Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 5. Sonntag der Passionszeit, dem Sonntag Judika. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Evangelisten Johannes im 18. Kapitel, die Verse 28 bis 19. Kapitel Vers 5. Lassen Sie uns diesen Predigttext zunächst gemeinsam lesen:

Da führten Sie Jesus von Kaiphas zum Prätorium; es war früh am Morgen. Und sie gingen nicht hinein, damit sie nicht unrein würden, sondern das Passahmahl essen könnten.
Da kam Pilatus zu ihnen heraus und fragte: Was für eine Klage bringt ihr gegen diesen Menschen vor? Sie antworteten und sprachen zu ihm: Wäre dieser nicht ein Übeltäter, wir hätten ihn dir nicht überantwortet. Da sprach Pilatus zu ihnen: So nehmt ihr ihn hin und richtet ihn nach eurem Gesetz. Da sprachen die Juden zu ihm: Wir dürfen niemand töten.
So sollte das Wort Jesu erfüllt werden, das er gesagt hatte, um anzuzeigen, welchen Todes er sterben würde. Da ging Pilatus wieder hinein ins Prätorium und rief Jesus und fragte ihn: Bist du der König de Juden? Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus oder haben’s dir andere über mich gesagt?
Pilatus antwortete: Bin ich ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir überantwortet. Was hast du getan? Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darum kämpfen, dass ich den Juden nicht überantwortet würde; nun aber ist mein Reich nicht von dieser Welt.
Da fragte ihn Pilatus: So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme. Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit? Und als er das gesagt hatte, ging er wieder hinaus zu den Juden und spricht zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm.
Es besteht aber die Gewohnheit bei euch, dass ich euch einen zum Passafest losgebe; wollt ihr nun, dass ich euch den König der Juden losgebe? Da schrien sie wiederum: Nicht diesen, sondern Barrabas! Barrabas aber war ein Räuber. Da nahm Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln. Und die Soldaten flochten eine Krone aus Dornen und setzen sie auf sein Haupt und legten ihm ein Purpurgewand an und traten zu ihm und sprachen: Sie gegrüßt, König der Juden!, und schlugen ihm ins Gesicht.
Da ging Pilatus wieder hinaus und sprach zu ihnen: Seht, ich führe ihn heraus zu euch, damit ihr erkennt, dass ich keine Schuld an ihm finde. Und Jesus kam heraus und trug die Dornenkrone und das Purpurgewand. Und Pilatus spricht zu ihnen: Seht, welch ein Mensch!

Liebe Gemeinde,

eigentlich ein Text, der für Karfreitag eher passend wäre als für den Sonntag Judika. „Gott schaffe mir Recht“, so lautet die Übersetzung des Namens für diesen Sonntag. Recht und Gerechtigkeit gehören ja immer auch mit der Wahrheit zusammen. Wahres Recht und wahre Gerechtigkeit ohne Wahrheit sind daher schlichtweg undenkbar.

So lassen Sie uns heute morgen einmal über die Wahrheit zusammen nachdenken.

1. Was ist Wahrheit?

Diese Frage stellte sich Pilatus, als er zwischen zwei Stühlen, oder aber besser gesagt zwischen zwei Wahrheiten stand. Die Wahrheit des Sohnes Gottes und die Wahrheit der Ankläger und Leugner widersprechen sich total.

Kommt uns dies nicht bekannt vor ? Da treffen engagierte Jesusjünger auf Ungläubige und es entwickelt sich dann schnell ein Streitgespräch über den Glauben. Außenstehenden fällt es dann sehr schwer, sich ein Urteil über das zu bilden, was sie gerade so mitbekommen haben.

Die Wahrheit in der Religion zu suchen ist da sicherlich keine so gute Idee. Aber die Wahrheit in Jesus zu suchen, das könnte schon eher klappen. Aber wie komme ich zur Wahrheit ?

Wir finden die Wahrheit allein in Gottes Wort, der Bibel. Wenn die Bibel Gottes Wort ist und wenn Gott immer die Wahrheit spricht, dann ist alles, was in der Bibel steht auch tatsächlich wahr.

Und wenn wir uns jetzt das Neue Testament vornehmen und dort alles über Jesus nachlesen, dann kommen wir automatisch auch zu den „Ich bin Worten“ von Jesus im Johannesevangelium. Dort sagt Jesus einmal selbst: „Ich bin die Wahrheit und das Leben…“

Wenn wir die Bibel lesen, sie intensiv studieren und auch darüber beten, dann kommen wir zu dem Schluss, dass Jesus die Wahrheit ist. Einen anderen Schluss lässt die Bibel nämlich gar nicht zu.

Und dann ist es auch einfacher über die Wahrheit zu diskutieren. Sie macht sich nicht an irgendeiner Religion fest, sondern an der Person Jesu Christi. Und diese Wahrheit braucht keine Diskussionen über Glauben und Religion. Diese Wahrheit kann jeder persönlich erleben, der Jesus Christus in sein Leben einlädt.

2. Wie stehe ich zur Wahrheit ?

Jetzt kommt natürlich die spannende Frage: Wie gehe ich mit der Wahrheit um ? Gehe ich so damit um, dass ich es akzeptiere, dass Jesus die Wahrheit und der einzige Weg zu Gott ist.

Oder aber bastel ich mir meine eigene Wahrheit ? Und diese eigene Wahrheit kann ganz schön gefährlich werden. Wenn Jesus in dieser Wahrheit nicht mehr vorkommt, dann ist der Weg klar und ersichtlich, den ich gehe. Dies ist zum Beispiel beim Buddhismus der Fall.

Gefährlich wird meine Wahrheit, wenn Jesus immer noch irgendwie darin vorkommt, aber nur eine untergeordnete Rolle spielt. Wenn Jesus der Weg und die Wahrheit ist, dann kann ich ihn nicht zum Propheten degradieren, wie es der Islam macht.

Wenn ich zur Wahrheit stehe, dann ist alles andere als Jesus für mich nebensächlich. Alle Menschen, dies diesen Weg zu Jesus gefunden haben, berichten unisono, wie der Herr nach und nach ihr Leben umgekrempelt hat. Konsequente Anerkennung der Wahrheit führt also unter Jesu Führung in die konsequente Nachfolge hinein.

Wo zum Beispiel früher die Hobbys an erster Stelle standen, ist es jetzt die Bibel, das Gebet und die Gemeinschaft der Brüder und Schwestern, die an erster Stelle stehen.

3. Die Wahrheit im Alltag

So, und jetzt kommt noch der große Prüfstein des Alltages. Wenn wir sonntags in der Kirche Gottesdienst feiern, dann ist dies eine ganz besondere, heilige Stunde. Wenn wir an den Gemeinschaftsstunden teilnehmen, dann sind wir als Jünger und Jüngerinnen unseres Herrn unter uns. Und auch in der täglichen Gebetszeit sind wir mit dem Herrn allein auf Du und Du.

Und dann sind wir aber auch noch Menschen, die am Alltagsleben teilnehmen, also auch von ungläubigen Menschen umgeben sind.

Ist dann immer noch „Jesus First“ für uns, oder hängen wir dann unser Mäntelchen in den Wind. Wenn wir auf der Karriereleiter nach oben streben, dann kann es schon mal vonnöten sein, dass wird mit der Wahrheit ein wenig großzügig umgehen. Machen ja alle so.

Wenn es um den Verkauf meines Autos geht, dann kann man ja schon mal den einen oder anderen Mangel verschweigen. Fällt eh nicht auf und das machen doch alle so.

Und wenn es darum geht, einen Termin nicht wahrnehmen zu wollen, dann muss sie schon mal herhalten, die gute alte Notlüge.

Liebe Gemeinde, wer so mit der Wahrheit im Alltag umgeht, der geht sicherlich nicht so mit ihr um, wie der Herr es von uns erwartet. Wie ER selber stets in der Wahrheit blieb, so sollen auch wir als seine Jünger stets in der Wahrheit bleiben.

Natürlich tut dies manchmal weh. Wir verpassen vielleicht die ein oder andere Karriereposition oder aber verdienen eben nicht so viel Geld wie andere Menschen. Auch, um bei unserem Auto zu bleiben, erhalten wir einen geringeren Preis, wenn wir alle Mängel angeben. Aber, und das sagte ein guter Freund von mir, der schon in der Ewigkeit ist: „Abgerechnet wird zum Schluss.“

Also lassen Sie uns stets nach der Wahrheit streben und in ihr leben und uns von ihr leiten. Dann sind und bleiben wir auf dem Weg, den der Herr von uns erwartet.

Und wenn wir doch mal fallen sollten, und wir werden immer wieder fallen, dann gilt immer wieder das Wort unseres Herrn für uns, dass er bei uns ist alle Tage bis an der Welt Ende. Wir dürfen als gefallene Sünder nämlich immer wieder in die rettenden Arme unsreres Vaters im Himmel zurückkehren.

Lassen Sie uns zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes unseren Herrn um seine immerwährende Gnade bitten, indem wir in den 1. und 4. Vers des Liedes „Ach bleib mit deiner Gnade…“ (EG 347) von Josua Stegman einstimmen, die da lauten, wie folgt:

Ach bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ,
dass uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List.
Ach bleib mit deinem Segen, bei uns, du reicher Herr;
dein Gnad und alls Vermögen in uns reichlich vermehr.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag nd eine ebensolche Woche unter der ständigen Gnade unseres Herr.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 5. Sonntag in der Passionszeit, dem Sonntag Judika. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 1. Buch Mose, Kapitel 22, die Verse 1-13. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Nach diesen Geschichten versuchte Gott Abraham und sprach zu ihm: Abraham! Und er antwortete: Hier bin ich. Und er sprach: Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du lieb hast, und geh hin in das Land Morija und opfere ihn dort zum Brandopfer auf einem Berge, den ich dir zeigen werde. Da stand Abraham früh am Morgen auf und gürtete seinen Esel und nahm mit sich zwei Knechte und seinen Sohn Isaak und spaltete Holz zum Brandopfer, machte sich auf und ging hin an den Ort, von dem ihm Gott gesagt hatte. Am dritten Tage hob Abraham seine Augen auf und sah die Stätte von ferne und sprach zu seinen Knechten: Bleibt ihr hier mit dem Esel. Ich und der Knabe wollen dorthin gehen, und wenn wir angebetet haben, wollen wir wieder zu euch kommen. Und Abraham nahm das Holz zum Brandopfer und legte es auf seinen Sohn Isaak. Er aber nahm das Feuer und Messer in seine Hand; und gingen die beiden miteinander. Da sprach Isaak zu seinem Vater Abraham: Mein Vater! Abraham antwortete: Hier bin ich, mein Sohn. Und er sprach: Siehe, hier ist Feuer und Holz; wo ist aber das Schaf zum Brandopfer? Abraham antwortete: Mein Sohn, Gott wird sich ersehen ein Schaf zum Brandopfer. Und gingen die beiden miteinander. Und als sie an die Stätte kamen, die ihm Gott gesagt hatte, baute Abraham dort einen Altar und legte das Holz darauf und band seinen Sohn Isaak, legte ihn auf den Altar oben auf das Holz und reckte seine Hand aus und fasste das Messer, dass er seinen Sohn schlachtete. Da rief ihn der Engel des Herrn vom Himmel und sprach: Abraham! Abraham ! Er antwortete: hier bin ich. Er sprach: Lege deinen Hand nicht den Knaben und tu ihm nichts; denn nun weiß ich, dass du Gott fürchtest und hast deines einzigen Sohnes nicht verschont um meinetwillen. Da hob Abraham seine Augen auf und sah einen Widder hinter sich in der Hecke mit seinen Hörnern hängen und ging hin und nahm den Widder und opferte ihn zum Brandopfer an seines Sohnes statt.

Liebe Gemeinde,

ganz schön starker Tobak, den wir soeben gehört haben. Hätte ich das auch so konsequent mit meinem Sohn gemacht, wenn Gott dies von mir gefordert hätte? Ich glaube natürlich, dass ich dies nicht gemacht hätte. Aber was hat dann dieser heutige Predigttext für einen Sinn? Was will er uns aufzeigen? Ich glaube hinter dem Predigttext stehen drei Punkte, die wir vielleicht schnell überlesen, weil wir von dem Geschehen als solchem schnell in unseren Bann gezogen werden.

1. Gott unterbricht

Liebe Gemeinde, es gibt ja durchaus Menschen, die nach ihrer Bekehrung meinen, sie dürften überhaupt nichts mehr tun; außer zu Hause zu sitzen um auf göttliche Aufträge zu warten. Dies ist natürlich ein phänomenaler Unsinn, aber es gibt tatsächlich Religionsgemeinschaften, die dies so sehen.

So war Abraham natürlich nicht. Er kannte Gott und tat genau das, was nötig war, um seinen Lebensunterhalt zu sichern. Er schob also die Verantwortung für sich und die Seinen nicht auf Gott ab, sondern arbeitete, wie wir alle es tun, um unsere Familien zu ernähren. Natürlich betete er auch zu Gott, aber alles zu seiner Zeit.

Ein bekannter Evangelist hat dies einmal wie folgt auf den Punkt gebracht, als er gefragt wurde, ob Arbeiten oder Beten wichtiger sei: Arbeite so, als ob nur die Arbeit von Gott gewürdigt wird und bete so, als ob nur beten helfen würde.

Mitten in seine Arbeit hinein rief Gott den Abraham an. Abraham unterbrach sofort seine Arbeit und widmete sich augenblicklich Gott zu. Er ließ sich also bereitwillig von Gott in seiner Tätigkeit unterbrechen. Machen wir das heute auch noch so ? Ist es nicht vielmehr so, dass wir in diesem Falle sagen: „Jetzt nicht Gott, ich bin leider gerade zu beschäftigt.“ Und dann wundern wir uns, wenn wir so wenig mit Gott zusammen erleben.

Denken wir doch einmal daran, dass alles, was wir haben und alles, was wir sind wir schließlich von Gott erhalten haben. Demzufolge hat er nicht nur das Recht uns jederzeit zu unterbrechen, nein nicht nur das, wir haben demzufolge geradezu auch die Pflicht, uns gefälligst von Gott unterbrechen zu lassen. Wenn Ihr Chef auf der Arbeitsstelle Ihnen etwas mitteilen will, dann unterbrechen Sie ja auch Ihre momentane Tätigkeit und fokussieren sich auf das, was der Chef Ihnen sagen will.

Machen wir dies doch bei Gott ab jetzt genau so.

2. Raus aus der Komfortzone

Gott erteilt Abraham einen Auftrag. Der hatte es, wie wir gesehen haben, in sich. Da war nichts mehr mit religiöser Gefühlsduselei und frommen Chorälen. Bei diesem Auftrag ging es im wahrsten Sinne des Wortes an die Substanz. Und doch machte sich Abraham auf Geheiß seines Herrn auf den Weg, genau so, wie es der Herr ihm befohlen hatte.

Jetzt sind wir doch alle mal ganz ehrlich, wir sind ja unter uns. Es ist doch viel schöner in einer christlichen Gemeinschaft über Gott und unsere Erlebnisse mit ihm zu reden und zu diskutieren. Das tut doch richtig gut, von den anderen verstanden zu werden und zu erfahren, dass es ihnen genau so ergangen ist, wie uns. In völliger Eintracht und Frieden leben wir zusammen und genießen die Zeit der Gemeinschaft so richtig.

Bloß ist dies nicht unser Auftrag, den Gott uns erteilt hat. Wir sollen eben nicht in den Kirchen sitzen und aufpassen, dass ja kein Fremder unsere Idylle und den Frieden stört. Unser Auftrag lautet: „Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker; taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“ (Matthäus 28, 19-20)

So, und dieser Auftrag kommt von Gott ganz persönlich und ist daher weder auslegbar, noch verhandelbar. Was bedeutet dies für uns? Wie Abraham werden wir von Gott höchstpersönlich aus unserer Komfortzone herausgerufen und beauftragt, diesen Auftrag auszuführen. Und der hat es sin sich.

Wir sollen ja nicht nur zu den Menschen gehen, die uns freundlich gesinnt sind, uns brav zuhören und sich anschließend allesamt bekehren. Nein, Gott spricht von allen Völkern. Und da sind auch solche dabei, dies uns eher misstrauisch, wenn nicht gar feindlich gesinnt gegenüberstehen. Und auch da sollen wir nicht kneifen.

Wie wir das umsetzen sollen, das ist uns selber überlassen. Wir können dies mit Herzen, Mund und Händen tun. Aber immer so, dass jeder erkennt, welche Botschaft wir weitergeben möchten.

3. Schattenspringer

Ich bekomme schon ein wenig Gänsehaut, wenn ich mir bildlich vorstelle, wie Abraham seinen Sohn Isaak auf dem Holz festbindet und dann mit dem Messer drauf und dran war, seinen Sohn zu opfern.

Ich wünsche natürlich uns allen, dass Gott uns niemals in eine ähnliche Situation führen wird. Aber Gott wird uns auf unserem Wege mit ihm immer wieder in Situationen führen, wo auch wir über den sprichwörtlichen Schatten springen müssen.

Da bekommt ein junger Mensch den Auftrag, für Gott als Prediger tätig zu werden. Er bekommt aber immer wieder Panik, wenn er vor mehr als fünf Menschen öffentlich reden soll. Zieht jetzt Gott seinen Auftrag zurück, weil er sich bei der Auswahl der Person vielleicht doch geirrt hat?

Nein, Gottes Auftrag bleibt bestehen. Der junge Mann muss wohl oder übel predigen, also über seinen eigenen Schatten springen. Denken wir noch einmal an Matthäus 28, also an unseren Generalauftrag. Der geht nämlich noch weiter: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Und das ist das entscheidende an unserem Leben mit und für unseren Herrn. Egal, was auf uns zukommt, er ist immer bei uns. Der junge Mann hat Angst vor öffentlichen Auftritten? Indem Moment wie er vor der Gemeinde steht Gott neben ihm und steht ihm bei. Gott hilft spätestens rechtzeitig. Und darauf können wir uns voll und ganz verlassen.

Ich glaube, dass wir Christen uns immer wieder im Schattenspringen üben sollten, das ist nämlich unsere Paradedisziplin. Wir haben Streit mit unserem Ehepartner und sind uns so richtig gram? Warum springe ich nicht über den Schatten und gehe den ersten Schritt in Richtung Versöhnung? Gott hilft mir dabei. Wir meinen, wir könnten uns der neuen beruflichen Herausforderung doch gar nicht stellen. Warum eigentlich nicht? Werden wir doch Schattenspringer in der festen Gewissheit, dass Gott mit springt und uns sogar über die Hürde trägt, wenn wir es nicht alleine schaffen. Wir haben Angst uns dem Mainstream entgegenzustellen, der zum Beispiel der Meinung ist, dass wir schon genug Flüchtlinge in unserem Land haben. Warum stellen wir uns denn denen nicht entgegen? Gott ist doch bei uns und steht uns bei.

Aus diesen Alltagsbeispielen sehen wir, dass wir immer wieder als Schattenspringer gefordert sind. Machen wir es doch auch, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt in dem festen Vertrauen auf Gottes Zusage: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Der Liederdichter Manfred Siebald hat für uns Schattenspringer einen mutmachenden Vers zur Hand, den wir uns tagtäglich ins Gedächtnis rufen dürfen. Es ist der erste Vers seines Liedes „Es geht ohne Gott..“, welcher lautet, wie folgt:

Es geht ohne Gott in die Dunkelheit
aber mit ihm gehen wir ins Licht.
Sind wir ohne Gott macht die Angst sich breit
aber mit ihm fürchten wir uns nicht.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche als Schattenspringer zusammen mit unserem Herrn.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 5. Sonntag in der Passionszeit, dem Sonntag Judika. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Hebräerbrief, Kapitel 5, die Verse 7-9. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Und er hat in den Tagen seines irdischen Lebens Bitten und Flehen mit lautem Schreien und mit Tränen dem dargebracht, der ihn vom Tod erretten konnte; und er ist auch erhört worden, weil er Gott in Ehren hielt. So hat er, obwohl er Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt. Und als er vollendet war, ist er für alle, die ihm gehorsam sind, der Urheber des ewigen Heils geworden.

Liebe Gemeinde,

auch wenn der Predigttext sich auf unseren Herrn bezieht, dann dürfen wir doch indirekt daraus auch das ableiten, was für uns heute Gültigkeit besitzt und unser Leben mit dem Herrn als unsere Mitte bestimmt. Lassen Sie uns daher heute einmal gemeinsam darüber nachdenken, was denn an diesem Leben mit dem Herrn als unserem Lebenszentrum so besonders ist.

1. Bitten Flehen, Schreien

Wir dürfen uns mit allem Bitten, Flehen und Schreien direkt an unseren Herrn wenden.

Wenn wir das Wort Bitten lesen, dann steht dort im Urtext das Wort „deesis“, welches sich auf ganz konkrete Bitten bezieht. Gott möchte sich um einen jeden einzelnen von uns ganz besonders kümmern. Wir haben keinen „Weltengott“, der sich nur um das große ganze kümmert und dem dabei der einzelne Mensch vollkommen gleichgültig ist. Wir haben einen ganz persönlichen Gott, der stets nur ein Gebet weit von einen jeden von uns entfernt ist.

Daher dürfen wir ihn auch ganz konkret um das bitten, was uns fehlt. Und wenn wir Gott um etwas bitten, was unserem Nächsten fehlt, dann nennen wir das Ganze Fürbitte. Viele Menschen beten ja immer ganz allgemein für den Weltfrieden und die Abschaffung der Hungersnöte auf dieser Welt. Das ist auch gut und richtig. Aber viele Menschen vergessen dabei die ganz persönlichen Anliegen, mit denen sie ebenfalls vor Gott treten können.

Dann lesen wir noch das Wort Flehen. Unter Flehen und Schreien verstehen wir ein ganz besonderes verstärktes Bitten. Insbesondere, wenn es sich um ganz persönliche bittere Nöte handelt, dann kommt Flehen und Schreien zum Einsatz.

Gott ist ein Gott, der möchte, dass es uns gut geht. Wir haben nicht den strafenden Gott über uns, der nur darauf wartet, dass wir einen Fehler machen, damit er uns nach allen Regeln der göttlichen Kunst abstrafen kann. Aber es kann ja auch Situationen geben, in welchen wir uns vielleicht von Gott entfernt haben und wie man so schön zu sagen pflegt „unser eigenes Ding“ gemacht haben.

Wenn dieses eigene Ding dann gehörig in die Hose gegangen ist, dann dürfen wir mit all unserem Schmerz trotzdem wieder zu Gott kommen. Gott wendet sich niemals beleidigt ab, sondern wartet immer wieder darauf, dass wir mit unserem Schreien und Flehen zu ihm zurückkehren.

2. Wir werden erhört

Mit diesem Hören ist ein aktives Hören Gottes gemeint. Wir hören ja alle viel, aber nur weniges interessiert uns derart, dass wir aktiv zuhören und uns mit dem beschäftigen, was wir gerade gehört haben.

Gottes „Erhören“ ist immer ein derartiges aktives Zuhören. Wir meinen ja manchmal, dass unsere Gebete spätestens unter der Zimmerdecke ihre Wirkung verlieren. Weit gefehlt, liebe Gemeinde. Wir dürfen nicht unsere eigenen Gefühle mit den Gefühlen Gottes verwechseln. Jeder, der sich ehrlichen Herzens an Gott wendet darf davon überzeugt sein, dass Gott sich seiner Nöte und Sorgen annimmt.

Ehrlichen Herzens heißt nichts anderes, als dass wir mit Gottesfurcht angetan vor Gott im Gebet erscheinen. Gottesfurcht klingt heute in unseren Ohren schnell ein wenig pathetisch. Deshalb lassen Sie uns diesen Begriff zu definieren versuchen.

Gottesfurcht ist nichts anderes, als dass ich gehorsam und demütig vor Gott trete. Ds heißt, dass ich meinen eigenen Willen aufgebe und zuallererst nach dem Willen Gottes Frage. Demut ist keine Haltung der persönlichen Erniedrigung, sondern eine innere Haltung, die erkennt, dass der, vor den ich trete alles aber auch wirklich alles besser kann und weiß als ich selber.

Gehorsam resultiert schließlich aus dieser Haltung heraus. Wenn ich meinen eigenen Willen aufgebe und nach dem Willen dessen frage, der mich in- und auswendig kennt und der ganz genau weiß, was den am besten für mich und mein Leben ist, dann ist es doch nur logisch, dass ich diese Weisung für mein Leben dann auch im Gehorsam befolge.

Wie erkenne ich den Das Wort Gottes in meinem Leben ? Natürlich durch das Gebet. Nun leben wir alle in einer hektischen Zeit, wo viele von uns der Meinung sind, überhaupt keine Zeit mehr zu haben. Schnell wird dann noch ein Gebet gesprochen, mit Amen abgeschlossen und dann geht es gleich wieder an das Tagesgeschäft.

Können Sie sich ein Gespräch mit einem Bekannten vorstellen, wo nur Sie reden, und sich nach Abschluss Ihrer Rede dankend verabschieden. Das wird jedenfalls keine Freundschaft auf Dauer sein. Wenn Sie einen Bekannten um seinen Rat fragen, dann sollten Sie sich auch die Zeit des Zuhörens nehmen.

Nichts anderes ist dies mit dem Gebet. Das Gebet mit dem Amen zu beschließen ist sicherlich vollkommen richtig. Es gibt ein Buch von Hans-Peter Royer, welches den Titel trägt: „Nach dem Amen bete weiter.“

Und genau dies ist auch der Knackpunkt. Wenn wir in eine wirklich ernsthafte und dauerhafte Beziehung mit unserem Herrn eintreten wollen dann müssen wir uns auch die Zeit des Zuhörens nehmen. Gott redet mit jedem von uns, der sich die Zeit nimmt, ihm zuzuhören. Das ist übrigens genau so sicher, wie das berühmte Amen in der Kirche. Man muss es nur probieren.

3. Die Basis

Wir haben uns damit beschäftigt, wie wir vor Gott treten können und damit, was er alles für uns tun möchte. Wenn ich das Alte Testament lese, dann ging die Sache mit Gott und den Menschen aber ganz anders aus. Da war nichts mehr mit persönlichem Zugang eines jeden von uns.

Der direkte Weg Gott – Mensch war nach dem Sündenfall beendet. Obwohl sich die ersten Menschen über die Gebote Gottes ganz einfach hinweggesetzt hatten, mussten sie zwar bestraft werden, aber trotzdem liebte Gott „seine“ Menschen nach wie vor.

Es stand nur ein gewaltiges Hindernis zwischen uns Menschen und Gott, welches die Bibel Sünde nennt. Dieser gewaltige Brocken musste irgendwie an die Seite geräumt werden, damit der Weg von uns Menschen zu Gott wieder frei werden konnte.

Man brauchte also, wie wir es im Predigttext lesen einen Urheber des ewigen Heils. Und dieser Urheber war unser Herr Jesus Christus. Jesus Christus, der vollkommen sündlos war, nahm durch seinen stellvertretenden Opfertod die Strafe für all unsere Sünden mit ans Kreuz. Und wurde so der Urheber des ewigen Heils für alle Menschen, die dies für sich in Anspruch nehmen möchten.

Wenn wir wollen, das all unsere Bitten und Flehen und unser Schreien vor Gott erhört werden, dann brauche wir nur zu ihm umkehren. Das heißt, wir müssen ehrlichen Herzens unsere Sünden bereuen und ihn bitten mit uns einen Neuanfang zu wagen. Da die Strafe für unsere Sünden bereits unser Herr auf sich genommen hat, ist nun unser Weg zu ihm wieder frei.

Diesen Weg, den Jesus für uns bereitet hat, den beschreibt der Liederdichter Philipp Friedrich Hiller sehr schön in dem 5. Vers seines Liedes „Jesus Christus herrscht als König…“ (EG 123), der da lautet, wie folgt:

Nur in ihm, o Wundergaben, können wir Erlösung haben,
die Erlösung durch sein Blut.
Hört’s: Das Leben ist erschienen, und ein ewiges Versühnen
kommt in Jesus uns zugut.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und eine guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Judika. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei Markus, Kapitel 10, die Verse 35-45. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Da gingen zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sprachen: Meister, wir wollen, dass du für uns tust, um was wir dich bitten werden. Er sprach zu ihnen: Was wollt ihr, dass ich für euch tue? Sie sprachen zu ihm: Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde? Sie sprachen zu ihm: Ja, das können wir. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde; zu sitzen aber zu
meiner Rechten oder zu meiner Linken, das steht mir nicht zu, euch zu geben, sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist. Und als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes. Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.

Liebe Gemeinde,

es hat sich wohl nicht viel geändert in den letzten 2000 Jahren. Auch heute geht es doch ähnlich ab, wenn es um die Verteilung von angesehenen Posten und Stellen geht. Hat man den Chef schon einmal alleine für sich, dann macht man doch gleich Werbung in eigener Sache. Bloß immer den anderen zuvorkommen, man könnte ja sonst benachteiligt werden. Letztendlich geht es doch nur darum, möglichst schnell die Karriereleiter hinaufzusteigen, damit man endlich herrschen kann und nicht immer nur dienen muss.

Begleitet ist dieses Procedere meist von unzähligen Intrigen, Ränkespielen und natürlich auch jeder Menge Enttäuschungen.

Genau so eine Situation finden wir im heutigen Predigttext vor. Und dann stellt Jesus das vor, was ich einmal als Jesus Prinzip bezeichne. Er stellt mit seinem „Dienen anstatt Herrschen“ wohl alles auf den Kopf, was bisher so seine Gültigkeit hatte. Und doch bewirkt das Jesus Prinzip eine ganze Menge. Lassen Sie uns heute Morgen einmal dieses Jesus Prinzip und seine Auswirkungen auf uns etwas näher betrachten.

1. Liebe und Fürsorge

Wir hatten eingangs schon darüber gesprochen, dass der Kampf um den nächsthöheren Posten meist nicht ohne Reibereien einhergeht. Wenden wir doch in dieser Situation einmal das Jesus Prinzip direkt an. Stellen wir uns doch einmal vor, wir würden in einer ähnlich gelagerten Situation wie der unseres Predigttexte nicht uns selbst, sondern einen Mitbewerber für den nächsten Schritt auf der Karriereleiter empfehlen.

Wäre das nicht viel entspannter, als selber um alles kämpfen zu müssen.
Stellen wir uns einmal vor, unser Mitbewerber würde diesen Job bekommen. Wenn er erfährt, und er wird es erfahren, dass wir ihn vorgeschlagen haben, wird es zu einem sehr viel entspannteren Verhältnis mit ihm kommen. Anstelle gegenseitiger Machtkämpfe kann es tatsächlich zu einem
Miteinander kommen, welches von Vertrauen und der Fürsorge füreinander getragen wird.

Wenn wir uns einmal vor Augen führen, dass nach einer aktuellen Mc Kinsey Studie nahezu jeder Manager in einer Führungsposition rund 40 % seiner Arbeitszeit damit verwendet, um Menschen abzuwehren, die an seinem Stuhl sägen, ist es hochnotwendig, dass wir so schnell wie möglich dieses Prinzip in die Tat umsetzen. 40 % unproduktive Zeit sprechen wohl schon allein für sich.

Aber sind wir nicht die gutmütigen Trottel, die den anderen alles überlassen und das auch noch vollkommen kampflos? Wird man uns nicht auslachen, wenn wir genau dies tun? Das kann durchaus passieren und es wird sicherlich auch so sein, aber langfristig werden wir uns mit dem Jesus Prinzip durchsetzen. Übrigens, wenn wir uns den Predigttext genau ansehen, dann handelt es sich bei dem Hinweis von unserem Herrn nicht um eine unverbindliche Hilfestellung, wie wir uns verhalten sollen.

„Aber so ist es bei euch nicht“, so lesen wir es in unserem Predigttext.
Jesus unterstellt also, dass wir uns natürlich so verhalten, wie er es uns vorgibt. Also lassen Sie uns dies auch so tun. Und wenn es einmal partout nicht klappen will, unser Herr ist nur ein Gebet weit entfernt.

2. Gewalt

Es war Weihnachten 1914. Englische und deutsche Soldaten bekämpften sich an der Front. Und auf einmal stiegen Sie aus ihren Schützengräben und verbrachten das Weihnachtsfest in vollkommener Eintracht.

Das passiert immer dann, wenn wir das Jesus Prinzip anwenden. „Wer groß sein will, der soll dem anderen dienen“, so sagte es uns unser Herr. Dienen heißt aber auch im Weiteren dem anderen zuvorzukommen. Zuvorzukommen zum Beispiel mit einer Deeskalierung von Gewalt.

Wie schnell entsteht aus einem harmlosen Streit hemmungslose Gewalt. Das können wir nahezu jeden Abend im Fernsehen verfolgen. Denken wir doch einmal darüber nach, was passieren würde, wenn gleich zu Beginn eine der Streitparteien nachgegeben hätte. Wir hätten darüber gar nichts in den Nachrichten gehört, da dort wieder der Friede Einzug gehalten hätte.

Wie oft meinen wir als Eltern zum Beispiel unsere Machtansprüche unseren Kindern gegenüber durchsetzen zu müssen.“ Solange du deine Beine noch unter meinem Tisch…“, das kennen vermutlich die Älteren unter uns noch all zu gut. Was passiert? Die Fronten verhärten sich. Was wäre, wenn wir dem Jesus Prinzip folgend auf unseren zugegebenermaßen sehr renitenten Nachwuchs eingehen würden, versuchen würden seine Probleme zu erkennen und dann ein Hilfsangebot anstelle einer Machtdemonstration unterbreiten würden.

Genau das schlägt uns Jesus vor. Nur so nebenbei bemerkt, das ist ungleich schwerer, als die eigene Macht zu demonstrieren. Macht zu demonstrieren das kann nun wirklich jeder Depp. Aber es sagt ja auch keiner, und Jesus schon gar nicht, dass das praktizierte Christentum jeden Tag eitel Freude bedeutet.

Übrigens sei an dieser Stelle noch darauf hingewiesen, dass diese Form der Kommunikation auf der anderen Seite auch nicht ohne Wirkung bleibt. Wenn wir der anderen Seite keine Angriffsfläche mehr bieten, kann sie auch nicht zurückschlagen. Warum sollte sie auch schlagen? Es gibt ja gar keinen Grund dafür. Und dann kann sich das Jesus Prinzip weiter ausweiten. Wer nicht mehr zurückschlagen muss, der wird automatisch ein Stück weit Frieden in seinem Herzen tragen, der ideale Nährboden
übrigens für das Jesus Prinzip.

3. Gemeinschaft

In welcher Gemeinschaft sind wir lieber: In einer Gemeinschaft, wo es nur darum geht, wer an der Spitze steht oder aber in einer Gemeinschaft, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, gerade den schwächsten Gliedern zur Seite zu stehen? Ich muss kein Prophet sein um zu sagen, dass wir uns
in letzterer wohl ungleich besser aufgehoben fühlen, als in einer Gruppe von machtgierigen Egozentrikern.

Aber wie komme ich in eine solche Gemeinschaft hinein? Ich sage mal ganz provokant: Gar nicht!!! Wir müssen sie schon selber gründen. Ja, liebe Gemeinde, dies sagt Jesus explizit aus. Das Jesus Prinzip fängt immer bei mir an. Ich darf, kann und soll nicht erwarten, dass mein Gegenüber damit beginnt. Ich bin hier gefragt, ich ganz allein.

Wenn ich das Jesus Prinzip in die Tat umsetze, also wenn ich nicht immer der erste sein will, wenn ich es mir zur Aufgabe mache, meinen Mitmenschen zu helfen, dann trete ich eine Spirale los, die sich immer mehr zum Jesus Prinzip entwickelt.

Wir leben in einer Welt, die nach dem Motto lebt: „Erst komm ich und dann komm ich und dann kommst Du noch lange nicht.“ Wenn wir Jesus ernsthaft nachfolgen wollen, dann müssen wir uns auf der Stelle von diesem Lebensmotto endgültig verabschieden. Erst wenn wir beginnen dieses Motto in sein Gegenteil umzukehren, erst dann sind wir auf dem richtigen Wege, auf dem Wege, den unser Herr gern mit uns gemeinsam gehen möchte.

Jeder Weg beginnt bekanntlich mit dem ersten Schritt. Und wenn er noch so weit zu sein scheint, dieser Weg, so sollten wir heute den ersten Schritt tun. Und wenn wir auf dem Wege verzagt und müde werden und manchmal auch so recht nicht mehr die richtige Richtung erkennen, dann dürfen wir immer wieder unseren Herrn bitten, uns doch wieder den rechten Weg aufzuzeigen. ER wird sich bestimmt nicht umsonst bitten lassen.

Man darf keine Wunder erwarten. OK, das sehe ich ein. Das hat Mutter Teresa bestimmt auch nicht getan, als sie ihr Hilfsprojekt begann. Und was ist heute daraus geworden? Denken wir also nicht immer gleich an die großen Ziele und Dinge, die wir mit dem Herrn Jesus zusammen erreichen möchten. Tun wir genau das, was Gott uns direkt vor die Füße legt. Und machen wir dies in seinem Sinne. Ich bin sicher, dass sich dann immer mehr solcher Gemeinschaften bilden werden, die einander dienen anstatt einander zu beherrschen.

Dies alles kann aber nur gelingen, wenn der Herr Jesus in unserem Leben an erster Stelle steht. Eine derart ehrfurchtsvolle Haltung beschreibt der Liederdichter Bartholomäus Crasselius sehr schön in dem 1. Vers seines Liedes „Dir, dir, o Höchster will ich singen…“ (EG 328), der da lautet, wie folgt:

Dir, dir, o Höchster will ich singen,
denn wo ist doch ein solcher Gott wie du ?
Dir will ich meine Lieder bringen;
ach gib mir deines Kraft dazu,
dass ich es tu im Namen Jesu Christ,
so wie es dir durch ihn gefällig ist.

Der Herr gebe Dir die Kraft Deinen Mitmenschen zu dienen
Der Herr gebe Dir den Mut, immer den ersten Schritt zu wagen
Der Herr segne Dich allezeit bei Deinem Dienst an Deinen Mitmenschen

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Judika. Der heutige Sonntag beschäftigt sich mit dem Thema Gehorsam. Wie Jesus gehorsam war und den schweren Gang an das Kreuz ging, so sollen auch wir Gott gegenüber gehorsam sein, auch wenn uns das eine oder andere manchmal so gar nicht passt.
Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 13. Kapitel des Herbräerbriefes, die Verse 12-14. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Liebe Gemeinde,

Gehorsam gegenüber unserem Herrn ist nicht immer einfach, dient uns aber in allen Dingen zum Besten. Darauf dürfen wir unser ganzes Vertrauen setzen. Lassen Sie uns die drei Sätze unseres heutigen Predigttextes einmal chronologisch betrachten, denn in ihnen steckt das gesamte Evangelium und somit auch unsere gesamte Zukunft.

1. Gelitten draußen vor dem Tor

Jesus litt „draußen“, damit wir wieder „drinnen“ sein können. Die Betonung liegt in diesem Falle auf dem Wort KÖNNEN.

Gott lässt uns nämlich die freie Wahl. Jesus ist für uns draußen vor dem Tor den Tod eines Verbrechers gestorben, den wir eigentlich verdient haben. Mit diesem Tode hat Er ein für alle Male für all unsere Sünden bezahlt. Für diejenigen der Vergangenheit, für diejenigen der Gegenwart, aber auch für alle zukünftigen Sünden.

Jetzt kommt der Dualismus der Gnade. Es ist ja nicht so, dass damit alle Menschen erlöst wurden. Nein, liebe Gemeinde, allein mit dem Bezahlen der Sünde ist es noch nicht getan. Mit Jesu Tod wurde das KÖNNEN geschaffen. Es kommt nun auch auf das WOLLEN an. Dieses Gnadengeschenk gilt nämlich nur für die Menschen, die diese Gnadentat auch im Glauben annehmen wollen.

Nur wenn ich die Gnade auch annehme, darf ich der festen Gewissheit sein, dass ich in den Himmel kommen werde. Wir sehen, es besteht auch die Option der ewigen Verdammnis. Diese ist bestimmt für Menschen, die dieses Gnadengeschenk nicht annehmen wollen. Gott lässt einem jeden Menschen die freie Wahl. Keiner wird gezwungen, in den Himmel zu kommen.

2. So lasst uns hinausgehen

Nun dürfen wir den Gedanken von gerade eben noch einmal aufnehmen. Gott möchte nicht, dass auch nur ein Mensch in der Hölle landet. Gott möchte, dass alle Menschen errettet werden.

Jetzt haben wir aber ein Problem: Genau diese Menschen finden wir nicht sonntags in der Kirche, in der Bibelstunde und anderen christlichen Gemeinschaftsveranstaltungen. Das hat natürlich zur Folge, dass wir unsere Komfortzone der Kirche verlassen müssen.

Natürlich ist es schön unter Gleichgesinnten Gott zu loben und IHM die Ehre zu geben. Da ist auch gar nichts gegen einzuwenden. Wir benötigen diese Zeit mit Gott auch, damit Er uns wieder mit neuen Kräften ausstatten kann.

Diese Kräfte, liebe Gemeinde, sollen wir dann einsetzen, um die Menschen zu erreichen, die sich noch außerhalb der Gnade befinden.

Ich sage es einfach mal ganz klipp und klar: Wenn Jesus für uns draußen vor der Stadt den Erlösungstod gestorben ist, dann sollten wir doch in der Lage sein, dies unseren Mitmenschen weiterzugeben. Natürlich ist dies nicht immer einfach.

„Seine Schmach tragen“, so lesen wir es in unserem Predigttext. Und jetzt kommen wir zum Gehorsam. Wir sollen in Demut und im Gehorsam die frohe Botschaft weitergeben. Auch, und gerade dann, wenn wir dafür mal schief angesehen werden oder belächelt und verspottet werden. Da, liebe Gemeinde, müssen wir einfach durch.

Aber wir haben einen Beistand. Der, der nicht im Tode blieb, der den Tod auf ewig besiegt hat, den Gott am dritten Tage auferweckt hat von den Toten, der ist unser Beistand.

Ein kleiner Tipp aus der Praxis, der mir immer wieder hilft: Vor schwierigen Gesprächen, insbesondere bei Versammlungen wo eben Kritik ohne Ende auf mich niederprasseln kann, bespreche ich die Lage vorher mit meinem Herrn.

Ich habe danach immer das feste Gefühl und die Gewissheit, dass ich immer in vorbereitete Verhältnisse komme. Natürlich kommt nach wie vor die gesamte Palette von Ignoranz, Dummheit und Kritik. Aber sie trifft mich nicht mehr persönlich. Und dann kann ich viel gelassener mit solchen Situationen umgehen.

3. Keine bleibende Stadt

Als Christen sind wir auf der Reise. Unser ganzes Leben lang.

Wissen Sie, was das trügerischste Instrument auf Erden ist ? Es ist unsere Uhr. Schauen wir einmal auf die Zeiger der Uhr. Jede Stunde beginnt wieder alles von vorn. Wir übertragen dies gern auf unser Leben. Das ist der große Trugschluss.

Unser Leben ist keine Uhr, sondern eine Einbahnstraße. Jeden Tag gehen wir ein Stück weiter auf dieser Straße. Niemals können wir ein Stück weit zurückgehen. Wir laufen immer weiter vorwärts.

Unsere Heimat ist der Himmel, den wir am Ende der Zeiten erreichen werden. Bis dahin dürfen wir an des Herren Hand unser Leben hier auf Erden leben.

Daher ist das Christenleben auch so spannend. Auf der Einbahnstraße kommen wir immer weiter voran. Nichts wiederholt sich vollkommen identisch. Wir werden immer wieder neuen Aufgaben begegnen, die wir mit unserem Herrn zusammen meistern sollen.

Und das allerschönste an diesem Christenleben ist, dass es sich zwar um eine Einbahnstraße handelt, aber nicht um eine Sackgasse. Am Ende steht eben nicht unser irdischer Tod und dann das große schwarze Loch. Am Ende steht zwar unser irdischer Tod. Aber durch den gehen wir nur hindurch hin zu unserem Herrn. Und dann sind wir in der zukünftigen Stadt, die wir hier auf Erden unser Leben lang gesucht haben.

Daher, liebe Gemeinde, wird das Thema irdischer Tod im Neuen Testament auch kaum mehr gewürdigt. Wenn wir uns vergegenwärtigen, dass wir durch die Annahme des Gnadengeschenkes Gottes schon das ewige Leben als Zusage erhalten haben, dann ist grundsätzlich unser irdisches Ableben bedeutungslos. Als Christen gehen wir heim zu unserem Herrn, um mit Ihm zusammen die Ewigkeit verbringen zu dürfen.

Das alles tat unser Herr für uns, als Er draußen vor dem Tor gelitten hat und all unsere Sünden auf sich genommen hat. Folgen wir Ihm doch einfach nach. Lassen wir doch IHN unser Leben bestimmen.

Denjenigen, der uns dabei hilft, diesen Weg zu gehen, den beschreibt der Liederdichter Paul Gerhardt sehr schön in dem zweiten Vers seines
Liedes: „Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich…“ (EG 351), der da lautet, wie folgt

Nun weiß und glaub ich feste, ich rühm’s auch ohne Scheu,
dass Gott, der Höchst und Beste, mein Freund und Vater sei
und dass in allen Fällen er mir zur Rechten steh
und dämpfe Sturm und Wellen und was mir bringet Weh.

Der Herr gebe Dir die Kraft, SEINE Botschaft frohen Herzens zu verkündigen
Der Herr gebe Dir den Mut, IHN Deinen Mitmenschen gegenüber zu bezeugen
Der Herr gebe Dir stets die Gewissheit des ewigen Lebens in Dein Herz hinein

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen frohen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Judika. Wir nähern uns nunmehr dem Ende der Passionszeit und damit auch dem Kreuzestod unseres Herrn. Was im Vorfeld geschah davon lesen wir in unserem heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im Johannesevangelium, Kapitel 11, die Verse 47-53.
Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Da versammelten die Hohenpriester und die Pharisäer den Hohen Rat und sprachen: Was tun wir ? Dieser Mensch tut viele Zeichen. Lassen wir ihn so, dann werden sie alle an ihn glauben, und dann kommen die Römer und nehmen uns Land und Leute. Einer aber von ihnen, Kaiphas, der in dem
Jahr Hoherpriester war, sprach zu ihnen: Ihr wisst nichts; ihr bedenkt auch nicht: Es ist besser für euch, ein Mensch sterbe für das Volk, als dass das ganze Volk verderbe. Das sagte er aber nicht von sich aus, sondern weil er in dem Jahr Hoherpriester war, weissagte er. Denn Jesus sollte sterben für das Volk, und nicht für das Volk allein, sondern auch, um die verstreuten Kinder Gottes zusammen zu bringen. Von dem Tage an war es für sie beschlossen, dass sie ihn töteten.

Liebe Gemeinde,

in unserem Predigttext lesen wir von drei an dem Geschehen beteiligten Fraktionen. Lassen Sie uns diesen Sonntag nutzen, ein wenig mehr über die einzelnen Personen zu erfahren.

1. Die Fraktion Jesus

Stellen wir uns doch einmal vor, wir wären in der damaligen Zeit mit dabeigewesen, als Jesus Seine Lehr- und Wundertätigkeit an vielen Orten durchführte.

Denken wir nur einmal an den bereits toten und teilweise verwesten Lazarus. Diesen holt Jesus zurück vom Tod hinein in das Leben. Ich glaube, selbst die hartgesottesten Mitgeschwister unter uns, die schon so ziemlich alles erlebt haben, wären aus dem Staunen gar nicht mehr
herausgekommen.

Aber das war noch nicht alles. Dann gab es noch eine blutflüssige Frau, die nur den Saum des Gewandes, welches Jesus trug berührte und die mit einem Male geheilt war. Von Jesus war eine Kraft ausgegangen, die jahrzehntelangem Leiden mit einem Male ein Ende bereitete.

Wenn wir das Neue Testament zu Rate ziehen, dann könnten wir bis heute Abend und darüber hinaus ähnliche Heilsgeschichten aufzählen.

Was ist eigentlich so faszinierend an allen diesen Berichten. Wenn wir sie ganz genau betrachten, dann gehen Heilungen und andere Wunder quer durch alle Bevölkerungsschichten. Egal ob arm ob reich, Jesus nimmt sich aller Menschen an, die Seiner Hilfe bedürfen. Insbesondere die Armen und
Rechtlosen stehen ganz besonders in Seinem Fokus. Alle, die eben keinen Fürsprecher in der Gesellschaft haben, deren Probleme nimmt Er sich in ganz besonderer Form an.

Das führt natürlich bei den sogenannten „Oberen“ zu einigem Missmut und so mancher Verstimmung. Wer das Volk hinter sich hat, der hat alsbald das Sagen im Lande. Und das ist gefährlich.

2. Die Fraktion der Kirchenoberen

Wäre irgendeine Gruppe von Phantasten durch das damalige Israel gereist und hätte irgendeinen Blödsinn verkündigt, dann hätte sich alles von alleine geregelt. Ich denke, auch wir hätten nicht mehr als ein müdes Lächeln dafür übrig. In den achtziger Jahren des letzten Jahrhundert bevölkerten rot gekleidete Sektenangehörige unsere Innenstädte und wollten die Bevölkerung bekehren. Heute spricht kaum mehr einer über sie.

Aber mit diesem Jesus war es etwas anderes. Er lehrte nicht nur, Er tat auch etwas.
Und Er tat etwas, was sonst kein Mensch tun konnte.

Und wenn Kirchen merken, dass man ihre Macht untergraben könnte, dann wird’s gefährlich. Nicht nur damals. Jahrhundertelang war alles gut gegangen. Das Volk spendete eifrig, um sich von den Sünden mit diversen Opfern loskaufen zu lassen und es hielt sich auch an die von den Oberen teilweise selbst aufgestellten Regeln. Das war natürlich schon einmal ein einträgliches Geschäft. Und dann noch das Ansehen, dass man als Pharisäer und erst als Hoherpriester genoss. Das war schon etwas. Sowas gibt man so schnell jedenfalls nicht auf.

Und nun tritt dieser Jesus auf und stellt das gesamte System in Frage. Die Oberen werden von Jesus im wahrsten Sinne des Wortes einfach abgekanzelt. Das hat man natürlich nicht gern als einer der Oberen. Jetzt wissen aber die Oberen, dass wohl von Jesus eine geheime Kraft ausgeht, die Er allen Menschen kostenlos zur Verfügung stellt.

Um die alten Zeiten wieder herzustellen hilft eigentlich nur eines. Dieser Jesus muss weg. Daran hat sich bis heute übrigens nicht viel geändert. Wer unbequem ist, der muss mundtot gemacht werden. Da machen auch die Kirchen nicht halt. Also beschließen sie, Jesus zu töten.

3. Die Fraktion des Volkes

Das Volk schließlich war hin- und hergerissen. Kam doch einer auf sie zu, der ihnen Heilung und Rettung versprach, ja, nicht nur versprach, sie konnten mit eigenen Augen sehen, wie Menschen um sie herum geheilt wurden. Sie konnten am eigenen Leibe die Kraft von diesem Jesus erfahren.

Und doch, als es schließlich hart auf hart kam, da stand das Volk in gewohnter Weise hinter den Oberen und nicht mehr hinter Jesus.

4. Wie entscheidest Du dich ?

Das ist die einzige Frage, die heute wichtig ist. Wir wissen, dass Jesus immer noch die Kraft und die Macht hat, in das Leben eines jeden Einzelnen von uns einzugreifen. Wir wissen, dass wir nur errettet werden können, wenn wir uns diesem Jesus in unserem Leben voll und ganz hingeben.

Wir kennen alle die richtige Entscheidung. Es ist glaube ich keiner unter uns, der sein Heil woanders als bei diesem gekreuzigten Jesus sucht.

Und jetzt kommt der springende Punkt, der sich seit damals nicht geändert hat.
Zeigt man sich all zu evangelikal (so nennt die Kirche die wahren Jesusjünger) ja dann wird es heikel.
Das kann ja wohl nicht sein, dass der Kirche die Macht und Lehrbefugnis abgesprochen wird und dass nur noch dieser Jesus regieren soll.

Also werden flugs die Evangelien umgestrickt. Wunder sind keine Wunder mehr, sondern nur noch fromme Legenden. Auferstehung und Himmelfahrt sind sinnbildlich für eine weitere mögliche, eventuelle außerirdische Existenz, die uns eventuell erwarten könnte. Und so nimmt man den ganzen Sprengstoff aus der Bibel heraus, bis sie nur noch ein harmloses Buch, wie eines unter vielen ist.

Ganz im Sinne der Kirchen übrigens. Nur wenn Jesus die Macht abgesprochen wird, die Er zweifelsohne auch heute noch hat, dann hat der Klerus wieder mehr Macht. Dann bestimmen sie ja, was richtig und was falsch ist. Und hier gilt es für uns heute im 21. Jahrhundert, Flagge zu zeigen. Die Fahnen hochhalten für diesen Jesus, der auch heute noch Wunder tut, der sterbenskranke Menschen mit einem Wort heilt und der auch heute noch den größten Sünder zur Umkehr bewegen kann.

Diesen Jesus, liebe Gemeinde, diesen Jesus gilt es gerade heute wieder in seiner reinen Form zu verkündigen, wie ER in der Bibel steht. Wenn uns dies wieder gelingt, dann werden wir auch unsere Mitmenschen wieder für Jesus begeistern können. Egal, welcher Konfession diese angehören.

Ein großer Theologe des 20. Jahrhunderts hat dies bereits vorhergesehen, nämlich Dietrich Bonhoeffer. Nicht von ungefähr kam sein Postulat des religionslosen Christentums. Wenn wir dahinkommen, hat keine Religion der Welt mehr die Möglichkeit, die frohe Botschaft entsprechend ihren Bedürfnissen zurecht zu biegen. Und darüber sollten wir einmal in aller Ruhe nachdenken.

So jetzt ein Satz zum Schluss. Ich habe natürlich nichts gegen Kirchen.
Ich liebe jede Form von Gottesdienst. Aber ich bleibe jeder Kirche fern, die die frohe Botschaft entmythologisiert. Und ich höre mir keine Predigt mehr an, in der der Herr Jesus nicht im Mittelpunkt steht. Das mag jetzt ein wenig hart klingen, ist aber letztendlich nur konsequent.

Und konsequente Nachfolge benötigen wir in Deutschland nötiger denn je.

Natürlich stoßen wir bei der konsequenten Nachfolge auf Widerstand. Das sagt uns der Herr Jesus schon in der Bibel. In solchen Zeiten sollten wir uns mit dem ersten Vers des Liedes “ Ist Gott für mich, so trete…“ von Paul Gerhardt selber Mut zusprechen bzw. zusingen. Dieser Vers lautet, wie folgt:

Ist Gott für mich, so trete gleich alles wider mich;
sooft ich ruf und bete, weicht alles hinter sich.
Hab ich das Haupt zum Freunde und bin geliebt bei Gott,
was kann mir tun der Feinde und Widersacher Rott ?

Der Herr gebe Dir die Kraft, SEIN Wort weiter zu sagen
Der Herr gebe Dir die Kraft, SEIN Wort auch zu leben
Der Herr gebe Dir die Kraft allen Widersachern zu widerstehen

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag. Wenn es heute einmal etwas direkter war, dann muss ich mit den Worten von Wilhelm Busch antworten, als er einmal gefragt wurde, warum er denn so energisch auftrete. Seine Antwort war:

„Wenn ich über die Vermehrung der Maikäfer reden soll, dann bin ich ganz gelassen, wenn es aber um unser aller ewiges Leben oder um die ewige Verdammnis geht, da kann ich nicht mehr gelassen daherreden.“

Einen schönen Start in die neue Woche wünscht Ihnen allen
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem Sonntag Judika. Wollten Sie immer schon einmal wissen, wie ein ganz normaler Tag in der Wüste aussah, nachdem Mose das Volk aus Ägypten geführt hatte. In unserem heutigen Predigttext wird genau so ein Tag beschrieben. Wir
finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im 4. Buch Mose, Kapitel 21, die Verse 4-9. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Mose richtet die eherne Schlange auf

Da brachen sie auf von dem Berge Hor in Richtung auf das Schilfmeer, um das Land der Edomiter zu umgehen. Und das Volk wurde verdrossen auf dem Wege und redete wider Gott und wider Mose: Warum hast du uns aus Ägypten geführt, dass wir sterben in der Wüste ? Denn es ist kein Brot noch Wasser hier, und uns ekelt vor dieser mageren Speise. Da sandte der Herr feurige Schlangen unter das Volk; die bissen das Volk, dass viele aus Israel starben. Da kamen sie zu Mose und sprachen: Wir haben gesündigt, dass wir wider den Herrn und wider dich geredet haben. Bitte den Herrn,
dass er die Schlangen von uns nehme. Und Mose bat für das Volk. Da sprach der Herr zu Mose: Mache dir eine eherne Schlange und richte sie an einer Stange hoch auf. Wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben. Da machte Mose eine eherne Schlange und richtete sie hoch auf. Und wenn jemanden eine Schlange biss, so sah er die eherne Schlange an und blieb leben.

Liebe Gemeinde,

ein ganz normaler Tag in der Wüste soll dies gewesen sein ? Bei dem, was alles passiert ist. Das ist doch schlichtweg untertrieben. Und doch behaupte ich, es ist ein ganz normaler Tag gewesen. Ein ganz normaler Tag, wie er auch heute ist, oder gestern war. Lassen Sie uns diesen Tag doch anhand von drei Punkten ein wenig auseinander nehmen.

1. Die Alltäglichkeit des Luxus

Gott hatte durch seinen Knecht Mose, sein geliebtes Volk aus Ägypten geführt, also aus der Gefangenschaft in die Freiheit geführt. Das war schon eine tolle Sache für die Israeliten. Auf einmal nicht mehr unter der Knechtschaft der Ägypter zu stehen. Niemals mehr ein kaum zu bewältigendes Arbeitspensum so gerade irgendwie doch noch schaffen. Niemals wieder dem Druck und der Willkür der Ägypter ausgesetzt sein. Man war endlich frei und freute sich seiner Freiheit.

Aber wie das so ist. Die anfängliche Freude wich alsbald. Mit dem, was man erreicht hatte, war man alsbald nicht mehr zufrieden. Es musste mehr sein. Das, was Gott geschenkt hatte, war einfach nicht mehr genug. Die Älteren unter uns werden sich sicherlich noch an die Kriegs- und die Nachkriegszeit erinnern. Lebensmittel waren Luxusgüter. Es wurde so ziemlich alles verwertet. Und heute: Man schätzt dass rund 10 % aller Nahrungsmittel, obschon noch zum Verzehr tauglich, einfach weggeworfen werden. Man hat einfach Hunger auf etwas anderes, etwas das einfach
besser zu sein scheint.

Dieses Verhalten hat auch einen Namen, man nennt es Undankbarkeit. Nur ein kleiner Tipp am Rande: Wenn wir wieder vor jeder Mahlzeit beten, dann machen wir uns auch wieder bewusst, wem wir letztendlich das zu verdanken haben, was wir verspeisen dürfen. Wir gehen automatisch mit
den Gaben ganz anders um, als ohne Gebet.

Von der Undankbarkeit ist die Anklage Gottes, warum es einem denn so schlecht geht, auch nicht mehr weit entfernt. Und dies taten die Israeliten besonders ausgeprägt. Nichts war mehr gut genug. Immer nur Manna, da sterben wir doch dran. Und schuld war Mose, der die Israeliten auf Gottes Befehl hin aus Ägypten geführt hatte.

Und nun einmal Hand auf’s Herz. Sind wir nicht manchmal genau so ?
Wollen wir nicht insgeheim auch immer mehr und noch mehr. Das Erreichte wird nur all zu schnell zur Normalität. Früher war der Urlaub an der Nordsee noch ein highlight. Dann musste es nach Italien gehen. Danach kamen die Balearen dran und die Kanaren. Als auch dies nicht mehr exclusiv genug war musste die Karibik herhalten. Und wehe, das geht auf einmal nicht mehr so weiter. Ein Schuldiger ist dann immer sehr schnell gefunden. Ich hatte einmal mit einem Herrn zu tun, der
tatsächlich Gott für seinen Karriereknick verantwortlich machte, obschon er seit Jahren aus der Kirche ausgetreten war und sich als bekennender Atheist einen Namen gemacht hatte. Das ist schon ein wenig komisch, dass Gott auch bei Atheisten herhalten muss, wenn mal was daneben geht.

2. Der Rückzug

An dieser Stelle müssen wir einmal aufhören mit dem Märchen vom „lieben Gott“, der immer hilft und uns immer zur Seite steht, was auch immer wir für einen Unsinn gemacht haben.

Wenn wir in unserem Predigttext das Wort Schlange lesen, dann müssen wir kurz innehalten und dieses Symbol deuten. Mit der Schlange ist das Dunkle und das Böse in dieser Welt gemeint. Wir nennen es auch Satan oder Teufel.

Wichtig ist nunmehr folgendes: Die Schlangen waren immer schon gegenwärtig. Nur standen die Israeliten bisher unter dem Schutz Gottes. Und genau dieser Schutz sorgte dafür, dass satanische Mächte den Israeliten keinen Schaden antun konnten.

Jetzt waren die Israeliten aber in einer ganz anderen Situation. Sie klagten Gott an und warfen ihm insgeheim vor, Er sei schließlich schuld an ihrer Situation. Und was machte Gott ? Genau das, was auch wir machen würden, wenn jemand nichts mehr mit uns zu tun haben will. Er zog sich dezent und leise zurück. Das Dilemma war natürlich vorprogrammiert. Satanische Mächte, die von Gott in Schach gehalten wurden, hatten plötzlich freie Bahn, um Unheil unter den Israeliten anzurichten. Und das taten sie schließlich auch.

Und auch daran hat sich bis zum heutigen Tage nichts verändert. Wir machen immer noch Gott dafür verantwortlich, dass die Teufel, die wir selber rufen, uns Schaden antun. Je mehr wir Gott aus unserem Leben herausdrängen desto mehr Platz räumen wir diesen satanischen Mächten in unserem Leben ein. Stellenweise nehmen sie derart Besitz von uns, dass wir gar nicht mehr merken, was wir eigentlich anrichten.

Das Gefährliche an teuflischen Mächten ist eigentlich, dass wir diese gar nicht erst als solche erkennen. Sie geben sich ja auch nicht so. Der Teufel ist alles andere als dumm. Denken wir nur einmal an die Droge Alkohol. Alles beginnt mit dem sogenannten Gläschen in Ehren. Und wo
endet alles ? Häufig auf der Intensivstation im Krankenhaus.

Lassen Sie uns alle aufhören an den „lieben Gott“ zu glauben, der immer und überall alles wieder zum Besten richtet, was wir zerstört haben und weiter zerstören werden. Lassen Sie uns wieder zu dem gerechten Gott zurückkehren, der uns als Seine Kinder in Ewigkeit beschützen will.
Aber, Er erwartet auch etwas von uns.

3. Die Rettung

Gut, liebe Gemeinde, dass es diesen dritten Punkt auch noch gibt. Verdient haben wir ihn schließlich nicht. Wenn es nach unserem Verdienst ginge, dann wäre die Predigt nach dem zweiten Punkt beendet.

Wie wir dem Predigttext entnehmen können, beginnt jede göttliche Rettung mit dem Eingeständnis der eigenen Schuld. Wider seinem Willen wird kein Mensch gerettet. Das wäre ja auch unsinnig. Um unser obiges Beispiel drastisch zum Ende zu bringen: Wer weiter saufen will, den lässt Gott
auch weiter saufen. Die Konsequenzen hat er sich aber auch selber zuzuschreiben.

Wer aber ehrlich sein Fehlverhalten eingesteht, dem zeigt Gott einen Weg aus dieser Schuld heraus. Der Weg aus der Schuld beginnt damit, dass wir den Einen kennen lernen und auf den Einen schauen, der für alle unsere Schuld bereits bezahlt hat. Nur wenn wir auf Jesus schauen, dann
können wir gerettet werden. Ich habe nicht gesagt, dann WERDEN wir gerettet. Denn mit dem auf Jesus schauen allein ist es nicht getan. Es gehört schon etwas mehr dazu.

Nur wenn wir auf Ihn schauen und all unser Vertrauen auf Ihn allein setzen, dann werden wir das Gnadengeschenk Gottes, das Geschenk der Vergebung empfangen können. Einen anderen Weg als diesen, um Schuld und Sünde loszuwerden gab es nie und gibt es nicht und wird es auch niemals
geben.

Daher warnte auch Jesus selber Seine Jünger immer wieder vor christlichen „Trittbrettfahrern“, die Heilsversprechen in eigenem Namen abgeben.

Wenn wir uns jetzt noch einmal an die Einleitung der Predigt zurückerinnern, dann war es tatsächlich ein ganz normaler Tag in der Wüste. Oder aber ein ganz normaler Tag im Jahre 2012. Ein Tag, an dem wir unzufrieden waren. Ein Tag, wo wir Gott für alles verantwortlich machten, was uns nicht gefiel. Ein Tag, an dem wir uns eingestanden haben, dass wir Fehler gemacht haben. Und ein Tag, wo Gott uns in Seiner Gnade Vergebung geschenkt hat. Und diese Gnade der Vergebung, liebe Gemeinde, die benötigen wir jeden Tag, den wir auf Erden leben.

Der Liederdichter Friedrich Hiller drückte das Gefühl der erlebten Vergebung sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes „Mir ist Erbarmung widerfahren…“ aus, der da lautet, wie folgt:

Mir ist Erbarmung widerfahren,
Erbarmung, deren ich nicht wert;
das zähl ich zu dem wunderbaren,
mein stolzes Herz hat’s nie begehrt.
Nun weiß ich das und bin erfreut
und rühme die Barmherzigkeit.

Der Herr bewahre Dein Herz vor Undankbarkeit
Der Herr schenke Dir jeden Tag die Gnade der Vergebung
Der Herr lasse Dich immer spüren, dass ER bei Dir ist

Amen.

Liebe Gemeinde,

gut, dass wir mit einem Herrn in die neue Woche gehen können, der unsere ehrlich bereuten Sünden und Verfehlungen nicht bestraft, sondern uns immer wieder vergibt. Mit dieser Gewissheit lassen Sie uns gemeinsam die neue Woche leben und erleben.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 5. Sonntag in der Passionszeit mit dem Namen Judika. Unseren heutigen Predigttext finden wir im 1. Buch Mose, Kapitel 22, die Verse 1-13. Während wir im Neuen Testament ja vom Leben, Leiden und Sterben unseres Herrn erfahren, deutet das gesamte Alte Testament schon auf Jesus hin. Lassen Sie uns unseren heutigen Predigttext einmal unter diesem Hintergrund lesen:

Abrahams Versuchung

Nach diesen Geschichten versuchte Gott Abraham und sprach zu ihm:
Abraham ! Und er antwortete: Hier bin ich. Und er sprach: Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du liebhast, und geh hin in das Land Morija und opfere ihn dort zum Brandopfer auf einem Berg, den ich dir zeigen werde. Da stand Abraham früh am Morgen auf und gürtete seinen Esel und
nahm mit sich zwei Knechte und seinen Sohn Isaak und spaltete Holz zum Brandopfer, machte sich auf und ging hin an den Ort, von dem ihm Gott gesagt hat. Am dritten Tage hob Abraham seine Augen auf und sah die Stätte von ferne und sprach zu seinen Knechten: Bleibt ihr hier mit dem
Esel. Ich und der Knabe wollen dorthin gehen, und wenn wir angebetet haben, wollen wir wieder zu euch kommen. Und Abraham nahm das Holz zum Brandopfer und legte es auf seinen Sohn Isaak. Er aber nahm das Feuer und das Messer in seine Hand; und gingen die beiden miteinander. Da
sprach Isaak zu seinem Vater Abraham: Mein Vater ! Abraham antwortete:
Hier bin ich, mein Sohn. Und er sprach: Siehe, hier ist Feuer und Holz; wo ist aber das Schaf zum Brandopfer ? Abraham antwortete: Mein Sohn, Gott wird sich ersehen ein Schaf zum Brandopfer. Und gingen die beiden miteinander. Und als sie an die Stätte kamen, die ihm Gott gesagt hatte,
baute Abraham dort einen Altar und legte das Holz darauf und band seinen Sohn Isaak, legte ihn auf den Altar oben auf das Holz und reckte seine Hand aus und fasste das Messer, dass er seinen Sohn schlachtete. Da rief ihn der Engel des Herrn vom Himmel und sprach: Abraham ! Abraham ! Er
antwortete: Hier bin ich. Er sprach: Lege deine Hand nicht an den Knaben und tu ihm nichts; denn nun weiß ich, dass du Gott fürchtest und hast deines einzigen Sohnes nicht verschont um meinetwillen. Da hob Abraham seine Augen auf und sah einen Widder hinter sich in der Hecke mit seinen Hörnern hängen und ging hin und nahm den Widder und opferte ihn zum Brandopfer an seines Sohnes statt.

Liebe Gemeinde,

unser heutiger Predigttext hat ja schon den stellvertretenden Opfertod eines Menschen zum Inhalt. Dank Gottes Hilfe hat Abraham seine Hand nicht an seinen Sohn Isaak gelegt, sondern stellvertretend an ein von Gott bereit gestelltes Opfertier. Und so legt Gott auch nicht Hand an
uns, sondern hat Hand an Seinen Sohn gelegt, damit dieser stellvertretend für uns, für all unsere Sünden, den Opfertod stirbt. Unser heutiger Predigttext ist ja schon recht spektakulär. Wir sollten den Text aber nicht nur vordergründig betrachten, sondern versuchen, auch zwischen den Zeilen zu lesen. Wenn wir dies tun, dann stellen wir alsbald fest, dass unser Text ja auch von den großen beiden christlichen Kardinaltugenden berichtet. Diese sind:

1. Gehorsam

Wenn wir uns Abraham einmal etwas näher anschauen, dann stellen wir bei ihm einen absoluten Gehorsam fest. Gott spricht zu Abraham und Abraham tut genau das, was ihm Gott befiehlt. Das klingt sehr logisch, aber tun wir das eigentlich heute auch noch ? Wie oft kochen wir doch unser
eigenes Süppchen. Und wenn selbige dann angebrannt ist, ja, liebe Gemeinde, dann ist Holland in Not. Dann wird als erstes einmal Gott für die ganze Misere verantwortlich gemacht. Es ist so, und damit müssen wir uns abfinden, die Welt lebt größtenteils ohne Gott und zieht Ihn nur noch aus der Hutschachtel, wenn sie einen Sündenbock benötigt.

Wir sind ja auch alle so abgeklärt und so allwissend, dass wir Gott gar nicht mehr benötigen. Daher haben ja auch Kruzifixe in Klassenzimmern nichts mehr zu suchen. Gott war gestern, heute zählen die Wissenschaften mit all ihren Erkenntnissen. Und das stimmt ja auch. Wir können alles
berechnen, jedes Risiko kalkulieren und alle möglichen Reaktionen vorhersagen. Ja, liebe Gemeinde, so hätten wir es gern. Und doch genügt ein Blick nach Japan, der uns zeigt, dass wir rein gar nichts berechnen können. Eine simple Naturgewalt reicht aus und schon ist sie da, die Atomkatastrophe. Wir müssen es einmal an dieser Stelle zugegeben: Wer nicht mit Gott rechnet, der hat sich gewaltig verrechnet und dessen Rechnung geht nicht auf.

Gerade solche Ereignisse zeigen uns doch, dass wir wieder die Schulbank drücken müssen, die Schulbank bei unserem Herrn. Wir müssen wieder den Gehorsam lernen, den uns schon Abraham vorgelebt hat. Wenn man von anderen etwas lernen will, dann muss man sein Verhalten nach deren
Vorbild ausrichten. Was hat uns denn nun Abraham voraus ? Nun, das lesen wir sogleich im ersten Satz unseres Predigttextes. Gott sprach und Abraham hörte. Wenn Gott spricht, dann müssen wir ganz stille sein und unsere inneren Antennen allein auf Gott ausrichten. Das geht aber nur dann, wenn wir auch wirklich hören. Wenn wir uns permanent mit allem möglichen ablenken, dann geben wir Gott ja gar keine Möglichkeit zu uns durchzudringen.

Am besten lernen wir, auf Gott zu hören, wenn wir immer wieder einmal alles um uns herum ausblenden und uns einfach Zeit für Gott nehmen. „Mensch, nimm dich nicht so wichtig, nimm dir Zeit für Gott“ so lautete ein Spruch der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Und da ist etwas
dran. Wir sind nicht der Mittelpunkt der Welt, sondern Gott. Wenn wir dies im Glauben annehmen und uns in die Stille begeben, dann bin ich sicher, werden wir wieder Gottes Stimme klar und deutlich hören können. Zum Gehorsam gehört aber nicht nur das Aufnehmen der Botschaft, sondern
auch die Umsetzung derselben.

Natürlich wird uns Gott nicht auffordern, unsere Kinder auf dem Altar zu opfern. Gott wird uns auch nicht zu anderen Straftaten auffordern, aber es kann sein, dass Er etwas mit uns vorhat, was wir im Moment noch nicht verstehen können. Wenn Er uns dann auf unsere Reise schickt, dann sollen wir diese antreten und dabei die zweite christliche Kardinaltugend zeigen, nämlich

2. Vertrauen

Ich denke, alle von uns sind schon einmal mit dem Flugzeug geflogen oder mit der Bahn gefahren. Ich nehme weiterhin an, dass keiner von uns auf die Idee gekommen ist, und wollte sich von dem Piloten die Fluglizenz oder von dem Lokführer die Führerlizenz zeigen lassen. Wir sind in das Flugzeug oder die Bahn eingestiegen und haben ganz einfach demjenigen vertraut, der dieses Verkehrsmittel fliegt, bzw. fährt. Voller Vertrauen haben wir uns von A nach B bringen lassen in der festen Gewissheit, dass wir wohlbehalten an unserem Ziele ankommen.

Nun haben wir ja auch für unser Leben einen Flugkapitän. Dieser Flugkapitän heißt Jesus. Vertrauen wir Ihm genau so, wie dem Lokführer oder dem Flugkapitän ? Ich fürchte, die Antwort heißt nein. Es ist doch vielmehr so, dass wir irgendwann einmal die Entscheidung für Jesus
getroffen haben. In diesem Moment haben wir Ihm die gesamte Führung unseres Lebens übergeben.

Und dann kamen sie auf einmal, die kleinen Ungereimtheiten des Lebens.
Anfangs haben wir noch voller Vertrauen auf unseren Herrn geschaut. Aber als dann die Wogen immer höher schlugen, da war sie auf einmal wieder da. Diese innere Stimme, die da sagt: Du bist für dein Leben alleine verantwortlich, also tu endlich etwas. Und in aller Regel haben wir dies
auch getan. Natürlich ging dann alles schief, wie alles schief gehen muss, wenn man gegen Gottes Pläne arbeitet.

Werfen wir einen Blick auf Abraham. Was Gott von Abraham verlangte, war schon allerhand. Aber Abraham vertraut Gott. Er macht genau das, was Gott von ihm erwartet. Er geht den Weg, der ihm anbefohlen ist, auch wenn das Ende gar grausam ausschaut. Trotzdem vertraut Abraham darauf,
dass Gott alles richtig macht. Unser Predigttext will uns mit diesem Beispiel aufzeigen, dass Gott auch bei uns ist, wenn für uns die Not am größten ist. Gerade dann sollen wir eben nicht unsere eigenen Wege gehen, sondern all unser Vertrauen auf IHN setzen.

Liebe Gemeinde, und auch dies müssen wir wieder lernen. Wir müssen wieder lernen unser Vertrauen allein auf den zu setzen, der Himmel und Erde gemacht hat. Und der, der Himmel und Erde geschaffen hat, dem dürfen wir ruhig dahingehend vertrauen, dass Er auch unser Schicksal zum Besten wenden wird. Vertrauen wir ganz einfach wieder darauf, dass Gott keine Fehler macht.

3. Gott hilft spätestens rechtzeitig

Wir haben uns heute morgen ein wenig mit den beiden großen christlichen Kardinaltugenden beschäftigt. Lassen Sie mich kurz noch ein Drittes sagen. Gott hat nicht nur Himmel und Erde geschaffen, sondern Er hält auch die Zeit in Seinen Händen. Vertrauen zu lernen und Gehorsam zu üben beinhaltet auch den Zeitfaktor. Je dringender wir eine Lösung benötigen, je eher sind wir versucht, Gott die Pilotenmütze aus der Hand zu nehmen, um selber wieder hinter dem Steuerknüppel Platz zu nehmen.

Und auch hier dürfen wir einen abschließenden Blick auf Abraham werfen.
Buchstäblich in letzter Sekunde griff Gott in das Geschehen ein. Bis zu diesem Punkt ist Abraham treu seinen Weg mit Gott gegangen. Und das erwartet unser Herr auch heute noch von uns. Wenn auch tausend fallen zu deiner Seite und zehntausend zu deiner Rechten, so wird es doch dich
nicht treffen. So lautet der 7. Vers des 91. Psalmes. Diese treue Zuversicht des Psalmbeters sollte uns allen wieder ein Vorbild sein für unseren Weg mit Gott.

Egal, was auch geschieht, egal, wie mächtig unsere Gegner sind, egal, wie aussichtslos unsere Lage zu sein scheint, Gott hilft spätestens rechtzeitig. Und bis es soweit ist, liebe Gemeinde, sollen wir ganz einfach und treu unseren Dienst versehen. Abschließend sei mir noch ein Hinweis gestattet: So manches Magengeschwür und so manche depressive Verstimmung ließe sich vermeiden, wenn wir wieder dem Beispiel Abrahams folgen würden. Ich lade Sie ein, heute Nachmittag einmal in aller Ruhe über diesen letzten Absatz nachzudenken. Ich verspreche Ihnen, es lohnt sich.

Machen wir es doch so, wie der Liederdichter Ludwig Helmbold es in dem ersten Vers seines Liedes: „Von Gott will ich nicht lassen…“ beschreibt, der da lautet, wie folgt:

Von Gott will ich nicht lassen,
denn er lässt nicht von mir,
führt mich durch alle Straßen,
da ich sonst irrte sehr.
Er reicht mir seine Hand,
den Abend und den Morgen
tut er mich wohl versorgen,
wo ich auch sei im Land.

Der Herr nehme Dich an Seine liebende Hand und lehre Dich, auf IHN und SEIN Wort zu hören
Der Herr halte Dich fest in SEINEM Arm und lehre Dich, auf IHN allein zu vertrauen
Der Herr halte schützend SEINE Hand über Dich, damit Du Dich allein bei
IHM geborgen fühlst

Amen.

Liebe Gemeinde,

Vertrauen ist nicht nur eine christliche Kardinaltugend. Wie wäre es, wenn unsere Welt nicht immer nur von Misstrauen regiert würde, sondern wir wieder einander vorbehaltlos vertrauen würden. Am Besten fangen wir gleich heute an, einander wieder mehr zu vertrauen. Wenn wir damit beginnen, dann wird dies bestimmt weitreichende Folgen haben. Vertrauen wir einfach darauf.

Ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Lesergemeinde!
Ich grüße Sie herzlich am 5. Sonntag in der Passionszeit, am Sonntag Judika.
Das Predigtwort für diesen Tag steht im Hebräerbrief im 5.Kapitel,
in den Versen 7 – 9:²

„Und er hat in den Tagen seines Fleisches Gebet und Flehen mit starkem Geschrei und Tränen geopfert dem, der ihm von dem Tode konnte aushelfen; und ist auch erhört, darum daß er Gott in Ehren hielt. So hat er, wiewohl er Gottes Sohn war, doch an dem, was er litt, Gehorsam gelernt. Und da er vollendet war, ist er geworden allen, die ihm gehorsam sind, der Urheber ihres ewigen Heils,“

Der Herr segne an uns SEIN Wort!

Liebe Gemeinde!
Für viele ist Gehorsam ein Reizwort. Das gilt nicht nur für Jugendliche. Auch wir Erwachsene haben unsere Probleme mit dem Gehorsam. Wir haben erlebt, dass Gehorsam uns und Andere ins Verderben führen kann. Die Angst vor autoritärer Macht hat viele veranlasst, Dinge zu tun, die sie ablehnten oder verabscheuten. Aber auch im privaten und beruflichen Bereich haben Menschen Gehorsamsforderungen als bedrängend erfahren.

Und doch wissen wir, dass keine Gemeinschaft oder Gruppe ohne Einordnung und Unterordnung in das Gemeinschaftsleben funktioniert. Es ist ein Lernen im Umgang mit Macht.

Wir müssen erkennen lernen:
Wer hat mir was zu sagen und wem habe ich etwas zu sagen.

In diesem Lernprozess begegnet uns Gott mit SEINEM Wort in der Bibel.
ER stellt sich uns vor als der, der uns in grenzenloser Liebe Leben ermöglicht und uns Zukunft gibt. ER fordert unsere Annahme und unseren Gehorsam, damit wir diese Gaben empfangen und daraus leben können.

Denn unsere Ablehnung und Ungehorsam belastet und zerstört unser Leben. Durch das Wort des Propheten Micha sagt ER uns:
„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott“ (Micha 6,8).

Viele lehnen Gottes Forderung für sich ab. Aber auch wo wir es für uns bejahen scheitern wir daran im täglichen Leben.

Nur ein Mensch hat Gottes Willen ständig und ganz erfüllt.
Das ist der Sohn Gottes, Jesus Christus.

Das bezeugt die Bibel. Aber sie bezeugt auch, dass dies in einem notvollen Ringen, im Gebet geschehen ist. Die Evangelien erzählen, wie ER auf diesem Weg versucht wurde und wie ER sich im Gebet zu einem JA zu Gottes Willen durchgerungen hat.

Der Hebräerbrief drückt das in einer anderen Übersetzung unseres Predigtwortes
so aus: (Die gute Nachricht, Deutsche Bibelgesellschaft)
„Während seines Lebens auf der Erde betete und flehte Jesus mit lautem Schreien und unter Tränen zu dem, der ihn vom Tode retten konnte, und er bekam Antwort, weil er Gott ehrte. Obwohl er Gottes Sohn war, hat er durch seine Qualen gelernt, was Gehorsam heißt.“

In diesen knappen Worten ist die ganze Not des Leidens Jesu eingeschlossen. Es ist die Not der körperlichen Schmerzen und Qualen, aber auch die innere Not SEINES Herzens.

ER, der Sohn Gottes,
ist zur Rettung der Gemeinde und aller Menschen in die Welt gekommen!

ER erfährt die Ablehnung der Welt und der Gottesgemeinde. Die Gemeinde stößt IHN aus ihrer Gemeinschaft aus, verurteilt IHN als Gotteslästerer. Sie lässt IHN von Ungläubigen unter falscher Anschuldigung hinrichten.

Jesus weiß um das alles, was auf IHN zukommt. ER weiß, dass ER nach Gottes Willen dieses Opfer zur Rettung für die Gemeinde und für alle Menschen bringen soll. Unter Blut und Tränen ringt ER um SEIN Herzensja zu Gottes Willen, im Vertrauen auf SEINEN himmlischen Vater.

ER nimmt das alles auf sich, für alle Menschen, auch für Dich und für mich!

Wie ein Ertrinkender klammert ER sich an Gott, als SEINEN Retter.
Und Gott stärkt IHN und rettet IHN durch den Tod zum Leben.
Gott lässt IHN durch SEINE Auferstehung zum Eingangstor zu SEINER Herrlichkeit für alle Menschen werden.

Jesu Worte werden zum Heilandsruf für alle Menschen, zu einem neuen Leben mit Gott. ER verheißt allen, die zu IHN kommen und SEINEN Opfertod für sich annehmen, Gottes Heiligen Geist.

Jesus ermöglicht uns, durch diese Kraft im Gebet, auch unser Leiden anzunehmen. ER ermöglicht uns, dass auch wir Gottes tragende und rettende Kraft erbitten und empfangen können. Das kann uns neu auf Gottes Wort hören lassen, dass aus empfangener Liebe Gehorsam wächst.

Jesus sagt uns mit dem Wochenspruch:
„Der Menschensohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zur Erlösung für viele“ (Mt 20,28).

Gehorsam muss nicht Leistung sein, die wir bringen müssen.
Gehorsam darf erbetenes Geschenk sein, aus einem in Liebe entflammten Herzen, wenn wir Jesu Opfer für uns annehmen.

Zu solchem Schritt schenke uns der Herr SEINEN Segen.

Es grüßt herzlich
Ihr Pfr.i.R. Steinführer