Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Ewigkeitssonntag im Jahre 2013. Auch im Jahre 2013 sind liebe Menschen von uns gegangen. Das einzige, was uns bleibt ist die Erinnerung an unsere Lieben. Aber wir haben auch eine lebendige Hoffnung des ewigen Lebens, die uns sagt, dass unsere Lieben uns nur vorausgegangen sind und wir ihnen eines Tages folgen werden. Oder wie es Hans-Peter Royer, ein österreichischer Evangelist, der seit August auch schon in der Ewigkeit ist, einmal so treffend formuliert hat: „Auch Christen sterben, aber sie sind nicht eine Sekunde lang tot.“

Unseren Predigttext für den heutigen Ewigkeitssonntag finden wir bei Markus im 13. Kapitel, die Verse 31-37. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen.
Von dem Tage aber und der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater. Seht euch vor, wachet ! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist. Wie bei einem Menschen, der über Land zog und verließ sein Haus und gab seinen Knechten Vollmacht, einem jeden seine Arbeit, und gebot dem Türhüter, er solle wachen: So wachet nun; denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob am Abend oder zu Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder am Morgen, damit er euch nicht schlafend finde, wenn er plötzlich kommt. Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Wachet !

Liebe Gemeinde,

Totensonntag ist ein Synonym für den heutigen Sonntag. Da ist für mich nichts von Hoffnung dabei. Aber der Name Ewigkeitssonntag der weist uns alle heute schon auf einen Punkt hin, wo wir alle in Gottes Ewigkeit versammelt sein werden. Unser heutiger Predigttext beschäftigt sich mit diesem Thema aus unserer Sicht heraus, also aus der Sicht derer, die noch auf Erden sind.

Lassen Sie uns drei Punkte dieses Textes ein wenig näher betrachten:

1. Und es geht weiter

Wir kennen sie alle, diese düsteren Zukunftsprognosen, die selbsternannte Propheten über das Ende der Welt verbreiten. Der letzte Weltuntergang wurde nach dem Mayakalender berechnet und musste vorzeitig abgesagt werden.

Die Zeugen Jehovas sind ja schon wahre Profis in Sachen Weltuntergang.
Aber auch sie mussten diesen Termin bisher immer wieder verschieben.

Das ist ja auch kein Wunder, wenn wir uns den heutigen Predigttext einmal genauer anschauen. Niemand weiß etwas über diesen Tag, wenn Himmel und Erde vergehen werden. Nicht einmal die Engel im Himmel kennen das genaue Datum. Und sogar Jesus kann uns dazu nichts verbindliches sagen. Allein unser himmlischer Vater kennt diesen Tag.

Das einzige, was wir wissen ist, dass es danach für uns weitergeht im Himmel, wo wir die ganze Ewigkeit mit unserem Herrn verbringen dürfen.
Daher sollten wir uns an diesem ganzen Unsinn und der falschen Prophetie auch gar nicht beteiligen.

Ich muss nicht wissen, wann etwas geschieht oder wie mein Lebensweg ausschaut, ich muss nur wissen, dass es Gott gibt, und dass ER das Fundament meines Glaubens ist und dass ER den Weg kennt.

2. Treue bewahren

Wie wir in unserem heutigen Predigttext lesen, hat jeder von uns auf Erden eine Aufgabe erhalten, die wir vor Gott erfüllen sollen.

Natürlich dürfen wir traurig sein, wenn uns liebe Menschen im Glauben vorausgegangen sind. Es wäre ja auch recht merkwürdig, wenn wir dies nicht wären. Aber gleichzeitig sollen wir auch daran denken, dass wir, die wir auf Erden zurückbleiben, nach wie vor eine Aufgabe haben, die es zu erfüllen gilt.

Wir sollen also nicht vor lauter Trauer unser Leben aufgeben und nur noch unseren eigenen Tod herbeisehnen. Dazu hat uns Gott nicht unser Leben geschenkt. Wir dürfen dankbar sein, dass wir mit unseren Lieben so viele oder aber manchmal auch nur so wenige Jahre gemeinsam erleben durften.

Aus dieser Dankbarkeit heraus sollen wir weiterhin unserem Dienst auf Erden nachgehen.

Oder wie es Luther einmal gesagt hat: „Auf böse und traurige Gedanken gehört ein gutes, fröhliches Lied und freundliche Gespräche.“

Liebe Gemeinde, für alle Trauernde ist es nach einer gewissen Zeit sehr, sehr wichtig, dass sie sich nicht gegenüber der Außenwelt abschotten. Erst wenn ich mich wieder den anderen Menschen gegenüber öffne, kann auch mein Leben in unserem Herrn weitergehen. Das geht nicht von heute auf morgen, aber jeden Tag ein Stück weit zurück in die Welt, das geht sicherlich.

Und noch ein Wort für alle Wegbegleiter in der Trauer. Trauer ist ein langsamer Prozess. Gemeinsames Schweigen ist manchmal sinnvoller als ein zutexten mit Bibelstellen. Aber seien Sie gewiss, Gott wird Ihnen schon sagen, wann es Zeit zu schweigen und wann es Zeit zu reden ist.

3. Wachet !!!!

Liebe Gemeinde, ich habe selten einen Predigttext gelesen, in welchem ein Wort so häufig vorgekommen ist, wie in unserem heutigen Text. Es ist das Wort Wachet !

Wir sollen also in unserem Leben nicht untätig herumsitzen oder gar unser Leben leichtfertig leben. Wenn wir den Urtext nehmen, dann steht dort das Wort „gregoreo“. Das bedeutet soviel, wie Konzentration auf Gottes Offenbarung.

Das beinhaltet unter anderem: „Auf der Hut sein vor Gefahren.“ In der heutigen Zeit laufen wir sehr schnell Gefahr, das Wort unseres Herrn zu verlassen. Zu verlockend erscheinen uns andere Angebote, die es doch eigentlich auch ganz gut mit uns meinen. Übertriebene Wellness und Körperkult sind nur zwei Beispiele, die uns in ihren Bann ziehen und von Gottes Wort wegziehen können.

Wachet heißt aber auch, nicht müde, träge oder gar nachlässig zu werden, wenn es darum geht unsere Aufgabe wahrzunehmen. Denken wir doch immer daran, was wäre, wenn ER heute schon wiederkäme. Wäre ER mit dem, was wir gerade tun einverstanden und zufrieden ?

Wachet heißt ganz generell, niemals Gottes Wort und Seine Anweisungen aus den Augen verlieren und darauf achten, dass wir auch diesem Worte gemäß handeln und leben. Das ist bestimmt nicht einfach, aber es ist auch nicht unmöglich.

Unmöglich ist es nur dann, wenn ich mich auf mich alleine verlasse. Wenn ich aber meinen Herrn immer wieder darum bitte, mir dabei zu helfen, dann wird es zwar immer noch nicht leicht und einfach, aber möglich wird es sein.

Lassen Sie uns also alle gemeinsam wachen, lassen Sie uns Gottes Wort niemals aus den Augen verlieren. Dann wird ER uns in traurigen Zeiten Trost aus SEINEM Wort heraus spenden und wird auch wieder dafür sorgen, dass wir in freudigen Zeiten IHN von ganzem Herzen loben und preisen können.

Das „Wachet“ aus unserem Predigttext beschreibt der Liederdichter Johann Walter sehr schön in dem neunten Vers seines Liedes: „Herzlich tut mich erfreuen“ (EG 148), welcher sehr schön lautet, wie folgt:

Ach Herr, durch deine Güte, führ mich auf der rechten Bahn
Herr Christ, mich wohl behüte, sonst möcht ich irre gahn.
Halt mich im Glauben feste in dieser bösen Zeit,
hilf, dass ich mich stets rüste zur ewgen Hochzeitsfreud.

Der Herr sei stets an Deiner Seite, wenn Du traurig bist
Der Herr wandle Deine Trauer in Hoffnung auf ein Leben in SEINER Ewigkeit
Der Herr gebe Dir weiterhin auf Erden die Kraft, Deinen Weg mit IHM zu gehen

Amen.

Liebe Gemeinde,

wenn wir heute die Gräber unserer Lieben besuchen, dann lassen Sie uns dies tun in der Gewissheit, dass sie uns nur einen kleinen Augenblick vorausgegangen sind und dass wir sie sicherlich wiedersehen werden.
Betrachten wir die Gräber doch als Hoffnungszeichen für die Ewigkeit, Orte an denen wir uns immer wieder auf das wirklich Wesentliche im Leben zurückbesinnen können.

In diesem Sinne verabschiede ich mich von Ihnen und melde mich im neuen Kirchenjahr, so Gott der Herr will, also am 1. Advent wieder zurück.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,
 
ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 20. Sonntag nach Trinitatis. Und damit sind wir auch schon direkt bei unserem heutigen Thema, dem Sabbat, oder wie wir es umgesetzt haben, dem Sonntag. Lassen Sie uns zunächst einmal schauen, was uns der Predigttext für den heutigen Sonntag, den wir bei Markus, Kapitel 2, die Verse 23-28 finden, dazu zu sagen hat:
 
Und es begab sich, dass er am Sabbat durch ein Kornfeld ging, und seine Jünger fingen an, während sie gingen, Ähren auszuraufen. Und die Pharisäer sprachen zu ihm: Sieh doch ! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist ? Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er in Not war und ihn hungerte, ihn und die bei ihm waren: Wie er ging in das Haus Gottes zur Zeit Abjatars, des Hohenpriesters, und aß die Schaubrote, die niemand essen darf als die Priester, und gab sie auch denen, die bei ihm waren ? Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. So ist der Menschensohn ein Herr auch über den Sabbat.
 
Liebe Gemeinde,
 
was hat der Sonntag eigentlich für einen Sinn ? Ich glaube wir können an drei Punkten ableiten, was der Sonntag für uns Christen ist und was er vielleicht auch nicht ist.
 
1. Das Geschenk Gottes
Den ersten Sonntag der Welt, den gönnte sich Gott selber. Nachdem Er die Welt erschaffen hatte, ruhte Er am siebenten Tage aus von aller Mühe und Arbeit.

Nehmen wir doch diesen Tag einmal von seinem ursprünglichen Zustand her.
Gott schenkt uns diesen Tag als freien Tag von all unserer Arbeit und all unseren sonstigen Mühen. Wir sollen diesen Tag für unsere eigene Regeneration nutzen. Das heißt aber gleichzeitig auch, dass wir ihn nicht mit allerlei Aktivitäten vollstopfen sollen, die wir vielleicht in der Woche nicht geschafft haben.

An diesem Tage sollen Körper, Seele und Geist vor Gott zur Ruhe kommen, um sich wieder auf Ihn ausrichten zu können. Gott möchte, dass wir unsere leeren Batterien zu ihm bringen, damit Er diese wieder aufladen kann.

Aufladestationen dafür gibt es zuhauf. Wir können an dem Gottesdienst in unseren Gemeinden teilnehmen. Wir können in anderen Gemeinschaften mit unseren Brüdern und Schwestern Gott loben und Ihm danken. Wir können aber auch z.B. an einem Internetgottesdienst teilnehmen. Wie und wo zwei oder drei in Seinem Namen versammelt sind das spielt keine Rolle.
Hauptsache sie sind versammelt. Und das geht auch über das Internet.

Wichtig, liebe Gemeinde, ist doch nur, dass wir diesen Tag dazu benutzen, um vor Gott wieder zur Ruhe zu kommen.
 
Wenn selbst Gott diesen Tag für sich auserkoren hat, wie wichtig ist dieser Tag dann wohl für uns selber, bzw. wie nötig haben wir dann diesen Tag !!!

2. Der Menschensonntag

Wenn wir einmal etwas anfangen, dann machen wir es auch richtig. Geht es Ihnen nicht auch manchmal so ? Gewiss ging es den Israeliten und ihrer geistigen Führung genau so.

Sicherlich, der Sabbat war für den Menschen da, aber das war doch alles viel zu abstrakt. Also musste dieser Tag genau durchstrukturiert werden.
Nur, wenn alle diesen Tag gleich begingen war es doch ein Sabbat für den Herrn.
 
Natürlich wurden auch allerlei Regeln aufgestellt, was man am Sabbat durfte und was nicht. Noch heute gelten bei frommen Juden noch über 30 Verbote und rund 100 Sabbatregeln.
 
Regeln aufzustellen ist das eine, diese einzuhalten das andere. Also mussten auch Maßregeln her, die diejenigen zu spüren bekamen, die sich an den Sabbatregeln vergingen. Und so ganz allmählich war der Sabbat nicht mehr für den Menschen da, sondern der Mensch für den Sabbat.
 
Bei all unserer Gründlichkeit war es uns Menschen ganz schnell gelungen, den eigentlichen Sinn des Sabbats durch zahlreiche Regeln und Gesetze zu konterkarieren.
 
3. Der Jesus-Sonntag
 
Genau in eine solche Situation kommt Jesus hinein. Ich habe ja nun einmal eine blühende Phantasie und kann mir ganz gut vorstellen, wie Jesus fröhlich mit Seinen Jüngern über die Felder zieht (was übrigens auch am Sabbat verboten war), wie sie Ähren rauften und auf einmal auf die Pharisäer trafen.
 
Ich kann mir ganz gut vorstellen, dass diesen die Zornesröte ins Gesicht trat, als sie das muntere Treiben von Jesus und Seinen Jüngern beobachteten. Sogleich begann auch die sittenpolizeiliche Vernehmung.
 
Und hier lernen wir gleich eine ganz besondere Eigenschaft unseres Herrn kennen. Er poltert nicht in gleicher Weise zurück, sondern bleibt ganz ruhig und gelassen. Mal ganz ehrlich, darum beneide ich ihn schon. Wie oft gehen doch schon mal die Pferde mit mir durch, wenn jemand versucht , mir in die Parade zu fahren.
 
Ganz in aller Ruhe legt Jesus den Pharisäern die Schrift aus. Gegen Ende Seiner Auslegung sagt Er Ihnen etwas, was wir mit einer gewissen Vorsicht betrachten müssen: „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.“
 
Wenn Sie mir dies so sagen würden, dann könnte ich antworten: Was sitze ich denn heute morgen überhaupt hier ? So, liebe Gemeinde ist dies aber an dieser Stelle sicherlich nicht gemeint. Jesus fährt weiter fort, dass Er auch Herr über den Sabbat ist.
 
Also, alle äußeren Regeln, egal ob sinnvoll oder weniger sinnvoll werden von dieser Rede Jesu erfasst. Alle äußeren Regeln dürfen am Sabbat gebrochen werden. Aber eines setzt Jesus nicht außer Kraft, nämlich die ursprüngliche Bedeutung dieses Tages. Das zur Ruhe kommen vor Gott, der Ruhetag für Körper, Seele und Geist, das alles wird von Jesus nicht außer Kraft gesetzt.
 
Wir dürfen dies so verstehen, dass Jesus Herr über den Sabbat ist und nicht wir Menschen. Indem Er dies sagt, führt Er den Sabbat wieder Seiner ursprünglichen Bedeutung zu.
 
Und diese ursprüngliche Bedeutung hat Gott geschaffen. Er liebt Seine Geschöpfe über alles. Er weiß, dass wir alle Tage der Erholung brauchen.
Er will nicht, dass wir total abgewrackt durch unser Leben gehen. Er will eine fröhliche Gemeinde, die IHM die Ehre gibt. Das geht aber nur, wenn wir uns auch diese Zeiten der Ruhe nehmen. Nur, wenn wir uns Zeit für und mit Gott nehmen, dann kann unser Herr auch in uns wirken, um uns z.B. wieder mit Seiner Kraft zu erfüllen.

Wenn wir den Sabbat so verstehen, dann erübrigt sich auch die Frage, was man darf und was man nicht darf. Das erklärt sich allein schon durch den göttlichen Sinn des Sabbats.

Egal, wieviel Arbeit wir auch immer haben mögen, egal, was in der Woche auch alles liegen geblieben ist, lassen Sie uns diesen Tag wieder dazu benutzen, um ihn zusammen mit Gott zu verbringen und auch zu erleben. Lassen Sie uns also niemals vergessen, dass nicht WIR Herrscher über den Sonntag sind, sondern dass ER es ist, dem allein auch diese Herrschaft gebührt.

Wenn wir dies machen, dann werden wir noch viele gesegnete Sonntage gemeinsam erleben. Fangen wir heute gleich damit an.
Einen gesegneten Sonntag beschreibt der Liederdichter Tobias Clausnitzer sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes „Liebster Jesu, wir sind hier…“, welcher lautet, wie folgt:

Liebster Jesu, wir sind hier, dich und dein Wort anzuhören;
lenke Sinnen und Begier auf die süßen Himmelslehren,
dass die Herzen von der Erden ganz zu dir gezogen werden.

Der Herr schenke Dir immer wieder genügend Zeit, sein Wort zu hören
Der Herr erfülle dich immer wieder auf’s Neue mit SEINER Kraft
Der Herr lasse SEINE Kraft Tag für Tag in Dir wirken
Amen.

Liebe Gemeinde,
ich wünsche Ihnen allen einen gesegneten Sonntag. Lassen Sie sich von Gottes Kraft erfüllen und lassen Sie sich erfüllt von dieser Kraft durch die neue Woche tragen.
Das wünscht Ihnen von ganzem Herzen

Ihr
Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 1. Sonntag nach Ostern.
In unserem heutigen Predigttext werden wir Zeugen einer ganz besonderen Begegnung, einer Begegnung mit dem auferstandenen Herrn. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im Markusevangelium, Kapitel 16, die Verse 9-14. Lasen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Als aber Jesus auferstanden war am ersten Tag der Woche, erschien er zuerst Maria von Magdala, von der er sieben böse Geister ausgetrieben hatte. Und sie ging hin und verkündete es denen, die mit ihm gewesen waren und Leid trugen und weinten. Und als diese hörten, dass er lebe und sei ihr erschienen, glaubten sie es nicht. Danach offenbarte er sich in anderer Gestalt zweien von ihnen unterwegs, als sie über Land gingen.
Und die gingen auch hin und verkündeten es den andern. Aber auch denen glaubten sie nicht. Zuletzt, als die elf zu Tisch saßen, offenbarte er sich ihnen und schalt ihren Unglauben und ihres Herzens Härte, dass sie nicht geglaubt hatten, denen, die ihn gesehen hatten als Auferstandenen.

Liebe Gemeinde,

eine ganz besondere Begegnung, die man schließlich nicht alle Tage erlebt, das finden wir doch sicherlich alle. Wie würden wir eigentlich heute morgen reagieren, wenn Jesus leibhaftig vor uns stünde und uns mit unserem Namen anredet? Unser Predigttext endet aber nicht mit dieser
Begegnung, sondern er geht noch weiter. Er verfolgt im Prinzip die Frage: Wie wird aus dem Unglauben der rechte und wahre Osterglaube, also der Glaube an den auferstandenen Jesus Christus?

Lassen Sie uns heute morgen ein wenig über die Phasen nachdenken, wie denn nun aus dem Unglaube ein wahrer Glaube wird.

1. Nichts ist unmöglich

Einige unter uns werden sich sicherlich noch an den Werbeslogan eines japanischen Autoherstellers erinnern. Wenn wir dies bereits einem Autohersteller zutrauen, warum dann eigentlich nicht Gott selber.

Und genau hier liegt unser Problem in unserer aufgeklärten Welt. Wir glauben nur noch, was wir sehen oder aber mit unseren Sinnen wahrnehmen können. Alles andere existiert nicht, frei nach dem Motto, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Nur hält sich Gott nicht daran.

Was können wir also tun? Als erstes sollten wir uns einmal bewusst machen, dass es mehr gibt, als wir mit unseren Sinnen er- und begreifen können. Vielleicht hilft uns sogar der technische Fortschritt dabei dieses besser zu erkennen. Hätten wir vor 30 Jahren geglaubt, dass man heute per email Briefe verschicken kann, die innerhalb von weniger Sekunden jeden Empfänger auf diesem Planeten erreichen ? Wohl eher kaum. Und doch ist dies heute möglich.

Schon der Apostel Paulus kannte dieses Problem. Er sagte einmal, dass wir auf Erden eben nur bruchstückhaft erkennen können. Wir aber einmal seine Herrlichkeit schauen dürfen.

Glaube könnte man so definieren: Meine Zustimmung zu dem, was bei Gott wahr ist. Wenn wir dies machen, sind wir schon ein gutes Stück weiter auf unserem Glaubensweg. Lassen Sie uns also wieder unserer eigenen Begrenztheit bewusst werden und einfach auf Gott und seine Allmacht
vertrauen.

2. Man sieht nur mit dem Herzen wirklich gut

Bisher war ja alles mehr oder weniger sehr kopflastig. Auch ein Problem unserer heutigen Zeit. Wir sehen und denken zu wenig mit unserem Herzen und zu viel mit unserem Kopf.

In unserem Predigttext werden ja die Emmausjünger angesprochen. Als Jesus mit ihnen auf dem Wege war, da war das Gespräch was sie zusammen führten sehr, sehr kopflastig. Es drehte sich alles nur um das, was seit Karfreitag geschehen war. Erst als Jesus ihre Herzen öffnete, da erkannten Sie die volle Wahrheit.

Sie hatten zwar schon die ganze Zeit so etwas gespürt, aber der Kopf hatte dieses Gefühl überdeckt. Hier können wir auch heute wieder ansetzen. Lassen wir in Glaubensfragen doch ganz einfach mal in erster Linie unser Herz hören und dann erst unseren Kopf. Wenn wir unser Herz für Jesus öffnen, dann wird er davon Besitz ergreifen. Und das können wir spüren und fühlen. Und was wir spüren und fühlen können, das wird auch von unserem Kopf akzeptiert.

Jesus geht nicht den Verstandesweg, sondern den Herzensweg des Glaubens. Öffnen wir ihm doch wieder den Weg zu unseren Herzen.

Jetzt höre ich natürlich schon wieder die Kritiker unisono sagen, dass der Glaube nur etwas für Menschen ist die ausgesprochen dämlich sind. Bitte, so war es nicht gemeint. Natürlich will unser Herr auch dass wir in Glaubensfragen unseren Kopf benutzen. Aber eben nur zusammen mit
unserem Herzen.

Nur wenn wir beides zusammen einsetzen, werden wir den Weg zum Osterglauben beschreiten können

3. Weil einfach einfach einfach ist

Schon wieder ein Spruch aus der Werbung. Aber, liebe Gemeinde, Werbefachleute können eines sehr gut, nämlich schwierige Sachverhalte auf einen Satz herunter brechen, der uns fortan als Leitsatz begleiten soll.

Schauen wir noch einmal auf unseren Predigttext. Maria von Magdala hatte Jesus gesehen und ihm einfach geglaubt. Genau so sieht der wahre Osterglaube aus.

Aber nur all zu menschlich geht die Geschichte weiter. Als sie den Jüngern dies erzählte, wurde ihr nicht geglaubt. „Was die wohl wieder gesehen hat ! Was sich Frauen nicht alles so einbilden können. Eine lebhafte Phantasie hat sie ja, die gute Maria.“ So werden die Jünger wohl gedacht haben.

Als dann auch noch die Emmausjünger von ihrem Erlebnis berichteten, wurde auch diesen nicht geglaubt. „Das kann doch gar nicht sein. Wer weiß, wo die überall eingekehrt sind auf ihrem Wege. Und überhaupt, warum ist ER uns denn noch nicht erschienen ?“ Alles Fragen, die sich die Jünger wohl gestellt haben könnten.

Und dann erscheint Jesus ihnen allen. Kurz und knapp, ohne Umschweife kommt er auch sogleich zum Thema. Es geht um die Härte unseres Herzens, damals wie heute. Diese Herzensverhärtung verhindert unseren einfachen Glauben. Aber genau dieser einfache Glaube ist es, der uns den Weg zum Osterglauben weist.

Es ist nicht das ausgeklügelte theologische Jesusmodel, dass unsern Kopf davon überzeugt, dass Jesus unser Herr ist. Nein es ist der einfache Glaube der Maria von Magdala, der uns unserem Herrn näher bringt.

Und diesen einfachen Glauben können wir alle haben, wenn wir nur noch unser Herz sprechen lassen und all unsere theoretischen Zweifel über Bord werfen. Dann werden wir erleben, wie unser Herr in unsere Herzen einzieht und von uns Besitz ergreift.

Gehen wir doch alle das ganze Jahr über diesen einfachen Herzensweg des Glaubens und lassen uns nicht mehr verrückt machen von allen möglichen modernen theologischen Konstrukten, die uns davon abzubringen versuchen.

Diese Glaubenshaltung bleibt natürlich nicht ohne tiefe innere Wirkung in uns. Eine dieser Wirkungen beschreibt der Liederdichter Gerhard Tersteegen sehr schön in dem 4. Vers seines Liedes „Ich bete an die Macht der Liebe…“, der da lautet, wie folgt:

O Jesu, dass dein Name bliebe
im Grunde tief gedrücket ein;
möcht deine süße Jesusliebe
in Herz und Sinn gepräget sein.
Im Wort, im Werk und allem Wesen
sei Jesus und sonst nichts zu lesen.

Der Herr öffne Dein Herz für sein Wort
Der Herr lasse sein Wort in Dir wirken
Der Herr wirke durch Dich in Deinen Mitmenschen

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen fröhlichen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 19. Sonntag nach Trinitatis mit dem Wochenspruch für diese Woche
“ Heile du mich Herr, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen.“ (Jeremia 17,14).

Um Heilung von Krankheiten aber auch um noch viel mehr geht es in unserem heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei dem Evangelisten Markus im ersten Kapitel, die Verse 32-39. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Am Abend aber, als die Sonne untergegangen war, brachten sie zu ihm alle Kranken und Besessenen. Und die ganze Stadt war versammelt vor der Tür. Und er half vielen Kranken, die mit mancherlei Gebrechen beladen waren, und trieb viele böse Geister aus und ließ die Geister nicht reden; denn sie kannten ihn. Und am morgen, noch vor Tage, stand er auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame Stätte und betete dort. Simon aber und die bei ihm waren, eilten ihm nach. Und als sie ihn fanden, sprachen sie zu ihm: Jedermann sucht dich. Und er sprach zu ihnen: Lasst uns anderswohin gehen, in die nächsten Städte, dass ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen. Und er kam und predigte in ihren Synagogen in ganz Galiläa und trieb die bösen Geister aus.

Liebe Gemeinde,

so zum Ende des Kirchenjahres hin haben wir einen auf den ersten Blick recht unspektakulären Predigttext vor uns. Das einzige, was uns sofort auffällt ist auch noch etwas negatives; nämlich dass Jesus offensichtlich die Kranken nicht heilt, die Ihm nacheilten. Aber keine Sorge, Er heilt sie doch, indem Er ihnen das Rüstzeug vermittelt, das Rüstzeug für ein gelungenes Leben mit Gott. Und dieses Rüstzeug besteht aus drei Teilen. Lassen Sie uns diese drei Teile ein wenig näher betrachten.

1. Das Gebet

Martin Luther hat einmal gesagt: „Heute habe ich schrecklich viel zu tun, also will ich viel beten.“ Auch wenn die Heilsgeschichten immer im Vordergrund stehen, so erfahren wir von allen Evangelisten, dass Jesus ebenso viel betete, wie Er „arbeitete“. Machen wir das auch noch so ?
Beginnen wir den Tag mit einem Gebet. Vor allem mit einem Gebet, welches uns Kraft geben und uns führen soll ? In aller Regel wohl eher nicht.

Und hier liegt auch schon der erste Grund, warum wir häufig kein all zu gelungenes Leben mit unserem Herrn führen können. Wir beten einfach zu wenig. Wenn wir wissen wollen, was der Herr mit uns vorhat, dann müssen wir Ihn auch danach fragen. Auf unserer Arbeitsstelle nehmen wir doch auch alltäglich die Aufträge von unserem Chef entgegen. Nur bei Jesus, dem eigentlichen Direktor unseres Lebens, machen wir dies häufig nicht.

Ich glaube Jesus hält so vieles für uns bereit, es muss nur erbeten sein. Also lassen Sie uns umdenken und dem Gebet wieder mehr Zeit einräumen. Ich habe einmal folgendes bei mir selber gemerkt. Je weniger Zeit ich hatte, je hektischer wurde ich. Habe ich mich dann zum Gebet
zurückgezogen, so lief auf einmal alles wieder in geregelten Bahnen. Es ist so, als würde Gott mich zwingen, eine Auszeit zu nehmen, um bei Ihm wieder zur Ruhe zu kommen und offen zu werden für Seine Aufträge.

Noch drastischer drückte es einmal Hans-Peter Royer aus, als er sagte:
„Ich weiß, warum du so wenig mit Gott erlebst. Weil du so wenig betest.“ Gewiss, Hans-Peter polarisiert, aber ich finde dies auch richtig so. Es gibt nur einen Weg, um mit Gott in’s Gespräch zu kommen, nämlich das Gebet. Und es gibt nur einen Weg, um mit Gott dauerhaft verbunden zu
bleiben, nämlich das Gebet.

2. Die Arbeit

ein gelingendes Leben mit Gott beinhaltet immer auch die Arbeit. Ich unterhalte mich sehr viel mit Menschen auch über deren Jobs. Ich höre immer häufiger, wie unzufrieden doch die Menschen mit ihrer Arbeit sind. Die Kollegen mobben ständig. Dem Chef kann man fast nichts recht machen
und überhaupt man ist ständig überfordert.

Häufig frage ich dann: „Wie bist Du denn an den Job gekommen ?“ Ich höre viele Antworten, aber eine höre ich ganz, ganz selten; nämlich die Antwort: „Ich habe Gott gebeten, mir eine Arbeit zu geben, die zu mir passt.“ So, und jetzt ist es schon bedenkenswert, dass nahezu alle Menschen, die Gott um den Beistand bei ihrer Berufswahl gebeten haben, ein ausgefülltes Berufsleben führen. Das ist jetzt kein frommes Wunschdenken, sondern spiegelt ganz einfach meine bald 25 jährige
Erfahrung wider.

In der Bibel lesen wir übrigens auch, dass Jesus es nicht anders gemacht hat. Aus eigener Kraft, das gab Er selber zu, konnte Er gar nichts tun, sondern Er konnte nur den Willen Seines Vaters im Himmel tun. Um den zu erfahren, hat Er sich regelmäßig zum Gebet zurückgezogen und dann den
Willen Seines Vaters in die Tat umgesetzt.

Genau das können wir heute auch tun. Was mache ich aber mit meinem ungeliebten Job ? In der heutigen Zeit kann ich doch diesen nicht so einfach hinschmeißen. Das sollte auch keiner von uns tun. Wir können aber trotzdem Gott bitten, uns eine Aufgabe zu übertragen, die mehr unseren Begabungen entspricht. Und was mache ich in der Zwischenzeit ? Nun, ich kann auch den „verhassten“ Job einmal mit ganz anderen Augen betrachten. Ich kann auch meinen Beruf als einen wahren Dienst ansehen, als einen Dienst an Gott und somit als einen Gottesdienst.

Ich kann um die Kraft bitten, dem Mobbing zu widerstehen. Ich kann Gott um die Kraft bitten, es dem Chef recht zu machen und ich kann Gott bitten, meine gesamte Einstellung zu verändern. Probieren wir es doch ruhig einmal aus. Sie werden erstaunt sein, was der allmächtige Gott
auch heute noch zu leisten vermag. Besonders bei denen, die IHN inständig bitten und immer wieder mit ihren Anliegen bedrängen.

3. Predigen

Wir hatten gesehen, dass Arbeit und Gebet zusammengehören. Dies hat Jesus auch den Gemeinden hinterlassen, wenn Er weitergezogen ist. Er hat Ihnen gezeigt, wo Er Seine Kraft herbekommt und wie auch jeder Einzelne von uns, seine individuelle Kraftquelle anzapfen kann. Insofern hat
Jesus die Menschen nicht im Stich gelassen, wenn Er von Gemeinde zu Gemeinde zog und nicht alle Menschen persönlich geheilt hat.

Zu einem gelingenden Christenleben gehört außer Arbeit und Gebet noch ein weiteres; nämlich das Weitersagen des Wortes Gottes. In den beiden großen Staatskirchen machen das die Pfarrer, dafür werden sie ja schließlich auch bezahlt. Dann können sie uns auch gefälligst sonntags unterhalten. So jedenfalls denkt die überwältigende Mehrheit unserer Gesellschaft. Dabei wird aber oft der Missionsbefehl unseres Herrn vergessen, den wir im letzten Kapitel des Matthäus-Evangeliums finden. Da hat Jesus eben nicht die Pharisäer und andere Gelehrte versammelt und sie in die Welt hinausgesandt. Nein, liebe Gemeinde, unser Herr sandte ganz einfache Menschen, wie Sie und mich in die Welt, um das Evangelium zu verkündigen.

Und dieser Missionsbefehl ist bis heute aktuell. Das heißt aber nun auch nicht, dass wir alle die Kanzeln dieser Welt erobern sollen. Nein, ein jeder von uns hat ganz bestimmte Fähigkeiten mitbekommen. Und genau diese Fähigkeiten sollen wir in den Dienst unseres Herrn stellen. Unsere
Arbeit soll eine Predigt sein und unsere Predigt soll unsere Arbeit sein.

Das beginnt mit vielen kleinen und manchmal ganz banalen Dingen. Man überzieht eben nicht die Mittagspause um fünf Minuten, weil es ja doch keiner merkt. Wir wissen, einer sieht es. Wir schwärzen eben nicht unseren Kollegen bei dem Vorgesetzten an. Wir wissen, es hört noch einer
mit, der dies nicht ok findet. Und wir basteln auch nicht mit einem kreativen Element an unserer Steuererklärung herum. Wir wissen, einer schaut uns über die Schulter, der auch dies nicht ok findet. Wenn wir so durch unser Leben gehen, dann dürfen wir gewiss sein, dass der Herr uns
stets führen und leiten wird. Und wir werden so auch Menschen zu Jesus führen können, die Er auch gern führen und leiten möchte.

Arbeit, Gebet und Predigt sind eigentlich ganz einfach kombinierbar.
Lassen Sie uns doch alle in der nächsten Woche einen Neustart wagen. Es wird gewiss spannend werden.

Der Liederdichter Salomo Liscow beschreibt diesen ganz besonderen Gottesdienst sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes „In Gottes Namen fang ich an…“, der da lautet, wie folgt:

In Gottes Namen fang ich an,
was mir zu tun gebühret;
mit Gott wird alles wohlgetan
und glücklich ausgeführet.
Was man im Namen Gottes tut,
ist allenthalben recht und gut
und kann uns auch gedeihen.

Der Herr zeige Dir im Gebet den Weg, den ER für Dich vorgesehen hat
Der Herr gebe Dir die Kraft, diesen Weg mit IHM zusammen zu gehen
Der Herr lasse Dich auf Deinem Weg eine Leuchte für Deine Mitmenschen sein

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen einen geruhsamen Sonntag. Bis zum morgigen Tage, dem Reformationsfest verabschiede ich mich von Ihnen allen und verbleibe

mit herzlichen Segensgrüßen
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 18. Sonntag nach Trinitatis. Heute geht es einmal um ein ganz besonderes Thema, ein Thema, das wie kein anderes polarisiert, es geht heute um Geld und Reichtum. Der Predigttext,den wir gleich zusammen aus dem 10 Kapitel des Markusevangeliums, die Verse 17-27, lesen werden, ist immer wieder missbraucht worden, um den Reichtum an den Pranger zu stellen. Daher breche ich auch im Vorfeld eine Lanze für die Reichen dieser Welt. Gott
hat überhaupt nichts gegen Reichtum. Er hat nur etwas gegen den falschen Einsatz von Geld und Macht. So, und nun lassen Sie uns den Predigttext für den heutigen Sonntag gemeinsam lesen:

Die Gefahr des Reichtums

Und als er sich auf den Weg machte, lief einer herbei, kniete vor ihm nieder und fragte ihn: Guter Meister, was soll ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe ? Aber Jesus sprach zu ihm: Was nennst du mich gut ? Niemand ist gut, als Gott allein. Du kennst die Gebote: „Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis reden; du sollst niemanden berauben; ehre Vater und Mutter.“ Er aber sprach zu ihm: Meister, das habe ich alles gehalten von meiner Jugend auf. Und Jesus sah ihn an und gewann ihn lieb und sprach zu ihm: Eines fehlt dir. Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm und folge mir nach. Er aber wurde unmutig über das Wort und ging traurig davon; denn er hatte viele Güter. Und Jesus sah um sich und sprach zu seinen Jüngern: Wie schwer werden die Reichen in das Reich Gottes kommen! Die Jünger aber entsetzten sich über seine Worte. Aber Jesus antwortete wiederum und sprach zu ihnen: Liebe Kinder, wie schwer ist’s, ins Reich Gottes zu kommen ! Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme. Sie entsetzten sich aber noch viel mehr und sprachen untereinander: Wer kann denn selig werden ? Jesus aber sah sie an und sprach: Bei den Menschen ist’s unmöglich, aber nicht bei Gott; denn alle Dinge sind möglich bei Gott.

Liebe Gemeinde,

ich gebe ja zu, dass man bei dem ersten Lesen dieses Textes ganz schnell zu dem Schluss kommen kann: Die Reichen kommen in die Hölle und die Armen in den Himmel. Wenn wir dieses Wort unseres Herrn derart einfach interpretieren würden, dann kämen wir zu einem mehr als unbefriedigendem Ergebnis. Aber was will uns dieser Text denn nun aufzeigen ? Ich glaube,
er will uns aufzeigen, dass wir die richtige Blickrichtung im Leben nicht verlieren sollten, gerade, wenn wir materiell gesegnet sind. Und der Predigttext gibt uns ein Kontrollinstrument an die Hand, mittels welchem wir prüfen können, wo wir gerade stehen. Lassen Sie uns aber zunächst mit den richtigen Blickrichtungen beginnen, die der junge Mann in unserem Predigttext offenbar aus den Augen verloren hat.

1. Die Blickrichtung nach oben

Ich lese sehr gern die Biografien berühmter und erfolgreicher Menschen. Da gibt es Unternehmer, die immer wieder betonen, dass sie aus kleinen Verhältnissen kommen und sich selber hochgearbeitet haben. Keiner hat ihnen geholfen. Alles haben sie alleine gemacht. So ist ihre Einstellung auch dem Geld und dem Reichtum gegenüber. Das Leben dieser Personen läuft wirklich nach dem Sprichwort: „Erst komm ich und dann komm ich und dann kommst Du noch lange nicht.“

Und dann gibt es da noch eine andere Spezies von Unternehmern. Ich denke insbesondere an den Herrn Deichmann, den Inhaber des gleichnamigen Schuhhauses. Herr Deichmann ist ein bekennender Christ und lebt dieses Christsein auch in seinem Beruf aus. In vielen Interviews fand ich es immer wieder interessant, dass Herr Deichmann neben seinem eigenen Fleiß und Können immer wieder die Gnade Gottes betonte, unter der er stehe und die ihm dies alles beschert habe.

Wenn ich beide Personenkreise vergleiche, dann erkenne ich bei den christlichen Unternehmern immer eine Gelassenheit und Dankbarkeit und innere Fröhlichkeit, die den anderen Unternehmern abhanden gekommen ist. Wenn ich meine Blickrichtung nach oben nicht verliere, dann habe ich
immer die Gewissheit, dass egal, was auch passiert, immer einer da ist mit dessen Hilfe ich rechnen kann. Halten wir also zunächst einmal fest: Wenn wir den Blick nach oben nicht verlieren, laufen wir auch nicht Gefahr uns zu Sklaven von Erfolg und Geld zu machen.

2. Der Blick nach rechts und nach links

Wenn ich wieder an unsere typischen Jungdynamiker denke, die alles alleine geschafft haben, dann sind das auch zumeist die Spezies, die am wenigsten von dem, was sie haben, abgibt. Spenden kommt in ihrem Vokabular offensichtlich nicht vor. Als Sklave des Geldes herrscht dort auch eine panische Angst vor, eben selbiges oder einen Teil davon zu verlieren. An Abgeben ist natürlich gar nicht mehr zu denken, man könnte ja selber irgendwann einmal in eine Notlage geraten. Wussten Sie eigentlich, dass die größte Sorge der reichsten Menschen dieser Welt die Angst vor Armut ist. Wer da wohl seine Finger im Spiel hat !?

Ich nehme jetzt einmal einen guten Freund von mir, der selber ein Unternehmen betreibt. Soziale Verantwortung und Blick für Situationen, in denen geholfen werden muss, scheinen ihm in die Wiege gelegt worden zu sein. Gewiss er arbeitet auch fleißig in seinem Unternehmen, aber meistens ist er in irgendeiner caritativen Angelegenheit unterwegs. Raten Sie nun einmal, wer glücklicher ist.

Bei allem Engagement für seine Mitmenschen läuft sein Unternehmen nach wie vor erfolgreich. Manchmal könnte man den Eindruck gewinnen, dass jemand von oben die „Strippen“ zieht und die Geschicke des Unternehmens lenkt. Dass dies in der Tat so ist, wissen Sie, ich und mein Freund
natürlich auch. Eines seiner Zitate war einmal: Eines Tages werde ich vor dem Richterstuhl Gottes stehen. Dann kommt es nicht so sehr darauf an, wie häufig ich in der Kirche war, aber für jede unterlassene Hilfeleistung werde ich Rechenschaft ablegen müssen. Und das möchte ich mir ersparen. Ich kann nur sagen: Recht hat er !!!

3. Der Blick nach unten

Die Sterberate auf diesem Planeten liegt immer noch bei exakt 100%. Das können wir nicht wegdiskutieren. Vielleicht kann man sich das Leben als reicher Mensch ein wenig einfacher gestalten. Aber sterben tun wir alle, Arme und Reiche gleichermaßen.

Da ist es dann schon ein wenig verwunderlich, wie wir mit dem umgehen, was uns Gott geschenkt hat. Viele Mitmenschen gehen ja davon aus, dass sie ewig auf dieser Erde leben. Jedenfalls benehmen sie sich so. Wenn ich von dieser Grundeinstellung getrieben werde, dann haben natürlich
Geld, Erfolg und Gesundheit einen ganz anderen Stellenwert, als wenn ich mir bewusst bin, dass jeder einzelne Tag auf Erden zugleich mein letzter sein könnte.

Es waren immer die Menschen ein Segen in der Zeit, die mit dem Kopf schon in der Ewigkeit gelebt haben. Erst dann, wenn wir uns alle wieder ganz intensiv mit unserer Endlichkeit befassen, werden sich Prioritäten in unserem Leben ändern. Wenn ich morgen sterbe, muss ich keine
Rücklagen mehr für ein neues Auto ansparen. Wenn ich morgen diese Erde verlasse, brauche ich keinen 22. neuen Boss-Anzug mehr. Und wenn ich morgen sterbe, dann kann ich mich heute schon von allem trennen, was eigentlich überflüssig ist. Nichts, liebe Gemeinde gegen eine vernünftige Vorsorge. Aber wie bei allem im Leben kommt es auch hier auf das rechte Maß an.

Dies ist gewiss eine steile Behauptung. Aber, liebe Gemeinde, probieren Sie es einfach einmal aus. Probieren wir es doch aus, uns von überflüssigem zu trennen. Es entwickelt sich ein Gefühl der Dankbarkeit und Demut. Und es entwickelt sich ein Gefühl der Freiheit, einmal etwas loslassen zu können in der Gewissheit, dass man immer noch genug hat.

4. Die mathematische Probe

Ob man richtig gerechnet hat, kann man im allgemeinen, und das wissen wir alle noch aus unserem Schulunterricht, ganz einfach überprüfen, indem wir die mathematische Probe machen. Kommt sie zu dem gleichen Ergebnis, wie unsere erste Berechnung, dann haben wir alles richtig gerechnet.

So, Jesus macht diese mathematische Probe auch mit dem jungen Mann. Wenn ich mir die moralischen Grundsätze des jungen Mannes anschaue, dann komme ich zu dem Ergebnis: Alles richtig gemacht. Das kann ich übrigens von mir nicht so einfach behaupten. Und jetzt kommt die mathematische Probe, die Jesus ihm auferlegt. Er sagt frei übersetzt: Gut, du hast alle Gebote gehalten, das ist schon klasse, das können nicht viele. Wenn du dich jetzt noch von deinem Reichtum trennst, dann steht deiner Seligkeit nicht´s mehr im Wege.

Jesus will prüfen, was wirklich an erster Stelle im Leben des jungen Mannes steht. Und genau da hört es dann auch auf. Genau hier knickt der junge Mann ein. Was will uns unser Herr hiermit sagen ? Ich glaube er will uns sagen, dass alle guten Taten, alle Gebote, die wir eingehalten haben nichts wert sind, wenn wir nicht IHN auf den Thron unseres Lebens setzen. Nur wenn ER der alleinige Herrscher unseres Lebens ist, dann können wir getrost der Ewigkeit in’s Auge schauen.

Und dass wir mit einer heiteren Gelassenheit und nicht mit zwanghafter Frömmigkeit Ihm entgegengehen, dass ist Sein größter Wunsch für uns. Überlegen wir uns doch alle einmal, was uns vielleicht noch davon abhält, IHN allein regieren zu lassen.

Wenn wir allein IHN in unserem Leben regieren lassen, dann können wir frohen Herzens in den 6. Vers des Liedes „Ich bin ein Gast auf Erden einstimmen…“, den uns Paul Gerhardt hinterlassen hat und der lautet, wie folgt:

So will ich zwar nun treiben, mein Leben durch die Welt,
doch denk ich nicht zu bleiben in diesem fremden Zelt.
Ich wandre meine Straße, die zu der Heimat führt,
da mich ohn alle Maßen mein Vater trösten wird.

Der Herr gebe Dir stets das rechte Verhältnis zu den Gütern, die Du besitzt
Der Herr zeige Dir immer wieder, wo Du von Deinen Besitztümern abgeben kannst
Der Herr gebe die Erkenntnis loszulassen, was Dich beschwert und anzunehmen, was Dich befreit

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen schönen
Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr
Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 17. Sonntag nach Trinitatis. Unser heutiger Predigttext beschäftigt sich mit dem Thema der Heilung. Heilung verbinden wir ja allgemein mit dem Begriff der körperlichen Heilung. Unser Herr hingegen heilt gesamt, also an Körper, Seele und Geist. Dies erfahren wir auch in unserem heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei dem Evangelisten Markus im 9. Kapitel, die Verse 17-27. Lassen Sie uns diesen Text
zunächst gemeinsam lesen.

Einer aber aus der Menge antwortete: Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht zu dir, der hat einen sprachlosen Geist. Und wo er ihn erwischt, reißt er ihn; und er hat Schaum vor dem Mund und knirscht mit den Zähnen und wird starr. Und ich habe mit deinen Jüngern geredet, dass sie ihn austreiben sollen, und sie konnten’s nicht. Er aber antwortete ihnen und sprach: O du ungläubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein ? Wie lange soll ich euch ertragen ? Bringt ihn her zu mir ! Uns sie brachten ihn zu ihm. Und sogleich, als ihn der Geist sah, riß er ihn. Und er fiel auf die Erde, wälzte sich und hatte Schaum vor dem Mund. Und Jesus fragte seinen Vater: Wie lange ist’s, dass ihm das widerfährt ? Er sprach: Von Kind auf. Und oft hat er ihn ins Feuer und ins Wasser geworfen, dass er ihn umbrächte. Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns ! Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst:
Wenn du kannst – alle Dinge sind möglich dem, der glaubt. Sogleich schrie der Vater des Kindes: Ich glaube; hilf meinem Unglauben ! Als nun Jesus sah, dass das Volk herbeilief, bedrohte er den unreinen Geist und sprach zu ihm: Du sprachloser und tauber Geist, ich gebiete dir: Fahre von ihm aus und fahre nicht mehr in ihn hinein ! Da schrie er und riss ihn sehr und fuhr aus. Und der Knabe lag da wie tot, so dass die Menge sagte: Er ist tot. Jesus aber ergriff ihn bei der Hand und richtete ihn auf, und er stand auf.

Liebe Gemeinde,

das war schon eine besondere Situation, die wir soeben gehört haben.
Eine Familie hat ein krankes Kind. Vermutlich sind sie schon von Arzt zu Arzt gelaufen, haben jede Menge Geld investiert und als Ergebnis, die wohl niederschmetternde Diagnose erhalten: Wir können Ihrem Kind nicht helfen ! Eine Situation, die auch uns heute schier verzweifeln ließe,
wären wir selber betroffen. Und dann genügen ein paar Worte von Jesus und das Kind ist gesund. Grund genug, dass wir uns heute morgen ein wenig näher mit dem Thema Heilung beschäftigen sollten. Drei Punkte fallen ganz besonders auf, wenn wir uns den heutigen Predigttext genauer
anschauen.

1. Jesus heilt

Über der Eingangstür zum Sprechzimmer eines mir bekannten Arztes hängt folgendes Schild:

Jesus heilt, ich bin sein Knecht
wenn ER es will, ergeht’s Dir recht

Das trifft auch schon genau unseren ersten Punkt. Es ist Jesus persönlich, der da geheilt hat. Der Vater des Kindes bringt es ja auf den Punkt, als er sagt: Die Jünger konnten nichts ausrichten. Es ist auch nicht die Kirche, die da heilt. Es ist Jesus ganz persönlich, der dieses kranke Kind gesund gemacht hat.

Das interessante an dieser Heilung ist, dass sie heute noch so geschieht wie vor über 2000 Jahren. Denn unser Herr lebt ja. Er ist mitten unter uns. Wir können uns mit all unseren Nöten, Sorgen und Problemen genau so an IHN wenden, wie vor über 2000 Jahren. Jesus erwartet nur eines von uns. Das kindliche Vertrauen in Seine schier unbegrenzte Macht. Wenn wir so zu IHM kommen, dann kann ER auch uns heute im 21. Jahrhundert genau so heilen, wie ER dies bei dem kranken Kind vor über 2000 Jahren getan hat.

Jesus erwartet auch keine Gebetslitaneien oder die Einhaltung besonders frommer Riten. Nein, liebe Gemeinde, das einzige, was unser Herr erwartet ist unser Vertrauen. Und wenn wir einmal ganz ehrlich sind, dann liegt genau hier der Hase im Pfeffer. Wie oft versuchen wir mit eigenen Mitteln alles zu regeln, anstelle dass wir uns sofort an unseren Herrn wenden. Erst dann, wenn der Karren hoffnungslos in den Dreck gefahren ist, dann erinnern wir uns daran, dass da doch noch einer ist,
den wir anrufen können.

Lassen Sie uns doch aufhören mit unseren eigenen kläglichen Versuchen. Lassen Sie uns doch wieder sogleich zu unserem Herrn gehen, wenn wir ein Problem haben.

2. Jesus ist stärker

Wir müssen uns, glaube ich, nicht darüber unterhalten, ob es böse Mächte, Geister und Dämonen gibt, die von Menschen Besitz ergreifen können. Wer das ernstlich bezweifelt, dem empfehle ich einmal die Lektüre irgendeiner beliebigen Tageszeitung.

Doch auch hier wieder sofort die positive Nachricht: Jesus ist stärker als alle Dämonen und Geister dieser Welt. Das Kind, welches Jesus behandelte war von einem solchen bösen Geist besessen. Es muss auch noch ein sehr hartnäckiger und therapieresistenter Geist gewesen sein. Denn wir lesen: Du sprachloser und tauber Geist…

Haben Sie schon einmal mit einem taubstummen Menschen geredet, wie Sie normalerweise zu kommunizieren pflegen ? Das würde natürlich niemals klappen. Deswegen wurde ja auch die Zeichensprache erfunden. Bei Jesus ist dies aber etwas ganz anderes. Jesus hat selbst die Macht mit einem taubstummen Geist zu reden. Was will uns dies sagen ?

Nun, liebe Gemeinde, wenn Jesus heilt, dann beseitigt Er nicht oberflächlich irgendwelche Symptome und sorgt für eine rasche, aber nur vorübergehende Linderung. Nein, wenn Jesus heilt, dann geht Er in die Tiefe des Menschen hinein. Er beseitigt die Ursache und nicht nur die Symptome.

Wenn Jesus heilt, dann heilt Er richtig. Das setzt natürlich auch voraus, dass wir Ihm allein unser Vertrauen schenken. Natürlich rede ich nicht gegen die ärztliche Kunst. Wir haben in unserem Lande eines der besten ärztlichen Versorgungssystem dieser Welt. Natürlich rate ich Ihnen dringend an zum Arzt zu gehen, wenn Beschwerden Sie plagen. Das ist doch selbstverständlich. In unserem Predigttext ging es ja auch um ein Kind, wo der ärztlichen Heilkunst offenbar Grenzen gesetzt waren, sonst wäre das Kind ja genesen. Jesus will uns zeigen, dass das Ende der ärztlichen Kunst, für Ihn noch lange nicht das Ende bedeutet.

Viele, mittlerweile sehr gut dokumentierte Fälle beweisen dies. Und wenn Sie mich nachher fragen: Und warum hat Jesus meinen geliebten Vater, Mutter, Sohn etc. nicht geheilt ? Dann, liebe Gemeinde muss ich Ihnen leider sagen: Ich weiß es nicht. Lassen Sie sich um Himmels willen
nicht von besonders „frommen“ Gruppierungen in’s Bockshorn jagen, die Ihnen glauben machen wollen, die betroffene Person hätte nicht genug geglaubt. Ich halte dies für puren Unsinn.

3. Der Geist ist weg, er macht Platz für Neues

Wir kommen zum Abschluss der heutigen Predigt noch zu einem ganz besonderen Problem. Nachdem der Geist von dem Jungen ausgefahren war, lag er da wie tot. Jesus nahm ihn bei der Hand und der Junge stand auf. Ist doch alles gut gegangen würden wir sagen, so wir den Text
oberflächlich lesen. Aber es steckt noch etwas dahinter.

Zahlreiche Ärzte, die sich auf die Behandlung von Suchtkranken spezialisiert haben, haben mir erklärt, dass es eigentlich recht simpel ist, einen Menschen z.B. von der Alkoholsucht zu befreien. Die körperlichen Symptome des Entzuges seien kaum wahrnehmbar. Wieso werden dann so viele Menschen rückfällig ? Es gibt neben der physischen auch noch die psychische Ebene.

Wenn die physische Ebene geheilt worden ist, dann ist bei einem Suchtkranken der Dämon Alkohol zwar körperlich ausgezogen. Es macht sich aber eine innere Leere breit, die es zu füllen gilt. Wird diese Leere nicht gefüllt, ist es ein leichtes für den Dämon Alkohol wieder bei dem Menschen einzuziehen.

Wenn wir uns in die Behandlung unseres Herrn begeben, dann heilt auch Er zunächst die physische Ebene. Aber wie bei dem Jungen in unserem heutigen Predigttext nimmt Er uns auch an Seine Hand und heilt unsere Psyche. Daher, liebe Gemeinde, gehen auch so viele Entzüge schief. Der Platz, die Leerstelle, die z.b. der Alkohol hinterlässt wird nicht wieder ausgefüllt. Wenden wir uns hingegen an den Arzt Jesus, dann zieht Er bei uns ein und behandelt nicht nur unsern Körper, sondern zugleich auch unsere Seele und unseren Geist.

Wenn wir diese ausgestreckte Hand ganz fest ergreifen und sie niemals wieder loslassen, so ist dies ein Garant für ein sorgenfreies Leben !!!!!

Nein, liebe Gemeinde, dies ist es nicht. Ich weiß, ich bin gemein, ich wollte nur mal kurz prüfen, ob noch alle wach sind. Wenn wir diese ausgestreckte Hand ergreifen, dann sind wir vom Tode in das Leben übergegangen. Dann sind wir nach wie vor Teil dieser vergänglichen Welt.
Aber Teile dieser Welt mit einer gewissen Hoffnung des ewigen Lebens.
Und gestärkt durch diese Hoffnung können wir mit Sorgen, Nöten und Problemen einfach besser umgehen.

Nikolaus Ludwig von Zinzendorf beschreibt dieses „An Jesus hängen“ sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes: „Jesu, geh voran…“ welcher lautet, wie folgt:

Jesu, geh voran auf der Lebensbahn !
Und wir wollen nicht verweilen,
dir getreulich nachzueilen;
führ uns an der Hand bis ins Vaterland.

Der Herr begleite Dich Dein ganzes Leben lang
Der Herr behüte Dich, wo auch immer Du sein wirst
Der Herr bewahre Dich davor, von IHM abzufallen

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag an der Hand unseres Herrn. Lassen Sie uns immer wieder daran denken, dass uns diese Hand nicht nur sonntags führen und leiten will, sondern unser ganzes Leben lang.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 14. Sonntag nach Trinitatis. Der heutige Sonntag steht unter dem Thema „Heilung“. Obschon es in unserem heutigen Predigttext um die Heilung eines körperlichen Gebrechens geht steckt doch viel mehr dahinter. Es geht heute um die Reinigung der Seele, also die Reinigung von unseren Sünden. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei dem Evangelisten Markus im 1. Kapitel, die Verse 40-45. Lassen Sie uns diesen Text zunächst
gemeinsam lesen:

Die Heilung eines Aussätzigen

Und es kam zu ihm ein Aussätziger, der bat ihn, kniete nieder und sprach zu ihm: Willst du, so kannst du mich reinigen. Und es jammerte ihn, und er streckte die Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: Ich will’s tun, sei rein ! Und sogleich wich der Aussatz von ihm und er wurde rein.
Und Jesus drohte ihm und trieb ihn alsbald von sich und sprach zu ihm:
Sieh zu, dass du niemandem etwas sagst; sondern geh hin und zeige dich dem Priester und opfere für deine Reinigung was Mose geboten hat, ihnen zum Zeugnis. Er aber ging fort und fing an, viel davon zu reden und die Geschichte bekanntzumachen, sodass Jesus hinfort nicht mehr öffentlich
in eine Stadt gehen konnte; sondern er war draußen an einsamen Orten; doch sie kamen zu ihm von allen Enden.

Liebe Gemeinde,

Wie werden wir rein, rein von unseren Sünden ? Darum geht es am heutigen Sonntag. Was müssen wir tun, damit wir gleiches erleben, wie der Aussätzige aus unserem heutigen Predigttext ? Es sind, glaube ich drei christliche „Kardinaltugenden“, die den Aussätzigen auszeichnen:

1. Das Wissen

Der Aussätzige weiß sehr wohl um seine Krankheit. Wie sieht dies in unserer Gesellschaft im 21. Jahrhundert aus ? Weiß überhaupt jemand, dass er an seiner Seele erkrankt ist ? Fragen wir überhaupt noch nach, ob alles richtig ist, was wir machen ? Ist es nicht vielmehr so, dass die Mehrheit der Bevölkerung erst dann, wenn überhaupt, ein Stoßgebet zu Gott sendet, wenn es keinen menschlichen Ausweg mehr zu geben scheint ?

Für uns bedeutet das: Wir müssen wieder sensibler für unsere Sünden werden. Nur wenn wir diese erkennen, dann können wir uns auch auf den Weg zu dem machen, der uns unsere Sünden vergeben kann. C.S.Lewis gibt uns einen guten Rat, wie wir unsere eigene Schlechtigkeit erkennen können: „Kein Mensch kennt das Ausmaß seiner eigenen Schlechtigkeit, solange er nicht ernstlich versucht hat, gut zu sein.“

Ich habe es selber einmal versucht. Sie glauben gar nicht, wie schnell ich erkennen musste, dass ich in jedem Augenblick meines Lebens der Vergebung unseres Herrn Jesus Christus bedarf.
Probieren Sie es selber einmal aus.

2. Das Vertrauen

Der Aussätzige setzt alles auf eine Karte, um wieder gesund zu sein.
Diese Karte heißt Jesus Christus. Auf welche Karten setzen wir eigentlich in unserem Leben ?
Da ist die Karte Geld, die uns einen gewissen Wohlstand erlaubt. Dann ist da noch die Karte Familie, in welcher wir uns sozial geborgen fühlen. Und dann ist da noch die Karte Versicherung, die uns ganz nach unserem Belieben gegen alle Unbillen des Lebens absichert.

Und jetzt nehmen wir dieses Kartenhaus einmal auseinander. Nehmen wir mal die Karte Geld. Ich bin kein Börsenprofi, aber wenn ich mir den DAX anschaue, dann begreife sogar ich, dass ich unter Umständen innerhalb weniger Monate meine Ersparnisse halbiert hätte, so ich diese an der
Börse angelegt hätte. Also die Karte Geld ist nicht besonders sicher. Zudem besitzt diese Karte ein nicht unerhebliches Suchtpotential. Einmal zu Geld gekommen, will man immer mehr und mehr und noch mehr. Also keine besonders gute Karte, um darauf zu setzen.

Dann ist da noch die Karte Familie. Angefangen hat alles mit einem kleinen Familienkrach und auf einmal spricht man nicht mehr miteinander. Jeder geht seine eigenen Wege. Man lebt nebeneinander her, bis der eine einen neuen Partner kennenlernt und die ganze Familie sich in Wohlgefallen auflöst. Da können Zeitschriften die sogenannte Patchwork-Familie noch so sehr idealisieren; so richtig wohl geht es den Kindern in diesen Familien meist nicht. Also, die Karte Familie ist auch eine wackelige Angelegenheit.

Kommen wir zur Karte Versicherungen. Da ist man gegen alles und jedes versichert. Komme, was kommen mag, irgendeine Versicherung wird den Schaden schon beheben. Und dann kommt sie auf einmal, die niederschmetternde Diagnose einer tödlich verlaufenden Krankheit. Dann ist auf einmal keine Versicherung mehr da, die diesen „Schaden“ beheben kann.

Aber es gibt eine Karte, die auch hier noch helfen kann. Die Karte Jesus Christus. Wer sein Leben allein dem Heiland anvertraut, der hat wirklich auf die richtige Karte gesetzt. Dieser Heiland kann Finanzsorgen lindern. Dieser Heiland kann in zerrüttete Familien gehen und dafür sorgen, dass dort wieder Friede einkehrt. Und dieser Heiland steht uns auch dann noch bei, wenn wir mit einer tödlich verlaufenden Krankheit kämpfen.

Für alle, die allein auf IHN vertrauen, ist ER immer als Retter zugegen. Überall, wo in unserem Leben Unordnung herrscht kann dieser Heiland wieder Ordnung hineinbringen.

3. Die Demut

Der Aussätzige wendet sich mit seiner Bitte ganz demutsvoll an Jesus.
„Nur wenn du willst“ so lauten seine Worte an Jesus. Demut heißt, ich habe keinen Anspruch auf irgendetwas, aber ich wende mich doch mit meinen Anliegen an einen, der helfen kann. Und genau diese Geisteshaltung müssen wir auch Gott gegenüber wieder einnehmen.

Der heilige mächtige erhabene Gott ist kein Wunscherfüllungsautomat, der nichts anderes zu tun hat, als gefälligst alle unsere Anliegen sofort und zu unserer vollsten Zufriedenheit zu erfüllen. Genau diesen Anspruch haben aber heutzutage sehr viele Menschen. Wir müssen uns wieder bewusst werden, dass wir von Gott gar nichts zu beanspruchen haben. Das einzige, was wir tun können, ist vor IHM auf die Knie zu gehen und IHN um Hilfe zu bitten.

Nachdem der Aussätzige sich so an Jesus gewandt hatte, erleben wir eine außergewöhnliche Reaktion. Jesus sprach „Ich will’s tun, sei rein.“ Und sogleich wurde der Aussätzige rein. Also doch ein Gebetserfüllungsautomat, der heilige große und allmächtige Gott ? Nein, liebe Gemeinde, gewiss nicht.

Jesus erhört jeden Hilferuf, der ernst gemeint ist. Jesus erhört jedes Gebet, welches aus vollstem Vertrauen an Ihn gerichtet ist. Und Jesus erkennt die demutsvolle Haltung unseres Herzens. Wenn wir mit unseren Anliegen derart zu unserem Herrn kommen, dann können wir uns darauf
verlassen: ER hilft.

Das wo, das wann und vor allem das wie dürfen wir ganz entspannt unserem Herrn überlassen.
Er weiß am besten, was das Beste für uns ist. Und dies ist nicht immer identisch von dem, was wir meinen, was uns helfen könnte.

Diese tiefe Geisteshaltung des Aussätzigen ist auch gleichzeitig ein innerer Befreiungsschlag. Wir müssen nicht mehr alles selber regeln. Wir können unsere Angelegenheiten getrost aus der Hand legen und unserem Herrn überlassen. Wir müssen uns nicht ständig Sorgen machen, ob wir von
allem genug haben. ER wird schon für uns sorgen. Wenn wir diese Sorgen an unseren Herrn abgeben, dann können wir auch das tun, was der Herr von uns erwartet, nämlich SEIN Wort weitersagen und uns um unsere Mitmenschen kümmern.

Ein Lied, welches unseren Sorgengeist vertreiben hilft ist das aus dem oberhessichen stammende Lied „Herz, lass dein Sorgen sein'“, dessen erster Vers lautet, wie folgt:

Herz, lass dein Sorgen sein
Sorgen schafft Angst und Pein
und hilft doch nicht.
Vertrau auf Gott, den Herrn
sein Hilf ist dir nicht fern,
Gott schlummert nicht.

Der Herr schenke Dir die Sensibilität,damit Du erkennen kannst, dass Du ein sündiger Mensch bist
Der Herr schenke Dir Vertrauen, damit Du Dich allein auf IHN verlässt
Der Herr schenke Dir Demut, damit Du niemals hochmütig wirst

Amen.

Liebe Gemeinde,

Ihnen allen wünsche ich noch einen gesegneten Sonntag und einen fröhlichen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 13. Sonntag nach Trinitatis. Der heutige Sonntag steht unter dem Thema Kirche und Gemeinschaft Gottes. Dass beides nicht identisch ist, das erfahren wir in unserem heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei dem Evangelisten Markus im 3. Kapitel, die Verse 31-35. Bevor wir gemeinsam über diesen Text nachdenken, lassen Sie uns diesen Text zuvor gemeinsam lesen:

Jesu wahre Verwandte

Und es kamen seine Mutter und seine Brüder und standen draußen, schickten zu ihm und ließen ihn rufen. Und das Volk saß um ihn. Und sie sprachen zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen fragen nach dir. Und er antwortete ihnen und sprach:
Wer ist meine Mutter und meine Brüder ? Und er sah ringsum auf die, die um ihn im Kreise saßen und sprach: Siehe, das ist meine Mutter und das sind meine Brüder ! Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.

Liebe Gemeinde,

was macht eigentlich eine echte Gemeinschaft von Christen aus ? Stellen wir uns doch einmal vor, ein kirchenferner und glaubensferner Mensch möchte von uns wissen, was er denn nun tun muss, um als Christ ein Leben in der Gegenwart Gottes führen zu können. Was könnten wir ihm sagen ?
Ich denke, wir könnten ihm drei Dinge an’s Herz legen.

1. Knapp daneben ist auch vorbei

In unserem heutigen Predigttext begegnen wir zwei Menschengruppen. Einmal der Familie unseres Herrn und dem, ich möchte einmal sagen „inneren Zirkel“, der sich um den Herrn Jesus herum geschart hat. Und dann erleben wir etwas auf den ersten Blick ganz außergewöhnliches.
Jesus scheint sich von Seiner Familie abzusagen. Das tut Er natürlich nicht. Er will nur Seiner Jüngerschar folgendes erläutern:

a. Christ wird man dadurch, dass man ein eindeutiges „Ja“ zu Jesus sagt. Wenn dies ehrlich und aus tiefstem Herzen erfolgt ist, dann ist man ein Mitglied der christlichen Gemeinschaft. Dabei kommt es gar nicht darauf an, wer man ist und was man ist oder woher man abstammt. Jesus liebt jeden Menschen, der aufrichtigen Herzens zu Ihm kommt. Den bezeichnet Er auch als Seinen Bruder.

b. Die Familie steht außen vor. Damit meint unser Herr die ganzen Namenschristen auf dieser Welt. Christen, die aus Tradition in der Kirche geblieben sind. Ja, sie wurden getauft, konfirmiert,und
vielleicht folgte sogar eine kirchliche Trauung und eine Taufe der eigenen Kinder. Aber so richtig mit Jesus zusammen durch das Leben schreiten, nein, das wollen viele dann doch nicht. Natürlich geht man sonntags auch regelmäßig in die Kirche. Man muss ja gesehen werden.
Diese Menschen sind aber im Reiche Gottes außen vor, weil das entscheidende „Ja“ zu Jesus eben fehlt. Dieses „Ja“ ist durch nichts zu ersetzen. Und es ist ein ganz persönliches „Ja“.

Es können sogar eigene Familienmitglieder sein, die außen vor bleiben.
Ich weiß, es ist schmerzlich, wenn ein Mitglied der eigenen Familie mit dem Glauben nichts zu tun haben will. Aber, wir können keinen zwingen. Wir können aber für jeden beten.

Jetzt will ich aber auch nicht missverstanden werden. Ich habe nicht gesagt: Gottesdienstbesuche sind so ziemlich das sinnloseste, was es gibt. Ich habe gesagt, dass, wenn das entscheidende „Ja“ fehlt, dieses nicht durch fromme Gewohnheiten ersetzt werden kann. Einmal kommt der Tag, wo man sich entscheiden muss. Dies können wir unserem Fragesteller also als erstes mitteilen.

2. Hinkommen und Zuhören

Mit dem entscheidenden „Ja“ zu Jesus ist doch eigentlich alles geregelt, oder etwa nicht ? Das könnte unser Freund uns zurecht erwidern. Was nach dem „Ja“ kommt ist aber genau so wichtig. Wenn mein „Ja“ aus tiefstem Herzen kommt, dann will ich doch mehr über diesen Weg mit Jesus wissen.

Jeder, der sich ernsthaft bekehrt, möchte doch möglichst alles wissen von dem, dem er sein Leben anvertraut hat. Alles andere würde uns doch sicherlich ein wenig verwundern. Wo lernt man am meisten von Jesus ? In der Bibel. Nun ist die Bibel für neu bekehrte Brüder und Schwestern ein
Buch, welches einem schon eine ganze Menge abverlangt. Ich weiß nicht, wie oft ich die Bibel schon von vorn bis hinten gelesen habe, aber ich entdecke immer wieder neue Stellen. Und ich entdecke immer wieder neue Fragezeichen, also Stellen, die ich nicht auf Anhieb verstehe. Darum ist es durchaus ratsam auch die Gemeinschaft von Christen aufzusuchen. Dort erfährt man in aller Regel sehr viel mehr über diesen Jesus, als wenn man im stillen Kämmerlein allein vor sich hin studiert.

Zuhören mag ja ganz banal klingen. Bei dem Worte Gottes bedeutet dieses Zuhören aber auch ein intensives Nachdenken über das, was man gehört hat. Nur dann, wenn ich mich mehr als nur oberflächlich mit dem Worte Gottes beschäftige, ahne ich etwas von seiner gewaltigen Tiefe, die
dieses Wort besitzt. Alles, liebe Gemeinde, werden wir auf Erden niemals verstehen, den Rest wird uns unser Herr im Himmel schon erklären, wenn wir ewige Gemeinschaft mit ihm haben.

3. SEINEN Willen tun

Bisher war ja alles noch relativ einfach. Die Sache mit der Entscheidung für Jesus war eigentlich kein Problem. Man wusste ja, was man wollte. Die Teilnahme an Gemeinschaften, Gottesdiensten und Bibelstunden ist auch noch recht erquicklich. Bloß jetzt kommt der Teil, wo unser Glaube
auf die Probe gestellt wird. Jetzt geht es darum, das, was wir gehört und gelesen haben, auch in die Tat umzusetzen.

Erzählen Sie doch einmal auf Ihrer Arbeitsstelle, dass sie den Zehnten geben und dass Gott dies auch von allen anderen erwartet. Auf dumme Bemerkungen und Spott und Hohn brauchen Sie nicht lange zu warten. Wenn Sie dann noch erwähnen, dass Sie freitags zur besten „Sendezeit“ die
Bibelstunde besuchen, haben Sie den Namen als frommer Spinner sofort weg.

Und trotzdem, auch wenn es weh tut sollen wir Seinen Willen tun. Wenn wir nun allein in unserem stillen Kämmerlein hocken, kann es sehr schnell passieren, dass wir an der Welt da draußen verzweifeln und dann doch nach kurzer Zeit wieder dem „Mainstream“ folgen. Wenn wir aber eine
Gemeinschaft haben, und das kann auch schon ein ganz kleiner Hauskreis von drei bis vier Personen sein, wenn wir dies haben, dann werden wir erleben, wie wir immer wieder aufgefangen und neu gestärkt werden.

Ein alter Christ sagte einmal: „Nur, wer vor Gott in die Knie geht, der kann vor Menschen aufrecht stehen“. Dieses in die Knie gehen ist das inständige Gebet, in welchem wir unseren Herrn immer wieder um Seinen Beistand bitten dürfen. Wenn wir vor Ihm in die Knie gehen und Ihm gestehen, dass wir allein gar nicht Seinen Willen tun können, dann werden wir erleben, wie ER uns stärken und wieder aufrichten kann.

Wir sollen, wie die Jünger der Urchristenheit, immer ganz nah an Jesus dran bleiben. Dann wird Er uns unser ganzes Leben lang führen, leiten und begleiten. Vor allem wird Er uns immer davor bewahren, von dem rechten Wege abzugleiten. Und das allein ist es schon wert, sich ab und wann als frommer Spinner bezeichnen zu lassen. Glauben Sie mir, irgendwann prallt auch der blödeste Spott und Hohn an Ihnen ab, weil ER in Ihrem Herzen die Regentschaft übernommen hat.

Entscheiden, Hören und Tun, dies ist es also, was ein Christenleben ausmacht. Eigentlich ganz einfach. Sagen wir es doch auch unseren Mitmenschen so weiter.

Wenn wir trotz allem mal einen kleinen christlichen „Durchhänger“ haben sollten, dann lassen Sie uns doch an den 8. Vers des Liedes „Die güldne Sonne…“ von Paul Gerhardt erinnern, der da lautet, wie folgt:

Alles vergehet, Gott aber stehet
ohn alles Wanken; seine Gedanken,
sein Wort und Wille hat ewigen Grund.
Sein Heil und Gnaden, die nehmen nicht Schaden,
heilen im Herzen die tödlichen Schmerzen,
halten uns zeitlich und ewig gesund.

Der Herr gebe Dir die Zeit, immer wieder SEIN Wort zu studieren
Der Herr schenke Dir die Möglichkeit SEIN Wort in der Gemeinschaft auszulegen
Der Herr gebe Dir die Kraft, dass Du SEINEN Willen in die Tat umsetzen kannst

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten restlichen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Ich wünsche Ihnen allen eine tolle Woche IN unserem Herrn und grüße Sie alle recht herzlich

Ihr
Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Gründonnerstag.
Traditionell gedenken wir an dem heutigen Tage der Einsetzung des Heiligen Abendmahles. Und natürlich beschäftigt sich unser Predigttext mit diesem Ereignis. Wir finden den Predigttext für den heutigen Gründonnerstag im Markusevangelium, Kapitel 14, die Verse 17-26.
Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Und am Abend kam er mit den Zwölfen. Und als sie bei Tisch waren und aßen, sprach Jesus: Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch,der mit mir isst, wird mich verraten. Und sie wurden traurig und fragten ihn, einer nach dem andern: Bin ich’s ? Er aber sprach zu ihnen: Einer von
den Zwölfen, der mit mir seinen Bissen in die Schüssel taucht. Der Menschensohn geht zwar hin, wie von ihm geschrieben steht; weh aber dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird ! Es wäre für diesen Menschen besser, wenn er nicht geboren wäre. Und als sie aßen, nahm
Jesus das Brot, dankte und brach’s und gab’s ihnen und sprach: Nehmet; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch, dankte und gab ihnen den; und sie tranken alle daraus. Und er sprach zu ihnen: Das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird. Wahrlich, ich sage euch, dass ich
nicht mehr trinken werde vom Gewächs des Weinstocks bis an den Tag, an dem ich auf’s neue davon trinke im Reich Gottes. Und als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.

Liebe Gemeinde,

wenn wir heute zusammen über das Heilige Abendmahl nachdenken, dann lassen Sie uns drei Aspekte bedenken, die uns verstehen helfen, die Liturgie und das innere Verständnis des Abendmahles besser zu erkennen.

1. Das äußere Abendmahl

Obwohl das Abendmahl uns als Christen eigentlich vereinen sollte, haben verschiedene Abendmahlslehren dazu beigetragen, dass wir von einer Vereinigung leider noch weit entfernt sind. Wenn wir uns zu Beginn kurz die verschiedenen Lehrmeinungen anschauen, dann lassen Sie uns dies nüchtern und ohne Vorurteile tun. Im wesentlichen gibt es drei Lehrmeinungen, die der katholischen Kirche, die von Luther und die Lehre von Zwingli und Calvin.

Vor dem Abendmahl werden, wie wir alle wissen, die Einsetzungsworte gesprochen. Wenn die Worte „Dies ist mein Leib“ gesprochen werden, dann verwandelt sich nach katholischer Lehre das Brot in den tatsächlichen Leib unseres Herrn. Diese wesenhafte Verwandlung bleibt auch nach dem
Abendmahl bestehen.

Nach lutherischer Lehre endet diese wesenhafte Verwandlung aber nach dem Ende des Abendmahles und die Hostie wird wieder zu dem was sie ursprünglich war, nämlich eine ganz normale Hostie.

Calvin und Zwingli hingegen deuteten dies ganz anders. In der aramäischen Sprache existiert eigentlich das Wort „ist“ überhaupt nicht, sodass nach der calvinistischen Auffassung die richtige Übersetzung lauten müsste: „das bedeutet mein Leib“. Infolgedessen findet keine wesenhafte Verwandlung statt, sondern das Abendmahl ist ein Zeichen der Erinnerung an die
Einsetzung des Heiligen Abendmahles.

Wenn wir einmal das Blut, also den Wein, außen vor lassen, dann sind sich Katholiken und Lutheraner wohl näher als Lutheraner und Calvinisten. Eigentlich ist dies doch ein vollkommen sinnloser Streit, beschäftigt er sich doch lediglich mit der äußeren Form des Abendmahles.
Neben diesem äußeren Abendmahl gibt es dann auch noch das

2. Das innere Abendmahl

Hier wollen wir darüber nachdenken, was denn eigentlich der Inhalt des Abendmahles ist.
Wo sich vorher Katholiken, Lutheranber und Calvinisten noch die Köpfe heiß geredet haben, da sind sie sich bezüglich des Inhaltes des Abendmahles und dessen Bedeutung nahezu deckungsgleich einig. Das zeigt insbesondere, wie sinnlos dieser Streit auch für Außenstehende erscheinen mag.

Wenn wir zum Abendmahl eingeladen werden, dann mit den Worten des 34.
Psalmes: „Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist.“

Wenn wir zum Abendmahl gehen, dann dürfen wir einen kurzen Moment lang spüren und erleben, was es heißt, ein Leben im Reich Gottes zu führen. Nirgendwo, sind wir Gott so nahe, wie im Abendmahl. Man könnte auch sagen: Das Abendmahl ist der Teil des Gottesdienstes, in welchem sich Himmel und Erde berühren.

Bei den Worten „mein Leib, für euch gegeben“ und „mein Blut, für euch vergossen zur Vergebung der Sünden“ dürfen wir uns daran erinnern, dass Jesus mit Zöllnern und Sündern gegessen hat und ihnen ihre Sünden vergeben hat. Genau so, wie Er damals Seinen Tischgenossen ihre Sünden vergeben hat, genau so vergibt Er auch uns heute immer wieder unsere Sünden. Dieses Gnadengeschenk dürfen wir immer wieder auf’s Neue für uns in Anspruch nehmen.

Aber das Abendmahl hat auch noch einen dritten Inhalt. Es ist ja nicht der Pfarrer, Priester oder Pastor, der uns zum Abendmahl einlädt. Es ist der auferstandene Herr, der uns zu Seinem Tisch bittet, damit wir mit Ihm Gemeinschaft haben können. Wir sollen aber nicht nur mit unserem Herrn Gemeinschaft halten, sondern der Herr Jesus schenkt uns auch die Gemeinschaft untereinander. In dem Abendmahl, wo Er in Wein und Brot zugegen ist, führt unser Herr alle Menschen zusammen, auch diejenigen, die es eben nicht so gut miteinander können.

Begreifen wir also das Abendmahl auch wieder als ein Geschenk, das Trennendes überwindet und uns alle wieder in die wahre Gemeinschaft hineinführen kann.

3. Das Abendmahl als Hoffnungsmahl

Bis hierher haben wir über die Wirkung des Abendmahles in der Gegenwart gesprochen. Das Abendmahl besitzt auch eine Ausrichtung auf die Zukunft. Wenn wir in der Abendmahlsliturgie die Worte sprechen: „Deinen Tod, o Herr verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit“, dann richten wir unseren Blick von der Gegenwart weg hin in die Zukunft.

In der festen Gewissheit, dass unser Herr wiederkommen wird, soll uns dieses Mahl für unser Leben in der Gegenwart stärken. Egal, was auch geschehen wird, wir wissen:
Unser Herr kommt wieder in Herrlichkeit. Und dieses Stück vorweggenommenen Himmel dürfen wir bei jedem Abendmahl genießen.

Dieses Stück Himmel will uns auch im Alltag begleiten.
Dieses Stück Himmel will uns und unsere Sicht der Dinge wieder in die richtige Perspektive rücken.
Und, wer dieses Stück Himmel einmal genossen hat, liebe Gemeinde, der kann eigentlich gar nicht anders, als dies seinen Mitmenschen weiter zu erzählen.

Dass Jesus uns alle, aber auch wirklich alle einlädt, Gemeinschaft mit Ihm zu haben, das beschreibt der Liederdichter Kurt Rommel sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes: „Wir sind zum Mahl geladen…“, der da lautet, wie folgt:

Wir sind zum Mahl geladen. Der Herr ruft uns zu Tisch
wie einstmals seine Freunde zu Wein und Brot und Fisch.
Er ruft uns Menschen alle, er zieht die Grenzen nicht.
Denn die im Dunkeln leben, holt er zu sich ins Licht.

Der Herr lasse Dich SEINE Gegenwart bei Brot und Wein spüren
Der Herr stärke und erquicke Dich durch Brot und Wein
Der Herr gebe Dir durch Brot und Wein Hoffnung auf ein Leben in SEINER
Ewigkeit

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Abend.
Bis zum morgigen Tage verabschiede ich mich und grüße Sie alle recht herzlich

Ihr
Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem Palmsonntag.
Alljährlich gedenken wir an diesem Tage an den Einzug Jesu in Jerusalem. Wurde Er an diesem Tage noch als König gefeiert, so kippte diese Stimmung einige Tage später genau in das Gegenteil. Aus dem „Hosiana“ wurde ein „Kreuzigt Ihn“. Wie schnell kippt eigentlich bei uns diese Stimmung ? Richten wir uns auch nach dem Mainstream oder haben wir eine feste Beziehung zu Jesus Christus, die unabhängig von äußeren Einflüssen ist ? Um diesen und um andere Punkte geht es auch in unserem heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei
Markus, Kapitel 14, die Verse 3-9. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Die Salbung in Betanien

Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Glas mit unverfälschtem und kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Glas und goss es auf sein Haupt. Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls ? Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. Jesus aber sprach: Lasst sie in Frieden ! Was betrübt ihr sie ? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im voraus gesalbt für mein Begräbnis. Wahrlich, ich sage
euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in aller Welt, da wird man euch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie jetzt getan hat.

Liebe Gemeinde,

wenn wir das Wort Salbung hören, dann müssen wir uns ein Stück weit in das Alte Testament hineinversetzen. Gesalbt wurden unter anderem Menschen, die Gott geweiht waren. Im wesentlichen waren dies Könige und Priester. Gesalbt wurden diese entweder von einem Propheten oder von einem Hohenpriester im Auftrag Gottes. Nun galten Frauen zur Zeit des Alten Testamentes als religiös minderwertig und ausgerechnet eine Frau ist es, die Jesus salbt. Und dabei sind wir auch schon bei dem ersten Punkt unseres heutigen Predigttextes:

1. Es ist egal, wer Du bist

Da kommt also eine Frau und salbt Jesus. Eigentlich ein Unding. Und dies fanden auch die Anwesenden. Was hätte man mit dem Öl nicht alles anstellen können. Man hätte es verkaufen können. Es hätte für viele andere Salbungen Verwendung finden können. Und was macht diese Frau. Sie salbt Jesus zu ihrem König. Und dies kann bis zum heutigen Tage jeder Mensch auf Erden tun, Jesus zu seinem König salben. In dem Moment, wo wir dies tun, räumen wir Jesus die wichtigste Stelle in unserem Leben ein.

Die Frau gibt mit dem Salböl alles auf, was ihr teuer und wichtig in der Welt war. Alles, was sie will, ist dass der Herr Jesus ihr König ist. Da spielen Geld, Karriere und Ansehen auf einmal gar keine Rolle mehr. Da ist nur das eine, was sie will, nämlich diesem König angehören.

Wie wir soeben schon gehört haben, galten Frauen in der damaligen Zeit als religiös minderwertig. Und genau einer Frau gestattet es Jesus, sie zu salben. Jesus ist es egal, wer wir sind, wenn wir Ihn zu unserem König in unserem Leben erklären. Egal ob wir der Bettler aus der Bahnhofspassage sind oder der reiche Bankdirektor. In dem Moment, wo wir Jesus zu unserem König erklären, da zieht Er in unsere Herzen ein.

Wir Menschen messen uns ja gern mit der Messlatte des beruflichen Erfolges, des Bankkontos und des sozialen Status. Wenn Jesus Sein Maßband anlegt, dann misst er allein unser Herz. Alles andere ist Ihm egal. Und das sollte es uns auch sein. Wir, die wir zu Ihm gehören, sollen gerade in dem Bettler in der Bahnhofspassage als erstes den Jesus in unserem Bruder sehen. Und auch in dem Bankdirektor sollen wir zunächst einmal unseren Herrn Jesus sehen und danach die äußeren
Gegebenheiten.

2. Es ist egal, was Du bist

Ganz zu Beginn lesen wir etwas über den Ort, an dem die Salbung stattfindet. Sie findet statt im Hause Simons des Aussätzigen. Jetzt müssen wir noch einmal kurz das Alte Testament zu Rate ziehen. Wer aussätzig war, der galt als unrein. Und wer unrein war, der musste sich vom Tempel und allen anderen Menschen fernhalten. Selbst wenn sich ihm Menschen unbeabsichtigt nähern wollten, so musste er diese stets vorwarnen, indem er „Unrein, Unrein“ rief. Und bei so einem kehrt also der Herr Jesus ein. Ja, Jesus kehrt bei dem unreinen Simon ein. Er kehrt nicht nur bei ihm ein, sondern Er nimmt auch noch das Mahl gemeinsam mit Simon ein. Und schlussendlich wäscht Er ihn rein von aller Sünde. Sogar diesen Aussätzigen macht Er wieder gesund.

Egal, was wir auch alles erlebt und getan haben, wir dürfen so zu Jesus kommen, wie wir sind. Wenn wir Ihm die Königsherrschaft über unser Leben übergeben, dann macht Er uns von einem Augenblick auf den anderen frei. Egal wie schuldig wir vielleicht der Welt gegenüber sind. Jesus gegenüber sind wir frei. Diese Freiheit im Glauben ist es auch, die uns nicht an uns selbst verzweifeln lässt. Denn wenn wir ehrlich sind, dann sündigen wir doch Tag für Tag auf’s neue. Das ist doch manchmal schier zum verrückt werden. Da wollen wir ein heiliges Leben führen und „bumms“ da ist es auch schon wieder passiert. Aber wir dürfen uns als Seine Kinder mit allem getrost an Ihn wenden. Er wäscht uns wieder rein.

Das gilt übrigens für den Mörder genau so, wie für den sogenannten unbescholtenen Bürger. Beide dürfen, wenn sie es wirklich ehrlich meinen, Sein Gnadenangebot annehmen. Dieses Geschenk fragt niemals danach, was vorher war und ob wir überhaupt eine Berechtigung für die Gnade haben. Sie wird uns geschenkt, weil wir unser Ja zu Jesus gesagt haben. Daher sollten wir auch mit Vorurteilen gegenüber anderen Menschen ein wenig vorsichtiger umgehen. Dürfen wir noch verurteilen, wenn Gottes Urteil auf Freispruch lautet ?

3. Es ist egal, wo du bist

Als die Frau aus unserem Predigttext Jesus zu ihrem König gesalbt hat, da tat sie dies nicht im Tempel in Jerusalem. Sie tat dies auch nicht in einem etwas abseits gelegenen Gotteshaus. Nein, sie tat dies in einem normalen Wohnhaus. Der Kirchenvater Augustinus hat einmal gesagt, dass es eine äußerliche und eine innerliche Kirche gibt. Beide zusammen ergeben eine Einheit, wobei die eine aus der anderen hervorgeht.

Lassen Sie uns über dieses Wort des weisen Kirchenvaters ein wenig näher nachdenken. Die innere Kirche, das ist quasi unser Glaubensbekenntnis im Geist. Das ist das, was unsere Frau aus dem Predigttext getan hat. Sie hat den entscheidenden Schritt hin zu Jesus nicht von einer Organisation
abhängig gemacht oder einem bestimmten Stichtag, an dem man so etwas tut. Nein, liebe Gemeinde, diese Frau hat Jesus in dem Moment zu ihrem König gesalbt, als sie den Entschluss gefasst hat, dass sie allein IHM gehören will.

Und das dürfen wir bis zum heutigen Tage genau so handhaben. Unser Ja zu Jesus können wir im stillen Kämmerlein genau so bekennen, wie vor anderen Menschen. Unser Ja zu ihm kommt nicht auf den Prüfstand irgendeiner Glaubensorganisation. Unser Herr prüft nur, ob wir es von Herzen ehrlich meinen. Ich persönlich halte nicht viel von Großveranstaltungen, anlässlich derer Tausende von Menschen ihr Leben Jesus übergeben, die zuvor noch niemals etwas von Jesus gehört haben.
Gott will uns nicht überrumpeln oder gar überreden. Er lässt uns Zeit für unsere ganz persönliche Entscheidung, unserem ganz persönlichen Ja zu Ihm.

Soviel zu der inneren Kirche. Aus dieser inneren Kirche heraus wächst natürlich das Bedürfnis, im Dienste Jesu tätig zu sein. Und da bietet sich natürlich die Teilnahme an einer Gemeinschaft an.
Warum eigentlich überhaupt eine Gemeinschaft, also eine äußere sichtbare Kirche ? Ich werde dies übrigens sehr häufig gefragt. Die Antwort ist recht simpel. Die Arbeit im Weinberg Gottes ist sehr vielfältig, vielschichtig und sehr komplex. Sie erfordert vielerlei Gaben und Talente, wenn wir sie ordentlich ausführen wollen. Nun hat Gott aber einen jeden von uns mit verschiedenen Begabungen ausgestattet. Und diese Begabungen gilt es jetzt gemeinsam in den Dienst unseres Herrn zu stellen. Wenn jeder sich mit allen seinen Talenten und Fähigkeiten einbringt, dann, liebe Gemeinde, macht Gott etwas ganz wunderbares daraus.

Zudem stehen wir in der Gemeinschaft Anfechtungen besser durch, als wenn wir diesen allein gegenüberstehen. Die Gemeinschaft der Schwestern und Brüder fängt uns auf, wenn wir fallen und richtet uns auch wieder auf, damit wir unseren Weg mit Jesus weiter gehen können.

Und schlussendlich ein ganz pragmatischer Punkt. Stellen wir uns einmal vor, es gäbe keinerlei christliche Gemeinschaften. Wie sollte denn dann der Mensch in Kontakt mit der frohen Botschaft kommen, wenn nicht durch uns ? Und da zeigt sich auch der äußere Wert einer Gemeinschaft. Eine
christliche Gemeinschaft ist nur dann wirklich eine Gemeinschaft, wenn Außenstehende richtig neugierig auf uns werden und mehr von dem Nazarener, dem König der aller Könige erfahren wollen.

Wie wohltuend eine christliche Gemeinschaft sein kann, das beschrieb auch schon der Liederdichter Gerhard Tersteegen in dem dritten Vers seines Liedes: “ Jesus, der du bist alleine..“, der da lautet, wie folgt:

O wie lieb ich, Herr, die Deinen,
die dich suchen, die dich meinen;
o wie köstlich sind sie mir !
Du weißt, wie mich’s oft erquicket,
wenn ich Seelen hab erblicket,
die sich ganz ergeben dir.

Der Herr segne Dich auf Deinem Weg hin zu IHM
Der Herr führe Dich bei Deinen Werken für IHN
Der Herr sei auf allen Deinen Wegen bei Dir

Amen.

Liebe Gemeinde,
ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche. Bis zum nächsten Donnerstag, dem Tag der Einsetzung des Heiligen Abendmahles verabschiede ich mich von Ihnen und

grüße Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber