Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen Reformationstag. Den Predigttext für den heutigen Tag finden wir im Brief des Paulus an die Galater, Kapitel 5, die Verse 1-6. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen! Siehe, ich, Paulus, sage euch: Wenn ihr euch beschneiden lasst, so wird euch Christus nichts nützen. Ich bezeuge abermals einem jeden, der sich beschneiden lässt, dass er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist. Ihr habt Christus verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, und seid aus der Gnade gefallen. Denn wir warten im Geist durch den Glauben auf die Gerechtigkeit, auf die man hoffen muss. Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe tätig ist.

Liebe Gemeinde,

die Galater waren schon ein besonderes Völkchen. Kaum hatten sie sich bekehrt, da fielen sie auch schon wieder scharenweise vom Glauben ab und beteten andere Götter an oder meinten, zum Glauben nicht etwas dazutun zu müssen, um ganz sicher zu sein, in den Himmel zu kommen.

Eine ähnliche Situation fand auch Dr. Martin Luther vor, als er im wahrsten Sinne des Wortes die Reformation anzettelte. Ablassbriefe waren nur die Spitze des Eisberges, was Luther anprangerte. Luther wollte ja keine Reformation, Luther wollte nur ein ganz einfaches zurück zum Glauben, den Jesus uns gelehrt hat.

Schauen wir uns doch heute einmal an, welche drei Punkte für unseren Glauben wichtig und ausschlaggebend sind.

1. Sola fide

Allen der Glaube, so Luther, ist es, der wirklich vor Gott zählt. Und dabei handelt es sich um einen ganz persönlichen Glauben, der nicht ver-oder ererbbar ist.

Gott hat viele Kinder, aber keine Enkelkinder. Wir dürfen uns im Glauben nicht auf andere Personen berufen, oder auf unseren ganz besonderen Status vor Gott, weil wir vielleicht aus einer Pfarrersfamilie abstammen.

Billy Graham drückte dies einmal ganz drastisch aus, als er sagte: „Nur weil jemand in einer Garage geboren wurde, ist er noch lange kein Auto.“

Was einzig und allein vor Gott zählt, liebe Gemeinde, ist unser ganz persönliches Bekenntnis, das wir vor Gott nicht bestehen können, und unsere persönliche Umkehr und unsere Bekehrung zu dem hin, der all unsere Sünden in die Tiefe des Meeres wirft und ihrer nicht mehr gedenken wird.

Das kann kein anderer Mensch für uns tun. Das muss ein jeder Mensch ganz persönlich mit Gott ausmachen. Da kann niemand einen Stellvertreter entsenden mit dem Auftrag, dies für ihn erledigen zu lassen.

2. Sola gratia

Allein durch Gnade. Wenn wir so, wie soeben gehört, vor Gott in die Knie gehen, dann sind wir aus seiner Gnade von all unseren Sünden befreit und haben wieder direkten Zugang zu unserem Vater im Himmel.

Nichts, aber auch gar nichts kann uns diesen Weg versperren. Bitte, bitte, vergessen wir dies niemals.

Im Laufe der Kirchengeschichte hat es immer wieder Strömungen gegeben und gibt es noch, die uns eines Besseren belehren wollen. Nur wenn Du jeden Sonntag an der Messe teilnimmst, dann kommst du vielleicht in den Himmel. Nur wenn Du mehr gute als schlechte Werke aufzuweisen hast, dann kannst du in den Himmel kommen. Nur wenn der Pfarrer als Stellvertreter für Dich spricht, dann wirst Du vor Gott Gehör finden.

Das ist alles Quatsch, liebe Gemeinde. Das einzige, was uns in den Himmel bringen kann ist die Gnade unseres Herrn. Für all unsere Sünden hat er schließlich schon bezahlt. Das einzige, was er von uns verlangt, ist, dass wir dieses Geschenk im Glauben annehmen.

Ich weiß, es klingt banal: Wenn wir am Supermarkt unsere Waren auf das Band legen und die Kassiererin alles in die Kasse eingetippt hat, dann müssen wir den Betrag bezahlen, welche die Kasse anzeigt. Wenn die Kassiererin aber zu uns sagt, dass der Betrag schon von jemand anderem bezahlt worden ist, dann bringen wir die Waren doch auch nicht zurück in die Regale. Nein, wir erfreuen uns, dass ein Gönner für uns bezahlt hat.

Im Glauben hingegen herrscht eine unglaubliche Skepsis. Sollte das wirklich wahr sein ? Das gibt es doch gar nicht. Und weil nicht sein kann, was nicht sein darf, lassen wir lieber die Finger von diesem Gnadengeschenk. Ja, liebe Gemeinde, so reagiert der überwiegende Teil unserer Bevölkerung.

Grund genug, dass wir endlich aufstehen und die gute Botschaft all denjenigen weitersagen, die sie noch nicht kennen.

3. Sola scriptura

Allein die Schrift. Damit ist natürlich die Bibel gemeint.

Die Bibel ist die Grundlage unseres Glaubens. Darin finden wir alles, was wir tun und was wir besser lassen sollen.

Alle Vorschriften, die man uns auferlegen will und die wir nicht in der Bebel finden, all diese Vorschriften sind für uns nicht bindend.

Natürlich verstehen wir Gottes Wort nicht immer auf Anhieb. Aber ich kann Ihnen versichern, dass ein regelmäßiges Bibelstudium uns immer tiefer in die Materie eindringen lässt. Und wenn wir wirklich an eine Stelle gelangt sind, die wir so gar nicht begreifen können, dann fragen wir doch unseren Herrn im Gebet danach, wie wir dies denn verstehen sollen.

Natürlich finden wir auch ganz konkrete, für uns alle sofort verständliche Regeln. Dies sind z.B. die Zehn Gebote, die Regierungserklärung Gottes, besser unter dem Namen Bergpredigt bekannt und nicht zu vergessen, den Jakobusbrief.

Dort finden wir Anweisungen für ein befreites Christenleben. Manche Dinge sind schon recht heftig. Ich denke einmal nur an die Feindesliebe. Mir jedenfalls gelingt dies nicht auf Anhieb. Aber wenn ich meinen Herrn im Gebet um seinen Beistand bitte, dann ist die ganze Sache schon wesentlich einfacher.

Allein der Glaube, allen durch Gnade und allein die Schrift. Das ganze unter der großen Klammer des Gebetes gesehen sind die Dinge, die für ein Galubensleben notwendig sind. Jedem, der mehr von uns verlangt, dem dürfen wir ganz getrost „Luther um die Ohren hauen“.

So lassen Sie uns zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes gemeinsam in den ersten Vers des Reformationsliedes von Martin Luther einstimmen „Ein feste Burg ist unser Gott…“ (EG 362), der da lautet, wie folgt:

Eine feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen.
Der alt böse Feind mit Ernst er’s jetzt meint;
groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist,
auf Erd ist nicht seinsgleichen.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Abend und freue mich, Sie am kommenden Sonntag wieder begrüßen zu dürfen.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle ganz herzlich am heutigen 15. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Galaterbrief Kapitel 5, die Verse 25-26, und im Kapitel 6, die Verse 1-3 und 7-10. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln. Lasst uns nicht nach eitler Ehre trachten, einander nicht herausfordern und beneiden.
Liebe Brüder, wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid; und sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest. Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.
Denn wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst. Irret euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten: Denn was der Mensch sät, das wird er ernten.
Wer auf sein Fleisch sät, der wird von dem Fleisch des Verderbens ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist des ewigen Lebens ernten. Lasst uns aber Gutes tun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht nachlassen. Darum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.

Liebe Gemeinde,

der Galaterbrief ist der einzige Brief, welcher nicht mit schönen, zu Herzen gehenden Grußworten beginnt, sondern gleich mit heftiger Kritik durchstartet. Eigentlich so gar nicht die paulinische Art, aber die Galater hatten sich eben so verhalten, dass es einer massiven Kritik bedurfte, um sie wieder „auf Kurs“ zu bringen.

Vielleicht haben wir dies auch heute wieder einmal nötig. Schauen wir uns doch einmal an, was Paulus bemängelte und wozu er den Galatern geraten hat.

1. Geist versus Welt

Die Galater waren sehr schnell von den christlichen Werten abgehkehrt und wandten sich wieder der Welt zu. Nun hört sich das zunächst einmal ziemlich abstrakt an. Was bedeutet es denn eigentlich wenn wir „die Welt“ sagen?

Wer sich nicht im Geist, sondern in der Welt bewegt, der wird sehr schnell nach eitler Ehre trachten, wie es Paulus eingangs unseres Predigttextes sehr schön beschreibt. Eitle Ehre bedeutet, dass ich nicht auf das schaue, was Gottes Ehre dienlich ist, sondern nur noch auf mein eigenes Ansehen und Wohlergehen erpicht bin.

Ich befinde mich dann in einem ständigen Wettkampf mit meinen „Mitweltlern“, denen es ja genau so ergeht wie mir. Ein Hauen und Stechen um die besten Posten, um das meiste Geld und um das höhere Ansehen ist dann die Folge. Natürlich ist in dieser Welt kein Platz für die schwachen und minderbemittelten Menschen. Wer nicht mithalten kann der bleibt eben auf der Strecke. Ist ja auch ganz natürlich, jeder hat doch die gleiche Chance im Leben.

Und aus dieser ganzen Sucht nach eitler Ehre erwächst etwas ganz gefährliches, nämlich der Neid. Neid ist nichts anderes, als dass ich meinem Nächsten nicht das gönne, was er hat, sondern dies lieber für mich haben möchte. Neid verbleibt aber nicht im Kopf des Menschen. Neid führt auch meist zu Lug und Trug, wenn nicht gar zu Gewalt, um das zu haben, was mein Nächster hat.

Gewisse Parallelen können wir sicherlich alle erkennen, wenn wir uns heute einmal in den Betrieben, ja sogar schon in den Schulen umschauen.

Halten wir einmal fest: Bei dem Leben in der Welt ist nur einer wichtig; nämlich ICH.

Beim Leben im Geist sieht dies schon etwas anders aus. Ein Leben im Geist, wie es die Galater wieder führen sollen ist ein Leben, welches auf Gott und auf den Mitmenschen ausgerichtet ist.

„Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ So beschreibt Paulus ein Leben im Geist. Es geht eben nicht nur immer um mich und meine Bedürfnisse, sondern auch um die Bedürfnisse meiner Mitmenschen. Der Weg des Lebens geht weg vom ICH und hin zum DU.

Aus einem derartigen Leben kann logischerweise gar kein Neid entstehen, sondern es entsteht echte Sorge und Fürsorge für meine Mitmenschen.

2. Die Entscheidung

Die Galater glaubten, auf irgendwie beiden Ebenen, also in der Welt und im Geist leben zu können. Sonntags in der Kirche richtig schön fromm und ab Montag wieder so richtig nach den Maßstäben der Welt leben. Gibt es natürlich heute gar nicht mehr, oder etwa doch ?

Paulus beschreibt es klipp und klar, dass dies nicht funktioniert. Er sagt den Galatern sinngemäß: Wenn ihr ein Leben ohne Gott führen wollt, bitteschön, das könnt ihr machen. Aber, liebe Freunde, am Ende dieses Weges steht das ewige Verderben, also der Weg direkt in die Hölle.

Auf der anderen Seite könnt ihr aber den geistlichen Weg beschreiten, den Weg also, den Gott für euch vorgesehen hat. Dieser Weg ist zwar nicht immer angenehm, es kommen auch jede Menge Schwierigkeiten und Hindernisse auf euch zu, aber dieser Weg endet nicht in der Verdammnis, sondern im ewigen Leben.

3. Achtung Betrug

Liebe Gemeinde, wir kennen doch alle Menschen, die sehr viel über Jesus erzählen, ihren Reden aber keine Taten folgen lassen. Gern stehen sie im Mittelpunkt, wenn es um christliche Verkündigung geht. Aber wenn man einmal hinter die Kulissen schaut, dann sieht die Welt schon ein wenig anders aus.

Und hier warnt Paulus die Galater, indem er ihnen aufzeigt, dass es einen gibt, der auch hinter die Kulissen schauen kann und dem man nichts, aber auch gar nichts vormachen kann. Und das ist Gott selber.

Man verspottet Gott ja regelrecht, wenn man Jesus Christus bekennt und seinem Nächsten die kalte Schulter zeigt. Oder wenn man nur dann christliche Nächstenliebe ausübt, wenn dies von möglichst vielen Menschen gesehen wird.

In einem originären Christenleben sollte stets beides zusammenpassen das Wort und die Tat. Und das sieben Tage in der Woche, und 52 Wochen im Jahr.

Wie kriege ich so ein Leben hin, liebe Gemeinde? Wissen Sie was, das kriegt keiner von uns aus eigenen Stücken hin. Aber wir haben ja unseren Herrn an unserer Seite der sehnlichst darauf wartet, dass wir ihn bitten uns unseren Weg aufzuzeigen.

Neben der Bibel ist übrigens gerade ein ganz toller Ratgeber zu diesem Thema von Ulrich Parzany erschienen unter dem Titel: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“. Es lohnt sich meines Erachtens, dieses Werk zu studieren.

Zu einem originären Christenleben gehört es auch, unseren Herrn immerfort zu loben. Lassen Sie uns dies zum Abschluss des heutigen Gottesdienstes tun, indem wir zusammen in den ersten Vers des Liedes „Großer Gott, wir loben dich…“ (EG 331) von Ignaz Franz einstimmen, der da lautet, wie folgt:

Großer Gott, wir loben dich; Herr, wir preisen deine Stärke.
Vor dir neigt die Erde sich und bewundert deine Werke.
Wie du warst vor aller Zeit, so bleibst du in Ewigkeit.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe sein Angesicht über Dich und gebe Dir seinen Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und eine tolle Woche unter dem Schutz und Schirm unseres Herrn.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 1. Weihnachtstag. Gestern haben wir uns ganz mit der Geburt unseres Herrn beschäftigt. Mit der Geburt Jesu wurde auch der Grundstein gelegt für unsere neue Stellung vor unserem Herrn. Lassen Sie uns am heutigen 1. Weihnachtstag diese neue Stellung näher betrachten. Diese neue Rechtsstellung wird uns in unserem heutigen Predigttext näher beschrieben. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im Galaterbrief, Kapitel 4, die Verse 4-7:

Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen. Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater ! So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch Erbe durch Gott.

Liebe Gemeinde,

mit Weihnachten wurde der Grundstein dafür gelegt, dass wir nicht mehr Knechte sind, sondern Kinder Gottes werden dürfen.

Schauen wir uns heute morgen diese beiden Rechtspositionen ein wenig näher an.

1. Der Knecht

Wie wir alle wissen, ist der Knecht eine Hilfskraft des Bauern. Er ist weisungsgebunden und hat das zu machen, was sein Herr sagt. Ein bisschen so waren auch die Rechtsvorschriften des alten Bundes. Wenn wir das Alte Testament auf seine Regeln und Vorschriften abklopfen, dann erinnern diese sehr an das Befehl- und Gehorsammodell der Bundeswehr.

Was zeichnet einen Knecht noch aus ? Für seine Arbeit erhält er einen mehr oder weniger gerechten Lohn. Hat der Arbeitgeber diesen entrichtet, dann sind die Ansprüche auf beiden Seiten befriedigt. Keiner hat mehr einen weiteren Anspruch an den jeweils anderen.

In aller Regel wird der Knecht nicht im Herrschaftshause wohnen, sondern er wird in einem Gesindehaus untergebracht. Herrscher und Knecht zusammen in einer Wohnung, das war schon damals undenkbar. Jetzt denken wir einmal kurz zurück an die Opfervorschriften des Alten Testamentes.
Nur der Hohepriester durfte das Allerheiligste betreten. Allen anderen war dies strikt verboten.

Der Knecht ist in der Rangordnung natürlich unterhalb seines Herren. Er wird stets darauf bedacht sein, keine Auseinandersetzung mit seinem Herrn zu riskieren. Er weiß ja um dessen weite Machtbefugnisse.

Und dann kommt noch etwas ganz entscheidendes hinzu. Hat der Knecht sich einen Fehler zuviel geleistet, dann kann er auch von heute auf morgen entlassen werden. Dieses Gottesbild finden wir zur Zeit Jesu noch als das vorherrschende Gottesbild. Gerade deswegen war ein jeder peinlichst darauf bedacht, nur nichts falsch zu machen.

Unter diesem Gott zu leben war sicherlich alles andere als einfach.
Gott sei Dank müssen wir dies heute auch nicht mehr.

2. Die Kindschaft

Waren die Menschen des Alten Testamentes noch Knechte Gottes, so legte Jesus mit Seiner Geburt den Grundstein dafür, dass wir aus der Knechtschaft entlassen werden können und uns dazu entscheiden können, Gottes Kinder zu werden.

Wollen wir uns zusammen einmal anschauen, welche Vorteile dies denn für uns bringt.

Alle, die wir Kinder sind oder Kinder in die Welt gesetzt haben, sind Erben oder werden Erblasser sein. Das ist schon ein ganz gewaltiger sozialer Standesunterschied zum Knecht. Alles, was unser Vater hat, das dürfen auch wir in Anspruch nehmen.

Als Kind sind wir schon Miteigentümer an dem, was unseren Vätern und Müttern gehört. Ebenso ist es als Kind Gottes. Schon hier auf Erden „gehört“ uns der Himmel. Schon hier auf Erden dürfen wir uns darauf verlassen, dass wir die Ewigkeit in Gottes Vaterhaus verbringen dürfen, in der Gemeinschaft aller unserer Glaubensgeschwister, die uns vorangegangen sind.

Gott als liebender Vater ist nicht der drohende Gott oder der angsteinflößende Gott, sondern ein Vater, der sehr um das Wohl Seiner Kinder besorgt ist. Wir dürfen mit all unseren Nöten, Sorgen und Problemen zu Ihm kommen und diese vor Ihm ausbreiten. ER wird schon eine Lösung dafür finden. Einem Knecht steht dieser Anspruch sicherlich nicht zu.

„Gott auf Augenhöhe“ begegnen soll bitte nicht arrogant klingen. Aber es ist in der Tat so, dass wir als Seine Kinder nicht demutsvoll durch die Welt laufen sollen und ständig und überall proklamieren sollen, was für armselige Sünder wir doch sind. In dem Moment, wo ich Gottes Opfertod zur Tilgung meiner Sünden in Anspruch genommen habe, ab diesem Augenblick bin ich vor Gott reingewaschen. Ich stehe nicht als armer Sünder vor Ihm, sondern als SEIN geliebtes Kind.

Ein Knecht, und das haben wir vorhin gehört, kann aus seiner Position entlassen werden, wenn er für seinen Dienstherrn nicht mehr tragbar ist.
Wie sieht das denn bei uns aus ? Lukas beschreibt die Rechtsfolgen der Kindschaft Gottes sehr schön in dem Gleichnis von dem verlorenen Sohn.

Dieser hatte nun so alles in seinem Leben verbockt, was man nur irgendwie verbocken kann. Und als er sich zur Umkehr entschloss, da wartete nicht ein Vater auf ihn der sagte: „Das habe ich ja gleich gewusst“. Nein, liebe Gemeinde, als der verlorene Sohn die Heimreise antrat, da lief ihm der Vater, dessen Erbteil er auf den Kopf gehauen hatte, entgegen und nahm ihn liebevoll in seine Arme.

Also, als Gottes Kinder werden uns all unsere Verfehlungen vergeben, wenn wir sie denn auch bereuen. Wir müssen niemals die Angst haben, unsere Kindschaft zu verlieren.

Was sollten wir jetzt als geliebte Kinder mit nach Hause nehmen ? Wir sollten auf die Worte unseres Vaters hören und diese in unserem Leben umsetzen. Wir können sie im Gottesdienst hören, aber auch in unseren ganz privaten, intimen Gesprächen mit unserem Herrn. Wenn wir unsere Antennen wieder auf Empfang gestellt haben, dann werden wir ganz schnell wieder die liebende Vaterstimme in unserem Herzen wahrnehmen können.

Was sollten wir als erstes tun ?
Ganz einfach, unserem Herrn dafür danken, was ER alles für uns getan hat.

Diese Dankbarkeit drückt der Liederdichter Johann Rist sehr schön in dem 8. Vers seines Liedes: „Auf, auf, ihr Christen alle“ (EG 536) aus, der da lautet,wie folgt:

Nun, Herr, du gibst uns reichlich, wirst selbst doch arm und schwach;
du liebest unvergleichlich, du jagst den Sündern nach.
Drum wolln wir all in ein die Stimmen hoch erschwingen,
dir Hosianna singen und ewig dankbar sein.

Und so wollen wir uns alle unter den Segen stellen, unter dem auch schon die Israeliten des Alten Bundes gestanden haben:

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse SEIN Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe SEIN Angesicht über Dich und gebe Dir SEINEN Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen noch einen besinnlichen 1. Weihnachtstag und verabschiede mich bis zum morgigen Tage mit herzlichen Segensgrüßen

Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Reformationstag des Jahres 2012. In der vorlutherischen Zeit trieb der Glaube manchmal recht seltsame Blüten. Denken wir nur einmal an die Ablassbriefe, mit welchen die Hinterbliebenen den bereits Verstorbenen, die Fegefeuerzeit
verkürzen, wenn nicht sogar ganz erlassen konnten. „Die Seele in den Himmel springt, wenn das Geld im Kasten klingt.“ Dies haben wir sicherlich alle schon gehört. Nun, Luther hat mit diesem (Aber)Glauben Schluss gemacht und uns den Weg hin zu Gott wieder bewusst gemacht. Dies
musste auch der Apostel Paulus schon bei den Galatern tun. Denn auch sie waren von dem wahren Weg abgewichen und „ruderten“ glaubensmäßig zurück. Daher die ernste Ermahnung in unserem heutigen Predigttext an die Galater. Wir finden den Predigttext für den heutigen Reformationstag im 5. Kapitel des Galaterbriefes, die Verse 1-6. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen.

Aufruf zur rechten Freiheit

Zur Freiheit hat uns Christus befreit ! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen ! Siehe, ich, Paulus, sage euch: Wenn ihr euch beschneiden lasst, so wird euch Christus nichts nützen. Ich bezeuge abermals einem jeden, der sich beschneiden lässt, dass er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist. Ihr habt Christus verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, und seid aus der Gnade gefallen. Denn wir warten im Geist durch den Glauben auf die Gerechtigkeit, auf die man hoffen muss. Denn in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe tätig ist.

Liebe Gemeinde,

wie Paulus die Gemeinde zur Ordnung gerufen hat, so hat dies auch Dr. Martin Luther mit seinen reformatorischen Prinzipien getan, die da lauten:

Sola Scriptura – Allein die Schrift
Sola Fide – Allein durch den Glauben
Sola Gratia – Allein durch Gnade

Lassen Sie uns am heutigen Tage ein wenig näher mit diesen reformatorischen Grundprinzipien befassen.

1. Allein die Schrift

Zu allen Zeiten, angefangen bei Mose und seinem Volk bis hin in unsere heutige Zeit gab und gibt es die Tendenz nicht die Bibel allein als Grundlage des Glaubens zu nehmen, sondern diversen Auslegungen einen gleichen Stellenwert beizumessen.

Solange diese Auslegungen das Wort Gottes auch durch die Bibel gestützt auslegen, ist daran auch gar nichts zu bemängeln. Wenn die Bibel durch die Bibel ausgelegt wird, dann ist dies der richtige Weg, weil die Schrift allein durch die Schrift ausgelegt werden kann.

Häufig wird aber in die ein oder andere Bibelstelle etwas hineininterpretiert, welches dann im Laufe der Zeit zum Dogma wird. Und da Dogmen in aller Regel unumstößlich sind und auch nicht mehr
hinterfragt werden, sind sie so brandgefährlich. Nehmen wir nur einmal das Glaubensbild der Zeugen Jehovas. Auf den ersten Blick betrachtet ist dies alles Bibelkonform. Erst, wenn man etwas tiefer in die Materie einsteigt, erkennt man die systematische Veränderung der Schrift durch
Anpassung der Schrift an das eigene Glaubensverständnis.

Und davor warnte nicht nur Paulus die Galater, das meint Luther auch, wenn er sagt: Allein die Schrift. Was ich sage oder irgend ein anderer Prediger das ist völlig bedeutungslos, wenn es sich nicht durch die Bibel nachweisen lässt.

Deshalb auch mein dringender Appell an Sie alle. Egal, was Ihnen auch immer gepredigt wird. Lesen Sie in der Bibel etwas anderes, dann sprechen sie den Pfarrer oder die Pfarrerin darauf an.

Ich weiß nicht, ob sie in der vergangenen Woche die Morgenandachten gehört haben. In meiner Region ist der Sender WDR 2 dafür zuständig. Am Montag, den 22.10.2012 hörte ich bei der Morgentoilette die eindringliche Warnung eines Religionslehrers, wir sollten uns nicht wegen der Hölle verrückt machen. Die Hölle gibt es nämlich gar nicht. Und wenn es sie geben sollte, dann wäre sie leer. Wir können tun und lassen was wir wollen. Wir kommen alle in den Himmel. Bitte, bitte, schenken Sie solchen Äußerungen keinen Glauben. Lesen Sie einmal die Evangelien und das was Jesus zum Thema Hölle zu sagen hat.

2. Allein durch Glauben

Egal welche religiösen Purzelbäume wir auch veranstalten, wir werden es nicht schaffen durch unsere eigenen religiösen Leistungen in den Himmel zu kommen.

Wir können noch so viel spenden, noch so oft in die Kirche gehen und eine Wallfahrt nach der anderen durchführen. Das alles zählt am Tage X überhaupt nichts.

Wenn wir vor dem Schöpfer stehen, dann zählt nur noch eins, nämlich unser Glaube. Unser Ja zu der Erlösungstat unseres Herrn, dies allein sichert uns unser Heimatrecht im Himmel. Paulus führt dies noch ein wenig weiter aus, indem er sagt, der Glaube, der durch die Liebe tätig wird.

Das „Ja, ja ist schon gut, ich glaub das mal“, das ist nicht gemeint, wenn Luther sagt „Allein durch den Glauben“. Wenn ich aus dem tiefsten Inneren meines Wesens mein JA gesagt habe und mein Leben Gott übergeben habe, dann regiert Er auch fortan in mir. Und wenn Er regiert, dann ist in meinem Herzen kein Platz mehr für Hass, Neid und Eigensucht. Dann erfüllt Er mein Herz mit reiner, lauterer Liebe.

Getrieben von der Liebe, mit der ich geliebt werde, brenne ich darauf, diese Liebe weiter zu geben. Schauen wir nur einmal auf die großen Glaubenshelden. Das waren allesamt Frauen und Männer, deren Herz vor Liebe brannte und die diese Liebe ganz einfach weitergegeben haben.

3. Allein durch Gnade

Wir hatten gerade schon ein wenig über eigene Verdienste geredet. Allein die Gnade ist es, die uns die Tür zum Himmel öffnet und uns den Eintritt gewährt.

Wir haben durch nichts auf der Welt ein Anrecht erworben, in den Himmel zu gelangen. Es ist allein die Gnade Gottes, die uns diese Gnade gewährt. Er gewährt sie allen, die ehrlichen Herzens zu Ihm kommen. Aber Achtung, liebe Gemeinde, Dietrich Bonhoeffer hat es schon gesagt „Billige Gnade gibt es nicht“.

Was heißt eigentlich Gnade ? Wir kennen sicherlich alle das Gnade vor Recht Prinzip. Wenn der Richter Gnade vor Recht gelten lässt, dann verzichtet er darauf, den Schuldigen der verdienten Strafe zuzuführen. Der Schuldige kann sich diese Gnade nicht verdienen, er kann nur eines tun, nämlich inständig um Gnade bitten.

Dieses Wissen lässt uns demütig werden vor Gott und lässt uns Ihm bekennen, dass wir den Himmel überhaupt nicht verdient haben. Wenn wir dies erkennen und Ihm dies bekennen, dann ist Er uns gnädig. Dann haben wir auch den immensen Wert dieser Gnade richtig erkannt, dann ist es in der Tat keine billige Gnade mehr.

Ich weiß, die Worte heute waren nicht leicht. Dies können sie auch nicht sein. Ich gehe mal davon aus, dass wir alle in den Himmel kommen möchten, das geht aber nur durch sola scriptura, sola fide und sola gratia. Aber sehen wir es doch einmal von der anderen Seite. Stellen Sie sich vor, jeder Mensch müsste auf Erden einen bestimmten Punktescore erreichen um in den Himmel zu kommen. Das wäre wohl kaum mehr zum aushalten. Da halten wir uns doch lieber an die lutherischen
Reformationsprinzipien.

Der Liederdichter Friedrich Hiller drückt die Barmherzigkeit unseres Herrn sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes „Mir ist Erbarmung widerfahren…“ aus, der da lautet, wie folgt:

Mir ist Erbarmung widerfahren, Erbarmung, deren ich nicht wert;
das zähl ich zu dem Wunderbaren, mein stolzes Herz hat’s nie begehrt.
Nun weiß ich das und bin erfreut und rühme die Barmherzigkeit.

Der Herr segne Dich auf Deinem Wege zu IHM
Der Herr behüte Dich auf Deinem Wege mit IHM
Der Herr beschütze Dich auf allen Deinen Wegen für SEIN Reich

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Reformationstag. Bis zum nächsten Sonntag mögen Sie alle unter der Gnade Gottes Ihren Weg gehen.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 15. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Brief des Paulus an die Galater, im 5. und im 6. Kapitel. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln. Lasst uns nicht nach eitler Ehre trachten, einander nicht herausfordern und beneiden. Liebe Brüder, wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid; und sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest. Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Denn wenn jemand meint , er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst. Irret euch nicht, Gott lässt sich nicht spotten. Denn was der Mensch sät, das wird er ernten. Wer auf sein Fleisch sät, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten. Lasst uns aber Gutes tun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht nachlassen. Darum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.

Liebe Gemeinde,

der Galaterbrief ist der einzige Brief des Apostel Paulus, der nicht mit einladenden wohlklingenden Worten und Grüßen beginnt. Dieser Brief geht sofort zur Sache. Warum eigentlich ? Nun, die Galater, das erfahren wir immer wieder in dem Brief von Paulus, hatten sich nach ihrer Bekehrung
sehr schnell eine eigene Religion zurechtgelegt. Und genau an dieser Stelle greift Paulus an und ermahnt die Galater, doch wieder zu der ursprünglichen Lehre zurück zu kehren.

Geht es uns nicht heute auch manchmal so. „Das kann man auch anders sehen.“ „Das wird schon nicht so schlimm sein.“ „Da drückt Gott bestimmt mal ein Auge zu.“ Das sind Sprüche, die uns doch immer wieder begegnen.
Gerade diese Laschheit kann sich ganz schnell verselbständigen. Und ohne dass es einem bewusst wird, hat man die christliche Lehre auf den Kopf gestellt. Schauen wir uns doch heute morgen einmal drei Punkte an, die Paulus den Galatern als Basis für den Glauben und das Glaubensleben
mit auf den Weg gibt.

1. Einer für alle, alle für einen

Zugegeben, diese Aussage finden wir bei den drei Musketieren. Paulus drückt es natürlich eleganter aus, wenn er sagt: Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Da fällt mir eine Begebenheit ein, die sich vor Jahren bei den Paralympics zugetragen hat.
Im Finale des 800 Meterlaufes stürzte ein Läufer. Alle Finalisten unterbrachen ihren Lauf, halfen dem gestürzten Läufer auf die Beine, hakten ihn unter und überquerten gemeinsam die Ziellinie. Genau dieses Bild beschreibt sehr gut, was Paulus uns mitteilen will.

Wir können das Ziel unseres Lebens, das Leben in Gottes Ewigkeit auch gemeinsam erreichen. Wir können es erreichen indem wir anderen helfen, auch dorthin zu kommen. Sogar Menschen, die in ihrem Leben mal hingefallen sind, auch diesen dürfen und sollen wir wieder auf die Beine helfen und ihnen helfen ihr Ziel zu erreichen. Es geht also nicht so sehr um uns, sondern vielmehr um unsere Mitmenschen.

Unsere Mitmenschen sind keine Hindernisse auf unserem Lebensweg, sondern Gottes Prüfsteine für uns auf dem Weg hin in Gottes Ewigkeit. Und genau so sollen wir sie auch behandeln. Nicht nur wir haben Probleme, alle unsere Mitmenschen haben auch welche. Nicht nur wir haben manchmal
schlechte Tage, unsere Mitmenschen haben diese auch. Und gerade diese Lasten sollen wir unseren Mitmenschen abnehmen und sie selber tragen oder zumindest aber ihnen dabei helfen ihre Last zu tragen. Das kann das aktive Eingreifen sein, aber es kann auch das aufmunternde oder tröstende Wort sein.

2. Gott lässt sich nicht spotten

Mittlerweile kann ja jeder dumme Schuljunge ganz offen dumme Witze über unseren Herrn und Heiland machen und er erntet dafür meist auch noch schallendes Gelächter. Wir sind, und da brauchen wir uns nur einmal umzusehen, auf dem Wege eine ganz und gar gottlose Gesellschaft zu
werden. Viele christliche Werte, wie Treue, Ehrlichkeit und Hilfsbereitschaft werden doch nur noch belächelt.

Warum in der Ehe treu sein. Andere Mütter haben auch schöne Töchter. Und es merkt doch keiner. Und Ehrlichkeit? Wie soll ich denn beruflich weiterkommen, wenn ich es mit der Wahrheit immer ganz genau nehme? So manchen Fehler kann ich doch auch ungesehen vertuschen. Und dann noch
die Hilfsbereitschaft. Wenn jeder nur an sich denkt, dann ist doch auch an alle gedacht. Das ist es doch, was die Welt da draußen ausmacht. Und diese Welt macht auch vor den Christen nicht halt.

Es ist doch nicht so, dass die Welt einen großen Bogen um uns Christen macht und uns in Ruhe und Frieden leben lässt. Nein, wir Christen sind auch Teil dieser Welt und somit all ihren Verführungen tagtäglich ausgesetzt. Und genau hier sagt Paulus etwas ganz entscheidendes: Gott lässt sich nicht spotten. Auch wenn wir es nicht wahr haben wollen, aber es ist jemand bei uns , der alles sieht, was wir gerade machen. Er kennt auch all unsere Gedanken. Das will uns Paulus wieder in unser Gewissen einhämmern. Bei allem, was wir tun, sollen wir uns immer bewusst sein, dass sich Gott nicht verspotten lässt.

Nichts, liebe Gemeinde, geschieht im Geheimen. Vor Gott erstrahlt alles, aber auch wirklich alles im hellen Licht. Um jetzt nichts falsches zu denken. Gott sitzt nicht auf einer Wolke und notiert all unsere Fehler. Er nimmt nur alles wahr, was wir denken, fühlen und tun.

3. Körper und Geist

Nach fernöstlicher Lehre bilden Körper und Geist eine Einheit. Bis zu einem gewissen Grade stimmt dies auch. Unser irdischer Körper trägt uns durch unser Leben hindurch. Dieser Körper ist aber durch das Gesetz der Erbsünde durch und durch mit der Sünde verseucht. Der irdische Körper
ist geradezu dazu prädestiniert zu sündigen.

Erst wenn wir in die Gegenwart Gottes gelangen, also erst dann, wenn wir uns zu ihm bekehren zieht der heilige Geist bei uns ein. Wenn wir auf ihn und seine Ratschläge und Mahnungen hören, dann können wir ein Leben im Geist, also ein Leben IN Gott schon hier auf Erden führen. Natürlich werden wir auf Erden niemals Gottes Ansprüchen gerecht werden, aber der tiefe, innere gute Wille ist es, was zählt.

Wir können aber auch sagen: Gut, wir haben uns bekehrt und leben so weiter wie bisher. Das taten übrigens im Ansatz die Galater. Und in diese Situation hinein sagt ihnen Paulus, dass dies natürlich nicht geht. Pragmatisch sagt Paulus: Wenn ihr so weiter lebt, wie jetzt, dann kommt ihr in die Hölle. Wenn ihr aber den heiligen Geist in euch wirken lasst, dann erreicht ihr das ewige Leben.

Liebe Gemeinde, was Paulus uns mitteilen will, ist dass wir als Christen auf das hören sollen, was uns Gott mitteilt. Das ist einfach daher gesagt, aber wie soll das gehen? Nun, indem wir regelmäßigen Kontakt zu Gott halten im Gebet, indem wir sein Wort regelmäßig lesen und indem wir in christlichen Gemeinschaften gemeinsam viel über ihn und seinen Willen erfahren.

Wenn wir diesen paulinischen Ratschlag annehmen, dann sind auch wir auf dem besten Wege, das ewige Leben zu erlangen. Und das ist es, was Gott will. Gott will, dass alle Menschen gerettet werden. Gott will nicht, dass auch nur ein einziger Mensch in die Hölle kommt.

Der Liederdichter Johann Jakob Rambach beschreibt das Leben IN Gott sehr schön in dem 5. Vers seines Liedes „Ich bin getauft auf deinen Namen…“, der da lautet, wie folgt:

Ich gebe dir, mein Gott, aufs neue Leib, Seel und Herz zum Opfer hin; erwecke mich zu neuer Treue und nimm Besitz von meinem Sinn.
Es sei in mir kein Tropfen Blut, der nicht, Herr, deinen Willen tut.

Der Herr schenke Dir die Einsicht, die Nöte Deiner Mitmenschen zu erkennen
Der Herr schenke Dir die Kraft, die Last Deiner Mitmenschen zu tragen
Der Herr schenke Dir immer wieder die Gnade, IN ihm zu wohnen

Amen.

Liebe Gemeinde,

wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen fröhlichen
Start in diese neue Woche

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 11.Sonntag nach Trinitatis. „Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“ Mit diesem Wochenspruch aus dem 1. Petrusbrief beschäftigt sich auch der heutige Predigttext. Wir finden den Predigttext für den
heutigen Sonntag im 2. Kapitel des Galaterbriefes, die Verse 16-21. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Doch weil wir wissen, dass der Mensch durch die Worte des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch Werke des Gesetzes wird kein Mensch gerecht. Sollten wir aber, die wir durch Christus gerecht zu werden suchen, auch selbst als Sünder befunden werden – ist dann Christus ein Diener der Sünde ? Das sei ferne ! Denn wenn ich das, was ich abgebrochen habe, wieder aufbaue, dann mache ich mich selbst zu einem Übertreter. Denn ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt. Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der
mich geliebt hat und sich selbst für mich dahin gegeben. Ich werfe nicht weg die Gnade Gottes; denn wenn die Gerechtigkeit durch das Gesetz kommt, so ist Christus vergeblich gestorben.

Liebe Gemeinde,

am heutigen Sonntag erfahren wir von dem Apostel Paulus etwas über die zwei Lebensformen, die es auf Erden gibt. Für eine von beiden müssen wir uns entscheiden, und nur eine von den beiden führt uns in den Himmel. Grund genug, dass wir uns am heutigen Sonntag einmal mit der Frage
beschäftigen „Wie komme ich in den Himmel ?

1. Ich lebe

Erst komm ich und dann komm ich und dann kommst Du noch lange nicht. Wer kennt ihn nicht, diesen Satz, der zwar etwas abgedroschen daherkommt, aber immer noch aktuell große Teile unserer Gesellschaft widerspiegelt.

Das „ich lebe“ stimmt überhaupt nicht. Jetzt werden alle diejenigen zusammenzucken, die meinen, dass sie ihr Leben selber in der Hand haben und selber bestimmen, wie es weitergeht und wo das Leben hingeht. Denken wir nur einmal über ein Szenario nach: Wir verlassen nach dem Gottesdienst die Kirche, gehen nach Hause und ein unachtsamer Autofahrer überfährt uns. Muss nicht passieren, könnte aber passieren. Hat das wohl derjenige bedacht, der angeblich der Herr über sein Leben ist.

Ich denke gerade an einen erfolgreiche Manager, der stets lächelnd die Wirtschaftsbühnen und Konferenzräume der Welt betrat und sie alsbald als Sieger wieder verließ. Irgendwann unterhielten wir uns einmal. Er machte einen nicht mehr so fröhlichen Eindruck und bezeichnete sich selbst als
„Wrack im Frack“.

Er, der immer alles im Griff hatte, hatte auf einmal begriffen, dass nicht ER alles im Griff hatte, sondern das es etwas ganz anderes war, dass ihn fest im Griff hatte. Und das hatte schon in der Kindheit angefangen. Jungen weinen nicht, da musst du durch, zäh, wie Leder hart wie Kruppstahl, das war die Devise unter der er erzogen worden war.

Das prägte seine Grundeinstellungen. Dann kam noch die Eliteschule hinzu. Religionsunterricht gab es nicht, dafür war schließlich keine Zeit. Body und Geist fit halten und stählen das war die Prämisse, um schließlich weiter zu kommen. Und so hatte ihn die Gesellschaft ganz fest im Griff.

Dass er eine anspruchsvolle Frau geheiratet hatte tat noch sein übriges hinzu. immer weiter und immer weiter wurde er getrieben, bis er schließlich erkannte, dass ETWAS ihn nicht nur im Griff hatte, sondern zu zerstören versuchte.

Liebe Gemeinde, auch wir laufen Gefahr uns in die Täuschungsfalle des „ich lebe“ zu begeben. Nehmen wir doch nur einmal den jungen Mann, der nach seinem Abitur sagt: „Jetzt will ich erst einmal leben, bevor der Ernst des Lebens beginnt.“ Woher nimmt er das, was er Leben nennt ? Er
nimmt es auf von außen. Die Werbung sagt uns, was wir anziehen müssen, wo wir unbedingt einmal in unserm Leben gewesen sein müssen und auch was wir zu denken haben.

Ausgerüstet mit diesem „Lebensanzug“ starten wir dann unser Leben, das ja gar nicht mehr unser Leben ist. Um es uns leisten zu können müssen wir natürlich auch etwas leisten. Und wenn wir mehr leisten, dann können wir uns noch mehr leisten. Spätestens dann, wenn wir ausgelaugt auf
freier Strecke stehen, dann stellen wir fest, dass dies alles keinen tieferen Sinn macht.

Wohlgemerkt, ich rede nicht von Karriere und finanziellem Wohlstand schlechthin. Ich rede davon, dass dies alles allein unser Leben bestimmen kann, wir hingegen meinen, dass wir unser Leben selbst bestimmen.

2. Doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir

Das, liebe Gemeinde, ist die Lebensform, die uns in den Himmel bringt. Wir bestimmen nicht mehr, was in unserem Leben geschieht, sondern der Herr Jesus.

Der Herr Jesus bestimmt mein Leben, ich muss nur noch nachfolgen. Auch hier wieder gleich ein Hinweis, bevor es zu Unstimmigkeiten kommt: Ich muss nur nachfolgen, das Tempo hingegen bestimmt mein Herr. Und das kann manchmal rasend schnell gehen. Nachfolge ist kein Leben in der Hängematte, sondern häufig ein Leben auf der Überholspur. Ein Leben eben, wie Gott es sich mit und für uns vorgestellt hat.

Allerdings werden wir eines niemals sagen können, nämlich dass wir ein Wrack im Frack sind, wenn wir aktiv in der Nachfolge leben. Dieses Leben IN Christus führt uns trotz aller Turbulenzen immer wieder in ein ruhiges Fahrwasser. Und wir können auch in den Stürmen unseres Lebens
sicher sein, dass unser Schiff auf Kurs bleibt.

Ein alter Seemann sagte es einmal nach einem Gottesdienst sehr schön, wie folgt: „Das Leben mit Gott ist wie mit einem Dreimaster der total übertakelt ist, eigentlich untergehen müsste, aber trotzdem den sicheren Hafen der Ewigkeit erreicht.“

Was ist nun der Unterschied zwischen beiden Lebensformen ? Nun, bei der „ich lebe“ muss ich mich jeden Tag wieder zu Höchstleistungen motivieren, um am Ende festzustellen, dass alles doch irgendwie sinnlos war. Bei der „Doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir“ Lebensform muss ich nur einmal die richtige Entscheidung treffen und Jesus mein Leben in seine Hände legen.

Fortan übernimmt er als Steuermann die Fahrt in unserem Leben. Nicht mehr ich sitze auf dem Thron des Lebens, sondern der Herr Jesus übernimmt die Königsherrschaft. Jeden morgen nach dem Erwachen kann ich ganz gespannt abwarten, was heute wieder alles geschehen mag. Und
geschieht etwas nicht so, wie ich das möchte, dann passiert etwas, das besser für mich ist. Das hat er versprochen und das hält er auch.

Und das allerwichtigste ist, dass ich mit IHM als Steuermann ganz genau weiß, dass ich im Heimathafen der Ewigkeit ankommen werde, egal wieviel Unwetter ich mit dem Herrn Jesus durchfahre. Ich glaube, dass wir alle, die wir unser Leben auf den Herrn Jesus Christus gesetzt haben, die einzig richtige Entscheidung getroffen haben. Jedenfalls habe ich bis heute, und ich bin nun schon 54 Jahre alt, noch keinen Menschen getroffen, der seine Entscheidung gern revidiert hätte.

Die Liederdichterin Julie Hausmann drückt diesen Weg mit Jesus als Herrscher sehr schön in dem ersten Vers ihres Liedes „So nimm denn meine Hände“ aus, der da lautet, wie folgt:

So nimm denn meine Hände und führe mich
bis an mein selig Ende und ewiglich.
Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt:
wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.

Der Herr behüte und bewahre Dich auf Deinem Weg mit ihm
Der Herr sei stets an Deiner Seite auf Deinem Lebensweg
Der Herr führe Dich sicher an den Platz, den er für Dich bereitet hat

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen sonnigen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber