ePredigt zum 18.03.2012 (Philipper 1, 15-21)

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Lätare. Wir alle haben uns doch sicherlich schon einmal nach dem Sinn unseres Lebens gefragt und womit wir unser Leben sinnvoll füllen sollen. Diese Frage zu beantworten hilft uns der heutige Predigttext. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im 1. Kapitel des Philipperbriefes, die Verse 15-21. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Einige zwar predigen Christus aus Neid und Streitsucht, einige aber auch in guter Absicht: Diese aus Liebe, denn sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums hier liege; jene aber verkündigen Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie möchten mir Trübsal bereiten in
meiner Gefangenschaft. Was tut’s aber ? Wenn nur Christus verkündigt wird auf jede Weise, es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich darüber. Aber ich werde mich auch weiterhin freuen; denn ich weiß, dass mir dies zum Heil ausgehen wird durch euer Gebet und durch
den Beistand des Geistes Jesu Christi, wie ich sehnlich warte und hoffe, dass ich in keinem Stück zuschanden werde, sondern dass frei und offen, wie allezeit so auch jetzt, Christus verherrlicht werde an meinem Leibe, es sei durch Leben oder durch Tod. Denn Christus ist mein Leben, und
Sterben ist mein Gewinn.

Liebe Gemeinde,

den Sinn des Lebens beschreibt der Apostel Paulus kurz und knapp am Ende unseres Predigttextes: „Denn Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn.“ Da muss man erst einmal so richtig tief durchatmen und den Text auf sich wirken lassen. Es ist ja schon eine direkte und recht heftige Aussage die Paulus da trifft. Lassen Sie uns daher dem paulinischen Lebenssinn ein wenig näher auf den Grund gehen. Es sind zwei Punkte, die Paulus ganz besonders hervorhebt.

1. Der Sinn des Lebens: Mein Dienst für Christus

Ich glaube, jeder von uns würde dem ad hoc zustimmen. Wir sagen es ja auch ganz konkret wenn wir konfirmiert werden. Ist das heute auch noch so. Sieht man unserem Leben noch an, dass es in den Dienst unseres Herrn gestellt wurde ?

Schauen wir uns doch einmal an, wie die meisten Menschen leben. In den Jugendjahren ist alles auf die Schule und die Ausbildung konzentriert. Nur wer eine gute Schulausbildung vorweisen kann, der kann damit rechnen einen adäquaten Arbeitsplatz zu finden.

Und dann geht’s ja erst richtig los. Hat man endlich den begehrten Arbeitsplatz erhalten, dann sägen auch schon munter jede Menge Aspiranten an dem Stuhl, den man eingenommen hat. Top-Leistungen erbringen und lästige Mitbewerber abwehren, wo soll da denn noch Zeit für unseren Dienst im Herrn bleiben ?

Eh man sich versieht, hat man die vierzig überschritten und ist damit beschäftigt, das Erreichte entsprechend zu erhalten. Im Job hat man sich gefestigt, und doch ist es gerade jetzt besonders kritisch. Die jungen Wilden streben nach und man merkt so langsam, dass man älter wird. Das
Häuschen und der Garten müssen instandgehalten werden. Man will ja nichts verkommen lassen. Und wo, bitteschön soll da noch Zeit sein für Gott ?

Und ein paar Jahre weiter ist man Rentner. Endlich hat man Zeit, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Reisen stehen an, die man schon lange aufgeschoben hat, die Enkelkinder wollen betreut werden und auch sonst ist man als mobile Feuerwehr immer da, wenn es irgendwo brennt. Und da
soll noch Zeit für Gott sein ?

Ja, liebe Gemeinde, so sieht es aus, das Leben von rund 80 % der Deutschen. Nicht, dass sie Atheisten wären. Nein, so weit geht man nicht. Auf jeden Fall lässt man den lieben Gott einen guten Mann sein. Leider ist er es für diese beschriebene Klientel überhaupt nicht.

Egal, wie alt wir sind, in welcher Lebensphase wir uns befinden und wo wir auch gerade sind, unser Leben soll ein Dienst für Gott sein.

Liebe jungen Menschen, die ihr gerade in der Ausbildung steht, egal ob schulisch oder beruflich, auch Ihr könnt Gott dienen. Wie wäre es denn, wenn Ihr dem beisteht, der in der Schule immer wieder gehänselt wird, weil er so ganz anders ist als alle anderen ? Oder helft doch einmal denjenigen, die nicht so gut mitkommen. Helft ihnen doch, dass sie auch ihr Ziel erreichen. Es sind keine lästigen Mitbewerber um einen Arbeitsplatz, sondern Gottes Geschöpfe, die er genau so liebt , wie euch. Und wenn Ihr ehrlichen Herzens denen helft, die es allein nicht schaffen, dann vertraut darauf, dass Gott auch für Euch sorgen wird. Ihr werdet ganz bestimmt nicht zu kurz kommen.

Liebes Mittelalter. Da ich selber dazugehöre, fällt mir ein, dass ich für unsere Generation, also die von 40 bis 60 einfach noch keinen einprägsamen Begriff gehört oder gelesen habe. Bei allem, was wir auch tun müssen, lassen Sie uns doch auch mal wieder einen Gang zurückschrauben. Der Rasen muss nun wirklich nicht jede Woche gemäht werden. Und das Auto kann man auch in der Waschanlage waschen lassen. Ist sowieso gesünder für die Umwelt und den eigenen Rücken. Also was tun mit der freien Zeit ?

Wie wäre es denn mal, wenn wir an einer Einrichtung wie der Tafel persönlich helfen. Abgesehen davon, dass dort jede helfende Hand dringend benötigt wird, erkennt man plötzlich auch, wie man doch von Gott gesegnet ist und wie gut es einem doch geht. Eigentlich Zeit, unserem Herrn mal wieder zu danken und IHM etwas zurück zu geben, von dem, was man alles empfangen hat. Finden Sie nicht auch ?

Liebe Best-Ager. Früher nannte man sie Rentner. Ich finde den Begriff überhaupt nicht despektierlich. Aber es muss ja heute alles in Englisch sein. Auch Sie können Ihr Leben in einen reinen Gottesdienst verwandeln. Wenn Sie selber noch aktiv sind, dann helfen Sie doch den
Altersgenossen, die eben nicht mehr so fit sind. Natürlich freuen sich die Enkel, wenn Sie mit ihnen einen Freizeitpark besuchen. Erzählen Sie ihnen doch auf dem Weg dahin und auf dem Weg zurück einmal spannende Geschichten aus der Bibel. Kaufen Sie sich eine Kinderbibel. Sie werden
feststellen, dass diese Geschichten auch noch Ihre Enkel faszinieren werden.

Liebe Gemeinde, wir sehen, dass man egal wo man sich befindet und in welcher Lebensphase man auch gerade steckt, sein Leben immer so ausrichten kann, dass es christusorientiert ist. Wichtig ist nur, dass Christus verkündigt wird, egal wie dies geschieht, so schreibt es der Apostel Paulus.

2. Sterben ist mein Gewinn

Sterben soll also ein Gewinn sein ? Mein lieber Paulus, du mutest uns verdammt viel zu.
Auch wenn es in der Passionszeit ein wenig ernster zugeht, aber sterben und dies auch noch als Gewinn zu bezeichnen ist nicht so ganz einfach zu verstehen.

Liebe Gemeinde, wir werden alle eines Tages sterben. In 100 Jahren wird keiner mehr, von denen die heute hier sind unter uns sind hier sitzen. Wir wissen es alle, doch sobald die Sprache auf das Sterben kommt, wird dieses Gespräch meist schon im Keim erstickt. Noch leben wir ja, was
sollen wir uns da mit dem Sterben beschäftigen. Und ganz unbewusst tun wir so, als ob das Sterben oder der eigene Tod uns gar nichts angeht. Sterben, das tun schließlich nur die anderen.

Und hier rüttelt uns Paulus so richtig wach. Übersetzen wir doch einmal, was uns Paulus mit diesem Satz sagen will.

Schau mal, würde Paulus sagen, du hast doch ein ganzes Leben lang dem Herrn gedient und bist Ihm nachgefolgt. Der Herr, dem du so eifrig gedient hast, ist aber schon einen Schritt weiter gegangen. Er ist jetzt in unmittelbarer Gegenwart von Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde. Und weißt du, was Er gerade macht ? Er baut dort Wohnungen für dich und alle Menschen, die Ihm auf Erden treu gedient haben.

Wenn du doch schon auf Erden ein Jünger von Ihm bist, dann ist es doch das größte für dich, wenn du eine Ewigkeit lang in Seiner Gegenwart weiterleben darfst. Und eines kann ich dir noch versprechen, dieses Leben wird ein Leben ohne Tränen, ohne Leid und ohne Schmerzen jedweder
Art sein. Auch Sorgen, die dich hier auf Erden quälen, werden dort nicht mehr exstent sein. Ein letztes, würde Paulus sagen, muss ich dir noch mitteilen: „Christen sterben nicht, Christen kehren heim.“

Wenn wir das Sterben wieder so betrachten, als einen ganz natürlichen Vorgang, ein Vorgang, der notwendig ist, um in den Himmel zu kommen, dann können wir dieses Thema ganz einfach enttabuisieren und dann können wir sicherlich alle auch wieder ganz anders leben. Dann kann uns ein Leben gelingen dem man ansieht, dass es ein Leben im Dienst für Christus ist.

Können Sie sich ein schöneres Leben vorstellen ? Na, dann wollen wir es mal wagen, all dem abzusagen, was uns von einem derartigen Leben trennt. Ich bin sicher, keiner von uns wird es je bereuen.

Gerhard Tersteegen, der bekannte Liederdichter aus Mülheim an der Ruhr drückte dieses Wagnis in einem Liedvers sehr schön, wie folgt aus:

Drauf wollen wir es wagen,
es ist wohl wagenswert,
und gründlich dem absagen,
was aufhält und beschwert:
Welt, du bist zu klein;
Wir gehn durch Jesu Leiten
hin in die Ewigkeiten;
es soll nur Jesus sein.

Der Herr zeige Dir einen Platz, WO Du IHM dienen kannst
Der Herr zeige Dir immer den rechten Weg, WIE Du IHM dienen kannst
Der Herr zeige Dir auch immer WOMIT Du IHM zu SEINER Ehre dienen kannst

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber