Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 9. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 7. Kapitel des Matthäusevangeliums, die Verse 24-27. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Vom Hausbau

Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet. Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun der Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.

Liebe Gemeinde,

Wer diese Rede hört und tut…., so beginnt unser heutiger Predigttext. Bei dieser Rede handelte es sich um eine ganz gewaltige Predigt unseres Herrn, es handelt sich um die Bergpredigt. Jesus unterstreicht noch einmal die Wichtigkeit des Hörens UND des Tuns. Es ist ja bekanntlich noch einmal eine ganz andere Dimension, wenn wir sonntags einer Predigt lauschen UND diese dann auch wochentags in die Tat umsetzen.

Jetzt können wir diese seine Rede natürlich nicht im Detail anschauen. Beschränken wir uns heute Morgen doch einmal auf drei zentrale Aussagen der Bergpredigt. Wohlgemerkt, alle Aussagen sind gleich wichtig, aber wir haben halt nicht die Zeit, uns alle gemeinsam anzuschauen:

1. Von der Feindesliebe

„Liebet eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen, damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel.“

Hey, geht’s noch, Jesus? Das geht aber jetzt wirklich zu weit. Gut, meine Feinde zu ignorieren und nicht gleich auf sie einzuprügeln mit Taten und oder mit Worten, das kriege ich vielleicht noch so gerade eben hin. Und das ist schon verdammt schwer, den ganzen Ärger im Zaum zu halten. Da müsste Jesus doch froh sein, dass ich dies hinbekomme.

Und dann die Sache mit der Liebe. Aber Moment mal, wenn ich so darüber nachdenke, dann fällt mir ein, dass ich unmöglich jemanden hassen kann, den ich liebe. Und wenn ich meinen Ärger und Groll tagelang mit mir herumschleppe dann geht es mir auch nicht wirklich besser.

Aber wie kriege ich das hin, die Sache mit der Feindesliebe? Am besten ich gehe zu dem, der die Bergpredigt verfasst hat und frage ihn mal persönlich. Vielleicht sagt er ja zu mir: Übertrag doch den ganzen Groll, die Wut und den Ärger mit deinen Mitmenschen auf mich. Lass los, was dich kaputt macht und übergib mir die ganze Sache.

Ok, Jesus, das könnte klappen. Und das klappt auch. Und das schöne ist, dass es gar nicht mal so schwer ist und mich auch entlastet. Anstelle von Groll und Wut haben jetzt wieder positive Gefühle in meinem Leben Platz.

Und Jesus, was ist das denn? Ich verspüre auch nicht mehr diese Wut und diesen Ärger, wenn ich meinem Mitmenschen begegne. Ich kann ihn sogar freundlich grüßen. Und vielleicht geht ja auch mit Deiner Hilfe noch mehr.

Danke, lieber Herr und Heiland. Aber ich bin mir sicher, dass Du mich das nächste Mal wieder daran erinnern musst. Denn du kennst mich ja in- und auswendig. Und du weißt ja, Herr, außer dir ist eben noch kein Meister vom Himmel gefallen.

2. Vom Sorgen

Sorgt euch nicht um euer Leben…, ja Herr, das sagst du so schön, aber wenn du wüsstest, was ich alles um die Ohren habe. Was ? Das weißt Du?

Ich soll alle meine Sorgen auf dich werfen, denn du sorgst für mich? Ich würde es ja gerne probieren, aber ich hab da so meine Zweifel, ob das wirklich gut geht. Ja, du hast ja Recht, ich werde es nie erfahren, wenn ich es nicht probiere.

Und dann habe ich es eines Tages probiert. Und es hat tatsächlich hingehauen. In dem Moment, wo ich IHM alle meine Sorgen übergeben habe, da hatte ich den Blick wieder frei auf etwas Neues und ganz andere Sichtweisen. War ich vorher blockiert und in meinen Sorgen gefangen, so hatte ich plötzlich wieder neue und gute Ideen.

Sich nicht zu sorgen heißt ja nicht, Gott alles zu übergeben und sich selber nicht mehr um sein Leben zu kümmern. Wir sollen ja nicht in der christlichen Hängematte liegen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen, der uns regelmäßig unser Konto auffüllt.

Das meint unser Herr nicht, wenn er uns auffordert ihm unsere Sorgen zu geben.

Er möchte, dass wir getragen von seiner Liebe neue Perspektiven erkennen, die uns verborgen bleiben, wenn wir uns immer nur um unsere Nöte, Sorgen und Probleme kümmern.

Nur mal so nebenbei bemerkt: Gott hat andere Zeitmaßstäbe als wir sie für gewöhnlich haben. Problem und Sorgen übergeben und sofort die Lösung abgeholt das funktioniert so nicht immer. Es kann schon mal eine Weile dauern. Aber auch in dieser Zeit sind wir sicher in seinen Armen geborgen.

3. Vom Tun des göttlichen Willens

„Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun, das tut ihnen auch!“

Alles klar Jesus, kenn ich: Was du nicht willst dass man dir tut das füg auch keinem andern zu.“  Wie ? Was ? Genau andersrum hast du das gemeint. Ich soll das Sprichwort ins positive drehen?

Jetzt habe ich es verstanden. Die Initiative muss von also mir ausgehen. Ich soll den ersten Schritt machen. Wenn ich also freundlich behandelt werden möchte, dann soll ich zuvor freundlich auf die Leute zugehen.

Und was ist mit diesem stets übelgelaunten Miesepeter in meiner Firma? Trifft das etwa auch auf den zu? Es fällt mir ja schwer, das zu glauben, aber ich probiere es einfach mal. Und siehste, es hat geklappt. Der hat mich doch tatsächlich nach anfänglicher Verwunderung freundlich zurück gegrüßt. Vielleicht ist es ja auch kein stets übel gelaunter Miesepeter.

Jetzt habe ich wieder einmal erkannt, dass das Hören und das Tun gleich wichtig sind.

Aber auch bei der goldenen Regel werde ich meine Schwierigkeiten haben. Und darum bitte ich dich, Herr, hilf mir auch beim nächsten unfreundlichen Zeitgenossen, dass ich auch diesem freundlich begegne.

Und jetzt spinne ich mal ein bisschen. Was wäre, wenn dieser ehemalige Miesepeter das weitergibt, was ich ihm vorgelebt habe? Dann wäre ja bald der gesamte Umgang unter uns Menschen ein ganz anderer.

Und darum möchte ich dich bitten, Herr, öffne nicht nur mir, sondern auch allen meinen Mitmenschen die Augen für diese goldene Regel des Miteinanders.

Wenn wir so handeln, liebe Gemeinde, wenn wir unsere Feinde lieben lernen, wenn wir unsre Sorgen loslassen und auf IHN werfen und wenn wir unsere Mitmenschen so behandeln, wie wir von ihnen behandelt werden möchten, dann haben wir unser Lebenshaus auf einem festen Fundament gebaut. Gewiss, es werden Stürme und Orkane und Platzregen kommen. Aber unser Haus wird Bestand haben, es wird vielleicht wanken aber niemals fallen.

Lassen Sie uns zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes gemeinsam in ein altes Anti-Sorgen-Lied und zwar in den ersten Vers des Liedes „Herz, lass dein Sorgen sein…“ einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Herz, lass dein Sorgen sein, sorgen schafft Angst und Pein
und frommt doch nicht;
vertrau auf Gott, den Herrn, sein Hilf ist dir nicht fern,
Gott schlummert nicht.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber