ePredigt zum 20.05.2012 (Jeremia 31, 31-34)

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Exaudi mit dem Wochenspruch für die kommende Woche: „Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“ (Johannes 12, 32). Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir bei dem Propheten
Jeremia im 31. Kapitel, die Verse 31-34. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, ein Bund, den sie nicht gehalten haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der Herr; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: „Erkenne den Herrn“, sondern sie sollen mich alle erkennen, beide, klein und groß, spricht der Herr; denn ich will ihnen
ihre Missetaten vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Liebe Gemeinde,

unser Predigttext entstammt ja dem Alten Testament und weist darin schon auf das Neue Testament hin. Unter Testament verstehen wir ja gewöhnlich den letzten Willen eines Menschen. Im biblischen Sprachgebrauch bedeutet Testament hingegen Bund. Es gibt also einen Alten Bund Gottes mit den
Menschen und einen Neuen Bund Gottes mit den Menschen. Lassen Sie uns heute morgen gemeinsam diese Bündnisse etwas näher betrachten.

1. Der Alte Bund

Liebe Gemeinde, wenn wir von dem Alten Bund reden, dann müssen wir eigentlich genauer von drei Bünden Gottes mit Seinem Volk reden. Der erste Bund Gottes mit den Menschen ist derjenige, den Er mit Noah geschlossen hat, danach folgte der Bund mit Abraham und der Bund mit Mose.

Der bekannteste Bund Gottes mit uns Menschen ist sicherlich der mosaische Bund, den wir alle aus den zehn Geboten heraus kennen. Gott hatte den Menschen einen Bund vorgeschlagen, den diese auch freudig angenommen haben. Gesetzesgrundlage dieses Bundes waren unter anderem die zehn Gebote. Gottes Volk verpflichtete sich zur Einhaltung dieser Grundlagen.

Nun waren Gottes Menschen schon damals nicht viel anders veranlagt, wie sie es heute sind. Der ersten Begeisterung folgte bald die erste Ernüchterung. Ein Leben unter den 10 Geboten war eben doch nicht so einfach zu bewerkstelligen, wie es auf den ersten Blick aussah. Mose war für eine geraume Zeit auf dem Berg Sinai und schon fiel das Volk von diesem Bund ab.

Das Volk Gottes hat auch in der Folgezeit, wie wir es im Alten Testament nachlesen können, immer wieder diesen Bund gebrochen. Es verließ sich vielmehr auf Bündnisse aus der Realpolitik als auf den Bund mit Gott.

Über die 10 Gebote hinaus finden wir im Alten Testament über 600 Gebote, die es peinlichst genau einzuhalten galt, wollte man den Bund gesetzestreu erfüllen. Machen wir uns bitte nichts vor, auch wir heute im 21. Jahrhundert könnten diesen Bund nicht in allen Regeln und Vorschriften einhalten.

Nehmen wir nur ein Beispiel aus der heutigen Zeit. Ich diskutiere immer wieder mit Jugendlichen über die Downloadmöglichkeiten des Internets. Urheberrechtsverletzungen sind nichts anderes als Diebstahl, auch wenn es wohl im Handumdrehen möglich ist, eine urheberrechtsgeschützte Musikdatei herunter zu laden. Aber das ganze bleibt in Gottes Augen ganz einfach ein Diebstahl. Und schon hätten wir den Bund gebrochen.

Wenn wir mit jemandem einen Vertrag schließen und der andere bricht diesen Vertrag immer wieder, dann werden wir über kurz oder lang wohl diesen Vertrag kündigen. Jetzt kommt aber das erstaunliche: Gott hätte allen, aber auch wirklich allen Grund gehabt, den Alten Bund aufzukündigen. Immer wieder verstieß Sein Volk gegen diesen Bund. Aber, und das ist das wirklich wunderbare, die Liebe Gottes zu uns Menschen ist größer als jeder Vertrag. Hinter jeder Vertragsverletzung steht immer noch die Liebe Gottes.

2. Der Neue Bund

Gott wäre aber nicht Gott, hätte Er nicht schon lange einen, die Jugendlichen würden sagen, Masterplan zur Hand gehabt. Der erste Bund, der nur auf Verhaltensvorschriften ausgelegt war, musste außer Kraft gesetzt werden, da die Menschen offensichtlich nicht in der Lage sind, ihn einzuhalten. Es müsste so etwas wie eine Generalvergebung der Sünden geben, zumindest für die Menschen, die den Weg mit Gott gewählt haben. Und das Herz des Menschen müsste geändert werden, sodass es nicht mehr von Ihm abfällt. So lesen wir es jedenfalls in unserem Predigttext.

Mit Karfreitag haben wir die Generalamnestie unserer Sünden erlangt. Jesus ist für alle unsere Sünden, die vergangenen, die gegenwärtigen und die zukünftigen Sünden den Kreuzestod gestorben. Sein Blut ist für unsere Sünden vergossen worden. Wenn wir es von Herzen wollen, dann steht nichts mehr zwischen uns und Gott.

„Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben…“ so lesen wir es weiter in unserem heutigen Predigttext. Liebe Gemeinde, wir müssten alle unsere rosaroten Brillen hervorholen, wenn wir behaupten würden, dies sei bereits allumfassend geschehen. Wir müssen uns nur einmal die abendliche
Tagesschau ansehen und schon dürften wir vom Gegenteil überzeugt sein. Ich glaube, so ist der Predigttext auch nicht gemeint.

Gott spricht ja nicht von allen Menschen auf der ganzen Welt. Jeremia spricht von dem erwählten Gottesvolk, dem Gott ein anderes Herz schenken will. Im Alten Bund waren dies die Israeliten. Im Neuen Bund sind wir alle mit in diese Verheißung hineingenommen worden.

Aber so, wie die Israeliten damals sich FÜR diesen Bund entscheiden mussten, so müssen wir uns auch heute noch FÜR diesen Bund entscheiden. Nur derjenige, der sein bedingungsloses JA zu Gottes Gnadengeschenk sagt, der wird in diesen Bund mit hineingenommen.

Und genau diese Menschen macht Gott frei vom Gesetz des Alten Bundes. Frei für ein Leben mit Ihm. Wir sollen nicht mehr über 600 Gebote des Alten Bundes erfüllen. Wir sollen uns die Zeit nehmen und auf Gottes Weisung hören, so wie wir dies am heutigen Sonntag tun.

Der Neue Bund ist also keinesfalls ein „Ihr dürft alles, was Ihr wollt“ Freibrief. Nein, der Neue Bund ist im Prinzip ein noch intensiverer Bund des einzelnen Menschen direkt mit Gott. Jeder, der es möchte, darf zu diesem Bündnisangebot JA sagen.

Wir hatten soeben über ein von Gott erneuertes Herz gehört. Dies dürfen alle, die Ihm gehören, also Seine geliebten Kinder sind, immer wieder erfahren, nämlich, dass Gott ihre Herzen erneuert. Alle, die in die Jüngerschule gehen werden allmählich von Ihm verändert. Im ersten Schuljahr konnten wir auch noch nicht perfekt lesen, schreiben und rechnen. Aber im 10. Schuljahr konnten wir schon viel mehr (hoffentlich)als im ersten Schuljahr.

Solange wie wir zu diesem Bund ja sagen stimmt die Gesamtausrichtung unseres Lebens. Und dieses Leben geht weit über unseren irdischen Tod hinaus; es ist das Ewige Leben bei und in Gott.

Bevor es aber soweit ist, dass wir in der Ewigkeit angekommen sind, lassen Sie uns möglichst vielen Menschen diesen Neuen Bund nahe bringen, wie und wo es uns auch immer möglich ist.

Die Erneuerung unserer Herzen beschreibt der Liederdichter Michael Weiße sehr schön in dem 5.Vers seines Liedes „O gläubig Herz…“ , der da lautet, wie folgt:

Er gibt uns seinen guten Geist, erneuert unsre Herzen,
dass wir vollbringen, was er heißt,
ob’s auch das Fleisch mag schmerzen.
Er hilft uns hier mit Gnad und Heil,
verheißt uns auch ein herrlich Teil
von den ewigen Schätzen.

Der Herr schenke Dir ein gelehriges Herz, das nach SEINEM Wort verlangt
Der Herr schenke Dir ein verständiges Herz, dass SEIN Wort umsetzen kann
Der Herr schenke Dir ein mutiges Herz, das SEIN Wort in die Welt hinausträgt

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen beschaulichen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber