Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle am heutigen Pfingstsonntag. Wir wundern uns vielleicht, dass der Predigttext für den heutigen Pfingstsonntag aus dem Alten Testament stammt. Aber auch schon zu Zeiten des Alten Testamentes gab es Personen, denen Gott Seinen Geist auferlegt hatte und die Er für besondere Aufgaben zurüstete. Eine dieser Personen war Mose. Anhand des Geistes, der auf Mose ruhte, können wir sehr schön das Wirken des Heiligen Geist auch heute noch im 3. Jahrtausend erkennen.

Wir finden den Predigttext für den heutigen Pfingstsonntag Im 4. Buch Mose, Kapitel 11. :

Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen.

Und Mose sprach zu dem Herrn: Warum bekümmerst du deinen Knecht ? Und warum finde ich keine Gnade vor deinen Augen, dass du die Last dieses ganzen Volkes auf mich legst ? Hab ich denn all das Volk empfangen oder geboren, dass du zu mir sagen könntest: Trag es in deinen Armen, wie eine Amme ein Kind trägt, in das Land, das du ihren Vätern zugeschworen hast ? Ich vermag all das Volk nicht allein zu tragen, denn es ist mir zu schwer. Willst du aber doch so mit mir tun, so töte mich lieber, wenn anders ich Gnade vor deinen Augen gefunden habe, damit ich nicht mein Unglück sehen muss. Und der Herr sprach zu Mose: Sammle mir siebzig Männer unter den Ältesten Israels, von denen du weißt, dass sie Älteste im Volk und seine Amtleute sind, und bringe sie vor die Stiftshütte und stelle sie dort vor dich, so will ich herniederkommen und dort mit dir reden und von deinem Geist, der auf dir ist, nehmen und auf sie legen, damit sie mit dir die Last des Volkes tragen und du nicht allein tragen musst. Und Mose ging heraus und sagte dem Volk die Worte des Herrn und versammelte siebzig Männer aus den Ältesten des Volks und stellte sie rings um die Stiftshütte. Da kam der Herr hernieder in der Wolke, und redete mit ihm und nahm von dem Geist, der auf ihm war, und legte ihn auf die siebzig Ältesten. Und als der Geist auf ihnen ruhte, gerieten sie in Verzückung wie Propheten und hörten nicht auf.

Liebe Gemeinde,

wenn wir das Wirken des Heiligen Geistes ein wenig näher untersuchen, dann können wir drei Auswirkungen des Heiligen Geistes erkennen.

1. Die Belastende Wirkung

Gewisse extreme charismatische Kreise gehen ja immer davon aus, dass die Empfänger des Heiligen Geistes fortan dauerjubilierend durch die Welt ziehen. Und wehe, wenn nicht, dann hat man eben nicht den Heiligen Geist empfangen. Im schlimmsten Falle wird man dann aus der Gemeinde herausgeschmissen. So ist es einem guten Freund von mir ergangen, dem man sogar attestierte, dass der Satan in ihm wohne.

Wenn wir die Bibel lesen, dann erfahren wir, dass dies natürlich kompletter Unfug ist. Mose, ausgestattet mit dem Geist Gottes, musste sehr bald erfahren, dass ihn diese Gnadengaben eher belasteten, als erfreuten. Verschiedene Wundertaten, die er vor dem Pharao vollbrachte, führten nicht zu dem erhofften Auszug der Israeliten aus Ägypten. Ganz im Gegenteil, nach dem Auftreten von Mose vor dem Pharao erlitt das Volk Israel noch weitere Demütigungen und schier unmenschliche Leistungen musste es erfüllen.

Und somit saß Mose, wohlgemerkt der Auserwählte des Herrn, auf einmal zwischen allen Stühlen, da die Israeliten nunmehr auch nicht mehr gut auf Mose zu sprechen waren. Alles also keine Gründe den ganzen Tag Halleluja rufend durch die Straßen Ägyptens zu ziehen.

Und so geht es uns auch heute noch. Alle Gnadengaben, die wir erhalten, können uns ganz schnell an unsere Grenzen bringen. Wir treten, ausgestattet mit dem Heiligen Geist direkt in die Nachfolge unseres gekreuzigten Herrn ein. Dieser Weg ist alles andere als eben. Der breite Pfad, so lesen wir es schon in der Bibel, ist derjenige, der in die Verdammnis führt. Der steinige Pfad hingegen ist derjenige, der uns zu unserem Herrn führt.

Also, Leid und Not und alles was uns widerfährt ist niemals ein Zeichen dafür, dass Gott Seine Hand von uns abgezogen hat. Doch eines, liebe Gemeinde, ist in diesem Zusammenhang wichtig. Wie der Herr Mose damals nicht hat hängenlassen, so lässt Er uns heute auch nicht hängen. In all dem, was wir an Leid erfahren, dürfen wir immer sicher sein, dass Gottes rettende Hand nicht weit entfernt ist.

2. Die Austeilung

Auf Mose ruhte ja, wie wir gesehen haben der Geist Gottes. Da würde es doch sehr nahe liegen, wenn er sich dessen besinnt und Ihn zu Hilfe nimmt, um entsprechende Pläne zu schmieden und Konzepte auszutüfteln, die ihn und das Volk Gottes aus dieser Misere herausbringen.

Er hätte ja sagen können: „Gut, der Geist Gottes ruht auf mir, also teile ich selbigen auf ein paar Mitstreiter auf und alles läuft wieder in ruhigeren Bahnen.“

Und genau so ging es damals nicht und genau so geht es auch heute noch nicht. Der Heilige Geist ist keine Gnadengabe über die wir nach Belieben frei verfügen können. Damals wurde der Geist Gottes auf siebzig Älteste zusätzlich gelegt, die Mose unterstützen sollten. Aber nicht durch die Hand von Mose, sondern allein durch Gottes Hand.

Heute dürfen wir alle um die Austeilung des Heiligen Geistes bitten, ohne einen Anspruch darauf zu haben. Damals wie heute gilt: Gott allein bestimmt, auf wen Er und wann den Heiligen Geist ausschüttet und welche Gaben Er uns zuteilt. Erst dann, wenn wir den Heiligen Geist und unsere Gaben von unserem Herrn empfangen haben, erst dann können wir diese Gnadengaben fruchtbringend zum Wohle unserer Mitmenschen einsetzen.

Hier erkennen wir genau das Gegenteil der Werkgerechtigkeit. Wir können uns den Heiligen Geist nicht erdienen, wir können ihn nur dankend empfangen und dann dienend tätig werden. Daher kann ich immer nur davor warnen, wenn in Gemeinden die Mitglieder aufgefordert werden: „Du musst
mehr für Jesus tun…“ Wenn ich die Gnadengabe des Heiligen Geistes empfangen habe und Er mir bestimmte Fähigkeiten zuerkannt hat, dann wird Er mir schon zeigen, wo ich diese fruchtbringend einsetzen kann. Dazu brauche ich nicht den ständigen Antrieb durch Gemeindeleiter.

3. Die Tragfähigkeit

Wenn wir uns eine große Brücke vorstellen, die über einen Fluss führt, dann wird diese in aller Regel auch nicht von einem Pfeiler gehalten. Das würde auch nicht lange gut gehen. Nein, diese Brücke besteht aus mehreren Pfeilern, die wiederum aus unzähligen Streben zusammengesetzt
sind, die meist auch noch untereinander verbunden sind. Diese einzigartige Konstruktion macht die Brücke auch so stabil, dass sie alle Erschütterungen ertragen kann, ohne dabei zerstört zu werden. Und gleichzeitig ist sie so flexibel, dass sie den Stürmen, die gegen sie gerichtet sind auch nachgeben kann.

Und genau so wirkt der Heilige Geist in unserer großen Christengemeinde. Wir alle tragen dieses Gebäude mit. Wir alle sind wichtige Bestandteile mit denen unser Herr SEIN Reich aufbauen will. Wie bei einer Brücke unterschiedliche Baumaterialien verwendet werden, so hat uns der Herr mit
jeweils verschiedenen Fähigkeiten ausgestattet.

Diese Fähigkeiten verknüpft Er im Hintergrund so geschickt, dass sie das ganze Gebäude Christenheit fest und stabil machen gegen Angriffe von außen und flexibel machen gegen die Stürme des Lebens, die auf dieses Gebäude treffen. Das gilt für die große ganze Christenheit im
allgemeinen, aber ganz besonders auch für jeden einzelnen, der Teil dieses Systemes ist. Er ist so gut verstrebt und vernetzt, dass er Angriffe von außen und die Stürme des Lebens unbeschadet überstehen kann.

Pater Leppich hatte eine treffende Antwort auf die Frage, warum er denn an die Wirkung des Heiligen Geistes glaube: “ Weil dieser Sauhaufen seit 2000 Jahren existiert und dabei nicht auseinandergebrochen ist, aus allen Stürmen gestärkt wieder hervorgegangen ist und sich immer weiter ausbreitet. Das kann kein Mensch vollbringen. Das ist das Werk Gottes und des Heiligen Geistes.“

Die Wirkung des Heiligen Geistes in dem Leben eines Christen beschreibt der Liederdichter Heinrich Held sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes:

„Komm, o komm, du Geist des Lebens…“, der da lautet, wie folgt:
Komm, o komm, du Geist des Lebens, wahrer Gott von Ewigkeit,
deine Kraft sei nicht vergebens, sie erfüll uns jederzeit;
so wird Geist und Licht und Schein in den dunklen Herzen sein.

Der Herr erfülle Dich mit SEINEM Heiligen Geist und öffne Dein Herz für SEIN Wort
Der Herr lasse Dich erkennen, wozu er Dich durch den Heiligen Geist berufen hat
Der Herr stärke und behüte Dich immer wieder in der Ausübung Deiner Berufung

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Pfingstsonntag. Bis zum morgigen Tage wünsche ich Ihnen allen Gottes reichen Segen.

Ich werde übrigens immer wieder gefragt, wie ich denn eine Berufung Gottes erkennen kann. Ich verfolge dabei den pragmatischen Ansatz und antworte fast immer wie folgt: „Alles das, was du besonders gut kannst und was du besonders gern tust, das versuche doch zur Ehre Gottes in den
Aufbau Seines Reiches einzubringen.“ Denken wir doch heute Nachmittag einmal darüber nach.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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