ePredigt zum 19.08.2012 (Galater 2, 16-21)

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 11.Sonntag nach Trinitatis. „Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“ Mit diesem Wochenspruch aus dem 1. Petrusbrief beschäftigt sich auch der heutige Predigttext. Wir finden den Predigttext für den
heutigen Sonntag im 2. Kapitel des Galaterbriefes, die Verse 16-21. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Doch weil wir wissen, dass der Mensch durch die Worte des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch Werke des Gesetzes wird kein Mensch gerecht. Sollten wir aber, die wir durch Christus gerecht zu werden suchen, auch selbst als Sünder befunden werden – ist dann Christus ein Diener der Sünde ? Das sei ferne ! Denn wenn ich das, was ich abgebrochen habe, wieder aufbaue, dann mache ich mich selbst zu einem Übertreter. Denn ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt. Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der
mich geliebt hat und sich selbst für mich dahin gegeben. Ich werfe nicht weg die Gnade Gottes; denn wenn die Gerechtigkeit durch das Gesetz kommt, so ist Christus vergeblich gestorben.

Liebe Gemeinde,

am heutigen Sonntag erfahren wir von dem Apostel Paulus etwas über die zwei Lebensformen, die es auf Erden gibt. Für eine von beiden müssen wir uns entscheiden, und nur eine von den beiden führt uns in den Himmel. Grund genug, dass wir uns am heutigen Sonntag einmal mit der Frage
beschäftigen „Wie komme ich in den Himmel ?

1. Ich lebe

Erst komm ich und dann komm ich und dann kommst Du noch lange nicht. Wer kennt ihn nicht, diesen Satz, der zwar etwas abgedroschen daherkommt, aber immer noch aktuell große Teile unserer Gesellschaft widerspiegelt.

Das „ich lebe“ stimmt überhaupt nicht. Jetzt werden alle diejenigen zusammenzucken, die meinen, dass sie ihr Leben selber in der Hand haben und selber bestimmen, wie es weitergeht und wo das Leben hingeht. Denken wir nur einmal über ein Szenario nach: Wir verlassen nach dem Gottesdienst die Kirche, gehen nach Hause und ein unachtsamer Autofahrer überfährt uns. Muss nicht passieren, könnte aber passieren. Hat das wohl derjenige bedacht, der angeblich der Herr über sein Leben ist.

Ich denke gerade an einen erfolgreiche Manager, der stets lächelnd die Wirtschaftsbühnen und Konferenzräume der Welt betrat und sie alsbald als Sieger wieder verließ. Irgendwann unterhielten wir uns einmal. Er machte einen nicht mehr so fröhlichen Eindruck und bezeichnete sich selbst als
„Wrack im Frack“.

Er, der immer alles im Griff hatte, hatte auf einmal begriffen, dass nicht ER alles im Griff hatte, sondern das es etwas ganz anderes war, dass ihn fest im Griff hatte. Und das hatte schon in der Kindheit angefangen. Jungen weinen nicht, da musst du durch, zäh, wie Leder hart wie Kruppstahl, das war die Devise unter der er erzogen worden war.

Das prägte seine Grundeinstellungen. Dann kam noch die Eliteschule hinzu. Religionsunterricht gab es nicht, dafür war schließlich keine Zeit. Body und Geist fit halten und stählen das war die Prämisse, um schließlich weiter zu kommen. Und so hatte ihn die Gesellschaft ganz fest im Griff.

Dass er eine anspruchsvolle Frau geheiratet hatte tat noch sein übriges hinzu. immer weiter und immer weiter wurde er getrieben, bis er schließlich erkannte, dass ETWAS ihn nicht nur im Griff hatte, sondern zu zerstören versuchte.

Liebe Gemeinde, auch wir laufen Gefahr uns in die Täuschungsfalle des „ich lebe“ zu begeben. Nehmen wir doch nur einmal den jungen Mann, der nach seinem Abitur sagt: „Jetzt will ich erst einmal leben, bevor der Ernst des Lebens beginnt.“ Woher nimmt er das, was er Leben nennt ? Er
nimmt es auf von außen. Die Werbung sagt uns, was wir anziehen müssen, wo wir unbedingt einmal in unserm Leben gewesen sein müssen und auch was wir zu denken haben.

Ausgerüstet mit diesem „Lebensanzug“ starten wir dann unser Leben, das ja gar nicht mehr unser Leben ist. Um es uns leisten zu können müssen wir natürlich auch etwas leisten. Und wenn wir mehr leisten, dann können wir uns noch mehr leisten. Spätestens dann, wenn wir ausgelaugt auf
freier Strecke stehen, dann stellen wir fest, dass dies alles keinen tieferen Sinn macht.

Wohlgemerkt, ich rede nicht von Karriere und finanziellem Wohlstand schlechthin. Ich rede davon, dass dies alles allein unser Leben bestimmen kann, wir hingegen meinen, dass wir unser Leben selbst bestimmen.

2. Doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir

Das, liebe Gemeinde, ist die Lebensform, die uns in den Himmel bringt. Wir bestimmen nicht mehr, was in unserem Leben geschieht, sondern der Herr Jesus.

Der Herr Jesus bestimmt mein Leben, ich muss nur noch nachfolgen. Auch hier wieder gleich ein Hinweis, bevor es zu Unstimmigkeiten kommt: Ich muss nur nachfolgen, das Tempo hingegen bestimmt mein Herr. Und das kann manchmal rasend schnell gehen. Nachfolge ist kein Leben in der Hängematte, sondern häufig ein Leben auf der Überholspur. Ein Leben eben, wie Gott es sich mit und für uns vorgestellt hat.

Allerdings werden wir eines niemals sagen können, nämlich dass wir ein Wrack im Frack sind, wenn wir aktiv in der Nachfolge leben. Dieses Leben IN Christus führt uns trotz aller Turbulenzen immer wieder in ein ruhiges Fahrwasser. Und wir können auch in den Stürmen unseres Lebens
sicher sein, dass unser Schiff auf Kurs bleibt.

Ein alter Seemann sagte es einmal nach einem Gottesdienst sehr schön, wie folgt: „Das Leben mit Gott ist wie mit einem Dreimaster der total übertakelt ist, eigentlich untergehen müsste, aber trotzdem den sicheren Hafen der Ewigkeit erreicht.“

Was ist nun der Unterschied zwischen beiden Lebensformen ? Nun, bei der „ich lebe“ muss ich mich jeden Tag wieder zu Höchstleistungen motivieren, um am Ende festzustellen, dass alles doch irgendwie sinnlos war. Bei der „Doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir“ Lebensform muss ich nur einmal die richtige Entscheidung treffen und Jesus mein Leben in seine Hände legen.

Fortan übernimmt er als Steuermann die Fahrt in unserem Leben. Nicht mehr ich sitze auf dem Thron des Lebens, sondern der Herr Jesus übernimmt die Königsherrschaft. Jeden morgen nach dem Erwachen kann ich ganz gespannt abwarten, was heute wieder alles geschehen mag. Und
geschieht etwas nicht so, wie ich das möchte, dann passiert etwas, das besser für mich ist. Das hat er versprochen und das hält er auch.

Und das allerwichtigste ist, dass ich mit IHM als Steuermann ganz genau weiß, dass ich im Heimathafen der Ewigkeit ankommen werde, egal wieviel Unwetter ich mit dem Herrn Jesus durchfahre. Ich glaube, dass wir alle, die wir unser Leben auf den Herrn Jesus Christus gesetzt haben, die einzig richtige Entscheidung getroffen haben. Jedenfalls habe ich bis heute, und ich bin nun schon 54 Jahre alt, noch keinen Menschen getroffen, der seine Entscheidung gern revidiert hätte.

Die Liederdichterin Julie Hausmann drückt diesen Weg mit Jesus als Herrscher sehr schön in dem ersten Vers ihres Liedes „So nimm denn meine Hände“ aus, der da lautet, wie folgt:

So nimm denn meine Hände und führe mich
bis an mein selig Ende und ewiglich.
Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt:
wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit.

Der Herr behüte und bewahre Dich auf Deinem Weg mit ihm
Der Herr sei stets an Deiner Seite auf Deinem Lebensweg
Der Herr führe Dich sicher an den Platz, den er für Dich bereitet hat

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen sonnigen Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber