Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 3. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei Lukas, Kapitel 15, die Verse 1-3 und 11b – 32. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Es nahten sich ihm aber allerlei Zöllner und Sünder; um ihn zu hören.
Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen. Er aber sagte ihnen dies Gleichnis und sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne. Und der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht.
Und er teilte Hab und Gut unter sie. Und nicht lange danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land; und dort brachte er sein Erbeteil durch mit Prassen. Als er nun all das Seine verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land, und er fing an zu darben und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säuer fraßen; und niemand gab sie ihm.
Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger! Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen:
Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner! Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Der Sohn aber sprach zu ihm:
Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße und bringt das gemästete Kalb und schlachtet’s; lasst uns essen und fröhlich sein. Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein. Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Und als er nahe zum Hause kam, hörte er Singen und Tanzen und rief zu sich einen der Knechte, und fragte, was das wäre. Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wieder hat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen.
Da ging sein Vater heraus und bat ihn. Er antwortete aber und sprach zu seinem Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten, und du hast mir nie einen Bock gegeben, dass ich mit meinen Freunden fröhlich gewesen wäre. Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Hab und Gut mit Huren verprasst hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet. Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein. Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden.

Liebe Gemeinde,

haben Sie schon einmal ein Kind beobachtet, welches zum ersten Mal sein eigenes Spiegelbild sieht ? Neugierig, ein wenig unsicher steht es davor und stellt dann auf einmal fest: Das bin ja ich!
Jesus predigt in Gleichnissen, um uns auch ein Spiegelbild vorzuhalten, in welchem wir uns selber erkennen sollen. Es handelt sich also nicht um eine beschauliche Geschichte, die uns in unserem heutigen Predigttext, dem Gleichnis vom verlorenen Sohn, präsentiert wird, sondern um unsere
eigene Geschichte.

Wenn wir es denn so wollen, dann ist es eine Geschichte in drei Akten. Lassen Sie uns diese einzelnen Akte heute Morgen einmal gemeinsam betrachten.

Akt 1: Der Auszug

Unser Gleichnis ist kein Gleichnis, welches die Bekehrung eines Menschen im Zentrum des Geschehens sieht. Im Mittelpunkt des ersten Aktes steht der Auszug. Da war jemand also schon Gottes Kind und er wollte doch in die Ferne schweifen. Eigentlich unglaublich sollte man meinen. Bei Gott hat man doch alles, was man braucht.

Wenn ich doch daheim bin, warum will ich denn dann noch weg? Übertragen wir den Auszug doch einmal auf einen bekehrten Christen, der schon einige Zeit mit dem Herrn lebt. Gut, er ist zufrieden. Aber dieses ewige „Du sollst nicht“ regt ihn doch ein wenig auf. Warum soll ich dies und das nicht?

Irgendwie ist das Leben mit allen „Du sollst dies und das nicht“ ziemlich langweilig und öde. Da muss es doch noch etwas anderes geben. Und dieses etwas andere brennt sich ganz tief in das Herz hinein. Und eines Tages hält er es nicht mehr aus und möchte dass andere, das vermeintlich pralle und schönere Leben auch kennenlernen.

In unserem Gleichnis bat der Sohn den Vater um sein Erbteil, was gleichzeitig die Auflösung der familiären Bande zur Folge hatte. Des Weiteren waren damit alle Ansprüche des Sohnes an den Vater ein für alle Male abgegolten. So etwas würden wir doch niemals tun. Oder doch?

Liebe Gemeinde, immer dann, wenn wir Gott den Rücken zukehren und unseren eigenen Begierden nachgeben, dann gehen auch wir ein Stück weit in die Ferne, in die Gottesferne hinaus. Immer dann, wenn wir etwas tun von dem wir ganz genau wissen, dass wir es eigentlich lassen sollten, dann sind wir dem verlorenen Sohn aus dem Gleichnis ein Stück weit gleich. Wohlgemerkt wir reden hier nicht über Mord und Totschlag. Schon die liebe kleine Notlüge ist eine Sünde wider Gott, die uns von Gott wegbringt.

Akt 2: Die Fremde

Wissen sie was das Schlimme an der Gottesferne ist? Sie beginnt schleichend und langsam. In den Herzen wird der Wunsch nach dem Leben in der Ferne solange gehegt bis man schließlich diesen Schritt wagt. Und das interessante ist ja, dass der erste Schritt meist auch noch schön ist.

Ich möchte Ihnen kurz die Geschichte eines guten Freundes erzählen. Er entdeckte vor Jahren eine Strategie, wie man im Spielcasino sicher Geld verdienen kann. Zwar keine riesigen Summen, aber immerhin ein regelmäßiges Zusatzeinkommen. Das ganze ging auch eine Zeitlang gut bis das der Wunsch nach mehr und noch mehr Geld ihn übermannte. Innerhalb eines Abends hat er dann alle Gewinne aus einem halben Jahr und einen Teil seines Vermögens verspielt.

Wir sehen, am Anfang beschert uns der Teufel Spaß, Freude und vielleicht auch eine Menge Geld. Das hat die Folge, dass wir die Sünde gar nicht mehr als Sünde betrachten, sondern ihr immer hemmungsloser nachgehen. Was ist denn schon dabei, geht doch alles bestens. Ja bis, bis sich das Blatt dann wendet.

Als der verlorene Sohn sein ganzes Hab und Gut verprasst hatte, da merkte er auf einmal den tieferen Sinn der vielen: „Du sollst nicht“. Sein Vater wollte ihm ja gar nichts verbieten. Und er wollte ihm erst recht nicht den Spaß am Leben nehmen. Sein Vater wusste aber ganz genauso was passiert, wenn man die Gebote nicht einhält.

Und wie wir als leibliche Eltern ganz sicher unsere Kinder vor Schaden bewahren, so will uns auch unser himmlischer Vater vor allem bewahren, was uns schaden könnte.

Der verlorene Sohn saß also ganz dick in der Tinte. Immerhin erkannte er, dass er selbst sich all diese Unbillen eingebrockt hatte. Nunmehr hatte er nur einen einzigen Wunsch: Heim zum Vater. Er wusste, dass er alles, was die Sohnschaft ausmacht, verspielt hatte, aber er wollte wenigstens in der Nähe des Vaters sein, um vielleicht als Hilfsarbeiter bei ihm Arbeit und Brot zu finden.

Akt 3: Die Heimkehr

Liebe Gemeinde, ich weiß nicht in welchen Nöten ein jeder von uns steckt. Aber eines darf ich Ihnen sagen: In dem Moment, wo Sie aufrichtig Ihre Sünden bekennen und nur noch den Wunsch haben, wieder daheim beim Vater zu sein, genau in diesem Moment sind Ihnen diese Sünden vergeben.

In unserem Gleichnis lesen wir, wie der Vater dem Sohn entgegenläuft und ihm um den Hals fällt, als ob gar nichts passiert wäre. Genau so ist es auch bei uns. Wenn wir unsere Sünden bereuen, dann kommt uns auch heute noch im Jahre 2015 der Vater entgegengerannt um uns in seine liebenden Arme zu schließen. Wir dürfen dann nur eines tun und dies dankbar annehmen.

Werfen wir noch einen Blick auf den heimkehrenden Sohn. Nachdem der Vater ihn in seine Arme genommen hatte, bat er ihn, doch wenigstens niedere Dienste verrichten zu können, um nur irgendwie seine Sünden abarbeiten zu können. Dies kam für den Vater nicht in Frage. Er hatte ihm, nachdem er seine Sünden bereut hatte, diese vergeben und damit die Sohnschaft zurückerstattet.

So tut er es auch bei uns allen. Wir müssen nach der Vergebung der Sünden nicht „zu Kreuze kriechen“, wie man es so schön zu sagen pflegt. Wir können aufrechten Ganges wieder zum Kreuz gehen, weil unser Vater dies so will.

Nun gab es aber auch noch den anderen Sohn. Und der fand die Angelegenheit nicht so prickelnd. Der Hallodri von Bruder hat sich ein tolles Leben gemacht, hat alles durchgebracht und jetzt kommt er zurück und wird aufgenommen, als ob nichts gewesen wäre.

Liebe Gemeinde, hier müssen wir als Gemeinde höllisch aufpassen. Ich habe es leider oftmals erleben müssen, wie Brüder und Schwestern, die sich am Herrn versündigt hatten zurück wollten und entweder gar nicht beachtet, gar nicht wieder aufgenommen oder gar von der Gemeinde abgewiesen wurden. Wurden sie dann doch wieder aufgenommen, dann gab es erst einmal Gemeindezucht.

Der zu Züchtigende durfte eine Weile nicht am Abendmahl teilnehmen und er saß auch wirklich auf der „Sünderbank“, sodass ja auch jeder sehen konnte, was er für ein Sünder war.

Deshalb, egal in welcher Gemeinde sie sich auch befinden, die Zusage der Vergebung gilt jedem Sünder. Wem die Sünden vergeben sind, der steht vor Gott geläutert da. Und da sollten wir uns als Gemeinden und Gemeinschaften auch dran halten. Wenn Gott einen reumütigen Sünder wieder herzlich in die Arme nimmt, dann ist es doch geradezu unsere Pflicht diesen reumütigen Sünder mit offenen Armen in unsere Gemeinschaft aufzunehmen.

Genauso ist es übrigens unsere Pflicht, den reumütigen Sünder einzuladen, in die Gemeinschaft zu kommen bzw. wieder in die Gemeinschaft zurück zu kommen. Fangen wir doch gleich heute damit an.

Wenn wir diese Predigt in einem einzigen Liedvers zusammenfassen wollten, dann könnten wir dies mit dem ersten Vers des Liedes „Jesus nimmt die Sünder an…“ (EG 353) von Erdmann Neumeister tun, der da lautet, wie folgt:

Jesus nimmt die Sünder an. Saget doch dies Trostwort allen,
welche von der rechten Bahn auf verkehrten Weg verfallen.
Hier ist, was sie retten kann: Jesus nimmt die Sünder an.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 2. Sonntag nach Trinitatis. Heute geht es um das Thema „Wenn Gott ruft.“ Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Lukasevangelium, Kapitel 14, die Verse 16-24. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Das große Abendmahl

Als aber einer das hörte, der mit zu Tisch saß, sprach er zu Jesus:
Selig ist, der das Brot isst im Reiche Gottes! Er aber sprach zu ihm:
Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein. Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist alles bereit! Und sie fingen an alle nacheinander, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und der zweite sprach: Ich habe fünf Gespanne Ochsen gekauft und gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich.
Und der dritte sprach: Ich habe eine Frau genommen; darum kann ich nicht kommen. Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn. Da wurde der Herr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh
schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen herein.
Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und
der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. Denn ich sage euch, dass keiner der Männer, die eingeladen waren, mein Abendmahl schmecken wird.

Liebe Gemeinde,

das würde uns natürlich nicht passieren. Wenn Gott ruft, dann kommen wir doch alle, wie z.B. an unserem heutigen Sonntagsgottesdienst. Soweit so gut. Aber darum geht es heute Morgen auch nicht. Es geht heute um Menschen, die Gott zum ersten Male ruft. Sie alle verstehen den Ruf,
folgen ihm jedoch nicht. Schauen wir uns doch heute Morgen einmal an, wie Gott exemplarisch Menschen in ihrem Leben ruft. Nur mal so nebenbei bemerkt, Gott ruft an sieben Tagen der Woche, nicht nur am Sonntag.

1. Gott ruft beim Ackerkauf

Lassen Sie uns in Gedanken einmal 2000 Jahre zurück gehen. Basis für ein erfolgreiches Leben war es, Land zu besitzen. Nur wer Land besaß konnte z.B Getreide darauf anbauen oder es für andere Berufszwecke benutzen. Ohne Land kein Geld. Das eigene Stück Land war also die Basis, auf der
man sein Leben glaubte aufbauen zu können.

