ePredigt zum 17.05.2012 (Offenbarung 1, 4-8)

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Himmelfahrtstag im Jahre 2012. Himmelfahrt isoliert zu betrachten ist sicherlich verstandesmäßig sehr schwierig. Wir sollten den Himmelfahrtstag immer im Gesamtkontext betrachten.

Vorher war etwas, nämlich das Wirken Jesus auf der Erde und Seine Kreuzigung und Auferstehung. Heute ist etwas, nämlich Seine Himmelfahrt und in der Zukunft geschieht etwas, nämlich Sein Kommen als Herrscher aller Herrscher.

Und genau darum geht es auch in unserem heutigen Predigttext.
Wir finden den Predigttext für den heutigen Himmelfahrtstag im Buch der Offenbarung,
Kapitel 1, die Verse 4-8. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Gruß an die sieben Gemeinden

Johannes an die sieben Gemeinden in der Provinz Asien: Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist und der da war und der da kommt, und von den sieben Geistern, die vor seinem Thron sind, und von Jesus Christus, welcher ist der treue Zeuge, der Erstgeborene von den Toten und Herr über die Könige auf Erden ! Ihm, der uns liebt und uns erlöst hat von unsern Sünden mit seinem Blut und uns zu Königen und Priestern gemacht hat vor Gott, seinem Vater, ihm sei Ehre und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit ! Amen. Siehe, er kommt mit den Wolken, und es werden ihn
sehen alle Augen und alle, die ihn durchbohrt haben, und es werden wehklagen um seinetwillen alle Geschlechter der Erde. Ja Amen. Ich bin das A und das O, spricht Gott der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige.

Liebe Gemeinde,

der da war, der da ist und der da kommt. Wo kommt er eigentlich her, wo geht er hin und letztendlich stellt sich die Frage: Wo wohnt Gott eigentlich ?

Anlässlich einer Predigt vor jüngerem Publikum erhielt ich einen Zwischenruf, der im Originaltext lautete: „Hey, Alter (lass ich mir gefallen, ich bin ja auch schon jenseits der 50), sag mir mal die mailadresse von Gott, damit ich ihm ne message schicken kann.“ Auch wenn dies ein ziemlich dämlicher Zwischenruf war, so steckt doch etwas dahinter, nämlich die Frage: Wo wohnt Gott ? Lassen Sie uns am heutigen Himmelfahrtstage dieser Frage ein wenig näher nachgehen. Als Kinder haben wir das Lied gelernt „In dem Himmel ferne, da wo die Englein sind…“
Ich glaube, so laut könnten wir gar nicht beten, dass uns Gott dort droben erhört. Also muss er woanders wohnen. Schauen wir uns doch einmal die möglichen „Wohnorte“ Gottes an.

1. Gott wohnt in der Kirche

Zugegebenermaßen eine verlockende Annahme. Will ich was von Ihm, so muss ich nur in die Kirche gehen. Was draußen geschieht, davon hat Er keine Ahnung, das geht Ihn auch nichts an. Also kann ich sonntags meiner Frömmigkeit so richtig freien Lauf lassen, und ab Montag lebe ich weiter, so wie bisher. Das dies nicht sein kann ist uns hoffentlich allen klar. Und doch wohnt Gott AUCH in den Kirchen.

Wo zwei oder drei in Seinem Namen versammelt sind, da ist Er mitten unter ihnen. Dies hat uns der Herr Jesus versprochen. Und in der Kirche sind hoffentlich immer mehr als zwei in Seinem Namen zusammen. Und denken wir einmal an die Feier des Heiligen Abendmahles. Dort spüren wir Seine unmittelbare Gegenwart.

Mein Vater ging zum Beispiel jeden Sonntag bereits um 9.30 Uhr zur Kirche, obwohl der Gottesdienst erst um 10.00 Uhr begann. Er nannte diese Zeit stets die „heilige halbe Stunde“. In dieser Zeit spürte er stets seine ganz besondere Beziehung zu unserem Herrn, die ihren Höhepunkt
dann in dem nachfolgenden Gottesdienst fand.

Als vorläufiges Fazit dürfen wir also festhalten: Gott wohnt auch in der Kirche, nur lässt er sich dort nicht einsperren.

2. Gott wohnt in der Natur

„Ich gehe sonntags nicht in die Kirche, ich gehe in die Natur hinaus. Da kann ich das Wirken Gottes direkt spüren und erleben.“ Das höre sich so ungefähr 2-3 mal in jeder Woche. So grundverkehrt ist diese Aussage ja gar nicht mal.

Wie kann ich am besten den Weg zu meinem Schöpfer finden ? Auch dadurch, dass ich Seine Schöpfung interessiert betrachte. Wenn ich mit offenen Augen durch die Welt gehe, dann kann ich überall Gottes Allmacht begegnen. Schauen wir uns doch nur einmal eine Blume an. Wenn die ersten Sonnenstrahlen auf sie treffen, öffnet sie ihre Blüten. Bei Kälte und Regen verschließt sie diese wieder. All dies hätte ein Mensch niemals erfinden können.

Wir könnten noch hunderte andere Beispiele anführen. Die Mikrobiologen kennen das Modell der nichtreduzierbaren Komplexität. Das bedeutet nichts anders, als dass an einem komplexen Gebilde nur die kleinste Kleinigkeit verändert werden muss, um dieses zum Zusammensturz zu bringen. Und lassen Sie uns doch einmal den Menschen unter dieser Prämisse betrachten. Der kleinste Eingriff in die Zellstruktur würde dazu führen, dass sich Zellen nicht mehr vermehren können. In kürzester Zeit würden wir sterben. Oder nehmen Sie die Regulierung unserer Körpertemperatur. Würde unsere Körpertemperatur um nur 15 % steigen, so würden wir sterben.

Ich glaube, Gott hat uns diese Schöpfung übergeben, damit wir den Weg hin zu IHM finden können. Denn wenn wir erkennen, dass wir so etwas, wie den Menschen ja gar nicht selber schaffen können, dann muss wohl jemand anders dahinter stecken, der den Menschen erschaffen hat. Gott benutzt
also die Natur als Vehikel dafür, dass wir uns selber immer wieder in Frage stellen.

Wir können also Gottes Allgegenwart und Sein Wirken in der Natur sehen, aber nicht nur dort. Natürlich lebt Gott AUCH in der Natur, aber eben nicht nur dort.

3. Gott wohnt in den Menschen

Gott wohnt dort, wo man Ihn hereinlässt, so sagte es der Theologe Martin Buber. Ich denke, dies ist die treffendste Antwort. Wie schaffe ich es denn, dass Gott auch in mir wohnt ? Das wäre ja die logische Frage auf das Zitat von Martin Buber. Ganz einfach dadurch, dass ich diesen allmächtigen Gott einlade, Besitz von meinem Leben zu ergreifen und Ihn bitte, die Herrschaft über mich und mein Leben zu übernehmen.

In dem Moment, wo ich dies tue, wird der Herr bei mir einziehen. Er schaut nicht auf das, was gewesen ist. Egal, was auch geschehen ist, wenn ich all meine Sünden bereue, dann ist ER treu und gerecht. Mit Gott fangen wir wieder bei Null an. Alles, was bisher gewesen ist, gehört der
Vergangenheit an. Vor Gott existiert diese Vergangenheit nicht mehr. ER hat schließlich alles neu gemacht.

Jetzt sind wir ja alle nicht perfekt. Aber über eines müssen wir uns im klaren sein: Wenn Gott nicht mehr an meine Vergangenheit denkt, diese also für Ihn gar nicht mehr existiert, dann gilt dies auch für die Vorgeschichte meiner Mitgeschwister. Wie gerne wärmen wir doch alte Geschichten wieder auf. Und genau davon sollen wir gefälligst die Finger lassen. Wenn mein Bruder und meine Schwester Vergebung gefunden hat, dann darf ich ihr diese nicht absprechen. Und wenn ich das
Göttliche in mir trage, dann ist es meine Pflicht, das Göttliche auch in meinem Mitmenschen zu sehen.

Wenn wir bei Gott in die Lehre gehen, dann wird Er uns zeigen, welchen Weg wir zu gehen haben. Wenn wir als Seine Schüler auf unseren Lehrer achten, dann werden wir nicht immer, aber immer öfter den richtigen Weg gehen. Bei allen auftauchenden Problemen dürfen wir uns immer wieder
daran erinnern, dass Gott nur ein Gebet weit entfernt ist. Wenn wir dies ganz konsequent durchführen, dann brauchen wir uns nicht vor dem Tag zu fürchten, wenn unser Herr wiederkommt. Selbst, wenn Er heute noch käme.

Zu welchem Ergebnis sind wir denn jetzt gelangt ? Ja, Gott wohnt auch in der Kirche, ja, Gott ist auch in der Natur zu Hause, ja, Gott wohnt in der Menschen Herz. Fassen wir es doch mit dem Psalm 139, 5 zusammen, der besagt

„Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.“

Ich füge einfach mal hinzu, sowohl in der Kirche, als auch in der Natur. Gott wohnt überall dort, wo sich Seine geliebten Kinder gerade befinden.

Dass Gott allzeit um uns herum ist, das beschreibt die Liederdichterin Julie Hausmann sehr schön in ihrem Lied „So nimm denn meine Hände…“, dessen erster Vers lautet, wie folgt:

So nimm denn meine Hände und führe mich
bis an mein selig Ende und ewiglich.
Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt:
wo du wirst gehn und stehen, da nimm mich mit

Der Herr gehe stets einen Schritt vor Dir her, um Deinen Weg zu bereiten
Der Herr halte stets SEINE Hand über Dir, damit Du unter SEINEM Schutz stehst
Der Herr gehe stets einen Schritt hinter Dir her, damit Dir niemand in den Rücken fallen kann

Amen.

Liebe Gemeinde,

Ihnen allen wünsche ich noch einen geruhsamen Feiertag. Bis zum nächsten Sonntag wünsche ich Ihnen allen Gottes reichen Segen.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber