Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Sonntag Kantate. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 16. Kapitel der Apostelgeschichte, die Verse 23-34. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Paulus und Silas im Gefängnis

Nachdem man sie hart geschlagen hatte, warf man sie ins Gefängnis und befahl dem Aufseher, sie gut zu bewachen. Als er diesen Befehl empfangen hatte, warf er sie in das innerste Gefängnis und legte ihre Füße in den Block. Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und die Gefangenen hörten sie.

Plötzlich aber geschah ein großes Erdbeben, sodass die Grundmauern des Gefängnisses wankten. Und sogleich öffneten sich alle Türen, und von allen fielen die Fesseln ab. Als aber der Aufseher aus dem Schlaf auffuhr und sah die Türen des Gefängnisses offenstehen, zog er das Schwert und wollte sich selbst töten; denn er meinte, die Gefangenen wären entflohen. Paulus aber rief laut: Tu dir nichts an; denn wir sind alle hier!

Da forderte der Aufseher ein Licht und stürzte hinein und fiel zitternd Paulus und Silas zu Füßen. Und er führte sie heraus und sprach: Liebe Herren, was muss ich tun, dass ich gerettet werde? Sie sprachen: Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig! Und sie sagten ihm das Wort des Herrn und allen, die in seinem Hause waren. Und er nahm sie zu sich in derselben Stunde der Nacht und wusch ihnen die Striemen. Und er ließ sich und alle die Seinen sogleich taufen und führte sie in sein Haus und deckte ihnen den Tisch und freute sich mit seinem ganzen Hause, dass er zum Glauben an Gott gekommen war.

Liebe Gemeinde,

eine Geschichte, in der es drunter und drüber geht haben wir so eben gehört. Nichts ist so gelaufen, wie wir es gemeinhin erwarten würden. Lassen Sie uns drei Punkte der Geschichte anschauen, die auch von uns heute noch von Bedeutung sind.

1. Die Nacht

Da saßen sie also im Gefängnis. Paulus und Silas, die ja überhaupt nichts verbrochen hatten. Als willfährige Opfer der römischen Staatsmacht wurden sie auch noch in den Hochsicherheitstrakt verlegt. Nicht nur, dass sich dieser in einem besonderen Bereich des Innenhofes befand, nein ihre Füße wurden auch noch in den Block gelegt.

Stellen wir uns einmal vor, bei uns klingelt morgen früh um 6.00 Uhr die Polizei, verhaftet uns und verlegt uns ohne irgendeine persönliche Anordnung in einen Hochsicherheitstrakt eines Gefängnisses. Weil wir ja so gefährlich sind, werden unseren Füßen auch noch Fußfesseln angelegt.

Wie würden wir wohl reagieren? Ich denke, ich spreche für uns alle, dass wir wohl verzweifelt wären. Keine Möglichkeit, unsere Angehörigen zu informieren, keine Möglichkeit unsere Unschuld zu beweisen und keine Möglichkeit einen Anwalt hinzuzuziehen.

Genau in dieser Situation steckten Paulus und Silas. In dieser Situation haderten sie sicherlich mit ihrem Schicksal. Vielleicht haben sie sich sogar gedacht, dass die Sache mit Jesus wohl doch nicht das Beste war, was sie sich ausgesucht hatten. Man sieht ja, wo man mit Jesus letztendlich landet.

Aber dann kommt etwas ganz entscheidendes, was wir in dieser Situation so wohl nicht erwartet hätten; nämlich:

2. Die Mitternacht

„Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott.“ So lesen wir es in der Mitte unseres Predigttextes.

Und das ist eine Situation, die wir alle schon einmal durchlebt haben. Wir alle haben bestimmt schon schwere Schicksalsschläge erleiden müssen. Wir alle waren sicherlich ohne Ende verzweifelt. Vielleicht haben wir auch Gott angeklagt, wie es bestimmt Paulus und Silas seit dem Nachmittag im Gefängnis getan haben.

Nach all dieser Verzweiflung, in der sie sich selbst bemitleidet haben, wurde ihr Focus wieder auf den gerückt, dem sie dies alles zu „verdanken“ hatten. Und dieser eine hatte schließlich enmal gesagt: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Da liegt es denn ja auch nahe, nach all dem Selbstmitleid doch gerade diesen einen anzurufen und ihn an sein Versprechen zu erinnern. Und da durften Sie erleben, dass Jesus immer nur einen Gebetsruf weit von einem jeden von uns entfernt ist.

Liebe Gemeinde, was damals galt, dies gilt heute noch in der gleichen Form. Jesus lebt ja, er möchte auch heute noch unser Beistand sein alle Tage bis an der Welt Ende. Das einzige, was wir tun müssen ist, ihn anzurufen. Und dann kann er auch heute noch Gewaltiges bewirken.

Vertrauen wir uns doch in den Krisenzeiten unseres Lebens immer wieder unserem Herrn an, anstatt verzweifelt nach Lösungen zu suchen, die wir sowieso nicht finden. Lassen wir uns von Gott mit dem beschenken, was tatsächlich gut für uns ist.

3. Jesus greift ein

Liebe Gemeinde, wenn Jesus in unser Leben eingreift dann meist so, wie wir es niemals erwartet hätten. Das durften auch Paulus und Silas erfahren.

Auf einmal wankten die Mauern des Gefängnisses. Übertragen wir die Mauern des Gefängnisses doch auf die Mauern unseres Lebens, in welchen wir gefangen sind.

Das könne die Mauern der Süchte sein, die uns eingeschlossen haben und wir keinen Ausweg mehr sehen. Das können die Mauern der Verzweiflung sein, die uns umgeben und wir keinen Ausweg mehr erkennen. Das können auch die Mauern des Unglaubens ein, die uns so fest in ihrem Bann halten, dass wir gar nicht mehr glauben können, dass da draußen doch ein Gott existiert.

Genau in dem Moment, wo wir uns einfach trauen, diesen Gott anzurufen, genau in diesem Moment wird er uns erretten. Das ist alles keine fromme Gefühlsduselei, liebe Gemeinde, ich habe es selber hundertfach persönlich erlebt, wie die Kraft des Gebetes in Menschen wirken kann.

Gott nutzt sein Eingreifen aber nicht ausschließlich dazu, um uns aus unseren Nöten zu befreien; nein Gott sorgt auch immer dafür, dass Unbeteiligte davon erfahren und sie selber auch zum Glauben finden können.

In unserem Predigttest erfuhr der Gefängniswärter von Paulus und Silas, wer ihnen denn geholfen hatte. Und sofort wollte auch er ein Kind Gottes werden. Und so sollen wir unsere Erfahrungen mit unserem Herrn auch unseren Mitmenschen kundtun, auf dass sie auch die Frage an uns richten, die der Gefängniswärter an Paulus und Silas richtete, als er sie fragte: „Liebe Herren, was muss ich tun, dass ich gerettet werde?“

Und die Antwort ist derart einfach, dass wir sie auch heute noch 1:1 von Paulus uns Silas übernehmen können: „Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig!“

Liebe Gemeinde, der Weg zu Gott ist nicht schwer. Lassen Sie uns doch diese einfache Glaubensformel in die Welt hinaustragen. Ermutigen wir doch wieder unsere Mitmenschen mit dieser Formel den Glauben auszuprobieren.

Und wenn wir selber einmal wieder die Nächte unseres Lebens durchleben und wir vielleicht auch wieder einmal zweifeln, dann lassen Sie uns auf den 5. Vers des Liedes „Auf, auf, mein Herz mit Freuden…“ (EG 112) von Paul Gerhardt hören, der da lautet, wie folgt:

Die Welt ist mir ein Lachen mit ihem großen Zorn,
sie zürnt und kann nichts machen, all Arbeit ist verlorn.
Die Trübsal trübt mir nicht mein Herz und Angesicht,
das Unglück ist mein Glück, die Nacht mein Sonnenblick.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch eine gesegnete Woche unter dem Schutz unseres Herrn. Vielleicht machen Sie es wie ich und machen den soeben gesungenen Liedvers zu Ihrem persönlichen Tagesmotto. Jeden Tag auf’s Neue.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 4. Sonntag nach Ostern, dem Sonntg Kantate. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Matthäusevangelium, Kapitel 21, die Verse 14-17. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Und es gingen zu ihm Blinde und Lahme im Tempel, und er heilte sie. Als aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten die Wunder sahen, die er tat, und die Kinder, die im Tempel schrien: Hosianna dem Sohn Davids! , entrüsteten sie sich und sprachen zu ihm: Hörst du auch, was diese sagen? Jesus antwortete ihnen: Ja! Habt ihr nie gelesen (Palm8,3): “ Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob bereitet“? Und er ließ sie stehen und ging zur Stadt hinaus nach Betanien und blieb dort über Nacht.

Liebe Gemeinde,

soeben wurden wir Zeugen eines Gottesdienstes, den unser Herr persönlich abgehalten hatte. Was war nun das besondere an diesem Gottesdienst? Ich glaube es waren drei Punkte, die uns Jesus mit auf den Weg geben wollte und die auch bis heute nichts von ihrer Gültigkeit verloren haben. Lassen Sie uns diese drei Punkte einmal gemeinsam betrachten:

1. Jesus heilt

Als erstes lesen wir, dass sich Jesus der Blinden und Lahmen angenommen hatte und diese von ihm geheilt wurden. Nun waren die Blinden und Lahmen zu Zeiten Jesu nicht in einem Sozialsystem eingebettet, wie dies heute der Fall ist.

Wer damals blind oder lahm war, galt als nutzlos für die Gesellschaft und musste schon allein zusehen, wie er irgendwie über die Runden kommen konnte. Also lebten diese Menschen am Rande der Gesellschaft und wurden von dieser nicht nur als nutzlos, sondern zumeist auch noch als vollkommen wertlos angesehen.

Und gerade dieser Menschengruppe nahm sich Jesus als erstes an. Er nahm sich ihrer nicht nur an, sondern heilte sie und machte sie damit von einem Moment zum anderen wieder zu vollwertigen und geachteten Mitgliedern der ganz normalen Gesellschaft.

Liebe Gemeinde, sind wir heute wirklich so anders, wie die Menschen damals? Grenzen wir nicht auch heute im Jahre 2017 genau so Menschen aus, wie es die Gesellschaft zu Zeiten Jesu tat? Kümmern wir uns überhaupt noch um Menschen, die sich am Rande der Gesellschaft befinden? Sagen wir nicht lieber ganz schnell, dass doch der Staat dafür zuständig ist. Das ist auch, was Geld anbetrifft, zum Teil richtig. Aber vom Staat gibt es keine Anerkennung, Liebe und Wertschätzung, die diese Menschen genau so dringend benötigen wie das Geld zum Leben und Überleben.

Wenn wir Menschen heute ausgrenzen, dann laufen wir Gefahr, selber im übertragenen Sinne blind und lahm zu werden. Blind für all das Elend, welches uns umgibt und auch blind für das Wort Gottes, welches uns ganz genau sagt, was wir denn zu tun haben.

Wenn wir uns in unserem Leben so halbwegs gemütlich eingerichtet haben, werden wir auch lahm im übertragenen Sinne. Lahm mit der Bedeutung, dass es uns nicht mehr interessiert wie wir anderen Menschen helfen können und auch tatsächlich helfen.

Bitten wir unseren Herrn doch auch heute wieder, dass er unsere Augen öffnen möge, damit wir erkennen wo und wie wir unseren Mitmenschen in Not tatkräftige Helfer sein dürfen.

2. Kindermund tut Wahrheit kund

Alle Besucher dieses besonderen Gottesdienstes waren also Zeugen der Wunder, die Jesus an den Blinden und Lahmen tat.

Stellen wir uns doch einmal vor, wir sind Gottesdienstbesucher und werden Zeugen, wie der Pastor einem Blinden die Hand auflegt und dieser im gleichen Moment sein Augenlicht zurückerhält. Würden wir auch einfach stumm sitzen bleiben und so tun, als ob nichts besonderes geschehen wäre oder würden wir uns wie die Pharisäer auch noch darüber aufregen, dass ein Pastor Blinde heilen kann?

Eine Gruppe der Gottesdienstbesucher war jedenfalls von diesen Werken Jesu so beeindruckt, dass sie jubelnd und voller Begeisterung „Hosianna“ riefen, was übersetzt bedeutet: Und der Herr hilft doch.

Und diese Gruppe waren die Kinder, die an dem Gottesdienst teilnahmen. Als die Kinder sahen, was Jesus konnte, da wurde ihnen sicherlich schlagartig klar: Wenn der das kann, was er uns gerade gezeigt hat, dann ist der der tatsächliche Herrscher über uns alle, dann hat er Macht über Himmel und Erde. Und so ging ihnen das Herz über, dass sie gar nicht anders konnten, als dies in die ganze Welt hinauszuschreien.

Vor lauter Freude konnten sie gar nicht mehr an sich halten. Diese Freude musste einfach raus. Da konnte man doch nicht still sitzenbleiben und so tun, als wäre nichts geschehen.

Mal eine Frage, die wir uns alle stellen sollten: Wann ist uns eigentlich das letzte Mal ein begeistertes „Hosianna“ über die Lippen gekommen ? Wäre es nicht an der Zeit, dass wir uns wie die Kinder wieder von Jesus neu mit dieser tiefen inneren Freude infizieren lassen, die es auch uns wieder unmöglich macht nichts von dem zu erzählen, was dieser Jesus nicht alles auch schon in unserem Leben getan hat.

3. Tu nicht so erwachsen

Liebe Gemeinde, wir leben heute in einer wissenschaftlich ausgerichteten Welt in der nur Gesetzmäßigkeiten zählen. Wir sind dabei ja so abgeklärt und realistisch geworden, dass wir uns allein von sogenannten wissenschaftlichen Beweisen leiten und führen lassen.

Seit Jahrtausenden ist aber eines immer wieder Realität gewesen, nämlich die Regel, dass sich alle wissenschaftliche Erkenntnis weiterentwickelt. Was gestern noch in Stein gemeißelt schien kann morgen schon überholt sein. Ein Beispiel: Als kleinster Baustein einer Materie wurde lange Zeit das Molekül angesehen, bis man erkannte, dass dieses auch noch aus weiteren Untereinheiten, den Atomen, besteht.

Und wie hat man dies erkannt? Ganz bestimmt nicht, indem man sich gegenseitig auf die Schulter geklopft hat und gemeint hat, dass wir doch eh schon alles wissen. Nein, man hat genauer hingesehen und weiter probiert, geschaut und geforscht.

Die Kirchenfürsten zu Zeiten Jesu waren nicht anders, als wir es heute sind. Sie hatten ihre festen Meinungen und Überzeugungen und mit diesen ließ es sich auch ganz gut leben. Warum noch genauer hinsehen, etwas anderes probieren oder gar weiterforschen?

Jedem, der doch diesen Versuch unternahm, wurde erst einmal ein gerüttelt Maß an Skepsis gegenüber gebracht. Was ist, wenn  der recht hat? Dann muss ich womöglich mein ganzes schönes Weltbild ändern und nicht nur das, ich muss mich persönlich auch ändern. Und das wollte damals keiner der Kirchenoberen zulassen.

Und genau hier greift Jesus in das Leben der Menschen ein. Er fordert uns ja gar nicht auf, einer anderen Ideologie zu folgen. Er fordert uns nur auf ihm zu folgen und zu schauen, was dann so alles passiert. Wir können ruhig an unseren tradierten Vorstellungen festhalten, wir sollen sie ja gar nicht über Bord werfen.

Wir sollen uns nur auf den Weg machen und Jesus folgen. Mit allen Nöten, Sorgen und Problemen sollen wir uns mit ihm zusammen auf den Weg machen. Und dann, liebe Gemeinde, werden wir merken, wie dieser Weg der Nachfolge uns immer leichter und fröhlicher macht.

Anfangs drücken die Sorgen und Nöte noch gewaltig auf unseren Schultern, dass uns jeder Schritt schwer fällt. Dann  hindern uns uns unsere Traditionen vielleicht am Anfang noch, mit Jesus  Schritt zu halten. Aber so nach und nach merken wir, dass unsere Schultern leichter werden, weil er uns die Last abnimmt und dass uns auch Traditionen nicht mehr in ihrem Banne festhalten. Ja, es ist richtig: Jesus bricht auch bisweilen mit Kirchentraditionen, weil Kirche eben nicht Nachfolge heißt.

Darum lassen Sie uns nicht zu solchen Skeptikern verkümmern wie es die Pharisäer waren. Gehen wir doch wieder mit offenen Augen und Ohren und Herzen durch dieses Leben und folgen wir ihm doch ganz einfach nach und lassen uns überraschen, was unser Herr noch so alles für uns bereithält.

Wenn wir dies tun, dann können auch wir befreit unser „Hosianna“ ausdrücken indem wir in den ersten Vers des Liedes von Paul Gerhardt „Du meine Seele singe…“ (EG 302) einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd;
ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem Sonntag Kantate. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 3. Kapitel des Kolosserbriefes, die Verse 12-17. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr ! Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit. Und der Friede Christi, zu dem ihr auch berufen seid in einem Leibe, regiere in euren Herzen; und seid dankbar. Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen. Und alles, was ihr tut mit Worten oder Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.

Liebe Gemeinde,

wenn wir eine Überschrift über das heutige Predigtthema wählen müssten, dann fiele mir spontan ein: „Das Verhalten des Christen in der Welt.“ Genau darüber weiß der heutige Predigttext einiges zu berichten. Schauen wir uns also heute Morgen einmal gemeinsam an, wie wir uns in der Welt und vor allem unseren Mitmenschen gegenüber als Christen verhalten sollen. Es sind drei Punkte, die wir gemeinsam betrachten können:

1. So zieht nun an

Wenn ich etwas anziehe, dann verbinde ich mich mit dem Kleidungsstück, es gehört quasi zu mir. Je nach Anlass trage ich zwar immer wieder andere Kleidung, aber alle Kleidungsstücke passen mir und passen vor allem auch zu mir.

Das ist auch mit dem „So zieht nun an…“ in unserem Predigttext gemeint. Alle Eigenschaften mit denen wir als Christen der Welt begegnen sollen so richtig zu uns passen. Wir sollen also nicht zwangsweise ein Verhalten an den Tag legen, welches denn so gar nicht zu uns passt.

Sie kennen es bestimmt alle, da lacht jemand, dem eigentlich gar nicht danach zumute ist. Das schlimme daran ist, dass dies allen anderen auffällt, auch wenn er sich noch so sehr bemüht authentisch zu sein. So sollen wir eben als Christen nicht sein.

Den perfekten Christen gibt es nicht, aber es gibt den authentischen Christen, dem man die Ehrlichkeit seines Verhaltens abnimmt. Wir können gar nicht alle Eigenschaften, die wir gleich besprechen werden, nach außen tragen. Die ein oder andere passt vielleicht gar nicht zu uns. Aber wir können uns bemühen, uns nach diesen Eigenschaften auszustrecken und im Rahmen unserer Möglichkeiten diese Eigenschaften mit Leben füllen

2. Christliche Eigenschaften ganz konkret

Schauen wir uns einmal die christlichen Verhaltensweisen an, die uns der Apostel Paulus ganz besonders anempfiehlt:

Herzliches Erbarmen: Wenn wir Erbarmen zeigen, dann soll dies auch von Herzen kommen. Erbarmen, welches nur aufgesetzt ist, wirkt meist kalt und abstoßend. Vor allem ist es nicht ehrlich gemeint.

Freundlichkeit: Auch hier ist nicht der oberflächliche Gebrauch von freundlichen Floskeln gemeint, sondern dass wir etwas ganz selbstlos tun, was dem anderen nutzt bzw. hilfreich für ihn ist. Paulus zeigt uns hier den Weg weg vom ICH und den Weg hin zum DU. Gehen wir doch einmal bei allen möglichen auch tagtäglich wiederkehrenden Begegnungen mit anderen Menschen einmal nicht davon aus, welchen Nutzen diese mir bringen, sondern wie ich ihnen ganz ohne Hintergedanken von Nutzen sein kann.

Demut: Demut bedeutet nicht, sich anderen Menschen ständig und immer wieder bedingungslos unterzuordnen oder immer den untersten Weg zu gehen. Die Demut, die Paulus hier meint, ist unsere Demut vor Gott. Wenn ich erkenne, wie sündhaft mein Verhalten immer wieder ist und dass gerade ich der täglichen Vergebung durch meinen Herrn bedarf, dann kann ich aus dieser Haltung heraus dies auch meinen Mitmenschen zugestehen.

Ich erkenne, dass der andere genau so sündhaft ist wie ich und dass auch er der täglichen Vergebung bedarf. Wenn also jemand sich an mir versündigt, dann darf ich ruhig einmal davon ausgehen, dass ein Stück weit dieses schlechten Verhaltens auch in mir latent vorhanden ist. Somit verhindert diese Form der Demut, dass wir anderen Menschen hochmütig gegenübertreten.

Sanftmut: Im Urtext finden wir hier die Worte Milde und Wohlwollen. Auch das, liebe Gemeinde hat rein gar nichts mit Schwäche zu tun. Milde und Wohlwollen sollen unsere Grundhaltungen gegenüber unseren Mitmenschen sein. Jesus war ebenfalls von Milde und Wohlwollen geprägt, konnte aber ganz konsequent ein „Nein“ über die Lippen bringen. So soll es auch bei uns sein. Wohlwollen in seiner wortwörtlichen Bedeutung heißt ja schließlich nichts anderes, als dass wir das Wohl des anderen wollen. Und wenn sich dieser auf dem falschen Wege befindet, bedarf es auch einmal einer konsequenten Härte, um diesen Menschen wieder auf den rechten Weg zu bringen.

Denken wir nur einmal an unsere Kinder. Wir wollen doch alle nur das Beste für sie. Lassen wir ihnen daher alles durchgehen? Natürlich nicht. Alles, was ihnen schaden könnte, verbieten wir ihnen oder versuchen zumindest, sie davon abzuhalten etwas Falsches zu tun. Und trotzdem oder gerade deswegen sind wir wohlwollende Eltern.

Geduld: In der heutigen Zeit ist Geduld ja nicht mehr besonders gefragt. Alles muss sofort und immer schneller und immer noch schneller gehen. Geduld ist eine Tugend, die dem anderen die Freiheit der Fehler zugesteht und ihm Zeit des Lernens gewährt. So sollen wir dies auch als Christen tun. Jemand, der gerade eben den Weg zu Jesus gefunden hat, der kann ja noch gar nicht so weit sein, wie wir es vielleicht schon sind. Natürlich wird er immer wieder Fehler begehen. Und gerade diese sollen wir geduldig ertragen ohne gleich aus der Haut zu fahren.

Wir können keine Meister aller dieser Verhaltensweisen sein. Das erwartet niemand von uns. Ich zum Beispiel bin nicht gerade ein Musterbeispiel an Geduld. Aber weil ich dieses weiß und mich meine Geschwister auch immer wieder daran erinnern, gerade deshalb kann ich daran arbeiten, geduldiger zu werden. Und wenn Sie eine Eigenschaft haben, in der Sie besonders stark sind, dann können Sie anderen helfen, davon zu profitieren um auch ein Stück weit mehr von dieser Eigenschaft anzunehmen.

3. Über alles zieht an die Liebe

Ich denke, wir können uns alle noch an unsere Schulzeit und an das von vielen ungeliebte Fach Mathematik erinnern. Wenn ich an die Klammerrechnung denke, dann war etwas ganz besonders wichtig, nämlich das, was vor der Klammer stand. Das, was vor der Klammer stand war, bestimmte im Wesentlichen das Rechenergebnis.

Übertragen wir dies mal auf unseren Predigttext. Alle Verhaltensweisen, die wir soeben besprochen haben sind zweifelsohne ganz, ganz wichtig. Und wir sollen auch nicht einfach das herausstreichen, was uns nicht in den Kram passt.

Aber bei allen Eigenschaften ist eines ganz wichtig; nämlich die Liebe. Wenn wir auch nur eine der o.g. Verhaltensweisen ohne die Liebe ausführen, dann handeln wir nicht so, wie es unser Herr von uns erwartet. So, wie Jesus uns geliebt hat, so sollen wir auch unsere Mitmenschen lieben. Das geht natürlich gar nicht, da gebe ich Ihnen recht. Aber als großes Vorbild, an dem wir unser Verhalten ausrichten, ist Jesus eine guter Wegweiser, dem wir getrost folgen dürfen.

Mehr über die Liebe schreibt Paulus übrigen im 13. Kapitel des 1. Korintherbriefes. Schauen Sie einfach mal heute Nachmittag nach.

Diese Liebe, die wir immer wieder von unserem Herrn erbeten können, dass er sie in unser Herz legen möge, diese Liebe beschreibt der Liederdichter Nikolaus Ludwig von Zinzendorf sehr schön in dem 6. Vers seines Liedes: „Herz und Herz vereint zusammen…“ (EG 252), der da lautet, wie folgt:

Liebe, hast du es geboten, dass man Liebe üben soll,
o so mache doch die toten, trägen Geister lebensvoll.
Zünde an die Liebesflamme, dass ein jeder sehen kann:
wir, als die von einem Stamme, stehen auch für einen Mann.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Kantate. Singet dem Herrn ein neues Lied, so lautet die Übersetzung. Dem Herrn täglich ein neues Lied zu singen, dazu liebe Gemeinde haben wir auch allen Grund. Gerade haben wir Ostern gefeiert und durften erfahren, dass unser Herr für alle unsere Sünden mit seinem Leben bezahlt hat. Doch damit nicht genug. Wie wir gleich in unserem Predigttext hören werden, ist der Herr auch heute noch, im Jahre 2015 für einen jeden für uns präsent und möchte uns zur Seite stehen. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei Matthäus im 11. Kapitel, die Verse 25-30. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Jesu Lobpreis und Heilandsruf

Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, des Himmels und der Erde, weil du dies den Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den Unmündigen offenbart. Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen. Alles ist mir übergeben von meinem Vater; und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will. Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf
euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Liebe Gemeinde,

im Heilandsruf unseres Herrn beschreibt Jesus ganz konkret, was er auch heute für einen jeden von uns tun möchte. Schauen wir uns dies doch einmal gemeinsam an:

1. Erquickung

Zugegeben ein etwas altmodischer Ausdruck, den viele von uns vielleicht schon gar nicht mehr kennen. Die Elberfelder gibt als Übersetzungshilfe zu erquicken an: „Das Lösen von Stricken und Banden, die uns festzurren wollen.“

Dies können wir uns sicherlich bildlich schon viel besser vorstellen.
Bestimmt kennen wir alle das Gefühl, dass uns die Arbeit ab und wann über den Kopf wächst, dass wir manchmal so recht nicht wissen, wo wir mit der Arbeit beginnen sollen. Oder aber Probleme setzen sich in unserem Kopf fest. Trotz aller Bemühungen drehen sich all unsere Gedanken immer wieder im Kreis. Das sind beispielhaft aufgeführt Situationen, in denen wir mühsam und beladen sind.
Jesus möchte uns für unseren Körper einen Ruheplatz in seiner Nähe anbieten, wo wir uns niederlassen können und all unser Gepäck an Sorgen und Problemen ihm abgeben können. Wenn wir dies schaffen, dann kann Jesus unseren Körper wieder stärken für ein Leben da draußen in der Welt.

Wichtig ist, dass wir nicht immer erst warten bis wir selber am Ende unserer Kräfte angelangt sind. Wichtig ist, dass wir den steten Kontakt mit unserem Herrn aufrechthalten und sofort zu ihm kommen, wenn’s mal wieder brennt.

2. Nehmt mein Joch

Gerade eben sollten wir uns ausruhen und Ruhe finden in unserem Herrn und jetzt droht mit einem Joch schon das nächste Ungemach? Soll ich denn eine Last und Belastung gegen die andere tauschen?

Nein, liebe Gemeinde, die Sache mit dem Joch ist in ihrem ursprünglichen Sinne gemeint. Früher wurden die Felder noch mit der Hilfe von Ochsen gepflügt. Meist befanden sich vor dem Pflug 2 Ochsen. Wenn nun der Bauer einen jungen Ochsen gekauft hatte, der noch niemals vor einem Pflug
gestanden hatte, dann stellte er ihm mit einem alten und erfahrenen Ochsen einen „Ochsenpartner“ an seine Seite, der von ihm lernen sollte. Durch das Joch verbunden, konnte der junge Ochse also nicht in seiner jugendlichen Ungestümtheit lospreschen, sondern war auf den Arbeitstakt und auf die Führung des alten Ochsens angewiesen.

Übertragen wir dies doch einmal auf unser Leben. Jesus möchte uns sein Joch auflegen, damit wir direkt von ihm lernen können, wie wir ein gelingendes Leben führen können. Wie häufig ist es schon passiert, dass uns jemand geärgert hat und im Zorn sind wir sofort auf den anderen, vielleicht auch nur mit Worten zugegangen. Und hier wirkt das Jesus-Joch. Es hält uns in so einer Situation erst einmal zurück und zwingt uns, unser Tempo dem Tempo von Jesus anzupassen.

Das Jesus-Joch ist natürlich nicht auf Ärger beschränkt. Es will uns unser ganzes Leben behilflich sein.

Ging es im ersten Punkt um die Ruhe für unseren Körper, so geht es bei dem Jesus-Joch um die Ruhe für unsere Seelen. Diese können wir nur erlangen, wenn wir dauerhaft in seiner Nähe bleiben. Dieses Joch ist in der Tat ein Joch, das keine Belastung darstellt, sondern ein wirklicher Rettungsanker für unsere Seelen sein möchte.

Erquickung und Ruhe für die Seelen können wir natürlich nur dann erfahren, wenn wir dies auch von ganzem Herzen möchten. Gegen unseren Willen wird uns Jesus niemals erquicken und unsere Seelen zur Ruhe führen. Dies, liebe Gemeinde, ist unser aktiver Part. Nehmen wir doch ab sofort wieder und immer wieder dieses Hilfsangebot an. Hören wir doch endlich auf mit den Vorstellungen, alles immer wieder selber ein Eigenregie und ohne fremde Hilfe regeln zu können.

3. Die leichte Last

Die leichte Last ist eigentlich nichts anderes als die logische Konsequenz aus den Punkten 1 und 2.

Jesus möchte uns den für uns am besten gangbaren Weg in unserem persönlichen Leben zeigen. Diesen können wir aber nur erkennen, wenn unsere Körper und unsere Seele zur Ruhe gekommen sind. Erst, wenn wir runterfahren, ist der Blick nach oben wieder frei.

Dann können wir auch das hören und verstehen, was er uns sagen möchte. In unsere Hektik und unseren Stress hinein können wir Jesus keine Chance geben, in uns zu wirken. Wir müssen schon mit offenen Herzen zu ihm kommen, damit er diese wieder füllen kann.

Wir leben doch hinterher wieder in der Welt mit all ihren Nöten, Sorgen und Problemen. Was hat es denn auf sich die Sache mit der leichten Last? Nun, liebe Gemeinde, es ist richtig, dass wir natürlich nicht in der klösterlichen Einsamkeit mit Jesus zusammen leben. Unser Lasten werden wir nach wie vor zu tragen haben.

Nur, und das ist der gravierende Unterschied; wir haben den Herrn Jesus an unserer Seite und er trägt fortan all unsere Lasten mit. Und wenn einer eine Last mitträgt, dann ist sie nur noch halb so schwer.

Es fällt uns sicherlich nicht leicht, mal etwas aus der Hand zu geben oder jemand anderen um seine Hilfe zu bitten. Wir fürchten ja immer, dies sei ein Zeichen von Inkompetenz, wenn wir dies tun. Aber bei unserem Herrn sind dies keine Zeichen von Inkompetenz, sondern Zeichen, dass wir im Glauben wachsen, ihm allein unser ganzes Vertrauen schenken und verstanden haben, wie ein Leben mit ihm gelingen kann. Er freut sich schon heute auf uns. Worauf also noch länger warten?

In einer Situation, in der die Liederdichterin Julie Hausmann gerade erfahren hatte, dass ihr Verlobter in der Ferne verstorben war, da entstand das Lied: „So nimm denn meine Hände…“ (EG 376), dessen
dritter Vers die Führung durch unseren Herrn sehr schön beschreibt, wie folgt:

Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht,
du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht:
So nimm denn meine Hände und führe mich
bis an mein selig Ende und ewiglich !

Der Herr erquicke Deinen Körper für Dein Leben in der Welt
Der Herr lasse Deine Seele in ihm zur vollkommenen Ruhe gelangen
Der Herr trage jeden Tag auf’s Neue alle Deine Lasten mit Dir zusammen

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Frühlingswoche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Kantate. „Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder !“ Unter diesem Psalmvers steht auch der heutige Sonntag, der sich mit dem Singen beschäftigt.

Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 15. Kapitel der Offenbarung, die Verse 2-4. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Und ich sah, und es war wie ein gläsernes Meer, mit Feuer vermengt; und die den Sieg behalten hatten über das Tier und sein Bild und über die Zahl seines Namens, die standen an dem gläsernen Meer und hatten Gottes Harfen und sangen das Lied des Mose, des Knechtes Gottes, und das Lied des Lammes: Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott ! Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Völker. Wer sollte dich, Herr, nicht fürchten und deinen Namen nicht preisen ? Denn du allein bist heilig ! Ja, alle Völker werden kommen und anbeten vor dir, denn deine gerechten Gerichte sind offenbar geworden.

Liebe Gemeinde,

am heutigen Sonntag steht also der Gesang im Vordergrund. Und dass nicht nur in dieser unseren Welt gesungen wird, das haben wir soeben in unserem Predigttext erfahren.

Johannes durfte, wenn wir es so nennen wollen, einen Blick hinter die Kulissen tun. Der auferstandene Herr Jesus Christus zeigte Johannes, wie es in der jenseitigen Welt zugeht.

Diese Welt ist so schön und so wunderbar, dass Johannes einfach die Worte fehlen, um diese Welt zu beschreiben. All unsere menschlichen Worte können wohl nicht annähernd das ausdrücken, was Johannes gesehen hat. Daher fällt es auch bis heute sehr schwer diese, also die Worte des Johannes, auszulegen.

Am Rande des großartigen Geschehens, dessen Zeuge Johannes ist, finden wir auch zwei Lieder, die wir miteinander einmal bedenken wollen. Und wir wollen kurz darüber nachdenken, was sich für uns ganz praktisch aus diesem Predigttext ergibt.

1. Das Lied des Mose

Das Lied des Mose finden wir im 2. Buch Mose, nachdem der Herr die Israeliten sicher aus Ägypten geführt hatte. Es ist ein Danklied, vor allem aber ein Lied auf der Wanderschaft.

Also ist es auch ein Lied für uns; denn auch wir sind Tag für Tag auf der Wanderschaft unseres Lebens. Wir finden das Lied des Mose im 15. Kapitel des 2. Buches Mose. Wenn wir uns dieses Lied näher betrachten, dann stellen wir fest, dass es ein Danklied ist. Ein Danklied für alles, was der Herr für die Israeliten bisher getan hatte.

Durch viele Unbillen sind sie gegangen, aber vor allem auch getragen worden auf der Wanderschaft ihres Lebens. So wie der Herr die Israeliten damals getragen hat, so will Er uns auch heute noch tragen.

Darauf dürfen wir uns immer wieder besinnen, wenn wir durch die Täler unseres Lebens gehen müssen. Letztendlich gehen wir an des Herren Hand und nach jedem Tal geht es auch wieder bergauf. Unser Herr ist immer bei uns. Eigentlich doch Grund genug, Ihm tagtäglich für Seine Hilfe Danke zu sagen.

Und wie können wir besser danken als mit einem Lied. Ein Lied macht aber auch Mut, den bisherigen Weg weiter zu gehen. Viele Beispiele finden wir dafür in unserem Gesangbuch. „Ich steh in meines Herren Hand“ und „Befiehl du deine Wege“ sollen nur zwei Beispiele für mutmachende Glaubenslieder sein.

Wenn wir uns daran erinnern, welche Wege wir persönlich schon mit unserem Herrn zusammen gegangen sind, dann können auch wir sicherlich das sagen, was Mose am Ende seines Lobgesanges gesungen hat, nämlich den Vers „Der Herr wird König sein, immer und ewig.“

Darauf, liebe Gemeinde dürfen wir uns unser ganzes Leben lang verlassen, darauf dürfen wir unser ganzes Vertrauen setzen und darauf dürfen wir hoffen, dass auch wir in der Ewigkeit mit allen, die uns voraus gegangen sind, dieses Lied anstimmen dürfen.

2. Das Lied des Lammes

Liebe Gemeinde, das Lied des Lammes ist ein Lied, das uns in ganz besonderer Art und Weise mit der Ewigkeit verbindet.

Denken wir nur einmal an die Abendmahlsliturgie. Dort singen wir allen Engeln zusammen das Lied: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth.

Mit diesem Lied schaffen wir hier auf Erden schon eine imaginäre Verbindung zwischen Himmel und Erde. In gewisser Weise können wir mit unseren geistigen Augen immer dann, wenn wir dieses Lied anstimmen einen Blick hinter die Kulissen tun.

In Verbindung mit den himmlischen Heerscharen können wir immer wieder in unseren Gottesdienst ein wenig Himmelsluft schnuppern. Gott selber schafft uns diese Möglichkeit, weil Er unsere müden Seelen immer wieder auf’s Neue stärken möchte.

Alle, die mühselig und beladen zu Ihm kommen, die will Er erquicken. So auch uns liebe Gemeinde. Lassen wir uns doch auch von Ihm wieder stark machen für die nächste Woche hier auf Erden.

Singen dürfen wir übrigens nicht nur im Gottesdienst. Singen dürfen wir in allen Situationen unseres Alltages. Probieren wir es doch in der kommenden Woche einmal aus. Ich bin sicher, wir werden gestärkt und fröhlich sein nach unserem so gesungenen Gotteslob.

3. Die Konsequenz

Alle Völker werden kommen, so steht es am Ende unseres Predigttextes.
Und damit ist auch unsere Verpflichtung angedeutet.

Bei allem Dank und Lobpreis dürfen wir die Umsetzung in die Tat nämlich nicht vergessen. Wie sollen denn alle Völker kommen, wenn sie nicht wissen wohin und wozu ? Gerade dabei sind wir aufgerufen allen Menschen den Weg dahin zu weisen an den Ort, der so unbeschreiblich schön ist, das es selbst Johannes nicht in Worte fassen konnte.

Egal, was auch geschieht, lassen Sie uns nicht ablassen von dem EINEN allen Menschen zu erzählen, der uns erlöst hat und uns den Weg in den Himmel wieder frei gemacht hat.

Der Liederdichter Paul Gerhardt hat uns mit seinem Lied „Befiehl du deine Wege….“ (EG361) ein Werk hinterlassen, welches uns unseren Weg in dieser Welt immer wieder weisen will. Lassen Sie uns mir dem 1. Vers dieses Liedes in die neue Woche gehen:

Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn,
der wir auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.

Der Herr begleite Dich bei Deiner Wanderschaft durch Dein Leben
Der Herr gebe Deinem Herzen immer wieder mutmachende Einblicke in SEINE Ewigkeit
Der Herr gebe Dir die Kraft und den Mut, davon allen Menschen zu erzählen

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Kantate. Dem Namen entsprechend hat der heutige Predigttext auch ein Lied zum Inhalt, nämlich das Danklied der Erlösten. Wir finden den heutigen Predigttext bei dem Propheten Jesaja im 12. Kapitel, die Verse 1-6. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Das Danklied der Erlösten

Zu der Zeit wirst du sagen: Ich danke dir, Herr, dass du bist zornig gewesen über mich und dein Zorn sich gewendet hat und du mich tröstest. Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht; denn Gott der Herr ist meine Stärke und mein Psalm und mein Heil. Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Heilsbrunnen. Und ihr werdet sagen zu der Zeit: Danket dem Herrn, rufet an seinen Namen ! Machet kund unter den Völkern sein Tun, verkündigt, wie sein Name so hoch ist. Lobsinget dem Herrn, denn er hat sich herrlich bewiesen. Solches sei kund in allen Landen ! Jauchze und rühme, du Tochter Zion; den der Heilige Israels ist groß bei Dir !

Liebe Gemeinde,

gut ging es den Israeliten in ihrer damaligen Situation gewiss nicht und doch spricht gerade in diese Situation der Vertreibung unser Predigttext hinein. Das passt augenscheinlich doch gar nicht zusammen, oder etwa doch ? Lassen Sie uns den heutigen morgen nutzen um diesem Widerspruch
einmal etwas intensiver nachzugehen. Ich glaube nämlich, dass wir aus dem Danklied viel lernen und in unseren Alltag umsetzen können.

1. Alles aus einer Hand

Wir haben sie doch alle sicherlich schon erlebt die Zeiten, wo wir himmelhochjauchzend gewesen sind und dann wieder die Zeiten, wo wir am liebsten nur noch Trübsal geblasen hätten. Könnten wir uns vorstellen gerade in Zeiten, wo so gar nichts läuft, wie wir es uns vorstellen, ein Dankeslied wie das unseres Predigttextes zu singen ?

Zugegeben, es fällt mir schwer in solchen Zeiten ein derartiges Lied anzustimmen. Wenn ich davon ausgehe, dass ich Gottes Kind bin, dann bin ich es doch voll und ganz und vor allem 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Dann bin ich doch auch Gottes Kind, wenn meines Erachtens nicht alles nach meinen Vorstellungen abläuft.

Und wenn ich daran denke, dass Gott immer nur das Beste für uns will, dann sind auch diese Zeiten, die uns nun so gar nicht in den Kram passen, so sind auch diese Zeiten zu unserem Besten bestimmt. Und daher sollten wir auch das, was wir im Moment als Leid empfinden so aus der
Hand unseres Herrn nehmen, wie wir die vermeintlich guten Tage aus seiner Hand nehmen.

Im Leide den Schöpfer zu loben nimmt schon die Hälfte Leides weg. Da ist wohl wirklich etwas wahres dran. Gerade im Loben verlasse ich meine Abwärtsspirale und kann wieder ganz getrost nach oben schauen und dabei neue Hoffnung schöpfen. Ich kann mich auch daran begeben und überlegen, was ich aus dieser Situation am besten machen kann.

So haben auch Zeiten des augenscheinlichen Leidens durchaus ihren tieferen Sinn.

2. Danken für alles

Gesetzt der Fall, es läuft gerade mal wieder nicht so, wie wir uns unser Leben vorstellen, dann können wir uns doch auch einmal ganz neutral unsere derzeitige allgemeine Lebenssituation vor Augen führen.

Ich denke einmal, wir alle haben ein Dach über dem Kopf, brauchen keinen Hunger zu leiden und es mangelt uns in aller Regel auch nicht an ausreichender Kleidung. Wir kommen gerade sicherlich von einem Frühstückstisch, der es uns erlaubt hat, uns zu sättigen. Wir sind hier also nicht hungrig erschienen. Und die letzte Nacht haben wir sicherlich gut in unserem Bett geschlafen.

Sind wir doch dafür einmal unserem Schöpfer dankbar. Denn dies alles ist keine Selbstverständlichkeit. Wir müssen gar nicht mal so weit weg gehen und müssen erleben, dass dies alles gar nicht so selbstverständlich ist, wie wir es gerade empfinden. In Südeuropa gibt es Menschen, und zwar nicht wenige, die all dies nicht haben. Spanische Sozialsysteme sind eben nicht so wie bei uns in Deutschland.

Sicherlich sind wir alle, die wir heute morgen beieinandersitzen gesund, wenn wir einmal von den kleinen „Gebrechen des Alters“ absehen. Auch dafür dürfen wir unserem Herrn danken. Und wenn wir dann doch einmal krank werden, haben wir Ärzte und Krankenhäuser, die sich in aufopferungsvoller Art und Weise um unsere Genesung kümmern. Auch dies ist eher die Ausnahme denn die Regel und somit sicherlich auch einen Dank wert.

Danken wir Gott doch auch einmal für unseren Arbeitsplatz. In der heutigen Zeit ist es wahrhaftig nicht selbstverständlich einen Arbeitsplatz inne zu haben, mit dessen Erlös wir unseren Lebensunterhalt bestreiten können.

Liebe Gemeinde, es gibt so viele Dinge, wofür wir dankbar sein dürfen. Lassen Sie uns dies doch auch wieder tun. Wir werden erleben, wie sich unsere Einstellung sehr schnell ändert, wenn wir erkennen, wie reich wir doch letztendlich alle sind.

3. Ende gut alles gut

In allem Leide sieht der Prophet Jesaja das Geschehen von seinem Ende her. Und er kann dem Volk Hoffnung machen, denn am Ende wird wieder alles gut werden. Das können wir auch so in der Bibel nachlesen.

„Am Ende wird alles gut, und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht zu Ende.“ Diesen Spruch las ich als Graffiti an einer Autobahnbrücke. Wenn wir einmal darüber nachdenken, dann kann man diesen Spruch sicherlich auch als Leitsatz für uns Christen nehmen.

Am Ende, und das können wir alle in der Offenbarung nachlesen, am Ende wird alles gut. Wir werden die Ewigkeit zusammen mit Gott in seiner Herrlichkeit verbringen.

All das leidvolle Geschehen, das uns hier auf Erden widerfährt wird eines Tages vorbei sein. Es gibt kein unendliches Leid. Und das, liebe Gemeinde, kann uns in den dunkelsten Stunden in unserem Leben gewiss ein Stück weit tragen. Die Erkenntnis, dass alles Leid einmal aufhört, diese Erkenntnis dürfen wir ganz fest in unserem Herzen verankern und darauf vertrauen, dass Gott letztendlich alles zum Guten wenden wird.

Wenn wir dies tun, dann können wir selbst im Leiden hoffen und uns von unserem Herrn und seiner Zukunfsverheißung trösten und tragen lassen.

Dann können wir auch in unserem Leiden das Lied der Erlösten anstimmen oder aber in den dritten Vers des Liedes „Stern auf den ich schaue…“ von dem Liederdichter Cornelius Friedrich Adolf Krummacher, der da lautet, wie folgt:

Drum so will ich wallen meinen Pfad dahin,
bis die Glocken schallen und daheim ich bin.
Dann mit neuem klingen jauchz ich froh dir zu:
Nichts hab ich zu bringen, alles, Herr, bist du !

Der Herr schenke Dir ein dankbares Herz, dass SEINE Liebe erkennen kann
Der Herr schenke Dir ein dankbares Herz, dass SEINE Liebe weitergeben kann
Der Herr schenke Dir ein dankbares Herz, welches Dich durch alle Leiden
hindurch trägt

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem Sonntag Kantate.
„Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder“, so lautet der Wochenspruch für die kommende Woche. Und um die Wunder unseres Herrn geht es auch in unserem heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag in der Apostelgeschichte, Kapitel 16, die Verse 23-34. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Paulus und Silas im Gefängnis

Nachdem man sie hart geschlagen hatte, warf man sie ins Gefängnis und befahl dem Aufseher, sie gut zu bewachen. Als er diesen Befehl empfangen hatte, warf er sie in das innerste Gefängnis und legte ihre Füße in den Block. Um Mitternacht aber beteten Paulus und Silas und lobten Gott. Und
die Gefangenen hörten sie. Plötzlich aber geschah ein großes Erdbeben, sodass die Grundmauern des Gefängnis wankten. Und sogleich öffneten sich alle Türen und von allen fielen die Fesseln ab. Als aber der Aufseher aus dem Schlaf auffuhr und sah die Türen des Gefängnisses offenstehen, zog
er das Schwert und wollte sich selbst töten; denn er meinte, die Gefangenen wären entflohen. Paulus aber rief laut: Tu dir nichts an; denn wir sind alle hier ! Da forderte der Aufseher ein Licht und stürzte hinein und fiel zitternd Paulus und Silas zu Füßen. Und er führte sie heraus und sprach: Liebe Herren, was muss ich tun, dass ich gerettet werde ? Sie sprachen: Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig. Und sie sagten ihm das Wort des Herrn und allen, die in
seinem Hause waren. Und er nahm sie zu sich in derselben Stunde der Nacht und wusch ihnen die Striemen. Und er ließ sich und alle die Seinen sogleich taufen und führte sie in sein Haus und deckte ihnen den Tisch und freute sich mit seinem ganzen Hause, dass er zum Glauben an Gott
gekommen war.

Liebe Gemeinde,

schon vor 2000 Jahren landeten also Menschen wegen ihres Glaubens im Gefängnis. Manchmal denke ich, dass wir gar nicht mehr wissen, wie gut wir es doch heute haben. Wir dürfen unseren Herrn überall bekennen, ohne jedwede Repressalien befürchten zu müssen. Und wir dürfen im Gegensatz zu China unseren Gottesdienst öffentlich feiern ohne die Befürchtung haben zu müssen, im Anschluss an den Gottesdienst verhaftet zu werden. Nach dem Motto „Weniger ist mehr“ müsste diese Predigt eigentlich hier aufhören und wir sollten das soeben gesagte tief in unserem Herzen
wirken lassen.

Aber ich glaube, wir würden dem Predigttext nicht gerecht, wenn wir dies tun würden. Dieser Text hat uns nämlich noch etwas anderes zu sagen. Lassen Sie uns darüber gemeinsam nachdenken.

1. Anfechtung

Viele Menschen denken ja nun mal, dass ein Christ 24 Stunden am Tag 365 Tage im Jahr in sich selber ruht, ein fröhliches Dauergrinsen im Gesicht trägt und mit allen Schicksalsschlägen einfach fertig wird. Dies hat uns unser Herr so aber nicht versprochen, wenn wir uns Ihm hingeben. Selbst
viele Christen verzweifeln in Zeiten der Anfechtung. Und dabei ist die Anfechtung etwas ganz normales im Leben eines Christen.

Schauen wir uns doch einmal Paulus und Silas an. Sie wurden geschlagen, in den finstersten Teil eines Gefängnisses geworfen und zusätzlich noch in den Block gelegt. Und dann war sie da. Die Unsicherheit. Haben wir alles richtig gemacht ? Warum wurden wir geschlagen, warum werden wir
eingesperrt. Wie kann Gott dies alles zulassen ? Wir wollten doch nur Seinen Namen verkündigen. Wenn wir einmal davon ausgehen, dass Paulus und Silas am Nachmittag eingesperrt wurden, dann dauerte die Zeit der Anfechtung doch mehr als 8 Stunden. Denn wir lesen in unserem Predigttext: „Um Mitternacht beteten Paulus und Silas und lobten Gott.“

Wenn wir demnächst einmal wieder in eine Zeit der Anfechtung hineingeraten, dann wollen wir uns an Paulus und Silas erinnern, denen es genau so erging. Wir dürfen sicher sein, dass jede Anfechtung vergeht.

2. Gott hilft spätestens rechtzeitig

Wir müssen uns noch einmal daran erinnern: Paulus und Silas sitzen in einem dreckigen Loch gefangen. Sie haben ja eigentlich nichts gemacht, was eine Bestrafung verdient hätte. Sie haben ja nur Gottes frohe Botschaft verkündigt. Und dann um Mitternacht kommt der Durchbruch. Sie
loben und preisen Gott. Egal wo wir uns auch immer befinden. Auch wir dürfen in Zeiten augenscheinlicher Not unseren Herrn preisen und loben.

Und dann geschieht das, was immer dann geschieht, wenn wir in unseren Nöten unseren Herrn um Hilfe anflehen. ER greift mit Seiner gesamten Allmacht ein. Wir, die wir vermutlich nicht unschuldig in einem Gefängnis sitzen, dürfen Sein Eingreifen auf mannigfache andere Art spüren und erleben. Wir dürfen erleben, wie uns Gott z.B. in der Zeit der Trauer zur Seite steht und uns durch diese Zeit hindurchführt. Wir dürfen vielleicht erleben, dass wir von einer schweren Erkrankung auf wundersame Art und Weise genesen.

Wenn wir nur IHM allein unser ganzes Vertrauen schenken, nicht nur an schönen Tagen, sondern gerade in den schweren Tagen unseres Lebens, dann dürfen wir sicher sein, dass ER uns zur Seite steht. Gott führt uns nicht am Leiden vorbei, aber immer durch das Leiden hindurch, so sagte
es schon Dietrich Bonnhoefer.

Wenn wir uns jetzt einmal 2 Minuten Zeit nehmen und uns zurückbesinnen dann glaube ich, werden jedem von uns Situationen einfallen, in denen er von Gott Hilfe und Beistand erfahren hat, wo die Not am größten war.

Allein deswegen lohnt es sich schon, Christ zu sein. Es lohnt sich, weil wir ganz sicher sein dürfen, dass wir immer einen Beschützer um uns herum haben, wo auch immer wir uns gerade befinden.
Ist das nicht wunderbar ?

3. Gottes Spuren

Wenn uns auf wundersame Art und Weise geholfen wird oder wenn wir in der Not auch noch gelassen bleiben dann fällt dies natürlich auch unseren Mitmenschen auf, die vielleicht mit dem Christentum noch nichts am Hut haben. So erging es auch dem Aufseher im Gefängnis. Wenn einem Aufseher in der damaligen Zeit auf wundersame Weise die Gefangenen abhanden
kamen, dann war seine Karriere und sein Leben am Ende. Man machte mit solchen Menschen in der Tat kurzen Prozess. Um dem zu entgehen, wollte er sich selber töten.

Aber dann durfte er feststellen, dass alle Gefangenen noch zugegen waren, keiner war geflohen. Es musste also etwas geschehen sein, was man mit dem menschlichen Verstand einfach nicht begreifen konnte. Dies muss den Aufseher innerlich ganz, ganz stark berührt haben.

Lassen Sie es mich einmal so ausdrücken: Manchmal muss Gott einen Menschen ganz klein machen, bevor er sich zu Ihm bekehrt. Gefängnisaufseher waren schon damals hart gesottene Burschen. So richtig harte Kerle würde man heute sagen. Die ließen sich so schnell nichts
vormachen. Aber dann steht unser Aufseher auf einmal vor dem Nichts. Sein ganzes Lebensgebäude wird mit einem kleinen Erdbeben ins Wanken gebracht.

Und genau zu diesem Zeitpunkt fragt er, wie denn auch er gerettet werden könnte. Er wusste ja, weshalb Paulus und Silas inhaftiert wurden. Sicherlich hat er davon gehört, was man Paulus und Silas vorwarf. Sicherlich wird er das alles als Spinnerei abgetan haben diese Sache mit dem auferstandenen Jesus. Aber als dann unvermittelt und ohne Vorwarnung ein Erdbeben kam, da kam sein Weltbild doch ins Wanken. Sollte es etwa doch einen Gott geben, der soeben persönlich eingegriffen hat ? Sollten Paulus und Silas am Ende doch recht haben mit dem, was sie über Jesus
erzählten ? Und schließlich, wenn sie recht haben, dann bin ich ja verloren. Kann dieser Gott auch mir aus meiner Situation heraushelfen ?

Mit dieser Unsicherheit kam der Aufseher zu Paulus und Silas. „Glaube an den Herrn Jesus, so wirst du und dein Haus selig.“ Das war die Botschaft, die der Aufseher zu hören bekam.

Liebe Gemeinde, dies ist genau die Botschaft, die auch wir heute im 21. Jahrhundert immer wieder weitergeben sollen. Nicht durch religiöse Kraftanstrengungen oder durch jede Menge guter Taten kann ein Mensch gerettet werden, sondern nur durch den Glauben.

Jeder Mensch kann Vergebung der Sünden und das ewige Leben als Geschenk erhalten. Er muss es nur annehmen. Das ist es, was wir immer und immer wieder verkündigen sollen. Und glauben Sie mir, der Glaube ist ansteckend. Das sehen wir schon an der Familie des Aufsehers. Und auch
heute noch kann der Glaube ansteckend sein. Ich habe es sehr häufig erlebt, dass gerade von jungen Menschen in der Konfirmandenzeit der Glaube in das Elternhaus getragen wurde. Nicht wenige Elternpaare nahmen später an Glaubenskursen teil. Es ist doch immer wieder wunderbar, wenn
wir Gottes Eingreifen persönlich erleben dürfen.

Ergriffen von soviel Macht und Liebe unseres Herrn zu uns war sicherlich auch der Liederdichter Heino Tangermann, als er das Lied „Vergiss nicht zu danken…“ dichtete, dessen erster Vers lautet, wie folgt:

Vergiss nicht zu danken dem ewigen Herrn, er hat dir viel Gutes getan.
Bedenke, in Jesus vergibt er dir gern, du darfst ihm, so wie du bist, nahn.
Barmherzig, geduldig und gnädig ist er, viel mehr als ein Vater es kann.
Er warf unsre Sünden ins äußerste Meer, kommt, betet den Ewigen an.

Der Herr begleite Dich auf allen Deinen Wegen
Der Herr befreie Dich von allen Deinen Nöten
Der Herr halte Dich ganz fest in SEINER Hand

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und eine schöne neue Woche.
Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Kantate. Der heutige Sonntag steht unter dem Zeichen des Glaubens. Das stehen doch eigentlich alle Sonntage, aber gerade der heutige Sonntag beschäftigt sich mit einem speziellen Aspekt des Glaubens, nämlich der „Glaubensgefahr“ Nummer 1. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei Matthäus im 21. Kapitel, die Verse 14-17. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Und es gingen zu ihm Blinde und Lahme im Tempel, und er heilte sie. Als aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten die Wunder sahen, die er tat, und die Kinder, die im Tempel schrien: Hosianna dem Sohn Davids !, entrüsteten sie sich und sprachen zu ihm: Hörst du auch, was diese sagen ?
Jesus antwortete ihnen: Ja ! Habt ihr nie gelesen (Psalm 8,3): “ Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob bereitet ?“ Und er ließ sie stehen und ging zur Stadt hinaus nach Bethanien und blieb dort über Nacht.

Liebe Gemeinde,

unser heutiger Predigttext beschäftigt sich also mit dem Glauben, bzw. mit dem Weg dahin, welcher funktioniert und mit einem Weg, der nicht funktioniert. Lassen Sie uns gemeinsam diese beiden Wege betrachten und unsere Schlüsse daraus ziehen.

1. Der Kopfweg – Die Glaubensgefahr

Als die Hohenpriester die Wunder Jesu sahen, da entrüsteten sie sich.
Das sagt uns zumindest der heutige Predigttext. Warum eigentlich ? Weil sie vermutlich die Wunder Jesus vom Kopf her nicht verstanden. Wunder kann man wissenschaftlich nicht erklären und darum dürfen sie auch nicht sein. Das war damals so und hat sich bis zum heutigen Tage auch nicht viel verändert.

Ich wage einmal zu behaupten, dass man den Zugang zum Glauben niemals über den Kopf finden kann. Der Intellekt ist nämlich immer auf das begrenzt, was wir kennen und erkennen können. Alles, was über diesen Horizont geht, ist für uns nicht mehr greif- und begreifbar. Die Gefahr
für den Glauben, der höher ist, als all unsere Vernunft, besteht darin, dass wir uns über diesen stellen.

Verkopfte Menschen neigen dazu, sich selber in den Mittelpunkt zu stellen. Verkopfte Menschen neigen dazu, sich über das Wort Gottes zu stellen, weil sie meinen, alles, aber auch wirklich alles selber erklären zu können. Durch diese Vorgehensweise, liebe Gemeinde, findet man nicht den Zugang zu Gott, da man Gott absichtlich klein macht, so klein, dass man ihn gerade noch mit dem eigenen Verstand erklären kann.

Und alles, was dann über den eigenen Verstand hinausgeht, das darf dann auch nicht sein.
Natürlich waren die Hohenpriester damals noch nicht so weit mit ihrer Erkenntnis, wie wir es heute sind. Aber hat sich wirklich so viel geändert ? Ich glaube, es hat sich gar nichts geändert. Nach wie vor versuchen Teile der theologischen Wissenschaft vom Standpunkt des Menschen aus Gott zu erklären und Ihn auch zu definieren. Was dabei herauskommt, sind derart intelligente Schlüsse und Konsequenzen, die nicht all zu selten dazu führen, dass der Verfasser derselben, diese schon gar nicht mehr erklären kann.

Halten wir also mal als ersten Punkt fest: Wer Jesus allein mit dem eigenen Kopf begreifen will, wird sich selbigen einrennen.

2. Der Herzensweg

Wenn wir uns den Predigttext weiter betrachten, dann stellen wir fest, dass es die Kinder waren, die den Herrn Jesus in Seiner ganzen Macht und Allmacht erkannt hatten. Wie kommt das eigentlich, dass gerade den Kindern die große Glaubenserkenntnis zuteil wurde, die den Erwachsenen
verborgen blieb ?

Denken wir doch einmal an kleine Kinder. Diese haben meist soviel Vertrauen zu ihrem Vater, dass sie ihm alles zutrauen. Geht ein Spielzeug kaputt, wird es dem Vater gegeben in der festen Gewissheit, dass dieser es wieder reparieren kann. Egal, was auch immer geschieht, kleine Kinder sind der festen Überzeugung, dass ihr Vater alles wieder richten kann.

Mit dieser Einstellung gehen die Kinder unseres Predigttextes auch an den Glauben heran. Sie haben die Wunder Jesu gesehen und diese als Wunder angenommen. Und genau dadurch wurde ihr Herz für den Glauben aufgetan. Und auch dies hat sich bis zum heutigen Tage nicht geändert.

Nur wenn wir unserem Herrn unser Herz auftun und allen Intellekt einmal beiseite lassen, dann können wir IHN und SEIN Wirken auch in der heutigen Welt immer und immer wieder erkennen und erleben. Wenn wir mit dem Kopf an die Sache des Glaubens herangehen, dann stoßen wir immer wieder an unsere geistigen Schranken. Und diese sind es auch, die uns den einfachen Glauben verbieten. Das sind die Stimmen, die in uns hochkommen und uns sagen
„Das kann doch alles gar nicht sein“.

Erst wenn wir diese geistigen Schranken auftun, dann wird der Weg zu unserem Herzen frei. Dann können wir Jesus und Sein Wirken erkennen und dankbar im Glauben annehmen.

Halten wir also als zweiten Punkt fest:
Nur der Herzensweg führt zum wahren und echten Glauben

3. Der praktische Weg

Das hört sich bisher auch alles ziemlich logisch und einfach an. Nur sind wir eben keine Kinder mehr, die so unbedarft an den Glauben herangehen können. Aber wie finden denn wir Erwachsenen den Weg zum wahren und echten Glauben ? Auch hier sagt uns der Herr Jesus, wie wir dies schaffen können.
„Wenn ihr nicht umkehrt und werdet, wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen (Matthäus 18,3).

Wohlgemerkt, Jesus meint nicht „kindisch“, sondern „kindlich“. Daher müssen wir uns zum Abschluss noch ein wenig damit beschäftigen, was denn einen kindlichen Glauben ausmacht. Der kindliche Glaube ist nicht von Misstrauen, sondern von Vertrauen geprägt.

Wir sind ja sehr schnell dabei, wenn es um Misstrauen geht.
Misstrauen macht kaputt, Vertrauen hingegen baut auf.
Diesen Satz sollten wir uns unbedingt merken und bei jeder Situation, wo wir in die Misstrauensfalle zu tappen drohen, uns daran erinnern.

Wir neigen ja dazu, unsere Welt nüchtern und sachlich zu betrachten. Das meinen wir jedenfalls. Aber denken wir nur einmal an die Kinder und deren Phantasien. Da können Autos fliegen und Schiffe auf dem Mond landen. Fragen doch auch wir uns öfters einmal wieder „was wäre wenn“.
Was wäre eigentlich, wenn die Welt ganz einfach anders funktioniert, als wir es meinen und begreifen können. Wir werden durch diese Fragestellung nicht nur wieder offener für neue Ideen. Nein, auch der Herr Jesus kann dann Seinen Platz bei uns einfacher einnehmen.

Jetzt mag uns dies vielleicht alles ein wenig „spanisch“ vorkommen. Wir mögen auch in einer Situation sein, in welcher wir dies nicht so einfach können. Wir können unsere geistigen Schranken vielleicht nicht von alleine öffnen. Aber eines können wir dennoch, wir können alle Tage unseres Lebens den auferstandenen Herrn bitten, die Tore unseres Herzens ganz weit aufzutun, damit ER Einzug halten kann. Und wenn wir dies ehrlichen Herzens tun, dann lässt ER sich nicht lange bitten.

Wenn der Herr Jesus in unserem Herzen Einzug gehalten hat, dann können wir alle sicherlich voller Dankbarkeit in die erste Strophe des Liedes „So nimm denn meine Hände…“ einstimmen, die da lautet, wie folgt:

So nimm denn meine Hände und führe mich
bis an mein selig Ende und ewiglich.
Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt:
wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.

Der Herr mache Dein Herz weit auf für IHN und SEIN Wort
Der Herr ziehe in Dein Herz ein mit SEINEM ganzen Segen
Der Herr mache Dich zum Segen für alle Deine Mitmenschen

Amen

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Lesergemeinde!

Ich grüße Sie herzlich am 4. Sonntag nach Ostern, dem Sonntag Kantate.
Singet dem Herrn!
Das Predigtwort für den heutigen Sonntag steht im Kolosserbrief,
im 3. Kapitel, in den Versen 12 – 17:²

„So ziehet nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; und vertrage einer den andern und vergebet euch untereinander, wenn jemand Klage hat wider den andern; gleichwie der Herr euch vergeben hat, so auch ihr. Über alles aber ziehet an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit; und der Friede Christi regiere in euren Herzen, zu welchem ihr auch berufen seid in einem Leibe; und seid dankbar. Lasset das Wort Christi reichlich wohnen in euch: lehret und vermahnt euch selbst in aller Weisheit mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern und singet Gott dankbar in euren Herzen. Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles in dem Namen des Herrn Jesus und danket Gott, dem Vater, durch ihn.“

Der Herr segne an uns SEIN Wort!

Liebe Gemeinde!
Wechselndes Wetter und wechselnde Anlässe lassen uns öfter in den Kleiderschrank schauen als gewöhnlich. Dabei stellt sich auch für nicht Modebewusste die Frage: Was soll ich anziehen? Das gilt für den Alltag, für festliche Angelegenheiten, für dienstliche Termine und für Reisevorbereitungen. Natürlich sind dabei der Anlass und die zu erwartende Umgebung von Bedeutung. Dabei werden wir bewusst oder unbewusst von anderen Überlegungen geleitet. Wir fragen uns:
In welcher Kleidung fühle ich mich wohl? Wie möchte ich wahrgenommen werden?

Unser Predigtwort aus dem Kolosserbrief greift die Frage nach unserer Kleidung auf. Es benutzt Kleidung als Einstiegsbild für unser Leben als Christen.

Der Verfasser erinnert uns als Gemeinde:
– Ihr seid erwählt, berufen und gesandt durch Gottes Liebe!
– Was Ihr empfangen habt, sollt Ihr als Gottes Liebe zu den Mitmenschen bringen!
– Ihr habt eine Botschaft Gottes!
– Lebt sie im Weitersagen und in der Art und Weise, wie Ihr Euren Mitmenschen
begegnet!

„So ziehet nun an … herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld, und vertragt einer den andern und vergebet euch untereinander, wenn jemand Klage hat wider den andern; gleichwie der Herr euch vergeben hat, so auch ihr. Über alles aber ziehet an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.“

In all diesen Verhaltensweisen wird das uns von Jesus geschenkte neue Leben sichtbar. Sie sollen so unser Tun und Denken bestimmen, damit wir unsere Mitmenschen je nach ihrer Situation in Gottes Liebe begegnen können.

– Diese Liebe sucht nach Wegen, um der Einzigartigkeit der Situation und des
Gegenübers zu begegnen.
– Sie bewahrt vor der Gleichförmigkeit des Handelns.
Wenn wir einem verzweifelnden Menschen begegnen, kann es sein, dass er ein
helfendes tröstendes Wort braucht. Es kann sein, dass er einen Menschen braucht,
der ihn an die Hand nimmt und ein Stück seines Weges mit geht. Es kann auch sein,
dass er Jemanden braucht, der sich ihm zuwendet, bei dem er sich ausweinen kann.

In allem verbindet sich ein Handeln und Weitergeben von Gottes Botschaft der helfenden Liebe zu einer Einheit. Es geschieht etwas ähnliches wie dort, wo Gewand und Wesen einer Person zu einer Persönlichkeit werden.

Das ist möglich, wo wir durch Jesus Frieden mit Gott und mit uns selber gefunden haben.

Gott zeigt uns in SEINEM Wort, wie Jesus das für uns am Kreuz erwirkt hat. Gottes Wort kann uns zu solcher Erkenntnis und Annahme führen. Auf SEIN Wort hin können wir den Frieden in Christus erbitten und dankend annehmen. Darum ist es wichtig, immer aufs Neue dem Wort Gottes zu begegnen.

Dazu lädt uns der Apostel ein:
„Laßt die gute Nachricht von Christus ihren ganzen Reichtum bei euch entfalten. Helft einander sie immer besser zu verstehen und ermahnt euch gegenseitig in aller Weisheit“ (Kol 3,16; Die gute Nachricht, Bibel).

In diesen Worten zeigt uns der Apostel Schritte, die wir gehen können –
die Bereitschaft, dem Wirken von Jesu Botschaft Raum zu geben und das Hören auf Weisung und Ermahnung aus brüderlicher Liebe.

Dabei sind nicht menschliche Ratschläge entscheidend. Solche Ratschläge können durchaus hilfreich sein, weil ein Anderer manches unbefangen einschätzen kann, als wir selber.

Hier ist eine Weisung und Mahnung gemeint, die sich durch Gottes Geist vom Wort Gottes leiten lässt!

So nennt der Verfasser neben der Schrift das Zeugnis von Liedern, die aus Gottes Geist leben. Er erinnert an Erfahrung mit Psalmen und Liedern, die aus Glauben gewachsen sind. Die Psalmen und das Gesangbuch sind nicht nur Liedsammlungen, sondern sie sind Zeugnis vom gelebtem Glauben, als Antwort auf Gottes Wort. Wie Predigten können sie unser Herz bewegen, verändern und zur Gottes Ehre zum Klingen bringen.

Der Apostel sagt: „Singt Gott dankbar in eurem Herzen.“

Brauchen wir solche Aufforderung?
Wenn es in unserem Herzen singt, brauchen wir dann dazu Ermutigung?

Doch nicht alle Gottesdienste geben uns Raum, dass unser Herz zum Klingen kommt. Auch Chor und Band erreichen nicht immer unser Herz. Manche Texte verstehen wir nicht, mancher Melodie können wir nicht folgen. Manche Predigt erreicht nicht unser Herz.

Manchmal sollten wir einfach versuchen, fremden Worten, fremden Melodien, fremden Glauben mitzugehen.

Gott kann es schenken, dass wir darüber zum Singen des eigenen Herzens zur Ehre Gottes finden. An anderer Stelle kann es geschehen, wo wir nicht zum Mitsingen bereit sind, dass wir im versuchten Nachsingen zu einem singenden Herzen geführt werden.

Auch wenn wir als Gemeinde hinter künstlerischren Ansprüchen zurückbleiben, kann dennoch in unserem Glauben Anbetung und Lobpreis Gottes geschehen.

Ein Singen aus dem Herzen ist ein Geschenk aus Glauben heraus.

Es lässt den Glauben zur Ehre Gottes wachsen. Der Apostel lädt uns ein:
„Und alles was ihr tut mit Worten oder Werken, das alles tut in dem Namen des Herrn Jesus und danket Gott, dem Vater, durch ihn.“

Mit dieser Einladung lasst uns in die neue Woche gehen.
Gottes Segen geleite uns.

Es grüßt herzlich
Pfr.i.R. Steinführer