Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Jubilate. Unser heutiger Predigttext beschäftigt sich mit dem Thema Zeit und Ewigkeit. Ein Thema, das nicht nur Christen interessiert, sondern uns die Möglichkeit gibt, auch mit (noch) nicht Christen in’s Gespräch zu kommen.
Lassen Sie uns den Predigttext für den heutigen Sonntag, den wir im 2. Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 4, die Verse 16-18 finden, zunächst gemeinsam lesen:

Darum werden wir nicht müde; sondern wenn auch unserer äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert. Denn unsre Trübsal, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit, uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.

Liebe Gemeinde,

wie wir soeben gehört haben, leben wir als Christen in einer sichtbaren und einer unsichtbaren Welt. Dies führt natürlich auch immer wieder dazu, dass wir, so wir dies in die Welt hinaustragen, schnell als fromme Spinner bezeichnet werden. Daher wollen wir uns heute morgen die Zeit nehmen, die zwei Welten etwas näher zu betrachten.

1. Die äußere Welt

Auch Christen nehmen gemeinhin am Alltagsleben der Welt teil. Dies ist gut so und auch von Jesus nicht anders gewollt. Unser Herr wollte nicht, dass wir uns als Christen von der Welt abschotten und ein sektenähnliches Eigenleben in einer geschlossenen Gruppe führen.

Christen arbeiten, werden alt und krank und sterben genau so wie Nichtchristen. Mit dem Tode endet allerdings für den Nichtchristen alles. Ich sage bewusst nicht Atheist, denn ein waschechter Atheist ist mir noch nicht begegnet. Jetzt hat der Nichtchrist aber ein großes Problem. Wenn mit dem Tode alles aus ist, dann muss er die Zeit auf Erden nutzen, um möglichst viel Spaß und Fun zu haben.

Alles das, was Freude macht muss ja in die paar lächerlichen Erdenjahre hineingestopft werden. Also dreht sich alles nur noch um das eigene Vergnügen. Wenn sich aber alles nur noch um mich und meinen Spaßfaktor in diesem Leben dreht, dann verliere ich zwangsläufig den Kontakt zu
meinen Mitmenschen. Ich werde im wahrsten Sinne des Wortes asozial. Und hier beißt sich die Katze in den Schwanz; asozial und Spaß das passt nun überhaupt nicht mehr zusammen. Ich behaupte nicht, dass nicht auch der Nichtchrist verantwortungsbewusst mit sich und der Gesellschaft umgeht. Von vielen nichtchristlichen Hilfsorganisationen können wir uns eine gewaltige Scheibe abschneiden.

Ich behaupte nur, dass die Perspektive des Nichtchristen natürlich auch seinen Lebensinhalt bestimmen muss. Wenn ich davon ausgehe dass mit dem Tode alles vorbei ist, gehe ich doch zwangsläufig anders mit meiner Zeit um, als wenn ich davon ausgehe, dass mich nach meinem Tode die Ewigkeit in Gottes Gegenwart erwartet.

2. Die innere Welt

Liebe Gemeinde, bei unserer Bekehrung geschieht direkt etwas mit uns. Unsere inneren Augen werden aufgetan. Dies können wir an zahlreichen Stellen im neuen Testament nachlesen.

Wenn uns unsere inneren Augen geöffnet werden, dann können wir auf unseren Herrn schauen. Nicht so wie man die Welt betrachtet, sondern mit den inneren Augen. Heute würde man eher Gefühl dazu sagen. Wir dürfen unseren Herrn fühlen, spüren und sein direktes Eingreifen in unser Leben immer wieder erleben. Das meint Paulus, wenn er sagt, dass wir auf das Unsichtbare sehen.

Wir dürfen als Christen erkennen, dass da noch etwas ist, was nach dem Tode kommt. Es ist eben nicht alles vorbei, wenn wir hier auf Erden die Augen schließen. Ich behaupte einmal, dass es dann erst richtig losgeht. Entscheidend ist aber noch folgendes: Wenn ich mir absolut sicher bin, dass jemand neben mir steht, der mich mein ganzes Leben auf Erden behütet und begleitet, dann kann ich auch mit meinen äußeren Augen die Welt ganz anders wahrnehmen.

Christen schielen immer mit einem Auge in die Ewigkeit, so hat es ein bekannter Erweckungsprediger einmal gesagt. Und er hat recht damit. Wenn ich es zulasse, dass ich mit einem Teil meines Kopfes schon den Himmel berühre, dann kann ich in der Tat ein Segen für diese Welt sein.

3. Die Folgen

So ganz unter uns können wir zustimmend nicken und innerlich sagen:
Jawohl, so ist es. Erzählen wir das mit den inneren Augen, die uns aufgetan sind, doch mal morgen am Arbeitsplatz. Wenn Sie nicht gerade Priester, Pastor oder Evangelist von Beruf sind, dürfte Ihnen der Heiterkeitserfolg sicher sein. Das geht mir auch immer wieder so. Aber irgendwann bekommt man so etwas wie ein ganz dickes geistiges Fell.

Wenn ich dann wieder mal so richtig nach allen Regeln der Kunst angegiftet werde, dann antworte ich wie folgt: „Glaube ist nicht die Aufgabe des Verstandes, sondern die Aufgabe des Widerstandes.“

Lassen Sie uns über diesen Satz noch kurz nachdenken. Es kommen doch immer wieder die gleichen, teils wirklich dämlichen Argumente, die nur eines bezeugen: Ein Mensch sträubt sich mit Haut und Haaren dagegen, das Gnadengeschenk unseres Herrn anzunehmen, dass da lautet:
Ewiges Leben in Gottes Herrlichkeit.
Ich bin mir sicher, dass dieser innere Widerstand uns vom Teufel in unser Herz gelegt worden ist.

Es kostet uns keinen Pfennig, den Widerstand, der uns im übrigen jede Menge Kraft kostet, aufzugeben und den Weg des Glaubens zu gehen. Ich persönlich kenne keinen Menschen, der diesen Weg einmal beschritten hat und der gesagt hat: Ich will wieder zurück. Jeder, der die Herrlichkeit des Herrn spüren durfte möchte für immer auf diesem Wege bleiben.

Lassen Sie mich kurz noch ein letztes sagen: Gott will, dass wir unseren Verstand beibehalten. Er will Jünger, die IHN bezeugen und das auch leben, was sie bezeugen. Gott will keine frommen Spinner, die sich in Sekten und anderen Gemeinschaften verstecken und dort ein von der
Außenwelt abgeschnittenes Glaubensleben führen. Ich meine übrigens keine Mönche und Nonnen hiermit. Klöster jedweder Art sind ja schließlich die Vorläufer aller sozialen Einrichtungen und sind immer nach Außen gerichtet. Ich meine hiermit das pure nach innen Gekehrtsein.

Wenn wir also unseren Widerstand aufgeben und Jesus in unser Leben einladen, dann dürfen wir erleben, dass aus Egoismus Dankbarkeit und dadurch Liebe für den Mitmenschen wird. Und aus der Angst in der Welt wird ein Leben, welches wir in heiterer Gelassenheit IN und MIT unserem
Herrn führen dürfen.

Ist es das nicht wert, den Widerstand aufzugeben ???

Der Liederdichter Ludwig Helmbold beschreibt ein Leben mit unserem Herrn sehr schön im ersten Vers seines Liedes „Von Gott will ich nicht lassen…., der da lautet, wie folgt:

Von Gott will ich nicht lassen, denn er lässt nicht von mir,
führt mich durch alle Straßen, da ich sonst irrte sehr.
Er reicht mir seine Hand,
den Abend und den Morgen tut er mich wohl versorgen,
wo ich auch sei im Land.

Der Herr öffne Deine inneren Augen, damit Du SEINE Herrlichkeit schauen kannst
Der Herr öffne Deine inneren Augen, damit Du IN IHM leben kannst
Der Herr öffne Deine inneren Augen, damit Du die Ewigkeit in SEINER
Herrlichkeit verbringen kannst

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen fröhlichen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich

Ihr
Ulrich Naber

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