ch grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 7. Sonntag nach Trinitatis. Wie sieht sie eigentlich aus die ideale Gemeinde. Sind wir eine ? Oder ist es die Nachbargemeinde, die sich als ideale Gemeinde versteht ?
Unser Predigttext beschäftigt sich genau mit diesem Thema.
Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im Brief des Paulus an die Philipper,
Kapitel 2, die Verse 1-4. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Leben in Gemeinschaft mit Christus

Ist es nun bei euch Ermahnung in Christus, ist Trost der Liebe, ist Gemeinschaft des Geistes, ist herzliche Liebe und Barmherzigkeit, so macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und einträchtig seid. Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst, und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient.

Liebe Gemeinde,

das sind auf den ersten Blick ein ganzer Haufen von Eigenschaften, die von uns erwartet werden, wenn wir ein Leben in der Gemeinschaft mit Christus führen möchten. Wenn wir den Predigttext ein wenig näher analysieren, dann bilden sich zwei große Bereiche heraus, die uns als christliche Gemeinschaft auszeichnen sollen. Lassen Sie uns diese beiden Bereiche heute morgen ein wenig näher betrachten.

1. Eintracht

Einträchtig bei- und nebeneinander so sollen wir als Christen leben.
Keine Meinungsverschiedenheiten, immer vergebungsbereit und stets freundlich bleiben. So sieht gelebte Eintracht aus. Aber ist das wirklich die Eintracht, die hier gemeint ist ? Ich glaube kaum. Denn den soeben geschilderten Eintrachtsbegriff könnte wohl kaum einer von uns mit Leben füllen.

Denn dann wäre ja schon das unterschiedliche Verständnis der einzelnen Konfessionen keine Eintracht mehr. „Einheit und Vielfalt“ so drückte es Papst Johannes Paul II aus, wenn er über Eintracht im Glauben redete.

Wenn Paulus die Philipper zur Eintracht ermahnt, dann meint er damit nicht eine immerwährende Harmonie, sondern er ruft die Gemeinde auf, bei allen Streitigkeiten und Zwistigkeiten, die immer wieder in einer Gemeinde auftreten können, stets auf den einen zu sehen, der als Oberhaupt über der Gemeinde steht – auf Jesus Christus.

Wenn wir in unserem Leben immer wieder auf Christus schauen, dann können konfessionsgebundene Unterschiede niemals zu Grabenkämpfen führen, die unübersichtliche Spuren hinterlassen. Wenn wir auf Christus schauen, dann schauen wir bei unserem Gegenüber auch immer stets auf das, was uns vereint und nicht auf das, was uns trennt. Das, was uns verbindet macht uns stark, sowohl nach innen, als auch nach außen.

Aber auch in unserem Alltagsleben sollten wir diese Form der Eintracht leben. Wenn ich stets auf Christus schaue, dann verliert vieles um mich herum an Wichtigkeit. Wer auf Christus schaut, der muss in einem Streit nicht immer Recht haben. Wer auf Christus schaut, der kann dem anderen
gnädig seinen Fehltritt vergeben und muss sich nicht durch Racheakte Genugtuung verschaffen. Und wer auf Christus schaut verliert niemals die große Richtung seines Lebens.

Mit Christus in der Mitte fällt uns Eintracht wesentlich leichter, als wenn wir alle unser eigenes „Lebenssüppchen“ kochen und als Einzelkämpfer in diesem Leben unterwegs sind.

2. Demut

Stellen wir uns doch einmal einen demutsvollen Menschen vor. Mit gebeugtem Rücken, hochgezogen Schultern und den Blick stets nach unten gewandt steht er vor uns. Und so sollen wir als Christen durchs Leben laufen ?

Nein, liebe Gemeinde, das ist natürlich nicht gemeint, wenn Paulus von Demut schreibt. Wenn wir das griechische Wort „tapeinophrosyne“ wörtlich übersetzen, dann bedeutet dies „niedrig gesinnt sein“. In der heutigen Zeit würden wir vielleicht sagen „unsere Stellung und Status richtig
einordnen“. Und so kann ich mit dem Wort Demut auch gleich in dreierlei Hinsicht etwas anfangen.

Mein Status vor Gott: Demut heißt, dass ich erkenne, dass nicht ich Gott Vorschriften machen kann, sondern dass ER der Herr meines Lebens ist. Bei allem, was ich mache bin ich stets auf die Gnade und die Güte und die Liebe Gottes angewiesen. Alles, was ich bin, habe ich von Gott geschenkt bekommen. Alles, was ich habe, ist ein Geschenk meines Herrn. Und alles, was noch kommen wird, geschieht nicht ohne meinen Herrn.

Meine Großmutter fügte bei allen Plänen, von denen sie berichtete, auch bei den kleinsten, stets die Worte hinzu „So Gott, der Herr, will.“ Schöner kann man Demut vor Gott wohl kaum in Worte fassen.

Meine Stellung gegenüber meinen Mitmenschen: „In Demut achte einer den andern höher als sich selbst“. So haben wir es vorhin gehört. Das bedeutet aber nicht, dass wir uns von unseren Mitmenschen alles gefallen lassen müssen. Nein, wir sollen lediglich erkennen, dass wir ein Teil
des Ganzen sind, genau so wie es unsere Mitmenschen auch sind.

Wir haben nicht das Recht, unseren Mitmenschen das Leben schwer zu machen. Wir haben aber das Anrecht, das Leben unseres Bruders oder unserer Schwester ein wenig leichter zu machen. Häufig reicht da schon ein Lächeln und ein freundlicher Gruß. Wir sollen unsere Mitmenschen auch nicht vor unseren Karren spannen und ausnutzen.

Vor Gott ist jeder Mensch, mit dem ich es zu tun habe, genau so wichtig wie ich es bin. Ich habe absolut keine Anrechte und Vorrechte vor Gott, die mich gegenüber meinem Mitmenschen auszeichnen. Wenn ich dies wieder erkenne, dann kann ich allen meinen Mitmenschen auch wieder auf sozialer Augenhöhe begegnen.

Meine Stellung in der Schöpfung: Gott hat Himmel und Erde geschaffen und hat uns alles übergeben, damit wir es behüten und bewahren. Das bedeutet, dass ich mit der Schöpfung so umzugehen habe, wie mit einem geliehenen Gegenstand, den ich eines Tages wieder zurückgeben muss.

Diese Erde ist nicht mein Eigentum. Ich darf nicht sinnlosen Raubbau an dem Planeten Erde betreiben. Ich darf nicht nach dem Motto „nach mir die Sintflut“ mir alle Bodenschätze nehmen, die die Erde zu bieten hat. Ich muss mit der Schöpfung so umgehen, dass ich den Planeten Erde den
nachfolgenden Generationen so übergeben kann, wie er mir überlassen wurde.

Natürlich sollen wir uns von den Schätzen der Erde ernähren. Das will Gott so. Wir sollen uns den Acker, um nur ein Beispiel zu nennen, nutzbar machen. Aber wir dürfen nicht nur ernten, wir müssen uns auch die Mühe der Aussaat machen.

Als Fazit können wir sicherlich festhalten, dass es mit ein wenig gutem Willen sicherlich möglich ist, Eintracht und Demut auch mit Leben zu füllen. Und wenn es uns wieder einmal nicht gelingen sollte, dann dürfen wir uns gern daran erinnern, dass Gott nur ein Gebet weit entfernt ist.

Das rechte Verhältnis zu Gott und unsere Stellung vor Gott beschreibt der Liederdichter Nikolaus Ludwig von Zinzendorf sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes „Herz und Herz vereint zusammen“, der da lautet, wie folgt:

Herz und Herz vereint zusammen sucht in Gottes Herzen Ruh.
Lasset eure Liebesflammen lodern auf den Heiland zu.
Er das Haupt, wir seine Glieder, er das Licht und wir der Schein,
er der Meister, wir die Brüder, er ist unser, wir sind sein.

Der Herr schenke Dir ein demütiges Herz, das nur IHN als Herrscher kennt
Der Herr schenke Dir die Gabe der Eintracht, damit Du ein friedvolles Leben vorleben kannst
Der Herr gebe all SEINE Liebe in Dein Herz hinein, damit Du SEINE Liebe weitergeben kannst

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen frohen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber

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