ePredigt vom 08.12.2013 (Offenbarung 3, 7-13)

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 2. Sonntag im Advent.
Wenn wir uns unseren heutigen Predigttext betrachten, der aus dem Buch der Offenbarung stammt, dann fragen wir uns sicherlich, wie denn Anfang, also die Geburt Jesu, und das Ende, also das Buch der Offenbarung, zusammen gehören. Nun, beide bedingen einander. Ohne Anfang keine Ende und ohne Ende kein Anfang.

Lassen Sie uns aber zunächst unseren Predigttext gemeinsam lesen.
Wir finden den Predigttext im 3. Kapitel der Offenbarung, die Verse 7-13:

Und dem Engel der Gemeinde in Philadelphia schreibe: Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige, der da hat den Schlüssel Davids, der auftut, und niemand schließt zu, der zuschließt, und niemand tut auf: Ich kenne deine Werke. Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan und niemand kann sie zuschließen; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet. Siehe, ich werde schicken einige aus der Synagoge des Satans, die sagen, sie seien Juden und sind’s nicht, sondern lügen; siehe, ich will sie dazu bringen, dass sie kommen sollen und zu deinen Füßen niederfallen und erkennen, dass ich dich geliebt habe. Weil du mein Wort von der Geduld bewahrt hast, will auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die auf Erden wohnen.
Siehe, ich komme bald; halte, was du hast, dass niemand deine Krone nehme ! Wer überwindet, den will ich machen zum Pfeiler in dem Tempel meines Gottes, und er soll nicht mehr hinausgehen, und ich will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen des neuen Jerusalem, der Stadt meines Gottes, die vom Himmel herniederkommt von meinem Gott, und meinen Namen, den neuen. Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt !

Liebe Gemeinde,

zwei Punkte springen uns bei dem Lesen dieses Abschnittes der Offenbarung quasi direkt in’s Auge. Lassen Sie uns gemeinsam darüber nachdenken, was diese Punkte für uns bedeuten.

1. Die kleine Kraft

Man könnte auch sagen, der kleine Glaube. Wir lesen ja häufig sehr viel über die Glaubenshelden der Bibel. Man ist dann schnell versucht, sich diese Menschen als solche vorzustellen, die einen ganz, ganz festen Glauben hatten. So einen Glauben möchte man haben, nicht wahr ?

Möchten wir das wirklich ? Ich glaube, es bringt uns gar nichts, wenn wir noch so fest glauben. Damit erreichen wir gar nichts. Ich glaube sogar soweit gehen zu können, dass ich mit einem Brustton der Überzeugung sagen kann, dass jeder Hinduist und jeder Buddhist einen stärkeren Glauben hat, als ich.

Aber, und jetzt kommt der Unterschied, ich habe zwar nur einen kleinen Glauben, aber mein Objekt des Glaubens, also Gott, der ist es, der alles vermag. Mit meinem kleinen Glauben kann ich ein Kind des großen Gottes sein, der mein ganzes Leben führt und leitet. Das Objekt meines Glaubens ist unermesslich groß, daher reicht mein kleiner Glaube aus.

So war es auch bei der Gemeinde von Philadelphia. Die Menschen hatten einen kleinen Glauben an einen großen Gott und haben Sein Wort treu bewahrt. Das ist doch einmal eine befreiende Botschaft im Advent. Ich muss kein Glaubensakrobatiker sein, um in den Himmel zu kommen. Ein ganz kleiner Glaube reicht schon aus, damit Gott mich als Sein Kind annimmt.

Die Sache mit dem großen Glauben ist auch nicht so ganz ohne. Menschen, die immer wieder von ihrem großen Glauben berichten, können sehr intolerant werden und können auch sehr verbohrt sein, wenn man ihre Ansichten in Frage stellt. Menschen mit einem kleinen Glauben und einem großen Gott haben keinen Raum für Intoleranz und Verbohrtheit. Es hängt ja nichts von ihnen ab, sondern allein von Gott.

2. Tür auf – Tür zu

Wenn Gott eine Türe zuschließt, dann öffnet Er eine andere für uns.
Diesen Sinnspruch kennen wir sicherlich alle. Wenn wir einmal über diesen Spruch nachdenken, dann wird uns die Dimension bewusst, wie wir Gott hier beschreiben.

Gott ist allmächtig. Er vermag alles. Er kann zu einer Situation von uns „Ja“ sagen oder aber ein klares „Nein“. Das sollten wir aber nicht isoliert so stehen lassen. Wir haben einen liebenden Gott, der alles, was Er uns verwehrt zu unserem Besten macht.

Und jetzt kommen wir mit unseren Plänen. Ein „Nein“ Gottes können und wollen wir natürlich nicht akzeptieren, also arbeiten wir mit aller Macht daran, die Tür wieder aufzudrücken, die Gott soeben verschlossen hat. Wir kommen gar nicht auf den Gedanken, uns nach der Türe umzusehen, die Gott für uns anstelle der verschlossenen Türe geöffnet hat.

Wir sind häufig so fixiert auf unsere Pläne und Wünsche, dass wir Gottes Wirken in unserem Leben gar nicht mehr wahrnehmen oder aber auch nicht mehr wahrnehmen wollen. Natürlich gehen unsere Bemühungen schief, wenn sie nicht im Einklang mit dessem sind, was Gott für uns zu tun gedenkt.
Gott sei Dank ist dies so. Und wem geben wir dann so gern die Schuld ?
Natürlich unserem Herrn.

Ich stelle Ihnen jetzt einmal eine ganz persönliche Frage: Wann haben Sie zum letzten Male Gott um Seinen Rat gebeten, als es um Belange Ihres Lebens ging ? Ich meine hier ganz alltägliche Pläne und Wünsche. Ich mache dies regelmäßig viel zu wenig. Ich muss diesbezüglich noch gewaltig an mir arbeiten. Daher habe ich in meinem Arbeitszimmer, in meinem Auto und in unserem Bad einen Zettel kleben, auf welchem steht:
„Frag IHN vorher !!!“ Wieviel Mühe und Arbeit könnten wir uns ersparen, wenn wir dies regelmäßig tun würden.

3. Advent

Was hat dies alles mit Advent zu tun ? Nun, wenn wir nur einen kleinen Glauben brauchen, aber dafür einen großen Gott im Rücken haben, dann ergeben sich genau 3 Konsequenzen für unser Leben:

a. Wenn wir nicht mehr weiter wissen, dann dürfen wir zum Kind in der Krippe gehen und ganz geduldig auf Sein Handeln warten. Neben der hektischen Betriebsamkeit gibt es auch Zeiten der Besinnung. Gerade die Adventszeit bietet sich an, wieder mehr zur Besinnung zu kommen. Und dann können wir alle gemeinsam versuchen, etwas von dieser Besinnlichkeit mit in das neue Jahr hinüber zu nehmen.

b. Wir wissen, was auf uns zukommt. Ist das nicht wunderbar ? Wir wissen ganz genau, was uns als Christen erwartet. Und wir wissen, dass Gott die Fäden der Weltgeschichte in Seiner Hand hat. Mit dem Kommen Jesu in die unerlöste Welt hat Gott selber den Grundstein dafür gelegt, dass am Ende alles gut werden kann.

c. Mit unserem kleinen Glauben und der festen Gewissheit, dass alles gut ausgeht, können wir doch auch einmal wieder ganz offen sein für Gottes Handeln in dieser Welt. Lassen Sie uns doch einmal wieder darüber staunen, was Gott so alles macht in dieser Welt. Werden wir doch wieder wie die Kinder und lassen wir uns anstecken von diesem großen Gott.

Etwas, dass wir alle in unserer hektischen Welt gerade in der Adventszeit wieder lernen können das ist die Geduld. Gott hat die Welt auch nicht an einem Tage, sondern innerhalb von sechs Tagen geschaffen. Und auch in unserem Leben muss nicht immer alles sofort und jetzt und gleich geschehen.

Gottes Wirken in dieser ‚Welt beschreibt der Liederdichter Paul Gerhardt sehr schön in dem 7. Vers seines Adventsliedes „Wie soll ich dich empfangen…“ (EG 11), der da lautet, wie folgt:

Ihr dürft euch nicht bemühen noch sorgen Tag und Nacht,
wie ihr ihn wolltet ziehen mit eures Armes Macht.
Er kommt, er kommt mit Willen, ist voller Lieb und Lust,
all Angst und Not zu stillen, die ihm an euch bewusst.

Der Herr verleihe Deinem kleinen Glauben ein großes Vertrauen
Der Herr lasse Dich erkennen, welchen Weg ER mit Dir gehen will
Der Herr gebe Dir Ruhe und Gelassenheit auf SEIN Eingreifen zu warten

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen besinnlichen 2. Advent und einen guten Start in die neue Woche. Es grüßt Sie alle recht herzlich Ihr

Ulrich Naber