Liebe Gemeinde,

Ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Gründonnerstag. Traditionell gedenken wir heute an die Einsetzung des Heiligen Abendmahles. Den dazugehörigen Predigttext finden wie im 1. Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 10, die Verse 16-17. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Der gesegnete Kelch, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi? Denn ein Brot ist’s: So sind wir viele ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben.

Liebe Gemeinde,

wenn wir heute der Einsetzung des Heiligen Abendmahles gedenken, dann lassen Sie uns einmal alle unterschiedlichen theologischen Sichtweisen an die Seite stellen. Betrachten wir doch heute einmal, was das Heilige Abendmahl denn eigentlich bedeutet, für einen jeden von uns ganz persönlich, für uns als Gemeinschaft und für uns auf dem Wege zur Ewigkeit.

1. Das bedeutet es für Dich ganz persönlich

Außer im Gebet kommt es auch bei dem Abendmahl zu einer ganz persönlichen Begegnung mit unserem Herrn. Mit dem Brot nehmen wir den Leib Christi in uns auf und mit dem Wein sein Blut.

Das soll uns immer auch daran erinnern, was er für uns getan hat. Es soll aber auch jeden Einzelnen ganz persönlich daran erinnern, was Jesus ganz persönlich für ihn allein getan hat. Jesus bezahlte nämlich ganz persönlich für meine Sünden mit seinem Blut.

Jesus starb für die Sünden der Welt hört sich irgendwie verallgemeinert an. Jesus starb aber ganz speziell und höchstpersönlich für meine eigenen Sünden.

Da wird es einem schon mal etwas mulmig in der Magengegend, wenn man sich das mal wieder ins Gedächtnis ruft, dass Jesus ganz persönlich für mich gestorben ist und dadurch meinen Weg zu Gott wieder freigemacht hat. Da kann man nur noch eines machen; nämlich demutsvoll „Danke Jesus“ sagen.

2. Das bedeutet es für uns als Gemeinschaft

Jesus starb also ganz persönlich auch für mich. So weit so gut. Aber Jesus trug ja nicht nur meine Sünden an das Kreuz, sondern die Sünden aller Menschen.

Derjenige, der bei dem Abendmahl neben mir steht und die gesamte Gemeinde, die am Abendmahl teilnimmt, für all diese Menschen hat Jesus mit seinem Blute ihre Sünden bezahlt.

Warum tat er das ? Weil wir von Gott getrennt lebten, er uns aber dennoch so sehr liebte, dass er wieder Gemeinschaft mit uns haben wollte. Darum musste ein stellvertretendes Sühneopfer für all unsere Sünden bezahlen.

Und jetzt kommt etwas ganz entscheidendes. Wenn Jesus dies für alle Menschen tat und Gott alle Menschen über alles liebt, dann kann es ja wohl nicht sein, dass ich hinsichtlich meiner Liebe zu meinen Mitmenschen differenziere.

Klar komme ich mit dem einen besser zurecht als mit dem anderen Menschen. Aber jemanden bewusst ausgrenzen oder schneiden, dass steht uns als Gottes geliebten Kinder niemals zu.

Auch daran will uns das Heilige Abendmahl regelmäßig erinnern. Und jetzt schauen wir doch mal über den Tellerrand der eigenen Gemeinde hinaus. Ja genau die, die eben nicht zum Gottesdienst kommen, die vielleicht mit Gott noch gar nichts am Hut haben, je genau die liebt Gott auch.

Und um diese Menschen sollen wir uns ganz besonders kümmern und sie einladen, doch einmal bei uns vorbeizuschauen.

Und dann sind da noch die Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen. Was gibt uns eigentlich das Recht diese Menschen zu verurteilen oder gar als Penner zu bezeichnen ? Diese Menschen liebt Gott genau so, wie uns. Geben wir ihnen doch etwas von unserer Liebe ab und geben wir ihnen doch etwas von dem ab, womit Gott uns so überreich beschenkt hat; nämlich von unserem Geld.

Ein Freund von mir predigte einmal über das Thema Geld. Er sagte wortwörtlich: “ Es geht nicht darum, wie viel Geld ich spende, es geht darum, wie viel Geld ich von dem, was Gott mir geschenkt hat für mich behalten darf.“

Auch ein interessanter Ansatz, nicht wahr ?

3. Das bedeutet es für alle Zeiten

Ein bekannter Prediger sagte einmal: „Das Abendmahl ist die Zeit, wo Himmel und Erde sich treffen.“ Schöner kann man es kaum sagen.

Wenn wir auf Erden das Heilige Abendmahl feiern, dann tun wir dies auch immer im Gedenken an diejenigen, die uns im Glauben vorausgegangen sind. Manch ein Theologe geht sogar so weit, dass er der Überzeugung ist, dass zeitgleich im Himmel und auf Erden wir alle zusammen dieses Heilige Abendmahl feiern.

Aber jetzt einmal ganz konkret für uns heute auf Erden bedeutet es, dass ich als Kind Gottes in ständiger Gemeinschaft mit meinem Herrn lebe.

Ich erfahre immer wieder die Stärkung durch seinen Leib und sein Blut, welche mir die Kraft zum Leben geben. Und weit darüber hinaus darf ich mich darauf verlassen, dass der, der mich gerade stärkt auch bei mir ist, wenn mein irdisches Leben sich dem Ende entgegen neigt.

Ich darf darauf vertrauen, dass ich nach meinem irdischen Ableben immer wieder an dem himmlischen Abendmahl teilnehmen darf; dann aber in der persönlichen Gemeinschaft mit unserem Herrn. Was ich bis daher nur geglaubt habe, das darf ich dann endlich schauen.

Wenn wir in einem Satz zusammenfassen wollten, was wir soeben gehört haben, dann möchte ich sagen: Lasst uns von Jesus stärken, lasst uns diese Stärke weitertragen in die Welt und lasst uns fröhlich dem Himmel entgegenstreben.

Lassen Sie uns zum Abschluss noch gemeinsam in den ersten Vers des Liedes „Wir sind zum Mahl geladen…“ (EG 598) von Kurt Rommel einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Wir sind zum Mahl geladen, der Herr ruft uns zu Tisch
wie einstmals seine Freunde zu Wein und Brot und Fisch.
Er ruft uns Menschen alle, er zieht die Grenzen nicht.
Denn die im Dunkeln leben, holt er zu sich ins Licht.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen besinnlichen Gründonnerstag und freue mich, wenn ich Sie morgen am Karfreitag wieder begrüßen darf.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße sie alle recht herzlich am heutigen Gründonnerstag im Jahre 2016. Unseren Predigttext finden wir im 1. Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 11, die Verse 23-26. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

Liebe Gemeinde,

wie immer am Gründonnerstag geht es natürlich um das Abendmahl. In unserem heutigen Predigttext finden wir dann auch die Einsetzungsworte des Abendmahles, die wir sicherlich alle kennen. Und doch sind ein paar Besonderheiten darin zu finden, die wir vielleicht, weil wir den Text nur allzu gut kennen, leicht übersehen. Lassen Sie uns diese Besonderheiten einmal etwas näher betrachten:

1. Für euch gegeben

In diesen drei Worten finden wir zwei grundlegende Ausrichtungen auf welche die Einsetzungsworte verweisen.

Wir haben zunächst die vertikale Ausrichtung. Es wird uns also von Gott selbst etwas gegeben. Wir, die Empfangenden müssen diese Gabe nur entgegennehmen, sonst nichts. Wenn Jesus seinen Leib hingibt, dann geschieht dies einzig und allein unserer Sünden wegen. Er gibt sich selber in den Tod, damit wir nicht sterben müssen, sondern ewiges Leben erlangen können.

In unserer Leistungsgesellschaft kennen wir dies natürlich nicht. Wenn ich etwas haben will, dann muss ich auch etwas dafür geben. Hätte Jesus gesagt: Ich gebe meinen Leib für euch und ihr müsst jetzt aber auch dies und das und jenes tun, damit ihr auch in den Himmel kommen könnt. Und wenn ihr dies, das und jenes nicht tut, dann kommt ihr auch nicht in den Himmel, dann könnten wir das, glaube ich, viel eher annehmen und verstehen, als dieses Geschenk, was er uns geben möchte.

Dieses Geschenk ist ganz ohne Hintergedanken und ohne irgendwelche Verpflichtungen an uns gerichtet. Wir müssen es nur mit dankbaren Händen annehmen. Mehr nicht. Und da verwundert es uns sicherlich alle, dass so wenige Menschen dieses Geschenk anzunehmen bereit sind. Deshalb ist es auch unsere Aufgabe unseren Mitmenschen immer und immer wieder von diesem wunderbaren Geschenk zu berichten.

Jetzt hat dieses Geschenk aber nicht nur eine vertikale, sondern auch eine horizontale Ausrichtung. Da steht eben nicht „Für DICH gegeben“, sondern da steht „Für EUCH gegeben“. Gottes Gnadengeschenk gilt also allen Menschen. Alle Menschen sind Gott gleich wichtig.

Wenn Gott alle Menschen liebt und alle Menschen gleich wichtig für ihn sind, dann, liebe Gemeinde, steckt in diesen drei Worten auch eine Aufforderung an uns. Wenn Gott alle Menschen liebt, dann dürfen wir ihnen nicht mit Hass begegnen, wie es leider gerade in Deutschland passiert. Gott liebt jeden Flüchtling und wir sollen dies auch tun. Auch und gerade wenn wir uns Sorgen machen, wie es mit unserem Land weitergeht. Gott braucht keine offensichtlich geistig verwirrten AFD-Hassprediger, Gott braucht uns. Jetzt sind wir gefragt und jetzt müssen wir handeln.

Aber auch allen anderen Mitmenschen sollen wir mit Anstand und Respekt begegnen. Der Mann am Wegesrand ist kein Penner, sondern unser Mitmensch. Und es gibt auch keine „Drecksbullen“. Das sind Menschen, die für unser Wohl oftmals Kopf und Kragen riskieren.

2. Tod des Herrn

Wir stecken ja alle immer mehr in unserem Tagesgeschehen fest. Bei vielen von uns ist der Tagesablauf fast schon minutiös getaktet und festgelegt. Da muss immer und überall alles sofort und reibungslos funktionieren. Da bleibt einfach keine Zeit für Beten und Nachdenken übrig.

Und gerade hier will uns dieses Wort wachrütteln. Auch wieder vertikal und horizontal. Horizontal will es uns zeigen, dass mit unserem eigenen Tod unser hektisches Leben hier auf Erden endet. Es geht eben nicht immer alles planvoll so weiter, wie wir es wollen. Eine schwere Erkrankung und schon kann unser tolles Lebensgebäude innerhalb von Sekunden in sich zusammenbrechen. Dieses Wort will uns wachrütteln und salopp sagen: Wach auf, es gibt noch etwas Wichtigeres.

Und das ist die vertikale Ausrichtung. Unser Leben auf Erden wird eines Tages enden. Bloß damit ist ja eben noch nicht alles zu Ende. Es geht nämlich dann erst richtig los. Wo wir dann hingehen, liebe Gemeinde, das haben wir hier unten auf Erden selber in der Hand. Der Tod des Herrn hat nämlich weitreichende Konsequenzen für uns.

Wenn wir ihm gehören und uns zu ihm bekennen, dann ist unser irdischer Tod nur noch eine Durchgangsstation in Richtung Himmel. Alle seine Jünger, und damit sind auch wir gemeint, nimmt er persönlich in der Sekunde ihres Ablebens in Empfang und führt sie zu ihrer ewigen Wohnung. Das hat er uns hier auf Erden versprochen. Und wenn ich einem mein vollstes Vertrauen schenken kann, dann doch wohl dem, der für mich den eigenen Tod auf sich genommen hat, den ich eigentlich verdient hätte nur damit ich das ewige Leben habe.

3. Bis er kommt

Wenn wir gleich das Heilige Abendmahl feiern, dann geschieht dies, ich möchte es einmal so ausdrücken, auf drei Zeitschienen. Wir gedenken des Todes unseres Herrn am Kreuz. Das geschah bekanntermaßen vor 2000 Jahren.

Aber jetzt, wenn wir dieses Abendmahl in unserer zeitlichen Gegenwart feiern, dann dürfen wir uns gewiss sein, dass wir dies mit all denen zusammen tun, die uns bereits vorausgegangen sind. Das Abendmahl ist also ,ein wenig überhöht ausgedrückt, der Ort, wo sich Himmel und Erde begegnen. Im hier und jetzt ist also bei der Feier des Heiligen Abendmahles das Fenster zum Himmel schon einen Spalt weit für uns geöffnet.

Als drittes zeitliches Element erinnert uns das Abendmahl stets daran, dass wir in einer Zwischenzeit leben. Unser Herr, der vor 2000 Jahren am Kreuz gestorben ist, kommt ja wieder zurück auf die Erde. Er, der den Tod überwunden hat ist jetzt schon in den Gaben des Abendmahles bei uns und in Form des Heiligen Geistes immer mit uns zusammen. Aber er wird eines Tages höchstpersönlich wiederkommen zu richten die Lebenden und die Toten, wie wir es aus unserem Glaubensbekenntnis her kennen.

Darum sollten wir ihm einfach Danke sagen. Danke Herr, das du für unsere Sünden ans Kreuz gegangen bist. Danke Herr, das Du heute in Gestalt des Heiligen Geistes unter uns weilst. Danke Herr, dass Du eines Tages wiederkommen wirst.

Lassen Sie uns diesen Dreifachdank, den viele unserer noch nicht gläubigen Mitmenschen nicht verstehen, lassen Sie uns doch versuchen auch ihnen das nahe zu bringen, was unser Herr auch für sie ganz persönlich getan hat.

Diesen Dank beschreibt Friedrich von Bodelschwingh sehr schön in dem vierten Vers seines Liedes: „Nun gehören unsre Herzen ganz dem Mann von Golgatha…“ (EG 93), der da lautet, wie folgt:

Schweigen müssen nun die Feinde vor dem Sieg von Golgatha.
Die begnadigte Gemeinde sagt zu Christi Wegen: Ja!
Ja, wir danken deinen Schmerzen; ja, wir preisen deine Treu;
ja, wir dienen dir von Herzen, ja, du machst einst alles neu.

Der Herr segne dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen besinnlichen Abend am heutigen Gründonnerstag. Bis zum morgigen Karfreitag seien Sie all wohl behütet von unserem Herrn.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Abend, dem Gründonnerstag, also dem Abend an welchem wir an das Abendmahl erinnern, welches Jesus mit seinen Jüngern zusammen einnahm bevor er den Kreuzestod für uns alle starb. Allen, die an dem Heiligen Abendmahl öfters teilnehmen, wird unser heutiger Predigttext sehr geläufig sein.
Wir finden den Predigttext für den heutigen Tag im 1. Korintherbrief, Kapitel 11, die Verse 23-26. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe:
Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach’s und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis. Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis. Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

Liebe Gemeinde,

wenn wir zusammen zum Abendmahlstisch gehen, dann gedenken wir sicherlich auch an den Kreuzestod unseres Herrn. Für uns alle ist das Abendmahl aber auch ein Hoffnungsmahl. Worauf wir hoffen und worauf wir uns verlassen können darüber lassen Sie uns heute Abend ein wenig näher nachdenken.

1. Es ist schon was da

Wir feiern das Heilige Abendmahl ja nicht in einem luftleeren Raum, sondern in einem bestimmten Kontext, den uns Jesus in unserem Predigttext vorgegeben hat. ER hat schon etwas für uns getan, dessen wir heute gedenken.

Der Herr Jesus hat für all unsere Sünden, die vergangenen die gegenwärtigen und für alle zukünftigen Sünden bezahlt. Insofern geht von dem Abendmahl eine stete Lebendigkeit aus, die uns auch heute noch an die immerwährende Aktualität erinnern soll.

Das Abendmahl, welches Jesus mit seinen Jüngern feierte, war also keine nur schöne biblische Geschichte, sondern schon der Hinweis darauf, dass etwas geschieht, was über alle Zeitgrenzen hinweg wirkt und niemals seine Gültigkeit verliert.

Und genau darauf dürfen wir uns verlassen und darauf dürfen wir unsere ganze Zukunft setzen, nämlich darauf, dass der Herr Jesus für uns bereits alles getan hat, was getan werden musste, damit auch wir wieder die Gemeinschaft mit Gott haben können.

Es ist schon etwas da, liebe Gemeinde, was uns als ständiger Hoffnungsträger daran erinnern will, dass wir wieder Gottes geliebte Kinder sind. Eigentlich brauchen wir doch gar kein Abendmahl, das höre ich hin und wieder mal. OK, natürlich ist dies nicht zwingend notwendig, um in den Himmel zu kommen, aber wie schnell vergessen wir Menschen das, was unser Herr für uns getan hat. Wie schnell kommen wir in den alten Trott zurück.

Und mir hilft es dann immer wieder bei der Teilnahme am Heiligen Abendmahl daran erinnert zu werden, dass schon etwas da ist.

2. Die Lebenskandidaten

Wenn wir bei dem Heiligen Abendamhl an das denken, was der Herr für uns getan hat und wenn wir seinen Leib und sein Blut zu uns nehmen, dann erinnern wir uns immer wieder daran, dass wir IHN ganz persönlich in uns aufnehmen. Ich möchte jetzt keinen Streit um das Abendmahlsverständnis lostreten. Lassen wir das einfach mal so stehen.

Jesus hat dem Tode die Macht genommen. Deshalb sind wir als seine jünger auch keine Todeskandidaten mehr sondern Lebenskandidaten. Lassen Sie uns hier einen Moment lang verweilen.
Wir müssen uns einmal vor Augen führen, dass alle Menschen, die den Herrn Jesus nicht als ihren Erlöser angenommen haben, nach wie vor Todeskandidaten sind. Leider ist es so, und das kommt nicht von mir, dass mit dem Tode dieser Menschen alles aus ist.

So, und jetzt kommen wir dran. Für uns ist mit dem Tode eben nicht alles aus. Ich gehe so weit, dass ich sage, für uns als Christen fängt das Leben erst nach dem Tode so richtig an. Wenn wir am Abendmahlstisch Brot und Wein zu uns nehmen, so ist dies ein kleiner Vorgeschmack darauf, dass wir dereinst ganz bei unserem Herrn sein werden.

Was wir jetzt nur erahnen und vielleicht mental spüren können, das werden wir dann sehen und erleben können. Wir werden IHN in seiner Herrlichkeit sehen und wir werden mit IHM zusammen eine dauerhafte Gemeinschaft bilden.

Wenn wir am Abendmahl teilnehmen, dann erkennen wir, dass wir noch nicht am Ziel sind, aber wir sind auf dem richtigen Wege und wir dürfen schon hier auf Erden das Ziel schmecken in Form von Brot und Wein.

Abendmahl, muss das sein? Ich antworte noch einmal auf diese Frage damit, dass wir Menschen nun einmal ein wenig träge sind. Wie schnell verlieren wir ein Ziel aus den Augen, wenn wir nicht ständig daran erinnert werden. Nehmen wir doch einmal einen Athleten. Wenn sein Trainer ihn nicht richtig trainiert und ihm nicht immer wieder das große Ziel vor Augen stellt, dann werden seine Bemühungen alsbald nachlassen und irgendwann wird er sein Training einstellen.

Diese latente Gefahr besteht auch bei uns. Und darum hat der Herr Jesus angeordnet (ja ich nehme bewusst dieses Wort), dass wir das Abendmahl feiern sollen. Und zwar so lange bis er wiederkommt. Es soll uns ständig an den rechten Weg erinnern und uns auch helfen wieder auf den rechten Weg zu kommen, wenn wir ihn zu verlassen drohen.

3. Himmel und Erde treffen aufeinander

Liebe Gemeinde, wir feiern das Heilige Abendmahl nicht nur für uns allein als Gemeinde. Wir feiern es immer mit allen, die uns im Glauben vorausgegangen sind. Die Abendmahlsliturgie sagt uns ganz deutlich, dass sich bei der Zeremonie des Abendmahles Himmel und Erde einander berühren.

Es ist also so, dass all unsere Lieben, die uns im Glauben vorausgegangen sind mit uns und unserem Herrn zusammen immer wieder das Heilige Abendmahl zusammen feiern. Was ersehen wir daraus? Nun zuerst einmal, dass für uns heute und in alle Ewigkeit gesorgt ist. Wir müssen uns keine Sorgen mehr über uns und unser Wohlergehen machen.
Derjenige, der uns das ewige Leben schenkt, der kann ganz gewiss auch für unser irdisches Leben sorgen.

Das heißt natürlich nicht, dass ich träge herumsitze und auf den Himmel warten soll. Nein, als Christen sollen wir das tun, wozu uns Gott auf die Welt gesandt hat, aber nicht unter ständigen Sorgen und Nöten, was uns denn alles passieren könnte. Einfach auf den Herrn vertrauen und das tun, was er von uns erwartet, das ist unsere Aufgabe hier auf Erden.

Aber ab und wann kommen sie dann doch durch, die Nöte und Sorgen. Vor allem die Angst vor dem eigenen Tode will uns so manchmal gar nicht recht zur Ruhe kommen lassen. Haben Sie schon einmal in Ihrem Bekanntenkreis oder mit Ihren Verwandten ein ernsthaftes Gespräch über den Tod geführt. Wenn ja, dann herzlichen Glückwunsch, ich freue mich für Sie mit. In aller Regel kommt es nämlich ganz schnell zu einem Themawechsel, da sich keiner gern mit diesem Thema beschäftigen möchte.

Wenn wir jetzt wissen, dass wir nach unserem irdischen Tode lediglich auf der anderen Seite des Abendmahltisches an selbigem teilnehmen, dann sollten wir doch in der Lage sein, ein wenig entspannter mit diesem Thema umzugehen.

Abendmahl, muss das sein frage ich ein drittes Mal. Ich glaube, Jesus möchte uns über all unsere Nöte und Probleme hindurch helfen. Und da ist es schon eine immense Hilfe, wenn wir bei der Teilnahme am Abendmahl daran erinnert werden, dass wir dies mit allen zusammen feiern, die den Herrn Jesus als ihren Erlöser angenommen haben, hier auf Erden und im Himmel. Daher wird das Abendmahl auch gern als Fenster zur Ewigkeit bezeichnet. Manchmal können wir einen kleinen Luftzug des geöffneten Fensters spüren und wahrnehmen.

Das alles hält der Herr Jesus bereit, wenn wir an dem Heiligen Abendmahl teilnehmen. Lassen wir doch diese Möglichkeit nicht ungenutzt an uns vorübergehen. Übrigens: Es bedarf keiner ordinierten Pfarrer und keiner schmucken und kunstvoll eingerichteten Kirche. Wir erinnern uns „Wo zwei oder drei in meinem Namen zusammen sind, da bin ich mitten unter ihnen“.

Warum also nicht das Abendmahl in der Familie, im Hauskreis oder im Freundeskreis feiern?!

Wichtig ist doch nur die richtige innere Haltung mit der wir an den Tisch des Herrn treten. Die richtige innere Haltung beschreibt der Liederdichter Martin Rinckart sehr schön in dem 1. Vers des Liedes „Nun danket alle Gott…“ (EG 321), der da lautet, wie folgt:

Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge tut an uns und allen Enden, der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel zu gut bis hierher hat getan.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Die seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten und besinnlichen Abend.
Bleiben Sie bis zum morgigen Tage wohl behütet.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Gründonnerstag.
Gründonnerstag gedenken wir alljährlich der Einsetzung des heiligen Abendmahles.
Den Predigttext für den heutigen Tag finden wir im 2. Kapitel des Hebräerbriefes,
die Verse 10-18. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Denn es ziemte sich für den, um dessentwillen alle Dinge sind und durch den alle Dinge sind, dass er den, der viele Söhne zur Herrlichkeit geführt hat, den Anfänger ihres Heils, durch Leiden vollendete. Denn weil sie alle von einem kommen, beide, der heiligt und die geheiligt werden, darum schämt er sich auch nicht, sie Brüder zu nennen, und spricht (Psalm 22,23): Ich will deinen Namen verkündigen meinen Brüdern und mitten in der Gemeinde dir lobsingen. Und wiederum (Jesaja 8,17):
Ich will mein Vertrauen auf ihn setzen. Und wiederum (Jesaja 8, 18):
Siehe, hier bin ich und die Kinder, die mir Gott gegeben hat. Weil nun die Kinder von Fleisch und Blut sind, hat auch er’s gleichermaßen angenommen, damit er durch seinen Tod die Macht nähme dem, der Gewalt über den Tod hatte, nämlich dem Teufel, und die erlöste, die durch Furcht vor dem Tod im ganzen Leben Knechte sein mussten. Denn er nahm sich nicht der Engel an, sondern der Kinder Abrahams nimmt er sich an.
Daher musste er in allem seinen Brüdern gleich werden, damit er barmherzig würde und ein treuer Hoherpriester vor Gott, zu sühnen die Sünden des Volkes. Denn worin er selber gelitten hat und versucht worden ist, kann er helfen denen, die versucht werden.

Liebe Gemeinde,

es fällt uns sicherlich nicht ganz einfach, etwas über das Abendmahl aus diesem Text herauszulesen. Und doch finden wir eine Stelle, die uns auf unsere direkte Verbindung zu Jesus hinweist:
„Darum schämt er sich auch nicht, sie Brüder zu nennen.“

Als Seine Geschwister nehmen wir somit zusammen mit Ihm das Abendmahl ein. Eigentlich wäre die Predigt hiermit beendet. Aber ich finde, wir sollten uns auch einmal über die Bedeutung oder besser gesagt über die Bedeutungen des Abendmahles unterhalten. Wenn wir uns da das Abendmahl etwas genauer betrachten, dann erkennen wir 4 Bedeutungen, die wir jetzt zusammen erörtern wollen:

1. Stärkungsmahl

Das Abendmahl ist ein Stärkungsmahl. Wenn wir das Ritual des Abendmahles bedenken, dann erkennen wir, dass uns Brot und Wein gereicht werden. Wir stärken uns also nicht selber, sondern wir werden gestärkt.

Daran erkennen wir auch unsere totale Abhängigkeit von unserem Herrn Jesus. Er allein ist derjenige, der uns stärken kann. Und dies tut Er immer wieder, wenn wir an Seinem Tisch versammelt sind. Er, der in diesem Moment mitten unter uns ist schämt sich auch heute nicht, uns als Seine Geschwister zu bezeichnen.

2. Gemeinschaftsmahl

Liebe Gemeinde, zum Abendmahl kommen wir im allgemeinen nicht alleine, sondern wir versammeln uns mit unseren Brüdern und Schwestern um den Altar herum, um das Abendmahl gemeinsam einzunehmen.

ER ist unser Herr und somit das Haupt der Gemeinde. Wir alle sind Glieder dieses einen Leibes. Daran sollen wir immer wieder erinnert werden, wenn wir gemeinsam am Tisch des Herrn stehen. Lassen Sie uns immer wieder daran denken, dass Jesus sich nicht schämt zu jedem Einzelnen mit dem wir am Tisch des Herrn stehen, Bruder oder Schwester zu sagen.

Jeder einzelne Mensch, der da vor Ihm steht ist Ihm lieb und teuer. Und genau so, liebe Gemeinde, sollten wir unsere Mitmenschen auch betrachten. Wenn die Menschen zu meiner Linken und zu meiner Rechten dem Herrn lieb und teuer sind, dann dürfen sie mir auch nicht egal sein.

Dann habe ich als Bruder oder Schwester auch eine Verantwortung für das Wohlergehen meiner Geschwister. Dann dreht sich eben nicht mehr alles um mich in meinem Leben. Nein, dann ist der gesamte Leib Christi wichtig, zu dem ich natürlich auch gehöre, aber zu dem auch alle meine Geschwister im Glauben gehören.

Daran sollten wir uns übrigens nicht nur während des Abendmahles erinnern. Das gilt auch die ganze Woche über. Und nicht nur das. Unser ganzes Leben lang sollten wir uns unsere Stellung inmitten unserer Geschwister immer wieder vergegenwärtigen. Das schützt unter anderm auch ganz besonders vor Hochmut und Neid.

3. Gedächtnismahl

Jedes Mal, wenn wir an den Tisch des Herrn treten, um mit Ihm gemeinsam das Abendmahl zu feiern, gedenken wir daran, dass Jesus Christus Seinen Leib und Sein Blut für uns dahingegeben hat.

Das klingt immer so schön pathetisch. Drücken wir es doch ruhig einmal etwas plastischer aus. Jesus hat sich demütigen lassen, ER hat sich foltern lassen und ER hat sich kreuzigen lassen allein für uns. Unser Weg zum Himmel war versperrt, da wir als Sünder im Himmel nichts zu suchen haben.

„Nur wer sauber ist, der kommt hier rein.“ Das könnte an der Himmelsbarriere gestanden haben. Also gab es für uns arme Sünder keine Chance in den Himmel zu kommen.

Es sei denn, jemand wischt den ganzen Dreck und den ganzen Unrat unserer Sünde von uns weg und reinigt uns von allen vergangenen, gegenwärtigen und von allen zukünftigen Sünden. Es musste also jemand geben, der für unseren gesamten Dreck geradesteht.
Und dieser Jemand war Jesus.

Denken wir nur einmal an unsere Gedanken, die uns immer wieder beschleichen. Da ist es schon besser, dass unsere Mitmenschen diese nicht lesen können. Aber es gibt einen, der kann sie lesen. Und wenn wir sie bereuen, dann schämt Er sich nicht, uns Seine Geschwister zu nennen.

Wir, liebe Gemeinde, werden immer wieder sündigen. Und ER wird uns immer wieder von diesen Sünden reinwaschen, sodass wir wieder einen freien Zugang zu unserem Vaterhaus haben. Das setzt natürlich voraus, dass wir unsere Sünden auch ehrlich bereuen. Daran sollten wir immer denken, wenn uns unser Herr am Abendmahlstisch begegnet.

4. Hoffnungsmahl

Das Abendmahl, liebe Gemeinde ist das äußerlich sichtbare Zeichen, dessen, was uns einmal im Himmel erwartet, nämlich die dauernde Gemeinschaft mit unserem Herrn. Wenn wir unserem Herrn im Abendmahl punktuell begegnen so ist dies ein kleiner Vorgeschmack auf den Himmel.
Dort werden wir ewig in Seiner Gemeinschaft mit Ihm zusammen wohnen dürfen.

Das Hoffnungsmahl, liebe Gemeinde, geht aber noch weiter. Das Abendmahl feiern wir nicht nur in der Gegenwart unsers Herrn, nein, das Abendmahl feiern wir auch im Gedächtnis daran, dass auch die das heilige Abendmahl mitfeiern, die uns im Glauben vorausgegangen sind.

Wenn wir es so wollen, dann nehmen wir von jedem Abendmahl an dem wir teilnehmen ein Stück weit Ewigkeit mit in unseren Alltag hinein.

Im Alltag sich immer wieder daran erinnern zu dürfen, was uns in der Ewigkeit erwartet, das kann sich ungeheuer entspannend auf unser Leben auswirken. Wenn wir wissen, dass wir die Ewigkeit im Himmel verbringen werden und dass mit unserem Tode eben nicht alles aus ist, dann müssen wir auch nicht mehr an allen noch so tollen Events teilnehmen, was die sogenannte Spaßgesellschaft für uns bereit hält.

Und dann müssen wir auch alles nicht mehr so ernst nehmen und für wichtig halten, wenn wir es durch die Ewigkeitsbrille betrachten. Und diese Ewigkeitsbrille ist die nicht die allseits bekannte „rosarote Brille“, sondern es ist die Fernsichtbrille, die uns, die wir bisher blind waren, endlich scharf sehen und erkennen lässt.

So lassen Sie uns an diese 4 Punkte immer wieder denken, wenn wir zum Tisch des Herrn treten und das Heilige Abendmahl einnehmen. Und lassen Sie uns diese Punkte auch danach im Alltag in unserem Herzen tragen.

Die Bedeutung des Abendmahles beschreibt uns der Liederdichter Arno Pötzsch sehr schön in dem dritten Vers seines Liedes „Du hast zu deinem Abendmahl als Gäste uns geladen…“ (EG 224), der da lautet, wie folgt:

Nun segne, Herr, uns Brot und Wein, deins Tische edle Gaben !
Du selbst willst gegenwärtig sein und wunderbar uns laben.
Gib über Bitten und Verstehn, wie du versprachst zu geben !
In dem, was unsre Augen sehn, gib dich uns selbst zum Leben !

Der Herr schenke Dir mit dem Abendmahl Kraft und Stärke für Dein Leben mit IHM
Der Herr schenke Dir mit dem Abendmahl Liebe und Verantwortung für Deine Mitmenschen
Der Herr lege Dir mit dem Abendmahl Hoffnung auf die Ewigkeit in Dein Herz hinein

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Donnerstag und verabschiede mich bis zum morgigen Karfreitag.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

seien Sie alle recht herzlich gegrüßt am heutigen Gründonnerstag, dem Tag der Einsetzung des Heiligen Abendmahles.
Den Predigttext für den heutigen Abend finden wir im 2. Buch Mose, Kapitel 12,
die Verse 1, 4-6, 6-7 und 11-14. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Der Herr aber sprach zu Mose und Aaron in Ägyptenland: Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am zehnten Tage dieses Monats nehme jeder Hausvater ein Lamm, je ein Lamm für ein Haus. Wenn aber in einem Haus für ein Lamm zu wenige sind, so nehme er’s mit seinem Nachbarn, der seinem Hause am nächsten wohnt, bis es so viele sind, dass sie das Lamm aufessen können.
Und sie sollen von seinem Blut nehmen und beide Pfosten an der Tür und die obere Schwelle damit bestreichen und an den Häusern, in denen sie’s essen. So sollt ihr’s aber essen: Um eure Lenden sollt ihr gegürtet sein und eure Schuhe an euren Füßen haben und den Stab in der Hand und sollt essen als die, die hinwegeilen; es ist des Herrn Passa. Denn ich will in derselben Nacht durch Ägyptenland gehen und alle Erstgeburt schlagen in Ägyptenland, unter Mensch und Vieh und will Strafgericht halten über alle Götter der Ägypter, ich, der Herr. Dann aber soll das Blut euer Zeichen sein an den Häusern, in denen ihr seid: Wo ich das Blut sehe, will ich an euch vorübergehen, und die Plage soll euch nicht widerfahren, die das Verderben bringt, wenn ich Ägyptenland schlage. Ihr
sollt diesen Tag als Gedenktag haben, und sollt ihn feiern als ein Fest für den Herrn, ihr und alle eure Nachkommen als ewige Ordnung.

Liebe Gemeinde,

wenn wir das Alte Testament lesen, so sollten wir die Texte nicht isoliert betrachten, sondern immer im Hinblick auf das Neue Testament. Blut für Sünde, Blut, das vor Verderben schützt, dies sind alles Hinweise auf unseren Herrn Jesus Christus. Und so können wir auch Ähnlichkeiten zwischen dem Passafest und dem Abendmahl erkennen. Etwas vereinfacht ausgedrückt könnten wir sogar sagen, das Passafest war der Vorläufer des Heiligen Abendmahles.

Das Zeremoniell des Heiligen Abendmahles und dessen liturgische Bedeutung sind uns allen sicherlich hinreichend bekannt. Lassen Sie uns heute doch einmal die drei Blickrichtungen betrachten, aus denen heraus wir das Abendmahl auch betrachten können.

1. Nach Oben

Das Heilige Abendmahl ist der Ort, wo Himmel und Erde eins werden, so schrieb es einmal ein bekannter Theologe. Daher auch unsere Blickrichtung nach oben. Voller Demut und Dankbarkeit gedenken wir an das Leiden und Sterben Jesu Christi, aber vor allem daran, dass ER im
Heiligen Abendmahl zugegen ist.

Wenn wir Brot und Wein zu uns nehmen, dann nehmen wir den Herrn Jesus Christus in uns auf. Alle Nöte, Sorgen und Ängste dürfen wir getrost an die Seite legen und uns ganz unserem Herrn hingeben. Im Heiligen Abendmahl will Er uns erquicken und uns stärken für unser Leben in der Welt.

Wenn wir das Abendmahl so betrachten, dann ist es eine Tankstelle für unseren Glauben und eine Tankstelle für unser christliches Leben in der Welt.

2. Nach Links und nach Rechts

Wenn wir unseren Predigttext zu Rate ziehen, dann ist dort sehr viel von Gemeinschaft die Rede. Und dies ist auch ein Blickwinkel des Abendmahles. Es geht auch um die Gemeinschaft von uns Menschen untereinander.

Wenn wir nach links und nach recht schauen, dann entdecken wir dort den Bruder oder die Schwester, die genau so zu der Gemeinde Gottes gehört, wie wir. Hier zählen keine Titel, Orden und Ehrenzeichen, hier zählt nur der einzelne Mensch so wie er am Altar vor dem Kreuz steht. Egal ob arm ob reich, vor unserem Schöpfer sind wir alle gleich. Es gibt auch keine honorigen oder weniger honorige Sünder, wie manche es vielleicht meinen.

Dies sollen wir natürlich auch über die Zeit des Abendmahles hinweg nicht aus den Augen verlieren. In diesem Sinne sollen wir immer mit unseren Mitmenschen umgehen. Nehmen wir nur einmal die Familie. Wie oft werden hier wahre Machtkämpfe untereinander ausgetragen. Wie viele
Familien zerbrechen daran, dass ein Despot dort das sagen hat und alle anderen klein beigeben müssen. Im Abendmahl lernen wir, wie wir uns auch in der Familie zu verhalten haben.

Nehmen wir noch ein weiteres Beispiel, unseren Beruf. Natürlich haben wir schwere Zeiten, aber das gibt uns noch lange nicht das Recht, unsere Geschwister einfach zu übergehen und nur an uns zu denken. Alle unsere Kollegen und Kolleginnen werden von den gleichen Nöten, Sorgen und Problemen geplagt, wie wir. Warum diese nicht einmal gemeinsam angehen und ausstehen, als immer wieder gegeneinander zu kämpfen.

Wo zwei oder drei in Seinem Namen zusammen sind, da ist Jesus mitten unter ihnen. Dies gilt nicht nur für die Kirche, liebe Gemeinde, nein, das gilt für unser ganzes Leben. Und mit Jesus gemeinsam können wir durch dick und dünn gehen. Er wird uns niemals im Stich lassen, egal, was auch geschieht.

3. Nach Unten

Im Heiligen Abendmahl gedenken wir auch derer, die nicht mehr unter uns weilen und trotzdem mit uns zusammen dieses Mahl feiern.Wenn das Heilige Abendmahl der Ort ist, wo sich Himmel und Erde berühren, dann dürfen wir gewiss sein, dass auch alle die, die uns im Glauben vorausgegangen sind, an diesem Mahl teilnehmen.

Wir dürfen uns an dieser Stelle daran erinnern, dass uns der Tod eines geliebten Menschen nicht für immer von diesem trennt, sondern, dass wir ihn in der Ewigkeit wiedersehen werden. Jesus Christus hat dem Tod die Macht genommen und die Himmelspforten für uns alle ganz weit geöffnet.
Darauf dürfen wir all unser Vertrauen setzen.

Wenn wir das Heilige Abendmahl zusammenfassend betrachten, dann gedenken wir auch immer der Zusage unseres Herrn, die Er uns im Matthäusevangelium gemacht hat, als Er sagte:
„Ich bin bei euch, alle Tage bis an der Welt Ende.“

Wenn wir das wirklich von ganzem Herzen glauben und annehmen, dann bin ich sicher, werden wir alle die Kraft und die Stärke unseres Herrn und Heilandes weit über das heutige Abendmahl hinaus spüren und erleben dürfen.

Eine sehr schöne Deutung des Heiligen Abendmahles beschreibt uns der Liederdichter Johann Franck in dem 6. Vers seines Liedes: „Schmücke dich, o liebe Seele…“, der da lautet, wie folgt:

Jesu, wahres Brot des Lebens,
hilf, dass ich doch nicht vergebens,
oder mir vielleicht zum Schaden
sei zu deinem Tisch geladen.
Lass mich durch dies heilge Essen
deine Liebe recht ermessen,
dass ich auch, wie jetzt auf Erden,
mög dein Gast im Himmel werden.

Der Herr stärke Dich durch SEINEN Leib und SEIN Blut
Der Herr lasse SEINE ganze Liebe in Dir wirksam werden
Der Herr gebe Dir die Kraft, diese Liebe immer wieder weiter zu reichen

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Abend und verabschiede mich bis zum morgigen Karfreitag.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Gründonnerstag.
Traditionell gedenken wir am heutigen Tage der Einsetzung des Heiligen Abendmahles. Natürlich hat dies auch der heutige Predigttext zum Inhalt. Wir finden den Predigttext für den heutigen Tag im 1. Korintherbrief, Kaptel 10, die Verse 16-17. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Der gesegnete Kelch, den wir segnen, ist der nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi ? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi ? Denn ein Brot ist’s: So sind wir viele ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben.

Liebe Gemeinde,

wir wissen alle, was das Heilige Abendmahl ist. Lassen Sie uns am heutigen Gründonnerstag einmal darüber nachdenken, in welche Richtungen wir bei dem Abendmahl schauen. Es sind 5 Blickrichtungen, die wir heute gemeinsam betrachten wollen.

1. Der Blick zurück

Bei dem Abendmahl denken wir zurück an den Gründonnerstag, an welchem Jesus das Heilige Abendmahl mit seinen Jüngern gefeiert hat. Wir werden uns durch das Abendmahl immer wieder so richtig bewusst, was unser Herr für uns getan hat, als er für uns den Kreuzestod gestorben ist. Und wir werden daran erinnert, dass wir dieses Mahl zum Gedächtnis an unseren Herrn feiern.

Unabhängig von allen liturgischen Streitigkeiten sagen wir innerlich:
Danke, Jesus für alles, was DU für uns getan hast.

2. Der Blick nach oben

Bei dem Abendmahl geht unser Blick auch nach oben. Nach oben, da wo sich unser Herr nunmehr befindet. Er sitzt nunmehr zur Rechten Gottes. Er ist ja nicht einfach von uns gegangen. Er hat uns ja gesagt, wo Er sich jetzt befindet. Und wenn wir Abendmahl feiern, dann dürfen wir gewiss
sein, dass unser Herr mitten unter uns ist.

Er will uns auch heute noch durch das Abendmahl in unserem Glauben stärken und uns für unser Leben in der Welt rüsten. Und wenn wir nach oben schauen, dann werden wir uns auch gewiss, dass wir das Abendmahl mit all denjenigen feiern, die uns im Glauben bereits vorausgegangen sind.

3. Der Blick in uns hinein

Diese Blickrichtung ist zugegebenermaßen die schwierigere. Denn hier geht es darum, wie es denn eigentlich mit unserem Glauben aussieht. Ein alter Ausleger hat einmal gesagt, dass die Abendmahlsliturgie die Liturgie ist, in welcher sich Himmel und Erde berühren. Und in diesem
Moment können wir, von Jesus geleitet, auch ganz tief in uns selbst hineinschauen.

Wir können und werden erkennen, was denn nicht unbedingt in Ordnung ist in unserem Leben und wir können und dürfen den Herrn bitten, dies wieder in Ordnung zu bringen. Bei diesem Blick nach innen dürfen wir auch ganz wir selbst sein. In diesem Moment sind wir ganz authentisch in der
Gegenwart Gottes. Hier ist auch kein Platz mehr für irgendein Rollenspiel.

Wenn wir von der reinigenden Kraft des Abendmahles reden, dann ist genau dies gemeint. Diese reinigende Kraft ist aber keine Oberlehrerschelte, sondern diese Reinigung geschieht allein durch die Liebe Gottes in uns. Gott liebt uns so sehr, dass Er uns von allem befreien möchte, was uns
bei einer Beziehung zu Ihm im Wege steht. Und darum dürfen wir Ihm bei dem Heilgen Abendmahl immer wieder bitten.

4. Der Blick um uns herum

Wenn wir der Einladung an den Tisch des Herrn folgen, dann tun wir dies, weil er uns sagt: Für dich ist ein Platz an meinem Tisch reserviert. Komm herbei, dein Namensschild steht schon an deinem Platz. Und das wirklich wunderbare ist, dass Gott für alle Menschen Namensschilder bereitgestellt hat. Alle, die mit uns zusammen Abendmahl feiern, sind genau so eingeladen, wie wir es sind.

Es gibt auch keine Rangordnungen im Reiche Gottes. Da steht der erfolgreiche Unternehmer neben dem Hartz IV-Empfänger und Beide haben die gleiche Einladung erhalten. Und wenn wir dann den Blick umherschweifen lassen, dürfen wir erkennen, dass wir alle, die wir hier stehen, eine einzige große Familie sind.

Dafür dürfen wir Gott in unserem Herzen danken, dass Er uns als Teil Seiner Familie haben will. Diese Familie hört aber nicht auf zu existieren, wenn wir den Abendmahlstisch verlassen. Gott will, dass wir auch unter der Woche immer wieder daran denken, dass wir alle Teile Seiner großen Familie sind. Daher ist es nicht nur in christlichen Kreisen durchaus üblich, sich mit Bruder oder Schwester anzureden.

Bei der Anrede soll es aber nicht bleiben. Wir sollen uns auch geschwisterlich verhalten. Wenn ein Mensch in Not ist, dann ist mein Bruder oder meine Schwester in Not. Und meine Geschwister lasse ich doch nicht hängen.

Gleiches gilt bei Krankheit und allen anderen Nöten und Problemen, die unsere Mitmenschen quälen. Wenn wir davon erfahren, sollen wir uns stets daran erinnern, dass sie ja zu unserer Familie gehören. Ähnlich verhält es sich, wenn wir selber in Not geraten. Gerade dann sollen sich unsere
Geschwister an ihre Familienpflichten erinnern.

Die Älteren unter uns hatten vielleicht noch das Glück in einer Großfamilie aufwachsen zu dürfen. Ich hatte dieses Glück auch. Ich kann nur sagen, dass ich viel in dieser Zeit gelernt habe. Ich habe gelernt, dass ältere Menschen mit Respekt zu behandeln sind. Ich habe gelernt, dass ältere Menschen nicht zum alten Eisen gehören, sondern unendlich viel von ihrer Lebensweisheit weitergeben können. Und ich habe gelernt, dass Probleme immer besser mit der Gemeinschaft, als allein gelöst werden können.

Da wir die Großfamilie in diesem Sinne eben nicht mehr haben, ist es um so wichtiger unseren Familienrahmen zu erweitern, so wie unser Herr dies von uns erwartet. Kümmern wir uns doch in unserer Umgebung und in unserem Alltag etwas mehr um die Menschen, die unserer Hilfe bedürfen.

5. Der Blick nach vorne

Wenn die ersten Christen das Abendmahl feierten, so war ihr Blick auf das Kommen des Herrn gerichtet. Daher riefen sie unisono „Maranata“, was mit „Komm Herr, ach komm doch bald“ übersetzt werden kann.

Da wir ja nun fast schon 2000 Jahre auf das Kommen des Herrn warten, gerät dieser Blickpunkt immer ein wenig ins Abseits. Aber denken wir doch immer daran: Das heißt nicht, dass unser Herr nicht morgen oder übermorgen wiederkommt. Auch heute noch sollen wir mit der Freude der
Urchristen rufen : „Maranata“.

Diese absolute Gewissheit in unseren Herzen, dass unser Herr wiederkommt bewahrt unsere Herzen auch vor vielen negativen Einflüssen. Wenn wir uns diese Freude im Herzen bewahren und sie hegen und pflegen, dann schauen wir mit ganz anderen Augen auf das, was in der Welt geschieht.

Angeblich wichtige Sachen werden ganz klein im Angesicht der Wiederkunft unseres Herrn. Dieser freudige Blick nach vorn ist auch ein probates Mittel, was uns wieder „auf Kurs“ bringt, wenn wir von der Jesuslinie in unserem Leben abgewichen sind, wenn auf einmal viele andere Dinge viel
wichtiger geworden sind, als unser Herr. Bei dem Abendmahl erfahren wir durch diesen Blickwinkel eine Kurskorrektur in unserm Leben.

Dass wir bei dem Abendmahl eine innere Wandlung erfahren drückt der Liederdichter Moritz Arndt sehr schön in dem zweiten Vers seines Liedes:
“ Kommt her, ihr seid geladen…“ aus, der da lautet, wie folgt:

Kommt her, verzagte Sünder, und werft die Ängste weg,
kommt her, versöhnte Kinder, hier ist der Lebensweg.
Empfangt die Himmelslust,
die heilge Gottesspeise, die auf verborgne Weise
erquicket jede Brust.

Der Herr stärke Dein Herz, damit Du IHM mit Freude dienen kannst
Der Herr gebe Dir stets die rechten Worte, um Deinen Geschwistern beizustehen.
Der Herr bewahre Dich auf Deinem Weg zu IHM und stärke Dich auf Deinem Weg mit IHM

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten restlichen Gründonnerstag.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Gründonnerstag.
Traditionell gedenken wir an dem heutigen Tage der Einsetzung des Heiligen Abendmahles. Und natürlich beschäftigt sich unser Predigttext mit diesem Ereignis. Wir finden den Predigttext für den heutigen Gründonnerstag im Markusevangelium, Kapitel 14, die Verse 17-26.
Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Und am Abend kam er mit den Zwölfen. Und als sie bei Tisch waren und aßen, sprach Jesus: Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch,der mit mir isst, wird mich verraten. Und sie wurden traurig und fragten ihn, einer nach dem andern: Bin ich’s ? Er aber sprach zu ihnen: Einer von
den Zwölfen, der mit mir seinen Bissen in die Schüssel taucht. Der Menschensohn geht zwar hin, wie von ihm geschrieben steht; weh aber dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird ! Es wäre für diesen Menschen besser, wenn er nicht geboren wäre. Und als sie aßen, nahm
Jesus das Brot, dankte und brach’s und gab’s ihnen und sprach: Nehmet; das ist mein Leib. Und er nahm den Kelch, dankte und gab ihnen den; und sie tranken alle daraus. Und er sprach zu ihnen: Das ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird. Wahrlich, ich sage euch, dass ich
nicht mehr trinken werde vom Gewächs des Weinstocks bis an den Tag, an dem ich auf’s neue davon trinke im Reich Gottes. Und als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.

Liebe Gemeinde,

wenn wir heute zusammen über das Heilige Abendmahl nachdenken, dann lassen Sie uns drei Aspekte bedenken, die uns verstehen helfen, die Liturgie und das innere Verständnis des Abendmahles besser zu erkennen.

1. Das äußere Abendmahl

Obwohl das Abendmahl uns als Christen eigentlich vereinen sollte, haben verschiedene Abendmahlslehren dazu beigetragen, dass wir von einer Vereinigung leider noch weit entfernt sind. Wenn wir uns zu Beginn kurz die verschiedenen Lehrmeinungen anschauen, dann lassen Sie uns dies nüchtern und ohne Vorurteile tun. Im wesentlichen gibt es drei Lehrmeinungen, die der katholischen Kirche, die von Luther und die Lehre von Zwingli und Calvin.

Vor dem Abendmahl werden, wie wir alle wissen, die Einsetzungsworte gesprochen. Wenn die Worte „Dies ist mein Leib“ gesprochen werden, dann verwandelt sich nach katholischer Lehre das Brot in den tatsächlichen Leib unseres Herrn. Diese wesenhafte Verwandlung bleibt auch nach dem
Abendmahl bestehen.

Nach lutherischer Lehre endet diese wesenhafte Verwandlung aber nach dem Ende des Abendmahles und die Hostie wird wieder zu dem was sie ursprünglich war, nämlich eine ganz normale Hostie.

Calvin und Zwingli hingegen deuteten dies ganz anders. In der aramäischen Sprache existiert eigentlich das Wort „ist“ überhaupt nicht, sodass nach der calvinistischen Auffassung die richtige Übersetzung lauten müsste: „das bedeutet mein Leib“. Infolgedessen findet keine wesenhafte Verwandlung statt, sondern das Abendmahl ist ein Zeichen der Erinnerung an die
Einsetzung des Heiligen Abendmahles.

Wenn wir einmal das Blut, also den Wein, außen vor lassen, dann sind sich Katholiken und Lutheraner wohl näher als Lutheraner und Calvinisten. Eigentlich ist dies doch ein vollkommen sinnloser Streit, beschäftigt er sich doch lediglich mit der äußeren Form des Abendmahles.
Neben diesem äußeren Abendmahl gibt es dann auch noch das

2. Das innere Abendmahl

Hier wollen wir darüber nachdenken, was denn eigentlich der Inhalt des Abendmahles ist.
Wo sich vorher Katholiken, Lutheranber und Calvinisten noch die Köpfe heiß geredet haben, da sind sie sich bezüglich des Inhaltes des Abendmahles und dessen Bedeutung nahezu deckungsgleich einig. Das zeigt insbesondere, wie sinnlos dieser Streit auch für Außenstehende erscheinen mag.

Wenn wir zum Abendmahl eingeladen werden, dann mit den Worten des 34.
Psalmes: „Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist.“

Wenn wir zum Abendmahl gehen, dann dürfen wir einen kurzen Moment lang spüren und erleben, was es heißt, ein Leben im Reich Gottes zu führen. Nirgendwo, sind wir Gott so nahe, wie im Abendmahl. Man könnte auch sagen: Das Abendmahl ist der Teil des Gottesdienstes, in welchem sich Himmel und Erde berühren.

Bei den Worten „mein Leib, für euch gegeben“ und „mein Blut, für euch vergossen zur Vergebung der Sünden“ dürfen wir uns daran erinnern, dass Jesus mit Zöllnern und Sündern gegessen hat und ihnen ihre Sünden vergeben hat. Genau so, wie Er damals Seinen Tischgenossen ihre Sünden vergeben hat, genau so vergibt Er auch uns heute immer wieder unsere Sünden. Dieses Gnadengeschenk dürfen wir immer wieder auf’s Neue für uns in Anspruch nehmen.

Aber das Abendmahl hat auch noch einen dritten Inhalt. Es ist ja nicht der Pfarrer, Priester oder Pastor, der uns zum Abendmahl einlädt. Es ist der auferstandene Herr, der uns zu Seinem Tisch bittet, damit wir mit Ihm Gemeinschaft haben können. Wir sollen aber nicht nur mit unserem Herrn Gemeinschaft halten, sondern der Herr Jesus schenkt uns auch die Gemeinschaft untereinander. In dem Abendmahl, wo Er in Wein und Brot zugegen ist, führt unser Herr alle Menschen zusammen, auch diejenigen, die es eben nicht so gut miteinander können.

Begreifen wir also das Abendmahl auch wieder als ein Geschenk, das Trennendes überwindet und uns alle wieder in die wahre Gemeinschaft hineinführen kann.

3. Das Abendmahl als Hoffnungsmahl

Bis hierher haben wir über die Wirkung des Abendmahles in der Gegenwart gesprochen. Das Abendmahl besitzt auch eine Ausrichtung auf die Zukunft. Wenn wir in der Abendmahlsliturgie die Worte sprechen: „Deinen Tod, o Herr verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit“, dann richten wir unseren Blick von der Gegenwart weg hin in die Zukunft.

In der festen Gewissheit, dass unser Herr wiederkommen wird, soll uns dieses Mahl für unser Leben in der Gegenwart stärken. Egal, was auch geschehen wird, wir wissen:
Unser Herr kommt wieder in Herrlichkeit. Und dieses Stück vorweggenommenen Himmel dürfen wir bei jedem Abendmahl genießen.

Dieses Stück Himmel will uns auch im Alltag begleiten.
Dieses Stück Himmel will uns und unsere Sicht der Dinge wieder in die richtige Perspektive rücken.
Und, wer dieses Stück Himmel einmal genossen hat, liebe Gemeinde, der kann eigentlich gar nicht anders, als dies seinen Mitmenschen weiter zu erzählen.

Dass Jesus uns alle, aber auch wirklich alle einlädt, Gemeinschaft mit Ihm zu haben, das beschreibt der Liederdichter Kurt Rommel sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes: „Wir sind zum Mahl geladen…“, der da lautet, wie folgt:

Wir sind zum Mahl geladen. Der Herr ruft uns zu Tisch
wie einstmals seine Freunde zu Wein und Brot und Fisch.
Er ruft uns Menschen alle, er zieht die Grenzen nicht.
Denn die im Dunkeln leben, holt er zu sich ins Licht.

Der Herr lasse Dich SEINE Gegenwart bei Brot und Wein spüren
Der Herr stärke und erquicke Dich durch Brot und Wein
Der Herr gebe Dir durch Brot und Wein Hoffnung auf ein Leben in SEINER
Ewigkeit

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Abend.
Bis zum morgigen Tage verabschiede ich mich und grüße Sie alle recht herzlich

Ihr
Ulrich Naber