Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem Sonntag Judika. Wollten Sie immer schon einmal wissen, wie ein ganz normaler Tag in der Wüste aussah, nachdem Mose das Volk aus Ägypten geführt hatte. In unserem heutigen Predigttext wird genau so ein Tag beschrieben. Wir
finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im 4. Buch Mose, Kapitel 21, die Verse 4-9. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Mose richtet die eherne Schlange auf

Da brachen sie auf von dem Berge Hor in Richtung auf das Schilfmeer, um das Land der Edomiter zu umgehen. Und das Volk wurde verdrossen auf dem Wege und redete wider Gott und wider Mose: Warum hast du uns aus Ägypten geführt, dass wir sterben in der Wüste ? Denn es ist kein Brot noch Wasser hier, und uns ekelt vor dieser mageren Speise. Da sandte der Herr feurige Schlangen unter das Volk; die bissen das Volk, dass viele aus Israel starben. Da kamen sie zu Mose und sprachen: Wir haben gesündigt, dass wir wider den Herrn und wider dich geredet haben. Bitte den Herrn,
dass er die Schlangen von uns nehme. Und Mose bat für das Volk. Da sprach der Herr zu Mose: Mache dir eine eherne Schlange und richte sie an einer Stange hoch auf. Wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben. Da machte Mose eine eherne Schlange und richtete sie hoch auf. Und wenn jemanden eine Schlange biss, so sah er die eherne Schlange an und blieb leben.

Liebe Gemeinde,

ein ganz normaler Tag in der Wüste soll dies gewesen sein ? Bei dem, was alles passiert ist. Das ist doch schlichtweg untertrieben. Und doch behaupte ich, es ist ein ganz normaler Tag gewesen. Ein ganz normaler Tag, wie er auch heute ist, oder gestern war. Lassen Sie uns diesen Tag doch anhand von drei Punkten ein wenig auseinander nehmen.

1. Die Alltäglichkeit des Luxus

Gott hatte durch seinen Knecht Mose, sein geliebtes Volk aus Ägypten geführt, also aus der Gefangenschaft in die Freiheit geführt. Das war schon eine tolle Sache für die Israeliten. Auf einmal nicht mehr unter der Knechtschaft der Ägypter zu stehen. Niemals mehr ein kaum zu bewältigendes Arbeitspensum so gerade irgendwie doch noch schaffen. Niemals wieder dem Druck und der Willkür der Ägypter ausgesetzt sein. Man war endlich frei und freute sich seiner Freiheit.

Aber wie das so ist. Die anfängliche Freude wich alsbald. Mit dem, was man erreicht hatte, war man alsbald nicht mehr zufrieden. Es musste mehr sein. Das, was Gott geschenkt hatte, war einfach nicht mehr genug. Die Älteren unter uns werden sich sicherlich noch an die Kriegs- und die Nachkriegszeit erinnern. Lebensmittel waren Luxusgüter. Es wurde so ziemlich alles verwertet. Und heute: Man schätzt dass rund 10 % aller Nahrungsmittel, obschon noch zum Verzehr tauglich, einfach weggeworfen werden. Man hat einfach Hunger auf etwas anderes, etwas das einfach
besser zu sein scheint.

Dieses Verhalten hat auch einen Namen, man nennt es Undankbarkeit. Nur ein kleiner Tipp am Rande: Wenn wir wieder vor jeder Mahlzeit beten, dann machen wir uns auch wieder bewusst, wem wir letztendlich das zu verdanken haben, was wir verspeisen dürfen. Wir gehen automatisch mit
den Gaben ganz anders um, als ohne Gebet.

Von der Undankbarkeit ist die Anklage Gottes, warum es einem denn so schlecht geht, auch nicht mehr weit entfernt. Und dies taten die Israeliten besonders ausgeprägt. Nichts war mehr gut genug. Immer nur Manna, da sterben wir doch dran. Und schuld war Mose, der die Israeliten auf Gottes Befehl hin aus Ägypten geführt hatte.

Und nun einmal Hand auf’s Herz. Sind wir nicht manchmal genau so ?
Wollen wir nicht insgeheim auch immer mehr und noch mehr. Das Erreichte wird nur all zu schnell zur Normalität. Früher war der Urlaub an der Nordsee noch ein highlight. Dann musste es nach Italien gehen. Danach kamen die Balearen dran und die Kanaren. Als auch dies nicht mehr exclusiv genug war musste die Karibik herhalten. Und wehe, das geht auf einmal nicht mehr so weiter. Ein Schuldiger ist dann immer sehr schnell gefunden. Ich hatte einmal mit einem Herrn zu tun, der
tatsächlich Gott für seinen Karriereknick verantwortlich machte, obschon er seit Jahren aus der Kirche ausgetreten war und sich als bekennender Atheist einen Namen gemacht hatte. Das ist schon ein wenig komisch, dass Gott auch bei Atheisten herhalten muss, wenn mal was daneben geht.

2. Der Rückzug

An dieser Stelle müssen wir einmal aufhören mit dem Märchen vom „lieben Gott“, der immer hilft und uns immer zur Seite steht, was auch immer wir für einen Unsinn gemacht haben.

Wenn wir in unserem Predigttext das Wort Schlange lesen, dann müssen wir kurz innehalten und dieses Symbol deuten. Mit der Schlange ist das Dunkle und das Böse in dieser Welt gemeint. Wir nennen es auch Satan oder Teufel.

Wichtig ist nunmehr folgendes: Die Schlangen waren immer schon gegenwärtig. Nur standen die Israeliten bisher unter dem Schutz Gottes. Und genau dieser Schutz sorgte dafür, dass satanische Mächte den Israeliten keinen Schaden antun konnten.

Jetzt waren die Israeliten aber in einer ganz anderen Situation. Sie klagten Gott an und warfen ihm insgeheim vor, Er sei schließlich schuld an ihrer Situation. Und was machte Gott ? Genau das, was auch wir machen würden, wenn jemand nichts mehr mit uns zu tun haben will. Er zog sich dezent und leise zurück. Das Dilemma war natürlich vorprogrammiert. Satanische Mächte, die von Gott in Schach gehalten wurden, hatten plötzlich freie Bahn, um Unheil unter den Israeliten anzurichten. Und das taten sie schließlich auch.

Und auch daran hat sich bis zum heutigen Tage nichts verändert. Wir machen immer noch Gott dafür verantwortlich, dass die Teufel, die wir selber rufen, uns Schaden antun. Je mehr wir Gott aus unserem Leben herausdrängen desto mehr Platz räumen wir diesen satanischen Mächten in unserem Leben ein. Stellenweise nehmen sie derart Besitz von uns, dass wir gar nicht mehr merken, was wir eigentlich anrichten.

Das Gefährliche an teuflischen Mächten ist eigentlich, dass wir diese gar nicht erst als solche erkennen. Sie geben sich ja auch nicht so. Der Teufel ist alles andere als dumm. Denken wir nur einmal an die Droge Alkohol. Alles beginnt mit dem sogenannten Gläschen in Ehren. Und wo
endet alles ? Häufig auf der Intensivstation im Krankenhaus.

Lassen Sie uns alle aufhören an den „lieben Gott“ zu glauben, der immer und überall alles wieder zum Besten richtet, was wir zerstört haben und weiter zerstören werden. Lassen Sie uns wieder zu dem gerechten Gott zurückkehren, der uns als Seine Kinder in Ewigkeit beschützen will.
Aber, Er erwartet auch etwas von uns.

3. Die Rettung

Gut, liebe Gemeinde, dass es diesen dritten Punkt auch noch gibt. Verdient haben wir ihn schließlich nicht. Wenn es nach unserem Verdienst ginge, dann wäre die Predigt nach dem zweiten Punkt beendet.

Wie wir dem Predigttext entnehmen können, beginnt jede göttliche Rettung mit dem Eingeständnis der eigenen Schuld. Wider seinem Willen wird kein Mensch gerettet. Das wäre ja auch unsinnig. Um unser obiges Beispiel drastisch zum Ende zu bringen: Wer weiter saufen will, den lässt Gott
auch weiter saufen. Die Konsequenzen hat er sich aber auch selber zuzuschreiben.

Wer aber ehrlich sein Fehlverhalten eingesteht, dem zeigt Gott einen Weg aus dieser Schuld heraus. Der Weg aus der Schuld beginnt damit, dass wir den Einen kennen lernen und auf den Einen schauen, der für alle unsere Schuld bereits bezahlt hat. Nur wenn wir auf Jesus schauen, dann
können wir gerettet werden. Ich habe nicht gesagt, dann WERDEN wir gerettet. Denn mit dem auf Jesus schauen allein ist es nicht getan. Es gehört schon etwas mehr dazu.

Nur wenn wir auf Ihn schauen und all unser Vertrauen auf Ihn allein setzen, dann werden wir das Gnadengeschenk Gottes, das Geschenk der Vergebung empfangen können. Einen anderen Weg als diesen, um Schuld und Sünde loszuwerden gab es nie und gibt es nicht und wird es auch niemals
geben.

Daher warnte auch Jesus selber Seine Jünger immer wieder vor christlichen „Trittbrettfahrern“, die Heilsversprechen in eigenem Namen abgeben.

Wenn wir uns jetzt noch einmal an die Einleitung der Predigt zurückerinnern, dann war es tatsächlich ein ganz normaler Tag in der Wüste. Oder aber ein ganz normaler Tag im Jahre 2012. Ein Tag, an dem wir unzufrieden waren. Ein Tag, wo wir Gott für alles verantwortlich machten, was uns nicht gefiel. Ein Tag, an dem wir uns eingestanden haben, dass wir Fehler gemacht haben. Und ein Tag, wo Gott uns in Seiner Gnade Vergebung geschenkt hat. Und diese Gnade der Vergebung, liebe Gemeinde, die benötigen wir jeden Tag, den wir auf Erden leben.

Der Liederdichter Friedrich Hiller drückte das Gefühl der erlebten Vergebung sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes „Mir ist Erbarmung widerfahren…“ aus, der da lautet, wie folgt:

Mir ist Erbarmung widerfahren,
Erbarmung, deren ich nicht wert;
das zähl ich zu dem wunderbaren,
mein stolzes Herz hat’s nie begehrt.
Nun weiß ich das und bin erfreut
und rühme die Barmherzigkeit.

Der Herr bewahre Dein Herz vor Undankbarkeit
Der Herr schenke Dir jeden Tag die Gnade der Vergebung
Der Herr lasse Dich immer spüren, dass ER bei Dir ist

Amen.

Liebe Gemeinde,

gut, dass wir mit einem Herrn in die neue Woche gehen können, der unsere ehrlich bereuten Sünden und Verfehlungen nicht bestraft, sondern uns immer wieder vergibt. Mit dieser Gewissheit lassen Sie uns gemeinsam die neue Woche leben und erleben.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen letzten Sonntag nach Epiphanias. Unseren heutigen Predigttext finden wir im 2. Buch Mose, Kapitel 3, die Verse 1-10. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Moses Berufung

Mose aber hütete die Schafe Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe über die Steppe hinaus und kam an den Berg Gottes, den Horeb. Und der Engel des Herrn erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde. Da sprach er: Ich will hingehen und die wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt. Als aber der Herr sah, dass er hinging, um zu sehen, rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose, Mose ! Er antwortete: Hier bin ich. Gott sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von den Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land ! Und er sprach weiter: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott
Isaaks und der Gott Jakobs. Und Mose verhüllte sein Angesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen. Und der Herr sprach: Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen und ihr Geschrei über ihre Bedränger gehört; ich habe ihre Leiden erkannt.
Und ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie herausführe aus diesem Land in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt, in das Land der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter. Weil denn nun das Geschrei
der Israeliten vor mich gekommen ist und ich dazu ihre Not gesehen habe, wie die Ägypter sie bedrängen, so geh nun hin, denn ich will dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führst.

Liebe Gemeinde,

augenscheinlich geht es in unserem Predigttext um die Berufung des Mose. Wenn wir hingegen den Text ganz genau betrachten, dann finden wir dort drei versteckte Botschaften, die wir schnell überlesen. Lassen Sie uns daher den heutigen Sonntag nutzen, indem wir uns mit diesen drei
Botschaften ein wenig näher beschäftigen.

1. Unsere Berufung

Es geht in unserem Text um die Berufung des Mose. Aber es geht auch um unsere eigene Berufung in den Dienst des Herrn. Lassen Sie uns einen kurzen Schritt zurück gehen in die Geschichte des Mose. Bevor er nach Midian floh, war Mose ein wichtiger und mächtiger Mann am Hofe des Pharao. Nachdem er zum Mörder geworden war, musste er fliehen, um der Justiz des Pharao nicht in die Hände zu fallen.

Der hochmütige Mose wurde auf einmal zu einem kleinen demütigen Schafhirten. Und dann erst erfolgte seine Berufung. Gott hat an den hochmütigen Menschen keinen Gefallen. Gefallen hat Gott an den Menschen, die demütig vor, in und mit Ihm leben.

Anders ausgedrückt: Was uns Menschen groß und wichtig erscheint, hat vor Gott oftmals überhaupt keine Bedeutung.

Erst dann, wenn wir unser Herz von allem befreit haben, was uns in irgendeiner Art und Weise gefangen hält, kann unser Herz frei werden, frei für Gott und Sein Wort. Bevor dies nicht geschieht würden wir immer in einem inneren Zwiespalt leben, wie der reiche Jüngling aus dem Gleichnis, der den letzten entscheidenden Schritt hin zu Jesus nicht gehen konnte, weil ihn sein Reichtum gefangen hielt.

2. Die Wartezeit

Vieles geht uns ja heute nicht schnell genug. Am liebsten möchten wir zahlreiche Dinge zeitgleich erledigen. Da hat sich ein junger Mensch zum Herrn bekehrt und kann es gar nicht abwarten, seine Berufung vom Herrn zu erhalten, wo er denn nun seinen Dienst versehen soll. Natürlich kann
dies alles sehr frustrierend sein. Nur müssen wir immer daran denken, dass vor Gott andere Zeitmaßstäbe gelten, als wir es gewohnt sind.

Und wenn wir wieder einmal hoffnungsvoll auf Gottes Eingreifen oder auf eine Botschaft von Ihm warten, sollten wir uns einmal an Mose erinnern. Nachdem er aus Ägypten geflohen war, lebte er, so lesen wir es in der Bibel, lange Zeit in Midian. Zwischenzeitlich hatte er geheiratet und ein Sohn wurde ihm geboren. In all dieser Zeit geschah äußerlich gar nichts. Und trotzdem versah Mose treu seinen Dienst. Und dies sollte uns auch ein Beispiel sein.

Auch wir sollen treu unseren Dienst vor dem Herrn und für den Herrn versehen bis er uns zu einer Aufgabe beruft. Wir sollen um es einmal drastisch auszudrücken, nicht immer mit dem Kopf vor die Wand laufen, sondern warten bis Gott eine Türe vor uns auftut. ER wird dies genau zum rechten Zeitpunkt tun. Und wohin und wozu Er uns auch immer berufen mag, wir dürfen sicher sein, dass wir immer auch in vorbereitete Verhältnisse kommen.

Wenn Gott hingegen uns beruft, dann sollen wir auch sofort tätig werden. Mose bekam eine gewaltige Aufgabe von Gott zugewiesen. Er konnte sich nicht ein Jahr, ja noch nicht einmal einen Monat auf diese Aufgabe vorbereiten. Mose hatte dann auch zahlreiche Einwände und Ausflüchte,
warum er doch wohl nicht der rechte Mann für diesen Job sei. Doch dies alles zählte bei Gott nicht. Wenn Gott uns zu einer Aufgabe beruft, dann dürfen wir sicher sein, dass Er uns auch mit den dazu notwendigen Fähigkeiten ausstattet. Wenn Gott uns beruft, dürfen wir getrost alle Bedenken über Bord werfen und ganz dem vertrauen, der uns berufen hat.

3. Ich bin

„Ich BIN“ der Gott deines Vaters… “ so lesen wir es in unserem Predigttext. Da Abraham, Isaak und Jakob aber schon geraume Zeit nicht mehr unter den Lebenden weilten, hätte es eigentlich heißen müssen: „Ich WAR der Gott …“ Doch wir finden in der Bibel etwas gänzlich anderes.
Daraus können wir nur einen Schluss ziehen, Gott ist kein Gott der Toten, sondern der Lebenden.

Gleich auf den ersten Seiten der Bibel finden wir als aufmerksame Leser also den Beweis, dass mit dem Tode nicht alles aus ist und dass es danach weitergeht. Was bedeutet dies denn nun für unsere Berufung ? Nun, eigentlich dreierlei:

1. Egal, was auch passiert, wenn wir unseren Weg mit Gott auf Erden gehen, dann wird er uns auch in die Ewigkeit zu sich holen, wo wir dann gemeinsam mit IHM leben werden. Also unverzagt und mutig ans Werk wenn Gott ruft.

2. Wir werden einmal Rechenschaft ablegen müssen, was wir denn mit unserer Berufung auf Erden gemacht haben. Haben wir die Talente und Fähigkeiten, die uns Gott geschenkt hat brach liegen lassen, oder haben wir diese zu Seiner Ehre eingesetzt ?

3. Wenn wir unsere Berufung leben, dann dürfen wir sicher sein und uns ganz fest darauf verlassen, dass uns Gott auch schon hier auf Erden zur Seite steht, und uns hilft, unsere Berufung zu Seiner Ehre auszuüben.
Ja, wenn wir es so wollen, dann können wir hier auf Erden schon ein Stück Himmel leben und erleben, wenn wir Gottes Wort und unserer Berufung folgen.

Darum lassen Sie uns wieder ganz klein und demütig vor Gott treten und geduldig abwarten, welche Berufung Er denn nun für uns bereit hält. Und dann wollen wir ganz und gar allein IHM vertrauen, wenn es darum geht, diese Berufung mit Taten und Werken auszufüllen.

Und während wir auf unsere Berufung warten, können wir das tun, was uns der Liederdichter Paul Gerhardt im 1. Vers seines Liedes „Du meine Seele singe…“ empfiehlt. Dieser Vers lautet sehr schön, wie folgt:

Du meine Seele singe,
wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge
zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben
hier preisen auf der Erd;
ich will ihn herzlich loben,
so lang ich leben werd.

Der Herr schenke Dir Gelassenheit, Deine Berufung abzuwarten
Der Herr stärke Deine Sinne, damit Du Deine Berufung erkennen kannst
Der Herr behüte und stärke Dich, damit Du Deine Berufung ausleben kannst

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten restlichen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Altjahrsabend. Der Altjahrsabend ist ja immer der Tag, an dem wir die Ereignisse für das nächste Jahr planen. Wo wir wann unseren Urlaub verbringen, welche Anschaffungen anstehen und was wir sonst noch alles unternehmen wollen.
Lassen Sie uns doch einmal gemeinsam schauen, wie vor mehreren tausend Jahren die Menschen, hier die Israeliten, ihre Vorhaben geplant haben.

Wir finden den Predigttext für den heutigen Tage im 2. Buch Mose Kapitel 13, die Verse 20-22. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

So zogen sie aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste. Und der Herr zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tag noch die Feuersäule bei Nacht.

Liebe Gemeinde,

da zieht ein Volk weg von seinen Peinigern ohne einen konkreten Plan in der Hand zu haben, wo denn die Reise hingehen soll. Das wäre doch heute undenkbar. Einfach so in den Tag hinein leben, ohne etwas strukturiert und geplant zu haben. Und doch, die Israeliten hatten etwas, was uns in der
heutigen Zeit leider immer mehr verloren geht, nämlich das unbedingte Gottvertrauen. Wir meinen ja immer, alles und jedes selbst machen zu müssen. Gott kommt häufig noch mal kurz vor, wenn wir ein Stoßgebet zum Himmel senden. Daher lassen Sie uns an dem heutigen Abend ein wenig
näher darüber nachdenken, was wir von den Israeliten über das Gottvertrauen lernen können.

1. Gott ist der Mittelpunkt

Vielfach hatte sich Gott den Israeliten zu erkennen gegeben, bis sie endlich den Mut aufbrachten, mit Mose als ihrem Führer aufzubrechen. Es bedurfte schon einiger Plagen, die über die Ägypter kamen bis die Israeliten erkannten, dass Gott auf Ihrer Seite war.

Natürlich zweifelten sie am Anfang. Dies ist auch ganz natürlich. Die Zweifler räumen ja zumindest noch die Möglichkeit ein, dass es einen Gott gibt, der die Geschicke hier unten auf der Erde lenkt. Der Zweifler lässt sich ja noch überzeugen. Und so ließen sich die Israeliten überzeugen, dass es Gott war, der all die Übel über Ägypten gesandt hatte und dass es Gott war, der sie aus Ägypten herausführen wollte.

Als sie dies erkannten, wichen die Zweifel und ein überzeugtes Vertrauen trat an die Stelle der Zweifel. Und dieses Vertrauen war auch ein absolutes Ja zu Gottes Führung. Nicht mehr die Israeliten standen im Mittelpunkt, sondern der allmächtige Gott hatte das Ruder in die Hand
genommen und führte die Israeliten durch die Wüste.

Dies alles, liebe Gemeinde, können auch wir heute noch erleben, wenn wir Gott die Führung unseres Lebens übergeben. Wenn ER wieder im Mittelpunkt steht, dann können wir uns getrost Seiner Führung hingeben. Wie uns Psalm 23 so schön sagt: „Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen….“ Sowohl in den hellen Tagen unseres Lebens will Er uns führen, aber auch ganz besonders in den dunklen Nachtstunden unseres Lebens will Er unser Hirte sein. Dann, wenn um uns herum alles immer dunkler zu werden droht, will Er uns mit Seinem hellen Schein zeigen:
ICH bin immer für Dich da!

2. Die Zeit und die Ruhe

Die Israeliten wussten, dass alles seine Zeit hat. Es musste marschiert und gewandert werden. Aber es waren auch Tage der Stille und der Muße von Gott vorgesehen, an denen sich die Menschen von ihren Strapazen erholen sollten. So war der siebte Tag einer jeden Woche stets ein arbeitsfreier Tag. Gott versorgte Sein Volk mit allem, was sie für diesen Tag benötigten. Sie vertrauten auf die Zusage des Herrn und wurden entsprechend belohnt.

Wie sieht es denn heute bei uns aus ? Der Sonntag wird doch Stück für Stück immer mehr ein Arbeitstag, wie jeder andere. Und hat man einmal Zeit zum Ausspannen gefunden, dann merkt man, dass man ja eigentlich gar nicht mehr so richtig „runterfahren“ kann. Also muss auch diese Zeit noch mit möglichst vielen Events vollgestopft werden. Im Moment ist ja ziemlich viel von dem Krankheitsbild des burnout zu lesen.

Wenn wir unseren Motor pausenlos laufen lassen, dann ist es in der Tat kein Wunder, wenn er irgendwann einmal heiß läuft. Lernen wir doch von den Israeliten wieder das absolute Ausspannen, die Ruhe, die wir benötigen, um unsere Kraftstofftanks wieder aufzutanken. Sagen wir doch an einem Tag der Woche einmal ein absolutes Nein zu allen Tätigkeiten, die uns daran hindern, uns zu erholen.

3. Das Gebet

Einige Predigten des vergangenen Jahres standen ja unter dem Thema „Gebet“. Auch wenn ich mich hier wiederhole, das Gebet ist unsere Kommunikation mit Gott. Die Datenbahn zwischen Schöpfer und Geschöpf. Im Gebet treten wir in die Heiligkeit Gottes ein. Nirgends sind wir Gott so nah wie in unseren Gebeten.

Nehmen wir einmal an, Sie arbeiten in einer Firma und Ihr Vorgesetzter sagt Ihnen nicht, was Sie tun sollen. Also arbeiten Sie einfach mal munter drauf los. Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie genau das machen, was nicht von Ihnen erwartet wird ist natürlich sehr groß,. Und genau so können wir uns ein Leben ohne Gebet vorstellen. Wenn wir unseren Herrn nicht befragen, werden wir drastisch gesagt, jede Menge Murks machen, aber so gut wie nichts richtig.

Wie sich das Volk der Israeliten an Gott wandte und Ihn anflehte, so sollen wir dies heute auch noch tun. Und zwar bevor wir mit unseren Tätigkeiten beginnen.

4. Gehorsam

Wenn wir uns das Alte Testament betrachten, dann ging es den Menschen immer dann gut, wenn sie Gott anbeteten und Seinem Wort gehorchten. Verließen sie hingegen den Herrn und oder widersetzten sich Seinem Wort, dann war das Elend quasi schon vorprogrammiert.

Gehorsam zu sein, ist nicht so unbedingt unser Ding. Wir wollen ja alle gern frei, unabhängig und autark sein. Aber wo hat uns unsere Unabhängigkeit denn hingeführt ? Hat sie uns nicht immer wieder ein Stück weit von Gott entfernt ? Und sind wir denn wirklich unabhängig oder nicht vielmehr abhängig von etwas anderem, was vielleicht nicht zu unserem Besten dient ?

Wir müssen uns an dieser Stelle einmal wieder vor Augen führen, dass unser Herr stets nur das Beste für uns will. Die meisten Mitmenschen wollen meist nur das Beste VON uns. Wenn ich mich darauf verlassen kann, dass jemand nur mein Wohlergehen im Sinne hat, dann fällt es mir doch sicherlich einfach, diesem auch gehorsam zu sein. Ich weiß ja, dass letztendlich alles gut wird. Auch wenn mir manche Führungen in meinem Leben schon recht komisch vorkommen, so weiß ich doch, dass Gott das Endziel vor Augen hat und mich auch dahin führen möchte.

Lernen wir doch von den großen Glaubenshelden des Alten Testamentes wieder den bedingungslosen Gehorsam Gott gegenüber. Wenn wir uns wieder auf diesen Gehorsam einlassen, dann müssen wir uns auch nicht mehr ständig den Kopf zermartern, wie es denn wohl mit uns und unserem Leben weitergeht.

Gott im Mittelpunkt, Zeit und Ruhe, Gebet und Gehorsam, alles ein bisschen viel auf einmal, was wir umstellen sollen. Aber keine Angst, es funktioniert. Es funktioniert, weil wir mit unserem Herrn Jesus einen Beistand an unserer Seite haben, der uns diesen Weg zu gehen lehrt.

Wie wir das körperliche Laufen als Kleinkinder gelernt haben, so können wir auch das geistige Laufen lernen. Schritt für Schritt, jeden Tag ein bisschen mehr und jeden Tag ein bisschen sicherer. So kann er aussehen unser Weg mit unserem Herrn. Fangen wir doch gleich damit an.

Dieses Gefühl des getragen werdens und der inneren Ruhe hatte ein Dietrich Bonhoeffer selbst noch während seiner Inhaftierung. Aus dieser Zeit stammt bekanntermaßen auch das Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen….“, dessen 7. Vers lautet, wie folgt:

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Der Herr gebe Dir die Kraft, IHM die Führung Deines Lebens zu übergeben
Der Herr schenke Dir stets Zeiten der Stille und des Gebets, in welchen
Du auf SEIN Wort hören kannst
Der Herr lehre Dich Gehorsam und führe Dich mit all SEINER Liebe auf diesem Wege

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Altjahrsabend und einen besinnlichen Übergang in das Jahr 2012.
Bis zum morgigen Tage verabschiede ich mich und wünsche ich Ihnen Gottes Segen.
Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 10. Sonntag nach Trinitatis. Obwohl unser heutiger Predigttext dem Alten Testament entstammt gibt er uns doch wertvolle Hinweise für unser Leben mit Gott und unser Leben aus Gott heraus für die heutige Zeit. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 2. Buch Mose, Kapitel 19, die Verse 1-6.
Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Am ersten Tag des dritten Monats nach dem Auszug der Israeliten aus Ägyptenland, genau auf den Tag, kamen sie in die Wüste Sinai. Denn sie waren ausgezogen von Refidim und kamen in die Wüste Sinai und lagerten sich dort in der Wüste gegenüber dem Berge. Und Mose stieg hinauf zu
Gott. Und der Herr rief ihm vom Berge zu und sprach: So sollst du sagen zu dem Hause Jakob und den Israeliten verkündigen: Ihr habt gesehen, was ich mit den Ägyptern getan habe und wie ich euch getragen habe auf Adlerflügeln und euch zu mir gebracht. Werdet ihr nun meiner Stimme
gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein. Und ihr sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein. Das sind die Worte, die du den Israeliten sagen sollst.

Liebe Gemeinde,

was uns auf den ersten Blick gewaltig und einmalig erscheinen will ist doch nichts anders, als ein ganz normaler Tag in der Wüste. Für Mose war es das normalste auf der Welt mit Gott über seinen Alltag, seine Sorgen und alles zu reden, was ihn bedrückte. Das sollte es eigentlich auch für
uns sein. Aber wir sind ja häufig so abgeklärt, oder wie man heute zu sagen pflegt so „cool“, dass so etwas für uns natürlich nicht in Frage kommt. Lassen Sie uns am heutigen Sonntag doch über drei Punkte dieses Predigttextes ein wenig intensiver nachdenken.

1. Das Gespräch

An dieser Stelle ist es ganz wichtig, dass wir die Chronologie der Ereignisse betrachten. Mose stieg hinauf zu Gott. Er war also schon unterwegs. Dann erst rief ihn Gott. Es war nicht so, dass Gott Mose rief und dieser dann folgte. Gut, Mose hatte schon einige Begegnungen mit dem
heiligen Gott hinter sich, aber dennoch war es immer wieder etwas besonderes, Gott hören, spüren und fühlen zu dürfen.

Dies konnte er nur erleben, weil er sein Leben voll und ganz in die Hand Gottes befohlen hatte. Deshalb stieg er auch voller Vertrauen auf den Berg, um Gott zu begegnen. Und dies ist es, was Gott auch von uns erwartet; nämlich dass wir voller Vertrauen losgehen und nur IHM allein
vertrauen. Wenn wir dies tun, dann werden auch wir heute im 21. Jahrhundert noch wahre Wunder mit unserem Herrn erleben. Dann werden wir IHN auch heute wieder spüren, fühlen und SEIN Wirken in dieser Welt erleben dürfen.

Wir sollen also nicht zu Hause in der stillen Stube sitzen und warten, bis Gott uns ruft und beruft. Nein, wir sollen voller Vertrauen losgehen. Losgehen bedeutet in diesem Zusammenhang auf IHN zugehen. Wenn wir dies tun, dann werden wir erleben, wie Gott unser Leben führt und leitet. Er erwartet ja nun wirklich nicht viel von uns. Er erwartet keine herausragenden Fähigkeiten von uns. Er erwartet auch nicht, dass wir uns als wahre Glaubenshelden beweisen. Das einzige, was Er von uns erwartet ist unser vollstes Vertrauen auf IHN und Sein Wirken in dieser Welt.

Nun neigen wir ja oftmals dazu zu sagen, dass wir keine Zeit haben. Wenn selbst ein Mose, der Gottes Volk aus Ägypten geführt hatte und nunmehr mit einem ganzen Volk auf der Wanderung durch die Wüste war, Zeit hatte, mit Gott zu reden, dann müssen wir uns allen Ernstes fragen,
ist es „keine Zeit“ oder vielleicht doch „keine Lust“, die uns zu dieser Ausrede verleitet. Üben wir doch wieder die tägliche Gebetsgemeinschaft mit unserem Herrn.

2. Was passiert, wenn….. Teil 1

Es gibt ihn nicht, den „wünsch dir was“ Gott, den man bei Bedarf aus dem Schrank hervorholt, und ihn nach erledigter Wunscherfüllung wieder in den Schrank zurück verbannt. Viele Menschen leben zwar so, aber dies ist ein Irrtum. Dies stellt der Heilige Gott auch schon zu Beginn des Gespräches mit Mose heraus. Er zeigt Mose auf, was mit Menschen geschieht, die Seinem Willen nicht gehorchen wollen und sich aktiv gegen Ihn stellen. Wenn wir ein paar Seiten zurückblättern dann können wir nachlesen, wie sehr Gott dem Pharao und seinem Volk zusetzte, weil er Mose nicht mit den Israeliten aus Ägypten ziehen ließ.

Jetzt müssen wir allerdings „höllisch“ aufpassen. Gott sucht sich nicht ein Volk aus, welches Er bestraft und ein anderes Volk, das Er pausenlos segnet. Die Ägypter stehen hier stellvertretend für den Menschen, der Gott ablehnt und die Israeliten stellvertretend für den Menschen, der seinen Weg demutsvoll mit Gott geht. Wenn wir uns den Predigttext noch einmal etwas genauer ansehen, dann lesen wir dort vollkommen emotionslos, was Gott Mose bezüglich der Ägypter berichtet.

Wer mit Herzen, Mund und Händen Gott und Seine Existenz ablehnt, der muss sich auch darüber im klaren sein, dass Gott diese Entscheidung akzeptiert. Ich kenne viele Menschen, die hier auf Erden ein scheinbar sehr erfolgreiches Leben ohne Gott führen. Man könnte manchmal meinen,
dass gerade die Gottesleugner, die mit dem dicksten Geldbeutel sind. Das waren die Ägypter zu Zeiten Mose übrigens auch. Doch abgerechnet, liebe Gemeinde, abgerechnet wird am Ende unseres Lebens. Und dann gibt es kein zurück mehr. Das Leben ist eben kein Computerspiel, wo man einfach mit einem „neuen“ Leben weiterspielen kann.

Die Bibel sagt uns ganz deutlich, dass am Ende alle Menschen die Gott bewusst ablehnen in der eigen Verdammnis landen, also in der Hölle. Vor kurzem sagte mir eine junge evangelische Pfarrerin, dass Freikirchler eigentlich ganz unzufriedene Christen seien. Wir würden ja mit der
permanenten Furcht vor der Hölle leben. Sie jedenfalls wisse, dass es die Hölle gar nicht gebe. Aber glauben Sie mir, liebe Gemeinde, wenn unser Herr Jesus uns schon vor der Hölle warnt, und Er wird wohl wissen, was Er sagt, dann sollten wir uns nicht von all zu „modernen Pfarrern“ in die Irre führen lassen.

3. Was passiert, wenn….. Teil 2

Es wäre natürlich fatal, wenn es nicht auch das Gegenteil gäbe, nämlich den Himmel. Und den Himmel gibt es wirklich. Dies jedenfalls wird Mose von Gott mitgeteilt. Und hier ist schon wieder Streit vorprogrammiert. Die Religionen vertrösten die Menschen auf das Jenseits und die
Ewigkeit. Dies hören wir seit Tausenden von Jahren immer und immer wieder. Auch mir kommt dieser Spruch mindestens einmal in der Woche unter. Nun wird eine Lüge nicht dadurch zur Wahrheit, indem man sie gebetsmühlenartig wiederholt.

Also, Gott sagt dem Mose im übertragenen Sinne nichts anderes, als: Wenn ihr auf mich hört und das tut, was ich euch sage, dann seid ihr meine geliebten Kinder. Dies seid ihr von dem Moment an, wo ihr euch dazu entschließt auf mich zu hören. Und mein „Ja“ bleibt auch über euren Tod
hinaus bestehen. Wenn ihr in mir bleibt, dann bleibe ich in euch bis in alle Ewigkeit.“ Soweit die Zusage Gottes. Sie ist also keineswegs allein ewigkeitsbezogen. Nein, schon hier in der Zeit dürfen wir als Seine Kinder diesen Zusagen vertrauen. Schon hier auf Erden will ER uns führen
und leiten und vor Schaden bewahren.

Dies, liebe Gemeinde kann man intellektuell nicht erfahren. Hier muss man den ersten Schritt einfach wagen; dieser erste Schritt heißt vertrauen. Ich habe übrigens noch keinen Menschen kennen gelernt, der diesen ersten Schritt jemals bereut hat. Was ich schon oftmals gehört habe ist, dass sich Menschen innerlich geärgert haben, dass sie diesen Schritt nicht schon viel früher gegangen sind.

Der Weg ist das Ziel, das hören wir ja sehr häufig von fernöstlichen Religionen. Ganz so unrecht haben sie auch nicht. Der Weg ist das Ziel, wenn die Richtung stimmt. Wenn wir unseren ersten Schritt in Richtung Gott gemacht haben, dann sind wir ab sofort Seine geliebten Kinder. Allerdings erwartet unser Herr auch, dass wir weiter auf diesem Wege gehen. Dieser Weg kann manchmal richtig unbequem sein, aber es ist der einzige Weg, der uns in das ewige Leben führt. Wenn wir die Geschichte mit Mose und den Israeliten weiter verfolgen, dann können wir manche Unwägbarkeiten erleben, aber wir sehen auch, dass am Ende des Weges das gelobte Land steht. Und dieses Ziel lassen Sie uns alle frohen Mutes ansteuern.

Das Gott uns auch auf Erden und nicht erst im Himmel zur Seite steht beschreibt auch schon das alte Kirchenlied „In dem Himmel ferne…“ von Wilhelm Hey, welches da lautet, wie folgt:

In dem Himmel ferne, wo die Englein sind,
schaut doch Gott so gerne, her auf jedes Kind.
Höret seine Bitte treu bei Tag und Nacht,
nimmts bei jedem Schritte väterlich in acht.
Gibt mit Vaterhänden ihm sein täglich Brot,
hilft an allen Enden ihm aus aller Not
Sagts den Kindern allen, dass ein Vater ist,
dem sie wohlgefallen, der sie nie vergisst.

Der Herr sei vor Dir, wenn Du den Weg nicht weißt
Der Herr sei neben Dir, wenn Du unsicher bist
Der Herr sei über Dir, wenn Du Schutz brauchst
Der Herr sei in Dir, wenn Du Dich fürchtest
Der Herr sei um Dich wie ein Mantel, der dich wärmt und umhüllt

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die vor uns liegende Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 4. Sonntag nach Trinitatis.
Unser heutiger Predigttext, welcher aus der Josefsgeschichte stammt, hat das Thema „Gottes Eingreifen in das Leben“ zum Inhalt. Heute geht es ganz konkret darum, wie Gott in das Leben eines jeden von uns eingreift. Wir finden den heutigen Predigttext im 1. Buch Mose, Kapitel 50, die Verse 15-21. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Josefs Edelmut und sein Tod

Die Brüder Josefs aber fürchteten sich, als ihr Vater gestorben war, und sprachen: Josef könnte uns gram sein und uns alle Bosheit vergelten, die wir an ihm getan haben. Darum ließen sie ihm sagen: Dein Vater befahl vor seinem Tod und sprach: So sollt ihr zu Josef sagen: Vergib doch deinen Brüder die Missetat und ihre Sünde, dass sie so übel an dir getan haben. Nun vergib doch diese Missetat uns, den Dienern des Gottes deines Vaters ! Aber Josef weinte, als sie solches zu ihm sagten. Und seine Brüder gingen hin und fielen vor ihm nieder und sprachen: Siehe, wir sind deine Knechte. Josef aber sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht ! Stehe ich denn an Gottes Statt. Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen, um zu tun, was jetzt am Tage ist, nämlich am Leben zu erhalten ein großes Volk. So fürchtet euch nun nicht; ich will euch und eure Kinder versorgen. Und er tröstete sie und redete freundlich mit ihnen.

Liebe Gemeinde,

lebten wir ohne Gott auf dieser Welt, dann hätten die Brüder Josefs nach dem Tode ihres Vaters wohl allen Grund, um besorgt zu sein, was ihr weiteres Wohlergehen anbelangt. Obschon sie nicht gottlos waren trauten sie dem Braten doch nicht so recht. Daher unternahmen sie einen verzweifelten Versuch, um ihren Bruder Josef gnädig zu stimmen. Dies war indes nicht notwendig, da der allmächtige Gott ja schon in das Leben des Josef eingegriffen hatte.

Lassen Sie uns am heutigen Sonntag doch einmal gemeinsam betrachten, wie der allmächtige Gott in das Leben eines Menschen eingreifen kann. Drei Punkte fallen uns dabei direkt ins Auge.

1. Gott macht aus (-) ein (+)

Seine Brüder hatten Josef als Sklaven verkauft. Und damit schien das Schicksal von Josef bis in alle Ewigkeit besiegelt zu sein. Ich denke, jeder von uns wäre, wenn ihm dieses zustöße, in eine tiefe Depression verfallen und hätte vom Leben nicht mehr viel erwartet. Nicht so hingegen Josef. Er ließ sich nicht einfach hängen. Nein, liebe Gemeinde, Josef machte das Beste aus dieser Situation. Und wenn wir die Josefsgeschichte lesen, dann könnte diese heutzutage unter dem Motto „Vom Büroboten zum Vizekanzler“ stehen. Soweit hatte es Josef nämlich gebracht, zum zweiten Mann im Staate.

Josef hat das Schicksal, welches ihm Gott bescherte auch als solches angenommen. Selbst als er unschuldig im Gefängnis saß, machte er das Beste aus dieser Situation. Josef wusste, dass der Gott, dem er vertraute aus jeder Situation etwas positives machen kann.

Und das, liebe Gemeinde, sollten auch wir wieder lernen. Nehmen wir doch einmal ein Beispiel aus dem alltäglichen Leben. Wir sind bei einer Beförderung übergangen worden. Normalerweise haben wir alle doch eine mordsmäßige Wut im Bauch. Diese Gefühle sollen wir aber bekämpfen. Wir
dürfen voll und ganz darauf vertrauen, dass der Gott, der das Leben Josefs bestimmt hat, auch heute noch in unser aller Leben eingreift. Vielleicht waren wir noch gar nicht so weit, einen verantwortungsvolleren Posten wahr zu nehmen. Also sollten wir weiterhin unseren Dienst treu und brav, vielleicht mit noch mehr Engagement versehen.

Gott will nur eines, dass wir Seine treuen Diener sind. Diese Seine treuen Diener will Er behüten und beschützen. Gott möchte, dass es uns wirklich wohl ergeht. Wenn wir also etwas nicht bekommen, dann sollten wir Gott auch weiterhin unser Vertrauen schenken. Vielleicht war es noch nicht der rechte Zeitpunkt, oder aber unser Begehren war wirklich nicht gut für uns. Manchmal ist es nämlich auch so, dass Gott uns etwas verwehrt, was uns Schaden zufügen könnte, wir dies jedoch noch nicht erkennen.

2. Menschen haben keine Macht über uns

Wissen Sie wovor die meisten Menschen die größte Angst haben ? Vor den Mitmenschen.
Dies erkannte auch schon König David, der auf keinen Fall in die Hände von Menschen fallen wollte, als er sich seine gerechte Strafe selber aussuchen durfte. Und diese Situation hat sich bis zum heutigen Tage nicht wesentlich verändert. Sie ist, so könnte man meinen, nur noch schlimmer geworden.

Mobbing am Arbeitsplatz. Nachbarschaftsstreitigkeiten, die die Parteien schier in den Wahnsinn treiben. Oder Gemeinheiten aus dem eigenen Freundeskreis, die einen so richtig schön in Misskredit bringen können. Das sind zwar alles recht unschöne Gegebenheiten, aber nur wenn wir uns diese Schuhe auch wirklich anziehen, dann können sie uns beeinträchtigen.

Auch Josef wurde gemobbt. Zuerst von seinen Brüdern, die ihn dann schließlich als Sklaven verkauften. Dann von seinem Herrn, der ihn der Untreue bezichtigte. Und dann löste ein Mitgefangener ein gegebenes Versprechen auch nicht sofort, sondern erst sehr viel später ein. An
keiner Stelle der Bibel lesen wir, dass Josef darüber in eine tiefe Depression verfallen ist. Josef wusste nämlich schon damals, dass der Gott, dem er gehörte, die alleinige Macht über sein Leben hat. Und wenn Gott die alleinige Macht im Leben eines Menschen hat, dann haben logischerweise alle anderen Menschen keine Macht mehr über diesen Menschen.

Das sollen und dürfen wir uns auch heute immer wieder vor Augen führen. Wir sind Gottes geliebte Kinder. Und als solche gehören wir mit Haut und Haaren unserem Vater im Himmel. Dieser hat die alleinige Macht über unser ganzes Leben. Schön und gut, werden Sie jetzt sagen, aber trotzdem
werde ich gemobbt in meiner Firma. Legen wir dieses Geschehen doch einmal Gott vor. Berichten wir Ihm doch im Gebet davon, wie weh uns dies oder jenes getan hat. Ich versichere Ihnen, Sie werden SEIN Eingreifen alsbald spüren.

Gott nimmt uns die Last des Bedrücktseins. Und wenn er uns diese Last nimmt können wir auch wieder frei und klar denken und handeln. Alles, was an Negativem auf uns zukommt, wird von unserem Herrn in die richtigen Bahnen gelenkt. Darauf dürfen wir uns voll und ganz verlassen.
Wir dürfen und sollen, wie Josef, weiterhin dort, wo Gott uns hingestellt hat fröhlich und verantwortungsvoll unseren Dienst versehen.
3. Die Kraft der Vergebung

Gott macht aus (-) ein (+), Gott nimmt anderen Menschen die Macht über uns. Doch damit nicht genug. Gott schenkt uns auch die Kraft der Vergebung. Diese Kraft wirkte insbesondere in Josef. Jeder Mensch hätte Verständnis dafür gezeigt, wenn Josef seine Brüder hätte einsperren lassen. Wäre doch eine gerechte Strafe für das gewesen, was sie ihm angetan haben. Die Kraft der Vergebung machte ihm dies aber unmöglich. Diese Kraft der Vergebung kann jeden auch noch so großen Hass besiegen.

Ich denke dabei insbesondere an ein Erlebnis, über welches Corrie ten Boom berichtete. Sie durfte das direkte Einwirken Gottes und Seine Kraft der Vergebung am eigenen Körper spüren und erleben. Jahre nach dem zweiten Weltkrieg hielt sie Evangelisationsvorträge in zahlreichen Städten Deutschlands. In einem dieser Vorträge saß auch der Bedienstete des KZ Ravensbrück, in welchem Corrie ten Boom einsaß. Dieser Wärter war für seine besondere Brutalität bekannt. Nach dem Vortrag kam er zu Frau ten Boom und reichte ihr die Hand. Obschon sie sich innerlich weigerte
konnte sie nicht anders, als die ausgestreckte Hand dieses Menschen zu ergreifen. Sie sagte später einmal: „Gott hat mir die Hand weggenommen und Seine ganze Kraft hineingelegt und sie dann meinem Gegenüber gereicht.“

Gott sei Dank, werden die meisten von uns heute nicht mehr in die Lage kommen, so etwas erleben zu müssen. Aber es sind auch die vielen kleinen Dinge im Leben, wo uns andere Schaden zufügen. Und da ist es doch eine tolle Gewissheit, wenn wir darauf vertrauen dürfen, dass uns Gott die Kraft der Vergebung schenkt. Das können wir übrigens auch im kleinen direkt ausprobieren.

Nehmen wir einmal an, ein Mensch hat uns, wie auch immer einen emotionalen Schaden zugefügt. Bringen wir doch diese Sache vor Gott und sagen wir doch Gott, dass wir diesem Menschen vergeben. Ich verspreche Ihnen, Sie werden diesen Menschen bei dem nächsten Kontakt mit ganz
anderen Augen sehen. Und Sie werden sich auch ganz anders ihm gegenüber verhalten. Und dies bleibt natürlich auch nicht ohne Folgen. Auch unser Gegenüber kann sich dem nicht dauerhaft entziehen und wird sich mit Sicherheit verändern.

Wenn wir alle immer und immer wieder diese uns von Gott geschenkte Kraft einsetzen, dann können wir allen Menschen um uns herum das Leben ein wenig erträglicher gestalten. Eine tolle Aufgabe und eine schöne noch dazu. Finden Sie nicht auch ?

Dieses direkte Eingreifen Gottes in unser Leben dürfen wir auch direkt von unserem Herrn erbitten. Der Liederdichter Hans von Lehndorff beschreibt dies sehr schön in dem fünften Vers seines Liedes: „Komm in unsre stolze Welt…“, der da lautet, wie folgt:

Komm in unser dunkles Herz,
Herr, mit deines Lichtes Fülle;
dass nicht Neid, Angst, Not und Schmerz
deine Wahrheit uns verhülle,
die auch noch in tiefer Nacht
Menschenleben herrlich macht.

Der Herr gebe Dir immer wieder die Gewissheit, dass ER Dich liebt, damit Du Dich getragen weißt
Der Herr habe immer die alleinige Macht in Deinem Leben, damit Du einen festen Grund im Leben hast
Der Herr schenke Dir immer wieder die Kraft der Vergebung, die Du an andere Menschen weitergeben darfst

Amen

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen einen gesegneten restlichen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Pfingstmontag. Den Predigttext für den heutigen Pfingsttag finden wir im 11. Kapitel des 1. Buches Mose, die Verse 1-9. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Der Turmbau zu Babel

Es hatte aber alle Welt einerlei Zunge und eine Sprache. Als sie nun nach Osten zogen, fanden sie eine Ebene im Lande Schinar und wohnten daselbst. Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, lasst uns Ziegel streichen und brennen ! – und nahmen Ziegel als Stein und Erdharz als Mörtel und sprachen: Wohlauf, lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder. Da fuhr der Herr hernieder, dass er sähe die Stadt und den Turm, die die Menschenkinder bauten. Und der Herr sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen, und dies ist der Anfang ihres Tuns, nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich
vorgenommen haben zu tun. Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des anderen Sprache verstehe ! So zerstreute sie der Herr von dort in alle Länder, dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen. Daher heißt ihr Name Babel, weil der Herr daselbst verwirrt hat aller Länder Sprache und sie von dort zerstreut hat in alle Länder.

Liebe Gemeinde,

der Turmbau zu Babel ist eine Geschichte, die in nahezu jeder Ausgabe einer Kinderbibel mit wunderbaren Bildern beschrieben wird. Selbst nach nahezu 50 Jahren „ohne Kinderbibel“ habe ich diese Illustrationen noch vor meinem geistigen Auge. In meinem gesamten Freundes- und Bekanntenkreis verhält es sich übrigens ähnlich. Doch es steckt auch noch eine Botschaft hinter dieser Geschichte, die für uns alle sehr wichtig ist. Lassen Sie uns doch am heutigen Pfingstmontag ein wenig intensiver mit diesem Turmbau zu Babel beschäftigen.

1. Die menschliche Motivation

Eigentlich, liebe Gemeinde, ist es doch gar nicht so verwerflich, das Ansinnen der Menschen, als sie den Turm zu Babel bauten. Sie wollten doch schließlich nur in der Nähe des lebendigen Gottes sein. Wer will dies denn nicht ? Und dafür hatten sie vermutlich weder Kosten noch Mühen gescheut, wenn man einmal bedenkt, dass modernes Arbeitsgerät zu dieser Zeit noch gar nicht vorhanden war.

Wenn wir den Predigttext ein wenig näher betrachten, dann steckt hinter der Motivation der Gottesnähe aber noch etwas anderes. Die Menschen wollten sich einen Namen machen. Und hier sind wir schon bei dem Kernproblem, welches uns auch heute noch betrifft. Wir machen häufig
etwas aus der falschen Motivation heraus. Wir neigen immer mal wieder dazu, uns den Himmel verdienen zu wollen. Und wenn wir uns schon vor und für Gott abrackern, dann wollen wir gefälligst auch unseren Namen in Stein gemeißelt im Himmel sehen.

Dies jedoch ist die falsche Motivation. Wir können uns vor Gott keinen Namen machen. Vor Gott sind wir alle nur eines, nämlich arme Sünder, die so, wie wir von Natur aus sind, gar nicht zu ihm kommen können. Alle Versuche von uns, mit eigenen Werken Gott gnädig stimmen zu wollen sind
daher von vornherein zum scheitern verurteilt.

2. Die göttliche Motivation

Wir können also nicht zu Gott kommen. Damit wäre unser aller Schicksal eigentlich schon in alle Ewigkeit hin besiegelt. Gott sei Dank ist dem nicht so. Unser einziger Vorteil liegt darin, dass Gott uns so sehr liebt, dass er es vor Liebe gar nicht mehr aushalten kann von uns getrennt zu sein.

Und aus dieser unerklärbaren Liebe heraus ist Gott zu uns gekommen. Zu Weihnachten wurde Jesus geboren. Am Karfreitag wurde der König der Juden an das Kreuz genagelt. Am Ostersonntag stand der, der für alle unsere Sünden gebüßt hat von den Toten wieder auf. Am Himmelfahrtstag ging er
wieder in sein Reich. Und am Pfingsttage sandte er uns seinen göttlichen Beistand, dessen Hilfe wir auch heute noch immer und immer wieder in Anspruch nehmen dürfen.

Unser einziger Beitrag besteht darin, dass wir das, was unser Herr für uns getan hat, im Glauben dankbar annehmen. Dies, liebe Gemeinde ist der einzige Weg, den wir beschreiten können, um zu Gott zu gelangen. Können wir uns eine größere Liebe vorstellen, als die Liebe Gottes zu uns ?

Daher wurde auch der Menschen Werk, der besagte Turmbau zu Babel, von Gott selber zerstört. Er tat dies nicht aus Böswilligkeit, sondern aus Liebe heraus. Aus einer Liebe heraus, die uns zeigen und demonstrieren wollte, dass dies der falsche Weg ist.

3. Die Brücke von Babel nach Pfingsten

Als die Menschen den Turm zu Babel bauten kam ihnen Gott selber dazwischen und zerstörte ihr weiteres Handeln, indem er die Sprache der Menschen verwirrte. Sprachen bis dahin alle Menschen auf der Welt eine gemeinsame Sprache, so war dies nun vorbei. Keiner verstand mehr den
anderen. Gemeinsame Projekte waren damit ab sofort gestorben. Gott macht also großes ganz ganz klein.

Doch dann kam der Pfingsttag und die Pfingstrede des Petrus, wie wir sie in der Apostelgeschichte nachlesen können. Und da geschah auf einmal das umgekehrte Wunder. Ein jeder unter den Zuhörern hörte die Botschaft in seiner eigenen Sprache. Und somit macht Gott das Kleine ganz ganz groß.

Und das macht er immer dann, wenn es um Dinge des Glaubens und der Verbreitung der frohen Botschaft geht.

Da macht Gott z.B. die Herzen von Menschen auf einmal ganz weit auf, denen die frohe Botschaft bisher eher egal gewesen ist. Da führt Gott Nationen unter seinem Kreuz zusammen, die noch vor wenigen Jahren bis auf’s Messer bewaffnet aufeinander los gegangen sind. Und da benutzt
Gott häufig kleine und unscheinbar wirkende Menschen, um sie als Baumeister in seinem Reich einzusetzen.

Und das ist auch der Ruf zu Pfingsten an uns, an einen jeden in unserer Gemeinde:
Wir sind aufgerufen mit dem Beistand des Heiligen Geistes an dem Aufbau des Reiches Gottes mitzuwirken. Natürlich reagieren wir manchmal etwas zögerlich und haben, so geht es mir jedenfalls, manchmal ein wenig Angst vor neuen und zu groß erscheinenden Aufgaben. Wenn mir das so geht erinnere ich mich immer wieder gern an die großen „Glaubenshelden“. Nur mit Gottes Hilfe konnten sie seinen Auftrag auch erfolgreich ausführen.

Denken wir nur an Mose. Mose stotterte und war demzufolge kein großer Redner. Welch gewaltigen Auftrag hat er mit Gottes Hilfe ausgeführt. König David war ein Ziegenhirte, der es Dank Gott auf den Königsthron geschafft hatte. Und was machte er als erstes. Er ging fremd mit der Frau eines seiner Untertanen und zeugte ein Kind mit ihr. Ließ Gott deshalb von ihm ab ? Nein, nach seiner Buße durfte dieser gewaltige Gottesmann weiter in seinem Dienst stehen und reichlich Frucht bringen. Und nehmen wir als Letztes den Apostel Paulus. Als Christenverfolger machte Gott ihn ganz klein. So klein, dass er erkennen konnte, dass er sich auf dem falschen Pfad befindet. Letztendlich machte ihn Gott dann auf dem richtigen Pfad ganz groß. So groß, dass wir heute die
paulinischen Briefe als zentrale Lehrthemen des Neuen Testamentes betrachten.

Und daher, liebe Gemeinde, bin ich fest davon überzeugt, dass unser Herr einen jeden von uns in seinem Dienst stärken und aufbauen will, wenn wir ihn denn nur lassen.

Wir müssen uns nur immer wieder gewiss machen, dass wir in ständiger Abhängigkeit von unserem Herrn leben und unser Werk für ihn verrichten. Dies beschreibt auch schon der Liederdichter Johann Jakob Rambach sehr schön in dem Liede „Mein Schöpfer, steh mir bei…“, dessen dritter Vers lautet, wie folgt:

Mein Tröster, gib mir Kraft, mach mich erwartungsvoll
und hilf mir zu bestehn, wo ich bestehen soll.
Mein Denken, Tun und Sagen lass mich auf Christus wagen,
dass ich mich mutig übe in wahrer Menschenliebe.
Du bist, der alles Gute schafft, mein Tröster, gib mir Kraft.

Der Herr sende herab auf Dich SEINEN Heiligen Geist, der Dir allezeit Kraft verleiht
Der Herr sende herab auf Dich SEINEN Heiligen Geist, der Dich führt und leitet
Der Herr sende herab auf Dich SEINEN Heiligen Geist, der Dir als Tröster
immer zur Seite steht

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Pfingstmontag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 5. Sonntag in der Passionszeit mit dem Namen Judika. Unseren heutigen Predigttext finden wir im 1. Buch Mose, Kapitel 22, die Verse 1-13. Während wir im Neuen Testament ja vom Leben, Leiden und Sterben unseres Herrn erfahren, deutet das gesamte Alte Testament schon auf Jesus hin. Lassen Sie uns unseren heutigen Predigttext einmal unter diesem Hintergrund lesen:

Abrahams Versuchung

Nach diesen Geschichten versuchte Gott Abraham und sprach zu ihm:
Abraham ! Und er antwortete: Hier bin ich. Und er sprach: Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du liebhast, und geh hin in das Land Morija und opfere ihn dort zum Brandopfer auf einem Berg, den ich dir zeigen werde. Da stand Abraham früh am Morgen auf und gürtete seinen Esel und
nahm mit sich zwei Knechte und seinen Sohn Isaak und spaltete Holz zum Brandopfer, machte sich auf und ging hin an den Ort, von dem ihm Gott gesagt hat. Am dritten Tage hob Abraham seine Augen auf und sah die Stätte von ferne und sprach zu seinen Knechten: Bleibt ihr hier mit dem
Esel. Ich und der Knabe wollen dorthin gehen, und wenn wir angebetet haben, wollen wir wieder zu euch kommen. Und Abraham nahm das Holz zum Brandopfer und legte es auf seinen Sohn Isaak. Er aber nahm das Feuer und das Messer in seine Hand; und gingen die beiden miteinander. Da
sprach Isaak zu seinem Vater Abraham: Mein Vater ! Abraham antwortete:
Hier bin ich, mein Sohn. Und er sprach: Siehe, hier ist Feuer und Holz; wo ist aber das Schaf zum Brandopfer ? Abraham antwortete: Mein Sohn, Gott wird sich ersehen ein Schaf zum Brandopfer. Und gingen die beiden miteinander. Und als sie an die Stätte kamen, die ihm Gott gesagt hatte,
baute Abraham dort einen Altar und legte das Holz darauf und band seinen Sohn Isaak, legte ihn auf den Altar oben auf das Holz und reckte seine Hand aus und fasste das Messer, dass er seinen Sohn schlachtete. Da rief ihn der Engel des Herrn vom Himmel und sprach: Abraham ! Abraham ! Er
antwortete: Hier bin ich. Er sprach: Lege deine Hand nicht an den Knaben und tu ihm nichts; denn nun weiß ich, dass du Gott fürchtest und hast deines einzigen Sohnes nicht verschont um meinetwillen. Da hob Abraham seine Augen auf und sah einen Widder hinter sich in der Hecke mit seinen Hörnern hängen und ging hin und nahm den Widder und opferte ihn zum Brandopfer an seines Sohnes statt.

Liebe Gemeinde,

unser heutiger Predigttext hat ja schon den stellvertretenden Opfertod eines Menschen zum Inhalt. Dank Gottes Hilfe hat Abraham seine Hand nicht an seinen Sohn Isaak gelegt, sondern stellvertretend an ein von Gott bereit gestelltes Opfertier. Und so legt Gott auch nicht Hand an
uns, sondern hat Hand an Seinen Sohn gelegt, damit dieser stellvertretend für uns, für all unsere Sünden, den Opfertod stirbt. Unser heutiger Predigttext ist ja schon recht spektakulär. Wir sollten den Text aber nicht nur vordergründig betrachten, sondern versuchen, auch zwischen den Zeilen zu lesen. Wenn wir dies tun, dann stellen wir alsbald fest, dass unser Text ja auch von den großen beiden christlichen Kardinaltugenden berichtet. Diese sind:

1. Gehorsam

Wenn wir uns Abraham einmal etwas näher anschauen, dann stellen wir bei ihm einen absoluten Gehorsam fest. Gott spricht zu Abraham und Abraham tut genau das, was ihm Gott befiehlt. Das klingt sehr logisch, aber tun wir das eigentlich heute auch noch ? Wie oft kochen wir doch unser
eigenes Süppchen. Und wenn selbige dann angebrannt ist, ja, liebe Gemeinde, dann ist Holland in Not. Dann wird als erstes einmal Gott für die ganze Misere verantwortlich gemacht. Es ist so, und damit müssen wir uns abfinden, die Welt lebt größtenteils ohne Gott und zieht Ihn nur noch aus der Hutschachtel, wenn sie einen Sündenbock benötigt.

Wir sind ja auch alle so abgeklärt und so allwissend, dass wir Gott gar nicht mehr benötigen. Daher haben ja auch Kruzifixe in Klassenzimmern nichts mehr zu suchen. Gott war gestern, heute zählen die Wissenschaften mit all ihren Erkenntnissen. Und das stimmt ja auch. Wir können alles
berechnen, jedes Risiko kalkulieren und alle möglichen Reaktionen vorhersagen. Ja, liebe Gemeinde, so hätten wir es gern. Und doch genügt ein Blick nach Japan, der uns zeigt, dass wir rein gar nichts berechnen können. Eine simple Naturgewalt reicht aus und schon ist sie da, die Atomkatastrophe. Wir müssen es einmal an dieser Stelle zugegeben: Wer nicht mit Gott rechnet, der hat sich gewaltig verrechnet und dessen Rechnung geht nicht auf.

Gerade solche Ereignisse zeigen uns doch, dass wir wieder die Schulbank drücken müssen, die Schulbank bei unserem Herrn. Wir müssen wieder den Gehorsam lernen, den uns schon Abraham vorgelebt hat. Wenn man von anderen etwas lernen will, dann muss man sein Verhalten nach deren
Vorbild ausrichten. Was hat uns denn nun Abraham voraus ? Nun, das lesen wir sogleich im ersten Satz unseres Predigttextes. Gott sprach und Abraham hörte. Wenn Gott spricht, dann müssen wir ganz stille sein und unsere inneren Antennen allein auf Gott ausrichten. Das geht aber nur dann, wenn wir auch wirklich hören. Wenn wir uns permanent mit allem möglichen ablenken, dann geben wir Gott ja gar keine Möglichkeit zu uns durchzudringen.

Am besten lernen wir, auf Gott zu hören, wenn wir immer wieder einmal alles um uns herum ausblenden und uns einfach Zeit für Gott nehmen. „Mensch, nimm dich nicht so wichtig, nimm dir Zeit für Gott“ so lautete ein Spruch der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Und da ist etwas
dran. Wir sind nicht der Mittelpunkt der Welt, sondern Gott. Wenn wir dies im Glauben annehmen und uns in die Stille begeben, dann bin ich sicher, werden wir wieder Gottes Stimme klar und deutlich hören können. Zum Gehorsam gehört aber nicht nur das Aufnehmen der Botschaft, sondern
auch die Umsetzung derselben.

Natürlich wird uns Gott nicht auffordern, unsere Kinder auf dem Altar zu opfern. Gott wird uns auch nicht zu anderen Straftaten auffordern, aber es kann sein, dass Er etwas mit uns vorhat, was wir im Moment noch nicht verstehen können. Wenn Er uns dann auf unsere Reise schickt, dann sollen wir diese antreten und dabei die zweite christliche Kardinaltugend zeigen, nämlich

2. Vertrauen

Ich denke, alle von uns sind schon einmal mit dem Flugzeug geflogen oder mit der Bahn gefahren. Ich nehme weiterhin an, dass keiner von uns auf die Idee gekommen ist, und wollte sich von dem Piloten die Fluglizenz oder von dem Lokführer die Führerlizenz zeigen lassen. Wir sind in das Flugzeug oder die Bahn eingestiegen und haben ganz einfach demjenigen vertraut, der dieses Verkehrsmittel fliegt, bzw. fährt. Voller Vertrauen haben wir uns von A nach B bringen lassen in der festen Gewissheit, dass wir wohlbehalten an unserem Ziele ankommen.

Nun haben wir ja auch für unser Leben einen Flugkapitän. Dieser Flugkapitän heißt Jesus. Vertrauen wir Ihm genau so, wie dem Lokführer oder dem Flugkapitän ? Ich fürchte, die Antwort heißt nein. Es ist doch vielmehr so, dass wir irgendwann einmal die Entscheidung für Jesus
getroffen haben. In diesem Moment haben wir Ihm die gesamte Führung unseres Lebens übergeben.

Und dann kamen sie auf einmal, die kleinen Ungereimtheiten des Lebens.
Anfangs haben wir noch voller Vertrauen auf unseren Herrn geschaut. Aber als dann die Wogen immer höher schlugen, da war sie auf einmal wieder da. Diese innere Stimme, die da sagt: Du bist für dein Leben alleine verantwortlich, also tu endlich etwas. Und in aller Regel haben wir dies
auch getan. Natürlich ging dann alles schief, wie alles schief gehen muss, wenn man gegen Gottes Pläne arbeitet.

Werfen wir einen Blick auf Abraham. Was Gott von Abraham verlangte, war schon allerhand. Aber Abraham vertraut Gott. Er macht genau das, was Gott von ihm erwartet. Er geht den Weg, der ihm anbefohlen ist, auch wenn das Ende gar grausam ausschaut. Trotzdem vertraut Abraham darauf,
dass Gott alles richtig macht. Unser Predigttext will uns mit diesem Beispiel aufzeigen, dass Gott auch bei uns ist, wenn für uns die Not am größten ist. Gerade dann sollen wir eben nicht unsere eigenen Wege gehen, sondern all unser Vertrauen auf IHN setzen.

Liebe Gemeinde, und auch dies müssen wir wieder lernen. Wir müssen wieder lernen unser Vertrauen allein auf den zu setzen, der Himmel und Erde gemacht hat. Und der, der Himmel und Erde geschaffen hat, dem dürfen wir ruhig dahingehend vertrauen, dass Er auch unser Schicksal zum Besten wenden wird. Vertrauen wir ganz einfach wieder darauf, dass Gott keine Fehler macht.

3. Gott hilft spätestens rechtzeitig

Wir haben uns heute morgen ein wenig mit den beiden großen christlichen Kardinaltugenden beschäftigt. Lassen Sie mich kurz noch ein Drittes sagen. Gott hat nicht nur Himmel und Erde geschaffen, sondern Er hält auch die Zeit in Seinen Händen. Vertrauen zu lernen und Gehorsam zu üben beinhaltet auch den Zeitfaktor. Je dringender wir eine Lösung benötigen, je eher sind wir versucht, Gott die Pilotenmütze aus der Hand zu nehmen, um selber wieder hinter dem Steuerknüppel Platz zu nehmen.

Und auch hier dürfen wir einen abschließenden Blick auf Abraham werfen.
Buchstäblich in letzter Sekunde griff Gott in das Geschehen ein. Bis zu diesem Punkt ist Abraham treu seinen Weg mit Gott gegangen. Und das erwartet unser Herr auch heute noch von uns. Wenn auch tausend fallen zu deiner Seite und zehntausend zu deiner Rechten, so wird es doch dich
nicht treffen. So lautet der 7. Vers des 91. Psalmes. Diese treue Zuversicht des Psalmbeters sollte uns allen wieder ein Vorbild sein für unseren Weg mit Gott.

Egal, was auch geschieht, egal, wie mächtig unsere Gegner sind, egal, wie aussichtslos unsere Lage zu sein scheint, Gott hilft spätestens rechtzeitig. Und bis es soweit ist, liebe Gemeinde, sollen wir ganz einfach und treu unseren Dienst versehen. Abschließend sei mir noch ein Hinweis gestattet: So manches Magengeschwür und so manche depressive Verstimmung ließe sich vermeiden, wenn wir wieder dem Beispiel Abrahams folgen würden. Ich lade Sie ein, heute Nachmittag einmal in aller Ruhe über diesen letzten Absatz nachzudenken. Ich verspreche Ihnen, es lohnt sich.

Machen wir es doch so, wie der Liederdichter Ludwig Helmbold es in dem ersten Vers seines Liedes: „Von Gott will ich nicht lassen…“ beschreibt, der da lautet, wie folgt:

Von Gott will ich nicht lassen,
denn er lässt nicht von mir,
führt mich durch alle Straßen,
da ich sonst irrte sehr.
Er reicht mir seine Hand,
den Abend und den Morgen
tut er mich wohl versorgen,
wo ich auch sei im Land.

Der Herr nehme Dich an Seine liebende Hand und lehre Dich, auf IHN und SEIN Wort zu hören
Der Herr halte Dich fest in SEINEM Arm und lehre Dich, auf IHN allein zu vertrauen
Der Herr halte schützend SEINE Hand über Dich, damit Du Dich allein bei
IHM geborgen fühlst

Amen.

Liebe Gemeinde,

Vertrauen ist nicht nur eine christliche Kardinaltugend. Wie wäre es, wenn unsere Welt nicht immer nur von Misstrauen regiert würde, sondern wir wieder einander vorbehaltlos vertrauen würden. Am Besten fangen wir gleich heute an, einander wieder mehr zu vertrauen. Wenn wir damit beginnen, dann wird dies bestimmt weitreichende Folgen haben. Vertrauen wir einfach darauf.

Ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen ersten Sonntag in der Passionszeit mit dem Namen Invokavit. In der Passionszeit gedenken wir ja alljährlich des Leidens und des Sterbens unseres Herrn. Warum er überhaupt leiden und sterben musste, dies erfahren wir in unserem heutigen Predigttext.
Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im 1. Buch Mose, Kapitel 3, die Verse 1-19. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Der Sündenfall

Aber die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der Herr gemacht hatte, und sprach zu dem Weibe: Ja, sollte Gott gesagt haben: ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten? Da sprach das Weib zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet !

Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esset, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist. Und das Weib sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon, und er aß. Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan, und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze. Und sie hörten Gott den Herrn, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war. Und Adam versteckte sich mit seinem Weibe vor dem Angesicht Gottes des Herrn unter den Bäumen im Garten.

Und Gott der Herr rief Adam und sprach zu ihm:
Wo bist du? Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich. Und er sprach: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du nicht gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot, du solltest nicht davon essen? Da sprach Adam: Das Weib, das du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum, und ich aß. Da sprach Gott der Herr zum Weibe: Warum hast du das getan? Das Weib sprach: Die Schlange betrog mich, so dass ich aß.

Da sprach Gott der Herr zu der Schlange: Weil du das getan hast, seist du verflucht, verstoßen aus allem Vieh und allen Tieren auf dem Felde. Auf deinem Bauche sollst du kriechen und Erde fressen dein Leben lang. Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deinem Nachkommen und ihrem Nachkommen; der soll dir den Kopf zertreten, und du wirst ihn in die Ferse stechen. Und zum Weibe sprach er: Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst; unter Mühen sollst du Kinder gebären. Und dein Verlangen soll nach deinem Manne sein, aber er soll dein Herr sein. Und zum Manne sprach er: Weil du gehorcht hast der Stimme deines Weibes und gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot und sprach: du sollst nicht davon essen, verflucht sei der Acker um deinetwillen ! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen. Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.

Liebe Gemeinde,

wenn ich Bilder über den Sündenfall betrachte, dann steht dort zumeist die unbekleidete oder spärlich bekleidete Eva mit einem Apfel. Dieses Bild zieht sich durch die Jahrhunderte hindurch. Der Biss in den Apfel führte zur Vertreibung aus dem Paradiese. War das wirklich der Hauptgrund für den Ausschluss aus dem Garten Eden oder steckt vielleicht doch noch ein wenig mehr dahinter ? Ich persönlich glaube, dass der Biss in die Frucht ein Synonym für drei, ich möchte einmal sagen, Hauptsünden darstellt, die uns ungeeignet machen für ein Leben in der Gegenwart Gottes. Lassen Sie uns über diese drei Sünden am heutigen Sonntag ein wenig intensiver nachdenken.

1. Ungehorsam

Gott möchte von uns Gehorsam. Ich meine nicht das Befehl- und Gehorsam- Modell der Bundeswehr. Dies ist ja ein System, welches immer wieder missbraucht worden ist. Aber Gott als der Schöpfer des Himmels und der Erde und auch als Schöpfer des Menschen, wird Seine Schöpfung und Seine Geschöpfe niemals missbrauchen.

Was man selber erschaffen hat, da steckt doch das eigene Herzblut drin.
Denken wir doch nur einmal an unsere eigenen Kinder. Gott liebt Seine Geschöpfe über alles und deshalb will Er auch nur das Beste für sie. Das klappt aber nur dann so richtig, wenn die Geschöpfe auch genau auf Sein Wort hören und dieses auch so umsetzen, wie Gott es ihnen gesagt hat.

Dieses Wort des heiligen Gottes sollen wir auch nicht hinterfragen oder so auslegen, dass schlussendlich genau das Gegenteil von dem dabei herauskommt, was eigentlich gemeint war.

Sollte sich uns jemand nähern mit den Worten „Sollte etwa Gott gesagt haben…“ dann sollen wir uns damit gar nicht auseinandersetzen, sondern allein dem Wort Gottes folgen. Nur dieser Weg kann uns retten, alle anderen Wege führen, auch wenn es anfangs nie so scheint, in die ewige Verdammnis.

Mit Menschen, die das Wort Gottes den jeweiligen Bedürfnissen entsprechend anpassen, kann Gott leider nichts anfangen. Das klingt hart, aber Gott ist ja auch nicht der liebe gute alte Opa, der alles
durchgehen lässt.

2. Versuchung

Gott zeigt uns ja den rechten Weg, den wir gehen sollen. Wenn dann jemand versucht, uns von dem rechten Wege abzubringen, dann führt er uns in der Tat in Versuchung. Und auch hier sagt uns Gott, dass wir es gar nicht erst soweit kommen lassen dürfen.

Satan, wie er in unserem Predigttext als Schlange dargestellt wird, führt uns ja nicht mit dem Holzhammer in Versuchung. Nein, liebe Gemeinde, die satanische Versuchung ist so geschickt, dass wir sie gar nicht bemerken oder erst dann, wenn es schon zu spät ist.

Geld, Wohlstand und Anerkennung sind übrigens probate Mittel, mit welchen es dem Teufel immer wieder gelingt, seine Opfer zu betören. Da ist vielleicht der Wunsch nach einem neuen Auto vorhanden, welches man sich eigentlich nicht leisten kann. Man muss nur die Spesenabrechnung
ein wenig „frisieren“ und schwupps ist die Anzahlung für das neue Gefährt schon da. Dann kommen aber noch die monatlichen Raten hinzu. Ein paar falsche Angaben und schon bekommt man von dem Finanzamt einen schönen Batzen der bereits entrichteten Steuer zurück erstattet. Dieser
Fall ist tatsächlich so in der Nähe meiner Heimatstadt abgelaufen. Bis gerade eben ging ja auch noch alles gut. Wir müssen uns nur immer wieder vor Augen führen, dass Satan eben nicht das Beste für uns möchte, sondern dass er nur eines möchte, uns in das ewige Verderben zu führen.

So erging es auch dem jungen Mann aus meiner Heimat. Eines Tages fiel der Spesenbetrug natürlich auf, die Arbeitsstelle war weg und das Finanzamt hatte urplötzlich auch noch den richtigen Riecher, dass etwas mit den Steuererklärungen nicht stimmte. Eine Bewährungsstrafe und eine
private Insolvenz waren das Ergebnis eines kleinen Wunsches.

Übrigens: Auch uns als standfeste Christen hat Satan nach wie vor im Visier. Gerade wir sollten unsere Antennen stets ausgefahren lassen und immer wieder überprüfen, ob wir noch auf dem rechten Wege sind. Dabei helfen uns übrigens „Gottes Angebote für ein glückliches Leben “
(natürlich sind hier die zehn Gebote gemeint), das tägliche Studium der Bibel und das tägliche Gespräch mit unserem Herrn.

3. Schuldverschiebung

Das fängt im Kindergarten an und hört selbst im Altenheim nicht auf. Schuld, wenn etwas so richtig in die Hose gegangen ist, sind eigentlich immer die anderen.

Als friedliebende Wesen, die wir nun einmal alle sind, würde es uns nicht im Traum einfallen, mit unseren Mitmenschen zu streiten. Und da wir sowieso perfekt sind, passieren uns auch keine Fehler. Diese machen immer nur die anderen.

Auf diese Art und Weise versuchte auch Adam, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Damit kam er bei Gott natürlich nicht durch.

Und bis zum heutigen Tage ist dies auch so geblieben. Mit diesen Strategien kommen wir bei Gott nicht durch. Uns es geschah, was unweigerlich geschehen musste. Adam und Eva flogen achtkantig aus dem Paradies heraus. Und da war für sie für immer zu die Tür zum Paradiese.

4. Der Weg zurück

Auch wenn wir es eigentlich nicht verstehen können, obwohl wir von Grund auf sündige Menschen sind, werden wir dennoch von Gott geliebt. Gott sehnte sich so sehr nach uns, dass ER selber einen Weg gefunden hat, wie wir wieder Gemeinschaft mit IHM haben können. In Seinem Sohne Jesus
Christus büßte ER für all unsere Sünden am Kreuz, damit wir straflos davonkommen können.

Karfreitag und Ostern sind nichts anderes als die Selbstaufopferung eines liebenden Gottes, der den denkbar schwersten Weg gehen musste, um uns den Weg zurück zu IHM zu ermöglichen. Gott musste sterben, damit wir wieder mit IHM leben können.

Mit dem Tode unseres Herrn am Kreuz und Seinen Worten „Es ist vollbracht“ war die Tür zum Paradies nicht mehr geschlossen, sondern nur noch angelehnt. Indem wir Ihm unsere Sünden bekennen und diese natürlich auch bereuen, dürfen wir die angelehnte Tür aufschieben und wieder
Gemeinschaft mit Ihm haben.

Hier auf Erden schieben wir diese Tür natürlich nur mit unserem Herzen auf, sodass der Herr Jesus bei uns Einzug halten kann. Wenn wir dereinst diese Erde verlassen, dann schieben wir diese Tür persönlich auf und treten ein in die ewige Gemeinschaft mit unserem Herrn.

Natürlich ist die Passionszeit eine Zeit des Gedenkens an Jesu Leiden und Seinen stellvertretenden Opfertod. Wir dürfen bei all der Trauer aber niemals das Ergebnis aus den Augen verlieren, nämlich, dass am Ende der Ostersonntag steht.

Friedrich von Bodelschwingh hat im Jahre 1938 ein Passionslied geschrieben, das sowohl den ernsten, als auch den hoffnungsvollen Teil dieser Zeit sehr schön zum Ausdruck bringt. In dem dritten Vers seines Liedes „Nun gehören unsre Herzen…“ heißt es sehr schön, wie folgt:

Schweigen müssen nun die Feinde
vor dem Sieg von Golgatha.
die begnadigte Gemeinde
sagt zu Christi Wegen: Ja !
Ja, wir danken deinen Schmerzen;
ja, wir preisen deine Treu;
ja, wir dienen dir von Herzen;
ja, du machst einst alles neu.

Der Herr gebe Dir ein gehorsames Herz, welches allein auf SEIN Wort hört
Der Herr gebe Dir einen starken Geist, der den Versuchungen Satans nicht erliegt
Der Herr sende auf Dich herab SEINEN Heiligen Geist, damit ER in Dir wirken kann

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen noch einen besinnlichen ersten Sonntag in der Passionszeit.
Lassen Sie uns nicht all zu traurig diese Zeit begehen.
Blicken wir doch mit einem Auge auch schon auf den Ostersonntag.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen letzten Sonntag nach Epiphanias.
Das Thema unseres heutigen Predigttextes ist ein Thema, welches uns alle ganz besonders angeht, nämlich das Thema der Berufung. Ich fühle mich hierzu und dazu berufen, das sind allgemeine Aussagen, die wir immer mal wieder in den Mund nehmen. Aber hier ist etwas anderes gemeint. In unserem heutigen Predigttext geht es darum, was geschieht, wenn Gott einen Menschen in Seinen Dienst beruft. Eine der bekanntesten Berufungsgeschichten in der Bibel ist die Berufung des Mose. Wir finden den dazu passenden Text im 2. Buch Mose, Kapitel 3, die Verse 1-10.
Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Moses Berufung

Mose aber hütete die Schafes Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe über die Steppe hinaus und kam an den Berg Gottes,den Horeb. Und der Engel des Herrn erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde. Da sprach er: Ich will hingehen und die wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt. Als aber der Herr sah, dass er hinging, um zu sehen, rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose, Mose ! Er antwortete: Hier bin ich. Gott sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land !

Und er sprach weiter: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Und Mose verhüllte sein Angesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen. Und der Herr sprach: Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen und ihr Geschrei über ihre
Bedränger gehört; ich habe ihr Leiden erkannt. Und ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie herausführe aus diesem Lande in ein gutes und weites Land, darin Milch und Honig fließt, in das Gebiet der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter. Weil denn nun das Geschrei der Israeliten vor mich gekommen ist und ich dazu ihre Not gesehen habe, wie die Ägypter sie bedrängen, so geh nun hin, ich will dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Israeliten aus Ägypten führst.

Liebe Gemeinde,

es ist also schon recht spektakulär was Sie soeben gehört haben. Ein brennender Dornbusch, ein Engel, der Mose erscheint und Gott der direkt mit Mose spricht. Lassen wir das spektakuläre Moment doch ein wenig beiseite und schauen wir uns gemeinsam an, was quasi im Hintergrund
geschieht, wenn Gott einen Menschen in Seinen Dienst beruft. Jetzt werden sich Viele sicherlich fragen: Warum sollte dieses Thema für mich interessant sein ? Nun, ich denke aus zwei Gründen.

1. Drei „Prüfkriterien“ können uns helfen zu entscheiden ob es wirklich Gott ist, der uns in Seinen Dienst beruft, oder ob es eher unser Wunschdenken ist und

2. Anhand der gleichen Prüfkriterien können wir einigermaßen sicher beurteilen, ob ein Mensch der behauptet, von Gott berufen worden zu sein, dies tatsächlich auch ist. Natürlich können wir niemals mit 100 % iger Gewissheit ein „Ja“ oder ein „Nein“ erreichen, aber wir können z.B. unsere Berufung mit den großen Berufungsgeschichten der Bibel vergleichen. Was ist denn nun das Besondere an der Berufung durch unseren Herrn ?

1. Die Ansprache

Viele Menschen die Gott beruft, stellt Er zunächst an die Seite, lässt sie zur Ruhe kommen und spricht sie dann direkt an. Gottes Töne sind immer leise Töne, die wir in der Hektik des Alltages schnell überhören. Da Gott kein hektischer, permanent brüllender Choleriker ist, muss Er den Menschen also zunächst in eine Situation stellen, in welcher er Seine Stimme hören kann.

Wenn wir uns die Vorgeschichte von Mose anschauen, so war diese schon recht turbulent. Wenn man den ersten Teil des Lebensweges von Mose betiteln müsste, so fällt mir dazu ein: Vom Findelkind zum Millionär. Und so war es in der Tat auch. Bis zu dem Tag, da Mose zum Mörder wurde und aus seinem Heimatland fliehen musste, um sein nacktes Leben zu retten. Fortan verdingte er sich als Schafhirte bei seinem Schwiegervater. Heutzutage würde man sagen: Totaler sozialer Absteiger. Und jetzt halten wir alle mal einen Moment inne:
Diesen Versager und Mörder beruft Gott in seinen Dienst.

Noch zwei weitere Beispiele gefällig ? Denken wir an David, der seinen Nebenbuhler durch einen Auftragsmord aus dem Weg räumte. Oder denken wir an Paulus, der als erfolgreichster Christenverfolger seiner Zeit galt. Gott sieht also nicht auf unser Führungszeugnis. Gott sieht ganz tief in unser Herz hinein, so tief, wie wir selber gar nicht schauen können. Also seien wir nicht so vorschnell mit unseren Urteilen über eine Berufung in den Dienst des Herrn hinein, was die jeweilige Person angeht.

Wir sind ja gern und schnell dazu bereit, uns selber zu berufen. Wie war das hingegen bei Mose ? Mose war verheiratet und bei seinem Schwiegervater als Schafhirte angestellt. Für einen Mörder auf der Flucht eigentlich doch ein recht beschauliches Leben. Und aus dieser Bequemlichkeit heraus beruft Gott den Mose. Wenn wir die Berufungsgeschichten der Bibel und die der großen Erweckungsprediger lesen, dann wurde ihr Leben erst dann so richtig unbequem, nachdem sie Gott in Seinen Dienst berufen hatte.

2. Die Aufgabe

Mose hatte sich also gerade mit seinem Leben arrangiert und wir dürfen davon ausgehen, das er so recht zufrieden lebte. In Deutschland würde man sagen: Er hatte einen festen Arbeitsplatz mit geregelter 35 Stunden Woche, 5 Tage Woche und regelmäßig freie Wochenenden.

Und in diese Bequemlichkeit hinein erhält Mose von Gott seine Berufung und eine gewaltige Aufgabe. Er, der einfache Schafhirte, soll Sein Volk aus Ägypten befreien. Stellen wir uns doch in der heutigen Zeit einmal vor, der Vorstand der Deutschen Bank würde den Hausmeister zum Vorstandsvorsitzenden berufen. Das würde natürlich niemals gut gehen.

Aber in Gottes Reich gelten eben andere Gesetze. Gott beruft nicht die besonders fähigen Menschen, sondern Er stattet die Menschen mit besonderen Fähigkeit aus, die Er in Seinen Dienst beruft. Wenn wir den heutigen Predigttext weiter lesen, dann erfahren wir auch, dass Mose die ganze Sache nicht besonders geheuer war. Er meldete aus seiner Sicht gesehen schon begründete Zweifel bei Gott an. Angesichts der Aufgabe, die ihm gestellt wurde, war dieses Vorgehen sicherlich nachvollziehbar. Ich glaube, ich würde nicht anders handeln.

Aber letztendlich konnte er nicht anders, als dem Wort Seines Herrn zu gehorchen. Wenn Gott uns vor scheinbar unlösbare Aufgaben stellt, dann ist es ganz wichtig, dass wir Ihm allein unser volles Vertrauen schenken und alle Zweifel ablegen.

3. Die Sendung

Mit der Ansprache und mit der Aufgabe allein ist es nicht getan. Jetzt kommt der eigentlich unangenehme Teil. Wir müssen uns nämlich in Bewegung setzen, um unsere Aufgaben zu erfüllen. Eines habe ich in meinem Leben immer wieder erlebt: Gott beruft uns nicht dazu zu Hause auf dem Sofa zu sitzen.

Bei einer göttlichen Berufung ist es ja nicht so, dass wir diese erhalten, in die Welt gesandt werden und nach ca. 5 Jahren schaut Gott mal wieder vorbei und erkundigt sich, wie wir denn so zurecht gekommen sind.

Wen Gott beruft, den begleitet Er auch auf dem gesamten Wege Seiner Berufung. Häufig geht Er ihm immer einen Schritt voraus und räumt Hindernisse aus dem Weg. Denken wir nur an die vielen Hindernisse, die Gott dem Mose aus dem Wege geräumt hat.

Und selbst dann, wenn wir wortwörtlich mit unserem Latein am Ende sind, dann greift Gott ein und hilft uns, den richtigen Weg wieder zu sehen. Gerade in den Zeiten, wo eben nicht alles glatt läuft, dürfen wir uns darauf verlassen, dass Gott vor uns herläuft, um Hindernisse aus dem Weg zu räumen, dass Er stets hinter uns steht, damit uns keiner in den Rücken fallen kann und dass Er Seine Hand stets unter uns hält, damit wir niemals tiefer als in Seine liebende Hand fallen können.

Er möchte uns natürlich auch durch Seinen Zuspruch stärken. Den erhalten wir immer dann, wenn wir Kontakt mit Ihm aufnehmen. Und wenn wir die Geschichte von Mose weiterlesen, dann können wir uns persönlich von Gottes Handeln, wie eben gesagt, überzeugen.

Übrigens: Den direkten Draht, den Mose zu Gott hatte, den haben wir auch heute noch. Wir müssen ihn nur nutzen. Und wenn wir dann noch zur Kenntnis nehmen, dass alle anderen Berufungserlebnisse ähnlich verlaufen sind, dann dürfen wir uns auf unsere ganz persönliche Berufung aus tiefstem Herzen freuen.

Dass ein Leben in der Berufung nur dann wirklich gelingen kann, wenn es von vollkommener Hingabe begleitet wird, das erkannte auch schon der Liederdichter Gerhard Tersteegen. In seinem bekannten Liede „Ich bete an die Macht der Liebe…“ beschreibt er dies sehr schön, wie folgt:

Ich bete an die Macht der Liebe,
die sich in Jesus offenbart;
ich geb mich hin dem freien Triebe,
wodurch ich Wurm geliebet ward:
ich will, anstatt an mich zu denken,
ins Meer der Liebe mich versenken.

Der Herr lasse Dich Deine Aufgabe erkennen, mit der Du IHM dienen kannst
Der Herr stärke Dich, damit Du diesen Dienst kraftvoll zu SEINER Ehre ausüben kannst
Der Herr zeige Dir immer wieder SEINEN Weg, wenn Dein Weg nicht mehr weiter zugehen scheint

Amen

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 2. Sonntag nach Epiphanias.
Während das Evangelium für den heutigen Sonntag das erste Wunder Jesu zum Inhalt hat, beschäftigt sich der heutige Predigttext mit etwas wunderbarem, nämlich der Liebe Gottes zu denen, die vor Seinen Augen Gnade gefunden haben. Wir finden den Predigttext für den heutigen
Sonntag im 2. Buch Mose, Kapitel 33, die Verse 17-23. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Der Herr sprach zu Mose: Auch das, was du gesagt hast, will ich tun;
denn du hast Gnade vor meinen Augen gefunden, und ich kenne dich mit Namen. Und Mose sprach: Lass mich deine Herrlichkeit sehen ! Und er sprach: Ich will vor deinem Angesicht all meine Güte vorübergehen lassen und will vor dir kundtun den Namen des Herrn. Wem ich gnädig bin, dem
bin ich gnädig, und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich. Und er sprach weiter: Mein Angesicht kannst du nicht sehen; denn kein Mensch wird leben, der mich sieht. Und der Herr sprach weiter: Siehe, es ist ein Raum bei mir, da sollst du auf dem Fels stehen. Wenn dann meine Herrlichkeit vorübergeht, will ich dich in die Felskluft stellen und meine Hand über dir halten, bis ich vorübergegangen bin. Dann will ich meine Hand von dir tun, und du darfst hinter mir her sehen; aber mein Angesicht kann man nicht sehen.

Liebe Gemeinde,

wie unterscheidet sich eigentlich ein gottgefälliges Leben von einem Leben, das sich entscheidet, ohne Gott zurecht zu kommen ? Ich glaube, es sind drei Punkte, auf die uns der heutige Predigttext hinweist. Lassen Sie uns diese drei Punkte ein wenig näher betrachten.

1. Gnade

Gleich zu Beginn erfahren wir, dass Mose Gnade vor Gottes Augen gefunden hatte. Wie auch wir Gnade vor unserem Herrn finden dürfen, indem wir Sein Gnadenangebot, welches Er uns in Jesus Christus angeboten hat, annehmen, so hatte also auch Mose Gnade vor den Augen Gottes gefunden.
Nun war aber Mose in seiner Jugend nicht gerade das, was man als einen unbescholtenen Bürger bezeichnen könnte. Viel schlimmer noch, er war ein Mörder auf der Flucht bis, ja bis ihn Gott in Seinen Dienst berief.

Und auch diese Berufung verlief nicht ohne den Widerstand des Mose.
Bevor er seinen Dienst aufnahm kam so einiges an Gegenargumenten, warum er eben doch nicht der rechte Mann für diesen „Gottesdienst“ sei. Aber dann, und das ist das Entscheidende, hat er seinen Widerstand aufgegeben und ist den Weg gegangen, den Gott für ihn vorgesehen hatte. Obwohl dieser Weg mehr als steinig war und immer wieder von scheinbaren Misserfolgen durchkreuzt wurde, hielt Mose an den Verheißungen seines Herrn fest.

Ich bin mir sicher, wir alle hätten schon viel eher die Flinte in’s Korn geworfen. Nicht so aber Mose. Und gerade diese Treue und dieser Gehorsam und diese Beharrlichkeit in der Ausübung seines Dienstes zeichneten Mose aus, sodass er auch auf Grund dieser Eigenschaften Gnade vor den Augen des Herrn gefunden hatte. Übrigens wir reden hier nach wie vor von Gnade. Mose war genauso wenig gerecht vor Gott, wie wir es sind. Diese Sünden wurden ihm hingegen nicht angerechnet, sondern vergeben. Hier sehen wir einen deutlichen Hinweis, wie das Alte Testament schon auf das Gnadenwerk des kommenden Gottessohnes hinweist. Welche Auswirkungen hat
eigentlich die Gnade, die auch wir erlangen können, bereits hier auf Erden?

2. Gott ist spürbar

Jedem von uns, der sich und sein Leben dem Herrn Jesus Christus anvertraut, hat Er ja die Verheißung gegeben: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Alle Tage heißt also nicht erst in der Stunde unseres Todes oder gar erst im Himmel. Nein, alle Tage bezieht sich insbesondere auf den heutigen Tag, auf den heutigen Sonntag, den 16.01.2011. Genau an dem heutigen Tage dürfen wir uns der Gegenwart unseres Herrn gewiss sein. Wenn wir heute zusammensitzen und Ihn anbeten dann dürfen wir darauf vertrauen, dass Er mitten unter uns ist.

Gott ist ja kein Gott der Toten, sondern der Lebenden. Dies lesen wir bereits im Alten Testament und die Auslegung erfahren wir direkt von unserem Herrn im Neuen Testament. Genau dieser Herr, der schützend Seine Hand auf Mose legte, genau dieser Herr möchte auch heute noch einem jeden von uns Seine schützenden und liebenden Hände anbieten. Wir müssen dieses Angebot nur ehrlichen Herzens annehmen.

Wenn wir uns die Bücher Mose einmal in Ruhe durchlesen, dann finden wir an vielen Stellen direkte Gespräche zwischen Gott und Mose. Mal beschwert sich Mose über das Volk, welches er aus Ägyptenland herausgeführt hat, mal bittet er Gott inständig, Er möge das ein oder andere Unheil nicht über dieses Volk kommen lassen. Und dann erlebt Mose immer wieder, wie seine Gebete erhört werden. Er spürt und fühlt, wie Gott direkt auf die Gebete antwortet.

So, wie Mose zu Gott redet, so redet man ja nur mit jemandem, dessen Gegenwart man sich auch gewiss ist. So möchte auch Gott, dass wir wieder mit Ihm reden. Er ist ja da, nur eben für unsere Augen nicht sichtbar. Aber wenn wir mit jemandem telefonieren ist es im allgemein ja auch so,
dass wir diese Person nicht sehen. Wenn Sie mit einem Freund telefonieren und ihm immer wieder die gleichen wohlformulierten Floskeln mitteilen, dann wird er sicherlich irgendwann den Hörer entnervt auf die Gabel knallen. Und solche Gebete erwartet auch unser Herr nicht von uns.
Nein, unser Herr möchte, dass wir mit allem, was uns auf dem Herzen brennt so zu Ihm kommen, wie wir es auch tatsächlich fühlen. Wenn wir wieder lernen offenen und ehrlichen Herzens mit unserem Herrn zu reden, dann werden wir auch heute im Jahre 2011 immer wieder die Antwort auf
unsere Gebete spüren dürfen.

Gerade in schwierigen Situationen, wenn wir selber Gott nicht mehr festhalten können, dann hält Er uns ganz fest in Seinen Armen. Darauf dürfen wir uns als Christen verlassen. Das macht auch einen wesentlichen Unterschied zu einem Nichtchristen aus. Der Nichtchrist ist gerade in den schwierigsten Momenten seines Lebens ganz allein auf sich gestellt. Gerade in den Momenten, wo ihm kein menschliches Wesen mehr helfen kann, steht er ganz allein da. Und deshalb fordert uns auch Gott auf, wir sollen hinausgehen und alle Welt zu Seinen Jüngern machen.
ER möchte, dass allen Menschen geholfen werde.
ER möchte nicht, dass auch nur ein Mensch verloren geht.
Und dazu benutzt ER uns.

3. Der Rückblick

Seinen Kindern schenkt Gott einen dankbaren Blick auf vergangene Tage.
So, wie Mose Gott hinterher schauen durfte, so dürfen wir auch hinter Gottes Wirken herschauen. Wir dürfen erkennen, wie Gott in unserem Leben gewirkt hat.
Wir dürfen erkennen, wo ER uns getragen hat, wo ER uns vor großem Unglück bewahrt hat oder wo ER uns durch tiefes Leid hindurch geführt hat.

Dieses Erkennen stärkt uns auch für die Zukunft. Wir tanken durch diese Erkenntnisse nicht jede Menge Selbstvertrauen. Wer darauf hofft, der ist bei Gott an der falschen Adresse. Wir tanken durch diese Erkenntnisse jede Menge Gottvertrauen. Wir tanken ein Vertrauen, dass uns gewiss macht, dass DER Gott, der uns in der Vergangenheit behütet hat, dies auch mit Sicherheit in der Zukunft tun wird.

Ich kannte eine ältere Dame, die nun schon bei unserem Heiland ihre Wohnung hat, welche ein besonderes Schicksal durchlebt hat. Als Mutter von vier Kindern erhielt sie die Nachricht, dass ihr Mann im zweiten Weltkrieg gefallen war. Kurz darauf wurde ihr kleines Häuschen von feindlichen Bomben zerstört. Mittellos und ohne Geld stand sie vollkommen verloren mit ihren Kindern auf der Straße. Als Christin vertraute sie dennoch ihrem Herrn. Natürlich sagte sie, habe ich IHN gefragt, warum ER eine so harte Sprache mit mir spricht. Die Antwort sollte sie bald erhalten. Als gelernte Schneiderin hielt sie sich und ihre Kinder so gerade über Wasser bis sie ihr eigenes Unternehmen gründete. Das war schon recht mutig, drang sie doch als Frau in eine Männerdomäne ein, wo
man sich schon behaupten musste. Aber so sagte sie einmal : Gott hat mich nie im Stich gelassen und daher vertraue ich IHM und Seinen Zusagen auch weiterhin. Aus der Vergangenheit schöpfte sie immer wieder Stärke für die Gegenwart.

Genau das möchte unser Herr auch uns angedeihen lassen. Auch wir sollen rückblickend auf das, was wir mit, durch und von IHM erhalten haben gestärkt werden für unsere Gegenwart und für zukünftige Aufgaben. Gott möchte fröhliche und unverzagte Jünger, die freudig ihren Dienst tun.
Und dabei hilft es uns ungemein, wenn wir uns immer wieder darauf besinnen, wo und wie unser Herr in unser Leben so direkt eingegriffen hat, wie ER dies bei Mose getan hat.

Schon der Liederdichter Paul Gerhardt kannte die unvergleichbare Macht und Kraft des Gebetes.
In dem 11. Vers seines Liedes „Ich weiß, mein Gott, dass all mein Tun…“ beschreibt er diese Macht sehr schön, wie folgt:

Wer fleißig betet und dir traut,
wird alles, davor sonst ihm graut,
mit tapferm Mut bezwingen;
sein Sorgenstein wird in der Eil
in tausend Stücke springen.

Mögst Du immer wieder in Deinem Leben die Nähe Gottes spüren
Möge der Herr immer wieder schützend Seine Hand über Dir halten
Mögest Du immer wieder Sein Eingreifen in Dein Leben erkennen dürfen

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen fröhlichen Start in die neue Woche.

Das spürbare Eingreifen Gottes in das Leben eines jeden Menschen haben wir ja heute zusammen besprochen. Daher noch ein kleiner Tipp: Ich führe ein „Gottestagebuch“.
In diesem Buch verzeichne ich all die Ereignisse, wo Gott ganz bestimmt in mein Leben eingegriffen hat. In Zeiten der Anfechtung nehme ich mir dieses kleine Heftchen immer wieder vor und lese es. Wie gesagt, nur ein kleiner Tipp, dies auch einmal zu probieren.

Bis zum nächsten Sonntag grüße ich Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber