Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag, dem Palmsonntag des Jahres 2015. Unser Predigttext nimmt uns auch direkt in das Geschehen des Palmsonntages 2000 Jahre zuvor hinein. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei Johannes im 12. Kapitel, die Verse 12-19. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem käme, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und riefen: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, der König von Israel! Jesus aber fand einen jungen Esel und ritt darauf, wie geschrieben steht (Sacharja 9,9) „Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.“ Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so mit ihm getan hatte. Das Volk aber, das bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, rühmte die Tat. Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan. Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.

Liebe Gemeinde,

hier reitet er also, der König aller Könige in Jerusalem ein.
Oberflächlich betrachtet handelt es sich um einen ganz normalen Einzug einer bekannten Person in eine Stadt. Aber wir entdecken einige Besonderheiten des Einzuges Jesu in Jerusalem, die wir am heutigen Sonntag gemeinsam betrachten sollten.

1. Das Eselsfüllen

Kriegsherren vor der Schlacht und nach erfolgreicher Schlacht reiten erhobenen Hauptes auf einem Schlachtross und lassen sich so von der ihnen zujubelnden Menge feiern. Man erkennt sofort, was sie geleistet haben und neigt sich ehrfurchtsvoll vor ihnen.

Ganz anders hingegen war es am Palmsonntag vor 2000 Jahren. Da reitet Jesus, der ja nun höher als alle Herrscher dieser Welt wert zu achten ist, ganz bescheiden auf einem Eselsfüllen in Jerusalem ein. Also das total entgegengesetzte Erscheinungsbild als das, was wir eigentlich erwartet hätten.

Aber das ist ja gerade seine Bestimmung, die ihn antreibt. Jesus reitet direkt an allen unseren Erwartungen vorbei. Das Kreuz bereits vor Augen geht Jesus ganz bescheiden und demutsvoll seinen Weg.

Ihm ist es egal, was die Menge über ihn denkt und wie sie handelt.
Nehmen wir dies doch einmal als einen Hinweis für uns und unser Leben.
Wie Jesus auf das Kreuz fokussiert war, so sollten wir auch auf etwas fokussiert sein, nämlich auf unseren Herrn.

In allem was uns wiederfährt sollten wir niemals eines vergessen, dass unser Herr immer bei uns ist. Egal, welchen Weg wir auch zu gehen haben, ER geht diesen Weg stets mit uns mit. Ob himmelhoch jauchzend oder zu Tode betrübt, unser Herr will immer an unserer Seite stehen uns gehen. Jedenfalls so lange, wir unser Leben auf Ihn fokussieren.

Jesus in den Mittelpunkt zu stellen bedeutet für uns auch gleichzeitig eine Neuausrichtung unseres Lebens. Keine Angst, wir müssen jetzt keine Lebenspläne neu erstellen, die alten über den Haufen werfen und nächtelang darüber grübeln, wie wir ein „Jesusleben“, also ein auf Jesus fokussiertes Leben führen können. Wir sollen uns ihm einfach nur hingeben mit allem, was wir haben und was wir sind. Er wird uns dann schon mit neuem Leben und einem neuen Lebensplan füllen.

Wichtig ist nur eines, dass wir uns nicht an unserem „alten“ Leben festklammern, sondern wirklich und ehrlich auf unseren Herrn einlassen.

2. Der Verkennung

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Wenn einer etwas ganz besonders gut an kann wird er angehimmelt bejubelt und bestaunt. Denken wir nur an den ganzen Starkult, den wir um Fußballspieler, Rockstars uns andere bekannte Persönlichkeiten machen.

In Wirklichkeit sehen wir doch gar nicht diese Person, wir sehen doch nur das, was diese Person besonders gut kann. Keiner von uns wusste doch, dass ein Robert Enke (ehemaliger Torhüter von Hannover 96) unter Depressionen litt, die ihn schließlich in den Suizid getrieben haben.
Wir alle sahen doch nur den erfolgreichen Torwart einer Bundesligamannschaft.

Kaum anders war es vor 2000 Jahren. Jesus hatte kurz vorher den toten Lazarus aus dem Grabe geholt und ihn wieder lebendig gemacht. Das war doch was!!! Den musste man doch sehen, der Tote wieder lebendig mache kann. Kann ja nicht schaden, wenn man den persönlich kennenlernt.
Vielleicht kommt man ja selber mal in eine Situation, wo man tot ist und dann wäre es sehr vorteilhaft, wenn man den kennt, der diesem Zustand abhelfen kann.

So oder ähnlich wird die Menge gedacht haben. Und eifrig wurde diesem Jesus zugejubelt. Und nur ein paar Tage später, als die Menge meinte, man haben von ihm eben doch nichts zu erwarten von diesem Jesus, da schrie die gleiche Menge, die zuvor jubelte, da schrien die gleichen Menschen nur noch : Kreuzigt ihn !!!

Und dies ist auch ein Hinweis für unsere Jesus-Beziehung. Es ist richtig, wenn wir Jesus bewundern, aber wir sollen ihn bitte nicht auf seine Wunder reduzieren. Jesus ist kein gigantischer Magier, der uns mit Zaubereien erfreuen möchte. Und Jesus ist schon mal gar nicht unser persönlicher Wunscherfüllungsautomat, den wir nach Belieben bedienen können. Jesus möchte eine ganz persönliche Lebens- und Liebesbeziehung mit einem jeden von uns eingehen. Und da ist dann eben nicht mehr jeden Tag Jubel, Trubel und Heiterkeit angesagt.

Wenn wir Jesus nur auf die Wunder reduzieren, dann wird unsere Beziehung zu ihm ganz schnell in die Brüche gehen. Dann schreien wir auch bald:
Hinweg mit ihm, nämlich zu dem Zeitpunkt wo er uns mit seinen Wundern keine Hilfe mehr ist.

Also lassen wir uns doch auf eine lebendige Beziehung mit diesem Jesus ein, der mit uns durch dick und dünn gehen will. Wenn wir dies tun, dann werden wir alsbald merken, dass wir gar keine Wunder mehr brauchen, sondern dass uns die Hand des EINEN, die uns hält, behütet und beschützt
vollkommen ausreicht, um eine gelungenes Lebens zu führen.

3. Die ER-Kenner

Der Klerus hatte vor 2000 Jahren eine ganz gewaltige Machtstellung.
Dummerweise war der Machtanspruch, den Jesus hatte, ein Machtanspruch, der die Machtstellung des Klerus gründlich hinterfragte. Das war natürlich eine unangenehme Situation für die Kirchenleitung der damaligen
Zeit.

Sie wussten, dass sie gegen diesen Jesus gar nichts ausrichten konnten.
Sie wussten, dass er der von Gott gesandte Erlöser war, sahen aber ihre Felle davon schwimmen.

Und das ist es auch, was sich bis heute nicht geändert hat. Auch wir leben gelegentlich nach dem Motto: Ich bastel mir die Welt so wie sie mir gefällt. Das mag im ersten Moment auch funktionieren. Aber sobald die ersten Unwägbarkeiten kommen, fällt unser ganzes schönes Kartenhaus in sich zusammen.

Was können wir besser machen, als die Pharisäer? Als erstes einmal sollten wir anerkennen, dass wir gegen Gott gar nichts machen können. Das taten auch die Pharisäer. Aber dann sollten wir daraus die logisch richtige Schlussfolgerung für unser Leben ziehen. Dann sollten wir, wenn wir schon nichts GEGEN ihn ausrichten können, dann sollten wir uns Gedanken darüber machen, was wir MIT ihm zusammen ausrichten können.

Welche Aufgabe in unserem Leben ist uns vielleicht zu groß? Bitten wir doch unseren Herrn, uns dabei zu unterstützen. Wo trauen wir uns nicht, uns für unseren Herrn einzusetzen? Bitten wir ihn doch gerade dabei um seinen Beistand. Und welche Situationen und Begegnungen möchten wir
vielleicht lieber vermeiden? Bitten wir Jesus doch, dass er diesen Weg mit uns gemeinsam geht.

Wenn wir dies tun, dann sind auch wir die richtigen „ER-Kenner“ und können mit Jesus den Weg gehen, den er schon lange für uns bereitet hat. Worauf warten wir noch, gehen wir doch jetzt sofort diesen Weg.

Die völlige Hingabe zu unserem Herrn beschreibt der Liederdichter Joachim Zollikofer sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes „Lass mich, o Herr, in allen Dingen…“ (EG 414), der da lautet, wie folgt:

Lass mich, o Herr, in allen Dingen
auf deinen Willen sehn und dir mich weihn;
gib selbst das Wollen und Vollbringen
und lass mein Herz dir ganz geheiligt sein.
Nimm meinen Leib und Geist zum Opfer hin;
dein, Herr, ist alles, was ich hab und bin.

Der Herr gebe Dir den Mut, Dich ihm ganz hinzugeben
Der Herr gebe Dir stets die Gewissheit, dass er ganz nahe bei Dir ist
Der Herr lasse Dich stets den rechten Weg erkennen, den ER mit Dir gehen möchte

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen frohen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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