ePredigt zum 13.05.2012 (Kolosser 4, 2-4)

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen Sonntag Rogate mit dem Wochenspruch für diese Woche „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft, noch seine Güte von mir wendet.“ (Psalm 66,20). Übersetzt heiß der heutige Sonntag „Betet“. Und um das Gebet geht es auch in unserem
heutigen Predigttext. Wir finden den Predigttext für den heutigen Sonntag im Kolosserbrief, Kapitel 4, die Verse 2-4. Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung ! Betet zugleich auch für uns, dass Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir das Geheimnis Christi sagen können, um dessentwillen ich auch in Fesseln bin, damit ich es offenbar mache, wie ich es sagen muss.

Liebe Gemeinde,

die meisten unserer Gebete drehen sich ja um uns selber. Das ist auch gut und richtig so. Wir dürfen selbstverständlich mit allem, was uns bedrückt zu unserem Herrn kommen. Aber wenn wir einmal ehrlich sind, dann kommen Danksagung, Lobpreis und Fürbittengebete doch meist zu kurz.
Und doch kommt diesen Gebeten eine gewaltige Bedeutung zu und es geht eine gewaltige Macht von diesen Gebeten aus. Lassen Sie uns daher am heutigen Sonntag diese drei Gebetsvarianten ein wenig näher betrachten.

1. Das Dankgebet

Danken wir eigentlich noch für das, was uns Gott beschert ? Beten wir noch regelmäßig vor dem Essen ? Dass wir etwas auf dem Teller haben, auch das haben wir unserem Schöpfer zu verdanken und keineswegs uns selbst. Wenn wir danken, dann ändert sich auch unsere Blickrichtung. In der Publikation „Leben ist mehr“ fand ich im letzten Jahr folgende „Gedanken zum Danken“, aus welchen ich einige herausgreifen möchte:

Ich bin dankbar für Steuern, die ich bezahle, weil es bedeutet: Ich habe Arbeit und ein Einkommen.
Ich bin dankbar für die Hose, die ein wenig zu eng sitzt, weil das bedeutet: Ich habe genug zu Essen

Ich bin dankbar für die laut geäußerten Beschwerden über die Regierung, weil das bedeutet:
Wir leben in einem freien Land und haben das Recht auf Meinungsäußerung

Ich bin dankbar für die Frau, die in der Gemeinde hinter mir sitzt und falsch singt, weil das bedeutet: Ich kann gut hören

Schon diese wenigen Gedanken zeigen uns, dass etwas Negatives durchaus etwas Positives sein kann, wenn wir ein wenig näher darüber nachdenken. Zudem zeigen uns diese Gedanken, dass wir alle viel zu wenig danken. So, liebe Gemeinde erging es mir auch. Ein guter Freund gab mir den
Ratschlag, jeden Abend vor dem einschlafen dem Herrn für drei Situationen zu danken, die ich an diesem Tage erlebt habe.

Erst war das etwas zögerlich. Aber bereits nach drei bis vier Tagen fielen mir immer mehr Gegebenheiten des Tages ein, wofür ich dem Herrn dankbar sein durfte. Ich habe selber gemerkt, dass ich ziemlich abgestumpft war, was das Danken anbelangte und dass ich vieles für
selbstverständlich hielt, was es aber auf gar keinen Fall ist. Es ist eben nicht selbstverständlich,dass ich einen Beruf ausüben darf, der mir auch noch Freude bereitet. Es ist nicht selbstverständlich, dass ich mit meiner Frau seit über 26 Jahren glücklich verheiratet bin. Und es ist auch nicht selbstverständlich, dass mein Sohn seinen Lebensweg gefunden hat.

Daher möchte ich Ihnen allen diese Übung an’s Herz legen. Wenn es anfangs etwas holprig läuft, dann denken Sie daran, auch danken muss man lernen.

2. Der Lobpreis

Ein altes Sprichwort sagt: Danken schützt vor Wanken und loben weist nach oben. Über das Danken haben wir uns ja gerade eben unterhalten. Lassen Sie uns ein wenig über den Lobpreis nachdenken.

Loben heißt in erster Linie, dass ich zugestehe, dass nicht ich es bin, der etwas in der Welt bewirkt, sondern, dass Gott es ist, der die Fäden der Weltgeschichte so wunderbar in Händen hält. Ja, liebe Gemeinde, nicht nur die Fäden der Weltgeschichte, sondern auch die Fäden meines eigenen Lebens. Wenn ich IHN lobe, dann danke ich Ihm für alles, was Er in meinem Leben bewirkt hat.

Wir glauben ja immer wieder, wir hätten die Fäden unseres Lebens selber in der Hand. Das ist einer der größten Irrtümer der Weltgeschichte. OK, wir haben etwas erreicht in unserem Leben, wir durften eine Berufsausbildung absolvieren und wir sind vielleicht glücklich verheiratet. Auf all das, liebe Gemeinde haben wir aber keinen Anspruch. Wir dürfen unseren Schöpfer loben, dass Er es so gut gemeint hat und immer noch meint mit unserem Leben.

Und wenn wir dies tun, dann werden wir auch mit den vermeintlich großen Schicksalsschlägen in unserem Leben besser fertig. Loben weist nach oben bedeutet eben auch, dass das hier unten auf der Erde nicht alles ist und dass wir uns auf eine ewige Gemeinschaft mit unserem Herrn schon hier auf Erden freuen dürfen.

3. Die Fürbitte

Was ist das eigentlich, die Fürbitte ? Und warum sollten wir Fürbitte halten ? Lassen Sie uns noch kurz über diese beiden Fragen nachdenken. Ich habe einmal folgende Definition der Fürbitte gelesen: „Fürbitte heißt, wir haben das heilige Vorrecht vor Gott, dass wir zu jeder Zeit und an jedem Ort für andere eintreten dürfen.“

Fürbitte ist also ein heiliges Vorrecht, dass wir als Christen haben und keine lästige Pflicht, wie wir so oft meinen. Unsere Fürbitten gelangen direkt über den anderen Menschen hinweg vor den Thron Gottes.

Warum sollten wir Fürbitte halten ? Lassen Sie mich noch ein paar Beispiele nennen. Für Menschen, die noch nicht zum Glauben gefunden haben dürfen wir Fürbitte halten, dass Gott ihnen das Herz für die frohe Botschaft auftut. So lesen wir es auch schon in unserem heutigen Predigttext. Für die Zweifelnden und Menschen in Anfechtung dürfen wir bitten, dass Gott sie durch diese Zeit hindurchführt. Kurzum, für Menschen, die vielleicht im Moment (noch) nicht in der Lage sind mit
ihren Gebeten vor Gott zu treten, dürfen wir stellvertretend Fürbitte halten.

Aber auch für die Großen und Mächtigen dieser Welt haben wir das heilige Vorrecht der Fürbitte. Beten wir doch wieder einmal dafür, dass Gott den Großen und mächtigen Herrschern dieser Welt zeigt, dass Krieg nach Seinem Willen nicht sein darf. Beten wir für die Menschen in Syrien, dass sie wohlbehütet bleiben mögen und nicht einem kriminellen Despoten zum Opfer fallen.

Ich glaube ganz fest daran, liebe Gemeinde, dass wir mit dem Fürbittengebet mehr erreichen können als wir es uns in den kühnsten Träumen vorstellen können. Nutzen wir also dieses heilige Vorrecht.

Mit Dank-, Lobpreis- und Fürbittengebet ehren wir immer wieder unseren Schöpfer und machen UNS bewusst, dass wir nur in der Gegenwart des lebendigen Herrn ein gesegnetes Leben führen können.

Gott an die erste Stelle in seinem Leben hat auch schon der Liederdichter Ignaz Franz gesetzt. Dies beschreibt er sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes „Großer Gott, wir loben dich…“, der da
lautet, wie folgt:

Großer Gott, wir loben dich;
Herr, wir preisen deine Stärke.
Vor dir neigt die Erde sich
und bewundert deine Werke.
wie du warst vor aller Zeit,
so bleibst du in Ewigkeit.

Der Herr segne Dich und behüte Dich;
der Herr lasse SEIN Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig;
der Herr hebe SEIN Angesicht über Dich und gebe Dir Frieden.

Amen

Liebe Gemeinde,

mit dem Aaronitischen Segen möchte ich uns alle unter den Segen des Herrn stellen und uns eine fröhliche neue Woche wünschen.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber