ePredigt zum 25.11.2012 (Jesaja 65, 17-19, 23-25)

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Ewigkeitssonntag, der zugleich auch Totensonntag heißt, da wir am letzten Sonntag im Kirchenjahr all derer gedenken, die uns im Glauben vorausgegangen sind. Ewigkeitssonntag heißt nicht, die Trauer einfach wegzuwischen. Nein, der
Ewigkeitssonntag weist eine Perspektive auf, die über die Trauer hinausgeht.

Und mit dieser Perspektive beschäftigt sich auch unser heutiger Predigttext. Wir finden den Predigttext im 65. Kapitel des Propheten Jesaja, die Verse 17-19 und 23-25.
Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Verheißung eines neuen Himmels und einer neuen Erde

Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorherigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe. Denn siehe, ich will Jerusalem zur Wonne machen und sein Volk zur Freude, und ich will fröhlich sein über Jerusalem und mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens. Sie sollen nicht umsonst arbeiten und keine Kinder für einen frühen Tod zeugen; denn sie sind das Geschlecht der Gesegneten des Herrn, und ihre Nachkommen sind bei ihnen. Und es soll geschehen: Ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören. Wolf und Schaf sollen beieinander weiden; der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind, aber die Schlange muss Erde fressen. Sie werden weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der Herr.

Liebe Gemeinde,

Totensonntag und heile Welt, von der wir gerade gehört haben, wie passt dies zusammen ? Gott ruft über den Propheten Jesaja seinem Volk diese Verheißung zu, einem Volk dem es alles andere als gut geht. Ein Volk, das in Perspektivlosigkeit und Depression verharrte. In diese scheinbar ausweglose Situation hinein ruft der Herr ein dreifaches „Trotzdem“. Lassen Sie uns über dieses dreifache „Trotzdem“ am heutigen Sonntag gemeinsam nachdenken.

1. Das erste Trotzdem

Ihr seid traurig, trotzdem dürft ihr euch freuen so die Worte unseres Herrn. Er wird einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen. So wie Gott die alte Erde und uns geschaffen hat, so wird Er eine neue Erde schaffen.

ER, der Herrscher über Himmel und Erde verheißt Seinem geliebten Volk, dass sie sich nicht mehr auf die Traurigkeit konzentrieren sollen, sondern auf das, was nach der Traurigkeit alles noch kommt.

„Das wird schon wieder“, das, liebe Gemeinde ist so ziemlich die dümmste Zusage, mit der man einen Trauernden trösten kann. Es wird eben nichts mehr, wie es einmal war. Der geliebte Partner kommt nicht mehr zurück. Das Kind, das bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist, wird nie
wieder in seinem Kinderzimmer spielen. Wenn wir unseren Predigttext hören, dann fällt uns auf, dass Gott auch Seinem Volk zunächst einmal die Trauer lässt. Und dies ist auch richtig und wichtig.

Jeder trauert anders, aber jede Trauer braucht ihre Zeit. Vor der Trauer können wir auch nicht davonlaufen, sie wird uns immer wieder einholen. Aber an einem gewissen Punkt dürfen wir wieder Hoffnung schöpfen auf die Zusage Gottes, dass Er einen neuen Himmel und eine neue Erde machen
wird. Dann darf wieder zarte Freude in uns aufkeimen, denn wir sind Teil dieser neuen Schöpfung

2. Das zweite Trotzdem

Ihr seid jetzt traurig, trotzdem freuet euch, denn ihr seid Teil der neuen Schöpfung. In der neuen Schöpfung wird es kein Leid mehr geben. Es wird keinen Grund zur Klage geben. Und auch wird niemand mehr über den Verlust eines Angehörigen weinen müssen.

All das, was hier auf Erden unser Leben im negativen bestimmt, wird es dort nicht mehr geben. Bosheit, Lüge, Schaden, Neid und Missgunst, all dies ist der neuen Schöpfung fremd.

Wie oft machen uns doch auf Erden Bosheit und Schaden das Leben schwerer, als es eigentlich nötig ist. Zu aller Traurigkeit, die uns, die wir Angehörige verloren haben, kommt vielleicht noch hinzu, dass bösartige Erbstreitereien unser Leben bestimmen.

Zu aller Traurigkeit kommen vielleicht auch noch finanzielle Probleme hinzu, die durch den Tod eines Menschen verursacht werden. All dies, wird es in Gottes neuer Schöpfung nicht mehr geben. Wir, die wir jetzt traurig sind, dürfen durchaus mit einem Auge auch schon einmal in diese verheißene Welt schauen.

Etwas versteckt finden wir in unserem heutigen Predigttext die Worte „Ehe sie rufen, will ich antworten“. Diese Zusage gilt uns allen schon heute. Alle, die wir an diesem Tage traurig sind, dürfen den Herrn anrufen und von IHM Seinen göttlichen Trost erbitten. Er ist ja nur ein Gebet weit entfernt. Nutzen wir also die Möglichkeit, die Er uns gibt. Denn es wäre wirklich dumm, Gottes Hilfsangebot nicht anzunehmen.

3. Das dritte Trotzdem

Ihr seid traurig, trotzdem freuet euch. Alle lieben Menschen, die wir verloren haben sind ja nicht auf Nimmerwiedersehen von uns gegangen. Sie sind uns im Glauben vorausgegangen. Wir werden sie ganz bestimmt wiedersehen und eine Ewigkeit mit ihnen in Gottes Gegenwart verbringen dürfen.

Im Angesicht der Ewigkeit ist unsere verbleibende Zeit hier auf Erden ja nur ein kleiner Hauch. Ja, wir sind traurig, dass wir in diesem Moment nicht mehr mit unseren Lieben zusammen sein dürfen. Aber wir dürfen uns trotzdem freuen über die gewaltige Verheißung des Herrschers von Himmel
und Erde, der uns verspricht, dass Er uns alle wieder zusammen führen wird.

Aber nicht nur auf dieses Wiedersehen dürfen wir uns schon jetzt freuen, die größte Freude besteht darin, dass wir dann in aller Ewigkeit mit unserem Schöpfer zusammen sein dürfen. Gott führt uns nicht am Leiden vorbei, aber Er führt uns immer durch unser Leiden hindurch. Manchmal mit Seinem göttlichen Trost und manchmal mit so einer herrlichen Verheißung, wie wir sie in unserem heutigen Predigttext gehört haben.

Wenn wir heute die Gräber unserer Lieben aufsuchen, dann dürfen wir natürlich traurig sein. Wir dürfen aber auch ein Stück weit dankbar sein für die Zeit, die wir hier auf Erden gemeinsam erleben durften. Und wir dürfen auch ein Stück weit Freude in unsere Herzen lassen, die Freude darüber, dass wir eines Tages in Gottes Ewigkeit alle vereint zusammen sein werden.

Wer könnte diese Verheißung besser beschreiben, als Dietrich Bonhoeffer in seinem Lied
„Von guten Mächten wunderbar geborgen…“, dessen zweiter Vers lautet, wie folgt:

Noch will das alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage Last.
Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen das Heil, für das du uns geschaffen hast.
Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Der Herr ersetze Deine Traurigkeit durch SEINEN göttlichen Trost
Der Herr lasse Dich erkennen, dass Du allezeit von IHM und SEINEN
guten Mächten umgeben bist
Der Herr lasse die Freude auf das, was kommen wird in Deinem Herzen Einzug halten

Amen.

Liebe Gemeinde,

zum Abschluss dieses Kirchenjahres wünsche ich Ihnen noch einen besinnlichen Sonntag.
Möge in unser aller Herzen die Freude auf Gottes neue Schöpfung Einzug halten.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber