Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie ganz herzlich am heutigen Sonntag, dem Palmsonntag. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Propheten Jesaja im 50. Kapitel, die Verse 4-9. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Der Knecht Gottes im Leiden

Gott der Herr hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse, mit den Müden zu rechter Zeit zu reden. Alle Morgen weckt er mir das Ohr, dass ich höre, wie die Jünger hören. Gott der Herr hat mir das Ohr geöffnet. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück. Ich bot meinen Rücken dar, denen, die mich schlugen, und meine Wange denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel. Aber Gott der Herr hilft mir, darum werde ich nicht zuschanden. Darum hab ich mein Angesicht hart gemacht wie einen Kieselstein; denn ich weiß, dass ich nicht zuschanden werde. Er ist nahe, der mich gerecht spricht; wer will mit mir rechten? Lasst uns zusammen vortreten! Wer will mein Recht anfechten ? Der komme her zu mir! Siehe, Gott der Herr hilft mir, wer will mich verdammen? Siehe, sie alle werden wie Kleider zerfallen, die die Motten fressen.

Liebe Gemeinde,

von wem spricht der Prophet eigentlich? Auf den ersten Blick scheint es sonnenklar, dass er von dem Herrn Jesus spricht. Aber wenn wir genauer hinhören, dann erkennen wir, dass der Prophet von drei Personen spricht: Von sich selbst, von Jesus und auch von uns. Schauen wir uns doch seine Botschaft einmal zusammen an.

1. Hören

Gleich zu Beginn sagt uns der Prophet, dass Gott ihm alle Morgen das Ohr auftut, das er wie ein Jünger hören kann. Er erkennt, dass sein gesamtes Lebenswerk davon abhängt, dass er zunächst einmal auf Gott hört und ihm zuhört. Nur so ist er in der Lage, sein schwieriges Prophetenamt auszuüben.

Wir dürfen nämlich nicht vergessen, dass er zu einem Volk sprechen sollte, dass bereits seit langer Zeit in babylonischer Gefangenschaft war und die meisten schon alle Hoffnung auf Rückkehr aufgegeben hatten.

Und dann finden wir auch, was das Hören anbelangt die Parallele zu unserem Herrn Jesus Christus. In vielen Stellen des Neuen Testaments erkärt uns Jesus, dass er nur wiedergeben kann und nur das ausüben kann, was ihm von seinem himmlischen Vater aufgetragen worden ist. An zahlreichen Stellen finden wir auch den Hinweis, dass sich Jesus stets zurückzog, um mit seinem Vater im Himmel zu sprechen.

Und hier finden wir auch die Parallele zu uns heute im 21. Jahrhundert. Erst hören, dann reden und machen. Können Sie sich vorstellen, dass unser Leben für einen jeden von uns wesentlich geordneter verlaufen würden, wenn auch wir immer zunächst nach Gottes Willen für unser Leben fragen würden anstatt unseren Willen in die Tat umzusetzen ?

Machen wir es doch wieder wie der Prophet und Jesus und hören zunächst auf das, was Gott von uns will. Und lassen Sie uns dann das auch genau so in die Tat umsetzen, wie Gott es von uns erwartet.

2. Gehorsam

Ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück. So lesen wir es ebenfalls in unserem Predigttext. Gewiss, es war keine angenehme Aufgabe den Menschen, die sich in babylonischer Gefangenschaft befanden, die Freiheit und Hoffnung und die Liebe Gottes zu predigen.

Und doch, liebe Gemeinde hat sich der Prophet voll und ganz auf Gott eingelassen und das gepredigt, was Gott ihm aufgetragen hatte. Auch dann oder besonders gerade dann, wenn die äußeren Umstände ganz anders waren, als es der Prophet vorhersagte. Im schlimmsten Schlamassel fällt es einem schwer die Lösung zu sehen.

Wer ebenfalls gehorsam war bin in den Tod, das war unser Herr Jesus Christus. Ich bot meinen Rücken dar, denen die mich schlugen, so haben wir es soeben gehört, was der Herr Jesus für uns getan hat.

Nur sein absoluter Gehorsam Gott gegenüber machte es überhaupt erst möglich, dass wir wieder freien Zugang zum Himmel haben. Nur weil ER für uns durch seinen stellvertretenden Tod für all unsere Sünden das Lösegeld bezahlt hat, dürfen wir wieder zu Gott „Lieber Vater“ sagen.

Daher gilt dieser Gehorsam auch für uns. Auch wenn von Gott manchmal Botschaften und Aufgaben kommen, die mir nicht so recht gefallen, auch dann müssen wir auf ihn hören. Einen „Schönwetterglauben“ kann man leicht leben, aber wenn die Gewitter kommen, dann zeigt sich die Ernsthaftigkeit unserer Beziehung zu unserem Herrn.

Das Leiden Jesu Christi hat für uns eine erlösende und sühnende Wirkung. Leid und Erlösung gehören also zusammen. Wenn wir dies erkannt haben, dann können wir auch mit dem Leiden, dass Gott uns zumutet, ein wenig anders umgehen, führt doch alles menschliche Leid uns wieder hin zu IHM. Wir dürfen also gerade im Leiden gewiss sein, dass da einer ist, der uns durch dieses Leiden hindurchführt.

3. Und dennoch

Bei so vielem Leid könnte man ja glatt verzweifeln. Da predigt man Hoffnung und wird auch noch dafür verdroschen. Das erging übrigens vielen Propheten so, wenn sie nicht dem Volk nach dem Munde predigten. Man sperrte sie ein, mit etwas Glück bei Wasser und Brot, oder man verstieß sie. im ungünstigsten Falle wurden sie einfach umgebracht, damit man ihre Botschaft nicht mehr hören musste.

Aber Gott der Herr hilft mir ist die Antwort des Propheten auf das, was man ihm antut. Er weiß genau, dass er sich nicht von dem ablenken lassen darf, was das Volk von ihm erwartet. Seine Aufgabe besteht in der Verkündigung des Wortes Gotts, koste es, was es wolle.

Und genau so vertraute auch der Herr Jesus Christus seinem Vater im Himmel. Dieses bedingungslose Vertrauen hielt sogar da noch an, als man ihn zum Tode verurteilte und ihn an das Kreuz geschlagen hat.

Und an diesem bedingungslosen Vertrauen sollen auch wir uns ein Beispiel nehmen. Wie bei Jesus letztendlich alles gut ausgegangen ist (Tod-Auferstehung-Himmelfahrt), so wird auch bei uns am Ende alles gut ausgehen.

Alle, die wir ihm unser bedingungsloses Vertrauen schenken, alle diejenigen werden nicht zuschanden werden, sondern das ewige Leben haben. Wer Christus vertraut, für den ist der Tod nicht das Ende, sondern der Anfang eines Lebens in ewiger Gemeinschaft mit unserem Herrn im Himmel.

Wir werden oft in Situationen kommen, in denen wir innerlich verzweifeln und manchmal nicht mehr ein noch aus wissen; gerade dann ist unser „Dennoch“ gefragt. Wenn wir dieses „Dennoch“ in solchen Situationen zu unserem Herrn sagen, dann werden wir seine Kraft und Stärke schon auf Erden ganz konkret zu spüren bekommen.

Hören führt zu Gehorsam und Gehorsam führt zu Rechtsprechung. Und diese Rechtsprechung führt uns in den Himmel hinein. Lassen Sie uns dies für heute mit nach Hause nehmen.

Lassen Sie uns zum Abschluss gemeinsam um Gottes Segen auf all unseren Wegen bitten, indem wir gemeinsam in den sechsten Vers des Liedes „Der du die Zeit in Händen hältst…“ (EG 64) von Jochen Klepper einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Der du allein der Ewge heißt und Anfang, Ziel und Mitte weißt
im Fluge unsrer Zeiten:
Bleib du uns gnädig zugewandt und führe uns an deiner Hand,
damit wir sicher schreiten.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 2. Sonntag in der Passionszeit, dem Sonntag Reminiszere.
„Herr, gedenke an deine Barmgherzigkeit“ so die Übersetzung des Namens für den heutigen Sonntag. Und um dieses Thema geht es auch in unserem heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei dem Propheten Jesaja im 5. Kapitel, die Verse 1-7. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Wohl an, ich will meinem lieben Freunde singen, ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg. Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Höhe. Und er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben brächte; aber er brachte schlechte. Nun richtet, ihr Bürger zu Jerusalem und ihr Männer Judas, zwischen mir und meinem Weinberg! Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er dann schlechte Trauben gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte? Wohlen, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will ! Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er verwüstet werde, und seine Mauer soll eingerissen werden, dass er zertreten werde. Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen. Des Herrn Zebaoth Weinerg aber ist das Haus Israel, und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit.

Liebe Gemeinde,

der heutige Predigttext ist auch unter dem Namen „Weinberglied“ bekannt und beschreibt die Botschaft Gottes an sein Volk. Weil man Geschichten und Lieder einfach besser behalten kann, nutzte Jesaja schon vor 2.500 Jahren diese Form der Weitergabe der Botschaft Gottes an sein Volk. Diese Botschaft beschreibt die Geschichte Gottes mit seinem Volk, indem er ihm einen Spiegel vorhält.

Schauen wir uns doch heute morgen einmal gemeinsam an, was Gott seinem Volk zu sagen hat:

1.Das Paradies auf Erden

Jeder, der die Arbeit in einem Weinberg kennt, der weiß, das dies alles andere als einfach ist. Von Rodungsarbeiten angefangen bis hin zur Pflanzung der Reben und deren Pflege ist es schon ein gutes Stück harter Arbeit. Und dann müssen ja auch noch die Schädlinge in Schach gehalten werden.

Diesen Weinberg stellte Gott seinen geliebten Menschen zur Verfügung. Denken wir nur an Adam und Eva und deren Paradies.

Auch als die Beiden sich nicht an Gottes Vorgaben hielten und sie aus dem Paradies heraus geschmissen wurden zog Gott die Hand nicht ab von seinem Volk. Er segnete Abraham, Isaak und Jakob und führte, leitete und begleitete sie auf ihrem Lebensweg.

Denken wir weiter an die Josefsgeschichte. Josef wurde von Gott erkoren, sein Volk vor dem sicheren Hungertod zu erretten. Denken wir weiter an Mose, der dazu berufen wurde, Gottes Volk aus Ägypten zu führen.

Und lassen Sie uns abschließend noch an Gottes Heiligen Bund am Berge Sinai erinnern.

Nein, Gott hat seine Hand niemals von seinem geliebten Volk abgezogen. Er hat es stets bewahrt auf allen ihren Wegen.

2. Die Enttäuschung

Der Weingärtner, also Gott, hatte alles dafür getan, dass der Weinberg gute Früchte hervorbringen konnte. Und was passierte ? Er brachte schlechte Früchte hervor.

Damit ist natürlich sein geliebtes Volk gemeint. Was war denn eigentlich passiert ?

Nun, immer wenn es nicht so lief, wie sich Gottes geliebtes Volk sich das wünschte, dann trauten sie nicht mehr seinen Wegen, sondern gingen lieber ihrer eigenen Wege.

Denken wir nur an das goldene Kalb, welches sie sich als Ersatzgott geschaffen hatten. Nur weil Mose nichts von sich hören ließ, als er von Gott die 10 Gebote erhielt, wurde sofort ein Ersatzgott bereitgestellt.

Das Buch der Richter wimmelt nur so von eigenen Wegen seines Volkes. Das Gesetz Gottes zu brechen war fast schon der Normalzustand geworden.

Kommt Ihnen das ein wenig bekannt vor? Richtig, wir machen es heute genau so, wie Israel und Juda es damals taten. Ein paar Beispiele gefällig?

Gott hat die Ehe zwischen Mann und Frau gestiftet. Was machen wir daraus? Die Ehe für alle. Gott stellt alles Leben unter seinen Schutz. Und was machen wir daraus? Jedes Jahr werden tausende von Kindern abgetrieben, also durch unsere Hand getötet.

3. Gottes Urteil

„Ich will den Wolken gebieten, dass es nicht regenet.“ So lautet das Urteil Gottes im Weinberg gegen sein geliebtes Volk. Nun, auf ein wenig Regen kann man ja ruhig mal verzichten.

Nein, kann man nicht. Denn Wasser bedeutet Leben und ohne Wasser gibt es kein Leben mehr. Das war also schon das absolute Todesurteil gegen Israel und Juda, was wir in unserem Predigttext gelesen haben.

4. Gottes Erlöser

Wir kennen es von einigen Todesurteilen aus den USA, dass unter gewissen Bedingungen der Gouverneur eines Staates einen Gefangenen begnadigen kann.

Gott hingegen tat noch viel mehr, er begnadigte sein Volk nicht nur , er erlöste es von allem, was sie gegen ihn getan hatten.

Und jetzt hören wir bitte gemeinsam auf Johannes 3, 16: „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“

Das ist schon heftig, liebe Gemeinde. Da haben wir alles getan um es uns mit Gott so richtig zu verscherzen und was macht Gott? Er schafft uns doch noch eine Möglichkeit, alles wieder gut zu machen, was wir verbockt haben.

All unsere Sünden, die Sünden vor tausenden von Jahren, die Sünden der Gegenwart und die Sünden der Zukunft werden von Gott ausgetilgt, indem sein Sohn sein Blut für unsere Sünden vergossen hat.

Nun kann es also beginnen das Leben 2.0 wie man so schön in der Computersprache sagt. Aber Achtung!!!, wir müssen Johannes 3,16 schon noch weiter lesen.

Diese Möglichkeit der Befreiung von allen Sünden und des ewige Leben bekommen nur diejenigen geschenkt, die an den Sohn Gottes glauben, ihm ihre Sünden bekennen und dann dankbar sein Gnadengeschenk annehmen.

Ein „Einfach weiter so“ gibt es bei Gott nämlich nach wie vor nicht. Für all diejenigen, die dies nicht tun, gilt nämlich weiter das Todesurteil aus dem Weinberg. Gott möchte aber nicht, dass auch nur eines seiner Geschöpfe verloren geht. Darum hat er uns, die wir heute morgern beisammen sind, damit beauftragt, diese frohe Botschaft allen Menschen weiter zu sagen, die sie eben noch nicht kennen.

Gehen wir doch mit diesem Auftrag, seinem Segen und Gottes ständigem Beistand in die folgende Woche.

Lassen Sie uns zuvor noch gemeinsam in den ersten Vers des Liedes „Herr, wir bitten: Komm und segne uns…“ (EG 607) von Peter Strauch einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Herr, wir bitten: Komm und segne uns;
lege auf uns deinen Frieden.
Segnend halte Hände über uns.
Rühr uns an mit deiner Kraft.
In die Nacht der Welt hast du uns gestellt,
deine Freude auszubreiten.
In der Traurigkeit, mitten in dem Leid
lass uns deine Boten sein.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Heiligabend. Den Predigttext für den heutigen Tag finden wir im Propheten Jesaja, Kapitel 9, die Verse 1-6. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Der Friedefürst wird verheißen

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell. Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir wird man sich freuen, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt. Denn du hast ihr drückendes Joch, die Jochstange auf ihrer Schulter und den Stecken ihrers Treibers zerbrochen wie am Tage Midians. Denn jeder Stiefel, der mit Gedröhn dahergeht, und jeder Mantel, durch Blut geschleift, wird verbrannt und vom Feuer verzehrt. Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des Herrn Zebaoth.

Liebe Gemeinde,

wenn ich so an die vergangenen Wochen denke und mir das bunte Treiben in unseren Dörfern und Städten anschaue, dann komme ich zu dem Ergebnis, dass wir Weihnachten mittlerweile zu einem Fest der Lichter, Tannenbäume und Geschenke gemacht haben. Den eigentlichen Sinn scheinen viele Menschen nur noch rudimentär zu erahnen.

Schauen wir uns doch heute einmal an, was der Prophet Jesaja über das Weihnachtsfest geschrieben hat. Und zwar, das dürfen wir niemals vergessen, lange Zeit bevor Jesus überhaupt geboren worden ist. Was Jesaja beschreibt betrifft übrigens nicht nur ein ganzes Volk sondern jeden einzelnen von uns; auch heute noch.

1. Die Finsternis

Das Volk, das im Finstern wandelt. Mit  diesem Volk, liebe Gemeinde sind auch heute noch all diejenigen Menschen gemeint, die ihren Weg ohne Gott gehen.

Ich glaube, ein Blick in die Tageszeitung reicht aus, um jeden Morgen festzustellen, dass noch sehr viele Menschen auf dem Weg in der Finsternis unterwegs sind.

Jetzt muss man sagen, dass wir von Geburt an in diese Finsternis hineingeboren werden, wir also gar nichts anderes kennen als diese Finsternis. Und viele Menschen richten sich in dieser Finsternis so einigermaßen gemütlich ein. Stellenweise arrangieren sie sich mit der Finsternis und leben für Ihre Verhältnisse auch ganz gut damit.

Die Finsternis ist aber nur so lange erträglich wie man irgendwie allein zurechtkommt. Sobald man Hilfe benötigt steht man ganz allein auf weiter Flur, denn es ist ja keiner da, der einem helfen könnte. Die Mitmenschen leben ja ebenfalls in dieser Dunkelheit und sind im allgemeinen so mit sich selber beschäftigt, dass sie gar nicht auf den Gedanken kommen, einander zu helfen.

Es war aber eine bei Gott beschlossene Sache, den Menschen einen Weg aus der selbst verschuldeten Dunkelheit zu weisen.

2. Das große Licht

Haben Sie es mitbekommen ? Das Licht im Altarraum war die ganze Zeit ausgeschaltet. Jetzt in diesem Moment ist das Licht an den Weihnachtsbäumen eingeschaltet worden. Bis gerade haben wir weder die Weihnachtsbäume, noch die Krippe, noch den Altar und das Kreuz gesehen. Jetzt können wir all dies ganz klar wahrnehmen.

Und so, liebe Gemeinde kam unser Heiland auf die Welt. Plötzlich war das Licht da. Stellen wir uns einmal vor, wir machen einen Winterspaziergang zu einer Hütte, wo wir im Kreise mit unseren Freunden Weihnachten feiern wollen.

Wir gehen zunächst durch die Finsternis. Und dann auf einmal sehen wir den ersten Lichtstrahl, der uns den Weg zur Hütte weist. Fröhlich gehen wir weiter bis wir an der Hütten angelangt sind.

Vor der Hütte ist es aber immer noch kalt. Wir können die Wärme in der Hütte nur erahnen. Also was machen wir ? Wir gehen in die Hütte hinein, um uns zu wärmen.

Und genau das ist es, was das Kind in der Krippe uns anbieten möchte. Es liegt als das Licht der Welt in der Krippe. Weithin leuchtet sein heller Schein; doch die Lichter der Welt versuchen immer wieder dieses Licht zu überstrahlen.

Und dann erreicht dieses Licht doch auf wundersame Weise das Herz eines Menschen. Was macht er? Er geht auf das Licht zu und merkt, dass es immer heller in sein Herz hineinscheint. Und plötzlich steht er vor dem Stall in Bethlehem und….. Hier kommt der Knackpunkt, liebe Gemeinde, viele Menschen gehen bis zum Stall, aber sie gehen nicht hinein.

Christi Wärme, seine Liebe, seine Gnade und seine Barmherzigkeit können wir aber nur dann spüren und erleben, wenn wir den entscheidenden Schritt in den Stall hineingehen. Für uns Christen heißt dieser Schritt durch diese Türe Bekehrung.

3. Ewigkeit

Wer nun durch diese Türe hindurchgeht, der darf nicht nur die wärmende Nähe unseres Herrn spüren. Der darf auch darauf vertrauen, dass der Herr ihm sein ganzes weiteres Leben lang zur Seite stehen wird.

Wer eingeht durch diese Türe, der übergibt sein ganzes Leben in die treusorgenden Hände des Kindes, welches wir jetzt in der Krippe liegen sehen.

Aber das ist noch nicht alles. Diese Jesus in der Krippe herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Und alle, die Jesus angehören, dürfen sich felsenfest darauf verlassen, dass sie alle mit ihm herrschen werden. Und dies ist wohl das schönste Weihnachtsgeschenk, welches uns das Kind in der Krippe machen kann.

Unsere Hingabe an Jesus beschreibt der Liederdichter Paul Gerhardt sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes: „Ich steh an deiner Krippen hier…“ (EG 37), der da lautet, wie folgt:

Ich steh an deiner Krippen hier, o Jesu, du mein Leben;
ich komme, bring und schenke dir, was du mir hast gegeben.
Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn, Herz, Seel und Mut nimm alles hin
und lass dir’s wohl gefallen.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und nun erst einmal einen besinnlichen und beschaulichen Heiligabend.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 12. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Propheten Jesaja im 29. Kapitel, die Verse 17-24. Lassen Sie uns diesen Text zunächst einmal gemeinsam lesen:

Die große Wandlung

Wohlan, es ist noch eine kleine Weile, so soll der Libanon fruchtbares Land werde, und was jetzt fruchtbares Land ist, soll wie ein Wald werden.

Zu der Zeit werden die Tauben hören die Worte des Buches, und die Augen der Blinden werden aus Dunkel und Finsternis sehen; und die Elenden werden wieder Freude haben am Herrn, und die Ärmsten unter den Menschen werden fröhlich sein in dem Heiligen Israels.

Denn es wird ein Ende haben mit den Tyrannen und mit den Spöttern aus sein, und es werden vertilgt werden alle, die darauf aus sind, Unheil anzurichten, welche die Leute schuldig sprechen vor Gericht und stellen dem nach, der sie zurechtweist im Tor, und beugen durch Lügen das Recht der Unschuldigen.

Darum spricht der Herr, der Abraham erlöst hat, zum Hause Jakob: Jakob soll nicht mehr beschämt dastehen, und sein Antlitz soll nicht mehr erblassen.

Denn wenn sie sehen werden die Werke meiner Hände – seine Kinder – in ihrer Mitte, werden sie meinen Namen heiligen; sie werden den Heiligen Jakobs heiligen  und den Gott Israels fürchten. Und die, welche irren in ihrem Geist, werden Verstand annehmen, und die, welche murren, werden sich belehren lassen.

Liebe Gemeinde,

diese und andere „beglückende“ Texte kommen immer gut an. Auch Menschen, die ansonsten die Bibel von vorn bis hinten kritisieren, fühlen sich von diesen Texten irgendwie berührt. An uns Christen gerichtet gibt uns der Text dreierlei mit auf unseren Lebensweg hier auf Erden. Schauen wir uns diese drei Dinge heute einmal gemeinsam an:

1. Wir kennen das Endziel

Wenn wir uns in einen Fabrikationsbetrieb begeben, dann geht es dort auf den ersten Blick ziemlich ungeordnet zu. Und doch macht alles Sinn. Jeder Arbeiter kennt schließlich das Endprodukt und welchen Anteil er an selbigem hat.

Würde er das Endprodukt nicht kennen, wäre er bestimmt nicht so motiviert in seiner Arbeit. Wenn er den Sinn nicht erkennen würde, würde er bei dem in oder anderen Fehler vielleicht sagen: Was soll’s ist doch eh egal.

Als Christen geht es uns ähnlich wie dem Arbeiter in unserer Fabrik. Wir kennen unser Endziel, den Himmel. Und daher gehen wir in allem, was wir auf Erden tun auch immer schon einen Schritt in Richtung Himmel.

Unsere Arbeit, die wir verrichten, unsere Beziehungen in denen wir leben und auch unsere gesamte Freizeit ist auf dieses Endziel ausgerichtet. Nein, wir sind natürliche keine Heiligen. Aber wir bemühen uns bei allem, was wir tun den Himmel nicht aus den Augen zu verlieren.

Natürlich begegnet uns hier auf Erden manches Ungemach, dass wir lieber nicht durchleben möchten. Aber mit dem Blick auf das Endziel gerichtet, ertragen wir auch dies Dank und mit Gottes Hilfe.

Nicht nur für uns Christen, sondern für alle Menschen gilt: Nur wer das Ziel kennt, kann auch in die richtige Richtung gehen. Und wir sollten niemals vergessen, dass einer auf unserem Lebensweg stets an unserer Seite ist; ER hat es nämlich versprochen, als er sagt: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

2. Wir haben die Grundausstattung

Wer sich auf den Weg macht um einen Berg zu besteigen, der benötigt dafür eine bestimmte Grundausstattung. Ohne festes Schuhwerk, gutes Kartenmaterial und wetterfeste Kleidung könnten wir gar bald in große Probleme geraten.

Gott hat uns auch für unseren Lebensweg eine bestimmte Grundausrüstung mitgegeben. Diese Grundausstattung, die uns sicher an unser Ziel geleiten soll, besteht aus einem Kompass und einem liebevollen Herzen.

Wofür um alles in der Welt brauchen wir denn einen Kompass? Nun, jeder der schon einmal einen Geländemarsch gemacht hat, der wird wissen, dass uns der Kompass immer wieder auf den Weg zum Ziel führt, wenn wir unseren Weg einmal verlassen.

Das kann gezwungenermaßen dann sein, wenn wir vor unüberwindbaren Hindernissen stehen, die uns zwingen, einen Umweg einzuschlagen. Dank unseres Kompasses führt uns Gott auch in solchen Situationen wieder auf den rechten Weg.

Es kann aber auch sein, dass wir uns auf unserem Weg verirrt haben, weil wir vielleicht dem Kompass nicht getraut haben oder aber meinten, es doch besser  zu wissen und eine vermeintliche Abkürzung genommen haben, die sich dann doch als Sackgasse herausstellte. Auch in diesem Falle führt uns der Kompass wieder auf den rechten Weg.

Das liebevolle Herz hat Gott uns mit auf die Reise gegeben, weil wir auf unserer Lebensreise vielen Menschen begegnen werden. Viele werden vielleicht noch gar nichts von Gott und seinem Endziel mit uns Menschen wissen. Unser liebevolles Herz soll dann zum Einsatz kommen, um möglichst vielen Menschen diesen Weg, den wir gehen ebenfalls auf zu zeigen.

Aber es wird uns auf dem Lebensweg auch viel Argwohn begegnen, vielleicht werden wir sogar angefeindet werden ob des Weges, den wir gehen. Dann kann das liebevolle Herz uns helfen, die Wogen der Anfeindung und des Hasses zu glätten.

3. Wir sind keine Richter

Wie schnell vorverurteilen wir doch Menschen auf Erden. Wir sind ja immer wieder versucht, Menschen in bestimmte Schubladen zu stecken. Da ist zum Beispiel der Straftäter, der seine Strafe wegen Diebstahls schon lange verbüßt hat. Wird irgendwo in der Nachbarschaft eingebrochen dann ruhen alle Augen auf wem ? Natürlich auf dem bewussten Straftäter.

Im Prinzip möchten wir ja alles nach unseren Prinzipien und unserem Weltbild ausrichten. Und alles, was da nicht hineinpasst, wird vorverurteilt.

Jesaja sagt es uns ja ganz konkret, dass es aus sein wird mit Spöttern, Tyrannen, Lügnern und all den Menschen, die Gottes Wort nicht achten, sondern es wissentlich missachten.

Wenn ich dies beachte, dann kann ich doch ganz getrost durch mein Leben gehen. Dann kann ich mir auch einmal eine kleine, ja auch eine große Ungerechtigkeit gefallen lassen. Eines Tages wird Gott schon richten. Natürlich könnte man manchmal aus der Haut fahren, aber lassen Sie uns in diesen Fällen ganz einfach auf das Endziel schauen.

Lassen Sie mich kurz noch ein Letztes sagen: Der Blick auf das Endziel, welches uns Jesaja so schön beschreibt soll auch die Menschen erreichen, die nach dem Motto leben: „Früher war alles besser, heute geht alles den Bach runter und in Zukunft wird alles noch viel schlimmer werden.“ Gottes Wort will diesen Menschen wieder den Blick nach vorne schärfen und seine Freudigkeit in ihrem Herzen soll sie auf diesen neue Weg führen.

Und der Blick auf das Endziel soll auch die Menschen erreichen, die nur im hier und heute leben, die Menschen, die also so leben, als ob es den morgigen Tag nicht mehr gebe. Gönn dir was, nimm mit was du kriegen kannst, und kümmer dich nicht um die anderen Menschen sind Parolen dieser Spezies.

Diese Menschen will Gott vor schweren Fehlern und Dummheiten bewahren, wenn er Ihnen zeigt, dass am Ende doch noch das Gericht steht.

Was können wir nun also aus diesem Predigttext für unser Leben umsetzen ? Ich glaube folgendes wäre sicherlich nicht schlecht: Schau immer nach vorne auf das, was Dich erwartet und lass Dich nicht von dem Gefangennehmen, was Dich auf dem Weg zu dem Endziel abbringen könnte.

Dieses Endziel hatte sicherlich der Liederdichter Paul Gerhardt auch nicht aus den Augen verloren, auch wenn mannigfache Schicksalsschläge seinen Lebensweg überschatteten. In einer solchen Trübsal vermag uns der 5. Vers seines Liedes „Auf, auf, mein Herz mit Freuden…“ (EG 112) ein Trost sein, der da lautet, wie folgt:

Die Welt ist mir ein Lachen mit ihrem großen Zorn,
sie zürnt und kann nichts machen, all Arbeit ist verlorn.
Die Trübsal trübt mir nicht mein Herz und Angesicht,
das Unglück ist mein Glück, die Nacht mein Sonnenblick.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Sonntag, dem Sonntag Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Propheten Jesaja, Kapitel 6, die Verse 1-13. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Jesaja Berufung zum Propheten

In dem Jahr, als der König Usija starb, sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron und sein Saum füllte den Tempel. Serafim standen über ihm; ein jeder hatte sechs Flügel: Mit zweien deckten sie ihr Antlitz, mit zweien deckten sie ihre Füße und mit zweien flogen sie. Und einer rief zum andern und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! Und die Schwellen bebten von der Stimme ihres Rufens und das Haus ward voll Rauch. Da sprach ich: Weh mir, ich vergehe!

Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den König, den Herrn Zebaoth gesehen mit meinen Augen. Da flog einer der Serafim zu mir und hatte eine glühende Kohle in der Hand, die er mit der Zange vom Altar nahm, und rührte meinen Mund an und sprach: Siehe, hiermit sind deine Lippen berührt, dass deine Schuld von dir genommen werde und deine Sünde gesühnt sei.

Und ich hörte die Stimme des Herrn, wie er sprach: Wen soll ich senden ? Wer will unser Bote sein ? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich ! Und er sprach: Geh hin und sprich zu diesem Volk: Höret und verstehet’s nicht; sehet und merket’s nicht!

Verstocke das Herz dieses Volks und lass ihre Ohren taub sein und ihre Augen blind, dass
sie nichts sehen mit ihren Augen noch hören mit ihren Ohren noch verstehen mit ihrem Herzen und sich nicht bekehren und genesen. Ich aber sprach: Herr, wie lange ? Er sprach: Bis die Städte wüst werden, ohne Einwohner, und die Häuser ohne Menschen und das Feld ganz wüst daliegt. Denn der Herr wird die Menschen weit wegtun, so dass das Land sehr verlassen sein wird. Auch wenn nur der zehnte Teil darin bleibt, so wird es abermals verheert werden, doch wie bei einer Eiche und Linde, von denen beim Fällen noch ein Stumpf bleibt. Ein heiliger Same wird solcher Stumpf sein.

Liebe Gemeinde,

An dem heutigen Sonntag gedenken wir der der Dreieinigkeit unseres Gottes. Gott, der Vater, der Himmel und Erde gemacht hat, Gott der Sohn, der für unsere Sünden das Lösegeld bezahlt und an Gott, den Heiligen Geist, der an Pfingsten über uns ausgegossen wurde. Alle drei wirken, salopp gesagt in einer Art Personalunion auch heute noch zusammen. Und sie wirken auf drei verschiedene Ebenen unseres menschlichen Körpers. Wie geschieht eigentlich eine Bekehrung bzw. eine Berufung Gottes an uns und welche Auswirkungen hat diese? Lassen Sie uns das Wirken Gottes doch einmal anschauen, welches zu Zeiten Jesajas nicht anders war, als es heute ist.

1. Vor der Bekehrung

Wenn wir mal alle ganz ehrlich zu uns selber sind, dann haben wir doch in der Zeit, als wir mit Gott noch nichts am Hut hatten, manchmal ein wenig gelächelt über unsere gläubigen Mitmenschen. Als ich Kind war, hatte ich eine gläubige Tante, die wir als Kinder immer gern ein wenig auf den Arm genommen haben, wegen ihres „Jesus-Fimmels“. Wie kommt das eigentlich?

Nun, vor unserer Bekehrung waren wir allesamt verlorene Menschen, die auf dem besten Weg in die Hölle waren.
Unsere Ohren waren für das, was wir über Gott hören sollten vollkommen verschlossen. Alles, was sich auch nur irgendwie nach Religion anhörte, haben wir doch gar nicht erst an uns herangelassen.

Unser Herz war ebenfalls verstockt für das Wirken Gottes in uns. Und da unser Herz nicht für die christliche  Botschaft erreicht werden konnte, machten wir uns auch so herzlich lustig über die „Betbrüder und Betschwestern“. Und damit waren wir so ziemlich alle in bester Gesellschaft. Den meisten Menschen erging es doch genauso wie uns. Und was die meisten tun und denken, dass muss doch auch irgendwie richtig sein.

Natürlich waren im gleichen Zuge auch unsere Augen blind für das Wirken Gottes um uns herum. Was noch viel schlimmer war, unsere Augen waren auch verschlossen, was die geistliche Not unserer Mitmenschen anbelangt.

Wir machten also, wie man so schön zu sagen pflegt „komplett dicht“ wenn es um die Sache mit Gott ging. Das ist es, was Jesaja empfängt als Gott ihm das Wesen des gottlosen Menschen übermittelt.

2. Die Bekehrung

Auch wenn unsere Augen blind, unser Herz verstockt und unsere Ohren taub sind und wir uns nicht bekehren und dadurch genesen, hat Gott doch einem jeden Menschen eine gewisse Ewigkeitshoffnung in sein Herz gelegt.

Irgendwann in einem Leben ist es dann soweit, dass unser Herz auf diese Ewigkeitshoffnung hört, also nicht gleich alles als Spinnerei an die Seite schiebt. Irgendwann ist die Ewigkeitshoffnung, dass da noch etwas ist, was wir noch gar nicht kennen, so groß, dass  unsere Neugier entfacht wird.

In diesem Moment hat Gott unser verstocktes Herz erreicht und sorgt dafür, dass wir uns für sein Wort und was er uns zu sagen hat, tatsächlich interessieren. Ich kann mich persönlich noch ganz genau daran erinnern, wann ich mir zum ersten Male das Neue Testament genommen habe und dies gelesen habe. Da waren kein Pfarrer und keine Kirche und kein Religionslehrer involviert; mitten in unserer Heimatstadt bekam ich an einem Missionsstand, den ich eigentlich gar nicht besuchen wollte,  mein erstes Neues Testament geschenkt.

Und da ich entgegen dem Sprichwort einem geschenkten Gaul sehr wohl ins Maul schaue habe ich es auch sogleich gelesen. Mein Herz war entfacht und meine Neugier trieb mich dazu, mich nicht nur mit der Bibel, sondern auch mit bibelnaher Literatur zu beschäftigen.
Bald las ich auch Berichte, wie Gott andere Menschen erreicht hatte und wie er sogar höchst problematische Lebensläufe (Vom Knast auf die Kanzel) in Segen verwandelte.

Dies führte dann dazu, dass auch meine Augen aufgetan worden sind. Ich meine nicht die äußeren, mit denen konnte ich schon 12 Jahre lang sehen. Ich meine die inneren Augen mit denen wir Gottes Wesen und Wirken in dieser Welt erkennen und wahrnehmen können. Aber meine Augen wurden auch aufgetan für all das Elend und all die Nöte, die um mich herum existierten und die ich bis dahin nicht einmal ansatzweise erkannt habe.

Dies alles passierte nicht im gleichen Moment. Ich kann nur sagen, dass mich Gott ganz behutsam an das christliche Leben herangeführt hat.

3. Die Auswirkungen der Bekehrung

Eine Bekehrung bleibt nie ohne direkte und wahrnehmbare Auswirkungen. Jesaja bringt es auf den Punkt, wenn er Bekehrung und Genesung in einem Atemzug nennt. Die Genesung ist die interne Auswirkung der Bekehrung; ich bin von allen Sünden befreit und habe als Gottes Kind wieder direkten Zugang zu meinem Vater.

Aber die Bekehrung hat auch diverse Außenwirkungen auf meine Mitmenschen. Wenn das vormals verstockte Herz von Gott aufgetan wird, dann wird es auch in die Lage versetzt, anderen Menschen davon zu erzählen. Gott möchte ja nicht nur unser verstocktes Herz erreichen, sondern die Herzen aller Menschen. Und dazu möchte er auch uns benutzen sozusagen als sein Sprachrohr.

Weil meine Ohren für die Sache Gottes aufgetan worden sind kann, ich auch die Nöte, Sorgen und Probleme der Menschen besser verstehen, die diese an mich herantragen. War ich vorher vielleicht ein eingebildeter Snob, der sich gar nicht erst mit „denen da unten“ abgegeben hat, sorgt mein nicht mehr verstocktes Herz dafür, dass ich mich ganz besonders zu den Menschen hingezogen fühle, die es im Leben nicht so gut erwischt haben, wie ich.
Mit offenem Herzen und mit offenen Ohren kann ich jetzt auch die Nöte und Sorgen dieser Menschen  erkennen.

Meine inneren Augen, die ja nun ebenfalls aufgetan worden sind diese inneren Augen schauen aufmerksam in alle Richtungen, inwiefern ich meinen Mitmenschen mit welchen Mitteln auch immer eine wertvolle Hilfe sein kann. Diese inneren Augen schauen eben nicht mehr nur auf mich selbst, sondern vielmehr auf den anderen. Vom ICH zum DU tragen sie dazu bei, dass ich losgelöst von meinen eigenen Bedürfnissen immer auch die Bedürfnisse meiner Mitmenschen im Visier habe.

Ich darf mir also selber gar nichts gönnen? Das werde ich häufig gefragt. Das ist natürlich kompletter Unsinn. Wir sollen schließlich den Nächsten lieben, wie uns selbst. Dazu gehört auch ein gerüttelt Maß an Eigenliebe. Nur nutzt diese Eigenliebe den Mitmenschen nicht aus. Ich darf mir solange auch etwas gönnen, wie es nicht auf Kosten oder zu Lasten meiner Mitmenschen geht.

Um dies alles auch nur so halbwegs hinzubekommen bedürfen wir täglich des Beistandes vom Heiligen Geist. Und wir benötigen täglich das Gespräch mit unserem Herrn Jesus Christus, welches wir Gebet nennen. Und dann dürfen wir jedem Tag, Gott dem Vater im Himmel dankbar sein, das er sich unser angenommen hat und wir wieder seine geliebten Kinder sein dürfen.

Darum lassen Sie uns Gott loben, indem wir gemeinsam in den 1. Vers des Liedes „Gelobet sei der Herr….“ (EG 139) von Johann Olearius einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Gelobet sei der Herr, mein Gott, mein Licht, mein Leben,
mein Schöpfer, der mir hat mein Leib und Seele gegeben,
mein Vater, der mich schützt von Mutterleibe an,
der alle Augenblick viel Guts an mir getan.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,
ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr
Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen ein gesegnetes und frohes Neues Jahr 2016. Möge der Herr Ihnen auch in diesem Jahre auf allen Ihren Wegen ein treuer Begleiter sein. Der Predigttext für den heutigen Neujahrstag besteht aus der Jahreslosung für das Jahr 2016. Wollen wir kurz auf diese Losung hören, die wir bei dem Propheten Jesaja im 66. Kapitel, Vers 13 finden:

Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.

Liebe Gemeinde,

ist das nicht eine herrliche Verheißung die uns der lebendige Gott für das Jahr 2016 mit auf unseren Lebensweg gibt? Obwohl sie von sich aus schon schlüssig ist, wollen wir sie uns doch heute Morgen ein wenig detaillierter betrachten.

1. Ich will

Mit diesen Worten beginnt unsere Jahreslosung. Hier steht nicht: „Ich kann“, „Ich möchte“ oder „Ich könnte“. Hier steht ein ganz entschlossenes „Ich will“.

Dieses Wort setzt von demjenigen, der es ausspricht, einen unerschütterlichen Vorsatz voraus, das nachfolgend genannte unbedingt in die Tat umzusetzen. Egal, was auch passiert, der Wille ist immer stärker als die Umstände.

Diesen festen Vorsatz hatte Gott aber nicht nur zu Zeiten des Propheten Jesaja, nein, diesen Vorsatz hat er auch heute noch. Ich heute noch sagte er: „Ich will“. Das bedeutet auf der anderen Seite aber auch, dass wir uns felsenfest auf diesen Vorsatz Gottes verlassen können.

Dieses „Ich will“ ist in Stein gemeißelt und bis an das Ende der Zeit gültig.

Jetzt mag der ein oder andere Hörer vielleicht sagen „Ja, ja, der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.“ Wie oft habe ich mir schon etwas willentlich vorgenommen. Und dann ist doch wieder nichts draus geworden. Ich bitte aber zu bedenken, WER diese Worte spricht. Es ist nämlich Gott höchstpersönlich. Und dessen Wort gilt bis in alle Ewigkeit.

2. Trost

Was ist das eigentlich, trösten? Ich habe mich ein wenig im Internet umgeschaut und folgende Definition entdeckt:

Trost ist die Zuwendung an jemanden, der Leid ertragen muss. Im griechischen Urtext wird Trost auch mit dem Wort Ermutigung übersetzt.

Bleiben wir einfach mal bei dieser Definition. Gott möchte uns ermutigen in allen unseren Lebensumständen. Gott möchte uns mit seinem „Halte durch“ ermutigen, auch bei leidvollen Erfahrungen nicht gleich vom Glauben abzufallen.

Gott möchte uns in unserem Leide ganz nahe sein und uns durch unser Leid hindurchführen. Sein „Halte durch“ gibt uns oftmals erst die Kraft, auch Leidenszeiten zu durchwandern und uns nicht dem Leide hinzugeben.

Gottes „Halte durch“ will uns ermutigen, nicht tatenlos zu werden. Egal, was uns immer auch gerade passiert ist, wir sollen wieder aufstehen und unseren Weg mit Gott weitergehen. Nehmen wir uns dies doch einmal für das Jahr 2016 vor.

Es muss uns ja nicht gleich eine leidvolle Erfahrung wie der Tod eines Angehörigen treffen. Auch die vielen kleinen leidvollen Erfahrungen lassen sich bestimmt besser ertragen, wenn wir das „Halte durch“ unseres Herrn immer in unserem Herzen tragen.

Und lassen Sie uns eines niemals vergessen: Gott ist in Gestalt des Heiligen Geistes immer nur ein Gebet weit von uns entfernt. Wenn wir ihn anrufen, dann eilt er sofort herbei um uns zu ermutigen.

3. Wie eine Mutter

Wen tröstet denn eine Mutter? Sie tröstet ihr Kind, welches auch Ihr Fleisch ist. Jedes Kind wächst im Bauch der Mutter heran und wird von ihr höchstpersönlich zur Welt gebracht. Wenn Gott diese Metapher der Mutter gebraucht, dann heißt dies doch nichts anderes, als dass wir seine leibhaftigen Kinder sind, um die er sich kümmern will.

„Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde…“, so lesen wir es in der Schöpfungsgeschichte. Wir alle, die wir heute auf Erden sind, sind also nach seinem Bilde geschaffen und demzufolge unendlich wertvoll für unseren Herrn. Als seine persönlichen Abbilder möchte Gott sich um jeden einzelnen von uns höchstpersönlich kümmern.

Nach der Schöpfung kam aber dummerweise der Sündenfall. Und dies bedeutete, dass wir auf ewig von Gott getrennt sind. Den göttlichen Trost konnte uns Gott also gar nicht mehr zuteilwerden lassen. Er wollte uns aber trotzdem trösten. Salopp gesprochen, war jetzt guter Rat teuer. Aber Gott wäre nicht Gott, wenn er nicht bereits einen Plan in der Hinterhand gehabt hätte.

Damit wir wieder freien Zugang zu ihm bekommen können, müsste ein anderer an unserer Stelle für alle unsere Sünden die Strafe auf sich nehmen. Und wenn dieser andere das getan hat, dann sind wir in alle Ewigkeit von der Strafe befreit.

Und die Geburt dieses Einen, der für unsere Sünden gestorben ist und uns den Weg zu Gott wieder frei gemacht hat, an diese Geburt haben wir vor ziemlich genau einer Woche gedacht.

Lassen Sie uns diesem Kinde in der Krippe unseren Dank sagen für das, was ER für uns getan hat. Und dann lassen Sie uns in das Jahr 2016 hineingehen mit der festen Gewissheit, dass immer einer bei uns ist, der zu einem jeden von und ganz persönlich die Worte spricht:

„Ich will Dich trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“

Lassen Sie uns den Herrn um seinen Beistand im Jahre 2016 mit dem ersten Vers des Liedes „Hilf, Herr Jesu, lass gelingen…“ (EG 61) bitten, der da lautet, wie folgt:

Hilf, Herr Jesu, lass gelingen,
hilf, das neue Jahr geht an;
lass es neue Kräfte bringen,
dass aufs neu ich wandeln kann.
Neues Glück und neues Leben
wollest du aus Gnaden geben.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen einen besinnlichen Neujahrstag.

Herzliche Segensgrüße sendet Ihnen
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Buß- und Bettag. Den Predigttext für den heutigen Feiertag finden wir bei dem Propheten Jesaja, Kapitel 1, die Verse 10-17. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Höret des Herrn Wort, ihr Herren von Sodom! Nimm zu Ohren die Weisung unseres Gottes, du Volk von Gomorra! Was soll mir die Menge eurer Opfer?, spricht der Herr. Ich bin satt der Brandopfer von Widdern und des Fettes von Mastkälbern und habe kein Gefallen am Blut der Stiere, der Lämmer und Böcke. Wenn ihr kommt, zu erscheinen vor mir – wer fordert denn von euch, dass ihr meinen Vorhof zertretet? Bringt nicht mehr dar so vergebliche Speisopfer! Das Räucherwerk ist mir ein Gräuel!
Neumonde und Sabbatte, wenn ihr zusammenkommt, Frevel und Festversammlung mag ich nicht. Meine Seele ist feind euren Neumonden und Jahresfesten; sie sind mir eine Last, ich bin’s müde, sie zu tragen. Und wenn ihr auch eure Hände ausbreitet, verberge ich doch meine Augen vor euch; und wenn ihr auch viel betet, höre ich euch doch nicht; denn eure Hände sind voll Blut. Wascht euch, reinigt euch, tut eure bösen Taten aus meinen Augen, lasst ab vom Bösen! Lernt Gutes tun, trachtet nach Recht, helft den Unterdrückten, schafft den Waisen Recht, führt der Witwen Sache!

Liebe Gemeinde,

Buß- und Bettag ist nun schon eine lange Zeit in fast ganz Deutschland kein Feiertag mehr, und auch fast schon kein Gedenktag mehr. Haben wir Buße und das Beten verlernt, weil wir diesen Tag nicht mehr haben? Ich glaube, es geht uns ganz so, wie den Bewohnern von Sodom und Gomorra, an die sich der heutige Predigttext richtet. Sie hatten auch Buße und Gebet verlernt. Anstelle von Buße und Gebet traten mehr oder weniger sinnvolle äußerliche Ersatzhandlungen. Gerade in diese Situation hält Gott diesem Volk einfach ausgedrückt, eine gewaltige Standpauke. Was sagt Gott ganz konkret?

1. Das Äußere

Man wollte ja auch weiterhin zu Gott gehören. Wer weiß, wofür ich ihn irgendwann einmal gebrauchen kann. Und was macht man in einem solchen Falle. Man hält die Beziehung „pro forma“ aufrecht.

Um Gott milde zu stimmen, werden Opfergaben über Opfergaben dargebracht.
Zum einen sehen die anderen, wie fromm man doch ist und zum anderen wird sich Gott doch wohl von so vielen Opfern milde stimmen lassen. Zumindest aber wird er doch das ein oder andere Vergehen unter den Tisch fallen lassen angesichts der Opfermengen, die ich ihm bereitet habe.

So, liebe Gemeinde dachten die Menschen damals. Damals ? Denken wir heute nicht genau so. Sonntags wird Gott gepriesen. Das muss dann aber auch für die ganze Woche reichen. Und wenn ich schon das Finanzamt um 1.000 € betrogen habe, dann soll Gott auch einen Zehner davon abkriegen.
Man ist ja schließlich kein Unmensch. Der Sonntag ist Dir, der Rest aber ist mir.

Aber sind wir eigentlich immer noch mit dem Herzen dabei, wenn es um Gott geht? Haben sich nicht viele Automatismen eingeschlichen, die eine persönliche Beziehung zu Gott gar nicht mehr entstehen lassen?

Die Schelte von damals, liebe Gemeinde, hätten wir heute auch verdient.
Halten wir zunächst einmal fest: Von Äußerlichkeiten lässt Gott sich jedenfalls nicht beeindrucken.

2. Das Innere

Gott, liebe Gemeinde, sieht zunächst erst einmal das Herz an. Auf unser Herz kommt es ihm an. Unser Herz soll allein ihm gehören. Und obwohl wir uns vielleicht von ihm abgekehrt haben, obwohl wir nur noch Sinn für die Äußerlichkeiten haben, will Gott doch nach wie vor eine intakte Beziehung mit einem jeden von uns führen. Doch dazu müssen wir zu ihm umkehren.

„Wascht euch, lasst ab vom Bösen“, so haben wir es in unserem Predigttext gehört. Und damit kommen wir auch schon zu dem zentralen Thema des heutigen Tages. „Wascht euch“ heißt nichts anderes, als dass wir unsere Sünden bereuen sollen, also Buße tun sollen. Wenn wir unsere Sünden ehrlich bereuen, dann ist unser Herr treu und gerecht.

Buße heißt aber nicht, dass ich meine bisherigen Sünden bereue, mir aber vielleicht im innersten Winkel meines Herzens vielleicht schon die nächsten Sünden ausgedacht habe. Buße heißt, dass ich mit allem, was mir an Kräften zur Verfügung steht die Sünde meiden will. Es gibt also keine leichtfertige Buße. Buße setzt immer ein reumütiges Herz voraus, welches unter allen Umständen wieder zurück zum Herrn will.

„Lasst ab vom Bösen“. Wir sollen das Böse meiden wie die Pest. Das heißt z.B. auch, dass ich alles aus meinem Umfeld entferne, was mich auch nur im weitesten Sinne an die Sünde erinnert. Mit dem Bösen gar nicht mehr in Kontakt zu kommen ist schon mal der erste Schritt hin zur Umkehr.
Denken wir nur an einen trockenen Alkoholiker. Dieser wird auch keine voll ausgestattete Bar in seinem Wohnzimmerschrank unterbringen wollen.

Wenn wir der Sünde entsagen wollen, dann müssen wir auch der Versuchung entsagen. Wenn wir der Versuchung entsagen, dann haben wir den ersten großen Schritt in Richtung Heimat hin zu unserem Herrn getan. Nur leider wird der Versucher uns unser ganzes Leben lang immer wieder versuchen in seinen Bann zu ziehen. Und da hilft nur eines, nämlich das inständige Gebet zu unserem Herrn, den wir jederzeit bitten dürfen, uns von der Versuchung zu befreien.

3. Gutes tun

Die Buße und die reumütige Umkehr hin in die richtige Richtung ist also der erste Schritt auf einer langen Lebenswanderung. An diesem Punkt sollen wir aber nicht stehen bleiben. Nach dem Umkehren in die richtige Richtung kommt auch das losmarschieren auf das richtige Ziel. Auf diesem Wege sollen wir lernen, Gutes zu tun.

Gutes zu tun, liebe Gemeinde, müssen wir aktiv lernen. Es ist uns nicht in die Wiege gelegt. In die Wiege gelegt ist uns das Böse. Weg vom Bösen hin zum Guten, auf diesem Wege hilft uns nur die ständige Beziehung im Gebet zu unserem Herrn. Sobald wir davon ablassen, werden wir sehr schnell merken, wie der Versucher wieder an unsere Herzenstüre klopft, und um Einlass begehrt.

Was denn nun das Gute ist, das zeigt uns der Prophet Jesaja ganz konkret auf. Und diese konkreten Handlungsweisen galten nicht nur damals, sondern sie besitzen weiterhin ihre uneingeschränkte Gültigkeit.

Lassen Sie mich noch kurz aufzeigen, wie wir uns als Christ in der Welt verhalten sollen nach unserer Abkehr von dem Bösen hin zum Guten. Als Christ soll ich für Recht sorgen. Also muss ich mich einmischen, wenn irgendwo Unrecht geschieht. Ich bin also angehalten, meine Komfortzone zu verlassen und mich dem Unrecht aufrecht entgegen zu stellen. Als Christ soll ich den Unterdrückten helfen. Überall dort, wo z.B. Menschen sich im sozialen Abseits befinden, da soll ich mich bemühen und gerade diesen Menschen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Wenn wir in unserem Predigttext von Witwen und Waisen lesen, dann müssen wir uns vergegenwärtigen, dass zur damaligen Zeit die intakte Familie die Regel war. Die Familie war es auch, die die Kleinsten aber auch die Ältesten, also die schwächsten Mitglieder der Familie, mit dem versorgte, was sie zum Leben benötigten. Brach die Familie weg, so war die Waise oder die Witwe total mittellos. Und genau diesen Menschen, die es auch heute noch unter uns gibt, diesen Menschen sollen wir die guten Taten angedeihen lassen.

Wenn wir dies machen, dann bringen wir Gott das rechte Opfer, was ihm wohlgefällig ist. Lassen Sie uns doch gleich damit beginnen.

Auf diesem Wege sind wir auf den ständigen Beistand und die Güte und Gnade unseres Herrn immer wieder auf’s Neue angewiesen. Dies beschreibt der Liederdichter Martin Moller sehr schön in dem 5. Vers seines Liedes „Nimm von uns, Herr, du treuer Gott……“ (EG 146), der da lautet, wie
folgt:

Leit uns mit deiner rechten Hand
und segne unser Stadt und Land;
gib uns allzeit dein heilig Wort,
behüt vor’s Teufels List und Mord:
ein selig End wollst uns verleihn,
auf dass wir ewig bei dir sein.

Der Herr halte das Böse stets von Dir fern Der Herr gebe dir die Kraft, Gutes zu tun Der Herr beschütze Dich dabei auf allen Deinen Wegen

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Buß- und Bettag und verbabschiede mich bis zum kommenden Sonntag.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Quasimodogeniti, was übersetzt bedeutet „wie die neugeborenen Kindlein“. Den Grundstein dafür, dass wir wieder in Gottes Nähe kommen dürfen, hat Jesus mit Seinem stellvertretenden Tod für uns gelegt. Unser Predigttext beschäftigt sich mit dem nächsten Schritt. Wir könnten auch sagen : Und wie geht es weiter ? „.
Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei dem Propheten Jesaja im 40. Kapitel,
die Verse 26-31. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Hebet eure Augen in die Höhe und seht ! Wer hat dies geschaffen ? Er führt ihr Heer vollzählig herauf und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.
Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: „Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber“ ? Weißt du nicht ? Hast du nicht gehört ? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. Er gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug, dem Unvermögenden. Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen; aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Liebe Gemeinde,

der entscheidende Teil unseres heutigen Predigttextes steht im letzten Satz desselben. Lassen Sie uns drei Punkten ein wenig nachgehen.

1. Harren

Voraussetzung für die Kraft, die wir von unserem Herrn bekommen, ist, dass wir auf den Herrn harren. Nun ist harren ein Wort, welches wir so nicht mehr in unserem Wortschatz benutzen, jedenfalls die allermeisten unter uns nicht mehr. Also sollten wir uns zunächst die Frage stellen:
Was ist das eigentlich, das Harren ?

Unter Harren verstehen wir in diesem Zusammenhang das Hoffen und das Festhalten an Gott, auch und gerade bei Umständen, die dies nicht gerade einfach machen.

Egal, wie es mir gerade auch gehen mag, wie schlecht es um meine Gesundheit, meinen Arbeitsplatz usw. bestellt ist, ich verlasse mich allein auf meinen Herrn im Himmel. Das ist Harren. Harren ist der Blick hinter dem Augenblick, der uns wieder feste Gewissheit verleiht.

Häufig bleibt unser Blick ja an der Situation oder in der Lage hängen, in welcher wir uns gerade befinden. Und da kann es schon mal geschehen, dass wir weder ein noch aus wissen, weil wir uns in unseren Problemen verrannt haben. Doch gerade dann sollten wir einen Blick hinter diesen Augenblick wagen. Einen Blick, der über die momentane Misere herausgeht.

Wenn wir dies wagen, dann wird uns aus unserer Geduld neue Kraft erwachsen. Das sagt sich gewiss einfacher als es wirklich ist. Wenn ich einen lieben Menschen verloren habe, dann fällt es mir verdammt schwer, diesen Blick hinter den Augenblick zu tun. Aber, als Christ weiß ich, dass es danach, also nach meiner Trauer noch etwas gibt. Gott wird mich durch diesen Augenblick führen und mir den Blick hinter diesen Augenblick ermöglichen. Das ist unsere Hoffnung als Christen.

2. Auffahren mit Flügeln wie Adler

Für das Wort „Auffahren“ finden wir im Urtext das Wort „Alah“, welches soviel bedeutet, wie „Empor zu Gott“.

Wenn wir es direkt übertragen, dann bedeutet dies, die Fortbewegung von einem niedrigeren zu einem höher gelegenen Platz.

Und damit, liebe Gemeinde ist das gemeint, was wir unter geistlichem Wachstum verstehen.

Als Quasimodoginiti, also als die neugeborenen Kindlein sind wir zwar unter der Gnade unseres Herrn, aber noch vollkommen unerfahren, wenn es um das Leben als Christ geht. Und mit diesem neuen Leben als Christ geht Gott ganz behutsam mit uns um.

Zunächst einmal sollen wir nur eines, nämlich Ihm allein voll und ganz vertrauen, also auf Ihn harren. Damit haben wir die Basis für eine gute Beziehung zu Gott geschaffen. Wenn wir dies getan haben, dann verheißt Er uns, dass Er uns geistlich wachsen lassen wird.

Also ganz wichtig, nicht wir wachsen geistlich, sondern Gott lässt uns geistlich wachsen. Wenn wir es so wollen, dann gehen wir als bekehrte Christen jeden Tag unseres Lebens ein Stück weit weiter dem Himmel entgegen. Und das nicht allein auf uns gestellt, sondern immer an des Herren Hand.

Ist das nicht wunderbar, dass wir uns stets von Seiner Liebe getragen und geborgen fühlen dürfen ?

3. Laufen und nicht matt werden, wandeln und nicht müde werden

Liebe Gemeinde, was ist eigentlich unsere Aufgabe als Christen ?
Natürlich wissen wir dies alle: Wir sollen die frohe Botschaft mit den Gaben und Talenten weitergeben, die uns der Herr dafür verliehen hat.

Jetzt machen wir uns mal bitte alle nichts vor, 90% unserer Bemühungen verlaufen doch meist im Sande. Jedenfalls nach unserer Betrachtungsweise.

Wenn man über uns lacht ok, damit kann ich noch ganz gut leben. Feiner Spott und Häme lassen mich schon ein wenig unruhiger werden. Wenn ich dann auf einer Christlichen Gegendemo das Transparent lese: „Hätt Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben.“ dann möchte ich am liebsten….

Ja, manchmal möchte man sich dann doch wieder am liebsten zurückziehen in die Geborgenheit der eigenen Gemeinde, wo man ohne alle Unbillen Gott anbeten kann.

Und genau das, das sollen wir eben nicht tun. Die Schlacht ist dann am schönsten, wenn einem die Kugeln um die Ohren fliegen. Gerade dann, wenn solche Transparente, wie eben beschrieben uns um die Ohren gehauen werden, gerade dann müssen wir aufrecht stehen und Farbe bekennen.

Nur wer vor Gott in die Knie geht, kann vor den Menschen aufrecht stehen. Vor Gott in die Knie gehen, das ist es, was das Harren ausmacht.
Geistlich zu wachsen bildet die Basis für unsere Tätigkeit als Christen in dieser Welt. Und die Kraft des Laufens und Wandelns ohne müde und matt zu werden, die schenkt uns unser Herr.

Aber Achtung, wir haben keine Kraftreserven in uns. Gott stärkt uns immer dann, wenn wir es nötig haben. Auf Vorrat gibt es keine Kraft.
Warum eigentlich nicht ? Wenn das so wäre, dann würden wir uns, wie wir Menschen nun einmal sind, doch wieder nur auf uns verlassen und aus wäre es, die Sache mit dem Harren auf den Herrn.

Wenn Sie mich jetzt fragen, wie ich die heutige Predigt in einem Satz zusammenfassen würde, so würde ich sagen: „Die Botschaft lautet:
Dranbleiben, egal, was immer auch passiert.“
Probieren wir das doch einmal alle zusammen in der nächsten Woche.

Wer sich mit der Lebensgeschichte von Paul Gerhardt ein wenig näher befasst, der erfährt, dass er durch so manches tiefe Tal gegangen ist. Und trotz allem ist er „drangeblieben“.
Sehr schön beschreibt er dies in dem 6. Vers seines Liedes „Ich bin ein Gast auf Erden…“ (EG529), der da lautet, wie folgt:

So will ich zwar nun treiben mein Leben durch die Welt,
doch denk ich nicht zu bleiben in diesem fremden Zelt.
Ich wandre meine Straße, die zu der Heimat führt,
da mich ohn alle Maße, mein Vater trösten wird.

Der Herr gebe Dir jeden Tag die Kraft auf IHN zu harren
Der Herr lasse Dich Tag für Tag weiter geistlich wachsen
Der Herr stärke Dich Tag für Tag auf Deinem Weg mit IHM

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen besinnlichen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche begleitet und geleitet von der Liebe unseres Herrn Jesus Christus.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Karfreitag. Den Predigttext für den heutigen Tag finden wir bei dem Propheten Jesaja im 53. Kapitel, die Verse 1-12.
Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Aber wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und wem ist der Arm des Herrn offenbart ? Er schoss auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dem dürren Erdreich. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet. Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn. Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf. Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wer aber kann sein Geschick ermessen ?
Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat meines Volks geplagt war. Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und Übeltätern, als er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist. So wollte ihn der Herr zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und in die Länge leben, und des Herrn Plan wird durch seine Hand gelingen. Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben.
Und durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden. Darum will ich ihm die vielen zur Beute geben und er soll die Starken zum Raube haben, dafür dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleichgerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebeten.

Liebe Gemeinde,

was wir soeben gehört und gelesen haben, war schon einige hundert Jahre alt, bis das, was wir gelesen haben auch wirklich eingetreten ist. Ein Text also der gerade für Skeptiker prädestiniert ist. Beschreibt er doch detailgetreu das, was unser Herr auf sich genommen hat, nämlich all unsere Schuld und Missetat.

In vielen unserer Anrainerstaaten wird der heutige Karfreitag auch „Guter Freitag“ genannt. Lassen Sie uns doch am heutigen Karfreitag auch einmal alle Trauer ablegen und hinterfragen, warum wir diesen Tag auch als „Guten Freitag“ bezeichnen können. Ich glaube, unser Predigttext nennt uns schon drei Punkte, die uns ein Grund der Freude sein sollten.
Lassen Sie uns diese drei Punkte ein wenig näher betrachten.

1. Durch seine Wunden sind wir geheilt

Liebe Gemeinde, dies ist, so möchte ich es formulieren die wichtigste Aussage in der gesamten Bibel. Obschon sie nur in einem Nebensatz steht, wird hier unsere gesamte Heilsgeschichte auf den Punkt gebracht.

Daher läuft man auch schnell Gefahr, dass man diesen Halbsatz einfach überliest. Denken wir einmal daran, was dort nicht steht. Dort steht nicht „Durch seine Wunden könnt ihr geheilt werden.“ Und es steht dort auch nicht „Durch seine Wunden werdet Ihr (irgendwann einmal) geheilt werden.

Durch die Erlösungstat unseres Herrn SIND wir geheilt. ER hat alles für uns getan. Ist das nicht wunderbar. Wir haben einen Heiland, dem wir nichts mehr beweisen müssen. Wir müssen nicht einen religiösen Klimmzug nach dem anderen machen, damit wir unserem Herrn gefallen. Wir müssen auch nicht ein Mal im Leben irgendwo hinpilgern, damit wir unser Seelenheil erlangen.

All dies bleibt uns erspart. Wir können uns nichts mehr selber hinzuverdienen. Nehmen wir einmal an, es hat uns ein bakterieller Infekt erwischt. Was macht unser Arzt ? Er verschreibt uns Antibiotika, die genau die Bakterien bekämpfen, die uns haben krank werden lassen.
Nach der Antibiotikakur sind wir geheilt. Wir brauchen nicht noch weitere Arzneimittel einnehmen. Mehr als geheilt geht nicht.

Das klingt natürlich ganz gewaltig nach Allversöhnungstheorie. Ganz so einfach ist es denn doch auch wieder nicht. Wir müssen und können zwar aktiv nichts zu unserer Gesundung beitragen, die der Herr durch Seinen Kreuzestod bewirkt hat, aber wir müssen dieses Geschenk, welches Er für uns bereit hält annehmen.

Nur für denjenigen, der dieses Geschenk im Glauben annimmt, nur für denjenigen gilt die Verheißung: „Durch SEINE Wunden sind wir geheilt.“
Also halten wir einmal kurz fest: Jesus ist für die Sünden aller Menschen gestorben. Jeder hat zu Lebzeiten die Möglichkeit dieses Himmelsgeschenk anzunehmen oder aber es willentlich abzulehnen.

2. Er wird Nachkommen haben

Was soll daran gut sein ? Nun, liebe Gemeinde, der Kölner Pfarrer Leppich hat einmal gesagt: „Der einzige Grund, warum ich an diesen Laden (er meinte die Kirche) glaube, ist die Tatsache, dass er seit fast 2000 Jahren angefeindet wird und dass er trotz dessen immer mehr Nachfolger findet.“

An dieser Verheißung, die sich ständig immer wieder erfüllt, können wir spüren und merken, dass hier Gott selber am Werk ist. Denken wir nur einmal an die ganzen Erweckungsbewegungen. Ganze Landstriche, die vorher noch nie etwas von Gott gehört haben, finden den Weg zum Glauben.
Sicherlich haben dort tätige Evangelisten den Grundstein gelegt. Doch damit ist es ja auch bei einem Hausbau nicht getan.

Den Rest des Hauses hat Gott gebaut. Auch wenn wir uns in Westeuropa lässig zurücklegen, ER wird schon dafür sorgen, dass weitere Nachfolger IHM folgen werden.

Und daher sind wir alle am heutigen Karfreitag des Jahres 2014 aufgerufen, unsere Komfortzonen zu verlassen und IHM nachzufolgen.

Fangen wir doch wieder ganz klein damit an. Lassen wir unseren Herrn doch wieder ganz bei uns einziehen und lassen wir IHN allein über unser Leben bestimmen. Vertrauen wir IHM doch auch all unsere Lieben an, damit ER auch deren Leben gestalten kann. Wenn wir dies tun, wird dies nicht ohne Außenwirkung bleiben.

3. Er wird in die Länge leben

Eine letzte wunderbare Verheißung, die wir hier finden. Gewiss, heute ist Karfreitag. Aber der Kreuzestod war ja die Voraussetzung für die Auferstehung und die Tatsache, dass ER in die Länge lebt.

Auch dies hat auch heute noch im dritten Jahrtausend ganz konkrete Auswirkungen auf uns alle. Wenn ER in die Länge lebt, dann heißt das nichts anderes, als dass unser Herr auch heute mitten unter uns ist.

Ihm können wir all unsere Nöte, Sorgen und Probleme anvertrauen. Ihn können wir heute genau so bitten, wie die Emmaus-Jünger vor 2000 Jahren mit den Worten „Bleibe bei uns Herr, denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt“. Wie oft erleben wir in unserem Leben Stunden, wo wir nicht mehr weiterwissen, wo es ganz dunkel um uns herum wird, wo wir uns in der Nacht des Lebens befinden. Gerade dann ist ER für uns da.
Wenn wir nicht mehr weiterwissen dürfen wir voll und ganz darauf vertrauen, dass ER den Weg kennt.

Wenn wir gleich zu Hause sind, dann reden wir doch einfach mal mit Ihm über alles, was uns bedrückt. Bitten wir Ihn doch uns zu helfen. Und werfen wir doch all unsere Sorgen auf Ihn, damit wir wieder Frieden haben können.

Wenn wir heute einmal über den Tellerrand von Karfreitag herausgedacht haben, dann haben wir den Tod unseres Herrn nicht vergessen. Aber wir haben einmal über den Tod hinausgedacht. Wenn mit Jesus nicht alles aus war bei Seinem Tode, dann dürfen wir uns darauf verlassen, dass bei uns auch nicht alles aus ist, wenn wir einmal sterben. Und dann dürfen wir auch darauf vertrauen, dass all unsere Lieben, die vor uns gegangen sind, ebenfalls in Seiner Gegenwart leben.

Wenn dies so ist, und es ist so, liebe Gemeinde, dann leben wir, die wir IHM unser Leben übergeben haben, heute schon mit IHM in die Länge.

Der Liederdichter Justus Gesenius beschreibt in dem 7. Vers seines Liedes „Wenn meine Sünd mich kränken…“ (EG 82), was auch wir am heutigen Karfreitag mitnehmen können in unser Leben. Dieser Vers lautet, wie folgt:

Lass ich an andern üben, was du an mir getan,
und meinen Nächsten lieben, gern dienen jedermann
ohn Eigennutz und Heuchelschein und, wie du mir erwiesen, aus reiner Lieb allein.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse SEIN Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe SEIN Angesicht über Dich und gebe Dir SEINEN Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen besinnlichen Karfreitag und verabschiede mich bis zum Ostersonntag mit den herzlichsten Segensgrüßen für Sie alle.

Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

„Freuet Euch“, liebe Gemeinde, so lautet die Übersetzung von Lätare, dem heutigen Sonntag in der Passionszeit. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Propheten Jesaja
im 54. Kapitel, die Verse 7-10. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der Herr, dein Erlöser. Ich halte es wie zur Zeit Noahs, als ich schwor, dass die Wasser Noahs nicht mehr über die Erde gehen sollten. So habe ich geschworen, dass ich nicht mehr über dich zürnen und dich nicht mehr schelten will. Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer.

Liebe Gemeinde,

wenn wir an unsere Kindheit zurückdenken, dann haben wir es sicherlich alle schon einmal erlebt, dass uns unsere Eltern in unsere Schranken verwiesen haben. Je nachdem, was wir verbockt hatten, waren sie sogar richtig ärgerlich. Auch wir Erwachsene haben einen Vater im Himmel, den wir betrüben und enttäuschen können. Davon handelt zunächst unser heutiger Predigttext.

Die Israeliten hatten sich von Gott abgewandt und waren ihren eigenen Weg ohne Gott gegangen. Überall, wo Gott an die Seite gestellt wird, entsteht aber eine Lücke. Und diese Lücke wussten die Israeliten gut zu füllen mit anderen Göttern und Götzen, die sie anstelle des einzigen Gottes anbeteten. Und dann kam er auch

1. Gottes Zorn

Wenn Eltern ihre Kinder züchtigen und bestrafen, dann tun sie das in aller Regel nicht, weil sie ihre Kinder nicht mögen, sondern gerade weil sie ihre Kinder sehr lieben. Unser Sohn lief im Alter von sechs Jahren unvermittelt über eine belebte Hauptstraße. Sollte ich ihn dafür auch noch loben ? War es mir egal ? Nein, das war es nicht. Ich war so wütend, dass ich ihm eine gepfefferte Standpauke hielt.

Meine Wut rührte aber aus der Liebe zu meinem Sohn heraus. Ich wollte nicht, dass ihm irgendetwas schreckliches passiert. Also musste ich ihm die Konsequenzen seines Handelns klipp und klar vor Augen führen.

Das gleiche kann uns auch bei Gott passieren und ist auch den Israeliten passiert, als sie Gott verlassen hatten und anderen Göttern nachgerannt sind.

Jetzt stellen wir uns Gottes Zorn häufig als eine Strafe vor, die er irgendwie an uns vollstreckt. Gott kann und will uns aber nicht aktiv in unser Unglück stürzen. Dies würde Seinem Wesen ja auch gar nicht entsprechen.

Ich glaube, wenn wir von Gottes Zorn reden, dann besteht dieser in einem „Wegsehen“ oder einem „Nicht Eingreifen“. Überall wo wir sonst im Leben Gottes helfende Hand spüren konnten, ist diese auf einmal nicht mehr vorhanden. Ich denke, dass Gott uns damit zeigen will, dass wir auf dem falschen Wege sind. Auf keinen Fall will Er uns auf ewig hin verdammen.

2. Ewige Gnade

Zorn und ewige Gnade werden in unserem heutigen Predigttext in einem Atemzug genannt. Sie gehören also zusammen.

Gott liebt uns so sehr, dass Er regelrecht um uns kämpft und uns sagt, dass, wenn wir die falschen Wege verlassen und wieder zu Ihm zurückkehren, Er uns wieder mit offenen Armen aufnehmen wird.

Denken wir einmal an unsere leiblichen Eltern. Wenn wir etwas verbockt haben, dann haben sie uns zwar dafür belangt, aber sie haben uns natürlich nicht unsere Position als Kind „aufgekündigt“. So dürfen wir dies auch bei Gott verstehen.

Um es auf den Punkt zu bringen. Einmal Gottes Kind, immer Gottes Kind.
Wenn wir unsere Sünden ehrlich bereuen, dann wendet Er sich wieder uns zu.
Dann ist ER wieder treu und gerecht.

Aber Achtung, liebe Gemeinde, dies ist keine billige Gnadenzusage, derer wir uns nach Belieben bedienen dürfen. Diese göttliche Gnade setzt unseren ernsthaften Wunsch der Gottesnähe und das ehrliche Bereuen unseres sündhaften Handelns voraus.
Gott ist nämlich kein Vergebungsautomat für Dauersünder.

3. Berge weichen, Hügel fallen

Gott steht zu Seinem Wort, das können wir dieser Zusage entnehmen.
Oberflächlich wär’s das auch schon. Aber es steckt noch etwas ganz anderes hinter dieser Aussage unseres Herrn.

Mit dem Ausdruck „Berge weichen und Hügel fallen“ ist nämlich auch unser ganzes Leben gemeint. Wir alle, und da ist auch kein Mensch ausgenommen, erleben Zeiten in unserem Leben, in welchem wir das Gefühl haben, es wird uns der Boden unter den Füßen weggezogen.

Oftmals haben wir das Gefühl, die ganze Welt würde um uns herum zusammenbrechen, also Berge würden weichen und Hügel würden fallen.
Gerade in diese Situationen hinein erreicht uns diese wunderbare Verheißung unseres Herrn. Gerade dann, wenn bei uns alles am Ende zu sein scheint, gerade dann fängt Gott so richtig an zu wirken in unserem Leben.

Gerade diese vermeintlich schlechten Zeiten sind es doch, die unseren Glauben ganz entscheidend prägen. Und da sollten wir uns auch in Zukunft immer wieder voll und ganz drauf verlassen. Und weil wir uns mit 100%-iger Sicherheit darauf verlassen können, dass Gottes Gnade auch in solchen Zeiten nicht von uns weichen wird, können wir getrost und unverzagt unseren Lebensweg mit dem Herrn an unserer Seite beschreiten.

Darum können wir uns als Christen auch in einmal nicht so schönen Zeiten einander trösten mit dem Namen des heutigen Sonntages, mit den Worten „Freuet Euch“.

Die Liederdichterin Julie Hausmann wollte mit Ihrem Lebensgefährten gemeinsam in die Mission gehen. Kurz vor Ihrer Abreise erhielt sie die traurige Nachricht, dass ihr Lebensgefährte leider verstorben sei. In dieser Situation dichtete sie das Lied: „So nimm denn meine Hände…“, dessen dritter Vers lautet, wie folgt:

Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht,
du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht:
so nimm denn meine Hände und führe mich,
bis an mein selig Ende und ewiglich.

Der Herr lasse Dich erkennen, wenn Du falsche Wege gehst
Der Herr lasse Dich SEINE Gnadenzusage immer wieder erkennen
Der Herr erinnere Dich immer wieder an den Bund SEINES Friedens

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen tollen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber