ePredigt vom 24.12.2014 (Lukas 2, 1-14)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich zum heutigen Gottesdienst am Heiligabend
des Jahres 2014. Unseren Predigttext kennen Sie bestimmt alle. Es handelt
sich um die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium. Lassen Sie uns
Lukas 2, Vers 1-14 zunächst gemeinsam lesen:

Jesu Geburt

Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus
ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die
allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.
Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt.
Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das
jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem
Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria,
seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie dort waren, kam die
Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte
ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen
Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde
bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und der Engel des Herrn
trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie
fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht !
Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird;
denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in
der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in
Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem
Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:
Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines
Wohlgefallens.

Liebe Gemeinde,

was heißt für Sie eigentlich von Weihnachten? Diese Frage stellte vor
kurzem eine große deutsche Wochenzeitung ihren Lesern. Herausgekommen ist
folgendes: Gemütlichkeit, Treffen mit der Familie, Tannenbaum, gutes Essen,
Geschenke. Dazu braucht es bis auf den Tannenbaum gewiss kein Weihnachten zu
sein. Die Geburt Jesu kam glaube ich so auf Rang 25 oder 26.

Ich glaube, unsere Gesellschaft hat Weihnachten so richtig und gründlich
kernsaniert. Wir versprechen uns von der äußeren Hülle mittlerweile weit
mehr als von dem Inhalt der Weihnacht. Was ist denn nun der eigentliche
Inhalt von Weihnachten? Was verspricht uns denn Gott an Weihnachten?
Lassen Sie uns darüber ein wenig nachdenken.

1. Fürchtet euch nicht

Stellen wir uns doch einmal folgenden Engelsdialog vor:

Engel 1: Aufgepasst ihr Mitengel, Gott hat seine Verheißung wahrgemacht.
Er hat ja versprochen, sein Volk zu erlösen. Heute hat er den ersten Schritt
gemacht und ist in Menschengestalt auf die Welt gekommen. Das müssen wir
jetzt den Menschen mitteilen. Hat irgendjemand eine Idee, wem und wann?

Engel 2: Du weißt ja, die Menschen fallen ja gleich in Ohnmacht, wenn wir
aufkreuzen. Blöd nur, dass wir unsere Botschaft dann nicht mehr unter das
Volk bringen können. Aber ich hab da ne Idee. Direkt unter uns, siehst Du
Sie wenn Du genau hinschaust siehst Du Hirten. Die sind doch mit allen
Wassern gewaschen. Die sind auch nicht ängstlich. Die haut nix um. Lass uns
diesen doch die Frohe Botschaft verkünden. Und außerdem, wenn wir dies den
Priestern verkündigen, weißt Du, was dann passiert? Genau, es wird zu Tode
diskutiert. Kaum ist Gott auf der Welt, schon habe die ihn schon wieder
wegdogmatisiert. Also lass uns bei den Hirten bleiben.

Engel 1: Gute Idee, aber bevor irgendetwas schief geht, wollen wir ihnen
gleich zu Beginn sagen, dass sie keine Angst vor uns haben müssen.

Engel 2: Ok, dann wollen wir mal.

Liebe Gemeinde, vielleicht hat sich ein ähnlicher Dialog ja wirklich so oder
ähnlich im Himmel zugetragen. Zunächst einmal sehen wir, dass Gott seine
Versprechen hält. Was Jesaja prophezeit hat, soll genau so eintreten, wie er
es vorausgesagt hat. Und das ist schon einmal ein ganz großes
Weihnachtsgeschenk unseres Herrn: Er hält sich an seine Versprechen.

Wenn ich jetzt einmal Frage: Wer kann sich vorstellen, dass ihm Engel eine
frohe Botschaft überbringt, dann würden ganz wenige Finger nach oben zeigen.
In unserer und auch in der Welt vor 2000 Jahren war es natürlich nicht an
der Tagesordnung, dass Botschaften von Engeln überbracht wurden. Daher auch
die Einleitung „Fürchtet euch nicht“.

2. Große Freude, euch ist der Heiland geboren

Die Elberfelder Übersetzung benutzt anstelle des Begriffes Heiland den
Begriff Retter, welches auch zutreffender ist.

Zwei Bergsteiger hängen in einer steilen Felswand fest. Nichts geht mehr,
sie kommen weder vorwärts noch zurück. Was wäre des größte Geschenk für
diese beiden Unglücksraben? Wenn sie das Geräusch der Rotorblätter des
herannahenden Rettungshubschraubers hören würden. Dann wüssten sie, dass
ihre unmittelbare Rettung bevorsteht.

Und das ist das zweite große Geschenk unseres Herrn an uns. Unsere Rettung
steht bevor. Bildlich gesprochen müssen wir nur eines tun, nämlich in den
wartenden Hubschrauber einsteigen und dem Piloten vertrauen, dass er uns
sicher nach Hause bringt.

Mi Jesus Christus, diesem kleinen Kind in der Krippe, haben wir den größten
Rettungshubschrauber incl. Piloten der Welt zur Verfügung. Er weiß, dass
wir verloren sind. Darum kam er ja in diese Welt. Er weiß, dass wir ohne
seine Hilfe abstürzen werden in die Hölle. Darum reicht er uns die Hand zum
Leben.

Und er weiß, liebe Gemeinde, dass wir auch dann noch Sünder bleiben, wenn
wir seine Hand einmal ergriffen haben. Darum will er uns auch ganz dicht bei
sich haben, um uns möglichst oft vor der Sünde zu bewahren.
Und wenn wir dann doch wieder einmal wie die beiden Bergsteiger in der
Felswand festhängen, dann genügt ein Anruf und er befreit uns aus der
misslichen Situation.

3. Ehre sei Gott und Friede auf Erden

Ich glaube, liebe Gemeinde, wir müssen keine Propheten sein, wenn wir für
das neue Jahr, welches ja unmittelbar vor uns liegt, alles andere als den
Weltfrieden vorhersagen. An allen Ecken und Enden kriselt es doch auf diesem
Planeten. Wenn wir heute unter dem Tannenbaum sitzen, werden IS-Kämpfer
weiterhin ihr Unheil anrichten. In der Ukraine werden weiterhin die Menschen
ängstlich beieinander sitzen und afrikanische Rebellen werden weiterhin ihre
Mitmenschen drangsalieren.

Also ganz weit weg von unserem Predigttext und dem „Frieden auf Erden“.
Kann es den denn überhaupt noch geben, den Frieden auf Erden, den unser
Predigttext beschreibt? Ich glaube ja, den kann es auch hier auf Erden noch
geben und den wird es natürlich endgültig im Himmel geben.

In unserem Predigttext ist dem Frieden auf Erden nämlich noch etwas
vorgeschaltet, nämlich das „Ehre sei Gott in der Höhe.“

So, und hier liegt der berühmte Hase im Pfeffer. Gott hat uns keinen
dauerhaften, permanenten Kuschelfrieden auf Erden vesprochen, egal, was wir
auch anstellen. Nein, unser Predigttext sagt, dass zunächst einmal Gott
geehrt werden muss, bevor wir den vollkommenen Frieden auf Erden erwarten
dürfen.

Im Urtext finden wir für das Wort Ehre das Wort „doxa“. Dies bedeutet soviel
wie Verehrung. Uns Christen soll es in erster Linie darum gehen, Gott zu
verehren. Wenn wir dies tun, dann wird uns Gott auch ein Stück weit in seine
Herrlichkeit mit hineinnehmen.

Und genau hier liegt die Basis für den Frieden auf Erden. Wenn wir alle, und
ich betone alle Menschen es uns als unsere Aufgabe auf Erden ansehen, Gott
zu verehren, dann werden wir alle ein Stück weit von seiner Herrlichkeit
spüren, fühlen und erleben dürfen. Und dann wird der Friede Gottes, der
höher ist als all unsere Vernunft in unsere Herzen einziehen können. Und
dann, liebe Gemeinde, werden wir dauerhaften Frieden auf Erden haben.

Zu schön um wahr zu sein? Man könnt meinen, ja. Das kann doch gar nicht
klappen. Doch, liebe Gemeinde, das kann sehr wohl klappen. Wenn einer damit
beginnt zieht er den nächsten mit. Und dieser zieht dann wieder den nächsten
mit. Aller Anfang ist jedoch schwer. Und daher hat Jesus auch den Anfang
gemacht. Alles, was wir tun müssen, ist ihm konsequent nachzufolgen. Dann
kann das wirklich klappen mit dem Frieden auf Erden.

Um es weihnachtlich auszudrücken: Gott hat uns dieses wunderbare Geschenk
des Friedens übergeben, aber wir haben es bisher noch nicht einmal
ausgepackt. Lassen Sie uns damit beginnen es auszupacken und damit in
rechter Weise umzugehen.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen einen besinnlichen und friedvollen
Heiligabend.

Bevor wir uns unter den Segen des Herrn stellen lassen Sie uns gemeinsam DAS
Weihnachtslied singen, was heute Abend in vielen Kirchen zur gleichen Zeit
gesungen wird:

O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit !
Welt ging verloren, Christ ist geboren: Freue, freue dich, o Christenheit !

O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit !
Christ ist erschienen, uns zu versühnen: Freue, freue dich, o Christenheit !

O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit !
Himmlische Heere jauchzen dir Ehre: Freue, freue dich, o Christenheit !

Der Herr lege die große Freude der Weihnacht in Dein Herz hinein Der Herr
lasse diese Freude stetig in Deinem Herzen wachsen Der Herr bewahre diese
Freude in Deinem Herzen Dein ganzes Leben lang

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen besinnlichen Heiligabend und verabschiede
mich bis zum morgigen 1. Weihnachtsfeiertag.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber