Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem 15. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Petrusbrief, Kapitel 5, die Verse 5-11. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Desgleichen, ihr Jüngeren, ordnet euch den Ältesten unter. Alle aber miteinander haltet fest an der Demut; denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit. Alle eure Sorgen werft auf ihn; denn er sorgt für euch. Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Dem widersteht, fest im Glauben, und wisst, dass ebendieselben Leiden über eure Brüder in der Welt gehen. Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen. Ihm sei die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit ! Amen.

Liebe Gemeinde,

nachdem Jesus für unsere Sünden an unserer Stelle gestorben war, also der Weg für uns zu Gott wieder frei geworden war, gründeten sich rasch die ersten Gemeinden. Damals war alles noch nicht so strukturiert, wie wir es heute kennen. Es gab noch keinen Pfarrgemeinderat, Presbyterien und Älteste, die maßgeblich an der Gemeindeordnung beteiligt waren. Und so ging es schon ein wenig ungeordnet her in diesen ersten Gemeinden. Das ist ja auch nicht weiter schlimm, aber ein paar Essentials duften einfach nicht aus den Augen verloren werden. Schauen wir uns doch heute Morgen einmal diese Basics gemeinsam an.

1. Hochmut und Demut

Hochmut ist ein Begriff, der in unserem Sprachgebrauch kaum noch Verwendung findet. Im Urtext setzt sich dieser Begriff aus zwei Wörtern zusammen, nämlich dem Begriff „Hyper“, welcher mit „Über“ übersetzt werden kann und dem Begriff „phaino“, welcher mit „erscheinen“ übersetzt werden kann.

Hochmütig ist also ein Mensch, der sich von sich aus über andere stellt und dadurch mehr erscheinen und darstellen will als die unter ihm befindlichen Menschen. In der damaligen Zeit waren einige Menschen schon ein wenig vertrauter mit der frohen Botschaft, andere hingegen noch jung im Glauben besaßen daher eher wenige Kenntnisse über die frohe Botschaft. Und so passierte es, dass die Glaubensprofis sich schnell als etwas Besseres fühlten als die Glaubensneulinge. Was liegt also näher, als dass sie sich über die Neuchristen stellten.

Dieses Problem, liebe Gemeinde, ist keineswegs auf das Urchristentum beschränkt. Wir finden es immer wieder auch in unseren Gemeinden. Wie oft geschieht es, dass ein christliches Amt oder Ehrenamt auch dazu benutzt wird, sich über die anderen Gemeindemitglieder zu stellen. Und das ist genau der Punkt, wo Petrus eingreift und erklärt: Gott widersteht den Hochmütigen. Das heißt natürlich nicht, dass Gott kein Ehrenamt und keine wie auch immer geordnete Ordnung der Gemeinden will. Das besagt nur, dass wir, die wir ein Amt oder Ehrenamt ausüben uns nicht damit vor den Menschen brüsten oder gar hervortun sollen. Wenn wir ein Amt oder Ehrenamt bekleiden, dann sollen wir es zu Gottes Ehre mit Leben füllen und nicht zu unserer Ehre.

Und wie macht man das ? Mit Demut. Auch wieder ein Begriff, den wir heute so gar nicht mehr kennen. Demut heißt, dass wir uns selber richtig einschätzen. Wenn wir uns selber richtig vor Gott einschätzen, dann sind wir genau so klein und nichtig und sündig und böse, genau wie der Christ, der gerade erst zum Glauben gekommen ist. Nichts, aber auch rein gar nichts berechtigt uns also, uns über jemanden anders zu stellen.

Demut heißt aber auch, dass es mir daran gelegen sein muss, dass allen Menschen geholfen wird. Wenn selbst mir als sündiger, böser Mensch Gnade geschenkt wird, um wie viel mehr möchte Gott diese Gnade auch allen meinen Mitmenschen schenken. Das allein gilt es weiterzugeben.

2. Alle Sorgen werft auf ihn

Es ist schon erstaunlich, liebe Gemeinde, viele Menschen glauben felsenfest daran, dass Gott die Welt erschaffen hat, aber sie haben enorme Schwierigkeiten zu glauben, dass Gott sich auch um einen jeden einzelnen, den er schließlich geschaffen hat, persönlich kümmert.

Das ist manchmal ja auch ganz schön praktisch. Gott kümmert sich um das große Ganze und ich kann mich schön vor ihm verstecken. So ist es aber nicht. Gott sieht nämlich alles. Das soll auch nicht als Drohung verstanden werden, wie es leider oftmals gemacht wird. Das soll ein Trost sein.

Gott, der auch mich und dich geschaffen hat, der lässt uns doch nicht allein im Regen stehen. Egal, was auch gerade passiert, dieser allmächtige Gott möchte alles mit uns teilen. Er möchte an all unseren Freuden teilnehmen, indem er sich mit uns freut. Aber er möchte auch nicht, dass wir von Sorgen geplagt depressiv durch die Welt laufen.

Sie kennen wahrscheinlich alle diese ominösen Erfolgsratgeber, die Regal für Regal die Buchhandlungen füllen und manchmal weggehen, wie die berühmten warmen Semmeln. Sie alle versprechen uns den Königsweg zum glücklichen und erfüllten Leben. Und dabei braucht man nur ein Neues Testament in die Hand zu nehmen und hätte das Erfolgsgeheimnis für ein gelingendes Leben direkt in den Händen.

Erfolgreich und zufrieden leben kann nämlich jeder, der seine Sorgen und Nöte Gott überträgt. Er darf gewiss sein, dass Gott sich auch direkt darum kümmert. Viele Menschen machen dies und haben, weil Gott vielleicht doch nicht so viel Zeit hat, gleich den Königsweg einer Lösung mit parat. Man weiß ja selbst, was am besten für einen ist. Das, liebe Gemeinde, funktioniert natürlich nicht.

Ich darf Gott all meine Probleme und Sorgen übertragen und ihn im Gebet bitten sich dieser auch anzunehmen. Wie er das dann macht, das muss und darf ich getrost meinem Herrn im Himmel überlassen. Egal, was er macht, er macht genau das, was genau richtig für mich ist.

Ich glaube, wir alle müssen uns immer mal wieder an die Aufforderung „Alle Sorgen werft auf ihn“ erinnern. Und dann müssen wir auch noch etwas mitbringen, nämlich Zeit. Gott kümmert sich um all unsere Sorgen, den rechten Zeitpunkt hingegen den bestimmt nur ER allein. In der heutigen Zeit muss ja immer alles schon vorgestern erledigt worden sein. Bei Gott müssen wir uns hingegen darauf einstellen, dass es auch mal übermorgen sein kann.

3. Teufel geht umher wie ein brüllender Löwe

Das klingt auf den ersten Blick viel dramatischer, als es in Wirklichkeit ist. Natürlich läuft der Teufel noch umher. Aber das Brüllen zeigt, dass er verletzt ist. Petrus will uns also keine Angst machen, er will uns beruhigen. Der Teufel ist angezählt wie ein Boxer kurz vor dem endgültigen KO. So ein Boxer schlägt meist unkontrolliert um sich und versucht irgendwas oder irgendjemanden zu treffen. Wer sich ihm ausliefert, der hat natürlich verloren. Aber ein taktisch kluger Gegner wird ihm einfach aus dem Weg gehen und warten bis er mit seinen Kräften am Ende ist.

Auch wenn des Teufels Macht besiegt ist, so sollen wir trotzdem Obacht haben, dass wir uns ihm nicht entgegenstellen. Nur dann kann er uns nämlich noch gefährlich werden. Wenn wir uns von ihm und seinen Versuchungen fernhalten, dann sind wir immer auf der sicheren Seite.

Und selbst wenn wir aus eigenem Verschulden dem Teufel und seiner Macht zu nahe gekommen sind, finden wir die Hilfe bei unserem Herrn. Aber so weit müssen wir es ja gar nicht erst kommen lassen. Auch hier gilt: Gefahr erkannt Gefahr gebannt.

Üben wir uns doch alle wieder in der Demut, lassen Sie uns all unsere Sorgen aif IHN werfen und treten wir dem Teufel nicht ungeschützt entgegen, sondern halten ihm unseren Glauben entgegen. Dann sind wir von der Herrlichkeit die uns in Christus erwartet, wahrlich nicht mehr weit entfernt.

Dann können wir auch fröhlich in den dritten Vers des Liedes „Vertraut den neuen Wegen“ (EG 395) von Klaus Peter Hertzsch einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt !
Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land.
Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit.
Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Ewigkeitssonntag. Den Predigttext für den heutigen Tag finden wir im 2. Petrusbrief, Kapitel 3, die Verse 8-13. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Eins aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, dass ein Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag. Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde.
Es wird aber des Herrn Tag kommen wie ein Dieb; dann werden die Himmel vergehen mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden ihr Urteil finden. Wenn nun das alles so zergehen wird, wie müsst ihr dann dastehen in heiligem Wandel und frommem Wesen.
Die ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und erstrebt, an dem die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze schmelzen werden. Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt.

Liebe Gemeinde,

der Ewigkeitssonntag bringt uns immer wieder in die Situation, uns mit der Zeit und der Ewigkeit auseinander zu setzen. Dies macht auch der heutige Predigttext und geht dabei nahezu chronologisch vor. Lassen Sie uns daher am heutigen Totensonntag des Jahres 2014 gemeinsam über Zeit und Ewigkeit nachdenken.

1. Der eigene Tod

Spätestens wenn wir in diesen Tagen die Friedhöfe besuchen werden wir unweigerlich mit dem eigenen Tode konfrontiert. Heutzutage lebt man ja lieber sein Leben und schiebt die Sache mit dem Tode auf die lange Bank. Aber diese lange Bank wird von Tag zu Tag kürzer.

Durch unser Verhältnis von Zeit sind wir verstandesmäßig gesehen auf eine falsche Schiene geleitet worden. Bei Zeit denken wir sogleich an eine Uhr. Die immer wieder ohne Ende ihre Kreise zieht. Alles wiederholt sich stündlich, täglich, wöchentlich, monatlich und jährlich. Daher hat Zeit so etwas von unendlicher Wiederholung.

Und genau das, liebe Gemeinde ist total falsch. Wenn wir Zeit und vor allem Lebenszeit auf unser eigenes Leben beziehen, dann ist es so, als ob wir auf einem linearen Zeitstrahl unsere Zeit ableben würden. Und dieser Zeitstrahl geht nur in eine Richtung, nach vorne. Was gestern war, kommt nie wieder und was gerade jetzt passiert, ist in wenigen Augenblicken schon Geschichte. Wir nähern uns also alle, ob wir dies wollen oder nicht mit jedem Augenblick dem Ende unseres eigenen
Zeitstrahles entgegen. Und am Ende steht: Unser eigener Tod.

2. Das Ende der Welt

In unserem heutigen Predigttext beschreibt der Apostel Petrus sehr plastisch und drastisch, wie die Geschehnisse am Ende der Zeit ablaufen.
Nicht nur jeder von uns gelangt an das Ende seiner Zeit. Auch die Erde, die Welt als Ganzes, gelangt an das Ende ihrer Zeit.

Dass wir schon nahezu 2000 Jahre darauf warten spielt überhaupt keine Rolle. Es kann gut sein, dass wir noch weitere 3000 Jahre darauf warten, dass die Welt untergeht. Aber es könnte auch schon morgen passieren. Also seien wir wachsam.

Gesetzt der Fall in einer Stunde würde dies alles geschehen, sind wir wirklich gut darauf vorbereitetet? Je eher wir unsere Sache mit Gott in Ordnung bringen, desto besser für uns. Also, sofern wir dies noch nicht gemacht haben, bitte nicht wieder auf die nicht existierende lange
Bank schieben.

Wenn diese Welt vergeht, dann ist das nicht das ultimative Ende. Gott hat einen neuen Himmel und eine neue Erde vorbereitet, die dann zum uns kommt. In der Computersprache gesprochen leben wir also derweil in der Betaversion des Planeten Erde. Die Vollversion, die auch keiner Verbesserung mehr bedarf, lautet dann auch nicht 1.0 sondern 1.EWIG.

In der letzten Woche hatten wir ja schon darüber gesprochen, dass alle, die uns im Glauben vorausgegangen sind, schon Bürger dieser Stadt im Himmel sind. Jetzt müssen wir uns natürlich die Frage stellen

3. Wie kommen auch wir in diesen Himmel?

Wir müssen nur unser Leben unserem Herrn Jesus übergeben und zuvor all unsere Sünden bereut haben, dann dürfen wir sicher sein, dass auch wir entweder das Bürgerrecht im jetzigen Himmel erhalten werden, oder aber, wenn vorher die Welt untergeht, wir das Bürgerrecht der neuen Erde in Anspruch nehmen können.

Auch wenn wir uns den Himmel nicht verdienen können, gibt es doch drei Schritte, die uns in unserem Leben immer ein Stück weit näher Richtung Himmel bringen können, oder die uns dabei helfen können, nicht von dem rechten Wege abzuweichen.

A. Wir müssen uns von allem Leistungsdenken verabschieden. Ich weiß, dies ist schwer. Wir sind es alle gewohnt für etwas, dass wir haben wollen, hart arbeiten zu müssen. Mit dem Himmel ist dies nicht so. Nur einer musste hart arbeiten, bzw. hart leiden, damit wir alle in den Himmel kommen dürfen.

Und allein auf diesen einen, der uns im Leben trägt und uns durch den Tod hinweg in das ewige Leben führt, allein auf diesen einen dürfen und müssen wir uns 100% ig verlassen.

B. Ich nenne es einmal Menschenliebe. Gesetzt der Fall Sie gehen in eine christliche Gemeinschaft. Nach kurzer Zeit haben Sie an nahezu allen Mitgliedern dieser Gemeinschaft etwas auszusetzen. Also verlassen Sie diese Gemeinschaft und schließen sich einer anderen Gemeinschaft an. Dort ist es nicht anders und nach kurzer Zeit gehen Sie auch dort nicht mehr hin. Ich gehe mal davon aus, dass alle Mitglieder beider Gemeinschaften „echte“ Christen sind.

Wenn wir so handeln, dann müssen wir uns auch die Frage gefallen lassen:
Was wollen wir eigentlich im Himmel? Wenn wir auf Erden an allen Menschen die einmal dort sein werden etwas auszusetzen haben, dann wäre doch der Himmel die wahre Hölle für uns.

Also lassen Sie uns den Versuch wagen, an allen Menschen das Positive zu erkennen. Fällen wir nicht mehr vorschnell Urteile, wenn uns das ein oder andere an unseren Mitmenschen missfällt. Wir können ja auch das Gespräch mit diesen Menschen suchen. Ich garantiere Ihnen, und so ist es
mir anfangs leider oft ergangen, dass ich die Menschen vorschnell falsch eingeschätzt hatte.

C. Einen letzten Hinweis, was wir auf unserer Zeitstrahlreise auf Erden machen sollen, gibt uns der Herr Jesus direkt in Matthäus 28: ‚“Darum geht hin und machet zu Jüngern alle Völker.“ ‚Es ist dem Herrn Jesus nicht nur wichtig, dass seine engsten Vertrauten ihm dereinst in den Himmel folgen werden. Nein, liebe Gemeinde, unser Herr will nicht, dass auch nur ein Mensch verloren geht, wenn die Geschehnisse unseres heutigen Predigttextes eintreten werden.

Also lassen Sie uns in die Welt hinausgehen und aller Welt Enden wissen, was für einen Heiland wir haben, damit jeder die Chance bekommt, in den Himmel zu gelangen.

Diese drei Punkte sollten wir uns als Eckpunkte immer wieder vor Augen führen. Ich habe sie in der Wohnung in meinem Auto und in meinem Geldbeutel ganz einfach als drei Erinnerungsstützen notiert, die da lauten:

Jesus allein
Jesus liebt alle
Das muss ich weitersagen

In diesem Sinne lassen Sie uns das alte Kirchenjahr beenden und lassen Sie uns diese „Three Steps to Heaven“ mit hinüber in das neue Kirchenjahr, welches bekanntlich am 1. Advent beginnt, nehmen.

Das Geschehen unseres heutigen Predigttextes beschreibt der Liederdichter Lorzen Lorenzen zwar nicht so drastisch, wie Petrus, aber doch vollkommen zutreffend sehr schön mit dem ersten Vers seines Liedes:
Ermuntert euch, ihr Frommen….“ (EG 151), der da lautet, wie folgt:

Ermuntert euch, ihr Frommen, zeigt eurer Lampenschein!
Der Abend ist gekommen, die finstre Nacht bricht ein.
Er hat sich aufgemachtet der Bräutigam mit Pracht.
Auf, betet, kämpft und wachet! Bald ist es Mitternacht.

Der Herr mache Dich gewiss, dass allein ER genügt um in den Himmel zu kommen
Der Herr lege Seine liebe in Dein Herz hinein, damit Du diese weitergeben kannst
Der Herr gebe Dir viele Möglichkeiten, seine frohe Botschaft allen Menschen weiterzugeben

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen besinnlichen Sonntag und wünsche Ihnen allen einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich amheutigen Sonntag, dem 9. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Petrusbrief, Kapitel 4, die Verse 7-11. Lassen Sie un diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Es ist aber nahe gekommen das Ende aller Dinge. So seid nun besonnen und nüchtern zum Gebet. Vor allen Dingen habt untereinander beständige Liebe; denn „Die Liebe deckt auch der Sünden Menge“ (Sprüche 10,12).
Seid gastfrei untereinander ohne Murren. Und dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes: Wenn jemand predigt, dass er’s rede als Gottes Wort; wenn jemand dient, dass er’s tue aus der Kraft, die Gott gewährt, damit in allen Dingen Gott gepriesen werde durch Jesus Christus. Sein ist die Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit ! Amen.

Liebe Gemeinde,

wie verhält man sich als Christ in der Welt ? Diese Frage beschäftigte schon die Menschen vor 2000 Jahren. Und diese Frage hat bis heute nicht an ihrer Aktualität eingebüßt. Wenn man heute diese Frage stellt, dann kommen häufig recht schwammige Antworten, wie „Man muss dem Christen anmerken, dass er einer ist.“ Ich hätte es aber ehrlich gesagt, doch ein wenig konkreter. Und genau da hilft uns der 1. Petrusbrief weiter.

Petrus nennt uns drei Verhaltesnweisen, die einen Christen auszeichnen.
Lassen Sie uns heute morgen gemeinsam darüber nachdenken.

1. Gebet

Natürlich zeichnet einen Christen das Gebet aus. Das ist doch keine Frage. Das ist doch selbstverständlich, dass wir als Christen regelmäßig beten. Aber es steht noch etwas in unserem Predigttext, nämlich wie wir beten sollen.

Besonnen und nüchtern sollen wir beten. Also kein schwärmerisches Getue und keine unbesonnenes Geplapper. Jetzt müssen wir uns aber darüber unerhalten was denn ein Gebet überhaupt ist. So, liebe Gemeinde, das Gebet ist nichts anderes als das Gespräch mit Gott. Wenn wir mit einem guten Bekannten reden, dann plappern wir hoffentlich auch nicht irgend ein dummes Zeugs daher, sondern wir bemühen uns um eine ernsthafte Unterhaltung.

So soll auch das Gebet sein. Das ernsthafte Vorbringen, dessen, was uns auf dem Herzen liegt. Und dies soll dann auch nüchtern geschehen. Also unter Einschaltung unseres Verstandes. Gott möchte kein schwärmerisches Dahergerede, sondern ist an uns als seinen Gesprächspartnern interessiert.

Insbesondere interessieren ihn unsere Anliegen. Diese können wir aber nur vor ihn tragen, wenn wir sie auch entsprechend formulieren. Und damit meine ich unsere ganz normale Alltagssprache. Kanaanäische Endlosgebete interessieren Gott wohl eher nicht.

Aanstelle der wohlformulierten auswendig gelernten Gebete sollen wir Gott unser Herz ausschütten. Nicht mehr und nicht weniger.

2. Gastfreundschaft

Wenn wir heute als Westeuropäer in den Orient reisen, dann sind wir manchmal fürbass erstaunt mit welcher Gastfreundschaft wir dort oftmals sogar von uns wildfemden Menschen aufgenommen werden. Schnell steigt in uns die Skepsis auf, dass die vielleicht doch irgendetwas von uns wollen. Vielleicht wollen sie uns doch einen Teppich verkaufen ? Na ja man weiß ja nie. Also über wir uns lieber etwas in Zurückhaltung.

Liebe Gemeinde, das was uns die Menschen im Orient angdeihen lassen, nämlich eine Gastfreundschaft ohne murren, das sollten wir eigentlich auch unseren Mitmesnchen angedeihen lassen. Und da herrscht bei uns allen doch wohl ein gewaltiges Nachholbedürfnis.

Wann haben Sie zum letzten Male einen Fremden bei sich eingeladen nur so aus der Gastfreundschaft heraus ? Ich wette, keiner von uns wird sich so recht daran erinnern können. Es dürfte ja auch schon eine ganze Weile her sein.

Also, was will uns der Predigttext dazu sagen. Gehen wir doch alle wieder mit offenen Augen und Ohren durch diese Welt und beobachten unsere Mitmenschen. Da ist z. B.der ältere Herr, den wir seit Monaten allein im Gottesdienst sehen. Früher war er mit seiner Frau gemeinsam hier. Was mag wohl geschehen sein ? Wir werden es nie herausbekommen, wenn wir ihn nicht fragen. Und wenn wir dann feststellen, dass er einsam und allein lebt, dann liegt es an uns, ihn z.B. zum sonntäglichen Mittagstisch in unsere Familie einzuladen.

Es ist zwar noch etwas hin, aber bald ist wieder Weihnachten. Wir kennen bestimmt, den ein oder anderen Mitmenschen, der den Heiligabend oder das ganze Weihnachtsfest mutterseelenallein verbringt. Laden wir ihn doch in unsere Familie ein.

3. Einander Dienen

Wir leben ja in einer Dienstleistungsgesellschaft. Nur mit dem Nachteil, dass wir uns alle zwar gern bedienen lassen, aber selber dienen ? Nein, dazu haben wir eigentlich gar keine rechte Lust. Ähnlich ging es aber schon den Menschen vor 2000 Jahren.

Und genau diese Menschen spricht Petrus an und sagt ihnen, dass sie einander dienen sollen. Aber wie um alles in der Welt kann ich meinem Mitmenschen denn dienen ? Auch hier hat Petrus die Lösung parat: Genau mit den Gaben mit denen mich Gott ausgestattet hat.

Ich glaube, hier liegt auch der Hase im Pfeffer. Wir fühlen uns häufig vielleicht deswegen nicht wohl in unserer „Dienerhaut“, weil wir etwas machen, wozu uns Gott nicht befähigt hat. Jetzt gilt es zunächst einmal herauszufinden, was uns denn wirklich Spass macht. Das haben wir nämlich von Gott in die Wiege gelegt bekommen. Was immer es auch sei, diese Fähigkeit können wir auch zum Aufbau seines Reiches einsetzen.

Das glauben Sie nicht ? Hierzu ein Beispiel. Ein Freund von mir ist ein begnadeter Koch. Er arbeitet federführend in einem „Sternetempel“ zu welchem die Gourmets und die meinen, dass sie welche sind, in Scharen hinpilgern. Aber einen Tag in der Woche widmet er sich einer ganz anderen Tätigkeit. Da bringt er jungen Menschen, die dies nicht gewohnt sind, das gesunde Kochen bei. Ganz umsonst und vor allem ganz ohne Hintergedanken.

Nehmen wir uns doch heute Nachmittag einmal die Zeit und überlegen wir, was uns so richtig Spass macht. Und dann lassen Sie uns überlegen, wie wir diese Tätigkeit im Dienst für den Nächsten einsetzen können. Ich bin sicher, uns allen wird etwas einfallen.

Dann dürfen wir aber den nächsten Schritt nicht vergessen, nämlich dies auch in die Tat umzusetzen

Jetzt haben wir drei christliche Charakteristika kennen gelernt. Ich denke, es gibt bestimmt noch viel mehr. Jetzt kommt aber noch etwas ganz entscheidendes. Ich muss jetzt einmal auf Ihre Schulzeit und das Fach Mathematik zurückgreifen. Kennen Sie sie noch, die Rechnung mit der Klammer. Alles was vor der Klammer steht bezieht sich auf den gesamten Inhalt der Klammer. Unsere drei Charakteristika stehen in der Klammer.

Vor der Klammer steht ein Wort, welches bei all diesen Aktivitäten oberste Priorität genießt, nämlich die Liebe. All das, was wir tun, sollen wir in beständiger Liebe zueinender tun. Übelgelaunt und mieseperterhaft ausgeübt nutzt die ganze Gastfreundschaft nichts. Sie muss aus dem Herzen kommen. Und wer kennt ihn nicht, den übelgelaunten Kellner, der einem glatt den Appetit und die gute Laune verderben kann.

Liebe Gemeinde, wir sind nicht jeden Tag gut drauf. Das erwartet Gott auch nicht von uns. Aber wir können Gott bitten, dass er uns jeden Tag auf’s neue ein liebvolles Herz schenkt, dass in seinem Sinne tätig wird.
Probieren wir es doch einfach mal.

Der Liederdichter Nikolaus Ludwig von Zinzendorf drückt diese christliche Grundstimmung aus der heraus wir einander dienen sollen, sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes „Herz und Herz vereint zusammen…“ (EG 251) aus, der da lautet, wie folgt:

Herzn und Herz vereint zusammen such in Gottes Herzen Ruh.
Lasset eure Liebesflammen lodern auf den Heiland zu.
Er das Haupt, wir seine Glieder, er das Licht und wir der Schein, er der Meister, wir die Brüder, er ist unser, wir sind sein.

Der Herr erhöre immer wieder Deine besonnenen Gebete Der Herr gebe Dir die Kraft stets gastfreudlch zu sein Der Herr gebe Dir die Karft der beständigen Liebe in Dein Herz hinein

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Restsonntag und einen fröhlichen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen letzten Sonntag nach Epiphanias. Unseren heutigen Predigttext finden wir im 2. Petrusbrief, Kapitel 1, die Verse 16-19. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Denn wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen. Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm kam von der großen Herrlichkeit: Dies ist mein lieber Sohn an dem ich Wohlgefallen habe. Und diese Stimme haben wir gehört vom Himmel kommen, als wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge. Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbreche und der Morgenstern aufgehe in euren Herzen.

Liebe Gemeinde,

die ersten christlichen Gemeinden waren gegründet und es war schon eine geraume Zeit in’s Land gegangen seit der Himmelfahrt unseres Herrn. Zuerst wartete man ganz gespannt auf dessen Wiederkommen. Aber als dies nach geraumer Zeit nicht geschah, da machten sich doch die ersten Zweifel breit.

War man doch einer Fabel aufgesessen ? Hatte man vielleicht doch ganz umsonst gehofft ? Und stimmte das überhaupt, die abenteuerlichen Berichte über diesen Jesus ? Alles Zweifel, liebe Gemeinde, die wir auch heute noch all zu gut kennen. Und genau in diese Zweifel hinein ermuntert Petrus die noch junge Gemeinde, auf jeden Fall an Jesus dran zu bleiben.

Es sind drei Punkte, die Petrus aufführt und damit der Gemeinde die Gewissheit zurückgeben will, dass sie auf dem rechten Wege sind und auch darauf bleiben sollen.

1. Wir waren Augenzeugen

In einem Gerichtsprozess sind Indizien gute Anhaltspunkte, dass sich ein Geschehen auf eine ganz bestimmte Art und Weise abgespielt hat. So ganz glücklich sind die Verfahrensbeteiligten allerdings nicht, wenn ein Urteil ergeht, welches sich nur auf Indizien stützt.

Ganz anders sieht es da schon bei den Augenzeugen aus. Diese können sich zumeist gut an das Geschehen erinnern. Diese können nach Details befragt werden. Augenzeugen können also mehr über das wirkliche Geschehen berichten, als irgendwelche Indizien.

Und so ein Augenzeuge war Petrus. Wir erinnern uns, Petrus, der große Glaubensheld war in unmittelbarer Gesellschaft unseres Herrn mit diesem zusammen. Vieles hatte er gemeinsam mit Jesus erlebt. Alles, was ihm Jesus gesagt hatte, das war auch eingetroffen. Und genau dies berichtet er der noch jungen Gemeinde.

Wir müssen uns daran erinnern, dass es das Neue Testament damals ja noch gar nicht gab. Wir können jeden Tag unsere Bibel zur Hand nehmen und alles über Jesus nachlesen. Diese Möglichkeit hatte die junge Gemeinde damals noch nicht.

2. Wir haben Gottes Stimme gehört

Wenn mir der A erzählt, er habe von dem B gehört, dass vor langer Zeit der D zu dem E gesagt haben soll, dass der F über den G gesagt hat,dann schenke ich dem kein großes Vertrauen. Dann möchte ich schon gern den unmittelbaren Beteiligten befragen.

In einer ähnliche Situation steckten auch die jungen Christen. Sie hatten immer wieder etwas von Jesus gehört. Aber so einen direkten Beteiligten des Geschehens konnten sie nicht befragen. Daher rührten schließlich auch ihre Zweifel. Das ist ja auch nur all zu menschlich.
Uns geht es ja heute auch nicht anders.

In diese Situation spricht Petrus hinein und bezeugt der Gemeinde, dass er tatsächlich die Stimme des allmächtigen Gottes persönlich gehört hat.

Eigentlich müssten diese Menschen doch nunmehr überzeugt sein. Das ist vollkommen legitim so zu denken. Aber bitte, denken wir noch einmal daran, damals gab es das Neue Testament noch nicht. Schriftliche Quellen waren also noch gar nicht vorhanden.

Und wie ist es bei uns heute ? Wie viele Menschen glauben immer noch, dass dies alles fromme Fabeln sind, obschon sie in der Lage sind die Bibel zu lesen und zu verstehen. Wie viele Fragen stellen sich auch heute noch, z.B. wo ist er denn der Jesus, der versprochen hat alle Tage bei uns zu sein ? Auch auf diese Frage geht Petrus ein und zwar wie folgt:

3. Der helle Morgenstern

Gehen wir doch einmal in einer sternenklaren Nacht nach draußen und bestaunen den Sternenhimmel. Wunderbar ist ein derartiges Erlebnis.
Obschon uns die Vielfalt des Sternenhimmels sicherlich beeindruckt, so werden wir einen Stern vergeblich suchen, nämlich den Morgenstern.

Und trotzdem ist er da. Wir können ihn nur nicht erkennen. Machen wir das gleiche Experiment doch einmal in den frühen Morgenstunden des herannahenden Tages. Dann, zu einem bestimmten Zeitpunkt können wir den Morgenstern ganz klar erkennen. Hell und klar leuchtet er am Firmament.

Mit diesem Beispiel sagt Jesus der Gemeinde, dass Jesus ja lebt, wir können ihn nur zum jetzigen Zeitpunkt nicht sehen, aber einmal wird der Zeitpunkt kommen, wo ihn alle Augen sehen werden.

Wir können dies auch auf den einzelnen Menschen beziehen. Solang ein Mensch nichts von Christus wissen möchte, so lange lebt er in der Dunkelheit. Hat er aber den Weg zum Herrn gefunden, dann kann er ihn in aller Klarheit auch erkennen. Hier auf Erden sicherlich nur mit den inneren Augen, später einmal aber mit den Augen unseres verwandelten Leibes.

Wir alle haben im Leben zwei Möglichkeiten. Entweder wir vertrauen den
Augen- und Ohrenzeugen, die uns alles berichten, was sie mit Jesus erlebt haben und wir vertrauen SEINEM Wort in dem Er uns verspricht, dass Er bei uns ist alle Tage bis an der Welt Ende, oder aber wir gehen den geheimen Versuchungen Satans auf den Leim, der immer und immer wieder dies alles in Frage stellen möchte.

Die Nichtchristen hat er sowieso schon gewonnen, aber wir als Christen leben ganz, ganz gefährlich. Satan wird bis an unser Lebensende immer wieder versuchen, unsere Zweifel dazu zu benutzen, all das in Frage zu stellen, was Gott uns in Seinem Heiligen Wort hinterlassen hat.

Deshalb lassen Sie uns doch allein dem vertrauen, was wir schwarz auf weiß besitzen, nämlich Gottes Wort, der Bibel. Da Jesus ja alle Tage bei uns ist, können wir Ihn auch jederzeit um Seinen Beistand bitten, wenn die Angriffe Satans uns ereilen. Er ist ja nur ein Gebet weit weg.

Die schönen Folgen des „Dranbleiben an Jesus“ beschreibt der Liederdichter Paul Gerhardt sehr schön in dem 2. Vers seines Liedes „Du meine Seele, singe…“ (EG 302), der da lautet, wie folgt:

Wohl dem, der einzig schauet nach Jakobs Gott und Heil !
Wer dem sich anvertrauet, der hat das beste Teil,
das höchste Gut erlesen, den schönsten Schatz geliebt;
sein Herz und ganzes Wesen, bleibt ewig unbetrübt.

Der Herr begegne Deinen Zweifeln mit SEINEM heiligen Wort
Der Herr lasse SEIN Licht in Dein Herz hinein leuchten
Der Herr lasse SEIN Licht durch Dich in die Welt hineinstrahlen

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen fröhlichen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 4. Sonntag nach Trinitatis. Unseren heutigen Predigttext finden wir im 1. Petrusbrief, Kapitel 3, die Verse 8-15a. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Mahnungen an die Gemeinde

Endlich aber seid allesamt gleichgesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig. Vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern segnet vielmehr, weil ihr dazu berufen seid, dass ihr den Segen ererbt. Denn “ wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der hüte seine Zunge, dass sie nicht Böses rede, und seine Lippen, dass sie nicht betrügen. Er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach. Denn die Augen des Herrn sehen auf die Gerechten, und seine Ohren hören auf ihr Gebet; das Angesicht des Herrn aber steht wider die, die Böses tun.“ (Psalm 34, 13-17). Und wer ist’s der euch schaden könnte, wenn ihr dem Guten nacheifert ? Und wenn ihr auch leidet um der Gerechtigkeit willen, so seid ihr doch selig.
Fürchtet euch nicht vor dem Drohen und erschreckt nicht; heiligt aber den Herrn Christus in euren Herzen.

Liebe Gemeinde,

überall wo wir in einer Gemeinschaft zusammen sind, gibt es bestimmte Regeln. Wenn wir in einem Sportverein sind, müssen wir uns an die Regeln dieses Vereines halten. Sind wir parteipolitisch aktiv, müssen wir hinter dem Programm stehen, das die Partei vorgibt. Regeln sind nichts negatives, sondern ermöglichen erst den Zusammenhalt einer größerer Ansammlung von Menschen. So ist es auch in unseren Gemeinden, Hauskreisen und anderen christlichen Versammlungen. Petrus gibt uns
heute wertvolle Ratschläge an die Hand, wie ein Gemeindeleben und ein Leben darüber hinaus durch die Einhaltung gewisser Grundregeln für alle gedeihlich sein kann. Lassen Sie uns am heutigen Sonntag ein wenig über diese Regeln nachdenken.

1. Mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig

Wenn du heute was erreichen willst, dann musst du knallhart, unberechenbar und durchsetzungsfähig sein. So höre ich es immer wieder, wenn die soeben gehörten christlichen Kardinaltugenden von mir angesprochen werden. Das mag vielleicht der Fall sein, aber ich habe es
immer wieder beobachten können, dass ein auf diese Art und Weise „erarbeiteter“ Erfolg nicht all zu lange währt und von einem meist tiefen Fall begleitet wird.

Was wollen wir als Christen eigentlich erreichen ? Ein guter Bekannter von mir sagte einmal: „Als Christen haben wir das Vorrecht, den Menschen in unserer Umgebung das Leben etwas erträglicher zu gestalten.“ Und genau dazu benötigen wir unsere Kardinaltugenden. Das sind keine Tugenden für „Weicheier“ wie wir immer wieder so gern verspottet werden. Für diese Tugenden brauchen wir unseren Heiland im Rücken, ansonsten schaffen wir das gar nicht.

Mitleidig: Mitleid heißt mit dem anderen durch sein Leid zu gehen. Das hat nichts mit „das wird schon wieder“ zu tun. Den Leidensweg mit zu gehen bedeutet auf alle möglichen Emotionen und Verhaltensweisen gefasst zu sein und schon im Vorfeld zu ahnen, was als nächstes folgen wird. In
unserer Gemeinde existiert eine Gruppe namens Wegbegleitung e.V., die eine hervorragende Trauerbegleitung leistet. Alle Mitarbeiter berichten immer wieder, dass es manchmal eine echte körperliche und geistige Schwerstarbeit ist, Trauernde zu begleiten. Also nichts für Weicheier !

Brüderlich: Hier steht nicht „freundlich“, sondern brüderlich. Dies ist ein gewaltiger Unterschied. Häufig werden beide Begriffe in einen Topf geworfen. Dies wertet jedoch die Brüderlichkeit ab. Ich denke, Freundlichkeit ist uns allen möglich. Aber Brüderlichkeit, schaffen wir das auch immer wieder ? Brüderlichkeit heißt zunächst einmal, dass der andere für mich ein Bruder ist, er also zu derselben Familie gehört, zu welcher ich gehöre. Er hat genau so viele Rechte und Pflichten in der
Familie, wie ich sie habe. Geben wir z.B. dem nicht so gut betuchten Bruder so viel ab, wie wir es innerhalb unserer eignen Familie tun würden ? Ich erwische mich immer wieder dabei, dass ich dies nicht tue. Helfen wir fremden Kindern, die sich in der Schule etwas schwer tun genau so, wie wir es bei den eigenen Kindern tun ? Auch hier muss ich leider für mich Nein sagen. Auch Brüderlichkeit ist also nichts für Weicheier !

Barmherzigkeit: Barmherzigkeit wird oft mit Spendenbereitschaft und milden Gaben verwechselt. Barmherzigkeit ist eine schwere Gabe, die uns häufig alles abverlangt. Grob ausgedrückt ist Barmherzigkeit die Liebe aus unserem Herzen, die dem anderen entgegengebracht wird, obwohl ihn alle anderen nicht beachtet oder sogar missachten und verstoßen haben. Ein Vorbild finden wir in dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Mutter Teresa war ebenfalls ein leuchtendes Beispiel für Barmherzigkeit. Schaffe ich das, ganz nach unten zu gehen und den Menschen meine ganze Liebe zu geben, die einfach gar nichts mehr haben und auf mich angewiesen sind ? Ich glaube, Barmherzigkeit ist auch nichts für Weicheier !

Demut:Demut hat nichts mit Unterwürfigkeit im herkömmlichen Sinne zu tun. Demut heißt, erkennen, dass ich selber gar nicht mitleidig, brüderlich und barmherzig sein kann. Ich möchte es zwar gern, aber ich kann es einfach nicht dauerhaft vollbringen. Gewiss, die ein oder andere Tat ist sicherlich schon ganz in Ordnung, aber dauerhaft schaffe ich es einfach nicht allein. Aber ich habe jemanden, der mir immer wieder hilft, diese Kardinaltugenden auszuüben. Unser Herr Jesus Christus gibt uns immer wieder die notwendige Kraft und Stärke, um mitleidig, brüderlich und barmherzig sein zu können. Ohne IHN schaffen wir nichts, aber mit IHM schaffen wir alles.

2. Die Zunge

Durch nichts entsteht so schnell Zwietracht und Streit als durch den Gebrauch dieses kleinen Organs. Nicht nur christliche Gemeinden kann es sprengen, die Zunge kann ganze Weltkriege auslösen. Und darum sollen wir unsere Zunge hüten. Sie kennen alle den Spruch: „Gott hat uns zwei Ohren aber nur einen Mund gegeben, damit wir doppelt soviel zuhören, wie reden
sollen.“

Die Zunge im Griff haben ist nicht einfach. Wie schnell sind wir doch versucht das neueste Gerücht weiter zu erzählen. Genau davor sollen wir auf der Hut sein. Bei allem, was wir über die Zunge verbreiten, dürfen wir uns die philosophische Frage der Antike stellen:
Ist es richtig, was ich weiter erzähle ? Ist es wichtig, was ich weiter erzähle ? Und nutzt es irgend jemandem, wenn ich dies weiter erzähle ?
Bei einem einzigen Nein sollen wir ganz einfach unseren Mund halten. Probieren wir es doch einfach mal im täglichen Alltag.

Wir haben dies in Kleingruppen in der Gemeinde einmal gemacht unter der Verpflichtung, dass einer den anderen sofort darauf aufmerksam macht, wenn die „Dreierregel“ verletzt wird. Am Anfang haben wir alle immer wieder dagegen verstoßen. Nach und nach kam etwas in die Gruppe hinein, was ich einfach mal als Besonnenheit und Friede bezeichnen möchte. Sich nicht am Tratsch zu beteiligen hatte auf einmal etwas ganz befreiendes. Wenn über jemanden schlecht gesprochen wurde antworteten wir mit etwas Positivem, was dieser Person auch anhaftet. Ganz schnell ebbten
Gerüchte, Klatsch und Tratsch ab. Machen Sie auch mal diesen Versuch. Es macht auch jede Menge Spaß.

3. Der Friede

Wenn ich mir unsere Welt derzeit anschaue, dann suche ich Frieden überall vergeblich. Überall auf der Welt hören wir etwas von Unruhen, Bürgerkrieg und anderen gewaltsamen Auseinandersetzungen. Wir können zwar im Gebet um den Frieden auf der ganzen Welt bitten. Aber das Wort Frieden in unserem Predigttext bedeutet etwas ganz anderes. Es bedeutet nicht die Abwesenheit von Streit, sondern Frieden mit Gott. Danach sollen wir als Gemeinde streben, nach Frieden mit Gott. Wir sollen uns nach dem Zustand sehnen, der die Gnade Gottes herbeiführt. Diese Gnade Gottes beseitigt die Nöte und das Durcheinander unseres Lebens und gibt uns innere Ruhe und Gelassenheit. Dieser Friede ist auch Teil der Kraft, die uns mitleidig, brüderlich und barmherzig werden lässt.

Daher möchte ich schließen mit den Worten: Der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen in Christus Jesus unserem Herrn zum ewigen Leben.

Um diesen Frieden bittet auch der Liederdichter Jürgen Henkys im vierten Vers seines Liedes „Gib Frieden, Herr, gib Frieden…, der da lautet, wie folgt:

Gib Frieden, Herr, gib Frieden
denn trotzig und verzagt
hat sich das Herz geschieden
von dem, was Liebe sagt !
Gib Mut zum Händereichen,
zur Rede, die nicht lügt,
und mach aus uns ein Zeichen,
dafür, dass Friede siegt.

Der Herr schenke Dir Demut, die Dich vor Hochmut bewahrt
Der Herr schenke Dir Frieden, damit Du in IHM Ruhe findest
Der Herr erfülle Dich mit Barmherzigkeit, die Du immer wieder
weitergeben kannst

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen fröhlichen Start in die neue Sommerwoche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 2. Sonntag nach Ostern, dem Sonntag mit dem Namen Miserikordias Domini. Wir bezeichnen den heutigen Sonntag auch als „Hirtensonntag“.
Und um ein Hirtenwort geht es auch in unserem heutigen Predigttext.
Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im 1. Petrusbrief, Kapitel 5, die Verse 1-4. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Mahnungen an die Ältesten und die Gemeinde

Die Ältesten unter euch ermahne ich, der Mitälteste und Zeuge der Leiden Christi, der ich auch teilhabe an der Herrlichkeit, die offenbart werden soll: Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist; achtet auf sie, nicht gezwungen, sondern freiwillig, wie es Gott gefällt; nicht um
schändlichen Gewinn willen, sondern von Herzensgrund; nicht als Herren über die Gemeinde, sondern als Vorbilder der Herde. So werdet ihr, wenn erscheinen wird der Erzhirte, die unvergängliche Krone der Herrlichkeit empfangen. Desgleichen, ihr Jüngeren, ordnet euch den Ältesten unter. Alle miteinander haltet fest an der Demut; denn Gott widersteht den
Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.

Liebe Gemeinde,

gleich zu Beginn des heutigen Predigttextes hören wir die Worte „Mahnung“ und „ermahnen“. Diese beiden Worte sind ja in unserem Sprachgebrauch oftmals negativ besetzt. Man denkt sofort an den erhobenen Zeigefinger des Lehrers, der einen zur Ordnung ruft und ermahnt. Unwillkürlich denke ich dabei auch an drohende Strafen, die auf mich zukommen, wenn ich nicht auf die mahnenden Worte achte.

So ist dies in unserem heutigen Predigttext aber nicht gemeint. Im griechischen Text finden wir für das Wort „ermahnen“ das Wort „parakaleo“. Dies bedeutet „an die Seite rufen zur Hilfe“. Das hingegen verdreht den Sinn wieder in das positive. Denken wir nur einmal an einen Fußballtrainer, der während eines Spieles einen Spieler an die Seite ruft, um ihm wertvolle Tipps und Ratschläge für das weitere Vorgehen zu geben. Betrachten wir den Text aus dieser Warte, dann erhält er drei
wertvolle Tipps für unser Leben als Christen in dieser Welt.

1. Weidet die Herde Gottes

Dieser Part wird ja gern den Pfarrern, Priestern und Pastoren überlassen. Aber, liebe Gemeinde, dies betrifft uns alle. Alle, die wir heute morgen zusammengekommen sind, sind aufgerufen, aufeinander zu achten. Und zwar nicht gezwungenermaßen, sondern freiwillig, so sagt es uns Petrus in unserem heutigen Predigttext. Wir sollen mit Freude im Herzen aufeinander acht haben, dass keiner von uns sich in der Welt verirrt und damit ein leichtes Opfer des Teufels wird.

Petrus konkretisiert das „freiwillig“ noch einmal, indem er betont, dass dies aus des Herzens Grund heraus erfolgen soll. Aus tiefstem Herzens Grunde soll es uns ein Anliegen sein, den Bruder oder die Schwester vor allem Unheil zu bewahren und sie stets auf dem Weg des Glaubens zu begleiten. Da ist dann kein Platz mehr für Neid, Missgunst und andere schändliche Chraktereigenschaften. Auf gut deutsch sagt Petrus: „Ihr dürft euren Bruder/Schwester nicht vor euren Karren spannen, Ihr dürft euch aber vor ihren Karren spannen.“

Überall da, wo es um Leitungsaufgaben geht, da steht einer als Führer da und alle anderen haben ihm zu folgen. Machen wir uns nichts vor, ein Unternehmen würde anders gar nicht funktionieren. Gäbe es keine Hierarchien, dann wäre jedes auf wirtschaftlichen Gewinn ausgerichtete Unternehmen binnen kürzester Zeit in der Insolvenz. Aber das Reich Gottes ist eben kein Superkonzern, sondern das Himmelreich wird anders regiert. Wie, das erklärt uns Petrus ganz explizit.

Wir sollen nicht mit Macht herrschen, sondern mit Vollmacht. Und diese erhalten wir nur, wenn wir das vorleben, wozu wir unsere Mitmenschen anleiten möchten. Nur, wenn wir unseren Glauben auch wirklich 1:1 in unserem Leben umsetzen, dann werden wir auch als Christen wahrgenommen.
Als Vorbilder müssen wir natürlich auch autentisch sein. Man wird uns unseren Glauben nicht abnehmen, wenn wir Taten der Nächstenliebe mit dem allersauersten Miesepetergesicht wahrnehmen. Die Freude, die Christus uns in unser Herz geschenkt hat, diese Freude sollen unsere Mitmenschen durch uns unmittelbar spüren. Dann können wir dem Auftrag gerecht werden, der da lautet „Weidet die Herde Gottes…“

2. Jung & Alt

Liebe Gemeinde, wir leben ja in Zeiten des Jugendwahns. Alle wollen steinalt werden nur keiner möchte, dass man ihm dies ansieht. Das mit dem äußeren Erscheinungsbild ginge ja vielleicht noch. Aber wir sind ja mittlerweile so weit gekommen, dass wir auf jeder neuen Welle, sei es in der Wissenschaft, in der Wirtschaft, ja sogar in der Religion unbedingt mitreiten wollen.

Das, was gestern noch Gültigkeit hatte, das wird dann schnell über den Haufen geworfen. Es scheint so, als ob allein den Jungen die Macht gehört. Und wenn ich mich auf dem Arbeitsmarkt umschaue, dann wird diese Annahme bestätigt. Alter, Weisheit und Erfahrung zählen nichts mehr.
Jugend und Innovation ist alles. Und hier setzt Petrus ein, wenn er sagt, die Jungen mögen sich den Älteren unterordnen.

Gerade im Glauben können wir von den älteren Mitgeschwistern sehr viel lernen. Sehr viel lernen heißt aber auch, dass wir nicht jede schmerzhafte Erfahrung selber machen müssen. Profitieren wir doch wieder einmal von der Weisheit und Erfahrung der älteren Brüder und Schwestern.
In Baden-Württemberg gibt es einen Brüderbund, in welchem nur das Wort ergreifen darf, wer älter als 40 Jahre ist. Ganz so streng müssen wir es ja nicht übertragen, aber ein bisschen Respekt vor dem Alter und der Weisheit stünde uns allen gut zu Gesicht. Wir werden ja schließlich alle einmal alt.

3. Demut und Hochmut

Wenn man an das Wort Demut denkt, dann wird dies schnell mit „ich bin nichts wert“ assoziiert. Selbstverachtung, liebe Gemeinde, hat aber mit Demut nicht das geringste zu tun. Demut ist die rechte Selbsteinschätzung meiner Person vor Gott und vor den Mitmenschen. Ich war, bin und bleibe ein sündiger Mensch, der sein Leben lang auf die Gnade Gottes angewiesen ist. Dies ist die rechte Selbsteinschätzung und die rechte Demut vor Gott.

Wenn ich diese Haltung auch wirklich innerlich annehme, dann überträgt sich dies auch auf das Verhalten gegenüber meinen Mitmenschen. Es sind ja genau so sündige Menschen, wie ich. Ich habe keinen, aber auch nicht den geringsten Vorteil gegenüber Gott, als meine Mitmenschen. Wir sitzen also alle im selben Boot. Und wenn wir alle im selben Boot sitzen, können wir auch zusammen rudern und nicht gegeneinander.

Hochmut hingegen ist das genaue Gegenteil von Demut. Hochmütig ist ein Mensch, der mehr aus sich macht, als er eigentlich ist. Also jemand, der sich selbst erhöht. Und wenn ich mich selbst erhöhe, dann muss ich automatisch meine Mitmenschen klein machen und klein halten.
Und dies ist genau das, was Gott nicht will.

Lassen Sie uns doch wieder dahin kommen, dass man uns unseren Glauben auch wirklich „abkauft“. Nehmen wir doch wieder den Rat der älteren Geschwister mit Freuden an und verzichten wir doch endlich auf allen eitlen Hochmut. Wenn wir uns wieder in diese Richtung bewegen, dann
werden wir alle die unvergängliche Krone der Herrlichkeit empfangen.

Bis es soweit ist, dürfen wir getrost den Worten des Liederdichters Cornelius Friedrich Adolf Krummbacher vertrauen, der den dritten Vers seines Liedes „Stern, auf den ich schaue…“ sehr schön gedichtet hat, wie folgt:

Drum so will ich wallen meinen Pfad dahin,
bis die Glocken schallen und daheim ich bin.
Dann mit neuem Klingen jauchz ich froh dir zu:
nichts hab ich zu bringen, alles, Herr, bist du !

Der Herr gebe Dir die Kraft, ein Vorbild für Deine Mitgeschwister zu sein
Der Herr gebe Dir die Weisheit, den Rat Deiner Geschwister zu achten
Der Herr halte stets die Versuchung des Hochmutes von Dir fern

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Okuli, dem dritten Sonntag in der Passionszeit. Die Predigttexte der Passionszeit sind ja immer etwas ernster und wollen uns zum nachdenken und auch zum umdenken anregen. So auch der Predigttext für den heutigen Sonntag, den wir im 1. Kapitel des 1. Petrusbriefes, die Verse 18-21 finden. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Denn ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem nichtigen Wandel nach der Väter Weise, sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. Er ist zwar zuvor ausersehen, ehe der Welt Grund gelegt wurde, aber offenbart am Ende der Zeiten um euretwillen, die ihr durch ihn glaubt an Gott, der ihn auferweckt hat von den Toten und ihm die Herrlichkeit gegeben, damit ihr Glaube und Hoffnung zu Gott habt.

Liebe Gemeinde,

als ich den Predigttext zum ersten Male gelesen habe, da stolperte ich gleich über drei Textstellen. Lassen Sie uns den heutigen Sonntag nutzen und uns ein wenig näher mit diesen drei Textfragmenten befassen.

1. Erlöst von nichtigem Wandel

Wenn wir die Elberfelder Übersetzung zu Rate ziehen, dann wird diese Textstelle wie folgt übersetzt: „Erlöst von eurem eitlen, von den Vätern überliefertem Wandel“. Das können wir schon etwas besser verstehen als die Übersetzung von Dr. Martin Luther. Aber das Problem geht sofort
weiter. Was ist denn eigentlich unter „eitel“ zu verstehen ? Mir fiel sofort „übertriebenes Geltungsbedürfnis“ ein. Das mag zwar auch dazu gehören, trifft die Sache aber nicht im Kern.

Im Griechischen finden wir das Wort „mataios“. Dieses Wort hingegen wird auch übersetzt mit: „Zu keinem Ziel führend, besonders nicht zu Gott“. Wir sind also erlöst von allen Dingen, die uns von Gott weg-, anstatt zu Ihm hinführen.

Welche Handlungen und Dinge könnten dies sein ? Ich denke, es sind alle Handlungen, die uns keinen Nutzen in der Ewigkeit bringen und die wir, wenn wir sterben, auf der Erde zurücklassen müssen.

Im einzelnen können dies z.B. Geld, Macht und Ansehen sein. Dies sind alles Dinge und Bestrebungen, die zu keinem Ziel führen. Denken wir nur einmal an Geld. Geld benötigen wir alle, um irgendwie überleben zu können. Darüber hinaus gibt es aber auch die Gier nach Geld. Und diese Gier hört niemals auf. Egal, wieviel Geld ich auch habe, die Gier nach immer mehr und noch immer mehr ist allgegenwärtig und lässt mich nicht mehr los. Von dieser Knechtschaft des Geldes sind wir also erlöst.

Bei der Gier nach Macht und Ansehen verhält es sich nicht viel anders. Wie viele Menschen hat es nicht schon gegeben und gibt es noch, die bei der Gier nach Macht über Leichen gegangen sind. Die Gier nach Macht und Ansehen führt dazu, dass wir uns nur noch auf uns selber fokussieren und
nur auf unsere eigenen Vorteile blicken. Auf Dauer macht uns dieses Verhalten unausstehlich und letztendlich auch einsam.

Und auch davon hat uns unser Herr erlöst. Wohlgemerkt, unser Herr hat nichts gegen einen fleißigen Arbeiter, der sich für seinen Job einsetzt. Auch hat Er nichts gegen ehrenwerte Politiker, die häufig 20 und mehr Stunden am Tag arbeiten. Selbstverständlich verfügen diese über Macht
und Ansehen. Nur darf dies nicht der zentrale Inhalt unseres Lebens sein.

Um es mathematisch zu betrachten, so muss Geld, Macht und Ansehen innerhalb der Klammer stehen. Außerhalb sollte immer unser Herr stehen, der über allem steht und das Geschehen in der Klammer maßgeblich beeinflusst.

2. Ausersehen, ehe der Welt Grund gelegt wurde

Wer hat uns eigentlich von dem eitlen Wandel erlöst ? Wer hat denn dafür gesorgt, dass wir nicht mehr Gefangene von Geld, Macht und Ansehen sind ? Gott hat uns persönlich von diesem eitlen Wandel und von all unseren Sünden erlöst. Und jetzt kommt das, was wohl kaum einer unter uns
verstehen kann. Gott wusste vor Anbeginn der Welt, dass wir uns von Ihm abkehren und ein sündiges Leben führen würden.

Trotzdem hat Er uns erschaffen. Er hätte es auch sein lassen können, dann wäre die ganze Lage für Ihn viel unproblematischer gewesen. Aber Er hat uns erschaffen aus Liebe. Liebe deckt alles zu, alles, was negativ zu sein scheint, das sieht die Liebe nicht. Da Gott die Liebe schlechthin ist, hat Er uns aus Liebe erschaffen. Und Er, der die Liebe ist, wollte schließlich auch nicht, dass nur eines Seiner Geschöpfe nicht erlöst wird.

„Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Johannes 3,16)

Wenn wir darüber heute Nachmittag einmal in aller Ruhe nachdenken, dann beginnen wir vielleicht die grandiose Liebe Gottes zu uns zumindest ansatzweise zu verstehen. Vollständig begreifen werden wir sie auf Erden wohl niemals, weil diese Liebe einfach zu groß für uns Menschen ist. Und trotzdem oder gerade deswegen dürfen wir das Erlösungswerk unseres Herrn als ein unverdientes Gnadengeschenk in Demut und Dankbarkeit annehmen.

3. Damit Ihr Glaube und Hoffnung zu Gott habt

Erlöst ? Wovon, weswegen und wozu ? Dies, liebe Gemeinde werde ich immer wieder von glaubenskritisch eingestellten Menschen gefragt. Lassen Sie mich daher noch kurz auf diesen Punkt eingehen.

Wenn wir uns nur noch um uns selber drehen, also alles in uns auf Ansehen, Macht und Geld ausgerichtet ist, dann befinden wir uns in einem Hamsterkäfig, aus dem es kein Entrinnen gibt. Wir haben den Blick gar nicht mehr frei für die anderen Dinge des Lebens. Man könnte auch sagen,
getriebenen von satanischen Mächten bewegen wir uns auf schnellstem Wege weg von Gott. Und genau davon hat uns der Herr erlöst.

Durch sein Erlösungswerk werden uns die Augen geöffnet. Wir dürfen den Hamsterkäfig verlassen und wieder nach Hause kommen. Gott macht uns den Weg frei für Glaube und Hoffnung. Kirchenkritiker rümpfen bei Glaube und Hoffnung immer gleich die Nase, weil diese Begriffe nicht besonders konkret sind.

Also, ganz konkret: Gott schenkt uns den Glauben in unser Herz, damit wir erkennen können, dass einer da ist, der über alles wacht und ein Auge auf einen jeden von uns hat. Hoffnung, von Gott geschenkte Hoffnung gibt uns die Gewissheit, dass mit dem Tode nicht alles aus ist.

Wenn wir wissen, dass einer da ist, der auf uns aufpasst, der uns behütet, trägt und geleitet und wenn wir davon ausgehen dürfen, dass wir mit dem Glauben die unumstößliche Option auf das ewige Leben haben, können wir dann nicht viel einfacher, lockerer und fröhlicher leben ?
Können wir dann nicht auch einfacher mit den Unbillen des Lebens fertig werden, denen wir alle zweifelsohne immer wieder ausgesetzt sind in dieser vergänglichen Welt ?

Wenn wir fröhlicher leben, dann wirkt sich dies auch auf unsere Mitmenschen aus. Wenn sie uns die Leichtigkeit unseres Lebens anmerken und sie quasi sogar fühlen können, dann haben wir die beste Chance auch unsere Mitmenschen für ein Leben mit Christus zu begeistern. Fangen wir doch gleich damit an.

Am besten beginnen wir damit, dass wir unserem Herrn immer wieder für das danken, was er für uns getan hat. Dies können wir auch mit dem ersten Liedvers des Liedes „Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn… “ von Heino Tangermann tun, der da lautet, wie folgt:

Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn,
er hat dir viel Gutes getan.
Bedenke, in Jesus vergibt er dir gern,
du darfst ihm, so wie du bist, nahn.
Barmherzig, geduldig und gnädig ist er,
vielmehr als ein Vater es kann.
Er warf unsre Sünden ins äußerste Meer,
komm betet den Ewigen an.

Der Herr halte Dich fern von allem, was Dich von IHM wegführt
Der Herr zeige Dir immer wieder den Weg, der zu IHM hinführt
Der Herr bewahre Dich allezeit auf Deinem Wege hin zu IHM

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber