ePredigt vom 24.11.2013 (Markus 13, 31-37)

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Ewigkeitssonntag im Jahre 2013. Auch im Jahre 2013 sind liebe Menschen von uns gegangen. Das einzige, was uns bleibt ist die Erinnerung an unsere Lieben. Aber wir haben auch eine lebendige Hoffnung des ewigen Lebens, die uns sagt, dass unsere Lieben uns nur vorausgegangen sind und wir ihnen eines Tages folgen werden. Oder wie es Hans-Peter Royer, ein österreichischer Evangelist, der seit August auch schon in der Ewigkeit ist, einmal so treffend formuliert hat: „Auch Christen sterben, aber sie sind nicht eine Sekunde lang tot.“

Unseren Predigttext für den heutigen Ewigkeitssonntag finden wir bei Markus im 13. Kapitel, die Verse 31-37. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen.
Von dem Tage aber und der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater. Seht euch vor, wachet ! Denn ihr wisst nicht, wann die Zeit da ist. Wie bei einem Menschen, der über Land zog und verließ sein Haus und gab seinen Knechten Vollmacht, einem jeden seine Arbeit, und gebot dem Türhüter, er solle wachen: So wachet nun; denn ihr wisst nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob am Abend oder zu Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder am Morgen, damit er euch nicht schlafend finde, wenn er plötzlich kommt. Was ich aber euch sage, das sage ich allen: Wachet !

Liebe Gemeinde,

Totensonntag ist ein Synonym für den heutigen Sonntag. Da ist für mich nichts von Hoffnung dabei. Aber der Name Ewigkeitssonntag der weist uns alle heute schon auf einen Punkt hin, wo wir alle in Gottes Ewigkeit versammelt sein werden. Unser heutiger Predigttext beschäftigt sich mit diesem Thema aus unserer Sicht heraus, also aus der Sicht derer, die noch auf Erden sind.

Lassen Sie uns drei Punkte dieses Textes ein wenig näher betrachten:

1. Und es geht weiter

Wir kennen sie alle, diese düsteren Zukunftsprognosen, die selbsternannte Propheten über das Ende der Welt verbreiten. Der letzte Weltuntergang wurde nach dem Mayakalender berechnet und musste vorzeitig abgesagt werden.

Die Zeugen Jehovas sind ja schon wahre Profis in Sachen Weltuntergang.
Aber auch sie mussten diesen Termin bisher immer wieder verschieben.

Das ist ja auch kein Wunder, wenn wir uns den heutigen Predigttext einmal genauer anschauen. Niemand weiß etwas über diesen Tag, wenn Himmel und Erde vergehen werden. Nicht einmal die Engel im Himmel kennen das genaue Datum. Und sogar Jesus kann uns dazu nichts verbindliches sagen. Allein unser himmlischer Vater kennt diesen Tag.

Das einzige, was wir wissen ist, dass es danach für uns weitergeht im Himmel, wo wir die ganze Ewigkeit mit unserem Herrn verbringen dürfen.
Daher sollten wir uns an diesem ganzen Unsinn und der falschen Prophetie auch gar nicht beteiligen.

Ich muss nicht wissen, wann etwas geschieht oder wie mein Lebensweg ausschaut, ich muss nur wissen, dass es Gott gibt, und dass ER das Fundament meines Glaubens ist und dass ER den Weg kennt.

2. Treue bewahren

Wie wir in unserem heutigen Predigttext lesen, hat jeder von uns auf Erden eine Aufgabe erhalten, die wir vor Gott erfüllen sollen.

Natürlich dürfen wir traurig sein, wenn uns liebe Menschen im Glauben vorausgegangen sind. Es wäre ja auch recht merkwürdig, wenn wir dies nicht wären. Aber gleichzeitig sollen wir auch daran denken, dass wir, die wir auf Erden zurückbleiben, nach wie vor eine Aufgabe haben, die es zu erfüllen gilt.

Wir sollen also nicht vor lauter Trauer unser Leben aufgeben und nur noch unseren eigenen Tod herbeisehnen. Dazu hat uns Gott nicht unser Leben geschenkt. Wir dürfen dankbar sein, dass wir mit unseren Lieben so viele oder aber manchmal auch nur so wenige Jahre gemeinsam erleben durften.

Aus dieser Dankbarkeit heraus sollen wir weiterhin unserem Dienst auf Erden nachgehen.

Oder wie es Luther einmal gesagt hat: „Auf böse und traurige Gedanken gehört ein gutes, fröhliches Lied und freundliche Gespräche.“

Liebe Gemeinde, für alle Trauernde ist es nach einer gewissen Zeit sehr, sehr wichtig, dass sie sich nicht gegenüber der Außenwelt abschotten. Erst wenn ich mich wieder den anderen Menschen gegenüber öffne, kann auch mein Leben in unserem Herrn weitergehen. Das geht nicht von heute auf morgen, aber jeden Tag ein Stück weit zurück in die Welt, das geht sicherlich.

Und noch ein Wort für alle Wegbegleiter in der Trauer. Trauer ist ein langsamer Prozess. Gemeinsames Schweigen ist manchmal sinnvoller als ein zutexten mit Bibelstellen. Aber seien Sie gewiss, Gott wird Ihnen schon sagen, wann es Zeit zu schweigen und wann es Zeit zu reden ist.

3. Wachet !!!!

Liebe Gemeinde, ich habe selten einen Predigttext gelesen, in welchem ein Wort so häufig vorgekommen ist, wie in unserem heutigen Text. Es ist das Wort Wachet !

Wir sollen also in unserem Leben nicht untätig herumsitzen oder gar unser Leben leichtfertig leben. Wenn wir den Urtext nehmen, dann steht dort das Wort „gregoreo“. Das bedeutet soviel, wie Konzentration auf Gottes Offenbarung.

Das beinhaltet unter anderem: „Auf der Hut sein vor Gefahren.“ In der heutigen Zeit laufen wir sehr schnell Gefahr, das Wort unseres Herrn zu verlassen. Zu verlockend erscheinen uns andere Angebote, die es doch eigentlich auch ganz gut mit uns meinen. Übertriebene Wellness und Körperkult sind nur zwei Beispiele, die uns in ihren Bann ziehen und von Gottes Wort wegziehen können.

Wachet heißt aber auch, nicht müde, träge oder gar nachlässig zu werden, wenn es darum geht unsere Aufgabe wahrzunehmen. Denken wir doch immer daran, was wäre, wenn ER heute schon wiederkäme. Wäre ER mit dem, was wir gerade tun einverstanden und zufrieden ?

Wachet heißt ganz generell, niemals Gottes Wort und Seine Anweisungen aus den Augen verlieren und darauf achten, dass wir auch diesem Worte gemäß handeln und leben. Das ist bestimmt nicht einfach, aber es ist auch nicht unmöglich.

Unmöglich ist es nur dann, wenn ich mich auf mich alleine verlasse. Wenn ich aber meinen Herrn immer wieder darum bitte, mir dabei zu helfen, dann wird es zwar immer noch nicht leicht und einfach, aber möglich wird es sein.

Lassen Sie uns also alle gemeinsam wachen, lassen Sie uns Gottes Wort niemals aus den Augen verlieren. Dann wird ER uns in traurigen Zeiten Trost aus SEINEM Wort heraus spenden und wird auch wieder dafür sorgen, dass wir in freudigen Zeiten IHN von ganzem Herzen loben und preisen können.

Das „Wachet“ aus unserem Predigttext beschreibt der Liederdichter Johann Walter sehr schön in dem neunten Vers seines Liedes: „Herzlich tut mich erfreuen“ (EG 148), welcher sehr schön lautet, wie folgt:

Ach Herr, durch deine Güte, führ mich auf der rechten Bahn
Herr Christ, mich wohl behüte, sonst möcht ich irre gahn.
Halt mich im Glauben feste in dieser bösen Zeit,
hilf, dass ich mich stets rüste zur ewgen Hochzeitsfreud.

Der Herr sei stets an Deiner Seite, wenn Du traurig bist
Der Herr wandle Deine Trauer in Hoffnung auf ein Leben in SEINER Ewigkeit
Der Herr gebe Dir weiterhin auf Erden die Kraft, Deinen Weg mit IHM zu gehen

Amen.

Liebe Gemeinde,

wenn wir heute die Gräber unserer Lieben besuchen, dann lassen Sie uns dies tun in der Gewissheit, dass sie uns nur einen kleinen Augenblick vorausgegangen sind und dass wir sie sicherlich wiedersehen werden.
Betrachten wir die Gräber doch als Hoffnungszeichen für die Ewigkeit, Orte an denen wir uns immer wieder auf das wirklich Wesentliche im Leben zurückbesinnen können.

In diesem Sinne verabschiede ich mich von Ihnen und melde mich im neuen Kirchenjahr, so Gott der Herr will, also am 1. Advent wieder zurück.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber