Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 3. Sonntag in der Passionszeit. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Propheten Jeremia im 20. Kapitel, die Verse 7-11a. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Die Last des Prophetenamts

Herr, du hast mich überredet und ich habe mich überreden lassen. Du bist mir zu stark gewesen und hast gewonnen; aber ich bin darüber zum Spott geworden täglich, und jedermann verlacht mich. Denn sooft ich rede, muss ich schreien: “ Frevel und Gewalt !“ muss ich rufen. Denn des Herrn Wort ist mir zu Hohn und Spott geworden täglich. Da dachte ich: Ich will nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen predigen. Aber es ward in meinem Herzen wie ein brennendes Feuer, in meinen Beinen verschlossen, dass ich’s nicht ertragen konnte, ich wäre schier vergangen. Denn ich höre, wie viele heimlich reden: „Schrecken ist um und um!“ „Verklagt ihn!“ „Wir wollen ihn verklagen!“. Alle meine Freunde und Gesellen lauern, ob ich nicht falle: „Vielleicht lässt er sich überlisten, dass wir ihm beikommen können, und uns an ihm rächen.“ Aber der Herr ist mir wie ein starker Held, darum werden meine Verfolger fallen und nicht gewinnen.

Liebe Gemeinde,

wie gehen wir eigentlich damit um, wenn wir als Christen belächelt werden? Wie gehen wir als Christen eigentlich damit um, wenn uns blanker Hass entgegenschlägt? Wohin können wir uns wenden, wenn dies passiert ? Darauf hat der Prophet Jeremia eine Antwort, die heute noch genau so aktuell ist, wie zu Zeiten Jeremias. Lassen Sie uns diese Antwort und den Weg dahin einmal gemeinsam anschauen.

1. Der leidende Prophet

Als Christen sind wir ja selbst in unserem Lande eine Minderheit geworden, die stetig weiter abnimmt. die Kirchenaustritte liegen 10x über den Kircheneintritten und auch freie Christusgemeinschaften beschreiben einen zunehmenden Mitgliederschwund.

Da klingt unsere Botschaft schon ein wenig verwunderlich, bei den meisten Menschen jedenfalls. Manchmal fühlt man sich schon, wie unsere Nachbarn in Österreich sagen, ein wenig „deppert“. Und dann kommt es auch schon mal dazu, dass wir uns die Frage stellen: Worauf habe ich mich da eigentlich eingelassen.

Diese Frage stellte sich auch Jeremia. Er ging sogar soweit, dass er Gott vorwirft, er habe ihn in seiner Stärke ganz einfach dazu überredet sein Wort zu verkündigen. Er habe ja gar keine Chance gehabt, einfach „Nein“ zu sagen.

Gewiss, Jeremia hätte die Möglichkeit gehabt, das Wort Gottes den Zuhörern ein wenig erträglicher zu machen. Dann wäre ihm nicht der Hass entgegengeschlagen. Das wird ja heutzutage gern gemacht. Bloß nicht anecken mit der frohen Botschaft. Am besten so verkündigen, dass alle zufrieden sind und weiter ihr Leben so leben können, wie sie es wünschen.

Das hingegen tat Jeremia nicht. Er sagte dem Volk das Wort Gottes so weiter, wie es ihm aufgetragen wurde. Er ließ nichts weg und tat auch nichts dazu. Und das führte dann auch zu dem Dilemma, wie wir es bereits gehört haben.

2. Die menschliche Lösung

Liebe Gemeinde, jetzt mal Hand auf’s Herz: Wie würden wir denn reagieren ? Käme nicht auch bei uns der Gedanke, einfach alles hinzuschmeißen, damit wir endlich wieder unseren Frieden haben und in Ruhe leben können ?

Wenn ich permanent angegriffen werde ob der Botschaft willen, die es zu verkündigen gilt, dann käme ich irgendwann bestimmt auch an diesen Jeremianischen Punkt.

So, und dann ging etwas sonderbares in Jeremia vor: Er konnte es nicht, einfach nicht mehr an den Herrn denken. Er spürte ein brennendes Feuer in seinem Herzen, welches ihn einfach nicht losließ.

Und je mehr dieses Feuer in ihm brannte, desto größer wurde seine Klage gegen Gott. Es war ja nicht nur Hohn und Spott, der auf Jeremia einprasselte, sondern man trachtete ihm wohl ernsthaft nach dem Leben. Je mehr er klagte, desto gewaltiger brannte das Feuer Gottes in seinem Herzen.

Seine menschliche Lösung führte also zu keinem Ergebnis. Die Situation hatte sich nicht verbessert, sondern augenscheinlich verschlimmert. Sogar seine Freunde und Weggefährten sagten sich von Jeremia ab. Und dennoch brannte dieses Feuer in seinem Herzen.

Und genau dies haben wir auch heute noch in unseren Familien. Da hat sich ein Familienmitglied bekehrt und wird zunächst belächelt. Dann ändert er auch noch seinen Lebensstil und nimmt nicht mehr an dem teil, was die Familie sonst so macht. Und dann will er der Familie auch noch den rechten Weg zeigen. Spätestens dann wird es langsam ernst. Und nicht selten wird er irgendwann vor die Wahl gestellt, sein Leben mit Gott zu beenden oder aber die Familie in Ruhe zu lassen.

3. Die göttliche Lösung

„Aber der Herr ist mir ein starker Held, darum werden meine Verfolger fallen und nicht gewinnen.“ So genau lesen wir es am Ende unseres Predigttextes.

Wenn ich von allen Seiten drangsaliert werde, würde mir dieser Satz wohl kaum einfallen. Familie weg, Freunde futsch und dann auch noch in ständiger Angst vor meinen Mitmenschen zu sein wären wohl kaum die besten Voraussetzungen für eine so steile Aussage.

Und doch sieht Jeremia dies vollkommen anders. Jeremia erkennt in dem Brennen seines Herzens die unmittelbare Kraft Gottes, die ihn zum Weitermachen drängt. Da er sein ganzes Vertrauen auf seinen Herrn gesetzt hat, wird ihm bewusst, dass dieses Brennen ein Auftrag ist, ein Auftrag, ja nicht von der Botschaft abzulassen, ja nicht die Wege des Herrn zu verlassen. Aber auch eine feste Zusage des Herrn, dass er ihn nicht fallenlässt.

Dieses Brennen, liebe Gemeinde, könnte man auch als Gewissen bezeichnet, durch welches Gott noch heutzutage mit uns spricht. Wie oft habe ich dieses Brennen in meinem Gewissen schon gespürt, wenn ich etwas anderes vorhatte, als das, was Gott von mir erwartete. Und wie oft sind diese anderen Vorhaben dann auch in die Hose gegangen.

Was Jeremia uns einfach sagen will ist: Hört auf Gott, sein Wort wohnt in Euch. Hört darauf, was er von euch will und macht das dann auch. Und wenn ihr das macht, dann könnt ihr euch felsenfest darauf verlassen, dass der Herr Euch ein starker Held sein wird und Euch nicht fallen lässt. Und wenn Ihr fallen solltet, dann niemals tiefer als in seine rettenden Hände.

Liebe Gemeinde, nutzen wir doch diese ruhige Passionszeit wieder einmal dazu, intensiver auf das zu hören, was uns der Herr sagen will. Das geht nämlich nur in der Stille und nicht mal so nebenbei in unserem hektischen Alltag. Und lassen Sie uns auch dann das machen, was der Herr von uns erwartet.

Bleiben wir doch in Gott, so wie es der Liederdichter Benjamin Schmolck in dem ersten Vers seines Liedes „Tut mir auf die schöne Pforte…“ (EG 166) beschreibt, und lassen Sie uns noch einmal in diesen Vers einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Tut mir auf die schöne Pforte, führt in Gottes Haus mich ein;
ach wir wird an diesem Orte meine Seele fröhlich sein !
Hier ist Gottes Angesicht, hier ist lauter Trost und Licht.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 3. Sonntag der Passionszeit, dem Sonntag Okuli. Meine Augen sehen stets auf den Herrn, so lautet die Überschrift über dem heutigen Sonntag. Den passenden Predigttext dazu finden wir im 1. Petrusbrief, Kapitel 1, die Verse 18-21. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Denn ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem nichtigen Wandel nach der Väter Weise, sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. Er ist zwar zuvor ausersehen, ehe der Welt Grund gelegt wurde, aber offenbart am Ende der Zeiten um euretwillen, die ihr durch ihn glaubt an Gott, der ihn auferweckt hat von den Toten und ihm die Herrlichkeit gegeben, damit ihr Glauben und Hoffnung zu Gott habt.

Liebe Gemeinde,

heute geht es um das wichtigste Thema unseres Lebens überhaupt, nämlich um das Thema unserer Erlösung. Lassen Sie daher am heutigen Sonntag Okuli ein wenig tiefer in dieses Thema einsteigen

1. Ohne Gold und Silber

Wenn wir das in unserem Predigttext lesen, mag uns dies zunächst ein wenig befremdlich erscheinen. Aber Gold und Silber waren damals die Gegenleistung für Waren und Dienstleistungen aller Art und somit das Entgelt für geleistete Tätigkeiten.

Petrus sagt uns hier also ganz klipp und klar, dass wir mit wie auch immer geleisteten Tätigkeiten rein gar nichts zu unserer Erlösung beitragen können.

Da helfen auch keine noch so großzügigen Spenden. Auch ehrenamtliche Tätigkeiten erhöhen nicht unsere Punktescore, wenn es um unsere Erlösung geht.

Wir neigen immer noch dazu die Maßstäbe der Welt auch auf Gottes Maßstäbe zu übertragen. Und genau davor warnt uns Petrus. Spenden und ehrenamtliche Tätigkeiten sind doch wohl nichts schlimmes oder etwa doch? Nein, natürlich nicht. Aber sie als probates Mittel zu betrachten, um sich darauf berufen zu können, wenn es um unsere Erlösung geht sind sie denkbar ungeeignet.

Wenn wir uns in der Tat nur auf Silber und Gold verlassen, dann bleiben wir unerlöste Menschen und kommen nicht in den Himmel. Das will uns Petrus damit sagen.

2. Das teure Blut

Sicherlich haben Sie alle schon einmal etwas von dem Begriff der Blutrache gehört. Im Falle eines Tötungsdeliktes wird der Täter von einem Angehörigen des Opfers ebenfalls getötet. Damit ist die begangene Tat gesühnt.

Genau dies tat Gott übrigens mit seinem eigenen Sohn. Das müssen wir uns in dieser Einfachheit einmal vergegenwärtigen. Wir als Täter haben gegen Gott gesündigt. Damit hätten eigentlich wir den Tod verdient und müssten mit unserem Blute für unsere Sünden bezahlen.

Und was macht Gott? Er gibt das liebste, was er hat her, um es zu töten. Nur damit mit diesem Blute unser aller Sünden gesühnt werden. Ist das nicht verrückt. Ja, liebe Gemeinde, das ist vollkommen verrückt. Aber Gott ist selber auch verrückt. Verrückt vor Liebe nach uns. Und darum hat er dies getan.

Mit Jesu Blut sind alle unsere Sünden vor Gott bezahlt. Alle, die in der Vergangenheit begangen worden sind, alle die in der Gegenwart begangen werden und auch schon alle, die zukünftig von seinen Geschöpfen begangen werden.

Was bedeutet dies denn nun ganz konkret für einen jeden von uns? Nun, es bedeutet nichts anderes, als dass wir wieder Frieden mit Gott haben können. Achten Sie bitte auf das Wort „können“. Auch wir müssen etwas dafür tun, um wieder Frieden mit Gott haben zu können. Wir müssen, das, was Gott für uns getan hat, im Glauben dankbar annehmen.

3. Der Beweis

Uns Christen wird ja oftmals Phantasterei und Schwärmerei vorgeworfen. Etwas deftigere Kritiker werfen uns sogar geistige Verwirrtheit vor, wenn wir von dem berichten, was wir soeben gehört haben.

Wissen Sie was? Ich kann das sehr gut verstehen, und ich würde vielleicht auch in diese Kerbe hauen, wenn da nicht etwas passiert wäre, was die Welt vollkommen auf den Kopf gestellt hat; nämlich die Auferstehung Jesu von den Toten.

Dass dies keine Hirngespinste sind, können wir in vielen Berichten der Bibel nachlesen. Da waren zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus. Von Traurigkeit geplagt über das, was geschehen war, berichteten sie dies einem vermeintlich Fremden. Dieser offenbarte sich ihnen aber ein wenig später als der auferstandene Herr Jesus Christus.

Da war der ungläubige Thomas, der auch so seine Zweifel hatte. Dem offenbarte sich der auferstandene Herr höchstpersönlich und bot ihm auch noch an, seine Hände in die Wunden zu legen, die ihn getötet haben.

Und an anderer Stelle lesen wir, dass sich der auferstandene Herr Jesus Christus sogar vor über 500 Menschen auf einmal zeigte, von denen die meisten bei der Niederschrift dieses Ereignisses noch lebten.

Somit wissen wir, dass Jesus für unsere Sünden bezahlt hat. Somit wissen wir, dass alle, die an ihn glauben das ewige Leben haben. Und somit können wir auch unser gesamtes Leben voller Vertrauen und Glauben in die Hand dessen legen, der uns versprochen hat:

„Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ (Matthäus 28,18).

Der auferstandene Herr ist also stets um uns. Er steht uns in der Gegenwart bei und steht uns auch dann bei, wenn wir unsere Erdenreise beenden. Dann trägt er uns in den Himmel hinein und dann dürfen wir ihn schauen, wie wir ihn auf Erden nicht schauen konnten.

Was wollen wir mehr auf Erden? Mir fällt in der Tat nichts ein.

Mit dieser frohen Erwartung in der Zeit und für die Ewigkeit lassen Sie uns abschließend in den 6. Vers des Liedes „Ich bin ein Gast auf Erden….“ (EG 529) von Paul Gerhardt einstimmen, der da lautet, wie folgt:

So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt,
doch denk ich nicht zu bleiben in diesem fremden Zelt.
Ich wandre meine Straße, die zu der Heimat führt,
da mich ohn alle Maße mein Vater trösten wird.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag Okuli und einen fröhlichen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 3. Sonntag in der Passionszeit. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 12. Kapitel des Markusevangeliums, die Verse 41-44. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Das Scherflein der Witwe

Und Jesus setzt sich dem Gotteskasten gegenüber und sah zu, wie das Volk Geld einlegte in den Gotteskasten. Und viele Reiche legten viel ein. Und es kam eine arme Witwe und legte zwei Scherflein ein; das macht zusammen einen Pfennig. Und er rief seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt als alle, die etwas eingelegt haben. Denn sie haben alle etwas von ihrem Überfluss eingelegt; diese aber hat von ihrer Armut ihre ganze Habe eingelegt, alles, was sie zum Leben hatte.

Liebe Gemeinde,

soeben haben wir eine kleine Nachhilfestunde darüber bekommen, wie man als Christ leben sollte. Lassen Sie uns heute Morgen einmal anhand der „Witwenlehre“ anschauen, welche Punkte im Leben für uns Christen von besonderer Bedeutung sein könnten.

1. Trennung vom Besitz

Eigentum verpflichtet, dies haben wir sicherlich alle schon einmal gehört. Das ist tatsächlich so. Nehmen wir nur einmal die Verkehrssicherungspflichten, die einen Hauseigentümer treffen. Verstößt er dagegen und es geschieht ein Unglück dann ist er in einer äußerst misslichen Lage.

Aber Eigentum macht auch abhängig und angreifbar. In dem Moment, wo das Thema Geld bei mir ganz oben auf der Agenda steht, ab diesem Moment fange ich automatisch an, zu vergleichen. Und nichts, liebe Gemeinde, führt so schnell in die Unzufriedenheit wie ein Vergleich. Nach der Unzufriedenheit kommt der Neid, und der kann Menschen in der Tat zerfressen. Es wird immer jemanden geben, der mehr hat als ich.

Und Eigentum kann auch einsam machen. Ich war im letzten Jahr im Sommer am Wörthersee. In einer geführten Bootstour fuhren wir auch am Anwesen der Familie Flick vorbei. Das Boot durfte sich im Gegensatz zu den anderen Häusern auch nur in gebührendem Abstand von diesem Anwesen bewegen. Aber was man zu sehen bekam, machte mich nachdenklich. Diese Festung glich eher einem besonders gesicherten Gefängnis, denn einem schönen Wohnraum am Wörthersee. Man berichtete uns, dass die Familie Flick sich ganz von der Außenwelt abgeschottet habe aus Angst darum ob ihres Besitzes wegen einer Straftat zum Opfer fallen zu können.

Jeder Besitz, und das lernen wir daraus, fokussiert uns nur noch mehr auf diesen Besitz und auf die Angst, ihn verlieren zu können. Wenn unsere Blickrichtung nur noch in Richtung Besitz geht, dann ist die Blickrichtung in Richtung Gott durch diesen Besitz nahezu verbaut.

Viele Mönchsorden haben daher bekanntlich die Armut, Keuschheit und den Gehorsam auf ihre Fahnen geschrieben. Dies macht sie frei von der Welt und ihren Blick frei auf Gott zugewandt. So war das auch bei unserer Witwe aus dem Predigttext.

2. Brich die Regeln

Sorge vor. Pass auf, dass du nicht zu kurz kommst. Sorge immer dafür, dass du ein Dach über dem Kopf hast. Wer kennt sie nicht, diese selbstgemachten Regeln unserer Gesellschaft. Ich sage an dieser Stelle nicht, dass diese Regeln per se schlecht sind, nur sollten sie nicht allein unser Leben bestimmen. Und dann ist da ja auch noch die die bekannte Regel, welche lautet: „Erst komm ich und dann komm ich und dann kommst du noch lange nicht.“ Ein Freund von mir sagte vor kurzem zu mir, dass wir in den letzten 30 Jahren ein Volk von lupenreinen „Ichlingen“ geworden sind.

Vordergründig mag das auch noch tragbar und begreifbar sein. Wenn jeder nur noch an sich denkt, dann ist ja auch an alle gedacht.

Aber wenn ich mir einmal die Frage stelle, ob diese Regeln mich immer und überall als festes Lebensgerüst tragen können, dann komme ich unweigerlich zum einem anderen Ergebnis. Was ist, wenn ich einmal krank und hilfsbedürftig bin. Hilft mir dann die Ich regel weiter? Wahrscheinlich nicht, da ja auch alle anderen Menschen danach leben und als Ichling gar keine Zeit für mich haben.

Wer trägt mich denn dann, wenn ich eine niederschmetternde medizinische Diagnose erhalte? Dann, liebe Gemeinde, ist Geld und aller Besitz plötzlich ganz, ganz unwichtig.

Aber es gibt einen, der mich trägt, wenn ich die weltlichen Regeln verlasse. Und auf diesen einen setzte auch unsere Witwe ihre Hoffnung. Wenn ich meine Regeln breche und dafür die Regeln meines Herrn annehme und danach lebe dann trägt er mich durch dick und dünn mein ganzes Leben lang.

3. Alles auf eine Karte

„Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist das Leben nicht mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung?“ (Matthäus 6, 25)

Dies alles hatte unsere Witwe bereits erkannt. Sie hatte erkannt, dass Geld allein nicht zum Leben reicht. Sie hatte auch erkannt, dass alle Lebensweisheiten der Menschen um sie herum sie auf Dauer auch nicht tragen konnten.

Aber sie hatte auch den richtigen Schluss daraus gezogen. Sie hatte begriffen, dass es vor allem auf die Barmherzigkeit und auf die Liebe Gottes in unserem Leben ankommt. Geld und schlaue Sprüche vergehen, was aber bleibt ist die immerwährende fürsorgende Liebe unseres Herrn zu uns. Daher konnte unsere Witwe auch ganz befreit von allem Besitz loslassen, da sie ganz genau wusste, dass da einer im Hintergrund ist, der sie trägt und führt und leitet ihr ganzes Leben lang.

Gott gab sein Liebstes, was er hatte in den Tod, damit wir wieder zu ihm kommen können. Und wir sollen das geben, was uns vermeintlich wichtig erscheint, damit wir diese Perspektive niemals wieder aus den Augen verlieren.

Liebe Gemeinde, wer alles auf eine Karte setzt, der kann bekanntlich auch verlieren. Aber wer alles auf die Karte Gott setzt, der ist schon von Anbeginn auf der Siegerstraße und kann gar nicht mehr verlieren.

Und doch gibt es viele Menschen, die eben nicht alles auf diese Siegerkarte setzen. Das sind die Menschen, die meinen, allein auf sich selbst gestellt alles im Leben erreichen zu können. Ich verfolge seit Jahren mit einem gewissen Interesse die Literatur der sogenannten oder selbsternannten Erfolgsgurus.

Alle versprechen, dass wir allein mit ihrer Methode erfolgreich sein können. Nahezu 3/4 dieser Menschen scheitern früher oder später selber an ihren eigenen Erfolgsrezepten. Wie einfach wäre es doch auch für sie gewesen, hätten sie es der Witwe aus unserem heutigen Predigttext nachgemacht.

Das Leben eines Christen, der sein Leben voll und ganz auf seinen Herrn ausgerichtet hat, das beschreibt der Liederdichter Paul Gerhardt sehr schön in dem 6. Vers seines Liedes „Ich bin ein Gast auf Erden…“ (EG 529), der da lautet, wie folgt:

So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt,
doch denk ich nicht zu bleiben in diesem fremden Zelt.
Ich wandre meine Straße, die zu der Heimat führt,
da mich ohn alle Maße mein Vater trösten wird.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse ein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Okuli, dem 3. Sonntag in der Passionszeit. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 5. Kapitel des Epheserbriefes, die Verse 1-8 a. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Das Leben im Licht

So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch. Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört. Auch schandbare und närrische und lose Reden stehen euch nicht an, sondern vielmehr Danksagung. Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger – das sind Götzendiener – ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes. Lasst euch von niemandem verführen mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams. Darum seid nicht ihre Mitgenossen. Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Lebt als Kinder des Lichts.

Liebe Gemeinde,

viele Dinge im Leben kann man eigentlich nur mit dem Gegenteil erklären. Versuchen Sie einmal jemandem den Begriff „Gut“ zu erklären, der den Sinn von dem Wort „Böse“ gar nicht kennt. Und so können wir die Aufforderung als Kinder des Lichts zu leben auch am besten dadurch erklären, wie wir eben nicht leben sollen nämlich als Kinder Finsternis. Was sollen wir als Christen also nicht tun? Das ist die zentrale Botschaft unseres heutigen Predigttextes, der die nicht gewünschten Verhaltensweisen in drei Kategorien einteilt.

1. Unzucht und Unreinheit

Für das Wort Unzucht finden wir im Urtext das Wort „Porneia“, was uns sofort auf den Begriff der Pornographie hinweist. Das ist sicherlich simpel und für jeden ganz einfach zu verstehen. Aber der Begriff porneia geht nicht etwas weiter; denn wir können ihn auch mit den Worten Götzendienst, Abfall von Gott übersetzen.

Das Wort UN-Zucht beinhaltet ja schon den Begriff: Weg von jeder Art Zucht. Wenn wir weg von aller Zucht unser Leben beschreiten, dann wird es vollkommen durcheinander, nicht mehr zielgerichtet und rein lustorientiert. So sind wir auf dem besten Wege weg von Gott. So sollen wir als Christen eben nicht leben.

Dann haben wir noch den Begriff der Unreinheit. Hier finden wir im Urtext den Begriff „Aktharsia“, welcher auch mit moralischer Unanständigkeit und Unsauberkeit übersetzt werden kann. Wir alle, liebe Gemeinde, habe ein Gewissen in uns, welches als eine Art Wächter auf uns achtet. Dieses Gewissen zeigt uns ganz genau, was moralische die Grenzen des gebotenen Verhaltens überschreitet. Und dann sollten wir reagieren und eben die Finger davon lassen.

Nun kann man aber diese jedem Menschen innewohnende moralische Instanz zum Abstumpfen bringen, indem man immer wieder gegen sie verstößt. Keine Bange, unsre Mitmenschen werden uns schon darauf hinweisen, wenn wir den Bogen zu arg überspannt haben. Dann sollten wir zu unserem Herrn im Gebet zurückkehren und ihn bitten, uns doch wieder den rechten Weg zu zeigen.

2. Habsucht

Habsucht entsteht immer zuerst durch den Vergleich. Wir vergleichen uns gern mit dem, was unsere Mitmenschen alles haben. Da ist der Nachbar, der einen Mercedes fährt, ich hingegen nur einen Golf. Da ist die Nachbarin, die nur in teuren Designerkleidern einher geht, während ich mir gerade mal die Sachen von C&A leisten kann.

Aaus diesen schnöden Vergleichen wird dann irgendwann einmal Neid. Neid ist der Zustand, wo ich dem anderen etwas missgönne, was er hat und ich eben nicht habe. Und dann kommt die nächste Stufe des Neides, die Habsucht.

Bis hierher ist ja alles auch noch so halbwegs im grünen bis grauen Bereich. Allerdings führt die Habsucht oftmals so weit, dass sich Menschen Dinge erlauben, die sie sich gar nicht leisten können. Das allerschlimmste an der Habsucht ist aber der Zustand der permanenten Unzufriedenheit. Wenn ich das eine Teil habe, dann weckt das nur die Gier nach mehr und noch mehr und noch viel mehr. Die Spirale der Habsucht hört einfach gar nicht mehr auf.

Bei vielen Menschen endet die Habsucht im positiven Falle in der privaten Insolvenz und im negativen Fall in Räumen, die von innen keine Klinken haben und deren Aussicht auch noch vergittert ist.

Wann immer sich uns, und das geschieht uns allen, ein Vergleich aufdrängt, dann sollten wir uns einfach mal zurücklehnen und überlegen, ob wir das denn wirklich alles brauchen, von dem was z.B. unser Nachbar hat. Wir sollten einmal darüber nachdenken, was wir nicht eh schon alles haben. Und wir könnten einmal ganz konsequent darüber nachdenken, was wir denn wirklich zum Leben brauchen.

Die wirklichen Essentials für das Leben sind doch ein Dach über dem Kopf, ein Einkommen, dass unseren Lebensunterhalt sichert und ein gnädiger Gott, in dessen Hände wir unser Leben ganz getrost legen können.

Das gefährliche an der Habsucht ist nämlich auch, dass diese uns immer mehr in Stück weit von Gott entfernt. Bei all unseren Bemühungen nach immer mehr vergesen wir gar manchmal, dass wir alle von dem, was wir haben nichts mitnehmen können und dass wir alle einmal vor Gott dem Schöpfer Rechenschaft über unser Leben ablegen müssen. Und dann zählt ganz bestimmt nicht mehr das, was wir uns alles erlaubt haben, dann zählt unter anderem nur noch das, was wir anderen abzugeben bereit gewesen sind.

3. Loses Reden

Wir alle, liebe Gemeinde, beherrschen immer eine Sprache mehr, als wir gelernt haben, nämlich die Sprache über andere Leute. Es ist ja auch so schön, mal so richtig abzutratschen. Ich muss dir mal was erzählen…, so fangen diese Tratschgeschichten meist an.

Lassen Sie mich dazu eine kleine Geschichte erzählen:

Zum weisen Sokrates kam ein Mann und sagte: Höre, Sokrates, ich muss dir was erzählen! Halte ein, unterbrach ihn der Weise, hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt? Drei Siebe?, fragte der Mann voller Verwunderung.

Ja, guter Freund ! Lass sehen, ob das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe hindurchgeht:

Das erste ist die Wahrheit. Hast du das, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist? Nein, ich hörte es jemanden erzählen und…

Aber sicher hast du das zweite Sieb geprüft. Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst, wirklich gut ? Zögernd sagte der Mann: Nein, im Gegenteil….

So lass uns auch noch das dritte Sieb anwenden sagte Sokrates. Ist es notwendig, dass du mir das erzählst? Notwendig nun gerade nicht, aber… antwortete der Mann.

Also sagte Sokrates lächelnd zu dem Mann: Wenn es weder wahr, noch gut, noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit.

Liebe Gemeinde, ich versuche seit ich diese Anleitung kenne, sie in mein Leben zu integrieren. Nur leider gelingt mir die allzu oft nicht. Daher sind wir gerade bei losem Reden auf die Hilfe unseres Herrn angewiesen. Bitten wir ihn doch immer wieder, alles, was wir von uns geben wollen, zunächst durch diese drei Siebe prüfen zu lassen.

Wenn wir uns also von Unzucht und Unreinheit fernhalten, der Habsucht den Kampf ansagen und uns vor losen Reden hüten, dann liebe Gemeinde, sind wir alle auf dem besten Wege als Kinder des Lichtes zu leben. Der allmächtige Gott möge und auf diesem Wege stets ein treuer Begleiter sein.

Wie ein Gebet eines Kindes des Lichts lauten könnte, dies beschreibt der Liederdichter Johann Olearius sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes „Herr, öffne mir die Herzenstür…“ (EG 197), der da lautet, wie folgt:

Herr, öffne mir die Herzenstür,
zieh mein Herz durch dein Wort zu dir,
lass mich dein Wort bewahren rein,
lass mich dein Kind und Erbe sein.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Okuli, dem Sonntag in der Mitte der Passionszeit. Unser heutiger Sonntag steht unter dem Thema der konsequenten Nachfolge. Was das genau ist, das erfahren wir in unserem heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei dem Evangelisten Lukas im 9. Kapitel, die Verse 57-62. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst. Und Jesus sprach zun ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der
Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. Aber Jesus sprach zu ihm:
Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes! Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Haus sind. Jesus aber sprach zu ihm: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

Liebe Gemeinde,

ganz schön drastische Beispiele für eine konsequente Nachfolge. Finden Sie nicht auch? Ich jedenfalls hätte vor der Nachfolge meinen Vater begraben und ich hätte mich auch von meinen Lieben ordnungsgemäß verabschiedet. Dies waren die ersten Gedanken, die mir so entgegenflogen als ich den Text das erste Mal gelesen hatte. Kann es denn wirklich sein, dass Gott uns zu derartigen, ich möchte einmal sagen „Unhöflichkeiten“ drängt ? Ich glaube natürlich nicht, dass er dies tut.
Nehmen wir das, was wir gerade gehört haben, doch einfach mal als Ansatzpunkte für „Stolpersteine der Nachfolge“.

Mir fielen dann auch mit der Zeit drei Stolpersteine, es gibt vermutlich noch tausende andere, ein, die uns auf dem Weg der konsequenten Nachfolge im Wege liegen könnten. Lassen Sie uns diese heute Morgen einmal etwas näher betrachten.

1. Die Rückschau

Erinnern Sie sich noch: Kaum hatte Gott die Menschen vom Joch der Ägypter befreit und schon fingen sie an zu murren. Eigentlich war es ja doch alles gar nicht so schlecht in Ägypten und wenn wir es uns heute genau anschauen, dann geht es uns heute in der Wüste auch nicht besser.
Und wenn wir es ganz genau besehen, dann geht es und heute sogar noch schlechter als damals. So könnten die Israeliten wohl laut gedacht haben.

Und das ist auch die Gefahr jeder Rückschau. Denken wir nur einmal an unsere Schulzeit. Als eher mittelmäßiger und nicht gerade besonders fleißiger Schüler habe ich mich immer so gerade eben dadurch gemogelt.
Das ging natürlich nicht ohne mannigfachen Ärger mit dem Lehrkörper einher. Erinnere ich mich heute an diese eher dunkle Seite der Schulzeit? Nein, ich erinnere mich eigentlich nur noch an die schönen Zeiten, die Klassenausflüge, die Jahrgangsfeten und all die anderen Sachen, die das
Schulleben eben erträglich machten.

Wir Menschen neigen dazu, uns mehr an die positiven, denn an die negativen Erlebnisse zu erinnern. Das ist auch gut so, ansonsten wären wir wohl bald ein Volk, dass von einer großen gemeinsamen Depression geplagt würde.

Immer dann, wenn wir einen neuen Weg im Leben einschlagen und etwas nicht gleich so richtig rund läuft, dann denken wir gern an die vorherigen Zeiten, wo vermeintlich alles besser war. Bloß spielen uns die Erinnerungen dabei einen großen Streich. Betrachten wir das ganze einmal total nüchtern: Die guten alten Zeiten waren doch gar nicht so gut. Heute möchte doch kein Autofahrer mehr auf eine Klimaanlage, Servolenkung und Navigationssystem verzichten. In der „guten alten Zeit“
war dies aber so.

Davor warnt uns auch Jesus hier in unserem Predigttext. Wenn wir den Weg der konsequenten Nachfolge gewählt haben, dann kommen wir doch gerade aus unserem ach so bequemen Leben heraus, wo wir es uns so richtig gemütlich gemacht haben. Sobald wir aktiv auf dem Wege der Nachfolge sind, dann kommt es meist knüppeldicke; die Arbeitskollegen belächeln uns, in der Familie genießen wir alsbald den Ruf eines religiösen Spinners und auch unser Freundeskreis möchte uns gern dabei behilflich sein, unseren Heiligenschein zu putzen.

Natürlich denken wir in solchen Momenten alle einmal an die Rückkehr in das alte Leben. Und da sagt Jesus: Stopp!!! Das geht nicht gut. Wenn Du zurückgehst unter welchen Voraussetzungen auch immer, wirst Du nicht wieder so leicht den rechten Weg zu mir finden. Ich kann nur eines sagen: Jesus hat recht. Leider habe ich dies schon oftmals erleben müssen, wie dieser Stolperstein der Nachfolge zu einer echten Falle geworden ist.

2. Die halbe Nachfolge

Kennen Sie das Getränk der Unentschlossenen? Nein, dann will ich sie auch nicht länger auf die Folter spannen. Es ist der Latte Macchiato. Eigentlich will ich ja einen Kaffee und doch möchte ich lieber ein Glas Milch trinken.

So sind wir als Christen auch gern. Eigentlich möchte ich Jesus ja jetzt sofort nachfolgen, aber ich möchte auch noch in der Welt verbleiben. Glauben Sie mir eines, liebe Gemeinde, das klappt vorne und hinten nicht. Halb Christ und halb Weltmensch zu sein das wirkt erst recht unglaubwürdig. Wer dies praktiziert, der darf sich nicht wundern, wen ihm keiner mehr seinen Glauben abkauft.

Ich kann nicht sonntags mit feierlicher Miene im Gottesdienst sitzen und am Montagmorgen meinen Mitarbeitern erklären, dass ich ihnen den Mindestlohn nicht zahlen kann (möchte). Und ich kann auch nicht vordergründig christlich aktiv sein und im Hintergrund mein Vermögen am Finanzamt vorbeischleusen. Ich werde mit dieser Vorgehensweise immer eine mentale und soziale Bruchlandung erster Klasse hinlegen.

Genau so ist es mit der Aufschieberitis. Ja ich weiß, ich muss den Schritt der Bekehrung tun, aber ich bin noch so jung und möchte doch noch was vom Leben haben. Typischer Spruch, den ich immer wieder höre.
Spurgeon sagte einmal etwas ganz tolles zu einem jungen Mann, der ihm genau dies sagte im Hinblick auf seine spätere Bekehrung. ‚“Was sind Sie denn so bescheiden und wollen nur ETWAS vom Leben haben, Jesus schenkt Ihnen doch das GANZE Leben.“

Halten wir es doch auch damit, dass wir heute, wenn wir seine Stimme hören unsere Herzen nicht verstocken sondern ganz weit aufmachen für unseren Herrn.

3. Materialismus

Auch das ist ein Stolperstein der Nachfolge. Jesus beschreibt es ja selber, dass der Menschensohn nichts hat, wo er sein Haupt hinlegen kann. Selbst die Tiere, die weit unter den Menschen stehen, haben eine Herberge. Schutzloser ging es schon gar nicht mehr. Und in diese Schutzlosigkeit ruft uns unser Herr hinein? Ja will er uns denn in unser Verderben rennen lassen?

Nein, liebe Gemeinde, das will unser Herr ganz gewiss nicht. Jesus möchte gern, dass wir alles loslassen, was uns an der konsequenten Nachfolge hindert. Das können zum Beispiel problematische
Geschäftsbeziehungen sein, die uns zu viel Geld verhelfen, uns aber auch zeitgleich zwingen, die berühmten „Fünfe“ immer mal wieder gerade sein zu lassen. Wenn wir so leben, dann sind wir nicht wirklich frei für Jesus.

Das können auch problematische Freundschaften und Beziehungen sein, die uns daran hindern unserem Herrn konsequent nachzufolgen.

Jesus möchte eben dass wir all dies loslassen. Wenn wir alles, was wir haben und besitzen loslassen, dann haben wir nichts mehr worauf wir uns in unserem Leben verlassen können. Und genau das stimmt nicht. Wir haben unseren Herrn. Er möchte fortan für uns sorgen. Unsere Aufgabe besteht
nur aus der Anweisung, die wir schon in unserem Predigttext lesen: Du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!

Mit allem, was wir haben und mit allem was wir sind sollen wir zu Jesus kommen und ihm konsequent nachfolgen. Wenn wir dies wirklich ernsthaft tun, dann werden wir es erleben, dass ER uns alles gibt, was wir zum Leben benötigen. Und was er uns nicht gibt, das brauchen wir auch nicht
wirklich zu einem gelingenden Leben.

Liebe Gemeinde, ich höre immer wieder von Skeptikern, dass dies doch alles eine falsch verstandene Jesusromantik sei und diese im heutigen 21. Jahrhundert doch nichts mehr verloren habe. Ich kann es keinem verdenken so zu denken, der dies noch niemals probiert hat. Aber ich kann an dieser Stelle auch sagen, dass ich viele Menschen kennengelernt habe, die ihre Entscheidung der konsequenten Nachfolge getroffen haben, also auf viel materielles Gut verzichtet haben und diese Entscheidung
bis zum heutigen Tage nicht bereut haben. Jeder, der dem Nazarener auch heute noch konsequent nachfolgt, wird erleben, dass auch er fortan von guten Mächten wunderbar geborgen und getragen wird.

Zum Schluss möchte ich Ihnen eine Definition der konsequenten Nachfolge nicht vorenthalten, welche von Dr. Martinus stammt: „Konsequente Nachfolge ist dann gegeben, wenn ein Mensch es nicht mehr zulässt, dass andere Ansprüche an ihn stellen, als Gott allein.“

Denken wir doch heute Nachmittag doch mal in aller Ruhe über diese Definition nach. Ich habe sie mir notiert und einen ganzen Nachmittag darüber nachgedacht. Echt spannend, was dabei herauskommt. Daher wünsche ich Ihnen auch schon jetzt viel Spaß und Freude dabei.

Den Weg der echten Nachfolge beschreibt der Liederdichter Georg Weissel sehr schön in dem 1. Vers seines Liedes „Such, wer da will, ein ander Ziel…“ (EG 346), der da lautet, wie folgt:

Such, wer da will, ein ander Ziel,
die Seligkeit zu finden;
mein Herz allein bedacht soll sein,
auf Christus sich zu gründen.
Sein Wort sind wahr, sein Werk sind klar,
sein heilger Mund hat Kraft und Grund,
all Feind zu überwinden.

Der Herr zeige Dir Deinen Weg, auf dem Du ihm nachfolgen kannst
Der Herr stärke Dich auf Deinem Weg in die konsequente Nachfolge
Der Herr sei stets an Deiner Seite, wenn Du ihm allein nachfolgst

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem dritten Sonntag in der Fastenzeit mit dem Namen Okuli.

Heute geht es um das Thema Nachfolge. Dass Nachfolge nicht immer nur eitel Sonnenschein bedeutet, das erfahren wir in unserem heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im ersten Buch der Könige, Kapitel 19, die Verse 1-8. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Elia am Horeb

Und Ahab sagte Isebel alles, was Elia getan hatte und wie er alle Propheten Baals mit dem Schwert umgebracht hatte. Da sandte Isebel einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: die Götter sollen mir dies und das tun, wenn ich nicht morgen um diese Zeit dir tue, wie du diesen getan hast. Da fürchtete er sich, machte sich auf und lief um sein Leben und kam nach Beerscheba in Juda und ließ seinen Diener dort. Er aber ging hin in die Wüste eine Tagereise weit und kam und setzte sich unter einen Holunder und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug, so nimm nun, Herr, meine Seele, ich bin nicht besser als meine Väter. Und er legte sich hin und schlief unter dem Wacholder. Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss ! Und er sah sich um, und siehe, zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen. Und der Engel des Herrn kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss ! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte zum Berg Gottes, dem Horeb.

Liebe Gemeinde,

was war eigentlich vorausgegangen, dass Elia derart bedroht wurde ? Nun, Elia hatte auf dem Berg Karmel, wenn wir so wollen, einen historischen Sieg errungen für den Herrn. Indem er mit Gottes Hilfe die Propheten Baals brüskierte, hat er sich nicht nur Freunde gemacht. Mit den daraus
resultierenden Folgen beginnt unser heutiger Predigttext. Wenn wir uns mit der Nachfolge beschäftigen, dann sollten wir immer auch das Geschehen am Berg Karmel im Hinterkopf behalten.

Was zeichnet die Nachfolge aus ? Unser Predigttext und das vorhergehende Kapitel nennen uns
3 Punkte, die eine Nachfolge auszeichnen bzw. was auf dem Wege der Nachfolge so alles passieren kann.

1. Klartext

Elia redet am Berg Karmel nicht lange um den heißen Brei herum und versucht auch nicht irgendwelche faulen Kompromisse einzugehen.
Elia redet Klartext, was die Beziehung zu Gott angeht.

Das ist schon einmal ein wesentlicher Bestandteil der Nachfolge, nämlich dass auch wir heute Klartext reden. Je toleranter das Christentum ausgelegt wird, desto wichtiger ist es, dass es Menschen gibt, die auch heute noch klipp und klar sagen, was einen Christen letztendlich ausmacht.

Es geht eben nicht darum ein Häppchen Buddhismus und ein Quentchen Hinduismus zu tolerieren und vielleicht sogar in das Christentum einfließen zu lassen. Frei Nach dem Motto, Hauptsache der Angesprochene betet auch noch zu unserem Gott.

Je toleranter Auslegungen werden, liebe Gemeinde, desto größer ist die Gefahr, dass wir unser eigenes Fundament verlieren. In diesem Sinne dürfen wir übrigens stolz darauf sein, wenn
wir als Fundementalisten bezeichnet werden. Da Jesus mein Fundament ist,
freue ich mich, ein Fundamentalist zu sein.

Unser Fundament ist der auferstandene Jesus Christus, der für unsere Sünden gestorben ist und uns damit von unseren Sünden erlöst hat.

Da hat kein Buddhismus und kein Hinduismus mehr etwas verloren.
Das gilt natürlich auch für alle anderen Pseudoreligionen. Auch wenn dies hart klingt,
wir Christen müssen unbedingt wieder lernen, Kante zu zeigen.

Ich erlebe es übrigens immer wieder, dass die Menschen es letztendlich mögen,
wenn wir ihnen eine klare Botschaft und eine klare Leitlinie an die Hand geben.

Natürlich fühlen sich einige dabei auf den Schlips getreten. Wer gestern noch beim Dalai Lama war und seinen „frommen“ Botschaften gelauscht hat, dafür nur so nebenbei bemerkt auch noch jede Menge Geld bezahlt hat, der wird natürlich auf Konfrontationskurs gehen, wenn wir mit unserer frohen Botschaft um die Ecke kommen. So war es auch bei Elia. Er wurde sogar für seine „Heldentat“ mit dem Tode bedroht.

2. Mutlosigkeit

Mutlosigkeit soll ein Zeichen der Nachfolge sein ? Das kann doch wohl nicht wahr sein. Ist es aber doch, liebe Gemeinde. Wir können nicht immer stark sein. Wer dies versucht, macht sich selbst was vor. Ich erinnere mich an den alten Spontispruch: „Immer stark ist auch schwach“.

Elia hatte doch gerade eben, wenn wir so wollen einen großen Sieg errungen. Und doch traf er auf die immer noch Unbelehrbaren, die ihm zu Leibe rücken wollten.

Ich kann es ganz gut nachvollziehen, dass Elis mutlos wurde, hat er doch in der Vergangenheit immer wieder alles getan, um den Namen des Herrn zu preisen. Und dann diese Ignoranz !!!

Liebe Gemeinde, uns geht es doch heute auch nicht anders.
Wie oft reden wir mit Bekannten über Jesus. Wie oft versuchen wir andere Menschen zur
Umkehr zu bewegen. Und was passiert uns dann bisweilen: Wir stehen ganz allein auf weiter Flur. Freunde und Bekannte attestieren uns einen „Jesusfimmel“, ja selbst von der eigenen Familie werden wir nicht mehr so ganz ernst genommen. Und auf der Arbeitsstelle können wir es förmlich
hören, wie hinter uns hergetuschelt wird.

Das ist doch genau der Punkt, wo auch wir mutlos und verzweifelt werden können.
Da brauchen wir uns auch gar nicht zu verstecken, das geht jedem Nachfolger irgendwann so.
Und wer dies noch nie erlebt hat, der hat entweder ein Riesenglück gehabt, oder ein superdickes Fell oder er ist noch gar nicht richtig in der Nachfolge angekommen.

Alle Jesusnachfolger, die ich kenne, haben alle schon einmal diese
„Elianische Mutlosigkeit“ erfahren.

Übrigens: Es gibt eine Tankstelle für mutlos gewordene Menschen.
Diese hat jeden Sonntag geöffnet.

3. Gott greift ein

In unserem Predigttext erleben wir das direkte und ganz konkrete Eingreifen Gottes in das Leben des mutlos gewordenen Elia. Warum greift Gott aber nun so spät ein, erst an dem Punkt, an dem Elia genug vom Leben hat ?

Nun Gott zeigt uns damit auf, dass alle Kraft, die in uns wohnt, nicht von uns her kommt, sondern dass ER es ist, der uns die Kraft verleiht, in Seinem Auftrag tätig zu werden. Wenn es uns gelingt, Menschen von der Nachfolge zu begeistern, dann sind nicht wir es, die das tun, sondern
unser Herr, der in uns wohnt und regiert.

Wenn unser Herr in uns lebt und unser Leben regiert, dann brauchen wir überhaupt keine Angst mehr zu haben, wenn man uns um des Glaubens willen nachstellt. ER regiert ja unser Leben, ER trägt Sorge dafür, dass wir heil und ungeschoren aus gefährlichen Situationen wieder herauskommen und ER ist es auch, der uns in den manchmal schweren Stunden der
Mutlosigkeit trägt.

Mit diesem Wissen, dass wir uns überhaupt keine Sorgen machen müssen in der Nachfolge, können wir, wie die Bibel es oftmals sagt, getrost und unverzagt unseren Weg an des Herren Hand gehen.

Wie Gott Elia in seiner Mutlosigkeit gestärkt hat, so wird uns Gott auch immer wieder in unseren Mutlosigkeiten stärken, damit wir wieder an Körper und Geist genesen, unseren Weg mit IHM gehen können. Das einzige was wir dabei tun müssen, ist, IHM voll und ganz zu vertrauen.

Ein kleiner Tipp noch zum Schluss. Bei allen Anfeindungen in der Nachfolge und bei allen Unbillen, die wir erleiden, wenn wir unserem Herrn nachfolgen, sind nicht wir persönlich gemeint, sondern die Botschaft, die wir verkünden. Das sollten wir uns ab und wann wieder in das Gedächtnis rufen. Wir können dann noch besser mit allen Angriffen umgehen. Ich höre an dieser stelle immer wieder folgendes: „Aber es tut mir weh, wenn jemand den Herrn beleidigt“. Glauben Sie mir eines, der Herr kann sich schon alleine wehren. Gottes Mühlen mahlen vielleicht für
unsere Erwartungen etwas zu langsam, aber sie mahlen vortrefflich fein.

Den Weg der Nachfolge beschreibt der Liederdichter Peter Hertzsch sehr schön in dem zweiten Vers seines Liedes „Vertraut den neuen Wegen…“ (EG 395), der da lautet, wie folgt:

Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit !
Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid.
Der uns in frühen Zeiten das Leben eingehaucht,
der wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht.

Der Herr stärke Dich, wenn Du einmal mutlos sein solltest
Der Herr trage Dich, wenn Du alleine nicht mehr weiter weißt
Der Herr gebe Dir das Vertrauen, das allein auf IHN begründet ist. Amen.

Liebe Gemeinde,
ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten
Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Okuli.
Meine Augen sehen stets auf den Herrn, so lautet die Übersetzung für den heutigen
Sonntag. Und um die lebendige Beziehung des Menschen zu Gott geht es
auch in unserem heutigen Predigttext.

Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei dem Propheten Jeremia
im 20. Kapitel die Verse 7-11a. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Die Last des Prophetenamtes

Herr, du hast mich überredet, und ich habe mich überreden lassen. Du
bist mir zu stark gewesen und hast gewonnen; aber ich bin darüber zum
Spott geworden täglich und jedermann verlacht mich. Denn sooft ich rede,
muss ich schreien; „Frevel und Gewalt“ muss ich rufen. Denn des Herrn
Wort ist mir zu Hohn und Spott geworden täglich. Da dachte ich: Ich will
nicht mehr an ihn denken und nicht mehr in seinem Namen predigen. Aber
es ward in meinem Herzen wie ein brennendes Feuer, in meinen Gebeinen
verschlossen, dass ich’s nicht ertragen konnte; ich wäre schier
vergangen. Denn ich höre, wie viele heimlich reden: „Schrecken ist um
und um !“ „Verklagt ihn !“ „Wir wollen ihn verklagen !“ Alle meine
Freunde und Gesellen lauern, ob ich nicht falle: „Vielleicht lässt er
sich überlisten, dass wir ihm beikommen können und uns an ihm rächen.“
Aber der Herr ist bei mir wie ein starker Held, darum werden meine
Verfolger fallen und nicht gewinnen.

Liebe Gemeinde,

als ich den Text gelesen hatte, da kam mir die Überschrift ein wenig
unpassend vor. Denn so wie es dem Propheten Jeremia ergeht, so ergeht
es uns allen in unserem Christenleben. Ein Leben als Christ ist eben
nicht von dauernder Freude und Seligkeit und immerwähredem Halleluja
gezeichnet. Ein Leben als Christ hat Höhen und Tiefen. Lassen Sie uns
doch heute morgen einmal einen Blick auf ein ganz normales Christenleben
werfen. Lassen Sie uns dabei einfach chronologisch vorgehen.

1. Die Bekehrung

„Du hast gewonnen“ so lesen wir es gleich zu Beginn unseres
Predigttextes. So ist es in der Tat auch bei unserer Bekehrung, wenn sie
denn nicht einfach eine bloße Schwärmerei war. Ich glaube jeder
Bekehrung geht auch ein innerer Kampf voraus. Bei den meisten Menschen,
die ich im Laufe meines Lebens kennengelernt habe, war es jedenfalls so.
Keiner meiner Bekannten hatte eine Damaskusstunde erlebt, sondern
vielmehr eine Damaskusperiode an deren Ende die ehrliche und dauerhafte
Bekehrung stand.

Daher bin ich auch immer ein wenig vorsichtig, wenn direkt nach
Evangelisationsveranstaltungen Massenbekehrungen stattfinden.

So, jetzt hat sich der Christ also soeben bekehrt. Eigentlich sollte
jetzt alles gut sein. Die anfängliche Freude und der starke innere
Frieden werden sich aber alsbald legen. Denn mit unserer Bekehrung kommt
auch unser Gegenspieler der Teufel ins Spiel. Er wird versuchen uns mit
allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln von unserem Entschluss
abzubringen.

Spott und Hohn sind vortreffliche Werkzeuge um unsere Entscheidung der
Bekehrung ins Wanken zu bringen. Das fängt in der Familie an, wo man
vielleicht der einzige Christ ist und wo von nun an nur noch von dem mit
dem „Jesusfimmel“ gesprochen wird. Im Freundeskreis wird man vielleicht
als derjenige mit dem Heiligenschein bezeichnet. Und auch im Berufsleben
darf man als Christ nicht all zu dünnhäutig sein.

2. Die Zweifel

Jeder Christ hat Perioden des Zweifelns. Das ist auch ganz natürlich.
Wir sind ja keine Dummbatze, die irgendeinem Führer blindlings folgen,
egal wohin die Reise geht. Mit unsere Zweifeln befinden wir uns übrigens
in guter Gesellschaft, wie wir gleich zu Beginn der Bibel nachlesen können.

Als Mose die Israeliten aus Ägypten herausgeführt hatte, fingen sie
sogleich an zu nörgeln, weil nicht alles so war, wie sie es sich
vorgestellt hatten. Die Schlussfolgerung der Israeliten war: „Wären wir
doch mal besser in Ägypten geblieben“.

Und so fragt sich jeder Christ irgendwann einmal: „War denn meine
Entscheidung richtig ? Das ist auch ganz natürlich so, wenn wir uns
immer wieder Anfechtungen ausgesetzt sehen, die wir vorher gar nicht hatten.

Das merkte auch Jeremia. Er steht, salopp gesprochen kurz davor, den
ganzen Krempel hinzuschmeißen. Und dann auf einmal geschieht etwas
vollkommen unerwartetes.

3. Gottes Wirken

Zweifel sind, wie wir gehört haben, also ganz normal. Wir dürfen wanken,
aber wir werden niemals fallen. Diese Zusage erfährt auch Jeremia. Kurz
bevor aus Zweifeln eine echte Verzweiflung wird, dürfen wir das Wirken
Gottes in unserem Leben spüren und erfahren.

Wenn die Not am größten ist, dann ist Er nur noch eine Handbreit von uns
entfernt. Jeremia bezeichnet den Herrn folgerichtig auch als starken
Helden. Und ein starker Held das ist Er auch.

Der Herr wird uns niemals am Leiden vorbeiführen, aber immer durch das
Leiden hindurch, so sagte es schon der große Theologe Prof. Dr. Dietrich
Bonhoeffer.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Zweifel nicht nur ein lästiges Übel
in unserem Leben sind, sondern dass Zweifel und Anfechtung uns als
Christen erst so richtig wachsen lassen in unserem Glauben.
Betrachten wir unsere Beziehung zu Gott einmal als eine Lebensgemeinschaft,
was sie ja auch ist.

Welches sind die glücklichsten Ehen ? Es sind nicht die, wo scheinbar
alles immer glatt geht. Nein, es sind die Ehen, wo es auch mal so
richtig kracht. Es sind die Ehen wo noch miteinander gesprochen wird und
man nicht nebeneinander herlebt. Und es sind die Ehen, wo sich die
Partner wieder vertragen. Und genau das schweißt zusammen und schafft
Vertrauen.

Ähnlich ist es auch in unserer Lebensgemeinschaft mit unserem Herrn. Wir
werden angefochten, wir zweifeln und wir hadern. Und schlussendlich
dürfen wir immer wieder erfahren, wie sich doch alles zum Guten wendet.
Und diese Gewissheit macht uns als Christen immer stärker. Egal was auch
passiert, in der größten Dunkelheit dürfen wir gewiss sein, dass Gott
eingreifen wird. Aus jedem Zweifel und aus jeder Anfechtung werden wir
immer ein wenig stärker herauskommen, als wir hineingekommen sind.

Ich wünsche uns allen, dass wir selbst in der Gewissheit unseres Todes
die letzten Worte Bonhoeffers für uns in Anspruch nehmen können, die da
waren: „Das ist das Ende, für mich der Beginn des Lebens.“

Gestärkt durch das direkte Eingreifen Gottes in unser Leben können wir
alle ganz bestimmt in das Lied von Dietrich Bonhoeffer einstimmen:

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse SEIN Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe SEIN Angesicht über Dich und gebe Dir SEINEN Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten
Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Okuli, dem dritten Sonntag in der Passionszeit. Die Predigttexte der Passionszeit sind ja immer etwas ernster und wollen uns zum nachdenken und auch zum umdenken anregen. So auch der Predigttext für den heutigen Sonntag, den wir im 1. Kapitel des 1. Petrusbriefes, die Verse 18-21 finden. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Denn ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem nichtigen Wandel nach der Väter Weise, sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. Er ist zwar zuvor ausersehen, ehe der Welt Grund gelegt wurde, aber offenbart am Ende der Zeiten um euretwillen, die ihr durch ihn glaubt an Gott, der ihn auferweckt hat von den Toten und ihm die Herrlichkeit gegeben, damit ihr Glaube und Hoffnung zu Gott habt.

Liebe Gemeinde,

als ich den Predigttext zum ersten Male gelesen habe, da stolperte ich gleich über drei Textstellen. Lassen Sie uns den heutigen Sonntag nutzen und uns ein wenig näher mit diesen drei Textfragmenten befassen.

1. Erlöst von nichtigem Wandel

Wenn wir die Elberfelder Übersetzung zu Rate ziehen, dann wird diese Textstelle wie folgt übersetzt: „Erlöst von eurem eitlen, von den Vätern überliefertem Wandel“. Das können wir schon etwas besser verstehen als die Übersetzung von Dr. Martin Luther. Aber das Problem geht sofort
weiter. Was ist denn eigentlich unter „eitel“ zu verstehen ? Mir fiel sofort „übertriebenes Geltungsbedürfnis“ ein. Das mag zwar auch dazu gehören, trifft die Sache aber nicht im Kern.

Im Griechischen finden wir das Wort „mataios“. Dieses Wort hingegen wird auch übersetzt mit: „Zu keinem Ziel führend, besonders nicht zu Gott“. Wir sind also erlöst von allen Dingen, die uns von Gott weg-, anstatt zu Ihm hinführen.

Welche Handlungen und Dinge könnten dies sein ? Ich denke, es sind alle Handlungen, die uns keinen Nutzen in der Ewigkeit bringen und die wir, wenn wir sterben, auf der Erde zurücklassen müssen.

Im einzelnen können dies z.B. Geld, Macht und Ansehen sein. Dies sind alles Dinge und Bestrebungen, die zu keinem Ziel führen. Denken wir nur einmal an Geld. Geld benötigen wir alle, um irgendwie überleben zu können. Darüber hinaus gibt es aber auch die Gier nach Geld. Und diese Gier hört niemals auf. Egal, wieviel Geld ich auch habe, die Gier nach immer mehr und noch immer mehr ist allgegenwärtig und lässt mich nicht mehr los. Von dieser Knechtschaft des Geldes sind wir also erlöst.

Bei der Gier nach Macht und Ansehen verhält es sich nicht viel anders. Wie viele Menschen hat es nicht schon gegeben und gibt es noch, die bei der Gier nach Macht über Leichen gegangen sind. Die Gier nach Macht und Ansehen führt dazu, dass wir uns nur noch auf uns selber fokussieren und
nur auf unsere eigenen Vorteile blicken. Auf Dauer macht uns dieses Verhalten unausstehlich und letztendlich auch einsam.

Und auch davon hat uns unser Herr erlöst. Wohlgemerkt, unser Herr hat nichts gegen einen fleißigen Arbeiter, der sich für seinen Job einsetzt. Auch hat Er nichts gegen ehrenwerte Politiker, die häufig 20 und mehr Stunden am Tag arbeiten. Selbstverständlich verfügen diese über Macht
und Ansehen. Nur darf dies nicht der zentrale Inhalt unseres Lebens sein.

Um es mathematisch zu betrachten, so muss Geld, Macht und Ansehen innerhalb der Klammer stehen. Außerhalb sollte immer unser Herr stehen, der über allem steht und das Geschehen in der Klammer maßgeblich beeinflusst.

2. Ausersehen, ehe der Welt Grund gelegt wurde

Wer hat uns eigentlich von dem eitlen Wandel erlöst ? Wer hat denn dafür gesorgt, dass wir nicht mehr Gefangene von Geld, Macht und Ansehen sind ? Gott hat uns persönlich von diesem eitlen Wandel und von all unseren Sünden erlöst. Und jetzt kommt das, was wohl kaum einer unter uns
verstehen kann. Gott wusste vor Anbeginn der Welt, dass wir uns von Ihm abkehren und ein sündiges Leben führen würden.

Trotzdem hat Er uns erschaffen. Er hätte es auch sein lassen können, dann wäre die ganze Lage für Ihn viel unproblematischer gewesen. Aber Er hat uns erschaffen aus Liebe. Liebe deckt alles zu, alles, was negativ zu sein scheint, das sieht die Liebe nicht. Da Gott die Liebe schlechthin ist, hat Er uns aus Liebe erschaffen. Und Er, der die Liebe ist, wollte schließlich auch nicht, dass nur eines Seiner Geschöpfe nicht erlöst wird.

„Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Johannes 3,16)

Wenn wir darüber heute Nachmittag einmal in aller Ruhe nachdenken, dann beginnen wir vielleicht die grandiose Liebe Gottes zu uns zumindest ansatzweise zu verstehen. Vollständig begreifen werden wir sie auf Erden wohl niemals, weil diese Liebe einfach zu groß für uns Menschen ist. Und trotzdem oder gerade deswegen dürfen wir das Erlösungswerk unseres Herrn als ein unverdientes Gnadengeschenk in Demut und Dankbarkeit annehmen.

3. Damit Ihr Glaube und Hoffnung zu Gott habt

Erlöst ? Wovon, weswegen und wozu ? Dies, liebe Gemeinde werde ich immer wieder von glaubenskritisch eingestellten Menschen gefragt. Lassen Sie mich daher noch kurz auf diesen Punkt eingehen.

Wenn wir uns nur noch um uns selber drehen, also alles in uns auf Ansehen, Macht und Geld ausgerichtet ist, dann befinden wir uns in einem Hamsterkäfig, aus dem es kein Entrinnen gibt. Wir haben den Blick gar nicht mehr frei für die anderen Dinge des Lebens. Man könnte auch sagen,
getriebenen von satanischen Mächten bewegen wir uns auf schnellstem Wege weg von Gott. Und genau davon hat uns der Herr erlöst.

Durch sein Erlösungswerk werden uns die Augen geöffnet. Wir dürfen den Hamsterkäfig verlassen und wieder nach Hause kommen. Gott macht uns den Weg frei für Glaube und Hoffnung. Kirchenkritiker rümpfen bei Glaube und Hoffnung immer gleich die Nase, weil diese Begriffe nicht besonders konkret sind.

Also, ganz konkret: Gott schenkt uns den Glauben in unser Herz, damit wir erkennen können, dass einer da ist, der über alles wacht und ein Auge auf einen jeden von uns hat. Hoffnung, von Gott geschenkte Hoffnung gibt uns die Gewissheit, dass mit dem Tode nicht alles aus ist.

Wenn wir wissen, dass einer da ist, der auf uns aufpasst, der uns behütet, trägt und geleitet und wenn wir davon ausgehen dürfen, dass wir mit dem Glauben die unumstößliche Option auf das ewige Leben haben, können wir dann nicht viel einfacher, lockerer und fröhlicher leben ?
Können wir dann nicht auch einfacher mit den Unbillen des Lebens fertig werden, denen wir alle zweifelsohne immer wieder ausgesetzt sind in dieser vergänglichen Welt ?

Wenn wir fröhlicher leben, dann wirkt sich dies auch auf unsere Mitmenschen aus. Wenn sie uns die Leichtigkeit unseres Lebens anmerken und sie quasi sogar fühlen können, dann haben wir die beste Chance auch unsere Mitmenschen für ein Leben mit Christus zu begeistern. Fangen wir doch gleich damit an.

Am besten beginnen wir damit, dass wir unserem Herrn immer wieder für das danken, was er für uns getan hat. Dies können wir auch mit dem ersten Liedvers des Liedes „Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn… “ von Heino Tangermann tun, der da lautet, wie folgt:

Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn,
er hat dir viel Gutes getan.
Bedenke, in Jesus vergibt er dir gern,
du darfst ihm, so wie du bist, nahn.
Barmherzig, geduldig und gnädig ist er,
vielmehr als ein Vater es kann.
Er warf unsre Sünden ins äußerste Meer,
komm betet den Ewigen an.

Der Herr halte Dich fern von allem, was Dich von IHM wegführt
Der Herr zeige Dir immer wieder den Weg, der zu IHM hinführt
Der Herr bewahre Dich allezeit auf Deinem Wege hin zu IHM

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 3. Sonntag in der Passionszeit mit dem Namen Okuli. Unser heutiger Predigttext beschäftigt sich mit der Opfergabe, also einem auch heute noch ziemlich heiklem Thema. Aber auch diesen Themen sollen wir uns nicht verschließen. Bevor wir über den Predigttext gemeinsam nachdenken, lassen Sie uns diesen zunächst zusammen lesen. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im 12. Kapitel des Markusevangeliums, die Verse 41-44:

Das Scherflein der Witwe

Und Jesus setzte sich zu dem Gotteskasten gegenüber und sah zu, wie das Volk Geld einlegte in den Gotteskasten. Und viele Reiche legten viel ein. Und es kam eine arme Witwe und legte zwei Scherflein ein; das macht zusammen einen Pfennig. Und er rief seine Jünger zu sich und sprach zu
ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt, als alle, die etwas eingelegt haben. Denn sie haben alle etwas von ihrem Überfluss eingelegt; diese aber hat von ihrer Armut ihre ganze Habe eingelegt, alles, was sie zum Leben hatte.

Liebe Gemeinde,

wenn ich das Spendenaufkommen allsonntäglich in den Kirchen einmal näher analysiere, dann komme ich zu einem ähnlichen Ergebnis, wie in unserem Predigttext: In den ärmeren Gegenden unseres Landes wird schlicht und ergreifend mehr gespendet als in den reicheren Gegenden. Eigentlich Grund genug, dass wir einmal gemeinsam über das Thema Opfergabe oder Spende nachdenken. Lassen Sie uns anhand von drei Punkten dieses Thema ein wenig intensiver angehen.

1. Was ist eine Opfergabe ?

Grundsätzlich ist eine Spende nichts anderes als ein Geschenk an jemand anderes. Mal kennen wir ihn persönlich. Ein anderes Mal spenden wir für eine größere Organisation, von welcher wir natürlich nicht wissen, an wen persönlich unsere Spende weitergeleitet wird. Was geben wir
eigentlich ab ? Dumme Frage, werden sie jetzt vielleicht denken. Aber lassen Sie uns dieser Frage trotzdem weiter nachgehen. Wir geben etwas ab, von dem, was wir uns erarbeitet haben.

Soweit, so gut. Wer hat es uns eigentlich ermöglicht, das wir eine Schule besuchen durften und einen hochwertigen Abschluss erzielen konnten ? Wer hat uns denn eigentlich einen Arbeitsplatz gegeben, an welchem wir Monat für Monat unseren Lebensunterhalt verdienen dürfen ?
Und wer erhält uns unsere Kraft und die Gesundheit, dass wir dieser Arbeit auch Tag für Tag nachgehen können ?

Es ist natürlich unser Herr, von dem wir all dies als Geschenk erhalten.
Ja, liebe Gemeinde, das Geschenk eines Arbeitsplatzes wurde vor 20 Jahren gewiss nicht als solches betrachtet. Heute aber erkennen wir den Wert eines derartigen Geschenkes. Und die Gesundheit wird meist solange als selbstverständlich hingenommen, bis uns eine Krankheit ereilt und wir vielleicht nicht mehr im gewohntem Umfange unserer Tätigkeit nachgehen können. Wenn wir die Angelegenheit mal von dieser Seite her betrachten, dann erkennen wir sofort, dass es ja Gott ist, der uns dies alles beschert.

Wenn wir dann spenden, dann geben wir eigentlich ja nur etwas von dem Geschenk zurück, welches wir von unserem Herrn erlangt haben. Wenn wir diesen Gedanken weiter aufnehmen, dann ist die Spende nichts anderes, als ein Danke an unseren Herrn, dass wir im Wohlstand aufwachsen
dürfen und ein demütiges Abgeben an die Menschen, denen es eben nicht so gut geht wie uns.

2. Wie viel sollen wir Spenden ?

Über kein anderes Thema wird so häufig diskutiert, wie über die Höhe der Spende. Paul Deitenbeck, ein evangelistischer Pfarrer aus Lüdenscheid hat einmal gesagt: „Wenn Sie jetzt doppelt so viel geben, wie Sie es sich eigentlich vorgenommen haben, dann geben Sie genau die Hälfte von dem, was Gott von Ihnen erwartet.“ Eine ganz schön steile Behauptung, fand ich.

Aber fragen wir doch einmal die Bibel. Im Alten Testament ist immer wieder vom sogenannten Zehnten die Rede. Das bedeutet nichts anderes, als dass wir 10 % dessen, was wir von unserem Herrn erhalten haben, wieder zurückgeben sollen. 10 % von unserem Gehalt, – ich merke schon, wie jetzt jeder rechnet und nicht nur ich in’s Grübeln kommt. Aber gehen wir doch einmal wirklich davon aus, dass alles, was wir an Einkommen haben ein 100 %iges Geschenk von unserem Herrn ist. Ist es dann zuviel verlangt, dass wir 10 % davon abgeben. Sehen wir es doch einmal von der
anderen Seite: 90 % verbleiben ja schließlich bei uns.

Ich habe in der letzten Woche eine interessante Hochrechnung gelesen, was die Spendenpraxis in Deutschland anbelangt. Durchschnittlich spendet jeder Mensch in Deutschland pro Jahr 1,12 €. Das Komma ist mir nicht verrutscht, liebe Gemeinde, dies ist tatsächlich so wenig. Die gleiche Studie hat einmal den Bedarf an Geld für soziale und caritative Zwecke hochgerechnet und auf die Anzahl der Spender verteilt. Wenn ein jeder von uns im Jahr 12,50 € spenden würde, dann erhielten wir alle zu Weihnachten keinen einzelnen Spendenaufruf mehr. Alle bedürftigen Menschen hätten von allem, was sie benötigen mehr als genug. Das könnte einen schon einmal in’s Grübeln bringen.

Ich selber hatte einmal in meiner Studienzeit eine Spende verweigert, da ich momentan mal nicht so flüssig war. Damals habe ich noch geraucht und der Spendensammler sagte mir ganz offen und klar: Verzichte doch einfach eine Woche auf das Rauchen und spende diesen Betrag. Du schadest eine
Woche deiner Gesundheit nicht und tust auch noch etwas gutes obendrein.
Das hat sich bei mir so festgesetzt, dass ich versuche, allen Spendenaufrufen gerecht zu werden, auch wenn ich mal auf etwas verzichten muss. Übrigens: Der zeitweise Verzicht auf etwas zeigt uns
auch oftmals, dass wir so manche Dinge nicht benötigen. Probieren Sie es doch einfach selber einmal aus.

Übrigens: Das Thema Spenden ist nicht auf Geld allein bezogen. Genau so wertvoll sind z.B. 10 % unserer Zeit, die wir Menschen schenken, die uns und unseren Beistand benötigen.

3. Die innere Einstellung

Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb, so lesen wir es in dem Wort Gottes. Das heißt nichts anderes, als dass wir das, was wir geben, von Herzen geben sollen. Wenn wir mit einem fröhlichen Herzen geben, dann wird unser Schöpfer auch dafür sorgen, dass wir niemals Mangel leiden werden. Fragen Sie mich jetzt nicht, wie das funktioniert. Ich bin nicht Gottes Generalsekretär. Ich kann Ihnen nur sagen, dass ich es dutzende Male, wenn nicht mittlerweile einige hunderte Male erlebt habe, dass es funktioniert.

Bezüglich des Reichtums gibt es ja einen schönen Spruch, den ich Ihnen an dieser Stelle nicht vorenthalten möchte:

Reich ist, wer viel hat
Reicher ist, wer wenig braucht
Am reichsten ist, wer viel gibt

Es lohnt sich wirklich ein wenig näher darüber nachzudenken. Wenn ich viel gebe, dann habe ich einen sofortigen „Zusatznutzen“ für mich selber. Ich mache mich nicht abhängig von materiellen Dingen. Ich schaffe durch das Abgeben die Grundlage dafür, dass sich mein Herz ganz
demjenigen widmen kann, dem ich mein Leben übergeben habe. Ist das nicht wunderbar ? Wir erlangen Freiheit durch Loslassen. Wir sind nicht mehr gefangen in dem Hamsterkäfig von mehr und immer noch mehr.

Lassen Sie mich kurz noch ein Letztes sagen. Ich habe ganz gewiss nichts gegen den Reichtum. Aber ich habe in unserem eigenen Bekanntenkreis leider einige Male erlebt, wie die Droge Geld Menschen süchtig machen kann. Und diese Sucht ist genau so wie die eines Heroin abhängigen
Junkies. Geldsüchtige Menschen gehen über Leichen, wenn es darum geht, an noch mehr Geld zu gelangen. Lassen Sie uns alle dieser Sucht vorbeugen.

Wenn wir neue Prioritäten in unserem Leben setzen, dann können wir auch frohen Mutes in den zweiten Vers des Liedes „Du meine Seele singe…“ von Paul Gerhardt einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Wohl dem, der einzig schauet nach Jakobs Gott und Heil !
Wer dem sich anvertrauet, der hat das beste Teil,
das höchste Gut erlesen, den schönsten Schatz geliebt,
sein Herz und ganzes Wesen bleibt ewig ungetrübt.

Der Herr gebe Dir stets genügend Geld, damit Du Bedürftigen genug abgeben kannst
Der Herr gebe Dir nie zu viel Geld, damit sich Dein Herz nicht verhärtet
Der Herr gebe Dir ein offenes Herz, welches stets erkennt, wo es gebraucht wird

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber