Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 3. Sonntag in der Passionszeit mit dem Namen Okuli. Unser heutiger Predigttext beschäftigt sich mit der Opfergabe, also einem auch heute noch ziemlich heiklem Thema. Aber auch diesen Themen sollen wir uns nicht verschließen. Bevor wir über den Predigttext gemeinsam nachdenken, lassen Sie uns diesen zunächst zusammen lesen. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im 12. Kapitel des Markusevangeliums, die Verse 41-44:

Das Scherflein der Witwe

Und Jesus setzte sich zu dem Gotteskasten gegenüber und sah zu, wie das Volk Geld einlegte in den Gotteskasten. Und viele Reiche legten viel ein. Und es kam eine arme Witwe und legte zwei Scherflein ein; das macht zusammen einen Pfennig. Und er rief seine Jünger zu sich und sprach zu
ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Gotteskasten gelegt, als alle, die etwas eingelegt haben. Denn sie haben alle etwas von ihrem Überfluss eingelegt; diese aber hat von ihrer Armut ihre ganze Habe eingelegt, alles, was sie zum Leben hatte.

Liebe Gemeinde,

wenn ich das Spendenaufkommen allsonntäglich in den Kirchen einmal näher analysiere, dann komme ich zu einem ähnlichen Ergebnis, wie in unserem Predigttext: In den ärmeren Gegenden unseres Landes wird schlicht und ergreifend mehr gespendet als in den reicheren Gegenden. Eigentlich Grund genug, dass wir einmal gemeinsam über das Thema Opfergabe oder Spende nachdenken. Lassen Sie uns anhand von drei Punkten dieses Thema ein wenig intensiver angehen.

1. Was ist eine Opfergabe ?

Grundsätzlich ist eine Spende nichts anderes als ein Geschenk an jemand anderes. Mal kennen wir ihn persönlich. Ein anderes Mal spenden wir für eine größere Organisation, von welcher wir natürlich nicht wissen, an wen persönlich unsere Spende weitergeleitet wird. Was geben wir
eigentlich ab ? Dumme Frage, werden sie jetzt vielleicht denken. Aber lassen Sie uns dieser Frage trotzdem weiter nachgehen. Wir geben etwas ab, von dem, was wir uns erarbeitet haben.

Soweit, so gut. Wer hat es uns eigentlich ermöglicht, das wir eine Schule besuchen durften und einen hochwertigen Abschluss erzielen konnten ? Wer hat uns denn eigentlich einen Arbeitsplatz gegeben, an welchem wir Monat für Monat unseren Lebensunterhalt verdienen dürfen ?
Und wer erhält uns unsere Kraft und die Gesundheit, dass wir dieser Arbeit auch Tag für Tag nachgehen können ?

Es ist natürlich unser Herr, von dem wir all dies als Geschenk erhalten.
Ja, liebe Gemeinde, das Geschenk eines Arbeitsplatzes wurde vor 20 Jahren gewiss nicht als solches betrachtet. Heute aber erkennen wir den Wert eines derartigen Geschenkes. Und die Gesundheit wird meist solange als selbstverständlich hingenommen, bis uns eine Krankheit ereilt und wir vielleicht nicht mehr im gewohntem Umfange unserer Tätigkeit nachgehen können. Wenn wir die Angelegenheit mal von dieser Seite her betrachten, dann erkennen wir sofort, dass es ja Gott ist, der uns dies alles beschert.

Wenn wir dann spenden, dann geben wir eigentlich ja nur etwas von dem Geschenk zurück, welches wir von unserem Herrn erlangt haben. Wenn wir diesen Gedanken weiter aufnehmen, dann ist die Spende nichts anderes, als ein Danke an unseren Herrn, dass wir im Wohlstand aufwachsen
dürfen und ein demütiges Abgeben an die Menschen, denen es eben nicht so gut geht wie uns.

2. Wie viel sollen wir Spenden ?

Über kein anderes Thema wird so häufig diskutiert, wie über die Höhe der Spende. Paul Deitenbeck, ein evangelistischer Pfarrer aus Lüdenscheid hat einmal gesagt: „Wenn Sie jetzt doppelt so viel geben, wie Sie es sich eigentlich vorgenommen haben, dann geben Sie genau die Hälfte von dem, was Gott von Ihnen erwartet.“ Eine ganz schön steile Behauptung, fand ich.

Aber fragen wir doch einmal die Bibel. Im Alten Testament ist immer wieder vom sogenannten Zehnten die Rede. Das bedeutet nichts anderes, als dass wir 10 % dessen, was wir von unserem Herrn erhalten haben, wieder zurückgeben sollen. 10 % von unserem Gehalt, – ich merke schon, wie jetzt jeder rechnet und nicht nur ich in’s Grübeln kommt. Aber gehen wir doch einmal wirklich davon aus, dass alles, was wir an Einkommen haben ein 100 %iges Geschenk von unserem Herrn ist. Ist es dann zuviel verlangt, dass wir 10 % davon abgeben. Sehen wir es doch einmal von der
anderen Seite: 90 % verbleiben ja schließlich bei uns.

Ich habe in der letzten Woche eine interessante Hochrechnung gelesen, was die Spendenpraxis in Deutschland anbelangt. Durchschnittlich spendet jeder Mensch in Deutschland pro Jahr 1,12 €. Das Komma ist mir nicht verrutscht, liebe Gemeinde, dies ist tatsächlich so wenig. Die gleiche Studie hat einmal den Bedarf an Geld für soziale und caritative Zwecke hochgerechnet und auf die Anzahl der Spender verteilt. Wenn ein jeder von uns im Jahr 12,50 € spenden würde, dann erhielten wir alle zu Weihnachten keinen einzelnen Spendenaufruf mehr. Alle bedürftigen Menschen hätten von allem, was sie benötigen mehr als genug. Das könnte einen schon einmal in’s Grübeln bringen.

Ich selber hatte einmal in meiner Studienzeit eine Spende verweigert, da ich momentan mal nicht so flüssig war. Damals habe ich noch geraucht und der Spendensammler sagte mir ganz offen und klar: Verzichte doch einfach eine Woche auf das Rauchen und spende diesen Betrag. Du schadest eine
Woche deiner Gesundheit nicht und tust auch noch etwas gutes obendrein.
Das hat sich bei mir so festgesetzt, dass ich versuche, allen Spendenaufrufen gerecht zu werden, auch wenn ich mal auf etwas verzichten muss. Übrigens: Der zeitweise Verzicht auf etwas zeigt uns
auch oftmals, dass wir so manche Dinge nicht benötigen. Probieren Sie es doch einfach selber einmal aus.

Übrigens: Das Thema Spenden ist nicht auf Geld allein bezogen. Genau so wertvoll sind z.B. 10 % unserer Zeit, die wir Menschen schenken, die uns und unseren Beistand benötigen.

3. Die innere Einstellung

Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb, so lesen wir es in dem Wort Gottes. Das heißt nichts anderes, als dass wir das, was wir geben, von Herzen geben sollen. Wenn wir mit einem fröhlichen Herzen geben, dann wird unser Schöpfer auch dafür sorgen, dass wir niemals Mangel leiden werden. Fragen Sie mich jetzt nicht, wie das funktioniert. Ich bin nicht Gottes Generalsekretär. Ich kann Ihnen nur sagen, dass ich es dutzende Male, wenn nicht mittlerweile einige hunderte Male erlebt habe, dass es funktioniert.

Bezüglich des Reichtums gibt es ja einen schönen Spruch, den ich Ihnen an dieser Stelle nicht vorenthalten möchte:

Reich ist, wer viel hat
Reicher ist, wer wenig braucht
Am reichsten ist, wer viel gibt

Es lohnt sich wirklich ein wenig näher darüber nachzudenken. Wenn ich viel gebe, dann habe ich einen sofortigen „Zusatznutzen“ für mich selber. Ich mache mich nicht abhängig von materiellen Dingen. Ich schaffe durch das Abgeben die Grundlage dafür, dass sich mein Herz ganz
demjenigen widmen kann, dem ich mein Leben übergeben habe. Ist das nicht wunderbar ? Wir erlangen Freiheit durch Loslassen. Wir sind nicht mehr gefangen in dem Hamsterkäfig von mehr und immer noch mehr.

Lassen Sie mich kurz noch ein Letztes sagen. Ich habe ganz gewiss nichts gegen den Reichtum. Aber ich habe in unserem eigenen Bekanntenkreis leider einige Male erlebt, wie die Droge Geld Menschen süchtig machen kann. Und diese Sucht ist genau so wie die eines Heroin abhängigen
Junkies. Geldsüchtige Menschen gehen über Leichen, wenn es darum geht, an noch mehr Geld zu gelangen. Lassen Sie uns alle dieser Sucht vorbeugen.

Wenn wir neue Prioritäten in unserem Leben setzen, dann können wir auch frohen Mutes in den zweiten Vers des Liedes „Du meine Seele singe…“ von Paul Gerhardt einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Wohl dem, der einzig schauet nach Jakobs Gott und Heil !
Wer dem sich anvertrauet, der hat das beste Teil,
das höchste Gut erlesen, den schönsten Schatz geliebt,
sein Herz und ganzes Wesen bleibt ewig ungetrübt.

Der Herr gebe Dir stets genügend Geld, damit Du Bedürftigen genug abgeben kannst
Der Herr gebe Dir nie zu viel Geld, damit sich Dein Herz nicht verhärtet
Der Herr gebe Dir ein offenes Herz, welches stets erkennt, wo es gebraucht wird

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag mit dem Namen Sexagesimae. Unser heutiger Predigttext beschäftigt sich mit dem Aufbau und dem Wachsen des Reiches Gottes. In Markus 4, die Verse 26-29, benutzt unser Herr einen interessanten Vergleich hinsichtlich des Reiches Gottes. Lassen Sie uns diesen Predigttext für den heutigen Sonntag zunächst gemeinsam lesen:

Vom Wachsen der Saat

Und er sprach: Mit dem Reiche Gottes ist es so, wie wenn ein Mensch Samen auf’s Land wirft und schläft und aufsteht, Nacht und Tag; und der Same geht auf und wächst – er weiß nicht, wie. Denn von selbst bringt die Erde Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in die Ähre. Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.

Liebe Gemeinde,

ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass unser Herr, wenn Er uns das Reich Gottes erklären will, häufig scheinbar alltägliche Begebenheiten aus der Natur heranzieht ? Sicherlich will Er, dass wir erkennen, dass Schöpfer und Schöpfung einander bedingen. Wir sollen durch diese Beispiele immer wieder daran erinnert werden, dass es einen gibt, der hinter all den Geschehnissen steht. Und um dessen Reich geht es in unserem heutigen Predigttext. Schauen wir uns doch am heutigen Sonntag
einmal gemeinsam an, wie denn das Reich Gottes  bzw. als Synonym dazu der Glaube wächst und gedeiht.

1. Der Same

Weltliche Mächte feiern ja immer mit viel Tamtam, Getöse und Menschenaufläufen ihr Dasein und ihre Wichtigkeit. Je lauter und schriller, desto besser. Denken Sie nur einmal an das Getöse, welches alljährlich um die Verleihungen des Oscars gemacht wird. Rund 50 Menschen erhalten eine kleine goldfarbene Plastikfigur und die ganze Welt ist in Verzückung. Ja, liebe Gemeinde, so schaut es in der Welt aus.

Aber wie wächst denn eigentlich das Reich Gottes ? Ganz anders und doch, so möchte ich einmal behaupten, viel effizienter, weil der Schöpfer nämlich selber dahinter steht. Und dieser braucht kein menschliches Getöse, wenn Er beginnt, Sein Reich aufzubauen. Wenn das Reich Gottes bei einem Menschen einzieht, dann beginnt das ganz klein, nämlich mit einem Samenkorn. Gott legt das Samenkorn des Glaubens in unser Herz hinein; zunächst ganz klein und unscheinbar.

Damit ein Same angehen kann, das wird Ihnen jeder Gärtner bestätigen, benötigt er fruchtbare Erde und eine entsprechende Pflege. Der Glaube wächst zwar von sich aus in uns, wir können ihn aber auch ausreißen oder eingehen lassen. Ausreißen ist dabei ein aktiver Prozess, wo ein Mensch
sich aktiv gegen Gott entscheidet. Das Eingehenlassen ist eigentlich viel gefährlicher. Es ist ein schleichender Prozess. Zunächst ist man noch mit Feuereifer bei der Sache, besucht Gottesdienst und Gemeinschaftsstunden. Doch dann, nach einiger Zeit holen einen die Probleme des Alltages wieder ein.

Da wird dann der Sonntag wieder zu einem normalen Arbeitstag und die Gemeinschaftsstunden können nach und nach auch nicht mehr besucht werden. Natürlich verliert man dann auch schnell den Kontakt zu den Schwestern und Brüdern der Gemeinde.

Und hier liegt auch unsere erste christliche Verpflichtung: Wir sollen den zarten Samen hegen und pflegen und ihm reichlich Nahrung geben, damit er ja auch in unserem Herzen angehe.

Nahrung gebe ich dem Samen z.B. immer wieder, wenn ich mich mit Gottes Wort ernsthaft auseinandersetze. Hegen und pflegen kann ich den Glauben, indem ich den Kontakt zu dem, der ihn mir in mein Herz gelegt hat, nicht abreißen lasse. Wenn wir dies tun, dann kann der kleine Same in uns wachsen und gedeihen.

2. Halm, Ähre und Weizen

Bevor eine Pflanze Früchte trägt, muss sie erst einmal nach oben wachsen. Diese banale Weisheit ist natürlich nichts Neues für uns alle. Aber übertragen wir dies doch einmal auf unseren Glauben. Wenn unser Glaube nach oben wächst dann wachsen wir sinnbildlich gesprochen immer ein Stück weit unserem Schöpfer entgegen. So lange wir wachsen verringern wir die Distanz zwischen Ihm und uns und können Ihm so immer ähnlicher werden.

Das Wachstum nach oben beginnt zunächst einmal mit der Ausbildung von Wurzeln. Diese Wurzeln haben ihre Aufgabe darin, dass sie uns in stürmischen Zeiten unseres Lebens immer Halt geben und uns gewiss machen, dass wir eine feste Basis haben aus der heraus wir leben können. Ohne diese feste Basis würde ein kleiner Sturm schon ausreichen, um den wachsenden Halm umknicken zu lassen.

Wenn genügend Wurzeln vorhanden sind, erst dann beginnt die Pflanze nach oben zu wachsen. Gleichzeitig verzweigt sich das Wurzelwerk, denn es soll ja die wachsende Pflanze ernähren. Wenn der Glaube in uns Gestalt annimmt ist es besonders wichtig, dass wir nicht aufhören, uns dem Worte Gottes auch weiterhin zu widmen. Wir dürfen nicht nach dem Motto leben „Kenn ich, weiß ich, kann ich“. Als Jünger in der Schule unseres Herrn hören wir nicht auf zu lernen bis zu dem Tage, wo wir Ihm gegenüber stehen.

Interessant ist es auch zu sehen, dass der Halm und die Ähre noch keine Früchte tragen. Wozu ist eigentlich eine Frucht da ? Nun, sie soll andere Menschen satt machen. Übertragen wir dies auch auf unser Glaubensleben. In der Phase, wo wir wachsen, also noch keine Früchte tragen, werden wir auf unsere Aufgaben vorbereitet. Wir dürfen und sollen unsere enge Beziehung zu unserem Herrn immer weiter vertiefen. Wenn wir dies tun, so werden wir eine kräftige Pflanze im Reiche unseres
Herrn, die Er gerne mit Früchten versieht.

Wie wir gerade gehört haben, sind Früchte nicht um ihrer selbst willen da, sondern um andere zu sättigen. So sollen wir uns auch nicht ob unseres all so treuen Glaubens willen vor anderen Menschen brüsten. Nein, liebe Gemeinde, wir tragen diese Früchte, um unsere hungrigen
Mitmenschen zu sättigen.

Und in jeder Frucht steckt bekanntlich auch ein Same, den wir somit Dank der Hilfe unseres Herrn in das Herz der anderen Menschen legen. Was diese dann aus dem in sie hineingelegten Samen machen, das liegt nicht mehr in unserer Hand. Es ist nicht unsere Aufgabe, den Glauben in anderen
Menschen wachsen zu lasen, dies ist allein die Aufgabe unseres Herrn.
Oder wie Corrie ten Boom es einmal so schön gesagt hat:
„Wir sind nur Bettler, die anderen Bettlern sagen, wo es Brot gibt.“

3. Die Ernte

Irgendwann ist die Zeit der Ernte gekommen. So ist es auch im Reiche Gottes. Wenn unsere Aufgaben hier auf Erden erfüllt sind, dann liebe Gemeinde, dürfen wir darauf vertrauen, dass uns unser Herr in Sein Reich abberuft. Die Zeit der Ernte ist also etwas ganz und gar nicht trauriges. Die Zeit der Ernte ist die Zeit, wo wir getrost die Hände in den Schoß legen dürfen und uns darauf freuen können, dass wir IHM, der Himmel und Erde gemacht hat, persönlich gegenüberstehen.

Ja nicht nur das. Wir dürfen als Seine geliebten Kinder ewige Gemeinschaft mit dem Vater haben. Er möchte Sein Reich mit uns teilen. Aber bis es soweit ist dürfen wir dafür sorgen, dass möglichst viele unserer Mitgeschwister auf Erden die gleiche Aussicht auf eine Ewigkeit in Seiner Herrlichkeit haben, wie wir. Und in diesem Sinne lassen Sie uns fröhlich unseren Dienst versehen und allen Menschen weitersagen, wo es das Brot des Lebens gibt.

Manchmal, liebe Gemeinde, fällt uns dieser Dienst nicht ganz so leicht.
Dies war sicherlich auch schon dem Liederdichter Philipp Spitta bekannt.
Mit dem ersten Vers seines Liedes „Ich steh in meines Herren Hand…“
tröstet er uns sehr schön durch solche Zeiten hindurch. Dieser Vers
lautet, wie folgt:

Ich steh in meines Herren Hand
und will drin stehen bleiben;
nicht Erdennot, nicht Erdentand
soll mich daraus vertreiben.
und wenn zerfällt die ganze Welt
wer sich an ihn und wen er hält,
wird wohlbehalten bleiben.

Der Herr lasse den Samen des Glaubens in Deinem Herzen wohl gedeihen
Der Herr lasse Dich jeden Tag auf’s Neue Früchte des Glaubens tragen
Der Herr lasse Dich diese Früchte an alle hungrigen Mitmenschen weitergeben

Amen.

Liebe Gemeinde,

lassen Sie uns alle unter dem Segen und dem Beistand unseres Herrn Jesus Christus wohlgemut in die neue Woche gehen. Möge ER uns bei allem, was uns bevorsteht beistehen.

In diesem Sinne grüße ich Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Lesergemeinde!
Ich grüße Sie herzlich am 2. Sonntag vor der Passionszeit, am Sonntag Sexagesimä.
Ganz herzlichen Dank für Ihre Zuschriften.

Das Predigtwort für diesen Sonntag steht im Markusevangelium im 4. Kapitel,
in den Versen 26 -29: ²

„Und er sprach: Das Reich Gottes ist so, wie wenn ein Mensch Samen aufs Land wirft und schläft und steht auf Nacht und Tag: und der Same geht auf und wächst, ohne daß er´s weiß. Denn die Erde bringt von selbst Frucht, zuerst den Halm, danach die Ähre, danach den vollen Weizen in der Ähre. Wenn sie aber die Frucht gebracht hat, so schickt er alsbald die Sichel hin; denn die Ernte ist da.“

Der Herr segne an uns SEIN Wort!

Liebe Gemeinde!
Lange Zeit sah es so aus als würden wir in diesem Jahr keinen Winter bekommen. Doch inzwischen deckten Schneegestöber und leichter Flockenfall das offene Land. Unsere Augen finden Ruhe, unsere Herzen staunen neu über alle Pracht. Kinder und Wintersportbegeisterte jubeln unbeschwert. Doch viele Autofahrer und ältere Leute sehen mit Sorgen auf Lasten und Gefahr.

Und für uns alle wächst verborgen unterm Schnee neues Korn fürs Brot.

Es wächst so verborgen, wie Gottes Reich in unserer Welt.
Das Wachsen von Gottes Reich bleibt vielen verborgen. Doch manchmal sehen wir Zeichen von Gottes neuem Leben, wie Spitzen von Wintersaat, die vom Winde frei geweht wurde. Doch im Glauben lässt Gott uns noch mehr sehen von SEINEM Wirken und Wachsen SEINES Reiches unter uns.

Wer Samen in die Erde gibt, der weiß, dass auch unterm Schnee die Saat für die kommende Ernte heranwächst.
Wer auf Gottes Wort hört, der weiß, dass Gottes Wort auch wirkt, wenn er es nicht sehen kann und das es ohne unser Zutun wirkt.

Davon spricht Jesus in unserem Predigtwort.
In diesem Gleichnis legt Jesus uns Samenkörner in die Hand und sagt:
Seht, hier ist Gottes Gabe zum Leben.
In diesen Körnern haltet ihr Gottes Lebenskraft in der Hand.
Sät sie aus als Samen der Hoffnung!
Sie sind Zukunftssaat für euch und die Welt.
So sollt ihr auch das Wort Gottes aussäen, es unter die Menschen bringen.
Und Gott wird aus SEINEM Wort SEIN Reich in dieser Welt wachsen lassen.
Darauf könnt ihr vertrauen, auch wenn euch vieles von Gottes Wirken verborgen bleibt.
Habt Geduld!
Aus Gottes Wort wächst Frucht zur Ernte.

Gott ist bereits am Wirken, wo immer SEIN Wort ausgestreut wurde:
– in der Verkündigung der Gemeinde
– im Lesen der Bibel
– in der Begegnung mit dem Leben von Glaubenden.

Ihr begegnet diesem wirkenden Wort Gottes hier im Gottesdienst und im Hören oder Lesen der Predigt. Denn Gott hat verheißen, dass SEIN Wort nicht leer zurückkommt (Jes 55,11).

Wir wissen nicht, wann Gottes Wort in Herzen Wurzeln schlägt und zur Frucht heran wächst. Gott allein weiß, wann es bei Dir oder mir geschieht. Aber wir können uns bereithalten, Gottes Wort zu hören und aufzunehmen.

Dazu ruft uns auch der Wochenspruch. Darin sagt uns Gottes Wort:
„Heute, wenn ihr meine Stimme hört, so verstocket euer Herz nicht“ (Hebr 3,15).

Macht Euer Herz und Eure Ohren nicht zu, wenn Ihr Gottes Wort begegnet!

Oft fehlt uns die Gelassenheit und Geduld, auf Gott und SEIN Wort zu vertrauen.
Vor unseren Augen sind die Sorgen um die Kirche und um die Welt. Wir sehen viele Fehlschläge, Schuld und Versäumnisse im Dienst der Kirche am Wort, und unsere eigenen Fehlschläge, Schuld und Versäumnisse in unserem Dienst am Wort.

Das alles können wir mit Bitte um Vergebung zum Kreuz Jesu bringen.
Gott kann unsere Augen in Gnaden wenden. ER kann uns schauen lassen, von dem, was ER durch SEINE Kirche und durch uns mit SEINEM Wort wirkt. Und Gott tut das auch. Darüber hinaus füllt ER unsere Hände aufs Neue mit SEINEM Wort. ER schenkt Hoffnung auf SEIN Wirken durch SEIN Wort. Aus dieser Hoffnung lässt ER Geduld und Gewissheit wachsen, für das Wachsen SEINES Reiches unter uns.

Ich bin nur wie ein Säemann, der Gottes Wort wie eine Saat ausstreut. Doch ich darf hoffen, dass Gott durch SEIN Wort das neue Leben des Reiches Gottes wirkt. Zu einem solchen Dienst des Säens seid auch Ihr als Gemeinde gerufen, in vielfältiger Form:
– mit Eurem Wort, mit Eurer Liebe, mit Eurer empfangenen Vergebung und Eurem empfangenen Frieden.

Eines Tages wird Gottes Wirken durch SEIN Wort zur Ernte herangereift sein. Dann wird die Fülle der Frucht für alle sichtbar sein, wie zur Zeit der Ernte, wenn die „Sichel“ die Ernte einbringt.

Bis dahin ist Zeit des Säens und Wachsens – Zeit des gnädigen Wirkens Gottes durch SEIN Wort.

Gott segne uns allen unsere Zeit zum Empfangen der Botschaft des Lebens und zum Weitergeben der Botschaft des Lebens.

Es grüßt herzlich
Euer Pfr.i.R. Steinführer