ePredigt zum 09.06.2014 (Apostelgeschichte 2, 22-23, 32-33, 36-39)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Pfingstmontag. Den
Predigttext für den heutigen Feiertag finden wir in der
Apostelgeschichte, Kapitel 2, die Verse 22-23, 32-33 und 36-39. Lassen
Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Ihr Männer von Israel, hört diese Worte: Jesus von Nazareth, von Gott
unter euch ausgewiesen durch Taten und Wunder und Zeichen, die Gott
durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst – diesen Mann,
der durch Gottes Ratschluss und Vorsehung dahingegeben war, habt ihr
durch die Hand der Heiden ans Kreuz geschlagen und umgebracht. Diesen
Jesus hat Gott auferweckt; dessen sind wir alle Zeugen. Da er nun durch
die rechte Hand Gottes erhöht ist und empfangen hat den heiligen Geist
vom Vater, hat er diesen ausgegossen, wie ihr hier seht und hört. So
wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr
gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat. Als sie aber das
hörten, ging’s ihnen durchs Herz, und sie sprachen zu Petrus und den
andern Aposteln: Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun? Petrus
sprach zu ihnen: Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den
Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen
die Gabe des Heiligen Geistes. Denn euch und euren Kindern gilt diese
Verheißung, und allen, die fern sind, so viele der Herr, unser Gott,
herzurufen wird.

Liebe Gemeinde,

wenn etwas unerwartetes passiert, dann sind wir ja alle sehr schnell mit
blindem Aktionismus dabei. Was können wir tun? lautet dann meist unsere
erste Frage. Am liebsten würden wir in die Hände spucken, die Ärmel
hochkrempeln und sofort loslegen.

Petrus, der treue Weggefährte von Jesus, war schon etwas länger in der
Jüngerschule und weiß, dass es mit operativer Hektik nicht getan ist.
Was Petrus den Fragestellern rät, das hat bis heute nichts an Aktualität
verloren. Also, was sollen wir tun, um in Kontakt mit dem Heiligen Geist
zu kommen? Petrus nennt uns zwei Dinge, die wir tun können. Lassen Sie
uns heute Morgen ein wenig näher über diese beiden Dinge nachdenken.

1. Buße und Umkehr

Buße ist ein Begriff, den wir allenthalben noch von dem Bußgeld und dem
Bußgeldbescheid her kennen, den wir erhalten, wenn wir z.B. die
Straßenverkehrsordnung wieder einmal zu unseren Gunsten zu großzügig
ausgelegt haben.

Wenn wir uns den griechischen Urtext anschauen, dann wird das Wort Buße
mit umdenken und nachdenken übersetzt. Buße bedeutet also nichts
anderes, als dass ich über mein bisheriges Verhalten nachdenke. Ist
alles wirklich so richtig, was ich mache und wie ich es mache?

Der zweite Schritt der Buße ist dann das umdenken. Ich komme also
zunächst einmal zu der Erkenntnis, dass eben nicht alles so richtig ist,
was ich mache und wie ich es mache. Danach setzt der Umdenkungsprozess
ein. Was müsste ich eigentlich anders machen? Anders machen, damit mein
Verhalten vor Gott Bestand hat.

So, und wenn wir einmal ganz ehrlich zu uns sind, dann finden wir jeden
Tag eine Menge Dinge, die wir eigentlich anders machen könnten, bzw.
müssten.

Dies führt dann unweigerlich zu der Erkenntnis: „Ich armer Sünder“. Buße
will uns im Kern aufzeigen, was wir sind. Wir sind eben keine vor Gott
gerechten Menschen, weil wir doch alle nur Gutes tun und im Sinn haben.
Nein, wir sind vor Gott ganz arme Sünder.

Jetzt kommt der zweite Teil, nämlich die Umkehr. Umkehr bedeutet nichts
anderes, als dass ich mein Verhalten ändere. Ganz konkret bedeutet dies,
dass ich zum Gehorsam gegenüber Gott finde, dass ich mich von allem
Bösen abwende und dass ich neues Vertrauen fasse zu meinem Herrn und
Heiland.

Das sagt sich so einfach. Aber mal ehrlich, schaffen wir das denn so
ganz aus uns heraus ? Ich bin mir nicht sicher, dass dies so einfach
ist. Es fehlt also noch etwas, dass uns dabei hilft, die Umkehr auch
wirklich zu vollziehen. Ich kann erst dann mein Verhalten ändern wenn
ich drin bin in der Gemeinschaft mit Gott. Solange ich draußen vor der
Türe des Glaubens stehe, bin ich hilflos.

2. Die Taufe

Zwischen dem alten und dem neuen Menschen, also dem Menschen vor Buße
und Umkehr, genau dazwischen steht die Taufe.

Wir können die Taufe auch als die sichtbare Schwelle zwischen diesen
beiden Zuständen beschreiben. Genau genommen geschehen bei der Taufe
nämlich 2 Dinge.

Mit dem Wasser werden die alten Sünden abgewaschen und getötet. Diese
gibt es fortan nicht mehr. Gleichzeitig wird uns mit dem Wasser der Taufe
neues Leben geschenkt, ein Leben aus Gott heraus. Und mit diesem
Taufgeschenk ist es in der Tat möglich, dass wir die Umkehr auch
tatsächlich vollziehen können.

Mit der Taufe haben wir ganz persönlich unseren Anteil an der
Auferstehung unseres Herrn. Wir sind ein Teil der großen, seiner
Gemeinschaft geworden.

Und als Familienmitglied dürfen wir unseren Vater im Himmel immer wieder
auf’s Neue bitten, uns bei der Umkehr zu helfen und uns Wege zu zeigen,
wie wir dies bewerkstelligen können. Alle Kraft die wir dafür benötigen,
bekommen wir von unserem Herrn immer wieder geschenkt.

3. Warum das alles ?

Warum soll ich mein altes Verhalten ändern?, es war doch alles schön
so. Und warum soll ich mich taufen lassen? Eigentlich habe ich mich
doch auch vorher recht wohl gefühlt. Das könnten wir uns doch mit Fug
und Recht fragen.

Nun, Petrus hat auch hier die Antwort parat. Nur dann, wenn wir Buße tun
und Umkehren, also uns bekehren und unseren Herrn im Glauben annehmen
und wenn wir uns taufen lassen, nur dann werden wir die Gaben des
Heiligen Geistes empfangen.

Ich möchte an dieser Stelle keinen dogmatischen Disput in die Wege
leiten. Lassen Sie uns nicht über Kindertaufe versus Erwachsenentaufe
diskutieren. Ich glaube, dass Jesus, wenn er bei uns stände, Kopf
schütteln würde. Für alle, die (noch) nicht getauft sind ein kleiner
Tipp: Bitten Sie den himmlischen Vater, dass er alle Ihre Sünden von
Ihnen wegnehmen und Sie mit einem neuen, nämlich seinem Leben ausstatten
möge.

Bei allen christlichen Dogmen rund um die Taufe kann ich mir beim besten
Willen nicht vorstellen, dass unser himmlischer Vater ein derartiges
ehrliches und aufrichtiges Gebet nicht beantwortet.

Dieses Taufgeschehen bzw. deren Auswirkungen beschreibt der
Liederdichter Johann Jakob Rambach sehr schön in dem 1. Vers seines
Liedes „Ich bin getauft auf deinen Namen…“ (EG 200), der da lautet,
wie folgt:

Ich bin getauft auf deinen Namen,
Gott Vater, Sohn und Heilger Geist;
ich bin gezählt zu deinem Samen,
zum Volk, das dir geheiligt heißt.
Ich bin in Christus eingesenkt,
ich bin mit seinem Geist beschenkt.

Der Herr sende den Heiligen Geist auf Dich herab
Der Herr lasse den Heiligen Geist in Dir eine dauerhafte Wohnung finden
Der Herr lasse Dein Wesen und Wirken von seinem Heiligen Geist bestimmt sein

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Pfingstmontag und einen
schönen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber