Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 2. Sonntag nach Ostern. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Petrusbrief, Kapitel 5, die Verse 1-4. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Mahnung an die Ältesten und die Gemeinde

Die Ältesten unter euch ermahne ich, der Mitälteste und Zeuge der Leiden Christi, der ich auch Teilhabe an der Herrlichkeit, die offenbart werden soll: Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist; achtet auf sie, nicht gezwungen, sondern freiwillig, wie es Gott gefällt; nicht um schändlichen Gewinns wegen, sondern von Herzensgrund; nicht als Herren über die Gemeinde, sondern als Vorbilder der Herde. So werdet ihr, wenn erscheinen wird der Erzhirte, die unvergängliche Krone der Herrlichkeit empfangen.

Liebe Gemeinde,

auf den ersten Blick gesehen schaut es so aus, dass die Adressaten an welche der Brief gerichtet ist die Amts- und Würdenträger seien. Aber weit gefehlt. Dieser Brief ist an uns alle gerichtet. Wir alle sind irgendwo „Älteste“.

Als Eltern sind wir „Älteste“ in unseren Familien. In unseren Gemeinden sind wir Älteste gegenüber unseren Mitgeschwistern, die noch jung im Glauben sind. Und auch an unserem Arbeitsplatz sind wir Älteste gegenüber unseren jüngeren Kollegen.
Die Mahnungen von Petrus betreffen uns also alle. Lassen Sie uns daher heute Morgen einmal gemeinsam anschauen, welche Pflichten wir denn als Älteste so haben.

1. Weidet die Herde Gottes

Das hört sich sehr blümerant an, beinhaltet aber doch sehr wichtige Aufgaben.
Wenn ein Schäfer seine Herde weidet, dann sorgt er als erstes einmal dafür, dass sie genügend Futter hat. Ohne die entsprechende Grundversorgung würde die Herde alsbald vom Aussterben bedroht sein.

So sollen auch wir für unsere Mitgeschwister da sein. Überall dort, wo wir Nöte erkennen, sollen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten diesen abhelfen. Wo wir Hunger sehen, sollen wir mit Essen aushelfen. Wo wir Durst erkennen, sollen wir mit Getränken aushelfen.
Aber es gibt nicht nur die körperlichen Nöte, sondern auch die geistlichen Nöte und Ängste. Als Älteste tragen wir die Verantwortung dafür, dass wir z.B. unseren Kindern den Weg zum Glauben aufzeigen.

Der Schäfer bietet seiner Herde aber nicht nur Futter an, sondern er beschützt sie auch vor Angriffen von außen. Und auch hier sind wir als Älteste gefragt.
Es ist ja nicht so, dass ab dem Zeitpunkt der Bekehrung Satan seine Waffen streckt und sich geschlagen gibt. Der Teufel wird Zeit unseres Lebens immer wieder versuchen uns vom rechten Weg des Glaubens abzubringen. Und gerade Neubekehrte sind dort besonders gefährdet.

Häufig sieht man gerade bei noch jungen Gläubigen eine Euphorie, die aber so nach und nach verschwindet. Den Himmel auf Erden gibt es eben noch nicht. Gerade dann hat der Teufel große Chancen, diese Menschen, die vielleicht ein wenig enttäuscht sind von ihrem Glauben, wieder in seinen Bann zu ziehen.

Und gerade dann ist es unsere Aufgabe, diese Menschen aufzufangen, aufzubauen und wieder in ihrem Glauben zu stärken.

Der Schäfer sorgt aber nicht nur für Futter und Schutz, sondern gewährt seiner Herde auch einen Freiraum. Und hier sind wir als Älteste besonders gefragt.

Gerade Sekten jedweder Art gewähren ihren Mitgliedern eben keinen Freiraum, sondern verlangen in vielen Fällen einen blinden Vasallengehorsam. Das erwartet Gott aber nicht von seinen Kindern. Sie sollen im Glauben wachsen können, sollen kritische Fragen stellen dürfen und sollen befriedigende Antworten erhalten.

Dann sollen sie in die Welt hinausgehen und die frohe Botschaft selber weitersagen und weitertragen. Ich glaube, wir haben aller erkannt, dass dies keine leichte Aufgabe für uns als Älteste ist. Aber keine Sorge, unser Herr ist stets an unserer Seite und hilft uns dabei, dass wir auch dieser Aufgabe gerecht werden können.

2. Nicht gezwungen, sondern freiwillig

Da sagen wir doch sofort: Klar, das geht doch alles auch gar nicht mit Zwang. Auf den ersten Blick mögen wir damit richtig liegen.

Aber es gibt auch religiöse Zwänge, die wir nur allzu gern den Mitgliedern einer Gemeinde auferlegen. Kommt jemand nicht regelmäßig zum Gottesdienst, dann scheint es ja nicht weit her zu sein mit seinem Glauben. Versäumt jemand regelmäßig die Hauskreisabende, dann kann man schon erkennen, wie ernst er es mit seinem Glauben meint.

Gott möchte, dass all seine Kinder freiwillig in den Gottesdienst gehen oder freiwillig an den Gemeinschaftsstunden teilnehmen. Zwang hat im Reiche Gottes keinen Platz. Ich kenne viele Gotteskinder, die an ganz anderen Baustellen Gottes arbeiten und die z.B. sonntags gar nicht am Gottesdienst teilnehmen können, weil sie z.B. ehrenamtliche Telefonseelsorger sind.
Ich kenne viele Evangelisten, die von Montag bis Samstag in ganz Deutschland umherreisen und den Sonntag auch einmal ihrer Familie widmen. Also seien wir ein wenig vorsichtig und bauen nicht zu viel Druck auf unsere Geschwister auf.

3. Vorbilder der Herde

Lassen Sie uns ganz kurz noch etwas eigentlich Selbstverständliches besprechen. Wir können nicht Wasser predigen und Wein saufen. Das wird den Kirchen ja immer wieder gern unterstellt.

Wir sollen in allem, was wir unseren Geschwistern im Glauben predigen auch selber ein Vorbild sein. Denn viele Augen, auch die Augen der Außenstehenden sind stets auf uns gerichtet. Man wird uns nur das glauben, was wir auch selber vorleben.

Mir persönlich fällt es zum Beispiel schwer einem Pfarrer, der mit seiner mittlerweile dritten Ehefrau verheiratet ist, in einer Trauung die mahnenden Worte abzukaufen „Bis dass der Tod euch scheidet“. Aber Achtung, liebe Gemeinde, dies betrifft uns alle. Wir müssen uns immer an unseren Taten und weniger an unseren Worten messen lassen.

So, wenn dies heute ein wenig ernster war, als wir es gewohnt sind, dann hat auch dies einen Sinn. Wir kommen von Weihnachten her, haben gerade das Osterfest gefeiert und da kann es sein, dass wir noch ein wenig in unserer Seligkeit gefangen sind und noch nicht wieder den Alltag erreicht haben. Und da tun solche Worte von Petrus auch mal ganz gut, wenn er uns mit seinen Mahnungen wieder „erdet“.

Wie wir am besten als Vorbilder der Gemeinden agieren sollen, das beschreibt der Liederdichter Philipp Friedrich Hiller sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes „Jesus Christus herrscht als König…“ (EG 123), der da lautet, wie folgt:

Jesus Christus herrscht als König, alles ist ihm untertänig,
alles legt ihm Gott zu Fuß.
Aller Zunge soll bekennen, Jesus sei der Herr zu nennen,
dem man Ehre geben muss.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,
ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr
Ulrich Naber