ePredigt vom 16.02.2014 (Römer 9, 14-24)

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Septuagesimae, was übersetzt 70 Tage vor Ostern bedeutet. Unseren heutigen Predigttext finden wir im Römerbrief, Kapitel 9, die Verse 1-24. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Gottes freie Gnadenwahl

Was sollen wir nun hierzu sagen ? Ist denn Gott ungerecht ? Das sei ferne ! Denn er spricht zu Mose (2.Mose 33, 19): „Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig; und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.“ So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen. Denn die Schrift sagt zum Pharao (2.Mose 9, 16): „Eben dazu habe ich dich erweckt, damit ich an dir meine Macht erweise und damit mein Name auf der ganzen Erde verkündigt werde.“ So erbarmt er sich nun, wessen er will, und verstockt, wen er will. Nun sagst du zu
mir: Warum beschuldigt er uns dann noch ? Wer kann seinem Willen widerstehen ? Ja, lieber Mensch, wer bist du denn, dass du mit Gott rechten willst ? Spricht auch ein Werk zu seinem Meister: Warum machst du mich so ? Hat nicht ein Töpfer Macht über den Ton, aus demselben Klumpen ein Gefäß zu ehrenvollem und ein anderes zu nicht ehrenvollem Gebrauch zu machen ? Da Gott seinen Zorn erzeigen und seine Macht kundtun wollte, hat er mit großer Geduld ertragen die Gefäße des Zorns, die zum Verderben bestimmt waren, damit er den Reichtum seiner Herrlichkeit kundtue an den Gefäßen der Barmherzigkeit, die er zuvor bereitet hatte zur Herrlichkeit. Dazu hat er uns berufen,nicht allein aus den Juden, sondern auch aus den Heiden.

Liebe Gemeinde,

wenn man den Predigttext zum ersten Male hört, dann könnte man glatt auf den Gedanken kommen: Gott sitzt im Himmel mit einem Würfel, auf welchem die Worte Himmel und Hölle verzeichnet sind. Je nachdem auf welcher Seite der Würfel landet ist damit auch das Schicksal jedes Einzelnen von uns besiegelt. Das ist natürlich nicht so. Gottes freie Gnadenwahl, wie der Predigttext übersetzt ist, will uns 3 Dinge über das Wesen der Gnade Gottes näherbringen.

1. Gnade ist ein Geschenk

Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter, alles, was wir haben und sind ist ein Geschenk Gottes. Wir als Menschen haben überhaupt nichts zu beanspruchen.

Wir haben keinen Anspruch auf körperliche Unversehrtheit, auf ein Leben in Frieden und Harmonie und auf ein Leben im Reichtum. All das, woran wir uns erfreuen dürfen, all das ist ein Geschenk unseres himmlischen Vaters.

In unserer heutigen Zeit nehmen wir leider all zu vieles als selbstverständlich an. Es ist selbstverständlich, dass ich eine Schule besuchen darf, eine Lehrstelle bekomme, einen festen
Arbeitsplatz erhalte und eine Familie gründe. Liebe Gemeinde, dies alles ist nicht selbstverständlich. Es sind alles Geschenke an uns.

Machen wir doch ab heute Abend einmal folgendes. Danken wir unserem Herrn doch einmal nur für 3 Dinge, die Er uns heute geschenkt bzw. erleben hat lassen. Keine Sorge, nach ein paar Tagen werden es nicht mehr nur 3 Dinge, sondern wesentlich mehr sein.

Seien wir doch wieder dankbar für diese Geschenke, die uns Gott gibt.
Wenn wir von unseren Lieben Geschenke erhalten, dann bedanken wir uns doch schließlich auch dafür.

Und noch etwas: Gottes Geschenke können wir uns nicht verdienen, dann wären es keine Geschenke mehr, dann wäre es eine Entlohnung. Lassen wir uns also nicht verrückt machen von religiösen Extremisten, die immer und immer wieder auf religiöse Höchstleistung hinweisen, ohne die wir nicht in den Himmel kommen.

2. Wie kann Gott das alles zulassen

Diese Frage könnte man sich ja stellen, wenn man den heutigen Predigttext liest. Diese Frage setzt aber schon ein besonderes Gottesbild voraus, welches so sicherlich keine Gültigkeit hat.

Wer so fragt, der stellt sich Gott auf der Anklagebank des Himmel vor.
Da sitzt Gott nun und muss sich unsere Anklagen gefallen lassen.
Angeklagter Gott, wie konntest du das alles zulassen ? So, liebe Gemeinde wird es dereinst nicht sein.

Auf der Anklagebank sitzen nämlich wir und müssen uns von Gott die Frage gefallen lassen: „Wie konntest du Ulrich Naber es zulassen, dass du deinem Nächsten nicht geholfen hast, als er deiner Hilfe so dringend bedurfte.“ Keine Sorge, es werden noch viel mehr Anklagepunkte gegen mich und uns alle erhoben werden. Allerdings dürfen wir uns auf unseren Anwalt Jesus beziehen, der alle Anklagepunkte bereits für erledigt erklären wird.

Nun leben wir alle noch nicht im Himmel, sondern auf der Erde. Ganz ohne Frage ereilen uns immer wieder Schicksalsschläge auf deren Warum-Frage ich auch keine Antwort habe. Aber wir werden im Himmel schon eine Antwort erhalten.

Wie kann Gott zulassen, dass meine Ehe total in die Brüche gegangen ist ? Diese Frage wird mir immer wieder gestellt. Ich glaube nicht, dass Gott Ehen willentlich zerstört. Aber ich glaube, dass Ehen, die ohne göttlichen Ratschlag und Beistand geschlossen werden, diesem Risiko in besonderer Art und Weise ausgesetzt sind.

Also im Klartext: Ich kann nicht ohne Gott alles in die Hand nehmen.
Geht es gut, bin ich der große Held und Macher. Geht es schief, dann ist Gott daran schuld.

3. Rettung für alle

Wir sind alle bestimmt dafür, die Ewigkeit in der Gegenwart unseres himmlischen Vaters zu verbringen. Das setzt natürlich voraus, dass wir dies auch wollen.

Gott wird niemanden zu seinem Glück zwingen. Er ist schließlich ein Gott der Liebe und da passt Zwang nicht dazu. Jetzt lässt also ein Gott der Liebe einen Menschen in die Hölle fahren ? Ja, liebe Gemeinde, diese Möglichkeit besteht. Gott hat uns mit einem eigenen Willen ausgestattet, welcher auch die Möglichkeit der Entscheidung gegen Ihn beinhaltet.

Aber Achtung: Gott wirft niemanden aktiv in die Hölle, diesen Weg gehen wir schon selber. Gott geht bis an des Ende unseres irdischen Lebens hinter uns her und möchte, dass wir den Heilsweg zu IHM finden.

Dazu fällt mir eine kleine Anekdote ein: Zum alten Fritz kam der oberste Justiziar mit einem Gnadengesuch eines Gefangenen. Er selbst hatte es schon mit den Worten kommentiert: „Gnade unmöglich, im Gefängnis zu belassen.“ Der alte Fritz las das Gnadengesuch nahm einen Stift und versetzte das Komma um eine Stelle nach links, sodass der Satz nunmehr
lautete: „Gnade, unmöglich im Gefängnis zu belassen.“

Liebe Gemeinde, lassen Sie uns dankbar sein, dass Gott das Komma über unseren Weg schon eine Stelle nach links gesetzt hat und lassen Sie uns alle dafür beten, dass dies noch möglichst vielen Menschen widerfahren darf.

Gottes Gnade und Gottes Erbarmen drückt der Liederdichter Philipp Friedrich Hiller sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes „Mir ist Erbarmung widerfahren…“ (EG 355) aus, der da lautet, wie folgt:

Mir ist Erbarmung widerfahren,
Erbarmung, deren ich nicht wert;
das zähl ich zu dem Wunderbaren,
mein stolzes Herz hat’s nie begehrt.
Nun weiß ich das und bin erfreut
und rühme die Barmherzigkeit.

Der Herr segne Dich und behüte Dich
Der Herr lasse SEIN Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig
Der Herr hebe SEIN Angesicht über Dich und gebe Dir SEINEN Frieden

Amen.

Liebe Gemeinde,

unter der göttlichen Gnade wünsche ich Ihnen noch einen schönen Restsonntag und eine ebensolche neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber