Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 5. Sonntag der Passionszeit, dem Sonntag Judika. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Evangelisten Johannes im 18. Kapitel, die Verse 28 bis 19. Kapitel Vers 5. Lassen Sie uns diesen Predigttext zunächst gemeinsam lesen:

Da führten Sie Jesus von Kaiphas zum Prätorium; es war früh am Morgen. Und sie gingen nicht hinein, damit sie nicht unrein würden, sondern das Passahmahl essen könnten.
Da kam Pilatus zu ihnen heraus und fragte: Was für eine Klage bringt ihr gegen diesen Menschen vor? Sie antworteten und sprachen zu ihm: Wäre dieser nicht ein Übeltäter, wir hätten ihn dir nicht überantwortet. Da sprach Pilatus zu ihnen: So nehmt ihr ihn hin und richtet ihn nach eurem Gesetz. Da sprachen die Juden zu ihm: Wir dürfen niemand töten.
So sollte das Wort Jesu erfüllt werden, das er gesagt hatte, um anzuzeigen, welchen Todes er sterben würde. Da ging Pilatus wieder hinein ins Prätorium und rief Jesus und fragte ihn: Bist du der König de Juden? Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus oder haben’s dir andere über mich gesagt?
Pilatus antwortete: Bin ich ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich mir überantwortet. Was hast du getan? Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, meine Diener würden darum kämpfen, dass ich den Juden nicht überantwortet würde; nun aber ist mein Reich nicht von dieser Welt.
Da fragte ihn Pilatus: So bist du dennoch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, dass ich die Wahrheit bezeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der hört meine Stimme. Spricht Pilatus zu ihm: Was ist Wahrheit? Und als er das gesagt hatte, ging er wieder hinaus zu den Juden und spricht zu ihnen: Ich finde keine Schuld an ihm.
Es besteht aber die Gewohnheit bei euch, dass ich euch einen zum Passafest losgebe; wollt ihr nun, dass ich euch den König der Juden losgebe? Da schrien sie wiederum: Nicht diesen, sondern Barrabas! Barrabas aber war ein Räuber. Da nahm Pilatus Jesus und ließ ihn geißeln. Und die Soldaten flochten eine Krone aus Dornen und setzen sie auf sein Haupt und legten ihm ein Purpurgewand an und traten zu ihm und sprachen: Sie gegrüßt, König der Juden!, und schlugen ihm ins Gesicht.
Da ging Pilatus wieder hinaus und sprach zu ihnen: Seht, ich führe ihn heraus zu euch, damit ihr erkennt, dass ich keine Schuld an ihm finde. Und Jesus kam heraus und trug die Dornenkrone und das Purpurgewand. Und Pilatus spricht zu ihnen: Seht, welch ein Mensch!

Liebe Gemeinde,

eigentlich ein Text, der für Karfreitag eher passend wäre als für den Sonntag Judika. „Gott schaffe mir Recht“, so lautet die Übersetzung des Namens für diesen Sonntag. Recht und Gerechtigkeit gehören ja immer auch mit der Wahrheit zusammen. Wahres Recht und wahre Gerechtigkeit ohne Wahrheit sind daher schlichtweg undenkbar.

So lassen Sie uns heute morgen einmal über die Wahrheit zusammen nachdenken.

1. Was ist Wahrheit?

Diese Frage stellte sich Pilatus, als er zwischen zwei Stühlen, oder aber besser gesagt zwischen zwei Wahrheiten stand. Die Wahrheit des Sohnes Gottes und die Wahrheit der Ankläger und Leugner widersprechen sich total.

Kommt uns dies nicht bekannt vor ? Da treffen engagierte Jesusjünger auf Ungläubige und es entwickelt sich dann schnell ein Streitgespräch über den Glauben. Außenstehenden fällt es dann sehr schwer, sich ein Urteil über das zu bilden, was sie gerade so mitbekommen haben.

Die Wahrheit in der Religion zu suchen ist da sicherlich keine so gute Idee. Aber die Wahrheit in Jesus zu suchen, das könnte schon eher klappen. Aber wie komme ich zur Wahrheit ?

Wir finden die Wahrheit allein in Gottes Wort, der Bibel. Wenn die Bibel Gottes Wort ist und wenn Gott immer die Wahrheit spricht, dann ist alles, was in der Bibel steht auch tatsächlich wahr.

Und wenn wir uns jetzt das Neue Testament vornehmen und dort alles über Jesus nachlesen, dann kommen wir automatisch auch zu den „Ich bin Worten“ von Jesus im Johannesevangelium. Dort sagt Jesus einmal selbst: „Ich bin die Wahrheit und das Leben…“

Wenn wir die Bibel lesen, sie intensiv studieren und auch darüber beten, dann kommen wir zu dem Schluss, dass Jesus die Wahrheit ist. Einen anderen Schluss lässt die Bibel nämlich gar nicht zu.

Und dann ist es auch einfacher über die Wahrheit zu diskutieren. Sie macht sich nicht an irgendeiner Religion fest, sondern an der Person Jesu Christi. Und diese Wahrheit braucht keine Diskussionen über Glauben und Religion. Diese Wahrheit kann jeder persönlich erleben, der Jesus Christus in sein Leben einlädt.

2. Wie stehe ich zur Wahrheit ?

Jetzt kommt natürlich die spannende Frage: Wie gehe ich mit der Wahrheit um ? Gehe ich so damit um, dass ich es akzeptiere, dass Jesus die Wahrheit und der einzige Weg zu Gott ist.

Oder aber bastel ich mir meine eigene Wahrheit ? Und diese eigene Wahrheit kann ganz schön gefährlich werden. Wenn Jesus in dieser Wahrheit nicht mehr vorkommt, dann ist der Weg klar und ersichtlich, den ich gehe. Dies ist zum Beispiel beim Buddhismus der Fall.

Gefährlich wird meine Wahrheit, wenn Jesus immer noch irgendwie darin vorkommt, aber nur eine untergeordnete Rolle spielt. Wenn Jesus der Weg und die Wahrheit ist, dann kann ich ihn nicht zum Propheten degradieren, wie es der Islam macht.

Wenn ich zur Wahrheit stehe, dann ist alles andere als Jesus für mich nebensächlich. Alle Menschen, dies diesen Weg zu Jesus gefunden haben, berichten unisono, wie der Herr nach und nach ihr Leben umgekrempelt hat. Konsequente Anerkennung der Wahrheit führt also unter Jesu Führung in die konsequente Nachfolge hinein.

Wo zum Beispiel früher die Hobbys an erster Stelle standen, ist es jetzt die Bibel, das Gebet und die Gemeinschaft der Brüder und Schwestern, die an erster Stelle stehen.

3. Die Wahrheit im Alltag

So, und jetzt kommt noch der große Prüfstein des Alltages. Wenn wir sonntags in der Kirche Gottesdienst feiern, dann ist dies eine ganz besondere, heilige Stunde. Wenn wir an den Gemeinschaftsstunden teilnehmen, dann sind wir als Jünger und Jüngerinnen unseres Herrn unter uns. Und auch in der täglichen Gebetszeit sind wir mit dem Herrn allein auf Du und Du.

Und dann sind wir aber auch noch Menschen, die am Alltagsleben teilnehmen, also auch von ungläubigen Menschen umgeben sind.

Ist dann immer noch „Jesus First“ für uns, oder hängen wir dann unser Mäntelchen in den Wind. Wenn wir auf der Karriereleiter nach oben streben, dann kann es schon mal vonnöten sein, dass wird mit der Wahrheit ein wenig großzügig umgehen. Machen ja alle so.

Wenn es um den Verkauf meines Autos geht, dann kann man ja schon mal den einen oder anderen Mangel verschweigen. Fällt eh nicht auf und das machen doch alle so.

Und wenn es darum geht, einen Termin nicht wahrnehmen zu wollen, dann muss sie schon mal herhalten, die gute alte Notlüge.

Liebe Gemeinde, wer so mit der Wahrheit im Alltag umgeht, der geht sicherlich nicht so mit ihr um, wie der Herr es von uns erwartet. Wie ER selber stets in der Wahrheit blieb, so sollen auch wir als seine Jünger stets in der Wahrheit bleiben.

Natürlich tut dies manchmal weh. Wir verpassen vielleicht die ein oder andere Karriereposition oder aber verdienen eben nicht so viel Geld wie andere Menschen. Auch, um bei unserem Auto zu bleiben, erhalten wir einen geringeren Preis, wenn wir alle Mängel angeben. Aber, und das sagte ein guter Freund von mir, der schon in der Ewigkeit ist: „Abgerechnet wird zum Schluss.“

Also lassen Sie uns stets nach der Wahrheit streben und in ihr leben und uns von ihr leiten. Dann sind und bleiben wir auf dem Weg, den der Herr von uns erwartet.

Und wenn wir doch mal fallen sollten, und wir werden immer wieder fallen, dann gilt immer wieder das Wort unseres Herrn für uns, dass er bei uns ist alle Tage bis an der Welt Ende. Wir dürfen als gefallene Sünder nämlich immer wieder in die rettenden Arme unsreres Vaters im Himmel zurückkehren.

Lassen Sie uns zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes unseren Herrn um seine immerwährende Gnade bitten, indem wir in den 1. und 4. Vers des Liedes „Ach bleib mit deiner Gnade…“ (EG 347) von Josua Stegman einstimmen, die da lauten, wie folgt:

Ach bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ,
dass uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List.
Ach bleib mit deinem Segen, bei uns, du reicher Herr;
dein Gnad und alls Vermögen in uns reichlich vermehr.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag nd eine ebensolche Woche unter der ständigen Gnade unseres Herr.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 4. Sonntag der Passionszeit. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 6. Kapitel des Johannesevangeliums, die Verse 47-51. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben. Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt.

Liebe Gemeinde,

wir kennen Sie alle, die „Ich bin Worte“ unseres Herrn. Heute geht es um das Brot des Lebens. Lassen Sie uns gemeinsam einmal dieses Ich bin Wort bedenken.

1. Vor der Klammer

Bevor wir zu dem Ich bin Wort kommen steht quasi vor der Klammer noch etwas ganz entscheidendes. Dort lesen wir: Wer glaubt, der hat das ewige Leben.

Die „Ich bin Worte“ Jesu ziehen ja meist auch eine Aktivität nach sich. Klipp und klar sagt unser Herr an dieser Stelle, dass dies nichts mit Errettung oder ewiger Verdammnis zu tun hat.

Wer an den Herrn glaubt, der hat das ewige Leben und landet ohne Gerichtsverhandlung direkt im Himmel. Die ich bin Worte haben vielmehr etwas mit unserem geistlichen Wachstum und unserem Auftrag als Jünger Jesu Christi zu tun.

2. Wachstum

Wenn wir klein sind, dann benötigen wir für unser Wachstum natürlich eines; nämlich Nahrung. Das beginnt zunächst mit der Muttermilch und geht dann so nach und nach auf feste Kost über.

Als Jünger Jesu müssen wir nach unserer Bekehrung ebenfalls wachsen. Das Brot des Lebens ist unabdingbar für unser geistliches Wachstum. Was wir für unser Leben als Christ benötigen das lernen wir in der Jüngerschule direkt von unserem Herrn.

Während des Wachstums ist natürlich die Lernphase am wichtigsten. Das meiste über unsere Aufgabe als Jünger lernen wir aus der Bibel. Nun ist die Bibel natürlich für manch einen Neubekehrten schon eine schwer verdauliche Kost. Daher empfehle ich immer, das Bibelstudium zunächst mit einer modernen Übersetzung zu beginnen.

Wenn ich das alles umsetzen will, was in der Bibel steht, dann benötige ich auch die Hilfe meiner Brüder und Schwestern. Als Neubekehrter weiß ich längst noch nicht alles. Daher ist es auch so wichtig, dass wir uns mit allen Fragen an die Gemeinschaft wenden können.

Für uns „alte Hasen“ ein kleiner Ratschlag: Es gibt keine dummen Fragen, es gibt nur dumme Antworten. Ich habe es leider oftmals erlebt, dass Glaubensneulinge auch in unseren christlichen Gemeinschaften so von oben herab behandelt wurden, nur weil sie die „falschen“ Fragen stellten. Das ist für deren geistliches Wachstum natürlich wenig förderlich.

3. Bleiben

Irgendwann sind wir aus dem Kindheitsalter heraus und sind erwachsene Menschen und Christen geworden. Natürlich benötigen wir weiterhin unsere Nahrung, damit unser Körper funktionstüchtig bleibt.

Im geistlichen Bereich ist das nicht anders. Wenn wir aufhören unsere geistliche Nahrung zu uns zu nehmen, dann beginnt unsere Seele zu verkümmern und alsbald wird der Teufel ein leichtes Spiel mit uns haben.

Geistliche Nahrung im Erwachsenenalter ist natürlich auch das Gebet, welches uns eine ständige Verbindung zu unserem auferstandenen Herrn ermöglicht. Im Gebet besprechen wir uns mt unserem Herrn. Wir bringen all unsere Nöte und Sorgen und Fürbitten vor ihn. Aber im Gebet erhalten wir auch unseren ganz konkreten Auftrag als Christ in dieser Welt.

So, wie wir tagtäglich mit unseren Vorgensetzen reden und neue Anweisungen erhalten, so sollen wir auch tagtäglich mit unserem ewigen Vater im Himmel in Verbindung bleiben.

Kein Mensch auf dieser Welt kann alle Aufgaben alleine stemmen. In den meisten Fällen sind wir dabei auf die Mithilfe anderer Menschen angewiesen. Und daher ist es auch ganz wichtig, dass wir den Kontakt zu einer wie auch immer gearteten christlichen Gemeinschaft aufrechterhalten.

4. Weitersagen

Und jetzt kommt noch die Königsdisziplin unserer Aufgabe als Christen; nämlich die Verbreitung der frohen Botschaft mit Worten und mit Händen.

Jeder Radrennsportler nimmt vor jeder Etappe mehr Kalorien auf, als ansonsten im Alltag üblich. Wenn wir unsere christliche Botschaft verkündigen wollen, dann benötigen wir dafür noch mehr Brot des Lebens als für das Wachsen und das Bleiben.

Ich kann Ihnen eines versprechen: Sobald Sie außerhalb der geschützten Kirchenmauern die frohe Botschaft verkündigen, dann wird Ihnen heftigster Gegenwind entgegenwehen. Sie werden blächelt werden. Es wird Ihnen Spott entgegengebracht. Und manchmal werden Sie auch einfach als Vollidiot bezeichnet.

Ganz ohne Frage, das tut mächtig weh. Aber unser Herr hat immer wieder tröstliche Worte für uns parat. Gut, wenn wir uns diese schon vorher an die Seite legen und im Bedarfsfalle darauf zurückgreifen können.

Und dann werden wir auch mit allen möglichen Argumenten angegriffen, die stellenweise schon derart abgegriffen sind, dass wir darüber gar nicht mehr reden müssen. Aber es gibt auch ernstzunehmende Kritik und Zweifel, die häufig einem Menschen entfährt, der sich ernsthaft mit dem Christentum beschäftigt.

Und gerade hier gilt es, das zarte Pflänzchen des sich heran bahnenden Glaubens nicht zu zertreten, sondern aufzuklären und den Fragesteller zu ermuntern, den Weg doch einmal zu probieren, damit dieses Pflänzchen wachsen kann.

Und für diese Aufgaben, liebe Gemeinde, sind eben nicht nur die professionellen Theologen zuständig. Hier ist ein jeder für uns beauftragt. Grund genug also, auch für diese Fälle genug Brot des Lebens zu konsumieren.

Das klang jetzt wahrscheinlich ein wenig arbeitsintensiv und nach viel Mühe und Plage. Gewiss, ohne Bibel, Gebet und Gemeinschaft geht es nicht. Aber wir haben ja einen lebendigen Herrn an unserer Seite, der uns gerade auf diesen Wegen eine ganz besondere Hilfe und Unterstützung sein will.

Dass wir bei all unseren Bemühungen immer auf die Hilfe unseres Herrn angewiesen sind, dass wusste natürlich auch schon Martin Luther. Dies drückt er in dem zweiten Vers seines wohl bekanntesten Liedes „Ein feste Burg ist unser Gott….“ (EG 362) sehr schön aus wie folgt:

Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren;
es streit für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren.
Fragst du, wer der ist ? Er heißt Jesus Christ,
der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott,
das Feld muss er behalten.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße sie alle ganz herzlich am heutigen 2. Sonntag der Passionszeit. Den Predigttext für den heutigen Tag finden wir im Johannesevangelium, Kapitel 3, die Verse 14-21. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt auch nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind.

Liebe Gemeinde,

den zentralen Satz unseres heutigen Predigttextes kennen wir sicherlich alle: „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“

Alles, was man kennt, überliest man gewohnheitsgemäß sehr schnell. Und daher lassen Sie uns am heutigen Sonntag diesen Satz einmal etwas intensiver betrachten.

1. Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab

Liebe Gemeinde, die Initiative des Glaubens, des sich öffnenden Himmels ging also von Gott selber aus. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir die Situation, dass keiner von uns je wieder Gottes Kind werden konnte. Bedingt durch den Sündenfall und den Rausschmiss aus dem Paradies standen wir draußen vor der Tür, welche für uns fortan verschlossen sein sollte.

Alle menschlichen Bemühungen gingen letztendlich ins Leere. Alle Rituale der Sündenvergebung waren letzendlich nutzlos. Selbst wenn der Hohepriester einmal im Jahr das Allerheiligste betrat, so waren zwar die Sünden der Vergangenheit getilgt. Aber in dem Moment, wo er das Allerheiligste verließ, wurden natürlich schon wieder neue Sünden begangen.

Obwohl wir es eigentlich nicht verdient haben, war Gottes Liebe zu uns derart groß, dass er eine lösung finden musste, die uns den Weg zum Himmel wieder öffnen kann. Die einzige Lösung bestand darin, dass Gott selber für alle unsere Sünden ein für alle Male bezahlte und uns hinfort keine Sünde mehr angerechnet werden konnte.

Dies geschah durch die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und durch seinen stellvertretenden Tod für uns alle. Das vergisst man ebenfalls sehr schnell. Eigentlich müssten wir an diesem Kreuz hängen und für unsere Sünden büßen. In seiner allmächtigen Liebe hingegen hat Gott dies für uns getan.

2. Damit alle, die an ihn glauben nicht verloren werden

So, jetzt kommen wir an unseren Part. Vielfach wird ja von der Allversöhnungstheorie gesprochen. Im Karneval wurde er wieder gesungen, dieser alte Karnevalsschlager: “ Wir kommen alle alle, alle in den Himmel.“ Das, liebe Gemeinde, ist natürlich nur ein frommes Wunschdenken.

Mit seinem stellvertretendem Opfertod hat Gott eben nicht alle Sünden aller Menschen getilgt, sondern es sind auch Bedingungen daran geknüpft. Und diese wollen wir uns nun einmal anschauen.

Wir müssen dieses Gnadengeschenk Gottes auch für uns ganz persönlich im Glauben annehmen. Wer dies auf die leichte Schulter nimmt, dem ist in der Tat nicht zu helfen. Ich muss also meinen Zustand als Sünder anerkennen, der nichts, aber auch rein gar nichts zu seiner Errettung beitragen kann. Dann muss ich meine Sünden von ganzem Herzen bereuen und umkehren wollen. Wenn ich dies tue, dann habe ich die Gewissheit, dass ich nicht verloren gehe.

So, und das kennen wir alle; da passierte es auf einmal doch wieder, dass wir sündigen. Ist damit die Himmelstüre wieder dicht für alle Ewigkeit. Nein, das ist sie nicht. Gott allein kennt unser aller sündiges Wesen. Er weiß ganz genau, dass wir nach unserer Bekehrung hinfort nicht sündlos leben können. Aus diesem Grunde heraus hat er nicht nur all unsere vergangenen Sünden getilgt, sondern auch all unsere zukünftigen Sünden. Wohlgemerkt nur die Sünden, die wir auch ehrlich bereuen.

Angenommen ist angenommen. Das ist das Himmelsprinzip. Natürlich kann sich jeder Mensch auch wieder von Gott abwenden. für diese Menschen gilt die Gnadenzusage Gottes natürlich nicht.
In der heutigen Zeit, in der alles umgedeutet wird, in der alte Regeln und christliche Grundsätze als tradierte Normvorstellungen abgetan werden, da sollten wir uns darüber bewusst sein, dass es auch auch ein „Draußen vor der Türe“ gibt. Und für diese Menschen gilt das Geschenk Gottes nicht.

Häufig werde ich gefragt: Und was ist mit den Menschen, die mit ihrem letzten Atemzug dieses Geschenk Gottes angenommen haben? Natürlich sind auch diese errettet, aber wissen wir, wann unser letzter Atemzug sein wird und ob wir dann noch an dieses Geschenk Gottes denken ? Ich persönlich halte es für hochgefährlich den Frieden mit Gott auf die Sterbephase zu verschieben.

Das macht ja auch keinen Sinn. Jeder, der sich bekehrt hat, bei dem zieht unser Herr als zukünftiger Regent ein. Und diese Chance sollte man doch sofort nutzen.

3. Sondern das ewige Leben haben

Hier steht ja nicht, dass wir das ewige Leben irgendwann einmal haben werden. Hier steht, dass alle, die nicht verloren gehen das ewige Leben HABEN. Und so ist es in der Tat, liebe Gemeinde, jeder Christ lebt nur einmal und das ewig.

Stellen wir uns dies doch einmal so vor: Solange wir auf Erden leben, lebt Gott in uns; sobald wir im Himmel sind, leben wir in Gott.

Alle, die nicht verloren werden, sind schon zu Lebzeiten dauerhaft mit Gott verbunden und bleiben dies auch nach dem irdischen Tode. Das hat natürlich auch ganz praktische Auswirkungen auf das Leben der Kinder Gottes. Kinder Gottes müssen nicht auf Gedeih und Verderb alles in diese hiesige Lebensspanne hineinpressen, was eben noch so geht.

Kinder Gottes können ganz gelassen in die Zukunft schauen. Kinder Gottes tragen die Eintrittskarte für den Himmel im Herzen und können ganz genüsslich abwarten, was unser Herr denn noch alles für sie bereithält. Das heißt natürlich nicht, dass Kinder Gottes von allen Nöten, Sorgen und Ängsten befreit werden. Nein, das heißt es nicht, aber Gottes Kinder haben schon hier auf Erden einen Herrn, der sie durch alle Unbillen des Lebens hindurchführt und begleitet.

Und jetzt mal allen Ernstes eine Frage: Können wir uns einen Menschen vorstellen, der nicht so leben möchte ? Darum lassen Sie uns doch diesen Satz, den wir heute gemeinsam bedacht haben allen Menschen weitersagen, die ihn noch nicht kennen.

Der Liederdichter Paul Gerhardt drückt unsere Himmelsreise sehr schön in dem 6. Vers des Liedes „Ich bin ein Gast auf Erden…“ (EG 529) aus, der da lautet, wie folgt:

So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt,
doch denk ich nicht zu bleiben in diesem fremden Zelt.
Ich wandre meine Straße, die zu der Heimat führt,
da mich ohn alle Maße mein Vater trösten wird.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 1. Weihnachtsfeiertag. Ich wünschen Ihnen allen ein gesegnetes und besinnliches Weihnachtsfest. Den Predigttext für den heutigen Feiertag finden wir im 1. Johannesbrief, Kapitel 3, die Verse 1-6. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Die Herrlichkeit der Gotteskindschaft
Seht, welche Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Gottes Kinder heißen sollen – und wir sind es auch ! Darum kennt uns die Welt nicht; denn sie kennt ihn nicht. Meine Lieben, wir sind schon Gottes Kinder; es ist aber noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden. Wir wissen aber: Wenn es offenbar wird, werden wir ihm gleich sein; denn wir werden sehen, wie er ist. Und ein jeder, der solche Hoffnung auf ihn hat, der reinigt sich, wie auch jener rein ist. Wer Sünde tut, der tut auch Unrecht, und die Sünde ist das Unrecht. Und ihr wisst, dass er erschienen ist, damit er die Sünden wegnehme, und in ihm ist keine Sünde. Wer aber in ihm bleibt, der sündigt nicht; wer sündigt, der hat ihn nicht gesehen und nicht erkannt.

Liebe Gemeinde,

wer sind wir eigentlich? Darum geht es in unserem heutigen Predigttext. Bei dieser Frage schießt mir sogleich der Titel eines Buches von David Precht durch den Kopf: “ Wer bin ich und wenn ja wie viele?“

Nun Gottes Antworten sind zum Glück nicht so verwirrend, sondern einfach und klar. Wir sind Gottes Kinder! Genau so steht es zu Beginn unseres Predigttextes geschrieben. Dann ist ja alles gut, dann könnten wir uns ja nun noch schnell unter den Schlusssegen stellen und dann ging es ab zur Weihnachtsgans. Nein, liebe Gemeinde, so einfach ist es dann doch wieder nicht.

Viele von uns kennen sicherlich den Werbeslogan „Ich will so bleiben, wie ich bin…“ Das trifft aber nicht auf unsere Eigenschaft als Gotteskinder zu. Wie wir es später in unserem Predigttext lesen, sollen wir uns reinigen. Also vor der Weihnachtsgans müssen wir noch kurz überlegen, wie denn das gehen könnte.

1. Sehen

Seht, welche Liebe hat uns der Vater erwiesen… Dieses „seht“ soll uns endlich mal von unserem Denken und Handeln wegbringen, welches sich immer nur um uns dreht. Wir sollen einmal aufhören nur darauf zu sehen, dass es uns persönlich gut geht.

Und wir sollen damit aufhören auf das zu achten, was die anderen von uns denken. Wir sollen uns einmal ganz und gar nur auf die Liebe Gottes fokussieren und einmal alles andere an die Seite stellen.

Das geht natürlich nicht zwischen Tür und Angel. Viele von uns dürfen nunmehr einige freie Tage genießen. Nehmen Sie sich doch wieder einmal Zeit für Gott. Wenn wir ganz konzentriert auf ihn schauen, dann, und nur dann können wir ihn und seine Gnade und Güte auch wirklich erkennen. Wer nur mal so im Vorbeigehen einen Blick auf das Kreuz wirft, dem bleiben die wesentlichen Erkenntnisse der Liebe Gottes verborgen.

Wenn wir uns so auf Jesus konzentrieren und auf die Liebe, die er uns erwiesen hat, dann können wir den Weg gehen weg vom menschlichen Leistungsprinzip und hin zum göttlichen Liebesprinzip.

2. Vergebung

Den Staub in der Wohnung sieht man im Allgemeinen erst dann richtig, wenn die Sonne durch die Fenster scheint. Und den Schmutz unseres Lebens den sehen und erkennen wir erst dann in seiner vollen Tragweite, wenn uns das Licht Gottes mit seiner ganzen Liebe erscheint und durch unser Herz hindurch scheint.

Erst in diesem Moment, wenn wir von seiner hellen und klarer Liebe durchdrungen werden, erst dann können wir unsere Sünden klipp und klar erkennen. Schließlich kann man ja auch nur den Schmutz entfernen, den man sieht.

Wenn wir unsere Sünden erkennen, werden wir in aller Regel mehr als einfach nur erschrocken sein. Das führt in nicht seltenen Fällen zu einer Art Schockstarre. Wir wissen einfach nicht, wie wir denn diesen Sündenberg loswerden können. Wir können dann nur eines tun, nämlich unseren Herrn um Vergebung bitten und diese dann an uns geschehen lassen.

Unsere Reinigung geschieht also nicht durch uns selbst, sondern durch unseren Herrn höchstpersönlich. Viele Menschen versuchen ja an dieser Stelle durch diverse Bußübungen und andere religiöse Klimmzüge bei ihrer Reinigung etwas nachzuhelfen und etwas zu ihrer Reinigung beizutragen. Das ist aber überhaupt nicht notwendig.

Sünde erkennen. Sünde bekennen. Vergebung erbitten und diese annehmen. Mehr ist nicht notwendig.

3. Bleiben

Wer aber in ihm bleibt…, so lesen wir es gegen Ende unseres Predigttextes. Ja, liebe Gemeinde, wir haben ein Bleiberecht in der Nähe unseres Herrn.

Wenn wir unseren Herrn um Vergebung gebeten haben, dann wird eines passieren: Er wird als Herrscher in unser Leben einziehen und den Prozess der Reinigung durchführen.

Das geschieht freilich nicht nach dem „Hau-ruck-Prinzip“ sondern langsam und allmählich, aber stetig. Häufig merken wir es gar nicht zuerst, sondern unsere Umgebung bemerkt es vor uns, dass etwas mit uns geschehen ist und auch weiterhin geschieht.

Unser Herr, der nunmehr in uns wohnt, wird all das von uns wegtun, was ihn an seiner Königsherrschaft in uns hindert und durch andere Eigenschaften ersetzen, die ihm zur Ehre dienen. Das hat auch nichts mit christlichem Gekrampfe zu tun.

Unser Herr verändert uns so, dass wir alles, was er an uns ändert auch freudig annehmen.
Soweit die Theorie. Auch wenn heute Weihnachten ist, allzu „sülzig“ soll es dann doch nicht werden. Unser Herr arbeitet zwar an uns, aber wir bleiben doch die Menschen, die wir vorher waren; wir mutieren also nicht zu weltfremden Heiligen.

Und weil wir eben keine Heiligen sind, weichen wir unser ganzes Leben immer mal wieder vom rechten Wege ab. Und dann ist alles aus!!! Nein, natürlich nicht. Wir durchlaufen dann wieder und immer wieder die Schritte 1-3 unserer heutigen Predigt.

Ich drücke es, wie immer stark vereinfacht aus: Der Weg eines Christen führt meist drei Schritte vor und zwei zurück. Aber die Richtung stimmt. Und das ist das allerwichtigste. Und so wünsche ich uns allen, dass wir stets und ständig auf diesem rechten Wege bleiben.

Und wenn uns der Weg zu beschwerlich erscheinen mag, und wenn wir auch manchmal fallen mögen, dann dürfen wir uns an Jesu letzte Zusage auf Erden erinnern: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Und das dürfte uns vollends fröhlich stimmen.

Und ausgestattet mit dieser inneren Fröhlichkeit lassen Sie uns nunmehr gemeinsam in das Lied einstimmen, dass heute ich sehr vielen Kirchen zum Abschluss des Gottesdienstes gesungen wird:

Oh du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit!
Welt ging verloren, Christ ist geboren: Freue, freue dich, o Christenheit!
O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit!
Christ ist erschienen, uns zu versühnen: Freue, freue dich, o Christenheit!
O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit!
Himmlische Heere jauchzen dir Ehre: Freue, freue dich, o Christenheit!

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.
Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Weihnachtsfeiertag und freue mich, Sie morgen wieder begrüßen zu dürfen.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 1. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Johannesevangelium, Kapitel 5, die Verse 39-47. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen.

Ihr sucht in der Schrift, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin; und sie ist’s, die von mir zeugt; aber ihr wollt nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben hättet. Ich nehme nicht Ehre von Menschen; aber ich kenne euch, dass ihr nicht Gottes Liebe in euch habt. Ich bin gekommen in meines Vaters Namen, und ihr nehmt mich nicht an. Wenn ein anderer kommen wird in seinem eigenen Namen, den werdet ihr annehmen. Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre voneinander annehmt, und die Ehre, die von dem alleinigen Gott ist, sucht ihr nicht? Ihr sollt nicht meinen, dass ich vor dem Vater verklagen werde; es ist einer, der euch verklagt: Mose, auf den ihr hofft. Wenn ihr Mose glaubtet, so glaubtet ihr auch mir; denn er hat von mir geschrieben. Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubt, wie werdet ihr meinen Worten glauben?

Liebe Gemeinde,

es war eigentlich ein schöner Tag gewesen. Ein Kranker am Teich Betesda, der eigentlich schon alle Hoffnung auf Heilung aufgegeben hatte, wurde von Jesus geheilt. Und dann auf einmal kippte die so positive Stimmung komplett in’s Negative. Die anfängliche Begeisterung schlägt mit einem Male in Hass und Wut um. Jesus erkennt auch genau was dahintersteckt und gibt seinen Zuhörern mit unserem heutigen Predigttext eine Nachhilfestunde in Sachen Bibel in drei Lektionen. Schauen wir uns doch diese Lektionen heute Morgen einmal gemeinsam an, da es sein könnte, dass diese Lektionen auch für uns heute noch wichtig sind.

Lektion 1 – Bibel kritisch lesen

„Gottlob, wie bin ich reformiert, sprach mancher Protestante,
stolz mit der Bibel dekoriert, obwohl er sie nicht kannte.“

Wut und Hass entstehen häufig aus Unkenntnis heraus. Was ich nicht kenne, das lehne ich lieber erst einmal ab und beschäftige mich nicht weiter damit. Und wenn ich dann doch auf welche Weise auch immer mit der Bibel und konkreten Geschehnissen konfrontiert werde, dann mache ich total dicht und trete die Flucht nach vorne an.

Also sagt Jesus, dass man doch bitteschön die Bibel kritisch lesen solle, bevor man ihm barsche Kritk entgegenbringt. Kritisch meine ich nicht im negativen, sondern im positiven Sinne.

Es gibt zwei Hauptgruppen von Bibellesern. Da gibt es zunächst einmal die Gruppe, die immer wieder nach Passagen und Aussagen in der Bibel Ausschau hält, welche ihre eigenen Meinungen und (Vor)urteile bestätigen.

Liebe Gemeinde, das klappt immer dann besonders gut, wenn ich meine vorgefertigte Meinung nehme und irgendeine Stelle der Bibel aus dem Zusammenhang reiße und diese Stelle als göttliches Dogma und somit als Bekräftigung meiner Meinung betrachte.

Ich beziehe die nächsten Zeilen einmal auf mich ganz persönlich. Wenn ich so agiere, wie oben beschrieben, dann habe ich nicht mehr die frohe Botschaft vor Augen, sondern ich habe Ulli Nabers Weltbild mit Bibelzitaten versucht zu untermauern. Nehmen wir ein ganz konkretes Beispiel: Wenn wir das Alte Testament gewissenhaft studieren, dann finden wir dort zahlreiche Passagen, die sich dem Thema der Homosexualität widmen. Unter anderem heißt es dort:
Verflucht sei, wer bei einem Manne liegt…

Wenn es schon in der Bibel steht, dann kann ich es nicht tolerieren, wenn ein Homosexueller in unserer Gemeinde auch noch am Gottesdienst teilnimmt. Und wenn diese Meinung dann auch noch von der Kirchenleitung immer wieder als Gottes unumstößliches Wort gepredigt wird, dann steht mein Urteil felsenfest.

Nur dummerweise sagt uns Jesus im Neuen Testament, als er nach dem höchsten Gebot befragt wird neben dem Gebot, Gott zu ehren gäbe es ein weiteres, welches lautet: Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst. Da ist auf einmal nicht mehr von Fluch und dergleichen zu lesen, sondern von Liebe.

Jesus sagt seinen Zuhörern also klipp und klar: Lest die Bibel vorurteilsfrei und lest sie mit einem Brennen im Herzen welches sich auf der Suche nach Antworten für die wichtigen Lebensfragen befindet. Dann wird aus einer vorgefertigten Ideologie ein brennendes Suchen nach dem, was Gott wirklich will. Und dann erfahre ich ganz persönlich auch die Kraft, die in dem Worte Gottes steckt.

2. Lektion – Jesus suchen

Das was gerade am Teich Betesda passiert war, wurde ja schon in groben Zügen im alten Testament angekündigt. Das ganze Alte Testament ist ja in weiten Teilen nichts anderes, als ein Hindeuten auf den, der da kommt zur Erlösung der Sünder.

Denken wir nur einmal an Mose und das Volk in der Wüste, welches von Schlangen getötet wurde. Alle aber, die die erhöhte Schlange ansahen, all diejenigen wurden gerettet. Eine kleine Veränderung des Blickwinkels errettete die Menschen damals vor dem sicheren Tode.

Wenn wir uns darauf fokussieren, Jesus in der Bibel zu suchen, dann geht es eben nicht mehr um Kritik an einzelnen Passagen, dann geht es um das große Ganze, nämlich um das Erlösungswerk unseres Herrn.

Die Menschen damals hatten logischerweise „nur“ das alte Testament zur Verfügung. Um wie viel besser geht es uns doch heute. Heute können wir im Neuen Testament klipp und klar die Worte Jesu ganz persönlich nachlesen.

Wenn wir uns ganz auf Jesus fokussieren, dann, liebe Gemeinde, kommen wir auch niemals in die Verlegenheit, einzelne Aussagen der Bibel für unsere eigenen vorgefertigten Meinungen zu missbrauchen. Wenn wir Jesus in der Bibel folgen, dann sind wir auf dem Weg der Liebe, des Vertrauens und der Erlösung angelangt.

3. Lektion – Der Liebesbrief

Die Bibel, die wir in Händen halten, diese Bibel ist ein ganz persönlicher Liebesbrief Gottes an seine geliebten Menschen. Wenn wir die Bibel wieder so betrachten, dann öffnet sie uns die Augen für die ewigen Dinge und wir werden in unserem Leben eine Prioritätenverschiebung erfahren.

Ich erkenne Sein großes Herz, welches auch mein kleines Herz öffnen möchte. Ich muss ihm nur die Gelegenheit dazu geben.

Ich erkenne, dass anstelle dessen, der da am Kreuz für mich hängt eigentlich ich hängen müsste. ER ist nicht für mich gestorben, sondern ER ist an meiner Stelle und das vollkommen freiwillig diesen Weg gegangen, damit ich in den Himmel kommen kann.

Wer könnte mehr mein Vertrauen und meine Liebe verdienen, als jemand der mein ewiges Leben gerettet hat. Und das nur dadurch, dass er selber dafür in den Tod gegangen ist.
Und das genau ist kritisches Bibellesen. Die eigenen Meinungen und Vorurteile an den Nagel hängen und voll Vertrauen und einem brennenden Herzen in der Bibel die Antworten auf die wichtigsten Fragen des Lebens suchen. Und vor allem sich nicht von vorgefertigten Meinungen selbsternannter Experten leiten zu lassen.

Das hat Jesus seinen Zuhörern damals schon mit auf den Weg gegeben. Und das gibt er auch uns heute im 21. Jahrhundert mit auf unseren Lebensweg. Lassen Sie mich kurz noch ein letztes sagen: In unserem Leben vertrauen wir doch vielen Menschen alltäglich unser Leben an. Wenn wir in einen Flieger steigen, dann vertrauen wir unser Leben dem Piloten an. Wenn wir im Krankenhaus operiert werden, dann vertrauen wir unser Leben den Ärzten an. Und wenn wir ein Rezept in der Apotheke einlösen, dann vertrauen wir dem Apotheker doch auch, dass er uns die richtige Arznei aushändigt.

Machen wir es doch bei Jesus genauso. Er wartet nur auf unser Vertrauen und unser Ja. Wir, die wir heute Morgen hier beisammen sind, haben dies natürlich alle schon getan. Aber draußen vor den Kirchentüren warten noch Millionen von Menschen darauf, die frohe Botschaft zu erfahren. Also packen wir’s ganz beherzt an.

Diese Fokussierung auf Jesus, von der wir heute gesprochen habe, die drückt der Liederdichter Georg Joachim Zollikofer sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes aus „Lass mich, o  Herr, in allen Dingen…“ (EG 414) der da lautet, wie folgt:

Lass mich, o Herr, in allen Dingen
auf deinen Willen sehn in dich mir weihn;
gib selbst das Wollen und Vollbringen
und lass mein Herz dir ganz geheiligt sein.
Nimm meinen Leib und Geist zum Opfer hin;
dein, Herr, ist alles, was ich hab und bin.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse seine Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,
ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr
Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Pfingstsonntag. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei Johannes im 16. Kapitel, die Verse 5-15. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Das Werk des Heiligen Geistes

Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin? Doch weil ich das zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauer. Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch.
Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden. Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht; über die Sünde: Dass sie nicht an mich glauben: über die Gerechtigkeit:
Dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht; über das Gericht: Dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist. Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. Wenn aber jener,
Der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen.
Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er’s nehmen und euch verkündigen. Alles, was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich gesagt: Er wird’s von dem Meinen nehmen und euch verkündigen.

Liebe Gemeinde,

befragt nach dem Wesen und dem Wirken des Heiligen Geistes fallen uns alle bestimmt sofort die Worte Tröster, Begleiter und Beistand ein. Und dann lesen wir heute bei dem Evangelisten Johannes, dass der Heilige Geist weitere, ganz konkrete Aufgaben an und in uns wahrnimmt. Lassen Sie uns diese Aufgaben heute Morgen einmal ein wenig näher betrachten.

1. Sünde

Der Heilige Geist öffnet uns unsere inneren Augen und lehrt uns, was Sünde ist.
Lassen Sie uns das einmal am Wesen des deutschen Strafrechtes näher erläutern. In unserem Strafgesetzbuch sind diverse Straftatbestände aufgeführt. Verstoße ich auch nur gegen einen dieser Straftatbestände, habe ich mich strafbar gemacht und darf dann meine gerechte Strafe erwarten. Mache ich etwas, was hingegen nicht in dem Strafgesetzbuch als verboten normiert ist, mache ich mich auch nicht strafbar und habe auch keine Strafe zu erwarten.

Wenn wir es so wollen, dann lehrt uns der Heilige Geist das himmlische Strafrecht. Vor unserer Bekehrung waren unsere inneren Augen noch verschlossen und wir konnten gar nicht wahrnehmen, was denn nun erlaubt und was verboten ist. Nach unserer Bekehrung erkennen wir unter der Anleitung des Heiligen Geistes aber sehr genau, was Sünde ist und was nicht.

Es ist natürlich eine Binsenweisheit, wenn ich sage, dass ich die Sünde nur dann vermeiden kann, wenn ich sie auch kenne. Und genau hier ecken wir Christen sehr häufig in der Welt an.
Nehmen wir nur ein Beispiel: Vor Gott ist die Tötung ungeborenen Lebens Mord. Jede Abtreibung ist also vor Gott ein Tötungsdelikt, also eine schwerwiegende Sünde. Unsere westliche Welt hingegen sieht dies ein wenig anders und verurteilt diejenige Mutter nicht, die sich dazu entschließt, ihr ungeborenes Kind in den ersten 12 Schwangerschaftswochen töten zu lassen.

Wenn ich jetzt noch Petrus aus Apostelgeschichte 5, 29 zitiere, wo er sagt: „Man muss Gott mehr gehorchen, als den Menschen“ dann kennen wir zwar unsere eigene Richtlinie, aber wir erkennen auch gleichzeitig das Ausmaß des Dilemmas in welchem wir uns befinden. Und hier, liebe Gemeinde, kommt eine weitere Aufgabe des Heiligen Geistes ins Spiel, die wir eingangs schon erwähnt haben:

2. Beistand und Begleiter

Wir lesen in unserem Predigttext die Worte: „Dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht…“ Das ist ja auch so ein Dilemma mit dem Heiligen Geist. Wir sehen ihn nicht, aber wir spüren ihn. Er ist ja, wie Johannes schreibt nur eben nicht sichtbar, aber doch da. Das sorgt natürlich draußen vor den Kirchenmauern für so manch einen Heiterkeitserfolg, wenn wir davon erzählen.

Eine ganz wichtige Aufgabe des Heiligen Geistes ist es, uns Christen in der Wahrheit beizustehen. Wenn Sie sich in Ihrem Heimatort auf den Marktplatz stellen und öffentlich verkünden, dass Abtreibung Mord ist, kann ich Ihnen garantieren, dass Sie innerhalb kürzester Zeit von allen Seiten wüst beschimpft und verunglimpft werden. Und dann brauchen Sie jemanden, der Ihnen beisteht, damit Sie eben nicht einknicken sondern auch bei dieser Wahrheit bleiben.

Unweit meiner Heimat gab es vor ca. 10 Jahren eine christliche Konferenz, die auch unser dem Thema des Verbotes der Abtreibung stand. Außen vor der Veranstaltungshalle protestierten indes unsere Gegner unter anderem mit Plakaten folgenden Inhalts: „Hätte Maria abgetrieben, wäret ihr uns erspart geblieben!!!“

Es fällt natürlich schon sehr schwer, dabei ruhig und besonnen zu bleiben. Ich persönlich hätte am liebsten dem erstbesten Demonstranten das Plakat aus der Hand gerissen und ihn mit selbigem verdroschen. Es war nur eine innere liebevolle Stimme, die mich letztendlich davon abgehalten hat, es nicht zu tun. Es war natürlich auch weiser, es nicht zu tun. Ich wage gar nicht an die Schlagzeilen am nächsten Tag zu denken, wo ich vielleicht auf einem Foto zu sehen gewesen wäre mit der Überschrift: „So geht christliche Nächstenliebe“.

Unser Beistand und Begleiter ist aber auch in allen anderen Situationen bei uns. Das muss nicht immer etwas dramatisches sein. Das kann ganz einfach auch mal die schnöde Frage sein, ob der Partner, den ich ehelichen will, auch der richtige Partner für mich ist. In meiner eigenen Verblendung sehe ich die Welt vielleicht doch ein wenig zu rosarot. Da kann mir der Heilige Geist ein wertvoller Ratgeber sein.

Der Heilige Geist ist immer bei uns und möchte uns auch immer bestehen. Wir müssen ihn nur darum bitten und ihn dann auch als Beistand akzeptieren. Nur allzu häufig ist es nämlich so, dass wir Gott anrufen, ihn bitten uns den Weg zu zeigen, den wir gehen sollen, und 5 Minuten später dann doch wieder unser eigenes Ding machen. Dann dürfen wir uns natürlich nicht beschweren, dass ER uns nicht geholfen hat.

3. Der Fürst ist am Ende

Das ist auch wieder so eine prekäre Geschichte. An hunderten von Stellen in der Bibel, im Alten Testament und auch im Neuen Testament wird von der Existenz des Teufels berichtet und wie dieser nur eines will, nämlich unser Verderben.

Und was macht der ach so aufgeklärte Mensch des 21. Jahrhunderts, er lächelt den Teufel einfach weg. Wenn Sie den Menschen vom Teufel erzählen, dann ist ein Lächeln noch das harmloseste, was Ihnen passieren kann.

Stellen wir uns doch einmal folgende abstruse Situation vor: Ich behaupte, es gäbe keine Autos und Lastkraftwagen. Weil es diese für mich nicht gibt, gehe ich munter und sorglos auf der Autobahn spazieren. Eines kann ich Ihnen garantieren. Wenn ich dies täte, dann wäre dies heute meine letzte Predigt.

Also, den Teufel einfach wegzulächeln spielt nur einem in die Karten, nämlich dem Teufel selbst. Und hier erteilt uns der Heilige Geist eine weitere Lektion. Er erklärt uns, dass der Fürst dieser Welt, also der Teufel, gerichtet ist. Das klingt auf den ersten Blick positiv, ist aber brandgefährlich.

Stellen wir uns den Teufel doch einmal als einen verurteilten Verbrecher vor. Er weiß, dass er seine Strafe absitzen muss, aber im Moment ist er noch auf freiem Fuß. Da er sowieso die Höchststrafe erhalten hat, kann ihm auch nichts mehr passieren, auch wenn er noch mehr Menschen in den Abgrund zieht. Und das macht die Gefahr des Teufels aus.

Er kann uns aber nur dann gefährlich werden, wenn wir uns auf ihn einlassen. Wenn wir ihn indes gar nicht beachten, dann hat er auch keine Chance in unser Leben einzugreifen. Gerade eben nicht auf die Fallen des Teufels reinzufallen ist eine große Herausforderung an uns, wobei wir aber immer wieder auf den Heiligen Geist als Beistand zurückgreifen können.

Der Teufel ist ja auch kein Dummkopf, der heute bei mir an die Türe klopft und mich fragt: „Na, heute mal richtig Bock auf Sünde ?“. Dann wäre er ja einfach zu durchschauen. Der Heilige Geist hilft uns aber immer wieder, die hinterlistigen Gemeinheiten und Strategien des Teufels zu durchschauen.

Ein kleiner Tipp für die alltägliche Lebenspraxis: Ich stelle mir immer wieder die Frage: Was passiert, wenn ich diesem und jenen jetzt nachgebe und das mache, was man von mir erwartet. Wenn man dieses Szenario konsequent durchspielt, kommt man als Christ auch schon ein Stück weit selber dahinter, wer genau denn gerade was von einem will. Probieren Sie es einfach mal aus.

Ganz zum Schluss nur eine persönliche Erfahrung: Ich wurde einmal zu einer christlichen Konferenz eingeladen. Ich hatte irgendwie das Bauchgefühl, dass irgendetwas faul war an dieser Veranstaltung. Und nach Gebet und doch beinahe tagelanger Recherche erwies sich diese Veranstaltung als eine Rekrutierungsveranstaltung der Scientologen, die wohl das Ziel verfolgten, Christen in ihren Bann zu ziehen. Sie waren nach meiner Absage noch ein ganze Zeit lang ziemlich hartnäckig, aber der Heilige Geist war noch hartnäckiger.

Wenn wir das Wirken des Heiligen Geistes auf ein Wort reduzieren sollten, dann fiele mir nur das Wort „Liebe“ ein. Und daher lassen Sie uns nunmehr gemeinsam diese Macht der Liebe mit dem zweiten Vers des Liedes „Ich bete an die Macht der Liebe…“ (EG 661) von Gerhard Tersteegen anbeten:

Ich bete an die Macht der Liebe, die sich in Jesus offenbart;
ich geb mich hin dem freien Triebe, wodurch ich Wurm geliebet ward;
ich will, anstatt an mich zu denken, ins Meer der Liebe mich versenken.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Pfingstsonntag und verabschiede mich bis zum morgigen Tage von Ihnen allen.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr
Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Sonntag, dem Sonntag Exaudi. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei Johannes im 7. Kapitel, die Verse 37-39. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Aber am letzten Tag des Festes, der der höchste war, trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen. Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.

Liebe Gemeinde,

was machte eigentlich zu Jesu Lebzeiten die „Faszination Jesus“ aus? War er doch für viele lediglich ein Wanderprediger, Sohn eines Zimmermanns, kein studierter Theologe und doch ein Massenphänomen. Die zu ihm fanden, wollten nicht mehr von ihm lassen. Gehen wir im Geiste doch einmal zu dem letzten Tag des Festes, gesellen wir uns hinzu und hören auf das, was Jesus zu uns spricht:

1. Durst

Wir alle, so auch die Menschen damals, werden von etwas getrieben, was wir gern haben möchten. Viele probieren die Erfüllung mit Geld, Familie und Karriere zu erlangen. Und doch stellen auch diese Menschen fest, dass etwas in ihrem Leben fehlt.

Wäre es nicht so, dann müssten ja eigentlich die reichsten Menschen der Welt zugleich auch die glücklichsten und zufriedensten sein. Dem ist natürlich nicht so. Es bleibt ein gewisser Lebensdurst in einem jeden Menschen, der sich einfach durch nichts stillen lässt.

Diesen Lebensdurst kannte Jesus natürlich weit besser als alle anderen Menschen. Daher sprach er die Menschen auch direkt auf diesen Lebensdurst an. Jesus war aber kein großer Volksverführer, wie Hitler, Stalin und andere Potentaten. Jesus bat die Menschen, doch ganz einfach einmal zu ihm zu kommen.

Sie sollten so kommen, wie sie waren. Sie mussten sich nicht vorher zu diesem Wanderprediger aus Nazareth bekennen. Sie sollten einfach gar nichts tun, außer zu ihm zu kommen. Vollkommen ohne irgendwelche Verpflichtungen oder gar Absichtserklärungen einzugehen.

Und dies ist auch heute noch der Fall: Auch heute sagt Jeus zu einem jeden Menschen: Ich weiß, das du Durst hast. Komm ganz einfach mal zu mir. Und das ist heute genau so leicht, wie es das vor 2000 Jahren war.  Wir müssen uns lediglich auf den geistlichen Weg machen und zu Jesus gehen. Und das ganz einfach offenen Herzens.

2. Trinken

Wasser ist schlichtweg das, was alle Lebewesen zum Leben und Überleben benötigen. Jesus lädt die Menschen ein, die diesen Lebensdurst in sich spüren, also im Prinzip uns alle. Dann macht er aber keinerlei Versprechungen. Jesus lädt einfach nur zum Trinken ein.

Heute würden diese Worte vielleicht so lauten: Du da, ich weiß genau, was Dir fehlt. Komm ganz einfach mal zu mir und nimm das, was ich Dir anbieten möchte. Ich möchte gern für immer an Deiner Seite sein. Probiere es doch einfach einmal aus, wie das ist, wenn ich den Weg mit dir zusammen gehe. Vertrau mir ganz einfach, nimm das an, was ich dir geben möchte und schau mal, wie es dir dann geht.

Mehr, liebe Gemeinde, erwartet Jesus ja gar nicht. Er ist eben nicht der große Volksverführer, für den ihn heute immer noch viele Menschen halten. Er ist in der Tat der Volkserlöser, der nur eines möchte, nämlich dass es uns mit ihm an seiner Seite wohl ergeht.

Daher hat diese Einladung bis heute auch nichts von ihrer Aktualität verloren. Diese Einladung zeigt aber auch gleichzeitig sehr schön unsere Aufgaben als aktive Nachfolger. Ich muss innerlich immer ein wenig schmunzeln, wen ich auf Konferenzen Weltmissionare höre, die angeblich schon tausende Menschen bekehrt haben.

Das geht nämlich gar nicht und ist auch nicht unsere Aufgabe. Kein Mensch kann gegen seinen Willen bekehrt werden. Aber was ist dann unsere Aufgabe? Wir sollen die Menschen lediglich zu Jesus bringen. Wir sollen ihnen von Jesus und seinem Angebot erzählen. Sie sollen so zu ihm kommen, wie sie sind, also vollkommen umgekehrt, beladen mit allen Sünden und vielleicht auch mit einer gehörigen Portion Skepsis im Gepäck.

Da ich ja nun mal im Ruhrgebiet beheimatet bin, wo man bekanntermaßen eine direktere Sprache spricht als in der übrigen Republik bekomme ich oftmals folgendes zu hören: „Dat klappt doch sowieso nich, dat is doch alles Kokolores, wat du da von dich gibs.“

Wer mich so freundlich von der Seite anredet, dem verweigere ich natürlich auch meine Antwort nicht. Ich sage dann immer folgendes: „Wennnsse wirklich en richtigen Kerl bis, dann sachse ihm dat gefälligst selber un nich mir !!!“ Dann ist erst einmal Funkstille. Und dann bitte ich meinen Gesprächspartner ganz einfach mal so zu tun, als ob das eben kein Kokolores ist, was ich erzähle. Jesus hat in der Tat schon so manch einen davon überzeugen können, dass es wirklich kein Kokolores ist.

Nur so eben nebenbei bemerkt: Es wird immer Menschen geben, die auch zu dieser Einladung ganz einfach nein sagen. Das müssen wir auch ganz einfach akzeptieren und nicht den Versuch der Zwangsmissionierung unternehmen. Das, was Paul Deitenbeck immer mit den Worten „Bekehr dich oder ich schieße!!! ausdrückte, geht für gewöhnlich in die Hose.

3. Lebendiges Wasser

Jesus stößt keinen Menschen hinweg, der zu ihm kommt. Auch der Skeptiker, der nur so tut, als ob, ist herzlich willkommen. Er hat sich schließlich ja schon in die richtige Richtung bewegt.
Wer diesen Schritt tut, also voller Vertrauen, und Glaube ist nichts anderes als volles Vertrauen, zu Jesus kommt, der wird das Wunder seines Lebens erleben. Wer zu ihm kommt, dem verspricht Jesus Ströme lebendigen Wassers. Ich denke, damit können wir alle zunächst einmal recht wenig anfangen.

Jesus meint damit folgendes: Wer zu ihm kommt, dem möchte er sich ganz und gar schenken. Und wer ihm die Königsherrschaft über sein Leben anvertraut, der wird von allem im Leben immer und überall mehr als genug haben.

Ich meine jetzt nicht unbedingt materielle Reichtümer. Wem sie Jesus schenkt, der soll sie dankbar annehmen und verwalten. Jesus schenkt uns aber etwas viel wertvolleres. Jesus macht Schluss mit dem Unfrieden in unseren Herzen. Mit ihm zieht der göttliche Friede in uns ein. Jesus beendet die Unzufriedenheit in unserem Leben. Wenn ER in uns wohnt, merken wir, dass wir gar nichts anderes mehr benötigen als nur noch ihn.

Und Jesus schenkt uns die Zuversicht für unser weiteres Leben. Mit ihm in uns können wir alle Hürden des Lebens bewältigen. Wir werden nicht alle Hindernisse überspringen können, an manchen müssen wir einfach vorbei und durch manche einfach hindurch. Aber wir haben IHN an unserer Seite. Und mit IHM schaffen wir alles.

Lebendiges Wasser bedeutet auch, dass wir durch und mit Jesus geistlich lebendig geworden sind. Bevor wir ihn kennengelernt haben, waren wir allesamt geistlich tot. Nunmehr sind wir geistlich lebendig geworden. Und diese geistliche Lebendigkeit existiert über unseren körperlichen, irdischen Tod hinaus und geht ein in das ewige Leben.

Und das ist es, was die Faszination Jesus ausmacht, liebe Gemeinde. Dem kann, möchte und will man sich doch nicht entziehen. Ich persönlich kenne keinen Menschen, der seinen Weg mit Jesus bereut hat. Ich kenne viele Menschen, die Jesu Einladung (noch) nicht angenommen haben. Jeder hingegen, der diese Einladung angenommen hat möchte niemals wieder zurück in sein altes Leben.

Laden wir doch unsere Mitmenschen einfach ein, doch mal zu diesem Jesus zu gehen. Mehr können, sollen und dürfen wir auch nicht tun.

Dann lassen Sie uns abschließend in den dritten Vers des Liedes „Vertraut den neuen Wegen…“ (EG 395) des Liederdichters Klaus Peter Hertzsch einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Vertraut den  neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt!
Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land.
Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit.
Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.
Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr
Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Sonntag, dem Sonntag Jubilate. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Johannesevangelium, Kapitel 16, die Verse 16 und 20-23a. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam betrachten:

Noch eine kleine Weile, dann werdet ihr mich nicht mehr sehen; und abermals eine kleine Weile, dann werdet ihr mich sehen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden. Eine Frau, wenn sie gebiert, so hat sie Schmerzen, denn ihre Stunde ist gekommen. Wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist. Und auch ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. An dem Tag werdet ihr mich nichts fragen.

Liebe Gemeinde,

der heutige Predigttext entstammt den Endzeitreden Jesu, der heutige Sonntag Jubilate besagt uns hingegen: „Jauchzet Gott, alle Lande.“ Wie sollen wir denn dieses zusammenbringen, auf der einen Seite die Endzeitstimmung und auf der anderen Seite der Jubel? Die Lösung finden wir mitten in unserem Predigttext, wo Jesus seinen Jüngern wortwörtlich sagt: „Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden.“ Geht das denn heute auch noch, also rund 2000 Jahre nach dieser Endzeitrede. Lassen Sie uns darüber heute morgen gemeinsam nachdenken.

1. Zeiten des Zweifels

Jeder unter uns kennt doch die Zeiten, in denen alles „rundläuft“ mit Jesus. Man kann ihn quasi hautnah bei sich spüren und hat das Gefühl, mit Jesus immer einen direkten Gesprächspartner neben sich zu haben.

Und dann ist sie auf einmal wie aus dem nichts da; die Zeit des Zweifels. Bilde ich mir dies alles vielleicht nur ein ? Ist da oben vielleicht doch keiner? Ist mit dem Tod nicht doch alles aus ? Diese Fragen stellen sich auch dem gläubigen Christen immer wieder einmal. Das wusste schon Jesus.

Gerade diese Zeiten in denen wir zweifeln sind doch die traurigen Zeiten des Glaubens. Und diese will unser Herr bei einem jeden von uns in Freude verwandeln. Jeder Zweifel, liebe Gemeinde soll uns doch eigentlich nur näher zu Jesus hinführen. Gerade in den Zeiten meiner persönlichen Zweifel habe ich mich noch stärker zu seinem Wort hingezogen geführt. Und gerade in diesen Zeiten habe ich in der Bibel die erstaunlichsten und für mich persönlich die hilf-reichsten Entdeckungen gemacht.

In Zeiten, wo alles „rundläuft“, da habe ich auch schon mal die Bibel ein wenig zur Seite gelegt und mich mehr mit dem Tagesgeschehen, als mit dem Worte Gottes beschäftigt. Aber dann, wenn auf einmal nicht mehr alles so lief, wie ich es mir dachte, dann hatte ich den Drang im Worte Gottes nach einer Lösung  zu suchen.

Damals bin ich dann auch über Matthäus 28 gestolpert. Insbesondere über den Satz: Siehe, ich bin bei euch alles Tage bis an der Welt Ende. Das sagt uns nicht irgendwer. Das sagt uns der Sohn des allmächtigen Gottes. Und wenn der etwas verspricht, dann kann ich mich auch felsenfest darauf verlassen.

Wenn er auch gerade dann um mich herum ist, wenn ich ihn nicht spüre und mich mit meinen Zweifeln allein wähne, dann ist er ja DOCH da. Dann ist er auch dann um mich herum, wenn ich seine Nähe einmal nicht so konkret spüren und fühlen kann.

Und wenn dies der Fall ist, dann ist der Traurigkeit meines Zweifels der Boden entzogen. ich kann dann allenfalls noch darüber nachdenken, wozu Gott dieses Zweifel in meinem Leben benutzt. Aber für eine tiefe Traurigkeit ist gar kein Platz mehr, vielmehr ist Platz für Freude am Worte Gottes.

2. Schicksalsschläge

Wir alle haben doch schon den einen oder anderen Schicksalsschlag erlebt. Da hat man sich in der Firma abgerackert ohne Ende und dann kommt wie aus heiterem Himmel die Kündigung ins Haus geflattert. Auf einmal gerät die ganze Existenz und alles, was man geplant hat, vollkommen durcheinander. Da hat der Ehepartner nach über 30 Jahren Ehe seine Sachen gepackt und verlässt einen, weil er woanders sein Glück gefunden zu haben scheint. Oder aber eine schwere Krankheit zwingt uns, uns vorzeitig von unseren Lieben verabschieden zu müssen.

Da kommt einem das „Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden“ eben mal nicht mehr so einfach über die Lippen. Da ist man zunächst einmal niedergeschlagen. Und doch, liebe Gemeinde, dürfen wir darauf vertrauen, dass Gott, der soeben eine Türe verschlossen hat, schon längst eine andere Türe unsers Lebens geöffnet hat, hinter der sich etwas verbirgt, was auch in einer solchen Situation geeignet ist, unsere Traurigkeit in Freude zu verwandeln.

Natürlich dürfen wir auch einmal traurig sein, aber wir sollen in diesen Zeiten eines nicht verlieren; nämlich unsere Hoffnung.

Auch David, der ja bekanntlich eine Traumkarriere hingelegt hat die man am besten ausdrückt mit der Überschrift: „Vom Hirtenjungen zum König“, auch der König David wurde von Schicksalsschlägen und Zweifeln nicht verschont.

Aber David wusste, wohin er sich mit seinen Zweifeln wenden kann. Aus einer dieser Zeiten stammt auch der berühmte Psalm 23, den ich hier gern mit uns zusammen beten möchte:

Der Herr ist mein Hirte, mir wir nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führte mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich keine Unglück;
denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,
und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.

David hatte mehr als einmal in seinem Leben die Erfahrung gemacht, dass auch dunkle Täler durchschritten wedden müssen in unserem Leben. Aber auch dann ist die liebende Hand des Vaters immer nur ein Gebet weit entfernt. Gott führt uns niemals am Leiden vorbei, aber er führt uns immer durch das Leiden hindurch. Und dann verwandelt er die Traurigkeit auch wieder in Freude.

Darauf dürfen wir uns auch heute im Jahre 2017 genau so verlassen, wie es David zu seiner Zeit getan hat.

3. Gottes Vergleich

Jesus redet ja gern in Bildern zu uns. Ganz einfach, weil ein Bild mehr sagt als tausend Worte und weil wir uns Bilder einfach besser einprägen können. Um uns das: „Eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden“ einprägsamer zu machen, benutzt Jesus als Vergleich den Vorgang der Geburt.

Ich habe mir von meiner Frau sagen lassen, dass der Vorgang der Geburt mit so starken Schmerzen verbunden sei, die wir Männer uns gar nicht vorstellen können und die wir auch gar nicht aushalten könnten. Aber kurz nach der Geburt sei der Schmerz wie weggeblasen und die Freude über das neugeborene Kind weit größer als der soeben noch durchlittene Schmerz.

Und so sollen wir auch unsere Leidenstage sehen. Am Ende eines jeden Leides wartet etwas auf uns, dass uns das momentane Leid sofort vergessen lassen wird. Das einzige, was wir tun müssen ist dem zu vertrauen, der uns dieses sagt.

Und so, liebe Gemeinde, wird es auch bei unserem letzten Leide sein, durch das wir in dieser Welt hindurchmüssen. Auf der anderen Seite uneres Sterbebettes wird unsere Traurigkeit über den Verlust der Gegenwart unserer Liebsten durch die Freude überstrahlt werden endgültig bei unserem Herrn im Himmel angekommen zu sein.

Selbst das Sterben betrachtet Jesus als eine Art Geburt, die Geburt zu einem neuen Leben, einem ewigen Leben in seiner Gegenwart.

Lassen Sie un also ruhig einmal ins Zweifeln geraten. Nehmen wir doch in diesen Zeiten das Wort Gottes zur Hand und lassen sein Wort direkt in uns wirken. Dann wird die Traurigkeit des Zweifels in Freude verwandelt werden. Lassen Sie uns bei Schicksalsschlägen doch immer zunächst an David und an den Psalm 23 denken. Und betrachten wir alle Traurigkeiten in unserem Leben doch eher als Wehen vor einer Geburt, nach welcher wir unsägliche Freude empfinden werden.

Wenn wir unser Denken und den Umgang mit unseren Leiden in diese Richtung lenken, dann können wir vollen Herzens in den ersten Vers des Liedes „Du meine Seele, singe…“ (EG 302) von Paul Gerhardt einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Du meine Seele, singe, wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben hier presien auf der Erd;
ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und uns allen, dass wir stets darauf vertrauen, dass unser Herr allzeit unsere Traurigkeiten des Lebens in unsagbare Freude verwandeln wird.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 1. Sonntag nach Ostern, dem Sonntag Quasimodogeniti, was übersetzt bedeutet „Wie die neugeborenen Kindlein“. Und das sind wir, die wir dem Herrn unser Leben übergeben haben und seine Rettungstat für uns in Anspruch genommen haben doch alle. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Johannesevangelium, Kapitel 21, die Verse 1-14. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Der Auferstandene am See Tiberias

Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See Tiberias. Er offenbarte sich aber so: Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger. Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich will fischen gehen. Sie sprechen zu ihm: So wollen wir mit dir gehen. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts. Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische. Da spricht der Jünger, den Jesus liebhatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr war, gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich ins Wasser. Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen. Als sie nun ans Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer und Fische darauf und Brot. Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! Simon Petrus stieg hinein und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundert-dreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht. Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl ! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt’s ihnen, desgleichen auch die Fische. Das ist nun das dritte Mal, dass Jesus den Jüngern offenbart wurde, nachdem er von den Toten auferstanden war.

Liebe Gemeinde,

ok, wir sind wie die neugeborenen Kindlein. Aber was bedeutet das für uns heute im Jahre 2017 ganz konkret? Lassen Sie uns in unserem heutigen Predigttext auf die Suche gehen und gemeinsam ergründen, was wir ganz konkret am heutigen Tage schon von Jesus haben.

1. Jesus hilft dem Mangel ab

Geht es uns nicht auch oftmals so wie den Fischern in unserem Predigttext. Wir rackern uns in unserem Leben ab und schuften und schuften und kommen entweder mal gerade so zurecht oder aber am Monatsende klafft sie schon wieder, diese Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben.

Und wie oft bemühen wir uns um unsere Liebsten und um unsere Gemeinden und um unsere Mitmenschen ganz allgemein. Da könnte man doch auf ein wenig Anerkennung hoffen. Und was kommt stattdessen? Häufig blöde Bemerkungen und Sprüche, die unsere Bemühungen in Frage stellen.

Während wir auf dem Meer der Arbeit und dem See der Gefühle unermüdlich rudern, steht aber schon Jesus am Strand und schaut uns zu. Warum schaut er aber nur zu und tut nichts? Nun, liebe Gemeinde, das mag auch daran liegen, dass wir häufig ganz alleine vorpreschen und meinen, wir wären es doch schließlich selber, die die gesamte Lage im Griff haben.

Wir sind dabei häufig wie Kapitäne, die mit ihrem Schiff aus dem Hafen laufen, dabei den Zielhafen vergessen haben aber trotzdem glücklich sind, einfach auf dem Meer zu sein. Was brauchen wir ein Navigationssystem oder gar Seekarten, wir wissen und kennen doch den Weg. Also schippern wir munter los und kommen dann total übermüdet wieder an Land ohne viel ausgerichtet zu haben.

Hätten wir doch vorher unseren Herrn einmal gefragt. Dann wäre vieles anders gelaufen. Aber es ist ja noch nicht zu spät.

2. Die neuen Wege

Jesus erkannte schon lange, dass das nichs geworden ist, die Sache mit dem auf eigene Faust fischen gehen. Also fragt er seine Jünger ganz konkret nach dem, was sie erreicht haben. Und ehrlicherweise mussten sie ihm gestehen, dass der ganze Aufwand für die Katz war, den sie die ganze Nacht betrieben haben.

Und dann macht Jesus einen erstaunlichen Vorschlag. Er fordert die Fischer auf, nochmals auf das Meer zu fahren, das Netz auszuwerfen und abzuwarten, was geschieht. Das besondere daran hat mir mal ein alter Bruder erklärt, der seinesgleichen passionierter Angler war.

Er sagte zu mir: „In der Nacht beißen die Fische, aber so gut wie niemals am Tage. Wenn du nachts nichts gefangen hast, dann brauchste am nächsten Morgen gar nicht erst raus zufahren.“ Das wussten sicherlich auch schon die Fischer zu Zeiten Jesu; denn sie waren ja hauptberuflich Fischer und wir dürfen daher ruhig davon ausgehen, dass sie dieses Handwerk auch beherrschten.

Was Jesus ihnen vorgeschlagen hat, das war doch der reinste Wahnsinn. Das konnte doch gar nicht klappen. Das hat doch noch nie geklappt. Und außerdem waren sie sicherlich allesamt rechtschaffen müde und wollten wohl eher schlafen gehen, als erneut die Boote zu besteigen. Und doch, liebe Gemeinde, hörten sie auf das Wort, welches Jesus zu ihnen sagte.

Egal wie widersinnig es auch sein mochte, sie gingen einfach den neuen Weg, den Jesus ihnen vorschlug. Egal, ob nach ihrer Sicht etwas dabei herauskommen sollte, sie gingen ihn einfach diesen neuen Weg, den Jesus vorgab. Sie hinterfragten Jesus nicht und fingen auch keine Diskussion über die Fischerei an. Sie gingen einfach den Weg, den Jesus ihnen vorgab zu gehen.

Und von diesen Fischern können wir uns alle auch heute noch eine gewaltige Scheibe abschneiden. Wenn Jesus mit uns redet, dann haben wir doch häufig sofort Einwände parat, warum das so doch gar nicht gehen kann. „Herr, ich habe das doch schon x-mal probiert. Es ist doch nichts dabei herausgekommen“. So oder ähnlich lauten doch unsere Überlegungen um ja nicht das zu machen, was Jesus uns vorschlägt.

Ich glaube, wir tun gut daran, auch wieder einmal öfter allein auf unseren Herrn zu hören und unsere Einwände einfach mal in die Ecke zu stellen und nur das zu tun, was Jesus uns vorgibt. Steller wir uns doch dies einmal als folgende Formel vor:

Ich + Bemühungen + Bemühungen = Misserfolg
Jesus + Bemühungen + Bemühungen = Erfolg

Wir haben nur das „Ich“ weggenommen, nicht aber die Bemühungen. Das sei allen gesagt, die meinen, ein Leben mit Jesus bedeutet auch gleichzeitig, dass uns Jesus all unsere Mühen abnimmt. Das ist sicherlich nicht der Fall. Jesus zeigt uns zwar den richtigen Weg, gehen müssen wir ihn dann schon selber.

3. Danken

Nachdem die Fischer einen so üppigen Fang gemacht hatten, hielten sie mit Jesus auch das Dankesmahl. Das stünde uns allen auch heute noch ganz gut zu Gesicht. Wenn uns etwas besonders gut gelungen ist, dann klopfen wir uns doch ganz gern auf die Schulter und lassen uns auch ganz gern bewundern, was für tolle Kerle und Damen wir doch sind.

Machen wir uns doch wieder einmal bewusst, dass alles, was uns gelingt, letztendlich von unserem Herrn kommt und wir ihm dafür ruhig einmal danken dürfen. Ist ist doch schon erstaunlich, warum wir dies nicht tun, oder finden sie nicht? Da laufen wir alleine in die Irre und erreichen nichts. Dann fragen wir den Herrn nach dem rechten Weg, den dieser uns dann auch zeigt.

Dann gehen wir den rechten Weg und haben auch den Erfolg, den uns der Herr zugesteht und dann kommt meist noch nicht einmal ein Danke. Herr? Ich glaube es liegt ins unserer menschlichen Natur, dass wir so „gestrickt“sind. Wenn uns etwas besonders gut gelingt, dann haben wir das natürlich selber hinbekommen, wenn eine Sache so richtig in die Hose geht, dann waren die Umstände, die anderen Menschen oder sogar letztendlich Gott daran schuld, dass es nicht so geklappt hat, wie wir uns das gedacht hatten.

Kommen wir doch wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und machen wir uns immer wieder folgendes bewusst: Wege, die wir alleine gehen, scheitern oftmals, Wege, die wir mit unserem Herrn an unserer Seite gehen, sind von Erfolg gekrönt und dafür dürfen wir auch mal dankbar sein.

Tun wir dies doch jetzt sofort gemeinsam, indem wir in den ersten und sechsten Vers des Liedes „Danke für diesen guten Morgen… (EG 334) des Liederdichters Martin Gotthard Schneider einstimmen, die da lauten, wie folgt:

Danke für diesen guten Morgen, danke für diesen neuen Tag.
Danke, dass ich meine Sorgen auf dich werfen mag.
Danke, dein Heil kennt keine Schranken, danke, ich halt mich fest daran.
Danke, ach Herr, ich will dir danken, dass ich danken kann.

Der Herr segne dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche, in welcher sicherlich wieder jede Menge Gelegenheiten auftreten werden, für die wir dankbar sein können.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naberqu

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Sonntag Lätare. Lätare heißt ja bekanntlich „Freuet Euch“ und da wollen wir doch einmal sehen, welche Freude unser heutiger Predigttext, den wir im 6. Kapitel des Johannesevangeliums, die Verse 55-65 finden, für uns bereithält:

Denn mein Fleisch ist die wahre Speise, und mein Blut ist der wahre Trank. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm. Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und ich lebe um des Vaters willen, so wird auch, wer mich isst, leben um meinetwillen. Dies ist das Brot, das vom Himmel gekommen ist. Es ist nicht wie bei den Vätern, die gegessen haben und gestorben sind. Wer dies Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Das sagte er in der Synagoge, als er in Kapernaum lehrte. Viele nun seiner Jünger, die das hörten, sprachen: Das ist eine harte Rede; wer kann sie hören? Da Jesus aber bei sich selbst merkte dass seine Jünger darüber murrten, sprach er zu ihnen: Ärgert euch das? Wie, wenn ihr nun sehen werdet den Menschensohn auffahren dahin, wo er zuvor war? Der Geist ist’s, der lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, die sind Geist und sind Leben. Aber es gibt einige unter euch, die glauben nicht. Denn Jesus wusste von Anfang an, wer die waren, die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde. Und er sprach: Darum habe ich euch gesagt: Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn vom Vater gegeben.

Liebe Gemeinde,

so auf den ersten Blick betrachtet geht es hier um das Heilige Abendmahl. Das würde ja auch zu dem Sonntag Lätare irgendwie passen. Und dann kommt als Reaktion der Jünger etwas ganz anderes, als wir es erwartet hätten. Sie sagten: „Das ist eine harte Rede…“ Hatten die Jünger mehr gehört oder besser zugehört oder etwas besser verstanden, was Jesus ihnen zuvor gesagt hatte?

Ich glaube, es geht in unserem Text gar nicht so sehr um das Heilige Abendmahl, es geht vielmehr darum, wie ich als Christ auch authentisch lebe und mein Leben dementsprechend gestalte. Ich glaube nämlich, dass wir alle, die wir heute Morgen zusammensitzen keinerlei Erkenntnisprobleme haben. Wir alle kennen die Bibel doch wirklich sehr gut. Wir wissen doch alle was drin steht. Aber wir könnten ein Umsetzungsproblem haben. Nämlich das in unseren Alltag umzusetzen, was wir allsonntäglich hören.

Schauen wir uns doch einmal 3 Fragen an, die Jesus uns auch heute noch zwischen diesen Zeilen versteckt stellt. Jesus stellt auch mir diese Fragen immer wieder. Schauen wir doch mal kurz rein in den Dialog zwischen Jesus und mir.

1. Du willst also Christ sein?

Natürlich Jesus, will ich Christ sein. Ansonsten wäre ich heute wohl nicht hier. Ja gut, in der Woche ist es mal wieder nicht alles so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich bin ein paar Mal aus der Haut gefahren, was nicht hätte sein müssen.

Und dann habe ich jemandem die Vorfahrt genommen. Und dieser Jemand als er mich überholte zeigte er doch glatt auf mein Schild mit dem Fisch und schüttelte nur noch den Kopf. Ich wurde wütend und zeigte ihm auch noch den Vogel. Das war natürlich voll daneben.

Jesus, ich möchte doch so gern Christ sein, vergesse mich in der Woche aber immer wieder. Was soll ich nur machen? Bitte mich doch einfach, Dir den ganzen Tag in der Woche beizustehen. Gesteh Deine Sünden auch sofort ein und lass uns versuchen, es gemeinsam besser zu machen.

Ich weiß, dass Du es allein gar nicht kannst, die Sache mit dem vollkommenen Christsein. Aber wenn es Dich tröstet, das kann kein Mensch, also mach Dir nicht allzu große Vorwürfe, sondern lass uns fortan den Weg gemeinsam gehen.

2. Du willst ein gläubiger Mensch sein?

Schau Ulli, du bist doch ein Fan vom VfL Bochum. Ist dir eigentlich mal aufgefallen wie häufig Du Dich mit Deinen Mitmenschen über Fußball und den VfL unterhältst? Nein, aber mir ist es aufgefallen.

Und mir ist noch etwas aufgefallen, du sprichst mit den Menschen über Fußball, ihre Nöte, Sorgen und Probleme, aber über mich redest Du ganz wenig. Du musst den Leuten doch auch zeigen, was dich trägt, wenn Deine Sorgen dich quälen. Es ist natürlich gut und richtig, dass Du dich der Nöte, Sorgen und Probleme Deiner Geschwister annimmst.

Aber denke doch mal darüber nach, dass Du nicht zeitgleich für alle Deine Geschwister da sein kannst. Und irgendwann wirst Du bei mir sein und wer hilft Ihnen dann? Lehre doch Deine Geschwister, dass es mich gibt, der ihnen stets und immer beisteht. Lehre sie doch den Weg zu gehen, den Du auch einmal gegangen bist , als wir beide uns begegnet sind. Erzähl doch einfach von damals, als du noch kein Christ warst und alles andere lieber tatest als die Bibel zu lesen.

Und dann berichte darüber, was sich alles in Deinem Leben geändert hat, seit ich Dich auf Schritt und Tritt begleite. Erzähle ihnen doch einfach von Deinem großen Haufen von Problemen, die Du hattest, als Du zu mir kamest. Und berichte doch ganz frank und frei darüber, wie wir beide ein Problem nach dem anderen bewältigt haben.

Rückwirkend sieht ja alles immer positiver aus, als es in Wirklichkeit war. Sag also Deinen Geschwistern, das auch ein gläubiger Mensch nicht nur in Frieden und Glückseligkeit lebt. Berichte ruhig darüber, dass Du auch heute manchmal noch niedergeschlagen bist. Aber sage Ihnen auch, dass trotz allem Negativen, was Dir auch heute noch wiederfährt Du trotzdem an mir hängenbleibst. Du vertraust mir trotzdem, weil Du ganz genau weißt, dass ich am Ende alles gut mache.

3. Ich soll Dein Retter sein?

Weißt Du, Ulli, natürlich bist du vom Tod zum Leben übergegangen, als Du mein Angebot angenommen hast. Aber das war ja keine einmalige Geschichte. Damit hat doch erst alles angefangen. Ich habe meinen Jüngern damals dies recht drastisch dargestellt, als ich sagte: „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm.“

Weißt du, die Jünger damals waren schon recht raue Gesellen. Mit denen musste man schon mal Tacheles reden, damit sie auch begriffen, was ich ihnen sagen wollte. Manchmal habe ich auch bei Dir den Eindruck, dass ich Dir mal wieder gehörig den Kopf waschen muss. Warum, das fragst Du?

Mit Essen und Trinken wollte ich den Jüngern damals verdeutlichen, dass dies Bedürfnisse sind, die jeden Tag auf neue gestillt werden müssen. Kein Mensch kann auf Vorrat essen oder trinken. Genau so lebe ich nur in Dir und Du in mir wenn wir täglich miteinander verbunden sind.

Stell dir einfach mal vor, ich bin die Tankstelle und du ein Auto. Wenn du nicht regelmäßig bei mir vorbeischaust um dich aufzutanken, dann ist irgendwann der Tank leer und Du kannst nicht mehr weiterfahren. Denn das, was Du als Auto brauchst, das bekommst Du allein von mir.

Und jetzt setzen wir das mal in Dein Leben um. Du lebst allein von mir, meiner Gnade und meiner Kraft. Gewiss, du schaffst es auch ein paar Meter alleine, aber wie!!! Aber, wenn Du die Verbindung zu mir niemals abreißen lässt, dann bin ich stets und ständig mit Dir verbunden. So stelle ich sicher, dass Du jeden Tag aufs Neue genügend Treibstoff für Dein Leben bekommst.

Und jetzt denke mal darüber nach, wie oft Du auch heute noch versucht bist, etwas selber in die Hand zu nehmen, ohne mich zu befragen. Sogar in der letzten Woche gab es einige Angelegenheiten, die wir zuvor hätten besprechen sollen. Aber das merkst Du leider oftmals erst hinterher.

Tu mir doch einen Gefallen, bleib stets ganz dicht an mir dran und besprich die Dinge, die Du vorhast, doch vorher mit mir. Erspare Dir doch so manche Enttäuschung. Und vor allem: Nimm Du Dich mal nicht so wichtig. Ich bin der Retter.

Wer sich so von Jesus angesprochen fühlt, der hat jeden Tag die Möglichkeit den rechten Weg mit unserem Herrn zusammen zu gehen. Und wer sich diesen Jesusfragen erst etwas zu spät stellt, der hat sein ganzes Leben lang immer wieder die Möglichkeit zur Umkehr. Jesus ist immer nur ein Gebet weit entfernt.

Ein Gebetslied des Liederdichters Johann Olearius beschreibt das tägliche Leben mit unserem Herrn sehr schön wie folgt (EG 197, Vers 1):

Herr, öffne mir die Herzenstür,
zieh mein Herz durch dein Wort zu Dir.
lass mich dein Wort bewahren rein,
lass mich dein Kind und Erbe sein.

Der Herr segne dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und geben dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

gehen wir doch mit diesen drei Fragen einmal gemeinsam mit unserem Herrn durch die kommende Woche und lassen Sie uns erleben, was er uns alles sagen möchte. Dabei wünsche ich Ihnen allen Gottes reichen Segen.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber