Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 2. Sonntag nach Ostern, dem Sonntag Miserikordias Domini. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Propheten Hesekiel im Kapitel 34, die Verse 1-2 und 10-16. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Und des Herrn Wort geschah zu mir: Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der Herr: Wehe den Hirten Israels, die sich selber weiden ! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden? So spricht Gott der Herr: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich will ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selbst weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen, dass sie nicht mehr fressen sollen. Denn so spricht Gott der Herr: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen. Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zur Zeit, als es trüb und finster war. Ich will sie aus allen Völkern herausführen und aus allen Ländern sammeln und will sie in ihr Land bringen und will sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und an allen Plätzen des Landes. Ich will sie auf die beste Weide führen, und auf den hohen Bergen in Israel sollen ihre Auen sein; da werden sie auf guten Auen lagern und fette Weide haben auf den Bergen Israels. Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der Herr. Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist.

Liebe Gemeinde,

auf den ersten Blick sehr tröstende Worte, die uns der Prophet Hesekiel schon lange vor Christi Geburt zukommen lässt. Und doch steckt eine gewisse Brisanz hinter diesen Worten, derer wir uns heute morgen einmal gemeinsam annehmen wollen. Es geht nämlich um die Diskrepanz Religion versus Evangelium, also Religion im Verhältnis zu der frohen Botschaft. Lassen Sie uns daher versuchen, Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede herauszuarbeiten und was dies für unser Glaubensleben bedeutet.

1. Die Religion

Religionen gibt es, wie wir alle wissen, sehr viele auf unserem Planeten. Evangelisch oder Katholisch, was ist richtig? Oder haben vielleicht de Zeugen Jehovas doch recht mit ihrer Botschaft ? Dann gibt es noch die 7 Tage Adventisten und die Neuapostolische Kirche. Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt der westlichen monotheistischen Religionen. Wenn wir fernöstliche Religionen, die ja derzeit wieder „in“ sind, hinzunehmen, dann eröffnet sich eine ganz gewaltige Vielfalt von Religionen.

Aber gleichzeitig stellt sich auch die sehr beunruhigende Frage: Wer hat denn recht? Wenn ich dem falschen nacheifere dann komme ich womöglich doch gar nicht in den Himmel oder doch?

Und hier setzt der Prophet Hesekiel ein, wenn er sagt: Wehe den Hirten Israels, die sich selber weiden!

Und jetzt kommt eine Definition, die wir uns immer vor Augen halten sollten: Religion ist der (vergebliche) Versuch von Menschen, Gott zu finden. Evangelium hingegen ist der Weg, den Gott wählt, um uns Menschen zu finden.

In jeder Religion gibt es Bestrebungen und Regeln, die eingehalten werden müssen, um den Weg zu Gott zu finden. Manche Religionen verfügen gar über ein so umfangreiches Regelwerk, welches es den Menschen schon gar nicht mehr ermöglicht, all diese selbsternannten Regeln einzuhalten. So war es auch schon zu Zeiten Hesekiels. Gerade die Oberen, Priester und Pharisäer unterlagen dem eigenen Dünkel, doch wohl etwas Besseres zu sein, als ihre Schäfchen, die ihnen anvertraut waren.

Und so kam es dazu, dass man die Schäfchen ordentlich schulte und ermahnte, ja gegen keines der oftmals selbsternannten Gebote zu verstoßen. So haben wir schon ein weiteres Merkmal einer Religion: Die Abhängigkeit der Religionsangehörigen von ihren Führern.

Dies ist besonders in Sekten noch immer sehr stark ausgeprägt, wie wir es zum Beispiel bei den Scientologen sehr gut beobachten können. Religionen nehmen einen derart starken Einfluss auf den Menschen, dass er bald voll und ganz gefangen genommen werden kann.

Allen Religionen eigen ist auch das Versprechen an ihre Anhänger, dass sie ihre eigene Erlösung auch nur selber verdienen und verdienen können. Das führt dazu, dass immer mehr Anstrengungen unternommen werden, um ja nicht unter die „Nichterlösten“ zu fallen. Viele Angehörige diverser Religionen leben dann auch unter der ständigen Angst, man könnte nicht genug getan haben. Man könnte  vielleicht doch etwas versäumt haben, um die Seligkeit zu erlangen.

Wir brauchen auch gar nicht sooo… weit über den Gartenzaun zu schauen. Selbst in westlichen Religionen gibt es Ansätze, die den Anhängern mehr aufbürden wollen als dies wirklich von Gott gewollt ist. Da geht es um die regelmäßige Teilnahme am Abendmahl, ohne welche man eben nicht in den Himmel kommt. Und wehe, einer der Mitglieder versäumt unentschuldigt einen Gottesdienst. Dann sieht es auch schon wieder recht düster aus mit der Himmelsperspektive.

Das Leben dieser Religionsanhänger können wir getrost als düster und finster, begleitet von allen möglichen Drohungen, bezeichnen.

2. Das Evangelium

Der verstorbene Evangelist Hans-Peter Royer drückte das Religionsleben einmal wie folgt aus: Gott hat uns die frohe Botschaft gesandt, und was haben wir daraus gemacht? Eine Kirche!!! Er meinte damit natürlich das, was außerhalb der frohen Botschaft in vielen Kirchen so alles gelehrt und von ihren Mitgliedern verlangt wird.

Der Prophet drückt die Perspektive Gottes aus, wie folgt: „Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen.“

Salopp gesehen hatte Gott das ganze religiöse Gekrampfe natürlich gesehen und war, wie wir bereits gehört haben, alles andere als zufrieden mit dem, was die Menschen so alles aus seinem Wort machten. Er sah und wusste natürlich, dass es keinen Weg gibt, der den Menschen aus eigenen Bemühungen  wieder zurück zu Gott führen konnte. Was musste also folgerichtig geschehen ? Richtig, Gott musste sich auf die Suche nach den Menschen machen.

Aber auch wenn er sie gefunden hatte, dann trennte immer noch die Sünde den Menschen von Gott. Somit musste ein Weg gefunden werden, der die Sünde auslöschte und somit den Weg zu Gott wieder frei machte. Wir wissen es alle, liebe Gemeinde, dies tat Gott, indem er Mensch wurde und mit seinem Blut am Karfreitag ein für alle Male für all unsere Sünden bezahlte.

Genau ab diesem Moment war der Weg zu Gott wieder frei.

Und das ist die zentrale Botschaft: Gott hat alles für unsere Erlösung getan. Wir können nichts, aber auch gar nichts dazu beitragen, damit unsere Sünden vor Gott getilgt werden. Und damit gehört alles religiöse Gekrampfe der Vergangenheit an. Wir müssen nur eines tun, nämlich das Geschenk, welches uns Gott mit der Bezahlung für all unsere Sünden bereitet hat, im Glauben annehmen.

Wenn wir dies tun, dann sind wir wieder Gottes geliebte Kinder und von keinem Menschen und keiner Religion abhängig. Allein von unserem Herrn sind wir fortan abhängig und von keiner Kirche, Glaubensgemeinschaft oder gar einer Sekte. Zwischen uns und Gott steht gar keine weitere Instanz mehr.

Und dieses Leben, liebe Gemeinde, ist alles andere als trüb und finster. Es ist DAS LEBEN schlechthin im Lichte und unter der Führung unseres Herrn.

Gott will uns erretten. Aber nicht nur dies, er will uns auch auf grüne Auen führen, so schreibt es der Prophet in unserem heutigen Predigttext. Was bedeutet denn dies nun wieder ? Eines bedeutet es sicherlich nicht. Es bedeutet nicht, dass es uns auf Erden so gehen wird wie wir es aus dem Schlaraffenland her kennen. Es werden uns auch nach unserer Bekehrung weiterhin Schwierigkeiten, Ängste und Sorgen begegnen. Nur haben wir jetzt jemanden an unserer Seite, der uns durch all dies hindurchleitet und begleitet.

Aber „die grünen Auen“ bedeuten noch mehr. Die grünen Auen hält Gott für uns bereit in seiner Ewigkeit. Wenn wir diese Erde verlassen, also heimgehen zu unserem Herrn, dann erwarten uns dort diese immergrünen Auen, die es uns an nichts fehlen lassen werden. „Ich selbst will meine Schafe weiden“, so lesen wir es gegen Ende des Predigttextes. Und das ist das größte schlechthin.

Gott sorgt nicht nur dafür, dass es uns an nichts mehr fehlen wird, nein er selber möchte in ständiger Gemeinschaft mit seinen geliebten Kindern die Ewigkeit verbringen. Und das ist kein frommes Wunschdenken, sondern das ist Gottes gesprochenes und damit verbindlich versprochenes Wort. Wenn das mal keine Botschaft ist, die wir unbedingt auch den Menschen weitersagen sollten, die eben noch nicht zu den erlösten Kindern gehören.

Das, was Gott uns geschenkt hat, das drückt der Liederdichter Philipp Friedrich Hiller sehr schön in dem 1. Vers seines Liedes: „Mir ist Erbarmung widerfahren…“ (EG 355) aus, der da lautet, wie folgt:

Mir ist Erbarmung widerfahren; Erbarmung deren ich nicht wert;
das zähl ich zu dem Wunderbaren, mein stolzes Herz hat’s nie begehrt.
Nun weiß ich das und bin erfreut und rühme die Barmherzigkeit.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Miserikordias Domini. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Petrusbrief, Kapitel 2, die Verse 21b – 25. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; der nicht widerschmähte, als er geschmäht wurde, nicht drohte, als er litt, er stellte es aber dem anheim, der gerecht richtet; der unsre Sünde selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, der Sünde abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden. Denn ihr wart wie die irrenden Schafe; aber ihr seid nun bekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

Liebe Gemeinde,

im heutigen Predigttext geht es also um die Nachfolge und darum, welche Hindernisse und Stolpersteine uns auf diesem Wege erwarten können. Lassen Sie uns über diese wichtigen Punkte heute Morgen ein wenig näher und intensiver nachdenken.

1. Die Nachfolge

Als Kinder sind wir mit unseren Eltern oft im Winter gemeinsam spazieren gegangen. Wanderungen durch den tiefverschneiten Wald haben riesig viel Spaß gemacht. Doch merkten wir als Kinder sehr bald, wie schwierig und kräftezehrend so ein Marsch durch den Tiefschnee sein konnte. Also was machten wir? Wir folgten den Fußstapfen, die unser Eltern vor uns hergehend hinterlassen haben. Und dann wurde der Spaziergang um etliches einfacher und weit weniger kräftezehrend als vorher.

Genau so sollten wir es auch bei der Nachfolge als Christen machen. Jesus ist uns in allem schon vorausgegangen. Das einzige, was wir tun müssen, ist seinen Fußspuren, die er hinterlassen hat, zu folgen. Jesus hat uns also unseren Weg auf Erden schon bereitet.

Allerdings müssen wir gleich sagen, dass ein Leben in der Nachfolge kein einfacher Spaziergang mit unserem Herrn ist. Aber er hat auch schon für die schwersten Zeiten in unserem Leben seine Fußstapfen so hinterlassen, dass auch diese Wege, obwohl sie schwer sind, für uns dennoch gangbar sind.

Wenn wir dies machen, liebe Gemeinde, dann können wir auch von Jesus lernen. Dieser „Jesusweg“, den er uns vorangegangen ist so angelegt, dass wir ihn nicht nur begehen können, sondern dass wir auf diesem Wege auch viel von unserem Herrn lernen können.

Aber was machen wir häufig? Wir meinen, uns unseren eigenen Weg suchen zu müssen. Und so laufen wir wie bei unserem Winterspaziergang ganz alleine durch den Tiefschnee unseres Lebens. Der Weg wird immer mühseliger und immer schwieriger bis wir uns irgendwann einmal total verrannt und verausgabt haben. Diesen Stolperstein können wir vermeiden, indem wir von Anfang an mit unserem Herrn unterwegs sind.

Aber, und das wird passieren, immer wieder lockt uns natürlich der eigene Weg, da wir ja bekanntlich ganz genau wissen, was denn am besten für uns ist. Und dann passiert es eben, dass wir uns hin und wieder einmal wieder total verrannt haben. Gerade in solchen Momenten ist unser Herr nur einen Gebetsanruf von uns entfernt und wartet nur darauf, uns zur Hilfe eilen zu dürfen.

2. Das Schmähen ertragen

Eigentlich auch wieder so ein Wort mit dem wir, wenn wir ehrlich sind, ganz, ganz wenig anfangen können. Ich kenne keinen Konfirmanden, der mir dieses Wort erklären kann. Also schauen wir einmal wieder im Urtext und nach alternativen Übersetzungsmöglichkeiten nach.

Wenn wir im Urtext das Wort „Loidoreo“ lesen, so kann dies auch mit „Beschimpfen“ und „Vorwürfe machen“ übersetzt werden. Und schon sind wir dem Verständnis ein wenig näher gerückt.

Natürlich werden uns auf unserem Lebensweg in der Nachfolge Menschen begegnen, die uns beschimpfen. Für jemanden, der mit dem Christentum so rein gar nichts „am Hut“ hat, ist unser Leben ja auch nicht zu verstehen. Wir sprechen mit jemandem, den wir nicht sehen. Wir gehen sonntags in Räumlichkeiten wo wir Geschichten über jemanden hören, der es möglich machen kann, dass wir in den Himmel kommen. Und dann behaupten wir auch noch, dass dieser unsichtbare, wenn wir Brot und Wein zu uns nehmen, mitten unter uns ist.

Wenn uns jemand so gegenübertritt, dann kann es schon einmal sein, dass wir die Faust in der Tasche ballen. Am liebsten möchten man doch dann gleich so richtig „losevangelisieren“ freilich nach dem Motto: „Und willst Du nicht mein Bruder sein, dann schlag ich Dir den Schädel ein.“

Und genau das sollten wir als Christen natürlich nicht tun. Wir sollen eben nicht gleiches mit gleichem vergelten. Nur so ist übrigens eine Deeskalation der Gewalt überhaupt möglich. Liebe Gemeinde, wir können sicherlich alle ein Streitgespräch für uns gewinnen, wenn wir mit noch Ungläubigen über das Christentum diskutieren. Es ist nur die Frage, ob dieses im Sinne unseres Herrn ist, wenn wir einen Streit gewinnen, aber einen potentiellen Nachfolger verlieren.

Probieren Sie es einfach einmal selber aus. Wenn Sie das nächste Mal in eine Situation kommen, wo Sie am liebsten sofort so richtig lospoltern möchten, dann bleiben Sie ganz einfach still. Provoziert der andere weiter, bleiben Sie weiter still. Ich garantiere Ihnen, dass der andere spätestens beim dritten Versuch seine Provokation einstellen wird.

3. Das Erleiden

Kein Mensch von uns leidet gern. Vielleicht haben das im Mittelalter einige Mönche getan, indem sie sich selber geißelten, um so dem Himmel ein Stück weit näher zu kommen. Aber diese Zeiten sind Gott sei Dank vorbei.

Aber auch heute leiden wir auf dem Weg der Nachfolge. Da geben wir uns so viel Mühe mit unseren Mitmenschen, sind immer für sie da und dann kommt noch nicht einmal ein kleines Dankeschön.

Da gehen wir konsequent unseren Glaubensweg und müssen feststellen, dass es denjenigen Menschen, die gar nicht an Gott glauben, in nahezu jeder Hinsicht wesentlich besser geht als uns. Sie haben Reichtum, Wohlstand und Erfolg, währenddessen wir uns so gerade mal durch unser Leben hindurch schlagen können.

Und dann gibt es noch die Spezies, die ganz offen unseren Weg mit Jesus verhöhnt. All das prallt nicht so einfach an uns ab. All das nagt tief in uns, wenn wir keinen Ausweg wissen.

Und diesen Ausweg hat uns unser Herr an die Hand gegeben. Immer dann, wenn wir um seinetwillen leiden, dann sollen wir das eben nicht immer und immer wieder in uns hineinfressen, sondern wir sollen all dies ihm als dem gerechten Richter übertragen.

Gottes Mühlen mahlen langsam aber vortrefflich fein, so lautet ein altes Sprichwort. Vertrauen wir doch einfach darauf. Fressen wir doch nicht mehr all das Leid, was man uns anfügt, so einfach in uns hinein. Übertragen wir doch alles Leid, alle Demütigungen und sonstige Unbillen, die man uns zufügt einfach im Gespräch unserem Herrn. Wenn einer weiß, was zu tun ist, dann jedenfalls nur ER.

Mal so ganz nebenbei bemerkt, wenn wir dies tun, ersparen wir uns auch jede Menge negativer Gedanken. Wie viele Familien sind zerstritten, weil in der Vergangenheit irgendjemand einem anderen irgendetwas getan hat. In der Erinnerung wird dieses „etwas“ immer größer und mächtiger werden, als es tatsächlich gewesen ist. Wenn wir den Vorfall gleich unserem Herrn übertragen, dann sind wir ihn sofort los und müssen uns auch nicht weiter darüber ärgern und können somit unseren Weg fröhlich weitergehen. Gelebtes Christentum kann also auch ganz einfach praktisch und pragmatisch für den Alltag sein.

Gehen wir ihn also an, den Weg in die Nachfolge. Gehen wir doch den Weg in die Nachfolge, wie ihn der 1. Vers des Liedes „Lass mich, o Herr, in allen Dingen….“ (EG 414) des Liederdichters Georg Joachim Zollikofer beschreibt:

Lass mich, o Herr, in allen Dingen
auf deinen Willen sehn und dich mir weihn;
gib selbst das Wollen und Vollbringen
und lass mein Herz dir ganz geheiligt sein.
Nimm meinen Leib und Geist zum Opfer hin;
dein, Herr, ist alles, was ich hab und bin.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem Sonntag Miserikordias Domini. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Petrusbrief, Kapitel 5, die Verse 1-4. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Die Ältesten unter euch ermahne ich, der Mitälteste und Zeuge der Leiden Christi, der ich auch Teilhabe an der Herrlichkeit, die offenbart werden soll: Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist; achtet auf sie, nicht gezwungen, sondern freiwillig, wie es Gott gefällt; nicht um
schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund; nicht als Herren über die Gemeinde, sonder als Vorbilder der Herde. So werdet ihr, wenn erscheinen wird der Erzhirte, die unvergängliche Krone der Herrlichkeit empfangen.

Liebe Gemeinde,

wenn wir uns den Predigttext lesen, dann stoßen wir auf das Wort „Älteste“. Getrost zurückgelegt könnten wir nun sagen: „Damit sind wir nicht gemeint. Das geht uns auch nix an.“ Doch weit gefehlt. Älteste sind nicht nur die Gemeindeältesten, Presbyter und andere Funktionsträger in der Gemeinde. Älteste könnte man auch mit dem Wort „Ältere“ übersetzen. Und schon sind wir wieder im Boot. Ältere bedeutet nämlich nichts anders als erfahrene Christen. Und als solche tragen wir
auch ein Stück weit Verantwortung gegenüber unseren im Glauben noch eher unerfahrenen Geschwistern.

Was sollen wir also tun? Nehmen wir uns doch heute Morgen einmal drei Punkte vor, die uns Petrus an’s Herz legt.

1. Weidet die Herde Gottes

Zugegeben das hört sich sehr pathetisch an. Wenn Petrus schon ein Wort aus dem Tierreich wählt, dann lassen Sie uns doch auch bei diesem Vergleich bleiben. Was macht denn ein Schäfer, der seine Herde weidet?

Zunächst einmal sorgt er dafür, dass die Herde genügend Futter hat.
Futter im übertragenen Sinne ist das Wort Gottes. Wie die einzelnen Schafe ihr Futter zu sich nehmen, so sollen wir unseren Glaubensgeschwistern helfen, das Wort Gottes zu sich zu nehmen und in sich aufzunehmen. Es ist ja nicht damit getan, dass man etwas hört und dann wieder nach Hause geht und seinem gewohnten Alltagstrott nachgeht.

Wir sollen unseren Geschwistern dabei helfen, das gehörte Wort auch in sich aufzunehmen, es wirken zu lassen und auch danach zu leben und zu handeln. Glauben Sie mir eines, liebe Gemeinde, diese Aufgabe ist sehr verantwortungsbewusst. Viele Menschen verzweifeln nämlich ganz schnell
an ihrem „neuen“ Glauben. Erst ganz euphorisch und dann zu Tode betrübt.
Das kann ganz schnell geschehen. Dann sollen und müssen wir eingreifen und unseren Geschwistern klarmachen, dass der Glaube ein ganz dynamischer Prozess ist. Wir müssen ihnen sagen, dass auch die Zweifel zum Glaube mit dazugehören und letztlich dafür sorgen, dass der Glaube in ihnen immer weiter wachsen kann.

Dann sorgt der Schäfer dafür, dass die Herde von außen nicht angegriffen werden kann. Er bietet seiner Herde also einen Schutzraum.
Diesen Schutzraum sollen wir unseren Geschwistern auch bieten. Gerade, wenn sich jemand neu bekehrt hat, sind die satanischen Angriffe besonders gewaltig. Der Teufel wittert dann seine letzte Chance und fährt alles auf, was den Neubekehrten doch noch umstimmen könnte.

Da sind dann die Familienmitglieder, die auf den Neubekehrten einreden und ihm klarmachen wollen, welchem Unsinn er denn nun wieder auf den Leim gegangen ist. Dann kommen noch die lieben Arbeitskollegen hinzu, die einem schon den Heiligenschein andichten. Und so geht es lustig weiter.

Hier dürfen und müssen wir auch wieder eingreifen. Der Neubekehrte soll in uns einen persönlichen Schutzraum finden, mit dem er über alles reden kann. Gemeinsam im Gebet können wir ihn dann stärken und ihn gewiss machen, dass er sich für das einzig Richtige in seinem Leben entschieden
hat. Auch hier sind wir gefordert. Es kann sein, dass jemand wochen- und monatelang immer mit den gleichen Problemen zu uns kommt. Dann müssen wir eben wochen- und monatelang als Schutzraum zur Verfügung stehen.

Als letztes sorgt der Schäfer noch dafür, dass die Herde unter seinem Schutz auch zur Ruhe kommen kann. Im übertragenen Sinne machen wir dies in unseren Gottesdiensten, Hauskreisen und Gemeinschaftsstunden. Dort finden wir uns zusammen, um Gott anzubeten zu loben und zu preisen, aber auch um auf sein Wort zu hören. Unermüdlich sollen wir unsere Geschwister zu unseren Veranstaltungen einladen. Gerade zu Beginn ihres Glaubenslebens erfährt der „Novize“ in der Gemeinschaft Halt und Unterstützung für ein weiteres Leben in der Welt da draußen, in der er
ja auch weiterhin leben muss.

2. Freiwillig und von Herzensgrund

Neben dem, was wir machen ist es auch wichtig, wie wir etwas machen.
Wenn wir mit der Einstellung: „Schon wieder so ein Neubekehrter, na das soll wohl was geben….“ an die Sache herangehen, dann wird dabei auch nichts Vernünftiges rauskommen.

Alles, was wir machen, soll vom Grunde unseres Herzens aus geschehen.
Und wie geht das? Ganz einfach, liebe Gemeinde, wenn Christus in unserem Herzen wohnt, dann bestimmt er von dort, was wir tun sollen. Und wenn wir nicht mehr weiterwissen, dann müssen wir ihn eben fragen.

Wissen Sie übrigens, dass es gerade die Berufsgruppe der Pfarrer ist, die wie eine anonyme Befragung ergeben hat, aus Zeitmangel am wenigsten beten? Und dies soll uns eine Warnung sein. Auch als Hausgenossen unseres Herrn sollten wir uns niemals die Zeit des Gebetes nehmen
lassen. Gerade im Gebet erfahren wir ja die innere Führung, was wir machen sollen. Auf einen Einkauf bereiten wir und doch auch mit einem Einkaufszettel vor und kaufen nicht einfach irgendetwas, was sich gerade irgendwo in den Regalen befindet.

Und auf unseren Einsatz als Älteste sollten wir uns dann auch gebührend vorbereiten, damit wir nicht irgendeine Botschaft weitergeben, sondern DIE Botschaft. Und diese Vorbereitung geschieht im Gebet.

3. Vorbilder

Jetzt wird es etwas kritisch. Von wem lernen wir am liebsten? Von dem Theoretiker, der uns vielleicht sagt, wie man ein Möbelstück zusammenbaut oder von dem Praktiker, der uns zeigt, wie so etwas
praktisch funktioniert ? Natürlich von dem Praktiker. An Ort und Stelle können wir dabei direkt sehen, wie etwas entsteht.

Als erfahrene Praktiker des Glaubens sollen wir als Vorbilder unseren Neubekehrten vorleben, was es denn heißt, ein Christ zu sein. Wir sollen nicht als Herren und Meister der Bibel dastehen und sagen: „Dies darfst Du nicht tun und das erst recht nicht, und du musst dies und das unbedingt tun usw.“ Man soll uns an unseren Taten messen können.

An unseren Taten soll man uns erkennen und unsere Taten sollen die Menschen neugierig werden lassen auf ein Leben als Christ. Und hier wird es kritisch. Die Messlatte hängt nämlich zuweilen so hoch, dass wir uns gar nicht mehr daran messen lassen können.

Schon Paulus hatte es auf den Punkt gebracht, wenn er sagt, dass er das Gute, was er eigentlich tun soll nicht tut, das Böse hingegen, was er nicht tun soll tut. Daran sollten auch wir uns immer wieder erinnern, wenn wir uns mal nicht so verhalten, wie es eigentlich der Fall sein sollte.

Das kann nämlich kein Mensch, das konnte nur Jesus. Als Vorbilder sollen wir unsere uns anbefohlenen Geschwister auf dem rechten Wege begleiten und darauf achten, dass die große Richtung stimmt. Das auch wir ab und wann von diesem Wege abweichen und im Straßengraben landen, das liebe Gemeinde, macht uns nur noch menschlicher und sympathischer, sind doch
auch wir nach wie vor Sünder, die der ständigen Vergebung bedürfen.

Und mal ganz ehrlich: Möchten Sie ständig in der Nähe eines 100 % perfekten Menschen sein? Gerade die kleinen Fehler und Schwächen geben uns doch immer wieder den Hinweis, dass wir alle eben nicht perfekt sind und ständig auf die Gnade unseres Herrn angewiesen sind.

Danken wir doch auch immer wieder dem, der uns bisher so gut geführet und geleitet hat zum Beispiel mit dem 2. Vers des Liedes „Alles ist an Gottes Segen…“ (EG 352), der da lautet, wie folgt:

Der mich bisher hat ernähret und mir manches Glück bescheret,
ist und bleibet ewig mein.
Der mich wunderbar geführet und noch leitet und regieret,
wird forthin mein Helfer sein.

Der Herr zeige Dir einen Weg, wie Du Deinen Geschwistern ein guter Hirte
auf Erden sein kannst
Der Herr schenke Dir ein fröhliches und geduldiges Herz aus dem heraus
Du Deine Geschwister führen und begleiten kannst
Der Herr gebe Dir immer wieder auf’s Neue die Kraft, dass Du Deinen
Geschwistern ein Vorbild im Glauben sein kannst

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Miserikordias Domini.
Die Güte des Herrn ist denn auch ein Thema unseres heutigen Predigttextes.
Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im 13. Kapitel des Hebräerbriefes,
die Verse 20-21. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Segenswünsche und Grüße

Der Gott des Friedens aber, der den großen Hirten der Schafe, unsern Herrn Jesus, von den Toten heraufgeführt hat durch das Blut des ewigen Bundes, der mache euch tüchtig in allem Guten, zu tun seinen Willen, und schaffe in uns, was ihm gefällt, durch Jesus Christus, welchem sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit ! Amen.

Liebe Gemeinde,

Die Güte des Herrn ist unbeschreiblich groß. Dies hören und lesen wir immer wieder. Aber was hat es denn auf sich mit der Güte des Herrn ? Was ist denn ganz konkret die Güte des Herrn ? Wenn wir mit derartigen „Worthülsen“ umgehen, dann sollten wir immer darauf gefasst sein, dass uns unser Gegenüber genau diese Fragen stellt. Mehr als einmal hat es mich schon „kalt erwischt“ bei einer derartigen Frage.

Ich glaube an drei Punkten können wir die Güte unseres Herrn sehr schön demonstrieren. Alle drei Punkte finden wir auch in dem kurzen Predigttext für den heutigen Sonntag.

1. Der Gott des Friedens

Liebe Gemeinde, wir haben einen Gott des Friedens. Gott möchte Frieden auf Erden haben. Daher geht es auch nicht an, dass wir im Namen Gottes Kriege führen oder gar Waffen segnen.

Überall, wo dies geschieht können wir sicher sein, dass es nicht der lebendige Gott ist, der dahintersteht, sondern, dass satanische Mächte dort ihre Hände im Spiel haben. Von Gott geht auch kein Krieg und Hass aus. Gott will dies alles nicht.

Aber warum gibt es Hass, Krieg, Mord und Gewalt auf dieser Erde wenn Gott das doch gar nicht will ? Und wie kann Gott denn dies alles zulassen, wenn Er doch das alles nicht möchte ? Zugegeben, schwierige Fragen, die nicht immer so lapidar beantwortet werden können.

Also, Gott hat den Menschen zwar nach Seinem Bilde geschaffen, hat ihn aber mit einem freien Willen ausgestattet. Und wo ein freier Wille gegeben ist, da kann es eben auch zu Hass, Mord, Krieg und Gewalt kommen. Dies können wir schon auf den ersten Seiten der Bibel nachlesen.
Das alles kommt aber nicht von Gott, sondern aus den Abgründen des menschlichen Herzens.

Warum greift Gott nicht ein, wenn all dies geschieht ? Auch keine einfache Frage. Wer sagt uns überhaupt, dass Gott nicht doch eingreift ?
Wir Menschen sehen ja immer nur den Augenblick, niemals aber den Augenblick hinter dem Augenblick. Und da kann sich so manches Elend bereits zum Guten gewendet haben.

Wir haben zudem keinen Gott, der uns wie Marionetten durch dieses Leben führt. Das entspräche schließlich auch nicht unserer Bestimmung. Es ist uns bestimmt, auch durch Zeiten des Leidens zu gehen, aber, liebe Gemeinde, Gott führt uns mit Seiner Güte und Gnade durch diese für uns so schweren Zeiten hindurch.

Selbst wenn wir alles Elend dieser Welt selber verschuldet haben, will Seine Gnade und Güte nicht von denen abweichen, die Ihn in ihrer Not anrufen. Darauf dürfen wir uns felsenfest verlassen.

2. Blut des ewigen Bundes

Als Kind habe ich gern die Winnetou-Filme gesehen. Immer wieder ergreifend war es, wenn Winnetou und Old Shatterhand Blutsbrüderschaft geschlossen haben. Ewige Treue schworen sei sich dabei. Eine Treue, die den anderen niemals im Stich lassen sollte.

Das mag zwar ein wenig salopp klingen, aber Gott hat in Seiner Gnade und Güte mit uns Menschen Blutsbrüderschaft geschlossen. Nur, dass Er nicht ein wenig von Seinem Blut mit unserem vermischt hat, sondern, dass Er sich mit Seinem Blute voll und ganz für uns dahin gegeben hat.

Anders hätte der letzte Feind der Menschen, der ewige Tod, gar nicht besiegt werden können. Er konnte nur besiegt werden, indem Gott selber für uns und unsere Sünden starb und all unsere Missetat auf sich genommen hat, damit wir wieder reingewaschen werden können.

Das verstehen wir auch unter der Gnade und der Güte unseres Herrn.

3. Das zweifache Wirken Gottes

Wie wir unserem Predigttext entnehmen können, wirkt Gottes Gnade und Güte in zweifacher Weise in uns.

Gott kann in uns Veränderungen bewirken, die uns in die Lage versetzen, Gutes zu tun. Das erleben wir immer wieder, wenn ein Mensch den Weg zu Gott findet. Wenn dieser Mensch langsam immer mehr im Glauben wächst, dann können wir Veränderungen seiner Verhaltensweisen feststellen.

Dem „Neubekehrten“ fällt dies meist gar nicht auf, aber seine Umgebung nimmt dies sehr wohl wahr, wenn z.B. aus dem alten Nieselpriem so nach und nach ein recht angenehmer Zeitgenosse wird.

Das ist damit gemeint, wenn wir in unserem Predigttext lesen: „Der macht euch tüchtig in allem Guten, zu tun seinen Willen“.

Gott wirkt aber auch noch auf eine zweite Art und Weise in uns. Wenn wir lesen „Und schaffe in uns, was ihm gefällt“, dann sind wir von diesem Wirken passiv betroffen. Gott wirkt durch uns hindurch in das Leben anderer Menschen hinein.

Wie der Handwerksmeister eben sein Werkzeug gebraucht, um einen Anschluss zu installieren, so benutzt Gott uns, um in anderen Menschen zu wirken.

Das zuzulassen, ist manchmal nicht ganz so einfach. Wenn Gott mich als Werkzeug benutzt und dies gerade bei dem Menschen, den ich so überhaupt nicht leiden kann, dann ist dies schon eine echte Herausforderung. Aber Gott verlangt uns ja nun mal niemals mehr ab, als wir in der Lage sind zu leisten. Und Er stattet uns immer mit der notwendigen Kraft dafür aus.

Die Güte des Herrn, liebe Gemeinde, erfahren wir durch den Gott des Friedens, der sich uns so in der Bibel offenbart. Die Güte des Herrn erfahren wir durch SEINE Erlösungstat für all unsere Sünden. Und die Güte des Herrn erfahren wir durch SEIN direktes Wirken in und vor allen Dingen durch uns.

Ganz durchdrungen von der Güte unseres Herrn können wir einstimmen in den 4. Vers des Liedes von Gerhard Tersteegen „Ich bete an die Macht der Liebe… “ (EG 661), der da lautet,wie folgt:

O Jesu, dass dein Name bliebe im Grunde tief gedrücket ein;
möcht deine süße Jesusliebe in Herz und Sinn gepräget sein.
Im Wort, im Werk und allem Wesen
sei Jesus und sonst nichts zu lesen.

Der Herr lege SEINEN Frieden in Dein Herz hinein
Der Herr mache Dich tüchtig, in SEINEM Namen Gutes zu tun
Der Herr wirke SEINE guten Werke durch Dich als SEIN Werkzeug hindurch

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen schönen Start in die neue Woche. Möge der Herr auch in der folgenden Woche in mannigfacher Weise durch Sie wirken.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Miserikordias Domini. Dieser Sonntag wird auch als Hirtensonntag bezeichnet. Und um Jesus, unseren guten Hirten, und um unsere Beziehung zu ihm, darum geht es in unserem heutigen Predigttext.
Unseren heutigen Predigttext finden wir im Johannesevangelium, Kapitel 21, die Verse 15-19. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Als sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus:
Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieber, als mich diese haben ? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebhabe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Lämmer !
Spricht er zum zweiten Mal zu ihm:
Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb ? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebhabe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe !
Spricht er zum dritten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb ? Petrus wurde traurig, weil er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb ?, und sprach zu ihm: Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, dass ich dich liebhabe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe !

Liebe Gemeinde,

was macht eine Beziehung zu unserem Herrn aus ? Das lesen wir ausführlich in unserem heutigen Predigttext, nämlich nur eines, die Liebe.

Nun ist Liebe ein großes Wort, welches wir mit Inhalt füllen müssen, um es wirklich verstehen zu können. Hilfsweise lassen Sie uns davon ausgehen, was denn eine wahre Liebe zwischen zwei Menschen ausmacht. Ich glaube, es sind drei Punkte die kennzeichnend sind für die wahre Liebe
zwischen zwei Menschen.

1. Die Nähe

Wenn zwei Menschen sich kennen lernen, dann suchen sie fast automatisch die Nähe des jeweils anderen. Allein scheint man nur noch die Hälfte wert zu sein. Allein fühlt man sich einsam und überflüssig. Es fehlt einem einfach irgendetwas.

Genau dies zeichnet auch die Jesusliebe aus. Menschen, die den Weg zu Jesus gefunden haben, suchen im allgemeinen immer seine Nähe. Wo zwei oder drei in seinem Namen zusammen sind, da ist ER mitten unter ihnen. Und so liegt es nahe, dass man als Jesusjünger die Nähe der Gleichgesinnten sucht.

Als junger Christ kann man viel von der Gemeinschaft über Jesus lernen und als schon etwas älterer Christ kann man viel von dem, was man über Jesus erfahren hat und mit ihm persönlich erlebt hat, an die anderen Brüder und Schwestern weitergeben.

Gerade die Gruppe Gleichgesinnter hilft einem jungen Christen die ersten Schritte zu gehen. Wenn er fällt, dann wird er wieder aufgefangen. Wenn er in die falsche Richtung geht, dann holt man ihn wieder zurück in die Gemeinschaft. Und wenn der junge Christ an sich und der Welt verzweifelt, dann steht ihm die Gemeinschaft mit Rat und Tat und Trost zur Seite.

2. Das Gespräch

Das Gespräch ist ein wichtiger Baustein einer jeden Beziehung. Können Sie sich ein Liebespaar vorstellen, welches gänzlich auf ein Gespräch verzichtet ? Das mag ein paar Tage gut gehen, aber dann dürfte sich die Beziehung ganz schnell in Luft auflösen.

Und genau so ist es auch mit der Beziehung zu unserem Herrn. Wenn ich ihn gefunden habe, bzw. wenn er sich hat von mir finden lassen, dann ist es doch ganz normal, dass ich auch mit ihm rede.

Er will doch nur das Beste für mich und mein weiteres Leben. Wie kann ich dies anders herausfinden als im Gebet, also im Gespräch mit unserem Herrn. Nun müssen wir uns vergegenwärtigen, dass es drei Formen des Gebetes gibt.

a. Das sprechende Gebet
b. Das hörende Gebet
c. Das seiende Gebet

Das sprechende Gebet kennen wir alle sicherlich am besten. Hier tragen wir all unsere Nöte, Sorgen und Probleme, aber auch unsere Bitten und Fürbitten vor den Herrn. Das ist quasi unser aktiver Teil. Wir tun dies in der festen Gewissheit, dass der Herr all unsere Gebete erhört und auch entsprechend beantwortet. Nicht so, wie wir es wollen aber so, wie es am besten für uns und unsere Mitmenschen ist.

Das hörende Gebet ist schon etwas schwieriger. Wenn wir ein Gebet sprechen, dann erwarten wir ja auch eine Antwort. So ist es ja schließlich auch in einer menschlichen Beziehung. Eine Antwort
wahrzunehmen setzt natürlich voraus, dass wir auch zuhören. Zuhören geht allerdings nur, wenn wir ruhig sind und schweigen.

Nur in der Stille und Ruhe können wir auch Gottes Antwort vernehmen. Ein lieber Bruder von mir nimmt sich täglich 3×5 Minuten Zeit, in welchen er sich komplett von der Umwelt abschottet und nur auf „hören“ schaltet. Er macht sehr gute Erfahrungen damit.

Das seiende Gebet ist eigentlich ein Liebesgebet. Gott liebt uns so, wie wir sind und nicht wie wir sein sollten. Darum können wir mit ihm zusammen auch eine gemeinsame Zeit verbringen, so wie wir sind, mit all unseren Fehlern und Macken. Wir werden fühlen und erleben, dass er uns tatsächlich so liebt, wie wir gerade sind. Er mag uns also auch ohne alle möglichen religiösen Klimmzüge.

3. Das Vertrauen

Die Nähe, das Gespräch, diese beiden Punkte sind ganz wichtig, wenn eine Liebesbeziehung funktionieren soll. Können Sie sich vorstellen, dass Nähe und Gespräch ohne Vertrauen in einer gut funktionierenden Beziehung möglich sind ? Wohl eher nicht.

Also ohne Vertrauen nutzt das schönste Gespräch nichts und ohne Vertrauen macht auch die Nähe keinen Sinn, da man immer wieder deren Echtheit hinterfragen würde.

Genau so ist es in einer Beziehung zu unserem Herrn. Über allem, also über der Nähe und dem Gespräch steht das absolute Vertrauen. Zunächst einmal das Vertrauen, mit dem uns unser Herr begegnet. Nicht wir sollen ihm blindlings vertrauen, nein er vertraut sich uns an. Von ihm können
wir lernen, was echtes Vertrauen bedeutet. Im echten Vertrauen zu uns ist er stellvertretend für uns durch den Tod hindurchgegangen und hat für all unsere Sünden bezahlt.

Wenn wir dies erkannt und gespürt haben, dann können wir dieses Vertrauen auch unserem Herrn gegenüber aufbringen. Und dann wird eines passieren, nämlich, dass wir einander immer mehr zusamenwachsen.

Und dies, liebe Gemeinde, dies sollen wir auch all unseren Geschwistern mitteilen, denn diese hat unser Herr genau so lieb, wie uns und auch diesen möchte er die drei Fragen stellen, die er Petrus vor über 2000 Jahren gestellt hat.

Also lassen Sie uns vertrauensvoll, getragen von unserem Herrn unseren Weg gemeinsam mit ihm zusammen gehen. Geben wir ihm alles ab was uns traurig macht, was uns bedrückt und was uns sonst noch alles auf der Seele liegt. Bei ihm ist es gut aufgehoben. Und lassen Sie uns dann
zusammen mit ihm einen fröhlichen Christenweg gehen.

Einen solchen Weg beschreibt der Liederdichter Cornelius Friedrich Adolf Krummacher sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes „Stern, auf den ich schaue…, der da lautet, wie folgt:

Stern, auf den ich schaue, Fels, auf dem ich steh,
Führer, dem ich traue, Stab, an dem ich geh,
Brot, von dem ich lebe, Quell, an dem ich ruh,
Ziel, das ich erstrebe, alles, Herr, bist du.

Der Herr lasse Dich immer wieder SEINE Nähe spüren
Der Herr gebe Dir die Ruhe, SEINE Antwort auf Deine Gebete erhören
Der Herr gebe Dir die Kraft, SEINE frohe Botschaft weiter zu sagen

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen besinnlichen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche in der steten Gewissheit, dass der Herr nur ein Gebet weit von uns allen entfernt ist.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 2. Sonntag nach Ostern, dem Sonntag mit dem Namen Miserikordias Domini. Wir bezeichnen den heutigen Sonntag auch als „Hirtensonntag“.
Und um ein Hirtenwort geht es auch in unserem heutigen Predigttext.
Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im 1. Petrusbrief, Kapitel 5, die Verse 1-4. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Mahnungen an die Ältesten und die Gemeinde

Die Ältesten unter euch ermahne ich, der Mitälteste und Zeuge der Leiden Christi, der ich auch teilhabe an der Herrlichkeit, die offenbart werden soll: Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist; achtet auf sie, nicht gezwungen, sondern freiwillig, wie es Gott gefällt; nicht um
schändlichen Gewinn willen, sondern von Herzensgrund; nicht als Herren über die Gemeinde, sondern als Vorbilder der Herde. So werdet ihr, wenn erscheinen wird der Erzhirte, die unvergängliche Krone der Herrlichkeit empfangen. Desgleichen, ihr Jüngeren, ordnet euch den Ältesten unter. Alle miteinander haltet fest an der Demut; denn Gott widersteht den
Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.

Liebe Gemeinde,

gleich zu Beginn des heutigen Predigttextes hören wir die Worte „Mahnung“ und „ermahnen“. Diese beiden Worte sind ja in unserem Sprachgebrauch oftmals negativ besetzt. Man denkt sofort an den erhobenen Zeigefinger des Lehrers, der einen zur Ordnung ruft und ermahnt. Unwillkürlich denke ich dabei auch an drohende Strafen, die auf mich zukommen, wenn ich nicht auf die mahnenden Worte achte.

So ist dies in unserem heutigen Predigttext aber nicht gemeint. Im griechischen Text finden wir für das Wort „ermahnen“ das Wort „parakaleo“. Dies bedeutet „an die Seite rufen zur Hilfe“. Das hingegen verdreht den Sinn wieder in das positive. Denken wir nur einmal an einen Fußballtrainer, der während eines Spieles einen Spieler an die Seite ruft, um ihm wertvolle Tipps und Ratschläge für das weitere Vorgehen zu geben. Betrachten wir den Text aus dieser Warte, dann erhält er drei
wertvolle Tipps für unser Leben als Christen in dieser Welt.

1. Weidet die Herde Gottes

Dieser Part wird ja gern den Pfarrern, Priestern und Pastoren überlassen. Aber, liebe Gemeinde, dies betrifft uns alle. Alle, die wir heute morgen zusammengekommen sind, sind aufgerufen, aufeinander zu achten. Und zwar nicht gezwungenermaßen, sondern freiwillig, so sagt es uns Petrus in unserem heutigen Predigttext. Wir sollen mit Freude im Herzen aufeinander acht haben, dass keiner von uns sich in der Welt verirrt und damit ein leichtes Opfer des Teufels wird.

Petrus konkretisiert das „freiwillig“ noch einmal, indem er betont, dass dies aus des Herzens Grund heraus erfolgen soll. Aus tiefstem Herzens Grunde soll es uns ein Anliegen sein, den Bruder oder die Schwester vor allem Unheil zu bewahren und sie stets auf dem Weg des Glaubens zu begleiten. Da ist dann kein Platz mehr für Neid, Missgunst und andere schändliche Chraktereigenschaften. Auf gut deutsch sagt Petrus: „Ihr dürft euren Bruder/Schwester nicht vor euren Karren spannen, Ihr dürft euch aber vor ihren Karren spannen.“

Überall da, wo es um Leitungsaufgaben geht, da steht einer als Führer da und alle anderen haben ihm zu folgen. Machen wir uns nichts vor, ein Unternehmen würde anders gar nicht funktionieren. Gäbe es keine Hierarchien, dann wäre jedes auf wirtschaftlichen Gewinn ausgerichtete Unternehmen binnen kürzester Zeit in der Insolvenz. Aber das Reich Gottes ist eben kein Superkonzern, sondern das Himmelreich wird anders regiert. Wie, das erklärt uns Petrus ganz explizit.

Wir sollen nicht mit Macht herrschen, sondern mit Vollmacht. Und diese erhalten wir nur, wenn wir das vorleben, wozu wir unsere Mitmenschen anleiten möchten. Nur, wenn wir unseren Glauben auch wirklich 1:1 in unserem Leben umsetzen, dann werden wir auch als Christen wahrgenommen.
Als Vorbilder müssen wir natürlich auch autentisch sein. Man wird uns unseren Glauben nicht abnehmen, wenn wir Taten der Nächstenliebe mit dem allersauersten Miesepetergesicht wahrnehmen. Die Freude, die Christus uns in unser Herz geschenkt hat, diese Freude sollen unsere Mitmenschen durch uns unmittelbar spüren. Dann können wir dem Auftrag gerecht werden, der da lautet „Weidet die Herde Gottes…“

2. Jung & Alt

Liebe Gemeinde, wir leben ja in Zeiten des Jugendwahns. Alle wollen steinalt werden nur keiner möchte, dass man ihm dies ansieht. Das mit dem äußeren Erscheinungsbild ginge ja vielleicht noch. Aber wir sind ja mittlerweile so weit gekommen, dass wir auf jeder neuen Welle, sei es in der Wissenschaft, in der Wirtschaft, ja sogar in der Religion unbedingt mitreiten wollen.

Das, was gestern noch Gültigkeit hatte, das wird dann schnell über den Haufen geworfen. Es scheint so, als ob allein den Jungen die Macht gehört. Und wenn ich mich auf dem Arbeitsmarkt umschaue, dann wird diese Annahme bestätigt. Alter, Weisheit und Erfahrung zählen nichts mehr.
Jugend und Innovation ist alles. Und hier setzt Petrus ein, wenn er sagt, die Jungen mögen sich den Älteren unterordnen.

Gerade im Glauben können wir von den älteren Mitgeschwistern sehr viel lernen. Sehr viel lernen heißt aber auch, dass wir nicht jede schmerzhafte Erfahrung selber machen müssen. Profitieren wir doch wieder einmal von der Weisheit und Erfahrung der älteren Brüder und Schwestern.
In Baden-Württemberg gibt es einen Brüderbund, in welchem nur das Wort ergreifen darf, wer älter als 40 Jahre ist. Ganz so streng müssen wir es ja nicht übertragen, aber ein bisschen Respekt vor dem Alter und der Weisheit stünde uns allen gut zu Gesicht. Wir werden ja schließlich alle einmal alt.

3. Demut und Hochmut

Wenn man an das Wort Demut denkt, dann wird dies schnell mit „ich bin nichts wert“ assoziiert. Selbstverachtung, liebe Gemeinde, hat aber mit Demut nicht das geringste zu tun. Demut ist die rechte Selbsteinschätzung meiner Person vor Gott und vor den Mitmenschen. Ich war, bin und bleibe ein sündiger Mensch, der sein Leben lang auf die Gnade Gottes angewiesen ist. Dies ist die rechte Selbsteinschätzung und die rechte Demut vor Gott.

Wenn ich diese Haltung auch wirklich innerlich annehme, dann überträgt sich dies auch auf das Verhalten gegenüber meinen Mitmenschen. Es sind ja genau so sündige Menschen, wie ich. Ich habe keinen, aber auch nicht den geringsten Vorteil gegenüber Gott, als meine Mitmenschen. Wir sitzen also alle im selben Boot. Und wenn wir alle im selben Boot sitzen, können wir auch zusammen rudern und nicht gegeneinander.

Hochmut hingegen ist das genaue Gegenteil von Demut. Hochmütig ist ein Mensch, der mehr aus sich macht, als er eigentlich ist. Also jemand, der sich selbst erhöht. Und wenn ich mich selbst erhöhe, dann muss ich automatisch meine Mitmenschen klein machen und klein halten.
Und dies ist genau das, was Gott nicht will.

Lassen Sie uns doch wieder dahin kommen, dass man uns unseren Glauben auch wirklich „abkauft“. Nehmen wir doch wieder den Rat der älteren Geschwister mit Freuden an und verzichten wir doch endlich auf allen eitlen Hochmut. Wenn wir uns wieder in diese Richtung bewegen, dann
werden wir alle die unvergängliche Krone der Herrlichkeit empfangen.

Bis es soweit ist, dürfen wir getrost den Worten des Liederdichters Cornelius Friedrich Adolf Krummbacher vertrauen, der den dritten Vers seines Liedes „Stern, auf den ich schaue…“ sehr schön gedichtet hat, wie folgt:

Drum so will ich wallen meinen Pfad dahin,
bis die Glocken schallen und daheim ich bin.
Dann mit neuem Klingen jauchz ich froh dir zu:
nichts hab ich zu bringen, alles, Herr, bist du !

Der Herr gebe Dir die Kraft, ein Vorbild für Deine Mitgeschwister zu sein
Der Herr gebe Dir die Weisheit, den Rat Deiner Geschwister zu achten
Der Herr halte stets die Versuchung des Hochmutes von Dir fern

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem Sonntag Miserikordias domini. Die Erde ist voll der Güte des Herrn. So lautet der deutsche Name des heutigen Sonntages. Und um die Güte des Herrn geht es auch in unserem heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei dem Propheten Hesekiel, im 34. Kapitel. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen.

Und des Herrn Wort geschah zu mir: Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der Herr: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden ! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden ? So spricht Gott der Herr: Siehe, ich will an
die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich will ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selber weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen, dass sie nicht mehr fressen sollen. Denn so spricht Gott der Herr: Siehe, ich will meine Herde selbst annehmen und sie suchen. Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zur Zeit, als es trüb und finster war. Ich will sie aus allen Völkern herausführen und aus allen Ländern sammeln und will sie in ihr Land bringen und will sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und an allen Plätzen des Landes. Ich will sie auf die beste Weide führen, und auf den hohen Bergen Israels sollen ihre Auen sein; da werden sie auf guten Auen lagern und fette Weide haben auf den Bergen Israels. Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern
lassen, spricht Gott der Herr. Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist. Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der Herr.

Liebe Gemeinde,

wenn wir den heutigen Predigttext einmal ein wenig genauer betrachten, dann treffen heute Kirche, Glaube und Gemeinde aufeinander. Heute geht es um das rechte Verständnis der Gemeinde, bzw. darum, wie unser Herr sich eine Gemeinde vorstellt. Drei Punkte sollten wir uns am heutigen
Sonntag ein wenig näher betrachten:

1. Die Kirche und ihre Hirten

Ungewöhnlich schroff geht der Herr gegen die Hirten der Gemeinde vor. Was war eigentlich im Vorfeld geschehen ? Nun, die Hirten der Gemeinde hatten sich von ihrem ursprünglichen Amt immer weiter entfernt. Stand anfangs noch Gott und Sein Wort im Mittelpunkt, so wurde dies nach und nach durch eigene Interessen ersetzt. Selbst die Einhaltung der Gebote wurde nicht mehr so genau genommen, wie dies von unserem Herrn vorgegeben war.

Indem man sich das Wort der Bibel zurechtbog, wurde diese eben den eigenen Lebensumständen entsprechend passend gemacht. Für einen selber Unbequemes ließ man tunlichst weg, während eigenen Vorteile zum Teil gnadenlos ausgenutzt wurden. Somit hatten die Priester nicht nur das
Wort Gottes verfälscht, sondern sie stellten sich auch über das ureigene Wort des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Schnell hatte man eine kirchliche Gesellschaft geschaffen, in welcher nicht mehr Gott der Regent war, sondern der jeweilige Hohepriester und seine nachgeordneten Instanzen. Gott sei Dank ist das natürlich heute alles ganz anders. Aber, liebe Gemeinde, ist es dies wirklich ?

Ist es nicht auch so, dass wir heute den Herrn Jesus schnell mal an die Seite drängen und die Bibel nach unserem Gutdünken auslegen ? Es ist ja auch noch nicht all zu lange her, dass ein Professor Bultmann begann, die ganze Bibel zu entmythologisieren. Was übrig blieb war allenfalls nur noch ein „Knigge“ für fromme Kirchgänger. Ich weiß auch nicht, woran es liegt, aber mich scheint es immer wieder in Kirchen zu ziehen, wo etwas gepredigt wird, was eigentlich nicht dahin gehört.

So durfte ich mir vor kurzer Zeit wieder einmal 20 Minuten von einer Kanzel herab anhören, warum Atomenergie schädlich ist. Ich habe grundsätzlich nichts gegen Diskussionen, aber am Sonntag morgen auf der Kanzel möchte ich eine Auslegung des Wortes Gottes hören und nicht die
kirchlichen Stellungnahmen zu weltpolitischen Problemen erfahren. Dass sich viele Gemeinden in einem desolaten Zustand befinden, darf uns dann eigentlich auch nicht weiter verwundern. Mal ganz krass gesagt: Die Bild am Sonntag kann ich auch zu Hause lesen !!!

So ist es also nicht verwunderlich, dass der Herr den Hirten die Autorität wegnimmt und diese selber an sich nimmt. Und ganz im Vertrauen, es würde mich nicht wundern, wenn sich dieses
alttestamentarische Geschehen alsbald wiederholen würde.

2. Jesus und die Gemeinde

Gott sei Dank gibt es aber auch noch andere Gemeinden, Gemeinden, in denen der Herr Jesus im Mittelpunkt steht und auch entsprechend verehrt und angebetet wird. Und gerade diese Gemeinden sind es, die einen Hoffnungsschimmer am Horizont darstellen.

Wenn wir als Gemeinde wieder die uneingeschränkte Autorität des Herrn Jesus anerkennen, dann werden wir auch wieder dahin kommen, allein in Seinem Wort Seinen Willen zu erkunden. Und dann, das hat Er uns ja versprochen, wird Er auch mitten unter uns sein und uns zur Seite stehen. Er möchte ja, dass wir Gemeinde bauen, aber eben SEINE Gemeinde und nicht unsere Gemeinde.

Und zu dieser Gemeinde gehört es, dass wir uns mit all unseren Gaben und Fähigkeiten einbringen. Aber es gehört auch dazu, dass wir auch den anderen mit all seinen Begabungen und Talenten als das akzeptieren, was er ist, nämlich ein geliebtes Kind unseres Herrn. Und es gehört auch dazu, dass wir die Hirten unserer Gemeinde nach allen uns zur Verfügung stehenden Kräften unterstützen, soweit sie die reine und wahre frohe Botschaft und nichts als diese verkünden. Übrigens: Hier sind wir alle gefordert, wir dürfen uns nicht unter dem Vorwand „Da macht unser Pfarrer aber nicht mit“ verstecken.

3. Die Folgen

In einer Gemeinde, die derart strukturiert ist, liebe Gemeinde, da lässt sich das Wirken unseres Herrn fast schon direkt fühlen. Was macht Er aber in einer Gemeinde ganz konkret ? Auch dies erfahren wir in unserem heutigen Predigttext.

Eine solche Gemeinde bekommt die Kraft und auch die Autorität, den verlorenen Schafen nachzugehen und diese auch wieder in die Gemeinschaft zurück zu holen. In einer solchen Gemeinde werden all die, die dringend Trost und Hilfe benötigen aufgefangen und wieder aufgebaut. Eine solche Gemeinde schaut nicht zuerst auf die Starken in den eigenen Reihen,
sondern hat ein besonderes Augenmerk für die Schwachen. Dies können ältere Gemeindemitglieder sein, aber auch besonders hilflose und unselbständige Christen. All diese dürfen in der Gemeinde Jesu Christi erfahren, dass sie alle, aber auch wirklich alle, Seine geliebten Kinder sind.

Aber unser Herr benennt auch ausdrücklich die Starken und Mächtigen dieser Welt. So sie sich Ihm unterwerfen wird natürlich auch ihnen Schutz und Hilfe zuteil. Sie werden besonders behütet, da unser Herr ihnen natürlich auch viel abverlangt. Wir sehen also auch an diesem Beispiel, die Gemeinde Jesu Christi ist kein Haufen von Schwächlingen, sondern eine bunte Mischung von Menschen aller Nationen mit den unterschiedlichsten Begabungen, Talenten aber auch den
unterschiedlichsten Fehlern.

Sie alle finden in der Gemeinde unseres Herrn ein ewiges Zuhause, wenn sie sich allein dem Herrn anvertrauen und allein diesen über ihr Leben herrschen lassen. Natürlich ist es nicht so ganz einfach, das eigene „Ich“ abzulegen. Aber genau hierbei hilft einem jedem von uns auch die
Gemeinde unseres Herrn.

Dass Jesus und Sein Wirken alles in uns bewirken und dass wir aus uns heraus nichts tun können, dies beschreibt schon der Liederdichter Cornelius Friedrich Adolf Krummacher sehr schön in dem zweiten Vers seines Liedes „Stern, auf den ich schaue….“, der da lautet, wie folgt:

Ohne dich, wo käme Kraft und Mut mir her ?
Ohne dich, wer nähme meine Bürde, wer ?
Ohne dich, zerstieben würden mir im Nu
Glauben, Hoffen, Lieben, alles, Herr, bist du.

Der Herr stelle Dir Geschwister zur Seite, die Dich auf Deinem Glaubenswege treu begleiten
Der Herr gebe Dir selber die Kraft, Deine Mitmenschen auf allen ihren Wegen zu begleiten
Der Herr sende herab auf Dich SEINEN göttlichen Segen, der Dich stärkt für alle Herausforderungen in Deinem Leben.

Amen

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche unter dem Segen unseres Herrn.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Lesergemeinde!
Ich grüße Sie herzlich am 2. Sonntag nach Ostern,
dem Sonntag Miserikordias Domini.

Das Predigtwort für diesen Sonntag steht im 1. Petrusbrief,
im 2. Kapitel, in den Versen 21b – 25:²²

„Ihr wißt doch: Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel gegeben. Bleibt auf dem Weg, den er euch voranging; folgt seinen Spuren! Von ihm heißt es: Er hat kein Unrecht getan; nie ein unwahres Wort aus seinem Mund gekommen. Wenn er beleidigt wurde, gab er es nicht zurück. Wenn er leiden mußte, drohte er nicht mit Vergeltung, sondern vertraute darauf, daß Gott ihm zu seinem Recht verhelfen würde. Alle unsere Sünden hat er am eigenen Leib ans Kreuz hinaufgetragen. Damit sind wir von den Sünden befreit und können nun für das Gute leben. Denkt daran: Durch seine Wunden sind wir geheilt worden. Ihr wart wie Schafe, die sich verlaufen haben; jetzt aber seid ihr auf den rechten Weg zurückgebracht worden und folgt dem Hirten, der euch leiten und schützen wird.“

Der Herr segne an uns SEIN Wort!

Liebe Gemeinde!
Oft schaue ich Menschen zu, die unterwegs sind. Viele haben es eilig. Manche gehen ihren Weg geruhsam. Andere verharren im Verweilen. In ihrem Tun spiegeln sie Momente unseres Lebensweges.

Wir alle sind unterwegs. Unser Leben hat ein Ziel. Viele suchen sich Etappenziele, die sie erreichen möchten, um dann ein weiteres Ziel anzusteuern. Andere setzen auf die Vision eines großen Ziels. Sie mühen sich auf den Weg dahin, möglichst viel vom
Ziel zu erreichen.

Die Bibel sagt uns, dass unser Herr und Schöpfer, unser Gott, unserem Leben ein Ziel gegeben hat. ER hat uns in der Ewigkeit ein zu Hause bereitet, in dem ER mit uns in Gemeinschaft leben will.

Wer aber dieses Angebot nicht kennt oder annimmt, wird sich andere Ziele suchen. Dabei irrt er durch Illusionen und verliert das Leben, dass Gott für ihn bereitet hat. Aus der Bibel könnte er die Wahrheit erfahren, da sagt Gott:
„Suchet mich, so werdet ihr leben“ (Amos 5,4).

Das Zeugnis der Gemeinde könnte ihm helfen. Die Gemeinde Gottes berichtet zu allen Zeiten von dem Weg zu einem Leben mit Gott. Sie bekennt aber auch, dass wir Menschen uns diesen Weg versperrt haben. Wir haben mit unserer Sünde und Schuld den Zugang zu diesen Weg verbaut.

Aber Gott lässt unsere Suche nicht scheitern. In SEINER rettenden Liebe hat Gott den Weg von sich aus neu geöffnet. ER hat Jesus für alle Menschen als Weg gesetzt. Jesus hat alle Schuld und Sünde ans Kreuz getragen. SEIN Blut hat unsere Sünde getilgt.

Nun ist der Weg zum Leben mit Gott frei.
Wer Jesu Opfer annimmt und IHN als seinen Herrn nachfolgt, wird Gottes verheißenes Leben empfangen.

Jesus sagt: „Ich bin die Tür, wenn jemand durch mich eingeht, der wird gerettet werden.“ (Joh 10,9)

In unserem Predigtwort, aus dem 1. Petrusbief, wird die Gemeinde als eine Gemeinschaft angesprochen, die Jesus als Herrn angenommen hat. Ihr wird gesagt:

Bleibt auf Jesu Weg, bleibt in SEINER Nachfolge. Folgt Jesus nach, wie Schafe ihrem Hirten folgen.
Damit seid ihr auf Gottes Weg zum Leben. Auf diesem Weg seid ihr in Liebe und Vertrauen mit Jesus verbunden. Ihr empfangt Freiheit, Freude und Hoffnung.

Aber ihr werdet auch teilhaben an dem, was Jesus auf SEINEM Weg erduldet und leidet.

Schaut auf SEIN Leben. Jesus ist diesen Weg im Vertrauen auf Gott und in Liebe zu euch gegangen:
„Er hat kein Unrecht getan; nie ist ein unwahres Wort aus seinem Mund gekommen. Wenn er beleidigt wurde, gab ers nicht zurück, wenn er leiden mußte, drohte er nicht mit Vergeltung, sondern vertraute darauf, daß Gott ihm zu seinem Recht verhelfen würde.“

Der 1. Petrusbrief ermuntert uns als Gemeinde:
Folgt den Spuren, die Jesus in der Welt hinterlassen hat!
Lasst Euch durch IHN zur Liebe für die Menschen dieser Welt entzünden!

Unsere Verbindung mit Jesus ermöglicht auch uns, Schritte eines Handelns aus Gottes Wort zu tun. Es ermöglicht uns, ein Reden der Wahrheit, das Ertragen von Beleidigungen, das Erdulden von zugefügtem Leiden.

Wir können auf Gott vertrauen. ER hat uns einen Hirten gegeben, der uns leitet und schützt. Jesus, unser Hirte, lässt uns nicht fallen oder im Verderben umkommen.

– ER gibt uns nicht auf, wenn wir SEIN Wort und SEINE Warnungen in den Wind schlagen!
– ER geht uns nach, um uns auf den rechten Weg zurück zu bringen!
– ER heilt alle unsere Wunden und Verletzungen, damit wir diesen Weg gehen können!
– Jesus müht sich um uns, damit wir auf diesem Weg mit IHM zum Ziel kommen!

Denn, nicht der Weg ist das Ziel, sondern das Ankommen in Gottes Zukunft, die ER uns bereitet hat!

So spricht Jesus uns immer wieder mit Gottes Wort an. Als auferstandener Herr begleitet ER uns auch wo wir müde werden auf diesem Weg oder den Weg nicht mehr sehen. Jesus sagt uns:

„Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan“ (Mat 7,7).

Auf dem Weg bleiben und nachfolgen wird unser Leben als Aufgabe begleiten, im Hören und Suchen unter Gottes Zusage und Verheißung.

ER lässt uns durch Jesus sagen:
„Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben“ (Joh 10, 27+28).

Mit diesem Hoffnungswort sendet Gott uns in die neue Woche.
Lasst uns dieser Zusage vertrauen und unter Gottes Segen den Weg zum Leben gehen.

Es grüßt herzlich
Pfr.i.R. Steinführer

²² Gute Nachricht, Bibel, Deutsche Bibelgesellschaft