Und wie ist es heute? Ohne eine gute Schulausbildung und eine hervorragende Berufsausbildung geht heute gar nichts mehr. Die gute Ausbildung ist quasi das Land von damals. Und auch heute ruft Gott in das Leben der Schüler, Studierenden und Lehrlinge hinein. Und was machen die meisten? Sie legen das Thema nicht ad acta. Nein, man will es sich mit Gott ja nicht verderben. Man vertröstet Gott auf einen späteren Zeitpunkt. Dann, wenn die Ausbildung vorbei ist, kann er ja noch einmal
vorbeikommen und nochmals fragen.

2. Gott ruft den Ochsenkäufer

Im übertragenen Sinne ist hier die berufliche Karriere gemeint. Das Land ist erfolgreich gekauft und zubereitet worden. Jetzt geht es daran, es wirtschaftlich zu verwerten. Das ganz erstaunliche ist, dass Gott auch in diese Situation nochmals hineinruft und um Gehör bittet.

Das müssen wir uns einmal vorstellen. Da hat jemand Gott an die Seite gelegt. Und dieser Gott zieht sich nicht beleidigt zurück, wie wir es vielleicht getan hätten, dieser Gott ruft den Menschen noch einmal.

In der heutigen Zeit ist die Zeit des Ochsenkaufes, die Zeit unseres aktiven Berufslebens. So gerade zu Beginn der Karriere muss dann doch richtig Gas geben. Man muss dem Chef doch beweisen, was für ein toller Kerl man doch ist. Immer ein Stück weit besser sein als die Kollegen.
Und dann wird man schließlich auch befördert. Und wenn man dann noch mehr arbeitet, wird man immer weiter gereicht auf der Leiter des Erfolges.

Gerade in dieser Zeit muss alles andere eben hinten anstehen. Da muss man doch Verständnis für haben. Und auch Gott möchte doch dass es mir gut geht. Er kann ja später noch einmal anrufen, wenn man sich beruflich in etwas ruhigerem Fahrwasser befindet.

Und auch heute schieben daher viele unserer Mitmenschen die Sache mit Gott auf die lange Bank. Man hat ja schließlich noch so viel Zeit. Und Gott akzeptiert auch dies.

3. Gott ruft den Familiengründer

Beruflich ist man gefestigt und nun möchte man auch eine Familie gründen. Das war damals nicht anders als heute. Erst muss man dafür sorgen, dass man eine Familie ernähren kann und dann kann man auch eine Familie gründen.

Jetzt ist man sowohl beruflich auch als auch familiär gefordert. Es scheint so, dass die 24 Stunden am Tag einfach nicht ausreichen um Familie, Beruf und Freizeit unter einen Hut zu bekommen.

Und auch in diese Situation hinein ruft Gott uns an. Und was machen viele Mitmenschen? Genau, die Sache mit Gott wird wieder mal auf die lange Bank geschoben. Wenn man Rentner ist, dann hat man schließlich Zeit. Dann kann man sich ja mal die Bibel zu Gemüte führen und die Sache mit Gott ins Reine bringen.

Dies alles, liebe Gemeinde, ist leider keine Utopie. Schauen wir und doch einfach mal einen durchschnittlichen Gottesdienstbesuch an einem ganz normalen Sonntag an. Junge Menschen jünger als 50 Jahre? Fehlanzeige. Die sind dort nicht anzutreffen.

Das sind auch heute keine Atheisten, die einfach nicht kommen. Das sind alles, wie damals Leute, die die Sache mit Gott auf die lange Bank schieben. Ansonsten würden sie ihre Kinder ja schließlich nicht zur Kommunion oder zur Konfirmation schicken. Nur ganz wenige sind aus der Kirche ausgetreten. Man weiß ja nie wozu der Laden dann doch noch gut sein kann. Schließlich möchte man ja auch einen Pfarrer auf der eigenen Beerdigung haben.

Und jetzt müssen wir uns die Frage stellen: Was ist denn an der Aufschieberitis so gefährlich?

1. Wir wissen nicht, wann unser Leben endet. Jeder von uns, der heute Morgen diese Predigt liest, kann schon morgen im Himmel sein. Wo käme er aber hin, wenn er die Sache mit Gott eben nicht in Ordnung gebracht hätte ? Genau, in die Hölle.

2. Gott möchte doch, dass es uns allen gut geht. Das klappt aber nur, wenn wir auf ihn hören. Wenn wir auf ihn hören, welcher Beruf denn wohl der beste für uns ist. Wenn wir auf ihn hören, welche Stelle wir annehmen sollen. Und wenn wir auch auf ihn bei der Wahl des Ehepartners hören. Hören und verstehen können wir ihn aber nur, wenn wir die Sache mit Gott in Ordnung gebracht haben. Wenn Gott uns anruft, und wir gehen nicht dran, dann können wir auch kaum in Erfahrung bringen, was Gott uns denn wohl sagen möchte.

Warum sind viele Menschen in ihren Berufen so unglücklich und dauernd überfordert? Warum erden so viele Ehen geschieden? Kann es sein, dass man dies mit Gott vorher gar nicht besprochen hat.

3. Es ist leider eine traurige Tatsache, dass je älter ein Mensch wird, er es umso schwerer hat, den Zugang zu Gott zu finden. Warum, wieso weshalb kann ich nicht sagen, aber die Bekehrungen der „Senioren“ in Prozentzahlen ausgedrückt beträgt nur ein Bruchteil der Bekehrungen der „Junioren“.

Jetzt kommt die alles entscheidende Frage? Was sollen wir denn daraus lernen?

Ich denke, wir sollten daraus lernen, uns zu jeder Zeit, bei allem was wir auch gerade machen, von Gott in unserem Tun unterbrechen zu lassen. Unterbrechen lassen sollten wir uns, um mit ihm zu reden und auf ihn zu hören. Wir sollten uns immer wieder vergegenwärtigen, dass Gott ja immer
das Beste für uns will. Das kann er aber nur, wenn wir auf das hören, was er uns sagen will.

Dann sollten wir es machen wie die Mönche, welche zu festgelegten Zeiten ihren Tagesablauf unterbrechen, um in Kontakt mit Gott zu treten. Wir lernen dann nämlich sehr schnell, wem wir alles, was wir haben letztendlich zu verdanken haben. So kann Gott wieder unser Lebensmittelpunkt werden.

Wenn wir hier auf Erden unsere Herzen für Gott ganz weit öffnen, dann dürfen wir auch sichergehen dass wir dereinst nicht vor einer verschlossenen Himmelstüre stehen, sondern herzlich daheim willkommen sind.

Wenn wir unsere Herzen weit öffnen und der Herr Einzug bei uns gehalten hat, dann können wir gar nicht mehr anders, als in den 1. Vers des Liedes „Du meine Seele singe…“ von Paul Gerhardt einzustimmen, welcher lautet, wie folgt:

Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön dem, welchen alle Dinge zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd;
ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.

Der Herr lege seinen Geist in Dein Herz hinein, damit Du sein Rufen hören kannst
Der Herr lege seinen Geist in Dein Herz hinein, damit Du seinen Ruf verstehen kannst
Der Herr lege seinen Geist in Dein Herz hinein, damit Du seinem Rufe folgen kannst

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen schönen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

P.S.: abschließend nochmal der Hinweis: einfach mal bei www.pastoerchen.de vorbeischauen, da gibt’s Klatsch und Tratsch und alles andere rund um den christlichen Alltag.

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 1. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Lukasevangelium, Kapitel 16, die Verse 19-31. Lassen Sie uns diesen
Text, den wir sicherlich alle gut kennen, zunächst gemeinsam lesen:

Vom reichen Mann und armen Lazarus

Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und kostbares Leinen und lebte alle Tage herrlich und in Freuden. Es war aber ein Armer mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Tür voll von Geschwüren und begehrte sich zu sättigen mit dem, was von des Reichen Tisch fiel; dazu kamen auch die Hunde und leckten seine Geschwüre. Es begab sich aber, dass der Arme starb, und er wurde von den Engeln getragen in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch und wurde begraben. Als er nun in der Hölle war, hob er seine Augen auf in seiner Qual und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß. Und er rief:
Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, damit er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und mir die Zunge kühle; denn ich leide Pein in diesen Flammen.
Abraham aber sprach: Gedenke, Sohn, dass du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben; Lazarus hingegen hat Böses empfangen; nun wird er hier getröstet und du wirst gepeinigt. Und überdies besteht zwischen uns und euch eine große Kluft, dass niemand, der von hier zu euch hinüberwill, dorthin kommen kann und auch niemand von dort zu uns herüber.
Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, dass du ihn sendest in meines Vaters Haus; denn ich habe noch fünf Brüder. Die soll er warnen, damit sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual. Abraham sprach: Sie haben Mose und die Propheten; die sollen sie hören. Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun. Er sprach zu ihm: Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn jemand von den Toten auferstünde.

Liebe Gemeinde,

wir haben soeben eine Geschichte gehört, die es wirklich in sich hat.
Knallhart werden wir mit den ewigen Fakten konfrontiert. Anlass genug also, dass wir uns diese Geschichte noch einmal chronologisch anschauen. Teilen wir die Geschichte einmal in 4 Abschnitte in.

1. Der Mann ohne Namen

In zwei Sätzen beschreibt uns Lukas zwei Lebensläufe wie sie gegensätzlicher kaum sein könnten. Auf der einen Seite sehen wir den armen Lazarus in seinem Elend liegen und auf der anderen Seite den
reichen Mann, wie er seinen Reichtum in vollen Zügen genießt.

Was einem erst bei mehrmaligem Lesen des Textes auffällt ist, dass der reiche Mann ein Mann ohne Namen ist. Was wäre, wenn dort auf einmal unser Name stünde? Ganz so abwegig ist dies nämlich nicht.

Schauen wir doch einmal an, wie wir heute in Deutschland leben. Ich gehe einmal davon aus, dass ein jeder von uns genügend zu essen hat und auch nicht im Straßengraben übernachten muss. Wenn ich mich auf den Einkaufsstraßen in Deutschland so umschaue, dann sehe ich im übertragenen Sinne wesentlich mehr Purpur und kostbares Leinen, als eine typische Armutskleidung. Da ist auch gar nichts gegen einzuwenden. Ich muss es an dieser Stelle einmal klipp und klar sagen: Jesus hat absolut
nichts gegen Reichtum.

Aber Jesus hat etwas gegen den falschen Umgang mit Reichtum. Jesus möchte nicht, dass wir unseren Reichtum nur für unsere Zwecke nutzen, sondern dass wir von dem Reichtum denjenigen abgeben, die von allem zu wenig haben. Wenn ich in diesen Wochen und Monaten die Flüchtlinge sehe, die unter abenteuerlichen Bedingungen den Weg nach Europa suchen und dann höre, dass „Die doch bei uns nichts verloren haben…“ dann platzt mir der Kragen.

„Die bei uns nichts zu suchen haben…“ sind genau die, um die wir uns, wenn wir echte Jünger sein wollen, kümmern sollen. Und zwar ein jeder, so wie es ihm möglich ist.

2. Der Schnitt

Im nächsten Satz lesen wir dann, dass beide, Lazarus und auch der reiche Mann sterben.

Wie oft höre ich den Satz: „Nach dem Tod sind wir alle gleich.“ Viele Menschen verwechseln hier nämlich etwas ganz grundlegendes, sie verwechseln das Sterben mit dem Tode. Im Sterben sind wir alle gleich, das kann ich unterschreiben. Irgendwann müssen wir alle einmal von diesem Planeten abtreten. In 100 Jahren sind wir alle längst Geschichte.

Bloß wohin geht denn dann die Reise? Ist mit dem Tode alles vorbei?
Geht es doch irgendwie weiter? Lukas berichtet uns sehr genau wie es weitergeht. Der reiche Mann landet in der Hölle und Lazarus in Abrahams Schoß, also im Himmel.

3. Die Hölle

Lukas berichtet recht ausführlich darüber, wie es in der Hölle zugeht.
Zunächst einmal ist es sicherlich ein Fakt, dass wir uns sowohl im Himmel, als auch in der Hölle wohl an unser irdisches Leben erinnern können.

Die Hölle ist der Ort, wo wir uns an all das erinnern können, was wir im Leben versäumt haben zu tun und es ist der Ort, wo wir gar nichts mehr rückgängig machen können, egal wie sehr wir dies auch bedauern. Nicht sein Reichtum hat den reichen Mann in die Hölle gebraucht, sondern dass er „den lieben Gott einen guten Mann hat sein lassen“ und weiter wohl nichts mit ihm am Hut hatte.

An dieser Stelle hagelt es natürlich gleich wieder Kritik. Wir würden die Menschen doch nur auf das Jenseits vertrösten, damit sie ihr Elend hier besser aushalten ist einer der Kritikpunkte. Und genau darum geht es nicht. Wir vertrösten niemanden auf den Himmel. Das können wir auch gar nicht, weil es ja ganz bestimmt nicht in unserem Verantwortungsbereich liegt zu bestimmen, wer denn letztendlich in den Himmel kommt und wer in der Hölle sein Dasein fristet.

Wir können nur immer wieder unsere Mitmenschen aufrütteln und ihnen aufzeigen, wie man in die Hölle kommt und wie man dies vermeiden kann.

In die Hölle kommen wir ganz einfach, nämlich indem wir gar nichts tun.
Wenn uns Gott vollkommen egal ist, wenn wir glauben aus eigener Gerechtigkeit in den Himmel zu gelangen, wenn wir für unsere Nächsten so rein gar nichts übrig haben, dann sind wir auf dem besten Weg in die Hölle.

Und dass die Hölle ein wirklich schrecklicher Ort sein muss, das sehen wir an dem Verhalten des reichen Mannes. Er hat sich schließlich mit seinem Schicksal abgefunden. Ihm wurde erklärt, dass es keinen Weg für ihn mehr in den Himmel gibt. Wie groß muss die Qual wohl sein, wenn er selber, der unter Höllenqualen leidet, noch alles versuchen möchte, dass seinen Brüdern dies erspart bleibt.

Aber selbst dieser Handel geht nach hinten los.

3. Der Weg in den Himmel

So, jetzt wissen wir alle, wie wir in die Hölle kommen. Bloß ist dies nicht die zentrale christlichen Botschaft. Wir sollen unseren Mitmenschen ja nicht aufzeigen, wie sie in die Hölle kommen, das
schaffen die schon ganz von alleine. Wir sollen unseren Mitmenschen den Weg zum Himmel zeigen. Gott möchte nämlich nicht, dass auch nur ein einziger Mensch in der Hölle landet.

Bei vielen jungen Menschen treffe ich die Sinnkrisen des Lebens an. Ja, liebe Gemeinde, es scheint richtig zu sein, dass die goldenen Zeiten vorbei sind. Ich finde es grässlich, dass wir überhaupt die
Wortschöpfung „Generation Praktikum“ haben. Es ist schlimm, dass wir auf eine Zwei-Klassen-Gesellschaft zusteuern. Aber glauben Sie mir eines, noch viel schlimmer wäre es, wen wir in der Hölle landen.

Egal, wie es uns momentan geht und welchen Sinn wir im Leben suchen, eines kann ich Ihnen allen sagen: Gottes Plan für ein jedes Leben ist es, dass wir in den Himmel kommen und dass wir möglichst viele Menschen vor der Hölle bewahren.

Jetzt könnte man sagen, wir nehmen den Mund ja reichlich voll. Wie sollen wir denn Menschen vor der Hölle retten? Ganz einfach, indem wir unseren Mitmenschen den Weg zu Jesus zeigen. Wie Abraham schon sagte:
„Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören“ können wir den Menschen das Neues Testament an die Hand geben und ihnen aufzeigen, wie einfach es ist,auf ewig gerettet zu werden.

Liebe Gemeinde, wir haben alles, was uns in den Himmel bringt überall greifbar. Wir haben den direkten Draht zu unserem Herrn. Er ist ja stets bei uns. Bitten wir ihn doch, uns dabei zu helfen, sein Wort, das auf ewig retten und vor der Hölle bewahren kann, möglichst vielen Menschen an die Hand zu geben und auf’s Herz zu legen.

Lassen Sie uns zum Abschluss gemeinsam in den 6. Vers des Liedes „Ich bin ein Gast auf Erden…“ (EG 529) von Paul Gerhardt einstimmen, der da lautet, wie folgt:

So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt, doch denk ich nicht zu bleiben, in diesem fremden Zelt.
Ich wandre meine Straße, die zu der Heimat führt, da mich ohne alle Maße mein Vater trösten wird.

Der Herr zeige Dir stets den rechten Weg auf Erden
Der Herr behüte Dich auf allen Wegen, die Du für ihn gehst
Der Herr führe dich am Ende Deines Weges direkt in seine Gemeinschaft

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

P.S. Wenn Sie interessiert, was rund um die Kirche auch in der Woche so alles passiert, dann schauen Sie doch mal beiwww.pastoerchen.de rein. Es lohnt sich. Von ernst bis heiter ist alles dabei.

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Himmelfahrtstag. Heute ist Vatertag, lassen Sie uns dieses Fest ausgiebig feiern. Nein, nicht bewaffnet mit Bier und Bollerwagen sondern mit Gebet und Gesang. Denn heute denken wir dran, wie unser Vater im Himmel seinen Sohn wieder in den Himmel geholt hat. Den Predigttext für den heutigen Feiertag finden wir im Lukasevangelium, Kapitel 24, die Verse 50-53. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Jesu Himmelfahrt

Er führte sie aber hinaus bis nach Betanien und hob die Hände auf und segnete sie. Und es geschah, als er sie segnete, schied er von ihnen und fuhr auf gen Himmel. Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück nach Jerusalem mit großer Freude und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.

Liebe Gemeinde,

vor einigen Jahren verbrachte ich meinen Urlaub über Himmelfahrt an der Nordsee. Ich nahm an dem Gottesdienst der dortigen Gemeinde teil. Die Kirche war, wie man bei uns so sagt proppenvoll. Nach der Begrüßung wurde genau der heutige Predigttext gelesen. Der Pfarrer legte die Bibel aus der Hand und fragte: Wer glaubt von Ihnen denn, dass sich dies genau so zugetragen hat. Eine Handvoll der Anwesenden, darunter auch meine Frau, zeigten auf. Ich ließ dies bleiben.

Alle, die aufgezeigt hatten, wurden dann nach vorne an den Altar gebeten und von dem Pfarrer gesegnet. Und dann sagte er zu uns anderen: Was wollt ihr denn eigentlich noch hier, wenn Ihr dies doch nicht glaubt? Betretenes Schweigen. Endlos scheinende 10 Sekunden später wurden wir
natürlich eingeladen, dem Gottesdienst weiterhin beizuwohnen.

Ich denke mal, alle, die jetzt der Predigt lauschen oder sie lesen, werden sagen: Natürlich glaube ich dass dieses Geschehen sich genau so zugetragen hat, wie es Lukas berichtet. Dann brauchen wir uns also mit der Himmelfahrt als solcher gar nicht mehr weiter beschäftigen. Aber unser Predigttext besteht auch noch aus einem bedeutungsvollen Randgeschehen. Lassen Sie uns dieses Randgeschehen einmal etwas näher betrachten.

1. Der Segen

Wie oft wünschen wir unseren Mitmenschen einen gesegneten Geburtstag, ein gesegnetes Neues Jahr oder ganz allgemein den Segen unseres Herrn. Segen, liebe Gemeinde, was ist das denn eigentlich? Der Segen unseres Herrn muss schon etwas ganz wichtiges sein, sonst hätte Jesus seine
Jünger nicht unmittelbar vor seiner Himmelfahrt gesegnet. Er hätte ja auch jedem die Hand geben können und sich so formvollendet von jedem einzelnen verabschieden können.

Der Segen, so eine Definition, die mir sehr gut gefällt, ist eine Handlung, durch die die gesegneten Personen Anteil an der göttlichen Gnade und der göttlichen Kraft erhalten. Wenn ich Anteil an der
göttlichen Kraft bekomme, dann heißt das doch nichts anderes, als dass der Herr fortan mit seiner Kraft in mir wirkt.

Nicht erst im Himmel bin ich also in der Gemeinschaft mit unserem Herrn, nein, dies bin ich schon hier auf Erden. Denn der Segen, mit dem der Herr die Jünger segnete, ist genau der Segen, den uns unser Herr auch heute noch immer wieder zusprechen will. Auch daran sollen wir uns am
Himmelfahrtstage erinnern.

Diesen Segen sollen wir nicht nur für uns behalten. Diesen Segen sollen wir teilen und weitergeben, indem wir ihn unseren Mitmenschen zusprechen.

2. Die Segenswirkungen

Was bewirkt den der Segen ganz konkret? Unsere Definition, die wir gerade gehört haben ist ja doch etwas sehr allgemein gehalten. Wenn wir uns unseren kurzen Predigttext ganz genau anschauen, dann können wir erkennen, dass von dem Segen 3 unmittelbare Wirkungen ausgehen.

a. Anbetung

Wer Anteil an der göttlichen Gnade und der göttlichen Kraft erhält, der kann ja gar nicht mehr anders als den anzubeten, der ihm diese Kraft verliehen hat. Und dies taten die Jünger als erstes nachdem unser Herr sie gesegnet hatte.

Man muss sich dies einmal vorstellen: Der Herr hatte sich gerade von ihnen verabschiedet, war wieder in den Himmel aufgefahren und die Jünger beteten ihn an. Ich wäre wahrscheinlich zuerst einmal recht traurig gewesen, dass der auferstandene Herr eben nicht mehr bei uns ist. Und genau dies waren die Jünger nicht. Und warum nicht ? Weil sie durch den Segen des Herrn gestärkt worden waren.

Mit dem Segen war die Tatsache ganz tief in ihr Herz gelegt worden, dass der Herr zwar wieder im Himmel ist, aber trotzdem allezeit für sie erreichbar ist. Und genau dies gilt bis zum heutigen Tage. Wir dürfen uns bis zum heutigen Tage darauf verlassen, dass der Herr stets bei uns ist.

b. Große Freude

Wenn ich Anteil habe an der göttlichen Gnade und der göttlichen Kraft dann erfüllt mich dies mit großer Freude. Warum eigentlich ? Nun, ich weiß für mein Leben, dass ich niemals mehr allein sein werde auf Erden. Egal durch welch tiefen Täler ich noch gehen muss, ich weiß ganz genau
dass der Herr bei mir ist. Er tröstet und stärkt mich und trägt mich auch, wenn ich allein nicht mehr gehen kann. Was für eine Zuversicht!

Wie oft stehe ich im Leben vor schwerwiegenden Entscheidungen. Häufig sind dies Entscheidungen, wodurch auch das Leben anderer Menschen berührt wird. Bevor ich Jesus kennengelernt habe, bin ich schier an den Entscheidungen verzweifelt. Alle Vorteil- und Nachteillisten konnten das dumpfe Gefühl nicht beruhigen, dass ich einen Fehler mache.

Wenn Jesus bei mir ist, dann frage ich ihn ganz einfach, was ich machen soll. Ich bin natürlich kein Dummbatz, der glaubt, dass Jesus mein Leben für mich lebt und ich so gesehen ganz einfach in den Tag hinein leben kann. Aber ich bin davon überzeugt, dass mir Jesus hilft, mein Engagement immer in die richtigen Bahnen zu lenken. Ich bin davon überzeugt, dass er eine Türe zuschlagen kann und eine andere dafür öffnen kann. Ganz so, wie es am besten für mich ist.

Mit Jesus an meiner Seite muss ich keine verschlossenen Türen mehr eintreten sondern kann und darf dank seiner Führung stets durch geöffnete Lebenstüren gehen. Wenn das kein Grund zu großer Freude ist.

c. Gemeinschaft

Nachdem die Jünger den Segen empfangen hatten, waren sie allezeit im Tempel und priesen Gott. Der Segen hatte also den Wunsch und das Verlangen in ihnen geweckt, mit anderen Gleichgesinnten zusammen zu sein.

Darum sind wir auch heute Morgen zusammen. Wir sitzen ja nicht zusammen, weil wir vielleicht Langeweile haben oder sonst nicht wissen, was wir machen sollten. Wir sind zusammen gekommen um miteinander Gemeinschaft zu haben. Die Predigt ist nur ein ganz kleiner Teil von unserer
Zusammenkunft. Gemeinsam wollen wir Gott anbeten und ihn preisen und ihm danken für alles, was er für uns getan hat. Diese Gemeinschaft muss auch keine physische Gemeinschaft sein. Alle, die wir jetzt die Predigt hören oder lesen, sind untereinander mit dem Christusband verbunden.

Gerade die Gemeinschaft mit Brüdern und Schwestern ist ganz wichtig für unser Christenleben. Das wusste schon unser Herr. Ein einzelnes Schaf, das sich von der Herde absondert, ist ein Willkommens Opfer für die Wölfe. Eine große Herde, die zusammenhält, wird kein Wolf erfolgreich angreifen können.

Machen wir uns bitte nichts vor, liebe Gemeinde, wir leben in einer Welt in der es vor Verführungen nur so wimmelt. Häufig sind diese Verführungen, die uns in die Falle locken wollen gar nicht als solche sofort zu erkennen. Manchmal sind wir so verblendet, dass wir Verführungen gar nicht mehr wahrnehmen. Wie gut ist es dann, wenn unsere Geschwister auf uns aufpassen und uns den rechten Weg zeigen.

Das klappt natürlich nur dann, wenn ich mich auch von meinen Geschwistern im Glauben belehren lasse. Und hier kommen wir wieder zu unserer ersten Definition. Wenn ich durch den Segen Anteil an der göttlichen Gnade und der göttlichen Kraft bekomme, dann habe ich auch die Kraft bekommen, Warnungen liebevoll als Weisungen für den rechten Weg zu erkennen und sie nicht als persönlichen Angriff auf meine Person anzusehen.

Lassen Sie uns zum Abschluss gemeinsam in den 1 und 2. Vers des Liedes „Segne und behüte uns…“ (EG 575) von Johannes Großner einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Segne und behüte uns durch Deine Güte,
Herr erhebe dein Angesicht über uns und gib uns Licht.
Schenk uns dienen Frieden alle Tag hienieden,
gib uns deinen guten Geist, der uns stets zu Christus weist.

Der Herr segne dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Feiertag und wünsche Ihnen auch weiterhin Gottes reichen Segen auf all Ihren Wegen.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Ostermontag. Den Predigttext für den heutigen Ostermontag finden wir im Lukasevangelium Kapitel 24, die Verse 13-35. Lassen Sie uns gemeinsam die Emmausjünger auf ihrem Weg begleiten:

Die Emmausjünger

Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben Tage in ein Dorf, das war von Jerusalem etwa zwei Wegstunden entfernt; dessen Name ist Emmaus. Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten. Und es geschah, als sie so redeten und sich miteinander besprachen, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen. Aber ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten. Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs? Da blieben sie traurig stehen.
Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm:
Bist du der einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist? Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das mit Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in Taten und Worten vor Gott und allem Volk; wie ihn unsre
Hohenpriester und Oberen zur Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt haben. Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde. Und über das alles ist heute der dritte Tag, dass dies geschehen ist. Auch haben uns erschreckt einige Frauen aus unserer Mitte, die sind früh bei dem Grab gewesen, haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, er lebe. Und einige von uns gingen hin zum Grab und fanden’s so, wie die Frauen
sagten; aber ihn sahen sie nicht. Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben!
Musste nicht Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?
Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in der ganzen Schrift von ihm gesagt war. Und sie kamen nahe an das Dorf, wo sie hingingen. Und er stellte sich, als wollte er weitergehen. Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach’s und gab’s ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen. Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete? Und sie standen auf zu
derselben Stunde, kehrten zurück nach Jerusalem und fanden die Elf versammelt und die bei ihnen waren; die sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und Simon erschienen. Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war und wie er von ihnen erkannt wurde, als er das Brot brach.

Liebe Gemeinde,

was sich oberflächlich betrachtet wie eine schöne Geschichte über die Begegnung mit Jesus anhört hat aber auch noch einen tieferen geistigen Hintergrund. Wenn wir uns die Geschichte intensiver betrachten, dann erkennen wir darin den Weg hin zum Glauben. Lassen Sie uns diesen Weg anhand von 4 Glaubensschritten heute Morgen gemeinsam betrachten.

1. Miteinander

Der Glaube, liebe Gemeinde, kommt ja nicht von ungefähr dahergeflogen und setzt sich auf einen Menschen und Schwupps ist er erlöst. Bevor wir alle zum Glauben gekommen sind haben wir vermutlich mit anderen Menschen geredet. Wir haben über Jesus geredet, unsere Fragen und Zweifel besprochen und uns unser eigenes Bild gemacht. Wenn wir uns heute an unsere Fragen und Zweifel von damals erinnern, dann kommen uns diese heute bestimmt reichlich dumm und naiv vor.

Aber wir wurden von denjenigen, denen wir sie stellten ernst genommen.
Geduldig haben sie uns geistlich gesehen an die Hand genommen und uns all unsere Fragen beantwortet. Denken wir nur an das weltliche Sprichwort: Es gibt keine dummen Fragen, es gibt nur dumme Antworten.

Und hier sind wir auch heute gefragt. Egal, wer mit welcher Frage auf uns zukommt, wir sind gefordert jeden Menschen ernst zu nehmen und ihm so die Schrift auszulegen, wie Jesus dies auch tat.

Menschen neigen ja im Allgemeinen dazu, ein wenig hochnäsig auf diejenigen herabzublicken, die weniger wissen und kennen als sie selbst.
Diese Einstellung hat im Glaubensleben nichts verloren. Das sollten wir uns immer wieder in unser Gedächtnis rufen, wenn wir mit unseren Mitmenschen über Jesus reden.

2. Auf Jesus sehen

Irgendwann hören einmal die ersten grundlegenden Fragen auf. Dann ist der Interessent gefordert, sich selber ein Bild zu machen. Wenn Sie so wollen, so entlassen wir ihn erst einmal in die Hände von Jesus.

Wenn die oberflächlichen Fragen geklärt sind, dann bleibt uns nur noch auf IHN zu schauen. Das sagt sich so einfach. Welchen Ratschlag geben wir einem Interessenten denn da am besten? Nun denn, den wir alle vermutlich erhalten haben, nämlich in der Bibel zu lesen.

Das ist doch auch ganz logisch. Wenn wir etwas Neues kochen wollen, schauen wir in ein Kochbuch, wenn ich etwas über mein Auto wissen will, dann lese ich die Bedienungsanleitung. Und wenn ich etwas über Jesus in Erfahrung bringen möchte, dann bin ich gehalten, die Bibel zu lesen.

Unsere Emmausjünger hatten es da leichter, war doch Jesus direkt bei ihnen. Jesus erzählte ihnen nicht die die neuesten aktuellen Nachrichten aus dem Jerusalemer Tageblatt. Nein Jesus legte den Jüngern das Geschehen ganz nah anhand der Bibel aus. Wenn wir es jetzt ganz konsequent zu Ende denen, dann haben wir es heute leichter, ist doch Jesus heute auch bei uns und wir haben sein Wort in der gedruckten Version vor uns liegen.

Also was empfehlen wir am besten einem Menschen, der uns nach dem Weg in den Himmel fragt? Natürlich das Neue Testament. Ich bin jetzt schon lange mit Jesus unterwegs und habe immer wieder neue Empfehlungen erhalten, mit welchem der Evangelien ich anfangen soll als Novize des Glaubensweges. Jeder schwört auf ein anderes.

Ich empfehle als erstes ein Gebet, in welchem man Jesus bittet bei einem zu sein, wenn man sein Wort studiert und dann alle vier Evangelien und zwar in der Reihenfolge, wie sie in der Bibel veröffentlicht sind. So bekommt man einen sehr guten Blick auf Jesus aus den verschiedenen
Blickwinkeln heraus.

3. Die Entscheidung

Liebe Gemeinde, jeder der die vier Evangelien aufmerksam und unter Gebet liest wird irgendwann an den Punkt kommen, wo er sich entscheiden muss, ob er das, was er gelesen hat für sich annimmt, also für wahr hält oder aber es verwirft als kompletten Unsinn.

Wenn ich das, was ich gelesen habe für wahr halte, dann muss ich zwangsläufig die Entscheidung treffen, diesen Herrn in mein Leben einzuladen. Und wenn ich dies gemacht habe, dann wird der Herr Jesus auch meine Augen so öffnen wie er dies bei den Emmausjüngern getan hat.

Jesus hätte doch auch den Emmausjüngern sofort die Augen öffnen können.
Der Predigttext wäre nicht so lang gewesen und das Wunder des Glaubens hätte direkt bei den Jüngern gewirkt. Und genau dies, liebe Gemeidne, will unser Herr nicht.

Jesus will uns nicht mit Wundern zum Glauben bewegen, sondern er will, dass wir uns mit unserem ganzen Verstand und unserem Herzen entscheiden, den Weg mit ihm zusammen zu gehen. Die Wirkung von Wundern lässt bekanntermaßen ganz schnell nach. Aber meine Entscheidung, die ich auf Grund mir vorliegender Fakten getroffen habe, bleibt in aller Regel felsenfest bestehen.

Warum aber treten auch hinterher immer wieder Zweifel auf? In der Praxis fangen wir immer dann an zu zweifeln, wenn wir die knallharten Fakten der Bibel in Frage stellen. Und da sollten wir auch auf unsere noch unerfahrenen Glaubensgeschwister aufpassen, dass sie dies nicht tun. Meist kommen dann Fragen wie :
Und was, wenn die Jünger den Leichnam weggeschleppt haben ? Unsere Antwort: Haben sie nicht, in der Bibel steht dies anders. Was, wenn Jesus gar nicht gestorben wäre? Ist er doch, denn so steht es in der Bibel.

Wenn wir also den Herrn Jesus in unser Leben eingeladen haben, dann dürfen wir getrost vertrauen, dass sein Wort wirklich wahr ist. Bei allen Zweifeln, die immer wieder aufkommen werden sollten wir unsere Bibel zu Rate ziehen und dort und nur dort nachschlagen.

4. Miteinander

So, jetzt kommt ein neues Miteinander. Versetzen wir uns noch einmal in die Emmausjünger. Soeben hatten sie mit dem Herrn Jesus gegessen und ihnen wurden die Augen aufgetan. Normal wäre es doch, wenn sie in der Herberge geblieben wären und dort die Nacht verbracht hätten, bevor sie
die Rückreise antreten. Was lesen wir aber in unserem Predigttext? Zu derselben Stunde traten sie die Rückreise an, um den anderen Jüngern von ihrem Erlebnis zu berichten.

Und das sollen wir auch tun. Jetzt ist der Moment, um von Jesus zu erzählen, jetzt ist der Moment seine frohe Botschaft zu verbreiten, jetzt zu dieser Stunde sollen wir uns aufraffen. Das „Jetzt“ hat einen gewaltigen Vorteil. Wir kommen gar nicht erst dahin, uns damit
auseinanderzusetzen, wie das denn wohl laufen wird. Werden wir verlacht werden, wird man uns zuhören oder ernten wir nur ein höhnisches Grinsen von unseren Mitmenschen?

Wenn wir uns damit auseinandersetzen, was uns alles widerfahren könnte, wenn wir die frohe Botschaft in die Welt hinaustragen, dann wird das nie etwas. Dann werden wir gefangen in unseren eigenen Ängsten und Befürchtungen schön zu Hause sitzen bleiben und nichts tun. Und genau
das sollen wir eben nicht tun.

Nutzen wir doch Ostern wieder einmal als eine Erinnerung an diese „Jetzt“ Aufgabe, die uns allen gilt.

Das innere Gefühl eines Menschen für die Welt, wenn ihm Jesus die Augen aufgetan hat, beschreibt der Liederdichter Paul Gerhardt sehr schön in dem 5. Vers seines Liedes: Auf, auf, mein Herz, mit Freuden…“ (EG 112), der da lautet, wie folgt:

Die Welt ist mir ein Lachen mit ihrem großen Zorn,
sie zürnt und kann nichts machen, all Arbeit ist verlorn.
Die Trübsal trübt mir nicht mein Herz und Angesicht,
das Unglück ist mein Glück, die Nacht mein Sonnenblick.

Der Herr gebe dir die Kraft, geduldig mit Deinen Mitmenschen umzugehen
Der Herr gebe Dir zur rechten Zeit das rechte Wort für Deine Mitmenschen
Der Herr lege Seine Freude in Dein Herz hinein, damit diese auf Deine
Mitmenschen überströmen kann

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Ostermontag und einen fröhlichen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Okuli, dem Sonntag in der Mitte der Passionszeit. Unser heutiger Sonntag steht unter dem Thema der konsequenten Nachfolge. Was das genau ist, das erfahren wir in unserem heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei dem Evangelisten Lukas im 9. Kapitel, die Verse 57-62. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst. Und Jesus sprach zun ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der
Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. Aber Jesus sprach zu ihm:
Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes! Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Haus sind. Jesus aber sprach zu ihm: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

Liebe Gemeinde,

ganz schön drastische Beispiele für eine konsequente Nachfolge. Finden Sie nicht auch? Ich jedenfalls hätte vor der Nachfolge meinen Vater begraben und ich hätte mich auch von meinen Lieben ordnungsgemäß verabschiedet. Dies waren die ersten Gedanken, die mir so entgegenflogen als ich den Text das erste Mal gelesen hatte. Kann es denn wirklich sein, dass Gott uns zu derartigen, ich möchte einmal sagen „Unhöflichkeiten“ drängt ? Ich glaube natürlich nicht, dass er dies tut.
Nehmen wir das, was wir gerade gehört haben, doch einfach mal als Ansatzpunkte für „Stolpersteine der Nachfolge“.

Mir fielen dann auch mit der Zeit drei Stolpersteine, es gibt vermutlich noch tausende andere, ein, die uns auf dem Weg der konsequenten Nachfolge im Wege liegen könnten. Lassen Sie uns diese heute Morgen einmal etwas näher betrachten.

1. Die Rückschau

Erinnern Sie sich noch: Kaum hatte Gott die Menschen vom Joch der Ägypter befreit und schon fingen sie an zu murren. Eigentlich war es ja doch alles gar nicht so schlecht in Ägypten und wenn wir es uns heute genau anschauen, dann geht es uns heute in der Wüste auch nicht besser.
Und wenn wir es ganz genau besehen, dann geht es und heute sogar noch schlechter als damals. So könnten die Israeliten wohl laut gedacht haben.

Und das ist auch die Gefahr jeder Rückschau. Denken wir nur einmal an unsere Schulzeit. Als eher mittelmäßiger und nicht gerade besonders fleißiger Schüler habe ich mich immer so gerade eben dadurch gemogelt.
Das ging natürlich nicht ohne mannigfachen Ärger mit dem Lehrkörper einher. Erinnere ich mich heute an diese eher dunkle Seite der Schulzeit? Nein, ich erinnere mich eigentlich nur noch an die schönen Zeiten, die Klassenausflüge, die Jahrgangsfeten und all die anderen Sachen, die das
Schulleben eben erträglich machten.

Wir Menschen neigen dazu, uns mehr an die positiven, denn an die negativen Erlebnisse zu erinnern. Das ist auch gut so, ansonsten wären wir wohl bald ein Volk, dass von einer großen gemeinsamen Depression geplagt würde.

Immer dann, wenn wir einen neuen Weg im Leben einschlagen und etwas nicht gleich so richtig rund läuft, dann denken wir gern an die vorherigen Zeiten, wo vermeintlich alles besser war. Bloß spielen uns die Erinnerungen dabei einen großen Streich. Betrachten wir das ganze einmal total nüchtern: Die guten alten Zeiten waren doch gar nicht so gut. Heute möchte doch kein Autofahrer mehr auf eine Klimaanlage, Servolenkung und Navigationssystem verzichten. In der „guten alten Zeit“
war dies aber so.

Davor warnt uns auch Jesus hier in unserem Predigttext. Wenn wir den Weg der konsequenten Nachfolge gewählt haben, dann kommen wir doch gerade aus unserem ach so bequemen Leben heraus, wo wir es uns so richtig gemütlich gemacht haben. Sobald wir aktiv auf dem Wege der Nachfolge sind, dann kommt es meist knüppeldicke; die Arbeitskollegen belächeln uns, in der Familie genießen wir alsbald den Ruf eines religiösen Spinners und auch unser Freundeskreis möchte uns gern dabei behilflich sein, unseren Heiligenschein zu putzen.

Natürlich denken wir in solchen Momenten alle einmal an die Rückkehr in das alte Leben. Und da sagt Jesus: Stopp!!! Das geht nicht gut. Wenn Du zurückgehst unter welchen Voraussetzungen auch immer, wirst Du nicht wieder so leicht den rechten Weg zu mir finden. Ich kann nur eines sagen: Jesus hat recht. Leider habe ich dies schon oftmals erleben müssen, wie dieser Stolperstein der Nachfolge zu einer echten Falle geworden ist.

2. Die halbe Nachfolge

Kennen Sie das Getränk der Unentschlossenen? Nein, dann will ich sie auch nicht länger auf die Folter spannen. Es ist der Latte Macchiato. Eigentlich will ich ja einen Kaffee und doch möchte ich lieber ein Glas Milch trinken.

So sind wir als Christen auch gern. Eigentlich möchte ich Jesus ja jetzt sofort nachfolgen, aber ich möchte auch noch in der Welt verbleiben. Glauben Sie mir eines, liebe Gemeinde, das klappt vorne und hinten nicht. Halb Christ und halb Weltmensch zu sein das wirkt erst recht unglaubwürdig. Wer dies praktiziert, der darf sich nicht wundern, wen ihm keiner mehr seinen Glauben abkauft.

Ich kann nicht sonntags mit feierlicher Miene im Gottesdienst sitzen und am Montagmorgen meinen Mitarbeitern erklären, dass ich ihnen den Mindestlohn nicht zahlen kann (möchte). Und ich kann auch nicht vordergründig christlich aktiv sein und im Hintergrund mein Vermögen am Finanzamt vorbeischleusen. Ich werde mit dieser Vorgehensweise immer eine mentale und soziale Bruchlandung erster Klasse hinlegen.

Genau so ist es mit der Aufschieberitis. Ja ich weiß, ich muss den Schritt der Bekehrung tun, aber ich bin noch so jung und möchte doch noch was vom Leben haben. Typischer Spruch, den ich immer wieder höre.
Spurgeon sagte einmal etwas ganz tolles zu einem jungen Mann, der ihm genau dies sagte im Hinblick auf seine spätere Bekehrung. ‚“Was sind Sie denn so bescheiden und wollen nur ETWAS vom Leben haben, Jesus schenkt Ihnen doch das GANZE Leben.“

Halten wir es doch auch damit, dass wir heute, wenn wir seine Stimme hören unsere Herzen nicht verstocken sondern ganz weit aufmachen für unseren Herrn.

3. Materialismus

Auch das ist ein Stolperstein der Nachfolge. Jesus beschreibt es ja selber, dass der Menschensohn nichts hat, wo er sein Haupt hinlegen kann. Selbst die Tiere, die weit unter den Menschen stehen, haben eine Herberge. Schutzloser ging es schon gar nicht mehr. Und in diese Schutzlosigkeit ruft uns unser Herr hinein? Ja will er uns denn in unser Verderben rennen lassen?

Nein, liebe Gemeinde, das will unser Herr ganz gewiss nicht. Jesus möchte gern, dass wir alles loslassen, was uns an der konsequenten Nachfolge hindert. Das können zum Beispiel problematische
Geschäftsbeziehungen sein, die uns zu viel Geld verhelfen, uns aber auch zeitgleich zwingen, die berühmten „Fünfe“ immer mal wieder gerade sein zu lassen. Wenn wir so leben, dann sind wir nicht wirklich frei für Jesus.

Das können auch problematische Freundschaften und Beziehungen sein, die uns daran hindern unserem Herrn konsequent nachzufolgen.

Jesus möchte eben dass wir all dies loslassen. Wenn wir alles, was wir haben und besitzen loslassen, dann haben wir nichts mehr worauf wir uns in unserem Leben verlassen können. Und genau das stimmt nicht. Wir haben unseren Herrn. Er möchte fortan für uns sorgen. Unsere Aufgabe besteht
nur aus der Anweisung, die wir schon in unserem Predigttext lesen: Du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!

Mit allem, was wir haben und mit allem was wir sind sollen wir zu Jesus kommen und ihm konsequent nachfolgen. Wenn wir dies wirklich ernsthaft tun, dann werden wir es erleben, dass ER uns alles gibt, was wir zum Leben benötigen. Und was er uns nicht gibt, das brauchen wir auch nicht
wirklich zu einem gelingenden Leben.

Liebe Gemeinde, ich höre immer wieder von Skeptikern, dass dies doch alles eine falsch verstandene Jesusromantik sei und diese im heutigen 21. Jahrhundert doch nichts mehr verloren habe. Ich kann es keinem verdenken so zu denken, der dies noch niemals probiert hat. Aber ich kann an dieser Stelle auch sagen, dass ich viele Menschen kennengelernt habe, die ihre Entscheidung der konsequenten Nachfolge getroffen haben, also auf viel materielles Gut verzichtet haben und diese Entscheidung
bis zum heutigen Tage nicht bereut haben. Jeder, der dem Nazarener auch heute noch konsequent nachfolgt, wird erleben, dass auch er fortan von guten Mächten wunderbar geborgen und getragen wird.

Zum Schluss möchte ich Ihnen eine Definition der konsequenten Nachfolge nicht vorenthalten, welche von Dr. Martinus stammt: „Konsequente Nachfolge ist dann gegeben, wenn ein Mensch es nicht mehr zulässt, dass andere Ansprüche an ihn stellen, als Gott allein.“

Denken wir doch heute Nachmittag doch mal in aller Ruhe über diese Definition nach. Ich habe sie mir notiert und einen ganzen Nachmittag darüber nachgedacht. Echt spannend, was dabei herauskommt. Daher wünsche ich Ihnen auch schon jetzt viel Spaß und Freude dabei.

Den Weg der echten Nachfolge beschreibt der Liederdichter Georg Weissel sehr schön in dem 1. Vers seines Liedes „Such, wer da will, ein ander Ziel…“ (EG 346), der da lautet, wie folgt:

Such, wer da will, ein ander Ziel,
die Seligkeit zu finden;
mein Herz allein bedacht soll sein,
auf Christus sich zu gründen.
Sein Wort sind wahr, sein Werk sind klar,
sein heilger Mund hat Kraft und Grund,
all Feind zu überwinden.

Der Herr zeige Dir Deinen Weg, auf dem Du ihm nachfolgen kannst
Der Herr stärke Dich auf Deinem Weg in die konsequente Nachfolge
Der Herr sei stets an Deiner Seite, wenn Du ihm allein nachfolgst

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Estomihi. „Sei mir ein starker Fels“, so lautet die Übersetzung der Bezeichnung dieses Sonntages. Was können wir eigentlich dazu beitragen, dass uns der Herr ein starker Fels, ja auch ein starker Fels in den Brandungen unseres Lebens sein kann? Mit dieser Frage beschäftigt sich unser heutiger Predigttext. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei dem Evangelisten Lukas im 10. Kapitel, die Verse 38-42. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Maria und Martha

Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf. Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu. Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester allein lässt dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll! Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von
ihr genommen werden.

Liebe Gemeinde,

das ist doch mal ein Predigttext, der so gar nicht nach unserem Geschmack ist. Vielmehr hätten wir doch alle von Jesus erwartet, dass er Maria an die Seite nimmt und ihr erklärt, dass es so nicht geht. Sie könne doch wohl nicht ihrer Schwester die ganze Arbeit aufbürden und sich derweil selber ihm zu Füßen setzen. Dummerweise tat Jesus aber genau das Gegenteil und darum sollten wir uns einige Besonderheiten des heutigen Predigttextes auch ein wenig genauer ansehen.

1. Blinder Eifer schadet nur

Ich glaube, ein bisschen Marta steckt in einem jeden von uns. Schauen wir uns doch einmal unseren Alltag an. In aller Regel sind wir doch von frühmorgens bis in den späten Abend hinein beschäftigt.

Und dies meist auch 7 Tage in der Woche. Und wenn wir dann abends unser Tagewerk glauben vollbracht zu haben dann liegt sie schon vor uns, die „to do“ Liste für den nächsten Tag. Irgendwie leben wir doch alle in einem Hamsterrad.

Und wenn wir uns, sarkastisch ausgedrückt, ein wenig bemühen, dann schaffen wir es tatsächlich auch einmal ein Burnout zu bekommen. Und wenn wir den haben, dann können wir endlich mitreden mit den anderen, die auch so wichtig sind, dass sie sich keinerlei Freizeit mehr gönnen können.

Was treibt uns eigentlich, liebe Gemeinde, dass wir wie ein gehetztes Reh durch unseren All- und den Sonntag rennen? Es ist die Angst, die uns treibt. Die Angst, unseren Wohlstand zu verlieren, die Angst nicht von allem genügend zu bekommen und die Angst, vielleicht etwas im Leben zu verpassen, wenn wir uns einfach mal der Muße hingeben.

Diese Stimme in uns, die uns die Angst einflößt ist keinesfalls die Stimme unseres Herrn. Können wir uns vorstellen, was diese Stimme in uns bezwecken will? Natürlich wissen wir dies alle. Diese Stimme will uns davon abhalten, einen regelmäßigen Kontakt zu unserem Herrn zu unterhalten. Es ist schlichtweg der Teufel, der uns all diese Gedanken
einimpft und dann in uns die entsprechenden Verhaltensweisen hervorruft.

2. Die große Not

So sagt es Jesus direkt zu Marta. Jesus erkannte, dass sie auf dem falschen Wege war. Obwohl sie von sich und ihrer Tätigkeit überzeugt war und auch davon, dass sie Hilfe benötigte, erkannte sie nicht, dass sie im Hamsterrad des Teufels gefangen war.

Immer dann, wenn wir uns von unseren vermeintlich eigenen Begierden und Motiven steuern lassen, dann haben wir 2 Sachen im Überfluss; nämlich Sorgen und Mühen. Und hier stecken wir in einem wirklich verdammten Teufelskreislauf. Wir machen uns Sorgen, dass wir nicht alles schaffen, was von uns verlangt wird und verstärken dann unsere Bemühungen. Kurz darauf kommen aber die Sorgen wieder, ob denn wirklich alles geschafft werden kann und als Folge verstärken wir dann weiterhin unsere Bemühungen.

Und dann wird es Zeit, dass Jesus kommt und sagt: Du steckst in einer großen Not. Um diese Not zu wenden ist es notwendig, dass Du Dich an mich wendest. Nur dann, liebe Gemeinde, wenn wir unsere Bemühungen und Sorgen einmal ruhen lassen, nur dann kann Jesus zu uns auf ganz direktem Wege reden.

Das Zauberwort heißt hier „Bevor“. Bevor wir uns einer Sache zuwenden sollten wir erst einmal auf unseren Herrn hören und ihn bitten, was er zu unserem Vorhaben zu sagen hat. Bevor wir eine Ehe eingehen, sollten wir den Herrn einmal fragen, ob dies wirklich der richtige Partner ist, den wir uns selber ausgesucht haben. Bevor wir unser Berufsleben starten sollten wir unseren Herrn fragen, ob dies der Beruf ist, den er meint dass er der richtig für uns ist. Bevor wir die Karriereleiter heraufklettern sollten wir Stufe um Stufe immer erneut unseren Herrn fragen, ob dies wirklich alles in seinem Sinne ist.

Sagt ER „JA“, dann können wir alles getrost angehen. Sagt ER „NEIN“, dann kommen wir, wenn wir uns nicht daran halten, genau dahin, wo Marta sich befand. Da es nicht richtig ist, was wir machen, kommen wir stets nur recht mühselig voran und dies auch nur unter viel Mühen und allen damit einhergehenden Sorgen.

Wenn wir uns gerade in einer Lebenssituation befinden, wo uns so gar nichts recht gelingen will und wir uns abmühen bis zum berühmten „geht nicht mehr“, dann ist jetzt der Zeitpunkt, wo wir uns zu Jesu Füßen setzen sollten und ihn erst einmal um seinen Rat fragen sollten.

3. Die Praxis

Schön und gut, hört sich ja alles ganz vernünftig an. Aber wie soll ich das in meinen Tagesablauf einbauen und was habe ich davon? Wie wäre es, wenn wir jeden Morgen mit einem Gebet beginnen, in welchem wir unseren Herrn bitten uns heute bei allem beizustehen, was auf uns zukommt? Das wäre doch mal ein Anfang. Dann könnten wir, wie Maria, zu Jesu Füßen sitzen und auf ihn hören, was er uns sagen will.

Dazu ist es natürlich erforderlich, dass wir uns auch die Zeit dazu nehmen. Nehmen wir uns doch alle mal wieder das Recht der stillen 10 Minuten heraus, in denen wir nur auf den Herrn hören, was er uns zu sagen hat. Denken wir doch einmal an die Mönche in einem Kloster. In bestimmten Abständen ruht die Arbeit zugunsten des Gebetes. Nehmen wir
doch die Zeiten in denen wir tagsüber unsere privaten Mails checken oder aber privat ins Internet gehen. Nehmen wir doch diese Zeiten für ein Gespräch mit unserem Herrn.

Und dann können wir dies alles auch in Gemeinschaft machen. In Gemeinschaftsstunden, Gottesdiensten und Andachten können wir gemeinsam auf das Wort unseres Herrn hören und ihn anbeten.

Was habe ich davon?

Provokativ sage ich ganz einfach: Alles!!!! Wer Jesus vorher fragt und das tut, was er sagt, der hat nachher alles, was er braucht. Wer so verfährt, der muss sich nicht mehr bis zu dem bereits beschriebenen „geht nicht mehr“ abrackern. Natürlich haben wir alle, die wir mit unserem Herrn leben nach wie vor Nöte, Sorgen und auch Probleme. Jedoch haben wir diese, damit wir an ihnen wachsen können.

Probleme und Nöte, die von Gott kommen, dienen immer unserer ganz persönlichen Entwicklung und haben niemals das Ziel im Visier, unser Leben zu zerstören.

Das schöne ist, dass wir einen Herrn haben, der unser Leben regiert. Wir müssen uns keine Sorgen mehr machen, wie denn alles irgendwie weitergeht. Wir dürfen all unsere Sorgen auf ihn werfen, denn er sorgt für uns.

Was gibt es schöneres, als mit dieser gewissen Leichtigkeit durch das Leben zu schreiten in der festen Gewissheit und dem festen Vertrauen darauf, das am Ende alles gut sein wird. Und das dürfen wir alle, die wir unserem Herrn Jesus nachfolgen. Heute, morgen und in alle Ewigkeit.
Das ist alles, mehr geht nicht. Worauf warten wir also noch? Übrigens:
Wir wissen das ja und praktizieren dies ja auch; sagen wir es doch auch denen weiter, die noch nicht wissen, was sie alles erwartet, wenn auch sie Jesus nachfolgen.

Der Liederdichter Ignaz Franz beschreibt in dem 9. Vers seines Liedes „Großer Gott, wir loben dich… (EG 331) sehr schön die Bitte um Jesu Führung in unserem Leben. Dieser Vers lautet, wie folgt:

Sieh dein Volk in Gnaden an.
Hilf uns, segne, Herr, dein Erbe;
leit es auf der rechten Bahn,
dass der Feind es nicht verderbe.
Führe es durch diese Zeit,
nimm es auf in Ewigkeit.

Der Herr schenke Dir jeden Tag Zeit, die Du mit Ihm verbringen darfst
Der Herr lasse Dich ganz aufmerksam auf sein Wort hören
Der Herr leite Dich mit seiner Hand stets auf Deinem gesamten Lebensweg

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem 2. Sonntag vor der Passionszeit. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Evangelisten Lukas im 8. Kapitel, die Verse 4-8. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus den Städten zu ihm eilten, redete er in einem Gleichnis: Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges auf den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen’s auf. Und einiges fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und einiges fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten’s. Und einiges fiel auf gutes Land;
und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Als er das sagte, rief er:
Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Liebe Gemeinde,

es gibt wenige Gleichnisse, wie dieses vom vierfachen Ackerland, welches gleich darauf eine Auslegung in der Bibel erfährt. Eigentlich könnten wir dieses Kapitel weiterlesen und dann getrost nach Hause gehen. Allerdings sind wir dann irgendwie keinen einzigen Schritt weiter gekommen, wenn wir es bei dieser Auslegung belassen.

Unsere Fragestellung müsste eigentlich lauten: Wie eliminieren wir drei dieser Ackerländer, sodass das Wort Gottes nur noch auf gutes Land fällt? Lassen Sie uns heute Morgen einmal diesen Versuch wagen.

1. Das Wort, das auf den Weg fällt

Hiermit ist bildhaft das satanische Wirken gemeint. Wo der Teufel in uns seine feste Wohnung bezogen hat, da hat das Wort Gottes erst mal so gut wie keine Chance, uns zu erreichen. Wer vom Teufel geritten wird, der hat tausend Ausreden parat sich gar nicht erst mit dem Worte Gottes zu
beschäftigen.

Jetzt hört sich Teufel ja immer so brutal an. Es ist aber so, dass der Teufel nicht mit Krallen, sondern auf leisen, samtenen Pfoten daherkommt. Wir können ihn ruhig als Wolf im Schafspelz bezeichnen.

Was können wir nun in der Praxis, sprich im Alltag tun, um dem Teufel keine Chance einzuräumen, in unser Leben einzuziehen? Vorab sei mir schon einmal der Hinweis gestattet, dass wir allein gegen diese Macht der Finsternis überhaupt nichts ausrichten können. Ohne den Herrn an unserer Seite sind wir diesen Mächten hilflos ausgeliefert.

Und doch können wir einiges tun, um der Versuchung nicht immer gleich nachzugeben. Wir können Orte meiden, an denen wir unweigerlich in Versuchung geführt werden. Nehmen wir einmal an, wir haben einen Hang zum Glückspiel bei uns entdeckt. Dann wäre es sicherlich nicht besonders klug, wenn wir uns in Spielhallen oder in Spielcasinos begeben.

Eine ganz einfache Prüfung, der wir uns dabei immer wieder unterziehen können, ist die einfache Frage: Bringt mich das, was ich beabsichtige zu tun, näher zu Gott hin oder aber weiter von ihm weg? Probieren wir es ruhig einmal aus. Ich höre immer wieder, wie gut dies funktioniert.
Allerdings müssen wir uns gegenüber auch absolut ehrlich bleiben. Uns selber anzulügen bringt dabei überhaupt nichts. Wie lesen wir es schon in der Bibel „Prüft alles, das Gute aber behaltet…“

2. Das Wort, das auf den Fels fiel

Mit dem Wort Gottes gilt es, ganz behutsam und pfleglich umzugehen. Wenn wir es nur am Sonntag hören, dann aber in der Woche wieder zur Seite legen, dann kann es keine Wurzeln in uns bilden. Diese Wurzeln brauchen wir aber, damit uns das Wort Gottes tragen, behüten und beschützen kann.
Kurzum, damit es in uns wirken kann.

Stellen wir uns doch einmal eine Pflanze im Sommer vor. Wir haben einen ganz trockenen, heißen Sommer und wir gießen unsere Pflanze nur 1x in der Woche. Was wird passieren? Nun, sie wird vermutlich eingehen. Sie geht ein, weil die Nahrung die wir ihr in Form von Wasser anbieten,
schlichtweg nicht ausreicht.

Und so kann es auch unseren Seelen gehen, liebe Gemeinde. Unsere Seelen brauchen genau so Nahrung wie unser Körper diese benötigt. Wenn wir unserem Körper die Wasserzufuhr entziehen, dann wird dieser unweigerlich sterben. Gleiches gilt für unsere Seele.

Wie sorgen wir nun dafür, dass unsere Seele ausreichende und gute Nahrung erhält? Nun zum Beispiel dadurch, dass wir regelmäßig das Wort Gottes lesen, darüber nachsinnen und dieses Wort in uns wirken lassen. Dann schadet es sicherlich auch nicht, wenn wir uns mit Gleichgesinnten umgeben, damit wir auch in der Gemeinschaft über das Wort Gottes nachdenken können. Und dann gibt es noch den Königsweg der Nahrungsaufnahme für unsere Seele. Dies ist natürlich der direkte
Kontakt zu unserem Herrn.

Wenn wir uns in der Nähe einer Wasserquelle aufhalten, dann werden wir niemals verdursten, wir werden uns immer wieder an dem köstlichen Wasser erquicken können. Wenn wir uns immer in der Nähe unseres Herrn aufrecht erhalten, dann können wir uns immer wieder in ihm stärken.

Stellen wir uns einmal eine Familie vor. Vater Mutter und zwei Kinder leben zusammen in einem Haushalt. Könnten Sie sich vorstellen, dass es eine glückliche Familie wäre, wenn z.B. die Kommunikation auf bestimmte Zeiten beschränkt wäre und dann auch noch zeitlich limitiert wäre. Und wenn dann jeder zu jedem jeden Tag dasselbe sagt, dann wäre doch wohl diese Familie von einer ernsthaften Krise nicht mehr weit entfernt, um es einmal ganz vorsichtig auszudrücken.

Genau so machen es aber viele Menschen mit dem Gebet. Morgens wird schnell mal etwas heruntergeleiert. Mittags und abends vielleicht auch noch, wenn es denn die wertvolle Zeit erlaubt. Und schon glaubt man, eine intakte Beziehung zu Gott zu führen.

Eine intakte Beziehung mit Gott, liebe Gemeinde, führen wir aber erst dann, wenn wir in allen Lebenslagen und zu allen Tageszeiten mit ihm reden, ihn in unser Leben einbeziehen und ihn entscheiden lassen, was denn wirklich gut für uns ist. Wenn wir diese Wurzeln ausbilden, dann
kann das Wort auch in uns hundertfach Frucht bringen.

3. Das Wort, das unter die Dornen fiel

Wie wir nachlesen können sind hiermit die Sorgen gemeint, die verhindern, dass das Wort Gottes in und an uns wirken kann. Der Sorgenpanzer unseres Lebens gestattet es dem Wort Gottes nicht, ganz von uns Besitz zu ergreifen. Immer wieder wird das Wort Gottes mit Sorgen überdeckt, die uns so sehr belasten, dass wir gar nicht mehr an unseren Herrn denken.

„Alle Sorgen werft auf Ihn; denn er sorgt für euch…“, so lesen wir es in der Bibel. Und darauf, liebe Gemeinde dürfen wir uns getrost verlassen. Ich habe in einem Buch von Dale Carnegie gelesen, dass 99 % aller Sorgen sinnlos sind. Entweder treffen diese Ereignisse gar nicht ein, oder wir können es doch nicht ändern. Denken wir jedoch einmal darüber nach.

Martin Luther hat eine tolle Strategie gegen den Sorgengeist entwickelt.
Er drückte dies wie folgt aus: “ Wir können nicht verhindern, dass die Vögel uns um den Kopf flattern, aber wir können sie daran hindern dass sie ihr Nest auf unserem Kopf bauen.“

Lassen Sie uns zum Schluss noch einmal ganz pragmatisch werden. Wir leben alle auf demselben Planeten. Jeder von uns hat Sorgen. Egal, wen sie auch treffen. Jeder Mensch hat Sorgen. Wie schön wäre das doch so ganz ohne Sorgen zu sein. Diesen Menschen muss es doch so richtig gut gehen. Das mag sein, allerdings liegen diese alle auf dem Friedhof. Also lassen Sie uns so mit den Sorgen umgehen, wie es uns Martin Luther empfiehlt. Und mal so ganz nebenbei bemerkt, Sorgen sind ja auch positiv ausgedrückt, ein innerer Motor, der uns antreibt.

Wenn ich nicht die Sorge hätte, in der Hölle zu landen, würde ich vielleicht gar nicht den Weg zu Gott gefunden haben. Könnte doch sein, oder? Lassen Sie uns doch wieder kreativ mit unseren Sorgen umgehen und Sorgen mit denen wir so gar nichts anfangen können, die lassen Sie uns doch getrost auf den Herrn werfen. Er weiß schon, wie er damit umgeht.

Ein gar prächtiges Mittel, den Sorgen entgegenzutreten ist der Gesang mit dem wir Gott loben. Wo Gott gelobt wird ist kein Platz mehr für die Sorgen. Der Liederdichter Joachim Neander bezeugt uns dies sehr schön mit dem vierten Vers seines Liedes „Lobe den Herren….“, der da lautet,
wie folgt:

Lobe den Herren, der sichtbar dein Leben gesegnet,
der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet.
Denke daran, was der Allmächtige kann, der dir mit Liebe begegnet

Der Herr öffne allezeit Dein Herz für sein allmächtiges Wort
Der Herr lasse sein Wort in Dir seine göttliche Wirkung entfalten
Der Herr stärke Dich, damit Du sein Wort weitersagen kannst

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten restlichen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Neues Jahr 2015. Möge Gott uns auch in diesem Jahre auf allen unseren Wegen begleiten, behüten und beschützen. Den Predigttext für den heutigen Neujahrstag finden wir bei dem Evangelisten Lukas im 4. Kapitel, die Verse 16-21. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Und er kam nach Nazareth, wo er aufgewachsen war, und ging nach seiner Gewohnheit am Sabbat in die Synagoge und stand auf und wollte lesen. Da wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht. Und als er das Buch auftat, fand er die Stelle, wo geschrieben steht (Jesaja 61,1-2): “ Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn. “ Und als er das Buch zutat, gab er’s dem Diener und setzte sich. Und aller Augen in der Synagoge sahen auf ihn. Und er fing an, zu ihnen zu reden: Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren.

Liebe Gemeinde,

es erstaunt mich immer wieder, wie präzise und detailgetreu die Propheten des Alten Testamentes die Zukunft vorhergesagt haben. Wenn uns heute jemand die Lottozahlen vom nächsten Samstag sagen könnte, wir würden ihn vergöttern. Wenn uns aber jemand den Weg zur ewigen Errettung und damit den Weg in den Himmel aufzeigt, dann lässt dies viele Menschen einfach kalt.

Wenn wir uns den Predigttext einmal etwas näher betrachten dann fällt uns auf, dass in diesem Text das ganz konkrete Wirken Jesu aufgezeigt wird. Da unser Herr ja lebt, können wir davon ausgehen, dass er heute noch genau so wirkt, wie es der Prophet Jesaja lange vor der Geburt Jesu bereits beschrieben habt. Im Wesentlichen können wir dem heutigen Predigttext „3 Jesuswirkungen“ entnehmen. Lassen Sie uns diese ein wenig näher betrachten:

1. Gefangene werden frei

„Jesus macht frei“, das stand auf den Armbändern eines der letzten Kirchentage in unserem Lande. Das setzt natürlich voraus, dass man unfrei, also ein Gefangener ist. Ich gehe mal davon aus, dass keiner von uns nach dem Gottesdienst seinen Weg in die Haftanstalt antreten muss.
Das ist hier sicherlich auch so nicht gemeint.

Aber sind wir nicht alle irgendwann einmal Gefangene gewesen oder sind es derzeit noch? Für die die es gerade sind, für die gilt diese Botschaft ganz besonders „Jesus macht frei“. Wovon macht Jesus frei?
Von allem, was uns gefangen hält.

Alles, was uns gefangen hält, hält uns nämlich von Jesus fern. Bevor wir Jesus unser Leben übergeben können, muss er uns von allem befreien, was uns auf dem Wege zu ihm hinderlich sein kann. Daher ist es auch nicht so, dass die Glaubensentscheidung ganz allein von mir kommt. Lange bevor ich meine Entscheidung pro Jesus getroffen habe, hat er mir nämlich schon den Weg bereitet. Er hat es überhaupt erst möglich gemacht, dass ich mein Ja zu ihm sagen konnte.

Was könnte uns denn gefangen halten? Das können so banale Dinge wie unser Hobby sein. Ich habe ganz bestimmt nichts gegen Fußball. Aber muss es sein, dass die A-Jugend sonntags um 11.00 Uhr spielt. Keiner der Spieler hat je die Möglichkeit an einem Gottesdienst teilzunehmen. Neben so banalen können es auch ganz andere Dinge sein, die uns in ihren Bann ziehen. Lassen wir einmal körperliche Süchte beiseite, das ist offensichtlich, dass diese uns gefangen halten können.

Denken wir doch einmal an den gefährlichen Bereich Esoterik und Okkultismus. Wie viele Menschen sind auf diese Art und Weise dem Satan auf den Leim gegangen und kommen nun nicht mehr davon los. Wir möchten vielleicht sagen, dass uns dies nicht geschehen kann. Aber, liebe Gemeinde, häufig fängt z.B. der Einstieg in die Welt der Esoterik mit einer ganz harmlosen Engelsbotschaft an. Der Teufel ist ja nicht blöd, er weiß ganz genau, wie er auch uns Christen packen und in seinen Bann ziehen kann.

Liebe Gemeinde, es gibt aber die erlösende Botschaft, die da lautet:
Jesus macht frei. Wenn ich gefangen bin und wünsche mir von ganzem Herzen, dieses Joch loszuwerden, dann genügt ein von Herzen ehrlich gesprochenes Gebet und ich bin frei. Das Problem legt nur wieder bei uns. Wir können es nicht verstehen und begreifen und meinen daher, dass dies auch nicht geht. Aber ich kann uns allen versichern, dass es geht.
Man muss es eben nur ausprobieren.

2. Die Blinden sehen

An einigen Gleichnissen der Bibel sehen wir, dass es Jesus möglich ist, körperliche Gebrechen, wie die Blindheit zu heilen. Das kann er ganz ohne Frage auch heute noch. In unserem Predigttext hingegen ist eine viel gefährlichere Blindheit gemeint, die Blindheit, die uns den Weg zum Himmel nicht erkennen lässt und die dafür verantwortlich sein kann, dass wir die Ewigkeit in der Hölle verbringen werden.

Aber auch hier gleich ein Trost für alle „Blinden“. Jesus öffnet die inneren Augen, sodass wir ihn mit diesen inneren Augen schauen können.
Von Geburt an, liebe Gemeinde, sind wir nämlich blind. Erst wenn unser Herr unsere Augen aufgetan hat, dann erkennen wir, dass wir vorher blind waren.

Und das ist das Gefährliche in unserer Zeit. Viele Menschen haben sich so sehr an den Blindenstatus gewöhnt, dass sie gar nicht mehr davon ausgehen, dass man auch sehen kann. Viele haben sich ihr Leben blindengerecht und halbwegs komfortabel eingerichtet. Und was man nicht vermisst nach dem zieht es einen auch nicht.

Und auch hier ist unser Herr schon lange vor uns am Werk. Er legt die Ewigkeitssehnsucht in unser Herz hinein, sodass unser Herz unruhig wird und zu fragen beginnt, ob denn unser Blindenstatus alles gewesen sein soll. Wenn wir uns mit dieser existenziellen Frage direkt an unseren Herrn wenden, dann wird er unsere Augen auftun und wir werden erkennen, dass ER der Herr ist.

Bevor unsere inneren Augen aufgetan wurden, waren wir blind. Daher können wir vielleicht jetzt auch den Hohn und Spott unserer Mitmenschen nachvollziehen, wenn wir von unserem Glauben reden. Sie, deren Augen noch geschlossen sind, KÖNNEN es ja gar nicht verstehen. Helfen wir Ihnen dabei, dass auch ihnen die Augen aufgetan werden.

3. Die Zerschlagenen werden heil

Einige Bibelübersetzungen verwenden anstelle des Wortes Zerschlagene, das Wort Unterdrückte, welches wesentlich besser passt.

Unterdrückt sein, das können wir körperlich, aber auch seelisch. Denken wir nur einmal an den tyrannischen Ehemann, der seine Frau zwar nicht schlägt, aber sie stets seelisch foltert. Oder denken wir an den gewaltbereiten Männer, die ständig ihre Familie schlagen. Auch diese Opfer zählen zu den Unterdrückten, denen sich unser Herr annehmen will.

Leider ist es so, dass sich derart Unterdrückte häufig mit der Situation arrangiert haben und versuchen aus dem Unterdückten-Status auch noch etwas vermeintlich Erträgliches zu machen. Wir kommen, auch wenn wir ehrlich helfen wollen, an die Unterdrückten meist gar nicht heran. Häufig sind diese derart traumatisiert, dass eine Heilung unmöglich erscheint.

Und hier kommen wir wieder zu der 3er Wirkung unseres Herrn. Er macht den Unterdrückten die Augen auf, die inneren Augen, damit sie ihren wahren Zustand erkennen können. Wo sie blind waren, werden sie auf einmal sehend und können ihren Unterdrückten-Status auch endlich wahrnehmen. Und schließlich, wenn sie ihn darum bitten, kann unser Herr diese Menschen von ihrem Joch erlösen.

Und weil unser Herr auch heute noch überall auf diese wunderbare Weise Menschen erretten kann aus diesem Grunde möchte ich mich auch in diesem neuen Jahr unter seinen persönlichen Schutz stellen. Wollen wir dies gemeinsam tun?

Dann lassen Sie uns dies gemeinsam tun, indem wir zusammen in den 8.
Vers des Liedes von Gerhard Tersteegen „Gott ist gegenwärtig…“ (EG
165) einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Herr, komm in mir wohnen,
lass mein Geist auf Erden
dir ein Heiligtum noch werden;
komm, du nahes Wesen,
dich in mir verkläre,
dass ich dich stets lieb und ehre.
Wo ich geh, sitz und steh,
lass mich dich erblicken
und vor dir mich bücken.

Der mache Dich frei von allem, was Dich von ihm fernhalten könnte Der Herr öffne Deine inneren Augen, damit Du seine Herrlichkeit schauen kannst Der Herr begleite Dich auch in diesem Jahre auf allen Deinen Wegen

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen besinnlichen Neujahrstag.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Altjahrsabend. Jetzt warten wir schon fast 2000 Jahre darauf, dass unser Herr wiederkommt.
Und wieder ist ein Jahr in’s Land gegangen und wieder ist er nicht gekommen. Lassen Sie uns doch einmal schauen, was uns unser heutiger Predigttext, den wir im 12.Kapitel des Lukasevangeliums, die Verse 35-40 finden, dazu sagen möchte:

Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wann er aufbrechen wird von der Hochzeit, damit, wenn er kommt und anklopft, sie ihm sogleich auftun. Selig sind die Knechte, die der Herr, wenn er kommt, wachend findet. Wahrlich, ich sage euch: Er wird sich schürzen und wird sie zu Tisch bitten und kommen und ihnen dienen. Und wenn er kommt in der zweiten oder in der dritten Nachtwache und findet’s so: Selig sind sie.
Das sollt ihr aber wissen: Wenn ein Hausherr wüsste, zu welcher Stunde der Dieb kommt, so ließe er nicht in sein Haus einbrechen. Seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr’s nicht meint.

Liebe Gemeinde,

in den ersten Monaten und Jahren nach der Himmelfahrt unseres Herrn war es für die Christen der damaligen Zeit sonnenklar, dass der Herr alsbald wiederkommt. Doch als so einige Jahre ins Land gegangen waren, da kamen dann doch die ersten Zweifel auf. Und in diese Zeit hinein spricht unser heutiger Predigttext. Und da wir auch heute noch auf das Kommen unseres Herrn warten, gilt dies, was uns der Predigttext sagt, auch für uns heute im beinahe schon Jahre 2015.

Zunächst einmal dürfen wir sicher sein, dass Gott alle seine Verheißungen erfüllt. Wenn wir uns nur einmal die Anzahl der erfüllten Prophetien anschauen, dann finden wir in der Bibel nahezu 700 Prophezeiungen, die sich bereits erfüllt haben. Also sollten wir auch DER Prophezeiung Glauben schenken, die besagt, dass unser Herr eines Tages wiederkommen wird.

Was sollen wir in der Zwischenzeit tun? Wir sollen ihn so erwarten, als ob er heute noch käme. Wir sollen also wachsam sein mit allen Sinnen unseres Körpers. Lassen Sie uns am heutigen Altjahrsabend überlegen, wie wir es anstellen können, den Herrn so zu erwarten, wie er es sich wünschen würde.

1. Mit dem Körper wachen

Unser Körper ist der Tempel in dem unser Herr Wohnung nehmen möchte.
Also sollten wir auf unseren Körper achten. Ich meine hier keinen übertriebenen Fitnesskult und eine Schönheitsoperation nach der anderen.

Unser Körper besteht ja bekanntermaßen eben nicht nur aus der äußeren Hülle (obwohl ich mir da bei manchen Zeitgenossen nicht mehr so ganz sicher bin), sondern auch aus dem, ich nenne es einmal, körperlichen Innenleben.

Mit diesem sollen wir besonders pfleglich umgehen. Ich kann mich mit Nikotin, Alkohol und Fastfood vollstopfen, darf mich dann aber auch nicht wundern, wenn dieser Körper, dem ich das antue, das irgendwann einmal nicht mehr mitmacht. Das heißt natürlich nicht, dass wir uns heute Abend kein Glas Sekt, Bier oder Wein trinken dürfen. Es soll nur nicht die Regelmäßigkeit werden.

Gerade im angetrunkenen Zustand sind wir willfährige Opfer der satanischen Machenschaften. Denken wir nur einmal an die nun herannahende Karnevalszeit. Wie viele Ehen werden in dieser Zeit durch betrügerisches Verhalten aufs Spiel gesetzt.

Halten wir es doch mit den großen Glaubenshelden der Bibel. Prüfen wir alles und das Gute behalten wird dann. Dann können wir sicherstellen, dass wir unseren Herrn auch in einem körperlichen Zustand empfangen können, der ihm zur Ehre gereicht.

2. Mit dem Geist wachen

Liebe Gemeinde, was tun wir nicht alles unserem Geiste an. Ich nehme nur einmal ein aktuelles Beispiel aus der Computerszene. Ich habe den Eindruck dass der Markt der Computerspiele immer brutaler wird. In jedem dieser Ballerspiele geht es darum, so viele Gegner, wie möglich zur Strecke zu bringen. Und wenn es mich dann einmal persönlich betrifft, ist ja gar nicht so schlimm, ich habe ja noch 5 Restleben.

Wir dürfen uns nicht wundern, wenn geistige Veränderungen bei Dauerkonsumenten derartiger Spiele irgendwann auftreten. Das, was ich den ganzen Tag mache, das bestimmt dann irgendwann auch mein Denken und Handeln. Und dann ist es auf einmal nicht mehr so ganz verwunderlich, wenn ein 14 jähriger Schüler mit der Waffe in der Hand so ein Spiel in die Realität umsetzt.

Oder denken wir nur an die vielen Jugendlichen, auch deutsche Jugendliche, die sich von dem „Islamischen Staat“ zu Kriegern ausbilden lassen. Können wir dies überhaupt verhindern? Liebe Gemeinde, ich sage einmal, Ja, das können wir.

Wenn wir oben unseren Geist mit guten Dingen füttern, dann kommt unten, also an Armen, Händen und Beinen auch Gutes heraus. Halten wir doch unseren Geist fern von diesen und anderen Einflüssen, die versuchen uns in ihren Bann zu ziehen.

Wenn wir unsere Kinder und Jugendliche davor bewahren wollen, dann sollten wir mit einem guten Beispiel vorangehen. Wir könnten zum Beispiel wieder regelmäßig Gottes Wort lesen. Wir könnten anstelle des abendlichen Krimis auch einmal wieder in die Bibelstunde gehen. Auch die Bibel hat ganz spannende Geschichten zu bieten. Wenn wir dies tun, dann bringen wir unseren Geist automatisch in eine „Hab acht“ Position, die ihn auf das Kommen des Herrn einstimmt.

Wenn wir dies vormachen, dann wird das in unseren Kindern nicht ohne Wirkung bleiben. Wo Gott bei Tisch wieder ein Thema ist, da machen wir alle am Tisch auch wieder neugierig auf diesen Gott. Dann kann die Jungschar auch wieder eine ernstzunehmende Konkurrenz zur Playstation werden.

Dass dies Gott sei Dank alles kein frommes Wunschdenken ist, das habe ich in vielen Familien beobachten können. Wir, also die Älteren, müssen nur den Anfang machen. Von alleine kommt da gar nichts.

3. Mit der Seele wachen

Auf Körper und Geist Acht haben, das kann ich mir ja noch ganz gut vorstellen, aber auf die Seele zu achten, wie soll das denn gehen? Nun, ich denke, dass dies eher passiv möglich ist.

Wenn ich dem Heiligen Geist die Möglichkeit geben will, bei mir einzuziehen und dauerhaft bei mir Wohnung zu nehmen, dann geht dies in unserer hektischen Zeit nicht mal eben so im Vorbeigehen.

Wir müssen es, glaube ich, alle wieder lernen, vor Gott zur Ruhe zu kommen, um zum Frieden unserer Seele zu gelangen. Wir müssen dem Heiligen Geist auch die Möglichkeit geben, überhaupt in uns arbeiten zu können.

Zugegeben, jetzt in der etwas ruhigeren Zeit mag dies auch einfacher sein. Aber wenn wir ab der nächsten Woche alle wieder in unserem gewohnten Alltagsstress sind, dann könnte dies schon etwas schwieriger werden.

Daher ein kleiner Tipp: Schaffen wir uns doch Oasen der Ruhe in unserem Alltag. Analysieren wir doch einmal, wo wir diese Zeitfenster einrichten können. Ich hab da auch ein paar Ideen. Wie wäre es mit der stillen Zeit morgens früh, wen wir eine Viertelstunde früher aufstehen?

Wie wäre es, wenn wir auf der morgendlichen Fahrt zur Arbeit und der abendlichen Heimfahrt Radio, MP3-Player und andere Beschallungsgeräte ausstellen und uns auf Gott und sein Wirken in uns besinnen.

Ich bin sicher, wir werden etlichen Zeiten finden, in denen wir auch wieder seelisch zur Ruhe finden können. Und dann kann auch der Heilige Geist in uns so wirken, dass wir es spüren, fühlen und direkt erleben können. Probieren wir es doch gleich um 0.00 Uhr einmal aus. Versuchen wir uns doch einmal auf das Läuten der Kirchenglocken zu konzentrieren und nicht so sehr auf das Feuerwerk um uns herum.

Und nun bleibt mir nur noch, Ihnen allen einen gesegneten Altjahresabend und einen besinnlichen Übergang in das Jahr 2015 zu wünschen. Ich hoffe, wir sehen uns morgen in der Frühe wieder.

Danken für das alte Jahr und bitten für das neue Jahr können wir gemeinsam, wenn wir in den 1. Vers des Liedes „Das alte Jahr vergangen ist…“ (EG 59), und in den 1. Vers des Liedes „Hilf, Herr Jesu, lass gelingen…“ (EG 61) einstimmen, die da lauten, wie folgt:

Das alte Jahr vergangen ist; wir danken dir, Herr Jesu Christ, dass du uns in so großer G’fahr so gnädiglich behüt auch dieses Jahr.

Hilf, Herr Jesus, lass gelingen, hilf, das neue Jahr geht an; lass es neue Kräfte bringen, dass aufs neu ich wandeln kann.
Neues Glück und neues Leben wollest du aus Gnaden geben.

Der Herr lege auch im Jahre 2015 seinen Frieden in Dein Herz hinein Der Herr bewahre Dich auch im Jahre 2015 vor Nöten und Gefahren Der Herr sei auch im Jahre 2015 Dein starker Fels in der Brandung

Amen.

Liebe Gemeinde,

nunmehr wünsche ich Ihnen und all Ihren Lieben einen gesegneten Altjahrsabend.

Bis zum morgigen Tage möge der allmächtige Gott schützend seine Hand über Sie alle halten.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber