ePredigt vom 30.03.2014 (Lätare – Jesaja 54, 7-10)

Liebe Gemeinde,

„Freuet Euch“, liebe Gemeinde, so lautet die Übersetzung von Lätare, dem heutigen Sonntag in der Passionszeit. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Propheten Jesaja
im 54. Kapitel, die Verse 7-10. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich deiner erbarmen, spricht der Herr, dein Erlöser. Ich halte es wie zur Zeit Noahs, als ich schwor, dass die Wasser Noahs nicht mehr über die Erde gehen sollten. So habe ich geschworen, dass ich nicht mehr über dich zürnen und dich nicht mehr schelten will. Denn es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer.

Liebe Gemeinde,

wenn wir an unsere Kindheit zurückdenken, dann haben wir es sicherlich alle schon einmal erlebt, dass uns unsere Eltern in unsere Schranken verwiesen haben. Je nachdem, was wir verbockt hatten, waren sie sogar richtig ärgerlich. Auch wir Erwachsene haben einen Vater im Himmel, den wir betrüben und enttäuschen können. Davon handelt zunächst unser heutiger Predigttext.

Die Israeliten hatten sich von Gott abgewandt und waren ihren eigenen Weg ohne Gott gegangen. Überall, wo Gott an die Seite gestellt wird, entsteht aber eine Lücke. Und diese Lücke wussten die Israeliten gut zu füllen mit anderen Göttern und Götzen, die sie anstelle des einzigen Gottes anbeteten. Und dann kam er auch

1. Gottes Zorn

Wenn Eltern ihre Kinder züchtigen und bestrafen, dann tun sie das in aller Regel nicht, weil sie ihre Kinder nicht mögen, sondern gerade weil sie ihre Kinder sehr lieben. Unser Sohn lief im Alter von sechs Jahren unvermittelt über eine belebte Hauptstraße. Sollte ich ihn dafür auch noch loben ? War es mir egal ? Nein, das war es nicht. Ich war so wütend, dass ich ihm eine gepfefferte Standpauke hielt.

Meine Wut rührte aber aus der Liebe zu meinem Sohn heraus. Ich wollte nicht, dass ihm irgendetwas schreckliches passiert. Also musste ich ihm die Konsequenzen seines Handelns klipp und klar vor Augen führen.

Das gleiche kann uns auch bei Gott passieren und ist auch den Israeliten passiert, als sie Gott verlassen hatten und anderen Göttern nachgerannt sind.

Jetzt stellen wir uns Gottes Zorn häufig als eine Strafe vor, die er irgendwie an uns vollstreckt. Gott kann und will uns aber nicht aktiv in unser Unglück stürzen. Dies würde Seinem Wesen ja auch gar nicht entsprechen.

Ich glaube, wenn wir von Gottes Zorn reden, dann besteht dieser in einem „Wegsehen“ oder einem „Nicht Eingreifen“. Überall wo wir sonst im Leben Gottes helfende Hand spüren konnten, ist diese auf einmal nicht mehr vorhanden. Ich denke, dass Gott uns damit zeigen will, dass wir auf dem falschen Wege sind. Auf keinen Fall will Er uns auf ewig hin verdammen.

2. Ewige Gnade

Zorn und ewige Gnade werden in unserem heutigen Predigttext in einem Atemzug genannt. Sie gehören also zusammen.

Gott liebt uns so sehr, dass Er regelrecht um uns kämpft und uns sagt, dass, wenn wir die falschen Wege verlassen und wieder zu Ihm zurückkehren, Er uns wieder mit offenen Armen aufnehmen wird.

Denken wir einmal an unsere leiblichen Eltern. Wenn wir etwas verbockt haben, dann haben sie uns zwar dafür belangt, aber sie haben uns natürlich nicht unsere Position als Kind „aufgekündigt“. So dürfen wir dies auch bei Gott verstehen.

Um es auf den Punkt zu bringen. Einmal Gottes Kind, immer Gottes Kind.
Wenn wir unsere Sünden ehrlich bereuen, dann wendet Er sich wieder uns zu.
Dann ist ER wieder treu und gerecht.

Aber Achtung, liebe Gemeinde, dies ist keine billige Gnadenzusage, derer wir uns nach Belieben bedienen dürfen. Diese göttliche Gnade setzt unseren ernsthaften Wunsch der Gottesnähe und das ehrliche Bereuen unseres sündhaften Handelns voraus.
Gott ist nämlich kein Vergebungsautomat für Dauersünder.

3. Berge weichen, Hügel fallen

Gott steht zu Seinem Wort, das können wir dieser Zusage entnehmen.
Oberflächlich wär’s das auch schon. Aber es steckt noch etwas ganz anderes hinter dieser Aussage unseres Herrn.

Mit dem Ausdruck „Berge weichen und Hügel fallen“ ist nämlich auch unser ganzes Leben gemeint. Wir alle, und da ist auch kein Mensch ausgenommen, erleben Zeiten in unserem Leben, in welchem wir das Gefühl haben, es wird uns der Boden unter den Füßen weggezogen.

Oftmals haben wir das Gefühl, die ganze Welt würde um uns herum zusammenbrechen, also Berge würden weichen und Hügel würden fallen.
Gerade in diese Situationen hinein erreicht uns diese wunderbare Verheißung unseres Herrn. Gerade dann, wenn bei uns alles am Ende zu sein scheint, gerade dann fängt Gott so richtig an zu wirken in unserem Leben.

Gerade diese vermeintlich schlechten Zeiten sind es doch, die unseren Glauben ganz entscheidend prägen. Und da sollten wir uns auch in Zukunft immer wieder voll und ganz drauf verlassen. Und weil wir uns mit 100%-iger Sicherheit darauf verlassen können, dass Gottes Gnade auch in solchen Zeiten nicht von uns weichen wird, können wir getrost und unverzagt unseren Lebensweg mit dem Herrn an unserer Seite beschreiten.

Darum können wir uns als Christen auch in einmal nicht so schönen Zeiten einander trösten mit dem Namen des heutigen Sonntages, mit den Worten „Freuet Euch“.

Die Liederdichterin Julie Hausmann wollte mit Ihrem Lebensgefährten gemeinsam in die Mission gehen. Kurz vor Ihrer Abreise erhielt sie die traurige Nachricht, dass ihr Lebensgefährte leider verstorben sei. In dieser Situation dichtete sie das Lied: „So nimm denn meine Hände…“, dessen dritter Vers lautet, wie folgt:

Wenn ich auch gleich nichts fühle von deiner Macht,
du führst mich doch zum Ziele auch durch die Nacht:
so nimm denn meine Hände und führe mich,
bis an mein selig Ende und ewiglich.

Der Herr lasse Dich erkennen, wenn Du falsche Wege gehst
Der Herr lasse Dich SEINE Gnadenzusage immer wieder erkennen
Der Herr erinnere Dich immer wieder an den Bund SEINES Friedens

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen tollen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber