst Du in der Hoffnung, mit Jesus durch Tod und Auferstehung zu Gottes
Herrlichkeit zu gelangen?

Wie immer Deine bisherige Lebensbilanz aussehen mag, Gott hält für Dich in Jesus eine Zukunft bereit, die Dich im irdischen Leben trägt und Dir das himmlische Leben öffnet.

Nimm diese Zukunft im Glauben an und gehe mit dem Herrn!
Bring Deine Not und Deine Zweifel im Gebet vor Gott, damit ER Dich durch Jesus freimacht zum Leben!

Und der Segen des Herrn geleite Dich,

es grüßt herzlich
Dein Pfr.i.R. Steinführer

Liebe Lesergemeinde!
Ich grüße Sie herzlich am 6.Sonntag in der Passionszeit, am Sonntag Palmarum.
Die nächste ePredigt kommt zum Karfreitag.
Das Predigtwort steht für heute im Philipperbrief im 2. Kapitel,
in den Versen 5 – 11:²

„Ein jeglicher sei gesinnt, wie Jesus Christus auch war: welcher, ob er wohl in göttlicher Gestalt war, nahm er´s nicht als einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward gleich wie ein andrer Mensch und an Gebärden als ein Mensch erfunden. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Kniee, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes, des Vaters.“

Der Herr segne an uns SEIN Wort!

Liebe Gemeinde!
In den letzten Tagen hatte ich viel im Garten zu tun. Neben den Arbeiten konnte ich mich an vielen Frühlingsblühern erfreuen und auch an den Austrieben von Stauden und Sträuchern. Dabei kamen immer wieder die Buchsbaumpflanzungen in den Blick. Sie erinnerten mich daran, wie wir vor mehr als 20 Jahren für Palmsonntag aus unserem Pfarrgarten für die Gottesdienste der katholischen Ortsgemeinde Buchsbaum geschnitten haben. Diese Zweige wurden im Gottesdienst verteilt.

Der heutige Palmsonntag ist schon ein besonder Sonntag unter den Sonntagen der Passionszeit. Er ist für mich verbunden mit dem Evangelium von Jesu Einzug in Jerusalem. Ich sehe vor mir eine jubelnde Menschenmenge, die Jesus als verheißenen König und Messias begrüßt. Jesus reitet auf einen Esel in Jerusalem ein. Auf SEINEN Weg werden Kleider ausgebreitet, mit Palmwedeln wird IHM zugewunken. Die Straße ist erfüllt von Rufen: (Joh 12,13)

„Hosianna. Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel.“

Jesus einmal so erleben und zujubeln dürfen, das wäre ein Traumerlebnis. Doch wir haben nichts verpasst.

Wir werden IHN in göttlicher Herrlichkeit kommen sehen bei SEINER Wiederkunft. Dann werden wir IHM zujubeln können und mit IHM einziehen in Gottes Herrlichkeit.

Dazu ist die Geschichte von Palmsonntag das Vorspiel. In diesem Vorspiel sind zwei Ereignisse auf verschiedenen Ebenen verwoben – zum einen was kommen wird und zum anderen der Beginn der Vollendung von Jesu Leiden in SEINEM irdischen Leben.

Was hier so triumphal begann, endet für Jesus im Sterben am Kreuz. Noch sind Jesu Gegner ratlos, wie sie sich SEINER entledigen können. Aber nach dem Verrat des Judas werden sie IHN fernab von der Menge verhaften.

Sie werden IHN aus der Gemeinde ausschließen und als Gotteslästerer verurteilen. Sie werden die Menschenmassen bewegen, dass sie Jesu Tod fordern. Mit falschen Anklagen und versteckten Drohungen werden sie den römischen Stadthalter dazu bringen, dass er Jesus als Staatsfeind verurteilt und hinrichten lässt.

Und doch werden sie nicht Sieger sein. Sie können Jesus nicht zum Schweigen bringen. Sie können SEINEN Namen nicht aus der Geschichte des Volkes und der Gottesgemeinde löschen.

Sie beladen sich mit der Schuld, Gottes Sohn und Messias ausgestoßen und dem Tode überantwortet zu haben.

Gott lässt das nicht nur geschehen, sondern ER wandelt alle ihre Schuld und unsere Schuld vor Gott. ER nimmt Jesu Tod am Kreuz als freiwilliges Opfer als Erfüllung SEINES Rettungsplanes für alle Menschen an. Jesus tilgt für uns alle Schuld und Strafe.

Wer in Reue und Bitte um Vergebung zu Jesus kommt, wird von der Last der Schuld befreit. Dazu ist Jesus in diese Welt gekommen und den Weg des Leidens und Sterbens gegangen.

Der Philipperbrief beschreibt in unserem Predigtwort diesen Weg Jesu:
Jesus „war in allem Gott gleich und doch hielt er nicht daran fest, zu sein wie Gott. Er gab es willig auf und wurde einem Sklaven gleich. Er wurde ein Mensch in dieser Welt und teilte das Leben der Menschen. Im Gehorsam gegen Gott erniedrigte er sich so tief, daß er sogar den Tod auf sich nahm, ja, den Verbrechertod am Kreuz.“

Jesu Weg ist eine Umkehrung des Weges der Menschheit. Wir Menschen streben danach, auf allen Gebieten Gott gleich zu sein. Daran scheitern wir und zerstören uns und die Schöpfung.

Jesus aber legt SEINE Gottgleichheit ab und ER wird ein Mensch. ER wird uns in allem gleich mit einer Ausnahme. Jesus widersteht der Versuchung des Ungehorsams gegen Gottes Willen. Jesus geht den Weg des Gehorsams durch Leiden bis zum Tod.

Gott nimmt SEIN Opfer an und erweckt IHN zum Leben. ER setzt IHN zum Herrn über alles.

Bei SEINER Wiederkunft werden sich alle SEINER Herrschaft unterwerfen müssen, die Einen zum ewigen Leben, die Anderen zum ewigen Verderben. Bis zu diesem Geschehen ruft Jesus alle Menschen, SEINEN Opfertod anzunehmen um gerettet zu werden.

Jeder, der sich retten lässt, wird beauftragt Bote und Zeuge von der Errettung durch Jesus zu sein.

Liebe Gemeinde!
Ihr seid durch die Annahme von Jesu Opfer neue Menschen geworden!
Ihr seid nun Gottes Kinder!

Das ist ein wunderbares Geschenk. Denn nun könnt Ihr in Jesu Gemeinschaft die Fülle der Gnadengaben Gottes empfangen. Ihr habt in dieser Gemeinschaft eine Zukunft, die niemand zerstören kann.

Doch Ihr habt dies alles nicht wie ein Besitz. Ihr müsst es immer wieder neu in der Begegnung mit Jesus annehmen und empfangen.

Ihr empfangt Gottes Gnadengaben und Gottes Zukunft nicht für Euch allein.
Gaben sind immer Aufgaben. Sie sind der Auftrag, die rettende Botschaft mit Wort und Leben weiter zu geben.

Daran erinnert Paulus, wenn er dem Christuspsalm (Phil 2, 6-11) die Mahnung voraus stellt: „Ein jeglicher sei gesinnt, wie Christus auch gesinnt war“.

Möge Gott uns zeigen, was Jesus für unsere Rettung auf sich genommen hat.
Möge Gott uns zeigen, welche Schuld wir auf Jesu Kreuz geladen haben und uns in Reue und Bitten um Vergebung unters Kreuz führen.

Lasst uns unsere Last ablegen und in Dankbarkeit Gott die Ehre geben!
Dazu schenke uns der Herr SEINEN Segen.

Es grüßt herzlich
Pfr.i.R. Steinführer