ePredigt zum 31.10.2014 (Philipper 2, 12-13)

Liebe Gemeinde,

ich begrüße Sie alle recht herzlich am heutigen Reformationstag im Jahre 2014. Was hat die Reformation uns eigentlich gebracht? Zunächst einmal ist es zu einer Kirchenspaltung gekommen. Diese war jedoch von Dr. Luther gar nicht beabsichtigt gewesen. Luther wollte eigentlich nur die
Kirche aufrütteln, aufrütteln für das wirklich Wichtige im Glauben. Und das wirklich Wichtige für unseren Glauben finden wir in unserem heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext im Philipperbrief, Kapitel 2, die Verse 12-13. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Also, meine Lieben, wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht allein in meiner Gegenwart, sondern jetzt noch viel mehr in meiner Abwesenheit, schaffet, dass ihr selig werdet, mit Furcht und mit Zittern. Denn Gott ist’s, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.

Liebe Gemeinde,

Reformen sind immer dann notwendig, wenn sich Missstände offenbaren und Entwicklungen in die falsche Richtung eingetreten sind. So war es denn auch Luther ein Anliegen, das Verhalten der Kirche nach Kräften zu kritisieren, da falsche Prämissen dafür gesorgt haben, dass die Kirche ein recht dubioses Eigenleben zu führen begonnen hatte, um es einmal recht vorsichtig auszudrücken. Wie eingangs erwähnt, wollte Luther auf keinen Fall eine Spaltung der Kirche herbeiführen, aber er konnte nicht anders, als auf das hinzuweisen, was wirklich wichtig ist für ein Leben im Glauben und ein Leben mit unserem Herrn. Was ist denn wirklich wichtig im Glaubensleben?

1. Gehorsam

Bei Gehorsam denke ich immer gleich an den Erziehungsstil vergangener Jahrhunderte. Oder aber an das Befehl-Gehorsam-Modell der Bundeswehr. Egal, was befohlen wird, man hat gehorsam zu sein und hat das zu machen, was der Befehlshaber vorgibt.

Und so sollen wir als Christen leben? Ja, liebe Gemeinde, so sollen wir als Christen leben. Nur sollten wir bedenken, dass Gott kein hergelaufener Despot ist, der uns nach allen Regeln der Kunst immer und immer wieder schikanieren möchte. Gott ist derjenige, der es wirklich gut mit uns meint.

Und weil er es wirklich gut mit uns meint, hat er uns eine Bedienungsanleitung für unser Leben geschenkt. Wenn wir uns strikt an diese Bedienungsanleitung halten, dann können und werden wir ein Leben führen, welches Gott gefällt. Und wir werden ein Leben führen, das uns inneren Frieden, Freiheit und Zufriedenheit beschert.

Mit der Bibel verhält es sich ähnlich wie mit der Sparkasse. Beide nutzen uns nur, wenn sie geöffnet sind. Eine im Schrank verstaubende Bibel wird uns kaum eine große Hilfe sein, wenn wir uns auf den Weg machen um nach dem Willen Gottes für unser Leben zu fragen. Wir müssen dieses Buch schon aktiv in die Hand nehmen. Wenn wir uns einen schnellen Überblick darüber verschaffen wollen, was Gott von uns erwartet, dann nehmen wir am besten den Jakobusbrief zur Hand.

Lesen wir ihn doch heute Nachmittag einmal aufmerksam durch. Übrigens, mit dem einmaligen Lesen ist es nicht getan. Alles im Leben braucht eine gewisse Übung, bis dass es einem „locker“ von der Hand geht. Also lassen Sie uns ständig in unserer Bedienungsanleitung nachlesen, wie wir ein
gottgerechtes Leben führen können.

Gehorsam sollen wir sowohl im Innen- als auch im Außenverhältnis sein. Außenverhältnis meint hier die Gemeinde und unser Verhalten dort. Aber viel wichtiger ist, was in dem sogenannten stillen Kämmerlein passiert. Sind wir dort Gott auch noch gehorsam? Dann, wenn uns keiner sieht, tun
wir dann auch noch, was Gott von uns erwartet?

2. Schaffen, selig zu werden

Das hört sich doch knallhart nach Werkgerechtigkeit an. Und genau die, so Martin Luther, gibt es nicht. Allein die Schrift, allein der Glaube, allein die Gnade sind es nach Martin Luther, die uns das Heil bringen.

Wenn wir unseren Predigttext weiterlesen, dann steht dort, dass wir das Heil erlangen mit Furcht und mit Zittern. Haben wir also doch den einen großen Gott, der nur darauf wartet, dass wir einen Fehler begehen um uns dann abstrafen zu können? Nein, liebe Gemeinde, so sind diese Worte
sicherlich nicht gemeint.

Mit der Furcht ist hier die Ehrfurcht gemeint, die wir Gott entgegenbringen sollen. Und mit Zittern ist auch nicht Angst verbunden. Zittern anders übersetzt bedeutet Inbrunst. Wenn wir den Predigttext so lesen, dann bedeutet dies für uns, dass wir mit unserem ganzen Körper, unserer ganzen Seele und unserem ganzen Geist bereit sein müssen, uns und unser Leben dem Herrn zu übergeben.

Wenn wir ehrfurchtsvoll auf Gott schauen, auf den Gott, der uns durch seine Erlösungstat den Weg zu ihm wieder frei gemacht hat, dann dürfte es uns nicht allzu schwerfallen, diesen entscheidenden Schritt zu gehen. Wenn mir heute jemand sagt: „Übergib mir all Deine Nöte, Sorgen und Probleme, denn ich möchte für Dich sorgen.“, dann würde ich dies sofort tun, wenn ich gewiss bin, dass dieser Jemand auch dazu in der Lage ist. Und Gott ist dazu in der Lage. Wir müssen ihn nur lassen. Er drängt sich niemandem auf, aber er möchte jedem helfen.

Da kann uns auch keine Kirche oder irgendeine Glaubensgemeinschaft helfen. Diesen einen entscheidenden Schritt müssen wir schon selber tun.

3. Gott wirkt

Liebe Gemeinde, wenn wir das bisher so gemacht haben, wie es uns unser heutiger Predigttext vorgeschlagen hat, dann werden wir erleben, dass Gott unmittelbar in uns wirkt.

Und wieso funktioniert das ganze so schlecht? Schuld daran ist ganz bestimmt nicht Gott. Wir sind es, die wir uns immer wieder als sehr kontraproduktiv erweisen. Sehen wir es einmal so: Gott möchte uns als seine Werkzeuge benutzen, um bei dem Aufbau seines Reiches behilflich zu sein. Also wird Gott uns schon zeigen, wie wir wo, was wann machen sollen. Wir müssen nur aktiv auf ihn hören. Hören bedeutet aber auch, dass ich mir die Zeit nehmen muss, Gott zuzuhören.

Mal ganz ehrlich, wie oft haben wir einfach keine Zeit, um Gott um seinen Rat und seine Hilfe zu bitten? Wie oft agieren wir in blindem Aktionismus und wundern uns dann, wenn uns etwas nicht so gelingt, wie wir es uns vorgestellt haben. Manchmal meinen wir dann, noch einen draufsetzen zu müssen, wenn wir Gott für das Misslingen dann auch noch die Schuld in die Schuhe schieben wollen.

„Nimm Dich nicht so wichtig, nimm Dir Zeit für Gott“, das las ich vor kurzem auf einem Plakat in einer großen deutschen Innenstadt. Und ich glaube das ist es auch, was wir wieder öfters beherzigen müssen. Alles, was wir sind und haben, haben wir Gott zu verdanken. All das hat er uns geschenkt. Danken wir ihm doch wieder häufiger dafür und nehmen wir uns doch wieder mehr Zeit, um auf sein Wort zu hören.

Mehr wollte Luther uns auch gar nicht sagen. Dass es darüber zu einer Kirchenspaltung gekommen ist, würde wohl am meisten Luther selber bedauern. Heute ist doch ein guter Tag, um auch damit zu beginnen, anderen Konfessionen die Hand zu reichen. Suchen wir doch vielmehr die Gemeinsamkeiten, die uns verbinden. Und lassen Sie uns doch alles Trennende versuchen in Liebe und Demut zu überwinden. Nicht nur Dr. Martin Luther würde sich darüber freuen.

Was für einen Fels in den Brandungen unseres Lebens wir in unserem Herrn haben, das beschreibt Martin Luther sehr schön in dem ersten Vers des Reformationsliedes schlechthin „Ein feste Burg ist unser Gott…“ (EG 362), der da lautet, wie folgt:

Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen.
Der alt böse Feind mit Ernst er’s jetzt meint,
groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist,
auf Erd ist nicht seinsgleichen.

Der Herr helfe Dir stets, ihm allein gehorsam zu sein
Der Herr sende seinen Willen in Dein Herz hinein
Der Herr lasse Dich stets einen fröhlichen Diener seines Willens sein

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen geruhsamen Reformationstag. Bis zum nächsten Sonntag wünsche ich Ihnen allen Gottes reichen Segen.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber