Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie ganz herzlich am heutigen Sonntag, dem Palmsonntag. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Propheten Jesaja im 50. Kapitel, die Verse 4-9. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Der Knecht Gottes im Leiden

Gott der Herr hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse, mit den Müden zu rechter Zeit zu reden. Alle Morgen weckt er mir das Ohr, dass ich höre, wie die Jünger hören. Gott der Herr hat mir das Ohr geöffnet. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück. Ich bot meinen Rücken dar, denen, die mich schlugen, und meine Wange denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel. Aber Gott der Herr hilft mir, darum werde ich nicht zuschanden. Darum hab ich mein Angesicht hart gemacht wie einen Kieselstein; denn ich weiß, dass ich nicht zuschanden werde. Er ist nahe, der mich gerecht spricht; wer will mit mir rechten? Lasst uns zusammen vortreten! Wer will mein Recht anfechten ? Der komme her zu mir! Siehe, Gott der Herr hilft mir, wer will mich verdammen? Siehe, sie alle werden wie Kleider zerfallen, die die Motten fressen.

Liebe Gemeinde,

von wem spricht der Prophet eigentlich? Auf den ersten Blick scheint es sonnenklar, dass er von dem Herrn Jesus spricht. Aber wenn wir genauer hinhören, dann erkennen wir, dass der Prophet von drei Personen spricht: Von sich selbst, von Jesus und auch von uns. Schauen wir uns doch seine Botschaft einmal zusammen an.

1. Hören

Gleich zu Beginn sagt uns der Prophet, dass Gott ihm alle Morgen das Ohr auftut, das er wie ein Jünger hören kann. Er erkennt, dass sein gesamtes Lebenswerk davon abhängt, dass er zunächst einmal auf Gott hört und ihm zuhört. Nur so ist er in der Lage, sein schwieriges Prophetenamt auszuüben.

Wir dürfen nämlich nicht vergessen, dass er zu einem Volk sprechen sollte, dass bereits seit langer Zeit in babylonischer Gefangenschaft war und die meisten schon alle Hoffnung auf Rückkehr aufgegeben hatten.

Und dann finden wir auch, was das Hören anbelangt die Parallele zu unserem Herrn Jesus Christus. In vielen Stellen des Neuen Testaments erkärt uns Jesus, dass er nur wiedergeben kann und nur das ausüben kann, was ihm von seinem himmlischen Vater aufgetragen worden ist. An zahlreichen Stellen finden wir auch den Hinweis, dass sich Jesus stets zurückzog, um mit seinem Vater im Himmel zu sprechen.

Und hier finden wir auch die Parallele zu uns heute im 21. Jahrhundert. Erst hören, dann reden und machen. Können Sie sich vorstellen, dass unser Leben für einen jeden von uns wesentlich geordneter verlaufen würden, wenn auch wir immer zunächst nach Gottes Willen für unser Leben fragen würden anstatt unseren Willen in die Tat umzusetzen ?

Machen wir es doch wieder wie der Prophet und Jesus und hören zunächst auf das, was Gott von uns will. Und lassen Sie uns dann das auch genau so in die Tat umsetzen, wie Gott es von uns erwartet.

2. Gehorsam

Ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück. So lesen wir es ebenfalls in unserem Predigttext. Gewiss, es war keine angenehme Aufgabe den Menschen, die sich in babylonischer Gefangenschaft befanden, die Freiheit und Hoffnung und die Liebe Gottes zu predigen.

Und doch, liebe Gemeinde hat sich der Prophet voll und ganz auf Gott eingelassen und das gepredigt, was Gott ihm aufgetragen hatte. Auch dann oder besonders gerade dann, wenn die äußeren Umstände ganz anders waren, als es der Prophet vorhersagte. Im schlimmsten Schlamassel fällt es einem schwer die Lösung zu sehen.

Wer ebenfalls gehorsam war bin in den Tod, das war unser Herr Jesus Christus. Ich bot meinen Rücken dar, denen die mich schlugen, so haben wir es soeben gehört, was der Herr Jesus für uns getan hat.

Nur sein absoluter Gehorsam Gott gegenüber machte es überhaupt erst möglich, dass wir wieder freien Zugang zum Himmel haben. Nur weil ER für uns durch seinen stellvertretenden Tod für all unsere Sünden das Lösegeld bezahlt hat, dürfen wir wieder zu Gott „Lieber Vater“ sagen.

Daher gilt dieser Gehorsam auch für uns. Auch wenn von Gott manchmal Botschaften und Aufgaben kommen, die mir nicht so recht gefallen, auch dann müssen wir auf ihn hören. Einen „Schönwetterglauben“ kann man leicht leben, aber wenn die Gewitter kommen, dann zeigt sich die Ernsthaftigkeit unserer Beziehung zu unserem Herrn.

Das Leiden Jesu Christi hat für uns eine erlösende und sühnende Wirkung. Leid und Erlösung gehören also zusammen. Wenn wir dies erkannt haben, dann können wir auch mit dem Leiden, dass Gott uns zumutet, ein wenig anders umgehen, führt doch alles menschliche Leid uns wieder hin zu IHM. Wir dürfen also gerade im Leiden gewiss sein, dass da einer ist, der uns durch dieses Leiden hindurchführt.

3. Und dennoch

Bei so vielem Leid könnte man ja glatt verzweifeln. Da predigt man Hoffnung und wird auch noch dafür verdroschen. Das erging übrigens vielen Propheten so, wenn sie nicht dem Volk nach dem Munde predigten. Man sperrte sie ein, mit etwas Glück bei Wasser und Brot, oder man verstieß sie. im ungünstigsten Falle wurden sie einfach umgebracht, damit man ihre Botschaft nicht mehr hören musste.

Aber Gott der Herr hilft mir ist die Antwort des Propheten auf das, was man ihm antut. Er weiß genau, dass er sich nicht von dem ablenken lassen darf, was das Volk von ihm erwartet. Seine Aufgabe besteht in der Verkündigung des Wortes Gotts, koste es, was es wolle.

Und genau so vertraute auch der Herr Jesus Christus seinem Vater im Himmel. Dieses bedingungslose Vertrauen hielt sogar da noch an, als man ihn zum Tode verurteilte und ihn an das Kreuz geschlagen hat.

Und an diesem bedingungslosen Vertrauen sollen auch wir uns ein Beispiel nehmen. Wie bei Jesus letztendlich alles gut ausgegangen ist (Tod-Auferstehung-Himmelfahrt), so wird auch bei uns am Ende alles gut ausgehen.

Alle, die wir ihm unser bedingungsloses Vertrauen schenken, alle diejenigen werden nicht zuschanden werden, sondern das ewige Leben haben. Wer Christus vertraut, für den ist der Tod nicht das Ende, sondern der Anfang eines Lebens in ewiger Gemeinschaft mit unserem Herrn im Himmel.

Wir werden oft in Situationen kommen, in denen wir innerlich verzweifeln und manchmal nicht mehr ein noch aus wissen; gerade dann ist unser „Dennoch“ gefragt. Wenn wir dieses „Dennoch“ in solchen Situationen zu unserem Herrn sagen, dann werden wir seine Kraft und Stärke schon auf Erden ganz konkret zu spüren bekommen.

Hören führt zu Gehorsam und Gehorsam führt zu Rechtsprechung. Und diese Rechtsprechung führt uns in den Himmel hinein. Lassen Sie uns dies für heute mit nach Hause nehmen.

Lassen Sie uns zum Abschluss gemeinsam um Gottes Segen auf all unseren Wegen bitten, indem wir gemeinsam in den sechsten Vers des Liedes „Der du die Zeit in Händen hältst…“ (EG 64) von Jochen Klepper einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Der du allein der Ewge heißt und Anfang, Ziel und Mitte weißt
im Fluge unsrer Zeiten:
Bleib du uns gnädig zugewandt und führe uns an deiner Hand,
damit wir sicher schreiten.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 6. Sonntag der Passionszeit, dem Palmsonntag. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Philipperbrief, Kapitel 2, die Verse 5-11. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Jesus Christus entspricht: Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in den Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.

Liebe Gemeinde,

„Seid unter euch so gesinnt, wie ihr es auch Christus gegenüber seid“, so könnte der erste Satz des heutigen Predigttextes auch übersetzt werden. Da stellt sich natürlich die Frage für einen jeden unter uns: Wie bin ich denn Christus gegenüber gesinnt ? Oder: Wie sollte ich Christus gegenüber gesinnt sein ? Lassen Sie uns den heutigen Palmsonntag einmal dazu benutzen um über unser Verhältnis unserem Herrn gegenüber und unser Verhältnis unseren Mitmenschen gegenüber einmal etwas intensiver nachzudenken.

1. Aufmerksamkeit – Zuhören

Die Beziehung von uns Christen unserem Herrn gegenüber ist zunächst einmal vom Hören geprägt. Wenn ich nach meiner Bekehrung wissen möchte, wie ich mich als Christ verhalten soll, dann muss ich dies, wie wir alle, zunächst einmal lernen.

Indem ich auf das Wort Gottes höre und die Worte der Bibel beachte, lerne ich im Laufe der Zeit jede Menge über meinen Herrn, und darüber, wie ich mich als Christ in der Welt verhalten soll.

Das Hören wichtiger ist als das Reden, das sehen wir auch schon an unserer genetischen Ausstattung. Gott hat uns 2 Ohren, aber nur einen Mund gegeben. Klingt natürlich ein wenig scherzhaft, aber lassen Sie uns irgendwann am heutigen Tage einmal in Ruhe darüber nachdenken.

So, und dieses Verhalten sollen wir auch auf unsere Mitmenschen übertragen. Wir sollen Ihnen ehrliche Aufmerksamkeit entgegenbringen und ihnen auch wirklich mit dem Herzen zuhören. Seien wir doch mal ehrlich, wenn wir uns mit jemandem unterhalten, dann möchte doch jeder gern am meisten sagen. Und wie schnell unterbrechen wir unseren Gesprächspartner, weil wir meinen zu wissen, was er uns sagen will.

Lernen wir doch wieder das aktive Zuhören. Sprechen wir doch erst dann, wenn der andere Gesprächspartner seine Ausführungen beendet hat. Und bringen wir unserem Gegenüber doch genau so viel Achtsamkeit entgegen, wie wir das unserem Herrn gegenüber tun. Und lassen Sie uns dies nicht nur den Großen und Mächtigen gegenüber tun, sondern vor allem den Kleinen und Machtlosen unserer Gesellschaft gegenüber.

2. Treue und Ehrlichkeit

Diese zwei Tugenden sind für uns Christen unabdingbar. Treu und ehrlich sind wir doch alle, oder etwa doch nicht?

Unser Verhältnis Jesus gegenüber ist von Treue geprägt. Aber Achtung, ER ist uns immer wieder treu, auch wenn wir doch so manches Mal auf falschen Pfaden wandeln. Seine Treue und seine feste Zusagen nimmt er deswegen nicht von uns weg.

Jetzt übertragen wir dies einmal auf unsere Mitmenschen. Wie oft haben wir uns schon von unserem Gegenüber abgewandt, weil er uns vielleicht enttäuscht hat. Wie viele Beziehungen sind dadurch schon in die Brüche gegangen, dass wir eben unserem Gegenüber nicht verzeihen konnten.

Der Herr Jesus hat es ja schon dem Petrus gesagt, wie oft man einem Menschen verzeihen muss, 7 mal 70 mal. Also immer und immer wieder. Und jetzt kommt der Knackpunkt: Ich kriege das nicht hin. Gut, wenn mich ein Bekannter betrogen hat und um Verzeihung bittet, dann bekomme ich die Verzeihung vielleicht einmal hin. Aber wenn das Ganze zum Dauerzustand wird, dann ist das Ende der Fahnenstange bei mir jedenfalls irgendwann dann doch erreicht.

Ja, liebe Gemeinde, und dann hilft nur noch eines, nämlich der Gang zum Kreuz, wo ich wieder Kraft tanken kann, um Jesu Anspruch dann doch noch gerecht werden zu können. Aber selbst das haut leider nicht so hin, wie ich dies gern hätte. Dann bleibt nur noch eines, den Herrn um seinen Beistand ganz konkret in dieser Angelegenheit zu bitten. Und dann klappt es dann doch noch.

Übrigens, wir Christen sollen nicht die Deppen der Nation sein, die jedem Menschen immer und immer wieder alles, was er uns antut nachsehen unter dem Motto: Na ja, der ist halt als Kind zu heftig geschaukelt worden, der kann ja gar nicht anders. Nein, liebe Gemeinde, dies ist hier nicht gemeint.

Vergeben und Verzeihen setzt auch bei unserem Gegenüber eine aktive Reue voraus und die ehrliche Bereitschaft, wohlgemerkt nur die ehrliche Bereitschaft, sein Verhalten uns gegenüber ändern zu wollen und mit uns neu anfangen zu wollen.

3. Barmherzigkeit

Wenn wir Jesus gegenübertreten, dann erwarten wir ja allgemeinhin seine Barmherzigkeit. Die kalte Schulter mit der er uns abweist, die kennen wir bei Jesus jedenfalls nicht. Aber wir kennen sie häufig bei uns.

„Wenn der mir noch mal begegnet, na der kann sich auf was gefasst machen…“ Wenn wir ehrlich sind, dann haben wir doch alle schon einmal so gedacht. Und genau dies sollen wir eben nicht machen. Wir, die wir Barmherzigkeit empfangen haben, sollen diese Barmherzigkeit an unsere Mitmenschen weitergeben.

Barmherzigkeit unseren Mitmenschen gegenüber ist kein oberflächliches „Schwamm drüber…“. Das würde sowieso nicht lange gut gehen. Echte Barmherzigkeit ist getragen von der Erkenntnis, dass von allem, was der andere getan hat auch ein Stück davon in mir vorhanden ist. Und weil mir mein Herr sogar dieses Verhalten vergeben hat, bin ich aufgerufen, dies genau so zu tun.

Barmherzigkeit ist die Erkenntnis: Ich bin ein Stück weit wie Du und wir sind beide von der Barmherzigkeit Gottes abhängig. Jeden Tag in unserem Leben. Und darum sollten wir einander beistehen.

4. Der Knecht und der Herr

Wenn wir in der Gemeinschaft mit unserem Herrn sind, dann sind wir die Knechte und er der Herr. Das ist uns allen natürlich vollkommen klar und da würde auch ernstlich niemand unter uns dran rütteln wollen.

Aber wie machen wir es denn in der Gemeinschaft mit unseren Mitmenschen. Ist diese Gemeinschaft und damit auch ein Stück weit unsere heutige Leistungsgesellschaft nicht ganz besonders von einem Machtdenken bestimmt. Je mehr Menschen ich unter mir habe, desto mächtiger bin ich und desto größer ist mein Einfluss und desto mehr Menschen müssen machen, was ich sage.

Und auch so sollen wir nicht miteinander umgehen. Einer trage des anderen Last, so werden wir das Gesetz Christi erfüllen, so lesen wir es im Galaterbrief.

Also nicht den anderen möglichst kleinhalten, sondern ihm Lasten abnehmen, damit auch er, wie wir, wachsen kann. Nicht immer nur ICH, sondern immer auch DU.

Was heißt dies ganz konkret: Ganz konkret hießt dies Nächstenliebe üben. Überall, wo ich bin soll ich Ausschau halten, wem ich in diesem Moment der Nächste sein kann, ganz praktisch ohne jedwede strategische Vorplanungen.

Übrigens: Der Nächste ist nicht der nächste nette Kollege, sondern auch derjenige, über den ich mich vielleicht schon seit Wochen über alle Maßen ärgere.

Wenn wir das jetzt einmal Revue passieren lassen: Aufmerksamkeit, Zuhören, Treue und Ehrlichkeit, Barmherzigkeit, dienender Knecht, dann sind das alles Eigenschaften, die ich nicht in der Lage bin so durchzuführen, wie Jesus sie von mir erwartet. Das kriege ich nie und nimmer hin. Mag sein, dass es mir das ein oder andere Mal gelingt, aber im Großen und Ganzen stoße ich dabei doch immer wieder an meine Grenzen.

Und wo meine Grenzen sind, da steht Jesus und will mir über diese Grenzen hinweghelfen. Ich muss ihn nur darum bitten. Wenn ich dies immer dann tue, wenn ich mit den genannten christlichen Tugenden mal wieder auf Kriegsfuß stehe, dann wird mir immer wieder auf wunderbare Art und Weise geholfen werden.

Wollen wir es gemeinsam einfach mal 1 Woche lang zusammen ausprobieren ?

Ein singendes Gebet, um Bitte, genau dahin zu gelangen finden wir im 2. Vers des Liedes „Dir, dir, o Höchster, will ich singen…“ von Batholomöus Crasselius, der da lautet, wie folgt:

Zieh mich, o Vater, zu dem Sohne, damit dein Sohn mich wieder zieh zu dir;
dein Geist in meinem Herzrn wohne und meine Sinne und Verstand regier,
dass ich den Frieden Gottes schmeck und fühl und dir dar ob im Herzen sing und spiel.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag. Bis zum nächsten Donnerstag, dem Gründonnerstag befehle ich Sie alle der Liebe unseres segnenden und behütenden Herrn an.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem Palmsonntag des Jahres 2015. Unser Predigttext nimmt uns auch direkt in das Geschehen des Palmsonntages 2000 Jahre zuvor hinein. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei Johannes im 12. Kapitel, die Verse 12-19. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem käme, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und riefen: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel! Jesus aber fand einen jungen Esel und ritt darauf, wie geschrieben steht (Sacharja 9,9) „Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.“ Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so mit ihm getan hatte. Das Volk aber, das bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, rühmte die Tat. Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan. Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.

Liebe Gemeinde,

hier reitet er also, der König aller Könige in Jerusalem ein.
Oberflächlich betrachtet handelt es sich um einen ganz normalen Einzug einer bekannten Person in eine Stadt. Aber wir entdecken einige Besonderheiten des Einzuges Jesu in Jerusalem, die wir am heutigen Sonntag gemeinsam betrachten sollten.

1. Das Eselsfüllen

Kriegsherren vor der Schlacht und nach erfolgreicher Schlacht reiten erhobenen Hauptes auf einem Schlachtross und lassen sich so von der ihnen zujubelnden Menge feiern. Man erkennt sofort, was sie geleistet haben und neigt sich ehrfurchtsvoll vor ihnen.

Ganz anders hingegen war es am Palmsonntag vor 2000 Jahren. Da reitet Jesus, der ja nun höher als alle Herrscher dieser Welt wert zu achten ist, ganz bescheiden auf einem Eselsfüllen in Jerusalem ein. Also das total entgegengesetzte Erscheinungsbild als das, was wir eigentlich erwartet hätten.

Aber das ist ja gerade seine Bestimmung, die ihn antreibt. Jesus reitet direkt an allen unseren Erwartungen vorbei. Das Kreuz bereits vor Augen geht Jesus ganz bescheiden und demutsvoll seinen Weg.

Ihm ist es egal, was die Menge über ihn denkt und wie sie handelt.
Nehmen wir dies doch einmal als einen Hinweis für uns und unser Leben.
Wie Jesus auf das Kreuz fokussiert war, so sollten wir auch auf etwas fokussiert sein, nämlich auf unseren Herrn.

In allem was uns wiederfährt sollten wir niemals eines vergessen, dass unser Herr immer bei uns ist. Egal, welchen Weg wir auch zu gehen haben, ER geht diesen Weg stets mit uns mit. Ob himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt, unser Herr will immer an unserer Seite stehen uns gehen. Jedenfalls so lange, wir unser Leben auf Ihn fokussieren.

Jesus in den Mittelpunkt zu stellen bedeutet für uns auch gleichzeitig eine Neuausrichtung unseres Lebens. Keine Angst, wir müssen jetzt keine Lebenspläne neu erstellen, die alten über den Haufen werfen und nächtelang darüber grübeln, wie wir ein „Jesusleben“, also ein auf Jesus fokussiertes Leben führen können. Wir sollen uns ihm einfach nur hingeben mit allem, was wir haben und was wir sind. Er wird uns dann schon mit neuem Leben und einem neuen Lebensplan füllen.

Wichtig ist nur eines, dass wir uns nicht an unserem „alten“ Leben festklammern, sondern wirklich und ehrlich auf unseren Herrn einlassen.

2. Der Verkennung

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Wenn einer etwas ganz besonders gut an kann wird er angehimmelt bejubelt und bestaunt. Denken wir nur an den ganzen Starkult, den wir um Fußballspieler, Rockstars uns andere bekannte Persönlichkeiten machen.

In Wirklichkeit sehen wir doch gar nicht diese Person, wir sehen doch nur das, was diese Person besonders gut kann. Keiner von uns wusste doch, dass ein Robert Enke (ehemaliger Torhüter von Hannover 96) unter Depressionen litt, die ihn schließlich in den Suizid getrieben haben.
Wir alle sahen doch nur den erfolgreichen Torwart einer Bundesligamannschaft.

Kaum anders war es vor 2000 Jahren. Jesus hatte kurz vorher den toten Lazarus aus dem Grabe geholt und ihn wieder lebendig gemacht. Das war doch was!!! Den musste man doch sehen, der Tote wieder lebendig mache kann. Kann ja nicht schaden, wenn man den persönlich kennenlernt.
Vielleicht kommt man ja selber mal in eine Situation, wo man tot ist und dann wäre es sehr vorteilhaft, wenn man den kennt, der diesem Zustand abhelfen kann.

So oder ähnlich wird die Menge gedacht haben. Und eifrig wurde diesem Jesus zugejubelt. Und nur ein paar Tage später, als die Menge meinte, man haben von ihm eben doch nichts zu erwarten von diesem Jesus, da schrie die gleiche Menge, die zuvor jubelte, da schrien die gleichen Menschen nur noch : Kreuzigt ihn !!!

Und dies ist auch ein Hinweis für unsere Jesus-Beziehung. Es ist richtig, wenn wir Jesus bewundern, aber wir sollen ihn bitte nicht auf seine Wunder reduzieren. Jesus ist kein gigantischer Magier, der uns mit Zaubereien erfreuen möchte. Und Jesus ist schon mal gar nicht unser persönlicher Wunscherfüllungsautomat, den wir nach Belieben bedienen können. Jesus möchte eine ganz persönliche Lebens- und Liebesbeziehung mit einem jeden von uns eingehen. Und da ist dann eben nicht mehr jeden Tag Jubel, Trubel und Heiterkeit angesagt.

Wenn wir Jesus nur auf die Wunder reduzieren, dann wird unsere Beziehung zu ihm ganz schnell in die Brüche gehen. Dann schreien wir auch bald:
Hinweg mit ihm, nämlich zu dem Zeitpunkt wo er uns mit seinen Wundern keine Hilfe mehr ist.

Also lassen wir uns doch auf eine lebendige Beziehung mit diesem Jesus ein, der mit uns durch dick und dünn gehen will. Wenn wir dies tun, dann werden wir alsbald merken, dass wir gar keine Wunder mehr brauchen, sondern dass uns die Hand des EINEN, die uns hält, behütet und beschützt
vollkommen ausreicht, um eine gelungenes Lebens zu führen.

3. Die ER-Kenner

Der Klerus hatte vor 2000 Jahren eine ganz gewaltige Machtstellung.
Dummerweise war der Machtanspruch, den Jesus hatte, ein Machtanspruch, der die Machtstellung des Klerus gründlich hinterfragte. Das war natürlich eine unangenehme Situation für die Kirchenleitung der damaligen
Zeit.

Sie wussten, dass sie gegen diesen Jesus gar nichts ausrichten konnten.
Sie wussten, dass er der von Gott gesandte Erlöser war, sahen aber ihre Felle davon schwimmen.

Und das ist es auch, was sich bis heute nicht geändert hat. Auch wir leben gelegentlich nach dem Motto: Ich bastel mir die Welt so wie sie mir gefällt. Das mag im ersten Moment auch funktionieren. Aber sobald die ersten Unwägbarkeiten kommen, fällt unser ganzes schönes Kartenhaus in sich zusammen.

Was können wir besser machen, als die Pharisäer? Als erstes einmal sollten wir anerkennen, dass wir gegen Gott gar nichts machen können. Das taten auch die Pharisäer. Aber dann sollten wir daraus die logisch richtige Schlussfolgerung für unser Leben ziehen. Dann sollten wir, wenn wir schon nichts GEGEN ihn ausrichten können, dann sollten wir uns Gedanken darüber machen, was wir MIT ihm zusammen ausrichten können.

Welche Aufgabe in unserem Leben ist uns vielleicht zu groß? Bitten wir doch unseren Herrn, uns dabei zu unterstützen. Wo trauen wir uns nicht, uns für unseren Herrn einzusetzen? Bitten wir ihn doch gerade dabei um seinen Beistand. Und welche Situationen und Begegnungen möchten wir
vielleicht lieber vermeiden? Bitten wir Jesus doch, dass er diesen Weg mit uns gemeinsam geht.

Wenn wir dies tun, dann sind auch wir die richtigen „ER-Kenner“ und können mit Jesus den Weg gehen, den er schon lange für uns bereitet hat. Worauf warten wir noch, gehen wir doch jetzt sofort diesen Weg.

Die völlige Hingabe zu unserem Herrn beschreibt der Liederdichter Joachim Zollikofer sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes „Lass mich, o Herr, in allen Dingen…“ (EG 414), der da lautet, wie folgt:

Lass mich, o Herr, in allen Dingen
auf deinen Willen sehn und dir mich weihn;
gib selbst das Wollen und Vollbringen
und lass mein Herz dir ganz geheiligt sein.
Nimm meinen Leib und Geist zum Opfer hin;
dein, Herr, ist alles, was ich hab und bin.

Der Herr gebe Dir den Mut, Dich ihm ganz hinzugeben
Der Herr gebe Dir stets die Gewissheit, dass er ganz nahe bei Dir ist
Der Herr lasse Dich stets den rechten Weg erkennen, den ER mit Dir gehen möchte

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen frohen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Palmarum, dem Palmsonntag. Noch wird Halleluja in den Straßen und Gassen gerufen, doch es soll nicht all zu lange dauern bis die Stimmung umschlägt und aus dem Halleluja ein „Kreuzige ihn“ wird.

Heute werden wir in unserem Predigttext Zeugen des letzten Gebets unseres Herrn vor Seinem Leidensweg. Lassen Sie uns dieses Gebet zunächst gemeinsam lesen. Wir finden das Gebet im Johannesevangelium, Kapitel 17, die Verse 1, 6-8:

So redete Jesus, und hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da: Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche. Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt. Nun wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt. Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie glauben, dass du mich gesandt hast.

Liebe Gemeinde,

es ist schon ein erhebendes Gefühl, eines der letzten Gebete unseres Herrn nachlesen zu können. Er wusste genau, was auf Ihn zukam und doch galt all Seine Sorge und all Seine Liebe den Menschen, für die Er in den Tod gehen würde.

Lassen Sie uns am heutigen Palmsonntag dieses Gebet aus zwei verschiedenen Perspektiven betrachten.

1. Rechenschaftsbericht von Jesus Christus

Wenn wir die Trinitätslehre einen Augenblick an die Seite stellen, dann werden wir hier Ohrenzeugen von einem Rechenschaftsbericht von Jesus an Gott. Schauen wir uns die Tätigkeiten von Jesus einmal im einzelnen an.

Jesus hat den Namen Gottes den Menschen offenbart. Genauer gesagt, hat Jesus den Menschen gezeigt, wie Gott wirklich ist. Das wahre Wesen Gottes hat Jesus den Jüngern und allen, die Ihm nachfolgen wollten direkt oder aber in Gleichnissen immer wieder nahegebracht.

Mit dem Wesen Gottes allein war es aber nicht getan. Jesus hat den Menschen seiner Zeit auch das Wort Gottes in rechter Art und Weise ausgelegt. Nun müssen wir uns daran erinnern, dass die Menschen zu Lebzeiten Jesu nur das Alte Testament kannten. Altes Testament verbunden mit zahlreichen priesterlichen Vorschriften,das war schon ein ganz harte Brocken für die Menschen. Eh man sich versah, hatte man auch schon gegen eine der zahlreichen Vorschriften verstoßen und sich versündigt.

Jesus entwirrt dies alles und gibt klare Richtlinien vor. Denken wir nur einmal an die Sabbatordnungen. Diese fegt Jesus mit einem Federstrich beiseite, indem Er sagt, dass der Sabbat für den Menschen gemacht ist und nicht der Mensch für den Sabbat. Oder erinnern wir uns an das
Doppelgebot der Liebe, mit welchem alle anderen Vorschriften in einem ganz anderen Licht standen.

Das alles hat dazu geführt, dass viele Menschen diese Worte in ihrem Herzen bewahrt haben und zum Glauben gefunden haben.

2. Mein Rechenschaftsbericht

Der Einfachkeit halber nehme ich jetzt meinen Namen anstelle eines Platzhalters. Bitte setzen Sie Ihren Namen immer dort ein, wo mein Name steht. Das hört sich einfach besser an, als wenn ich von Herrn oder Frau „x“ spreche.

Ich bin fest davon überzeugt, dass unser Herr von jedem von uns nach unserem irdischen Tode einen Rechenschaftsbericht einfordert. Das hat nicht mit unserem Eingang in die Herrlichkeit Gottes zu tun, sondern darf losgelöst davon betrachtet werden. In verschiedenen Gleichnissen
deutet Jesus dies auch ganz konkret an.

Wenn ich einen Rechenschaftsbericht ablegen soll, dann muss ich zuvor natürlich einen Auftrag erhalten haben, ansonsten kann ich keine Rechenschaft über mein irdisches Leben ablegen. Wir alle haben einen ganz konkreten Auftrag von unserem Herrn bekommen. Wir finden diesen Auftrag im Matthäusevangelium, Kapitel 28, die Verse 19-20:
„Darum geht hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“

Wie Jesus einen Auftrag auf Erden hatte, so haben auch wir einen Auftrag auf Erden. Wenn wir den Predigttext in Bezug setzen zu dem Missionsbefehl, dann entdecken wir erstaunliche Ähnlichkeiten.

So, jetzt aber ganz konkret: Ulrich Naber steht vor dem Schöpfer und muss Rechenschaft ablegen. „Hast Du den Menschen gezeigt, wie ich wirklich bin ? Hast Du ihnen von MEINEM Wesen erzählt ?“ Das könnten Fragen sein, die ich zu beantworten habe. Wohlgemerkt, ich kann mich
nicht dahinter verstecken, dass ich selber nichts von Gott gewusst habe, ich habe ja schon das Neue Testament, also kann ich einiges von Gottes Wesen wissen. An dieser Stelle bekomme ich natürlich ein schlechtes Gewissen, da ich nicht immer, wo dies möglich war, den Menschen von Gott erzählt habe.

„Hast Du, Ulrich Naber, den Menschen auch von MEINEM Wort, also der Bibel, erzählt ?“ Diese Frage wird gewiss auf mich zukommen. Und schon wieder kommt da dieses schlechte Gewissen, eben doch nicht all zu vielen Menschen etwas über Gottes Wort und dessen Inhalt erzählt zu haben, in mir hoch. Häufig habe ich die frohe Botschaft dann doch lieber für mich behalten, um nicht irgendwo anzuecken.

„Hast Du den Menschen den Weg zu Ihrer Errettung gezeigt, sodass sie zum Glauben finden konnten ?“ Ja, einigen schon, aber bestimmt nicht so vielen wie ich es eigentlich hätte tun sollen.

Sie können sich gar nicht vorstellen, wie froh Ulrich Naber ist, dass er nicht in diesem Moment diese Fragen seinem Schöpfer beantworten muss. Geht es Ihnen genau so ?

3. Kraftquelle Jesus

Es ist doch häufig so, wenn wir in christlichen Kreisen beieinander sind, dann fällt es uns ganz leicht von Gott, der Bibel und der Heilstat unseres Herrn zu reden. Sobald sich aber die Türen nach außen öffnen, sieht die Sache schon ganz anders aus.

Herr, jetzt gerade passt es gar nicht. Herr, was sollen die Leute von mir denken, wenn ich jetzt mit der Bibel anfange. Herr, die lachen bestimmt alle über mich. So ergeht es uns doch allen immer wieder in unserem Alltag. Wenn wir uns jetzt noch einmal den Missionsbefehl aus dem Matthäusevangelium anschauen, dann steht dort etwas ganz anderes.

Da steht nicht, „Machet zu Jüngern, wenn’s gerade passt…“, sondern „Machet zu Jüngern alle Völker…“ Punkt, Ende, ohne jedwede Ausrede.

Die Anweisung steht, wir hingegen sind schwache Menschen, die diesem Missionsbefehl nicht gerecht werden können. Aber, liebe Gemeinde, jetzt kommt das ganz große Aber, wir haben einen Heiland, der immer bei uns ist. Dieser Heiland gibt uns Kraft, wenn wir sie dringend benötigen.
Dieser Heiland gibt uns auch die rechten Worte, mit denen wir unsere Mitmenschen erreichen können. Und wenn wir um Seines Namens willen verspottet werden, gerade dann gibt Er uns das rechte Wort zur rechten Zeit und lässt unsere Widersacher verstummen.

Ich bin ja nun schon einige Jahrzehnte mit dem Herrn Jesus unterwegs. Es war gewiss nicht immer einfach. Aber auf eines konnte ich mich immer in meinem Leben verlassen, nämlich auf SEINE Zusage, dass Er immer bei mir ist bis zum heutigen Tage. Ich wusste häufig nicht,was ich antworten sollte, wenn ich angefeindet wurde oder als frommer Spinner bezeichnet wurde. Aber im entscheidenden Moment kam immer das rechte Wort oder die rechte Tat zur rechten Zeit.

Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass wir uns dies immer wieder in unser Gedächtnis rufen. Wir dürfen uns immer darauf besinnen, dass wir ja niemals allein da stehen. ER ist immer bei uns und lässt uns niemals im Stich.

Diese Tatsache der Allgegenwart unseres Herrn beschrieb der Liederdichter Gerhard Tersteegen sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes „Gott ist gegenwärtig.“, der da lautet, wie folgt:

Gott ist gegenwärtig.
Lasset uns anbeten und in Ehrfurcht vor ihn treten.
Gott ist in der Mitte.
Alles in uns schweige und sich innigst vor ihm beuge.
Wer ihn kennt,wer ihn nennt,
schlag die Augen nieder; kommt, ergebt euch wieder.

Der Herr stärke und behüte Dich auf allen Deinen Wegen
Der Herr sei stets der Mittelpunkt in Deinem Leben
Der Herr lasse durch Dich viele Menschen den Weg zum Glauben finden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die kurze Woche vor Ostern. Bis zum Gründonnerstag verabschiede ich mich von Ihnen und grüße Sie alle recht herzlich

Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem Palmsonntag.
Leid und Freude liegen häufig sehr dicht beieinander. Die gleiche Menschenmenge, die am Palmsonntag noch „Gelobt sei der da kommt im Namen des Herrn“ gerufen hatte, die rief 5 Tage später „Kreuzigt ihn“. Wohlgemerkt, es ging um die gleiche Person. Unser heutiger Predigttext
beschäftigt sich auch mit dem Thema Leid, aber auch mit praktischen Ratschlägen, wie wir auch 2500 Jahre später mit unserem Leid umgehen können.
Wir finden den Predigttext im 50. Kapitel des Propheten Jesaja, die Verse 4-9. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Der Knecht Gottes im Leiden

Gott der Herr hat mir eine Zunge gegeben, wie sie die Jünger haben, dass ich wisse, mit den Müden zu rechter Zeit zu reden. Alle Morgen weckt er mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören. Gott der Herr hat mir das Ohr geöffnet. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück. Ich
bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel. Aber Gott der Herr hilft mir, darum werde ich nicht zuschanden. Darum hab ich mein Angesicht hart gemacht wie einen Kieselstein; denn ich weiß, dass ich nicht zuschanden werde. Er ist nahe, der mich gerecht spricht; wer will mit mir rechten ? Lasst uns zusammen vortreten ! Wer will mein Recht anfechten ? Der komme zu mir ! Siehe, Gott der Herr hilft mir; wer will mich verdammen ? Siehe, sie alle werden wie Kleider zerfallen, die die Motten fressen.

Liebe Gemeinde,

wir schreiben das Jahr 600 vor Christi Geburt. Juda war praktisch zerstört. Die Führungsschicht des Landes wurde verbannt und eine allgemeine Resignation und Niedergeschlagenheit macht sich breit. In diese ausweglos erscheinende Situation hinein schickt Gott einen Boten mit einer wichtigen Botschaft an alle die niedergeschlagen sind. Es sind drei Kernpunkte, die Gott durch seinen Botschafter ausrichten lässt.

1. Redet mit Jüngerzungen

Denken wir doch einmal an unseren letzten Bundespräsidenten, Herrn Wulff. Irgendwann kam ein Gerücht auf, dass etwas nicht so gelaufen ist, wie es eigentlich hätte sein sollen. Medien aller Art fanden schnell ein weiteres Vergehen. Und eh man sich versah, war der gute Ruf ramponiert.
Die Gerüchtespirale hatte wieder einmal zugeschlagen. Aus heißer Luft war in den Köpfen der Menschen ein richtiges Desaster entstanden. Ähnlich war es sicherlich auch vor über 2500 Jahren in Juda gewesen.

Gegenseitig zogen sie sich so richtig runter. Der eine hatte gehört, dass alle Felder abgebrannt werden sollen, der nächste wusste schon etwas von Brunnen, die angeblich trocken gelegt werden sollten und wieder andere berichteten etwas von weiteren Deportationen. In den Köpfen der Menschen liefen wahre Horrorszenarien ab. Und in diese gespannte Situation hinein sagt Gott, der Herr „Redet mit Jüngerzungen“.
Was will er denn damit sagen ? Sollten die Menschen in Juda einfach so weiterleben, wie bisher ? Nein, ganz gewiss nicht. Aber sie sollten eines lernen, sie sollten lernen, einander aufzubauen, anstatt immer wieder zu klagen und zu jammern. Ein Mensch, der Gott fürchtet, vertraut sich und sein Leben allein Gott an. Er vertraut darauf, dass sein Vater im Himmel immer nur das Beste mit ihm vorhat. Und wer derart vertraut, der hat überhaupt keinen Platz mehr für Jammerei und Klagerei.

Eigentlich könnten wir doch daraus lernen. Und was machen wir häufig. Genau das Gegenteil, es wird geklagt und gejammert, was das Zeug hält. Was war das Gejammer vor einigen Jahren in der Autoindustrie groß. Tausende fürchteten um ihren Arbeitsplatz. Und was passiert gerade ? Es
werden an alle Mitarbeiter vierstellige Boni ausgeschüttet, weil die Werke so große Gewinne gemacht haben.

Jammern und klagen macht also keinen Sinn, insbesondere, wenn man bedenkt, dass in der Tat 90 % aller Katastrophen vor denen wir uns fürchten, gar nicht eintreffen. Zudem kostet jammern und klagen genau so viel Energie wie die Suche nach etwaigen Auswegen und Alternativen.

2. Höret mit Jüngerohren

Haben Sie schon einmal einen handfesten Streit von außen beobachtet ? In den meisten Fällen besteht er aus einem unsäglichen Gebrüll, wo keiner mehr den anderen versteht, weil er damit beschäftigt ist noch lauter zu brüllen als sein Gegenüber. Das hat mit Hören mit Jüngerohren überhaupt nichts mehr zu tun.

Der Prophet richtet sich an die Niedergeschlagenen, die Müden und Ermatteten und sagt ihnen: Hört doch auf mit der Schreierei. Seid doch wieder mal ganz stille und hört darauf, was Gott euch sagen will. Und dann richtet euch danach. Wenn ihr das tut, dann habt ihr auch keinen Grund mehr zum schreien und jammern.

Das ist es doch, was uns auch heute wieder gut zu Gesicht stehen würde, ein aktives hören auf das, was Gott uns sagen will. Aber was macht der überwiegende Teil der Menschheit, wenn Probleme auftauchen ? In hektischer Betriebsamkeit wird in aller Schnelle nach Lösungen gesucht.
Umgeben von dem Sorgenschirm hat man den Blick überhaupt nicht mehr frei für alternative und noch dazu bessere Lösungen. Man wuselt vor sich hin, bis man den Karren endgültig an die Wand gefahren hat.

Wie wäre es, wenn man Gott um Seinen Rat und Beistand bittet und dann einmal in aller Stille und Ruhe abwartet, was Gott uns denn sagen will. Ich glaube, es wäre die gescheitere Lösung. Gott will nämlich nicht, dass wir den Karren unseres Lebens vor die Wand fahren. Gott möchte nicht, dass auch nur eines Seiner Kinder zuschanden kommt.

Das mit dem Hören hat aber noch eine zweite Bewandtnis. Wir sollen auch wieder lernen, einander zuzuhören. Wie schnell würgen wir doch den anderen ab, der uns etwas erzählen will. Und wenn sich jemand mit einem Problem an uns wendet, schaffen wir es überhaupt noch intensiv zuzuhören
? Lassen Sie uns an die alte Faustregel denken, die nach wie vor gilt:
„Gott hat uns zwei Ohren und einen Mund gegeben, damit wir doppelt soviel zuhören als sprechen sollen.“

Wenn uns dies gelingt, kommen wir ganz automatisch zu einem harmonischen Miteinander. Wir sind keine Herde von Einzelpersonen, die ihre Sorgen herausbrüllen, sondern eine echte Gemeinschaft, die sich der Sorgen des jeweils anderen annimmt und mit Rat und Tat zur Seite steht. Und wo dies geschieht, verschwindet ein großer Teil aller Sorgen von ganz allein.

3. Die große Abrechnung

Gott schickt diesen Satz zum Trost und Vertrauen an Sein Volk. Wer leidet, der möchte sich doch am liebsten sofort an seinem Peiniger rächen. Wie du mir, so ich dir. Das geistert doch nach wie vor in unseren Köpfen herum.

Doch da greift Gott ein, indem Er versichert: Am Ende werde ich mit allen abrechnen, die euch Böses getan haben. Da wird es dann keine Ausreden und Ausflüchte mehr geben. Da wird Gott den Nazischergen mit dem Juden zusammen vortreten lassen, den er zu Tode gefoltert hat. Da wird auch der Ehebrecher mit seiner Frau zusammen vortreten, die er mit vier Kindern allein gelassen hat. Keiner wird sich im Gericht mehr seiner Verantwortung entziehen können.

Was bedeutet dies für uns ganz praktisch. Egal, was auch geschieht, ob wir gedemütigt werden, am Arbeitsplatz gemobbt werden oder auf andere Weise angegriffen werden. Immer dürfen wir uns darauf verlassen, dass einmal der Tag der Abrechnung kommen wird. Und an diesem Tage werden
unsere Peiniger nicht mehr über uns stehen.

Natürlich heißt das nicht, dass wir alles Unrecht in seelischer Ruhe ertragen sollen. Aber es gibt sicherlich Situationen, in denen wir uns nicht wehren können. Und genau diese Situationen vergisst Gott nicht in Seinem großen Weltgericht. Darauf sollte sich auch das Volk Juda verlassen. Wenn ich all diese Dinge Gott anbefehlen kann, dann führe ich auch wieder ein ruhiges friedvolles Leben, da mich die Rache nicht zerfressen kann. Und ich habe die feste Gewissheit der göttlichen Gerechtigkeit. Diese Gerechtigkeit kann aber auch so weit gehen, dass Gott meinem Peiniger seine Sünden verzeiht, wenn er diese ehrlich bereut und ebenfalls ein Jünger im Reiche des Herrn wird.

Auf Gottes Wort hören, Sein Wort in die Tat umsetzen und alle Dinge, die ich nicht mehr beeinflussen kann Gott anbefehlen, das war vor 2500 Jahren bestimmt nicht der schlechteste Rat an Menschen, die vor lauter Sorgen nicht mehr ein noch aus wussten. Und dieser Rat gilt auch heute
noch. Wir müssen ihn nur in die Tat umsetzen.

Wenn wir bei diesem Unterfangen einmal die Hilfe unseres Herrn benötigen, dann dürfen wir sicher sein, dass Er stets gegenwärtig ist. Dies beschreibt der Liederdichter Georg Weisel sehr schön in dem dritten Vers seines Liedes „Such, wer da will, ein ander Ziel…“, der da lautet, wie folgt:

Such, wer da will, Nothelfer viel,
die uns doch nichts erworben;
hier ist der Mann, der helfen kann,
bei dem nie was verdorben.
Uns wird das Heil durch ihn zuteil,
uns macht gerecht der treue Knecht,
der für uns ist gestorben.

Der Herr gebe Dir die Kraft, wie ein Jünger zu reden
Der Herr gebe Dir die Sensibilität, wie ein Jünger zu hören
Der Herr schenke Dir Gelassenheit, SEIN Eingreifen abzuwarten

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und verabschiede mich bis zum nächsten Donnerstag, dem Gründonnerstag.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem Palmsonntag.
Alljährlich gedenken wir an diesem Tage an den Einzug Jesu in Jerusalem. Wurde Er an diesem Tage noch als König gefeiert, so kippte diese Stimmung einige Tage später genau in das Gegenteil. Aus dem „Hosiana“ wurde ein „Kreuzigt Ihn“. Wie schnell kippt eigentlich bei uns diese Stimmung ? Richten wir uns auch nach dem Mainstream oder haben wir eine feste Beziehung zu Jesus Christus, die unabhängig von äußeren Einflüssen ist ? Um diesen und um andere Punkte geht es auch in unserem heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei
Markus, Kapitel 14, die Verse 3-9. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Die Salbung in Betanien

Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Glas mit unverfälschtem und kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Glas und goss es auf sein Haupt. Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls ? Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. Jesus aber sprach: Lasst sie in Frieden ! Was betrübt ihr sie ? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im voraus gesalbt für mein Begräbnis. Wahrlich, ich sage
euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man euch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat.

Liebe Gemeinde,

wenn wir das Wort Salbung hören, dann müssen wir uns ein Stück weit in das Alte Testament hineinversetzen. Gesalbt wurden unter anderem Menschen, die Gott geweiht waren. Im wesentlichen waren dies Könige und Priester. Gesalbt wurden diese entweder von einem Propheten oder von einem Hohenpriester im Auftrag Gottes. Nun galten Frauen zur Zeit des Alten Testamentes als religiös minderwertig und ausgerechnet eine Frau ist es, die Jesus salbt. Und dabei sind wir auch schon bei dem ersten Punkt unseres heutigen Predigttextes:

1. Es ist egal, wer Du bist

Da kommt also eine Frau und salbt Jesus. Eigentlich ein Unding. Und dies fanden auch die Anwesenden. Was hätte man mit dem Öl nicht alles anstellen können. Man hätte es verkaufen können. Es hätte für viele andere Salbungen Verwendung finden können. Und was macht diese Frau. Sie salbt Jesus zu ihrem König. Und dies kann bis zum heutigen Tage jeder Mensch auf Erden tun, Jesus zu seinem König salben. In dem Moment, wo wir dies tun, räumen wir Jesus die wichtigste Stelle in unserem Leben ein.

Die Frau gibt mit dem Salböl alles auf, was ihr teuer und wichtig in der Welt war. Alles, was sie will, ist dass der Herr Jesus ihr König ist. Da spielen Geld, Karriere und Ansehen auf einmal gar keine Rolle mehr. Da ist nur das eine, was sie will, nämlich diesem König angehören.

Wie wir soeben schon gehört haben, galten Frauen in der damaligen Zeit als religiös minderwertig. Und genau einer Frau gestattet es Jesus, sie zu salben. Jesus ist es egal, wer wir sind, wenn wir Ihn zu unserem König in unserem Leben erklären. Egal ob wir der Bettler aus der Bahnhofspassage sind oder der reiche Bankdirektor. In dem Moment, wo wir Jesus zu unserem König erklären, da zieht Er in unsere Herzen ein.

Wir Menschen messen uns ja gern mit der Messlatte des beruflichen Erfolges, des Bankkontos und des sozialen Status. Wenn Jesus Sein Maßband anlegt, dann misst er allein unser Herz. Alles andere ist Ihm egal. Und das sollte es uns auch sein. Wir, die wir zu Ihm gehören, sollen gerade in dem Bettler in der Bahnhofspassage als erstes den Jesus in unserem Bruder sehen. Und auch in dem Bankdirektor sollen wir zunächst einmal unseren Herrn Jesus sehen und danach die äußeren
Gegebenheiten.

2. Es ist egal, was Du bist

Ganz zu Beginn lesen wir etwas über den Ort, an dem die Salbung stattfindet. Sie findet statt im Hause Simons des Aussätzigen. Jetzt müssen wir noch einmal kurz das Alte Testament zu Rate ziehen. Wer aussätzig war, der galt als unrein. Und wer unrein war, der musste sich vom Tempel und allen anderen Menschen fernhalten. Selbst wenn sich ihm Menschen unbeabsichtigt nähern wollten, so musste er diese stets vorwarnen, indem er „Unrein, Unrein“ rief. Und bei so einem kehrt also der Herr Jesus ein. Ja, Jesus kehrt bei dem unreinen Simon ein. Er kehrt nicht nur bei ihm ein, sondern Er nimmt auch noch das Mahl gemeinsam mit Simon ein. Und schlussendlich wäscht Er ihn rein von aller Sünde. Sogar diesen Aussätzigen macht Er wieder gesund.

Egal, was wir auch alles erlebt und getan haben, wir dürfen so zu Jesus kommen, wie wir sind. Wenn wir Ihm die Königsherrschaft über unser Leben übergeben, dann macht Er uns von einem Augenblick auf den anderen frei. Egal wie schuldig wir vielleicht der Welt gegenüber sind. Jesus gegenüber sind wir frei. Diese Freiheit im Glauben ist es auch, die uns nicht an uns selbst verzweifeln lässt. Denn wenn wir ehrlich sind, dann sündigen wir doch Tag für Tag auf’s neue. Das ist doch manchmal schier zum verrückt werden. Da wollen wir ein heiliges Leben führen und „bumms“ da ist es auch schon wieder passiert. Aber wir dürfen uns als Seine Kinder mit allem getrost an Ihn wenden. Er wäscht uns wieder rein.

Das gilt übrigens für den Mörder genau so, wie für den sogenannten unbescholtenen Bürger. Beide dürfen, wenn sie es wirklich ehrlich meinen, Sein Gnadenangebot annehmen. Dieses Geschenk fragt niemals danach, was vorher war und ob wir überhaupt eine Berechtigung für die Gnade haben. Sie wird uns geschenkt, weil wir unser Ja zu Jesus gesagt haben. Daher sollten wir auch mit Vorurteilen gegenüber anderen Menschen ein wenig vorsichtiger umgehen. Dürfen wir noch verurteilen, wenn Gottes Urteil auf Freispruch lautet ?

3. Es ist egal, wo du bist

Als die Frau aus unserem Predigttext Jesus zu ihrem König gesalbt hat, da tat sie dies nicht im Tempel in Jerusalem. Sie tat dies auch nicht in einem etwas abseits gelegenen Gotteshaus. Nein, sie tat dies in einem normalen Wohnhaus. Der Kirchenvater Augustinus hat einmal gesagt, dass es eine äußerliche und eine innerliche Kirche gibt. Beide zusammen ergeben eine Einheit, wobei die eine aus der anderen hervorgeht.

Lassen Sie uns über dieses Wort des weisen Kirchenvaters ein wenig näher nachdenken. Die innere Kirche, das ist quasi unser Glaubensbekenntnis im Geist. Das ist das, was unsere Frau aus dem Predigttext getan hat. Sie hat den entscheidenden Schritt hin zu Jesus nicht von einer Organisation
abhängig gemacht oder einem bestimmten Stichtag, an dem man so etwas tut. Nein, liebe Gemeinde, diese Frau hat Jesus in dem Moment zu ihrem König gesalbt, als sie den Entschluss gefasst hat, dass sie allein IHM gehören will.

Und das dürfen wir bis zum heutigen Tage genau so handhaben. Unser Ja zu Jesus können wir im stillen Kämmerlein genau so bekennen, wie vor anderen Menschen. Unser Ja zu ihm kommt nicht auf den Prüfstand irgendeiner Glaubensorganisation. Unser Herr prüft nur, ob wir es von Herzen ehrlich meinen. Ich persönlich halte nicht viel von Großveranstaltungen, anlässlich derer Tausende von Menschen ihr Leben Jesus übergeben, die zuvor noch niemals etwas von Jesus gehört haben.
Gott will uns nicht überrumpeln oder gar überreden. Er lässt uns Zeit für unsere ganz persönliche Entscheidung, unserem ganz persönlichen Ja zu Ihm.

Soviel zu der inneren Kirche. Aus dieser inneren Kirche heraus wächst natürlich das Bedürfnis, im Dienste Jesu tätig zu sein. Und da bietet sich natürlich die Teilnahme an einer Gemeinschaft an.
Warum eigentlich überhaupt eine Gemeinschaft, also eine äußere sichtbare Kirche ? Ich werde dies übrigens sehr häufig gefragt. Die Antwort ist recht simpel. Die Arbeit im Weinberg Gottes ist sehr vielfältig, vielschichtig und sehr komplex. Sie erfordert vielerlei Gaben und Talente, wenn wir sie ordentlich ausführen wollen. Nun hat Gott aber einen jeden von uns mit verschiedenen Begabungen ausgestattet. Und diese Begabungen gilt es jetzt gemeinsam in den Dienst unseres Herrn zu stellen. Wenn jeder sich mit allen seinen Talenten und Fähigkeiten einbringt, dann, liebe Gemeinde, macht Gott etwas ganz wunderbares daraus.

Zudem stehen wir in der Gemeinschaft Anfechtungen besser durch, als wenn wir diesen allein gegenüberstehen. Die Gemeinschaft der Schwestern und Brüder fängt uns auf, wenn wir fallen und richtet uns auch wieder auf, damit wir unseren Weg mit Jesus weiter gehen können.

Und schlussendlich ein ganz pragmatischer Punkt. Stellen wir uns einmal vor, es gäbe keinerlei christliche Gemeinschaften. Wie sollte denn dann der Mensch in Kontakt mit der frohen Botschaft kommen, wenn nicht durch uns ? Und da zeigt sich auch der äußere Wert einer Gemeinschaft. Eine
christliche Gemeinschaft ist nur dann wirklich eine Gemeinschaft, wenn Außenstehende richtig neugierig auf uns werden und mehr von dem Nazarener, dem König der aller Könige erfahren wollen.

Wie wohltuend eine christliche Gemeinschaft sein kann, das beschrieb auch schon der Liederdichter Gerhard Tersteegen in dem dritten Vers seines Liedes: “ Jesus, der du bist alleine..“, der da lautet, wie folgt:

O wie lieb ich, Herr, die Deinen,
die dich suchen, die dich meinen;
o wie köstlich sind sie mir !
Du weißt, wie mich’s oft erquicket,
wenn ich Seelen hab erblicket,
die sich ganz ergeben dir.

Der Herr segne Dich auf Deinem Weg hin zu IHM
Der Herr führe Dich bei Deinen Werken für IHN
Der Herr sei auf allen Deinen Wegen bei Dir

Amen.

Liebe Gemeinde,
ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche. Bis zum nächsten Donnerstag, dem Tag der Einsetzung des Heiligen Abendmahles verabschiede ich mich von Ihnen und

grüße Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Lesergemeinde!
Ich grüße Sie herzlich am 6.Sonntag in der Passionszeit, am Sonntag Palmarum.
Die nächste ePredigt kommt zum Karfreitag.
Das Predigtwort steht für heute im Philipperbrief im 2. Kapitel,
in den Versen 5 – 11:²

„Ein jeglicher sei gesinnt, wie Jesus Christus auch war: welcher, ob er wohl in göttlicher Gestalt war, nahm er´s nicht als einen Raub, Gott gleich zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward gleich wie ein andrer Mensch und an Gebärden als ein Mensch erfunden. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz. Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Kniee, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes, des Vaters.“

Der Herr segne an uns SEIN Wort!

Liebe Gemeinde!
In den letzten Tagen hatte ich viel im Garten zu tun. Neben den Arbeiten konnte ich mich an vielen Frühlingsblühern erfreuen und auch an den Austrieben von Stauden und Sträuchern. Dabei kamen immer wieder die Buchsbaumpflanzungen in den Blick. Sie erinnerten mich daran, wie wir vor mehr als 20 Jahren für Palmsonntag aus unserem Pfarrgarten für die Gottesdienste der katholischen Ortsgemeinde Buchsbaum geschnitten haben. Diese Zweige wurden im Gottesdienst verteilt.

Der heutige Palmsonntag ist schon ein besonder Sonntag unter den Sonntagen der Passionszeit. Er ist für mich verbunden mit dem Evangelium von Jesu Einzug in Jerusalem. Ich sehe vor mir eine jubelnde Menschenmenge, die Jesus als verheißenen König und Messias begrüßt. Jesus reitet auf einen Esel in Jerusalem ein. Auf SEINEN Weg werden Kleider ausgebreitet, mit Palmwedeln wird IHM zugewunken. Die Straße ist erfüllt von Rufen: (Joh 12,13)

„Hosianna. Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel.“

Jesus einmal so erleben und zujubeln dürfen, das wäre ein Traumerlebnis. Doch wir haben nichts verpasst.

Wir werden IHN in göttlicher Herrlichkeit kommen sehen bei SEINER Wiederkunft. Dann werden wir IHM zujubeln können und mit IHM einziehen in Gottes Herrlichkeit.

Dazu ist die Geschichte von Palmsonntag das Vorspiel. In diesem Vorspiel sind zwei Ereignisse auf verschiedenen Ebenen verwoben – zum einen was kommen wird und zum anderen der Beginn der Vollendung von Jesu Leiden in SEINEM irdischen Leben.

Was hier so triumphal begann, endet für Jesus im Sterben am Kreuz. Noch sind Jesu Gegner ratlos, wie sie sich SEINER entledigen können. Aber nach dem Verrat des Judas werden sie IHN fernab von der Menge verhaften.

Sie werden IHN aus der Gemeinde ausschließen und als Gotteslästerer verurteilen. Sie werden die Menschenmassen bewegen, dass sie Jesu Tod fordern. Mit falschen Anklagen und versteckten Drohungen werden sie den römischen Stadthalter dazu bringen, dass er Jesus als Staatsfeind verurteilt und hinrichten lässt.

Und doch werden sie nicht Sieger sein. Sie können Jesus nicht zum Schweigen bringen. Sie können SEINEN Namen nicht aus der Geschichte des Volkes und der Gottesgemeinde löschen.

Sie beladen sich mit der Schuld, Gottes Sohn und Messias ausgestoßen und dem Tode überantwortet zu haben.

Gott lässt das nicht nur geschehen, sondern ER wandelt alle ihre Schuld und unsere Schuld vor Gott. ER nimmt Jesu Tod am Kreuz als freiwilliges Opfer als Erfüllung SEINES Rettungsplanes für alle Menschen an. Jesus tilgt für uns alle Schuld und Strafe.

Wer in Reue und Bitte um Vergebung zu Jesus kommt, wird von der Last der Schuld befreit. Dazu ist Jesus in diese Welt gekommen und den Weg des Leidens und Sterbens gegangen.

Der Philipperbrief beschreibt in unserem Predigtwort diesen Weg Jesu:
Jesus „war in allem Gott gleich und doch hielt er nicht daran fest, zu sein wie Gott. Er gab es willig auf und wurde einem Sklaven gleich. Er wurde ein Mensch in dieser Welt und teilte das Leben der Menschen. Im Gehorsam gegen Gott erniedrigte er sich so tief, daß er sogar den Tod auf sich nahm, ja, den Verbrechertod am Kreuz.“

Jesu Weg ist eine Umkehrung des Weges der Menschheit. Wir Menschen streben danach, auf allen Gebieten Gott gleich zu sein. Daran scheitern wir und zerstören uns und die Schöpfung.

Jesus aber legt SEINE Gottgleichheit ab und ER wird ein Mensch. ER wird uns in allem gleich mit einer Ausnahme. Jesus widersteht der Versuchung des Ungehorsams gegen Gottes Willen. Jesus geht den Weg des Gehorsams durch Leiden bis zum Tod.

Gott nimmt SEIN Opfer an und erweckt IHN zum Leben. ER setzt IHN zum Herrn über alles.

Bei SEINER Wiederkunft werden sich alle SEINER Herrschaft unterwerfen müssen, die Einen zum ewigen Leben, die Anderen zum ewigen Verderben. Bis zu diesem Geschehen ruft Jesus alle Menschen, SEINEN Opfertod anzunehmen um gerettet zu werden.

Jeder, der sich retten lässt, wird beauftragt Bote und Zeuge von der Errettung durch Jesus zu sein.

Liebe Gemeinde!
Ihr seid durch die Annahme von Jesu Opfer neue Menschen geworden!
Ihr seid nun Gottes Kinder!

Das ist ein wunderbares Geschenk. Denn nun könnt Ihr in Jesu Gemeinschaft die Fülle der Gnadengaben Gottes empfangen. Ihr habt in dieser Gemeinschaft eine Zukunft, die niemand zerstören kann.

Doch Ihr habt dies alles nicht wie ein Besitz. Ihr müsst es immer wieder neu in der Begegnung mit Jesus annehmen und empfangen.

Ihr empfangt Gottes Gnadengaben und Gottes Zukunft nicht für Euch allein.
Gaben sind immer Aufgaben. Sie sind der Auftrag, die rettende Botschaft mit Wort und Leben weiter zu geben.

Daran erinnert Paulus, wenn er dem Christuspsalm (Phil 2, 6-11) die Mahnung voraus stellt: „Ein jeglicher sei gesinnt, wie Christus auch gesinnt war“.

Möge Gott uns zeigen, was Jesus für unsere Rettung auf sich genommen hat.
Möge Gott uns zeigen, welche Schuld wir auf Jesu Kreuz geladen haben und uns in Reue und Bitten um Vergebung unters Kreuz führen.

Lasst uns unsere Last ablegen und in Dankbarkeit Gott die Ehre geben!
Dazu schenke uns der Herr SEINEN Segen.

Es grüßt herzlich
Pfr.i.R. Steinführer