Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich zum heutigen Gottesdienst am 12.02.2017, dem Sonntag Septuagesimae. Ja, wir gehen wieder zielstrebig Richtung Ostern, wie es der Name des heutigen Sonntages schon besagt. Den Predigttext für den heutigen Sonntag, und der geht auch schon ein wenig Richtung Ostern, finden wir im Lukasevangelium, Kapitel 17, die Verse 7-10. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Vom Knechtslohn

Wer unter euch hat einen Knecht, der pflügt oder das Vieh weidet, und sagt ihm, wenn er vom Feld heimkommt: Komm gleich her und setz dich zu Tisch? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Bereite mir das Abendessen, schürze dich und diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe; danach sollst du auch essen und trinken? Dankt er etwa dem Knecht, dass er getan hat, was befohlen war ? So auch ihr ! Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.

Liebe Gemeinde,

eigentlich ja kein besonders erbauender Text, den wir soeben gehört haben. So erging es mir auch, als ich ihn zum ersten Male gelesen habe. Und dann fiel mir auf, dass sich im Hinblick auf Ostern hinter dieser Geschichte noch eine ganz andere Botschaft verbirgt. Lassen Sie uns diese beiden Geschichten heute Morgen einmal gemeinsam betrachten.

1. Der Knecht

Knechte gibt es heute so gut wie gar nicht mehr. Für die Jüngeren daher der Hinweis, dass es sich bei einem Knecht um einen ganz normalen Arbeitnehmer handelte, der im Bereich der Landwirtschaft tätig war. Heute würde man vielleicht „Assistent Manager im Agrarwesen“ dazu sagen. Nur der guten Ordnung halber: Es gab natürlich auch weibliche Bedienstete, welche als Mägde bezeichnet wurden.

Lassen Sie uns doch einmal zusammen anschauen, was denn einen Knecht, eine Magd so ausmacht.

1. Der Arbeitnehmer: Der Knecht ist ein ganz normaler Arbeitnehmer. Als solcher gibt ihm sein Dienstherr direkte Anweisungen, die er zu befolgen hat. Zugleich ist sein Arbeitgeber auch sein Disziplinarvorgesetzter, der über zu ergreifende Maßregeln entscheidet, wenn es bei dem Knecht zu einem Fehlverhalten kommen sollte.

Im Ausgleich dazu erhält der Knecht einen im Voraus vereinbarten Arbeitslohn für seine Dienste. Mit seiner Arbeitskraft und der daraus resultierenden Lohnzahlung sind beide Vertragsparteien ihrer Pflichten entledigt.

2. Der soziale Status: Bei dem Knecht und dem Vorgesetzen liegt das typische Über/Unterordnungsverhältnis vor. Der Chef sagt, was zu tun ist und der Mitarbeiter hat dies zu machen. Während der Gutsherr früher im Herrenhaus lebte, seine Mahlzeiten einnahm und auch den Rest seines Lebens dort verbrachte war für die Knechte und Mägde ein Gesindehaus vorgesehen.

Früher war es ein besserer Stall, der gerade einmal mit dem notwendigsten ausgestattet war, um darin so halbwegs über die Runden kommen zu können. Also schon ein ganz gewaltiger Unterschied, wenn man einmal die Lebensqualität betrachtet.

Gutsherren untereinander pflegten auch ausschließlich den Umgang untereinander. Es war also undenkbar, dass ein Gutsherr mit dem Knecht eines befreundeten Gutsherren eine freundschaftliche Beziehung pflegte. In den meisten Fällen wurden die Knechte und Mägde wie Luft behandelt, die eigentlich gar nicht existierten.

3. Das Alter: Wenn der Knecht Glück hatte, wurde ihm in der hintersten Ecke des Gesindehauses seines ehemaligen Dienstherren eine kleine Kemenate zugewiesen, wo er sein Rentnerdasein fristen konnte. In den meisten Fällen wurden die Knechte im Alter aber schlicht und ergreifend an die Luft gesetzt, wenn sie ihre Leistung nicht mehr erbringen konnten.

In romantischen Erzählungen der früheren Jahrhunderte blendete man dies häufig aus oder beschönigte das Ganze. Aber, was wir soeben gehört haben, genau das war die knallharte Realität.

Und diese knallharte Realität gibt es auch heute noch für die Menschen, die den Weg zum Glauben verweigern. Die anderen, also auch wir, sind aus der Knechtschaft herausgetreten und in den Stand der Gotteskindschaft erhoben worden. Den entscheidenden Schritt dafür tat Jesus, als er uns die Türe zum Vaterhaus mit seinem Kreuzestod für unsere Sünden wieder ganz weit aufgestoßen hat.

Durchgehen durch diese Tür müssen wir freilich ganz aus eigenen Stücken. Es wird keiner in den Himmel geschubst oder gestoßen.

Und jetzt wollen wir uns doch einmal unseren Status als Gotteskinder gemeinsam anschauen.

Stellen wir uns doch zusammen die wichtigste Frage, die es gibt: Warum sollte ich den Schritt wagen vom Knecht zum Gotteskind?

1. Der Arbeitnehmer: Der Knecht, so haben wir es gesehen, ist ein ganz normaler Arbeitnehmer. Das Gotteskind unterscheidet sich hier schon einmal grundlegend. Als Gottes geliebte Kinder sind wir mit ihm zusammen an dem Auf- und Ausbau seines Reiches beteiligt. Wir sind nicht mehr die reinen Befehlsempfänger, sondern wir werden von Gott unterwiesen, wie wir dazu beitragen können, sein Reich aufzubauen.

Den eigentlichen Arbeitseinsatz üben wir aber selbständig aus. Und dabei kann es auch mal passieren, dass wir mit unseren Aktionen fatal danebenliegen und vielleicht sogar mehr Schaden als Nutzen anrichten. Dann greift aber eben kein disziplinarischer Richter namens Gott zu seiner Peitsche und maßregelt uns nach allen Regeln der Kunst. Dann nimmt uns Gott liebevoll und väterlich an die Seite und zeigt uns den etwas besseren Weg, den wir anstelle unseres Weges einschlagen können.

2. Der soziale Status: Ab dem Moment unserer Bekehrung werden wir von Gott als Kind in seine Familie aufgenommen. In dieser Familie hat der Vater freiwillig Fürsorgepflichten für alle seine geliebten Kinder übernommen.

Diese Fürsorgepflichten sind im Gegensatz zu einem Knecht von unserer eigenen Leistung vollkommen unabhängig. Unser Vater im Himmel sorgt allezeit für uns, daher ist es für uns als Gottes geliebte Kinder auch vollkommen unnötig, wenn wir uns in unserem Leben Sorgen machen.

Alles, was dem Vater gehört, das gehört uns auch, so lesen wir es im Gleichnis von dem verlorenen Sohn. Wir dürfen also, wenn wir es so wollen, aus dem Vollen schöpfen. Alles, was es im Reich Gottes gibt gehört uns gemeinsam.

So, jetzt haben wir die Sache mit dem Über- und Unterodnungsverhältnis Gott gegenüber geklärt. Aber es gibt ja unter den dienstverpflichteten Knechten auch eine gewisse Rangordnung. Und diese Rangordnung, diese Rangordnung gibt es im Reiche Gottes auch nicht mehr. Jeder, der in dieses Reich kommt, hat die gleichen Rechte und Pflichten. Jeder, aber auch wirklich jeder ist gleich wichtig.

Und damit liebe Gemeinde tun wir uns manchmal schon ein wenig schwer. Machen wir es uns doch immer wieder bewusst, dass wir als bekehrte Christen untereinander eine riesengroße Familie sind, in der z.B. Papst Franziskus genauso wichtig ist wie ein jeder von uns. In der Familie Gottes gibt es keine Rangordnungen. Wir alle haben nur einen Herrn, unseren Vater im Himmel. Und der gibt einem jeden das auf, was er zu tun in der Lage ist.

Untereinander haben wir kein Recht und keine Berechtigung über einen anderen Christen zu herrschen. Das heißt nicht, dass wir ihm nicht zur Seite stehen sollen, wenn er einmal in die Irre gehen sollte. Aber nicht in der guten alten Gutsherrenmanier sondern in liebevoller Hilfe.

3. Das Alter: Wenn wir einmal nicht mehr können, wenn uns das Alter gewisse Beschränkungen auferlegt, dann werden wir von Gott nicht einfach an die Seite geschoben. Gott sorgt auch dann weiter für uns, wenn wir augenscheinlich so gar nichts mehr für den Ausbau seines Reiches tun können. Nach wie vor bleiben wir seine geliebten Kinder.

Der größte Unterschied zum Knecht ist nämlich der, dass wir als Gottes Kinder auch seine Erben sind. Wir haben einen von Gott verbrieften Erbanspruch, der uns schon hier auf Erden zugesprochen wird. Dieser Erbanspruch berechtigt uns nämlich in den Himmel zu kommen.

Als Gottes Kinder werden wir mit unserem Ableben auf Erden im gleichen Moment von unserem Herrn Jesus im Himmel als seine heimgehenden Kinder willkommen geheißen.

Jetzt könnte ja jemand auf die Idee kommen und uns sagen, dass es im Himmel ja doch recht langweilig ist, so auf einer Wolke zu sitzen, christliche Lieder zu singen und ansonsten nichts zu tun zu haben. Das ist aber nicht der Fall. Wenn wir unsere Bibel zu Rate ziehen, dann lesen wir, dass wir im Himmel mit unserem Herrn zusammen regieren werden. Wir werden eines Tages sogar über die Engel zu Gericht sitzen.

Mit Gott zusammen zu sein, mit ihm zusammen zu regieren und stetig von seiner Liebe durchflutet zu werden, was kenn es eigentlich schöneres geben? Grund genug, dass wir unseren Mitmenschen die es noch nicht wissen, die also noch als Knechte unterwegs sind, diesen Königsweg aufzeigen, damit wir später einmal mit ihnen zusammen in der Gegenwart unseres Herrn leben.

Die Annahme von uns als Gottes Kinder beschreibt der Liederdichter Erdmann Neumeister sehr schön in dem 8. Vers seines Liedes: „Jesus nimmt die Sünder an…“ (EG 353), der da lautet, wie folgt:

Jesus nimmt die Sünder an; mich hat er auch angenommen
und den Himmel aufgetan, dass ich selig zu ihm kommen
und auf den Trost sterben kann: Jesus nimmt die Sünder an.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche uns allen noch einen gesegneten Sonntag und eine ganz tolle neue Woche unter der immerwährenden Erkenntnis, dass wir vom Knecht zum geliebten Kind erhoben worden sind.

Bleiben Sie alle wohlbehütet.
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 4. Sonntag im Advent. Den Predigttext, der uns schon einmal auf das bevorstehende Weihnachtsfest einstimmt, finden wir im 1. Kapitel des Lukasevangeliums, die Verse 26-33 und 38. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Die Ankündigung der Geburt Jesu

Und im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die da heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mir dir! Sie aber erschrak über die Rede und dachte: Welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben. Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr.

Liebe Gemeinde,

ein Engel erscheint Maria und erteilt ihr, wenn wir es denn mal so nennen wollen, einen göttlichen Auftrag. Wie das vonstattengeht das wollen wir uns heute Morgen einmal zusammen anschauen.

1. Fürchte dich nicht

Sie werden mir sicherlich zustimmen, wenn ich einmal behaupte, dass der Besuch eines Engels auch für uns heute nichts Alltägliches ist. Wie würden wir reagieren, wenn wir auf einmal einem Engel gegenüberstehen?

Ich gehe einmal davon aus, dass wir zumindest erstaunt, ich sogar ein wenig ängstlich wäre. Und diese Angst, aber auch die Angst allgemein machen starr. Wenn wir richtig ängstlich sind, dann sind wir zumeist geistig, aber auch körperlich relativ unbeweglich. Körperlich reagieren wir allenfalls mit Flucht, aber nicht mit einem „auf das zugehen“, was da passiert.

Also sagte der Engel zunächst einmal die beruhigenden Worte „Fürchte dich nicht“. Dieses „Fürchte dich nicht“ finden wir übrigens auch an anderen Stellen der Bibel, nämlich immer dann wenn
die göttliche Welt und die menschliche Welt zusammentreffen.

Erst dann, wenn uns Menschen die Furcht genommen wird, die wir vor der Begegnung mit der göttlichen Welt haben, erst dann wird unser Blick wieder klar. Wir können wieder klar denken und verstehen und sind aufnahmebereit für das, was uns Gott sagen möchte.

Wenn wir es so wollen, dann ist jedes „Fürchte dich nicht“ eine Vorbereitung auf ein Wort Gottes, das uns ganz persönlich ereilen soll.

2. Die Aufgabe

Eine Aufgabe wie Maria werden wir sicherlich nicht erhalten. Aber unser Herr hat für jeden Menschen in seinem Leben mannigfache Aufgaben parat. Diese Aufgaben sollen wir mit einem von Furcht befreiten Herzen ausüben.

Wir Menschen teilen ja immer gern alles in Kategorien ein. So machen wir dies häufig auch mit Gottes Aufgaben, die er uns gibt. Manch eine Aufgabe erscheint uns dabei sicherlich als zu groß und zu schwer, um sie zu bewältigen. Vielleicht denken wir insgeheim, dass andere Menschen doch viel besser für diese Aufgabe geeignet sind, als wir es sind.

Daher lassen Sie uns immer daran denken, dass Gott nicht die besonders fähigen Menschen beauftragt, sondern dass Gott die Menschen befähigt, denen er eine Aufgabe erteilt. Egal, wie groß und unlösbar uns eine Aufgabe Gottes an uns auch erscheinen mag, wir sollen einfach losgehen und Gottes Auftrag ausführen. ER, der uns beauftragt hat, wird auch dafür sorgen, dass wir die dafür notwendigen Fähigkeiten und Fertigkeiten erlangen.

Denken wir nur einmal an die ersten Bücher des neuen Testamentes, insbesondere an das 2. Buch Mose. Erinnern wir uns doch daran, wie Mose sich selber für vollkommen ungeeignet hielt, sein Volk aus Ägypten zu führen. Aber trotzdem vertraute er der Zusage seines Herrn und marschierte tapfer drauflos. So sollen wir es auch machen. Aber niemals dabei den Herrn aus den Augen verlieren, denn er ist des, der die Dinge letztendlich steuert und lenkt.

Die andere Kategorie der Aufgaben ist diejenige, die uns zu einfach sind. Wir sind doch schließlich für höhere Aufgaben auf der Welt gemacht, da muss ich doch nicht die Stühle im Gemeindezentrum schleppen. Aber Achtung, liebe Gemeinde, nur wer im Kleinen treu ist, der ist dies auch im Großen.

Lassen Sie uns also die Aufgaben unseres Herrn nicht hinterfragen. Sowohl die einfachen, als auch die vermeintlich schwierigen Dinge wollen erledigt werden. Egal, wozu uns der Herr auch immer berufen mag, folgen wir doch diesem Ruf mit ganzem Herzen.

3. Das große Ja

Wie wir soeben gehört haben, ist es ganz wichtig, dass wir ein ganz großes JA zu unserer Aufgabe sagen. Wir sollen alles daran setzen, um unsere Aufgabe so zu erfüllen, wie es der Herr von uns erwartet.

In unserem Predigttext stehen zwei Worte, die man schnell überliest; nämlich die Worte Marias „Mir geschehe…“ Diese Worte drücken eine gewisse Passivität aus. Maria möchte damit vielleicht zum Ausdruck bringen, dass sie erkannt hat, dass da jemand im Hintergrund ist, der die Fäden der kommenden Geschehnisse ganz fest in Händen hält.

Es liegt eben nicht alles in meinen Händen, wenn es darum geht, Gottes Aufgaben gerecht zu werden. Es ist immer jemand da, der wenn ich ihm voll und ganz vertraue im Hintergrund die Fäden zieht und mich nicht fallen lässt. Er ebnet mir den Weg, den ich gehen soll. Er räumt die Steine auf dem Weg zur Seite oder leitet mich um diese herum. Und er fängt mich auf, sollte ich einmal straucheln und ins Stolpern geraten.

Diesen einen sehen wir heute und noch über die Weihnachtstage in der Krippe liegen. Und dieser eine lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit und regiert auch heute noch das Leben all seiner Jünger, die sich zu ihm bekennen.

Sagen wir doch auch zu unserem Heiland Marias Worte „Mir geschehe…“ und gehen dann, wie es die Bibel so schön sagt, getrost und unverzagt unseren Weg. Wenn wir dies ehrlichen Herzens tun, dann liebe Gemeinde erleben wir nicht nur in der Weihnachtszeit Gottes spürbare Liebe in und um uns herum. Nein, dann erleben wir diese Liebe jeden Tag, den wir hier auf Erden leben.

Die richtige Einstellung dazu beschreibt der Liederdichter Paul Ernst Ruppert sehr schön in seinem Lied „Er ist die rechte Freudensonn…“ (EG 2), welches lautet, wie folgt:

Er ist die rechte Freudensonn, bringt mit sich lauter Freud und Wonn.
Gelobet sei mein Gott.
All unsre Not zum End er bringt, derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott.
Dein Heilger Geist uns führ und leit den Weg zur ewgen Seligkeit.
Gelobet sei mein Gott.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten 4. Advent und eine beschauliche, etwas ruhigere Woche zur Einstimmung auf das Weihnachtsfest.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 4. Sonntag nach Trinitatis. Eine zentrale Fragestellung sollte unter uns Christen auch diejenige sein, wie wir mit unserem Nächsten umgehen. Auf diese Frage hat unser heutiger Predigttext dann denn auch die richtige Antwort. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei dem Evangelisten Lukas im 6. Kapitel, die Verse 36-42. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Von der Stellung zum Nächsten

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr auch nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben. Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen. Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? Der Jünger steht nicht über dem Meister; wenn er vollkommen ist, so ist er wie sein Meister. Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr? Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du sieht selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge und sieh dann zu, dass du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst!

Liebe Gemeinde,

unser Predigttext liefert uns dann auch gleich mehrere Hinweise, wie wir mit unserem Nächsten umgehen sollten. Lassen Sie uns ein paar dieser Ratschläge heute Morgen einmal gemeinsam bedenken.

1. Richtet nicht

Dann sollen wir also alles ganz stoisch und gelassen mit uns machen lassen. Das, liebe Gemeinde, ist nicht mit der Aussage des „Richtet nicht“ gemeint. Auch sollen wir nicht zu allem das vielzitierte „Ja und Amen“ sagen. Wenn wir sehen, dass ganz offensichtlich gegenüber christlichen Werten verstoßen wird, dann haben wir die Aufgabe, aufzustehen und unseren Widerstand dagegen kundzutun.

Wenn immer mehr Kinder abgetrieben werden, dann haben wir aufzustehen und zu sagen, dass dies ganz einfach Mord und ganz bestimmt nicht Gottes Wille ist. Wenn Sitte und Moral immer mehr verkommen, dann müssen wir der Fels in der Brandung sein, der eben nicht alles mitmacht, was der mainstream ebenso für richtig und moralisch und ethisch hält.

Was ist aber dann gemeint mit diesem „Richtet nicht“? Bei dem Wort richten denken wir auch gleich an das Wort Urteil. Und vor dem Urteil gibt es die Vorurteile. Und genau diese sind hier gemeint mit dem „Richtet nicht“.

Wie schnell sind wir doch mit Vorurteilen bei der Hand. Da werden Zeitungsmeldungen ganz gezielt gegen Flüchtlinge lanciert und wir stimmen gleich lauthals mit ein. Da wird ein bekannter Wettermoderator durch eine noch bekanntere Tageszeitung öffentlich demontiert. Und wir, wir stoßen schnell in das gleiche Horn.

Als Christen sollen wir uns gegenüber dem Nächsten, dem etwas vorgeworfen wird, unvoreingenommen verhalten. Wir sollen prüfen und nicht nachplappern. Wir sollen dem Nächsten die Chance geben, sich gegen erhobene Vorwürfe zur Wehr zu setzen und nicht gleich, wenn auch nur verbal, auf diesen losschlagen.

Wir sollten immer an den Balken in unserem Auge sehen und uns zuerst diesem zuwenden, bevor wir den Nächsten verurteilen.

2. Verdammt nicht

Verdammung bedeutet in seinem Wortsinn: Auf ewig ausschließen. Hat das ein Mensch verdient? Ja, aber natürlich hat das ein Mensch verdient. Wir beide Du und Ich, die wir gerade diese Worte hören, wir Beide haben eigentlich die ewige Verdammnis verdient.

Warum? Weil wir im Grunde unseres Herzens Sünder sind und eines vor Gott nicht gegenwärtig sein darf, nämlich die Sünde. Gott sei Dank haben wir es mit Gott höchstpersönlich zu tun. Und dieser Gott hasst zwar die Sünde in jedweder Form auch immer. Aber gleichzeitig liebt dieser Gott den Sünder ohne Ende. Damit wir Beide der ewigen Verdammnis entkommen, musste Gott also einen Weg schaffen, welcher die Sünde von dem Sünder trennt, der Sünder also vollkommen makellos vor Gott treten kann.

Indem er seinen Sohn auf Golgatha für all unsere Sünden bezahlen ließ, war diese Trennung von Mensch und Sünde ein für alle Male überwunden. Das ist zunächst einmal ein Angebot Gottes an uns. Gott möchte nämlich, dass alle Menschen errettet werden. Um der Verdammnis zu entgehen müssen wir dies nämlich im Glauben annehmen. Wer mit der ganzen Sache nichts zu tun haben will, den lässt Gott auch in Ruhe. Der muss dann allerdings nach seinem Tode den Weg in die ewige Verdammnis antreten, aber die hat er ja schließlich selber erwählt.

Zu jedem Zeitpunkt unseres Lebens können wir dieses Gnadengeschenk annehmen. Und wenn wir dann doch wieder einmal rückfällig werden, dann dürfen wir auch wieder zurückkommen. Errettet ist errettet. Wir sind durch den Glauben wieder zu Gottes Kindern geworden. Und dies bleibt auch so. Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Sohn. Käme der auch nach jeder Verfehlung und fragte: Papa, darf ich trotzdem dein Kind sein ? Natürlich nicht. Er ist und bleibt das geliebte Kind des Vaters. Dass er sich die in oder andere Standpauke anhören muss, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Aber das ändert nichts an der Sohnschaft.

Wenn uns Gott nicht verdammt, wer glauben denn wir zu sein, dass wir jemanden verdammen könnten? Unsere Aufgabe als Christen ist es, unserem Nächsten die Türe zurück immer wieder ganz weit aufzuhalten und ihm diese nicht vor der Nase zuzuschlagen, egal, was dieser getan hat.

3. Vergebt

Mit Vergebung, liebe Gemeinde, ist kein einfaches „Schwamm drüber“ meinerseits gemeint. Dieses wäre ohnedies in den meisten Fällen nicht ehrlich.

Vergebung heißt, dass ich die bekundete Reue des Täters annehme. Vergebung ist also zunächst einmal ein aktiver Akt dessen, der eine Verfehlung begangen hat. Wer sein Fehlverhalten gar nicht bereut und dies auch offen zugibt, dem können wir als Christen ja auch gar nicht die Vergebung zusprechen.

Jetzt muss ich ein wenig persönlich werden. In jeder zu vergebenden Fehltat steckt auch ein bisschen was von mir drin. Wie oft ertappe ich mich insgeheim bei dem einen oder anderen, wenn auch nur geplanten oder beabsichtigen Fehlverhalten. Wenn wir jemandem aufrichtig vergeben, dann sagen wir im Stillen gleichzeitig: Ich vergebe Dir, weil ich weiß, dass etwas von dem, was Du mir angetan hast, auch in mir steckt. Aber Du hast Dein Fehlverhalten eingesehen und darum vergebe ich Dir.

Vergebung ist also alles andere als ein großzüger und gnädiger Akt unsererseits. Übrigens: Das Gegenteil von Vergebung ist die Rache. Und diese ist ganz bestimmt kein göttliches Instrument.

Die juristische Form der Vergebung ist übrigens die Gnade. Und wie mir Gnade widerfahren ist, so liegt es auch an mir, diese Gnade an denjenigen weiter zu reichen, der mich verletzt hat. Die Gnade habe ich übrigens nicht verdient, sondern sie ist mir gewährt worden.

Aus dieser Gnade leben wir übrigens allesamt jeden Tag unseres Lebens. Wir haben diese Gnade auch alle bitter nötig, da wir alle jeden Tag sündigen und daher auf diese lebensrettende Gnade jeden Tag angewiesen sind. Sprechen wir diese Vergebung doch auch immer wieder unserem Nächsten zu.

Stimmen wir in diesem Zusammenhang doch ein in den ersten Vers des Liedes: „Mir ist Erbarmung widerfahren…“ (EG 355) von Philipp Friedrich Hiller, der da lautet, wie folgt:

Mir ist Erbarmung widerfahren, Erbarmung, deren ich nicht wert;
das zähl ich zu dem Wunderbaren, mein stolzes Herz hat’s nie begehrt.
Nun weiß ich das und bin erfreut und rühme die Barmherzigkeit.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und eine ganz tolle Woche unter der immerwährenden Gnade unseres Herrn.

Bleiben Sie von diesem Herrn alle wohl behütet.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Buß- und Bettag des Jahres 2015. Den Predigttext für den heutigen Tag finden wir bei Lukas im 13. Kapitel, die Verse 6-9. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Das Gleichnis vom Feigenbaum

Er sagte ihnen aber ein Gleichnis: Es hatte einer einen Feigenbaum, der war gepflanzt in seinem Weinberg, und er kam und suchte Frucht darauf und fand keine. Da sprach er zu dem Weingärtner: Siehe, ich bin nun drei Jahre lang gekommen und habe Frucht gesucht an diesem Feigenbaum und finde keine. So hau ihn ab ! Was nimmt er dem Boden die Kraft? Er aber antwortete und sprach zu ihm: Herr, lass ihn noch dies Jahr, bis ich um ihn grabe und ihn dünge; vielleicht bringt er doch noch Frucht; wenn aber nicht, so hau ihn ab.

Liebe Gemeinde,

wenn wir den Predigttext ein wenig näher betrachten, dann zeigt er auf recht eindrucksvolle Art und Weise den Weg Gottes zu den Menschen und den Weg des Menschen zu Gott. Lassen Sie uns diese Etappen des Weges doch heute einmal ein wenig intensiver betrachten.

1. Die drei Jahre

Wenn wir manchmal sagen, dass wir den Weg zu Gott gefunden haben, dann sollten wir uns auf diese drei Jahre des Predigttextes einmal zurückbesinnen. Mit dem Feigenbaum sind natürlich wir Menschen gemeint.
Der Eigentümer des Feigenbaumes ist niemand geringeres als Gott selber.
Es sind nicht wir auf der Suche nach Gott, sondern Gott ist auf der Suche nach uns.

Dieser Gott hat uns auf die Erde gesandt, damit wir dort, wo wir uns befinden viel Frucht bringen. Das können wir aber nicht aus uns selbst heraus, sondern erst, wenn wir uns bekehrt haben. Von Natur aus sind wir, und da müssen wir uns immer wieder dran erinnern, durch und durch mit Sünden beladene Menschen.

Jetzt sehen wir, dass Gott 3x kommt und schaut, ob der Feigenbaum denn schon Früchte getragen hat.

Diese 3x können wir als Analogie zu unserem Leben verstehen, welches aus der Kindheit, dem Erwachsenenalter und dem Seniorenalter besteht. Es ist also nicht so, dass wir uns auf die Suche nach Gott machen, nein, liebe Gemeinde, Gott macht sich auf die Suche nach uns Menschen. Auch wenn ich das gerade schon sagte, es ist wichtig, dass wir uns daran immer erinnern. Und diese Suche nach uns dauert unser ganzes Leben lang.

Gott möchte nicht, dass auch nur ein einziger Mensch verlorengeht. Daher lässt er den Feigenbaum auch nach drei Jahren nicht einfach abhauen, sondern gibt ihm eine weitere Chance.

2. Der Weingärtner

Damit ist natürlich der Herr Jesus Christus gemeint. Aber nicht ausschließlich. Die Aufgaben des Weingärtners hier auf Erden sind auch teilweise auf uns übertragen worden, wie wir an vielen Stellen der Bibel nachlesen können.

Wenn ein Baum Früchte tragen soll, dann muss man ihm natürlich auch Nahrung zur Verfügung stellen, damit er überhaupt erst einmal wachsen kann. Stellen Sie sich einmal vor, Sie pflanzen im Frühling einen Obstbaum in einen Pflanzentopf ein. Und dann kümmern Sie sich einfach nicht mehr darum. Was wird passieren ? Der Baum wird aller Wahrscheinlichkeit eingehen und nicht wachsen.

Damit wir als Menschen überhaupt erst einmal geistlich wachsen können, benötigen wir ebenfalls Nahrung, nämlich geistliche Nahrung, die uns den Weg zu Gott hin zeigt. Es ist richtig, dass der Herr Jesus immer nur ein Gebet weit von uns entfernt ist. Aber was nutzt es einem, der gar nicht weiß, was beten ist, wenn der Herr Jesus nur ein Gebet weit entfernt ist.

Und hier, liebe Gemeinde, kommen wir ins Spiel. Als Bedienstete des Weingärtners sind wir aufgerufen und auch aufgefordert, Gottes Feigenbäume ordentlich zu versorgen, uns also um sie zu kümmern.

Das fängt bei Eltern an, die mit den Kindern gemeinsam beten, und ihnen christliche Geschichten kindgerecht nahebringen. Das geht weiter in der Schule, wo Kinder z.B.im Religionsunterricht mehr und intensiver etwas über diesen Jesus Christus erfahren.

Und auch für die Erwachsenen halten wir die Gotteshäuser und Evangelisationsveranstaltungen ganz weit offen und laden immer wieder die Menschen dazu ein, sich ein Bild von diesem Erlöser Jesus und was er für uns getan hat, zu machen.

Wir hatten in der letzten Woche über das Gericht gesprochen. Es wird jetzt ganz ernst. Wenn wir dies versäumen, also unseren Mitmenschen nichts von der großen Erlösungstat unseres Herrn erzählen, dann verspielen wir zwar nicht unser ewiges Leben, müssen uns aber dies zum Vorwurf machen lassen, dass wir es eben versäumt haben, die Feigenbäume Gottes ordentlich zu pflegen.

Das geht übrigens nicht nur mit dem Wort, sondern mit Herzen, Mund und Händen. Ich stelle einmal eine ganz steile Behauptung auf, wenn ich sage, dass das zupackende Christentum mehr Menschen zum Herrn gebracht hat, als das redende Christentum, also die Verkündiger des Wortes.

3. Das Gnadenjahr

Liebe Gemeinde, wir können unsere Mittmenschen nicht zwangsevangelisieren. Wir können ihnen nur die frohe Botschaft verkündigen. Damit ist unser Auftrag dann auch erledigt.

Jetzt kommt der Weingärtner Jesus ins Spiel, der von einem jeden von uns eine ganz persönliche Entscheidung haben will. Wenn der Mensch ein deutliches „Ja“ zu diesem Jesus sagt, dann ist es derjenige, der in unserem Gleichnis doch noch Frucht bringt. Das ist derjenige, der sich auf seine ewige Zukunft im Himmel schon hier auf Erden freuen darf.

Der andere Feigenbaum, der ein klares „Nein“ sagt, das ist der, der ausgerissen und in die ewige Verdammnis geworfen wird.

Wir haben mit unserer Entscheidung, wie es uns der Predigttext lehrt, aber nicht ewig Zeit. Wir wissen nämlich alle nicht, wann wir von dieser Erde abberufen werden. Darum ist der heutige Buß- und Bettag auch der rechte Zeitpunkt dies unseren Mitmenschen klarzumachen.

Der norwegische Bischof Ole Hallesby hat vor Jahren einmal in einer Morgenandacht wörtlich gesagt: „Es kann sein, dass Sie heute Abend ins Bett gehen und morgen in der Frühe in der Hölle aufwachen.“

Das hat natürlich zu den kontroversesten Diskussionen geführt, die man sich nur vorstellen kann. Lassen wir uns aber dadurch nicht verunsichern. Auch wenn die Mehrheit der Menschen die Existenz der Hölle verneint lässt Gott das vermutlich vollkommen kalt. Helfen wir also unseren Mitmenschen möglichst zeitnah, dass auch sie den Weg in den Himmel finden dürfen.

Wer diesen Weg zu Gott gefunden hat, der kann anbetend in den dritten Vers des Liedes „Nimm von uns Herr, du treuer Gott…“ (EG 146) von Martin Moller einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Leit uns mit deiner rechten Hand, und segne unser Stadt und Land; gib uns allzeit dein heilig Wort, behüt vors Teufels List und Mord; ein seligs End wollst uns verleihn, auf dass wir ewig bei dir sein.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Abend des heutigen Buß- und Bettages und verabschiede mich bis zum nächsten Sonntag.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Drittletzten Sonntag des Kirchenjahres. In unserem heutigen Predigttext geht es um das Reich Gottes. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei Lukas im 17. Kapitel die Verse 20-24. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Als er aber von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes?, antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man’s beobachten kann; man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist es !, oder: Da ist es ! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch. Er aber sprach zu den Jüngern: Es wird die Zeit kommen, in der ihr Begehren werdet, zu sehen einen der Tage des Menschensohnes, und werdet ihn nicht sehen. Und sie werden zu euch sagen: Siehe, da!, oder:
Siehe, hier ! Geht nicht hin und lauft ihnen nicht nach! Denn wie der Blitz aufblitzt und leuchtet von einem Ende des Himmels bis zum andern, so wird der Menschensohn an seinem Tage sein.

Liebe Gemeinde,

diese paar Verse sollen es beschreiben, das Reich Gottes? Ich hätte mindestens ein ganzes Kapitel erwartet, wo das Reich Gottes dann detailliert beschrieben wird. Aber das braucht es nicht, wie wir gleich sehen werden. Was ist das Reich Gottes und was ist es nicht? Lassen Sie uns diesen beiden Fragen am heutigen Sonntag ein wenig nachgehen und versuchen, gemeinsam Antworten darauf zu finden.

1. Was ist das Reich Gottes nicht?

Wie es Jesus uns sehr schön beschreibt ist das Reich Gottes keine statische Größe, die aus dem Nichts auf einmal vor unseren Augen erscheint. Jesus bastelt im Himmel nicht an dem Reich Gottes und sendet dieses Reich eines Tages zu uns auf die Erde.

Auch sollen wir uns nicht blenden lassen von all den falschen Propheten, die uns immer wieder einmal weismachen wollen, wo sich das Reich Gottes befindet.

Wenn wir an das Wort Reich denken, dann assoziieren wir meist ein Königreich oder ein anderes weltliches Reich mit diesem Worte.
Kennzeichen dieser Reiche ist ein Über- Unterordnungsverhältnis. Der eine bestimmt und der andere hat zu gehorchen. So ist das Reich Gottes auch nicht.

2. Was ist denn das das Reich Gottes?

Liebe Gemeinde, wenn wir es auf den Punkt bringen wollen, dann sind wir selbst es. Jesus sagt uns ja in unserem heutigen Predigttext, dass das Reich Gottes bereits mitten unter uns ist.

Das bedeutet ganz einfach, dass Jesus das Reich Gottes mit uns zusammen aufbauen will. Wir alle, die wir uns zu unserem Herrn bekehrt haben, wir alle sind aufgerufen, uns an dem Aufbau dieses Reiches je nach unseren Fähigkeiten zu beteiligen. So wichtig sind wir unserem Herrn, dass er mit uns zusammen dieses Reich aufbauen will.

Gemeinsam sind wir also aufgefordert unter der Weisung unseres Herrn das Reich Gottes aufzubauen. Jetzt ist es aber immer noch eine imaginäre Größe. Woran können wir denn erkennen, dass dieses Reich bereits im Entstehen begriffen ist?

a. Die Sehnsucht

Gott hat einem jeden Menschen eine Sehnsucht in das Herz gelegt, welche weit über alle weltlichen Genüsse und Erlebnisse hinausgeht. Wir können so viel Geld besitzen, dass wir uns alles auf der Welt erlauben können, und trotzdem bleibt diese Sehnsucht bestehen. Sie äußert sich meist in der Unruhe unseres Herzens, welches auf der Suche nach etwas ist, was ihm den vollkommenen Frieden verspricht.

Hier beginnt das Reich Gottes in einem jeden von uns sein Werk. Diese Suche nach Frieden führt uns auf den Weg hin zu dem einen, der uns allein diesen Frieden schenken kann. Mit unserer Bekehrung fängt das Reich Gottes an, in uns Gestalt anzunehmen.

Wenn wir es so wollen, dann ist die Bekehrung die Gesellenprüfung, die uns befähigt, als Handwerker Gottes an dem Aufbau dieses Reiches mitzuwirken.

b. Innere Kennzeichen

Wenn wir das Reich Gottes aufbauen wollen, dann können wir uns dies durchaus einmal so vorstellen, als ob wir ein Haus bauen wollen. Wir bauen ein Haus ja auch nicht einfach wild drauf los mit dem Material, was uns gerade in die Hände kommt. Das Ergebnis wäre vermutlich nicht von einem dauerhaften Bestand.

Diesen Aktionismus finden wir übrigens auch bei vielen Menschen, die sich bekehrt haben. Der Aktionismus ist natürlich nicht schlecht, das will ich gar nicht sagen, aber wenn er nicht strukturiert ist, dann führt er eben nicht nur zu keinem Ergebnis, sondern endet meist in einer totalen Frustration. Ich habe es leider oftmals gesehen, dass Menschen dann sehr schnell das Vertrauen in Gott verlieren und die Sache mit dem Glauben wieder aufgeben.

Der Bauplan mit dem wir uns beschäftigen ist natürlich die Bibel. In der Bibel finden wir sehr viele Hinweise und Bauanleitungen für das Reich Gottes. Ich empfehle uns allen in der nächsten Woche einmal den Jakobusbrief zu studieren. Dort finden wir ganz konkrete Handlungsvorschläge, derer wir uns bei dem Aufbau des Reiches Gottes bedienen können. Aber auch die Bergpredigt (Matthäus 5-7) steckt voll mit wertvollen Hinweisen für unser Handeln.

Es ist aber nicht damit getan, dass wir alles darüber wissen, wie ein Haus gebaut wird. Dadurch ist noch kein Haus aufgebaut worden. Wir müssen bei allem Respekt vor der Theorie auch irgendwann einmal anfangen, den Grundstein und die anderen Steine zu legen, damit aus dem theoretischen Haus auch ein für alle anderen sichtbares Haus wird.

Nur wer nicht arbeitet, der macht garantiert keine Fehler. So ist es auch bei dem Reich Gottes. Wenn wir das Reich aufbauen, dann werden uns bestimmt auch Fehler unterlaufen. Im Eifer des Gefechtes können wir vielleicht mit unseren guten Taten über das Ziel hinausschießen. Da ist auch alles gar nicht schlimm. Es ist eben noch kein Meister vom Himmel gefallen. Wenn wir uns aber bei all unseren Bemühungen ganz eng an unseren Herrn anlehnen, dann wird er uns auch dann wieder auf den rechten Weg zurückführen, der dem Aufbau seines Reiches noch nützlicher ist.

Irgendwann ist ein Haus ja mal fertig. Dann kann man es betrachten, was man denn geschafft hat. Ganz so einfach ist dies bei dem Reich Gottes dann doch leider nicht. Auf Erden werden wir niemals damit fertig werden. Generationen vor uns haben schon Ihren Beitrag dazu geleistet und Generationen nach uns werden ebenfalls noch Ihren Beitrag dazu leisten.

Jetzt könnte man ja sagen, wenn ich keinen Fortschritt sehe, dann ist die ganze Abrackerei doch schon ein wenig frustrierend. Aber es gibt ganz bestimmte äußere Kennzeichen, die uns zeigen, dass der Aufbau des Reiches Gottes ganz konkret voranschreitet.

c. Konkrete Anzeichen

Wo aus Hass Liebe wird, da wirkt bereits das Reich Gottes mit seiner ganzen Dynamik. Da hat der Baumeister Gott uns Menschen ein Stück weit von seiner Gnade und seiner Barmherzigkeit in unser Herz gelegt. Und was Gott uns in unser Herz legt, das können wir nicht einfach brach liegen lassen.

Wo aus Zwietracht Eintracht wird, da ist das Reich Gottes schon mächtig in uns tätig. Wo unsere innere Stimme uns sagt, dass wir einen Streit beilegen sollen, da spüren wir, wie das Reich Gottes bereits in uns ganz konkret wirkt. Und wenn wir dann konkret auch so handeln, wie es Gott von uns erwartet, dann haben wir einen weiteren Stein an diesem Reich mit gebaut.

Wo aus Klage Gebet wird, da merken wir die dieses Reich ganz konkret. Wo Menschen Umstände, die ihnen missfallen vor Gott bringen und ihn allein um seine Hilfe bitten, und ihm allein alles zutrauen, da merken wir und unsere Mitmenschen ganz konkret, dass das Reich Gottes bereits mitten unter uns ist.

Was heißt dies nun ganz konkret für mich für und meine Zukunft? Ganz einfach, wir sollen unsere Begabungen, Talente und Fähigkeiten, die wir von unserem Herrn geschenkt bekommen haben auch dafür zur Verfügung stellen, dass der Herr mit diesen Fähigkeiten mit uns zusammen dieses Reich aufbauen kann. Natürlich dürfen wir unsere Begabungen auch für uns ganz persönlich einsetzen, aber eben nicht ausschließlich.

Wo wir diese Gaben in eine Gemeinschaftsleistung einbringen und für diese Gemeinschaftsleistung immer wieder unseren Herrn um seinen Beistand bitten, da ist dann das Reich Gottes in der Tat mitten unter uns. Da ist es dann spürbar und für einen jeden unter uns auch erlebbar.

Lassen Sie uns also gleich damit beginnen. Heute ist der Tag, wo Gott uns bei dem Bau dabei haben möchte. Geben wir ihm also die Ehre und fangen gleich an.

Bitten wir Gott uns doch zu zeigen, wo er uns ganz konkret gebrauchen möchte. Dies können wir mit dem zweiten Vers des Liedes von Klaus Peter Hertzsch „Vertraut den neuen Wegen…“ (EG 395) tun, der da lautet, wie
folgt:

Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit!
Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid.
Der uns in frühen Zeiten das Leben eingehaucht, der wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Erntedanktag des Jahres 2015. Alle Altäre sind geschmückt mit dem, was uns der Herr auch in diesem Jahr an Nahrung geschenkt hat. Grund genug, ihm nicht nur heute Dank zu sagen, für das was wir alles haben und verzehren dürfen. Um
jemandem, der dies nicht verstand, geht es in unserem heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im 12. Kapitel des Lukasevangeliums, die Verse 15-21. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Der reiche Kornbauer

Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch, dessen Feld hatte gut getragen. Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun ? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle. Und sprach: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen, und will darin sammeln all mein Korn und meine Vorräte und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten
Mut ! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast? So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott.

Liebe Gemeinde,

wenn ich mir die letzten Worte unseres heutigen Predigttext anschaue, die da lauten: „und ist nicht reich bei Gott“, dann frage ich mich natürlich, was hat er denn falsch gemacht, der reiche Kornbauer, dass es zu diesem Ergebnis kommt ? Gehen wir heute Morgen einmal gemeinsam auf die Fehlersuche; denn ich vermute einmal, dass es unser aller Ziel ist, diese Fehler nicht zu machen.

Unser reicher Kornbauer hat die Blickwinkel des Lebens außer Acht gelassen, er war nur auf sich selber konzentriert. Welche Blickrichtungen genau hat er denn versäumt?

1. Links und rechts

Wer dabei ist, sich seinen Reichtum anzuhäufen, läuft eigentlich immer Gefahr, dass er den Blick für seine Mitmenschen verliert, die sich links und rechts um ihn herum befinden. Häufig ist man dann so mit sich selbst und den auf einen zuströmenden Aufgaben beschäftigt, dass man gar keine Zeit mehr hat für seine Mitmenschen.

Und genau dies möchte Gott nicht. Wie er uns hilft, so sollen auch wir die nicht aus dem Blickwinkel verlieren, die jetzt gerade unserer Hilfe so dringend bedürfen. Ganz aktuell verweise ich einmal auf das Flüchtlingsdrama.

Wir sind in Europa entsetzlich reich. Kein Mensch in Deutschland muss wirklich Hunger leiden. Aber alles, was ich um mich herum höre, sind Botschaften, wie : Das Boot ist voll. Und dergleichen mehr. Wir können, müssen und sollen uns gerade jetzt für diese Ärmsten der Armen einsetzen und ihnen von dem Reichtum abgeben, den wir besitzen.

Wenn ich dann osteuropäische Allianzen sehe, die beim Geldverteilen immer ganz vorn dabei sind, sich jetzt aber betont zurückhalten, dann möchte ich diesen Menschen nur eines zurufen: Gottes Mühlen mahlen zwar langsam, aber vortrefflich fein !!!

Darum wollen wir, die wir heute Morgen hier versammelt sind, denen ein Beispiel sein, die ihr links und rechts aus den Augen verloren haben. Ein jeder mit den Gaben und Fähigkeiten, die ihm Gott mit auf den Weg gegeben hat. Lassen Sie uns dies tun, damit wir am Ende nicht so dastehen, wie er reiche Kornbauer.

2. Oben

An keiner Stelle unseres Gleichnisses lesen wir etwas darüber, wie der reiche Kornbauer seinem Schöpfer und Geber aller Gaben für all das gedankt hat, was er ihm hat zukommen lassen.

Und auch dies ist ein Problem der heutigen Zeit. Geht etwas schief in unserem Leben oder erleiden wir gar einen heftigen Schicksalsschlag, dann sind wir ganz schnell dabei mit Worten wie: „Wie konnte Gott das alles zulassen?“.

Läuft aber alles bombig und können wir einen Erfolg nach dem anderen feiern, dann schlagen wir uns stolz auf die Brust und loben uns selbst mit den Worten, was wir doch für tolle Kerle sind. Und über dieses Eigenlob vergessen wir ganz schnell, dass es nicht nur unsere Leistung war, sondern dass ein noch viel tollerer Kerl seinen Segen dazugetan hat.

Lassen Sie uns also niemals vergessen, dass alles, aber auch wirklich alles, was wir in unserem Leben genießen dürfen, ein Geschenk Gottes an seine Geschöpfe ist. Das fängt im Kleinen an, nämlich schon bei dem täglichen Brot. Liebe Gemeinde, erinnern wir uns doch mal wieder daran, dass es eben nicht selbstverständlich ist, dass wir jeden Tag genug zu essen haben.

Das geht weiter mit der eigenen Familie. Es ist eben keine Selbstverständlichkeit, dass wir eine glückliche Ehe führen und gesunde Kinder haben. Danken wir doch unserem Schöpfer wieder regelmäßig dafür.

Das geht aber auch über unseren eigenen Tellerrand hinaus. Wir haben in Deutschland in den vergangenen Jahrhunderten niemals eine so lange Friedensperiode erleben dürfen, wie wir sie jetzt zur Zeit erleben dürfen. Danken wir unserem Herrn doch auch einmal dafür und beten wir
doch auch wieder regelmäßig für die Menschen die an den führenden Positionen in den Regierungen sitzen, dass Gott ihnen Weisheit bei all ihren Entscheidungen geben möge.

Wenn wir dies wieder tun, dann vermeiden wir auch diesen Fehler des reichen Kornbauern.

3. Unten

Zugegeben, da mag man nicht so gern dran denken, ich meine an die Tatsache des eigenen Ablebens. Aber auch dieser Tag kommt irgendwann auf uns zu. Was hätte der reiche Kornbauer denn tun können, um auch auf diesen Tag gut vorbereitet zu sein ?

Nun, liebe Gemeinde, er hätte tun können, was wir schon alle getan haben, nämlich sein Leben unserem Herrn zu übergeben, alle Sünden zu bereuen und den Herrn bitten können, die Herrschaft in seinem Leben zu übernehmen.

Offensichtlich hat er dies nicht getan. Hätte er dies getan, wäre wohl kaum von Gott der Ratschlag gekommen, größere Scheunen für noch mehr Reichtum zu bauen. Ich denke, von Gott wäre der Vorschlag des vernünftigen Umgangs mit seinem Reichtum gekommen.

An dieser Stelle sei mir ein kleiner Einwurf gestattet: Gott hat überhaupt nichts gegen Reichtum. Er liebt reiche Menschen genau so, wie er arme Menschen liebt. Dass reiche Menschen nicht in den Himmel kommen ist ein derartiger Blödsinn, der sich aber in gewissen christlichen Kreisen nach wie vor hält. Gott liebt also auch reiche Menschen. Was er nicht mag, das ist, wenn wir reichen Menschen, und dazu zähle ich uns alle einmal mit, wenn wir nicht gottgemäß mit unserem Reichtum umgehen.

Aber was genau sollen wir denn tun? Ganz einfach Gott die Herrschaft auch über unseren Geldbeutel zu übertragen. Er wird uns schon zeigen, was wir damit machen sollen. Bei vielen Menschen bleibt nämlich in der Geldfrage Gott gerne außen vor.

Wie könnten wir unsere heutige Botschaft in drei Punkten versuchen zusammenzufassen?

1. Wir müssen zu jeder Zeit mit Gott rechnen
2. Gott allein gebührt unser ganzer Dank für alles in unserem Leben
3. Gottes Regentschaft in unserem Leben lässt sich auch an unserer Bereitschaft des Abgebens erkennen.

Liebe Gemeinde, wenn wir diese Blickwinkel unseres Lebens wieder neu justieren und diesen Blick beibehalten dann sammeln wir uns vielleicht nicht gerade jede Menge Schätze hier auf Erden, aber wir werden unendlich reich bei Gott sein. Und dann müssen wir auch dem Tag und der Stunde nicht mehr furchtsam entgegensehen, wo wir diesen Planeten Erde verlassen und in den Himmel umziehen werden.

Diesen Blickwinkel in Richtung Himmel drückt der Liederdichter Paul Gerhardt sehr schön in dem 6. Vers seines Liedes „Ich bin ein Gast auf Erden…“ (EG 529) aus, der da lautet, wie folgt:

So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt,
doch denk ich nicht zu bleiben in diesem fremden Zelt.
Ich wandre meine Straße, die zu der Heimat führt,
da mich ohn alle Maße mein Vater trösten wird

Der Herr lasse Dich allezeit erkennen, wem Du mit Deiner Hilfe dienen kannst
Der Herr lege Dir stets Dankbarkeit und Demut in Dein Herz hinein
Der Herr lasse Dich stets den Weg erkennen, den Du auf Erden mit ihm gehen sollst

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Erntedanktag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 14. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Lukasevangelium, Kapitel 17, die Verse 11-19. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Die zehn Aussätzigen

Und es begab sich, als er nach Jerusalem wanderte, dass er durch Samarien und Galiläa hin zog. Und als er in ein Dorf kam, da begegneten ihm zehn aussätzige Männer; die standen von ferne und erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesus, liebster Meister, erbarme dich unser! Und als er sie sah, sprach er zu ihnen: Geht hin und zeigt euch den Priestern! Und es geschah, als sie hingingen, da wurden sie rein. Einer aber unter ihnen, als er sah, dass er gesund geworden war, kehrte um und
pries Gott mit lauter Stimme und fiel nieder auf sein Angesicht vor Jesu Füßen und dankte ihm. Und das war ein Samariter. Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die Zehn rein geworden? Wo sind aber die Neun?
Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte, um Gott die Ehre zu geben, als nur dieser Fremde? Und er sprach zu ihm: Steh auf, geh hin; dein Glaube hat dir geholfen.

Liebe Gemeinde,

mal wieder so eine Heilsgeschichte von Jesus. Ich kann es bald nicht mehr hören. Das sagte kürzlich ein Mitglied unseres Bibelkreises, nachdem wir den Bibeltext für den gemeinsamen Bibelabend gelesen hatten.
Irgendwie konnte ich ihn gut verstehen, andererseits könnte ja auch noch etwas hinter dem vordergründigen Text stehen, das auch heute noch für uns hochaktuell ist. Also lassen Sie uns unseren Predigttext einmal etwas genauer betrachten

1. Jesus ist für alle da

Das ist nun auch nichts wirklich Neues. Aber schauen wir einmal weiter.
Gehen wir einmal im Geiste rund 2000 Jahre zurück. Menschen, die unter einer ansteckenden Krankheit litten, wurden in dieser Zeit von der Gemeinschaft ausgeschlossen. Heute würde man Quarantäne dazu sagen, damals wurden sie während der Dauer ihrer Krankheit einfach aus der
Dorfgemeinschaft ausgestoßen und waren auf sich allein gestellt.

Damit auch aus Versehen niemand diesen Menschen zu nahe kommen konnte, mussten sie permanent „Unrein, Unrein“ rufen, wenn die Gefahr bestand, dass ihnen jemand zu nahe kommen konnte.

Sicherlich hatten sie auch schon von Jesus gehört. Daher riefen sie ihn auch an, als sie ihn herannahen sahen und trugen ihr Anliegen vor. Wie nicht anders zu erwarten war, nahm sich Jesus dieser 10 Aussätzigen auch an und sprach zu ihnen. Liebe Gemeinde, hier steht nicht, dass Jesus
ihnen etwas zugerufen hat, sondern Jesus ist zu diesen aussätzigen Menschen hingegangen und hat mit ihnen den direkten Kontakt aufgenommen.
Sprechen kann ich bekanntlich nur mit jemand in dessen unmittelbarere Nähe ich mich befinde.

Was sagt uns dies ? Jesus geht immer direkt dahin, wo die Not am größten ist. Jesus will gerade den Menschen ganz, ganz nahe sein die an ihrer Situation zu verzweifeln drohen. Und das war nicht nur vor 2000 Jahren so. Dies ist auch heute noch so. Denken wir alle mal einen kleinen Moment zurück. Gab es nicht im Leben von uns allen Situationen, wo wir alleine nicht mehr weiterwussten? Waren es nicht gerade die Momente, wo wir Jesus ganz nah spüren, fühlen und erleben konnten? Lassen Sie uns doch diese Erfahrung an unsere Mitmenschen weitergeben.

2. Jesus heilt

Auch schon wieder nichts Neues. Das lesen wir ja nahezu auf jeder Seite der vier Evangelien. Schauen wir uns doch auch diese Heilung einmal ein wenig näher an. Jesus kommt nicht mit dem Zauberstab daher, murmelt unverständliche Worte und Schwuppdiwupp ist der Aussatz weg.

Nein, Jesus sagt nur: Geht hin… Gewiss, liebe Gemeinde, Jesus will einen jeden von uns heilen. Aber was er ganz besonders will das ist unser unbedingtes Vertrauen und unseren Gehorsam. Die Bitte an Jesus, mich zu heilen als eine Möglichkeit unter vielen, an die wir selber nicht so recht glauben, wird auch nicht von Erfolg gekrönt sein.

Ich höre oft von Menschen, dass sie so wenig mit Jesus erleben und dass er sie sowieso nicht heilen könnte. Eigentlich kein Wunder, dass bei dieser inneren Einstellung nichts passiert. Jesus ist sicherlich nicht der Lückenbüßer, wenn die Heilkunst der Ärzte versagt und nun ein weiteres Medium herhalten muss, um für eine Heilung zu sorgen.

Jesus will eine ganz klare Stellungnahme von uns mit dem Inhalt, dass wir ihm unser vollkommenes Vertrauen schenken. Wenn ich dies tue, nur dann bin ich auch bereit loszugehen. Wenn ich alles nur halbherzig mache, dann werde ich niemals dem Befehl des Losgehens auch Taten folgen lassen. Aber wenn ich mein ganzes Vertrauen auf diesen Herrn setze, dann kann ich gar nicht mehr anders, als mich diesem Geh hin Befehl! zu beugen und loszugehen.

Wenn wir auch heute dieses Vertrauen an den Tag legen und auch heute
noch unserem Herrn gehorsam sind, dann kann er uns auch heute noch
heilen, wenn es denn zu unserem Besten sein sollte.

3. Das schwere Wort

Kennen Sie die fünf Worte, die uns am schwersten über die Lippen kommen? Hier sind sie:

Amphibrachys
Desoxyribonukleinsäure
Bitte
Danke
Entschuldigung

Konzentrieren wir uns doch einmal kurz auf das Wort Danke, das nur einer der 10 Geheilten Jesus gegenüber aussprach.

Ich begegne leider immer häufiger Menschen, die der Meinung sind, dass es eine Selbstverständlichkeit ist, dass Jesus sie heilt. Ich bin sein Kind und er hat mich gefälligst zu heilen. Wir haben schließlich als Gottes geliebte Kinder den Anspruch darauf, dass er unser Leben
möglichst angenehm gestaltet. Wir haben ein Recht auf Gesundheit, auf ein glückliches Leben und ein pralles Bankkonto.

Anders herum gefragt, wer räumt uns denn diese Rechte ein? In meiner Bibel jedenfalls steht nichts von einem Anspruch und einem Recht, welches wir unserem Herrn entgegenhalten könnten und auf das wir uns berufen könnten.

Wir haben auf nichts in unserem Leben einen Anspruch, aber wir dürfen alles, das Gute, was uns geschieht dankbar aus Gottes Hand annehmen. Nur so nebenbei bemerkt, wir dürfen Gott auch für das vermeintlich Schlechte in unserem Leben danken. Auch dies geschieht nicht ohne Sinn. Häufig
sehen wir das Gute dahinter erst viel später.

Haben Sie einen lieben Ehepartner? Dann danken Sie Gott hier und jetzt einmal dafür. Sind Sie körperlich in guter Verfassung? Dann danken Sie Gott gleich hier und jetzt dafür. Sind Sie materiell gut abgesichert? Dann wird es höchste Zeit, dass Sie dem Herrn auch dafür einmal „Danke“ sagen.

Damals vor 2000 Jahren war die Sachlage nicht anders. Nur einer der neun Aussätzigen bedankte sich bei Jesus für seine Heilung. Und dieser eine war auch noch ein Samariter.

Samariter galten zur damaligen Zeit sowieso als unrein. Als unrein am Geist, da sie nur die Thora, also die fünf Bücher Mose anerkannten, nicht hingegen jedoch die Propheten. Als unrein am Körper galt unser Samariter, da er ja aussätzig war. Wir können nur vermuten, was geschehen war. Jesus hatte nicht nur den körperlichen Aussatz geheilt, sondern auch den geistlichen Aussatz. Jesus hatte den Samariter, indem er ihn heilte, als ein geliebtes Kind Gottes betrachtet, wie die anderen neun auch. Der Samariter nahm also keine Sonderstellung mehr ein. Er war in Gottes Augen ein Mensch von gleichem Rang und Stand wie die anderen neun Geheilten.

Vielleicht war dies der Doppelgrund der Dankbarkeit. Wenn wir auch heute nicht mehr unter dem Aussatz leiden, so greift unser Herr doch auch heute noch auf vielfältige Art und Weise in unser Leben ein. Danken wir ihm doch immer wieder für alles, was wir mit ihm zusammen erleben.

Ein kleiner Tipp, den ich immer wieder gern weitergebe ist die Führung eines Gottestagebuches. Ich habe für mich persönlich ein Gottestagebuch in welchem ich festhalte in welchen Situationen meines Lebens mir der Herr große Geschenke gemacht hat, wo er mich besonders geführt hat und wo ich ihn in notvollen Situationen direkt spüren konnte. Machen Sie es doch auch. Es ist richtig spannend, wenn Sie nach einigen Monaten oder auch Jahren Ihr persönliches Gottestagebuch durchblättern.

Danken können wir dem Herrn auch mit dem ersten Vers des Liedes „Dankt, dankt dem Herrn und ehret…“ (EG 627) von dem Liederdichter Matthias Jorissen, der da lautet, wie folgt:

Dankt, dankt dem Herrn und ehret,
rühmt seine Freundlichkeit;
denn seine Güte währet
jetzt und in Ewigkeit.
So sing, du Volk dem Herrn,
dass er vom Feind erlöste;
im Leid blieb er nicht fern;
er kam, dass er dich tröste.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie ale ganz herzlich am heutigen 13. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Evangelisten Lukas im 10. Kapitel, die Verse 25-37. Lassen Sie uns diesen Predigttext zunächst gemeinsam lesen:

Der barmherzige Samariter

Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach:
Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? Er antwortete und sprach: “ Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten, wie dich selbst“ (5.Mose6,5; 3.Mose19,18).
Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben. Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster? Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halbtot liegen.
Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinab zog; und als er ihn sah, ging er vorüber. Desgleichen auch ein Levit: Als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber. Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn; und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine
Herberge und pflegte ihn.
Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir’s bezahlen, wenn ich wiederkomme. Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!

Liebe Gemeinde,

ich glaube, dieses Gleichnis ist uns allen hinlänglich bekannt, sodass wir uns über den barmherzigen Samariter gar nicht mehr unterhalten müssen. Aber dieses Gleichnis hat ein paar andere interessante Fakten über die wir uns heute Morgen einmal gemeinsam unterhalten sollten.

1. Der Frager

Dem Klerus war Jesus ja immer ein Dorn im Auge. Und so unterließen sie nichts, um Jesus auf’s Glatteis zu führen und ihn in seinen eigenen Worten fangen zu wollen. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Schriftgelehrte aus unserem Gleichnis sich zu Hause prächtig auf dieses Ereignis vorbereitet hat.

Er wird alle möglichen Antworten durchgegangen sein und hatte bei dem Gespräch sicherlich sofort die entsprechenden Gegenargumente bereit. Und daher geht er auch gleich, wie wir so schön zu sagen pflegen „in die Vollen“ mit der Frage, wie er denn das ewige Leben bekommt.

Und dann kam alles ganz anders, als erwartet. Jesus stellt ihm, dem Schriftgelehrten, eine ganz einfache Schuljungenfrage, indem er ihn fragt, was denn in der Bibel dazu steht. Tausende Male und mehr wird der Schriftgelehrte diese Passage, die nun kommt, sicherlich gelesen haben oder sie vielleicht nur heruntergeleiert haben. Aber jetzt auf einmal bekommt er die ganze Tiefe dieser Worte “ Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten, wie dich selbst. “ zu spüren.

Wie oft gehen auch wir mit biblischen Zitaten um und einer ganz besonderen Lebenssituation bekommen diese auf einmal eine ganz intensive Bedeutung für uns. Erst dann erkennen wir die wahre Tiefe eines Bibelzitates und was dieses für uns bedeutet.

So wird es sicherlich auch dem Schriftgelehrten gegangen sein, als er Mose zitierte.

Und wie lautete die Antwort von Jesus: Richtig, und jetzt tu das auch, dann wirst du leben. Liebe Gemeinde, in der heutigen Zeit wird gerne und viel darüber diskutiert, dass den Flüchtlingen in unserem Lande geholfen werden muss. Manches Stammtischgespräch will gar nicht mehr davon
aufhören sich dieser Frage anzunehmen. Aber tun wir auch aktiv etwas dafür? Hier will uns Jesus die Augen öffnen, indem er uns zu verstehen gibt, dass wir die Lehren der Bibel auch in die Tat umsetzen müssen. Also nicht nur über Liebe nachdenken, sie zu tun ist das entscheidende.

2. Die Frage

Wer ist denn mein Nächster? Wenn wir diese Frage so stellen, dann garantiere ich uns, dass wir tausend Ausreden finden werden, warum die arme Kreatur vor uns eben nicht unser Nächster ist. Es ist doch der Staat da, der hilft ihm doch. Genau so wird der Priester gedacht haben, als er einfach weiterging. Vielleicht hat er sich auch gedacht: Ganz schön gefährliche Gegend hier, ich begebe mich mal lieber aus der Schusslinie heraus, bevor die mich auch noch ausplündern.

Und auch der Levit wird sein Gewissen beruhigt haben, indem er sich vielleicht gesagt hat: Ich muss pünktlich zu meinem Vortrag über Nächstenliebe in Jericho erscheinen. Ich kann die Leute doch nicht
warten lassen. Ich kann doch nicht 100 Menschen wegen eines verletzten Menschen warten lassen.

Beide haben sie die Augen zugemacht. Wenn wir unsere Augen zumachen, dann werden die Hände arbeitslos. Und wenn die Hände arbeitslos werden, dann schläft das Gewissen ein. Und wenn das Gewissen einschläft, liebe Gemeinde, dann ist der Nächste ganz schnell aus meinem Blickfeld
verschwunden.

Wie kann ich dies aber vermeiden? Indem ich die richtige Frage stelle.
Nicht: Wer ist denn mein Nächster, sondern für wen bin ich der Nächste. Oder noch schärfer formuliert: Wem KANN ich der Nächste sein. Allein durch die kleine Änderung der Fragstellung kann ich die Augen nicht mehr verschließen. Ich muss mich ja aktiv danach umschauen, wo denn der
Nächste sich gerade befindet, der meine Hilfe benötigt.

Das erste Gebot christlicher Nächstenliebe heißt daher: Augenkontrolle. Unser Widersacher der Teufel schlägt uns nur zu gerne vor, doch einmal vor dem Ungemach der Welt die Augen zu schließen. Wir können doch eh nichts daran ändern. Und hier müssen wir gegensteuern und sagen: Ich kann vielleicht nicht viel ändern, aber wenn ich richtig hinsehe, dann kann ich etwas ändern. Und wenn alle dies so machen, dann können wir gemeinsam alle Not wenden, indem wir das notwendige auch tun.

3. Unser Samariter

Über die edle Gesinnung des Samariters brauchen wir wohl nicht mehr zu reden. Wer ist eigentlich der Samariter, von dem Jesus hier berichtet? Er hat einen Namen und den kennen wir alle, es ist der Herr Jesus selbst.

Jesus schaut niemals weg, wenn wir Unheil erleiden, wenn wir traurig sind oder uns Sorgen und Probleme über Kopf zu wachsen drohen. Jesus schaut ganz genau hin, wie er uns in unseren Nöten der Nächste sein kann. Mit diesem Jesus an unserer Seite können wir alles über- und durchstehen, was uns auch widerfahren mag.

Jesus geht auch nicht an uns vorüber. Nein, unser Herr geht direkt auf uns zu. Er will uns ganz nahe sein. An seiner Schulter sollen wir uns ausweinen können. Seine Arme umfangen uns und wollen uns trösten und uns stärken in allen Lebenslagen.

Und dieser Jesus bleibt auch immer an unserer Seite. Gewiss, so manches Unheil mag noch über uns hereinbrechen. Aber auf eines dürfen wir uns getrost verlassen, nämlich dass Jesus uns durch alle Höhen und Tiefen unseres Lebens hindurchführt. Egal, was auch passiert, es geschieht stets zum Besten für uns. Auch wenn wir das so manchmal gar nicht wahrhaben wollen.
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Wollen wir diesem barmherzigen Samariter jeden Tag auf’s Neue unser ganzes Vertrauen schenken und ihm für alles danken, was er für uns getan hat und auch noch weiterhin tut.

Lassen Sie uns dies mit dem 1. Vers des Liedes „Er weckt mich alle Morgen..“ (EG 452) von Jochen Klepper tun, der da lautet, wie folgt:

Er weckt mich alle Morgen, er weckt mir selbst das Ohr.
Gott hält sich nicht verborgen, führt mir den Tag empor,
dass ich mit seinem Worte, begrüß das neue Licht.
Schon an der Dämmrung Pforte ist er mir nah und spricht.

Der Herr öffne Deine Augen, damit Du die Not Deines Nächsten erkennst
Der Herr gebe Dir stets die Kraft, auf Deinen Nächsten zuzugehen
Der Herr erfülle Dein Herz mit seiner Liebe, die Du Deinem Nächsten
weitergeben kannst.

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 11. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Lukasevangelium, Kapitel 18, die Verse 9-14. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Vom Pharisäer und Zöllner

Er sagte aber zu einigen von ihnen, die sich anmaßten, fromm zu sein, und verachteten die anderen, dies Gleichnis: Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand für sich und betete so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die anderen Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. Der Zöllner aber stand
ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!
Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

Liebe Gemeinde,

ein Gleichnis, welches sich selbst erklärt. So könnte man jedenfalls meinen, wenn man dieses Gleichnis zum ersten Male liest. Doch ganz so einfach sind die Dinge dann doch nicht, wie es auf den ersten Blick scheint. Lassen Sie uns gemeinsam suchen zu ergründen, was denn hinter diesem Gleichnis steckt.

1. Der Pharisäer

Er kommt in diesem Gleichnis schlecht weg. Er ist der böse Klerus, der über den Dingen schwebt. Aber ganz so ist es nicht. Er nimmt die Sache mit Gott nämlich sehr ernst. Er geht in den Tempel, um zu beten. Er fastet regelmäßig und er gibt auch von seinem Geld den Zehnten, wie es sich gehört.

Also unter einem betrügerischen, über den Dingen stehendem Gottesmann stelle ich mir jedenfalls etwas anderes vor.

An der Magenfrage und an der Geldbeutelfrage lässt sich nämlich sehr schnell ablesen, wie ernst es jemand mit dem Glauben nimmt. Solange wie diese beiden Fragen nicht im Raum stehen, solange sind wir alle nämlich Superchristen. Aber schon wenn es an das Teilen des eigenen Vermögens
geht, schon dann teilt sich die Spreu vom Weizen.

Bei dem Fasten sieht dies nicht anders aus. Unter Fasten kann man nämlich auch verstehen, auf etwas zu verzichten, was mir lieb und teuer geworden ist und dieses etwas dem Herrn zu geben. Und da bleibt von dem o.g. Weizen auch nicht mehr all zu viel übrig.

Kurzum: Wenn wir den Pharisäer einmal etwas näher durchleuchten, dann ist er doch gar kein so übler Zeitgenosse. Er betet, er gibt den Zehnten und er fastet regelmäßig. Ich würde mal sagen, das ist doch eine ganze Menge, was er leistet.

2. Der Zöllner

Der arme, arme Zöllner. Er kommt so gut aus der Geschichte heraus. Zu Recht ? Ich glaub eher nicht.

Schauen wir uns doch diesen Zöllner einmal etwas näher an. Die Zöllner waren zur damaligen Zeit recht brutale Burschen. Sie machten gemeinsam Sache mit der Besatzungsmacht. Sie trieben Zölle ein, die dann an die Besatzungsmacht weitergeleitet wurden.

Nicht selten setzten sie aber noch eins drauf, indem sie ihrer Willkür freie Bahn ließen. Den auferlegten Zöllen wurde einfach noch was draufgeschlagen. So besserte man sich das ohnehin schon recht üppige Gehalt nicht unerheblich auf. Wurde man dabei erwischt, dann log man sich eben aus der ganzen Sache fein raus.

Der liebe Zöllner war eigentlich, ja man muss es so sagen, ein durch und durch kriminelles Subjekt, das den Erwerbszweck verfolgte, den eigenen Landsleuten illegal das Geld aus der Tasche zu ziehen um sich damit zu bereichern. Unser heutiges Strafrecht sagt ganz einfach Betrug dazu.

3. Das Gottesurteil

Wenn wir uns die beiden beteiligten Personen also näher angesehen haben, dann sieht die Angelegenheit also schon ein wenig anders aus. Wie aber kommt es dann zu diesem Gottesurteil, dass der Zöllner gerechtfertigt aus dem Tempel ging und der Pharisäer eben nicht?

Vor Gott sehen viele Dinge anders aus, als vor uns Menschen. Gott sieht nämlich nicht das an, was wir äußerlich tun, sondern unser Herr sieht das Herz an. Das können wir zugegebenermaßen natürlich nicht.

Gott sieht, aus welcher inneren Intention, aus welchem inneren Maßstab heraus wir vor ihn treten. Und hier liegt bei den beiden Personen unseres Gleichnisses der Hase im Pfeffer begraben.

Der Pharisäer hatte seinen Maßstab nach unten gerichtet. Er war oben der Zöllner war unten. Und das ist eindeutig falsch. Aber wir müssen uns auch fragen, ob wir nicht ab und wann auch so denken. Ich gehe jede Woche in den Gottesdienst, ich bin Mitglied im Presbyterium und ich gehe zweimal im Jahr auf Sammeltour für die Kirche. Und dann kommt da dieser entlassene Strafgefangene und steht neben mir am Abendmahlstisch und will mir gleich sein?

Liebe Gemeinde, das ist keine Fiktion, das erleben wir immer wieder. Es gibt auch einen Namen dafür und der heißt Hochmut. Hochmut begehe ich immer dann, wenn ich mich über meine Mitmenschen stelle. Und das kann ich nur, wenn ich mittels eines Leistungsmaßstabes urteile. Nur dann kann ich zu dem Ergebnis gelangen: Ich kann mehr und mache mehr als der andere, also bin ich auch mehr wert als der andere. Und das führt auch heute noch dazu, dass wir nicht gerechtfertigt gehen können, wenn wir so denken und handeln.

Der Zöllner hingegen hatte seinen Maßstab nach oben gerichtet. Er wusste, dass er nichts, aber auch rein gar nichts aufweisen konnte, was Gott in irgendeiner Art und Weise beeindrucken könnte. Und er wusste auch, dass er niemals in der Lages sein würde, vor diesem Gott zu bestehen. Auch wenn er sein Leben radikal ändern würde, würde er nicht vor diesem großen Gott bestehen können.

Er hatte erkannt, was wir alle vor Gott sind, nämlich ganz arme Sünder. Für jede Sünde aber muss auch bezahlt werden. Der Zöllner hatte durch seinen nach oben gerichteten Maßstab auch erkannt, dass er das niemals würde leisten können. Was bleibt mir also übrig, wenn ich erkannt habe, dass ich ein Sünder vor dem Herrn bin und dass ich für diese Sünde niemals mit eigenen Mitteln bezahlen kann?

Mir bleibt nunmehr übrig, Gott um Gnade zu bitten. ER ist der einzige der mir helfen kann. Und das hat Jesus dann schließlich auch für uns alle getan, indem er mit seinem Kreuzestod das Lösegeld für all unsere Sünden bezahlt hat.

Das heißt nun natürlich nicht, dass wir uns hochmütig darauf beziehen können. Das heißt für uns, dass wir Gott inständig bitten dürfen, dass dieses Erlösungswerk auch für unsere Sünden gelten möge. Und daran wollen wir uns jeden Tag auf’s Neue erinnern. Auch wenn wir unser Leben
bereits dem Herrn übergeben haben, auch dann bedürfen wir tagtäglich der Gnade unseres Herrn.

Wenn wir uns daran erinnern, dann können wir mit einer leichten Lebenseinstellung durch unser Leben gehen, die der Liederdichter Paul Gerhardt sehr schön in dem 6. Vers seines Liedes „Ist Gott für mich, so trete…“ (EG 351) sehr schön beschreibt, wie folgt:

Nichts, nichts kann mich verdammen, nichts nimmt mir meinen Mut:
die Höll und ihre Flammen löscht meines Heilands Blut.
Kein Urteil mich erschrecket, kein Unheil mich betrübt,
weil mich mit Flügeln decket mein Heiland, der mich liebt.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 5. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Lukasevangelium, Kapitel 5, die Verse 1-11. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, um das Wort Gottes zu hören, da stand er am See Genezareth und sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig
vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus. Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen. Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen. Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und mit ihnen ziehen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken. Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die
bei ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte Dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.

Liebe Gemeinde,

was sich zunächst als fromme Geschichte liest, wo wir wieder einmal Zeuge eines Wunders werden, hat auf den zweiten Blick einen ganz anderen Hintergrund. Den Hintergrund möchte ich einmal überschreiben mit „Die Berufung von Simon Petrus“. Lassen Sie uns doch einmal gemeinsam
überlegen, welche Parallelen wir zu unserer Berufung entdecken können.

1. Gott auf dem Weg

Da hatten sie die ganze Nacht gearbeitet und wieder einmal nichts gefangen. Man kann sich vorstellen, wie frustrierend dies für die Fischer gewesen war. Nichts gefangen, kein Geld verdient, keine Möglichkeit die Familie satt zu bekommen. So oder ähnlich waren sie sicherlich die Gedanken der Fischer. Alles drehte sich nur um die eigenen Probleme. Damals jedenfalls.

Und wie sieht das heute aus? Ich würde einmal sagen genau so, wie damals. Alles dreht sich doch scheinbar nur noch um Fragen, wie: Wo bekomme ich den besten Job? Wo mache ich am schnellsten Karriere? Wie komme ich aus dieser oder jener Situation möglichst unbeschadet heraus?

Bei all den drängenden Problemen, die die Fischer betrafen, merkten sie indes gar nicht, dass Gott schon auf dem Weg zu ihnen war.

Liebe Gemeinde, und dies ist er heute auch noch. Darauf dürfen wir uns felsenfest verlassen. Bloß versperren wir unsere inneren Augen gern mit den Balken der äußeren Probleme. Wenn unsere Blickwinkel versperrt ist, können wir ja gar nicht sehen, dass Gott bereits auf dem Weg zu uns ist.
Er kennt doch all unsere Nöte und Sorgen besser, als wir selber. Er will uns doch helfen. Lassen Sie uns doch wieder all unser Vertrauen auf IHN allein setzen.

2. Gott bittet

Endlich erreicht Gott die Fischer. Sie nehmen ihn auch wahr. Und dann kommt eine klitzekleine Bitte: „Fahr mich ein Stück weit hinaus.“ Dieser Bitte kam Simon gerne nach, war sie doch ohne viel Aufwand erledigt. Hochkonzentriert wird er sicherlich nicht auf das gehört haben, was Jesus lehrte, aber da er ja sowieso im Boot saß, wird er das ein oder andere sicher mitbekommen haben.

Aber heute klopft Gott doch nicht mehr bei uns an, das geht doch gar nicht mehr? Wirklich nicht?

Da ist zum Beispiel das junge Paar, welches sich trauen lassen möchte.
Jahrelang hatte man mit Kirche nichts am Hut, aber ausgetreten ist man auch nicht. Man weiß ja nie, so für alle Fälle lässt man sich dann doch besser einmal kirchlich trauen. Gesagt, getan und schon sitzt das Paar im Traugespräch. Und auf einmal merken beide, das Kirche und Gemeinde ja doch ganz spannend sein können. Kurzum, sie sagen sofort „Ja“, als sie gebeten werden, den eigenen Traugottesdienst selber zu gestalten.

Und dann nach der Trauung, die sie sich so vielleicht gar nicht vorgestellt hatten, sagen sich beide: Da gehen wir doch öfters mal hin. Hat der Pfarrer gerufen? Hat die Gemeinde oder gar die Presbyter
gerufen? Nein, liebe Gemeinde, Gott wirkt DURCH andere Menschen FÜR andere Menschen IN das Leben der anderen Menschen hinein. Gott kommt auf leisen Sohlen daher und bricht meist nicht mit brachialer Gewalt in unser Leben ein.

3. Der erste Auftrag

Die Predigt war zu Ende, die Leute gingen nach Hause und übrig bleiben Simon und Jesus. So, und jetzt wurde die Sache so richtig konkret. Jesus erteilt Simon einen vollkommen unsinnigen Auftrag. Er soll nochmals auf den See fahren und die Netze auswerfen. So ein Quatsch wird sich Simon gedacht haben. Jeder vernünftig denkende Mensch weiß doch, dass man tagsüber gar keine Fische fangen kann. Und außerdem hat der da doch gar keine Ahnung von meinem Geschäft.

Und doch machte es Simon: Er sprang über seinen eigenen Schatten und fuhr hinaus auf den See. Simon vertraute dem Wort von Jesus, allein dem Wort von Jesus. Dieses „Schattenspringen“, dieses Vertrauen in das augenscheinlich Unsinnige war es, was Jesus von Simon erwartete. Und das erwartet Jesus auch heute noch von uns. Wir sollen seine Aufträge an uns und seine Aufgaben, die er stellt, nicht in „geht“,“ geht vielleicht“ oder aber in „geht gar nicht“ einteilen. Wir sollen einfach
losmarschieren und das tun, was Jesus uns aufträgt.

Wir sollen einfach auf sein Wort hören und sein Wort tun, damals, so wie heute.

Und dann machte Simon den Fang seines Lebens, wie wir soeben gehört haben. Und dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen: Er, der kleine Fischer hatte soeben seine erste Gotteserfahrung gemacht.

Und diese Gotteserfahrung können wir auch heute noch machen. Wir müssen nur genau das tun, was Jesus uns aufträgt. Was Jesus ganz konkret von einem jeden von uns will, das ist sicherlich individuell unterschiedlich. Wir haben aber einen Leitfaden zur Hand, dem wir etliche Grundregeln unseres Verhaltens entnehmen können.

Nehmen wir uns doch einmal in dieser Woche die Zeit und lesen in der Bibel im Neuen Testament im Matthäusevangelium die Kapitel 5 bis 7. In diesen Kapiteln, besser bekannt als Bergpredigt, erfahren wir so einiges darüber, wie sich Jesus unser Leben als seine Nachfolger vorstellt.
Nehmen wir doch die Worte dieser Bergpredigt und sagen in unserem Herzen: Auf dein Wort will ich dies tun. Probieren wir es doch einfach aus.

4. Die Selbstzweifel

Eigentlich hätte Simon vor Freude in die Luft springen müssen. Aber was passierte? Zweifel kamen in ihm hoch, ob er, er, der kleine Fischer aus Galiläa überhaupt vor dem großen Gott bestehen kann. Die Pharisäer und Schriftgelehrten, ja die können auf Augenhöhe mit Jesus leben und reden.
Aber ich als kleiner Handwerker ?

Liebe Gemeinde, auch wenn wir es nicht wahrhaben möchten: Im Reiche Gottes gibt es keine Hierarchien. Es gibt kein die da oben und wir hier unten. Gewiss, auf dieser Erde können wir uns ein Leben ohne Hierarchien gar nicht so recht vorstellen. Aber im Reiche Gottes dürfen wir davon
ausgehen, dass wir alle den gleichen Rang haben, nämlich den Rang der Kindschaft unseres Vaters im Himmel.

Im Reiche Gottes gibt es nur ein „ganz drin“ oder „draußen“. Und wer sich auf die Spuren Jesu begibt und ihm nachfolgen möchte, der ist schon ganz drin im Reiche Gottes.

5. Die Berufung

Simon war den Jesusweg konsequent mitgegangen. Einen kleinen Gefallen hatte er Jesus nicht abgeschlagen. Einen scheinbar unsinnigen Auftrag hatte er bereitwillig ausgeführt und damit die einschneidenste Erfahrung seines Lebens gemacht.

Das ist es, was Jesus auch von uns erwartet. Wir sollen nicht mit religiösen Klimmzügen versuchen, die Himmelsleiter im Galopp zu erstürmen. Wir sollen ihn nicht abweisen, wenn er uns um einen Gefallen bittet. Wir sollen ihm folgen, egal wohin die Reise geht. Wenn wir dies tun, dann werden auch wir unsere ganz private Gotteserfahrung machen. Dann werden auch wir ihn ganz bestimmt erleben dürfen, wie er aktiv in unser Leben eingreift.

Und nach all dem, was geschehen war, bekam Simon seinen Lebensauftrag, seine Berufung in die Hand gedrückt. Er sollte nicht mehr Fische fangen, sondern Menschen für das Reich Gottes. Dies dürfen wir natürlich nicht wörtlich auf unser Leben übertragen.

Bei „fangen“ denken wir ja alle gleich an den Jäger und das zur Gegenwehr unfähige Opfer. Gegen seinen Willen möchte Gott natürlich niemanden zwingen, sein Nachfolger zu werden. Die Worte „Menschen fangen“ waren an Simon gerichtet und sollten ihm verständlich machen, dass er mit dem, was er kann und was er beherrscht sich aufmachen soll und diese Fähigkeiten in den Dienst von Jesus stellen soll.

Und dies erwartet unser Herr auch heute noch von seinen Jüngern, also uns allen. Jedem von uns sind mannigfache Fähigkeiten mitgegeben worden auf seinem Lebensweg. Lassen Sie uns doch diese Fähigkeiten nicht nur für uns, sondern auch für unseren Herrn einsetzen. Gehen wir doch so ausgestattet den Jesusweg und machen wir doch unsere Mitmenschen immer wieder neugierig auf ein Leben mit diesem Jesus.

Der Liederdichter Peter Hertzsch beschreibt ein derartiges vertrauensvolles Leben mit Gott an unserer Seite sehr schön in dem zweiten Vers seines Liedes „Vertraut den neuen Wegen…“ (EG 395) der da lautet, wie folgt:

Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit!
Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid.
der uns in frühen Zeiten das Leben eingehaucht.
der wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht.

Der Herr zeige Dir den Weg, den er für Dich ausgewählt hat
Der Herr begleite Dich jeden Tag Deines Lebens auf dem Weg Deiner Berufung
Der Herr mache Dich durch Deine Berufung zu einem Segen für Deine Mitmenschen

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber