Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Pfingstsonntag. Vor seiner Himmelfahrt hat uns der Herr Jesus Christus versprochen, einen Tröster, einen Beistand zu senden, der immer bei uns sein wird. Dies geschah in Form des Heiligen Geistes am ersten Pfingstfest. Seither gedenken wir jedes Jahr zu Pfingsten dieses Geschehens. Vater und Sohn, das können wir noch gut erklären. Aber was ist das eigentlich, der Heilige Geist ?

Unser Predigttext für den heutigen Sonntag kann uns hier weiterhelfen.
Wir finden den Predigttext im 1. Brief des Paulus an die Korinther, Kapitel 2, die Verse 12-16. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Wir aber haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, dass wir wissen können, was uns von Gott geschenkt ist. Und davon reden wir auch nicht mit Worten, wie sie menschliche Weisheit lehren kann, sondern mit Worten, die der Geist lehrt, und deuten geistliche
Dinge für geistliche Menschen. Der natürliche Mensch aber vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen; denn es muss geistlich beurteilt werden. Der geistliche Mensch aber beurteilt alles und wird doch selber von niemandem beurteilt. Denn
„wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer will ihn unterweisen“ (Jesaja 40,13) ? Wir aber haben Christi Sinn.

Liebe Gemeinde,

dass elektrischer Strom etwas bewirkt, das wissen wir alle. In unseren Haushalten läuft ja so ziemlich gar nichts mehr ohne elektrischen Strom. Aber hat einer von Ihnen schon einmal den Strom gesehen, ihn angefasst oder kann jemand unter uns den elektrischen Strom beschreiben. Nein, das können wir natürlich nicht. Und trotzdem würden wir jeden müde belächeln, der sagt, es gibt keinen elektrischen Strom.

So sollten wir uns auch dem Heiligen Geist nähern. Wir müssen ihn nicht betasten, Bilder von ihm machen oder ihn irgendwie körperlich beschreiben, um seine Existenz zu beweisen. Seine Existenz können wir aber durch sein Wirken erkennen und somit auch beweisen. Lassen Sie uns am heutigen Pfingstsonntag daher einmal der Frage nachgehen: Was macht eigentlich der Heilige Geist ?

1. Er öffnet die Augen

Wir leben alle, die wir heute zusammen sind, in der Welt. Diese Welt funktioniert nach den von ihr selbst gesetzten Maßstäben. Geld, Erfolg und Macht sind die drei großen Credos dieser Welt. Wer etwas davon erlangen will, muss sich in das Hamsterrad der Welt begeben und möglichst lange laufen oder aber entsprechend intelligent taktieren. Von nix kommt nix fasst das Treiben dieser Welt wohl am besten zusammen.

Häufig wenden wir diese Erfolgsparameter auch auf den Glauben an. Das Engagement mit dem wir für Christus unterwegs sind, wird häufig gleichgesetzt mit der Fülle des Heiligen Geistes, die wir in uns tragen oder noch viel schlimmer, die wir glauben beanspruchen zu dürfen. Dies, liebe Gemeinde, ist ein fataler Irrtum.

Der Heilige Geist öffnet uns dort die Augen, wo wir erkennen können, dass ich für Gott überhaupt nichts tun kann, um Ihn vielleicht zu beeindrucken. Der Heilige Geist wirkt in mir, wenn ich erkenne, dass alles ein Geschenk ist, das Gott für mich bereitet hat. Wenn ich meine Ohnmacht erkenne und gleichzeitig die Allmacht Gottes anerkenne, dann ist dies auf die Wirkung des Heiligen Geistes in mir zurückzuführen.

Wenn ich erkannt habe, dass ich mich nicht mehr selber um alle meine Nöte, Probleme und Sorgen kümmern muss, sondern dass ich diese getrost aus der Hand legen darf, dann hat mir der Heilige Geist meine Augen geöffnet.

Wenn ich erkenne, dass ich mich und mein gesamtes Leben vertrauensvoll in die Hände meines Herrn legen darf, dann hat mir der Heilige Geist die Augen geöffnet. Der Heilige Geist, liebe Gemeinde, öffnet uns die Augen, dass wir Zeit unseres Lebens auf Erden in einer Parallelwelt leben. Einmal in der „Welt“ und in Gottes Hand. Natürlich haben wir als Christen genau so große Probleme und Nöte durchzustehen, wie Nichtchristen, aber wir haben einen Tröster, einen Beistand, der uns durch alle Probleme und Sorgen und Nöte hindurch trägt.

In Abwandlung eines bekannten Zitates möchte ich sagen:
Der Heilige Geist führt uns nicht am Leiden vorbei, aber durch das Leiden hindurch.

Er ist nicht beeinflussbar.
Den ersten Punkt erleben wir, die wir heute morgen zusammen sind, immer wieder in unserem Leben. Er hat uns die Augen geöffnet, sonst wären wir heute morgen im Freibad im Wald oder würden einfach genüsslich ausschlafen.

Ich glaube, jeder von uns möchte, dass auch anderen Menschen die Augen für das Wirken des Heiligen Geistes geöffnet werden. Geht es Ihnen eigentlich auch so ? Da redet man mit Menschen über Gott und mal eben nicht über die Welt, und man erntet nur ein müdes Lächeln. Ab und zu gelingt es mir, Menschen in die Kirche zu „locken“. Doch das Ergebnis ist meist alles andere als ermutigend. Sie kommen einmal, vielleicht ein zweite Mal und dann nicht mehr.

Manchmal frage ich mich dann schon: Bildest du dir die ganze Sache vielleicht nur ein ? Ist das alles ein frommes Wunschdenken ? Haben die anderen, die nicht kommen vielleicht doch Recht ? Und dann kommt mir der heutige Predigttext wieder in den Sinn. Schon Paulus hat es uns gesagt:
„Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geist Gottes; es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen…“

War ich nicht auch einmal so ein Tor ? Ich glaube ja, denn ich bin ja nicht als gläubiger Mensch auf die Welt gekommen. Und meine ersten Worte waren auch nicht das Vater unser, sondern ganz weltliche Worte. Aber irgendwann hat Gott in mein Leben eingegriffen und ich durfte die Wahrheit erkennen. Was war geschehen ? Bleiben wir doch bei dem Beispiel des elektrischen Stromes. Gesetzt der Fall, Sie haben ein Fernsehgerät. Sie schließen dieses aber nicht an den Strom an. Was haben wir dann ? Genau, gar nichts. Einen Bildschirm, der schwarz bleibt, ein Möbelstück das langsam einstaubt und verrottet. Was aber passiert, wenn der Stecker in die Steckdose gesteckt wird ? Sie genießen auf einmal die Vielfalt von hunderten Fernsehprogrammen. Sie dürfen erkennen, dass in der schwarzen Kiste ja etwas wunderbares enthalten ist.

So macht es Gott. Er nimmt quasi den Stecker unseres Lebens und schließt ihn bei sich an. Wo vorher alles schwarz war, dürfen wir auf einmal Seine Herrlichkeit erkennen, spüren und fühlen. Bei dem Fernseher haben wir es selber in der Hand. Den Stecker unseres Lebens hingegen hält Gott in der Hand. Wenn ER den Stecker einsteckt, dann werden dem Menschen die Augen aufgetan.

Wir können das Handeln Gottes in keiner Art und Weise beeinflussen oder gar beschleunigen. Wir sollen als Christen so leben, wie es Gott zur Ehre gereicht. Wir sollen unseren Mitmenschen von IHM erzählen. Wir sollen ein Leben vorleben, dass neugierig macht auf mehr. Aber wir sind nicht für die Resultate verantwortlich. Wir werden von Gott niemals zur Rechenschaft gezogen werden, warum sich x oder y nicht bekehrt haben. Wir werden aber zur Rechenschaft gezogen werden, warum wir x oder y nichts von IHM erzählt haben.

3. Er macht uns kritisch

Ich sage jetzt mal etwas ganz arrogantes: Als Christen stehen wir über den Dingen. Jedenfalls über den Dingen dieser Welt. Das letzte, was Gott in Seinem Reich gebrauchen kann, sind selbstverliebte religiöse Spinner, die alles ganz toll finden. Und daher hat Er uns den kritischen Geist gegeben.

Lassen Sie mich kurz noch zwei Beispiele anführen. Die Welt glaubt ja immer noch an das Gute im Menschen. Wenn wir nur alle das Gleiche an Besitztümern hätten, dann hätten wir das Paradies auf Erden. Keiner wäre dem anderen neidisch und wir würden alle in ewig währender Harmonie zusammen leben.

Der Heilige Geist lehrt uns, dass wir alle Sünder sind. Da ist keiner, der aus sich heraus gut ist, auch nicht ein einziger. Wenn wir dies wissen, dann können wir uns ganz anders in der Welt bewegen. Wir werden nicht mehr so schnell enttäuscht werden. Wir können die Realitäten dieser Welt viel besser akzeptieren. Kritisch sein, hilft uns somit auch, gelassen zu werden.

In letzter Zeit können wir ein interessantes Phänomen beobachten: Das Zusammenmischen der Religionen. Da nimmt man sich eine Scheibe Christentum, schmiert ein bisschen Hinduismus darauf und belegt das ganze mit einer Prise Buddhismus und schon ist sie fertig: Die passende Religion für jedermann. Und wenn irgendwann etwas nicht mehr gefällt, bitte, dann wird es eben ausgetauscht.

Davor warnt uns der Heilige Geist. Der Heilige Geist führt uns hinein in die Wahrheit. Und diese Wahrheit müssen wir in der Welt verbreiten. Dazu sind wir als Gottes geliebte Kinder an den Platz gestellt worden, wo wir uns gerade jetzt befinden. Und genau an diesem Platz sollen wir unserer Aufgabe gerecht werden. Und wenn es uns manchmal ein wenig Magendrücken bereitet, dann dürfen wir uns auf den Beistand verlassen, den Gott uns zu Pfingsten gesandt hat.

Lassen Sie uns daher gemeinsam einstimmen in den ersten Vers des Liedes „O, komm, du Geist der Wahrheit…“ von Philipp Spitta, der da lautet, wie folgt:

O komm, du Geist der Wahrheit,
und kehre bei uns ein,
verbreite Licht und Klarheit,
verbanne Trug und Schein.
Gieß aus dein heilig Feuer,
rühr Herz und Lippen an,
dass jeglicher getreuer
den Herrn bekennen kann.

Der Herr sende herab auf Dich SEINEN Heiligen Geist
Der Herr erfülle Dich mit SEINEM Heiligen Geist
Der Herr wirke durch SEINEN Heiligen Geist in Dir

Amen.
Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Pfingstsonntag. Bis zum morgigen Tage verabschiede ich mich und grüße Sie alle recht herzlich
Ihr Ulrich Naber

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