Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Sonntag vor der Passionszeit, dem Sonntag Estomihi. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 10. Kapitel des Lukasevangeliums, die Verse 28-42. Lassen Sie uns diesen Text gemeinsam lesen:

Maria und Marta

Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf. Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu. Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt allein dienen ? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll ! Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist Not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.

Liebe Gemeinde,

von zwei ungleichen Schwestern haben wir soeben gehört. So beim ersten Hinhören könnte man den Eindruck bekommen, dass die eine arbeitsam und strebsam ist, während die andere lieber die Gemütlichkeit zu Jesu Füßen genießt und andere für sich arbeiten lässt. Das wäre in der Tat ein wenig oberflächlich betrachtet. Etwas in die Tiefe gehend geht es eigentlich darum, wie die beiden Schwestern damit umgehen, dass Jesus zu ihnen kommt.

Und wenn wir noch etwas weiter denken, dann geht es auch darum wie wir damit umgehen, wenn Jesus in unser Leben eintritt. Und da sehen wir zwei verschiedene Wege

1. Marta

Marta rennt sofort los, um es dem Herrn so gemütlich, wie nur eben möglich zu machen. Gewiss, sie wird Jesus zwar noch so eben „Hallo“ im Vorbeigehen zugerufen haben, ist aber dann bestimmt sofort in der Küche verschwunden. Wenn schon so hoher Besuch kommt, dann muss ja auch wirklich alles pikkobello sein.

Jesus erkennt diese Mühe an, als er zu Marta sagt, dass sie sich viel Mühe macht. Aber Jesus sagt Marta auch, dass sie sich viel zu viele Sorgen macht. Und diese machte sie sich sicherlich. Ist alles richtig, was ich mache. Hoffentlich begehe ich keinen Fehler. Wie stehe ich vor dem Herrn da, wenn etwas schiefgeht. Diese und andere Gedanken mögen sie wohl geplagt haben.

Geht es nicht vielen Christen heutzutage genau so, wie es Marta erging ? Kaum ist man bei Jesus angekommen, will man seinen Lebensstil und Lebensinhalt so gestalten, dass der Herr ja keinen Fehler findet. Und wenn doch, dann kommt bestimmt das große Donnerwetter und man fliegt ganz schnell wieder raus aus dem erlauchten Kreise.

Und so ackert man und ackert man und ackert man vor sich hin. Eine stille Zeit jagt die andere. Gebetszeiten werden peinlich genau eingehalten. In den Gemeinschaftsstunden darf man natürlich nicht fehlen und in den Gottesdiensten erst recht nicht. Und dann engagiert man sich auch noch ehrenamtlich in diversen Projekten.

Jesus sieht dies alles, was wir machen, aber er macht sich auch Sorgen um uns. Und wenn wir auf ihn hören, dann erfahren wir dies auch. Jesus will gar nicht, dass wir als 100%er Christen durch die Welt rennen und versuchen, ihm immer und überall alles recht zu machen.

Was will Jesus denn dann ? Da kommen wir noch zu. Schauen wir uns aber zuerst einmal die Maria an:

2. Maria

Maria macht erst mal gar nix. Man könnte es auch so sehen, dass sie sich einfach, faul, wie sie ist, zu Jesu Füßen legt und seinen Worten lauscht.

Da ist ja auch gar nichts gegen einzuwenden, aber gleichzeitig rackert sich ihre Schwester in der Küche ab und sie macht augenscheinlich gar nichts.

Und dann sagt Jesus auch noch, dass sie, die einfach nur so dasitzt, das gute Teil erwählt hat. Es fällt uns schon ein wenig schwer, dies anzunehmen. Das liegt aber auch daran, dass wir alle in einer Leistungsgesellschaft leben. Wer mehr leistet, der hat mehr und dessen Ansehen steht über dem, der weniger leistet. Und wer zu nichts mehr in der Lage ist, der steht ganz schnell außen vor.

Wenn Jesus nun sagt, dass Maria das gute Teil erwählt hat, dann sagt er damit auch, dass im Reiche Gottes eben andere Maßstäbe gelten als in der Welt.

Schauen wir uns nun noch das gute Teil etwas näher an.

3. Das gute Teil

Wir müssen uns noch einmal kurz an Marta erinnern. Jesus hat nicht gesagt, dass Marta alles falsch und Maria alles richtig gemacht hat. Jesus sagt nur, dass die Reihenfolge stimmen muss.

Schauen wir uns einen neu bekehrten Christen an. Er brennt für Jesus und möchte am liebsten sofort lospreschen, um seinen Dienst zu versehen. Und hier sagt Jesus: „Stopp, mein Freund, erst kommt die Theorie und dann die Praxis.“

Das macht ja auch Sinn. Denken wir nur einmal an die Fahrschule, die wir besucht haben. Wenn wir die Verkehrsregeln nicht kennen, dann macht der praktische Unterricht auch keinen Sinn. Irgendwann würden wir wahrscheinlich den Karren im wahrsten Sinne des Wortes an die Wand fahren. Und das passiert uns in unserem Dienst für den Herrn auch wenn wir nicht auf Jesus hören.

Zunächst kommt also das Hören. In der Jüngerschule werden wir von Jesus auf unseren Dienst für ihn vorbereitet. Er gibt uns das notwendige Rüstzeug mit auf den Weg, damit wir draußen im Missionsfeld nicht jämmerlich scheitern. Wenn wir auf ihn hören, dann haben wir eben keine Sorgen und große Mühen.

Wenn wir vor unsere Tätigkeit auf sein Wort hören, dann versetzt und Jesus in die Lage, dass wir mit ihm zusammen fröhlich unseren Weg gehen können.

Jesus bewahrt uns also vor operativer Hektik und er nimmt us auch die Angst, etwas falsch machen zu können. Wenn wir auf ihn hören, dann dürfen wir erkennen, dass es im Reiche Gottes durchaus gestattet ist, Fehler zu machen und dass wir nicht sofort die Kündigung erhalten, wenn wir etwas vermasselt haben.

Wenn wir wirklich auf ihn hören, dann dürfen wir auch erkennen, dass ER stets bei uns ist und immer nur ein Gebet weit von uns entfernt auf unsere Hilferufe wartet. Wenn wir auf ihn hören, dann dürfen wir auch erkennen, dass gerade die nicht perfekten Dienste doch Dienste in seinem Sinne sind.

Wenn wir auf ihn hören dann dürfen wir auch erkennen, dass alle Verantwortung bei Ihm liegt und dass letztendlich ER es ist, der handelt. Wir sind lediglich seine Werkzeuge. Und daher ist es auch so wichtig erst zu hören und dann das Werkzeug zu benutzen.

Jünger, die dies nicht machen gleichen dem Mann, der mit einem Spaten versuchte den Garten zu bearbeiten, dies aber irgendwann total gefrustet aufgab, weil er den Spaten genau falsch herum eingesetzt hatte. Und genau davor will der Herr die Martas dieser Welt bewahren.

Erinnern wir uns noch einmal an die Leistungsgesellschaft in der wir leben. Da haben wir auch über diejenigen gesprochen, die nichts mehr leisten können und dadurch außen vor sind. Und genau zu diesen Menschen sagt Jesus: Komm her zu mir, ich freue mich, dass Du einfach da bist und auf mein Wort hörst. Im Reiche Gottes bleibt eben niemand außen vor, der hinein möchte.

Lassen Sie uns zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes gemeinsam in den zweiten Vers des Liedes von Paul Gerhardt „Befiehl du deine Wege… (EG 361) einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Dem Herren musst du trauen, wenn dir’s soll wohlergehn;
auf sein Werk musst du schauen, wenn dein Werk soll bestehn.
Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein
lässt Gott sich gar nichts nehmen, es muss erbeten sein.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich zur heutigen Neujahrpredigt im Jahre 2018. Ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes Jahr 2018. Den Predigttext für die heutigen Neujahrspredigt finden wir bei dem Evangelisten Lukas im 4. Kapitel, die Verse 16-21. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Jesu Predigt in Nazareth

Und er kam nach Nazareth, wo er aufgewachsen war, und ging nach seiner Gewohnheit am Sabbat in die Synagoge und stand auf und wollte lesen. Da wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht. Und als er das Buch auftat, fand er die Stelle, wo geschrieben steht (Jesaja 61, 1-2): Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und den Zerschlagenen, dass sie frei und ledig sein sollen, zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn. Und als er das Buch zutat, gab er’s dem Diener und setzte sich. Und aller Augen in der Synagoge sahen auf ihn. Und er fing an, zu ihnen zu reden: Heute ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren.

Liebe Gemeinde,

beim ersten Lesen des Predigttextes fiel mir sofort ein: Das ist genau auf den Neujahrstag zugeschnitten. Lassen Sie uns daher einmal gemeinsam überlegen, was diesen Predigttext hinsichtlich des Neujahstages so besonders macht.

1. Das Gnadenjahr

Ein weiteres Gnadenjahr des Herrn hat begonnen wie wir soeben gehört haben. Ist das nicht wunderbar, wie der Herr uns Gnadenjahr um Gnadenjahr schenkt um den Menschen die Möglichkeit zu geben zu ihm zurückzukehren.

Denken wir doch einmal wieder daran, wie langmütig, gnädig und barmherzig unser Herr ist. Er, der Himmel und Erde gemacht hat, könnte mit Fug und Recht diesem Planeten mit sofortiger Wirkung ein Ende setzen.

Was haben wir im vergangenen Jahr nicht alles getan, um seine Barmherzigkeit auf’s Spiel zu setzen. Denken wir nur einmal an das Projekt „Ehe für alle“. Ein glasklarer Verstoß gegen all, das was uns der Herr zu tun oder zu lassen geboten hat. Denken wir an die vielen Tötungsdelikte gegen das ungeborene Leben. Auch das hat uns unser Herr verboten.

Zahlreiche andere Verstöße kommen sicherlich noch hinzu. Aber wieso ist unser Herr denn eigentlich immer noch so gnädig? Liebe Gemeinde, unser Vater im Himmel sieht uns nicht als anonyme Masse an, die größtenteils seine Gebote mit Füßen tritt. Nein, unser Herr sieht einen jeden von uns ganz persönlich an und möchte, dass ein jeder von uns sich wieder zu ihm bekehrt.

Nutzen wir doch dieses neue Jahr um diese frohe Botschaft den Menschen nahezubringen, die sie noch nicht kennen. Und danken wir dem Herrn doch wieder einmal ganz inständig, dass er noch ein Gnadenjahr hinzugefügt hat.

2. Das Erlösungsjahr

Liebe Gemeinde, Gnade vor Recht ergehen lassen, diesen Spruch kennen wir sicherlich alle. Man sagt ihn oftmals so schnell daher, aber was bedeutet er denn eigentlich?

Gnade vor Recht heißt nichts anderes, als dass ich, wenn es mit rechten Dingen zugehen würde eine Strafe verdient hätte, mir diese Strafe aber erlassen wird oder aber ein anderer diese Strafe für mich übernimmt.

Wenn es nach Recht und Gerechtigkeit zuginge, dann würde ein jeder von uns in der Hölle landen. Als Erbsünder geboren lernen wir nichts so schnell wie die Sünde. Schauen wir uns doch einmal kleine Kinder an. Das Wort „Nein“ scheinen sie automatisch mit der Geburt mitbekommen zu haben. Oder aber die Lüge. Automatisch neigt der Mensch eher zur Lüge als zur Wahrheit.

Auch wenn wir manche Lügen gern als Notlügen bezeichnen, dann sind sie trotzdem Lügen und ein Verstoß gegen Gottes Gebote. Und ein Verstoß muss bestraft werden. Nun können wir diese Strafe aber gar nicht selber bezahlen, da wir dazu gar nicht in der Lage sind.

Daher hat Gott selber für all unsere Sünden und Verstöße mit dem Leben seines Sohnes bezahlt und uns somit den Weg zurück in die Heimat ermöglicht.

Danken wir dem Herrn eigentlich noch dafür, was er für uns getan hat? Wir könnten ja gleich heute wieder damit beginnen.

3. Die Folgen

Uns ist also Gnade und damit Erlösung widerfahren. Das ist schön und darüber dürfen wir uns auch jeden Tag auf’s Neue freuen. Aber mit dieser Erlösung sind auch eine Aufgaben verbunden, die uns unser Herr auf unsere Herzen gelegt hat. Welche dies sind, damit wollen wir uns zum Abschluss der heutigen Predigt noch kurz befassen.

a. Den Gefangenen Freiheit predigen.

Wie viele Menschen sind in Sünden gefangen und wissen keinen Ausweg aus diesem Dilemma. All diesen Menschen sollen wir den einen Ausweg aufzeigen, der sie sofort von diesen Sünden befreit, nämlich den Weg zum Kreuz.

b. Die Blinden sehend machen.

Wenn ich eine Reise unternehme, dann komme ich nur dann sicher dort an, wenn ich in mein Navigationsgerät den richtigen Ort eingebe. Wenn ich irgendeinen Ort angebe, dann komme ich höchstwahrscheinlich nicht zu meinem Ziel, sondern lande irgendwo, wo ich nicht hin will.

Und so sind viele Menschen blind, was den Glauben angeht. Öffnen wir ihnen doch ihre Augen und helfen ihnen, in ihr Navi den Zielort Golgatha einzugeben. Dieser Vergleich zeigt uns auch, was Gott von uns erwartet. Wir sollen unseren Mitmenschen nur den rechten Weg aufzeigen, die Entscheidung, ob sie diesen Weg einschlagen sollen die müssen sie schon selber treffen.

Da kann auch kein Zwangsevangelisator etwas dran ändern. Den Weg zum Kreuz muss jeder Mensch von sich aus und aus freien Stücken gehen.

c. Den Zerschlagenen die Freiheit predigen.

Jeder von uns hat bestimmt schon einmal mit Misserfolgen zu tun gehabt. Wir sind bestimmt alle auch schon einmal ungerecht behandelt worden. Wie gehen wir als Christen denn damit um ? Nun, als Christen befehlen wir diese Dinge unserem Herrn an. Und dann lasen wir diese Dinge auch bei unserem Herrn und gehen fröhlich unseres Weges.

Das klappt zwar nicht immer sofort und auf Anhieb. Aber letztendlich klappt es dann doch.

Wenn ich mit Menschen ins Gespräch komme, dann höre ich bei vielen Menschen eine Hoffnungslosigkeit aus ihren Worten heraus. Misserfolge, ungerechte Behandlungen und viele andere Dinge sind diesen Menschen geschehen.

Wenn ich niemanden habe, dem ich diese Dinge vor die Füße legen kann, dann komme ich irgendwann in den Zustand hinein, indem mich die Dinge zu überrollen scheinen und ich einfach keinen Ausweg mehr sehe. Ein Misserfolg folgt dem nächsten und natürlich fühle ich mich dann auch von der ganzen Welt ungerecht behandelt. Das gipfelt oftmals in einem Gefühl des Zerschlagenseins.

Und wenn wir jetzt im Jahre 2018 einem Menschen begegnen, dem so etwas oder ähnliches widerfahren ist, dann dürfen wir diesem Menschen den Weg zeigen, wohin er mit all seinen Nöten gehen kann; nämlich zu dem Mann am Kreuz. Dem ist es nämlich nicht egal, ob wir einen Misserfolg nach dem anderen erleben oder ob die Menschen auf unseren Seelen herumtrampeln. Der ist schließlich für uns gestorben, damit wir frei leben können.

Lassen Sie uns nunmehr zum Abschluss einstimmen in den 9. Vers des Liedes „Der du die Zeit in Händen hast…“ (EG 64) von Jochen Klepper, der da lautet, wie folgt:

Der du allein der Ewge heißt und Anfang, Ziel und Mitte weißt
im Fluge unsrer Zeiten:
Bleib du uns gnädig zugewandt und führe uns an deiner Hand,
damit wir sicher schreiten.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Neujahrstag und einen fröhlichen Start in das Jahr 2018.

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen vorletzten Sonntag des Kirchenjahres. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Lukasevangelium, Kapitel 16, die Verse 1-8. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Vom unehrlichen Verwalter

Er sprach aber auch zu den Jüngern: Es war ein reicher Mann, der hatte einen Verwalter; der wurde bei ihm beschuldigt, er verschleudere ihm seinen Besitz. Und er ließ ihn rufen und sprach zu ihm: Was höre ich da von dir ? Gib Rechenschaft über deine Verwaltung; denn du kannst hinfort nicht Verwalter sein. Der Verwalter sprach bei sich selbst: Was soll ich tun? Mein Herr nimmt mir das Amt; graben kann ich nicht, auch schäme ich mich zu betteln. Ich weiß, was ich tun will, damit sie mich in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich von dem Amt abgesetzt werde. Und er rief zu sich die Schuldner seines Herrn, einen jeden für sich, und fragte den ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Er sprach: Hundert Eimer Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setzt dich hin und schreib flugs fünfzig. Danach fragte er den zweiten: Du aber, wie viel bist du schuldig? Er sprach: Hundert Sack Weizen. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein und schreib achtzig. Und der Herr lobte den untreuen Verwalter, weil er klug gehandelt hatte; denn die Kinder dieser Welt sind unter Ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichts. Und ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon damit, wenn er zu Ende geht, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten.

Liebe Gemeinde,

ehrlich gesagt würde ich eine derartige Gaunerkomödie wohl eher nicht in der Bibel vermuten. Und ich habe mich auch ein wenig schwer getan, in dieser Geschichte etwas zu entdecken, was uns unser Herr damit sagen will. Dazu bedurfte es schon der mehrmaligen Lektüre des Textes. Lassen Sie uns heute Morgen doch einmal den Hintergrund dieses Gleichnisses ein wenig näher betrachten.

Wenn wir uns die Reaktion von Jesus anschauen, dann steht dort ja nicht, dass Jesus den untreuen Verwalter gelobt hat, weil er betrogen hatte, sondern weil er klug gehandelt hatte. Lassen Sie uns dieser Klugheit ein wenig näher auf den Grund gehen.

1. Jetzt wird’s ernst

Unser Verwalter hatte die Sachlage vollkommen richtig eingeschätzt. Jetzt wird’s richtig ungemütlich. Die Entlassung steht vor der Tür und wer weiß, was sonst noch alles auf mich zukommt.

Der Verwalter hätte sich ja auch aus dem Staube machen können, oder aber, was heutzutage gern gemacht wird, er hätte die Bilanzen frisieren können. Aber dazu war er zu klug.

Wäre er einfach abgehauen, dann hätte man ihn vermutlich irgendwann irgendwo aufgegriffen und wieder seiner Herrschaft zugeführt. Und auch das Schönen der Bilanzen wäre irgendwann ans Tageslicht gekommen. Daher hat der Verwalter sehr klug und realistisch seine Lage eingeschätzt.

Und jetzt übertragen wir dies mal auf unser eigenes Leben. Irgendwann steht auch unsere Entlassung aus diesem Leben an und dann heißt es auch für uns „Gib Rechenschaft…“

Wir dürfen nämlich eines niemals vergessen. Alles, was wir haben und was wir sind ist uns von Gott anvertraut worden. Und als seine Sachwalter auf Erden sind wir in genau der gleichen Situation wie unser Verwalter aus dem Predigttext.

Wie schaut es denn bei uns aus? Sind wir darauf vorbereitet auf unser persönliches „Gib Rechenschaft..“ oder etwa nicht? Diese Frage können wir uns nur jeder für sich selber beantworten. Aber wir sollten uns wirklich die Frage stellen, ob wir alles, was uns Gott anvertraut hat nur für unser eigenes Wohlergehen eingesetzt haben oder ob wir das, was uns anvertraut worden ist auch in den Aufbau des Reiches Gottes investiert haben.

2. Jetzt wird’s Zeit

Als unser Verwalter die Situation erkannt hatte, da handelte er sofort und ließ nicht noch weitere wertvolle Zeit für sein Handeln verstreichen. Und er musste etwas tun, damit ihm nach seinem Rauswurf die Türen seiner Mitmenschen weiterhin offenstehen würden.

Und jetzt übertragen wir auch dies auf unser ganz persönliches Leben.

Wir wissen weder Tag noch Stunde an welchem uns unser Herr heimholt in sein Reich. Holt er uns überhaupt in sein Reich? Stellen wir uns doch auch diese unbequeme Frage einem in einer stillen Stunde. Habe ich meine Eintrittskarte für den Himmel schon in der Hand oder etwas doch noch nicht?

Hier und heute haben wir alle die Chance Frieden mit Gott zu machen. Wenn wir dereinst von dieser Erde abberufen werden, ist es dafür zu spät. Und da wir weder Tag noch Stunde kennen, sollten wir wie der kluge Verwalter keine Zeit verstreichen lassen, um unsere Eintrittskarte in den Himmel zu lösen.

Wenn wir dies auf Erden tun, wenn wir also Umkehren, Buße tun und dem Herrn unser Leben übergeben, dann werden uns auch die himmlischen Türen offenstehen, wenn wir unsere letzte Reise in dieser vergänglichen Welt antreten.

3. Jetzt wird’s teuer

Um sich bei den Untergebenen beliebt zu machen, erlässt der Verwalter diesen einen Großteil ihrer Schulden, welche sie bei seinem Vorgesetzten haben. Natürlich ist dies Betrug. Gar keine Frage.

Die Botschaft Jesu hinter dieser Geschichte ist allerdings die, dass wir Geld nicht um des Selbstzweckes anhäufen sollen. Natürlich sollen und dürfen wir Geld verdienen, natürlich dürfen wir uns auch etwas gönnen. Darum geht es ja gar nicht.

Jesus fordert uns auf, unser Geld zu benutzen. Wir sollen uns mit unserem Geld Freunde machen, so wie es der Verwalter getan hat. Natürlich mit ehrlich erworbenem Geld und nicht a la Robin Hood. Wir sollen das Geld, was wir eben nicht benötigen, ruhig an die Menschen abgeben, denen es wesentlich schlechter geht als uns.

Reich ist, wer viel hat, reicher ist, wer wenig benötigt, aber am reichsten ist, wer viel gibt. Probieren Sie es einfach mal aus.

Das kann ich nicht. Und wenn ich mal in Not bin, was dann? Natürlich sollen wir unser Geld nicht verteilen bis wir selber nichts mehr haben. Aber wir können sicherlich alle auf das ein oder andere neue Handy, Schmuckstück oder Kleidungsstück getrost einmal verzichten und diesen Betrag spenden.

Jesus weiß, dass wir dies können. Er sagt es ja in unserem Gleichnis einem jeden von uns mit den Worten: Wenn selbst der untreue Verwalter im Angesicht der Ewigkeit zum Gönner wird, dann kannst du dies auch. Und wir sind doch schließlich bessere Menschen, als dieser untreue Verwalter, oder!!!???

Was sollen wir nun schlussendlich tun? Wir sind aufgerufen, unsere Lage vor Gott auf den Prüfstein zu stellen. Falls notwendig sollen wir sofort aktiv handeln. Und wir sollen uns immer bewusst sein, dass alles nur geliehen ist, dass wir nichts, was wir auf Erden angehäuft haben in den Himmel mitnehmen können.

Der Liederdichter Paul Gerhardt beschreibt unseren Lebensweg mit dem Herrn an unserer Seite auf Erden sehr schön in dem 6. Vers seines Liedes „Ich bin ein Gast auf Erden…“ (EG 529), der da lautet, wie folgt:

So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt,
doch denk ich nicht zu bleiben in diesem fremden Zelt.
Ich wandre meine Straße, die zu der Heimat führt,
da mich ohn alle Maßen mein Vater trösten wird.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und ich freue mich, Sie am kommenden Mittwoch, dem Buß- und Bettag, wieder begrüßen zu dürfen.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Sonntag, dem 15. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Evangelisten Lukas im 18. Kapitel, die Verse 28-30. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Der Lohn der Nachfolge

Da sprach Petrus: Siehe, wir haben, was wir hatten, verlassen und sind dir nachgefolgt. Er aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: es ist niemand, der Haus oder Frau oder Brüder oder Eltern oder Kinder verlässt um des Reiches Gottes willen, der es nicht vielfach wieder empfange in dieser Zeit und in der zukünftigen Welt das ewige Leben.

 

Liebe Gemeinde,

„Was habe ich denn davon?“ ist eine Frage, die nicht nur heute unser Leben zu bestimmen scheint. Nein, das war auch schon zu Lebzeiten Jesu der Fall. Wenn wir uns hinsichtlich unseres christlichen Glaubens diese Frage stellen, dann sollten wir über drei Punkte einmal gemeinsam nachdenken:

1. Was ist Nachfolge

Wenn ich nach dem Lohn der Nachfolge frage, dann muss ich zunächst einmal in Erfahrung bringen, was denn Jesus von mir als seinem Jünger erwartet.

Jesus sagt es ganz deutlich, dass Nachfolge einen Bruch mit der bisherigen Welt bedeutet. Wenn Jesus sagt, dass Nachfolge das verlassen von Haus, Frau, Brüder, Eltern und Kindern bedeutet, dann dürfen wir dies natürlich nicht so verstehen, dass Jesus von uns erwartet, dass wir uns scheiden lassen und unsere Schutzbefohlenen im Stich lassen nur um ihm nachzufolgen.

Ich weiß, dass dies manche Glaubensgemeinschaften so verstehen. Dies geht aber schon ganz gewaltig in die Richtung Sekte und hat mit dem, was unser Herr von uns als seinen Nachfolgern erwartet, rein gar nichts mehr zu tun.

Haus, Frau, Brüder, Eltern und Kinder stehen vielmehr für unsere bisherigen festen Lebensgewohnheiten. Jeder von uns hatte sich doch vor seiner Bekehrung sein Leben so einigermaßen gemütlich und komfortabel eingerichtet auch ohne Gott.  Und in diese Komfortzone bricht nun der Herr Jesus ein und fordert uns auf, diese zu verlassen.

Verlassen heißt nicht, diese aufzugeben, sondern aus der Zone herauszukommen und das, was ich vermeintlich selber bestimmt habe, unserem Herrn zu übergeben.

Jesus sein Leben zu übergeben heißt nichts anderes, als dass ich ihm die Regentschaft über mein Leben übertrage. Wer das gemacht hat wird feststellen, dass Jesus in seinem Leben kräftig aufräumt. Alles, was nicht zum Reiche Gottes passt, wird ausgemerzt und alles, was ER von uns erwartet, das legt er liebevoll in unsere Herzen hinein.

Dass dies Probleme mit unserem Umfeld mit sich bringt ist so sicher, wie das berühmte Amen in der Kirche. Aber bei allem, was auch passieren mag, werden wir feststellen, dass ein tiefer innerer Frieden in uns wohnt, der mit all diesen Problemen fertig wird.

Nur so nebenbei bemerkt: Ich habe noch keinen Menschen kennengelernt, der diese Entscheidung bereut hat.

2. Der Lohn Hier und Heute

Kirchen wird ja seit jeher vorgeworfen, dass sie die Menschen auf das Jenseits vertrösten. Das ist aber nicht der Fall und daher kompletter Unsinn.

Jesus sagt klipp und klar, dass seine Nachfolger, die ihm ihr Leben übergeben haben, schon hier auf Erden ein Vielfaches von dem empfangen werden als dass sie gegeben haben.

Das hört sich erst einmal gut an. Aber was ist denn das denn ganz konkret, ein Vielfaches ? Wenn ich Jesus mein Leben übergeben habe, dann lebe ich in einer ständigen Gemeinschaft mit meinem Herrn an meiner Seite.

All das, was mich betrübt, dass will er mit mir gemeinsam durchstehen.

Er will mein ständiger Ratgeber in allen Lebenslagen sein. Nichts in meinem Leben ist ihm zu klein, als dass er sich nicht darum kümmern möchte und nichts ist ihm zu groß, als dass er nicht in der Lage wäre zu helfen.

Gute Freunde stehen uns zwar auch zur Seite. Aber wie das mit irdischen Freunden nun mal so ist, da kommt ein Streit und schon ist die Freundschaft vorbei. Aber Jesus ist unser guter Freund, der uns niemals mehr im Stich lassen wird. Egal, was auch passiert, egal welchen Bockmist wir wieder einmal verzapft haben, er ist und bleibt unser bester Freund.

Wer das nicht glauben mag, der möge bitte das 28. Kapitel des Matthäusevangeliums lesen wo Jesus zu uns sagt: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“. Wenn das mal kein Lohn der Nachfolge schon auf Erden ist.

3. Der Lohn im Himmel

Was uns im Himmel erwartet, das sagt uns Jesus auch ganz deutlich; nämlich das ewige Leben.

Mit dem Tod ist doch sowieso alles aus. Das höre ich immer wieder. Für denjenigen, der mit Jesus nichts am Hut hat, mag dies sicherlich auch so sein. Aber diejenigen, die ihm nachfolgen haben in der Tat rosige Zukunftsperspektiven.

Pfarrer Wilhelm Busch erklärte es einmal so: „Wenn ich hier auf Erden die letzte liebende Hand, die mir zur Seite steht loslassen muss, dann erwartet mich in der gleichen Sekunde auf der anderen Seite mein Herr, der mich liebevoll in seine Arme nimmt und mich ganz herzlich im Himmel willkommen heißt.“ Besser kann man es gar nicht ausdrücken.

Wenn das so ist, und die Bibel zeigt uns an vielen Stellen, dass dies so ist, dann gibt es für uns Christen eigentlich den Tod nicht mehr. Wir gehen nur von unserem irdischen Leben in das ewige Leben über.

Natürlich bin ich traurig, wenn ein geliebter Mensch von uns geht. Ich komme gerade aus dem Urlaub zurück. Ein sehr guter Freund von mir ist während meines Aufenthaltes plötzlich und ohne jedwede Vorwarnung im Alter von 61 Jahren heimgegangen. Natürlich jubel ich nicht vor Freude, dass er nunmehr in der Ewigkeit ist. Natürlich bin ich traurig.

Aber diese Trauer wird immer auch davon überlagert, dass er zwar seinen irdischen Lebensweg beendet hat, aber jetzt im Himmel angekommen ist.

Und eines Tages werde ich ihm wieder begegnen.

Das klingt jetzt natürlich alles ein wenig nach dem bekannten „Friede, Freude, Eierkuchen“. Und daher muss ich noch kurz auf etwas Entscheidendes hinweisen.

Der Lohn des ewigen Lebens wird uns zwar allen angeboten. Aber nur diejenigen, die sich auf Erden für die Nachfolge entscheiden, haben schon hier jeden Tag die absolute Gewissheit, dass sie im Himmel landen werden. Was mit den anderen Menschen passiert, das, liebe Gemeinde soll nicht unser Thema sein.

Unser Thema sollte es hingegen sein, möglichst viele Mitmenschen auf diese Wahlmöglichkeit hinzuweisen.

Damit wir uns auch jeden Morgen in der Frühe daran erinnern, lassen Sie uns nunmehr gemeinsam in den 1. Vers des Liedes „Er weckt mich alle Morgen…“ (EG 452) von Jochen Klepper einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Er weckt mich alle Morgen. Er weckt mir selbst das Ohr.Gott hält sich nicht verborgen, führt mir den Tag empor, dass ich mit seinem Worte begrüß das neue Licht.
Schon an der Dämmerung Pforte ist er mir nah und spricht.

Der Herr segne dich und behüte Dich

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt sie alle ganz herzlich

Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Sonntag, dem Sonntag Rogate. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Lukasevangelium, Kapitel 11, die Verse 5-13. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:
Der bittende Freund

Und er sprach zu ihnen: Wenn jemand unter euch einen Freund hat und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote; denn mein Freund ist gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann, und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon geschlossen, und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben. Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, dann wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, soviel er bedarf. Und ich sage euch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. Wo ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn, wenn er ihn um einen Fisch bittet, eine Schlange für den Fisch biete? oder der ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion dafür biete? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist denen geben, die ihn bitten!

Liebe Gemeinde,

wir alle kennen sicherlich Bedienungsanleitungen. Oftmals sehr hilfreich, manchmal recht lustig und ab und zu schon ein wenig bizarr kommen sie daher. Und da entschließt sich manch einer, es doch zunächst einmal ohne Bedienungsanleitung zu probieren. Manchmal geht es gut, aber meist gehen die Sachen dann doch irgendwie schief.

Brauchen wir auch für unseren Glauben eine Art Bedienungsanleitung? Ich glaube eindeutig Ja. Und eine derartige Bedienungsanleitung für unseren Glauben hat uns unser Herr mit auf  unseren Lebensweg gegeben. Schauen wir uns diese Bedienungsanleitung doch einmal gemeinsam etwas näher an:

1. Klopfet an

Irgendwann haben wir uns alle einmal bekehrt. Gott, der uns schon lange Zeit gesucht hatte, hat uns endlich gefunden und wir haben ihn als unseren Herrn angenommen. Damit ist die Sache mit Gott aber noch nicht vorbei. Bekehrung ist kein einmaliger Akt und dann geht es zurück in das Alltagsleben. Bekehrung ist der erste Schritt in ein neues Leben, ein Leben mit Gott an der Seite.

Wann klopfen wir bei jemandem an? Natürlich in aller Regel dann, wenn wir zu ihm wollen und um Eintritt bitten. Das „Klopfet an“ aus unserem Predigttext bedeutet: Sucht euch eine christliche Gemeinschaft und werdet dort ein aktives Gemeindemitglied.

Das Glaubensleben, vollkommen auf sich allein gestellt, birgt nämlich mancherlei Probleme in sich. Schnell kommen einmal Zweifel auf und allein findet man keine Antworten. Dann ist man natürlich auch versucht, die Sache mit Jesus wieder an den berühmten Nagel zu hängen. Geborgen in einer christlichen Gemeinschaft kann man mit diesen Zweifeln zu den anderen Mitgliedern gehen und diese um Hilfe bitten.

Auch wenn wir uns bekehrt haben bedeutet das ja nicht, dass der Teufel uns aufgegeben hat. Er wird uns nach wie vor nachstellen und versuchen uns in seine Fallen zu locken. Denken wir doch einmal an das Tierreich: Einem Wolf ist es ein leichtes, ein allein herumirrendes Schaf zu reißen. Bei einer Schafherde sieht die Sache schon ein wenig anders aus. Und wenn diese Schafherde dann auch noch von einem Schäfer und seinen Hütehunden bewacht wird, hat der Wolf so gut wie gar keine Chance, ein Schaf zu reißen.

Und so ist es auch in unseren christlichen Gemeinschaften. Geschützt von der Gemeinschaft fällt es dem Teufel sehr schwer, ein Mitglied der Gemeinschaft in seinen Bann zu ziehen. Da uns auch ein Schäfer, nämlich unser Herr zur Seite steht, wird es dem Teufel nicht gelingen, ein Schaf der so wohl behüteten Gemeinde in seine Fänge zu bekommen.

2. Suchet

Wenn wir einmal etwas nicht wissen, dann wird es heutzutage „gegoogelt“. Und schon hat man sehr schnell die gewünschten Ergebnisse. Im Glaubensleben ist es nicht anders. Jemand, der gerade den Weg zum Herrn gefunden hat, steht häufig noch ein wenig orientierungslos da.

Und für diesen Fall gibt es auch eine christliche Suchmaschine. Wir nennen sie die Bibel. Wenn jemand gerade erst den Weg um Herrn gefunden hat, dann braucht er eine Gebrauchsanleitung für seinen Glauben, eine Anleitung eben, wie man Tag für Tag ein gottgefälliges Leben führt.

Und dabei leistet uns die Bibel unschätzbare Dienste. Auch in Ihrem Umfeld gibt es bestimmt Menschen, die jung im Glauben eben noch auf dieser Suche sind. Empfehlen Sie diesen doch einfach einmal die Bergpredigt und den Jakobusbrief zu lesen. Dort allein finden sich schon hunderte von wertvollen Hinweisen auf ein Christenleben, wie es unserem Herrn gefällt.

Wer sich einmal nur mit diesen Kapiteln der Bibel beschäftigt hat, der möchte bald noch mehr von Gott erfahren. Ich empfehle immer, die Bibel doch in einem Dreierscan zu lesen, also beginnend mit dem Ersten Buch Mose, den Psalmen und dem Neuen Testament. Wenn wir jeden Tag ein Kapitel aus diesen Büchern lesen und am Sonntag auch mal zwei, dann haben wir in einem Kalenderjahr einmal unsere Bibel durchgearbeitet.

Natürlich werden wir nicht alles gleich verstehen, was wir dort lesen. Daher der Ratschlag, sich nicht an Stellen festzubeißen, die wir nicht verstehen, sondern einfach weiterzulesen. Viele Stellen der Bibel haben sich mir auch erst nach Jahren erschlossen. Und an etliche Stellen in meiner Bibel prangt auch heute noch ein Fragezeichen. Also nicht verzagen, einfach weitermachen.

3. Bitten

Was muss ich machen, wenn ich von meinem Mitmenschen etwas haben möchte? Ich muss ihn einfach danach fragen. Was mache ich, wenn ich zum Beispiel in einem Lehrgang sitze und etwas nicht verstehe, was der Dozent mir erklärt? Ganz klar, ich muss ihn fragen, damit auch ich das verstehe, was er mir erklären will.

Im Glaubensleben ist dies nicht anders. Nur nennen, dieses Bitten ganz einfach Gebet. Unter Gebet stellen wir uns ja manchmal etwas hochsakrales vor, dass der Einhaltung von ganz bestimmten Riten und einer ganz speziellen Wortwahl bedarf. Liebe Gemeinde, dies ist der größte Unsinn, der aber immer noch gelehrt wird.

Gebet ist nichts anderes als mein ganz persönliches Gespräch mit Gott. Wir können Tag für Tag und dies 24 Stunden lang mit unseren Gebeten vor unseren Herrn treten. Keine Sorge ist zu klein und keine Not zu unbedeutend, dass ER uns nicht helfen möchte, diese zu überwinden. Wir müssen nur eines tun, ihn einfach fragen, was wir tun sollen.

Wenn ich einen guten Freund um seinen Rat bitte und ihm nach meiner Bitte den Rücken zudrehe und das Gespräch auf diese Weise beende, macht mein Rat ersuchen wohl kaum einen Sinn. Wenn ich mich dann später auch noch darüber beschwere, dass dieses Ersuchen vollkommen nutzlos war, dann ist dies einfach nur dumm und dämlich von mir. Wenn ich jemanden um seinen Rat bitte, dann muss ich mir auch die Zeit nehmen, ihm zuzuhören.

Und gleiches geschieht leider häufig auch in unseren Gebeten. Da haben wir wenig Zeit, aber viele Nöte und Sorgen, die wir mal eben schnell vor Gott bringen. Dann kommt noch ein hastiges Amen und schon geht es weiter im Tagesgeschehen. Kein Wunder, dass wir meinen, Gott würde nicht antworten. Wir geben ihm ja gar nicht erst die Gelegenheit dazu.

Es gibt ein christliches Buch mit dem Titel: „Nach dem Amen bete weiter“. Dies will uns sagen, dass wir nach unserem Gebet stets eine Zeit der Stille halten sollen, in welcher wir auf Gottes Antwort warten.

Übrigens: Gott beantwortet alle unsere Gebete und Bitten. Aber nur so, wie es am besten für uns ist. Zwischen dem, was am besten für uns ist und dem was wir gerne möchten da klaffen manchmal Welten. Und so sind wir dann auch enttäuscht, wenn wir nicht das bekommen, um was wir Gott gebeten haben. Gott ist aber kein Gebetserfüllungsautomat, sondern unser  Herr, der stets das Beste für uns möchte.

Und da kann es auch schon einmal sein, dass er Nein sagt zu unserem Anliegen. Das kann ein vollkommenes Nein sein oder aber auch ein Nein, jetzt noch nicht. Und wenn es beim Nein bleibt, dann sollten wir Gott fragen, wan denn anstelle des Erbetenen für uns besser wäre. Auch auf diese Fragen werden wir von Gott Antworten erhalten.

Lassen Sie uns also niemals aufhören, anzuklopfen, zu suchen und zu bitten. Wenn wir dies tun, dann leben und erleben wir ein erfülltes Christenleben in welchem Gott so wirken kann, wie ER es sich vorstellt.

Dieses von Gott geführte und geleitete Christenleben beschreibt der Liederdichter Benjamin Schmolck sehr schön in dem zweiten Vers seines Liedes: „Tut mir auf die schöne Pforte…“ (EG 166), der da lautet, wie folgt:

Ich bin, Herr, zu dir gekommen, komme du nun auch zu mir.
wo du Wohnung hast genommen, da ist lauter Himmel hier.
Zieh in meinem Herzen ein, lass es deinen Tempel sein.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,
Ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.
Es grüßt Sie alle ganz herzlich

Ihr
Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Ostermontag. Den Predigttext für den heutigen Osterfeiertag finden wir im 24. Kapitel des Lukasevangeliums, die Verse 36-45. Lassen Sie uns diesen zunächst gemeinsam lesen:

Jesu Erscheinung vor den Jüngern

Als sie aber davon redeten, trat er selbst, Jesus, mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch ! Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist. Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz ? Seht meine Hände und meine Füße, ich bin’s selber. Fasst mich an und seht; denn eine Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe. Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und die Füße. Als sie aber noch nicht glaubten vor Freude und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen ? Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor. Und er nahm’s und aß vor ihnen. Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen. Da öffnete er ihnen das Verständnis, so dass sie die Schrift verstanden.

Liebe Gemeinde,

seit Ostern ist also der Weg für uns zu Gott wieder offen. Wie sollen wir denn damit umgehen, wir, jeder unter uns ganz für sich persönlich? Dafür hat unser Predigttext einige Ratschläge parat. Lassen Sie uns diese heute einmal gemeinsam kurz betrachten.

1. Lass Dich überraschen

Wenn wir uns den Predigttext anschauen, dann stand Jesus auf einmal mitten unter den Jüngern. Es gab also keine vorherige Ankündigung oder gar eine Terminvereinbarung. Nein, Jesus kam einfach so, vollkommen unangemeldet.

Und dies, liebe Gemeinde, ist auch heute noch der Fall. Jesus klopft ganz plötzlich bei uns an an und begehrt um Einlass und Gehör. Das setzt aber voraus, dass wir uns, wie die Jünger damals auch von Jesus unterbrechen lassen.

Im realen Leben sieht dies bei uns häufig ganz anders aus. Denken wir nicht auch manchmal: „Jesus, jetzt bitte nicht. Ich muss was ganz wichtiges erledigen. Lass uns die Sache doch heute Abend besprechen oder besser noch am nächsten Sonntag. Da habe ich doch wieder eine Stunde Zeit für Dich.“ Auch wenn dies jetzt ein wenig überzogen ist, aber wenn der Herr unvermittelt bei uns anklopft sind wir häufig nicht bereit, uns von ihm unterbrechen zu lassen.

Schlimmer noch, damit wir überhaupt mitbekommen, dass der Herr bei uns anklopft, müssen wir auch unsere inneren Antenne auf ihn ausgerichtet haben. Und dabei hapert es auch häufig. Oftmals sind die Antennen überlagert von unseren Sorgen, unserer Arbeit und allem anderen, was uns beschäftigt. Das ist häufig bei Menschen der Fall, die zu uns sagen: „Ich erlebe ja gar nichts mit Jesus.“ Meist sind deren Antennen so überlagert, dass sie es gar nicht mitbekommen,wenn der Herr mit ihnen reden möchte.

Also lassen Sie uns unsere Antennen immer neu auf den Herrn ausrichten. Am besten funktioniert das übrigens morgens in einem Gebet. Und dann lassen wir es doch auch zu, dass der Herr unseren Alltag unterbricht. Und wenn er dies tut, dann nehmen wir uns doch auch die Zeit für ihn. Eines dürfen wir ganz sicher wissen, ER wird uns niemals zu unserem Schaden unterbrechen.

2. Der Gottesbeweis

Da stand nun Jesus mitten unter ihnen und was taten die jünger ? Sie zweifelten an der Erscheinung und waren der festen Meinung, es sei ein Geist, der hier sein Unwesen treibt. Erst als Jesus ihnen den Beweis lieferte, waren sie davon überzeugt, dass es tatsächlich der Herr war, der mitten unter sie getreten ist.

Liebe Gemeinde, daran hat sich bis heute nichts geändert. Wenn uns Jesus gegenübertritt, dann haben wir doch auch schnell das  Zitat „Also schloss er messerscharf, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.“ im Hinterkopf.

Unsere Umwelt tut dies häufig mit den Worten „Frommes Wunschdenken“ ab, wenn wir über Begegnungen mit unserem Herrn reden. Und genau darum möchte uns Jesus auch heute noch den Beweis seiner Echtheit liefern.

Er will jeden einzelnen von uns ganz persönlich davon überzeugen, dass er es tatsächlich ist. Jesus liebt die Zweifler, er liebt sie vielleicht sogar mehr, als diejenigen, denen alles, was ihnen an theologischer Kost vorgesetzt wird immer vorbehaltlos glauben. Jesus möchte uns zu mündigen Gotteskindern machen. Und da gehört die gesunde Skepsis und der gesunde Zweifel natürlich dazu.

Wie erfahren wir denn heute im 21. Jahrhundert, dass es sich eben nicht um einen Geist handelt, sondern um unseren Herrn ganz persönlich? Nun, liebe Gemeinde, indem wir uns auf ihn einlassen und eine Beziehung zu ihm eingehen.

Der erste Schritt dazu ist natürlich das Gebet, was ja nichts anderes ist, als das Reden mit Gott. Gott lädt uns dazu ein, mit ihm zu reden, auf ihn zu hören und ihn an unserem realen Leben teilhaben zu lassen. So können wir tatsächlich zu prüfen, ob es ihn gibt. Zu dem Gebet kommt noch sein Wort, die Bibel, hinzu.

Wenn ich mit jemandem eine Beziehung eingehen möchte, dann möchte ich doch möglichst viel von ihm erfahren. Was will er von mir? Wie ist er denn so? Was haben andere mit ihm so alles erlebt? Das alles, liebe Gemeinde, erfahren wir in der Bibel.

3. Unsägliche Freude

Sie kennen bestimmt den Ausdruck „Zu schön, um wahr zu sein“. Genau das erlebten die Jünger auch, als sie erkannten, dass es tatsächlich der auferstandene Herr war, der mitten unter ihnen weilte.

Glaube hat so rein gar nichts mit Gefühlsduselei zu tun. Diese österliche Freude, die die Jünger erfahren haben, wurde durch die tiefe Freude ausgelöst, die der Herr ihnen in ihre Herzen gelegt hatte.

Und diese tiefe Freude will uns der Herr Jesus auch heute noch in unsere Herzen legen. Diese tiefe Freude kann man eigentlich gar nicht beschreiben. Wenn ich jetzt einmal fragen würde: Was haben Sie gefühlt als sie erkannt haben, dass der auferstandene Herr gerade mit ihnen redet ? Dann würde jeder seine Freude wohl ein wenig anders beschreiben. Aber eines würde uns alle einen, nämlich die Aussage, dass diese Freude so groß und herrlich ist, das sie einfach nicht mit menschlichen Worten ausgedrückt und erklärt werden kann.

Und genau diese Freude hat nichts mit Gefühlsduselei zu tun. Diese Freude ist real und durch den Herrn tief in uns verwurzelt. In den orthodoxen Kirchen kennt man das Osterlachen, welches auch an diese tiefe Freude erinnern will, die der Herr in unsere Herzen legt.

Auch wenn morgen wieder der Alltag beginnt, so  lassen sie uns immer in der festen Gewissheit unsere Wege gehen, dass uns niemand diese Osterfreude mehr nehmen kann. Egal, welch dunkle Schatten sich auch über uns befinden mögen, die Osterfreude die der Herr in unsere Herzen verankert hat kann auch in dunklen Schatten noch die Sonne sehen. Und das nicht nur zu Ostern, sondern unser ganzes Leben lang.

Lassen wir uns doch wieder häufiger von Jesus unterbrechen und leben wir doch wieder in einer lebendigen Beziehung mit unserem Herrn. Wenn wir dies tun, dann wird uns immer häufiger diese Osterfreude übermannen.

Wenn wir uns immer wieder mit dieser Osterfreude erfüllen lassen, dann erleben wir sicherlich auch immer wieder das, was der Liederdichter Paul Gerhardt in dem ersten Vers seines Liedes „Die güldne Sonne…“ (EG 449) beschreibt, der da lautet, wie folgt:

Die güldne Sonne voll Freud und Wonne
bringt unsren Grenzen mit ihrem Glänzen
ein herzerquickendes, liebliches Licht.
Mein Haupt und Glieder, die lagen darnieder;
aber nun steh ich, bin munter und fröhlich,
schaue den Himmel mit meinem Gesicht.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Ostermontag und eine Woche voller Osterfreude im Herzen.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Sonntag, dem Sonntag Estomihi. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 10. Kapitel des Lukasevangeliums, die Verse 38-42. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Maria und Marta

Als sie aber weiterzogen, kam er in ein Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die nahm ihn auf. Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; die setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu. Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr, fragst du nicht danach, das mich meine Schwester allein lässt dienen? Sage ihr doch, dass sie mir helfen soll! Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr: Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.

Liebe Gemeinde,

von zwei Lebenseinstellungen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, haben wir soeben gehört. Beides sind übrigens Lebensstile oder Lebenseinstellungen, die wir immer wieder vorfinden. Auch in unseren Gemeinden. An beiden ist nichts auszusetzen; oder etwa doch ? Schauen wir uns doch einfach einmal an, was unser Herr dazu sagt.

1. Der körperliche Dienst

Als Marta sah, dass Jesus zu Besuch kam, kam ihr als erstes der Gedanke, dass es doch wohl an der Zeit wäre, für einen derart hohen Besuch das Heim herzurichten und alles, wie man so schön sagt auf Vordermann zu bringen.

Wer selber einen Haushalt zu versorgen hat, der kann sicherlich ein Lied davon singen, was es so alles mit sich bringt, wenn ein hoher Besuch sich plötzlich ankündigt.

Ähnlich geht es zu, wenn in unseren Gemeinden Aufgaben erledigt werden müssen. Immer finden sich Menschen, die zupacken und ohne die so manche Vorhaben gar nicht in die Tat umgesetzt werden könnten. Getrieben von dem Vorsatz, einfach etwas Gutes tun zu wollen, erklären sich viele Menschen bereit spontan zu helfen. Die Einstellung dieser Menschen ist mit der Marta aus unserem Predigttext vergleichbar.

Und doch sagt Jesus im Umkehrschluss zu Marta, dass sie das schlechte Teil erwählt hat. Ich weiß nicht, wie es ihnen geht, aber wenn ich jemandem ganz uneigennützig helfe, indem ich ihm seinen Besuch bei mir so angenehm wie möglich gestalten möchte und ich bekomme dann so etwas an den Kopf geworfen, wäre ich zumindest ein wenig „verschnupft“.

Aber Jesus meint das natürlich ganz anders. Er sagt zu Marta, die alle Oberflächen des Hauses poliert und alles sauber und rein für den Besuch gemacht hat: Marta, du hast die Oberflächen gereinigt, aber auch geistig bist du an der Oberfläche geblieben. Mir kommt es auf etwas ganz anderes an.

2. Der geistige Dienst

Jesus möchte nicht, dass wir in operativer Hektik einher rennen und so mit Riesenschritten in den christlichen Burnout hineinrennen. Das, liebe Gemeinde, ist übrigens ein Kennzeichen von allen Sekten, die von ihren Mitgliedern Aktionismus bis zum Umfallen verlangen. Schauen Sie doch nur einmal den Dienstplan eines Zeugen Jehovas an.

Was möchte Jesus denn dann, wenn er das, was Maria tat als „das gute Teil“ bezeichnet?

Jesus möchte als erstes einmal von uns, dass wir zur Ruhe kommen. Jeder von uns kennt sie doch auch, diese Alltagshektik, die immer mehr von uns verlangt und uns letztlich immer unkonzentrierter werden lässt. In immer kürzerer Zeit immer mehr leisten, das ist doch häufig die Maxime unserer heutigen Zeit. Genau das will Jesus nicht. Jesus möchte, dass wir zunächst einmal innerlich Atem holen und uns entspannen und unseren Geist frei machen.

Dann sollen wir in seine Gegenwart treten, indem wir uns zu seinen Füßen setzen. Wenn wir uns ganz entspannt in die Gegenwart unseres Herrn begeben, dann werden wir merken, dass neben der innerlichen Ruhe ein tiefer innerer Frieden Einzug bei uns hält. Und genau diesen tiefen inneren Frieden sollen wir auf uns und in uns wirken lassen.

Und dann, und genau erst dann, sind wir bereit um ihn zu hören. In der Stille schaffen wir die Bereitschaft, dass Gott seinen Frieden in uns sendet und in diesem Frieden werden unsere inneren Augen und Ohren geöffnet, die sein Wort so wahrnehmen und verstehen, wie er es denn auch will.

Das, liebe Gemeinde, geht natürlich nicht in unserem normalen Alltagsgeschehen. Dazu bedarf es immer wieder Momente der Ruhe. Aus diesem Grunde beten die Mönche auch die Stundengebete, damit sie sich immer wieder auf den ausrichten, auf den es wirklich ankommt.

Fangen wir doch einfach einmal an, es den Mönchen nachzutun. Wie oft stehen wir im Stau auf dem Weg zur Arbeit? Warum nicht einfach diese Zeit für ein Gespräch mit Gott nutzen. Warum können wir anstelle des MP3-Players auf dem Weg zur Arbeit diese Zeit nicht für ein Gespräch mit Gott nutzen? Wir sehen, es gibt vielfältige Möglichkeiten auch in unserem Alltag, um es Maria nachzutun.

3. Das noch bessere Teil

Jesus sagte ja schon zu Marta, dass Maria das bessere Teil erwählt hat. Ich behaupte jetzt einfach einmal, dass es ein noch besseres Teil gibt; nämlich das Teil, welches dabei herauskommt, wenn wir die ersten beiden Punkte unseres Predigttextes miteinander verbinden.

Zunächst einmal können wir es Maria nachmachen, indem wir uns zu des Herren Füßen setzen und seiner Rede zuhören. Johannes der XXIII sagte einmal, dass ihm im Traume sein Schutzengel erschienen sei und zu ihm gesagt hat: „Nimm dich nicht so wichtig, nimm Dir Zeit für Gott“. Dem ist sicherlich nichts hinzuzufügen.

Wenn wir Gott so zu uns reden lassen, dann werden wir auch erfahren, welche ganz speziellen guten Werke er denn uns ganz persönlich auftragen möchte Und wenn wir aufmerksam auf ihn hören, dann stochern wir auch nicht mehr ziel- und planlos im großen Topf der guten Taten herum. Nein, dann machen wir genau das, was Gott von uns erwartet.

Wie der Glaube ohne gute Werke ein toter Glaube ist, so können auch die guten Werke ohne den Glauben bzw. ohne Gottes Auftrag tote Werke sein, die so rein gar nichts bewirken, weil wir dafür vieleicht auch gar nicht vorgesehen sind.

Wenn wir allein auf Gott hören und nur das tun, was er uns sagt, dann werden wir unsere Aufgaben auch nicht mehr als frustrierte Christen wahrnehmen, sondern ausgestattet mit seiner Leichtigkeit fröhlich unseren Dienst versehen.

Ein befreundeter Prediger sagte vor kurzem zu mir: „Weißt Du, ich gehöre nicht nur allein Jesus Christus, sondern ich höre auch nur allein auf Jesus Christus.“ Gewiss eine Steilvorlage für unseren Glaubensweg. Vielleicht probieren wir es in den nächsten Tagen einfach mal selber aus.

Wie wir beide Wege zusammenbringen das beschreibt der Liederdichter Salomo Liscow sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes „In Gottes Namen fang ich an…“ (EG 494), der da lautet, wie folgt:

In Gottes Namen fang ich an, was mir zu tun gebühret;
mit Gott wird alles wohlgetan und glücklich ausgeführet.
Was man im Namen Gottes tut, ist allenthalben recht und gut
und kann uns auch gedeihen.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen frohen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich zum heutigen Gottesdienst am 12.02.2017, dem Sonntag Septuagesimae. Ja, wir gehen wieder zielstrebig Richtung Ostern, wie es der Name des heutigen Sonntages schon besagt. Den Predigttext für den heutigen Sonntag, und der geht auch schon ein wenig Richtung Ostern, finden wir im Lukasevangelium, Kapitel 17, die Verse 7-10. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Vom Knechtslohn

Wer unter euch hat einen Knecht, der pflügt oder das Vieh weidet, und sagt ihm, wenn er vom Feld heimkommt: Komm gleich her und setz dich zu Tisch? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Bereite mir das Abendessen, schürze dich und diene mir, bis ich gegessen und getrunken habe; danach sollst du auch essen und trinken? Dankt er etwa dem Knecht, dass er getan hat, was befohlen war ? So auch ihr ! Wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.

Liebe Gemeinde,

eigentlich ja kein besonders erbauender Text, den wir soeben gehört haben. So erging es mir auch, als ich ihn zum ersten Male gelesen habe. Und dann fiel mir auf, dass sich im Hinblick auf Ostern hinter dieser Geschichte noch eine ganz andere Botschaft verbirgt. Lassen Sie uns diese beiden Geschichten heute Morgen einmal gemeinsam betrachten.

1. Der Knecht

Knechte gibt es heute so gut wie gar nicht mehr. Für die Jüngeren daher der Hinweis, dass es sich bei einem Knecht um einen ganz normalen Arbeitnehmer handelte, der im Bereich der Landwirtschaft tätig war. Heute würde man vielleicht „Assistent Manager im Agrarwesen“ dazu sagen. Nur der guten Ordnung halber: Es gab natürlich auch weibliche Bedienstete, welche als Mägde bezeichnet wurden.

Lassen Sie uns doch einmal zusammen anschauen, was denn einen Knecht, eine Magd so ausmacht.

1. Der Arbeitnehmer: Der Knecht ist ein ganz normaler Arbeitnehmer. Als solcher gibt ihm sein Dienstherr direkte Anweisungen, die er zu befolgen hat. Zugleich ist sein Arbeitgeber auch sein Disziplinarvorgesetzter, der über zu ergreifende Maßregeln entscheidet, wenn es bei dem Knecht zu einem Fehlverhalten kommen sollte.

Im Ausgleich dazu erhält der Knecht einen im Voraus vereinbarten Arbeitslohn für seine Dienste. Mit seiner Arbeitskraft und der daraus resultierenden Lohnzahlung sind beide Vertragsparteien ihrer Pflichten entledigt.

2. Der soziale Status: Bei dem Knecht und dem Vorgesetzen liegt das typische Über/Unterordnungsverhältnis vor. Der Chef sagt, was zu tun ist und der Mitarbeiter hat dies zu machen. Während der Gutsherr früher im Herrenhaus lebte, seine Mahlzeiten einnahm und auch den Rest seines Lebens dort verbrachte war für die Knechte und Mägde ein Gesindehaus vorgesehen.

Früher war es ein besserer Stall, der gerade einmal mit dem notwendigsten ausgestattet war, um darin so halbwegs über die Runden kommen zu können. Also schon ein ganz gewaltiger Unterschied, wenn man einmal die Lebensqualität betrachtet.

Gutsherren untereinander pflegten auch ausschließlich den Umgang untereinander. Es war also undenkbar, dass ein Gutsherr mit dem Knecht eines befreundeten Gutsherren eine freundschaftliche Beziehung pflegte. In den meisten Fällen wurden die Knechte und Mägde wie Luft behandelt, die eigentlich gar nicht existierten.

3. Das Alter: Wenn der Knecht Glück hatte, wurde ihm in der hintersten Ecke des Gesindehauses seines ehemaligen Dienstherren eine kleine Kemenate zugewiesen, wo er sein Rentnerdasein fristen konnte. In den meisten Fällen wurden die Knechte im Alter aber schlicht und ergreifend an die Luft gesetzt, wenn sie ihre Leistung nicht mehr erbringen konnten.

In romantischen Erzählungen der früheren Jahrhunderte blendete man dies häufig aus oder beschönigte das Ganze. Aber, was wir soeben gehört haben, genau das war die knallharte Realität.

Und diese knallharte Realität gibt es auch heute noch für die Menschen, die den Weg zum Glauben verweigern. Die anderen, also auch wir, sind aus der Knechtschaft herausgetreten und in den Stand der Gotteskindschaft erhoben worden. Den entscheidenden Schritt dafür tat Jesus, als er uns die Türe zum Vaterhaus mit seinem Kreuzestod für unsere Sünden wieder ganz weit aufgestoßen hat.

Durchgehen durch diese Tür müssen wir freilich ganz aus eigenen Stücken. Es wird keiner in den Himmel geschubst oder gestoßen.

Und jetzt wollen wir uns doch einmal unseren Status als Gotteskinder gemeinsam anschauen.

Stellen wir uns doch zusammen die wichtigste Frage, die es gibt: Warum sollte ich den Schritt wagen vom Knecht zum Gotteskind?

1. Der Arbeitnehmer: Der Knecht, so haben wir es gesehen, ist ein ganz normaler Arbeitnehmer. Das Gotteskind unterscheidet sich hier schon einmal grundlegend. Als Gottes geliebte Kinder sind wir mit ihm zusammen an dem Auf- und Ausbau seines Reiches beteiligt. Wir sind nicht mehr die reinen Befehlsempfänger, sondern wir werden von Gott unterwiesen, wie wir dazu beitragen können, sein Reich aufzubauen.

Den eigentlichen Arbeitseinsatz üben wir aber selbständig aus. Und dabei kann es auch mal passieren, dass wir mit unseren Aktionen fatal danebenliegen und vielleicht sogar mehr Schaden als Nutzen anrichten. Dann greift aber eben kein disziplinarischer Richter namens Gott zu seiner Peitsche und maßregelt uns nach allen Regeln der Kunst. Dann nimmt uns Gott liebevoll und väterlich an die Seite und zeigt uns den etwas besseren Weg, den wir anstelle unseres Weges einschlagen können.

2. Der soziale Status: Ab dem Moment unserer Bekehrung werden wir von Gott als Kind in seine Familie aufgenommen. In dieser Familie hat der Vater freiwillig Fürsorgepflichten für alle seine geliebten Kinder übernommen.

Diese Fürsorgepflichten sind im Gegensatz zu einem Knecht von unserer eigenen Leistung vollkommen unabhängig. Unser Vater im Himmel sorgt allezeit für uns, daher ist es für uns als Gottes geliebte Kinder auch vollkommen unnötig, wenn wir uns in unserem Leben Sorgen machen.

Alles, was dem Vater gehört, das gehört uns auch, so lesen wir es im Gleichnis von dem verlorenen Sohn. Wir dürfen also, wenn wir es so wollen, aus dem Vollen schöpfen. Alles, was es im Reich Gottes gibt gehört uns gemeinsam.

So, jetzt haben wir die Sache mit dem Über- und Unterodnungsverhältnis Gott gegenüber geklärt. Aber es gibt ja unter den dienstverpflichteten Knechten auch eine gewisse Rangordnung. Und diese Rangordnung, diese Rangordnung gibt es im Reiche Gottes auch nicht mehr. Jeder, der in dieses Reich kommt, hat die gleichen Rechte und Pflichten. Jeder, aber auch wirklich jeder ist gleich wichtig.

Und damit liebe Gemeinde tun wir uns manchmal schon ein wenig schwer. Machen wir es uns doch immer wieder bewusst, dass wir als bekehrte Christen untereinander eine riesengroße Familie sind, in der z.B. Papst Franziskus genauso wichtig ist wie ein jeder von uns. In der Familie Gottes gibt es keine Rangordnungen. Wir alle haben nur einen Herrn, unseren Vater im Himmel. Und der gibt einem jeden das auf, was er zu tun in der Lage ist.

Untereinander haben wir kein Recht und keine Berechtigung über einen anderen Christen zu herrschen. Das heißt nicht, dass wir ihm nicht zur Seite stehen sollen, wenn er einmal in die Irre gehen sollte. Aber nicht in der guten alten Gutsherrenmanier sondern in liebevoller Hilfe.

3. Das Alter: Wenn wir einmal nicht mehr können, wenn uns das Alter gewisse Beschränkungen auferlegt, dann werden wir von Gott nicht einfach an die Seite geschoben. Gott sorgt auch dann weiter für uns, wenn wir augenscheinlich so gar nichts mehr für den Ausbau seines Reiches tun können. Nach wie vor bleiben wir seine geliebten Kinder.

Der größte Unterschied zum Knecht ist nämlich der, dass wir als Gottes Kinder auch seine Erben sind. Wir haben einen von Gott verbrieften Erbanspruch, der uns schon hier auf Erden zugesprochen wird. Dieser Erbanspruch berechtigt uns nämlich in den Himmel zu kommen.

Als Gottes Kinder werden wir mit unserem Ableben auf Erden im gleichen Moment von unserem Herrn Jesus im Himmel als seine heimgehenden Kinder willkommen geheißen.

Jetzt könnte ja jemand auf die Idee kommen und uns sagen, dass es im Himmel ja doch recht langweilig ist, so auf einer Wolke zu sitzen, christliche Lieder zu singen und ansonsten nichts zu tun zu haben. Das ist aber nicht der Fall. Wenn wir unsere Bibel zu Rate ziehen, dann lesen wir, dass wir im Himmel mit unserem Herrn zusammen regieren werden. Wir werden eines Tages sogar über die Engel zu Gericht sitzen.

Mit Gott zusammen zu sein, mit ihm zusammen zu regieren und stetig von seiner Liebe durchflutet zu werden, was kenn es eigentlich schöneres geben? Grund genug, dass wir unseren Mitmenschen die es noch nicht wissen, die also noch als Knechte unterwegs sind, diesen Königsweg aufzeigen, damit wir später einmal mit ihnen zusammen in der Gegenwart unseres Herrn leben.

Die Annahme von uns als Gottes Kinder beschreibt der Liederdichter Erdmann Neumeister sehr schön in dem 8. Vers seines Liedes: „Jesus nimmt die Sünder an…“ (EG 353), der da lautet, wie folgt:

Jesus nimmt die Sünder an; mich hat er auch angenommen
und den Himmel aufgetan, dass ich selig zu ihm kommen
und auf den Trost sterben kann: Jesus nimmt die Sünder an.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche uns allen noch einen gesegneten Sonntag und eine ganz tolle neue Woche unter der immerwährenden Erkenntnis, dass wir vom Knecht zum geliebten Kind erhoben worden sind.

Bleiben Sie alle wohlbehütet.
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 4. Sonntag im Advent. Den Predigttext, der uns schon einmal auf das bevorstehende Weihnachtsfest einstimmt, finden wir im 1. Kapitel des Lukasevangeliums, die Verse 26-33 und 38. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Die Ankündigung der Geburt Jesu

Und im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die da heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die vertraut war einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und die Jungfrau hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mir dir! Sie aber erschrak über die Rede und dachte: Welch ein Gruß ist das? Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. Der wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird König sein über das Haus Jakob in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben. Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der Engel schied von ihr.

Liebe Gemeinde,

ein Engel erscheint Maria und erteilt ihr, wenn wir es denn mal so nennen wollen, einen göttlichen Auftrag. Wie das vonstattengeht das wollen wir uns heute Morgen einmal zusammen anschauen.

1. Fürchte dich nicht

Sie werden mir sicherlich zustimmen, wenn ich einmal behaupte, dass der Besuch eines Engels auch für uns heute nichts Alltägliches ist. Wie würden wir reagieren, wenn wir auf einmal einem Engel gegenüberstehen?

Ich gehe einmal davon aus, dass wir zumindest erstaunt, ich sogar ein wenig ängstlich wäre. Und diese Angst, aber auch die Angst allgemein machen starr. Wenn wir richtig ängstlich sind, dann sind wir zumeist geistig, aber auch körperlich relativ unbeweglich. Körperlich reagieren wir allenfalls mit Flucht, aber nicht mit einem „auf das zugehen“, was da passiert.

Also sagte der Engel zunächst einmal die beruhigenden Worte „Fürchte dich nicht“. Dieses „Fürchte dich nicht“ finden wir übrigens auch an anderen Stellen der Bibel, nämlich immer dann wenn
die göttliche Welt und die menschliche Welt zusammentreffen.

Erst dann, wenn uns Menschen die Furcht genommen wird, die wir vor der Begegnung mit der göttlichen Welt haben, erst dann wird unser Blick wieder klar. Wir können wieder klar denken und verstehen und sind aufnahmebereit für das, was uns Gott sagen möchte.

Wenn wir es so wollen, dann ist jedes „Fürchte dich nicht“ eine Vorbereitung auf ein Wort Gottes, das uns ganz persönlich ereilen soll.

2. Die Aufgabe

Eine Aufgabe wie Maria werden wir sicherlich nicht erhalten. Aber unser Herr hat für jeden Menschen in seinem Leben mannigfache Aufgaben parat. Diese Aufgaben sollen wir mit einem von Furcht befreiten Herzen ausüben.

Wir Menschen teilen ja immer gern alles in Kategorien ein. So machen wir dies häufig auch mit Gottes Aufgaben, die er uns gibt. Manch eine Aufgabe erscheint uns dabei sicherlich als zu groß und zu schwer, um sie zu bewältigen. Vielleicht denken wir insgeheim, dass andere Menschen doch viel besser für diese Aufgabe geeignet sind, als wir es sind.

Daher lassen Sie uns immer daran denken, dass Gott nicht die besonders fähigen Menschen beauftragt, sondern dass Gott die Menschen befähigt, denen er eine Aufgabe erteilt. Egal, wie groß und unlösbar uns eine Aufgabe Gottes an uns auch erscheinen mag, wir sollen einfach losgehen und Gottes Auftrag ausführen. ER, der uns beauftragt hat, wird auch dafür sorgen, dass wir die dafür notwendigen Fähigkeiten und Fertigkeiten erlangen.

Denken wir nur einmal an die ersten Bücher des neuen Testamentes, insbesondere an das 2. Buch Mose. Erinnern wir uns doch daran, wie Mose sich selber für vollkommen ungeeignet hielt, sein Volk aus Ägypten zu führen. Aber trotzdem vertraute er der Zusage seines Herrn und marschierte tapfer drauflos. So sollen wir es auch machen. Aber niemals dabei den Herrn aus den Augen verlieren, denn er ist des, der die Dinge letztendlich steuert und lenkt.

Die andere Kategorie der Aufgaben ist diejenige, die uns zu einfach sind. Wir sind doch schließlich für höhere Aufgaben auf der Welt gemacht, da muss ich doch nicht die Stühle im Gemeindezentrum schleppen. Aber Achtung, liebe Gemeinde, nur wer im Kleinen treu ist, der ist dies auch im Großen.

Lassen Sie uns also die Aufgaben unseres Herrn nicht hinterfragen. Sowohl die einfachen, als auch die vermeintlich schwierigen Dinge wollen erledigt werden. Egal, wozu uns der Herr auch immer berufen mag, folgen wir doch diesem Ruf mit ganzem Herzen.

3. Das große Ja

Wie wir soeben gehört haben, ist es ganz wichtig, dass wir ein ganz großes JA zu unserer Aufgabe sagen. Wir sollen alles daran setzen, um unsere Aufgabe so zu erfüllen, wie es der Herr von uns erwartet.

In unserem Predigttext stehen zwei Worte, die man schnell überliest; nämlich die Worte Marias „Mir geschehe…“ Diese Worte drücken eine gewisse Passivität aus. Maria möchte damit vielleicht zum Ausdruck bringen, dass sie erkannt hat, dass da jemand im Hintergrund ist, der die Fäden der kommenden Geschehnisse ganz fest in Händen hält.

Es liegt eben nicht alles in meinen Händen, wenn es darum geht, Gottes Aufgaben gerecht zu werden. Es ist immer jemand da, der wenn ich ihm voll und ganz vertraue im Hintergrund die Fäden zieht und mich nicht fallen lässt. Er ebnet mir den Weg, den ich gehen soll. Er räumt die Steine auf dem Weg zur Seite oder leitet mich um diese herum. Und er fängt mich auf, sollte ich einmal straucheln und ins Stolpern geraten.

Diesen einen sehen wir heute und noch über die Weihnachtstage in der Krippe liegen. Und dieser eine lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit und regiert auch heute noch das Leben all seiner Jünger, die sich zu ihm bekennen.

Sagen wir doch auch zu unserem Heiland Marias Worte „Mir geschehe…“ und gehen dann, wie es die Bibel so schön sagt, getrost und unverzagt unseren Weg. Wenn wir dies ehrlichen Herzens tun, dann liebe Gemeinde erleben wir nicht nur in der Weihnachtszeit Gottes spürbare Liebe in und um uns herum. Nein, dann erleben wir diese Liebe jeden Tag, den wir hier auf Erden leben.

Die richtige Einstellung dazu beschreibt der Liederdichter Paul Ernst Ruppert sehr schön in seinem Lied „Er ist die rechte Freudensonn…“ (EG 2), welches lautet, wie folgt:

Er ist die rechte Freudensonn, bringt mit sich lauter Freud und Wonn.
Gelobet sei mein Gott.
All unsre Not zum End er bringt, derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott.
Dein Heilger Geist uns führ und leit den Weg zur ewgen Seligkeit.
Gelobet sei mein Gott.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten 4. Advent und eine beschauliche, etwas ruhigere Woche zur Einstimmung auf das Weihnachtsfest.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 4. Sonntag nach Trinitatis. Eine zentrale Fragestellung sollte unter uns Christen auch diejenige sein, wie wir mit unserem Nächsten umgehen. Auf diese Frage hat unser heutiger Predigttext dann denn auch die richtige Antwort. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei dem Evangelisten Lukas im 6. Kapitel, die Verse 36-42. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Von der Stellung zum Nächsten

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr auch nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben. Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen. Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? Der Jünger steht nicht über dem Meister; wenn er vollkommen ist, so ist er wie sein Meister. Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr? Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du sieht selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge und sieh dann zu, dass du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst!

Liebe Gemeinde,

unser Predigttext liefert uns dann auch gleich mehrere Hinweise, wie wir mit unserem Nächsten umgehen sollten. Lassen Sie uns ein paar dieser Ratschläge heute Morgen einmal gemeinsam bedenken.

1. Richtet nicht

Dann sollen wir also alles ganz stoisch und gelassen mit uns machen lassen. Das, liebe Gemeinde, ist nicht mit der Aussage des „Richtet nicht“ gemeint. Auch sollen wir nicht zu allem das vielzitierte „Ja und Amen“ sagen. Wenn wir sehen, dass ganz offensichtlich gegenüber christlichen Werten verstoßen wird, dann haben wir die Aufgabe, aufzustehen und unseren Widerstand dagegen kundzutun.

Wenn immer mehr Kinder abgetrieben werden, dann haben wir aufzustehen und zu sagen, dass dies ganz einfach Mord und ganz bestimmt nicht Gottes Wille ist. Wenn Sitte und Moral immer mehr verkommen, dann müssen wir der Fels in der Brandung sein, der eben nicht alles mitmacht, was der mainstream ebenso für richtig und moralisch und ethisch hält.

Was ist aber dann gemeint mit diesem „Richtet nicht“? Bei dem Wort richten denken wir auch gleich an das Wort Urteil. Und vor dem Urteil gibt es die Vorurteile. Und genau diese sind hier gemeint mit dem „Richtet nicht“.

Wie schnell sind wir doch mit Vorurteilen bei der Hand. Da werden Zeitungsmeldungen ganz gezielt gegen Flüchtlinge lanciert und wir stimmen gleich lauthals mit ein. Da wird ein bekannter Wettermoderator durch eine noch bekanntere Tageszeitung öffentlich demontiert. Und wir, wir stoßen schnell in das gleiche Horn.

Als Christen sollen wir uns gegenüber dem Nächsten, dem etwas vorgeworfen wird, unvoreingenommen verhalten. Wir sollen prüfen und nicht nachplappern. Wir sollen dem Nächsten die Chance geben, sich gegen erhobene Vorwürfe zur Wehr zu setzen und nicht gleich, wenn auch nur verbal, auf diesen losschlagen.

Wir sollten immer an den Balken in unserem Auge sehen und uns zuerst diesem zuwenden, bevor wir den Nächsten verurteilen.

2. Verdammt nicht

Verdammung bedeutet in seinem Wortsinn: Auf ewig ausschließen. Hat das ein Mensch verdient? Ja, aber natürlich hat das ein Mensch verdient. Wir beide Du und Ich, die wir gerade diese Worte hören, wir Beide haben eigentlich die ewige Verdammnis verdient.

Warum? Weil wir im Grunde unseres Herzens Sünder sind und eines vor Gott nicht gegenwärtig sein darf, nämlich die Sünde. Gott sei Dank haben wir es mit Gott höchstpersönlich zu tun. Und dieser Gott hasst zwar die Sünde in jedweder Form auch immer. Aber gleichzeitig liebt dieser Gott den Sünder ohne Ende. Damit wir Beide der ewigen Verdammnis entkommen, musste Gott also einen Weg schaffen, welcher die Sünde von dem Sünder trennt, der Sünder also vollkommen makellos vor Gott treten kann.

Indem er seinen Sohn auf Golgatha für all unsere Sünden bezahlen ließ, war diese Trennung von Mensch und Sünde ein für alle Male überwunden. Das ist zunächst einmal ein Angebot Gottes an uns. Gott möchte nämlich, dass alle Menschen errettet werden. Um der Verdammnis zu entgehen müssen wir dies nämlich im Glauben annehmen. Wer mit der ganzen Sache nichts zu tun haben will, den lässt Gott auch in Ruhe. Der muss dann allerdings nach seinem Tode den Weg in die ewige Verdammnis antreten, aber die hat er ja schließlich selber erwählt.

Zu jedem Zeitpunkt unseres Lebens können wir dieses Gnadengeschenk annehmen. Und wenn wir dann doch wieder einmal rückfällig werden, dann dürfen wir auch wieder zurückkommen. Errettet ist errettet. Wir sind durch den Glauben wieder zu Gottes Kindern geworden. Und dies bleibt auch so. Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Sohn. Käme der auch nach jeder Verfehlung und fragte: Papa, darf ich trotzdem dein Kind sein ? Natürlich nicht. Er ist und bleibt das geliebte Kind des Vaters. Dass er sich die in oder andere Standpauke anhören muss, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Aber das ändert nichts an der Sohnschaft.

Wenn uns Gott nicht verdammt, wer glauben denn wir zu sein, dass wir jemanden verdammen könnten? Unsere Aufgabe als Christen ist es, unserem Nächsten die Türe zurück immer wieder ganz weit aufzuhalten und ihm diese nicht vor der Nase zuzuschlagen, egal, was dieser getan hat.

3. Vergebt

Mit Vergebung, liebe Gemeinde, ist kein einfaches „Schwamm drüber“ meinerseits gemeint. Dieses wäre ohnedies in den meisten Fällen nicht ehrlich.

Vergebung heißt, dass ich die bekundete Reue des Täters annehme. Vergebung ist also zunächst einmal ein aktiver Akt dessen, der eine Verfehlung begangen hat. Wer sein Fehlverhalten gar nicht bereut und dies auch offen zugibt, dem können wir als Christen ja auch gar nicht die Vergebung zusprechen.

Jetzt muss ich ein wenig persönlich werden. In jeder zu vergebenden Fehltat steckt auch ein bisschen was von mir drin. Wie oft ertappe ich mich insgeheim bei dem einen oder anderen, wenn auch nur geplanten oder beabsichtigen Fehlverhalten. Wenn wir jemandem aufrichtig vergeben, dann sagen wir im Stillen gleichzeitig: Ich vergebe Dir, weil ich weiß, dass etwas von dem, was Du mir angetan hast, auch in mir steckt. Aber Du hast Dein Fehlverhalten eingesehen und darum vergebe ich Dir.

Vergebung ist also alles andere als ein großzüger und gnädiger Akt unsererseits. Übrigens: Das Gegenteil von Vergebung ist die Rache. Und diese ist ganz bestimmt kein göttliches Instrument.

Die juristische Form der Vergebung ist übrigens die Gnade. Und wie mir Gnade widerfahren ist, so liegt es auch an mir, diese Gnade an denjenigen weiter zu reichen, der mich verletzt hat. Die Gnade habe ich übrigens nicht verdient, sondern sie ist mir gewährt worden.

Aus dieser Gnade leben wir übrigens allesamt jeden Tag unseres Lebens. Wir haben diese Gnade auch alle bitter nötig, da wir alle jeden Tag sündigen und daher auf diese lebensrettende Gnade jeden Tag angewiesen sind. Sprechen wir diese Vergebung doch auch immer wieder unserem Nächsten zu.

Stimmen wir in diesem Zusammenhang doch ein in den ersten Vers des Liedes: „Mir ist Erbarmung widerfahren…“ (EG 355) von Philipp Friedrich Hiller, der da lautet, wie folgt:

Mir ist Erbarmung widerfahren, Erbarmung, deren ich nicht wert;
das zähl ich zu dem Wunderbaren, mein stolzes Herz hat’s nie begehrt.
Nun weiß ich das und bin erfreut und rühme die Barmherzigkeit.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und eine ganz tolle Woche unter der immerwährenden Gnade unseres Herrn.

Bleiben Sie von diesem Herrn alle wohl behütet.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber