ePredigt vom 06.10.2013 (Matthäus 6, 19-23)

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag zum Erntedankfest.
Ich wohne ja in einer ländlichen Umgebung, die von der Landwirtschaft geprägt ist. Den Altar zieren die Früchte des Feldes, die von den Landwirten liebevoll dort platziert worden sind. Überhaupt wird nahezu der ganze Gottesdienst von den Landwirten gestaltet. Dankbar für die Schätze, die ihnen der Herr auch dieses Jahr wieder beschert hat, übernehmen sie gern diesen Part. Um den dankbaren Umgang mit dem, was uns der Herr beschert hat und wie wir damit umgehen sollen, darum geht es in unserem heutigen Predigttext.

Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag bei Matthäus im 6. Kapitel, die Verse 19-23. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. Das Auge ist das Licht des Leibes. Wenn dein Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein. Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis sein.

Liebe Gemeinde,

das Thema des heutigen Sonntags lautet: Irdische Schätze – Himmlische Schätze.
Lassen Sie uns diese beiden Schätze einmal etwas näher betrachten.

1. Irdische Schätze

Materieller Reichtum, das fällt uns sicherlich sofort bei irdischen Schätzen ein. Ist nun Reichtum auf Erden per se schlecht ?

Nein, das meint Jesus an dieser Stelle nicht. Wenn wir uns den Predigttext ganz genau ansehen, dann steht dort: Ihr sollt nicht Schätze SAMMELN auf Erden.

Heute ist Erntedanktag. Auch die Landwirte haben ihre Schätze gesammelt und in die Scheunen eingefahren. Aber nicht, um sie für sich zu behalten, sondern um sie weiter zu verwerten und sie anderen zukommen zu lassen.

Dies meint Jesus auch mit dem irdischen Reichtum Wir sollen ihn nicht für uns anhäufen und einfach liegen lassen. Immer mehr und mehr und noch mehr. Nein, wir sollen den Reichtum auch verwerten.

Wer nur sein Geld auf dem Konto liegen lässt und sich über den Ertrag freut, der macht genau das, was Jesus anprangert. Allein derjenige, der sich ein Auto von seinem Reichtum kauft, der unterstützt ja schon seine Mitmenschen, indem er auch ihren Arbeitsplatz sichert.

Wir sollen also keinen Reichtum ansammeln, sondern ihn sinnvoll einsetzen und wieder in Umlauf bringen, damit möglichst viele Menschen, wenn auch nur indirekt, davon profitieren können.

Bei allem “ In Umlauf bringen“ müssen wir aber immer wieder einer Tatsache in’s Auge sehen: Zum Zeitpunkt unseres irdischen Todes müssen wir all unsere Schätze hier auf Erden zurücklassen. Von jetzt auf gleich haben wir nichts mehr von all unserem Geld, unserem tollen Haus, dem Luxussportwagen und all den anderen Gütern, die wir angesammelt haben.

Es gibt aber Schätze, die weit über diese unsere Welt hinausgehen. Der Herr Jesus fordert uns auf, gerade in diese Schätze zu investieren. Das sind:

2. Die himmlischen Schätze.

Wenn uns unser Herr auffordert, Schätze im Himmel zu sammeln, dann könnte man gleich wieder auf die Werkgerechtigkeit kommen. Müssen wir uns den Himmel erst verdienen, indem wir möglichst viele Punkte sammeln ? Das hört sich ja fast danach an.

Nein, liebe Gemeinde, den Himmel müssen und können wir uns auch gar nicht verdienen. Schätze im Himmel zu sammeln lohnt sich doch nur, wenn ich sicher bin, dass ich auch dort hinkomme. Ansonsten wären diese Schätze zum Zeitpunkt meines Ablebens ja auch verloren. Die Rede Jesu richtet sich also an die Menschen, die ein Ja zu THM sagen.

Worum geht es dann also konkret ? Das lesen wir im 2. Korintherbrief, Kapitel 5, Vers 10:
„Denn wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, damit jeder seinen Lohn empfange für das, was er getan hat bei Lebzeiten, es sei gut oder böse.“

Ähnliche Hinweise auf Belohnungen im Himmel finden wir auch in etlichen anderen Büchern der Bibel. Für unsere himmlischen Schätze, die wir hier auf Erden sammeln, werden wir also einen himmlischen Lohn empfangen. Wie der Lohn denn aussieht, das werde ich häufig gefragt. Das weiß ich auch nicht, aber ich vermute wir werden mehr als überrascht sein, wenn wir ihn erhalten. Jetzt bleibt nur noch die Frage zu beantworten: Was sind denn eigentlich himmlische Schätze ?

Lassen Sie uns in aller Kürze einige davon, die wir übrigens samt und sonders in der Bibel finden, anschauen:

Lieben
Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst. Tun wir das wirklich ? Lieben wir auch dann noch, wenn uns Ignoranz entgegengebracht wird. Lieben wir auch dann noch unseren Nächsten, wenn uns dieser verspottet und lächerlich macht ? Wir sollten es !!!

Teilen
Teilen wir wirklich unser Hab und Gut und geben denjenigen davon großzügig ab, die wesentlich weniger haben als wir ? Oftmals handeln die Menschen doch nach dem Motto: Erst komm ich und dann komm ich und dann kommst du noch lange nicht. Ich denke, mit dieser Haltung sammeln wir uns keine Schätze im Himmel.

Vergeben
Vergeben wir denen, die uns geschadet haben oder die uns in irgendeiner Art und Weise weh getan haben ? Meist sind es doch niedere Rache- und Vergeltungsgedanken, die uns dann antreiben. Himmlische Schätze sammeln wir aber nur, wenn wir vergeben. So ganz nebenbei bemerkt: Wenn wir aus tiefstem Herzen vergeben, dann lösen sich alle Vergeltungsgedanken in Luft auf.

Schützen
Treten wir eigentlich für den Schutz der Menschen ein, die nicht für sich selber handeln können. Achten wir darauf, dass diese Menschen nicht von anderen Menschen übervorteilt werden ? Wir tun gut daran, wenn wir diese Tugend wieder mehr achten. Mit jedem Engagement für einen schutzbedürftigen Mitmenschen wird unser Schatz im Himmel immer größer.

Bewahren
Gott hat uns auch den Auftrag gegeben, Seine Schöpfung zu bewahren.
Was bedeutet das eigentlich ? Nun, das will sagen, dass wir diese Schöpfung nicht „ausschöpfen“ sollen bis alles verbraucht ist. Bewahren heißt, ich nutze die Schöpfung, aber wenn ich sie verlasse, gebe ich sie mindestens so zurück, wie ich sie vorgefunden habe.

Wir reden soviel von Nachhaltigkeit. Halten wir wirklich nach, was wir tun ? Sollten wir aber. Denken wir nur an den Schatz im Himmel.
Es gibt sicherlich noch viele andere Möglichkeiten, wie wir uns Schätze im Himmel erwerben können. Aber über eines müssen wir noch kurz reden nämlich über:

3. Die Motivation

Schätze im Himmel können wir nur sammeln, wenn wir dies mit der rechten Motivation tun. Überall wo hinter den soeben genannten „Tätigkeiten“ Eigennutz dahintersteht hat dies nichts mehr mit dem Sammeln eines himmlischen Schatzes zu tun.

Zählen Sie bitte jetzt mit mir zusammen 5 Buchstaben mit den Fingern ab:
D, I , A, F , J.

Das bedeutet: Do, It, All, For, Jesus. Mit dieser Einstellung sammeln wir uns Schätze im Himmel, wenn wir also das, was wir tun für IHN tun.

Das ist alles andere als einfach, aber ein einfaches Christentum hat uns unser Herr auch nicht versprochen. Die Landwirte hatten es während der Ernte auch nicht einfach, bis sie ihre Schätze in die Scheunen eingefahren hatten. Aber es ist auch nicht so schwer, dass wir es nicht schaffen können. Vertrauen wir darauf, dass uns unser Herr stets auf dem rechten Wege leiten wird.

Ein klein wenig über unseren zukünftigen Schatz im Himmel erfahren wir in dem 11. Vers des Liedes: „Befiehl du deine Wege…“ von Paul Gerhardt, der da lautet, wie folgt:

Wohl dir, du Kind der Treue, du hast und trägst davon,
mit Ruhm und Dankgeschreie, den Sieg der Ehrenkron;
Gott gibt dir selbst die Palmen in deine rechte Hand,
und du singst Freudenpsalmen dem, der dein Leid gewandt.

Der Herr erfülle Dein Herz mit Liebe, die Du an Deine Mitmenschen weitergeben kannst
Der Herr gebe in Dein Herz die Kraft der Vergebung, damit Du damit SEINE Liebe in die Tat umsetzen kannst
Der Herr erfülle Dein Herz bei der Sammlung der Himmelsschätze stets mit göttlicher Freudigkeit

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und eine tolle neue Woche. Gott gebe Ihnen die Kraft, möglichst viele Himmelsschätze sammeln zu dürfen.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber