ePredigt zum 12.08.2012 (Jesaja 62, 6-12)

Liebe Gemeinde,

ich grüße Sie alle recht herzlich am heutigen 10. Sonntag nach Trinitatis. Den Predigttext für den heutigen Sonntag finden wir im Propheten Jesaja, Kapitel 62, die Verse 6-12.
Lassen Sie uns diesen Text zunächst gemeinsam lesen:

O Jerusalem, ich habe Wächter über deine Mauern bestellt, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nicht mehr schweigen sollen. Die ihr den Herrn erinnern sollt, ohne euch Ruhe zu gönnen, lasst ihm keine Ruhe, bis er Jerusalem wieder aufrichte und es setze zum Lobpreis auf Erden ! Der Herr hat geschworen bei seiner Rechten und bei seinem starken Arm: Ich will dein Getreide nicht mehr deinen Feinden zu essen geben noch deinen Wein, mit dem du soviel Arbeit hattest, die Fremden trinken lassen, sondern die es einsammeln, sollen’s auch essen und den Herrn rühmen, und die ihn einbringen, sollen ihn trinken in den Vorhöfen des Heiligtums. Gehet ein, gehet ein durch die Tore ! Bereitet dem Volk den Weg ! Machet Bahn, machet Bahn, räumt die Steine hinweg ! Richtet ein Zeichen auf für die Völker ! Siehe, der Herr lässt es hören bis an die Enden der Erde:
Saget der Tochter Zion: Siehe, dein Heil kommt ! Siehe, was er gewann, ist bei ihm, und was er sich erwarb, geht vor ihm her ! Man wird sie nennen „Heiliges Volk“, „Erlöste des Herrn“, und dich wird man nennen „Gesuchte“, und „Nicht mehr verlassene Stadt“.

Liebe Gemeinde,

lassen Sie uns an dem heutigen Sonntag einen zentralen Satz aus dem Predigttext herausnehmen und diesen ein wenig näher betrachten: „Machet Bahn, machet Bahn, räumt die Steine hinweg !“

Dieser Satz, liebe Gemeinde, hat bis zum heutigen Tage nichts an Aktualität eingebüßt. Jesaja meint damit, dass wir uns von allem befreien sollen, was uns von Gott trennt. Wir sollen auch heute immer wieder den Weg frei machen zu Gott, frei von im wahrsten Sinne des Wortes allen Stolpersteinen, die sich auf diesem Wege befinden. Welche dies sind, darüber wollen wir heute morgen gemeinsam nachdenken.

1. Stolz

Schon früh werden wir zum Stolz erzogen. Wir können stolz auf uns sein, wenn wir in der Schule ein gutes Zeugnis erhalten. Wir dürfen stolz sein, wenn wir an unserem Arbeitsplatz gute Leistungen erbringen und von unserem Chef vor allen gelobt werden. Und wir sind stolz auf unsere
Familie, für die wir das schließlich alles machen.

Bei allem Stolz vergessen wir aber häufig, dass es Gott ist, der uns dies alles ermöglicht hat. Stolz ist gefährlich, weil wir uns allein auf uns und unsere Kräfte verlassen. Stolz lässt auch unser Anspruchsdenken wachsen und wir kommen schnell zu der Erkenntnis: „Das steht mir schließlich zu, ich habe es mir erarbeitet.“

Wir müssen aber wieder erkennen, dass alles, was wir haben und sind, ein Geschenk unseres Herrn ist. Wir haben eine tolle Familie. Wer gibt uns den Anspruch darauf ? Niemand ! Wir haben einen ganz tollen Arbeitsplatz erhalten. Wer gibt und den Anspruch darauf ? Niemand !
Es ist alles ein Geschenk unseres Herrn, an dem wir uns erfreuen sollen und für das wir uns bedanken sollen.

Nur wenn wir unser Denken wieder ändern, können wir diesen Stolperstein wegräumen, der uns oftmals die klare Sicht auf Gottes Herrlichkeit und Sein Eingreifen in unser Leben nimmt.

2. Egoismus

„Ich, mich, meiner, mir, Jesus segne diese vier.“ Das ist doch die Einstellung, die heutzutage viele Menschen auch in unseren christlichen Kreisen prägt. Erst wenn es mir so richtig gut geht, dann kommen die anderen an die Reihe.

Wenn ich aber immer nur mich und mein persönliches Wohlergehen in den Mittelpunkt stelle, dann verdränge ich den, der eigentlich unser Lebensmittelpunkt sein sollte, den Herrn Jesus Christus von Seinem Platz. Wenn ich den Thron meines Lebens besteige, dann räume ich IHM allenfalls noch eine Statistenrolle ein.

Jesus wird dann nur noch vorgeholt, wenn mal etwas nicht so richtig rund läuft in unserem Leben. Dann hat Er das gefälligst wieder gerade zu richten. Dafür ist Er ja schließlich da. Sie sehen, Egoismus erzeugt nach und nach auch eine innere Härte. Diese Härte richtet sich vor allem gegen meine Mitmenschen, die mir bei dem Erreichen meines Lebenstraumes im Wege stehen und somit hinderlich sind.

Egoismus lässt uns zudem ungerecht werden. Wir anerkennen gar nicht mehr die oftmals besseren Leistungen unserer Mitmenschen, weil sie uns ja schließlich gefährlich werden können. Und was mir gefährlich werden kann, das muss irgendwie eliminiert werden. Denken wir doch nur einmal
an die ganzen Mobbingfälle, von denen wir immer wieder lesen.

Und dann kommt noch hinzu, dass wir uns als Egoisten auf dem Wege zu unserem Ziele häufig derart verausgaben und in die „Burn-Out-Falle“ laufen.

Wenn wir diesen Stolperstein aus dem Wege räumen und die Bahn wieder frei machen, dann kann der Herr Jesus Christus wieder den Thron unseres Lebens besteigen und dort Seine Königsherrschaft ausüben.

3. Neid

Wenn wir uns nur lange genug umschauen, liebe Gemeinde, dann werden wir immer wieder auf Menschen treffen, die es weiter als wir gebracht haben, die mehr soziale Anerkennung erhalten und die wesentlich reicher sind als wir. Das ist überhaupt nicht schwer. Und dann kommen ganz schnell
die quälenden Fragen: Warum hat der mehr als ich ? Wie ist er daran gekommen ? Warum habe ich nicht genau so viel ?

So entsteht der Stolperstein des Neides. Neid ist insofern gefährlich, weil auch er unsere Herzen verhärten kann. Wir schaffen es nicht mehr, dem Mitmenschen etwas von Herzen zu gönnen, was wir selber nicht haben.

Übrigens, in diese Neidfalle laufen wir ganz schnell hinein. Ich habe einen, ich möchte mal sagen, sehr reichen Nachbarn. Alle zwei Jahre steht ein neuer Porsche und ein neuer Mercedes vor der Türe. Alle zwei Monate fliegt er mit seiner Frau zu den schönsten Plätzen dieser Welt. Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich das nicht auch gerne hätte. Und schon ist der erste Schritt getan in Richtung Neid.

Dem kann ich aber zuvorkommen, indem ich mein eigenes Leben betrachte.
Brauche ich wirklich all das, was mich vielleicht so in den Bann zieht. Hat mir Gott nicht alles gegeben, damit es auch mir gut geht. Anstelle zu nörgeln, sollte ich nicht viel lieber Gott danken für all das, was Er mir in meinem Leben geschenkt hat ? Diese Fragen, liebe Gemeinde, steuern unsere Gedanken sofort wieder in die richtige Richtung.

4. Hilfe

Stolz, Egoismus und Neid sind uns sicherlich alle nicht fremd. Von diesen Verführungen können wir uns niemals so ganz frei machen. Wir können uns nicht wie Münchhausen an unseren eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen. Aber es gab jemanden, der war niemals zu stolz, um anderen
Menschen zu helfen, der hatte niemals an sich selbst, sondern zuerst an die anderen gedacht und der war auch dem reichen Jüngling nicht neidisch. Und dieser Jesus Christus ist für all unsere Sünden, ja, Stolz, Egoismus und Neid sind auch Sünden, gestorben.

Stellvertretend für uns hat Er für all unsere Sünden bezahlt. Und wenn uns die Sünden wieder einmal überkommen wollen, dann können wir uns vertrauensvoll an IHN wenden und IHN bitten, uns vor der Versuchung der Sünde zu bewahren. „Ohne uns Ruhe zu gönnen“, so schreibt es Jesaja
sollen wir alle unsere Nöte und Sorgen vor unseren Herrn bringen und Ihn bitten, uns beizustehen.

Wenn wir uns vor Gott auf IHN und Seinen Opfertod berufen, dann werden auch wir Sein „Heiliges Volk“ und „Erlöste des Herrn“ sein.

Wie ein von Gott durchdrungenes Leben ausschauen kann, das beschreibt der Liederdichter Cornelius Friedrich Adolf Krummbacher sehr schön in dem ersten Vers seines Liedes „Stern, auf den ich schaue…“, der da lautet, wie folgt:

Stern, auf den ich schaue,
Fels, auf dem ich steh,
Führer, dem ich traue,
Stab, an dem ich geh,
Brot, von dem ich lebe,
Quell, an dem ich ruh,
Ziel, das ich erstrebe,
alles, Herr, bist du.

Der Herr nehme den Stolz aus Deinem Herzen und schenke Dir Demut
Der Herr nehme den Egoismus aus Deinem Herzen und schenke Dir Nächstenliebe
Der Herr nehme den Neid aus Deinem Herzen und ersetze ihn durch Großzügigkeit

Amen.

Liebe Gemeinde,

ich wünsche Ihnen allen noch einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die vor uns liegende Woche.

Es grüßt Sie alle recht herzlich
Ihr

Ulrich Naber