Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 1. Sonntag nach Epiphanias. In diesem Jahre beschäftigen sich zahlreiche Predigttexte mit dem Thema Glauben, Sehen und Bezeugen, also den zentralen Themen unsere Christseins. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Evangelisten Johannes im 1. Kapitel, die Verse 29-34. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Das Zeugnis des Täufers vom Lamm Gottes

Am nächsten Tag sieht Johannes, dass Jesus zu ihm kommt, und spricht:
Siehe, das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt ! Dieser ist’s, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der vor mir gewesen ist, denn er war eher als ich. Und ich kannte ihn nicht. Aber damit er Israel offenbart werde, darum bin ich gekommen, zu taufen mit Wasser. Und Johannes bezeugte und sprach: Ich sah, dass der Geist herabfuhr wie eine Taube vom Himmel und blieb auf ihm. Und ich kannte ihn nicht. Aber der mich sandte, zu taufen mit Wasser, der sprach zu mir: Auf wen du siehst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, der ist’s, der mit dem heiligen Geist tauft. Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist Gottes Sohn.

Liebe Gemeinde,

Stationen des Glaubens. So würde ich die heutige Predigt überschreiben. Lassen Sie uns doch diese Stationen einmal etwas näher betrachten.

1. Gehen statt Warten

Gehen wir noch einmal in Gedanken zurück in die Wüste, wo Johannes steht und predigt. Heerscharen von Menschen kommen zu ihm und wollen sich taufen lassen. Johannes ist nicht von Haus zu Haus gezogen und hat die Menschen eingeladen, nein die Menschen haben sich aufgemacht hin zu ihm um sein Wort zu hören.

Genau das sollen wir auch heute machen. Wir sollen uns aufmachen, aufmachen hin zu Gott. Gewiss, wir müssen heute nicht mehr in die Wüste gehen, um Jesus zu hören. Wir müssen uns aber innerlich aufmachen, und uns auf den Weg hin zu Ihm machen. Aufschieberitis und stoisches
Aufsitzen hat noch keinen Menschen hin zu Jesus geführt.

2. Die Botschaft und der Botschafter

Stellen wir uns doch einmal vor, wir sind irgendwo im Ausland und haben unsere Papiere verloren. Wir müssen dann zur Botschaft gehen und dort die Ausstellung neuer Papiere beantragen. Bekommen wir diese von der Botschaft ? Nein, die Botschaft ist nur der Ort, WO wir Hilfe beantragen können, aber nicht die Person, die uns hilft. Gewiss, wenn wir nicht wissen wo die Botschaft ist, können wir uns auch nicht auf den Weg machen. Aber die eigentliche Hilfe erfahren wir von dem Botschafter, bzw. von dem Personal, das der Botschafter beauftragt hat.

Übertragen wir dies doch einmal auf unseren christlichen Glauben. Wir brauchen nämlich auch dort Beides, die Botschaft und den Botschafter. Die Botschaft, also die Bibel benötigen wir, damit wir erkennen können, dass wir von Natur aus auf ewig verloren sind. Aber gleichzeitig erfahren wir in der Botschaft, dass es eine Hilfe gibt, die uns erretten kann. Und diese Hilfe geht von unserem Herrn Jesus Christus aus.

Wenn wir Ihm unser Leben übergeben, dann treten wir in das Entscheidende ein, nämlich in eine persönliche Beziehung zu unserem Retter. Nicht nur die Vergebung unserer Sünden will Er uns schenken, nein ein Leben lang will Er unser alltäglicher Begleiter sein.

Wir sehen, die Botschaft ist wichtig zur Erkenntnis, aber der Botschafter ist der eigentliche Erretter, der auf den es eigentlich ankommt. Wenn wir Ihm unser Leben übergeben, dann sind wir errettet bis in alle Ewigkeit.

Was Johannes uns indirekt damit andeuten will ist auch die Tatsache, dass äußerlicher Glaubenswandel uns nicht in den Himmel bringt. Wir können noch so viele Gottesdienste, Messen und andere christliche Veranstaltungen besuchen. Wenn wir keine persönliche Beziehung zu
unserem Herrn Jesus Christus unterhalten, sind wir nicht errettet.

3. Sehen und Bezeugen

Dieser Punkt schließt nahtlos an den zweiten Punkt an. Sehen und Bezeugen, das sind unsere Aufgaben als Christen. „Ich glaube nur, was ich sehe.“ Das kennen wir doch alle, diese Phrase, wenn es um das Thema Glauben geht. Das Sehen indes, was Johannes der Täufer anspricht, ist
das Sehen mit den inneren Augen.

Von Natur aus sind unsere inneren Augen verschlossen. Wenn wir in eine lebendige Glaubensbeziehung zu unserem Herrn eintreten, dann öffnet ER uns unsere inneren Augen und wir können Seine Herrlichkeit spüren, fühlen und immer wieder auch erleben.

Im Prinzip müssen wir nichts anderes tun, als davon zu berichten, wie es uns und unserem Leben seit unserer Bekehrung ergangen ist. Mehr erwartet unser Herr nicht von uns. Aber das sollen wir aufrichtig tun. Den Rest erledigt Er selber.

Der letzte Satz mag etwas flappsig klingen. Aber ein Glaubenswunder dieser Art habe ich selber vor ein paar Wochen erlebt. Ich streite mich seit über 30 Jahren mit einem meiner Cousins, der ein eingeschworener Atheist war. Im Herbst letzten Jahres erlitt er einen Schlaganfall. Fast vollständig genesen dachte ich, dass unser Streit munter weitergeht. Als ich ihn besuchte, berichtete er mir, dass etwas zurückgeblieben sei nach seinem Schlaganfall.

Er hat ein Aortenaneurisma, eine mögliche Bruchstelle der Gefäße nahe am Herzen. Wenn dieses platzt bedeutet das unweigerlich seinen Tod. Ob und wann das passiert kann kein Mensch sagen. Er sagte mir, dass er keine Angst davor habe, da er jetzt wisse, wo er hinkommt, wenn das passiert.
Ich war natürlich mehr als erstaunt, als er mir erzählte, dass ihm der Herr Jesus in seinem Koma erschienen sei und er jetzt den Weg zum Glauben gefunden habe.

Dies hat mir wieder einmal gezeigt, dass es im Reich Gottes keine hoffnungslosen Fälle gibt. Und daher lassen Sie uns in unseren Bemühungen so weitermachen, wie wir es gewohnt sind.
Einfach auf SEIN Wort hören und SEINEM Wort vertrauen.

Dieses unerschütterliche Vertrauen in das Wirken Gottes beschreibt der Liederdichter Klaus Peter Hertzsch sehr schön in dem zweiten Vers seines Liedes „Vertraut den neuen Wegen…“, der da lautet, wie folgt:

Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit !
Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid.
Der uns in frühen Zeiten das Leben eingehaucht,
der wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht.

Der Herr gebe Dir die Kraft, Deinen Weg mit IHM zusammen zu gehen
Der Herr zeige Dir auf diesem Wege stets Orte wo er Dich will und braucht
Der Herr lasse Dich ein Segen für all Deine Mitmenschen sein

Amen

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen fröhlichen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Epiphanias. Die Feiertage sind nun endgültig vorbei und ein neues Jahr liegt fast noch komplett vor uns. Darum lassen Sie uns am heutigen Sonntag einmal ein wenig intensiver über die Jahreslosung für das Jahr 2013 nachdenken.
Wir finden die Jahreslosung im Hebräerbrief, Kapitel 13, den Vers 14:

„Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“

Liebe Gemeinde,

wenn ich an die Losungen der vergangenen Jahre denke, dann fiel uns eigentlich immer sofort etwas dazu ein. Als ich zum ersten Male die Jahreslosung für 2013 gesehen habe, fand ich daran nichts, was mich durch das Jahr 2013 begleiten, geschweige den tragen könnte. Und doch stecken drei Botschaften in dieser Jahreslosung verborgen, die unser Leben mit unserem Herrn nachhaltig gestalten können.

1. Alles hat ein Ende

Bei dem ersten Punkt unserer Jahreslosung geht es um die Perspektive, mit der wir die Welt betrachten und die dadurch auch unser Leben bestimmt. Es gibt eigentlich nur zwei Perspektiven, die unser Leben bestimmen können.

Die erste Perspektive schaut in das Hier und Jetzt. Das Hier und Heute ist alles, was interessiert. Natürlich gewinnt dann alles an enormer Wichtigkeit, was um uns herum geschieht. Das Hier und Heute ist schließlich das Wichtigste auf der Welt.

Die andere Perspektive ist die, dass ich unter der Voraussetzung, dass alles einmal vergeht, dem Hier und Heute nicht meine ganze Aufmerksamkeit schenke. Wenn das, was heute ist, schon morgen vergehen kann, dann ist es doch eigentlich gar nicht mehr so wichtig, was mir heute passiert.

Wenn mich jemand ärgert, was soll’s, das geht vorbei. Wenn ich eine unangenehme Aufgabe erledigen muss, egal, auch das geht vorbei, wie alles einmal vorbei geht.

Zu wissen, dass wir hier keine bleibende Stadt haben kann uns ein ganzes Stück mehr Gelassenheit schenken. Und wenn ich die Dinge, die um mich herum geschehen mit etwas mehr Gelassenheit betrachten kann, werde ich automatisch ruhiger und umsichtiger. Wollen wir dies im Jahre 2013
einmal gemeinsam probieren ?

2. Die begrenzte Zeit

Nicht nur, was um uns herum geschieht vergeht, nein liebe Gemeinde, auch wir vergehen. Gott hat uns allen nur eine begrenzte Zeit auf Erden geschenkt. Diese sollen wir optimal ausnutzen.

Und womit ? Schauen wir doch einmal in den Schöpfungsbericht. Wann hat Gott den Menschen geschaffen ? Am sechsten Tage. Und was hat er danach gemacht ? Er hat sich ausgeruht.

Und dies ist auch Gottes Ansinnen an uns. Wir sollen unsere Zeit zunächst einmal dazu benutzen, um selber zur Ruhe, zur Ruhe vor unserem Schöpfer zu kommen.

Kann man sich das denn eigentlich noch erlauben in der heutigen Zeit, die durch die Multitaskingfähigkeit der Menschen bestimmt ist ? Wenn wir das nicht machen, dann laufen wir Gefahr sehr schnell ziellos und planlos durch unser Leben zu stolpern.

Gott ist nicht wichtig, was wir alles leisten, sondern wie es um unsere Beziehung zu Ihm gestellt ist. Je mehr wir beruflich und privat in Anspruch genommen werden, desto wichtiger ist es, dass wir uns Zeit für Gott nehmen.

Mensch (hier bitte den eigenen Namen einsetzen) ,
nimm Dich nicht so wichtig, nimm Dir Zeit für Gott!

Wenn wir die Beziehung zu unserem Vater im Himmel ordentlich pflegen, dann wird Er uns derart segnen, dass wir während unserer Zeit hier auf Erden auch für unsere Mitmenschen ein wahrer Segen sein können.

Ich bin gewiss kein Lehrmeister der Gottesbeziehung und schon gar kein Vorzeigechrist, aber ich kann Ihnen sagen, was ich tue, um eine lebendige Beziehung zu meinem Vater im Himmel aufrecht zu erhalten. Also, ich stelle meinen Wecker morgens 30 Minuten vor der eigentlichen Aufstehzeit, sodass ich die ersten 30 Minuten des Tages mit Gott im Gespräch verbringen kann.

Von Mönchen bin ich dazu inspiriert worden, bestimmte Unterbrechungen im Arbeitsalltag durchzuführen, um vor Gott zur Ruhe zu kommen. Dazu reichen schon 2-3 Minuten der intensiven Stille und Ruhe aus. Und, wenn ich zu Bett gehe, bespreche ich mit Gott noch einmal meinen ganzen Tag. Jeden Abend danke ich Gott für drei Ereignisse, die an diesem Tage geschehen sind.

Ich weiß nicht, wie es funktioniert, aber auf wunderbare Art und Weise leitet mich Gott durch mein Leben. Lassen Sie uns doch inspiriert durch unsere Jahreslosung diese intensive Gottesbeziehung wieder öfters pflegen. Wir werden alle überrascht sein, was Gott alles für uns parat hat, um unsere begrenzte Zeit auf Erden in Seinem Sinne auszufüllen.

3. Die Lebensreise

Unsere Bestimmung auf Erden ist es auch, das zu suchen, was uns nach unserem irdischen Tode erwarten kann, nämlich das Ewige Leben in der Gemeinschaft mit unserem Herrn.

Wenn wir eine Reise unternehmen, dann nehmen wir logischerweise auch Gepäck mit. Je mehr Gepäck wir mit uns herumschleppen, desto beschwerlicher wird die ganze Reise. Das hat wohl jeder von uns schon einmal am eigenen Leibe erlebt.

Und so ist es auch in unserem Leben. Was schleppen wir nicht alles für Lasten, Sorgen, Nöte und Bedrängnisse mit uns herum. Diese können manchmal so schwer werden, dass uns das weitere Laufen auf unserer Lebensreise nahezu unmöglich wird. Wir können uns gar nicht mehr auf das
Ziel konzentrieren, sondern nur noch auf unsere Last.

Schon der Herr Jesus sagt uns, dass wir unsere Lasten, Nöte und Sorgen bei IHM ablegen können. Lassen Sie uns dies auch tun, damit wir beschwingten Fußes den Weg hin zu IHM gehen können.

Jetzt müssen wir aber noch ein klein wenig auf der Hut sein. Viele Menschen legen Gott alle Sorgen, Nöte und Probleme vor und übertragen Ihm die zukünftige Wegweisung durch das Leben. Aber kaum ist dies geschehen, werden alle Nöte, Sorgen und Probleme wieder in den Rucksack
gepackt.

Ich wünsche uns allen, dass es uns immer wieder gelingen möge, alles, was uns bedrückt und irgendwie behindert unserem Herrn endgültig zu übertragen. Dann wird auf uns sicherlich ein segensreiches und fröhliches, von Seiner Führung geprägtes Jahr 2013 warten.

Wenn wir uns von allem lösen, was uns an einem Leben mit unserem Herrn hinderlich ist, dann fallen wahre Lasten von uns ab. Dies beschreibt auch schon der Liederdichter Johann Ludwig Konrad Allendorf sehr schön in dem zweiten Vers seines Liedes „Jesus ist kommen, Grund ewiger
Freude…“, der da lautet, wie folgt:

Jesus ist kommen, nun springen die Bande,
Stricke des Todes, die reißen entzwei.
Unser Durchbrecher ist nunmehr vorhanden;
er, der Sohn Gottes, der machet recht frei,
bringet zu Ehren aus Sünde und Schande;
Jesus ist kommen, nun springen die Bande.

Der Herr schenke Dir im Jahre 2013 etwas mehr Gelassenheit auf allen Deinen Wegen
Der Herr lasse Dich auch in diesem Jahre erkennen, wie Du IHM recht dienen kannst
Der Herr lasse Dich auch in diesem Jahre immer wieder die gewisse Hoffnung des ewigen Lebens spüren

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag. Für die nächste Woche wünsche ich Ihnen allen Gottes reichen Segen auf allen Ihren Wegen.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen letzten Sonntag nach Epiphanias. Unseren heutigen Predigttext finden wir im 2. Buch Mose, Kapitel 3, die Verse 1-10. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Moses Berufung

Mose aber hütete die Schafe Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe über die Steppe hinaus und kam an den Berg Gottes, den Horeb. Und der Engel des Herrn erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde. Da sprach er: Ich will hingehen und die wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt. Als aber der Herr sah, dass er hinging, um zu sehen, rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose, Mose ! Er antwortete: Hier bin ich. Gott sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von den Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land ! Und er sprach weiter: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott
Isaaks und der Gott Jakobs. Und Mose verhüllte sein Angesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen. Und der Herr sprach: Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen und ihr Geschrei über ihre Bedränger gehört; ich habe ihre Leiden erkannt.
Und ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie herausführe aus diesem Land in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt, in das Land der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter. Weil denn nun das Geschrei
der Israeliten vor mich gekommen ist und ich dazu ihre Not gesehen habe, wie die Ägypter sie bedrängen, so geh nun hin, denn ich will dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führst.

Liebe Gemeinde,

augenscheinlich geht es in unserem Predigttext um die Berufung des Mose. Wenn wir hingegen den Text ganz genau betrachten, dann finden wir dort drei versteckte Botschaften, die wir schnell überlesen. Lassen Sie uns daher den heutigen Sonntag nutzen, indem wir uns mit diesen drei
Botschaften ein wenig näher beschäftigen.

1. Unsere Berufung

Es geht in unserem Text um die Berufung des Mose. Aber es geht auch um unsere eigene Berufung in den Dienst des Herrn. Lassen Sie uns einen kurzen Schritt zurück gehen in die Geschichte des Mose. Bevor er nach Midian floh, war Mose ein wichtiger und mächtiger Mann am Hofe des Pharao. Nachdem er zum Mörder geworden war, musste er fliehen, um der Justiz des Pharao nicht in die Hände zu fallen.

Der hochmütige Mose wurde auf einmal zu einem kleinen demütigen Schafhirten. Und dann erst erfolgte seine Berufung. Gott hat an den hochmütigen Menschen keinen Gefallen. Gefallen hat Gott an den Menschen, die demütig vor, in und mit Ihm leben.

Anders ausgedrückt: Was uns Menschen groß und wichtig erscheint, hat vor Gott oftmals überhaupt keine Bedeutung.

Erst dann, wenn wir unser Herz von allem befreit haben, was uns in irgendeiner Art und Weise gefangen hält, kann unser Herz frei werden, frei für Gott und Sein Wort. Bevor dies nicht geschieht würden wir immer in einem inneren Zwiespalt leben, wie der reiche Jüngling aus dem Gleichnis, der den letzten entscheidenden Schritt hin zu Jesus nicht gehen konnte, weil ihn sein Reichtum gefangen hielt.

2. Die Wartezeit

Vieles geht uns ja heute nicht schnell genug. Am liebsten möchten wir zahlreiche Dinge zeitgleich erledigen. Da hat sich ein junger Mensch zum Herrn bekehrt und kann es gar nicht abwarten, seine Berufung vom Herrn zu erhalten, wo er denn nun seinen Dienst versehen soll. Natürlich kann
dies alles sehr frustrierend sein. Nur müssen wir immer daran denken, dass vor Gott andere Zeitmaßstäbe gelten, als wir es gewohnt sind.

Und wenn wir wieder einmal hoffnungsvoll auf Gottes Eingreifen oder auf eine Botschaft von Ihm warten, sollten wir uns einmal an Mose erinnern. Nachdem er aus Ägypten geflohen war, lebte er, so lesen wir es in der Bibel, lange Zeit in Midian. Zwischenzeitlich hatte er geheiratet und ein Sohn wurde ihm geboren. In all dieser Zeit geschah äußerlich gar nichts. Und trotzdem versah Mose treu seinen Dienst. Und dies sollte uns auch ein Beispiel sein.

Auch wir sollen treu unseren Dienst vor dem Herrn und für den Herrn versehen bis er uns zu einer Aufgabe beruft. Wir sollen um es einmal drastisch auszudrücken, nicht immer mit dem Kopf vor die Wand laufen, sondern warten bis Gott eine Türe vor uns auftut. ER wird dies genau zum rechten Zeitpunkt tun. Und wohin und wozu Er uns auch immer berufen mag, wir dürfen sicher sein, dass wir immer auch in vorbereitete Verhältnisse kommen.

Wenn Gott hingegen uns beruft, dann sollen wir auch sofort tätig werden. Mose bekam eine gewaltige Aufgabe von Gott zugewiesen. Er konnte sich nicht ein Jahr, ja noch nicht einmal einen Monat auf diese Aufgabe vorbereiten. Mose hatte dann auch zahlreiche Einwände und Ausflüchte,
warum er doch wohl nicht der rechte Mann für diesen Job sei. Doch dies alles zählte bei Gott nicht. Wenn Gott uns zu einer Aufgabe beruft, dann dürfen wir sicher sein, dass Er uns auch mit den dazu notwendigen Fähigkeiten ausstattet. Wenn Gott uns beruft, dürfen wir getrost alle Bedenken über Bord werfen und ganz dem vertrauen, der uns berufen hat.

3. Ich bin

„Ich BIN“ der Gott deines Vaters… “ so lesen wir es in unserem Predigttext. Da Abraham, Isaak und Jakob aber schon geraume Zeit nicht mehr unter den Lebenden weilten, hätte es eigentlich heißen müssen: „Ich WAR der Gott …“ Doch wir finden in der Bibel etwas gänzlich anderes.
Daraus können wir nur einen Schluss ziehen, Gott ist kein Gott der Toten, sondern der Lebenden.

Gleich auf den ersten Seiten der Bibel finden wir als aufmerksame Leser also den Beweis, dass mit dem Tode nicht alles aus ist und dass es danach weitergeht. Was bedeutet dies denn nun für unsere Berufung ? Nun, eigentlich dreierlei:

1. Egal, was auch passiert, wenn wir unseren Weg mit Gott auf Erden gehen, dann wird er uns auch in die Ewigkeit zu sich holen, wo wir dann gemeinsam mit IHM leben werden. Also unverzagt und mutig ans Werk wenn Gott ruft.

2. Wir werden einmal Rechenschaft ablegen müssen, was wir denn mit unserer Berufung auf Erden gemacht haben. Haben wir die Talente und Fähigkeiten, die uns Gott geschenkt hat brach liegen lassen, oder haben wir diese zu Seiner Ehre eingesetzt ?

3. Wenn wir unsere Berufung leben, dann dürfen wir sicher sein und uns ganz fest darauf verlassen, dass uns Gott auch schon hier auf Erden zur Seite steht, und uns hilft, unsere Berufung zu Seiner Ehre auszuüben.
Ja, wenn wir es so wollen, dann können wir hier auf Erden schon ein Stück Himmel leben und erleben, wenn wir Gottes Wort und unserer Berufung folgen.

Darum lassen Sie uns wieder ganz klein und demütig vor Gott treten und geduldig abwarten, welche Berufung Er denn nun für uns bereit hält. Und dann wollen wir ganz und gar allein IHM vertrauen, wenn es darum geht, diese Berufung mit Taten und Werken auszufüllen.

Und während wir auf unsere Berufung warten, können wir das tun, was uns der Liederdichter Paul Gerhardt im 1. Vers seines Liedes „Du meine Seele singe…“ empfiehlt. Dieser Vers lautet sehr schön, wie folgt:

Du meine Seele singe,
wohlauf und singe schön
dem, welchem alle Dinge
zu Dienst und Willen stehn.
Ich will den Herren droben
hier preisen auf der Erd;
ich will ihn herzlich loben,
so lang ich leben werd.

Der Herr schenke Dir Gelassenheit, Deine Berufung abzuwarten
Der Herr stärke Deine Sinne, damit Du Deine Berufung erkennen kannst
Der Herr behüte und stärke Dich, damit Du Deine Berufung ausleben kannst

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten restlichen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 3. Sonntag nach Epiphanias. Unser heutiger alttestamentarischer Predigttext beschäftigt sich mit einem zentralen Thema unseres christlichen Glaubens, nämlich dem Gottvertrauen.

Den dazugehörigen Predigttext finden wir im 2. Buch der Könige, Kapitel 5, die Verse 9-15 und 19a. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

So kam Naaman mit Rossen und Wagen und hielt vor der Tür am Hause Elisas. Da sandte Elisa einen Boten zu ihm und ließ ihm sagen: Geh hin und wasche dich siebenmal im Jordan, so wird dir dein Fleisch wieder heil und du wirst rein werden. Da wurde Naaman zornig und zog weg und
sprach: Ich meinte, er selbst soll zu mir herauskommen und hertreten und den Namen des Herrn, seines Gottes, anrufen und seine Hand hin zum Heiligtum erheben und mich so von dem Aussatz befreien. Sind nicht die Flüsse von Damaskus, Abana und Parpar, besser als alle Wasser in Israel,
so dass ich mich in ihnen waschen und rein werden könnte ? Und er wandte sich und zog weg im Zorn. Da machten sich seine Diener an ihn heran, redeten mit ihm und sprachen: Lieber Vater, wenn dir der Prophet etwas Großes geboten hätte, hättest du es nicht getan ? Wieviel mehr, wenn er
zu dir sagt: Wasche dich, so wirst du rein ! Da stieg er ab und tauchte unter im Jordan siebenmal, wie der Mann Gottes geboten hatte. Und sein Fleisch wurde wieder heil wie das Fleisch eines jungen Knaben, und er wurde rein. Und er kehrte zurück zu dem Mann Gottes mit allen seinen
Leuten. und als er hinkam, trat er vor ihn und sprach: Siehe, nun weiß ich, dass kein Gott ist in allen Landen, außer in Israel; so nimm nun eine Segensgabe von deinem Knecht. Er sprach zu ihm: Zieh hin mit Frieden !

Liebe Gemeinde,

da musste also ein Mensch erst einmal dazu überredet werden, dem Worte des Propheten zu vertrauen. Wie ist dies eigentlich bei uns heute. Haben wir noch das Gottvertrauen, welches die Jünger Jesu hatten, dieses unerschütterliche Vertrauen in das Eingreifen Gottes in diese Welt. Oder
sind wir auch so wie Naaman, fixiert auf unsere eigenen Lösungen ? Was gehört eigentlich zum Gottvertrauen ? Lassen Sie uns darüber am heutigen Sonntag ein wenig näher nachdenken.

1. Gott fragen

Gott vertrauen heißt, Ihm alles zuzutrauen, auch Ihm zuzutrauen, dass Er weiß, was denn das Beste für uns ist. Nehmen wir einmal an, Sie wollen ein Auto kaufen. In aller Regel lassen Sie sich doch von dem Verkäufer beraten, was denn wohl das beste Auto für Ihre Zwecke ist. Wir gehen einmal davon aus, dass es sich um einen wirklich seriösen Händler handelt. Somit werden Sie den Worten des Händlers Vertrauen schenken.

Nichts anderes ist es mit dem Gottvertrauen. Fragen wir doch Gott wieder einmal BEVOR wir etwas unternehmen, was denn Seine Meinung dazu ist. Machen wir das überhaupt noch ? Ich glaube, viele Menschen machen dies nicht mehr. Gerade bei so einer schwierigen Entscheidung, wie der Partnerwahl gibt es doch kaum noch Menschen, die Gott fragen, ob es denn tatsächlich der richtige Partner ist, den sie sich ausgesucht haben. Eine fast 50 %ige Scheidungsrate verdeutlicht uns sehr drastisch, dass Gott einfach nicht mehr gefragt wird.

Allein schon der Umstand, dass ich Gott frage, impliziert ja schon das Gottvertrauen. Wenn ich mir sicher wäre, dass auf der anderen Seite niemand ist, der mir antwortet, brauche ich auch nicht zu fragen.

Ich denke, wir sollten uns alle wieder angewöhnen, Gott in den großen, aber auch in den kleinen Dingen unseres Lebens immer wieder um Seinen Rat zu bitten. Gott möchte stets das Beste für uns und unser Leben. Um das Beste zu erfahren, müssen wir Ihn aber zuerst einmal mit in die
Entscheidungsfindung einbeziehen.

2. Gott zuhören

In vielen Fällen benutzen wir das Gebet ja dazu, um Gott unsere Wünsche mitzuteilen, die Er dann auch gefälligst zu erfüllen hat. Kommt dann etwas anderes heraus, sind wir beleidigt, wie uns das Naaman aus unserem Predigttext so schön vormacht. Naaman wurde zornig und zog weg. Genau so reagieren wir doch auch sehr häufig, wenn der Wunscherfüllungsautomat namens Gott nicht so arbeitet, wie wir es ihm vorgeben. Das ist nun in der Tat kein Gottvertrauen.

Gottvertrauen sieht gänzlich anders aus. Wer Gott vertraut, der fragt Ihn um Seinen Rat und wartet auf die Antwort. Selbst wenn die Antwort nicht sofort kommt. Derjenige, der sein Vertrauen auf den Schöpfer des Himmels und der Erde setzt, der wartet ganz geduldig die Antwort unseres Herrn ab. Viele von uns haben sicherlich schon Antwort auf die Fragen erhalten, die wir an Gott gestellt haben. Meistens sind es die leisen und ruhigen Antworten, die Gott uns gibt. Daher sollten wir auch zur Ruhe kommen vor Gott, wenn wir unsere Anliegen an Ihn heranbringen.

Wie wir es im Buch Samuel nachlesen können, so spricht Gott mit dem Knaben Samuel, indem Er ihn aus dem Schlaf erweckt. Auf anraten seines Lehrers machte Samuel schließlich dies: Er sagte zu Gott: „Rede Herr, dein Knecht hört.“ Nachdem Samuel alles in ihm auf „Empfang“ gestellt hatte, konnte er die göttliche Botschaft auch wahrnehmen. Und genau so sollen wir es auch machen.

Vor allen Dingen sollten wir uns darüber im klaren sein, dass Gottes Zeitmaßstäbe ganz anders sind als die unsrigen. Wir leben ja in einer immer hektischer werdenden Zeit. Vor 20 Jahren hat man einen Brief erhalten. Bevor man diesen beantwortete, konnte man ihn ruhig 1-2 Tage zu Hause ruhen lassen, um dann eine passende Antwort zu entwerfen. Wenn Sie heute nicht innerhalb weniger Stunden auf eine eingegangene mail antworten, haben Sie in aller Regel schon die Erinnerung in Ihrem Postfach. Wir sollten also alle im Umgang mit Gott wieder einen Gang zurückschalten. Wenn wir dies nicht machen, dann laufen wir nämlich Gefahr, dass wir Seine Antwort überhören.

3. Gott gehorsam sein

Gehorsam kommt ja bekanntermaßen von hören. Wir sollen also folgsam das tun, was Gott uns mitteilt. Das zeichnet Gottvertrauen nämlich schlussendlich aus. Dazu ist es ganz wichtig, dass wir unsere eigenen Lösungsvorschläge über Bord werfen und nur das in die Tat umsetzen, was Gott uns mitteilt. Naaman hingegen hatte so seine eigenen Vorstellungen im Kopf und war natürlich alles andere als erfreut, als er die Nachricht erhielt, er solle sich siebenmal im Jordan waschen. Er wusste schließlich aus eigener Erfahrung, dass es Gewässer gab, die sich dafür eher eigneten, als der Jordan.

Dabei war die Auflage an Naaman ja gar nicht besonders schwer, nur sie passte nicht in sein Weltbild. Naaman liebte das pompöse, das religiöse Ritual, kurzum, es musste feierlich zugehen.

Karl Barth hat es einmal ungefähr so formuliert: „Das religiöse Ritual ist der Beginn vom Ende
des Gottvertrauens.“ Wichtig ist allein, dass wir auf unseren Herrn hören und als Seine Diener Seine Worte befolgen. In dem Moment wo wir unser Vertrauen nur noch in religiöse Rituale setzen, haben wir uns von dem Gottvertrauen verabschiedet.

Wohlgemerkt, ich habe nichts gegen religiöse Rituale, nur müssen sie den rechten Stellenwert einnehmen. Wir dürfen von Ritualen nichts, von Gott hingegen aber alles erwarten. Religiöse Rituale haben schon ihren Sinn. Denken wir nur einmal an die Liturgie im Gottesdienst. Diese dient unter anderem dazu, dass wir ruhig werden vor Gott, ruhig, damit wir Sein Wort, welches wir in der Predigt hören, aufnehmen und in unserem Leben umsetzen können.

Gehorsamkeit ist auch nicht unbedingt mein Ding. Das muss ich an dieser Stelle einfach mal zugeben. Ich bin richtig froh, wenn mich Gemeindemitglieder darauf aufmerksam machen, dass etwas von mir nicht richtig war, was ich gesagt oder aber getan habe. Solche Menschen hatte auch Naaman um sich. Seine Diener überredeten ihn, er solle doch auf das Wort des Propheten vertrauen. Mit ihrer ureigenen Logik überredeten sie Naaman doch noch das Richtige zu machen.

Wir können uns in unserem Leben immer mal wieder verlaufen. Dann ist es sehr wichtig, dass wir Menschen um uns herum haben, die dies erkennen und uns wieder auf den rechten Weg bringen. Solchen Menschen können wir im Freundeskreis, in Hauskreisen, in Bibelstunden und auch in
Gottesdiensten begegnen.

Lassen wir uns doch wieder auf dieses uneingeschränkte Gottvertrauen ein.

Dieses unbedingte Gottvertrauen und das Vertrauen auf Seine Weisungen drückte der Liederdichter Jochen Klepper sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes „Er weckt mich alle Morgen…“ aus, der da lautet, wie folgt:

Er weckt mich alle Morgen,
er weckt mir selbst das Ohr.
Gott hält sich nicht verborgen,
führt mir den Tag empor,
dass ich mit seinem Worte,
begrüß das neue Licht.
Schon an der Dämmrung Pforte
ist er mir nah und spricht.

Der Herr erfülle Dein Herz mit Gottvertrauen, damit Du nach SEINEM Ratschlag fragst
Der Herr erfülle Dein Herz mit Gottvertrauen, damit Du SEINE Antwort hören kannst
Der Herr erfülle Dein Herz mit Gottvertrauen, damit es in Freude SEINEM Wort gehorsam ist

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und eine ganz tolle Woche, die geprägt sein möge von einem unerschütterlichen Vertrauen in unseren Herrn.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 2. Sonntag nach Epiphanias. Unser heutiger Predigttext führt uns zu dem wirklich wichtigen in unserem christlichen Glauben oder anders ausgedrückt zu dem, worüber in allen christlichen Konfessionen und Glaubensgemeinschaft
Einigkeit herrscht. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im 1. Brief des Paulus an die Korinther im 2. Kapitel, die Verse 1-10. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Auch ich, liebe Brüder, als ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten und hoher Weisheit, euch das Geheimnis Gottes zu verkündigen. Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten. Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern; und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, damit euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft. Wovon wir aber reden, das ist dennoch Weisheit bei den Vollkommenen; nicht eine Weisheit dieser Welt, auch nicht der Herrscher dieser Welt, die vergehen. Sondern wir reden von der Weisheit Gottes, die im Geheimnis verborgen ist, die Gott vorherbestimmt hat vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit, die
keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat; denn wenn sie die erkannt hätten, so hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. Sondern es ist gekommen, wie geschrieben steht (Jesaja 64,3) „Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat, denen, die ihn lieben.“ Uns aber hat es Gott offenbart durch seinen Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit.

Liebe Gemeinde,

der zentrale Satz aus dem heutigen Predigttext, über den wir am heutigen Sonntag gemeinsam nachdenken wollen lautet:
„Denn ich hielt es für richtig unter euch nichts zu wissen, als allein Jesus Christus,
den Gekreuzigten.“

Was bedeutet dieser Satz denn heute für uns, die wir zu Beginn das Jahres 2012 auf das Wort Gottes hören ? Nun, ich denke, drei Punkte will uns Paulus mit diesem Satz sagen.

1. Jesus ist der Mittelpunkt

Nehmen wir einmal an, ein Bekannter fragt Sie, was er denn tun müsse, um auch in den Himmel zu kommen. Das einzige, was er wissen muss, ist, dass unser Herr Jesus Christus für unsere Sünden am Kreuze bezahlt hat und dass alle, die dieses Gnadenangebot der Sündenvergebung annehmen fortan
Gottes geliebte Kinder sind. Mehr ist wahrhaftig nicht nötig.

Bei allem, was wir tun, muss immer Jesus im Mittelpunkt stehen.

Konfessionen sind dahingegen vollkommen bedeutungslos. Um in den Himmel zu kommen ist es nicht notwendig evangelisch oder katholisch zu sein oder einer anderen Konfession anzugehören. Den Himmel erlange ich nicht über die Kirche, sondern nur über Jesus. Wenn wir uns dies vor Augen halten, dann können wir alle Konfessionsstreitigkeiten in einem ganz anderen Licht betrachten.

Wir müssen nicht vehement hinter unserer eigenen Konfession stehen und diese bis auf’s Messer verteidigen. Wir dürfen Rituale der jeweils anderen Konfession annehmen, als das, was sie sind, nämlich äußerliche Handlungen, die bedeutungslos sind, wenn nicht Jesus im Mittelpunkt steht. Und da ist leider auch eine große Gefahr latent vorhanden. Durch verschiedene Auffassungen von Opfern und Ritualen gibt es immer mehr religiöse Gemeinschaften, die sich immer mehr auf ihre eigenen „Regeln“ besinnen. Wir laufen Gefahr, dass wir nicht mehr auf den schauen, der im
Mittelpunkt unseres Glaubens stehen soll.

Ich möchte keinem Angehörigen welcher Konfession auch immer auf die Füße treten, aber ich möchte uns alle auffordern, unsere Konfessionen zu „entrümpeln“, damit unsere Sicht wieder frei werden kann, frei für den Mittelpunkt unseres Glaubens, frei für Jesus Christus. Wir verstecken
uns nämlich auch all zu gerne hinter konfessionellen Besonderheiten. Wenn wir diese an die Seite schieben, haben wir freie Sicht auf Jesus.

2. Freie Sicht auf Jesus

Was mache ich denn mit der freien Sicht auf Jesus ? Das kann manchmal ganz schön unangenehm werden, wenn ich nichts mehr habe, wohinter ich mich verstecken kann. Auf einmal stehe ich so vor Jesus, wie ich geschaffen worden bin. Mit all meinen schlechten Gedanken, Worten und Taten. Nur, wenn ich freie Sicht auf Jesus habe, kann es zu einer persönlichen Beziehung mit Ihm kommen. Dann kann ich Ihm all den Dreck und Schmutz meines Lebens vor die Füße werfen und Ihn um Reinigung bitten.

Nur wenn ich die freie Sicht auf Jesus habe, dann wird mir bewusst, dass allein in IHM das Heil zu suchen ist und nicht in irgendwelchen religiösen Ritualen. In dieser persönlichen Beziehung kann ich von Jesus lernen, was es heißt, ein Leben im Glauben zu führen. Das hört sich jetzt ein wenig pathetisch an, ist aber ganz einfach zu bewerkstelligen durch: Hören, schauen und lernen.

Eine gute Freundschaft zu anderen Menschen gelingt meist dann, wenn bestimmte Ähnlichkeiten vorhanden sind. Ähnliche Hobbies, ähnliche Ansichten oder ähnliche Berufe. Es verbindet einen etwas in einer Freundschaft. Genau so ist dies auch in der Beziehung zu unserem Herrn Jesus Christus. Wir sollen von Ihm lernen, wie wir Ihm ähnlich (nicht gleich) werden können. Wenn wir z.B. die Bergpredigt lesen, so steckt die voller Verhaltensweisen, die unser Herr von uns erwartet.

Bei älteren Brüdern und Schwestern im Glauben können wir direkt schauen, wie ein Leben im Glauben gelebt werden kann. Von diesen Menschen können wir lernen. Noch mehr lernen können wir allerdings dann, wenn wir uns einer christlichen Gemeinschaft anschließen. Dort werden wir aufgefangen, wenn es uns einmal schlecht ergeht. Dort können wir unserem Herzen Luft machen, wenn uns nicht alles so gelingt, wie wir uns das Leben im Glauben vorstellen. Von einer solchen Gemeinschaft dürfen wir uns auch liebevolle Kritik gefallen lassen, die uns auf unsere Fehler aufmerksam macht.

3. Der Königsweg

Bisher war ja alles eher ein wenig theoretisch. Jetzt kommt die Praxis.
Jesus will nämlich nicht, dass wir nur zu Hause sitzen und eifrig unsere Bibel studieren. Alles, was wir gehört, gelesen und gelernt haben, sollen wir auch in unserem ganz normalen Alltagsleben umsetzen.

Im Hauskreis von Jesus Zeugnis abzulegen ist nicht besonders schwer, gleiches aber an der Arbeitsstelle zu tun ist schon nicht mehr ganz so leicht. Wir sollen aber auch keine Sonntagschristen sein, sondern Menschen, die unserem Herrn ganz und gar gehören, also alle Tage und mit „Haut und Haaren“. Während des Kirchenkampfes im Dritten Reich hat der damalige Präses der westfälischen Kirche einmal gesagt: „Sei ganz Sein, oder lass es ganz sein.“ Dies klingt gewiss hart, trifft aber den Kern der christlichen Botschaft.

Jede Sache hat ja bekanntermaßen zwei Seiten. So hat auch „Sei ganz sein, oder lass es ganz sein“ eine weniger harte Seite. Die schöne Seite lesen wir bei Matthäus im 28. Kapitel, die Verse 18-20: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Ist das nicht eine wunderbare Zusage. Egal, wo wir in Seinem Namen unterwegs sind, ER ist stets bei uns. Wir brauchen nichts zu befürchten, uns lächerlich zu machen, ER ist ja bei uns. Er, der alle Macht im Himmel und auf Erden besitzt, wird Seine geliebten Kinder niemals im Stich lassen.

Wie Jesus auch heute noch eingreifen kann, mag folgendes Beispiel erläutern:
Wir waren auf einer christlichen Diskussionsveranstaltung mit etlichen Referaten. Natürlich kamen auch äußerst liberale Theologen zu Wort. Einer von ihnen, ansonsten ein ausgezeichneter Rhetoriker, verhedderte sich dermaßen in seinem Referat, dass er dies nur mühsam zu einem unseligen Ende bringen konnte. In der Pause sprach ich mit einem Freund über diesen Vorfall. Er sagte nur: Ich habe gebetet: Herr, dreh ihm das Wort im Mund herum, und das hat Er dann auch getan.“

Wenn wir ganz SEIN sind, liebe Gemeinde, dann wird ER unser Leben lang bei uns sein. ER wird uns tragen, wenn wir nicht mehr alleine weiter können. ER wird uns ermuntern und ermutigen, wenn wir einmal ganz niedergeschlagen sind und ER wird uns auch in der letzten Phase unseres irdischen Lebens als treuer Freund zur Seite stehen, der uns über die Schwelle des Todes in den Himmel bringt.

Der Liederdichter Hermann Franke beschreibt ein Leben in der Gegenwart unseres Herrn sehr schön, kurz und prägnant in dem ersten Vers seines Liedes: „Nun aufwärts froh den Blick gewandt…“, der da lautet, wie folgt:

Nun aufwärts froh den Blick gewandt
und vorwärts fest den Schritt !
Wir gehn an unsers Meisters Hand,
und unser Herr geht mit.

Sei ganz sein, damit ER auf ewig ganz Dein sein kann
Sei ganz sein, damit ER Dir immer wieder begegnen kann
Sei ganz sein, damit Du SEINE Botschaft weitergeben kannst

Amen.

Liebe Gemeinde, ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche, durch welche ER Sie sicher führen möge.

Es grüßt Sie alle ganz herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 1. Sonntag nach Epiphanias.
Unser heutiger Predigttext begleitet uns als Jahreslosung durch das gesamte Jahr 2012.
Daher ist es sicherlich nicht verkehrt, wenn wir einmal gemeinsam über diese Jahreslosung nachdenken. Wir finden die Jahreslosung im 2. Brief des Paulus an die Korinther im
12. Kapitel, Vers 9. Lassen Sie uns die Losung zunächst gemeinsam lesen:

Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig

Liebe Gemeinde,

es sind eigentlich zwei Worte, die uns zu denken geben, wenn wir diese Jahreslosung lesen, zwei Worte, die wir schnell überlesen, ohne uns ihrer Bedeutung sicher zu sein. Lassen Sie uns diese zwei Worte ein wenig näher betrachten.

1. MEINE Kraft

Lesen wir die Losung noch einmal und legen wir die Betonung auf MEINE. Jesus hat nicht gesagt: DIE Kraft ist in den Schwachen mächtig, Er hat eindeutig auf SEINE Kraft hingewiesen. Was aber unterscheidet denn SEINE Kraft von DER Kraft ? Ich glaube es sind drei Punkte, die die Kraft
unseres Herrn Jesus Christus von der, wie ich sie einmal nenne, Weltkraft unterscheiden.

a. In der Welt herrscht die Kraft des Ich´s.
Ich bin wichtig, Ich muss Karriere machen, Ich will dies und das erreichen.

Die Kraft der Welt regiert nach dem Motto: Erst komm ich und dann komm ich und dann kommst Du noch lange nicht. Wohin dies führt können wir unter anderem daran erkennen, wie viele Arme unter uns leben, die auf staatliche Unterstützungen angewiesen sind.

Wie anders ist da doch die Kraft unseres Herrn.
Es ist die Kraft, die nicht das ICH, sondern das DU betont.
Die Kraft unseres Herrn ist immer zuallererst auf den anderen und auf sein Wohlergehen gerichtet.

Dazu eine kleine Geschichte: Ein Mönch wollte gern einmal die Hölle sehen. Gern sagte Petrus und gewährte ihm einen Blick in selbige: Dort saßen Menschen vor einem vollen Topf mit dem leckersten Essen, was wir uns vorstellen können. Nur hatte jeder einen Löffel, der so lang war, dass er ihn nicht zum Munde führen konnte. Also hungerten alle Menschen, die sich dort befanden. Petrus zeigte dem Mönch aber auch noch einen anderen Raum. Wieder saßen dort viele Menschen um einen Topf mit dem leckersten Essen. Wieder konnte der Mönch sehen, dass die Löffel eines jeden Bewohners viel zu lang waren, doch sahen alle diese Menschen wohlgenährt aus. Als er sie näher beobachtete, stellte er fest, dass einer dem anderem stets den Löffel zum Mund führte. Wo er jetzt war erkannte er sofort.

b. In der Welt herrscht die Kraft des Nehmens. Nimm dir, was du kriegen kannst. Von nix kommt nix. So oder ähnlich lauten die Parolen in der Welt. Und so greift man ganz ungeniert zu, wenn es etwas zu verteilen gibt. Das fängt bei skrupellosen Bankern an, die sich an den ihnen anvertrauten Kundengeldern bereichern und hört bei der „frisierten“ Steuererklärung noch lange nicht auf.

Die Kraft unseres Herrn Jesus ist da ganz anders. Es ist die Kraft des Gebens und nicht die des Nehmens. Er legt diese Kraft in uns hinein, sodass wir fröhlich von dem abgeben können, was wir eh zuviel haben. Nehmen wir uns doch heute Nachmittag mal eine Viertelstunde Zeit und überlegen, von welchem „zuviel“, das wir besitzen, wir denen abgeben können, die von allem zu wenig haben. Es wird uns bestimmt so einiges einfallen.

c. Die Kraft der Welt ist die Kraft der Zerstörung. Dies können wir an allen Ecken und Enden beobachten. Wir müssen uns nur einmal die Kriegsschauplätze dieser Welt anschauen. Von Hass getrieben geht es da um materielle Zerstörung bis hin zur Zerstörung von Menschenleben.

Die Kraft unseres Herrn ist eine ganz andere. Es ist die Kraft des Aufbauens. Jesus gibt uns die Kraft, denen zu verzeihen, die uns böses wollen, um damit die Spirale der Gewalt zu unterbrechen. Jesus gibt uns die Kraft, auch den „hoffnungslosen Fällen“ dieses Lebens aufbauend zur Seite zu stehen. Jesus gibt uns die Kraft unseren eigenen Egoismus erfolgreich zu bekämpfen. Wir müssen IHN nur darum bitten.

2. Den Schwachen

Starke Männer braucht das Land, so verkündete es uns vor Jahren ein Schlager. Starke Männer sind es doch, die ein Land regieren, die erfolgreich Unternehmen führen und an der Spitze der Gesellschaft stehen. Und dann sagt Jesus, dass Seine Kraft in den Schwachen mächtig ist. Was soll das denn ? Können denn die Schwachen überhaupt etwas mit dieser Kraft anfangen und bewirken ? Ich glaube eindeutig: Ja, sie können es.

Es sind ja gerade die Schwachen, die nicht auf ihre eigene Kraft vertrauen, sondern sich allein auf die Kraft des Herrn verlassen. Und dazu, liebe Gemeinde, gehört ganz schön viel Mut. Sich selber
einzugestehen, dass man schwach ist und alles dem überlässt, der allein stark ist, dazu braucht es wirklich ein gerüttelt Maß an Vertrauen. Und dieses Vertrauen ist es dann auch, welches diese Schwachen mächtig macht.

Der Starke hofft nicht, sondern er handelt. Hoffen ist für den Starken immer ein Zeichen von Schwäche. Wer richtig handelt muss nicht hoffen. Somit wird die Möglichkeit des Eingreifens Gottes bei den Starken von vornherein ausgeschlossen. Anders hingegen der Schwache. Der Schwache hofft immer und alle Zeit auf das Eingreifen unseres Herrn. Daher kann der Herr auch nur in dem Schwachen mächtig werden, da ja der Starke geradezu das Handeln Gottes blockiert.

Der Starke hört auf sich allein. Der Starke braucht nur sich und seine Überzeugungen. Der Schwache hingegen ist der intelligentere von Beiden. Der Schwache hört auf Gott, er redet regelmäßig mit Ihm und kann somit auch Seine Kraft empfangen, weil er Ihn versteht.

Gott kann mit Seiner Kraft also nur in den Menschen wirken, die Ihm vertrauen, die auf Ihn und Sein Eingreifen hoffen und die auch auf Ihn hören. Dies können wir in nahezu allen Büchern der Bibel nachlesen.

Lassen Sie uns doch alle in diesem Jahr wieder „schwach“ vor Gott werden, damit Seine Kraft in einem jeden von uns mächtig werden kann. Wenn wir uns so als Seine Werkzeuge gebrauchen lassen, können wir alle einen Teil dazu beitragen, dass diese Welt ein ganz kleines bisschen
besser wird. Und dies ist fast auch schon ein Stück vom Himmel.

Wie wir wieder vor Gott schwach werden können und ihm unser Leben anvertrauen beschrieb schon der Liederdichter Paul Gerhardt im ersten Vers seines Liedes „Befiehl du deine Wege…“ sehr schön, der da lautet, wie folgt:

Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt
der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt.
Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn,
der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.

Der Herr gebe Dir die Kraft, nur auf IHN zu vertrauen
Der Herr gebe Dir die Kraft, alle Deine Hoffnung auf IHN zu setzen
Der Herr gebe Dir die Kraft, immer allein auf SEIN Wort zu hören

Amen

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Ich grüße Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen letzten Sonntag nach Epiphanias.
Das Thema unseres heutigen Predigttextes ist ein Thema, welches uns alle ganz besonders angeht, nämlich das Thema der Berufung. Ich fühle mich hierzu und dazu berufen, das sind allgemeine Aussagen, die wir immer mal wieder in den Mund nehmen. Aber hier ist etwas anderes gemeint. In unserem heutigen Predigttext geht es darum, was geschieht, wenn Gott einen Menschen in Seinen Dienst beruft. Eine der bekanntesten Berufungsgeschichten in der Bibel ist die Berufung des Mose. Wir finden den dazu passenden Text im 2. Buch Mose, Kapitel 3, die Verse 1-10.
Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Moses Berufung

Mose aber hütete die Schafes Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe über die Steppe hinaus und kam an den Berg Gottes,den Horeb. Und der Engel des Herrn erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde. Da sprach er: Ich will hingehen und die wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt. Als aber der Herr sah, dass er hinging, um zu sehen, rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose, Mose ! Er antwortete: Hier bin ich. Gott sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land !

Und er sprach weiter: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Und Mose verhüllte sein Angesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen. Und der Herr sprach: Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen und ihr Geschrei über ihre
Bedränger gehört; ich habe ihr Leiden erkannt. Und ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie herausführe aus diesem Lande in ein gutes und weites Land, darin Milch und Honig fließt, in das Gebiet der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter. Weil denn nun das Geschrei der Israeliten vor mich gekommen ist und ich dazu ihre Not gesehen habe, wie die Ägypter sie bedrängen, so geh nun hin, ich will dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Israeliten aus Ägypten führst.

Liebe Gemeinde,

es ist also schon recht spektakulär was Sie soeben gehört haben. Ein brennender Dornbusch, ein Engel, der Mose erscheint und Gott der direkt mit Mose spricht. Lassen wir das spektakuläre Moment doch ein wenig beiseite und schauen wir uns gemeinsam an, was quasi im Hintergrund
geschieht, wenn Gott einen Menschen in Seinen Dienst beruft. Jetzt werden sich Viele sicherlich fragen: Warum sollte dieses Thema für mich interessant sein ? Nun, ich denke aus zwei Gründen.

1. Drei „Prüfkriterien“ können uns helfen zu entscheiden ob es wirklich Gott ist, der uns in Seinen Dienst beruft, oder ob es eher unser Wunschdenken ist und

2. Anhand der gleichen Prüfkriterien können wir einigermaßen sicher beurteilen, ob ein Mensch der behauptet, von Gott berufen worden zu sein, dies tatsächlich auch ist. Natürlich können wir niemals mit 100 % iger Gewissheit ein „Ja“ oder ein „Nein“ erreichen, aber wir können z.B. unsere Berufung mit den großen Berufungsgeschichten der Bibel vergleichen. Was ist denn nun das Besondere an der Berufung durch unseren Herrn ?

1. Die Ansprache

Viele Menschen die Gott beruft, stellt Er zunächst an die Seite, lässt sie zur Ruhe kommen und spricht sie dann direkt an. Gottes Töne sind immer leise Töne, die wir in der Hektik des Alltages schnell überhören. Da Gott kein hektischer, permanent brüllender Choleriker ist, muss Er den Menschen also zunächst in eine Situation stellen, in welcher er Seine Stimme hören kann.

Wenn wir uns die Vorgeschichte von Mose anschauen, so war diese schon recht turbulent. Wenn man den ersten Teil des Lebensweges von Mose betiteln müsste, so fällt mir dazu ein: Vom Findelkind zum Millionär. Und so war es in der Tat auch. Bis zu dem Tag, da Mose zum Mörder wurde und aus seinem Heimatland fliehen musste, um sein nacktes Leben zu retten. Fortan verdingte er sich als Schafhirte bei seinem Schwiegervater. Heutzutage würde man sagen: Totaler sozialer Absteiger. Und jetzt halten wir alle mal einen Moment inne:
Diesen Versager und Mörder beruft Gott in seinen Dienst.

Noch zwei weitere Beispiele gefällig ? Denken wir an David, der seinen Nebenbuhler durch einen Auftragsmord aus dem Weg räumte. Oder denken wir an Paulus, der als erfolgreichster Christenverfolger seiner Zeit galt. Gott sieht also nicht auf unser Führungszeugnis. Gott sieht ganz tief in unser Herz hinein, so tief, wie wir selber gar nicht schauen können. Also seien wir nicht so vorschnell mit unseren Urteilen über eine Berufung in den Dienst des Herrn hinein, was die jeweilige Person angeht.

Wir sind ja gern und schnell dazu bereit, uns selber zu berufen. Wie war das hingegen bei Mose ? Mose war verheiratet und bei seinem Schwiegervater als Schafhirte angestellt. Für einen Mörder auf der Flucht eigentlich doch ein recht beschauliches Leben. Und aus dieser Bequemlichkeit heraus beruft Gott den Mose. Wenn wir die Berufungsgeschichten der Bibel und die der großen Erweckungsprediger lesen, dann wurde ihr Leben erst dann so richtig unbequem, nachdem sie Gott in Seinen Dienst berufen hatte.

2. Die Aufgabe

Mose hatte sich also gerade mit seinem Leben arrangiert und wir dürfen davon ausgehen, das er so recht zufrieden lebte. In Deutschland würde man sagen: Er hatte einen festen Arbeitsplatz mit geregelter 35 Stunden Woche, 5 Tage Woche und regelmäßig freie Wochenenden.

Und in diese Bequemlichkeit hinein erhält Mose von Gott seine Berufung und eine gewaltige Aufgabe. Er, der einfache Schafhirte, soll Sein Volk aus Ägypten befreien. Stellen wir uns doch in der heutigen Zeit einmal vor, der Vorstand der Deutschen Bank würde den Hausmeister zum Vorstandsvorsitzenden berufen. Das würde natürlich niemals gut gehen.

Aber in Gottes Reich gelten eben andere Gesetze. Gott beruft nicht die besonders fähigen Menschen, sondern Er stattet die Menschen mit besonderen Fähigkeit aus, die Er in Seinen Dienst beruft. Wenn wir den heutigen Predigttext weiter lesen, dann erfahren wir auch, dass Mose die ganze Sache nicht besonders geheuer war. Er meldete aus seiner Sicht gesehen schon begründete Zweifel bei Gott an. Angesichts der Aufgabe, die ihm gestellt wurde, war dieses Vorgehen sicherlich nachvollziehbar. Ich glaube, ich würde nicht anders handeln.

Aber letztendlich konnte er nicht anders, als dem Wort Seines Herrn zu gehorchen. Wenn Gott uns vor scheinbar unlösbare Aufgaben stellt, dann ist es ganz wichtig, dass wir Ihm allein unser volles Vertrauen schenken und alle Zweifel ablegen.

3. Die Sendung

Mit der Ansprache und mit der Aufgabe allein ist es nicht getan. Jetzt kommt der eigentlich unangenehme Teil. Wir müssen uns nämlich in Bewegung setzen, um unsere Aufgaben zu erfüllen. Eines habe ich in meinem Leben immer wieder erlebt: Gott beruft uns nicht dazu zu Hause auf dem Sofa zu sitzen.

Bei einer göttlichen Berufung ist es ja nicht so, dass wir diese erhalten, in die Welt gesandt werden und nach ca. 5 Jahren schaut Gott mal wieder vorbei und erkundigt sich, wie wir denn so zurecht gekommen sind.

Wen Gott beruft, den begleitet Er auch auf dem gesamten Wege Seiner Berufung. Häufig geht Er ihm immer einen Schritt voraus und räumt Hindernisse aus dem Weg. Denken wir nur an die vielen Hindernisse, die Gott dem Mose aus dem Wege geräumt hat.

Und selbst dann, wenn wir wortwörtlich mit unserem Latein am Ende sind, dann greift Gott ein und hilft uns, den richtigen Weg wieder zu sehen. Gerade in den Zeiten, wo eben nicht alles glatt läuft, dürfen wir uns darauf verlassen, dass Gott vor uns herläuft, um Hindernisse aus dem Weg zu räumen, dass Er stets hinter uns steht, damit uns keiner in den Rücken fallen kann und dass Er Seine Hand stets unter uns hält, damit wir niemals tiefer als in Seine liebende Hand fallen können.

Er möchte uns natürlich auch durch Seinen Zuspruch stärken. Den erhalten wir immer dann, wenn wir Kontakt mit Ihm aufnehmen. Und wenn wir die Geschichte von Mose weiterlesen, dann können wir uns persönlich von Gottes Handeln, wie eben gesagt, überzeugen.

Übrigens: Den direkten Draht, den Mose zu Gott hatte, den haben wir auch heute noch. Wir müssen ihn nur nutzen. Und wenn wir dann noch zur Kenntnis nehmen, dass alle anderen Berufungserlebnisse ähnlich verlaufen sind, dann dürfen wir uns auf unsere ganz persönliche Berufung aus tiefstem Herzen freuen.

Dass ein Leben in der Berufung nur dann wirklich gelingen kann, wenn es von vollkommener Hingabe begleitet wird, das erkannte auch schon der Liederdichter Gerhard Tersteegen. In seinem bekannten Liede „Ich bete an die Macht der Liebe…“ beschreibt er dies sehr schön, wie folgt:

Ich bete an die Macht der Liebe,
die sich in Jesus offenbart;
ich geb mich hin dem freien Triebe,
wodurch ich Wurm geliebet ward:
ich will, anstatt an mich zu denken,
ins Meer der Liebe mich versenken.

Der Herr lasse Dich Deine Aufgabe erkennen, mit der Du IHM dienen kannst
Der Herr stärke Dich, damit Du diesen Dienst kraftvoll zu SEINER Ehre ausüben kannst
Der Herr zeige Dir immer wieder SEINEN Weg, wenn Dein Weg nicht mehr weiter zugehen scheint

Amen

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 5. Sonntag nach Epiphanias, einen Sonntag, den wir recht selten feiern, da das Osterfest erst Ende April stattfindet. Unser heutiger Predigttext möchte uns an zwei existenzielle Wahrheiten in unserem Leben erinnern. Es ist Gott, der die Geschichte der Welt lenkt und es ist der gleiche Gott, der auch unser persönliches Geschick lenkt.

Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im 40. Kapitel des Propheten Jesaja,
die Verse 12-25. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Israels unvergleichlicher Gott

Wer misst die Wasser mit der hohlen Hand, und wer bestimmt des Himmels Weite mit der Spanne und fasst den Staub der Erde mit dem Maß und wiegt die Berge mit einem Gewicht und die Hügel mit einer Waage ? Wer bestimmt den Geist des Herrn, und welcher Ratgeber unterweist ihn ? Wen fragt er um Rat, der ihm Einsicht gebe und lehre ihn den Weg des Rechts und lehre ihn Erkenntnis und weise ihm den Weg des Verstandes ?

Siehe, die Völker sind geachtet wie ein Tropfen im Eimer und wie ein Sandkorn auf der Waage. Siehe, die Inseln sind wie ein Stäublein. Der Libanon wäre zu wenig zum Feuer und seine Tiere zu wenig zum Brandopfer. Alle Völker sind vor ihm wie nichts und gelten ihm als nichtig und eitel. Mit wem wollt ihr denn Gott vergleichen ? Oder was für ein Abbild wollt ihr von ihm machen ? Der Meister gießt ein Bild, und der Goldschmied vergoldet’s und macht silberne Ketten daran. Wer aber zu arm ist für eine solche Gabe, der wählt ein Holz, das nicht fault, und sucht einen klugen Meister dazu, ein Bild zu fertigen, das nicht wackelt.

Wisst ihr denn nicht ? Hört ihr denn nicht ? Ist’s euch denn nicht von Anfang an verkündigt ? Habt ihr’s nicht gelernt von Anbeginn der Erde ? Er thront über dem Kreis der Erde, und die darauf wohnen, sind wie Heuschrecken; er spannt den Himmel aus wie einen Schleier und breitet ihn aus wie ein Zelt, in dem man wohnt; er gibt die Fürsten preis, dass sie nichts sind, und die Richter auf Erden macht er zunichte: Kaum sind sie gepflanzt, kaum sind sie gesät, kaum hat ihr Stamm eine Wurzel in der Erde, da lässt er einen Wind unter sie wehen, dass sie verdorren, und ein Wirbelsturm führt sie weg, wie Spreu. Mit wem wollt ihr mich also vergleichen, dem ich gleich sei ? spricht der Heilige.

Liebe Gemeinde,

wenn wir uns den heutigen Predigttext einmal etwas näher betrachten, dann könnten wir über drei Punkte gemeinsam etwas intensiver nachdenken:

1. Welche Rolle spielt Gott in unserem Leben

Ab und wann schaue ich schon einmal in eine Talkshow. Zufällig sah ich vor kurzer Zeit die Sendung „Menschen bei Maischberger“. In dieser Sendung ging es um das Thema „alt werden“. Selbstverständlich, oder vielleicht auch gar nicht so selbstverständlich, wurde auch über das
Thema Gott diskutiert.

Ein alternder Sportreporter, die Älteren unter uns werden Harry Valerien noch kennen, hat sich eine recht abenteuerlich anmutende eigene Religion gebastelt, die sich aus mehreren Teilen fernöstlicher Religionen zusammensetzt. Ein betagter Schauspieler, Joachim Fuchsberger, kam unter fadenscheinigen Begründungen zu dem Ergebnis, dass er mit einem persönlichen Gott nichts anfangen könne. Schlussendlich führte noch eine bekannte Fernsehärztin an, dass es sich bei dem Glauben wohl um einen Placeboeffekt handele, wie man ihn aus der Medizin her kenne. Der
Patient schluckt eine Pille ohne Wirkstoff und trotzdem geht es ihm besser.

Soweit ein kleiner repräsentativer Querschnitt durch unsere Gesellschaft. Liebe Gemeinde, machen wir uns bitte nichts vor, auch wenn es sich hier um drei Prominente handelt. Es ist in der Tat so, dass sich ein Großteil unserer Bevölkerung ihr eigenes religiöses Süppchen kocht. Als Zutaten kommen dabei in’s Spiel: 1 Prise Buddhismus, 1 Messerspitze Hinduismus, 3 Tropfen Götzenanbetung und jede Menge frommes Wunschdenken.

Ich bin gewiss kein großer Statistiker. Aber in meiner Heimat sieht es derzeit so aus, dass für jede kleine freikirchliche Gemeinde, die ihre Pforten schließen muss, ein buddhistisches Zentrum entsteht.

Ähnlich erging es sicherlich auch den Adressaten des heutigen Predigttextes. Waren doch ihre Tempel zerstört worden, ihr Land besetzt worden und waren sie schließlich auch noch deportiert worden. Und schon, wenn’s einmal richtig dicke kommt, machten sich auch die Juden an’s Werk
sich mit den Göttern der neuen Heimat anzufreunden. Augenscheinlich, jedenfalls am momentanen Erfolg gemessen, müssen diese Götter ja den Menschen wohlgesonnener sein als der Gott der Juden.

Wir sehen, es hat sich auch seit über 2500 Jahren nicht viel geändert. Aber in diese Situation hinein spricht der gewaltige Gott, der Himmel und Erde erschaffen hat zu Seinem Volk die Worte, die wir in unserem heutigen Predigttext lesen. Und da kommen wir zu einer ganz anderen Fragestellung, nämlich

2. Welche Rolle spielen wir bei Gott ?

Jetzt wird es brandgefährlich, liebe Gemeinde. Wenn wir uns den Predigttext noch einmal genau anschauen, dann stellen wir fest, dass wir dort nur am Rande vorkommen. Und jetzt kommt die wirklich unangenehme Botschaft. Gott braucht uns nicht, Er kann auch ohne uns zurecht kommen.
Auch wenn wir häufig genau das Gegenteil ausleben, so entspricht dies doch der Wahrheit.

Des Himmels Weite und der Erden Lauf werden allein von Gott bestimmt.
Nicht der einzelne Mensch, sondern ganze Völker werden verglichen mit einem Tropfen in einem Eimer. Und was kann man mit einem Tropfen in einem Eimer anfangen ? Richtig erkannt, liebe Gemeinde, gar nichts.

Selbst all unsere Bemühungen, egal wie gut durchplant sie auch sein mögen, all dies kann Gott mit einem Federstrich vernichten. Wenn Er es will, werden all unsere Pläne und Vorhaben ganz einfach durchkreuzt.

Das sind natürlich ziemlich trübe Aussichten. Die naheliegendste Frage wäre nun natürlich: Was können wir tun, um diesen allmächtigen Gott gnädig zu stimmen ? Und jetzt wird es noch unangenehmer; wir können gar nichts tun, um Gott gnädig zu stimmen. Wäre die Geschichte mit Gott und den Menschen mit dem alten Testament zu Ende so müsste ich diese Predigt hier und jetzt abbrechen und wir würden alle als verlorene Sünder betrübt und zurecht verzweifelt nach Hause gehen.

Gott sei Dank ist dies nicht so. Obwohl wir es eigentlich nicht begreifen können gibt es sie dennoch

3. Gottes Liebe zu uns

In Jesus Christus reicht uns der Mensch gewordene Gott wieder die Hand zum Leben. Durch den Opfertod unseres Herrn haben wir die Möglichkeit, wieder Frieden mit Gott zu erlangen. Und dies geschieht nicht durch unsere eigenen Werke, sondern allein durch unser Herz, welches sich zu IHM wendet und allein bei IHM Frieden sucht.

Wenn wir dies tun, sind wir nicht mehr der Tropfen in einem Eimer. Nein, dann sind wir jeder einzelne unter uns, Seine geliebten Kinder, die Er alle mit Namen kennt. Und Seine geliebten Kinder möchte Er an Seiner Hand heimführen, heim in die ewige Gemeinschaft mit Ihm. Was kann es also schöneres geben.

Folgerichtig müssen wir uns jetzt natürlich noch die Frage stellen: Was soll dann der heutige Predigttext ? Wenn Gott uns doch liebt, dann können wir doch eigentlich mit dem heutigen Text so rein gar nichts anfangen. Aber weit gefehlt. Dieser Predigttext hat schon seine Berechtigung.

Bevor wir Jesus Christus als unseren Herrn angenommen haben, waren wir alle in der Gottesferne. Ein spannender Roman war uns wichtiger, als die Bibel. Jeder Kinobesuch war interessanter, als der Besuch einer christlichen Gemeinschaft. Und jedes auch noch so fragwürdige Vergnügen war uns wichtiger als Gott. Also musste uns Gott auf- und wachrütteln, damit wir überhaupt mal wieder über IHN als unseren Herrn nachdenken.

Und das , liebe Gemeinde, war der Grund für den heutigen Predigttext. Umkehren kann nämlich nur derjenige, dem der Zustand seines eigenen Lebens bewusst geworden ist. Erst wenn wir erkennen, dass allein in Jesus Christus unser Heil hier und jetzt und in Ewigkeit liegt, erst dann können wir der Richtung unseres Lebens den rechten Sinn geben.

Zu diesem Wachrütteln sind wir von unserem Herrn alle berufen. Gott möchte nämlich nicht, dass auch nur ein Mensch verloren geht. Daher vertraut Er uns als Seinen geliebten Kindern diese wichtige Aufgabe auf Erden an. Diese Aufgabe können wir auf verschiedene Art und Weise wahrnehmen. Egal, was wir auch tun, bei allem sollen wir stets ein Wegweiser sein, ein Wegweiser, der anderen Menschen den Weg zu unserem Herrn zeigt.

Ein zweiter Grund für den heutigen Predigttext liegt darin, dass wir auch als Kinder Gottes niemals vergessen sollen, dass wir in allem, was wir sind und was wir tun und planen allein von IHM abhängig sind. Als Kinder Gottes dürfen wir uns aber darauf verlassen, dass unser Vater stets nur das Beste für uns will.

Diese große Liebe Gottes zu uns und unsere liebevolle Abhängigkeit von unserem Herrn beschreibt wohl kaum ein anderer Liederdichter so gut, wie Paul Gerhardt. In dem ersten Vers seines Liedes „Die güldne Sonne…“ beschreibt er dies sehr schön, wie folgt:

Die güldne Sonne voll Freud und Wonne
bringt unsern Grenzen mit ihrem Glänzen
ein herzerquickendes, liebliches Licht.
Mein Haupt und Glieder, die lagen darnieder;
aber nun steh ich, bin munter und fröhlich,
schaue den Himmel mit meinem Gesicht.

Der Herr öffne Deine Ohren für Sein Wort, damit Du Seine Botschaft wahrnehmen kannst
Der Herr mache Dein Herz frei von allem, was Seinem Einzug bei Dir im Wege steht
Der Herr sende herab auf Dich Seinen Heiligen Geist, der Dir stets Deinen Weg weist

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen besinnlichen Sonntag in der Gegenwart unseres Herrn. Gleichzeitig wünsche ich Ihnen allen einen frohen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 4. Sonntag nach Epiphanias. Am heutigen Sonntag gedenken wir der Tatsache, dass Gott der Herrscher des Himmels und der Erde ist und dass Ihm auch alle Naturgewalten unterstellt sind. Dies spiegelt sich auch in unserem heutigen Predigttext wieder, welchen wir im Matthäusevangelium, Kapitel 14, die Verse 22-33 finden. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Jesus und der sinkende Petrus auf dem See

Und alsbald trieb Jesus seine Jünger, in das Boot zu steigen und vor ihm hinüber zu fahren, bis er das Volk gehen ließe. Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er allein auf einen Berg, um zu beten. Und am Abend war er dort allein. Und das Boot war schon weit weg vom Land entfernt und kam in Not durch die Wellen; denn der Wind stand ihm entgegen. Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen und ging auf dem See. Und als ihn die Jünger sahen auf dem See gehen, erschraken sie und riefen: Es ist ein Gespenst ! und schrien vor Furcht. Aber sogleich redete Jesus mit ihnen und sprach: Seid getrost, ich bin’s; fürchtet euch nicht ! Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr, bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf dem Wasser.
Und er sprach: komm her ! Und Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu. Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr, hilf mir ! Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm:
Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt ? Und sie traten in das Boot und der Wind legte sich. Die aber im Boot waren, fielen vor ihm nieder und sprachen: Du bist wahrhaftig Gottes Sohn !

Liebe Gemeinde,

wieder einmal ein Predigttext, der so direkt unter die Haut geht. Finden Sie nicht auch ? Und doch steckt hinter diesem augenscheinlichen Überwinden der Naturgewalten noch viel mehr. Ich denke, es sind drei Punkte, auf die uns der heutige Predigttext hinweisen will.

1. Der Weg ohne Jesus

Jesus fordert seine Jünger auf, allein in ein Boot zu steigen und sich schon einmal ohne Ihn auf den Weg zu machen. Eigentlich vollkommen unspektakulär. Und doch lesen wir in unserem Predigttext das Wort „Jesus trieb“ Seine Jünger. Er forderte sie also nicht freundlich auf, sondern Er drängte sie quasi dazu, sich ohne Ihn auf den Weg zu machen. Dies sollte indes eine beispielhafte Lehrstunde werden.

Zunächst ging auch alles glatt. Das Boot war wohl schon einige Stunden ohne spektakuläre Vorkommnisse unterwegs gewesen und dann auf einmal geriet es in Seenot. Wie wir lesen, stand ihm der Wind entgegen.

Liebe Gemeinde, ist dies nicht auch ein Zeichen unserer Zeit ? Wie viele Menschen machen sich auf und gehen ihren Lebensweg ohne unseren Herrn. Als Christ könnte man manchmal direkt neidisch werden, scheint doch gerade diesen wirklich gottlosen Menschen so alles zu gelingen. Sie
schwelgen in Reichtum und Überfluss und lassen es sich so richtig gut gehen. Und dann auf einmal kommt der Gegenwind. Dies muss nicht gleich eine lebensbedrohende Krankheit sein. Es kann auch der Karriereknick sein, weil Jüngere bevorzugt werden. Oder aber die Familie bricht auseinander, weil sie alle keinen gemeinsamen festen Grund mehr haben. Und dann möchte man als Christ nicht mehr neidisch sein auf diese Menschen.

Ein Weg ohne Jesus führt früher oder später immer in die Dunkelheit. Menschen, denen diese feste Basis in ihrem Leben fehlt, die dümpeln dahin, wie unser Boot aus dem Predigttext, getrieben von den Stürmen und Wellen des Lebens. Total orientierungslos werden sie von den Stürmen des
Lebens gepackt bis sie irgendwann auf Grund laufen. Aber so weit muss es ja nicht kommen. So lange wir auf Erden leben können wir uns jederzeit für folgenden Weg entscheiden:

2. Der Weg mit Jesus

Da mag so eine rechte Freude aufgekommen sein, als die Jünger ihren Herrn erkannt hatten, der ihnen gefolgt war. Ja, liebe Gemeinde, es kam sogar zu einer Art Euphorie. Petrus war überzeugt, dass auch er auf dem Wasser gehen könne, wie sein Herr und Meister. Und wie wir es nachlesen
können, es klappte schließlich auch.

Das ist etwas, was mir immer wieder Trost spendet. Jesu Liebe geht so weit, dass Er allen Menschen hinterhergeht, auch wenn sie auf dem Weg in ihr eigenes Verderben sind. Jesus ist nicht nur für unsere Sünden gestorben, auf dass wir Frieden hätten. Nein, Jesus geht noch einen Schritt weiter. Selbst dem übelsten aller Sünder, der ein Leben ohne Ihn führen will, selbst diesem geht Er hinterher. Wohlgemerkt, die Jünger zählen nicht zu den übelsten Sündern, sondern stehen in unserem Predigttext nur stellvertretend für diese Menschen.

Und wenn dann ein Mensch seine eigene Verlorenheit erkannt hat und gar nicht mehr weiter weiß, dann reicht ihm Jesus Seine rettende Hand. Diese rettende Hand kann einen Alkoholiker von einem Moment auf den anderen „trocken“ werden lassen. Diese rettende Hand kann ganze Familien, die
auseinander gebrochen sind, wieder zusammenführen, wozu kein Paartherapeut jemals in der Lage gewesen ist. Und diese rettende Hand, liebe Gemeinde, hat zum Beispiel aus dem Saulus den Paulus gemacht. Aus einem Verfolger der Christen wurde einer der größten Evangelisten der damaligen Zeit.

So lange wir uns an dieser liebenden Hand festhalten, ja ich möchte beinahe sagen festkrallen, so lange sind wir in Seiner Liebe geborgen. Aber wir müssen auch vorsichtig sein, denn es kann auch zu

3. Kontrollverlust führen

Petrus war bestimmt kein frommer Spinner. Er war ein gestandener Fischersmann. Wenn einer sich auf dem Meer auskannte dann wohl doch Petrus. Und dieser Petrus, der eigentlich ganz genau wusste, dass Wasser keine Balken hat, dieser Petrus ist nun davon überzeugt, dass er auf Geheiß seines Herrn ebenfalls auf dem Wasser gehen kann. Und wie wir gelesen haben klappte dies auch zunächst sehr gut. Wenn Jesus von einem Menschen Besitz ergreift, dann gibt es keine Grenzen mehr.

Und dann auf einmal begann dieser Petrus zu sinken. Was war passiert ?
Eigentlich genau das, was uns auch heute immer wieder widerfahren kann. Da geraten wir in Not und vertrauen uns ganz und gar unserem Herrn an. Wir nehmen Seine ausgestreckte Hand und schauen nur noch auf Ihn und lassen uns von Ihm leiten. So weit, so gut. Und dann kommt der Moment, wo uns diese liebende Hand unseres Herrn oftmals als zu fest erscheint.
Wir sind doch schließlich keine kleinen Kinder mehr. Wir sind erwachsene Menschen und können doch wohl unser Schicksal selbst in die Hand nehmen. Und so lassen wir häufig die liebende Hand unseres Herrn los und wenden unseren Blick von Ihm ab.

Als wir Seine Hand ganz fest umklammert hatten, da gab es auch schon die Probleme um uns herum, aber wir waren so auf IHN fixiert, dass wir diese Probleme, Nöte, Sorgen und Gefahren gar nicht gesehen haben, weil er uns schlussendlich durch diese durchgeführt hat. Und nun auf einmal stehen wir wieder ganz allein da vor all diesen Nöten und Sorgen. Wir drohen an diesen Gefahren zu zerbrechen.

Und dann ist sie wieder da, diese ausgestreckte Hand unseres Herrn, die uns wieder zu sich zieht. Diese ausgestreckte Hand, welche Petrus sicherlich voller Dankbarkeit ergriffen hat, dürfen auch wir immer wieder dankend ergreifen. Egal, wo wir uns gerade befinden. Die ausgestreckte Hand unseres Herrn wartet nur darauf, von uns ganz fest umklammert zu werden. Dies meinte unser Herr auch, als Er uns verheißen hat: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Dieses vertrauensvolle Gehen an unseres Herren Hand beschreibt auch die Liederdichterin Julie Hausmann in dem ersten Vers ihres Liedes „So nimm denn meine Hände…“ sehr schön, wie folgt:

So nimm denn meine Hände und führe mich
bis an mein selig Ende und ewiglich.
Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt:
Wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.

Der Herr reiche Dir seine Hand, damit sie Dich durch Dein Leben führt
Der Herr halte Deine Hand ganz fest, damit Du seine Liebe spüren kannst
Der Herr führe Dich an seiner Hand, damit Du auf seinem Pfade bleiben kannst

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche. Lassen Sie uns doch in dieser Woche wieder den Anfang machen und ganz fest der führenden Hand unseres Herrn vertrauen. Lassen Sie uns daher mit einem Wort des Propheten Jesaja in die neue
Woche gehen:
„Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen; aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der HERR, dein Erbarmer.“

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 3. Sonntag nach Epiphanias mit dem Wochenspruch für die kommende Woche:
„Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.“

Glauben und sehen hängen in der Bibel immer wieder eng zusammen. Das berühmteste Beispiel dafür dürfte der Jünger Thomas gewesen sein, der für die Auferstehung seines Herrn einen sicht- und fühlbaren Beweis forderte. Im Prinzip hat sich bis zum heutigen Tage an dieser Problematik nicht viel geändert. Daher hat auch unser heutiger Predigttext nichts von seiner Aktualität verloren. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag, im Johannesevangelium, Kapitel 4, die Verse 46-54. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Und Jesus kam abermals nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser zu Wein gemacht hatte. Und es war ein Mann im Dienst des Königs; dessen Sohn lag krank in Kapernaum. Dieser hörte, dass Jesus aus Judäa nach Galiläa kam, und ging hin zu ihm und bat ihn, herabzukommen und seinem Sohn zu
helfen; denn der Sohn war todkrank. Und Jesus sprach zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht. Der Mann sprach zu ihm: Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt ! Jesus spricht zu ihm: Geh hin, dein Sohn lebt ! Der Mensch glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. Und während er hinabging, begegneten ihm seine Knechte und sagten: Dein Kind lebt. Da erforschte er von ihnen die Stunde, in der es besser mit ihm geworden war. Und sie antworteten ihm: Gestern um die siebente Stunde verließ ihn das Fieber. Da merkte der Vater, dass es die Stunde war, in der Jesus zu ihm gesagt hatte: Dein Sohn lebt. Und er glaubte mit seinem ganzen Hause. Das ist nun das zweite Zeichen, das Jesus tat, als er aus Judäa nach Galiläa kam.

Liebe Gemeinde,

„Ich glaube nur, was ich sehe.“ Dieser Spruch ist immer noch aktuell, aktuell bei Menschen, die sich nicht näher mit Jesus Christus beschäftigen möchten. Und doch steckt ein wenig mehr hinter dieser
Aussage. Möchten wir nicht alle, die wir immer wieder von den Wundern Jesu hören auch einmal direkt dabei sein, wenn so ein Wunder geschieht ? Ich gebe offen zu, dass ich schon gern dabei gewesen wäre, wie Jesus einen Blinden geheilt hat. Aber gehen wir doch einmal den Wundern auf
den Grund. Haben die Wunder Jesu gewisse Gemeinsamkeiten ? Und wenn ja, welche ? Lassen Sie uns über diese Fragen am heutigen Sonntag gemeinsam nachdenken.

1. Die Ohnmacht

Da erhält eine Familie die Diagnose, dass ihr Kind bald sterben wird.
Zunächst kommt der Schockzustand und dann werden alle möglichen Ärzte, die man kennt oder von denen man gehört hat, konsultiert. Aber auch die wissen keinen Rat mehr. Und somit scheint das Schicksal des Kindes besiegelt zu sein. Bis sich der Vater erinnert: Da war doch so ein Wanderprediger, der wahre Wunder vollbracht hat. Sogar ein Blinder kann jetzt wieder sehen. Wenn einer helfen kann, dann bestimmt dieser Wunderheiler. Also beschließt die Familie, dass der Vater hingehen soll, um den Wunderheiler zu „engagieren“.

Wann wenden sich die Menschen eigentlich in der heutigen Zeit an Jesus ?
Doch häufig erst dann, wenn alle „nach menschlichem Ermessen“ möglichen Lösungswege daneben gegangen sind. Könnte dies auch ein Grund sein, warum viele Menschen so wenig mit Jesus
erleben ? Über eines müssen wir uns nämlich immer wieder im klaren sein:
Jesus dringt nicht ungefragt in das Leben der Menschen ein. Solange wir meinen, dass wir stark genug sind, alles allein erledigen zu können, hält sich unser Herr vornehm zurück.

Erst wenn wir unsere eigene Ohnmacht eingestehen, dann greift ER ein.
Erst, wenn wir Ihm gegenüber zu erkennen geben, dass wir ganz ohne irgendeine Macht sind, dann kann Seine Macht in uns wirken. Wenn wir unsere eigene Ohnmacht anerkennen, dann steigen wir endlich herab vom Regierungsthron unseres Lebens und übergeben diesen dem einzigen wahren
Herrscher, den es gibt, nämlich unserem Heiland. Dazu bedarf es aber noch einer weiteren Voraussetzung, nämlich

2. Das Vertrauen

Ohnmacht allein bewirkt ja nicht viel. Vertrauen hingegen kann Berge versetzen. Da kommt also der aufgelöste Vater zu Jesus und berichtet ihm, dass sein Sohn todkrank sei. Gleichzeitig bittet er Jesus, zu ihm zu kommen und seinen Sohn zu heilen. Zunächst erfährt er so etwas wie eine schroffe Abweisung und dann sagt Jesus nur zu ihm: Geh nach Hause, dein Sohn wird wieder gesund.

Und jetzt kommt das eigentlich Erstaunliche: Der Mann glaubte dem Wort und ging hin. Einfach glauben, mehr erwartete Jesus nicht von dem Vater des todkranken Kindes. Und einfach glauben, mehr erwartet der Herr auch im 21 Jahrhundert nach Seiner Geburt nicht von uns. Ich glaube, wir
würden alle wieder viel mehr mit Jesus erleben, wenn wir dieses „einfach glauben“ wieder häufiger in die Praxis umsetzen würden. Was machen wir aber anstatt dessen ? Wir argumentieren auf höchstwissenschaftlichem Niveau, warum keine Wunder geschehen können.

Schlau, wie wir nun einmal sind, widerlegen wir so Stück für Stück die gesamte Bibel bis für uns nur noch ein Märchenbuch übrig bleibt. Das, liebe Gemeinde, hat mit Vertrauen und Glaube nun wirklich nichts mehr zu tun. Wir müssen alle wieder zu einer radikalen Umkehr gelangen. Zurück
zur Bibel, zurück zu Jesus muss es in unseren Herzen heißen. Wenn wir schlicht und ergreifend auf das vertrauen, was uns die Bibel lehrt, dann werden wir zwar nicht jeden Tag gewaltige Wunder erleben, aber wir werden die Kraft des auferstandenen Herrn wieder direkt in uns spüren, fühlen und erleben dürfen. Und dann fällt uns auch dieses bedingungslose Vertrauen nicht mehr schwer, welches der Herr von uns erwartet.

Das ist es auch, was wir an unsere Mitmenschen weitergeben sollen. Wir sollen unsere Mitmenschen nicht durch hochdogmatische Glaubenskonstrukte zu überzeugen versuchen. Wir sollen ihnen den einfachen Weg zu Jesus, diesen Weg der nur aus Glaube und Vertrauen besteht, näher bringen.

Beides: Aktiv vorleben und zum Ausprobieren und Mitmachen ermuntern, das, liebe Gemeinde, sind unsere Aufgaben als seine Jünger.

3. Der konkrete Einzelfall

Wissen Sie, was mich am meisten an Jesus fasziniert ? Er sagt, was Er tut und Er tut was Er sagt. Ganz konkret und für jedermann nachvollziehbar. Wenn wir uns die Wunder Jesu in den Evangelien betrachten, dann stellen wir immer fest, dass Ursache und Wirkung auf’s engste miteinander verbunden sind. Immer wieder kommen Menschen mit ganz konkreten Anliegen zu Jesus. Und dann werden sie von ihren Krankheiten und Gebrechen geheilt. Jesus ergeht sich nicht in frommen
Allgemeinfloskeln. Jesus sieht das einzelne Schicksal ganz konkret an.

Eigentlich schade, dass wir alle nicht zu Zeiten Jesu gelebt haben.
Aber halt – das stimmt ja gar nicht.
ER, der diese Wunder vollbracht hat, ER lebt und regiert ja von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Er ist ja stets nur ein Gebet weit von uns entfernt.
Und so dürfen wir, wie die verzweifelten Menschen vor über 2000 Jahren zu unserem Herrn kommen. Wir dürfen IHM ganz konkret alles übergeben, was uns bedrückt. ER wird uns dann das zukommen lassen, worum wir IHN gebeten haben.

Eine kleine Bemerkung sei mir noch gestattet: Jesus will ja immer nur das Beste für uns. Wenn ein Gebet keine Erhörung findet, dann dürfen wir ganz sicher sein, dass das, worum wir gebeten haben nicht das Beste war. Unser Herr wird keine Gebetsanliegen beantworten, welche uns in irgendeiner Form schaden könnten. Wir dürfen also um alles bitten und werden doch immer nur das Beste vom Besten empfangen. Wenn das kein Grund ist hier und jetzt „Danke Herr“ zu sagen.

Dies alles gilt nicht nur heute und morgen, nein, dies alles gilt bis an der Welt Enden. Dies hat uns Jesus versprochen. Und was ER verspricht, das hält ER auch.

Wir dürfen uns als Christen unser ganzes Leben lang in Gottes Liebe geborgen fühlen.
Dies beschreibt auch schon der Liederdichter Johann Franck in dem ersten Vers seines Liedes „Jesu, meine Freude…“ sehr schön, welcher da lautet, wie folgt:

Jesu, meine Freude, meines Herzens Weide, Jesu meine Zier:
ach wie lang, ach lange ist dem Herzen bange und verlangt nach dir !
Gottes Lamm, mein Bräutigam,
außer dir soll mir auf Erden nichts sonst Liebers werden.

Der Herr gebe Dir die Kraft, Dich IHM ganz hinzugeben
Der Herr gebe Dir Vertrauen, dass allein auf IHN gegründet ist
Der Herr gebe Dir die Weisheit, stets in SEINEM Sinne zu handeln

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen fröhlichen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber