ePredigt vom 31.10.2013 (Jesaja 62, 6-7, 10-12)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Reformationstag des Jahres 2013.
Den Predigttext finden wir im Alten Testament bei dem Propheten Jesaja im 62. Kapitel,
die Verse 6-7 und 10-12. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

O Jerusalem, ich habe Wächter über deine Mauern bestellt, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nicht mehr schweigen sollen. Die ihr den Herrn erinnern sollt, ohne euch Ruhe zu gönnen, lasst ihm keine Ruhe, bis er Jerusalem wieder aufrichte und es setze zum Lobpreis auf Erden ! Gehet ein, gehet ein durch die Tore ! Bereitet dem Volk den Weg ! Machet Bahn, machet Bahn, räumt die Steine hinweg ! Richtet ein Zeichen auf für die Völker ! Siehe, der Herr lässt es hören bis an die Enden der Erde: Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein Heil kommt ! Siehe, was er gewann ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her ! Man wird sie nennen „Heiliges Volk“ „Erlöste des Herrn“ und dich wird man nennen „Gesuchte“ und „Nicht mehr verlassene Stadt“.

Liebe Gemeinde,

es ist richtig, dass der Protestantismus mit Dr. Martin Luther seinen Gründervater gefunden hat. Es war aber hingegen niemals Luthers Absicht, eine Kirchenspaltung herbeizuführen. Luther wollte lediglich auf Missstände aufmerksam machen, welche sich bei der Kirche eingeschlichen hatten. Da war z.B. der Ablasshandel, der den Gläubigen die Möglichkeit vorgaukelte, die Seelen der bereits Verstorbenen durch den Erwerb eines Ablassbriefes noch retten zu können.

Insofern war Luther so etwas, wie ein Glaubenswächter, wie ihn der heutige Predigttext beschreibt. Haben wir heute eigentlich auch noch Missstände in unserer Kirche zu beklagen, oder läuft alles glatt und rund ? Gewiss, den Ablasshandel gibt es nicht mehr, aber auch wir benötigen heute wieder Glaubenswächter, die die Menschen aufrütteln.

Ich glaube unsere Probleme liegen auf einer anderen Ebene, als diejenigen, die Luther damals zu bekämpfen berufen worden war. Lassen Sie uns die neuen Missstände doch einmal ein wenig genauer betrachten. Nehmen wir uns heute Abend einfach einmal deren drei vor.

1. Gleichgültigkeit

Ich glaube die frohe Botschaft, die die ersten Christen noch voll und ganz mit Leben erfüllt hat, ist bei uns zu einer ist schon Ok-Botschaft geworden. Ja es stimmt, Jesus ist am Kreuz für uns gestorben, aber das war’s dann auch schon.

Es hat keine Auswirkungen mehr auf das Leben vieler Menschen. Man lebt nach Empfang der Botschaft so weiter, wie bisher. Es ändert sich nichts, man hat ja die Vergebung. Soll Gott doch bitteschön immer wieder alles vergeben, es ist ja schließlich sein Job.

Und hier müssen wir als Wächter auftreten. Hier müssen wir gegenüber unseren Mitmenschen Farbe bekennen. Hier müssen wir aufstehen und wieder gerade biegen, was krumm geworden ist. Hier müssen wir sagen: Ja, es gibt Vergebung. Aber es gibt keine billige Gnade, eine Gnade derer man sich je nach Belieben bedienen kann. Und wir müssen sagen, ja es gibt sie, die ewige Verdammnis für alle, die Gottes Gnadenerweis nicht angenommen haben.

Und dann kommt noch eine weitere Problematik auf uns zu, die Vielzahl der Religionen. Wenn Buddhismus, Hinduismus und was weiß ich nicht alles für Religionen, wenn sie alle gleiche Gültigkeit besitzen, dann ist es doch wurscht, was wir glauben.

Und auch hier ist unsere Wächterrolle gefragt. Hier müssen wir sagen, dass allein unser christlicher Glaube der einzig wahre Glaube ist, der errettet und der vor der Hölle bewahrt und uns anstatt in die Hölle gleich in den Himmel bringt.

Wer auch über seinen eigenen Tod hinaus in der Gemeinschaft mit unserem Herrn leben möchte, für den darf eben nicht alles gleich gültig sein.
Helfen wir also den Menschen aus der Gleichgültigkeitsfalle heraus.

2. Trägheit

Komm ich heute nicht, dann komm ich morgen. Das kennen wir doch alle.
Und auch die Aufschieberitis ist uns doch bestens bekannt.

Warum soll ich mich heute bekehren, ich bin ja noch so jung. ich will noch was vom Leben haben. Wenn ich alt bin ist immer noch genügend Zeit dazu. Haben wir die wirklich dann noch, diese Zeit ? Was ist, wenn wir auf Grund eines tragischen Unglücksfalles schon vorher abberufen werden ? Dann haben wir die Bekehrung leider verpasst.

Spurgeon, der große englische Erweckungsprediger, ist sicherlich vielen von uns bekannt. Er fragte einmal einen jungen Mann, warum er sich nicht bekehren wolle. Dieser antwortete auf die Frage mit der Antwort, dass er schließlich noch was vom Leben haben wolle, bevor er sich denn bekehre.
Spurgeon antwortet ihm, dass er mit unserem Herrn Jesus nicht nur etwas vom Leben habe, sondern DAS Leben schlechthin.

Vor lauter Trägheit verpassen viele Menschen unter Umständen die Gelegenheit, ihre Eintrittskarte in den Himmel zu lösen. Darum braucht es auch heute wieder Wächter, die die Menschen aus ihrer Trägheit wachrütteln. Lassen Sie uns doch alle diese Wächter sein.

3. Undankbarkeit

Alle guten Gaben, die wir bekommen haben, kommen doch alle aus SEINER Hand. Wie sieht es denn heute bei uns in Deutschland aus ?

Es ist doch selbstverständlich, dass ich ein Dach über dem Kopf habe. Es ist doch selbstverständlich, dass ich keinen Hunger leiden muss. Und wenn ich krank bin ist es doch selbstverständlich, dass ich einen Arzt oder gar ein Krankenhaus aufsuche, welches mich behandelt.

Gehen wir einmal mit dem Finger auf der Landkarte bis zum afrikanischen Kontinent. So elendiglich weit weg ist dieser Weg doch auch nicht. Und was erleben wir dort ? Es ist eben nicht selbstverständlich, dass jeder Mensch ein Dach über dem Kopf hat. Zahlreiche Menschen leben unter freiem Himmel und das 365 Tage im Jahr.

Es ist dort ebenfalls nicht selbstverständlich, dass jeden Tag genügend Nahrung zur Verfügung steht, um satt zu werden. Es steht häufig noch nicht mal genügend Nahrung zum Überleben zur Verfügung.

Und bei dem Ausbruch einer Krankheit sieht es nicht besser aus. Es gibt in vielen Ländern kein funktionierendes Gesundheitssystem so, wie wir es gewohnt sind. Wo keine Hilfe ist, da sterben die Menschen ganz einfach an Erkrankungen, die bei uns ganz einfach behandelt werden könnten.

Auch hier brauchen wir Wächter, die uns dies vor Augen führen. Sollten wir da nicht einmal unsere Dankbarkeitshaltung überprüfen. Lassen Sie uns doch wieder gemeinsam daran erinnern, dass wir alles, was wir haben und sind ganz allein unserem Herrn zu verdanken haben. Lassen Sie uns doch wieder zurückkehren zu der gottesfürchtigen Dankbarkeit, die IHM allein die Ehre erweist.

Gut, das es den Reformationstag gibt. Zeigt er uns doch immer wieder in anschaulicher Art und Weise auf was es wirklich ankommt im Leben und auf WEN es wirklich ankommt in unserem Leben.

Auf WEN es wirklich ankommt in unserem Leben das beschreibt Dr. Martin Luther sehr schön in dem 2. Vers seines Liedes “ Ein feste Burg ist unser Gott…“, der da lautet, wie folgt:

Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren;
es streit für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren.
Fragst du, wer der ist ? Er heißt Jesus Christ,
der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott, das Feld muss er behalten.

Der Herr bewahre Dich davor jemals gleichgültig zu werden
Der Herr bewahre Dich davor jemals in Deinem Leben träge zu werden
Der Herr bewahre Dich davor IHM gegenüber jemals undankbar zu werden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Donnerstag, bis zum nächsten Sonntag wünsche ich Ihnen allen Gottes reichen Segen.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber