ePredigt vom 22.06.2014 (5. Mose 6, 4-9)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen 1. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im 5. Buch Mose, Kapitel 6, die Verse 4-9. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft. Und diese Worte, die ich Dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen und sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt oder unterwegs bist, wenn du dich niederlegst oder aufstehst. Und du sollst sie binden zum Zeichen auf deine Hand, und sie sollen dir ein Merkzeichen zwischen deinen Augen sein, und du sollst sie schreiben auf die Pfosten deines Hauses und an die Tore.

Liebe Gemeinde,

was ist wirklich wichtig im Leben? Geld, Karriere oder viel Ansehen, also berühmt zu sein ? Nein, das ist es sicherlich nicht. Deshalb nicht, weil dies alles vergängliche Werte sind. Aber es gibt etwas, das die Basis von allem ist. Und was das ist, das haben wir soeben gehört.

Wir sollen den Herrn lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all unserer Kraft. Das ist es, was wirklich wichtig ist in unserem Leben. Wenn wir dies wirklich so tun, dann ergibt sich der Rest von selbst.

Aber was ist denn so wichtig an der Liebe? Lassen Sie uns darüber heute Morgen ein wenig näher nachdenken.

1. Liebe und Danken

Wenn ich meinen Schöpfer wirklich liebe, dann komme ich erst zu der rechten Erkenntnis, was ich ihm alles zu verdanken haben. Er hat mich in die Welt gesetzt und mich mit all meinen Begabungen und Talenten ausgestattet.

Er hat mir den Besuch einer Schule, das Erlernen eines Berufes ermöglicht. Und er ist es, der schützend seine Hand über mir hält und mich auf meinem ganzen Lebensweg begleitet. Wenn dies mal kein Grund zum Danken ist.

Iin dem Wort „Gedanken“ finden wir das Wort „Danken“. Danken schützt nämlich auch vor Gedankenlosigkeit. Wenn wir unserem Schöpfer für alles danken, was wir von ihm erhalten, dann laufen wir eben nicht mehr gedankenlos durch die Gegend und schreiben unser Leben irgendeinem kosmischen Zufall zu.

Und wenn ich danke sage, für etwas, dass ich erhalten habe, dann darf ich mich doppelt darüber freuen. Ich darf mich so sehr darüber freuen, dass ich von dem, was ich im Überfluss erhalten habe, auch etwas weitergebe.

2. Liebe und Hass

Liebe Gemeinde, können wir einen Menschen lieben und ihn gleichzeitig hassen? Ich glaube, wir sind uns einig, dass dies nicht möglich ist.

Da wo die Liebe wohnt, da ist kein Platz mehr für Hass in jedwelcher Form auch immer. Die Liebe neutralisiert das Gefühl des Hasses. Sollen wir jetzt alle Menschen lieben, egal, was sie uns angetan haben? Ja, jetzt wird es schwierig. Nehmen wir einmal theoretisch an, dieser Mensch hat das, was er uns angetan hat vor Gott schon bereut und von ihm Vergebung erfahren. Wer sind wir dann, dass wir diese Vergebung in Frage stellen?

Also vom Grundsatz her sollen wir auch den Menschen lieben, der uns Böses angetan hat. Wir sollen zumindest versuchen, diesen Menschen mit den Augen Gottes zu betrachten. Wenn wir dies versuchen zu tun, ist dies ein erster Schritt in die richtige Richtung.

Zum anderen haben wir unseren Herrn an unserer Seite, den wir immer wieder in derartigen Situationen bitten dürfen, uns mit seiner Kraft auszustatten, der Kraft der Vergebung, die es auch uns möglich macht , dem anderen zu vergeben. Und wenn wir den Herrn von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all unserer Kraft lieben, dürfen wir sicher sein, dass er uns dabei hilft, anderen Menschen zu vergeben.

Und wenn wir einmal ganz ehrlich sind, dann steckt von dem, was uns ein anderer Mensch angetan hat, zumindest in unseren Gedanken häufig auch ein Stück dessen, was wir gerade so an diesem Menschen verabscheuen.

3. Liebe und Eigennutz

Haben Sie schon einmal ein verliebtes Pärchen beobachtet? Der wichtigste Mensch von Beiden ist immer der jeweils andere. Diese Verliebtheit geht so weit, dass der eine für den anderen alles aufzugeben bereit ist, was ihm wert und teuer ist.

Im Normalfalle gibt sich dies in zwischenmenschlichen Beziehungen und es kehrt alsbald ein Stück weit Normalität in den Hormonhaushalt ein.

Was können wir daraus ersehen? Liebe stellt den Eigennutz an die Seite und betrachtet zunächst einmal den geliebten Partner. Liebe möchte, dass es dem Partner gut geht und er rundum glücklich ist.

So, liebe Gemeinde, liebt uns Gott und so sollen wir Gott auch lieben.
Wenn wir dies tun, dann wird sich unser Leben verändern. Wir erleben eine Veränderung vom ICH zum DU.

Dann ist es auf einmal nicht mehr so wichtig, dass ich alle meine Interessen durchsetze. Und dann bin ich selber auf einmal nicht mehr das Zentrum des Universums. Wenn ich Gott von Herzen liebe, dann übergebe ich ihm die Regentschaft über mein Leben.

Eines kann ich Ihnen versprechen, er stellt unser aller Leben immer wieder auf den Kopf. Wenn ER bei uns einzieht, dann werden so nach und nach alle Sorgengeister ausziehen. Wenn wir Gott mit jeder Faser unsers Körpers lieben und ihm die erste Stelle in unserem Leben einräumen, dann wird er uns ein Leben lang begleiten.

Vor allem dann, wenn es und einmal schlecht geht, dann werden wir merken, was für einen starken Partner wir an unserer Seite haben.

Das Einzige was wir tun müssen ist, diese Liebe mit der und Gott liebt, diese Liebe müssen wir erwidern. Alles andere geschieht dann von selber.
Also, liebe Gemeinde, keine religiösen Klimmzüge, kein frommes Gebläse und keine aufgesetzte Frömmigkeit mehr. All dies durchschaut Gott sowieso. Und das bisschen Eindruck, dass dies auf andere Menschen macht, darauf können wir doch getrost verzichten.

Diese Liebe, mit der wir Gott lieben sollen, diese Liebe beschreibt der Liederdichter Johann Scheffler sehr schön in dem 6. Vers seines Liedes „Liebe, die du mich zum Bilde deiner Gottheit hast gemacht…“ (EG 401), der da lautet, wie folgt:

Liebe, die mich ewig liebet und für meine Seele bitt,
Liebe, die das Lösgeld gibet und mich kräftiglich vertritt:
Liebe, dir ergeb ich mich, dein zu bleiben ewiglich.

Der Herr gebe Dir die Kraft, seine Liebe an Deine Mitmenschen weiter zu geben
Der Herr gebe Dir die Kraft mit seiner Liebe allen Hass und Unfrieden zu überwinden
Der Herr gebe dir durch seine Liebe die Kraft allen Eigennutz zu überwinden

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche. In dem Film Das Dschungelbuch singt der Bär Balou das Lied „Probiers mal mit Gemütlichkeit…“ Ich schlage vor, wir nennen es um als Motto für die nächste Woche in: „Probiers mal mit der Liebe….“. Wir werden ganz bestimmt ganz tolle Erfahrungen machen.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber