Liebe Gemeinde,

Der Herr ist auferstanden. Er ist tatsächlich auferstanden. Mit diesem Ostergruß begrüße ich Sie am heutigen Ostersonntag alle ganz herzlich. Den Predigttext für den heutigen Ostersonntag finden wir im 1. Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 15, die Verse 19-28. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden. Ein jeder aber in seiner Ordnung: Als Erstling Christus; danach, wenn er kommen wird, die, die Christus angehören; danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt vernichtet hat. Denn er muss herrschen, bis Gott ihm „alle Feinde unter seine Füße legt“ (Psalm 110,1). Denn „alles hat er unter sein Füße getan“ (Psalm 8,7). Wenn es aber heißt, alles sei ihm unterworfen, so ist offenbar, dass der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat. Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untetan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott sei alles in allem.

Liebe Gemeinde,

den Korinthern war es so ziemlich egal, ob es eine Auferstehung gibt oder nicht. Die meisten unter ihnen lebten im hier und heute und verschwendeten keinen Gedanken an die Zeit nach ihrem Tode. Warum auch ? Im hier und jetzt gab es schließlich genug zu tun und zu erleben. Kommt uns irgendwie bekannt vor, oder?

Da sah sich Paulus gezwungen, einmal kräftig aufzuräumen und wieder gerade zu rücken, was in eine Schieflage geraten war. Und daher begann er auch mit dem Anfang allen Übels:

1. Adam und Jesus

Der alte Adam war der erste Mensch, der auf dem Planeten Erde wohnte. Es kam, worüber wir schon oftmals gesprochen haben, zum Sündenfall und damit zum Rausschmiss aus dem Paradies.

Bis heute sind wir alle Nachfahren des ersten Adams und daher unter der Herrschaft der Sünde. Die größte Sünde gegenüber Gott ist es, dass wir keine Gemeinschaft mehr mit ihm haben wollen. Wir meinen, alles selbst in der Hand zu haben, alles viel besser ohne Gott in den Griff zu bekommen und somit auch befreiter leben zu können.

Und dabei hat Gott immer wieder alles versucht, damit sein Volk zu ihm umkehrt. Denken wir nur an Mose, David oder die Propheten, die immer wieder das Volk zur Rechenschaft gerufen haben. Aber es nutzte alles nichts. Das Volk blieb verbohrt.

Gott liebte seine Geschöpfe dennoch weiterhin und wünschte sich nichts sehnlicher, dass seine Geschöpfe wieder Gemeinschaft mit ihm haben sollten. Und da kam Plan B ins Spiel.

Gott selber musste auf die Erde kommen und für alle Sünden seiner Geschöpfe mit seinem Blut bezahlen. Und genau dies tat unser Herr am Karfreitag für uns. Der alte Adam brachte die Sünde in die Welt und mit dem neuen Adam wurde die Welt wieder versöhnt mit Gott.

2. Erlösung ist möglich

So pauschal, wie ich es gerade gesagt habe, geht es denn nun doch wieder nicht. Von unserer Natur aus sind und bleiben wir nämlich zunächst der alte Adam.

„So werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden“, so haben wir es in unserem Predigttext gehört.

Paulus sagt damit: Ihr seid alle tot. Aber ER gibt das Leben. Er gibt das wahre Leben. ER gibt das ewige Leben. Dafür müsst ihr das, was ER für euch getan hat, aber auch im Glauben annehmen.

Jeder Mensch, und das gilt bis heute unvermindert fort, jeder Mensch, der das, was Jesus für uns getan hat, im Glauben annimmt, der ist von diesem Moment an von Gottes Geschöpf wieder zu seinem geliebten Kind geworden.

Und das gilt weltweit. Egal ob weiß oder schwarz, egal ob arm oder reich, alle sind wir aufgefordert, diesen Schritt zu tun. Diesen Schritt, liebe Gemeinde, muss jeder ganz für sich persönlich tun. Da gibt es auch keine Stellvertretung, wie es von anderen Religionen her gelehrt wird.

Aber für jeden, der diesen Schritt tut, gilt die Aussage aus unserem heutigen Predigttext „So werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden“.

3. Herr der Herren

„Alles hat er unter seine Füße getan“ so haben wir es auch soeben gehört.

Darüber müssen wir einmal einen kleinen Moment nachdenken. Jesus ist der Herrscher über alle Menschen, über alles, was auf Erden geschieht im Großen wie im Kleinen.

Kein Ungemach ist so groß, dass Jesus nicht darüber herrschen könnte und keines unserer Probleme ist so klein, dass Jesus dies nicht interessieren würde.

Wir leben ja gerade in etwas unruhigen Zeiten und wissen nicht, wo diese Reise hingeht und ob sie gut ausgeht. So höre ich es Tag für Tag. Aber stimmt das wirklich?

Nein, liebe Gemeinde, dies stimmt so pauschal jedenfalls nicht. An der Hand unseres Herren wissen wir in der Tat nicht immer, wo wir gerade durch müssen, aber wir wissen, dass wir heil in unserem Heimathafen ankommen werden.

Jesus hat uns einen sicheren Hafen versprochen, aber er hat uns nicht versprochen, dass die Überfahrt ohne Turbulenzen verlaufen wird.

Vertrauen wir also dem auferstandenen Herrn, der lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit, dass wir an seiner Hand beruhigt durch unser Leben gehen dürfen und dies auch tun sollen. Immer wenn Ängste, Nöte und Sorgen in uns aufsteigen, dann lassen Sie uns allein auf IHN schauen und ihm dies alles übertragen.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein gesegnetes Osterfest in der Gemeinschaft des auferstandenen Herrn.

Lassen Sie uns zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes gemeinsam in den 5. Vers des Osterliedes „Auf, auf mein Herz, mit Freuden…“ (EG 112) von Paul Gerhardt einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Die Welt ist mir ein Lachen mit ihrem großen Zorn,
sie zürnt und kann nichts machen, all Arbeit ist verlorn.
Die Trübsal trübt mir nicht mein Herz und Angesicht,
das Unglück ist mein Glück, die Nacht mein Sonnenblick.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

lassen Sie uns in dieser Osterfreude auch weit über dieses Osterfest weiterleben und all unser Geschick dem Herren anvertrauen, der uns versprochen hat: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende“.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 20. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 7, die Verse 29-31. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Das sage ich aber, liebe Brüder: Die Zeit ist kurz. Fortan sollen auch die, die Frauen haben, sein, als hätten sie keine; und die weinen, als weinten sie nicht; und die sich freuen, als freuten sie sich nicht; und die kaufen, als behielten sie es nicht. Denn das Wesen dieser Welt vergeht.

Liebe Gemeinde,

als ich den Predigttext zum ersten Male gelesen habe, da kam so etwas wie Endzeitstimmung auf. Sollte uns Paulus wirklich verbieten nicht mehr zu heiraten, nicht mehr zu trauern, keine Freude mehr zu haben und auch unseren Konsum auf nahezu Null zurückzufahren?
Ich glaube, wir müssen unseren heutigen Predigttext wie eine Rechenaufgabe betrachten. Eine Klammeraufgabe, wo vor der Klammer und hinter der Klammer zwei wichtige Fakten stehen, die auf das Geschehen in der Klammer ganz andere Auswirkungen haben, als wir es beim ersten Hören vermuten würden. Schauen wir uns diese Rechenaufgabe einmal gemeinsam an:

1. Vor der Klammer: Die Zeit ist kurz

Wir kennen es wahrscheinlich alle, das Phänomen des letzten Augenblicks. Wenn es diesen nicht gäbe, dann würden vermutlich rund 80 % aller Aufgaben unerledigt bleiben. Das liegt unter anderem daran, dass wir Menschen gern dazu neigen, alles auf die lange Bank zu schieben bis es dann irgendwann allerhöchste Eisenbahn ist.

Paulus erinnert uns mit diesem Satz daran, dass wir in der Endzeit leben, also täglich damit rechnen können und dürfen, dass unser Herr wiederkommt. Dass er sich dafür fast schon 2000 Jahre Zeit gelassen hat, das spielt überhaupt keine Rolle. Keiner von uns weiß, wann dieser Moment sein wird.

Die Zeit ist kurz heißt aber auch für einen jeden von uns ganz persönlich, dass wir nur eine begrenzte Lebenszeit zur Verfügung haben um unsere Sache mit Gott in Ordnung zu bringen.
Da keiner von uns auch nur annähernd weiß, wann sein Leben hier auf Erden endet, ist es für alle, die noch nicht reinen Tisch mit Gott gemacht haben, allerhöchste Eisenbahn, dies möglichst sofort zu tun.

Wie bringe ich die Sache mit Gott denn nun in Ordnung? Nun, indem ich ihm meine Sünden bekenne und diese bereue und ihm mein Leben übergebe. Mehr ist nicht notwendig. Den Rest hat nämlich der Herr Jesus schon für uns am Kreuz getan.

2. In der Klammer

Keine Frauen: Das bedeutet natürlich nicht, dass wir nicht mehr heiraten sollen. Wir sollen nur im Angesicht der Tatsache, dass die Zeit kurz ist, die Prioritäten richtig setzen.

Nicht der Ehepartner, den wir vielleicht vergöttern soll die erste Stelle in unserem Leben einnehmen, sondern unserem Vater im Himmel allein gehört diese Ehre.

Keine Trauer: Paulus schreibt uns auch nicht vor, dass wir nicht mehr um unsere Lieben trauern dürfen. Das darf und das muss auch sein. Aber es gibt Menschen, die ganz in ihrer Trauer vergehen. Diese Menschen leben nur noch in der Trauer und sind zu nichts anderem mehr fähig.

Und hier sagt Paulus klipp und klar, dass dies nicht sein darf. Paulus fordert die Trauernden auf, den Blick nach vorne zu richten und sich bewusst zu machen, dass der geliebte Mensch ja nicht irgendwo im Nirwana verschwunden ist.

All unsere Lieben sind uns doch nur vorausgegangen. Wir werden sie alle einmal wiedersehen; nämlich genau dann, wenn auch wir den Weg in den Himmel antreten.

Keine Freude: Natürlich soll auch nach wie vor die Freude unser Leben bestimmen. Aber, so meint es Paulus, die Freude an und in unserem Herrn soll die allem anderen übergelagerte Freude sein.

Die rechte, wahre und andauernde Freude kann uns nur von unserem Herrn geschenkt werden. Darauf macht uns Paulus aufmerksam und warnt uns davor, die vollkommene Freude woanders als in unserem Herrn zu suchen.

Kein Konsum mehr: Das, liebe Gemeine, meint Paulus natürlich nicht. Hier zeigt uns Paulus auf, dass wir unsere Herzen eben nicht an die vergänglichen Dinge dieser Welt hängen sollen, sondern wir sollen unsere Herzen allein an unseren Herrn hängen.

Spätestens, wenn wir unseren irdischen Körper verlassen müssen, dann werden wir auch all das, was wir uns auf Erden gekauft haben, zurücklassen müssen. Allein die Liebe zu unserem Herrn wird uns auf diesem Wege begleiten.

Gerade in unserer Zeit, die durch ein übersteigertes Konsumverhalten nach mehr und noch mehr gekennzeichnet ist, will uns Paulus zurufen: Bleibt bescheiden, richtet eure Augen auf den Herrn.

3. Nach der Klammer: Das Wesen der Welt vergeht

Wenn wir einen Blick in die letzten Kapitel der Offenbarung werfen, dann sehen wir dort, was am Ende der Zeit mit der Welt in der wir leben, passiert.

Sie wird von Gott durch einen neuen Himmel und eine neue Erde ersetzt werden, indem vollkommen andere Maßstäbe herrschen als hier auf Erden. Wirklich paradiesische Zustände werden wir erleben dürfen.

Warum schreibt Paulus diesen Satz an das Ende des heutigen Predigttextes?
Eingangs hat er uns ja darauf hingewiesen, dass die Zeit kurz ist. Und wir haben auch ganz konkrete Hinweise erhalten, wie wir uns hier auf Erden verhalten sollen.

Wenn wir nun wissen, was uns im Himmel erwartet, dann könnten wir doch schon hier auf Erden versuchen, ein Stück weit „Himmel auf Erden“ zu schaffen.

Wenn wir Jesus befragen würden, wie wir das anstellen sollen, dann könnte er uns als Antwort das Doppelgebot der nennen. Dass wir Gott lieben, davon gehe ich mal aus. Aber lieben wir auch unseren Nächsten wie uns selbst? Ich glaube, daran könnten wir noch arbeiten, nicht an der Nächstenliebe, sondern an der Eigenliebe.

Von einer gesunden Eigenliebe geht nämlich der Weg hin zu einer unverkrampften und ehrlichen Nächstenliebe. Wenn wir dies konsequent umsetzen, dann haben wir in der Tat schon ein Stück weit den Himmel auf Erden geschaffen.

Einen Weg, wie wir es schaffen können, den Weg der Nächstenliebe zu beschreiten, den beschreibt der Liederdichter Gerhard Tersteegen in seinem Lied „Ich bete an die Macht der Liebe…“ (EG 661), dessen zweiter Vers lautet, wie folgt:

Ich bete an die Macht der Liebe, die sich in Jesus offenbart;
ich geb mich hin dem freien Triebe, wodurch ich Wurm geliebet ward;
ich will, anstatt an mich zu denken, ins Meer der Liebe mich versenken.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und eine guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr
Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Sonntag, dem Sonntag Jubilate. Jubilate bedeutet ja „Jauchzet“. Und warum wir allen Grund zum Jauchzen haben, das erfahren wir in unserem heutigen Predigttext. Wir finden den heutigen Predigttext im 2. Brief des Paulus an die Korinther im 4. Kapitel, die Verse 16-18. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Darum werden wir nicht müde; sondern wenn auch unserer äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert. Denn unsre Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.

Liebe Gemeinde,

„Darum werden wir nicht müde“, so beginnt unser heutiger Predigttext. Wenn ich eine langweilige Arbeit verrichte, dann werde ich im allgemein recht schnell müde. Wenn ich aber eine interessante Tätigkeit verrichte, dann vergehen die Stunden im Fluge und von Müdigkeit ist überhaupt keine Spur. Lassen Sie uns doch einmal gemeinsam betrachten, warum der Apostel Paulus auch nicht müde wird, obwohl er ganz bestimmt kein geruhsames Leben geführt hat.

1. Der äußere Mensch

Das ist das, liebe Gemeinde, was wir täglich im Spiegel betrachten. Und ich muss für mich sagen, dass ich mit 20 noch ein wenig sportlicher ausgeschaut habe als heute. Wo einst Locken wallten ist auf einmal der Blick frei auf die Schädeldecke. Und auch die obere Muskulatur scheint in die Bauchgegend abgewandert zu sein.

Kurzum, Paulus bringt es auf den Punkt: Unser äußerer Mensch verfällt zusehends. Das ist auch das, was die Welt wahrnimmt. Und welche Antwort hat die Welt? Natürlich Anti-Aging. Diese Industrie boomt derzeit, wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig.

Man will und muss unbedingt jung bleiben. Aber irgendwann lässt sich dieser Prozess eben nicht mehr aufhalten. Auch das perfekteste Anti-Aging wird unseren Körper nicht daran hindern, alt zu werden und zu verfallen.

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass die Welt das Thema Tod ganz aus ihrem Focus gestrichen hat. Wenn man in gemütlicher Runde dieses Thema anschneidet, und ich tue das sehr gern, dann herrscht nur betretenes Schweigen.

Selbst in unserem örtlichen Seniorenheim werden die Bestatter angewiesen, doch möglichst mit einem neutralen Wagen vorzufahren, um die Verstorbenen möglichst ohne viel Aufhebens abzuholen.

Und trotzdem ist Paulus fröhlich und nicht müde. Nun möchte ich natürlich wissen, warum nicht?

2. Der innere Mensch

Gewiss, der äußere Mensch verfällt. Aber, liebe Gemeinde, der innere Mensch wird von Tag zu Tag erneuert. Das hört sich ja ganz gut an, aber was ist er denn der innere Mensch ?

Wir, die wir heute morgen beisammen sind, haben ja irgendwann einmal den entscheidenden Schritt des Glaubens getan, und den Herrn Jesus Christus gebeten, der Herrscher über unser Leben zu sein.

In dem Moment, wo der Herr Jesus in uns Wohnung genommen hat, wurde der innere Mensch geboren. Also der Mensch, der aus Gott heraus geboren wurde. Ab dem Tag unserer Bekehrung wirkt nun Jesus in uns.

Von Tag zu Tag wachsen wir in unserem Glauben. Mit jedem Tag als Christ erfahren wir mehr über das Reich Gottes.

Um unseren inneren Menschen zu erneuern muss der Herr Jesus aber auch manchen Schnitt in unserem Leben vollziehen. Alles, das, was nicht zum Reiche Gottes passt, das wirft er konsequent hinaus und alles, was dem Reiche Gottes dienlich ist, das fördert ER in unserem Leben.

Und weil dies ein Prozess ist der so spannend ist und unsere ganze Aufmerksamkeit fordert werden wir auch nicht müde, wie Paulus es so treffend beschreibt.

3. Zeit und Ewigkeit

Nun ist es ja nicht so, dass wir Himmelsstürmer werden, also von der Welt abgesondert ein nur auf Jesus bezogenes Leben führen.

Natürlich leben wir weiter in der Welt und müssen unserer Arbeit nachgehen, unsere Familien ernähren und werden auch nach wie vor freundschaftliche Kontakte pflegen.

Aber gleichzeitig leben wir auch ein Leben in Christus und aus Christus heraus.

Und dies birgt natürlich auch Konflikte in sich. Die Welt kennt ja nicht den inneren Menschen und ist ganz auf sich selbst bezogen. Da mutet es schon ein wenig komisch an, wenn da einer daher kommt und auf etwas verzichtet, nur damit es einem anderen auch gut geht.

Und da kommt die Welt schon mal ins Grübeln, wenn da jemand sich ehrenamtlich engagiert, wo er doch keinen Pfennig dafür bekommt. Und da schaut die Welt schon mal ganz erstaunt, dass jemand sonntags in der Frühe aufsteht und in die Kirche geht, obwohl es ein schöner Frühschoppen doch auch täte.

Wenn man sich das so anschaut, wie wir doch manchmal als recht komische und weltfremde Wesen betrachtet und auch bezeichnet werden, dann frage ich mich nochmals, wieso wird Paulus nicht müde?

Nun, wir als Christen haben schließlich eine Zukunft, die die Welt nicht sieht und noch nicht hat. Bei allem, was wir tun und was uns widerfährt haben wir immer die Ewigkeit im Sinn. Wenn unser äußerer Mensch verfällt, dann ist dies für uns nicht das Ende, sondern der Beginn einer ganz neuen Zeit. Nämlich der Ewigkeit in der Gegenwart unseres Herrn.

Unser Leben endet eben nicht in den Gräbern, sondern unser Leben währet ewig in der Gemeinschaft mit unserem Herrn. Darum müssen wir auch nicht alles in dieses kleine irdische Leben an Fun und Spaß hineinpressen, was gerade noch so geht. Wir können uns gelassen zurücklehnen und darauf vertrauen, dass das Beste ja erst noch kommt.

Jemand, der so himmelwärts gelebt hat war der Liederdichter Paul Gerhardt. Im vierten Vers seines Liedes „Ich bin ein Gast auf Erden“ (EG 529) beschreibt er diesen Himmelsweg sehr schön, wie folgt:

So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt,
doch denk ich nicht zu bleiben in diesem fremden Zelt.
Ich wandre meine Straße, die zu der Heimat führt,
da mich ohn alle Maße mein Vater trösten wird.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und geb Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und eine ganz tolle Woche, die unter dem Motto unseres letzten Liedverses verlaufen möge.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Ostermontag. Den Predigttext für den heutigen Tag finden wir im 1. Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 15, die Verse 50-58. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Verwandlung der Gläubigen und Sieg über den Tod

Das sage ich aber, liebe Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht vererben können; auch wird das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit. Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; und das plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune erschallen und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden alle verwandelt werden. Denn dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit. Wenn aber dies Verwesliche anziehen wird die Unverweslichkeit und dies Sterbliche anziehen wird die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht (Jesaja25,8; Hosea 13,14): “ Der Tod ist verschlungen vom Sieg. Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“ Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unseren Herrn Jesus Christus! Darum, meine lieben Brüder, seid fest, unerschütterlich und nehmt immer mehr zu in dem Werk des Herrn, weil ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn.

Liebe Gemeinde,

was passierte Ostern, welche Auswirkungen hat Ostern auf uns hier und heute und welche Auswirkungen hat Ostern auf die Zukunft? Lassen Sie uns diesen Fragen heute einmal gemeinsam nachgehen.

1. Die Heilstat

Jesus hat den Schuldbrief zerrissen, so lesen wir es in der Bibel. Aber wer kann damit heute noch was anfangen. Erzählen wir dies einem Menschen, der mit dem Glauben noch nichts zu tun hat, dann wird er uns wohl eher schräg anschauen. Was er denkt, lassen wir lieber mal außen vor.

„Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz.“ Jeder, der sündigt hat den Tod verdient. Und das Gesetz überführt uns alle. Keiner aber auch wirklich kein einziger Mensch kann so wie er ist in den Himmel kommen.

Also landen wir alle in der Hölle. Oder aber, es kommt jemand daher und nimmt all unsere Schuld auf sich und bezahlt dafür. Dieser jemand muss aber mit dem Tode bezahlen, wie wir es gerade gehört haben. Und dieser jemand muss jemand sein, der dies auch kann, nämlich ein jemand, der vollkommen ohne Sünde ist.

Und dieser Jemand ist unser Herr Jesus Christus. Er kam in unsere Welt, führte ein vollkommen sündloses Leben und bezahlte für unser aller Sünden mit dem Tode. Jetzt haben alle Menschen, die dies im Glauben annehmen wieder einen freien Zugang zum Himmel.

2. Hier und Heute

Hat Ostern heute überhaupt noch eine aktuelle Bedeutung für uns? Wenn Jesus doch vor 2000 Jahren bezahlt hat, dann ist doch alles gut. Wir kommen dann eben alle in den Himmel. Nicht weil wir so brav sind, sondern weil Jesus bereits für unsere Sünden bezahlt hat.

Hört sich doch gut an. Stimmt aber leider nicht.

Ostern vor 2000 Jahren war nämlich erst der Anfang eines Geschehens, das bis heute fortdauert und erst enden wird, wenn unser Herr wiederkommt.

Ostern ganz praktisch heißt für uns alle, dass wir das, was der Herr Jesus für uns getan hat, auch im Glauben annehmen müssen. Wir müssen unsere Sünden bereuen und den Herrn Jesus um Verzeihung bitten. Wenn wir dies ganz ehrlich tun dann sind uns all unsere Sünden vergeben.

Damit endet das Ostergeschehen aber noch lange nicht. Jesus möchte uns ja nicht so lassen wie wir sind. Er möchte uns alle verwandeln. Ja, schon hier auf Erden möchte er damit beginnen. Dazu ist es notwendig, dass wir ihn in unsere Herzen einziehen lassen.

Wir müssen selber vom Thron unseres Lebens herabsteigen und Jesus die Königsherrschaft über unser Leben übertragen. Nur dann kann er sein Wirken in uns beginnen und vollbringen.

Was macht er denn ganz konkret mit uns? Nun, ich sage es mal ganz salopp, er mistet kräftig bei uns aus. Er zeigt uns alles, was ihm nicht an uns passt und möchte dass wir von diesen Sachen die Finger lassen. Diesen Leerraum möchte unser Herr dann mit den Dingen füllen, die ihm wohlgefällig sind.

Das hört sich ganz einfach an, ist aber enorm schwer. Satan klopft nämlich nach wie vor an die Türe unseres Herzens und möchte uns zur Sünde verführen. Und wir werden immer mal wiedeer in diese aufgestellte Falle hineintappen. Aber, wer einmal den Herrn Jesus in sein Leben gelassen hat, den lässt er niemals mehr im Stich.

Wenn es wieder mal passiert ist und wir unsere Sünden ehrlich bereuen, dann wird er uns auch diese verzeihen. Natürlich sollten wir alle schon ein wenig aufpassen, dass wir nicht in jede satanische Falle hineintappen. Das klappt am besten, wenn wir mit unserem Herrn in stetiger Verbindung bleiben.

3. Die Zukunft

Und eines Tages, liebe Gemeinde ist es dann soweit. „Denn es wird die Posaune erschallen und die Toten werden auferstehen unverweslich und wir werden alle verwandelt werden.“

Über dieses Geschehen können wir freilich wild spekulieren. Das führt bloß zu nichts.

Gehen wir einmal ein wenig zurück zu den beiden Emmausjüngern, die mit Jesus auf dem Weg waren. Beide waren recht betrübt, als sich Jesus zu ihnen gesellte. Er legte ihnen aber auf dem Wege die ganze Schrift aus, wie sie schon im Alten Testament von ihm berichtete. „Der Menschensohn muss viel leiden… und getötet werden und am dritten Tage auferstehen.“

Der, der von der Ewigkeit her kommt, legte also den Jüngern den Plan Gottes aus, der von Anfang an feststand, daher auch das Wort „MUSS“.

Und dieses Wort „MUSS“ finden wir dann auch in unserem Predigttext wieder. „Denn dies Verwesliche MUSS anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche MUSS anziehen die Unsterblichkeit.“

Es steht also alles bereits fest, was geschehen wird. Gott kennt auch schon das genaue Datum. Uns bleibt nichts anderes übrig, als auf dieses MUSS unser ganzes Vertrauen zu werfen.

Wenn der Menschensohn leiden MUSSTE und getötet werden MUSSTE, damit wir wieder freien Zugang zu unserem Herrn haben, dann dürfen wir ganz getrost davon ausgehen, dass auch wir einmal anziehen werden das Unwerwesliche und das Unsterbliche. Ganz einfach weil es bei Gott bereits beschlossene Sache ist.

Und somit lassen Sie uns vertrauensvoll in diese nach österliche Zeit gehen.

Diese vertrauensvolle Zuversicht beschreibt der Liederdichter Christian Fürchtegott Gellert sehr schön in dem 5. Vers seines Liedes „Jesus lebt, mit ihm auch ich…“ (EG 115), der da lautet, wie folgt:

Jesus lebt ! Ich bin gewiss, nichts soll mich von Jesus scheiden,
keine Macht der Finsternis, keine Herrlichkeit, kein Leiden.
Seine Treue wanket nicht; dies ist meine Zuversicht.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Osterfeiertag und einen guten Start in die nach-österliche Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

Ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Gründonnerstag. Traditionell gedenken wir heute an die Einsetzung des Heiligen Abendmahles. Den dazugehörigen Predigttext finden wie im 1. Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 10, die Verse 16-17. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Der gesegnete Kelch, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? Denn ein Brot ist’s: So sind wir viele ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben.

Liebe Gemeinde,

wenn wir heute der Einsetzung des Heiligen Abendmahles gedenken, dann lassen Sie uns einmal alle unterschiedlichen theologischen Sichtweisen an die Seite stellen. Betrachten wir doch heute einmal, was das Heilige Abendmahl denn eigentlich bedeutet, für einen jeden von uns ganz persönlich, für uns als Gemeinschaft und für uns auf dem Wege zur Ewigkeit.

1. Das bedeutet es für Dich ganz persönlich

Außer im Gebet kommt es auch bei dem Abendmahl zu einer ganz persönlichen Begegnung mit unserem Herrn. Mit dem Brot nehmen wir den Leib Christi in uns auf und mit dem Wein sein Blut.

Das soll uns immer auch daran erinnern, was er für uns getan hat. Es soll aber auch jeden Einzelnen ganz persönlich daran erinnern, was Jesus ganz persönlich für ihn allein getan hat. Jesus bezahlte nämlich ganz persönlich für meine Sünden mit seinem Blut.

Jesus starb für die Sünden der Welt hört sich irgendwie verallgemeinert an. Jesus starb aber ganz speziell und höchstpersönlich für meine eigenen Sünden.

Da wird es einem schon mal etwas mulmig in der Magengegend, wenn man sich das mal wieder ins Gedächtnis ruft, dass Jesus ganz persönlich für mich gestorben ist und dadurch meinen Weg zu Gott wieder freigemacht hat. Da kann man nur noch eines machen; nämlich demutsvoll „Danke Jesus“ sagen.

2. Das bedeutet es für uns als Gemeinschaft

Jesus starb also ganz persönlich auch für mich. So weit so gut. Aber Jesus trug ja nicht nur meine Sünden an das Kreuz, sondern die Sünden aller Menschen.

Derjenige, der bei dem Abendmahl neben mir steht und die gesamte Gemeinde, die am Abendmahl teilnimmt, für all diese Menschen hat Jesus mit seinem Blute ihre Sünden bezahlt.

Warum tat er das ? Weil wir von Gott getrennt lebten, er uns aber dennoch so sehr liebte, dass er wieder Gemeinschaft mit uns haben wollte. Darum musste ein stellvertretendes Sühneopfer für all unsere Sünden bezahlen.

Und jetzt kommt etwas ganz entscheidendes. Wenn Jesus dies für alle Menschen tat und Gott alle Menschen über alles liebt, dann kann es ja wohl nicht sein, dass ich hinsichtlich meiner Liebe zu meinen Mitmenschen differenziere.

Klar komme ich mit dem einen besser zurecht als mit dem anderen Menschen. Aber jemanden bewusst ausgrenzen oder schneiden, dass steht uns als Gottes geliebten Kinder niemals zu.

Auch daran will uns das Heilige Abendmahl regelmäßig erinnern. Und jetzt schauen wir doch mal über den Tellerrand der eigenen Gemeinde hinaus. Ja genau die, die eben nicht zum Gottesdienst kommen, die vielleicht mit Gott noch gar nichts am Hut haben, je genau die liebt Gott auch.

Und um diese Menschen sollen wir uns ganz besonders kümmern und sie einladen, doch einmal bei uns vorbeizuschauen.

Und dann sind da noch die Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen. Was gibt uns eigentlich das Recht diese Menschen zu verurteilen oder gar als Penner zu bezeichnen ? Diese Menschen liebt Gott genau so, wie uns. Geben wir ihnen doch etwas von unserer Liebe ab und geben wir ihnen doch etwas von dem ab, womit Gott uns so überreich beschenkt hat; nämlich von unserem Geld.

Ein Freund von mir predigte einmal über das Thema Geld. Er sagte wortwörtlich: “ Es geht nicht darum, wie viel Geld ich spende, es geht darum, wie viel Geld ich von dem, was Gott mir geschenkt hat für mich behalten darf.“

Auch ein interessanter Ansatz, nicht wahr ?

3. Das bedeutet es für alle Zeiten

Ein bekannter Prediger sagte einmal: „Das Abendmahl ist die Zeit, wo Himmel und Erde sich treffen.“ Schöner kann man es kaum sagen.

Wenn wir auf Erden das Heilige Abendmahl feiern, dann tun wir dies auch immer im Gedenken an diejenigen, die uns im Glauben vorausgegangen sind. Manch ein Theologe geht sogar so weit, dass er der Überzeugung ist, dass zeitgleich im Himmel und auf Erden wir alle zusammen dieses Heilige Abendmahl feiern.

Aber jetzt einmal ganz konkret für uns heute auf Erden bedeutet es, dass ich als Kind Gottes in ständiger Gemeinschaft mit meinem Herrn lebe.

Ich erfahre immer wieder die Stärkung durch seinen Leib und sein Blut, welche mir die Kraft zum Leben geben. Und weit darüber hinaus darf ich mich darauf verlassen, dass der, der mich gerade stärkt auch bei mir ist, wenn mein irdisches Leben sich dem Ende entgegen neigt.

Ich darf darauf vertrauen, dass ich nach meinem irdischen Ableben immer wieder an dem himmlischen Abendmahl teilnehmen darf; dann aber in der persönlichen Gemeinschaft mit unserem Herrn. Was ich bis daher nur geglaubt habe, das darf ich dann endlich schauen.

Wenn wir in einem Satz zusammenfassen wollten, was wir soeben gehört haben, dann möchte ich sagen: Lasst uns von Jesus stärken, lasst uns diese Stärke weitertragen in die Welt und lasst uns fröhlich dem Himmel entgegenstreben.

Lassen Sie uns zum Abschluss noch gemeinsam in den ersten Vers des Liedes „Wir sind zum Mahl geladen…“ (EG 598) von Kurt Rommel einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Wir sind zum Mahl geladen, der Herr ruft uns zu Tisch
wie einstmals seine Freunde zu Wein und Brot und Fisch.
Er ruft uns Menschen alle, er zieht die Grenzen nicht.
Denn die im Dunkeln leben, holt er zu sich ins Licht.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen besinnlichen Gründonnerstag und freue mich, wenn ich Sie morgen am Karfreitag wieder begrüßen darf.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 1. Sonntag in der Passionszeit, dem Sonntag Invokavit. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 2. Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 6, die Verse 1-10. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Die Bewährung des Apostels in seinem Dienst

Als Mitarbeiter aber ermahnen wir euch, dass ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfangt. Denn er spricht (Jesaja 49,8): „Ich habe dich zur Zeit der Gnade erhört und habe dir am Tage des Heils geholfen.“ Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils ! Und wir geben in nichts irgendeinen Anstoß, damit unser Amt nicht verwässert werde; sondern in allem erweisen wir uns als Diener Gottes: in großer Geduld, in Trübsalen, in Nöten, in Ängsten, in Schlägen, in Gefängnissen, in Verfolgungen, in Mühen, im Wachen, im Fasten, in Lauterkeit, in Erkenntnis, in Langmut, in Freundlichkeit, im heiligen Geist, in ungefärbter Liebe, in dem Wort der Wahrheit, in der Kraft Gottes, mit den Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken, in Ehre und Schande; in bösen Gerüchten und guten Gerüchten, als Verführer und doch wahrhaftig; als die Unbekannten, und doch bekannt; als die Sterbenden, und siehe, wir leben; als die Gezüchtigten, und doch nicht getötet; als die Traurigen, aber allezeit fröhlich; als die Armen, aber die doch viele reich machen; als die nichts haben und doch alles haben.

Liebe Gemeinde,

was braucht man eigentlich wirklich im Leben ? Nun, der eine braucht ein großes Haus, der andere tolle Autos und der dritte ist nur glücklich, wenn er möglichst viele Fernreisen unternehmen kann. Aber braucht man das wirklich im Leben ?

Paulus jedenfalls ist wohl anderer Meinung, wenn er uns sagt, was wir wirklich im Leben benötigen, nämlich die Gnade Gottes. Lassen Sie uns doch heute morgen einmal gemeinsam betrachten, was es denn auf sich hat mit der Gnade Gottes.

1. Gnade, ein Geschenk Gottes

Wenn wir heute das Wort Gnade hören, dann fällt uns vielleicht noch die Formulierung „Gnade vor Recht ergehen lassen ein.“ Und das trifft Gottes Geschenk an uns auch auf den Punkt.

Wenn ein Richter vor einem weltlichen Gericht diese Gnade vor Recht ergehen lässt, dann bedeutet dies übersetzt nichts anderes als: „Du bist ein Verbrecher und Du hast eine Strafe verdient. Aber aufgrund des mir übertragenen Amtes und dem Umstand Rechnung tragend, dass Du Deine Taten bereust werde ich Dich nicht bestrafen sondern Dir etwas schenken, was Du gar nicht verdienst hast; nämlich Deine Freiheit.

Ähnlich sieht es auch vor dem Gericht Gottes aus. Er, vor dem wir alle Sünder sind, verzichtet darauf uns unsere rechtmäßige Strafe aufzubürden und gibt uns so die Möglichkeit vollkommen unbelastet wieder zu ihm zurückkehren zu können.

Aber, und das dürfen wir niemals vergessen, unsere Sünden sind nicht einfach so weggewischt worden. Für all unsere Sünden muss bezahlt werden. Und dies tat der Herr Jesus Christus stellvertretend für uns, als er am Karfreitag am Kreuz starb.

Seitdem dürfen wir Gottes Gnadengeschenk in tiefer Dankbarkeit annehmen.

Gnade, liebe Gemeinde, können wir uns auch nicht verdienen oder gar verdienen. Da ist es eben nicht mit 50 Ave Maria und 30 Vater Unser getan. Damit können wir uns von Gott nichts erkaufen. Wir selber sind also vollkommen machtlos, was die Erlangung der Gnade anbelangt.

2. Gnade, die große Gefahr

Was bitteschön soll denn an der Gnade so gefährlich sein ?

Wenn wir die Gnade Gottes als selbstverständliches Geschenk hinnehmen, dass sowieso jeder bekommt, dann erlangen wir unter Umständen nicht den Zustand der Gnade.

Viele von uns kennen sicherlich den Karnevalsschlager: „Wir kommen alle, alle, alle in den Himmel, weil wir so brav sind…“ Viele Menschen leben aber tatsächlich nach diesem Schlager.

Mir sagte einmal ein Bekannter: „In den Himmel komme ich sowieso, jetzt lasse ich es auf Erden erst mal so richtig krachen.“

Das ist genau die Einstellung, die Dietrich Bonhoeffer als billige Gnade bezeichnet, die eben keine Gnade ist. Gnade will in Demut angenommen sein. Gnade darf niemals als wertloses Geschenk hingenommen werden, welches jeder Mensch vor seinem Tode erhält und damit in den Himmel kommen kann.

Echte Gnade setzt nämlich voraus, dass ich mir meines Zustandes als Sünder bewusst bin und mich zutiefst danach sehne, irgendwie aus dieser Sache herauszukommen. Wenn ich dann Gottes Geschenk erkenne, das er für mich bereitet hat, dann nehme ich dieses unverdiente Gnadengeschenk in tiefer Demut und mit einem hocherfreuten Herzen an.

Wenn ich so in den Zustand der Gnade gelange, dann werte ich dieses Geschenk auch richtig und ich zeige mich der Gnade würdig. Zudem wird sich mein Leben fortan verändern. Ich richte mein Leben mehr und mehr auf den aus, der mir dieses Geschenk gemacht hat.

3. Gnade ist nicht Glück

Paulus ist ja bekanntermaßen ein knallharter Realist. Er verschweigt niemals etwas und er redet auch nichts schön.

Wenn wir das Geschenk der Gnade angenommen haben, dann bedeutet dies nicht, dass wir fortan auf Wolke 7 im Wolkenkuckucksheim leben und es uns an nichts mehr mangeln wird und wir alles im Überfluss haben, was wir uns auch immer wünschen.

Paulus sagt genau das Gegenteil. Wenn wir das große Gnadengeschenk der Sündenvergebung angenommen haben, dann kann es sein, dass man uns bedrängt, uns lächerlich macht oder gar beschimpft. In manchen Ländern kann es sogar dazu kommen, dass Menschen inhaftiert werden, die zum Christentum übergetreten sind.

Auch kann es dazu kommen, dass Christen Gewalt angetan wird und sie von vielen Nöten, Sorgen und Problemen geplagt werden, die sie in dieser Form vorher vielleicht gar nicht hatten.

Ein toller Tausch könnte man nunmehr sagen. Aber, liebe Gemeinde, wir müssen uns noch den letzten Teilsatz unseres Predigttextes anschauen, ehe wir uns ein Urteil darüber bilden wollen.

Dort steht:

„Als die nichts haben und doch alles haben“.

Und das ist genau der springende Punkt. Mit der Gnade Gottes haben wir alles, was wir zum Leben benötigen. Mehr geht nicht und mehr brauchen wir nicht.

Diese Gnade führt uns durch unser ganzes Leben, diese Gnade gibt uns Kraft in allen nur erdenklichen Situationen und diese Gnade gibt uns den tiefen inneren Frieden, der höher ist als all unsere Vernunft es sich je vorstellen kann.

Egal, was auch mit uns geschieht, diese Gnade wird uns begleiten und zwar unser ganzes Leben lang und durch diese Gnade werden wir auch dereinst in den Himmel getragen werden.

Damit wir uns immer an diese Gnade erinnern, lassen Sie uns gemeinsam in den ersten und vierten Vers des Liedes „Ach bleib mit deiner Gnade…“ (EG 347) von Josua Stegmann einstimmen, die da lauten, wie folgt:

Ach bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesus Christ,
dass uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List.
Ach bleib mit deinem Segen bei uns, du reicher Herr;
dein Gnad und alls Vermögen in uns reichlich vermehr.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und eine kommende Woche, die ganz unter der Gnade unseres Herrn stehen möge.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Sonntag Sexagesimae. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 2. Korintherbrief, Kapitel 12, die Verse 1-20. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Gerühmt muss werden; wenn es auch nichts nützt, so will ich doch kommen auf die Erscheinungen und Offenbarungen des Herrn. Ich kenne einen Menschen in Christus; vor vierzehn Jahren – ist er im Leib gewesen? Ich weiß es nicht; oder ist er außer dem Leib gewesen? Ich weiß es auch nicht; Gott weiß es -, da wurde derselbe entrückt bis in den dritten Himmel. Und ich kenne denselben Menschen – ob er im Leib oder außer dem Leib gewesen ist, weiß ich nicht; Gott weiß es -, der wurde entrückt in das Paradies und hörte unaussprechliche Worte, die kein Mensch sagen kann. Für denselben will ich mich rühmen; für mich selbst aber will ich mich nicht rühmen, außer meiner Schwachheit. Und wenn ich mich rühmen wollte, wäre ich nicht töricht; denn ich würde die Wahrheit sagen. Ich enthalte mich aber dessen, damit nicht jemand mich höher achte, als er an mir sieht oder von mir hört. Und damit ich mich wegen der hohen Offenbarungen nicht überhebe, ist mir gegeben ein Pfahl ins Fleisch, nämlich des Satans Engel, der mich mit Fäusten schlagen soll, damit ich mich nicht überhebe. Seinetwegen habe ich dreimal zum Herrn gefleht, dass er von mir weiche. Und er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig. Darum will ich mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, damit die Kraft Christi in mir wohne. Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten, um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.

Liebe Gemeinde,

„Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“ so lautet der zentrale Satz aus unserem heutigen Predigttext. Lassen Sie uns doch einmal gemeinsam überlegen, was uns dieser Satz auch heute noch sagen möchte.

1. Die Selbstaufgabe

Wir sind es doch alle gewohnt und werden häufig schon von Kindesbeinen an darauf gedrillt, dass man etwas leisten muss, wenn man im Leben was erreichen möchte. Schwäche ist da doch eher die Eigenschaft der Looser, dies sowieso zu nichts bringen.

So sehen doch unsere Wertmaßstäbe in der Welt aus. Wer sich dran hält ist bald fein raus und wer sich nicht daran hält ist alsbald fein draußen.

Und dann lesen wir die Worte unseres Herrn, der kundtut, dass er in den Schwachen mächtig ist. Das passt ja doch wohl gar nicht in unser Weltbild. Und doch stimmt es, was Gott sagt.

Solange ich mein eigenes Süppchen koche und in meinem eigenen selbst erschaffenen Weltbild lebe, solange kann Gott nicht in mir wirken. Er hat ja auch gar keinen Platz in mir, weil ich alle Plätze selber belege.

Erst wenn ich erkenne, dass ich rein gar nichts bin und vor Gott gar nichts gelte, erst dann, wenn ich vor Gott die weiße Fahne hisse und vor ihm kapituliere, erst dann kann der Herr in mein Leben einziehen.

2. Der Heilige Geist

Liebe Gemeinde, wenn wir so vor Gott treten, wie es in dem schönen Kirchenlied „Stern auf den ich schaue“ heißt „Nichts hab ich zu bringen, alles Herr bist Du“, dann kann sein Heiliger Geist in mir Wohnung nehmen.

Und sein Heiliger Geist möchte mich so verändern, wie ER mich haben will. Wie aber kann denn der Heilige Geist in uns so geschwächten Menschen wirken?

Nun als erstes kann er uns zu Gottes Wort hinführen. Der alte Schinken, der seit Jahrzehnten im Bücherregal sein Dasein fristet bekommt auf einmal eine ganz andere Bedeutung für uns. Plötzlich wollen wir wissen, wie er denn ist, der mit seinem Heiligen Geist in uns wohnt. Wir wollen lernen, wie wir uns denn nun zu verhalten haben und vor allem, was uns denn als Christen erwartet.

Dann fordert derjenige, der seine Kraft in uns wirken lässt auf, doch mit ihm zu reden. Wir Christen nennen dies Gebet. Nun hört sich Gebet ja immer ein wenig Hochliturgisch an. Wir müssen uns nicht festlich kleiden bevor wir beten. Und wir müssen uns auch nicht mit wohlformulierten Sätzen an Gott wenden.

Gebet ist und bleibt nichts anderes als das Gespräch mit Gott. So wie sie mit ihrem besten Freund sprechen, genau so können Sie auch mit Gott reden.

Wenn wir wollen, dass seine Kraft in uns schwachen Menschen mächtig ist, dann müssen wir Gott natürlich auch die Zeit geben, um auf unser Gebet zu antworten. Wir texten ja auch nicht unseren besten Freund zu und drehen uns um und verschwinden. Wenn wir dies täten, dann hätten wir bald keinen besten Freund mehr.

Und dann leitet uns der Heilige Geist mit seiner Kraft auch in die Gemeinschaft mit Menschen, die genau so schwach sind, wie wir. Dies soll uns Halt in Versuchungen geben und uns noch näher zu ihm heranbringen.

3. Der Stachel

Erst schwach und dann auch noch eingeschränkt. So erging es Paulus. Obwohl er Gott mehrfach darum gebeten hatte, doch diesen, wie er ihn nennt, Stachel von ihm wegzunehmen, lässt er diese Schwachstelle auch weiterhin in Paulus wirken.

Irgendwie schon ein wenig unverständlich oder nicht ? Allein durch Gottes Kraft leben, die in uns wirkt ist zwar schön, aber einige Menschen kommen auch ganz schnell zu dem Schluss, dass da noch mehr geht.

Meine eigene Kraft mit Gottes Kraft kombiniert, da muss doch was ganz geniales bei herauskommen. Und genau dafür haben wir diesen Stachel. Dieser soll uns immer daran erinnern, dass alles, aber auch wirklich alles aus seiner Kraft kommt und wir allein aus seiner Gnade leben.

Dieser Stachel, und ich bin fest davon überzeugt, dass jeder von uns seine eigene Schwachstelle hat, dieser Stachel bewahrt uns vor Überheblichkeit uns Hochmut und erinnert uns immer wieder daran, wem wir alles zu verdanken haben.

Ein Bademeister erzählte mir einmal, dass er einen Ertrinkenden nur dann retten kann, wenn er seine Kraft aufgegeben hat. Und so dürfen auch wir ganz fest darauf vertrauen, das da jemand auch uns auffängt, wenn wir ihm gegenüber schwach sind. Und dieser Jeman fängt uns nicht nur auf, sondern möchte uns unser ganzes Leben lang und darüber hinaus ein treuer Begleiter sein.

Damit wir uns immer daran erinnern, wem wir alles auf Erden zu verdanken haben lassen Sie uns zum Abschluss in den ersten Vers des Liedes „Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn…“ (EG 644) von Heino Tangermann einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn, er hat dir viel Gutes getan.
Bedenke, in Jesus vergibt er dir gern, du darfst ihm, so wie du bist, nahn.
Barmherzig, geduldig und gnädig ist er, viel mehr als ein Vater es kann.
Er warf unsre Sünden ins äußerste Meer, kommt, betet den Ewigen an.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und eine segensreiche neue Woche unter dem Schutz und unter der Fürsorge unseres Herrn.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 1. Sonntag nach Epiphanias. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im ersten Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 1, die Verse 26-31. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Seht doch, liebe Brüder, auf eure Berufung. Nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Angesehene sind berufen. Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist; und das Geringe vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, das, was nichts ist, damit er zunichtemache, was etwas ist, damit sich kein Mensch vor Gott rühme. Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung, damit, wie geschrieben steht (Jeremia 9, 22-23): „Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!“

Liebe Gemeinde,

anlässlich einer Diskussionsrunde über den Glauben sagte mir einmal ein Gesprächsparter: Herr Naber, Sie sind doch ein gebildeter Mensch, wie können sie dann an einen Gott glauben? Ich blöder Esel tappte natürlich bereitwillig in die aufgestellte Falle indem ich antwortete: „Sie sind wohl der Meinung, eine Grundvoraussetzung für den Glauben sei, dass man ausgesprochen dämlich sein müsse, um an Gott zu glauben.“
Ich hatte es kaum ausgesprochen, da wurde mir der heutige Predigttext um die Ohren gehauen.

Mittlerweile weiß ich natürlich, dass hinter diesem Predigttext etwas ganz anderes steckt. Damals bin ich nur nicht sofort darauf gekommen. Nur für den Fall, dass es Ihnen auch einmal so ergehen sollte, hier ein paar Tipps zum Umgang mit unserem heutigen Predigttext:

1. Die Nicht-Berufenen

Wen hat Gott nicht berufen ? Wie haben soeben gehört, dass es die Weisen, Mächtigen und Angesehenen Menschen sind, die Gott nicht berufen hat. Irgendwie schon komisch, richten wir uns doch gern nach dem, was die vermeintlich Weisen uns wissen lassen. Schauen wir doch gern zu den Mächtigen auf und die Angesehenen auf den vielen roten Teppichen dieser Welt verdienen doch auch unsere Anerkennung.

Das sind doch die, die es in ihrem Leben schließlich zu etwas gebracht haben ? Auf die muss man doch hören, von denen kann man schließlich noch was lernen.

Warum, um Himmels willen hat er diese Menschen nicht berufen ? Ich denke, dass gerade die Weisen, Mächtigen und Angesehenen dieser Welt schnell auch überheblich werden und die Stufe nach der Überheblichkeit ist bekanntermaßen der Hochmut. Danach kommt dann noch der krönende Abschluss der Selbstüberschätzung und schon geht es häufig im freien Fall nach unten.

Denken wir nur an Personen, wie Ulli Hoeness, den Schlecker-Clan, oder an den ehemaligen Arcandor-Chef, der sich seit einigen Tagen wieder auf freiem Fuße befindet. Alle waren mächtig, sind angesehen und sicherlich auch nicht unweise. Und doch stürzten diese Personen ab.

Nur um nicht falsch verstanden zu werden, es steht in unserem Predigttext nicht, dass alle Weisen, Mächtigen und Angesehen nicht berufen worden sind, sondern es steht dort, dass nicht viele dieser Personen berufen worden sind.

2. Die Berufenen

Jetzt müssen wir uns doch einmal anschauen, wen Gott beruft.

Beginnen wir mit den Törichten. Gott beruft die Törichten, weil er allein weise ist. Der Törichte wird genau das weitergeben, was Gott ihm sagt. Der vermeintlich Weise hingegen wird an allem, was Gott ihm sagt, etwas zu kritisieren haben.

Der Törichte sagt zum Beispiel, dass die Ehe eine von Gott vorgegebene Lebensform zwischen Mann und Frau ist. Der vermeintlich Weise versucht diese Lebensform auf andere Konstellationen auszudehnen, die Gott eben nur vergessen hat zu erwähnen. Aber dafür sind ja die Wesien da, um sein Wort erst einmal richtig auszulegen.

Gott beruft die Schwachen. Die Schwachen können nicht mit ihrer eigenen Kraft protzen. Die Schwachen sind immer auf eine Kraftquelle von außen angewiesen. Ohne diese könnten sie gar nicht existieren. Gott, liebe Gemeinde, ist in den Schwachen mächtig und demonstriert so seine ganze Kraft und Allmacht.

Der Starke hingegen würde sich vieles von dem was er erreicht hat, fälschlicherweise auf seine Fahnen schreiben und wäre dann auch wieder auf dem Wege des Hochmutes.

Gott beruft die Geringen. Die Geringen, also die Personen, die kein so großes Ansehen genießen sehen eben nicht nur auf sich selbst und dass sich die ganze Welt gefälligst um sie zu drehen hat. Die Geringen sehen nahezu immer auch die anderen um sie herum. Und somit kann Gott mit den Geringen viel gezielter in das Leben der Menschen eingreifen.

3. Die praktische Konsequenz

Kommen jetzt wirklich nur die Schwachen, Törichten und Geringen und nur ganz wenige Weise, Mächtige und Angesehene in den Himmel? Nein, das glaube ich nicht.

Ich glaube,es kommen alle in den Himmel, die so weise sind, dass sie erkennen, dass es töricht wäre nur auf sich selbst zu schauen und die daher so weise sind, auf den Herrn zu schauen.

Ich glaube, es kommen alle in den Himmel, die so mächtig sind, dass sie ihre eigene Ohnmacht, Schwächen und Grenzen erkennen und die dann auch erkennen, dass nur Gott allein allmächtig ist.

Ich glaube, es kommen alle Angesehenen in den Himmel, die sich selber als so gering einschätzen, dass sie nur den ansehen, dem allein Preis und Ehre und Ansehen zusteht.

Darum lassen Sie uns in diesem Jahre wieder so weise sein, dass wir auch unsere Mitmenschen im Blickfeld haben. Lassen Sie uns so mächtig sein, dass wir sein Wort mit Vollmacht weitergeben können. Und lassen Sie uns zu den Menschen gehören, denen man ansieht, wem sie wirklich gehören. Dann sind und bleiben wir nach wie vor auf dem rechten Wege.

Lassen Sie uns in diesem noch neuen Jahre so an unsere weltliche und an unsere christliche Arbeit gehen, wie es der Liederdichter Salomo Liscow sehr schön in dem 1. Vers seines Liedes „In Gottes Namen fang ich an…“ (EG 494) beschreibt, der da lautet, wie folgt:

In Gottes Namen fang ich an, was mir zu tun grebühret;
mit Gott wird alles wohlgetan und glücklich ausgeführet.
Was man in Gottes Namen tut, ist allenthalben recht und gut
und kann uns auch gedeihen.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche unter dem immerwährenden Schutz unseres Herrn.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Erntedanktag des Jahres 2016. Wie es der Namen schon sagt, geht es heute um das Danken. Wenn wir uns die Altargaben anschauen, dann hat Danken auch etwas mit abgeben zu tun. Und um das Abgeben und die damit verbundenen Probleme geht es auch in unserem heutigen Predigttext, welcher auch als „Paulinische Kollektenrede“ bekannt ist. Wir finden den Predigttext im 2. Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 9, die Verse 9-15. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Ich meine aber dies: Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen. Ein jeder, wie er’s sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder mit Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Gott aber kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk; wie geschrieben steht (Psalm 112,9): “ Er hat ausgestreut und den Armen gegeben; seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit.“ Der aber Samen gibt dem Sämann und Brot und Speise, der wird auch euch Samen geben und ihn mehren und wachsen lassen die Früchte der Gerechtigkeit. So werdet ihr reich sein in allen Dingen, zugeben in aller Einfalt, die durch uns wirkt Danksagung an Gott. Denn der Dienst dieser Sammlung hilft nicht allein dem Mangel der Heiligen ab, sondern wirkt auch überschwänglich darin, dass Viele Gott danken. Denn für diesen treuen Dienst preisen sie Gott über eurem Gehorsam im Bekenntnis zum Evangelium Christi und über der Einfalt eurer Gemeinschaft mit ihnen und allen. Und in ihrem Gebet für euch sehnen sie sich nach euch wegen der überschwänglichen Gnade Gottes bei euch. Gott aber sei Dank für seine unaussprechliche Gabe!

Liebe Gemeinde,

Beim Danken bzw. bei der Kollekte stoßen wir im allgemeinen auf drei Bereiche, die wir heute Morgen einmal gemeinsam betrachten wollen:

1. Nehmen und Geben

Viele Gemeinden der ersten Zeit lebten ja in der Hoffnung und der Gewissheit, dass unser Herr recht bald wiederkommt. Demzufolge teilten Sie ihr Vermögen, kümmerten sich auch nicht mehr darum, ihren Lebensunterhalt zu sichern und brauchten ihre Vermögenswerte auf bis schließlich nichts mehr vorhanden war.

Die Korinther hingegen waren besser gestellt. Sie besaßen ein größeres Vermögen, verließen sich vielleicht auch nicht unbedingt auf das schnelle Wiederkehren des Herrn und taten auch etwas, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.

Diesen Menschen sagt Paulus nun, dass sie etwas abgeben müssen und zwar denen, die auf Grund falscher Annahmen ihr Vermögen aufgebraucht hatten.

Was würden wir denn heute sagen, wenn ein derartiges Anliegen an uns herangetragen würde ? Die haben einfach schlecht gewirtschaftet, immer aus dem Vollen gelebt und eine gewisse Realitätsferne stellen wir auch fest. Warum sollten wir denen, die alles aus eigener Schuld verprasst haben jetzt auch noch etwas von dem abgeben, was wir uns sauer erarbeitet bzw. erspart haben ? Das wäre doch eine nachvollziehbare Reaktion.

Paulus hingegen fragt nicht danach, ob die in Not geratenen Menschen die Hilfe auch wirklich verdient haben. Paulus geht es um das Abgeben als christlichem Lebensgrundsatz.

Alles, was ich habe, sei es eine gute Ernte, einen tollen Job, ein Supereinkommen, das alles habe ich mir nur vordergründig selber geschaffen. In Wahrheit ist es Gott, der uns dies alles gegeben hat. Wie schnell ist es vorbei mit unserer Arbeitskraft und dann auch mit dem Superjob und dem tollen Einkommen.

Gott gibt uns, damit wir weitergeben können. Das, was ich nicht brauche, soll ich nicht alles an die Seite legen. Nein, liebe Gemeinde, mein Überfluss dient dazu, dem Mangel der anderen abzuhelfen.

Wir müssen es, glaube ich, uns immer wieder in unser Bewusstsein rufen, dass unser Überfluss eben nicht zur Anhäufung unseres eigenen Reichtums bestimmt ist, sondern dass dieser Überfluss zur Minderung der Nöte unserer Mitmenschen bestimmt ist.

2. Das Mehr-Gen

Wir kennen es vielleicht alle: Wir haben ein gut funktionierendes Auto und sind auch ganz zufrieden damit. Dann kauft sich unser Nachbar die neueste Version eines Luxusschlittens. Und schon ist es vorbei mit unserer Zufriedenheit. Wir möchten am liebsten auch so einen Luxusschlitten unser eigen nennen. Und so geht es locker weiter und weiter und weiter.

Letztendlich bestimmen Neid und Gier immer mehr unser gesamtes Leben. Wir drehen uns vor noch um uns selbst und verlieren dabei den Blick für alles andere aus unseren Augen. Wozu hat es denn geführt, dass jeder nur noch an sich und sein Geld dachte, unter anderem doch zu der letzten Finanzkrise. Und im allgemeinen führt dies immer mehr zu ganz massiven Lebenskrisen, nämlich genau dann, wenn die Spirale mal eben nicht mehr weiter nach oben geht. Dann ist sie oftmals erreicht, die Sinnkrise des Lebens.

Jesus zeigt uns diese Gefahr auf und fordert uns auf, umzudenken. Wir sollen uns eben nicht zum Slaven des Besitzes machen. Sollen wir also wie die ersten Gemeinden sorglos in den Tag hineinleben und uns auf unsere Mitmenschen verlassen, die schon für uns sorgen werden? Nein, natürlich nicht.

Aber wir können uns folgende Fragen stellen: Anstelle von „Was fehlt mir noch?“ können wir uns fragen „Was habe ich nicht alles?“. Anstelle von „Wie viel kann ich noch an die Seite legen?“ können wir uns auch die Frage stellen „Wie viel kann ich abgeben?“

Wenn ich mit diesem Betrag anderen Menschen helfen kann, kommt dies immer als Segen zu mir zurück. Dies sagt nicht Ulli Naber, sondern Gott höchstpersönlich unter anderem in Maleachi 3, Vers 10: „Bringt aber die Zehnten in voller Höhe in mein Vorratshaus, auf dass in meinem Hause Speise sei, und prüft mich hiermit, spricht der Herr Zebaoth, ob ich euch dann nicht des Himmels Fenster auftun werde und Segen herab schütten die Fülle.“

Um es etwas salopper auszudrücken: Wenn ich dafür sorge trage, dass es meinen Mitmenschen gut geht, wird es mir niemals schlecht ergehen. Ich stehe unter dem direkten Schutz dessen, der Himmel und Erde gemacht hat.

3. Geben ist Mission

Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Was ist das eigentlich, ein fröhlicher Geber ? Nun, das ist zunächst einmal jemand, der Gott dafür dankt, dass er von dem, was er im Überfluss hat auch tatsächlich ohne Not etwas abgeben darf.

Wir sollen dem anderen mit Liebe etwas zukommen lassen und nicht so, dass er sich schämen muss, notleidend und auf unser Hilfe angewiesen zu sein. Wir müssen auch nicht für alles eine Spendenquittung haben.

Ein Bekannter von mir, dem es wirtschaftlich recht gut geht, verteilt regelmäßig anonym 50 € in einem Briefumschlag an Familien, wo er weiß oder gehört hat, dass diese das Geld dringend gebrauchen können. Immer ist ein Zettel dabei „Von Gott für Euch“.

Das geht natürlich auch mit geringeren Beträgen. Wenn ich so gebe, also ohne ein Dankeschön zu erzwingen dann mache ich mein Geben und meine Gaben zu das, was sie sein sollten nämlich zu einem rechten Gottesdienst. Und das sollen wir nicht nur heute am Erntedanktag tun, sondern an 365 Tagen im Jahr.

Nach der Höhe des Spendenbetrages gefragt antwortete einmal Pfarrer Paul Deitenbeck wie folgt: „Wenn Du jetzt das Doppelte von dem gibst, was Du dir gerade vorgenommen hast, gibst Du genau die Hälfte von dem, was Gott von Dir erwartet.“

Darum lassen Sie uns Gott zum Abschluss danken mit dem 1. Vers des Erntedankliedes „Die Ernte ist nun zu Ende..“ von Gottfried Tollmann, der da lautet, wie folgt:

Die Ernt ist nun zu Ende, der Segen eingebracht,
womit Gott alle Stände satt, reich und fröhlich macht.
Der treue Gott lebt noch,
man kann es deutlich merken
an soviel Liebeswerken,
drum preisen wir ihn hoch.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Erntedanktag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 5. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1.
Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 1, die Verse 18-25. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Die Weisheit der Welt ist Torheit vor Gott

Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist’s eine Gotteskraft. Denn es steht geschrieben (Jesaja 29,14): „Ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen.“ Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht? Denn weil die Welt, umgeben von der Weisheit Gottes, Gott durch ihre Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die daran glauben.
Denn die Juden fordern Zeichen, und die Griechen fragen nach Weisheit, wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit; denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit.
Denn die Torheit Gottes ist weiser, als die Menschen sind, und die Schwachheit Gottes ist stärker, als die Menschen sind.

Liebe Gemeinde,

Zwei Welten prallen aufeinander, unsere „Menschenwelt“ und die „Gotteswelt“. Lassen Sie uns diese beiden Welten heute morgen einmal gemeinsam betrachten.

1. Die Menschenwelt

Die Welt um uns herum wird mit Klugheit und Verstand regiert und bewältigt. Das ist auch gut so. Würden wir ohne Klugheit und Verstand in den Tag hineinleben, dann würden wir heute womöglich immer noch in Höhlen unser Dasein fristen.

Wir können immer besser und immer präziser alles Geschehen auf dieser Welt erklären. Und wenn eine Erkenntnis die hohen Hürden der Wissenschaft überwunden hat, dann gilt diese Erkenntnis als wahr.

Bloß so einfach ist es nun auch wieder nicht. Absolute Wahrheiten gibt es nämlich in keiner unserer Wissenschaften. Ich spitze dies mal etwas
zu: Die Tatsache, dass an jedem Morgen unseres bisherigen Lebens die Sonne aufgegangen ist ist streng wissenschaftlich gesehen noch kein Beweis dafür, dass sie morgen früh wieder aufgehen wird. Was wir als unumstößliche wissenschaftliche Erkenntnisse bezeichnen, sind in Wahrheit nur relative Wahrscheinlichkeiten.

Man war schließlich auch jahrhundertelang davon überzeugt, dass die Erde eine Scheibe sei.

Und irgendwann stoßen wir mit all unserer Erkenntnis an eine Grenze. In jedem theologischen Studiengang gibt es immer wieder Kandidaten, die die Existenz Gottes meinen mit unserem Verstand, unserer Weisheit und unserer Klugheit beweisen zu können. Was dabei herauskommt ist meist irgendein Unsinn. Die Gegenseite ist aber auch nicht besser dran. Ihre vermeintlichen Beweise dass Gott nicht existiert basieren auf Annahmen und Mutmaßungen, die schon von sich aus nicht stimmig sind.

Wie kann ich als ganz normaler Erdenbürger aber dann den Zugang zu Gott finden, wenn schon die Fachleute sich nicht einig sind ?

2. Der Glaube

Irgendwann stoßen wir immer wieder an die Grenzen unserer Erkenntnis. Wir laufen quasi immer wieder vor eine imaginäre Wand, die wir mit all unserer Klugheit und Weisheit nicht überwinden können.

Jetzt kommt das Element des Glaubens ins Spiel. Hinter der imaginären Wand befindet sich nämlich Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde.
Mit Weisheit und Klugheit kann ich ihn also nicht erreichen. Das wäre auch fatal, wäre er dann doch nur für die Gelehrten zugänglich. Kritiker sagen mir an dieser Stelle oft: Dann muss ich also ausgesprochen dämlich sein, um den Weg zum Glauben zu finden. Das ist natürlich nicht der Fall. Gott ist aber für alle Menschen da. Nicht nur für eine elitäre hochintellektuelle Minderheit.

Wie komme ich also durch diese Mauer hindurch. Allein durch den Glauben können wir den Zugang zu Gott finden. Es gibt keinen anderen Weg als den des kindlichen Vertrauens und des Glaubens, wenn wir Gott erkennen wollen.

Ich kann aber nicht glauben, das höre ich in diesem Zusammenhang immer wieder. Meist wird dann die Wissenschaft oder das Leid dieser Welt herangezogen. Beides kann ich nicht ändern. Aber ich kann ja mal so tun, als ob es Gott gäbe. Ich lebe einmal eine Woche so, als ob Gott wirklich auf der anderen Seite der Mauer lebt. Wenn ich dies tue, liebe Gemeinde, dann werde ich es erleben, dass der allmächtige Gott hinter der Mauer diese Mauer für mich einreißt und sich mir zu erkennen gibt.

Als dieser allmächtige Gott in Jesus Christus auf die Welt gekommen ist, da hat er die Mauer einfach durchschritten und ist zu uns gekommen. Was er alles auf Erden getan hat, das können wir alle in den Evangelien zur Genüge nachlesen. Wenn ich dies mache, dann kann ich nicht mehr sagen:
Es gibt keinen Gott. Seit Jesus Christus auf der Welt war, ist die Gottesleugnung entweder böser Wille oder grenzenlose Dummheit.

3. Gotteswelt

Die Gotteswelt unterscheidet sich ganz erheblich von unserer Welt. Das hat schon der auferstandene Jesus seinen Jüngern gezeigt, indem er Ihnen präsentierte, dass all unsere menschlichen Beschränkungen in der Gotteswelt keine Gültigkeit mehr besitzen.

Wieso glauben wir eigentlich, dass Gott nicht jedes Gebet erhört ? Er kann sich ja nicht um jeden Menschen gleichzeitig kümmern. Das geht zeitlich und räumlich schon gar nicht. Mal ganz abgesehen davon, dass derjenige, der Himmel und Erde gemacht hat auch den Masterplan in Händen hält, gibt es bei Gott keine zeitlichen und räumlichen Beschränkungen.

Wenn ich durch das Kreuz Jesu hindurchgehe und seine Erlösungstat auch für mich in Anspruch nehme, dann bin ich automatisch ein Bürger dieser Gotteswelt. Die Höhe, die Breite und die Länge kennen wir ja aus unserer dreidimensionalen Welt. Dann lernen wir auch noch die vierte Dimension die Tiefe, die Tiefe des Glaubens kennen.

Wenn wir wieder zu Gottes Kindern geworden sind, dann werden uns auch unsere inneren Augen aufgetan und wir dürfen schon jetzt fühlen und spüren, was uns dereinst erwarten wird. Dem menschlichen Verstand und der menschlichen Weisheit sind all diese Dinge verborgen, wie wir gehört haben. Warum eigentlich ? Die Frage drängt sich einem doch förmlich auf.
Ganz einfach, weil Gott möchte, dass alle Menschen errettet werden und nicht nur diejenigen, die sich hochwissenschaftlich mit ihm befassen.

Gott möchte, dass wir all das, auf was wir uns etwas einbilden an die Seite stellen und ganz einfach ihm allein vertrauen und nicht mehr unseren ganzen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Daher hat er auch schon die Sehnsucht nach seiner Ewigkeit in unsere Herzen gelegt. Wir müssen nur noch eines tun, nämlich dem Ruf unseres Herzens folgen.

Wie heißt es doch so schön in dem kleinen Prinzen: Nur mit dem Herzen sieht man wirklich gut. Darum lassen Sie uns immer wieder unsere Herzen ganz weit auftun, damit der Herr mit seiner ganzen Herrlichkeit bei uns einziehen und in uns Wohnung nehmen kann.

Was dann passiert, das beschreibt der Liederdichter Nikolaus Ludwig von Zinzendorf sehr schön in dem 1. Vers seines Liedes „Herz und Herz vereint zusammen…“ (EG 251), welcher lautet, wie folgt:

Herz und Herz vereint zusammen sucht in Gottes Herzen Ruh.
Lasset eure Liebesflammen lodern auf den Heiland zu.
Er das Haupt, wir seine Glieder, er das Licht und wir der Schein; er der Meister, wir die Brüder, er ist unser, wir sind sein.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber